The Project Gutenberg eBook of Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen
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Title: Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen
Author: Alfred Martin
Release date: October 11, 2026 [eBook #79761]
Language: German
Original publication: Jena: Eugen Diederichs, 1906
Other information and formats: www.gutenberg.org/ebooks/79761
Credits: Peter Becker and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive)
*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DEUTSCHES BADEWESEN IN VERGANGENEN TAGEN ***
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Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1906 so weit
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(z.B. [427] finden sich als Endnoten im Kapitel ‚Literatur‘ mit der
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ALFRED MARTIN
DEUTSCHES BADEWESEN
IN VERGANGENEN TAGEN
NEBST EINEM BEITRAGE ZUR GESCHICHTE
DER DEUTSCHEN WASSERHEILKUNDE
MIT 159 ABBILDUNGEN NACH ALTEN HOLZSCHNITTEN
UND KUPFERSTICHEN
[Illustration]
VERLEGT BEI EUGEN DIEDERICHS IN JENA 1906
INHALTSVERZEICHNIS
Seite
Das deutsche Bad von der Urzeit bis zur Zeit der Karolinger 1
Badebräuche, die dem Urgermanentum entstammen 10
Baden und Schwimmen unter freiem Himmel 39
Die ehehaften Badestuben und das Badergewerbe 64
Die privaten Bäder 102
Die Vorgänge in den öffentlichen Badestuben 144
Badeleben im späteren Mittelalter und in nachmittelalterlicher
Zeit 172
Rückgang und Aufhören der öffentlichen Badestuben, Ersatz
derselben in der Neuzeit 196
Die deutschen Mineralbäder im Mittelalter und die aus diesem in
die Neuzeit hinübergenommenen Badegebräuche 222
Die Gesundbrunnen in nachmittelalterlicher Zeit bis zum
Dreißigjährigen Kriege 272
Die deutschen Mineralbäder seit dem Dreißigjährigen Kriege. Die
Wasserheilkunde 352
Nachtrag 399
Literatur 408
Verzeichnis der Abbildungen 433
Namenregister 439
Ortsregister 445
DAS DEUTSCHE BAD / VON DER URZEIT / BIS ZUR ZEIT DER KAROLINGER
Tacitus berichtet uns in seiner Germania, „daß die Germanen gleich nach
dem Schlafe, den sie meistens bis in den Tag hinein ausdehnen, sich
öfters baden in warmem Wasser, weil bei ihnen die meiste Zeit über
Winter ist“[1]. Welcher Art das warme Bad war, können wir nur vermuten.
Vielleicht handelte es sich um ein Wasserbad, das durch Hineinwerfen
von heißen Steinen erhitzt wurde, eine Methode, der sich Mitte des
19. Jahrhunderts die Tiroler an der Val-Sinistra-Quelle in Graubünden
noch bedienten, während die Einheimischen längst mitgebrachte
Kessel benutzten[2]. Die Sprachwissenschaft hat uns jedoch gezeigt,
daß das Wort Stube, das erst in späterer Zeit für ein heizbares
Zimmer gebraucht wird, mit dem althochdeutschen stiuban, stioban =
stieben und stoup = Staub, auch stiebendes Wasser zusammenhängt und
ursprünglich eine einfache Vorrichtung zur Erzeugung von Wasserdampf
bezeichnete. Dann ging der Name auf das Badehaus über. Die Deutschheit
und ursprüngliche Bedeutung dieses gemein germanischen Wortes, das
nur gotisch nicht überliefert ist (aber altnordisch, angelsächsisch,
althochdeutsch vorkommt), ist völlig sicher, sagt ~Moritz Heyne~[3].
Durch Goten und Langobarden kam der Name nach Italien (stufa) und wurde
auch von den Slaven übernommen (litt. stuba, altslav. istuba) und damit
auch die Einrichtung der Badestube.
Die erste Erwähnung findet die Badestube in den alten germanischen
Volksrechten. In der noch zur Merovingerzeit entstandenen Lex
Alemannorum wird die Brandstiftung an der Stube mit der an Schaf- und
Schweineställen verglichen, und die Lex Bajuvariorum führt als Gebäude
für sich neben Küche, Backhaus und anderen kleineren Baulichkeiten
den balnearius[A] auf. Die Badestube war demnach ein leicht gebautes,
selbständiges Gebäude. Ihre Einrichtung und Benutzung kennen wir jedoch
nicht.
[Sidenote: _Die slavischen / germanischen und finnischen Dampfbäder_]
Dagegen haben wir eine Schilderung der ähnlich gebauten slavischen
Bäder aus älterer Zeit. Der jüdische Arzt Ibrahim-ibn-Jakub, der
973 mit einer Gesandtschaft des Kalifen von Corduwa bei Otto I. in
Merseburg weilte, besuchte von dort aus slavische Länder, Mecklenburg
und Böhmen. Wo er beobachtete, sagt er nicht, sondern hält sich im
allgemeinen. Sein Bericht lautet: „Bäder haben die Slaven nicht, aber
sie machen ein Gemach von Holz, dessen Ritzen sie zustopfen mit
etwas, das auf ihren Bäumen wächst und wie Wassermoos aussieht und sie
moch[B] nennen. Sie gebrauchen das auch zu ihren Schiffen statt Pech.
In einem Winkel dieses Gemachs bauen sie einen Feuerherd von Steinen
und lassen darüber eine Öffnung, um den Rauch hinauszulassen. Wenn nun
der Herd erhitzt ist, so verstopfen sie das Luftloch und verschließen
die Tür. In dem Gemache sind Gefäße mit Wasser, woraus sie nun Wasser
auf den glühenden Herd gießen, so daß der Dampf aufsteigt. Jeder hat
ein Büschel Heu in der Hand, womit er die Luft bewegt und an seinen
Leib treibt. Dann öffnen sich die Poren und das Überflüssige vom Körper
kommt heraus und läuft in Strömen von ihnen ab, so daß an keinem von
ihnen mehr eine Spur von Ausschlag oder Geschwulst zu sehen ist. Sie
nennen einen solchen Verschlag itba“[3: 312].
[Illustration: Abb. 1. Pörte und Badehaus (rechts) im Kirchspiel
Pihtipudas, Tavastland (Finnland). Holzschnitt aus: ~Gustav Retzius~,
Finland. Stockholm 1881.]
In Anbetracht der Ergebnisse der Sprachforschung, der Tatsache, daß
in den späteren öffentlichen Bädern die Verhältnisse ähnliche waren,
und nach den kurzen Angaben in den Volksrechten müssen wir uns Bauart,
Einrichtung und Gebrauch der Badestuben auf den einzelnen germanischen
Höfen gleich oder ähnlich vorstellen.
Dampfbäder in dieser primitiven Form bestehen heute noch in Rußland,
Esthland, Livland und Finnland[4] (Abb. 1). Die Finnen baden Sommer
und Winter, während der Erntezeit jeden Abend, die ganze Familie mit
dem Gesinde, auch neugeborene Kinder. Selbst der arme Mann muß sein
Badehaus haben, und wenn es auch noch so klein und ärmlich wäre, daß
man nicht einmal darin gerade stehen oder liegen kann. Es ist ein
aus Balken gebautes viereckiges Häuschen mit einem großen Ofen von
Feldsteinen in der einen Ecke, sowie einem hochgelegenen, großen und
breiten Hängeboden oder Bretterregal, der Schwitzbank, auf welche
die Badenden hinaufklettern, um ihr Dampfbad zu nehmen. Der Dampf
wird dadurch erzeugt, daß Wasser schaufel- oder eimerweise von einer
Frau auf den Haufen erhitzter Steine gegossen wird. Dabei peitschen
sich die Badenden mit Birkenreisern und übergießen sich von Zeit zu
Zeit mit kaltem Wasser (Abb. 2). Das finnische Dampfbad ist nach
Angabe einheimischer Ethnographen von auswärts eingeführt, ob von den
slavischen oder germanischen Nachbarn, bleibt zweifelhaft. Es wird im
finnischen Volksepos Kalewala oft erwähnt und eingehend beschrieben,
und dieses Epos entstand erst nach der Einwanderung der Finnen aus dem
Innern Rußlands ins heutige Finnland, also an die germanische Grenze,
die um 800 n. Chr. erfolgte. Auch die Skandinavier hatten nicht näher
beschriebene kleine Badehäuser auf ihren Höfen[5].
[Illustration: Abb. 2. Inneres einer größeren finnischen Badestube.
Holzschnitt aus: ~Gustav Retzius~, Finland. Stockholm 1881.]
[Sidenote: _Ansichten über das germanische Bad der Urzeit_]
[Sidenote: _Das Dampfbad der Völker Amerikas / Die deutschen
Badegefäße_]
Ich bin im Vorhergehenden, soweit die Sprachwissenschaft in Frage
kommt, ~Moritz Heyne~ gefolgt. Nach ihm ist das Dampfbad urgermanisch
und später von den Slaven übernommen worden, eine Ansicht, die vor
ihm schon ~E. Martin~[6], wenn auch nicht in so bestimmter Weise,
vertrat. Dieser Anschauung ist ~Kochendörffer~[7] entgegengetreten, der
die umgekehrten Verhältnisse annimmt und im altgermanischen Bade ein
Wannenbad sieht. Eine weitere Anschauung läßt das Dampfbad als eine
indogermanische Einrichtung gelten[7]. Wir finden es aber auch bei
den Völkern Amerikas. Meist sind es steinerne Gebäude, bisweilen so
kleine, daß nur 1 oder 2 Personen darin Platz haben. Sie werden mit dem
aztekischen Worte Temescal oder mit dem spanischen Estufa bezeichnet.
Die Glut wird darin mit Wasser besprengt. Die Indianer Guatemalas
schlagen sich selbst oder gegenseitig während des Bades mit Zweigen,
die sie vorher in eine Schüssel mit heißem Wasser getaucht haben. In
den größeren Dampfbädern Neu-Mexikos finden sich in der Mitte ein
viereckiger Steinherd und ringsherum Bänke[232].
Es muß befremden, daß die von Ibrahim-ibn-Jakub geschilderte
Einrichtung diesem erst auffällt, als er die germanisch-slavische
Grenze überschreitet, nachdem er sich vorher in deutschen Ländern
aufgehalten hat. Zudem sind die ersten schriftlichen Zeugnisse über
germanische Bäder nur Belege für Wasserbäder, so daß die Möglichkeit
nicht von der Hand zu weisen ist, daß die germanischen Badehäuser
Wannen enthielten und später erst die slavischen Dampfbäder eingeführt
wurden, vorausgesetzt, daß der viereckige Herd und die Bänke auf
dem noch zu besprechenden Bauriß des Klosters St. Gallen nicht eine
Dampfbadeeinrichtung darstellen, die neben den Wannenbädern bestand.
[Illustration: Abb. 3. Taufe des Herzogs Rathold von Friesland.
Holzschnitt aus: ~Stumpf~, Schweizerchronik. Zürich, Froschauer, 1548.]
[Sidenote: _Das Taufen in Badegefäßen / Die Bäder im Kloster St.
Gallen_]
Das zum Wasserbade benutzte Gefäß war in alter Zeit nur kreisrund und
dem Namen stunz nach aus einem ausgehöhlten Baumstamme hergestellt
(~Heyne~). Bei den schon erwähnten Quellen im Val Sinistra fand sich
noch 1874 ein halbverfaulter Baumstamm vor, der von den Landleuten aus
der Umgebung und Tirolern bis in die 60er Jahre als Badewanne benutzt
worden war (s. auch später). Im Bauriß des Klosters St. Gallen[8]
vom Jahre 820 sind die Badegefäße rund gezeichnet (Abb. 4, 5). Diese
Form hat sich bis heute im Taufstein erhalten, der wohl ursprünglich
in seinem Äußern der Badewanne glich; ja man benutzte Badewannen zum
Taufen. Herzog Rathold von Friesland zog es vor, nachdem er schon
mit dem einen Fuß „in den Zuber und die Tauf getreten war“, dereinst
ungetauft zur Hölle zu fahren, weil er dort mehr Menschen als im Himmel
antreffen würde[9] (Abb. 3). Eine Massentaufe von Pommern in Kufen
oder Fässern, die zum bequemen Einsteigen der Täuflinge in die Erde
eingegraben waren, beschreibt ~Herbord~ im Leben des Bischofs Otto von
Bamberg (1124)[10]. Das Salzburger Antiphonar aus dem 12. Jahrhundert
bildet den heiligen Rupertus ab, wie er erwachsene Heiden in einem
runden Holzfasse tauft[532]. In ärmeren Gemeinden versah noch in
späteren Zeiten die Badewanne die Stelle des Taufsteins. Der Verfasser
der Stretlinger Chronik, ~Eulogius Kiburger~, Kirchherr des Paradieses
zu Einingen (Kanton Bern) erwähnt, daß er im Jahre 1446 einen Taufstein
machen ließ, da man vorher in einem „hölzernen Stande oder Kübel“
zu taufen genötigt war[11]. ~Maaler~ übersetzt 1561 Baptisterium mit
Badstein[162]. Nach dem Nürnberger Meistersinger ~Hans Foltz~ muß der
Vater „ein padmulter“ zur Taufe kaufen[12].
[Illustration: Abb. 4. Aus dem Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahre
820.
_a_: subtus calefactoria domus supra dormitorium (unten der Warmraum,
oben der Schlafsaal). _b_: lecti similiter (Betten und ähnliches).
_c_: caminus ad calefaciendum (Kamin zum Heizen). _d_: evaporatio fumi
(Ableitung des Rauches). _e_: egressus de pisale (Ausgang aus dem
Warmraum). _f_: balneatorium et lavandi locus (Bad und Waschraum). _g_:
exitus ad necessarium (Ausgang zum Abtritt). _i_: sedilia (Abtritte).
Nach ~Keller~.]
[Sidenote: _Die Bäder im Kloster St. Gallen_]
Im Kloster St. Gallen waren für die Wannenbäder eigene Zimmer
vorgesehen, die in Verbindung mit anderen Einrichtungen in
freistehenden Gebäuden untergebracht waren. Vom Wohnhaus der Brüder
führte ein langer Gang (egressus de pisale) zu einem kleinen Gebäude
(balneatorium et lavandi locus), das einen Wasch- und einen Baderaum
enthielt. Der Grundriß zeigt in ersterem einen viereckigen Herd, an
den Wänden ringsherum Bänke. Durch eine Bogentür gelangte man in den
Baderaum mit 2 runden Badegefäßen; auch hier waren an den Wänden Bänke
aufgestellt (Abb. 4_f_). Über diese Räumlichkeiten sind wir durch
St. Galler Schriftsteller genauer unterrichtet. Das Wohnhaus der
Brüder (Abb. 4_a_) enthielt nach dem Baurisse im oberen Stockwerke
den Schlafsaal (dormitorium), im unteren einen Warmraum (calefactoria
domus), der durch einen Kamin (_c_, caminus ad calefaciendum) geheizt
wurde. Auffallenderweise liegt der Abzugskanal des Rauches (evaporatio
fumi, _d_) nicht über diesem. Die Entfernung des Schornsteines läßt
darauf schließen, daß der Rauch und die mit ihm gemischte heiße
Luft auf dem Wege zu diesem noch Verwendung fand und vielleicht zur
Erwärmung des Zimmers diente, indem er den hohl angelegten Fußboden
durchstrich, daß also eine Hypokaustanlage nach römischem Muster
vorlag. In kleinerem Maßstabe besaßen sie die innere Schule und
das Krankenhaus. Gestützt wird diese Ansicht durch die Erwähnung
eines Hypokaustes im St. Galler Codex No. 915[13], allerdings als
Reinigungsort für Hände und Kopf. Dies widerspricht scheinbar den
Angaben im Bauriß. Doch gibt uns der 4. ~Ekkehart~ in seinen Casus
St. Galli (wahrscheinlich 1053 vollendet) Aufschluß[13]. Er berichtet
von einer Untersuchung der Klosterzustände durch eine kaiserliche
Kommission. Diese gelangt auch in den Warmraum (pyrale)[A], in
diesem in das lavatorium und in die dem Warmraume zunächstliegende
Schreibstube, „und“, fährt ~Ekkehart~ fort, „sie versicheren, daß
diese 3 Räumlichkeiten vor allen, welche sie jemals gesehen, die
regelrechtesten seien“. Das lavatorium liegt also im Warmraume und
ist doch eine selbständige Räumlichkeit. Das stimmt mit dem Bauriß
gut überein. Wir müssen demnach die Vorgänge, die sich im Warmraume
abspielen und zu Baden und Waschen Beziehung haben, in jenen durch
einen Gang mit dem eigentlichen Warmraume verbundenen kleinen
Bau verlegen, den der Bauriß als balneatorium et lavandi locus
bezeichnet[C]. Hier ließ Bischof Adalbero von Augsburg im Jahre 908
(St. Galler Codex No. 915) bei seinem Besuche als Geschenke für die
Mönche elfenbeinerne Kämme an ehernen Ketten aufhängen, denen er für
jeden einzelnen Handtücher hinzufügte. Wo sich in diesen Räumen die
Rute befand, und ob sie zum Bade benutzt wurde, läßt sich nicht sagen;
jedenfalls wird sie nur als Prügelinstrument erwähnt (s. Anm. S. 6).
Kehren wir zu den Badeanlagen auf dem Bauriß zurück. Westlich vom
Gebäude der inneren Schule, aber durch eine Gasse von diesem getrennt,
stand die Küche der Studenten mit einem Herd in der Mitte. Neben ihr
und unter demselben Dache befand sich ein Badezimmer (Abb. 5) mit
4 Wannen, 2 Bänken und einem Feuerherde in der Mitte. Ein ebenso
eingerichtetes Gebäude gehörte zum Krankenhaus; nur diente hier die
Küche noch zum Aderlassen. Ein viertes Bad (Abb. 6) war im Gesindehaus,
das aus Küche, Speisekammer, Badezimmer und 3 hinter diesen gelegenen
kleineren Kammern bestand. Hier fehlten die Badegefäße. Neben diesen,
lediglich zu Wasch-und Badezwecken dienenden Räumen boten auch andere
Zimmer Badegelegenheit. So erzählt uns ~Ekkehart~ eine köstliche
Badegeschichte, die im Haus der Fremden und Armen (domus peregrinorum
et pauperum auf dem Bauriß) spielt, die hier folgen soll.
[Illustration: Abb. 5. Aus dem Bauriß des Klosters St. Gallen vom
Jahre 820. _a_: balneatorium (Bad). _b_: coquina eorundem (Küche der
Studenten). Nach ~Keller~.]
[Illustration: Abb. 6. Aus dem Bauriß des Klosters St. Gallen vom
Jahre 820. _a_: coquina (Küche). _b_: cellarium (Speisekammer). _c_:
balneatorium (Bad). _d_, _e_, _f_: cubilia famulantium (Kammern der
Diener). Nach ~Keller~.]
[Sidenote: _Heilung eines Hysterischen im Bad des Klosters St. Gallen_]
„Weil aber auch ~Ekkehart~ (I.) selbst an sich Almosener war,
werden wir von ihm etwas Ergötzliches erzählen. Da ~Ekkehart~ einen
gewissen Mann von der Hausdienerschaft zu dem Zwecke bestimmte, daß
derselbe, wenn ihm von jenem etwa Arme oder Fremde bezeichnet würden,
dieselben heimlich in dem dazu bestimmten Hause wüsche und schöre, die
Bekleideten erfrischte und bei Nacht von sich entließe, mit dem Befehl,
es keinem Menschen zu sagen, geschah es eines gewissen Tages, daß er
demselben nach Gewohnheit einen Lahmen, einen Wälschen von Geschlecht,
welcher auf einer Karre herbeigefahren worden war, anvertraute. Als
nun jener den Kranken, welcher nämlich ein dicker und starker Mann
war, mit aller Anstrengung seiner Kräfte mit Mühe in das Badegefäß
vorwärts gewälzt hatte und, wie er geheißen war, die Türe hinter ihnen
beiden allein verschloß, sprach er — denn er war zornmütig — unter
Schimpfworten: „Fürwahr, heute weiß ich keinen einfältigeren Menschen
als meinen Herrn, welcher nicht zu unterscheiden weiß, wem er wohltun
soll, und auch mir einen so fetten Schlemmer auf den Rücken zu heben
aufgebürdet hat.“ Da aber dem Lahmen das Wasser des Bades allzu warm
zu sein schien, sagte er in seiner bäurischen Weise: „Cald[D], cald
est!“ Aber jener antwortete, weil das in der Sprache der Deutschen:
Es ist kalt — bedeutet: „Und ich will ihm warm machen“, und er goß
aus dem vor Hitze wallenden Kessel geschöpftes Wasser in das Bad
hinein. Jener jedoch rief mit schauerlichem Geschrei: „Ei mi! Cald
est, cald est!“ „Ja wahrhaftig“, sprach der Diener, „wenn es noch kalt
ist, so will ich, bei meinem Leben, es dir heute warm machen“, und er
schöpfte noch glühenderes Wasser und goß es hinein. Wie jedoch jener
die Hitze des wallenden Wassers zu ertragen nicht aushielt, vergaß er
seine Lahmheit und erhob sich rasch, sprang aus dem Bade, um die Tür
aufzuschließen und zu entfliehen, kämpft aber nach schnellem Laufe eine
Zeitlang mit dem hemmenden Riegel. Allein auch der Diener, wie er nun
den Mann als einen Betrüger vor sich sah, riß, schneller als ein Wort,
vom Feuer ein halbbrennendes Scheit und schlug dem Nackten schwere
Streiche ohne Zahl auf.“
Aus dieser Darstellung erfahren wir, daß man das Wasser im Kessel
erwärmte und in die Badewanne schöpfte, und des weiteren, daß mit
dem Baden das Scheren, d.❆h. das Rasieren verbunden wurde. Der
Ruodlieb (gedichtet um 1030) erzählt uns, wie ein Held und sein junger
Verwandter sich im Bad rasieren, dann die Bütte verlassen und sich
im Bademantel aufs Bett legen bis die Hitze weicht[6]. Diese große
Toilette fand in der Regel vor Feiertagen und festlichen Gelegenheiten
statt; denn man badete nicht täglich. Kaiser Ludwig der Fromme nahm
jeden Samstag ein Bad, wie uns der Mönch von St. Gallen[E] berichtet,
und von demselben erfahren wir, daß ein Diakonus, ehe er vor Karl dem
Großen das Evangelium las, früh ein Bad nahm, sich den Bart ganz glatt
abnehmen ließ, die Nägel reinigte und die Haare ganz kurz schnitt.
[Sidenote: _Baden vor dem Feste / Baden der Geistlichen_]
Der heilige Benedikt gestattete in seiner 515 entworfenen Ordensregel
den Ordensbrüdern mäßigen Gebrauch der Bäder. Kranke sollten baden, so
oft es der Zustand erforderte, junge Leute nur selten. Die Hirsauer
Mönche badeten bloß zweimal im Jahre, vor dem Weihnachts-und dem
Pfingstfeste (~Wilhelm~, Hirsaugens., gest. 1091), Kranke jedoch nach
Bedürfnis. Der heilige Udalrich (gest. 973), Bischof von Augsburg,
badete nur Samstags vor den Fasten, in der Mitte derselben und am
Karsamstage[16].
[Sidenote: _Baden von Armen und Kranken / Enthaltung vom Bade_]
Das Bad vor dem kirchlichen Feiertag galt als geistige Reinigung;
denn als sich die Eltern des gelehrten St. Galler Mönchs ~Iso~ (gest.
871) nach dem Bade gegen kirchliche Einrichtungen vergingen, badeten
sie zum zweiten Male (~Ekkehart~). Überhaupt wurden begangene Sünden
durch das Bad „abgewaschen“, und als eine besondere Buße galt es, Arme
und Pilger zu baden. Ein Bischof von Neustrien, der zur Fastenzeit
Fleisch gegessen hatte, forderte am heiligen Osterabend aus der ganzen
Stadt viele Badewannen zusammen und ließ allen Dürftigen bis zum Abend
warme Bäder darbieten. Er selbst nahm jedem einzelnen den Bart ab und
reinigte mit seinen Fingern die Geschwüre ihrer borstigen Körper.
Zuletzt ging er selbst ins Bad und stieg mit gereinigtem Bewußtsein
daraus hervor (Mönch von St. Gallen). Auch die heilige Wiborad, eine
Klausnerin beim Kloster St. Gallen (gest. 925), badete Arme.
~Zappert~[16] führt zahlreiche Beispiele aus dem 10. bis 13.
Jahrhundert an, nach denen hochgestellte Personen weltlichen und
geistlichen Standes (die Bischöfe von Mainz und Utrecht, die Gemahlin
Kaiser Heinrichs I., die Tochter Kaiser Ottos II., die Mutter Kaiser
Heinrichs IV., die heilige Elisabeth) durch Baden von Armen und Kranken
Barmherzigkeit übten. Aus diesen Quellen, wie auch aus dem Mönch von
St. Gallen, ersehen wir, daß der Aussatz schon vor den Kreuzzügen bei
uns Einkehr gehalten hatte und mit Warmwasserbädern behandelt wurde.
Gesunden galt Baden für eine Hauptannehmlichkeit des Lebens, und den
Klosterschülern von St. Gallen war solches an ihren Ergötzungstagen
eine ihrer Hauptfreuden, wie uns ~Ildefons von Arx~ für den Zeitraum
von 920–1076 berichtet[17]. Deswegen wurde Enthaltung vom Bade als
kirchliche Strafe auferlegt, was wir noch im 12. Jahrhundert antreffen.
Der exkommunizierte Kaiser Heinrich IV. brachte die Weihnachtsfeiertage
1105 in Bichelsheim non balneatus et intonsus — nicht gebadet und
ungeschoren — zu, und der Teichner klagt im 14. Jahrhundert, daß
Wallfahrer, die doch zu den Büßenden zählen, sich scheren und „gen
gein pat“[16]. Aus diesem Grunde enthielt man sich zur Fastenzeit des
Bades (~Ekkehart~), und besonders fromme Personen verzichteten dauernd
auf den Genuß desselben. Der Bischof Reginard von Lüttich (gest. 1037)
badete nie, und die heilige Elisabeth erklärte mit dem Eintauchen eines
Fußes in das Wasser das Bad für beendet, als sie sich auf Zuspruch
endlich entschlossen hatte, ein solches zu nehmen[16]. ~Cäsarius von
Heisterbach~ erzählt, wie ein frommer Mönch eine Weltdame, die in
sündiger Liebe zu ihm entbrannt war, auf immer dadurch heilte, daß er
ihr seinen von Unsauberkeit und Ungeziefer starrenden Körper zeigte[18].
[A] Der balnearius ist ein Gebäude und nicht, wie öfters übersetzt
wurde, der Bademeister. Dieser tritt erst später auf.
[B] Das slavische Wort moch wird heute noch in der Gegend der
Untermulde für kurzes Moos gebraucht; mochig ist dumpf, feucht.
[C] Der Warmraum ist fälschlicherweise von ~Du Cange~ und ~Meyer von
Knonau~ als Kapitelsaal bezeichnet worden. Dem Bauriß nach wurde
als solcher der an der Kirche hinlaufende Flügel des Kreuzganges
benutzt. ~Kochendörffer~[7] trat der Ansicht der beiden Forscher
entgegen und gab folgende Erklärung: „Wenn es im Cod. Sangall.
nr. 915 heißt ad mundandas manus et capita, cui in hypocausto
locus erat, so geht daraus erstens hervor, daß die Mönche sich im
hypocaustum wuschen, und zweitens, daß der Waschraum der Mönche nach
Art des alten laconium geheizt wurde, oder mit anderen Worten, da
eine derartige Heizung keinen anderen Zweck haben konnte, daß die
Mönche ein dem römischen ähnliches Schwitzbad hatten.“ Der Warmraum
hieß im Mittelalter auch pyrale, und da ~Ekkehart~ gelegentlicher
Züchtigungen die im pyrale aufgehängte Rute erwähnt, ~Kochendörffer~
diese als Badegerät auffaßt, glaubt er einen weiteren Beweis für
die Benutzung des Warmraums als Bad zu erbringen. Er geht dabei
von der falschen Voraussetzung aus, daß eine Hypokaustanlage nur
mit einem Schwitzbade verbunden sein könne. Wir wissen aber, daß
in den römischen Villen nordwärts der Alpen auch die Wohnzimmer
durch Fußbodenheizung erwärmt wurden im Gegensatz zum Badezimmer,
das auch Wandheizung besaß[13]. Für ein Schwitzbad im Kloster St.
Gallen haben wir keinen Anhalt. Es ist die Möglichkeit nicht von
der Hand zu weisen, daß in kleineren Klöstern Waschen und Baden im
Warmraume selbst vorgenommen wurde, fand doch in anderen Klöstern
(z.❆B. in Wettingen) der Aderlaß im calefactorium statt, während
auch hierfür St. Gallen seinen eigenen Raum besaß. In jüngster Zeit
hat ~Stephani~[14] zwar nicht im Warmraume, sondern in dem als
balneatorium et lavandi locus bezeichneten Hause eine Badeanlage
nach römischem Muster gesehen. Während er auf Grund der Mitteilungen
~Ekkeharts~ für das 10. Jahrhundert Wannenbäder annimmt, läßt er
diese, obwohl sie der Mönch von St. Gallen[15], wenn auch nicht im
Kloster St. Gallen, erwähnt, für das 9. Jahrhundert nicht gelten.
Wohl auf Grund der Sprachforschung kommt er zu folgender Deutung
der betreffenden Stelle des Baurisses: „Durch die im Badehause
eingezeichneten Kreise werden nicht Badewannen, oder richtiger gesagt
Badefässer angedeutet, sondern runde Steinöfen, welche erhitzt und
mit Wasser begossen Dampf stäubten. Mithin konnten in dem Badehause
nicht Wasser-, sondern ausschließlich Dampfbäder genommen werden. Der
dem Baderaume korrespondierende, wörtlich als Waschhaus bezeichnete
Raum scheint jedoch nicht das gewesen zu sein, was wir heute unter
diesem Worte begreifen, ein Haus zur Reinigung der Wäsche, sondern
vielmehr ein Raum zur Vornahme kalter Abwaschungen (frigidarium),
welche römischer Sitte gemäß nach dem Dampfbade genommen wurden.“
Auch glaubt ~Stephani~, um eine weitere Übereinstimmung mit
dem römischen Bade geltend zu machen, daß in Abb. 5 die Küche
wahrscheinlich als Auskleideraum (apodyterium) gedient habe. Vergl.
damit meine obigen Ausführungen.
[D] cald, calidus = warm.
[E] Als Kaiser Karl der Dicke 883 das Kloster St. Gallen besuchte,
forderte er den „Mönch von St. Gallen“ auf, die ihm von alten Brüdern
überlieferten Geschichten aufzuzeichnen[15].]
BADEBRÄUCHE / DIE DEM URGERMANENTUM ENTSTAMMEN
Ehe wir die geschichtliche Entwicklung des Badelebens weiter verfolgen,
müssen wir hierher gehörige Bräuche und Sitten besprechen, die
teilweise bis in die jüngste Zeit bestanden oder noch bestehen und zu
einem beträchtlichen Teile im Urgermanentum wurzeln.
[Sidenote: _Das Frühlingswasser_]
Die Ankunft des Sommers, des Maies oder, wie wir jetzt sagen, des
Frühlings wurde von alters her festlich begangen. Das Eintreten des
Sommers erfolgte aber nicht auf einen bestimmten Tag des Jahres,
sondern wurde nach zufälligen Zeichen wahrgenommen, aufblühenden Blumen
oder anlangenden Vögeln[19]. Im Gebirge trat noch das Hervorsprudeln
der Quellen hinzu, die im Herbst versiegt waren, der Maibrunnen (fontes
majales). „Sie quellen gemeinlich in dem Meyen einsmahls, und mit
solchem Geräusch hervor, daß, wer darbey stehet, erschricket“, sagt
~Scheuchzer~[20]. Von einem solchen oberhalb Schwanden im Glarnerland
gelegenen Quell berichtet er: „Es gewahren die Anwohner von disem Bach,
daß er nicht anfangt fließen, bis der Winter völlig vorüber, und keine
rauhe Winterkälte mehr dahinden, daß daher der Fluß dises Wassers
angesehen wird als ein Zeichen der vorstehenden Frühlingswärme“, und
~Paracelsus~[21] glaubt vom Pfäferswasser, seine Verjüngung gehe mit
dem Frühling an und terminiere sich mit dem Winter, es wachse mit den
Kräutern und sterbe mit ihnen ab. Diese Ansicht scheint heute noch im
Volk zu herrschen und deshalb schon vor ~Paracelsus~ bestanden zu
haben, obwohl sie nicht den Tatsachen entspricht. Vor der Herstellung
der heutigen technischen Anlagen blieb das Wasser wohl mehrmals des
Winters aus, floß aber auch zuweilen, so 1596 und 1628[20], und der
als Chirurg bedeutende Berner Stadtarzt ~Fabricius Hildanus~ (geb.
1560) war der Ansicht, des ~Paracelsus~ Ausspruch sei nur bildlich zu
nehmen[22]. Auch das Leuker Thermalwasser nahm im Mai dem Volksglauben
nach an Heilkraft zu, und die Anwohner von Sitten gebrauchten es zu
~Scheuchzer~s Zeit, wenn es „in dem Meyen etliche Tag nacheinander von
weißer Kalck-Materi“ trüb lief, „sonderlich, weilen sie es zur selben
Zeit am kräftigsten zu seyn bedunken, vornehmlich, wann der April
und Meymonat einen großen Grad der Wärme außgehalten“. Der Glaube an
eine besondere Heilkraft der Bäder im Frühjahr war weit verbreitet
und nicht nur auf germanische Länder beschränkt; auch im Gebiete der
welschen Zunge, an den Wormser Thermen (Bormio) im Veltlin lockten die
ersten warmen Frühlingstage schon zu Ende Januar und Anfangs Februar
zahlreiche Scharen von Talbewohnern zu den naturwarmen Quellen von S.
Martino[23].
[Illustration: Abb. 7. Wasserbad. Holzschnitt von ~Urs Graf~ aus:
Kalender des Doctor Kung (Kungsberger). Zürich, Hans am Wasen. 1508.]
[Illustration: Abb. 8. Schmausen und Zechen von Mann und Frau im
Wasserbad. Holzschnitt aus dem Kalender von 1481. Augsburg, Johannes
Blaubirer.]
Nicht die Schule von Salerno mit ihren im 12. Jahrhundert aufgestellten
Gesundheitsregeln hat das Maibad im Mittelalter und der nachfolgenden
Zeit zu Ansehen verholfen. Es war uralte Sitte, die durch den Glauben
an die heilende und stärkende Kraft der wieder erwachenden Natur
erstand und aufrecht erhalten wurde, sei es im naturwarmen oder
erwärmten Quell oder den Maikräutern, die dem Wannenbad zugesetzt
wurden.
„Man sagt wol: in dem meien
da sind die brünlein gsund“,
wenn’s auch der zechende Sänger dieses Volksliedes nicht glaubt[24].
„Arbeyten in dem Meyen ist dir nit schad
Loss dyn odern vnd mach ein lustiges bad“,
sagt das Straßburger Regimen sanitatis vom Jahre 1505[25]. Und wie
lustig es im Maienbade zuging, zeigen die Illustrationen aus jener
Zeit. Gewöhnlich stellen sie das Gegenteil von dem dar, was der Text
sagt. Verboten auch die Ärzte Essen und Trinken während des Bades,
setzt auch Urs Graf seinem Bilde im Züricher Kalender von 1508 die
Worte vor: „Ich bad nach des artzet lere“, dem Badenden läßt er doch
den Becher reichen (Abb. 7)[26]. In der Regel saßen Mann und Frau im
Bad und schmausten und zechten am „zwerchen Standenbrett“ (Abb. 8 und
andere), das im 17. Jahrhundert noch seinen Sänger fand:
„Das zwerche Standenbrett ist eines Bäders Tisch,
Der nicht ist Vogelscheuch; liebt Hüner, Krebs, und Fisch“[27].
[Illustration: Abb. 9. Darstellung des Planeten Venus. Holzschnitt aus
dem 15. Jahrhundert. Berliner Blockbuch.]
[Sidenote: _Beziehung des Badens zur Venus_]
[Sidenote: _Das Maibad_]
Auch das Liebesspiel der Maifeste durfte im Bad nicht fehlen. In einem
geistlichen Lied des 15. Jahrhunderts findet sich folgende Strophe:
„Gar warm solt du dich halten
vnd dich nit lon erkalten
noch diser mynne bad.
Din baden bůle sye
die allerschönst Marie,
ein gott vnd namen drye
mit andocht zů dir lad“[28].
Diese Verse ins Weltliche übertragen, würden die Badebuhlen in keinem
günstigen Lichte erscheinen lassen. Wir besitzen genug Illustrationen,
die das belegen. Sehen wir von tendenziösen Übertreibungen, wie
Virgil Solis Wiedertäuferbadstube ab, so betreffen die Darstellungen
zügellosen Liebeslebens ausschließlich Wannenbäder, und Wannenbad
findet sich meist gleichbedeutend mit Maibad gebraucht. ~Hans Sachs~
sieht im großen Höllenbade die Hurer und Ehebrecher paarweise im
Vollbad sitzen[29], und ~Thomas Murner~s Illustration zum „lürlesbad“
(Narrenbad, Schilderung der Hölle) in der Narrenbeschwörung (1512)
zeigt Mann und Frau in der Bütte. Der Mann hält einen Maiblumenstrauß
in der Hand[30]. Sämtliche Darstellungen des Planeten Venus haben
Bäder, meist Wannenbäder (Abb. 9 u. 10), nur bei ~Beham~ wird in einem
Teiche unter freiem Himmel gebadet.
In den Kurorten sah es ähnlich aus.
[Illustration: Abb. 10. Darstellung des Planeten Venus. Holzschnitt
aus: Eyn nyge Kalender recht hollende, 1519. Lübeck, Steffen Arndes.]
Jm meyen farend wir gen baden (in der Schweiz)
Lug das der seckel sy geladen
Denn das bad hat solche art
Wer mit wybren daryn fart
Vnd bringt nit pfenniggelt domit
So würckt dasselbig bad do nit
Denn syn natürlich würckung thut
Das du verdouwest gelt und gut.“
höhnt ~Murner~ 1519 in der Geuchmatt[31]. Das Liebesspiel konnte aber
auch durchaus harmloser Natur sein. In dem auf der Wolfenbüttler
Bibliothek befindlichen Reisebuche ~Hansens von Waldheim~, Ratsmeisters
zu Halle an der Saale, das ungefähr um 1474 geschrieben wurde,
berichtet dieser von seiner in der Pfingstwoche begonnenen Badekur
zu Baden in der Schweiz. Adlige und geistliche Herrn nahmen ihn in
ihr Privatbad auf, und einer derselben, „Hans von Emsz, rittere szu
Friborg, in deme Breiszkouwe wohnhafftigk, eyn rad des hochgebornen
fürsten herczogin Albrechtis, erczherzogen in Osterich“ bat ihn in sein
Haus und tat ihm viel Ehre und Gutes „und“, fährt ~Waldheim~ fort, „gab
mir syne huszfrawe zou eynem meyenbulen“[32].
[Sidenote: _Baden und Maispiele_]
Die älteste Darstellung des Maibades möchte ich in einem Bilde
der sog. Mannessischen Handschrift, jetzigen großen Heidelberger
Liederhandschrift, sehen, das aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts
stammt (Abb. 45)[33]. Auf blumenbedeckter Wiese sitzt der alte Herr
Jakob von Warte in der Badekufe im Schatten einer Linde, deren grüne
Laubkrone singenden Vögeln zum Aufenthalte dient. Soll das etwas
anderes darstellen als den Lenz, den die Minnesänger so oft besungen?
„Es get gen des maien zeit,
Die uns neue freüde geit.
Die vogl alle singen,
Die plüml schön entspringen.
Jch sag euch fürwar das,
Es grünet schon laub und gras,
Der summer uns vil nahen leit.“
So die Schilderung in ~Neithart~s Veilchen[12]. Und wie im späteren
Maibade darf hier der Becher nicht fehlen, den eine Jungfrau dem Ritter
darbietet. Eine andere setzt ihm den Kranz auf den kahlen Scheitel, und
ich möchte ihr mit demselben Liede ~Neithart~s die Worte der fünften
Jungfrau Afra in den Mund legen:
„Jch han eu im herzen hold.
Mein maienpuel solt ir sein,
Jch pin eur und ir seit mein.
Was mir in ern wol an stat,
Daß will ich laisten fruo und spat.
Wer mich mit eren ganzlich maint,
Mit dem so will ich sein veraint.
Wir süllen frölich hie nun leben.
Jch will euch das kranzlein geben.“
Man führe gegen diese Deutung des Bildes nicht an, daß der dargereichte
Kranz aus Rosen gewunden ist. In dem angeführten Neithartspiele
wird aller Naturwissenschaft zum Trotz vor dem Auffinden des ersten
Veilchens zweimal der „Rosenkranz“ als Tanzpreis (für Mann und
Jungfrau) ausgesetzt. Der Begriff „Rose“ wurde in einem weiteren
Sinne als heute gebraucht; auch die Veilchen werden als „Veiolroesen“
bezeichnet. Vielleicht war Rose gleichbedeutend mit wohlriechender
Blume, und deren Darstellung geschah unter dem Bilde der Rose.
Bei der Hildesheimer „Maigrevenfahrt“ erhält der Maigreve einen
Kranz und bewirtet die Holzerben. In der kölnischen „Holzfahrt“
mußte der von den Bürgern gewählte „Rittmeister“ von Kopf bis zu Fuß
gewappnet sein, und nach dem nicht näher beschriebenen Zug in den
Wald wurde ihm ein Kränzchen aufgesetzt, wofür er ein Gastmahl zu
geben hatte, das wieder „Kränzchen“ hieß[34]. Dies Kränzchen finden
wir unter den Badegebräuchen in der „Morgensuppe“ zu Baden in der
Schweiz wieder (Abb. 87); es kam sogar unserem heutigen dadurch
näher, daß der Gastgeber abwechselte und das Kränzchen der Reihe nach
umging. ~Pantaleon~[35] berichtet 1578: „Man bettet vor vnd nach der
morgensuppen vnnd dancket dann mit einem kurtzweiligen Lied dem Wirt,
damit er lang mit ehren lebe, biß er jnen wider gibt. Nach disem
bestellet man ein anderen Wirt, auff welchen die ordnung kommet, setzet
jm einen Krantz auff, vnd dröwet jhm in dem gesang man wölle morgen
zu jm kommen, mit Pfeyffen vnd mit Trommen“. In „Ein badenfart guter
gsellen“[36] heißt es darum:
„Also lieber Vintzentz von Bernn
gib ich dir das krentzli gernn
Das du morn sigist vnser wirt.“
und
„All vol lassend vns frölich singen
ich wil den krantz dem basler bringen
Vnd jm den setzen vff mit pracht
lůg heinrich das die sup werd gmacht.“
Als man nicht mehr ausschließlich im Mai badete, hielt man natürlich
die Morgensuppe die ganze Badesaison hindurch. Nach dem Meistersinger
~Hans Foltz~[37] konnte man sich in Baden zwar im „meyen zuo vorauß“,
aber auch im Herbst „ermeyen“.
[Sidenote: _Baden in der Walpurgisnacht zu Pfäfers und im Baseler
Gebiete_]
Das Maibad steht mit dem altgermanischen Heidentum in enger Beziehung.
Das Landvolk aus der Umgebung von Pfäfers wickelte noch 1631 seine
Maibadekur in einer einzigen Nacht ab und zwar zu Walpurgis. „Vnder
andern, so pflegt auff den ersten Tag Maij, alten Calenders, ein
vnzehlbare menge Volcks, zu Vesper vnd Abendts zeit, auß allen
benachbarten Dörffern, Thälern vnd Gebirgen, mit einem Wort alles
gemein, vnnd lauffige Gesinde, theyls Gesund(heits), theyls Lust vnd
Fürwitz halber, herbey zukommen, in die Badschwämme, einzusitzen, vnnd
die gantze Nacht, darinn wachtsamb zuzubringen, auch dise Nachtfrist,
einer gantzen Bad Chur, jhres Sinns abzuschätzen; Alsdann, folgenden
Morgen, wann sie abreisen wöllen, jhre Hembter, zuvor in das Badwasser
wol einzutrucken, vnd also anzuziehen, mit mainung, einer mit sich
hinweg tragenden großen gefunden Krafft, welches gleichfalls auch
fürnehmer vnnd Edler, mit einnetzung jhrer Hembter vnnd Leylacher, zu
jhrem Abzug pflegen[349].
[Sidenote: _Der Glaube an das Maibad und dessen Bekämpfung_]
Sonst finde ich Maibäder in diesem Sinne neben anderen, später zu
erwähnenden nur noch im Baseler Gebiete[A]. Hauptsächlich kam das auf
der Jurahöhe, damals schwierig zugängliche Bad Ramsen in Betracht. Die
Kirchenbehörde kämpfte vergeblich gegen den Brauch. 1572 findet sich in
den Akten die Angabe der Prediger im Amte Homburg, in deren Sprengel
das Bad lag: Bei dem Bad Ramsen „tryben sy uff den mey und Sant Johans
oben Superstitiones“. Noch 1606 verzeichnen die Akten des Waldenburger
Kapitels „Anzug des Bades halben zu Ramsen in Homburger Vogtey gelegen,
von wegen dz es, aus Aberglauben, vom Landvolck auff den tag der
Himmelfahrt, Meytag und S. Johanstag besucht wirt“. Darauf wurde
erkannt, dem Obervogt auf Homburg vorzuschlagen, er solle den Badewirt
anhalten, an den obengenannten Tagen keine Gäste aufzunehmen, „welches
leicht geschehen könnte, so der wirt oder bader das bad nit heitzen
wurde“.
Die Bedeutung der Walpurgisnacht kommt auch in folgenden Erlassen des
Markgrafen Christof vom Jahre 1488 für Baden-Baden zur Geltung: „Vff
das hat der vorgenannt min gnediger Herr geordnet, vnd will gehabt
haben, daß das gemelt groß Frybad hinfür allweg durch das ganz jahr,
one +am Meyabend, so man die Meypfennig gitt+, fry sin vnd blyben, vnd
von niemand mee, er sy frembd oder heimsch, vmb badens willen gelt
darin genommen, .... +wie von alter herkommen ist+“, und die beiden
Bäder sollen frei sein „dann vff den Maiabent, da soll ein jede person,
vßgenommen kindere, es gang vff denselben Abent in die fryen Bedere
oder nit, Hans Vlrichen oder siner Husfrowen vnd sinen Erben geben vnd
antwurten 1 pfenning, als das von alter herkomen vnd gewonheit gewesen
ist“[40].
Das Maibad ist stets ein Wasserbad. In keinem der vielen Kalender,
die ich durchgesehen habe, ist in diesem Monat das Schweißbad
empfohlen, wohl aber in anderen. Es findet sich meist die allgemein
gehaltene Vorschrift, im Mai zu baden. In einer astrologischen
Gesundheitsanweisung von 1556 wird Baden im Gegensatz zu Schweißbaden
gesetzt[41]. Daraus geht auch hervor, daß das Baden im Mai Wasserbaden
war. Es finden sich auch solche, die Kräuterbäder empfehlen und zwar
nur in diesem Monat. Die eben erwähnte Anweisung zur Gesundheit sagt:
„Alle bad seind gutt, besonder kreuter bad“. Eine Münchener Handschrift
des 15. Jahrhunderts hat: „Vnd von würczen adele uolpade sie Die zymen
wol dem Leibe dein“[42]. In dem 1428 von ~Johannes Gredinger~ zu
Nürnberg geschriebenen Kalender[43] heißt es: „Pad mit guten krewtern
in eym schaff, daz oben wol bedeckt sei“, in einem von 1467 der
Züricher Stadtbibliothek (Msc. E. 102): „bad ist gut vnd besunder wurtz
beder“ und in gedruckten Züricher Kalendern, z.❆B. von 1569 und 1641:
„Von aller wurtz vnd krütern bad“.
Es handelt sich selbstverständlich immer um frische Frühlingskräuter,
denen man eine besondere Wirkung zuschrieb. Daß man auch das Wasser an
sich im Frühling für gesünder als zu anderen Zeiten hielt, ist schon
erwähnt worden. Man muß den Begriff des Maibades deshalb etwas weiter
fassen und gleich Frühlingsbad setzen. Die Mainauer Naturlehre (13.
Jahrhundert) macht ihre Badevorschläge nicht für Monate, sondern für
Jahreszeiten. Vom Lenz sagt sie: „so ist och decheine zit besser ....
zu badenne“ [44]. Ein Frühlingsbild, das wahrscheinlich von ~Michael
Wohlgemuth~ stammt, bringt das gemeinsame Bad von Mann und Frau bei
Saitenspiel und Trank, das durch Maiblumen als Maibad charakterisiert
wird (Abb. 11)[45].
[Illustration: Abb. 11. Der Frühling. Holzschnitt aus: Conradi Celtis
quatuor libri amorum. Nürnberg. 1502.]
[Sidenote: _Frühlingsbad_]
[Sidenote: _Märzenbäder_]
Mancherorts wurden die Frühlingsbäder schon im März gehalten. Die
Badstuben- oder Badwaid-Ordnung von Sonthofen in Bayern von 1544
schrieb vor, im ganzen Jahr wöchentlich 1 Bad am Samstag zu halten,
aber „mörzenbäder an den 3 Dornstag in Mörzen“, und zu Rorbach fanden
„an den dreyen pfinztagen (Donnerstagen) im Merzen die Merzenpäder“
statt[46]. In Kalenderversen ~Oswalds von Wolkenstein~ (15.
Jahrhundert) heißt es beim März:
„âdryânns der wardt gesund
phincztages inn merczischen pad“[313].
~Brunssfels~ (16. Jahrhundert) spricht sonderbarerweise von Bädern „in
dem andern Meyen“, die im Gegensatz zu den eigentlichen Maibädern gegen
auswendige Schäden gut sein sollen[47].
Im engeren Sinne sind unter Maibädern die in der Walpurgisnacht
genommenen zu verstehen. Man muß berücksichtigen, daß es früher Brauch
war, bei einer rechten Badekur eine bestimmte Anzahl Tage und an diesen
mehrere Stunden im Bad zu sitzen. Unter der Landbevölkerung war der
Glaube verbreitet, der Erfolg wäre derselbe, wenn man die gesamte
Kur hintereinander im Bade absäße. Es gibt Berichte, nach denen die
Leute noch im 17., auch vereinzelte noch im 19. Jahrhundert tagelang
ununterbrochen im Bad zubrachten und darin sogar schliefen. Man
glaubte deshalb, daß einen Tag ununterbrochen gebadet genüge, um die
Gesundheit während des ganzen Jahres zu erhalten. Noch heute kommen
die Schwarzwaldbauern aus diesem Grunde jährlich einmal in die bei
Freiburg gelegenen Bäder Kuckucksbad, Glotterbad und Silberbrünnlein,
wo gelegentlich zwölf Wannen in einem Raume zusammenstehen, in denen
die Bauern die Zeit mit Baden und Zechen zubringen[6]. Man darf nicht
erstaunt sein, wenn man in früherer Zeit diesen Badetag auf Walpurgis
oder an den noch zu nennenden Tagen abhielt, an denen man dem Wasser
besondere Kraft zuschrieb.
Schon im 16. Jahrhundert verstand man unter Maienbad ein gewöhnliches
Warmwasserbad, aber „fürnemlichen im früling“[48]; der Zusatz von
Kräuterabsuden scheint eher nicht erforderlich gewesen zu sein.
~Ryff~ beginnt ein Kapitel: „nechst volgendt die warmen wasser vnnd
lieplichen Mayen badt“. Er spricht dann aber nur vom Wasserbad in der
Wanne und sagt: „Zum wasser Badt oder gemeinen Mayen Badt, ist auch das
Regen wasser wo man es haben mag, am aller bequemsten“ und besser als
Brunnen- und fließendes Wasser, weil es reiner, subtiler ist, die Wärme
des Sonnenscheins und kräftige Influenz des Gestirns und dadurch seine
schädliche Kraft zum Teil verändert und gemildert hat[48].
[Sidenote: Geschenke ins Maibad_]
Das Volk scheint aber im Maienbad ein mit Wohlleben, d.❆h. ein mit
Essen und Trinken, vielleicht auch mit Venusdienst verbundenes gesehen
zu haben. „Sie kamen in kein Maienbad“, heißt es höhnisch im Gedicht
auf die Bergtheimer Schlacht (1400)[49]. Die sogenannten Badschenken,
die man Vorgesetzten oder Freunden vor einer Badekur oder auch ins Bad
sandte, waren ursprünglich nur Nahrungs- und Genußmittel, und da man
ehedem nur im Mai ins Bad fuhr, erscheint es nicht auffällig, wenn im
Mittelalter öfters Geschenke ins „Maibad“ gegeben werden. So sind in
Ulm „vff Pfingsten 3 Pfund Schmalz in das Maienbad“ verzeichnet[50].
1466 wurde gestattet, dem Bürgermeister, den Richtern und den Räten zu
Ulm ein Maß Malvasier oder dessen Wert ins Maienbad zu schenken[51].
Das kurgemäß gebrauchte Maienbad konnte auch in einer Badestube
stattfinden. 1429 fing ~Caspar Sommerer~ in Augsburg ein Maienbad an,
„daß man badete für den Wertachbruggerthor“. Nach einer Biberacher
Chronik wurde im 17. Jahrhundert Maienbad und Maienmilch dem Kranken im
Spital verordnet. Der lutherische Sittenprediger ~Martinus Bohemus~,
der keinen der üblichen Maibräuche bestehen lassen will, hält dagegen
die Maibäder für recht, „das man seiner Gesundheit pflege, das man warm
bade, auch kreuterbade gebrauche“[51].
Sogar von einem zwangsweise gebrauchten Maienbade wird berichtet. Die
Mitglieder der Schneidergilde zu Hildesheim waren verpflichtet, an
den sogenannten „freien Montagen“, d.❆h. am Montage nach Ostern, St.
Johannis und in der Maiwoche unmittelbar nach Beendigung der Messe das
Bad aufzusuchen. „Wem nicht gelüste zu baden, der soll dem Schaffer
(der Gilde) einen Pfennig zahlen“[52].
Daß man in den Mineralbädern ursprünglich nur im Mai und nicht im
Herbst, wenigstens nicht gern badete, geht aus der Mainauer Naturlehre
aus dem Ende des 13. Jahrhunderts hervor, wo es beim Herbst heißt:
„Aber da wider so derret unde swechit den lip .... daz man bade in
den badern die mit listen gemaht sint, daz siu selber warment“[44].
1436 aber hielt sich Frau Anna von Weinsberg vom 15. September bis
zum 1. Oktober zur Kur im württembergischen Wildbad auf[53], 1481 die
Pfalzgräfin Amalie von Veldenz, die Tochter des Kurfürsten Albrecht von
Brandenburg, im August in Baden-Baden[54]. ~Anemorinus~ (~Wintperger~)
schlägt für Baden bei Wien 1511 sogar unter Weglassung des Mais den
Juni, Juli, August und September als Kurzeit vor[16], ja ~Dryander~
will 1535 für Ems Winterbäder eingeführt wissen[55]. Im allgemeinen
herrschte aber die alte Ansicht vor, die dem Mai eine Sonderstellung
zuschrieb. Nach ~Ryff~ sind für die, „welche allein gesundtheit zu
pflegen zu sonderlichem leiblichem wollust“, „fürnemlichen im früling
die Meyenbad zugerichtet“[48], und ebenso war es für Kranke. 1597
sagt ~Feurbergk~ (~Pyrmontanus~), der den Schriftstellern seiner Zeit
gegenüber als Fortschrittler betrachtet werden muß: „Nim in acht die
fröliche Meyzeit, dan zu derer zeit ist der Brun (zu Pyrmont) am
krefftigesten“[56], und im 16. Jahrhundert singt der freigeistige
Stadtpfarrer ~Johann Jakob Müller~ von Luzern (er wagte als erster den
berüchtigten Pilatussee zu durchwaten):
„Im Meyen ist die beste Zeit
Ein Badenfahrt anstellen“[38].
Nach ~Pictorius~’ Baderbüchlein (1560) erfordern etliche Krankheiten
den Mai zum Baden[152].
[Sidenote: _Rückgang des Maibades_]
Im 19. Jahrhundert war man anderer Ansicht. Die „Kinder im Feld“
(Aussätzigen) zu St. Georg bei Winterthur hielten in der Mitte
des 16. Jahrhunderts ihre jährliche Badekur in der Badestube des
Sondersiechenhauses ab. „Wenn sie im Mai baden, giebt man einem jeden,
so viel im Hause sind, alle Fleischtage sein Pfund Fleisch und eine
halbe Maß Wein und in der Badenfahrt 7 oder 8 Pfund süße Butter, auch
einen Teller mit Eiern und Zieger (Kräuterkäse) und nach der Badenfahrt
2 Pfund Badgeld und in der Badenfahrt 1 Viertel Mehl für Küchly“[58].
1813 hatten die Siechen noch ähnliche Vergünstigungen; nur der
Kräuterkäse und die Küchly werden nicht mehr erwähnt, und die Badekur
fand in den 30 (!) Juliustagen statt[57]. Der Glaube an den Mai war
verloren gegangen.
[Sidenote: _Die Sommersonnenwende_]
~Guler~ erwähnt in seiner Rätia (1616)[59] das schon besprochene
Hervortreten der Therme von Pfäfers im Mai. Ein-oder zweimal habe
er aber erlebt, daß sich die Ankunft des Wassers hinausgezogen und
zwar bis auf „St. Johansen deß Täuffers tag“, „daß man darvor nicht
hat baden können, vorbehalten etlich personen im Kessel (einer
der Quellen).“ Der Zusatz zeigt, daß das Wasser doch schon vorher
eingetreten war. Das rechnet ~Guler~ aber nicht mit; für ihn kommt erst
der Johannistag in Betracht, weil diesem nach dem Volksglauben gleich
dem Mai oder Walpurgis besondere Bedeutung im Badeleben zukam. Ein
einziges Bad in der Johannisnacht wirkt so viel als 9 Bäder zu anderer
Zeit, sagte man besonders im Württembergischen[34]. Es war über fast
ganz Europa, ja außerhalb desselben verbreitet[19]; nach dem Zeugnisse
des heiligen Augustin (395 n. Chr.) war es ein heidnischer Brauch[34].
Für unsere Vorfahren galt der 24. Juni, der Mittsommertag, der Tag der
Sommersonnenwende als festliche Jahresmitte, deren Feier mit vielerlei
Bräuchen verbunden war[B][19]. Klagte die alte Kirche über heidnische
Sitte, so bekämpfte die evangelische das Johannisbad als päpstliche
Einrichtung. Das zeigt folgendes Gutachten der Stuttgarter Synode:
„Es ist Im Herbst Synodo Anno 1591 einkhommen, wie an Joannis Baptistae
uff die Achzehn doch mehrentheils weibspersonen das Badt In der
Eßlinger Vorstatt allhie besucht, die ganze nacht und den Tag, und
allßo zwanzig vier stundt gebadet, welches auch andere Jahr uff Joannis
Baptistae abends beschehen.
Daruff der Synodus das unterthänig bedenkchen gegeben, weil es ein
Superstition seye, möchte dem Vogt bevolchen werden, den Bädern
ernstlich uffzulegen, solches baden nit mehr zu gestatten, sonst werde
man sie und die Badleute gepürlich straffen.
Der meynung seyn unterzeichnete Consistoriales auch noch, darumb sie
dem Sulzbäder zu Canntstat die St. Johanns Bäder zu halten allerdings
abstricken ließen, doch zu der Oberkait fernerem Erwägen. Geben
Stuttgart den 6. July 1602. Consistorium.“
[Sidenote: _Johannisbäder in Kannstatt_]
Der zu diesem Gutachten eingeholte Bericht des Vogts von Kannstatt
lautete dahin, daß diese Bäder ein Überrest des Papsttums seien und
hauptsächlich nur noch von den benachbarten Katholiken zu Hofen und
Öffingen gebraucht würden, und deswegen um so mehr abgeschafft zu
werden verdienten, als sie nur Veranlassung zu Unfug gäben[63].
[Sidenote: _Johannisbäder im Baseler Gebiete_]
Des Kampfes der Baseler Geistlichkeit gegen die Johannisbäder wurde
schon beim Maibad gedacht. Die Kirchenakten zeigen zugleich, daß
das Bad in der Walpurgisnacht gegen das Johannisbad zurückstand,
was wohl darin zu suchen ist, daß dem Volk das Verständnis für
die Walpurgisnacht verloren gegangen war, während das Bad zur
Sommersonnenwende in dem Glauben an die Taufe Johannis des Täufers
weiter unterhalten wurde. Dafür spricht auch das Bestehen des
Johannisbades in einem viel größeren Gebiete. Wir dürfen annehmen,
daß zu der Zeit, aus der die Quellen stammen, das Walpurgisbad an
den meisten Orten nicht mehr gebraucht wurde. Sonst wäre es erwähnt
worden. Die Baseler Akten berichten noch 1600: „Im bad zu Ramseln wirt
uff St. Johannis abend und nacht neben großem muttwillen superstition
und Aberglauben getriben, sonderlich von unsern Leuten (d.❆h. denen
aus dem Baseler Gebiet), welche diß tags halben dem Bad große Krafft
zuschreiben“, und 1605 „wird geklaget von wegen der Bädern Ramsen und
anderswo, dz man deren kraft auf gewisse tag lege, sonderlich auf den
tag S. Johannis Baptistae“. Im Jahre darauf erfolgte dann jener schon
erwähnte Beschluß, der dem Aberglauben ein Ende bereiten sollte.
[Sidenote: _Johannisbäder zu Köln_]
In einem Briefe von 1330 hat uns ~Petrarca~ die älteste Nachricht
über das Johannisbad auf deutschem Boden hinterlassen. Am Vorabende
des Johannisfestes beobachtete er selbst den alten Brauch. „Kaum war
ich bei meiner Ankunft zu Köln in der Herberge abgestiegen, wo meine
Freunde mich empfingen, als sie mich an den Rhein führten, um ein eben
an diesem Tage bei Sonnenuntergang aus dem Altertume überkommenes
Schauspiel in ihrer Gesellschaft anzusehen. Das ganze Ufer war mit
einer langen Reihe von Weibern bedeckt. Ich stieg auf einen Hügel,
um eine bessere Aussicht zu gewinnen. Unglaublich war der Zulauf.
Ein Teil der Frauen war mit wohlriechenden Kräuterranken geziert,
mit zurückgeschobenem Gewande fingen Weiber und Mädchen plötzlich
an, ihre weißen Arme in den Fluß zu tauchen und abzuwaschen. Dabei
wechselten sie in ihrer mir unverständlichen Sprache lächelnd einige
Sprüche miteinander. Man antwortete mir, daß dies ein +uralter Brauch+
unter der weiblichen Bevölkerung Kölns sei, die in der Meinung lebt,
daß alles Elend des ganzen Jahres durch die an diesem Tage bei ihnen
gewöhnliche Abwaschung im Fluße weggespült werde und gleich darauf
alles nach Wunsch gelinge. Es sei also ein jährliches Reinigungsfest,
welches von jeher mit unverbrüchlicher Pünktlichkeit gefeiert
werde“[19].
[Sidenote: _Johannisbäder im Unterelsaß_]
Der Hagenauer Physikus ~Heliseus Rösslin~ berichtet in seiner
Beschreibung des Soolbades Niederbronn im Wasgau (Unterelsaß) von 1593,
daß „sonderlich vmb Johannis Baptistae alle jar ein große menge vom
Landvolck dahin kommen, so ein tag zwen da gebliben, tag vnd nacht
im wasser gesessen, in den Burgers Heusern dasselbig wärmen lassen,
vnd darein in Bütten gesessen, daß das gantz Dorff voll Badgest vnd
erfüllet gewesen, vermeynend, sie seien das gantz Jar hernacher von
kranckheiten verwaret vnd sicher“[64].
Von dem ebenfalls im Unterelsaß gelegenen Sulzbad schreibt ~Sebiz~ in
seinen Mißbräuchen der Bäder 1647: „Ich habe gesehen, zwar nicht in dem
Sauerbrunnen, sondern in vnserm Sultzbad, das gemeine Leuthe an St.
Johanns tag 24 stunden continue nach einander in dem bade gesessen, die
baden Cur in solcher Zeit zu ende geführt, vnd in dem bade gessen,
getruncken, geschlaffen, auch wol, wann sie in der grösten hitze
gewesen, vnd köpffe so roth als die Zinßkappen gehabt, ein Glaß nach
dem andern von dem gesaltzenen Wasser auß getruncken“[65].
[Sidenote: _Johannisbäder in Biberach_]
Aus dem Württembergischen liegt ein weiteres Zeugnis vom Jahre 1673
vor. ~Salomon Braun~ spricht bei Beschreibung des 1673 nach der
Zerstörung im Dreißigjährigen Kriege wieder errichteten Biberacher
Bades von den Mißbräuchen beim Baden, „darunter auch noch einer, als
nicht der geringste zu mercken, daß auch bey uns dieser übele Gebrauch
bey vielen sich gefunden, die da zu verkürtzung der Zeit und Bade Cur
desto länger, und wol gar continuirlich 24 Stunden im Zuber sitzen
blieben, darinnen geessen, getruncken, geschlaffen, und ja theils
so eine sonderliche Zeit, nemblich S. Johannis Baptistae Nacht dazu
erwehlet, und meynen solche Leuthe, wenn sie nur frisch wider heimgehen
können, haben sie die Sache wol getroffen, gedencken aber nicht, wenn
ihnen darnach ein und anderer Zufall anstösset, daß der Mißbrauch deß
Bades daran schuldig sey, welches aber viel mit Schaden erfahren“[66].
[Sidenote: _Johannisbäder in Baden-Baden_]
Als ~Zeiller~ auf einer Reise abends um 8 Uhr nach Baden-Baden kam,
berichtet er 1632, konnte er erst nach eineinhalbstündigem Suchen
Unterkunft finden, „weiln so viel Badleuthe, sonderlich Bauern,
vorhanden waren, die wegen der S. Johans Nacht jhnen einbildeten, wann
sie selbigen Abent badeten, daß sie hierdurch das gantze Jahr für
Kranckheiten solten befreyet sein“[67]. Auch im Mineralbade Laimnau
(1840 Badhütten bei Laimnau genannt[154]) wurde in der Johannisnacht
gebadet[68].
[Sidenote: _Johannisbäder in Warmbrunn_]
Mit einem Beispiele aus Schlesien will ich die Johannisbäder
beschließen. 1607 schreibt ~Schwenckfeldt~[69] von Warmbrunn bei
Hirschberg: „Vnd weil man zur selbigen Zeit, von den Warmen Bädern
hier zu Lande, wenig Wissenschafft gehabet, ist es von den lieben
Alten vor ein Wunder Wasser gehalten worden, in dem sie aus Gottes
Wort von dem Teiche Bethesda zu Jerusalem beym Schaffhause vernomen,
daß er Järlichen zu gewisser Zeit, von einem Engel, der das Wasser
trübete, sonderliche Krafft vnd Wirckung vberkommen, daß es den ersten
Menschen, welcher sich darein tauchete, von aller Leibes Kranckheit vnd
Schwachheit, wie die auch sein möchte, entledigte. Allweil sie dann
befunden, daß dieses Warme Wasser zu vielen gefährlichen Kranckheiten
nützlich vnd gut, vnd die beste fürnemeste Krafft vmb Johannis
darinnen beruhete (weil vmb dieselbige zeit, wegen der nahegelegenen
Schne Gebürgen, dasselbige zu brauchen die bequemeste vnd lustigste
Zeit gewesen) haben sie solche Krafft dem H. Johanni zugeschrieben,
als wenn er, gleich wie der Engel zu Bethesda, daß Wasser im Warmen
Brunnen bewegete, vnd dadurch die Krafft erweckete (vgl. Abb. 12).
Welcher Aberglaube heutiges Tages bey dem gemeinen Volcke noch sehr
tieff eingewurtzelt. Denn an S. Johannis Abendt, vnd an Johannis Tage
vberaus viel Volckes von nahen vnd fernen Orthen, dahin sich findet,
Gesunde, gesunden Leib vbers Jahr zubehalten, Krancke, Lahme, Krätzige,
Außsetzige, Gichtbrüchige, jre Kranckheit zuwenden. Fellet hauffenweise
vbereinander in Brunnen wie die Gänse, gäntzlicher meinung, daß Warme
Bad, were diesen Tag viel kräfftiger, als andere Zeit deß Jahres, vnd
gebe in einer halben Stunde dem Leibe mehr Krafft, als sonsten Vier
oder Fünff Wochen. Derowegen die Alten S. Johanni zu Ehren eine Capell
erbawen lassen, in welcher vor zeiten Jährlichen an Johannis Tage eine
Messe gelesen worden, denen, welche das Warme Bad gebrauchet haben. Wie
denn vor Jahren eine große Wallfahrth dahin gewesen ist.“
[Sidenote: _Reinigung der Brunnen am Johannistage_]
Auch die Trinkbrunnen entfalten mit dem Johannistage neue Tätigkeit,
nachdem man sie gereinigt hat. Dies geschieht im Elsaß[70], am Rhein,
wo man einen neuen Brunnenmeister wählt, sich die Nachbarn zu einem
kleinen Feste zusammenfinden und die Kinder in der Nachbarschaft
herumziehen, um Eier zu sammeln[71]. Am bekanntesten ist die
Brunnenfege in Thüringen. In Blankenhain hat man gar eine Feier der
Augsburger Konfession aus dem altheidnischen Gebrauche gemacht, die mit
einem Gottesdienst und fröhlichem Treiben auf der Straße verbunden ist,
wobei man den eigentlichen Zweck, die Reinigung des Brunnens, nicht
vergessen hat. Nachdem dieser ausgepumpt und gesalzen ist, wird er
verschlossen, mit Blumen bekränzt, um am anderen Tage von neuem seine
Tätigkeit aufzunehmen[72].
Nach ~Grimm~ fordert die Saale jährlich ihr Opfer auf Walpurgis oder
Johannis. Der Glaube, daß der See oder der Fluß sein Opfer verlange,
ist weit verbreitet; daß dies aber am Johannistage geschehen solle,
läßt sich nicht gut mit der Häufigkeit des Bades an diesem Tage in
Einklang bringen. Auch ist mir der erwähnte Aberglaube in etwas anderer
Fassung bekannt: Es soll nicht +vor+ Johannis gebadet werden wegen des
angeblich geforderten Opfers. Der Johannistag ist demnach für das Volk
der Anfang der Badesaison. In Schwaben wird im Neckar erst gebadet,
wenn am Fronleichnam das Allerheiligste über den Fluß getragen, und
in der Donau, wenn der Meßner am Pfingstmontag das übrig gebliebene
Weihwasser in die Donau geschüttet hat[73].
[Illustration: Abb. 12. Der Teich Bethesda. Holzschnitt aus der
Züricher Bibel. Zürich, Froschauer. 1545.]
[Sidenote: _Ostern als Badetag_]
Auch Ostern kam als Badetag in Betracht. Zu Osterode am Harz galt das
am Ostermorgen vor Sonnenaufgang genommene Bad für gut gegen Grind
und andere Gebrechen (1788)[74], in der Bunzlauer Gegend nahm man
an, daß der das ganze Jahr gesund bliebe, der sich am 1. Ostertag im
kalten Wasser badete (1791/92)[19]. ~Wuttke~ gibt diesen Glauben für
die Gegend der Niederelbe und Mitteldeutschland an. Er besteht in
Böhmen für das Flußbad am Tage der Heiligen drei Könige. In Bayern,
Böhmen und im Erzgebirge schützt man sich durch Baden am Karfreitag
vor Sonnenaufgang gegen Fieber und vertreibt damit Ausschlag und
Krätze[75]. Wer am Fastendienstag morgens nüchtern badet, der bekommt
das ganze Jahr kein Rückenweh (1650)[76].
[Sidenote: _Heilige Brunnen_]
Quellen, neben denen oder auch über denen Kapellen errichtet waren,
wurden natürlich am Namenstage ihres Schutzpatrons besonders eifrig
benutzt, und ~Cysat~[77] vergißt nicht (1661) zu betonen, daß im
kalten Bad auf dem Rigi +neben+ der Wallfahrt die Wirkung dem Bade
zugute komme. Bei manchem dieser Gesundbrunnen läßt sich trotz ihrer
Beziehung zu christlichen Heiligen nachweisen, daß ihre Verehrung aus
heidnischer Zeit stammt. So führt das eben erwähnte kalte Bad auf dem
Rigi, dessen Kapelle dem Erzengel Michael geweiht ist, auch den Namen
Schwesternbrunnen, und die Sage erzählt, daß zu Kaiser Albrechts Zeit
drei leibliche Schwestern vor der Landvögte Tyrannei und Übermut dort
hingeflohen und ihr Leben am Brunnen heilig beschlossen hätten.
Trotz dieser lokalen Sage finden sich Schwesternbrunnen von den
Alpen bis nach Norddeutschland, und ~Runge~[78] verweist darauf, daß
die drei heiligen Schwestern von der Kirche nicht angenommen sind
und sich mit St. Einbett, St. Warbett und St. Wilbett, die ~Panzer~
für Bayern häufig nachgewiesen hat, decken; diese sind aber nach
~Wolf~[68] die drei Schicksalsjungfrauen, die Nornen. Auf dem Kronberg
in Appenzell befindet sich der noch heute benutzte St. Jakobsbrunnen,
auch der Wunderbrunnen genannt, in der Nähe einer Kapelle der Apostel
Bartholomäus und Jakobus; der letztere soll von hier aus seinen
Wanderstab bis nach San Jago di Compostella geschleudert haben.
~Runge~ hat nachgewiesen, daß sich unter dem schleudernden St.
Jakobus Donar verbirgt, dessen Hammer Miölnir sich in manchen Sagen
in einen Stab verwandelt. Bei Courfaivre im Berner Jura und am Ufer
der Sorne liegen der heiligen Columba (nicht Columbus oder Columban)
gewidmete Heilbrunnen. Die Kirche kennt keine Heilige dieses Namens,
und man glaubt sie zu den keltischen Feen rechnen zu dürfen[78].
Ich könnte die Beispiele noch vermehren, die zeigen, daß die Kirche
heidnische Traditionen auf Heilige übertrug, nachdem ihre Ausrottung
mißlungen war, ein Zeichen, daß derartige Heilbrunnen schon in uralter
Zeit benutzt wurden. Das letztere gilt auch für die Heiden- oder
Guggers-(Teufels-)brunnen. Sie galten trotz ihrer Bezeichnung für
heilkräftig und wurden wie die heiligen Quellen benutzt[78].
[Sidenote: _Maibrunnen_]
Auch die Maibrunnen suchte übrigens die Kirche in Verbindung mit
heiligen Zeiten zu bringen. Von einigen dieser Quellen behauptet das
Volk heute noch, daß sie genau an einem Marientage (Verkündigung,
25. März) hervorkommen und an einem anderen (Geburt, 8. Sept.)
abstehen[78]. Zu diesen gehört „Unserer Lieben Frauen Brunnen“
im Leuker Bad[79]. Andere fließen zwischen zwei Kreuztagen
(Kreuzerfindung, 3. Mai bis Kreuzerhöhung, 14. September). ~Cysat~ gibt
1616 diese Zeit für einen Brunnen in der See-Enge (Vierwaldstätter See)
zwischen Lopp und Rotzberg an. Nach ~Huggelin~ (1559)[80] fließt die
Pfäferser Therme vom 3. Mai bis zum 24. September, wobei irrtümlich 24.
für 14. gedruckt ist. (~Kempfe~[81] gibt 1706 den 4. September an).
1749 wendet sich ~Walthier~[82] gegen die „fabulöse Vorgebung“, daß
das Wasser „nicht ehender, als bis mans in Festo S. Crucis mit Creutz
und Fahnen hohle“, komme.
[Sidenote: _Die heiligen Brunnen der Schweiz_]
Von heiligen Heilquellen in der Schweiz seien hier nach ~Runge~[78]
einige angeführt. Bei dem Kirchlein zu Munzach zeigte sich einst
die Mutter Gottes. An der Stelle, die ihr Fuß betrat, entsprang der
treffliche Brunnen, der jahrhundertelang von Pilgern mit Scheu und
Ehrfurcht getrunken wurde, wenn sie, Heilung von körperlichen Leiden
suchend, hierher kamen. Man leitete ihn als Heilbrunnen in das ziemlich
entfernte Siechenhaus. Die Quelle von Sakramentswald in Unterwalden
entstand, als Räuber auf der Alp das gestohlene Sakrament niedergelegt
hatten. Man errichtete sofort über ihr eine Kapelle, und sie zeigt
drei wunderbare Eigenschaften, befreit nämlich den Badenden von allen
Krankheiten, läßt sich nicht trinken und kann auch nicht herausgeführt
werden[C]. In der Kirche zu Beinwyl stellte der Brunnen des heiligen
Pfarrers Burkhardt so viele Krüppel her, daß von den in der dortigen
Kirche aufgehängten Krücken, Stelzen und wächsernen Gliedern der Ort
selbst den Beinamen Ghanget-Beuel empfing.
[Sidenote: _Die heiligen Brunnen Steiermarks_]
Für Steiermark hat ~Wichner~[84] die beim Volk im Rufe besonderer
Heilkraft stehenden Quellen zusammengestellt. Sie sind nicht selten.
Öfters wölbt sich auch hier über diesen eine Kapelle. So zu Cilli der
„Fons decollationis S. Maximiliani“, zu Kaltbrunn bei Göß, Ulrichsbrunn
bei Graz, Schüsserlbrunn, Heilbrunn, der schon im 17. Jahrhundert
gegen Augenleiden gebraucht wurde. Bei Mautern fließt in einer Kapelle
das Wasser aus der Seitenwunde des Heilands. Zu Dietrichshag bei St.
Gallen (in Steiermark) steht die Kapelle neben der bei Augenleiden
gesuchten Quelle. Auch die Kapelle „Maria zum guten Rate“ im Hauswalde
bei Strechau birgt einen für Augen und Haut nützlichen Brunnen. Kleine
Kreuze, an Baumstämmen angebracht, bezeugen die Dankbarkeit der
Geheilten. Dasselbe geschieht beim „heiligen Brunnen“ ob Bärendorf im
Paltentale. Am „Stein“ bei Mitterndorf am Fuße des Grimming entspringt
seit „undenkbarer Zeit“ eine Quelle gegen Gicht und Geschwüre und heißt
„Heilbrunn“. In alten Zeiten war ein steinernes Becken vorhanden,
und noch sieht man dort ein Bild, Personen vorstellend, die ihre
Füße baden. In Studenitz war schon vor Gründung des Klosters eine
wundertätige Quelle. Um 1249 bekam ein blindes Mädchen dort das Gesicht
wieder.
[Sidenote: _Die heiligen Brunnen des übrigen deutschen Landes_]
[Sidenote: _Die kalten Bäder und ihr Gebrauch_]
Im übrigen Deutschland finde ich zwei Quellen, die beim Volke eine
besondere Beachtung fanden, von denen „des Merkwürdigen und Wundersamen
viel erzählt wurde“, das sind die Ludgeriquelle bei Helmstädt, der
heilige Born, und der Ottoborn bei Pyritz in Pommern, wo die ersten
Sachsen von St. Ludgerus, bezw. Pommern vom Bischof Otto von Bamberg zu
Christen getauft wurden[85]. In Königsberg lag ein heiliger Brunnen an
einer Kirche, und die eine Quelle der Pegnitz bei Lindenhart in Bayern
wird heute noch der heilige Brunnen genannt[70]. Über Mineralquellen
oder vermeintliche Mineralquellen, welche den Namen Fons sacer oder
heiliger Brunn führten, wird später berichtet werden. Die meisten
dieser Bäder sind eiskalt und wurden gewöhnlich ungewärmt an ihrem
Ursprunge benutzt. Darauf weisen in der Schweiz die Namen Kaltbad, in
Steiermark Kaltbrunn hin. Im Tobelbad, einer Therme bei Graz, ließ
die Landschaft 1546–47 ein kaltes Bad für Arme erstellen[84]. Die
Quelle wurde also in einer Temperatur, wie sie die Natur gab (25–29°
C), benutzt. In Pyrmont gebrauchte man 1597 den siedenden (späteren
Bad-) Brunnen zum kalten und warmen Bade[56]. 1719 war der niedere
Badbrunnen daselbst mit eichenen Bohlen 22 Schuh in der Länge, 16 in
der Breite gefaßt und hatte 4 Schuh Wassertiefe. Er wurde als kaltes
Bad von den Armen gebraucht, welche den Sommer über hineinstiegen[381].
Der schon erwähnte Brunnen der heiligen Columba im Berner Jura liegt
in einer prächtigen Grotte, welche durch ihre fast regelmäßige Wölbung
die Gestalt eines Backofens erhält. Das Gewölbe ist fast zwanzig Fuß
hoch, die Grotte fünfzehn Schritte breit und dreißig bis vierzig
Schritte tief. Im Grunde der Grotte fällt von der Wölbung der letzteren
senkrecht eine ziemlich starke Quelle in ein schmuckloses Bassin. In
dieses beständig mit kaltem Wasser gefüllte Becken tauchen Eltern ihre
rachitischen (nach anderer Mitteilung verkümmernden) Kinder. Oft, wenn
man die Straße entlang geht, hört man ein Gebrülle und Geschrei; das
sind die Kinder, welche man eben in das kalte Wasser taucht. Dieser
Brauch datiert schon seit undenklicher Zeit (1867)[86]. Nach ~Runge~
geht der Eintauchung ein Gebet voran, und der Volksglaube verbietet ein
Eintauchen Unerwachsener am Freitag.
[Sidenote: _Die kalten Bäder der Schweiz_]
In der Schweiz nannte man die „Kaltbäder“ auch „Kaltwehbrunnen“, weil
sie gegen Kaltweh, Malaria, benutzt wurden. In der Regel bestand die
Kur in einem dreimaligen Eintauchen. „So hat man gnug“, wie ~Stumpf~
(1546)[9] sagt. Im kalten Bad auf der Rischi-Alp hinter der Eck in
Unterwalden (jetzt Schwendikaltbad), das bis ins 19. Jahrhundert sehr
schwer zugänglich war, bestand vormals die Sitte, Leute für Geld
zu dingen, um sich für einige Minuten ins kalte Bad zu setzen für
Rechnung und Frommen irgend eines Kranken, welcher diese Verrichtung
an dem wilden, sehr entlegenen Orte selbst übernehmen nicht wollte
oder konnte[87]. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts behielt man, wenn auch
nicht immer, beim Eintauchen die Kleider an[20]. Auch noch 1826 war
es vielfältig Sitte, daß man den ganzen Körper oder einzelne Teile
samt den Kleidern in das Wasser tauchte und sie dann an der Sonne
trocknete[88]. Von ärztlicher Seite wurde jedoch das nackt genommene
Bad befürwortet[88].
Obenan stand Rigikaltbad, ein großer Trog, in den der nie über 5°
C warme Schwesternbrunn floß. Zum ersten Male wird er 1661 von
~Cysat~[77] erwähnt, dem glaubwürdige Personen versicherten, das
Bad habe Fieber und andere Gebrästen geheilt. Noch 1826 bestand es
aus einer Badewanne; 1832 fand sich neben dieser (als ausgehöhlter
Baumstamm bezeichnet) 50 Schritt davon eine kleine Hütte mit 2 Wannen,
wo man um 24 Kreuzer ein Waschbad nehmen konnte[88]. Daneben wird schon
ein größeres Gebäude, die Molkenkuranstalt, erwähnt, aus dem sich
allmählich die jetzige Anlage auf Rigikaltbad entwickelte.
Außer diesem hat es nur noch der genannte Brunnen hinter der Eck auf
Rischialp, das heutige Schwendikaltbad, zu einem blühenden Kurorte
gebracht. 1576 wird es von ~Adam von Bodenstein~ zum ersten Male
erwähnt: „In Vnderwalden ist ein solch kalts bad, das sich in klüfften
in welchen der schnee zu keiner ewigen zeit abgeschmoltzen nimmet, hat
seinen cataracten durch die alabaster vnd gewaltige kreuter, wirt von
vilen besucht, aber sie verharren nit lang darin, vertreibt etliche
kranckheiten gar schnell“[89]. Es scheint erst seit 1706 gewärmt
benutzt zu werden; denn in diesem Jahre wurde eine aus Baumstämmchen
bestehende Hütte erweitert und ein Kessel zum Erwärmen des Wassers
eingestellt[90]. Das Bad erhielt trotz des beschwerlichen Zugangs
großen Zulauf. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde es in acht Jahren von
über fünftausend Personen besucht[88]. ~Rüsch~[88] führt 1826 an,
daß die Kur dort sehr schnell vollendet werde; zehn Tage genügten in
der Regel. „Zum Beschluß pflegt man gewöhnlich noch einige Male den
Körper oder das leidende Glied in kaltes Wasser einzutauchen, welches
freilich nicht überall anwendbar ist.“ Ein letzter Rest von der alten
Gebrauchsart des Bades war im Volksbewußtsein doch noch erhalten
geblieben.
Auch der schon erwähnte Brunnen Unserer lieben Frauen zu Leuk, der
mit einer Temperatur von 0–0,6° C mitten unter den heißen Quellen
entspringt[91], wurde nach dem warmen Bade, allerdings in direktem
Anschluß, benutzt, nach ~Collinus~ (1574) zum Schaden der Patienten[79].
[Illustration: Abb. 13. Kaltes Bad auf dem Wepchen. Holzschnitt aus
Stumpf, Schweizerchronik. Zürich, Froschauer. 1548.]
Eingegangen ist das einst viel benutzte kalte Bad im Krauchtal
(Kanton Glarus), das ~von Stumpf~(1546)[9] irrtümlich als Bad
auf dem Wepchen (Bad auf dem Vepioberg)[88] bezeichnet wird[86].
Beschreibung und Bild (Abb. 13) stimmen nicht mit der dortigen Quelle
überein, sondern mit dem Krauchtaler Bade. Auch ~Wagner~[93] und
~Scheuchzer~[94] vereinigen beides zu einem und sprechen von einem
Krauchtaler Bad auf dem Wepchen. In früherer Zeit zog während der drei
ersten Sonntage im August, die deshalb „kalte Badsonntage“ genannt
wurden, viel Volk ins Krauchtal zum Zwecke des Badens. Noch in den
vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde das Bad benutzt, doch bei
weitem nicht mehr wie früher, 1867 gar nicht mehr[86]. Nach ~Stumpf~
vollbrachte es Wunder; verfinsterte Augen wurden erleuchtet, etliche
ihm bekannte Personen bekamen das Gehör wieder; doch fügt er hinzu,
daß etliche Gebrechen auch böser geworden seien. Das Bad ist ein
Wasserbecken von mehreren Minuten Umfang, in das sich einige kalte
Quellen ergießen[86], nach älteren Schriftstellern ein Sammelbecken von
Schnee- und Gletscherwasser. Zu ~Wagner~s Zeit (1680) besuchten es die
jungen Leute aus dem Glarner und Sarganser Land um den Anfang August,
mehr um sich zu erfrischen als krankheitshalber. Dasselbe berichtet
~Tschudi~ (1714)[92]. Wegen Erkrankung wurde es auch noch zuweilen
besucht, „habe aber, die Wahrheit zu bekennen, noch von keinen Proben
gehört, die mir den Glauben darvon geben könnten“.
Eine dem Rigi-Kaltbad ähnliche Wirkung schrieb ~Cysat~ einem Kaltbad
im Entlibuch nicht weit von den Brüderen zu[77]. Das in der Jeninser
Alp eine Meile von Malans gelegene galt 1717 für gut gegen Fieber und
Raud[94]. Der vor Kälte kaum genießbare Jakobsbrunnen in Appenzell
und der Kaltwehbrunnen auf dem Pilatus, den ~Konrad Gessner~ 1555
erwähnt, scheinen vornehmlich zum Trinken benutzt worden zu sein und
zwar bis zum Erbrechen gegen Malaria, eine Behandlungsart, der sich
auch ~Priessnitz~ bediente; andere Brunnen trank man gegen Dysenterie
und Aussatz. 1826 waren noch sichtbare Merkmale der ehemaligen
Badeeinfassung einer Quelle auf dem Falknißgebirge (in der Nähe von
Ragatz) oberhalb der Alphütten sichtbar, 1830 waren sie unbekannt[88].
~Rüsch~ führt auch eine Quelle im Maschanzertobel in der Gemeinde
Trimmis an. In der Nähe von Thun lag das Juckibrünnelein, das noch
1832, wenn auch selten, benutzt wurde[88]. 1707 tauchten sich die
Leute in allerhand Krankheiten mit und ohne Kleider darin ein. Ein
zweiter Brunnen in der Nähe von Thun, der zu Dießbach am Schlag-Weg,
wurde vorzüglich gegen Migräne, Hemikranie und andere Hauptschmerzen
gerühmt[20].
Man gebrauchte diese sehr kalten Brunnen demnach besonders gegen
Kopf-, Lenden- und Bauchschmerzen, sowie gegen Fieber, wie es scheint
besonders gegen Kaltweh, Malaria.
[Sidenote: _Sonstige kalte Bäder_]
Bei den zwei genannten Brunnen in der Nähe von Thun bemerkt
~Scheuchzer~ 1707, daß sie in die Zunft jener Kaltwehbrunnen gehören,
welche hin und wieder in schweizerischen Gebirgen zur Heilung dieser
Krankheit angewendet werden. Der Kaltwehbrunnen auf dem Pilatus wurde
besonders gegen das dreitägige kalte Fieber getrunken. ~Rüsch~ führt
an, diese Bäder seien auch gegen Rachitis gebraucht worden, doch ist
mir in dieser Hinsicht in der Schweiz nur der erwähnte Brunnen der
heiligen Columba bekannt. Im Württembergischen schrieben die Bauern
(1840) dem „Heilbrönnle“ bei Möhringen Kraft gegen die englische
Krankheit zu[154]; ob sie den Brunnen kalt gebrauchten, wird nicht
gesagt. Des weiteren galt er, wie die schweizerischen, als Heilmittel
von Hautkrankheiten. Dies wußte auch ~Paracelsus~. Räude (pruritus)
und Krätze (scabies) werden nach ihm durch Schneewasser in Gebirgen
geheilt. Die erkrankten Glieder seien darin zu baden, wodurch sie
narkotisiert (wohl in bezug auf das Jucken) und die Krankheit
vertrieben würde[95].
Seit wann die kalten Quellen in Gebrauch waren, ist nicht bekannt. Das
dreimalige Eintauchen läßt auf Beziehungen zur Taufe schließen, doch
wurde schon im Vorhergehenden auf den Zusammenhang mit dem Heidentum
hingewiesen.
[Sidenote: _Kalte Bäder in England und ihr Gebrauch_]
Eine ganz auffallende Ähnlichkeit im Gebrauch der kalten Bäder bestand
zwischen dem Kontinent und England, und diese englischen Kaltbäder
waren es, welche den Anstoß zur späteren Kaltwasserbehandlung der Ärzte
und dem Abhärtungssystem der Pädagogen gaben.
In England waren nicht alle kalten Brunnen Heiligen gewidmet, doch
galten diese als die heilsamsten, und ~Floyer~ klagt 1702, daß zu
seiner Zeit mit dem Glauben an die Kraft der Heiligen der Glaube an
die Kraft der kalten Bäder verloren gegangen sei[96]. Aus dem Umstande
aber, daß die Kirche das Eintauchen in Brunnen verbot, geht hervor,
daß es sich auch hier um altheidnischen Brauch handelte. Nach ~Floyer~
stammte er aus vorgeschichtlicher Zeit.
Die Benutzungsart der kalten Bäder in England ist uns eingehender als
anderorts überliefert worden. ~Floyer~ erkundigte sich bei Bekannten
nach den heiligen Brunnen und veröffentlichte 1702 die eingegangenen
Berichte in seiner Psychrolusia, aus denen ersichtlich ist, daß das
Eintauchen und Baden in den kalten Bädern doch nicht ganz abgekommen
war.
Das englische gemeine Volk hat nach ~Floyer~ entdeckt, daß
Doppelglieder (Rachitis) und Flußschmerzen (dolores rheumatici) durch
kalte Bäder kuriert werden. Hier also dieselben Indikationen wie in
der Schweiz; denn die Haupt-, Rücken-, Lenden- und Mutterschmerzen
waren nach damaliger Auffassung Flüsse, Rheumatismen. Auch wurden die
heiligen Brunnen, wie auf dem Festlande, als Heilmittel gegen Krätze
und Aussatz, die wir wohl allgemein als Hautkrankheiten bezeichnen
können, Malaria und böse Augen angewendet. Am berühmtesten waren St.
Winfreds Brunnen[D], der schon im Jahre 644 Wunder bewirkte, St.
Mongahs (auch St. Mungos genannt), St. Bedes und Honwick-Brunnen.
[Sidenote: _Eintauchen der Kinder in kaltes Wasser mit nachfolgendem
Schwitzen_]
Ich teile hier einige Auszüge aus den interessanten, an ~Floyer~
gerichteten Briefen mit. ~Ellison~ schreibt 1700: „Nichts ist gemeiner
in diesem Lande, und wird gemeiniglicher nützlich zu Verhütung oder
Curirung der Rhachitis befunden, als Kinder von einem Jahre, und
drüber, zu St. Bede’s, Honwick oder St. Mungo’s Brunnen (welches sehr
kalte Quellen sind) zu schicken, und in den Monaten Junii und Julii
des Abends 14 Tage lang, und länger, einzutauchen; wenn aber die
Kinder sehr schwach sind, in der ganzen Zeit etwan 1 oder 2 Tage mehr
auszusetzen. Einige tauchen sie 2 bis 3 mal über den Kopf, in ihren
Nachthemdern und Kappen, und lassen sie zwischen jedem Eintauchen ein
wenig verblasen. Andere tauchen sie nur bis an den Hals (weil das
Wasser ihnen den Atem benehmen könnte), tunken aber die Nachtkappen
treulich ein, und setzen sie naß auf ihr Haupt. Andere (wo der Brunnen
nicht räumlich genung) sind zufrieden, ihre Kinder in einen Kübel voll
von der Quelle gesammleten Wassers zu stecken, und ihnen das Wasser
über den Kopf zu gießen. Welches alles so geschwinde, als möglich,
verrichtet wird, damit das Kind nicht länger im Wasser bleiben dürfe,
als es nöthig, das ist, bis sein Leib, Hemde und Nachtkappe recht
naß. Andere sind aus Zärtlichkeit gegen das Kind, oder in Ansehen
der Schwachheit des Kindes zufrieden, daß sie nur das Hemde und
Nachtkappe eintauchen, und sie ihnen so naß anlegen. So bald als die
Kinder eingetauchet worden, werden sie in ihren nassen Kleidern in
warme Decken über das Haupt und ganzen Leib eingehüllet, und bald
zu Bette geleget, worauf sie in kurzem heftig schwitzen; in welchem
Zustande sie die ganze Nacht bis gegen den Morgen liegen, da denn
nach und nach die Bedeckungen weggethan werden, daß sie nach und
nach sich abkühlen; des Morgens aber bekommen sie trockene Hemden
und Hauptkappen. Innerhalb 3 Minuten erholen sich die Kinder von dem
Schrecken, worein sie das Eintauchen gebracht; und ob sie gleich
gegenwärtig schwächer sind (indem sie durch heftiges Schwitzen die
Geister erschöpfet), so erholen sie sich doch gradatim, durch Beyhülfe
stärkender Gallerten von Hirschhorn, Kalbsfüßen u.s.w. so gar, daß wenn
das Laub zu fallen beginnet, sie entweder völlig gesund, oder doch viel
besser sind. Hat das Eintauchen eines Jahres nicht geholfen, wird es
das nächste Jahr wiederholet. Es werden auch zur Vorbereitung, oder
hernach keine Purgirmittel gebrauchet, oder Herzstärkungen gegeben,
außer 1 Löffel voll Sectwein bald vor und nach dem Eintauchen, wenn
es die Kinder nehmen wollen. Es wird ihnen auch ihre gewöhnliche Diät
und Ergezlichkeit nicht benommen; nur muß Acht gegeben werden, daß
ihr Nacken warm gehalten wird, damit sie sich nicht erkälten.“ Er
versichert, daß kein Todesfall bekannt geworden und seine eigenen vier
Kinder mit guter Wirkung eingetaucht worden seien.
Ich habe diesen Brief ziemlich ausführlich wiedergegeben, weil wir
über das Eintauchen bei Rachitis in den Brunnen der heiligen Columba
so wenig wissen, und in Anbetracht des Alters dieses Brauches, der
vielleicht gemeinsamen Ursprung hat, das Verfahren in der Schweiz und
in England das gleiche war. Wir sehen auch, daß hier die sogenannte
~Priessnitz~sche Einpackung gebraucht wurde, eine Einrichtung, die also
schon vor ~Priessnitz~ bekannt war. Aus einem zweiten Briefe, der die
Mitteilungen eines Dr. ~Davison~ enthält, erfahren wir, daß Leute vom
6. Monat bis zum 80. Jahre die Brunnen gegen eingewurzelte Schmerzen
in Gelenken und Muskeln nach langwierigen Flüssen (Rheumatismen) und
Quartanfiebern, wie auch von Verdrehung der Flechsen und Quetschungen,
gegen Rachitis und alle Schwäche der Nerven entweder überhaupt oder
eines besonderen Gliedes anwandten. Die Behandlung der Kinder wird wie
im vorigen Briefe beschrieben, nur wird noch Massage der gelähmten
Glieder nach dem Eintauchen erwähnt. Erwachsene Leute blieben ¼–½
Stunde im Wasser. Kranke schwitzten darnach im Bette, Gesunde kleideten
sich an und bewegten sich bis zur Erwärmung. Die Badekur erforderte
keine Vorbereitung und Wechsel der Lebensweise. Sie dauerte vierzehn
Tage. Täglich wurde zweimal eingetaucht. ~Davison~ macht den Erfolg
allein von der Kälte abhängig, obwohl einer der Brunnen mineralische
Bestandteile enthielt.
[Sidenote: _Des Arztes Floyer und des Erziehers Locke Ansicht über die
kalten Bäder_]
~Floyer~s Verdienst liegt darin, daß er das bis dahin in den heiligen
Brunnen geübte Baden wieder mehr zur Geltung brachte und betonte,
daß der Erfolg auch bei jedem anderen kalten Brunnen zu erwarten
sei[E]. Er erweiterte die Indikationen, ja allzusehr; es gab beinahe
keine Krankheit, bei der er nicht Heilung erwartete. Mit Nachdruck
verteidigte er seine Lehre gegen seine Gegner. Er konnte sich jedoch
auch von hergebrachten Vorstellungen nicht frei machen. Im Gegensatz
zum Volksbrauch verlangte er eine Vorbereitungskur durch Purgieren.
Das Auftreten der Rachitis verlegte er ins Jahr 1620 und schob es dem
damals abgeschafften Eintauchen bei der Taufe zu, weswegen er die
Wiedererrichtung des alten Brauches forderte. Das Volk sollte durch
Eintauchen des Kindes in kaltes Wasser bei der Taufe zu der Erkenntnis
gebracht werden, daß kaltes Baden den Kindern nicht schädlich sei; er
ging aber auch hier zu weit, indem er erklärte, allein das dreimalige
Eintauchen bei der Taufe verhindere Rachitis und viele erbliche
Krankheiten. Das Schwitzen nach dem kalten Bade verlangte er bei
Lähmungen, Rachitis und verschiedenen Krankheiten. Bei anderen sollte
es wegfallen, ebenso da, wo das Bad zur Erhaltung der Gesundheit dienen
sollte. Hierzu gibt er folgende Anleitung: „Ich kann keine bessere Art
zu Bewahrung der Gesundheit anraten, als die kühle Lebensart, alle
ihre Kinder in der Taufe einzutauchen, hernach oft zu waschen, bis sie
¾ Jahr sind, wodurch die Rachitis und Schwerenot verhütet wird; die
Kinder zu kühler Luft und Wassertrinken zu gewöhnen, und wenige Kleider
tragen lassen, welche, wenn sie zuviel sind, nur das Fleisch verzehren,
und die Kinder zu Flüssen geneigt machen; sie, wenn sie Knaben sind,
zum Baden in Flüssen, und wenn sie Männer werden, zu kalten Bädern
gewöhnen, damit sie ihre Haut wider die Veränderungen der Luft
abhärten, und den Appetit und Dauung, wie auch die Stärke der Glieder
vermehren. Es ist auch die Erhaltung der Gesundheit, die Reinligkeit,
und die angenehme Erfrischung nach kalten Bädern, genung, derselben
Gebrauch zu recommandieren.“
In der Empfehlung des kalten Wassers zur Abhärtung der Jugend hatte
~Floyer~ in seinem Landsmann, dem Philosophen und Pädagogen ~John
Locke~[99], einen Vorgänger, der 1693 in seinen Gedanken über Erziehung
das Baden im kalten Wasser während des Sommers vorschlug, sowie eine
Abhärtung der Füße durch Baden in immer kälter genommenem Wasser
verlangte. Er stützt sich auch auf den Gebrauch der heiligen Brunnen:
„Nicht jedermann ist geneigt zu glauben, es sei ein Wunder oder eine
besondere Kraft von St. Winifreds Brunnen, welche es bewirkt, daß
das kalte Wasser dieser berühmten Quelle den zarten Körpern, die
darin baden, keinen Schaden zufügt. Jedermann ist gegenwärtig voll
von Wundern, welche kalte Bäder an heruntergekommenen und schwachen
Konstitutionen für die Wiederherstellung der Gesundheit und Kraft
wirken; daher können sie nicht untunlich oder unerträglich sein für
die Stärkung und Abhärtung des Leibes bei Leuten, welche in besseren
Verhältnissen sind.“
~Locke~s Ideen über Abhärtung der Kinder wurden von ~Rousseau~[100]
aufgenommen und nach dessen Art erweitert. Beider Lehre ging an die
Philanthropen über. In ärztlichen Kreisen (~Tissot~[389] und dessen
Nachfolger), glaube ich, hat aber ~Floyer~ den Anstoß zu weiteren
Arbeiten über Abhärtung der Jugend mit kaltem Wasser gegeben.
[Sidenote: _Ansichten von Schweizer Ärzten über den Gebrauch der kalten
Bäder_]
Auch in der Schweiz war das Eintauchen Kranker in die kalten Quellen
den Ärzten nicht unbekannt geblieben. Der Züricher Arzt ~Wagner~[93]
stellte in seiner 1680 erschienenen Helvetia curiosa die zu seiner
Zeit in der Schweiz gebräuchlichen Bäder zusammen. Er vergißt nicht,
neben den Mineralquellen die kalten aufzuzählen, auch die Krankheiten,
gegen die sie gebraucht wurden, anzugeben; weiter geht er aber nicht.
Hier war es der Züricher Stadtarzt und Professor der Mathematik
~Johann Jakob Scheuchzer~[94], der die Heilwirkung nicht bestimmten
Brunnen, sondern dem kalten Wasser zuschrieb. 1717 schließt er seine
Beschreibung der bekannten „sogenannten kalten Bäder“ der Schweiz
mit den Worten: „Es wäre zu wünschen, daß man nicht nur von jetzt
erzehlten, sondern auch anderen kalten Berg-Brünnen (dänn zweifelsohne
alle von gleichen Wirkungen, folglich auf allen Bergen, ja auch in
Thäleren und Dörfferen dergleichen Wasser anzutreffen) mehrere und
genaue Proben wurde machen, damit diese Materi zum Nutzen des Menschen
in mehrere Heitere könte gebracht werden“, und beim Kaltwehbrunnen
auf dem Pilatus schlägt er vor, ihn gegen dreitägiges Wechselfieber
nicht nur zu trinken. „Es lasset sich aber auch reden von dem Baden,
mit erforderlicher Vorsicht, dänn durch einmalige starke Einzeuhung
der Haut-Zäseren die Zähe in denen außeren Röhrlein sich steckende
Materi solcher gestalt kan conquassiert, zerrieben, und flüssig gemacht
werden, daß der Kreis-Lauff hernach desto besser geschehen, und die
Fiebrische Materi durch den Harn oder Stuhlgang ausgeführt werden kann.“
~Scheuchzer~ bringt außerdem eine umständliche Schilderung der
physiologischen Wirkung der kalten Bäder. Als Indikation gibt er
an: „Blutflüsse, Entzündungen, Rothlauff, allerhand, insonderheit
von Flüssen kommende Schmerzen, Gliedersucht, Gichter“. Besonders
empfiehlt er sie den Weichlingen, „welche durch Mißbrauch des Weins,
warmer Bädern, der lieben Venus, der Thee- und Coffee-Getränken sich
verderbet, den Leib und sonderlich die nervosen Theil geschwächet
haben“.
Ist ~Scheuchzer~ von ~Floyer~ beinflußt worden? Die Frage läßt sich mit
ja und mit nein beantworten. ~Floyer~ berichtet, daß einige Engländer
das kalte Bad im Winter gebrauchen, wie es die Römer getan. Er spricht
sich nicht über den Nutzen oder die Schädlichkeit dieses Verfahrens
aus. Der Brauch selbst war ~Scheuchzer~ bekannt. Er schreibt: „Es haben
auch vor wenig Jahren die kalten Bäder, selbst in Mitten des Winters,
wiederum eingeführt die Engelländer, ob sie aber damit fortsetzen
werden, und ob es nicht auch Experimenta per mortes geben werde, stehet
zu erwarten.“ Vielleicht war diese Tatsache ~Scheuchzer~ auf anderem
Wege als durch ~Floyer~s Buch zur Kenntnis gekommen. Er beschäftigte
sich mit der englischen Literatur und übersetzte sie auch ins Deutsche.
Auffallend ist es jedenfalls, daß er ~Floyer~s Namen nicht nennt,
während er sonst peinlich genau sogar die Seitenzahl seiner Quellen
angibt. Wie dem auch sei, ~Scheuchzer~ hat vor ~Floyer~ voraus, daß
er vorurteilsfreier und weniger einseitig den Gegenstand behandelte.
„Es können“, sagt er, „die kalten Bäder viel beytragen zu Erhaltung
und Wiederbringung, aber auch zur Verstörung der Gesundheit. Es gehet
mancher naher Baden, oder in andere gewärmte Bäder, der sich weit
besser befunden bey unserem kalten Sil-, Limmat- oder See-Bad. Hergegen
gibt es auch solche welche sich der kalten Bäderen bedienen, denen
gesünder und angemessener wären die warmen.“
Blicken wir noch einmal zurück, so müssen wir die Tatsache
feststellen, daß unsere heutige Kaltwasserbehandlung von uralten
Volksgebräuchen ausgegangen ist, die jedoch zur Heilung von
Krankheiten nur Wasser bestimmter Brunnen zuließen. Ärzte waren es,
welche die Kaltwasserbehandlung von diesem Banne befreiten. Seit
~Floyer~s Auftreten wurde unaufhörlich am Ausbau der Hydrotherapie
weiter gearbeitet. Nicht mehr, wie es vorher in einzelnen Fällen
geschah, fiel das Errungene wieder der Vergessenheit anheim, und ehe
des Laien ~Vincenz Priessnitz~ Ruf durch Europa ging, war ein Teil
der Hydrotherapie, die Behandlung fieberhafter Erkrankungen, der
Nervenschwäche, aber auch mancher anderen, von ärztlicher Seite so fest
begründet und in einzelnen Universitätskliniken praktisch zur Anwendung
gekommen, daß es unbegreiflich erscheint, wie heute noch behauptet
werden kann, nicht Ärzte, sondern Laien hätten im 19. Jahrhundert den
Grundstein zur Hydrotherapie gelegt. Doch davon weiteres in einem
anderen Kapitel.
[Sidenote: _Kaltwasserkuren im Mittelalter_]
Von Kaltwasserkuren erfahren wir schon im Mittelalter. Die erste, von
der uns berichtet wird, wurde an einer Friesin, die an Verkrümmung
und Zittern der Glieder litt, vorgenommen. Sie erhielt von den sie
bedienenden Frauen beinahe eine Stunde lang ein kaltes Wasserbad. Die
Folge davon war eine Verschlimmerung der Lähmung und Verkrümmung. Erst
am Grabe des heiligen Alexander ward sie geheilt. Später aber nahm
der Bischof Otto von Bamberg eine Kur an sich mit Erfolg vor, als die
Kälte seine Füße bis aufs Mark angegriffen hatte. Er wies warmes Wasser
zurück, steckte die Füße in kaltes und vertrieb so Kälte mit Kälte[3].
In einzelnen Gegenden war diese Behandlung erfrorener Gliedmaßen
Volksgebrauch, doch nicht überall. Im 17. Jahrhundert warnte ~Fabricius
Hildanus~[101] vor Wärme und schlug Benetzung mit kaltem Wasser oder
Reiben mit Schnee vor. Er selbst gibt an, dies sei bei den Nordländern
Sitte, und bringt ein Beispiel, nach dem ein ihm bekannter Herr einen
vor Kälte erstarrten Menschen dadurch rettete, daß er den ganzen Körper
in kaltes Wasser warf.
Auch ~Scheuchzer~ schlug 1705 Begießungen mit kaltem Wasser vor und
hielt es für nötig, den erstaunten Leser durch eine längere Begründung
von der Wirksamkeit dieser Behandlung zu überzeugen[20].
Der in einer Speierer Urkunde 1344 vorkommende Wasserarzt[102] dürfte
kein Hydrotherapeut, sondern ein Wasser, also Urin beschauender Arzt
gewesen sein.
[Sidenote: _Osterwasser_]
Wie aus dem Vorhergehenden ersichtlich ist, schrieb das Volk nur dann
dem Wasser eine besondere Kraft zu, wenn es an der Quelle gebraucht
wurde. Man scheute beschwerliche Reisen in entlegene Gebirgsgegenden
nicht und stellte lieber einen Stellvertreter, als daß man das Wasser
holen ließ. Geschöpftes Wasser genügte nur in seltenen Fällen, wenn
es nämlich an besonderen Tagen und zu bestimmter Stunde geholt und
nicht von der Sonne beschienen worden war[19]. Ich erinnere an das
Osterwasser, das heute noch unter strengstem Stillschweigen in Bädern
oder Flüssen gegen den Strom geschöpft wird. Es hält sich das ganze
Jahr frisch, soll nicht nur Krankheiten heilen, sondern auch gegen
Hexen und Ungeziefer das Jahr hindurch schützen. Das gilt in Böhmen
auch für das in der Nacht vor dem Tage der Heil. drei Könige geholte
Wasser[75].
[Sidenote: _Heilawag_]
Das größte Ansehen genoß früher das in der heiligen Weihnacht
geschöpfte Wasser, das heute seine Bedeutung vollständig verloren
hat. Es führte noch in späteren Zeiten den Namen heilawâc, heilwâc,
heilwaege[19]. ~Grimm~ hebt das Alter des Ausdrucks hervor, der sich
nur wegen des großen Ansehens des Heilwags so lange in der alten Form
erhalten konnte.
Die erste Erwähnung geschieht durch ~Reinmar von Zweter~:
„Man seit von heilawage uns vil,
wie heil, wie guot ez si, wie gar volkomen der saelden spil,
wie gar sin kraft verheilet, swaz wundez an dem man verseret ist“[103].
1482 nennt ~Anshelm~ in seiner Berner Chronik neben anderen
vermeintlichen heiligen Dingen auch „heilawag“ als Mittel gegen
Gespenster, Hexenwerk, Zauberei und Ungewitter. Das hatte eine zu
Murten verbrannte Hexe angegeben. Aber schon ~Anshelm~ bekämpft den
Aberglauben[104]. Die letzte Erwähnung geschieht durch ~Philander von
Sittewald~ 1677, der ebenfalls gegen den Aberglauben predigt. „Das
fließend brunnwasser, so man in der H. Weynacht so lang die Glock
Zwölffe schlägt, samlet, und Heilwag genant wird, ist gut wider das
Nabelwehe“[76].
In etwas veränderter Bedeutung und unter entstelltem Namen kommt
es um 1600 im Baseler Gebiete vor. Dort führte der Landmann um die
Weihnachtszeit das Vieh an gewisse Brunnen oder Quellen zur Tränke.
Diese Örtlichkeiten sind bald als „hellewag“ oder „hellenwag“ (1599
und 1601), bald als „heiliger Wegbrunnen“ (1572) bezeichnet[39].
Hier ist die ursprüngliche Bezeichnung des Wortes, heilende Woge,
kaum zu erkennen. Ähnliche Zusammenstellungen sind „Badwag“ (1462)
für Badeplatz[73] und Babenwag. Heute noch wird im Kanton Zürich vom
Volk eine Sihlbrücke als „Brücke an der Babenwag“ bezeichnet. Schon
1267 kommt in der betreffenden Gegend eine Furt, Babenwag genannt,
urkundlich vor[105].
[Sidenote: _Taufwasser_]
Besondere Kraft schrieb man auch dem Taufwasser zu. Der Aberglaube zu
Osterode am Harz verlangte (1788), ein Kind so lange mit demselben zu
waschen, bis es aufgebraucht sei, um unreine Ausschläge zu verhüten[74].
[Sidenote: _Wasserurteil_]
Zum Schluß muß ich der unfreiwillig genommenen Bäder gedenken, die mit
altgermanischen Rechtsgepflogenheiten in Zusammenhang stehen.
Das Wasser galt als heiliges Element, das nichts Unreines duldete.
Diese Ansicht macht sich noch heute im Aberglauben geltend, nach
dem Leichen am neunten Tage vom Wasser ausgestoßen werden[68]. Im
Mittelalter beruhte darauf ein Gottesurteil, das Wasserurteil, und
zwar das kalte. Es wurde auffallenderweise nicht im fließenden Wasser,
sondern nach den Bildern des Heidelberger und Dresdener Sachsenspiegels
in großen, viereckigen, walzenförmigen und schalenartigen, mit Wasser
gefüllten Gefäßen vorgenommen (Abb. 14)[F]; vielleicht stand dies mit
der Weihung des Wassers durch den Priester in Zusammenhang[18]. Der
Angeschuldigte wurde mit einem Strick umwunden ins Wasser geworfen.
Ging er unter, war er unschuldig, im umgekehrten Falle schwamm er,
d.❆h. das Wasser stieß ihn aus. Das war die alte Auffassung.
[Illustration: Abb. 14. Wasserurteil. Zeichnung aus dem Heidelberger
Sachsenspiegel. Handschrift. 13. Jahrh. Nach ~Batt~, von ~Babo~.]
In einem rheinischen Weistume von 1338 (des Dreieicher Wildbanns in
der Nähe von Frankfurt) wird Knebelung an Händen und Füßen verlangt.
Hier dient als Gefäß „eine meieschebodin (Bütte) von dren fudir
wassirs“[535]. Ähnlich ist die Vorschrift in einem Pfälzer Weistum
von 1423. Aber in beiden wird der Untersinkende für schuldig erklärt.
Die alte Auffassung findet sich hier gerade umgekehrt, woraus ~Grimm~
folgert, daß die Ausübung längst unbekannt war[106]. Schon Ludwig der
Fromme erließ 823 ein strenges Verbot des Wasserurteils. Es scheint
mehr bei den gemeinen Leuten beiderlei Geschlechts zur Anwendung
gekommen zu sein, wie dies auch in einer Verordnung Kaiser Heinrichs
III. ausdrücklich hervorgehoben wird[18].
Ein Anklang an das alte Wasserurteil in großen Gefäßen fand sich zu
Eßlingen noch im 16. Jahrhundert. Dort hatte 1546 eine Jungfrau, Anna
Ulmerin genannt, ihre Mitbürger vier Jahre lang mit einem künstlich
gemachten Bauch genarrt. Als man der Sache überdrüssig war, da hat der
Rat „die tochter in einem Badzuber, wie man böse leut, so mit zauberey
befleckt, zů halten pflegt, durch zwen statkneckt zum gefencknuß tragen
lassen“[107] (Abb. 15).
Im 16. und 17. Jahrhundert fand bei den Hexenprozessen die Wasserprobe
wieder reichliche Anwendung[18]. 1584 empfahl sie ~Wilhelm Adolf
Scribonius~, ein berühmter Marburger Arzt, bei Verdacht auf
Hexerei[108]. Luther wollte sogar einen mit Kropf behafteten
blödsinnigen Knaben (Wechselbalg, Kilkropf) zu Dessau in der Mulde
ertränken lassen, womit aber der Kurfürst zu Sachsen und die Fürsten
von Anhalt nicht einverstanden waren[109]. Wir finden aber auch etwas
mildere Verfahren, den Teufel auszutreiben. So führten Mönche einen
vermeintlich besessenen Knaben in ein Kloster zu Konstanz
„Vnd namen in darnach gar pald
Vnd satzten in in ain wasser kaltt.“
Einer
„Der sprach: bist von synnen kommen,
So must in disem wasser baden,
Biß du vergissest deines schadens“[110].
In einem anderen Falle, den der Pfaffe ~Amis~ erzählt, wurde der
angeblich Geisteskranke im Schweißbade behandelt, allerdings so
energisch, „daz er vil nâch verbrunnen was“[3].
[Illustration: Abb. 15. Anna Ulmerin wird als Hexe im Badzuber von den
Stadtknechten ins Gefängnis zu Eßlingen getragen. Bilderbogen von 1551.]
[Sidenote: _Schwemmen_]
Vom Wasserurteil ist das Hineinwerfen ins Wasser als Strafe ohne
Tötung, das Schwemmen, zu unterscheiden. Daß es sich nicht um ein
Gottesurteil handelt, geht aus einer, wahrscheinlich 1320 gegebenen
Luzerner Verordnung hervor. Gotteslästerer sollten mit Geld gebüßt
werden. Wer die Strafe nicht bezahlen konnte, wurde geschwemmt[111]. Es
war gleichsam eine Vorstufe des Ertränkens:
„Man hat dich ouch z Straßburg geschwemmt
Und bist ouch fast kum worden erbätten;
Und wo sy dich noch möchtend beträtten,
So wurdest du von inen ertrenkt“[12].
In Luzern (Abb. 16) und Zürich nahm man das Schwemmen wörtlich. Man zog
den Verbrecher an einem Seile eine vorgeschriebene Strecke den Fluß
hinab[112]. Anderorts hatte man Badekörbe (Mülhausen), Wippen, Geigen
und Fiedeln, mit welchen der Frevler ins Wasser gelassen und wieder
herausgezogen (geschnellt) wurde[113].
Hierher gehört die Wassertauche, ein Verbrechen, das im Altertum
häufig, späterhin selten war und darin bestand, daß einer unversehens
in Wasser gestürzt wurde, aber mit dem Leben davon kam[106]. Man ging
wohl von der Vorstellung aus, dem Gegner damit etwas Schimpfliches
anzutun. ~Jeckel More~ von Kederich warf seinen ungezogenen Sohn an ein
Seil gebunden in den Bach. Einem herzugeeilten Manne erklärte er, „daz
tede er, vmb daz er sich vur Ime deste mehr schemete“[114].
[Illustration: Abb. 16. Schwemmen des Hans Hegenheim in Luzern 1473.
Holzschnitt nach der Miniatur aus Diebold Schilling, Schweizerchronik.
1484. Nach ~von Liebenau~.]
[Sidenote: _Unfreiwilliges Hineinstürzen ins Wasser_]
Mehr scherzhaften Charakter haben ähnliche Gebräuche aus späterer
Zeit. 1480 erwähnt ~Anshelm~ in seiner Berner Chronik Mißbräuche in
der Fastenzeit. Neben anderem gebietet der Rat, „daß fürohin sollte
abgestellt syn das Werfen der Jungfrouwen in die Bäch“[104]. Im
Erfurter Zuchtbrief von 1351 heißt es: „Vnser hern verbieten auch,
das niemant zu Ostern, zu Pfingsten, noch zu keiner andern Zeit den
andern in das Wasser tragen oder werffen sal“[115]. ~Grimm~ erwähnt
einen ähnlichen Brauch in Polen und Schlesien. Dort werden am
zweiten Ostertage Mädchen, welche die Frühmette verschlafen haben,
von den Burschen gewaltsam begossen und mit Birkenruten geschlagen,
oder man reißt sie nackt aus den Betten, schleppt sie in einen Fluß
oder Röhrentrog, in eine wassergefüllte Krippe und läßt sie das Bad
aushalten. In Schlesien nennen sie das „schmagostern“. Der Name kommt
auch in Oberhessen vor und heißt, auf Ostern die Rute geben[19].
[Sidenote: _Aufnahme in die Brunnengemeinde_]
Anderen Ursprungs ist das Bräuteln in Sigmaringen, d.❆h. das
Inswasserwerfen der Neuvermählten. Man nahm es so streng damit, daß
sich sogar der Erbprinz Leopold von Hohenzollern und der König von
Rumänien vertreten ließen. Es wurde dabei der Neuvermählte um den
Brunnen getragen, ihm eine Fußspitze gewaschen. Dann mußte er auf einer
Stange reiten und scheint ins Wasser gestürzt worden zu sein[51]. Ich
glaube, daß der Brauch eine feierliche Aufnahme in die zum Brunnen
gehörige Gemeinde bedeutet. So wird heute noch in Blankenhain in
Thüringen am Tage der Brunnenfege jede Familie, die während des
verflossenen Jahres in das um den Hütersbrunnen gelegene Stadtgebiet,
in die sogenannte Nonnengemeinde zog, von den übrigen Mitgliedern durch
Musik feierlich bewillkommnet[72].
[A] Die Nachrichten darüber verdanke ich Herrn Alt-Schulinspektor
Dr. ~J. W. Hess~ in Basel. Sie sind Ergänzungen zu dessen Aufsatz im
Basler Jahrbuch[39].
[B] Die Sommersonnenwende findet um den 21. Juni herum statt, fällt
also nicht mit dem Johannistag zusammen. Man hielt auch beide
auseinander. Bei ~Jos. Simler~ findet sich 1576 die Stelle: „Es wirdt
aber järlich +vor+ Sant Johans tag zu Sonnwenden ein Eydgnössischer
Tag zu Baden gehalten“[60]. Häufiger aber decken sich beide Tage. So
machte Seifrit der Futraer 1333 den Armen im Wiener Bürgerspitale
eine Schenkung, die sie „an sand Johans tage zu sunniwenden“ zu
genießen hatten[16]. Der Inhaber des unteren Bades zu Liebenzell
hatte 1403 die Hälfte des jährlichen Zinses „uff s. Johanns tag zu
sungethen“ zu zahlen[61], und die Regensburger Bader durften nach
einer Verordnung aus dem 15. Jahrhundert ihr Gesinde nicht vor „Sannt
johannstag Sunwenden“ dingen[62].
[C] 1580 wurde im Dorf Klein-Engstingen bei Aurach in Württemberg ein
Brunnen von saurem Wasser gefunden. Als Merkwürdigkeit wird angegeben
(1655), er lasse sich nicht einschließen (wohl wegen der Kohlensäure)
und sei doch gesund zum Trinken[83].
[D] St. Winfreds oder Wienfrieds Brunnen, jetzt Holywell genannt,
liegt bei dem gleichnamigen Ort in der Grafschaft Flint in Wales.
Nach einer älteren Angabe von 1748 gibt die Quelle in der Minute
hundert Tonnen Wasser. Ihre Verehrung knüpft an die Enthauptung
der heiligen Winefrida an. An der Quelle wächst grünes Moos, das
„Winefrids Haar“, das angenehm riechen und mit Erfolg auf eiternde
Wunden gelegt werden soll. Nach authentischen Nachrichten wird die
Heilung eines Ritters von Bath, der an Aussatz litt (1606), erzählt,
ferner die eines Geschwürs nach dreimaligem Baden, die Genesung eines
gelähmten Quäkers, sogar die auf einmaliges Baden erfolgte Heilung
einer Abgezehrten, die in England, Frankreich und Portugal vergebens
Hilfe gesucht hatte. Man trank das Wasser nicht. 1863 wurde es noch
meist äußerlich und namentlich bei Schnupfen und Unfruchtbarkeit
gebraucht. 1360 wurde die Quelle von Ranulf Hidgen in seinem
Polychronikon besungen[70].
[E] ~Floyer~ hatte übrigens in ~Robert Wittie~ einen Vorläufer. In
seinem „Fons Scarburgensis“ beschrieb er 1678 die zu Scarborough
in der Grafschaft York an der Nordsee gelegene sehr kalte Quelle.
Dort tauchten nach ihm die Mütter ihre rachitischen Kinder fünf-
bis neunmal mehrere Tage nacheinander ein und ließen sie danach in
warmen Betten schwitzen. Krampfkranke sollen eine halbe Stunde darin
ausgehalten haben. ~Wittie~ gebrauchte auch Seebäder gegen Gicht mit
Nutzen[97]. Auch ~Erasmus~ von Rotterdam berichtet von zwei Brunnen
vor einer Kapelle im Weichselland, die der Jungfrau heilig waren
und von wunderlicher, sehr großer Kälte und heilsam den Schmerzen
des Hauptes und des Magens sein sollten. Er schreibt diese Wirkung
aber jedem kalten Wasser zu. Die Hilfe der Jungfrau würde von den
Weichselleuten nur zur Ausbeutung der Fremden vorgeschoben[98].
[F] In einer Wessobrunner Pergamenthandschrift von 814 oder 815
findet sich neben dem bekannten Wessobrunner Gebete eine Beschreibung
der Begebenheiten bei und nach Auffindung des heiligen Kreuzes und
dessen Bewährung. Auf einer der Illustrationen zieht ein Mann einen
zweiten an einem Strick aus einem viereckigen Gefäße. (Abbildung
bei ~Kugler~)[625]. Ich würde die Darstellung für ein Wasserurteil
halten, wenn nicht die Überschrift „ubi ascendit iudas a lacu“
bestände, über die ich auch bei Fachleuten keine Auskunft erhalten
konnte.
BADEN UND SCHWIMMEN / UNTER FREIEM HIMMEL
Das einfache Bad im kalten Wasser war mit Ausnahme der wenigen
angeführten Beispiele zu Heilzwecken nicht in Gebrauch. Die
Schriftsteller erwähnen das kalte Bad, um es in der systematischen
Einteilung der Bäder nicht fehlen zu lassen, und kommen dann zu dem
Schluß, daß, wie ~Ryff~ sagt, „solchs baden diser zeit gentzlichen
aus der gewonheit kommen, .... dann sich diser zeit niemandts mehr
deß kalten badens oder begießens mit kaltem wasser gebraucht, dann
die vnerzogen mutwillig jugent zu Sommers zeit mehr der kurtzweil vnd
lusts halben, auch etwan schwimmen zu lernen, dann auß notturft“[48].
So schreibt auch der dänische Statthalter Heinrich Rantzau in
Schleswig vom kalten Bade im 16. Jahrhundert: „Die jungen leute und
handwerckspersonen solche bade im Sommer allermeist gebrauchen, sonsten
aber nicht gebreuchlichen“[459].
Ich stimme mit ~Zappert~ überein, daß sich die Jugend zu keiner Zeit
den Flußbädern entfremdete und es ihr vom Rhein bis zur Donau stets
als Hochgenuß galt, sich während der warmen Jahreszeit im kühlenden
Wogengischt tummeln zu dürfen[16].
Die Markomannen und Quaden wollten nicht in Städten wohnen, weil sie
dort des Flußbades hätten entbehren müssen[3]. Schon ~Cäsar~ berichtet
von dem Baden der Sueben im Flusse und wiederholt es von den Germanen
insgesamt, wobei er hervorhebt, daß die ganze Jugend, Mädchen und
Knaben, miteinander badete[116].
Die Schwimmkunst war in hervorragendem Maße ausgebildet. Nach ~Tacitus~
waren die Bataver so eifrig im Schwimmen, daß sie mit Pferd und Waffen
in geordneten Scharen über den Rhein dringen konnten[117]. Die Franken
durchquerten auf ihren Schilden die Rhone; denselben Brauch hatten
die Alamannen[3]. Die Fertigkeit im Schwimmen wußten die Römer an den
in ihren Diensten stehenden Germanen wohl zu schätzen, nachdem sie
dieselbe in den Jahren 69 und 70 zu ihrem Nachteil genügend kennen
gelernt hatten[118]. So wurden die Germanen ausgewählt, den anderen
Soldaten voran über den Tigris zu schwimmen. Einen Bataver Soranus
rühmte Kaiser Hadrian, weil er vor seinen Augen, mit allen Waffen
angetan, die Fluten der Donau durchschwamm[116].
[Sidenote: _Schwimmen im Mittelalter_]
Seinen Helden schrieb das Volk übermenschliche Geschicklichkeit und
Kraft darin zu. Beowulf gewann ein Wettschwimmen, in dem er sieben Tage
aushielt und von der Küste seiner Heimat bis nach dem hohen Norden
hinaufschwamm. Auch entrann er dem Feinde durch Schwimmen übers Meer
und führte dabei noch dreißig erbeutete Rüstungen mit sich[116].
Von Fürsten werden Kaiser Karl der Große und Otto II. als Schwimmer
gerühmt. Karls Biograph ~Einhard~ sagt von ihm, er habe seinen Leib
fleißig im Schwimmen geübt und verstand es so vortrefflich, daß es
ihm keiner darin zuvor tat[119]. Als Otto II. 982 bei Cotrone von den
Sarazenen geschlagen war, stürzte er sich zu Roß ins Meer und erreichte
nach einem erst gescheiterten Versuche zu Roß ein bekanntes Schiff,
das ihn aufnahm[120]. Barbarossa ertrank 1190 beim Baden im Flusse
Kalykadnos in Kleinasien.
In einzelnen Fällen wurden badende Krieger vom Feinde überrascht, so
die Alamannen 367 von den Römern[314], 976 die Bayern bei Pilsen unter
ihrem Herzog Heinrich von Kaiser Otto II.[120], und auch 1499 in der
Schlacht bei Dorneck griffen die Eidgenossen das Heer des schwäbischen
Bundes unerwartet an, als ein Teil in der Birs badete[121].
Im Mittelalter gehörte das Schwimmen zu den sieben ritterlichen Künsten.
„Di ander daz her kan geswumme
Und in dem wazzir getuche,
Sich gewende und gekrumme
Uf dem rucke und uf dem buche.“
So die Vorschrift in dem zu Kassel befindlichen Ritterspiegel des 15.
Jahrhunderts, und weiter heißt es dort:
„Schizin swummen stigin,
Sal ein ritter wole lerne,
Dese dri stucke in grozin krigin
Mag man werlichin kunnen gerne“[122].
Auch die Kirche stand dem Flußbad im Mittelalter und auch später nicht
so unfreundlich gegenüber, als gewöhnlich angenommen wird. Zwar finden
sich in mittelalterlichen Beichtspiegeln besondere Fragen für Kinder,
ob sie sich durch Schwimmen einer Todesgefahr ausgesetzt hätten[123].
Doch badeten die Nonnen von Rathhausen (Cistercienserinnen) im
Kanton Luzern noch um das Jahr 1470 in der Reuß und im Rothsee. Sie
mußten jedoch ihr Habit anbehalten und durften nur soweit in den
See hinausgehen, als es ohne die Schicklichkeit zu verletzen mit
emporgehobenem Kleide möglich war. Später wurde ihnen dieses Baden
allerdings verboten[124]. Im Nekrologium des Klosters Wettingen ist von
1385–1691 mancher Todesfall von Mönchen verzeichnet, der sich in der am
Kloster vorbeifließenden Aare beim Baden ereignete[125].
Der Froschmäusler rechnet neben Fechten, Ballschlagen und anderen
Unterhaltungen Gewandtheit im Schwimmen zu den Gepflogenheiten der
Studenten:
„Wie Jung Geselln zu Sommers zeit,
Am Wassr vnd Wiesen suchen freud.
Wie auff den Schulen die Studenten,
Baden, vnd tauchen gleich den Enten.
Schwemmen künstlich, wie Genß vnd Schwanen,
Fischen, fahren in Schiff vnd Kanen“[126].
[Sidenote: _Schwimmen der Jugend_]
1548 badeten in Frankfurt auch die Handwerksgesellen täglich im Main,
1484 die Barchentweberknechte sogar noch am Allerseelentage (2.
November), was wegen der Jahreszeit vom Chronisten als unvernünftig
bezeichnet wird[127]. 1521 wurde von etlichen zu Weißenhorn in
Schwaben am heiligen Tag zu Weihnachten in der Rot „von wunders wegen“
gebadet[128]. Offenbar verlief der Winter sehr gelinde. 1660 war der
Herbst so warm, daß in Allensbach die „junge Burst“ vielfältig im See
badete[129].
[Illustration: Abb. 17. Kinder in Ihren Spielen. Nach Dem Gemälde Von
~Pieter Brueghel~ (ca. 1520–1569).]
[Illustration: Abb. 18. Schwimmen der Kinder mit luftgefüllten
Tierblasen. Kupfer von ~Conrad Meyer~. Zürich. 1657.]
Schon im 13. Jahrhundert wird das Baden unter den Kinderspielen
aufgezählt und ein alter Mann, der daran teilnimmt, für dumm erklärt:
„Rite ein gra man vf vnd ab
Mit cleinen kinden vf einem stab,
vnd spilte gerade vnd vngerade
vnd ging mit in zewasser pade“[130].
~Pieter Brueghel~ hat es auf seinem in Wien befindlichen Gemälde
der Kinderbelustigungen nicht vergessen (Abb. 17), und der Züricher
Kupferstecher ~Conrad Meyer~ bildet es in der Mitte des 17.
Jahrhunderts unter den 26 Kinderspielen ab (Abb. 18)[132].
~Georg Pictorius~, Stadtarzt zu Ensisheim im Elsaß, berichtet 1553,
seine Landsleute, hauptsächlich die adeligen, führten zur heißen
Sommerzeit ihre Knaben zum Bad nach dem nächsten Flusse[16], im
Baderbüchlein (1560) hält er jedoch für seine Pflicht, den Eltern zu
eröffnen, „das nit hochuerstendig, so im summer die jugent im kalten
wasser badet. Dann ye so find ich geschriben, vnd zeigt es auch
gemeiner verstand an, dz actualis frigidatis, das ist des wassers kalte
wäsentlichkeit, die poros verschließet“. Die Komplexion des Menschen
sei, wie sie wolle, sie ist allweg vor dem Wasser, das vom Sonnenschein
erwärmt wird, zu hüten[152]. ~Conrad Heresbach~ (gest. 1576) und
~Johannes Sturm~ empfahlen, daß man Prinzen im Schwimmen übe[16].
Nach ~Ryff~ war das Baden im Flusse in der ersten Hälfte des 16.
Jahrhunderts im „hefftigen Gebrauch“[48], ~Lersner~ berichtet dasselbe
1706 von Frankfurt[133]. Hundert Jahre früher schreibt der nicht gerade
badefreundliche steirische Physikus ~Guarinonius~: „Kein Wunder,
daß alle Menschen Alter, so sonsten in jhrer Natur vnnd Begierden
vnterschiedlich, in diesem nicht anderst, als wir Teutschen im Wein
trincken, fast all zusammen stimmen, vnd nichts geliebters dann im
Wasser schwimmen, baden, schwemmen, waten vnnd waschen. Vnd gleich wie
die newgeborene Kindlein im Wasserbad alles jhres Leyds, Schmertzens
vnd Heulens vergessen, also ist der ersten Jugend nichts annemblichers,
als im Wasser herumb zu schwimmen, und zu baden“[134]. 1790 lesen wir
bei ~Ferro~ in Wien: „Alle unsere Landleute, die an Seen oder Flüssen
wohnen, üben sich von Jugend auf im Schwimmen, und man sieht oft
ganze Schwärme von Bauern an heißen Sommertagen zu ihrer Belustigung
und Abkühlung herumschwimmen. Nur unter den verfeinerten Menschen,
besonders in Städten, ist diese natürliche Geschicklichkeit zu einer
beschwerlichen Kunst geworden“[135].
Von einem Rückgang des Flußbadens kann höchstens — wenigstens für
Zürich — in den siebziger und achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts
unter der Stadtbevölkerung die Rede sein, bei der es für pöbelhaft
angesehen wurde. Doch finden wir um dieselbe Zeit schon die lebhafteste
Agitation für dessen Wiedereinführung. Sie nahm ihren Ausgang, wie
schon erwähnt wurde, von England. ~Flover~ als Arzt und ~Locke~ als
Erzieher traten zuerst in ihren Schriften dafür ein. „Ich werde nicht
nötig haben, es erst zu sagen, daß der Knabe schwimmen lernen muß“,
lautet ein Ausspruch ~Locke~s[136].
[Sidenote: _Schwimmen als körperliches Erziehungsmittel_]
Man hob besonders hervor, daß Baden im kalten Wasser nicht nur zum
Vergnügen, sondern vor allem als körperliches Erziehungsmittel zur
Verhütung der Weichlichkeit und Abhärtung der Jugend diene. Eines
weniger bekannten Verfechters dieser Ideen sei hier noch gedacht, des
Baseler Ratsschreibers (von 1756–1782) ~Isaac Isilin~[137].
Verfehlt muß ~Rousseau~s Vorschlag bezeichnet werden, nach dem die
Kinder durch Baden in möglichst kaltem und auch in möglichst heißem
Wasser gegen Temperaturschwankungen der Luft unempfindlich gemacht
werden sollen[100]. Am vernünftigsten war unter den Erziehern
~Guts-Muths~, dessen kleines Lehrbuch der Schwimmkunst 1798 erschien.
In der zweiten Auflage seiner Gymnastik für die Jugend[136] sagt
er: „Ich denke mir diese Art des Bades (des kühlen und kalten von
den warmen Tagen des Frühlings bis in den Herbst hinein), indem ich
als Pädagog schreibe, nie anders als mit Schwimmen verbunden, weil
dadurch der Nutzen desselben ungemein gesteigert wird. Ein solches
Bad hat seinen entschiedenen, großen Nutzen für gesunde Knaben und
Jünglinge. Für gesunde sage ich; denn nur diesen bestimme ich die
ganze Gymnastik.“ Im übrigen sagt er: „Bade, wie es dir wohl bekommt.“
Dadurch unterscheidet sich ~Guts-Muths~ vorteilhaft von ~Salzmann~,
der an den ihm anvertrauten Zöglingen als Lehrer Kaltwasserkuren
in Krankheitsfällen vornahm (Noch etwas über die Erziehung nebst
Ankündigung einer Erziehungsanstalt, Leipzig 1784)[138].
[Sidenote: _Verordnungen gegen das Baden im offenen Wasser_]
Kehren wir zu vorhergehenden Jahrhunderten zurück, so finden wir unter
den Schulmännern durchaus andere Ansichten. Die Sorge um das leibliche
Wohlergehen ließ sie Baden in offenem Wasser, Wettlaufen, Springen,
zuweilen auch Schlittschuhlaufen verbieten. Solche Vorschriften wurden
1584 für die Hofmeister und Präzeptoren der jungen, elf und acht
Jahre alten Herzoge von Bayern, Maximilian und Philipp, gegeben[139].
~Valentin Friedland~ (genannt ~Trotzendorf~) erließ ähnliche für
seine berühmte Lateinschule zu Goldberg in Schlesien[140], und nach
seinem Tode wurden sie 1563 erneuert[141]. Sie finden sich um die
gleiche Zeit in Schulpforta und noch später unter ~Bertuch~, der von
1601–1621 Rektor war[141]. In der Schulordnung des Hamburger Johanneums
vom Jahre 1537 heißt es lateinisch: „Qui — se aquis committunt —
poenas graves dabunt“, deutsch übersetzt: „de an dat Water gehn unde
sick baden unde schwemmen gelyck alse de Göse edder de Entechen —
schälen schwehrlicken gestraffet werden“. Auch in Eßlingen ward in
der Schulordnung von 1548 das Baden im Neckar verboten; ebenso war an
der Fürstenschule zu Meißen nach der Schulordnung von 1580 das Baden
im Flusse der Gefährlichkeit wegen untersagt[118] und zu Bern, wie
~Wilhelm Lutz~, Deutschlehrmeister daselbst, berichtet, 1685 in der
Aare, aber in den umliegenden Bächen gestattet[142]. Noch 1736 wurde
in Baden durch obrigkeitlichen Erlaß sämtlichen Rektoren und Lehrern
befohlen, ihre Schüler „vor dem so gemeinen als höchst gefährlichen und
ärgerlichen Baden“ zu warnen und die Übertreter zu bestrafen[18].
Daneben treffen wir behördlicherseits angeordnete, wohl begründete
Verbote. Im Stadtrecht von Wiener-Neustadt (1221–1230) wird das
Baden im Stadtgraben untersagt, damit der Feind dessen Tiefe
nicht erspähe[143]. 1502 hatte in Würzburg der Viertelmeister
(Quartiervorstand) zu Haug von Haus zu Haus zu gehen und anzusagen, daß
niemand bei Strafe im Stadtgraben baden dürfe[144]. 1554 verordnete
ein kurfürstlich St. Ambergisches Gesetz die Abschaffung des Badens im
Stadtgraben[16]. Würzburg verbot auch und ließ es 1504 im Stadtteile zu
Haug und im Sande von der Kanzel verkünden, das Baden der Menschen des
in diesen Bezirken gelegenen Eichelsees. Dort wurde nämlich das Vieh
geschwemmt[144].
Wiener Verbote aus den Jahren 1633, 1643 und 1711 betreffen das Bad
in der Donau. Die Veranlassung dazu gab 1633 das Ertrinken einiger
bezechter jungen Leute[16]. Behördlicherseits wurde auch darauf
gesehen, daß die Grenzen des Anstandes nicht überschritten wurden und
die Badenden nicht ganz im Adamskostüm auftraten. ~Paulus Behaim~
kaufte 1559 sogar seinem Kinde eine Badehose[123], und ~Hans Sachs~
läßt den Kaiser Julianus nach dem Ablegen der Kleider im „badtmantel“
zum Flußbad gehen und an dessen Stelle den Engel im „badlach“
zurückkehren[29].
1541 hatten in Frankfurt auf den Eistag oder am Tag St. Petri acht
Mann, wie sie Gott geschaffen, ganz nackt und bloß im Main gebadet,
getanzt und gesprungen. Dafür wurden sie vier Wochen gefangen gelegt
und die Zeit über mit Wasser und Brot gespeist[133]. 1548 wird in
derselben Stadt in Anbetracht, daß die Handwerksgesellen, so täglich
im Main baden, viel Unzucht treiben, beschlossen, den Meistern in den
Handwerken zu befehlen, ihren Dienern anzuzeigen, daß sie hinfür „ir
nidercleider“ anziehen. 1550 muß wiederum auf allen Zünften, auch in
der Neustadt und in Sachsenhausen, eine Mahnung erlassen werden, daß
die Gesellen gedeckt und züchtig baden. Wo sich jemand ungebührlich
zeigen werde, solle er gestraft und zur Haft gezogen werden[127].
In Elgg, einer kleinen Gemeinde des Kantons Zürich, wurde 1668 durch
Mandat das Zusammenbaden von Knaben und Mädchen verboten[145]. „Weillen
das Baden der Jungen Menscher und Bueben Sommerszeit sehr ärgerlich,
und vill schlimbes nach sich ziehet“, heißt es in einer Verordnung des
Markts „Weickendorff in Marchfelt“, „als will hiemit soches die gnädige
Grundobrigkeit dergestalten abgeschafft haben“. Das Verbot trifft nicht
etwa Kinder; denn es heißt weiter, daß die erwachsenen Bueben und
Menscher (Mädchen)[A], wenn sie beim Baden gesehen werden, gestraft
werden sollen. Im gleichen Sinne ist auch die 1748 für denselben Ort
vom Abt ~Thomas~ von Mölk getroffene Verfügung aufzufassen, nach der
Eltern, die ihren Kindern öffentliches Baden zuließen, um ein Pfund
vier Schilling gestraft werden. Erwachsene sollten „gleich aufgehoben
und eingespöret werden“[146].
[Sidenote: _Die Furcht vor dem Ertrinken / Maßnahmen gegen
Unglücksfälle_]
Sehen wir die angeführten Verbote durch, so tritt uns als Badehindernis
— neben Gründen der Schicklichkeit — an erster Stelle die Furcht
vor dem Ertrinken, namentlich in reißenden und größeren Flüssen
entgegen. „Bäche hatte man nicht überall, besonders in Städten. In
Flüssen wars zu gefährlich; nebstdem schickte es sich auch nicht für
den Wohlstand, öffentlich vor aller Welt sich aus- und anzuziehen. In
Wannen sich zu baden, war gegen die Absicht des kalten Bades selbst“,
so schildert ~Ferro~ die Ansichten seiner Zeit[135]. Da nun aber
trotzdem gebadet wurde, suchten Behörden und Privatleute die Gefahren
wenigstens zu mindern. Von der Mitte des 18. Jahrhunderts an wurden in
zahlreichen Orten Anleitungen zur Rettung Ertrunkener (oder überhaupt
Verunglückter) herausgegeben. Im letzten Viertel traten Rettungskisten
— ich finde sie einmal als Pariser bezeichnet — hinzu, die an
geeigneten Orten in der Nähe des Ufers angebracht waren. Sie enthielten
neben wollenen Decken zumeist chirurgische Instrumente und Arzneien zur
Wiederbelebung Ertrunkener. 1780 fanden sie sich sogar in den kleinen
Orten am See und an den Flüssen im Kanton Zürich vor[147].
Immerhin fehlte es in Deutschland noch an Gelegenheit, sich in
den Flüssen „sicher und bequem“ zu baden. Frankreich errichtete
Badeanstalten. Selbst Polen ging voran, nur Deutschland blieb zurück
(~Held~ 1777 in der Vorrede zur Übersetzung von ~Marteau~)[148].
Ich muß hier einfügen, daß man auch schon im Mittelalter für
geeignete Stellen zum Baden im Freien sorgte. 1462 liegt zu Meßkirch
in Baden eine Weidegrenze „in dem graben bey dem Badwag“[149], der
nach ~Fischer~s schwäbischem Wörterbuch ein Badeplatz ist. Auch
das mittelalterliche Hausbuch aus dem 15. Jahrhundert zeigt in der
Darstellung des Planeten Luna badende Kinder in einer Ausbuchtung des
Sees (Bodensees?), zu der Leitern vom Ufer hinabführen[150]. Nach
~Grimm~ wird die Badestelle auch mit Badefleck bezeichnet[151]. Doch
versteht der Meistersinger ~Hans Foltz~ (15. Jahrhundert) darunter
etwas anderes (siehe S. 118).
[Sidenote: _Die sogenannten Flußbadeanstalten_]
Die erste Flußbadeanstalt errichtete 1760 ~Poitevin~ in Paris. Sie lag
auf zwei Schiffen in der Seine. Das größere davon war fest verankert
und trug ein zweistöckiges Gebäude, das kleinere ein einstöckiges
und konnte fortbewegt werden. Das Flußwasser wurde in beide Häuser
gepumpt und nach Filtration in Wannen zum Bad verwendet[4]. Man konnte
dort aber auch im Flusse schwimmen lernen und baden[97]. Nach einer
Schilderung von 1803 befanden sich in der Anstalt Heizvorrichtungen zum
Erwärmen des Badewassers. Auch eine angebrachte Brause, die vom oberen
ins untere Stockwerk fiel, war für warmes Wasser eingerichtet[4].
Diese ~Poitevin~sche Anstalt, ursprünglich wohlfeil, wurde immer
eleganter eingerichtet, und 1835 kostete ein Bad einen Louisdor[97].
Sie kann nicht als Muster unseres heutigen deutschen Schwimmbades
angesehen werden, obwohl sie für einzelne deutsche Bäder vorbildlich
wurde. Dahin gehört das 1800 vom Frankfurter Arzte ~Kohl~ auf dem
Main errichtete Badeschiff[153]. Man erhielt darin neben einfachen
warmen Wasserbädern auch Stahl-, Kräuter-, Schwefel-, wohlriechende
Seifenbäder, ein künstliches Wiesbad (Wiesbaden) und künstliche
Seewasserbäder. In nett möblierten Badezimmern mit Wannen von weißem
englischen Doppelblech konnte man hier das kalte Mainflußbad (!)
mit mehr Sicherheit und Bequemlichkeit isoliert gebrauchen. (~Kohl~
selbst sagt übrigens davon nichts.) In der Nähe der Anstalt war eine
schöne Esplanade angelegt, wo die Badegäste vor und nach dem Bade
Mineralwasser trinken und lustwandeln konnten[4].
Man muß nach dieser Schilderung nicht mehr von Flußbadeanstalten,
sondern von Bädern mit Flußwasser sprechen. Sie sind den ihnen
nachgebildeten gleichwertig, die „reines“ Brunnenwasser verwendeten
und den Winter über geöffnet waren. Da die Schriftsteller beide
Arten nicht immer auseinander halten, auch in einzelnen Anstalten
bald warme, bald kalte Bäder gereicht wurden, will ich sie zusammen
besprechen. Sie waren in erster Linie für den reichen Mann bestimmt
und traten als Konkurrenten der Kurorte auf. ~Schreger~ sagt 1803
vom ~Kohl~schen Badeschiffe: „Viele Frankfurter Einwohner, welche
sonst auswärtige Bäder besuchen, erhalten durch dieses gemeinnützige
Institut Befriedigung ihres Bedürfnisses an ihrem Wohnorte, wobei sie
viele Kosten ersparen und während der Badekur ihre Berufsgeschäfte
forttreiben können“[4].
In Sagard auf Rügen errichtete 1795 ein Prediger ~Willich~ auf seine
Kosten ein Badhaus, das mit Brunnenwasser gespeist wurde. Es enthielt
zwei Steinbäder in der Erde, die ursprünglich für kaltes Wasser
bestimmt waren und nur auf schriftliche ärztliche Verordnung benutzt
werden durften. Auch ein Sturzbad war angelegt. Später kamen warme
Bäder hinzu. 1800 hatte das Badehaus Billard-, Tanz- und Spielzimmer.
Pharao war jedoch verboten[153].
Frankfurt besaß 1803 eine zweite Badeanstalt in der Stadt, die ein
Uhrmacher ~Hof~ in seinem Hause errichtet hatte. In Nürnberg war
1803 aus älterer Zeit her eine öffentliche Anstalt im sogenannten
Fechthause mit mehreren Badezimmerchen in Gebrauch. Von Ärzten wurden
Badeinstitute 1797 in Bayreuth durch ~von Schallern~ mit warmen und
Flußbädern und einem Spritzbade, 1798 (?) durch ~de la Roux~ in Celle
mit künstlichen Bädern, in Bremen von ~Heineken~, 1803 (?) von ~Welper~
in Berlin errichtet. Ballenstädt am Harz bekam 1802 am Riederschen
Bache eine Badeanstalt mit warmen und kalten Bädern. Eine größere
scheint die im selben Jahre vom Stadtwundarzt ~Meyer~ in Braunschweig
beim Einfluß der Oker errichtete gewesen zu sein. Sie lag auf einem
Floß, hatte vierzehn Zimmer in Abteilungen zu kalten und warmen, als
auch Tropf-, Spritz- und Dampfbädern. Alle auswärtigen Mineralwasser
zum Trinken, sowie Stahl-, Schwefel-, Kräuter-, wohlriechende Seifen-,
künstliche See- und Mineralbäder waren daselbst zu haben[4]. In Wien
wurde 1804 das Dianabad erbaut[154] Mannheim hatte 1807 mehrere Bäder,
von denen sich diejenigen der Herren ~Etienne~ und ~Hagenmeier~ durch
große Gartenanlagen auszeichneten. In der ~Hagenmeier~schen Anstalt
erhielten Arme, deren Krankheit bezirksärztlich bescheinigt war,
„freie, einfache und componierte Bäder“ gratis. Im gleichen Jahre sagt
~Wichelhausen~: „In Deutschland dürften jetzt wohl wenige bedeutende
Städte vorhanden sein, wo nicht Fluß- und andere Badeanstalten angelegt
worden wären“[155].
[Sidenote: _Die echten Flußbadeanstalten_]
Kehren wir zu den kalten Bädern im Flusse zurück. Die eingepfählten
Badeplätze und kleineren Häuschen am Ufer, in denen man badete,
scheinen 1803 schon häufig benutzt worden zu sein[4]. 1792 hatte aber
Jena trotz der zahlreichen Studenten keinen beaufsichtigten Badeplatz.
Gebadet wurde dennoch. Es konnte, wie der Jenaer Professor ~Gruner~
mitteilt, nicht verhindert werden[156].
Die erste große deutsche Badeanstalt wurde auf dem Rhein bei Mannheim
1777 errichtet[157]. Ihre genauere Einrichtung konnte ich nicht
ermitteln. Sie lag mitten im Flusse, stieg und sank mit diesem und
hatte Vorrichtungen, durch die man sitzend das Bad gebrauchen konnte.
Der Zulauf war sehr bedeutend. „Das Gedränge des Volks, sich dieses
heilsamen Instituts zu bedienen“, sagt ~Ferro~, „das Frohlocken der
Ärzte, die itzt endlich einmal ein Mittel gebrauchen konnten, womit sie
der überall eingerissenen Nervenschwäche, die eben so sehr den Arzt
als den Kranken quält, Einhalt zu thun im Stande waren — dieß sind
offenbare Beweise, daß itzt nicht mehr Verzärtlung, nicht Eigensinn,
nicht Dummheit, sondern bloß der Mangel an Gelegenheit die Schuld des
Aufschubs gewesen war“[135].
Schon 1778 badeten Gesunde und Kranke aus Mode blindlings darauf los,
weil man die Rheinbäder für ein untrügliches Mittel gegen alle Übel
ansah. Das veranlaßte den Heidelberger Professor ~May~, eine ernste
Mahnung an seine lieben, guten Mitbürger zu erlassen, in der er die
Bäder nur Gesunden für zuträglich erklärte und nur dann, wenn sie recht
gebraucht würden. Vor allem hatte er zu tadeln, daß man ruhig im Bade
saß, ohne sich zu reiben. Manche aßen sogar Schinken und Butterbrot und
zechten. Schwangere Frauen hatten Blutflüsse erlitten, Kranke bekamen
Blutspeien, Husten, Schnupfen und dergleichen mehr. Manche Badenden
konnten sich nicht wieder erwärmen[158].
1774 errichtete ein Schiffer in Frankfurt auf dem Main eine Badeanstalt
für Frauen[127], über die ich nichts näheres erfahren konnte.
[Sidenote: _Die Flußbadeanstalten zu Wien und Dessau_]
1781 kündigte der Wiener Arzt ~Ferro~ seine Badeanstalt auf der Donau
an. Er bezeichnete sie als neu eingerichtete englische Bäder, wohl
weil die Engländer das kalte Bad, namentlich das im offenen Meere,
in Aufschwung brachten. Von englischen Flußbadeanstalten ist mir
nichts bekannt. Sie genoß der besonderen Gunst Kaiser Josephs, auf
dessen Befehl zu einem bequemeren Besuch des Bades die hintere Tür des
Augartens gegen die Brigittenau ständig offen gehalten wurde. Trotzdem
wurde ~Ferro~ von den kaiserlichen Leibärzten ~van Swieten~ und ~Störk~
wegen seiner Ankündigung angefeindet[159]. Die Anstalt bestand aus
einem Floß mit Badehäusern und durchbrochenen Senkkästen (Abb. 19/20).
Diese waren in der Größe verschieden, für einzelne Personen und auch
zum gemeinsamen Gebrauch, in denen auch geschwommen werden konnte.
Interessant ist, daß ~Ferro~ von den letzteren sagt, sie seien von
vielen Personen, die schamhaft sind und sich deshalb nicht gern in
Gesellschaft baden wollen, gemieden worden[135].
[Illustration: Abb. 19. Die Ferrosche Flußbadeanstalt in Wien. Kpfr.
aus: ~Ferro~, Vom Gebrauch des kalten Bades. Wien 1796.]
Nach ~Ferro~s Muster wurde in Dessau 1802 die ~Olberg-Thorspeden~sche
Anstalt auf der Mulde errichtet. Sie bestand aus zwei Kähnen mit drei
von doppelten Leinwandwänden eingeschlossenen Zimmern[4].
Warme Bäder gab es in diesen Anstalten nicht. Dagegen hatte ~Ferro~ zur
Abkühlung vor dem Bade eine Brause, die er als Spritzbad bezeichnet,
angebracht. Sie war übrigens nicht ~Ferro~s geistiges Eigentum. Der
Pyrmonter Badearzt ~Marcard~ hat das kalte Traufbad (Shower bath) aus
England zuerst in Deutschland eingeführt[160].
Die Gelehrten stritten um diese Zeit untereinander, ob man nach
deutscher Art mit den Füßen voran langsam ins Bad einsteigen oder sich
nach englischer plötzlich ins Wasser werfen solle, womöglich mit dem
Kopfe voran. Was hier als deutscher Brauch bezeichnet wird, dürfte wohl
aber nur für die jene Anstalten besuchende verzärtelte Stadtbevölkerung
Geltung gehabt haben. Der Kopfsprung war in Deutschland längst in
Gebrauch (siehe S. 56–58).
[Sidenote: _Das Plongier- oder Sturzbad und sein richtiger Gebrauch_]
Die englische Sitte führt den Namen Plongier- oder Sturzbad. Im freien
Flusse schloß sich das Schwimmen daran an. Wurden die Sturzbäder in
großen Kästen genommen, so galt die Vorschrift, nach dem Eintauchen
das Bad sofort zu verlassen. Es konnte mehrere Male wiederholt werden.
Auf keinen Fall sollte man aber im Bad weiter verbleiben. Wir sehen
hier das heutige ~Priessnitz~sche Vollbad der Wasserheilanstalten
oder Bassinbad, wie es ~Matthes~[161] nennt, vollkommen ausgebildet.
Der oft mit Unrecht als Kaltwassergegner bezeichnete ~Marcard~,
der es in Pyrmont errichtete, gab uns 1793 die heute noch gültigen
Vorschriften, es richtig zu gebrauchen. Als er sich 1775 eingehender
mit den englischen Bädern beschäftigte, kam er zu der Ansicht, daß
man in Deutschland das kalte Bad falsch gebrauche. Die richtigen
Vorschriften, die er gibt, sind folgende. Man soll nicht erhitzt ins
kalte Wasser gehen. Das war schon früher bekannt. „Aber ein Irrtum
ist es denn doch auch, wenn man meint, man müsse aus der größten Ruhe
des Körpers ins kalte Bad gehen. Viel besser ist’s, den Körper vorher
ein wenig bewegt zu haben. Dieses ist .... eine Regel, welche die
Engländer befolgen (~Marcard~ ist meines Wissens der erste, der sie
angibt), und die sehr vernünftige Gründe hat. Die Engländer waren daher
auch sehr wohl damit zufrieden, daß das neue Pyrmonter Plongierbad
einige Minuten außerhalb Pyrmont angelegt sei, weil durch diesen
kleinen Gang der Körper in einige Bewegung gesetzt wird.“ Allzugroße
Ruhe vor dem Bade hat Frieren, Unbehaglichkeit und Bedrücktheit nach
demselben zur Folge, was auch der Fall bei zu schwacher Konstitution
ist. Bei einigen lassen sich die unangenehmen Folgen etwas mindern
durch starkes Frottieren nach dem Bade. Ein jedes kalte Bad muß kurz
sein, falls man nicht schwimmt oder sonst die Muskeln bewegt. Das
gilt um so mehr, je kälter das Bad ist. Das eigentliche Plongierbad,
das sofort nach dem Eintauchen verlassen wird, kann kälter als das
Schwimmbad sein. Mittelschwache Personen vertragen das ganz kurze Bad
noch leidlich, aber ganz schwache vertragen auch dieses nicht. „Kurz
baden die Engländer in ihren eigentlichen kalten Bädern, und ihr
häufiger Gebrauch seit 100 Jahren konnte sie wol die beste Methode
lehren.“ Eine Abhärtung ist nicht durch langes kaltes Baden, sondern
durch öftere kurze kalte Bäder zu erzielen. „Der Engländer springt
plötzlich ins Wasser, kehrt sich darin um, und in wenigen Sekunden geht
er wieder heraus; er wiederholt zuweilen diese Operation zum zweiten,
ja sogar zum dritten Male; alsdann läßt er sich trocken abreiben,
kleidet sich an und macht sich Bewegung.“ Das Trockenreiben soll mit
ungewärmtem Tuche geschehen. Nach demselben geht man an die Luft, zumal
an die Sonne, oder reitet, wenn es das Wetter erlaubt. Bleibt man zu
Hause, muß man sich da auch stärkere Bewegung machen, nicht gleich
zum Schreiben oder Lesen hinsetzen. Gute Bewegung, zumal in freier
Luft, ist nach dem kalten Bade höchst nötig; aber man muß sich nicht
in Schweiß laufen. Nach dem Bade zu Bett zu gehen, ist in den meisten
Fällen der Absicht dieses Mittels geradeswegs zuwider.
[Illustration: Abb. 20. Querschnitt der Ferroschen Badeanstalt. Kpfr.
aus: ~Ferro~, Vom Gebrauch des kalten Bades. Wien 1796.]
~Ferro~ war (1790) etwas ängstlicher. Er warnte vollblütige und auch
blutarme Personen vor dem Sturzbade. Von letzteren sah er einige
wie vom Schlage getroffen nach dem Bade, manchmal auch tödliche
Ohnmachten. Er ließ den Badenden an einem Seile durch das Wasser
fahren. Andere benutzten eine Schaukel, die eine Erfindung ~Cesaratis~
war. Man sprach dann von Schwungbädern[4]. Auch ~Ferro~ hielt das
kälteste Wasser für das geeignetste, nur beim nachfolgenden Bade
sollte Brunnenwasser als zu kalt nicht verwendet werden. Er ließ die
Sturzbäder in einem seiner Senkkästen nehmen.
[Illustration: Abb. 21. Hilfsapparate zum Schwimmen gegen Ende des 18.
Jahrhunderts. Kupfer von ~Schellenberg~. Aus: XI. Neujahrstück ab dem
schwarzen Garten. Zürich 1796.]
[Sidenote: _Abarten und Ersatz des Sturzbades_]
Als Ersatz für die Sturzbäder galten (1803) plötzliche Übergießungen
von kaltem Wasser in starkem Strome[4] und als mildeste Form das schon
genannte Regenbad (Shower bath), das Spritzbad ~Ferro~s, das aus einem
siebartig durchlöcherten Blechgefäß auf den Badenden herabfiel.
Die genannten Bäder können für den Gesunden nur als minderwertiger
Ersatz des Schwimmens gelten. Wie sehr man die Gefahr vor dem Ertrinken
noch fürchtete, geht aus der Anlage des Schwimmkastens im ~Ferro~schen
Bade hervor. Selbst in der ~Salzmann~schen Erziehungsanstalt zu
Schnepfenthal schwammen die Schüler in einem großen Wasserbehälter[136].
[Sidenote: _Schwimmen und Schwimmapparate_]
Unseren heutigen Schwimmunterricht schuf ~Guts-Muths~. Von ihm
stammt der Schwimmgürtel und die Angel. ~Ferro~s Anleitung ist viel
schwülstiger und umständlicher. Beide stimmen darin überein, daß neben
dem Schwimmen auch Wassertreten und Tauchen zu üben sei, was wir
ja auch in früheren Jahrhunderten schon finden. ~Maaler~s Lexikon
verzeichnet 1561 das „Wasser trätten“. Man schwamm, schwäbte und fuhr
auf dem Wasser, schoß auch „underhin“[162].
Vor Ausbildung unseres heutigen Schwimmunterrichtes lernte die Jugend,
wie mancherorts noch jetzt, das Schwimmen durch Hilfsapparate (Abb.
21). Meist sind es aus Rohr oder Binsen gefertigte Bündel, zwei
Rindsblasen, Flaschen aus Kürbis, Büchsen aus Blech, lederne Kissen,
die durch einen Riemen verbunden waren, auf den sich der Schwimmende
legte. Es kommen auch Rinden (~Conrad Clauser~, 1598), lederne
Brustgürtel (~Guarinonius~, 1610) und solche aus Pantoffelholz (Kork)
vor. Bei unvorsichtigem Gebrauch waren diese Apparate sehr gefährlich.
Die „Windmaschinen“ konnten platzen, oder der sie verbindende Riemen
glitt an das Fußende, wodurch der Kopf nach unten zu liegen kam (Abb.
18). Auch beim Gürtel, wenn er nur Kork auf der Brustseite enthielt,
konnte der Badende bei Wendung auf den Rücken ertrinken. Gegen Ende
des 18. Jahrhunderts kamen aus Frankreich besonders gut gearbeitete
Schwimmgürtel, unsere heutigen Rettungsgürtel, unter dem Namen
Scaphander nach Deutschland, unter denen sich der „Bachstromische
Curas“ auszeichnete[135].
Daneben finden wir Apparate, die das Schwimmen ersetzen sollten. Meist
waren sie Geheimnisse ihres Erfinders und wurden zufällig bekannt
gegeben. Die Züricher Kantonsbibliothek bewahrt ein Papiermanuskript
aus dem 15. Jahrhundert, das technische Fertigkeiten, zumeist
kriegswissenschaftliche, abbildet. Dort geschieht das Schwimmen in
lufthaltigen Stiefeln, die mit Platten an den Sohlen beschwert sind
(Abb. 22/23). Eine andere Abbildung zeigt einen doppelwandigen, mit
einer Platte beschwerten Taucheranzug für nahezu den ganzen Körper
(Abb. 24). 1615 gab ~Franz Kessler~ in Wetzlar die „sonsten lang
geheime, unglaubliche Kunst“ bekannt, in „Lufthosen“, die an den
Sohlen mit Blei beschwert waren und Flußfedern zum Steuern trugen,
übers Wasser zu gehen. Im Prinzip gleichen sie den vorigen. Sein
Wasserharnisch ist eine aus Rindshäuten hergestellte Taucherglocke
(Abbildungen bei ~Scheible~)[163]. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts
mehren sich dergleichen Apparate. Sie sind sämtlich als Westen
gearbeitet. 1782 ließ ein Ungenannter einen solchen durch den
königlichen Juwelier Jolly in Berlin ankündigen[164]. Ein Herr
~Leconte~ in Paris empfahl 1787, sein „gilet hydrostatique“ unter dem
Frack zu tragen, um bei Unglücksfällen durch Aufblasen desselben in
zehn bis zwölf Sekunden dem Tode zu entrinnen[165]. Schließlich arteten
diese Apparate in Spielereien aus. Der Tübinger Professor ~Ploucquet~
ging so weit, daß er 1798 vorschlug, im Scaphander oder einem aus
Pantoffelholz selbst gefertigten Schwimmgürtel, der zur Sicherheit mit
einem Schenkelriemen versehen sein sollte, einen Sonnenhut auf dem
Kopfe, die nötigen Kleidungsstücke auf dem Rücken, mit einem Ruder in
der Hand, ganze Landseereisen zu machen. Er konstruierte ein Wasserbett
und einen Wasserstuhl, die, im Flusse festgelegt, dem Nichtschwimmer
den Genuß eines Bades unter freiem Himmel schaffen sollten. Die
Apparate konnten auch zwischen zwei Kähnen angebracht werden, mit
denen der Badende herumfuhr. Ähnliche Vorrichtungen waren bei Konstanz
auf dem Bodensee unter dem Namen des Wasserschlittens schon vorher in
Gebrauch[166].
[Sidenote: _Schwimmen in den Erziehungsanstalten und beim Militär_]
Die wahre Volkstümlichkeit erhielten die Flußbadeanstalten durch
Errichtung derselben von seiten der Militärbehörden, wo auch der
gemeine Soldat und ebenso der Bürger sein Bad nehmen konnte.
In den Erziehungsinstituten des 18. Jahrhunderts, die namentlich
adelige Knaben aufnahmen, war, wie schon erwähnt wurde, das Schwimmen
eingeführt. Die Eleven (Karlsschüler) in Stuttgart badeten, um
den Körper zu stärken[135]. In der Schnepfenthaler Anstalt fanden
Dauerschwimmen statt. Bei einem solchen ging ein Schüler aus Genf als
Sieger hervor, der in ein und drei viertel Stunde fast eine drittel
deutsche Meile zurückgelegt hatte. Wettschwimmen wurden in Kopenhagen
unter den Zöglingen des gymnastischen Instituts, den Artillerie- und
den Seekadetten veranstaltet, unter den letzteren sogar in Kleidern
(~Guts-Muths~, 1804).
[Illustration: Abb. 22/23. Hilfsapparate zum Wassertreten und Schwimmen
im 15. Jahrhundert. Papierhandschrift. Kantonsbibliothek Zürich.]
1817 führte General ~von Pfuel~ das Schwimmen in der preußischen Armee
ein[167], und 1839 wurde die erste militärische Schwimmschule zu Graz
in Österreich errichtet[168].
Es ist nicht uninteressant, die Flußbadeverhältnisse einer einzelnen
Stadt durch mehrere Jahrhunderte hindurch zu verfolgen. Aus
naheliegenden Gründen wähle ich Zürich, zumal sich für keine andere
Stadt ein größeres Material vorfinden dürfte.
[Illustration: Abb. 24. Taucheranzug im 15. Jahrhundert.
Papierhandschrift. Kantonsbibliothek Zürich.]
[Sidenote: _Nic. Wynmanns Bericht vom Jahre 1538 über die Schwimmkunst
der Züricher Jugend_]
~Nicolaus Wynmann~, gebürtig aus dem Saanetale, hat im Jahre 1538 als
Professor der alten Sprachen in Ingolstadt ein lateinisches Gespräch
veröffentlicht, das den Titel „Colymbetes sive de arte natandi“ trägt
und Jugenderlebnisse des Verfassers in Zürich schildert[169]. Ich gebe
es in der Übersetzung ~Gustav Freytag~s wieder[170].
„Pampinus: Da ich noch als Knabe zu Zürich in Helvetien mich aufhielt,
gingen unser oft zwanzig bis dreißig Schüler zusammen in das Schilfwerk
am Seeufer.
Erotes: Was wolltet ihr da machen?
P.: Jener Ort ist ungefähr tausend Schritte von der Stadt entfernt.
E.: Weiter.
R: Dort fertigte sich jeder aus dem Schilfe, das in der Seebucht eine
bedeutende Höhe erreicht, ein Bündel, befestigte es um den Leib, so daß
er mit vorgestrecktem Kopf und Hals einer Gans ziemlich ähnlich sah;
an das Bündel knüpfte er sein Hemd — denn die übrigen Kleider ließen
wir gewöhnlich zu Hause — und so, von unsern Rohrbündeln getragen und
nur mit den Füßen rudernd, schwammen wir in Reih und Glied in den See
hinaus.
E.: Die Verwegenheit dieser Knaben in einem so tiefen See hätte wohl
der Lehrer mit einer guten Rute züchtigen dürfen.
R: Draußen im See, vierzig Schritte vom Ufer, war eine sehr große
steinerne Bildsäule des heiligen Nikolaus, die auf einem mächtigen Fels
ruhte.
E.: Besser hätte da der heilige Christoph hingepaßt.
P.: Nachdem wir den Heiligen in geordneten Reihen dreimal umschwommen
und pflichtgemäß gegrüßt hatten, da er doch der Jugend gütiger
Schutzpatron ist, kehrten wir um und steuerten gerade der Stadt zu.
E.: Auf so weitem Wege?
R: Allerdings. Jeden, der aus der Reihe gewichen wäre, traf die Strafe,
daß er zu Hause sein Pferd (?) verlieren sollte.
E.: Eine schwere Buße.
R: In geordnetem Zuge schwammen wir unter dem Wassertor der Stadt
durch, da wo die Limmat aus dem See zu fließen beginnt. Dann stimmten
wir ein bekanntes Lied an und schlenderten fröhlich mitten durch die
Stadt nach Hause.
E.: Ich bin ganz erstaunt. Aber wie? Lerntet ihr Knaben alle schwimmen
ohne irgendwelche Hilfe?
P.: Ganz gut.
E.: Woher lernen denn dort die Knaben so geschickt schwimmen?
P.: Du weißt, was gute Lehrer in jeder Kunst ausrichten können und was
eine anhaltende Übung, die beste Lehrmeisterin, vermag; dazu kommt als
neuer Reiz ein herrlicher Fluß und der nahe See. Man möchte behaupten,
daß die Kinder die Kunst mit ihrer Geburt fast spielend erlernen.
E.: Die Kunst der Enten meinst du, nicht der Menschenkinder.
P.: Der Unterricht in dieser Fertigkeit geht gleichsam von einer Hand
in die andere. Kurz, du könntest da, wie das Sprichwort sagt, die
echten Schwimmer aus Delos sehen. Und nicht nur Knaben, sondern auch
Mädchen würden dir ein angenehmes Schauspiel bieten.
E.: Mädchen sagst du?
P.: Ja freilich. An hellen Sommerabenden, wenn das Wasser durch die
Sonne des Tages erwärmt worden, baden sie scharenweise nach dem
Nachtessen; man möchte glauben, daß Delphine im Wasser spielten.
E.: Es wäre nicht zu verwundern, wenn alle Seegötter und Göttinnen als
Schutzgeister des Ortes da wohnten.
P.: Von den Erwachsenen lernen die Knaben; und es gibt auch hierin
gewisse Lehrer; wie wir von den Delphinen lesen, daß sie ihren Jungen
einen bejahrten Meister anweisen, von dem sie lernen können, was ihnen
einst zum schnellen Erhaschen der Beute von Nutzen sein wird.
E.: Glaubst du, daß dies wahr sei?
P.:Gewiß ist es wahr. Doch ich will zu meinem früheren Gegenstande
zurückkehren.
E.: Ganz recht.
P.: Vom frischen Bade gehen sie meist bald schlafen ohne Kleider.
E.: Die zärtlichen Asiaten!
P.: Wir sahen so oft Paare gleichsam im Wettstreite weite Strecken
hinausschwimmen, Manns- und Frauenspersonen, ähnlich wie zwei
zusammengespannte Rosse.
E.: Was höre ich?
P.: Was ich sage.
E.: Was sagst du, Pampinus?
P.: Was du hörst, oder vielmehr, wie es wirklich zugeht.
E.: Wie, schämen sich jene nackten Mädchen denn nicht?
P.: Sie tragen Hemden, die hierzu bequem eingerichtet sind.
E.: Ich glaube, daß Mädchen, wenn sie einmal sich die Fertigkeit
erworben haben, in dieser Kunst mehr Gewandtheit zeigen als Männer.
P.: Über den feinen und trefflichen Mann! Glaubst du das wirklich?
Wärst du nicht ein wenig neugierig?
E.: Wenn ich nicht irre, pflegt man wohl unter dem Baden süße
Gespräche, wofern nicht traute Umarmung gestattet ist.
P.: Ja bisweilen wird auch eine Vermählung geschlossen, nicht mit dem
Beistand der Juno, nur der Nereiden.
E.: Nach Art der Frösche! Es sind völlige Amphibien wie in der Fabel.
P.: So etwas siehst du kaum anderswo.
E.: Wer lehrt denn die Enten, Gänse, Wasserhühner und Taucher sogleich
schwimmen, wie sie geboren sind? Denn über die Fische wundere ich mich
nicht.
P.: Die Natur.
E.: Aber wie schwimmen sie denn so leicht einher?
P.: Ihre breiten, biegsamen Füße gebrauchen sie ganz bequem wie die
unteren Enden der Ruder. Sie breiten sie aus und falten sie beim
Zurückziehen wieder zusammen. Denn die Federn, welche bei diesen Vögeln
nur wenig benetzt werden, mögen in nichts hindern und eher in die
Höhe heben als senken. Ja, du kannst dasselbe an mehreren Vierfüßern
bewundern.
E.: So ist also der Mensch das einzige Geschöpf, das unglücklich und in
allen diesen Dingen unwissend zur Welt kommt?
P.: So will es unser, der Sterblichen, Los. Aber noch mehr würdest
du dich wundern, wenn du sähest, wie man sich von hohen Brücken
herabstürzt, was auch in Basel und Konstanz geschieht. Es gibt
in Zürich eine schöne Kirche, welche gleich einem Schiffschnabel
hinausgebaut ist und nach dem Wasser genannt wird.
E.: Und weiter!
P.: Ringsum ist dieselbe von Wasser umgeben, außer da, wo auf schmaler
Strecke eine kunstvolle Brücke an die Kirche angebaut ist.
E.: Erzähle weiter.
P.: Dort könntest du im Sommer einen merkwürdigen Wettstreit der
jungen Leute sehen. In diesem Umkreise folgen sie einander schnellen
Zuges gegen den äußern Teil der Kirche hin, wo wie am Vorderteil eines
Schiffes die Strömung des Flusses anprallt und nach beiden Seiten sich
teilt.
E.: Und dann?
P.: An dieser Stelle stürzen sie sich in die Tiefe des Flusses und
zwar nach der Reihe. Es ist vom Rate erkannt, daß, wer im Begriffe
herabzustürzen, den nächstfolgenden nicht beim Namen ruft, oder wer
nicht aus der Tiefe irgend ein Zeugnis, z.❆B. ein Steinchen oder etwas
anderes mit sich heraufbringt, dadurch gestraft werden soll, daß er mit
angezogenem Hemde von anderen herabgeworfen wird.
E.: Eine harte Bestimmung.
P.: Dir, mein Erotes, wäre das wohl unerträglich. Du sähest da zuerst
geflügelte Knaben, dann Forellen, zuletzt Grundeln; denn der Fluß ist
durchsichtig wie Glas.
E.: Man dürfte sich nicht wundern, wenn sie im Herabstürzen mit dem
Kopf gefährlich auf den Grund aufstießen.
R: Sie werfen sich nieder mit vorgehaltenen Händen.
E.: Warum nicht mit den Füßen voraus?
P.: Willst du das wissen?
E.: Allerdings.
P.: Es ist weniger Gefahr dabei. Denn nicht gering ist die Gefahr,
daß, wenn du mit ausgebreiteten Füßen herabspringst, dich das heftig
strömende Wasser mitten durchschneide, was anderswo öfter begegnet ist.
E.: Du sprichst da von unerhörten Dingen. Etwas so Weiches soll einen
Körper verletzen können?
P.: Verletzen? Wisse, das Wasser, welches in seiner Strömung
aufgehalten wird, ist etwas so Gewaltsames, daß, wenn du die Klinge
eines Schwertes hineinstößest, diese schneller bricht, als ein noch so
harter Stein.
E.: Du erzählst von einer wunderbaren Eigenschaft des Elementes.
P.: Wenn ich noch etwas werde beigefügt haben, werde ich von den
Zürichern Abschied nehmen, was vielleicht schon früher hätte geschehen
sollen.
E.: Sei versichert, daß mir alles, was du erzähltest, sehr angenehm war.
P.: Wir sahen in jenem See einmal einen Schulherrn, der unglücklich
aufgefangen wurde.
E.: Wieso?
P.: Da er allein schwamm, widerfuhr ihm, daß er mit seinen etwas zu
tief gestreckten Füßen in Wasserkräuter sich verwickelte; nachdem er
lange vergeblich sich zerarbeitet hatte, sank er zuletzt müde zusammen.
Als einige Fischer dies bemerkt und ihn mit Mühe aufgefunden hatten,
zogen sie ihn mit einer Stange heraus. Nachdem er ans Ufer getragen
worden war, wurde er auf Befehl einer abergläubischen alten Frau,
nutzlos, aus dem kalten in ein warmes Bad getragen.
E.: Eine unangenehme Waschung war das[B].
P.: Damit er, denke ich, durch die Wärme, erquickt wie eine Feldgrille
wieder neu auflebe. Etwas Ähnliches ist daselbst einer Schwimmerin von
schöner Gestalt begegnet, wie ich mit eigenen Augen gesehen.
E.: Meinst du eine Wasserschlange?
P.: Nein, sondern ein hübsches Mädchen, eine Nymphe, würdest du sagen.
E.: Warum bist du denn nicht mitleidig der zugrunde Gehenden zu Hilfe
gesprungen?
P.: Was sollte ich tun, da ich noch Knabe war ... Das herrlich
schöne Mädchen starb in der ersten Blüte ihrer Jahre eines traurigen
Todes[C]. O hätte doch ein gütiger Gott sich ihrer Jugend erbarmt und
sie demselben entrissen, auch wenn er sie plötzlich in einen Vogel
verwandelt haben würde!
E.: Für eine runzlige Alte oder einen alten Kracher hättest du, das
weiß ich sicher, nicht soviel Mitleid empfunden.“
[Sidenote: _Zwinglis und anderer Ansicht über das Schwimmen der Jugend_]
Nicht gerade wohlwollend drückt sich ~Zwingli~ über das Schwimmen
aus: „Schwimmen syhe ich wenig leütten dienen wiewol es zuweylen dem
leyb gut ist das man schwimmet vnd zu ainem visch wirt. Doch ist das
schwimmen vnder weylen zu ettlichen fellen gutt gewest. Also ist etwa
ainer auß dem Capitolio geschwummen der dem Camillo der Römer obristen
Feldthauptman von dem erbermlichen zustandt der stat Rom botschaft
bracht. So ist die edel Römisch Junckfraw Clelia auch wider zu den
jren geschwummen“[171]. 1525 wurde folgendes Mandat erlassen: „Unser
Herren Bürgermeister und Räte der stadt Zürich gebietend mänklichem
der iren, jungen und alten, daß hinfür niemas mer so man im Sew badet,
uf die räder beider bruggen stigen und darab in Sew springen solle;
deßglichen, daß keiner hinfür mer, so er badet, ein sölich unwesenlich
geschrei und brüelen füere, als dann bishar beschechen ist, alles
bi 10 s. buoß“[172]. Allzulange wurde dieses Verbot nicht befolgt.
Der ~Murer~sche Stadtplan von 1576, auch ein Glasgemälde von 1661
zeigen das Hinunterspringen von der Brücke[173], und eine Scheibe im
Seidenhofzimmer des Schweizerischen Landesmuseums von 1581 (Abbildung
bei ~Rahn~[174]) stellt den Kopfsprung eines völlig nackten Knaben vom
Wasserrade dar. 1576 sagt der Züricher ~Josias Simler~: „Darzu acht
ich, das nit ein volck in der Christenheit funden werde, weliches sich
also übe mit schwümmen, also daß sy über die großen See, deren vil in
dem land sind, auch mächtige vnd starcke rünnende wasser leychtlich
schwümmen, etwan hoch hinab in die wasser springen“[60]. 1586 zerbrach
sogar an der unteren Brücke „die Lähne nächst dem Wasserrad“ von
der Last des vielen darauf gelegenen Volkes, welches jungen Knaben,
die sich mit Springen und Schwimmen in der Aa (Limmat) ergötzten,
zuschaute. Ein gut Teil davon stürzte ins Wasser[173].
[Sidenote: _Eschers Bericht vom Jahre 1692 über die Schwimmkunst der
Züricher Jugend_]
Hundert Jahre später finden wir die Badelust unverändert bestehen.
~Escher~ hat uns 1692 in seiner Beschreibung des Zürichsees[175] eine
eingehende Schilderung hinterlassen. Das Titelbild zeigt das Treiben
auf dem See, darunter einen breiten Kahn, von dem Stufen ins Wasser
hinabführen, und um ihn herum in Badehosen Schwimmende. „So ist auch
nicht eine von den mindesten Ergetzlichkeiten, wann Sommerszeit, in
der großen Hitz, Junge und Alte Leuth in disem See mit schwümmen sich
erlaben; ja, es gibet wenig Manns-Personen die nicht schwümmen können,
ursach, weilen das Wasser nächst dem Land keinen Morast noch tieffenen
hat, sonder sich nach und nach vertieffet: Derohalben gibt es solche
erfahrne Schwümmer, die sich nichts scheuhen über den See zuschwümmen,
wie dann Hans Heinrich Sutz in dem Meiler-Feld, von daselbsten gen
Horgen geschwummen, ist drey starke viertheil stund wegs. Ob der
Statt Zürich, da der See eine starke vierthel stund breit, seind
sehr viel hinüber geschwummen, haben das Gelt in die Bruch gebunden,
in dem Wirtshaus bey dem Sternen getruncken, und seind widerum
heimgeschwummen. So ist auch bei Mannsgedencken eine gewüsse Jungfrau
hinüber geschwummen.
Es gibet auch deren, die sehr lang under dem Wasser schwümmen, auch
sich etliche Klafter tieff under dasselbige hinab lassen bis an den
Boden, und bringen zum Wahrzeichen mit sich von dem Boden einen Stein
oder Kraut: Dises hatte bey guter Gesellschaft zum öftern gethan Herr
Hans Caspar Thoman, der Buchbinder.
Wann einer lust hat, wol versuchte und erfahrne Schwümmer zusehen, kan
er sich nur Sonntags nach der Abend-Predig zu Zürich auf der oberen
Brugge einfinden, so wird er die noch gar junge Knaben (deren etliche
nicht über acht oder neun Jahr alt) mit verwunderung sehen auf dem
Wasser hin vnd wider schwümmen, welche bald liggen als ob sie todt,
bald mit einem, bald mit beyden Füßen, auf dem Ruggen liggende, darein
schlagen, daß das Wasser viel über Manns-höhe sprützet, zun zeiten das
Wasser, aufrechtstehende, mit den Füßen tretten, als wann Sie grund
hetten, vnd auf dem Boden einhar giengen, auch andere Posturen vnd
Lustbarkeiten mehr machen. Das verwegneste aber an disen Knaben ist,
daß sie sehr hohe sprüng in das Wasser thun. Es ist lustig zusehen, wie
sie in großer Anzahl ab der Oberen Brugge über Kopf und über Hals in
das Wasser hinunder bürtzlen, und die Statt, mit jauchzen und schreyen,
hinunder schwümmen: Aber, es machet einem die Haar gen Berg stehen,
wann man sie siehet ab dem Helmhaus-Tache ja gar ab dem Rahthaus, ab
der Lauben vor der Rathstuben, sich in das Wasser stürzen, welches
eine entsetzliche höhe von vielen Ruthen ist. Ich habe selbs einen
gesehen, der einen anderen auf dem ruggen getragen, und mit ihme ab
dem oberen Helmhaus in das Wasser gesprungen. Darneben aber seind sie
sehr kunstlich in ihrem springen, indem sie sich kein bedenken machen,
auch ab den höhesten Oertheren in das Wasser zuspringen, darinnen sie
dennoch grund haben, und nicht viel über drey schuhe tieff, da sie sich
dann in follem sprung wüssen zuwenden, daß sie die Füße so geschwind
widerum aus dem Wasser herfür strecken, daß einer meinen sollte, sie
weren nicht einmahl under dem Wasser gewesen; in disem dünnen Wasser
kommen sie gleichwolen niemahlen auf den Boden: Und aber, so bekommen
sie der gar hohen sprüngen halben etwan keine bessere belohnung, als
daß sie in dem Alter um das Gehör kommen.“
An anderer Stelle sagt ~Escher~: „Auch gibet es in disem See,
mancherley See-Gewächse, da ich auch des einten und anderen mit wenigem
gedenken wil: als nammlich: Großer Bintz, (Juncus maximus) ist in die
acht Schuhe, und noch höher, eines Fingers dick, hat innwendig gleich
anderem Bintz viel Marck. Die jungen Knaben binden desselbigen in dem
Sommer viel zusammen, legen sich darauf, und lehrnen also schwümmen;
Etwann flechten sie zum Lust eine große Burde zusammen mit dünnen
Stricken, biegen denselbigen, machen ihme einen aufgerichteten Hals,
formieren ihn wie einen Schwanen, binden ihme an den Schnabal einen
Zaum; ein theil der Knaben setzen sich alsdann darauf, fahren darvon,
und führen selbigen mitsich in die Statt hinein, der Lindmat nach hinab
bis in den Schützen-Platz; andere schwümmen selbigem nach, setzen sich
bald darauf, springen wieder darab in das Wasser, und ergetzen sich
darmit mit Jauchzen und frolocken.“
Dem zuletzt geschilderten Brauche hat ~Runge~[78] einen mythologischen
Hintergrund gegeben.
In anderen Schweizer Orten, in Glarus am Fridolinstag (6. März), in
Winterthur am Fastnachtssonntage wurden früher kleine Schiffe und
Holztröge geteert, bewimpelt, nachts mit brennenden Kerzen besteckt,
die man die Bäche hinabschwimmen ließ, und noch früher wurden in den
bayrischen Donaugegenden Kähne mit Feuer auf den eisernen Mastkörben
auf Rollen durch die Ortschaften gezogen[78]. Schon ~Tacitus~ spricht
von dem Wagen der Isis in Germanien, der den Sterblichen Friede und
Fruchtbarkeit verleiht. Auch etwa um 1133 wurde in einem Wald bei
Jnda in Ripuarien ein Schiff gezimmert, mit Rädern versehen und durch
vorgespannte Menschen nach Aachen, dann nach Mastricht und weiter im
Land herum gezogen, überall unter großem Zulauf und Geleite des Volkes.
Wo es anhielt, war Freudengeschrei, Jubelgesang um das Schiff herum bis
in die späte Nacht. Die Ankunft des Schiffes sagte man den Städten an,
welche ihre Tore öffneten und ihm entgegengingen[19].
[Sidenote: _Zusammenhang von Schwimmgebräuchen mit dem Urgermanentum_]
Alle diese Gebräuche stellen einen feierlichen Einzug des
Frühlingswassers dar, und ~Runge~ glaubt in dem Binsenschwan eine
Darstellung des fließenden Elementes zu sehen, das von der Jugend in
die Stadt geleitet, aber nicht hinaus geleitet wurde, weil die Knaben
nur bis zum Schützenplatz, der Stadtgrenze, schwammen. Man könnte in
der Schilderung ~Wynmann~s Ähnliches vermuten. Auch er schwamm mit
seinen Genossen in die Stadt und zwar von der St. Nikolaussäule, der
Stadtgrenze aus, wo man demnach das Frühlingswasser empfing. Doch
schildern sowohl ~Wynmann~ als ~Escher~ die Bräuche als allgemeine
Vergnügungen und erwähnen nichts von einem bestimmten Tage. ~Runge~
sagt allerdings, daß der Überbringer des Binsenschwans von der
Obrigkeit einen Trunk erhielt. Auch anderorts wurde der erste Melder
von Frühlingsboten belohnt, bekannt ist dies vom Turmwächter (z.❆B.
in Bern), der noch im 18. Jahrhundert den ersten eintreffenden Storch
anzublasen hatte und dafür einen Ehrentrunk aus dem Ratskeller
erhielt[34]. Doch habe ich nirgends eine Quelle gefunden, die von
einer obrigkeitlichen Belohnung spricht, welche dem Überbringer des
Binsenschwans zuteil wurde.
[Sidenote: _Rückgang des Badens im Freien_]
Im 18.Jahrhundert haben wir auch in Zürich die anderorts üblichen
Klagen. ~Murer~, ein Lehrer an der Realschule, gedenkt 1785 mit
Wehmut der Väter Erzählungen und seiner eigenen Jugendzeit. „Reitzend
war uns das Baden und Schwimmen im See und in der Sihl.“ Jagen
und Schlittschuhlaufen ausgenommen soll der Geschmack der Zeit die
Vergnügungen der Jugend als pöbelhaft, niedrig und kindisch verboten
und sie bis auf armselige Überreste ausgerottet haben[176]. Zehn Jahre
früher hatten die Gebrüder ~Stolberg~ durch nacktes Baden am Tage
in einem Teiche bei Darmstadt solchen Skandal erregt, daß ~Goethe~
beschloß, die Abreise zu beschleunigen. Er nennt im Anschluß daran das
Baden im Freien unter offenem Himmel eine der damaligen Verrücktheiten,
die aus dem Begriff entstanden, man müsse sich in einen Naturzustand
zu versetzen suchen. Wollten dergleichen Naturübungen in Deutschland
~Goethe~ nicht gut zu den modernen Sitten paßlich erscheinen, so konnte
auch er in der Schweiz „beim Anblick und Feuchtgefühl des rinnenden,
laufenden, stürzenden, nach und nach zum See sich ausbreitenden
Gewässers“ der Versuchung nicht widerstehen. „Ich selbst will nicht
leugnen“, schreibt er in Wahrheit und Dichtung, „daß ich mich im klaren
See zu baden mit meinen Gesellen vereinte, und, wie es schien, weit
genug von allen menschlichen Blicken. Nackte Körper jedoch leuchten
weit, und wer es auch mochte gesehen haben, nahm Ärgernis daran.“ Den
Gebrüdern ~Stolberg~ legten Freunde nahe, sich etwas weniger oft nackt
wie heidnische Gottheiten sehen zu lassen. Da zogen sie in den Sihlwald
hinauf und badeten dort. „Dies geschah freilich nicht ohne Geschrei,
nicht ohne ein wildes, teils von der Kühlung, teils von dem Behagen
aufgeregtes Lustjauchzen, wodurch sie diese düster bewaldeten Felsen
zur idyllischen Scene einzuweihen den Begriff hatten.“ Dafür mußten sie
von unbekannter Hand Steinwurf auf Steinwurf über sich ergehen lassen.
Ihr „wildes, unbändiges, unchristliches, ja heidnisches Naturell“
führte schließlich auch hier in der „gesitteten, wohlgeregelten Gegend“
zu einem Skandale, daß ~Lavater~, bei dem sie zu Gaste waren, sie
abschob, um Unannehmlichkeiten zu entgehen, noch ehe ~Goethe~ aus der
Innenschweiz zurückgekehrt war.
1796 brachte die Gesellschaft (der Chirurgen) auf dem schwarzen
Garten in ihrem für Kinder bestimmten Neujahrsstücke eine Abhandlung
über Baden und Schwimmen und im Jahr darauf eine über Rettung
Ertrunkener[177]. Sie spricht von der immer weichlicher und zärtlicher
werdenden Erziehungsart, infolge deren viele Kinder beinahe nicht
wüßten, was es heiße, sich im kalten Wasser zu baden. Dafür würden
allenfalls warme Bäder benutzt, weil keine Gefahr dabei vorhanden
sei. Auch hören wir hier wieder den Gebrauch der Väter gerühmt, die
ehemals von der unteren Brücke in die Limmat gesprungen und bis zum
Spitz (Zusammenfluß von Sihl und Limmat) geschwommen seien, ja den See
durchquert hätten.
Diese Klagen sind entschieden übertrieben; denn 1789 weiß das Journal
des Luxus und der Moden aus Zürich zu melden, daß man zur körperlichen
Ausbildung der Jugend ein Kadettenkorps gebildet habe, in dem neben
anderem auch das Bad im See und in den Flüssen unter Aufsicht geübt
werde[165].
[Sidenote: _Wiedereinführung des Badens im Freien / Baden im
Stadtbrunnen_]
1804 erfahren wir von ~Diethelm Lavater~, dem Bruder des
Physiognomikers ~Johann Caspar~, daß auch Frauen badeten, aber aus
wohlverstandener Delikatesse nicht an den öffentlichen Plätzen und
nur abends. Im selben Jahre schlug die Regierung einen Ort an der
Kohlschanze und einen in der Sihlwiese als Badeplätze vor. ~Lavater~
fügte einen dritten im See an der St. Nikolaussäule (also den alten,
schon von ~Wynmann~ und ~Escher~ genannten) hinzu, weil dort der Grund
sich langsam senke, mit flachen Steinen besetzt sei und rechts und
links keine Abgründe vorhanden wären. Das Ideal sieht er der alten
Leute und Frauen wegen in Badeanstalten, doch schränkt er schließlich
sein Verlangen auf mit Pfählen umgebene Badeplätze ein, bei denen ein
Aufseher angestellt ist, der Schwimmunterricht erteilt[178].
Auf Betreiben des Arztes und Chorherrn ~Johann Heinrich Rahn~
(1749–1812) wurde wenigstens das Sihlbad errichtet[179]. Dieses war für
Knaben und Mädchen bestimmt, auch das an der Kohlschanze, das man kurz
danach angelegt zu haben scheint. Beide hatten einen Aufseher[180].
In seinen Erinnerungen schreibt ~Kölliker~ (geb. 1817), er und sein
Bruder hätten im Sommer die meiste Zeit mit Baden und Schwimmen,
Indianer- und Ritterspielen zugebracht[181]. Sie werden sich an die
Badeplätze wohl kaum gehalten haben, was auch andere alte Leute von
sich berichten. 1837 ließ die Stadt in der Nähe der Bauschanze am
Ausfluß des Sees eine Badehütte für das weibliche Geschlecht mit
einem Kostenaufwande von tausend Gulden errichten. Da immer noch viel
an ungeeigneten Stellen im See gebadet wurde und Unfälle vorkamen,
traf man 1839 auch dort eine Einrichtung für Männer, die aus zwei
Abteilungen bestand, einer für Schwimmer der Bauschanze gegenüber,
die 1840 in eine ordentliche Badehütte umgewandelt wurde, und einer
für Nichtschwimmer etwas seitwärts davon mit einer Badehütte. Neben
derselben errichtete man eine Abteilung für Knaben. Die beiden
letzteren wurden mit Pfahlwerk umschlossen. Jede Abteilung hatte ihren
Aufseher. Wer in den Vormittagsstunden badete, bezahlte eine kleine
Gebühr[180]. 1843 wurde die Frauenbadeanstalt an die Bauschanze neben
die der Männer verlegt, 1844 eine neue Badeanstalt für Knaben und neben
derselben auch eine Vorrichtung für ein Männerbad am Hafen errichtet,
die 1847 erweitert wurde[245].
Vom Jahre 1858 berichten die Züricher Merkwürdigkeiten: „Die neuen
Badeanstalten im See kosten der Stadt 50000 Franken“[182].
Zum Schluß muß ich einer etwas sonderbaren Abkühlung von des Tages
Hitze gedenken. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts badeten in Zürich
Dienstmägde und andere nicht gerade scheue Dirnen nachts in den
laufenden Brunnen, und als ein Verbot des Rates kein Gehör fand,
wurden sie von jungen Männern auseinandergejagt, die lebendige Katzen
unter sie in das Brunnenbecken warfen, wobei der Rat gern die Augen
zudrückte[124]. Derartige Ungezogenheiten kamen übrigens auch an
anderen Orten vor. In Freiberg in Sachsen wurden zwei Männer im 15.
Jahrhundert „verzellt“ (aus der Stadt gewiesen), weil sie nächtlich
Unfug und Geschrei getrieben und in den Brunnen gebadet hatten[183].
[Sidenote: _Errichtung der ersten deutschen Seebadeanstalt_]
Im engsten Zusammenhang mit der Einführung der kalten Bäder in
Deutschland steht die Errichtung von Seebadeanstalten. England war
vorbildlich.
[Illustration: Abb. 25. Die erste deutsche Seebadeanstalt zu Doberan in
Mecklenburg. Kpfr. aus: ~Samuel Gottlieb Vogel~, Über den Nutzen und
Gebrauch der Seebäder. Stendal 1794.]
1785 machte ein Prediger ~Janus~ auf der Insel Juist bei Norderney
dem ostfriesischen Medizinalkollegium Vorschläge zur Errichtung eines
Seebades in der Nordsee, die aber unbeachtet blieben. Als ~Lichtenberg~
von einer seiner Englandreisen, auf der er die Bäder Margate und Deal
gebraucht hatte, nach Deutschland zurückkehrte, trat er in seinem
Göttinger Taschenkalender 1793 für die Errichtung derartiger Bäder in
der Nordsee ein und forderte ~Woltmann~ auf, sein Gutachten abzugeben,
ob Kuxhafen der geeignete Ort dafür sei. ~Woltmann~ verneinte. Er
meinte, die friedlichere Ostsee schicke sich besser dazu[97]. Auch
~Marcard~ stand (1793) dem Plane pessimistisch gegenüber, „weil unseren
Küsten die für die englischen Bäder so wichtige Wärme des atlantischen
Ozeans (des Golfstroms) entbehrten, auch kein langsam abfallender
Sandgrund vorhanden sei, um die Karren hinauszufahren“[160]. ~Hufeland~
und ~Metzger~ wiederholten ~Lichtenbergs~ Aufruf[97]. Im folgenden
Jahre kündigte der Rostocker Professor ~Vogel~ das erste deutsche
Seebad in der Ostsee bei Doberan an, das er im Auftrag und mit
Hilfe des Herzogs Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin zustande
brachte[184]. Es bestand aus einem großen Gebäude (Abb. 25) am Ufer
mit elf Bädern, die kalt und warm benutzt werden konnten. Die warmen
Seewasserbäder hatte ~Bromfield~ zu Harwich in England eingeführt. Es
gab auch Einrichtungen dazu in Margate, Brighthelmstone und anderen
Orten. Doberan hatte auch Tropf-, Spritz- und Dunstbäder. Außerdem
lagen auf der See einige Badeboote, die mit einsenkbaren Kästen
zum Baden versehen waren. Sie konnten an beliebige Stellen in die
See geführt werden (Abb. 26). Bei stürmischem Wetter war aber ihre
Benutzung nicht möglich, weil die Badenden seekrank wurden. 1799
waren für diejenigen, welche in der offenen See baden wollten, kleine
Schilderhäuser zum Auskleiden am Ufer errichtet und Brücken in die See
hinaus gebaut[165]. 1797 erstand das erste Nordseebad auf der Insel
Norderney[97]. Eine hohe Stange und zwei Buden für die den englischen
Karren nachgebildeten Badekutschen bezeichneten die für Frauen und
Männer getrennten Badeplätze[165]. Andere folgten, 1800 Travemünde,
1802 Colberg in Preußisch-Pommern, wozu der König von Preußen
zweihunderttausend Taler stiftete, 1804 Wangeroog, 1813 Apenrade,
1815 Rügenwalde, 1816 Puttbus auf Rügen, 1818 Scheveningen, 1819 Wyk
auf Föhr, 1821 Zoppot bei Danzig, 1822 Kiel, 1825 Swinemünde, 1826
Helgoland[97].
[Sidenote: _Die späteren deutschen Seebäder_]
Die Seebäder kamen sehr schnell in Mode, zumal sich die Aristokratie
ihrer bald bemächtigte. Stehende Pharaobänke, tägliche Bälle, große
Tees und etikettenmäßige splendide Zirkel blieben nicht aus[185],
und damit waren sie in die Reihe der Kurorte und auch der Luxusbäder
aufgenommen.
[Illustration: Abb. 26. Badeboot der Seebadeanstalt zu Doberan.
Kpfr. aus: ~Samuel Gottlieb~ Vogel, Über den Nutzen und Gebrauch der
Seebäder. Stendal 1794.]
[A] Heute noch werden — allerdings nur bei Kindern — im
Schweizerdialekt Buben und Kinder unterschieden. Ein Kind ist stets
ein Mädchen.
[B] ~Öchsli~ übersetzt: Ein trauriges Bad[169].
[C] Von hier ab nach ~Öchsli~[169].
DIE EHEHAFTEN BADESTUBEN / UND DAS BADERGEWERBE
Mit der Ausbildung von Stadt und Dorf traten neben privaten Badestuben
öffentliche auf. Sie wurden von einem Bader und dessen Angestellten
gewerbsmäßig betrieben, während vorher ein Baderberuf nicht bestand.
Wie wir sahen, besorgte in St. Gallen ein Mann von der Hausdienerschaft
die Bäder. Ludwig der Fromme wurde dort von einem Knecht des Klosters,
dem Glaser Stracholf, bedient[15].
[Sidenote: _Einschränkung der Badestuben auf eine bestimmte Anzahl_]
Von Anfang ihres Bestehens an waren die meisten öffentlichen (gemeinen)
Badestuben gleich Schmieden, Mühlen, Bäckereien, Fleischereien,
Wirtshäusern ehehafte, nach heutigem Sprachgebrauche privilegierte,
wie es zu unserer Zeit noch die Apotheken in Deutschland sind. Die
Errichtung von Badestuben hing also von der behördlichen Genehmigung
ab. Die Folge war ihre Einschränkung auf eine bestimmte Anzahl.
Kaiser Ludwig befahl 1346, daß niemand in der Vorstadt zu Regensburg
eine Badestube baue, da solches dem Spital Schaden bringen könnte an
seiner Badestube, welche es von alter Zeit her habe[144]. Als 1425
die Badestube in Winterthur aus Privatbesitz an die Stadt überging,
übergab der Inhaber vier Freiheitsbriefe, zwei von Herzog Albrecht in
den Jahren 1349 und 1387, einen dritten von Herzog Leopold und einen
vierten von Herzog Friedrich von Österreich ausgestellt. In allen vier
Briefen wurde bei achtzig Mark Silber verboten, eine andere Badestube
weder in der Stadt Winterthur, noch in ihrem Friedkreise zu bauen und
zu haben. Als 1437 die Badestube von den Erben des früheren Besitzers
zurückgekauft wurde, forderte Herzog Albrecht von Österreich in einem
neuen Freiheitsbriefe seinen Landvogt Hans den Geßler, den Schultheißen
und Rat und die Bürger der Stadt auf, die alten erteilten Rechte zu
wahren[57]. Kaiser Friedrich III. gab (1460?) der Stadt Schwäbisch
Hall das Privilegium, daß ferner niemand „in der gemeldten Stadt Hall
Landwehr, noch auf unsern und des Reiches Grenzen und Gütern, darin
gelegen, keine Badstuben, Tafern, Wirthschaft errichte“, was von Kaiser
Maximilian II. 1567 bestätigt wurde[16]. Unter die Privilegien, welche
die von Johannes Oltinger 1343 in der Stadt Baden im Aargau gekaufte
Badestube vom Rat besaß, gehörte auch, daß zu Baden in dem Gerichte
keine andere Badestube sein sollte[186]. Jedoch wurde hin und wieder
das Gesetz umgangen. 1594 mußte Kaiser Rudolf II. auf Beschwerde
der Landstände hin das Errichten neuer Bäder ohne Erlaubnis der
Obrigkeit wegen Beeinträchtigung der bereits bestehenden ehehaften
untersagen[16]. Die Landesordnung des Herzogs Georg von Bayern vom
Jahre 1491 gebot, „item einen yeden — bey jren eetafern vnd ander
eehafte — beleiben zu lassen, wo auch new tafern, schenktest schmid
vnd peder — die von alter nit gewesen — die söllen abgestellt“
werden[16]. Als 1525 die Thurgauer die Errichtung von Ehehaften,
darunter der Badestuben, frei haben wollten, lautete die Antwort
ihrer Herren, der Eidgenossen: „Ohne Einwilligung der Gerichtsherrn
dürfen keine Ehehaften errichtet werden“, und diese wurde 1532 und
1668 wiederholt. 1593 verordnete die Tagsatzung sogar, daß in Zukunft
nicht einmal der Landvogt Befugnis haben solle, ohne Bewilligung der
Orte Bauten von Ehehaften zu erlauben[187]. Zu Zürich waren unter der
Regierung des Bürgermeisters Waldmann etliche Öltrotten und Badestuben
auf der Landschaft abgetan worden. Die Unzufriedenheit des Landvolkes
über diese „Neuerung und Beschwerd“ führte neben anderem zum Aufstande
von 1489, der erst mit dem Fallen von Waldmanns Haupt sein Ende fand.
Auf die Beschwerde der Seeleute und anderer Landesteile antworteten die
sieben eidgenössischen Orte, welche die Regelung der Angelegenheit in
die Hand genommen hatten: „Wegen der Öltrotten und Badstuben möge sin,
min Herren haben etlich so newlich und jn einer zal jaren her gemachet
syen, heißen abtun, als das billich sei. Nichts desto weniger sollen
die früher gebauten bestehen, doch keine neuen errichtet werden ohne
Wissen und Willen der Herrn Räth und Bürgermeister“[A]. 1471 wurden zu
Luzern alle Badestuben, die innerhalb einer Meile Wegs um die Stadt auf
ihrem Gebiete lagen, aufgehoben, nur die zu Rußwyl (Mineralbad) blieb
bestehen. Die, welche weiter von der Stadt entfernt waren, ließ man zu,
doch sollten nirgends neue errichtet werden[189].
[Sidenote: _Verleihung und Kauf von Badstubengerechtigkeiten_]
Badestuben und Badestubengerechtigkeit (beide sollten voneinander
gehalten werden, was nicht immer möglich ist) verlieh als Erblehen,
seltener auf Lebenszeit, oder verkaufte der Landesherr an Einzelne oder
an Gemeindekörperschaften. Politisch selbständige Städte verfügten
ebenso, auch in der ihr untertanen Landschaft. So wurden 1244 in
einer Verleihung an Kloster Marienzell ausdrücklich unter anderen
Liegenschaften auch Bäder genannt[16]. ~Zappert~ führt aus den Jahren
1252 bis 1295 mehrere Beispiele aus Schlesien und Böhmen an, in denen
die Herzoge bezw. Könige mit der Vogteigerichtsbarkeit Badestuben
verliehen. In Zürich wurde im 14. und 15. Jahrhundert ein Teil der
Badestuben von der Gerichtsherrin, der Äbtissin zum Fraumünster,
zum Erblehen gegeben[173]. Ein Erkenntnis des Landmarschalls Grafen
von Hardek sprach 1406 dem Bistum Passau das Recht des Stiftens und
„Storens“ in einer Badestube zu Nußdorf zu[144]. Von einigen Badestuben
in Schlesien und Böhmen wird angegeben, daß sie dem Grundherren dafür
nicht zu zinsen hatten. Dagegen mußte die Stadt Marienburg 1380 für
Überlassung der Ehehaften, darunter der „Badstobin“ dem Hochmeister
einen jährlich zu zahlenden Zins entrichten[16]. Als Ausnahmefall muß
die Verleihung der Badestube zu Germersheim (1427) als Erblehen ohne
jeden Zins an den Barbier Ehrhard durch den Pfalzgrafen Ludwig III.
betrachtet werden. Ehrhard hatte aber auch die Magd der Pfalzgräfin
zur Frau genommen[61]. In der Regel hatten die Bader, wenn sie vom
Landesfürsten direkt mit der Badestube belehnt wurden, einen jährlichen
Zins zu entrichten, mußten sich verpflichten, die Badestube in gutem
baulichen Zustande zu erhalten und die Gäste zur Zufriedenheit zu
bedienen. So erhielt der Scherer von Kuppenheim 1484 vom Markgrafen
Christoph zu Baden die Badestube zum Erblehen, das ihm aber bei
Nichtbezahlung des Zinses und Vernachlässigung des Hauses entzogen
werden konnte. Bei schlechter Bedienung der Gäste durfte durch den
Markgrafen eine zweite Badestube errichtet werden. Und Markgraf
Christoph nahm es ernst damit. Die Badestube zu Iffetzheim bei Rastatt
ließ er, weil es unordentlich darin zugegangen war, aufheben. 1487
verlieh er sie der Stadt wieder probeweise auf sechs Jahre, 1493 wieder
auf dieselbe Zeit[61].
Kauften Städte in ihrem Gebiet liegende Badestuben von Privaten
oder dem Landesfürsten, so wurden sie ihnen außerdem als Erblehen
gegen Zins verliehen, so zu Rastatt 1473 und Bruchsal 1430[61],
Beweis genug, daß die Verleihung durch den Landesherrn oft nur die
Badestubengerechtigkeit betraf. Auch der Scherer zu Liebenzell, der
die dortige Badestube kaufte, erhielt, wie ausnahmsweise angegeben
wird, 1498 die Badestubengerechtigkeit gegen einen jährlichen Zins zum
Erblehen. Dies Erblehen war nur mit Wissen und Erlaubnis des Markgrafen
verpfänd- und verkaufbar[61]. Die Rechte der Städte über die in ihrem
Gebiet gelegenen Badestuben waren also sehr verschieden. Da behielt
sich der Landesherr die Belehnung vor, dort erhielten sie von diesem
freies Verfügungsrecht, andere mußten dafür zinsen, wieder andere
waren ganz selbständig, z.❆B. Zürich nach Erlöschen der Vorrechte der
Äbtissin vom Fraumünster und auch Winterthur, das mit Aufhören der
österreichischen Herrschaft die erwähnten Freiheitsbriefe der einen
Badestube stürzte und 1470 eine zweite errichtete.
[Sidenote: _Verleihung und Kauf von Badstuben_]
Die Badestube selbst war entweder Eigentum des Landesherrn und wurde
von diesem an Bader oder Gemeinden verliehen, oder die Gemeinden
besaßen sie, manchmal nur vorübergehend und auch nicht sämtliche,
zum Eigentum, wie Halle[190], Berlin[191], Hildesheim[52], Hannover
1352[192], Ulm 1388[50], Riga im 13. und 14. Jahrhundert[193], und
verliehen sie an Bader, oder die Bader waren selbst Eigentümer. Nur
ausnahmsweise war der Bader von der Gemeinde angestellt. Als 1494 die
Chorherrn des St. Markuskugelhauses zu Butzbach in Hessen den Besuch
ihrer Badestube dem Publikum nicht mehr gestatten wollten, kaufte diese
der Rat gegen jährlichen Zins und verwaltete sie selbst. Badeknechte
und Badmaide wurden aus der Stadtkasse bezahlt. 1511 wurde sie aber an
einen Bader verpachtet[194]. Ende des 14. Jahrhunderts war der Bader zu
Heiligenkreuz wie der Feldhüter Gemeindediener[16].
Manche Städte gaben die Badestuben zum Erblehen, und hier scheint es
sich nicht nur um die Badestubengerechtigkeit, sondern um die Badestube
selbst zu handeln. 1517 gab Winterthur seine untere Badestube „mit
Hus, Hoffreity, Schüten und allen Rächten, Nutzen und Zugehörden“ Hans
Kreis und seinen Erben „zu einem rechten Erbgute, nach Erblechens
Rächt“. Auch hier hatte der Bader das Grundstück „in guten Eren und
wäsentlichen Buwe, suber und unverwüstlich“ auf eigene Kosten zu
erhalten[57]. Bei Verleihung auf kürzere Zeit übernahm jedoch die Stadt
die Instandhaltung des Gebäudes. Als 1512 zu Baden in der Schweiz
der Rat die Badestube auf zwei Jahre verlieh, hatte der Scherer nur,
„so etwas fensterwercks brechen würde“, auf seine Kosten machen zu
lassen[32]. Bei Verpachtung der oberen Badestube zu Winterthur auf ein
Jahr (1514) übernahm der Rat die Sorge für das „Gmürwerckh“, auch die
Reinigung des Brunnens[57].
Auch Klöster gaben und nahmen Badestuben zum Lehen, kauften und
verkauften sie, zuweilen wurden sie ihnen geschenkt. 1288 übergab
Konrad von Kürenberg laut einer Urkunde die Badestube an der Pegnitz
in Nürnberg dem Franziskaner-Kloster[195]; die zur Ebersburg in
Würzburg war 1318 Lehen des Stifts Sand Johans zu Haug. In Zürich
hatte das Kloster Einsiedeln schon vor 1303 eine Badestube von der
Äbtissin zum Fraumünster als Lehen[247]. 1386 kaufte das Kloster St.
Nikolaus zu Passau eine Badestube aus Privatbesitz, 1417 das Stift
zum neuen Münster eine in Würzburg[144]. Das Ziegelstube genannte
Bad in Leipzig schenkte 1301 Johannes Auriga, Bürger daselbst, „von
Liebe geleitet wegen der Belohnung durch Gott, zum Lobe Gottes und zu
Ehren seiner Mutter Maria, der glorreichen Jungfrau und des heiligen
Apostels Thomas“ der Kirche des heiligen Thomas und dem Kolleg der
Regularkanoniker, die Gott daselbst unter Beobachtung der Regel St.
Augustins dienten, zum erblichen Besitz[196]. 1337 schenkte Bischof
Leopold von Bamberg die an dem Steinbrunn gelegene Badestube der
Domkirche[197].
Das Martinsstift zu Bingen verlieh 1435 seine Badestube dem Meister
Peter von Ingelheim[197]. Wie oben erwähnt wurde, ging die Badestube
der Chorherrn zu Butzbach in Hessen 1494 an die Stadt über. Sie war
eine Stiftung des Grafen Philipp VII. von Falkenstein (gest. 1410) an
das Markusstift und gehörte somit der Markuskirche. Deshalb mußte beim
Verkauf an die Stadt die Zustimmung des Papstes eingeholt werden, die
auch nicht verweigert wurde[194].
Als Seltenheit soll der Kauf einer Badestube zu Pfaffenhofen im Jahre
1428 durch Herzog Albrecht in Bayern von dem Bürger Heinrich Pader
angeführt werden[144]. Nach der Konstanzer Chronik heiratete Herzog
Ernsts Sohn, Herzog Albrecht von Bayern, eines Baders Tochter von
Augsburg[129], was vielleicht mit jenem Kauf im Zusammenhange steht.
In älteren Zeiten wurde der Zins nicht nur in barem Gelde, sondern auch
in Naturalien verabreicht. Zu Philippsburg hatte der Bader 1430 außer
10 ß einen Kapaun, zu Zellingen bei Würzburg 1332 „2 pfunt pfenning und
vier vasnaht hünre“ zu geben[61]. 1296 gab die Badestube zu Zizersdorf
neben Geld zu Weihnachten „zehen hvener“[16]. In Böblingen (vor 1554)
bekam die Herrschaft jährlich zwei Pfund Heller und vier Gänse; dem
„Heyligen“ mußte außerdem ein Pfund Heller gegeben werden[198]. Beim
Verkaufe der Gerechtigkeit über die Badestube der Stadt Schwarzach vom
Kloster Münster-Schwarzach an das Stift Würzburg im Jahre 1531 wurden
als jährlicher Zins „zwee schilling pfenning und zwey Vaßnachtshuner
Martini“ festgesetzt. Vom Dorfe Wettrungen verlangte der Bischof Konrad
von Würzburg 1535 nichts weiter als ein Fastnachtshuhn jährlich für die
bischöfliche Kellerei als Abgabe der neu errichteten Badestube[144].
Mit Übernahme der Badestubengerechtigkeit ging der Bader gewisse
Verpflichtungen ein. Er war gehalten, die Badestube an vorgeschriebenen
Tagen zu heizen, eine bestimmte Anzahl Personal zu haben, das nötige
Inventar zu beschaffen und die ihm für seine einzelnen Tätigkeiten
vorgeschriebenen Preise innezuhalten. Dafür erhielt er in älteren
Zeiten die Erlaubnis, für Bau und Heizzwecke ohne Entgelt Holz zu
fällen. In Bern durften die Bader im 16. Jahrhundert Eichen für die
Badkästen im Walde schlagen[199].
Eine besondere Vergünstigung hatte der Inhaber der eben erwähnten
Badestube im Dorfe Wettrungen. Er war frei von Fronen und anderen
Beschwerden, aber nur solange die Badestube im Besitz der Gemeinde
blieb. Nach einem etwaigen Verkaufe sollte er wie jeder andere Untertan
gehalten werden. In Augsburg waren Bader, Bartscherer und Chirurgen
schon 1347 von allen öffentlichen Leistungen befreit, damit sie Tag und
Nacht ihrer Kunst unverdrossen obliegen konnten, wie die Begründung des
Magistratsbeschlusses lautet[144]. Auch in Hildesheim waren sie im 15.
Jahrhundert frei von Abgaben[52].
[Sidenote: _Die Bader als Löschmannschaft beim Feuer_]
Die Bader hatten auch Verpflichtungen außerhalb der Badestube. Der
Rat von Regensburg gebot im 14. Jahrhundert, „daz alle padar, die hie
sint, senden zu dem fevr ie von den padstuben Ein schaf, da zwen knecht
wazzer inne zue tragent an einer stangen“. Jede neue Füllung wurde
mit einem Pfennig bezahlt[200]. Im 13. und 14. Jahrhundert mußte in
Nürnberg jeder Bader einen ganzen Zuber, der „unzerlechent“ sei, halten
und ihn zum Feuer bringen[201]. Es handelt sich in beiden Fällen um das
Herbeischaffen von Wasser in großen Badewannen, was in manchen Städten
anderen Handwerkern, z.❆B. den Brauern, in entsprechenden Gefäßen
zur Pflicht gemacht wurde. Die Bader hatten dann nur für kleinere
Handgefäße zum Begießen des Feuers zu sorgen. In Nürnberg mußten sie
und ihr Gesinde mit den Schaffen herbeieilen. Jeder beteiligte Meister
erhielt zwölf, ein Badknecht sechs Pfennig[201]. Görlitz verlangte ca.
1434 die Eimer[202], München 1347 die „scheffelein“. Was davon beim
Feuer verloren ging, wurde aus der Stadtkammer ersetzt[203]. Ähnliche
Verordnungen hatten Prag, Danzig 1455[16], Würzburg im 15. und 16.
Jahrhundert[144], Zittau im 16., Speier 1608 und Rotenburg[16]. In
Würzburg wurde im 16. Jahrhundert auch die Beteiligung des weiblichen
Badepersonals gefordert[144]. Wien stellte aber 1534 jedem Bader zehn
lederne Eimer. 1639 und 1688 hatten sie selbst jeder vier Eimer und
ihre „Ganter“ stets voll Wasser zu halten. Die Feuerordnung der Stadt
Zwickau vom Jahre 1530 verpflichtete Bader und Badergesellen, „die
wasser gerinne auff den pflastern mit mist oder stro zuzuschütten“[16].
Zu Ulm hatten die Bader nach einer Ordnung, die von 1379–1538 in
Kraft war, die Leichen (wohl in der Hauptsache die Leichenwäsche) zu
besorgen. Bei Strafe von sechs Hellern mußten sie der Aufforderung dazu
Folge leisten. Die Frau war jedoch nicht verpflichtet, wenn der Mann
schon über Land war, einem anderweitigen Rufe vom Land aus Folge zu
leisten und ebenso umgekehrt auch der Mann nicht[50].
Nach Rechnungen des Chorherrnstiftes zu Klosterneuburg aus dem Anfang
des 15. Jahrhunderts hatten die Bader und Badknechte nicht nur Badeöfen
zu setzen, abzubrechen und zu reinigen, sondern auch andere Öfen[16].
Daraus erklärt sich, daß die Bader in Bamberg 1488 und in Altenburg
1490 als Schornsteinfeger[B] fungierten[84]. Für ihr Hineinpfuschen
ins Glaserhandwerk weiß ich keinen Grund anzugeben. Zu Frankfurt am
Main[127] und 1531 in Freiburg im Breisgau[216] wurde ihnen nach
alter Gewohnheit Glaswerk zu machen weiter erlaubt, doch neue und
große Arbeit verboten. Auch nach einer Speierer Zunftordnung von 1553
„mögen sie wie die Scherer schlechte Bauern fenster mit Viertheile,
vnd Waldtglaß machen, vnd ein zerbrochen scheyb oder rautten wider
einsetzen“[204].
[Sidenote: _Nebenberufe der Bader_]
Näher standen den Badern andere Berufe, die sie nebenher ausübten. In
Reutlingen hatten sie das Recht Seife zu machen[205]; vielleicht kommt
dabei in Betracht, daß sie mit den Metzgern zu einer Zunft gehörten.
In Speier reinigten sie 1553 die Brunnen der Stadt[204] und nach
~Tuchers~ Haushaltungsbuch (1507–17) auch in Nürnberg[206]. 1505 mußten
daselbst die Badknechte einen Ertrunkenen aus dem Brunnen holen[207].
In Zürich war den Badern und Scherern das Schleifen der eigenen Messer
und Scheren gestattet, doch besorgten sie das Schleifen auch für
andere, was zu Klagen Anlaß gab. 1525 wurde auf Beschwerde der Schmiede
einem Scherer das Schleifen auf der Brücke (wo der Markt stattfand)
verboten, doch in seinem „gaden“ erlaubt. 1529 wollten die Schmiede
das Schleifen des großen und schweren Geschirrs[C] durch Scherer und
Bader abgestellt wissen und ihnen nur Messer und Scheren überlassen.
Doch wurde nach der Scherer und Bader Antwort erkannt, daß Schleifen
sowohl gemein sei, also, daß einer den Schleifern, Scherern oder Badern
sein Geschirr zu schleifen geben möge, wie es ihm beliebe. Doch sollten
die Schleifsteine, die vor die Häuser gesetzt wurden, eine bestimmte
Größe nicht übersteigen, auch durfte nur ins Haus gebrachtes Geschirr
geschliffen werden[209]. In St. Gallen war 1488 Scherern und Badern
auch das Schleifen der eigenen Messer nicht gestattet[17]. Es ist
anzunehmen, daß die Bader die aus Stroh geflochtenen Badehüte überall
selbst anfertigten. Aber auch andere „ströen vnd geflochtene hüett
zumachen, zukauffen vnd wider zuuerkaufen“, hatten sie in Speier 1553
in Gebrauch[204]. In Zürich flochten sie „Schinnhüte“ aus Roggenstroh,
breite Hüte, die vor Sonnenschein schützten.
[Sidenote: _Das Rasieren fand ursprünglich im Bade statt_]
Die eigentliche Tätigkeit der Bader war, wenigstens in früheren Zeiten,
die Bereitung des Bades, sowohl des Schwitz- (Dampf- oder Heißluft-),
als auch des Wasserbades, auf die später eingegangen werden soll.
Daneben wurde die Toilette besorgt, und drittens war die Badestube der
Ort chirurgischer Tätigkeit. Diese letzteren zwei Verrichtungen fielen
außerhalb der Badestube einem anderen Berufe, dem der Scherer zu. Ich
glaube im Gegensatz zu ~Zappert~, daß in der älteren Zeit die Bader
den Hauptanteil hatten, sowohl was Scheren des Haupt- und Barthaars,
als Wundbehandlung betrifft. War ein Badermeister in diesen nicht
bewandert, so durfte er sie in seiner Badestube nicht durch einen
Scherer ausführen lassen. 1406 wurde in Frankfurt am Main den Scherern
verboten, sich in Gemeinschaft mit einem Bader an einer Badestube zu
beteiligen[127]. Breslau verlangte 1486 vom Badestubenbesitzer, daß er
selbst scheren, aderlassen und schröpfen könne[210].
Schon in karolingischer Zeit war, wie wir sahen, mit dem Baden das
Scheren und auch die Behandlung von Geschwüren verbunden. Ein aus dem
12. Jahrhundert stammendes Gedicht läßt Joseph aus dem Kerker holen,
baden und scheren, obwohl die Bibel nur das letztere angibt[211].
Das Scheren betraf Haupt- und Barthaar, auch das mit dem Messer
vorgenommene Rasieren wurde Scheren genannt. Im nackten Boten (erste
Hälfte des 13. Jahrhunderts) wird ein Knecht zu einem der Dienstmannen
seines Herrn auf eine kleine Burg geschickt. Der Ritter befindet
sich in der Badestube, und der Knappe glaubt, „daß er da badet’ und
schere“[212]. Der Ritter besorgte also das Rasieren selbst. Auch in den
öffentlichen Badestuben scheint dies der Fall gewesen zu sein; nach dem
Sachsenspiegel (12. Jahrhundert) brachten die Badenden wenigstens ihre
eigenen Schermesser und Becken mit[213], vorausgesetzt, daß das Becken
beim Rasieren Verwendung fand. ~Seifried Helbling~ dagegen ruft in
einer Wiener Badestube:
„Nû dar her scheraer
strîchet scharsach unde schaer
ebent hâr und scheret bart“[214].
In Hamburg wurden die armen Leute vom „Achterhause“ von einem Badknecht
barbiert „so vaken de guden lüde badeden“. Dafür hatten die Bader zwei
Freistellen im Hospital für ihre Armen. 1532 erhielt der Knecht eine
kleine Geldzulage. Es geschah noch 1632[217].
Die Vorliebe für das Rasieren im Bade möge folgendes erklären. Man
unterschied „trucken scheren, trucken putzen, ungenetzt scheren“
vom „Putzen auf nassen Bänken, naß scheren, im Bad scheren und
unangekleidet balbieren“ (Abb. 41). Deshalb hießen in Ulm 1470 die
Scherer im Gegensatz zu den Badern „Truckenscherer“[215].
In einem um 1400 verfaßten Gedichte ~Heinrich Kaufringers~ wird ein
Chorherr in einem Badezuber mit seiner Geliebten, eines Schusters Frau,
von deren Ehemanne überrascht. Nachdem dieser durch eine List der Frau
glücklich abgeschlagen ist, ruft der in Angstschweiß geratene Liebhaber
aus:
„Wann er auch wol scheren kan,
Er hett mir geschoren ungenetzt“[256].
Ironisch heißt es im Gedicht auf die Bergtheimer Schlacht (1400), man
habe die Städter ungenetzt in der Stuben geschoren[49], und ein Gedicht
des 13. Jahrhunderts sagt:
„ir hiezt scheraere vil baz.
ir schert trucken unde naz,
ir schert mangen ungebeit (ungebadet)
dem iuwer schern ist vil leit“[218].
[Sidenote: _Vorzug des Rasierens im Bade gegenüber dem Trockenscheren_]
Das ungebadet Scheren wurde also als etwas Unangenehmes empfunden,
was gar nicht überrascht, da man wahrscheinlich den Seifenschaum beim
Rasieren noch nicht verwendete. Ich fand die älteste Darstellung des
Schaumschlagens auf der in Abb. 39 wiedergegebenen Züricher Scheibe von
1524. Im Bad ging das Rasieren schmerzlos vonstatten, weil durch das
Wasser oder die Dämpfe das Barthaar erweicht war. Heute noch rasieren
sich die Finnen im Dampfbad, und ~Retzius~ sagt, daß das stumpfeste
Messer den Bart ohne Beschwerden abnimmt (Abb. 2)[5a]. Kein Wunder,
wenn man in älteren Zeiten dem Putzen auf nassen Bänken den Vorzug
gab. Zudem war es billiger. In Bräunlingen bei Donaueschingen kostete
es „1 Haller, trucken scheren 1 Pfennig“, also das Doppelte[219]. Für
das häufigere Scheren in der Badestube als im Schergaden spricht auch
die ehemals größere Anzahl der Bader gegenüber den Scherern, während
in späterer Zeit das Verhältnis umgekehrt wurde. Schon 1375 bildeten
die Hamburger Bader eine anerkannte und bestätigte Zunft, während
sich die Bartscherer erst 1452 zu einer geistlichen Brüderschaft
vereinigten[220], in Frankfurt am Main hatten erstere um 1400 Artikel
ihrer Zunft und einer Brüderschaft, die Scherer waren aber 1406 noch
mit Sattlern, Schildnern, Malern, Glasern und Kummetern in einer
gemeinsamen Zunft untergebracht. In einer dortigen Ratsverordnung
von 1454 heißt es: „Die beder lassen baden vnd im bade czu scheren
als +von alder+“[127]. Als weiterer Beweis möge dienen, daß die
Scherer an zahlreichen Orten den Badern das Scheren beim Bade zu
entreißen suchten; aber nirgends gelang es ihnen. Die Bader hatten
alte verbriefte Rechte. Wie bittend klingt es, wenn der Frankfurter
Rat auf Klage der Scherer hin den Badern 1491 sagen ließ, „das scheren
nit so strenglich in der batstoben zu vben“[127]. Die erste Scherstube
entstand zu Nürnberg im Jahre 1565, während die Bader in ihren
Streitigkeiten mit den Scherern nachwiesen, daß das sogenannte Rosenbad
schon vor siebenhundert Jahren unter dem Namen Burgbad bestand, wie
~Roth~ 1792 berichtet[195].
Im eigenen Hause ließ man sich, falls mans nicht selbst besorgte,
im Badestübchen vom Bader scheren, so daß für den Trockenscherer
kein großes Feld seiner Rasiertätigkeit übrig blieb. Darum suchte er
wenigstens der Bürger Badstübchen für sein Schermesser zu erobern. Wie
weit ihm dies gelang, soll bei den Streitigkeiten der beiden Handwerke
untereinander erörtert werden.
[Sidenote: _Rasiermesser / Scheren / Kämme_]
Bemerkt soll hier werden, daß die Klinge des Rasiermessers, für
das noch im 16. Jahrhundert neben Schermesser Scharsach gebraucht
wird[221], bis ungefähr 1500 unbeweglich mit dem Griffe verbunden
war. Das zeigen die Bilder zum Sachsenspiegel aus dem 13. und 14.
Jahrhundert (Abb. 67 u. 68) und der Holzschnitt von 1498 (Abb. 27).
Im 16. Jahrhundert finden sich nur noch zusammenlegbare Messer; als
Ausnahme kommt ein solches schon in einem Reichenhaller Gräberfeld
vor[3]. ~Ryffs~ große Chirurgie[221] zeigt spitz auslaufende und
ein dem heutigen ähnliches, vorn abgerundetes, das als Badermesser
bezeichnet wird. Die Scheren waren in alter Zeit und bis ins 16.
Jahrhundert hinein pinzettenartig, die beiden Blätter kreuzten
sich nicht. Diese Form ist auf den Sachsenspiegelbildern und in
den Darstellungen ~Simsons~, z.❆B. am Züricher Großmünster (12.
Jahrhundert) und auf einem Holzschnitte von ~Lucas van Leyden~[222]
wiedergegeben.
[Illustration: Abb. 27. Badknecht gegen Ende des 15. Jahrhunderts.
Holzschnitt aus: Hortus sanitatis. Straßburg, Joh. Pryss, ca. 1498.]
Kämme, ein- und zweireihige, waren seit den ältesten Zeiten in
Gebrauch. Auch die Verwendung von Bürsten ist alt. Von den Seligen im
Himmelreich heißt es: „ane straelaere unde bursten wirdit in daz har
geslihtet“[223], und ~Seifried Helbling~ sieht sonderbarerweise die
Nachbarn mit „niugebürsten hâr“ zur Badestube gehen. Codex 760 der St.
Galler Stiftsbibliothek aus dem 15. Jahrhundert empfiehlt zur Erhaltung
der Gesundheit tägliches „Har erpürsten vnd kempten“. Im 13. bis 16.
Jahrhundert hatten die Bürsten Pinselform (Abb. 40).
[Sidenote: _Kopfwaschen_]
Dem Scheren folgte das Kopfwaschen, kurz zwahen, waschen genannt.
~Zappert~ glaubt, daß die häufige Anwendung desselben durch die
Kreuzzüge aus dem Orient über Italien nach Deutschland kam, doch führt
er selbst eine Quelle aus dem 10. Jahrhundert an, nach der sich in der
Abtei Farfa die Mönche nach der Rasur die Köpfe waschen mußten. Die
heilige Elisabeth schor einem siechen (aussätzigen) Bettelmann das
Haar. Darauf
„Di frouwe selic unde clůg
Ime ouch daz sieche houbet twůg
Mit einer scharpen laugen“[224].
Auch bei den Frauen des 13. Jahrhunderts war es üblich.
„sie hiezen, daz ist wâr,
ir houbet twahen und ir hâr
straelen unde slihten
und ir scheiteln rihten,“
heißt es von den Frauen, die sich Eraclius zur Brautschau für Kaiser
Focas vorstellten[225]. Eine Äbtissin ordnete in der ersten Hälfte des
14. Jahrhunderts an:
„rôswazzer sol man balde haben,
dâ mit sol man mîn houbet laben;
daz ziucht ûz boese hitze“[226].
Die Nonnen des Klosters zu St. Verena in Zürich, die anfangs nach der
Regel des heiligen Augustin lebten, später aber zu Dominikanerinnen
wurden, hatten siebenmal jährlich den Kopf zu waschen und die Haare zu
schneiden, obschon in ihrer Regel die vom heiligen Augustin gegebene
Vorschrift des monatlichen Bades fehlt[227].
Der Mann ging nach dem König vom Odenwalde (Anfang des 14.
Jahrhunderts) ins Bad, „daz man imez haubet twahe“[228]. Daheim
besorgte ihm die Frau das Haar. In ~Paulis~ Schimpf und Ernst (16.
Jahrhundert) wird einer Frau vorgeworfen, sie habe in dreißig Jahren
ihrem Manne nie das Haar gestrehlt[16]. ~Hermann Fressant~ von Augsburg
schrieb 1447 ein Gedicht „Ehefrau und Bulerin“. Der Mann kehrt nach
weiter Reise beraubt in die Heimat zurück. Zwei Buhlerinnen empfangen
den Armen schlecht, seine Frau aber hieß ihm
„ein guot bad bereiten
si zwuog im wol daz houbet,
Wan si was aller tugend vol“[212].
Die Arbeiter des Klosters Denkendorf nahmen jedoch, wenn sie nicht
verheiratet waren, ihre „Zwagerin“ mit ins Bad[73]. Als Kaiser Wenzel
1375 bei Nikolaus Muffel, einem vornehmen Bürger in Nürnberg, zu Gaste
war, bat er dessen Ehefrau, „das si im das haubt twige“. Sie tat es und
erhielt dafür von ihm ein Stück von einem Span des Kreuzes Christi, den
Wenzel am Halse trug[207].
Das regelmäßige Kopfwaschen war ein unentbehrliches Bedürfnis. Auch
im Kriege vergaß man es nicht. Der Baseler Hauptmann Meltinger hat
auf dem Zuge in die Lombardei, der 1513 zur Entsetzung des Herzogtums
Mailand unternommen wurde, für Zwahen seiner Person und der Überritter
einen Posten in den Ausgaben für den Scherer verzeichnet[229]. Neben
dem Sinn für Reinlichkeit, und vielleicht mehr als dieser, war die
Sorge um das Wohlergehen des Gehirns die Triebfeder der Kopfreinigung.
Die zahlreichen Anweisungen zur Körperpflege, welche für sich allein
und in den Volkskalendern erschienen und bei ihrem Befolgen dauernde
Gesundheit garantieren, berufen sich mit ihren Ratschlägen auf Meister
~Avicenna~, welcher spricht, man soll ein- oder zweimal in vierzehn
Tagen das Haupt waschen oder so oft des Menschen Gewohnheit ist, wie
es in Wiener Handschriften des 14. und 15. Jahrhunderts heißt[16]. Im
Ring läßt ~Wittenweiler~ (erste Hälfte des 15. Jahrhunderts) den Bauern
Bertschi Triefnas vom Dorfarzt Straub folgende Belehrung zuteil werden:
„In der wuchen ze dem mäysten (höchstens)
Einest (einmal) scholt daz twahen läysten
Deinem haubt, so tuost du wol,
Und ze dem minsten (mindestens) tzwahen schol
Der mensch sein haubt an widersprecht
In einem mänat (Monat), daz ist recht“[230].
[Sidenote: _Häufigkeit des Kopfwaschens_]
Die Kalender nach Dr. ~Küngsberger~ verlangen es aller fünfzehn Tage,
der Züricher vom Jahre 1507 setzt hinzu, es nicht über zwanzig Tage
zu unterlassen. Die Instruktion für den Hofmeister des Herzogs Ludwig
zu Württemberg vom Jahre 1562 schrieb es aller acht Tage vor[16],
ebenso ~Hero~ in den Schachtafeln zur Gesundheit 1533 jede Woche mit
der sonderbaren Begründung, „vff das dir der bart nit vssfall“[231],
und ~Brunssfels~ (erste Hälfte des 16. Jahrhunderts) aller sieben
Tage[47], ~Dryander~ 1547 aller fünfundzwanzig Tage[233], ~Wittich~
1590 den Monat ein- oder zweimal[16], der erwähnte Codex der St. Galler
Stiftsbibliothek aus dem 15. Jahrhundert nur im Sommer und zwar oft mit
kaltem Wasser. Im allgemeinen aber verwendete man Lauge.
„Wer baden wel, muoß sich besachen
Das er auch künd ein laugen machen,
Die vnser haubt vnd alle sinn
Wesch, vnd alles das ist din....
Zuo laugen muoß man eschen (Asche) han,
Durch einen sack abrinnen lan
Das wasser, so wirt laugen dan,“
heißt es bei ~Murner~[6].
[Illustration: Abb. 28. Der Barbier. Holzschnitt von ~Jost Amman~ aus:
~Hans Sachs~, Beschreibung aller Stände. Frankfurt 1568.]
Zur Verwendung kam nach ~Brunssfels~ Rebenasche, doch war auch andere
gute brauchbar, nach ~Wittich~ neben Reben- auch Weidenasche. In
der Regel begnügte man sich mit gewöhnlicher Lauge. Die erwähnte
Instruktion für den Hofmeister des Herzogs Ludwig in Württemberg
schrieb nur diese vor. Beim armen Mann wird der Bader gewiß nicht die
beste Qualität verwendet haben. In einem satirischen Gedicht von 1535,
„Der Judenn Badstub“, heißt es vom „Zwagen“:
„Wär nur die laugen nit so scharff,
So wolt ich lassen zwagen mich,
Dweils doch můß sein, gedultiglich....
Nun her die laug ist schon gemacht,
Gezwagen das die schwarten kracht.“
Vornehme Leute wurden besser behandelt:
„Man zwegt sie mit kamillen blůmen.
Dieweil es die nit schmirtzen thůt“[234].
[Sidenote: _Mittel zum Kopfwaschen_]
Unter den zahlreichen Rezepten zum Kopfwaschen spielen die
Kamillenblüten neben vielerlei anderen Kräutern eine Hauptrolle. Sie
wurden entweder in der Lauge gesotten (nach den Wiener Handschriften
in einer „ring laug, die nit zu stark sei“) oder fein geschnitten in
Säckchen genäht und in die heiße Lauge geworfen. ~Hero~ schlägt zur
Entfernung des Schweißes aus dem Haar auch das Reinigen mit Salz vor,
und nötigenfalls setzt er der Kräuterlauge „leüß samen safft“ hinzu,
„das tödtet die leüß vnd nyßz“[231].
Gegen Läuse und Nisse (Lauseeier) hat man häufiger als heute kämpfen
müssen. Schon der Sachsenspiegel rechnet „nizkemme“ zur Gerade der
Frau[213], und bei ~Helbling~ wird neben dem „strêler“ auch der
„nizkamp“ genannt[214], wie ja heute noch im Volke der engzahnige
Staubkamm Lausekamm heißt.
„Ein Bürsle eym zwaghub vnd ouch ein Strel Do mit reyn dyn houbt vnd
der Lüse nit fel“,
heißt es 1514 im Straßburger Gedicht vom „Hußrat“[257]. Es ist nicht
richtig, wenn die heutigen Ärzte das mit Nissen und Läusen durchsetzte,
verfilzte Kopfhaar als Plica polonica oder Weichselzopf bezeichnen.
Der deutsche Ausdruck stammt aus einer Zeit, wo der berüchtigte, vom
Aberglauben beschützte Zopf nicht nur auf die Weichselgegend beschränkt
war, und lautete Wichtelzopf, weil man den Wichtelmännchen das
Zustandekommen der Haarverwirrung zuschob.
Kehren wir zum Kopfwaschen zurück. In der einfachsten Form vollzog man
es an sich selber, so eine Frau auf dem ~Dürer~schen und auf dem diesem
nachgebildeten ~Beham~schen Holzschnitte (Abb. 40). Die Abbildungen
zeigen häufig Schwämme, vermittels derer gewiß das Haar mit Lauge
durchtränkt wurde. Fast nie fehlt ein Gefäß, in das die abrinnende
Lauge aufgefangen wird. Möglicherweise ist dies das öfters, so von den
Meistersingern ~Hans Foltz~[12], ~Hans Sachs~ und in dem Straßburger
Gedichte von allem Hausrat[257] erwähnte „badbeck“. Das Kopfwaschen der
Kinder besorgte die Mutter in der Badestube, so in ~Amman~s Holzschnitt
zu ~Hans Sachs~’ Ständen[208] und in einer Darstellung der vier
Elemente aus dem 15. Jahrhundert[123].
[Illustration: Abb. 29. Kopfwäsche des Königs Wenzel von Böhmen durch
eine Bademagd. Miniatur aus der deutschen Wenzelbibel. Anfang des 15.
Jahrhunderts. Nach ~von Schlosser~.]
[Sidenote: _Der Zwagstuhl / Der Trockenofen_]
Häufig fließt die Lauge aus einem halbkugeligen, seltener
walzenförmigen Gefäß, das von der Decke oder von einem an der Wand
befestigten Stabe herabhängt, dem Laugenkessel (Abb. 28 u. 71).
Am Erwachsenen vollzog der Bader die Kopfwäsche. Im Dresdener und
Wolfenbüttler Sachsenspiegel (14. Jahrhundert) liegt der Badende auf
einer Bank, und der Bader tritt von hinten an ihn heran (Abb. 68),
ebenso die Bademagd, die dem am Boden sitzenden König Wenzel den Kopf
wäscht (Abb. 29, s. auch Abb. 66). Doch kommt in der Wenzelbibel
(14. Jahrhundert) eine zweite Abbildung vor, auf der Wenzel am Boden
kniet und den Kopf mit nach unten gewandtem Gesicht auf eine Bank
stützt. Ähnlich ist das Kopfwaschen in einem Manuskript der Züricher
Kantonsbibliothek aus dem 15. Jahrhundert dargestellt (Abb. 30). Aus
der einfachen Bank wurde schließlich ein besonderes Instrument, der
Zwagstuhl. Er hatte wohl den Zweck, die Kleider beim Kopfwaschen zu
schützen, weswegen ihn die Abbildungen von Badestuben nicht zeigen,
wohl aber die der Scherstuben. Auf einer im Musée de Cluny zu Paris
befindlichen Schweizerscheibe von 1559[235] kniet der Kunde des
Scherers auf der nur wenig über dem Boden erhabenen Stufe und stützt
die Arme auf die hohe Lehne, über die der Kopf hinausragt. Eine
ähnliche Darstellung zeigt ein ~Lucas Cranach~ zugeschriebenes Bild
im Dresdener Kupferstichkabinett[236]. Der ~Amman~sche Holzschnitt zu
~Hans Sachs~’ Balbierer bringt den Stuhl noch mehr entwickelt (Abb.
28) und ebenso ein von diesem beeinflußter Berner Scheibenriß mit dem
Monogramm H P vom Jahre 1575[199].
[Illustration: Abb. 30. Kopfwaschen im 15. Jahrhundert.
Papierhandschrift. Kantonsbibliothek Zürich.]
Nach dem Waschen wurde der Kopf mit einem Tuche abgetrocknet, das
auf dem ~Cranach~schen Bilde von einer Frau bereitgehalten wird. Die
~Amman~sche und die Berner Scherstube, auch der Züricher Kalender von
1585, zeigen auf einer senkrecht stehenden Stange einen kugeligen,
durchlöcherten Apparat, auf dem ein Tuch liegt (Abb. 28). Die Erklärung
desselben gibt die Ausgabe des ~Dryander~schen Arzneispiegels vom Jahre
1547, die den Apparat auch im Bilde bringt. Er dient zum Erwärmen der
zum Haarabtrocknen benutzten Leintücher und wird „balbierer Trückenofen
oder pfann“ genannt. „Soliche sind küpffern oben mit einem gelöcherten
deckel, der ob den kolen, so in der pfann gethon werden sollen, geheb
zuschließe. Etliche machen auch jrden Trücken hüt daruff wärmet man
die leinen tücher, damit das haar, haupt vnd glider zu trücknen vnd
bereiben“[233].
Noch im 17. Jahrhundert treffen wir in der Badestube das Waschen des
Kopfes an. Im Privileg der Wiener Barbiere von 1662 ist vorgeschrieben,
daß die Mittler (junge Gesellen) alle Abend den „Zwagtuell“ zu
reiben haben[16]. Dagegen scheint es im 18. Jahrhundert nicht mehr
üblich gewesen zu sein. Der erwähnte Berner Scheibenriß hat einem
satirischen Kupferstich auf den 1712 geführten Toggenburger Krieg zum
Vorbilde gedient (Stadtbibliothek Zürich). Der Zwagstuhl ist jedoch
verschwunden, und an Stelle des „balbierer Trückenofens“ steht wohl auf
einer Stange ein nahezu kugeliger Körper, der aber als Perückenständer
dient[237].
[Sidenote: _Schröpfen_]
Eng mit dem Baden war das Schröpfen verbunden (Abb. 31). Die Kalender
handeln beides in einem Kapitel ab. Es wurde nicht nur bei bestehenden
Krankheiten vorgenommen, sondern auch, wie man glaubte, um den Körper
bei Gesundheit zu erhalten. Wo wegen Ansteckungsgefahr bei Epidemien
vor Besuch der öffentlichen Badestuben gewarnt wird, ist stets auf
die ans Schröpfen gewöhnten Leute Rücksicht genommen. „Schräpffen,
sonderlich wer sich daran gewänt hatt, soll man nicht unterlassen“,
sagt ~Huggelin~[80] 1559, und ~Ellenborg~[16] empfiehlt es 1484 alle
Monate oder so oft man meint, wenn man daran gewöhnt ist, ebenso ein
anonymer Druck aus dem 15. Jahrhundert[238].
Das Schröpfen war wegen seines innigen Zusammenhangs mit dem Baden
mancherorts in den Badepreis inbegriffen. In der Stadt Gerolzhofen
mußte 1557 „yedes alts mensch, Weip oder Mansperson, es las schrepfen
oder nit“, zwei neue Pfennige fürs Bad bezahlen[239]. In Zürich hatte
man es 1604 für einen halben Batzen samt zehn Hörnli; wer noch mehr
verlangte, zahlte für jedes darüber einen Haller[240].
[Illustration: Abb. 31. Schröpfen im Bad. Holzschnitt aus dem Kalender
von 1481. Augsburg. Johannes Blaubirer.]
Das Schröpfen war Sache des Baders. Niemals wurde es ihm streitig
gemacht; ja es war den Scherern verboten, und wo diese es doch ausüben
durften, waren sie Bader zugleich, oder beide Berufe waren zu einem
verschmolzen. Auch die Frauen hatten sich vom Bader schröpfen zu
lassen. „Er tuot in dem bad howen, Man und och den frowen“, heißt
es in des Teufels Netz (Anfang des 15. Jahrhunderts)[241], und in
Darstellungen von Frauenbädern sehen wir als einzige männliche Person
den Schröpfer, während die übrigen Funktionen von weiblichem Personal
übernommen sind (Abb. 40 u. 72). Selbst in Nonnenklöster fand der
Schröpfer Eintritt, z.❆B. 1474 im Frauenkloster Urspringen und 1304
im Kloster der Benediktinerinnen zu Schönfeld in Rheinbayern[16].
In Zürich brachte 1542 eine Pfuscherin, die geschröpft hatte, als
Entschuldigung vor, sie wäre nicht nachgelaufen, sondern es sei zu
ihr geschickt worden, „etwann eine eeren frowen die nit gern einen
bader gehept“ zu schröpfen[209]. In den gerichtlichen Verhandlungen
vor der Züricher Baderlade und den höheren Instanzen habe ich öfter
Frauen als Angeklagte gefunden, die unbefugterweise geschröpft hatten.
Als männliche Schuldige kommen nur Baderknechte und Besitzer von
Mineralbädern vor. In letzteren beanspruchte selbstverständlich der
Inhaber der nächstgelegenen ehehaften Badestube das Schröpfrecht für
sich. Dies war in Zürich nach Verordnungen von 1593 und 1659 an den
Betrieb einer Badestube gebunden[209], ebenso in Sachsen-Weimar nach
der noch 1754 gültigen Baderordnung[242]. Nicht einmal der Besitz
einer Badestubengerechtigkeit, bei der der Inhaber die Badestube nicht
betreiben wollte, genügte 1774 in Zürich, wenigstens nach Ansicht der
Meister Bader, das Schröpfen in den Bürgerhäusern auszuüben[243].
Es brachte dem Bader gewiß mehr Gewinn als das Baden. Schon im 15.
Jahrhundert heißt es in einem Aderlaßzettel über einem beigefügten
Badestubenbild[244]: „Schröpfen fristet mir min leben.“ Das Ansetzen
der Schröpfköpfe und Hörner wurde meist stückweise bezahlt. Nach
der Bamberger Baderordnung von 1480 hatten Vermögende einen Pfennig
fürs Bad zu geben. Für zwei Pfennig erhielt man noch einen oder zwei
Schröpfköpfe; jeder darüber wurde mit einem Heller berechnet[144]. In
Bräunlingen bei Donaueschingen kostete das Bad für Erwachsene einen
Pfennig und zwei „winttusen seczen“ einen Haller, drei einen Pfennig,
vier ebensoviel[219]. ~Guarinonius~ tadelt 1610 die Habsucht der Bader
und wirft ihnen übertriebenes Schröpfen vor, weil jeder Köpfel um einen
Pfennig mehr trug, wodurch die Leute mit höchstem Schaden an Leib und
Säckel geschunden würden[134]. Zu Konstanz bestand jedoch 1483[219],
zu Böblingen vor 1554[198] ein Einheitspreis unabhängig von der Zahl
der Köpfe. Als im 18. Jahrhundert und im Anfang des 19. die Badestuben
selten und vielleicht nur noch des Schröpfens wegen benutzt wurden,
wird in den Züricher Protokollen Bader und Schröpfer für dieselbe
Person gebraucht. Der Baderberuf war also in dem des Schröpfers
aufgegangen, wenigstens an den Orten, wo er sich nicht zur Ausübung der
Chirurgie emporschwingen durfte.
[Sidenote: _Schröpfen in der Badstube_]
Das Schröpfen in der Badestube hatte seine Gründe. Da durch die
Wärme die Hautgefäße erweitert werden, erfolgt unter ihrer Anwendung
eine reichliche Blutentleerung beim Schröpfen. Die als Ersatz des
Bades empfohlenen Mittel bezweckten dasselbe. Doch hatten die
Schriftsteller zu Ausgang des Mittelalters und zu Anfang der Neuzeit
unter Zugrundelegung der Lehren alter Meister eine andere Vorstellung
von der Mithilfe des Bades. Durch Schröpfen allein konnte man nur
„subtiles“ Blut aus dem Körper entfernen. Wer Überfluß an diesem zu
haben glaubte und ihn ablassen wollte, bedurfte nicht des Bades. Anders
bei Leuten von „grobem gepliet“! ~Arnoldus~ sagt „das einn jeder der
solch gepliet hat im selber schaden thät, so er nitt im bad schrepffte,
dann vmb gröbe willen gieng allein das subtil vnd gut gepliet haraus
vnd nitt das grob, welches durch das bad flüssig wirt vnd von stat
mag“ (~Pictorius~ 1555)[246]. ~Ryff~[221] empfiehlt in seiner großen
Chirurgie zu diesem Zweck innerlich geeignete Nahrung, äußerlich
„bereiben, baden vnnd dergleichen“, und der schon angeführte anonyme
Druck aus dem 15. Jahrhundert[238] neben Baden im Wasserbad oder in
der Badestube „anheim in deinem haws bey warmem ofen schrepfen“.
Dies letztere nennt ~Guarinonius~ (1610) „trucken schrepffen“ (siehe
da). Er tadelt die dadurch verursachte Überhitzung der Stuben, die
unverständige Balbierer und Bader herbeiführten, weil sie meinten, das
Blut könne sonst nicht rinnen, und will dafür reiben mit einem warmen
Tuch bis zur Hautröte haben. 1484 brach in Nürnberg ein großes Feuer
aus, weil einer im Juli ein „stibla“ geheizt, „er hat im weln vorn ofen
schrepfen lassen“[248].
[Illustration: Abb. 32. Anlegen der Aderlaßbinde. Holzschnitt aus dem
Kalender von 1481. Augsburg. Johannes Blaubirer.]
[Sidenote: _Aderlaß _]
Neben dem Schröpfen spielte im Mittelalter und bis in die neuere Zeit
eine andere Art der Blutentziehung eine große Rolle, ich meine den
Aderlaß, auch Lässe und Läse genannt. Der Gesunde ließ ihn viermal
im Jahr an sich vornehmen; in den Klöstern war dies Vorschrift[249].
Hier fand er im Calefaktorium, dem Warmraume, statt, nicht etwa, wie
~P. Gregor Müller~ meint, damit die Hand des Chirurgen nicht vor Kälte
zittere[249], sondern aus den schon beim Schröpfen erwähnten Gründen,
die wohl auch die Leute deshalb ins Bad gehen ließen. Die Operation war
einfach. Mit einer um den Oberarm gelegten Binde, der Aderlaß-, Laß-
oder Läserbinde wurde das Blut gestaut (Abb. 32) und die dadurch stark
hervortretende Vene angeschnitten. Der Aderlaß fand auch an anderen
Körperteilen statt, worüber das Aderlaßmännchen vom 15. bis ins 19.
Jahrhundert genaue Auskunft gab.
Das Volk zog das Schröpfen dem Aderlassen vor. Auch die Ärzte, so
~Pictorius~, tun es „by denenn so adelassen nit wol erleiden mögen,
diewil es nit so hart schwechet, spricht ~Rases~, als aderlassen,
welches gar einn starcke euacuation ist, wie ~Galenus~ bezeugt, darumb
auch fil das schrepffen setzent für aderlassen“[246]. Besonders tat
man dies bei schwachen und alten Leuten und Kindern. Doch scheint man
bei kleinen Kindern nicht geschröpft zu haben; Ryff sagt, die alten
Ärzte täten es und zwar vom zweiten Jahre an. Aus ~Guarinonius~’
Schimpfereien geht hervor, daß es an Sechsjährigen zu den Ausnahmen
gehörte. Er verwirft es aber auch bei älteren Kindern mit der
Begründung: „Die Kinder die treiben kein Mutwillen mit Vberfressen vnd
Vbersauffen, noch mit anderer Vnzucht, so ist nit billig, daß sie jhr
vnschuldiges Blut ... vergießen sollen“[134].
[Sidenote: _Trocken schröpfen_]
[Sidenote: _Schröpfen mit Kopf oder Horn_]
Ich habe im Vorhergehenden das Schröpfen als Blutentziehung bezeichnet.
Das muß ich teilweise zurücknehmen. Aus den Schriften von ~Ryff~ und
~Pictorius~ geht hervor, daß man im 16. Jahrhundert, wie heute noch,
Schröpfköpfe auch ohne „Hauen und Bicken“ setzte, ~Ryff~ nennt das
trocken[221], auch blind[250] schröpfen. Im Schröpfkopf (Kopf = Gefäß),
der auch Laß-, Baderkopf, Ventose, Ventuse, Vintuse, Fintusze hieß,
wurde die Luft durch Erwärmen an einer Flamme verdünnt (Abb. 36) und
dadurch nach dem Ansetzen eine Beule auf der Haut gezogen. ~Rueff~[251]
schlägt in seinem Hebammenbuche 1554 für den Notfall als Ersatz ein
„dickes gloß (wie ein fintusen)“ vor, das man über ein brennendes Licht
stülpen soll. Nach ~Pictorius~ (1560) wurde das Trockenschröpfen von
den Badenden nicht gebraucht[152]. Beim blutigen Schröpfen wurden die
gezogenen Beulen aufgehauen[250]. Öfters geschah es allerdings, daß
die „Scarification“ dem Aufsetzen der Schröpfköpfe voranging[221][246].
[Illustration: Abb. 33. Schröpfen mit dem Horn im Mineralbad zu Baden
im Aargau. Kpfr. aus: ~Hess~, Badenfahrt. Zürich 1818.]
In der Gestalt glich der Schröpfkopf dem heutigen. Man verwendete
verschiedene Größen, die größten im Land zu Sachsen, weil dort die
Leute angeblich am vollblütigsten waren[221]. Neben dem Schröpfkopf
wird häufig das Schröpfhorn oder Schröpfhörnli erwähnt (Abb. 33/34).
Nach ~Ryff~ stellt es das ältere Instrument dar und fand namentlich
in einigen Mineralbädern Verwendung. Bilder zeigen es noch im 19.
Jahrhundert in Tätigkeit. Auch ~Murner~ bildet es in seiner Badenfahrt
ab. Dort ist es schlüsselförmig. Die früheste Erwähnung findet es zu
Anfang des 14. Jahrhunderts beim König vom Odenwalde[228], welcher der
Kuh ein Loblied singt und dabei auf das Schröpfen mit ihrem Horn gegen
Rückenweh hinweist. In einer Züricher Teilrödel des 16. Jahrhunderts
kommen aber auch acht „möschin Schräpf-Hörnle“ (aus Messing) vor[252].
Die Verdünnung der Luft geschah durch Ansaugen mit dem Munde; ein
kleines Leder verhinderte das Wiedereinströmen derselben. Bei vielen
Naturvölkern finden wir das Schröpfen mit dem Horne heute noch[232].
Ich sah es jüngst auf einer aus dem Togo stammenden Photographie bei
Dr. ~Hans Gruner~. Es liegt deshalb kein Grund vor, anzunehmen, die
Deutschen hätten es von den Römern übernommen. Die erste Kunde vom
Schröpfen in fränkischen Landen gibt ~Gregor von Tour~, indem er
erzählt, daß Eberulf, der Oberkämmerer des Königs Chilperich, einen
Priester mit Faustschlägen fast bis zu Tode mißhandelt habe, der auch
gestorben sein würde, wenn ihn die Ärzte nicht durch Schröpfen gerettet
hätten[3]. In ~Wolfram~s Willehalm kommt jemand vor, der „wolde phlegn
vintûsen an sich setzen“[254].
[Illustration: Abb. 34. Schröpfhörner und Schnepper. Kpfr. aus: ~Hess~,
Badenfahrt. Zürich 1818.]
[Sidenote: _Laßeisen und Schnepper_]
Den Schröpfschnepper kannte man in früheren Zeiten noch nicht.
In seiner heutigen Gestalt finden wir ihn zuerst bei ~Ambroise
Paré~[235]. Bei älteren Instrumenten liegt das ganze Räderwerk
frei. Ein Schnepper mit einer Klinge scheint auf einem Holzschnitt
~Jost Amman~s dargestellt zu sein (Abb. 36). Gewöhnlich geschah die
Skarifikation durch sog. Schröpfeisen, die ~Ryff~ im Gegensatz zum
Laß-(Aderlaß)eisen von runder Schneide sein läßt (Abb. 35). Doch
scheint man praktisch den Unterschied nicht gemacht zu haben. Die
Züricher Bader, die nichts mit Aderlassen zu tun hatten, führten im
19. Jahrhundert neben dem Rasiermesser das spitze Eisen im Siegel.
Dies Wappen findet sich außerdem auf einem Lafettenschild des 17.
Jahrhunderts im schweizerischen Landesmuseum (vergl. das Wappen in Abb.
39). Zu ~Ryff~s Zeiten verwendete man auch das Rasiermesser, in Aachen
sogar noch im 18. Jahrhundert (Abb. 37). Bei diesen Instrumenten wurde
die Klinge mit der Schneide auf die Haut gesetzt und mit dem Finger
in diese eingedrückt. Genau so verfuhr man beim Aderlaß. Auch hier
traten erst später einklingige Schnepper auf. Auf dem ältesten mir
bekannten Aderlaßbilde in Codex 306 der Einsiedeler Stiftsbibliothek
aus dem 12. Jahrhundert oder aus noch älterer Zeit[538] ist das Messer
lanzettförmig.
Nicht immer lassen sich in den Schriften Aderlassen und Schröpfen
auseinanderhalten. Wird gewöhnlich unter Lassen Aderlassen verstanden,
so bezeichnet es auch Schröpfen, z.❆B. im Augsburger Kalender von 1488
und 1511[261]. Das ist auch in dem Wort Laßkopf ausgedrückt. Im Gedicht
auf die Bergtheimer Schlacht wird mit dem „Laßisen“ geschröpft[49].
Nach ~Hans Sachs~ kam es vor, daß man auf der „laspanck“ vom „Lasser“
verbrannt wurde[337]. Das konnte nur beim Schröpfen geschehen. Das
sanguinem minuere könnte beides bedeuten, ja ~Diefenbach~ übersetzt
sogar flebotomare mit aderlassen und schröpfen[151]. Im Bauriß des
Klosters St. Gallen findet sich ein „Fleotomatis hic gustandum vel
potionarius“ benanntes Haus neben dem Krankenhause, das eher für eine
Verwendung zum Aderlassen sprechen würde. Der in der Nähe gelegene,
„sanguinem minuentium“ bezeichnete, mit dem Bad unter einem Dach
liegende Raum dürfte vielleicht zum Schröpfen benutzt worden sein (Abb.
5 _b_).
Sehr oft sehen wir dargestellt, daß die Person, welche sich auf
der Schröpfbank im Schweißbade schröpfen läßt, zugleich ein Fußbad
nimmt (Abb. 36), oder wenigstens steht dieses daneben bereit. Die
Schriftsteller geben an, man soll den Leib vor dem Schröpfen im Bad
reinigen und darauf die Füße bis ans Knie in warmes Wasser setzen,
das mache das Blut dünn[41. 47. 262]. Im Züricher Kalender von 1508
wird als Grund angegeben, es mache das Gesicht lauter[26]. Nur einmal
finde ich ein besonderes Schröpfstüblein bei ~Geiler von Kaisersberg~
erwähnt. Es lag neben der Badestube und hatte niedrigere Temperatur als
diese[151].
[Illustration: Abb. 35. _a_ Schröpf-, _b_ Laßeisen. Holzschnitt aus
~Dryander~s Arzneispiegel. Frankfurt 1547.]
[Sidenote: _Schröpfen in den Mineralbädern_]
Im Mineralbade wurde, wie es in einer Aachener Schrift von 1737[263]
heißt, ordentlicherweise während des Badens geschröpft (Abb. 33 u.
37), wenigstens in den kleinen Privatbädern. Nur in Baden in der
Schweiz fand es in einem öffentlichen Bade, das von mehreren Personen
gemeinschaftlich benutzt wurde, statt. Es durfte jedoch nur in dem
einen der beiden freien Bäder, dem sog. Freibade, geschehen. Schon
1339 besaß es Schröpfrecht[32]. Es wurde namentlich am Samstag von den
Landleuten der Umgebung viel besucht, und ~Pantaleon~[35] sagt 1578,
die Leute vermeinen, „sie haben nit gebadet wann sie nit voll hörnlin
wie ein Igel hangen“. Es schien oft, als wenn man im Blute badete (Abb.
46). Das bezeugen auch andere Schriftsteller bis ins 19. Jahrhundert.
In Baden-Baden hatte dagegen 1488 das eine Freibad eine Badestube, die
täglich erwärmt werden mußte (trotz der Therme!), in der gebadet und
geschröpft wurde[40]. Von Warmbrunn in Schlesien wird 1607 berichtet:
„an das Bad stößet gegen Mitternacht eine gemeine Badestube, in welcher
alle 14 Tage ein Schweiß vnd Köpffe Bad gehalten wird, welches der
Bader von Friedeberg pfleget zu versorgen, vnd müssen die Bad Gäste
denselben Tag nach Mittage mit dem Bade inne halten“[69]. Auch in
Töplitz war 1607 ein Arm der Mineralquelle durch Röhren in das Haus
des Baders vor dem Tor geleitet[264]. Nach einer Notiz von 1706 fand
hier das Schröpfen statt[81]. In Leuk war das Schröpfen nur in den dazu
bestimmten Bädern gestattet. 1832 war ein sehr unheimlich aussehendes
doppeltes Schröpfbad dem Armenbad angebaut. Enatbühl bei St. Johann
hatte im selben Jahre eine Schröpfstube mit zwei Wannen[88].
[Illustration: Abb. 36. Badestube. Holzschnitt von ~Jost Amman~
aus: ~Paracelsus~, Wund- vnd Artzney Buch. (Titelholzschnitt zum
Baderbüchlin.) Frankfurt a.❆M. 1565.]
Der Augsburger Großkaufmann Lukas Rem hielt sich 1521, 1525 und 1529,
jedesmal achtundzwanzig Tage, im württembergischen Wildbad auf. 1521
hat er in seinem Tagebuch am 3. Oktober 5½ Stunde Thermalbad und
„Schwaisbattet und koplett“ (geschröpft) verzeichnet, 1525 am 23.
August bei 7 Stunden Mineralbad „schwaisbatt“ und 1530 am 24. und 31.
März bei 8 und 7 Stunden Mineralbad „gebatt im Schwais, kopflet“[265].
Dadurch wird auch verständlich, daß Markgraf Christoph von Baden 1507
für sein, also das herrschaftliche Badehaus in Baden-Baden trotz der
Therme Lieferung von Holz durch die Stadt verlangte, das übrigens
fremde Fürsten, wenn sie zur Kur anwesend waren, auf eigene Kosten
besorgen mußten[266].
[Sidenote: _Streichen und Verbinden im Bad_]
Über den Ort chirurgischer Tätigkeit in der älteren Zeit ist uns nur
wenig bekannt. Quetschungen wurden auf den Burgen im Wasserbade
massiert. Den jungen Parzival behandelten Jungfrauen (Anfang des 13.
Jahrhunderts):
„Si twuogn und strichen schiere
Von im sîn amesiere (Quetschung)
Mit blanken linden henden“[254].
Ebenso erging es dem Tandareis.
„Den wolde man das niht erlân,
Er muoste sitzen in daz bat;
Sit man in des niht erlât
Dô tet erz, wan ez muoste sîn.
Vier klâriu juncvröwelin
Erstrichen von im sîn amasier,
Sîn lîp was klâr unde fier“[267].
(Vgl. Abb. 45.)
Ulrich von Liechtenstein erzählt uns, daß die Ritter nach dem Turnier
von Friesach im Jahre 1224 in die Stadt zogen und während der Nacht
noch badeten, wobei mancher vor Müdigkeit ohnmächtig wurde. Im Bade
fand zugleich die Behandlung der im Turnier erhaltenen Wunden statt.
„Man pant den dort, man salbet den hie,
dem dort die arme, dem hie diu knie“[268].
1397 behandelten Stover (Bader) kranke Beine bei einigen Personen
des Hofgesindes der Witwe des Herzogs Otto des Quaden[269], und die
„Bayrische Landesordnung erclärung“ von 1578 klagte, daß „die alten
Ehehafft Pader vnnd Padstuben, dabei hieuon guete wundärtzt gefunden
worden“, in Verfall gerieten[16].
Die Bader, welche hier Wundarznei ausübten, waren gewiß nicht
vom Badestubenbesitzer angestellte Gesellen oder Knechte des
Schererhandwerks. In den Reiserechnungen des Patriarchen Wolfger von
Ellenbrechtskirchen aus den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts
ist bei Passau ein Posten für den Minuter (Aderlasser) in estuario
verzeichnet, und eine Ausgabe ist „aliis balneatoribus“ bestimmt[270].
Der Minutor war also ein Bader. In dem schon erwähnten Gedichte
Kaufringers heißt es vom Badereiber:
„Wann er auch wol scheren kan,
er hett mir geschoren ungenetzt“[256].
[Illustration: Abb. 37. Schröpfen mit dem Rasiermesser und
Schröpfköpfen in einer Badezelle zu Aachen. („Wie man die Schröpff
Köpfe im Bade gebrauchet“.) Kpfr. aus: Amusements des eaux
d’Aix-la-Chapelle. Amsterdam 1736.]
[Sidenote: _Verschiedenheit der Badangestellten_]
Daraus geht hervor, daß nicht alle Bader scheren konnten. Auch sagt
eine Baseler Ratsverordnung von 1360, daß die Bader und ihre Knechte,
die scheren, Scherer sollen heißen und Scherer sein und auch alle die
Rechte haben, so die Scherer in der Zunft zu unserer Stadt haben[255].
Die Bader, welche nicht scheren konnten, hatten also weniger Rechte.
Der Badermeister hatte demnach zweierlei Personal angestellt, einmal
Knechte, die sich auf Scheren, Schröpfen, Aderlassen und Wundarznei
verstanden und dementsprechende Namen führten, und zweitens männliche
und, wie ich hier schon erwähnen möchte, weibliche Personen, die
das eigentliche Bad besorgten, Wasser herbeitrugen, das Bad und
die Holzgeräte scheuerten und dergleichen mehr verrichteten. Beide
unterschieden sich auch durch ihr Einkommen. Alle Badhüter und Reiber
in den Badestuben mußten nach einer Ordnung des Rates zu Ulm vom Jahre
1346 wöchentlich einen halben Heller in die Handwerksbüchse legen, die
Schröpfer aber, die mehr verdienten, einen ganzen Heller[50].
Zur Ausübung des niederen Dienstes in den Badestuben war eine
besondere Geschicklichkeit und Intelligenz nicht erforderlich, auch
ein eigentliches Erlernen nicht nötig. So kam es denn, daß im Bad
allerlei Gesindel Beschäftigung fand. Nach einem gegen 1420 in der
Nähe des Bodensees entstandenen Gedicht[241] gehen dem Teufel ins
Netz: „Schellenslaher, gogler (Gaukler) und affer, Varend schuoler und
buoban“. Für „buoban“ setzt eine der Handschriften „badstuben buoben“.
In einer der Predigten, die ~Geiler von Kaisersberg~ 1498 in Straßburg
hielt, heißt es von den verunglückten Studenten: „Diese ziehen nachmals
(wann sie der füllerey gewohnet haben) inn dem land herumb, der eine
wirdt ein Gauckler, oder spilmann, der ander ein thellerschlecker, der
dritt ein Teryackskremer, der viert ein bader, der fünfft ein Henselin
oder sonst ein lotterbub“[271].
Codex C 101 der Züricher Stadtbibliothek, 1453–67 von einem St. Galler
Mönch geschrieben, sagt vom Planeten Luna:
„mine kind man keines gezeymen kan
Nieman sy gerne sind vndertan
jr angesicht ist bleich vnd runt“,
und als Kinder Lunas werden angeführt:
„leufer, geugler, fischer marner (Schiffer)
farenschuler fögler müller bader
vnd was sich mitt wasser erneret
Den ist diß mons schin bescheret“ (Abb. 38).
[Sidenote: _Badestube und Frauenhaus_]
Fast wörtlich lautet die Stelle in dem von der Bodenseegegend
stammenden mittelalterlichen Hausbuch aus dem 15. Jahrhundert[150][D].
Wir finden hier die Bader in Gemeinschaft mit zumeist fahrendem
Gesindel. Einen hohen Grad von Sittlichkeit konnte man bei diesen
Leuten nicht erwarten. Kein Wunder, wenn manche Bäder bis ins
15. Jahrhundert Frauenhäuser, wenn auch wohl selten öffentliche,
darstellten, mancherorts bis in neuere Zeiten. Die eigene Badestube,
welche nach ~Felix Faber~s Bericht die gemeinen Frauen zu Ulm in der
Nähe des Münsters hatten, dürfte wohl ein offenes Frauenhaus gewesen
sein[50]. Auch fanden sie Unterkunft in den Bädern. ~Johannes Stumpf~
erzählt, daß sich 700 zum Konzil in Konstanz einfanden, die „durch die
gantz statt hinweg“ in Frauenhäusern, Ställen und Winkeln wohnten[336].
Nach einer anderen Nachricht waren es zweimal 700, und viele hatten
Herberge in den Badestuben genommen[626]. Es klingt demnach gar nicht
unwahrscheinlich, wenn in der „Wiletzkinder Vasnacht“ ein Sohn seinem
Vater erklärt:
„Ich wil wern ein frauenwirt
Und ain padkneht, der lest (zur Ader) und schirt,
So mag ich paiderseit gewin haben“[12].
[Illustration: Abb. 38. Darstellung des Planeten Luna. Oben links die
Badestube mit einem Bader und Baderinnen. Holzschnitt von ~Hans Sebald
Beham~. (1500–1550)]
Nicht ohne Grund schrieb Breslau 1486 seinen Badern vor, keinen Dirnen
Aufenthalt zu gewähren[210].
[Sidenote: _Ruf der Bader und Baderinnen im 13. und 14. Jahrhundert_]
Aber auch das weibliche Badepersonal selbst stellte die Dirnen, das
männliche machte die Kuppler und nicht nur zwischen jenen, sondern
auch sonst nicht gerade ehrbaren Frauen, die zum Bade kamen, und ihren
Liebhabern. Rîberîn (Badereiberin) war gleichbedeutend mit Hure[258]
(siehe S. 179 Zwagerin), und Quostenbinderin (Person, welche die zum
Schweißbade nötigen Laubbüschel anfertigt) galt als Schimpfwort[259].
Auch in ~Luther~s Schriften tritt die tiefe Verachtung der Baderinnen
zutage: „Er heißt mich einen Wechselbalg und Bademagds Sohn“ und „es
würden zuletzt auch die Bademeid wider mich schreiben“[151]. Der
Barfüßermönch Michael Eisenhart in Rotenburg ob der Tauber sagt 1526,
die Deutschen hätten um Luthers willen
„Die mutter gots und zart junckfrawen
Gotslesterlich und unbeschayden
Vergleicht den alten badmayden“[627].
Fürs 13. Jahrhundert hat uns ~Neithart~ eine diesbezügliche Schilderung
hinterlassen:
„Von dem vruestük süln wir gan
san dan hinne zuo dem bade;
lade wir die finen vröulin dar,
z’war, die uns riben,
unt vertriben
unser wile;
keiner ile
dar uz vaste,
e er raste
drinnen, sam ein vürste.
Sich, baderinne,
du besinne
unser gewinne,
zuo der minne
bereite (ie) dem manne ein (weichez) bette;
du darft niht sorgen
umb daz borgen,
ane kargen,
sich, uf morgen
so schaffen wir, daz es wirt eben wette“[103].
Auch ~Herrand von Wildonie~ läßt bei dem Kaiser im Bad
„solher wîbelîn ein teil,
diu man dâ vindet ringe veil“
verweilen[438].
[Sidenote: _Die ersten Gesetze gegen die Unsittlichkeit in den
Badestuben_]
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts führt der König vom Odenwalde unter
den dreißig Ursachen, welche die Leute ins Bad treiben, auch das
Bedürfnis zu minnen an. Besonders berüchtigt war in dieser Beziehung
die Badestube zu St. Leonhard in Basel[260]. In diese Zeit fällt die
erste bekannte Verordnung gegen die Unsittlichkeit in den Badestuben.
Im ältesten Stadtbuch Luzerns, das vor 1320 abgefaßt ist, verbietet
der Rat das Spielen und Übernachten von Fremden in den offenen
Frauenhäusern und Badestuben. Es durfte keine Frau bei zehn Schilling
Buße in einer Badestube baden; am Mittwoch konnten dagegen zwei, die
Ritzmanns und Stecken, nur von Frauen besucht werden. Überschritt ein
Mann das Verbot, so büßte er es mit einem Pfund und mußte einen Monat
von der Stadt sein. Wußte der Bader darum, zahlte er die Buße[111].
Ähnliche Verordnungen treffen wir in Norddeutschland an. Hamburg
schrieb 1375 vor: „De vrowen scholen baden alle werkeldage van des
morgens beth to seven tyd dages sunder man unde nicht lenger. Van
twen tyd dages scholen de man baden beth dat men tho deme dome vesper
luedet, sunder frowen unde nicht lenger. Van vespertyd scholen
de vrowen baden beth des avendes sunder man, mer des sunnavendes
scholen de vrowen nicht mer baden den van des morgens beth tho twen
tyd dages unde nicht lenger. Unde denne scholen de man allen dagh
vortom uthbaden.“ Wer zur Mannszeit Frauen oder umgekehrt oder beide
Geschlechter zusammen baden ließ, hatte zehn Schilling dem Rate und
fünf dem Handwerk zu geben. „Und were dat welk badstover (stove =
stube, Badstover = Badstubenhalter) ver werve hir ane breke binnen
eneme jare, de schall jar unde dagh uth dem ampte wesen, id en were,
dat en de rad begnaden wolde“[217]. „De olden gelofte der Stad“
Wernigerode enthalten folgende diesbezügliche Stelle: „Ok umme dat
stowen bad schulle gy wetten. dat de mane mege baden van dem morgen
we to XII. slegen unde de frawen van XII. wete to twey; so moget de
manne auch baden. Unde de manne unde frawe schulle nicht to samende
baden“[272].
Speier hatte 1357 zwei Badestuben vor dem „Rinburgetor“, „die manne
bastube vnde die vrouwen bastube dabi gelegen“[273].
Das Zusammenbaden von Männern und Frauen hatte schon eine unter dem
heiligen Bonifacius 745 abgehaltene Synode verboten, ebenso das
Merseburger Poenitiale aus dem 9. Jahrhundert[16]. 1451 erinnerten der
Züricher Chorherr ~Felix Hemmerlin~[274] und 1489 der Berner Chorherr
~Heinrich Gundelfinger~[334] wieder daran, daß verheiratete Männer
und Frauen, die mit Leuten anderen Geschlechts zusammen badeten, das
Heiratsgut verlieren müßten. Dringe aber ein Mann mit Gewalt in die
abgesonderten Frauenbäder, solle er mit dem Tode bestraft werden.
Der Meistersinger ~Hans Foltz~ gibt die strenge Durchführung dieser
Beschlüsse nur von einem Bad bei Avignon an:
„der bad eins für die frawen ist.
alein der man das ander wist.
welch man bat an der frawen schar
so bald vnd man des wirt gewar
sein haupt hat er on gnad verlorn“[12].
Schon im 14. Jahrhundert sollen nach ~Hingst~[183] in Freiberg in
Sachsen die beiden Badestuben gesonderte Männer- und Weiberbäder gehabt
haben. Aus der Taxordnung von 1447 geht jedenfalls hervor, daß die
Frauen von der Bademayd bedient wurden. Auch in Baden in der Schweiz
schrieb 1496 der Rat dem Bader vor, „darzu soll er denen frowen nun
fur hin ein frowen zuo einer riberin halten“[32]. In Basel badeten
bis 1431 Männer und Frauen zusammen, „das nit wol loblich und an
manchen Enden eine ungehörte Sach ist“. Darauf wurden Männer- und
Frauenbad voneinander abgeteilt[260]. 1480 durften nach einer Bamberger
Ordnung Eheleute zusammen baden[144]. In Butzbach in Hessen war im
städtischen Bad gegen Ende des Jahrhunderts das Männer- vom Frauenbad
getrennt[194]. Den Badern wird jedoch auch im 15. Jahrhundert kein
besseres Zeugnis als früher ausgestellt:
„Der bader und sin gesind
Gern huoren und buoben sind,
(Das sich wol dik enphind)
Dieb, lieger und kuppler,
Und wissend alle fremde maer.
Och kunnend sie wol schaffen
Mit laigen und och mit phaffen,
Die ir uppkait wend triben,
Und kunnend die fröwlin zuo in schiben“[241].
In Regensburg sollten die Bader im 15. Jahrhundert nach einer Ordnung,
die sie mit dem Rate machten, fürderhin niemanden auf ihrem Handwerk
arbeiten lassen, „es sey fraw oder man auf die Intzigk geen, oder
die von Rwf wegen verarckwaingt sint“. Doch wird 1509 von der Stadt
Frickenhausen oberhalb Ochsenfurt berichtet: „Erat puella in domo
balnearia lavari cupientibus ad serviendum conducta, cujus nomen
memoriae non occurit“[144].
[Sidenote: _Bestimmungen gegen Unsittlichkeit im 16. Jahrhundert_]
Die Badestube in der Borngasse zu Frankfurt a.❆M. hatte im Beginn
des 16. Jahrhunderts getrennte Bäder für Männer und Frauen[127], in
Braunschweig gab es eine besondere Frauenstove. Die Züricher Bader
haben auf ihrer Pergamentrolle im Jahre 1503 folgende hierher gehörige
Bestimmung verzeichnet: „Item man sol ouch kein üppiklich bad haben,
noch niemant den andern zůsamen welben[E] weder er, noch die sinen,
noch nieman von sinen wegen, es sol ouch niemant den andern in kein
standen zů samen lassen sitzen, sy sygent dann eelich personen, die
zůsamen gehörent, oder eelich natürlich geboren geschwisteryit. Es sol
ouch niemant in keinem wasserbad, in heimlichen wincklen baden, noch in
keine kamer verfüren, damit biderben lüten ire kind vnd ander die iren
nit geschmächt, oder geschentt werden“[243].
[Illustration: Abb. 39. Farbige Glasscheibe von 1524. Im Besitz von
Prof. ~Rahn~ in Zürich.]
[Illustration: Abb. 40. Frauenbadstube. Holzschnitt von ~Hans Sebald
Beham~. (1500–1550)]
[Sidenote: _Wie weit diese Gesetze befolgt wurden_]
Wie weit solche Bestimmungen durchgeführt wurden, zeigen uns die Bilder
dieses Jahrhunderts, und der Züricher Prediger ~Lavater~ sagt 1583 in
seiner Auslegung des Buches Esther: „Wie auch das, wenn mann vnnd wyb
by einanderen in einer badstuben sitzend, darwider etliche alte canones
sind“[276]. Auffallend ist, daß wir nirgends die Darstellung weiblicher
Bedienung im Männerbad sehen. Wohl werden Frauen, und zwar vollständig
nackte Frauen, von Männern besorgt (Abb. 39), es gibt aber auch Bäder,
die nur von Frauen besucht sind, wo die Baderin das alleinige Personal
bildet (Abb. 40) oder als einzige männliche Person der Schröpfer sein
Amt ausübt (Abb. 72). Es wurde in diesem Jahrhundert im allgemeinen
auf strenge Zucht und Sitte im Bade gesehen. 1514 entfernten die Räte
und der Domdechant von Würzburg den Bader zum Becken, einer Badestube,
die mit dem Spital in Verbindung stand. Als der Fürstbischof sich des
Baders annahm, teilte man ihm die Gründe der Entfernung mit. Obgleich
dem Bader bei seiner Annahme eröffnet wurde, er solle die Tür an der
Frauenstube geschlossen halten, habe er dies nicht getan, vielmehr
einige Domherren und Edelleute gegen die Spitalpfleger unwillig
gemacht, so daß sie sogar den Pflegern einen Kübel an den Hals hängen
wollten. So sei es gekommen, daß viele Uneheliche und besonders
„verleumutte“ Frauen in das Bad gerne gingen und unziemliches Wesen
trieben, so daß fromme Frauen und anständige Jungfrauen gar nicht mehr
hingehen möchten[144]. Auch ~Ulrich von Hutten~ sagt 1521 von den
Domherrn: „so ligen sye gemeynlich am rücken, vnd haben ire kurtzweyl
im bad, vnd brassend stets, sitzen da vnder den schönen metzen, offt
die gantz nacht“, und weiter:
„Herr Curtisan ich wünsch eüch gruß.
In ewerm hauß ist überfluß.
Drumb kumm ich eüch zůwonen bey.
Tragt essen trincken auff, seyd frey.
Doch erst ein bad man wörmen sol.
Vnd vnser dorinn pflegen wol,
Mit reyben, iuken, warm, vnd kalt.
Darauß wir gehn zům essen bald.
Do werd ein schön pancket gemacht.
Mit großem kosten, reychem pracht.
Das were biß nach mitter nacht.
Do müssen vil gerichten sein,
Fisch, vögel, wiltpret, bir vnd wein.
Kein wurtz man spar, noch spetzerey.
Schadt nit, ob das schon tewer sey.
Obs sey geholt auß India,
Gewachsen in Arabia.
Kumm auß der newen Insel her.
Tragt auff, die fucker[F] bringens mer.
Mit essen drincken schafft ein můt.
Mit vollem bauch ist schlaffen gůt.
Ob dann schon ich bin auch im spil,
Hatt wol sein fug, ist nit zů vil.
Ein idas wesen hat sein zil.
Ich habs gewogt“[277].
Eine ähnliche Schilderung ist in den Briefen der Dunkelmänner „De
concubinariis ordine tertiis“ enthalten[144]. Nach ~Ryff~ waren in
etlichen Landen deutscher Nation, vornehmlich in den niederländischen
Städten, die Badestuben am meisten „zu anreyzung der vnkeuscheyt
erbawen, also das mehr můtwillens vnd schand darinn geübt wirdt, dann
in offnen Frawen heuseren“, und er klagt, daß die Obrigkeit solche
Hurerei öffentlich zuläßt[48]. Ein Kupfer ~de Brys~ von ca. 1600 zeigt,
daß es in den niederländischen Barbierstuben nicht besser zuging[244].
[Sidenote: _Der Ruf der Badestuben im 17. Jahrhundert_]
[Sidenote: _Der Ruf einzelner Bäder im 18. und 19. Jahrhundert_]
Im 17. Jahrhundert eifert der steirische Physikus ~Guarinonius~
gegen die Badestuben. Anständige Leute ließen ihre Töchter nicht in
diese gehen. Dort seien zwar durch dünne Wände Männer und Weiber
voneinander geschieden, der obere Teil aber, um Holz zu sparen,
gegattert, so daß jeder beim Besteigen der oberen Bänke nach der
anderen Seite sehen könnte. Man lasse auch die Tür offen stehen zum
Ein- und Ausgehen der Bader und „Schandknecht“. Diese träten nackend
vor Weiber und Jungfrauen, und wenn sie auch mit der Niderwad bedeckt
seien, ließen sie diese öfter scheinbar zufällig entfallen. Auch
ließen sie Liegestätten zu unter dem Vorwande, nach dem Bade zu ruhen
und zu schlafen (Abb. 41). Sie hielten Metzen und Baddirnen, welche
die Badenden reiben, zwagen und zur Üppigkeit anreizen täten. So sei
das Päperle-Bad zu N. in Böhmen durch ganz Österreich verschrien
gewesen[134]. Diese letzte Bemerkung zeigt aber, daß die Unsittlichkeit
doch auf einzelne Bäder beschränkt war. Ja ~Guarinonius~’ scharfe
Verurteilung der Bäder erscheint in einem eigentümlichen Lichte, wenn
man weiter von ihm erfährt, daß auch das Baden im eigenen Hause wegen
der dazu nötigen Entkleidung unsittlich sei. Einige fromme Leute
hätten nie gebadet, nicht zum Schaden ihrer Gesundheit, im Gegenteil,
sie hätten sich besser dabei befunden. Aber auch bei ~Philander von
Sittewald~ findet sich (Vorrede von 1664) folgende Stelle: „Andere
giengen in das Bad warumb? darumb, daß sie wollten schräpffen lassen:
Aber zu höchstem ihrem mißfallen hat man vor kurtzem löblich verordnet,
daß die Mannsleute, denen zu Ehren offt dergleichen Badgeldt spendieret
worden, in andere Zimmer zu baden sollen angewiesen werden: Vnd
derowegen nicht ohne vrsach ist daß dise arme Weibriger ietzund so
Maulhenckolisch da in gedancken ligen, vnd so traurig da sitzen, als
wolten sie den Banck durchschwitzen“[76]. Noch im 18. Jahrhundert
weist eine Gothaische Ordnung die Obrigkeiten an, fleißig Aufsicht
zu üben, daß in den gemeinen Badestuben die Orte, wo die Manns- und
Weibspersonen baden, genügend unterschieden werden, weil dort zuweilen
viel Üppigkeit vorzugehen pflegt[242]. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts
waren in Bern die Mattenbäder übel beleumdet[253], und 1832 schreibt
~Rüsch~, man habe vor einigen Jahren jene Venustempel geschlossen, ihr
Ruf sei aber auf die Aarzihlebäder übergegangen[88].
[Illustration: Abb. 41. Darstellung eines nach Art der Badestuben
betriebenen Mineralbades. Holzschnitt von ~Hans Sebald Beham~.
(1500–1550)]
[Sidenote: _Die Unehrlichkeit / Recht- und Wehrlosigkeit der Bader_]
Ich glaube, daß die in älteren Zeiten bestehende Unehrlichkeit der
Bader ihren Grund darin hatte, daß die Hefe des Volkes zu ihren
Angestellten zählte. In Augsburg und Umgebung wurden durch eine
Urkunde von 1365 einige Bader und Scherer als aus der Leibeigenschaft
losgekauft erklärt[46]. Die frühere Leibeigenschaft kann aber nicht
Grund zur Unehrlichkeit gewesen sein, wir treffen sie auch bei anderen
durchaus ehrlichen Handwerken an. Einzelne Badestuben waren Eigentum
oder Lehen vornehmer Familien. Das steht scheinbar nicht in Einklang
mit der Unehrlichkeit der Bader und hat zu der irrtümlichen Angabe
geführt, manche Bader seien vornehme Herren gewesen. Bischof oder
Bader heißt aber alles oder nichts[151]. Nach einem 1656 von Herzog
August dem Jüngern zu Braunschweig-Lüneburg für Burchhard von Bortfeld
ausgestellten Lehnsbriefe war dessen Familie im Mannsstamme „von alten
Zeiten her mit einem Stoben auf St. Ulrichs Kirchhofe“ in Braunschweig
belehnt[279]. In Frankfurt a.❆M. waren einige Badestuben Eigentum
vornehmer Familien[127], in Ulm besaß ein reicher Großkaufmann Ott
Ruland 1448 eine solche[284]. In Baden im Aargau hatten im 14. und
15. Jahrhundert die Herren von Rümlang das Schröpf- und Scherrecht
als Lehen von den Herzogen zu Österreich[32]. Diese verpachteten
wohl sämtlich (was auch bei einigen angegeben wird) ihre Badestuben
bezw. Rechte an Bader, wie sich ja auch vornehme Geschlechter, z.❆B.
die gefürsteten Grafen von Henneberg und die Grafen von Pappenheim
mit den Einkünften der Frauenhäuser belehnen ließen[139], ohne
selbstverständlich ihre Familienmitglieder dort tätig sein zu lassen.
Durch die Einnahmen aus dem unsauberen Handwerke erlitt ihr Ansehen
keine Einbuße, wenn auch die öffentlichen Frauen tief verachtet waren.
So konnten auch vornehme Leute Inhaber von Badestuben sein; die im
Baderberufe tätigen Personen waren doch unehrlich. Da die Scherer aus
den Badestuben hervorgingen, erscheint es nicht wunderbar, wenn auch
sie mit dem Makel der Unehrlichkeit behaftet waren, sonst bietet sich
kein Anhalt dafür.
[Sidenote: _Ausschluß der Baderskinder von ehrlichen Handwerken_]
Wir sahen die Bader schon in Gemeinschaft mit allerlei fahrendem
Gesindel. Sie werden diesem in rechtlicher Beziehung auch gleich
bewertet. „Pfifer, pûker, videler, singer, springer, und koukeler,
lêzer, scherer, beder“ gehören nach der Görlitzer Glosse zum
Sachsenspiegel zu den Spielleuten[3] und denen, die Gut für Ehre
nahmen und sich für Geld zu eigen gaben, denen der Sachsenspiegel kein
Wehrgeld zubilligte, sondern nur die Rache am Schatten des Gegners.
Daraus erklärt sich auch das Verbot des Waffentragens. „Es ensal kein
Beder, Scherer, noch ire gesynde tragen schwert, Schermesser, noch
andere wher wider zu wein, noch zu Byer, noch niergen in der stad“,
heißt es im Erfurter Zuchtbrief von 1351[115] und in den Statuten
aus der Stadt Halle aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts[285]:
„Ouch wilkorn wir, das gernde leute, spelleute, scherer’, bedere,
vnd ore knechte nyrkeyne were tragen sollen, messere noch swert, bey
funff schillingen“[G]. Die älteste Rigaer, 1252 gegründete Gilde des
heiligen Kreuzes und der heiligen Dreieinigkeit untersagte die Aufnahme
von Webern, Badstubern und deren Angehörigen[193] und die Ladung
derselben zu den Gildemahlen[16]. In Prag konnten Bader, Bartscherer,
Pfeifer und Musikanten im 15. Jahrhundert nicht Mitglieder des Rates
werden[16]. Zünfte, namentlich vornehme, verschlossen Baderskindern
die Erlernung ihres Handwerks, so die Lakenmacher in Braunschweig (14.
bis 16. Jahrhundert), deren Statuten verlangten, der Aufzunehmende
solle von Vater und Mutter echt und recht geboren, deutsch und
nicht wendisch, nicht eines Zöllners, Müllers, Leinewebers, Baders,
Barbiers oder Schäfers Sohn sein[278]. 1472 und 1525 mußte der Rat von
Hamburg einigen Goldschmiedegesellen behufs ihrer Aufnahme in Köln
bescheinigen, daß keiner von ihnen sei, „Bartscherers, noch Badstövers,
noch Linnenwebers, noch Spielmanns Kind“[220]. In Geburtsbriefen wird
deshalb öfters die Nichtabstammung von Badern und neben den schon
genannten Berufen, auch von Bütteln, Pferdeschindern, Henkern und
anderen dergleichen, „dy man nicht pflegt vf redeliche hantwerger zu
nemen“, bezeugt, so 1431 und 1443 vom Abt von Altenzella[16]. Einen
Geburtsbrief, der den Anforderungen der Braunschweiger Lakenmacher
entsprach, stellte noch 1660 die Stadt Gronau an der Leine im Stift
Hildesheim aus[242].
Ja man bezeugte nicht nur dem Ehrlichen seine Ehrlichkeit, sondern
vermerkte in den Taufbescheinigungen dem Unehrlichen in einer
besonderen Klausel seine Unehrlichkeit. Über diese beschwerten sich
„sehr beweglich“ die Barbiere, Bader und Leinweber bei dem Herzog
August dem Jüngeren von Braunschweig, da sie ihren Kindern bei der
Erlernung zünftiger Handwerke hinderlich sei. Infolgedessen hob sie der
Herzog 1650 für Barbierer, 1652 für alle übrigen durch einen Befehl
auf[279].
[Sidenote: _Aufhebung der Unehrlichkeit der Bader_]
1652 attestierte der Rat zu Hamburg dem Amt der Bader auf dessen
Bitte hin, daß die Bader und deren Kinder daselbst zu allen ehrlichen
Handwerken, Zünften und Ämtern zugelassen würden, daß bloß wegen
dessen, daß er ein Bader oder eines Baders Sohn sei, niemand von
Ämtern usw. ausgeschlossen werden möge[217]. Nach ~Sach~ mußte der Rat
noch 1728 den Badern ihre Ehrlichkeit den Zünften (wohl auswärtigen)
gegenüber bezeugen[18].
Man sieht, wie fest der Begriff der Unehrlichkeit mit dem Baderhandwerk
verbunden war. Schon 1406 hatte Kaiser Wenzel, der wegen seiner 1393
erfolgten Rettung aus der Gefangenschaft der böhmischen Stände zu
Prag durch die Bademagd Susanne den Badern sehr geneigt war, diesen
1406 einen nach ~Schlosser~ übrigens gefälschten „herrlichen und
ehrlichen Brieff“ gegeben; „darinnen er das Bader-Handwerck allen
anderen Handwercken gleich gemacht und ihr Handwerck und Dienste, so
sie Königen, Fürsten, Herren, Rittern und aller Stände Personen zu
leisten pflegen, vor ehrlich und rein gesprochen; daneben allen Jüden,
Heyden und anderen Unchristen oder berüchtigten Leuten verboten, daß
sie nicht alleine die Badstuben sondern auch der Bader Wohnunge nicht
besuchen und dieselbige meiden solten. Aber das solte sich niemand
vorsetzlich unterstehen, die Bader zu schmähen oder etwas wider ihre
ehrliche Dienste zu reden. Dafern aber jemands ihnen oder ihrem
ehrlichen und reinlichen Handwercke zu Nachtheil und Verkleinerung
etwas muthwillig reden würde, derselben jeglicher solte ohn alle Gnade
in des gegenwärtigen oder zukünfftigen Königs von Böhmen Zorn und
Ungnade fallen, seines Kopffs verlustig und alles sein beweglich und
unbeweglich Gut von Rechtswegen an die Ältisten des Bader-Handwercks,
so dazumal seyn würden, verfällig seyn, welches sie an ihres Handwercks
gemeinen Nutz und Frommen anzuwenden schuldig seyn solten. Daneben
hat ihnen gemeldter König aus Gnaden verliehen, daß sie sich allesamt
dieses Wapens gebrauchen solten, als nemlich: In einem güldenen Schilde
eine blaufarb knotenweise gebundene Binden führen, darinnen in der
mitten ein grüner Papagei stehen solle (Abb. 42). Dessen allen zu
Zeugnuß hat der König zu diesem Brieff seine Majestät in weißem Wachse
mit eigener Hand angehengt und auf rothem Wachse sein Secret, darinnen
eine Baderin im Bade-Kittel, welche am lincken Arm einen Wasser-Kübel
hengende und in der rechten Hand einen grünen Quast hält, ausgegraben
(Abb. 65), aufgedrückt etc.“[286].
[Illustration: Abb. 42. „Prager Entlein“ an dem vom König Wenzel
vollendeten Altstädter Brückenturm in Prag. Die blaufarb knotenweise
gebundene Binde und der grüne Papagei (Eisvogel), das von Wenzel den
Badern verliehene Wappen, welches sich auch häufig in den für Wenzel
angefertigten Bilderhandschriften findet. Nach ~von Schlosser~.]
Die Reichspolizeiordnungen von 1548 und 1577 mußten von neuem den
Zünften gebieten, der Bader und anderer verachteter Handwerksleute
Kinder, wenn sie sonst eines ehrlichen Herkommens, Handelns und
Wesens seien, aufzunehmen, was 1689 von Leopold I.[16] und später in
Sachsen-Gotha wiederholt wurde[242]. Die Gräflich Schwarzburgische
Badeordnung im Amt Gehren bestrafte noch im 18. Jahrhundert die
Beleidigung der ganzen Baderzunft[242]. Die Unehrlichkeit der Bader
übertrug sich nicht nur auf die männlichen, sondern auch auf die
weiblichen Nachkommen. Kein Handwerksmeister oder Geselle durfte, wenn
er nicht seine Zunftmitgliedschaft gefährden wollte, eines Baders
Tochter heiraten. Übrigens zeigt sich an manchen Orten keine Spur
von einer Unehrlichkeit der Bader, so in Frankfurt a.❆M.[127], nach
~Zappert~ in Österreich[16]. In Augsburg heiratete 1525 Dr. ~Frost~,
der sechs Jahre zu St. Anna Prior der Karmeliter gewesen war und
Augsburgs erster lutherischer Prediger wurde, eines armen Badereibers
Tochter, und sind „vil erbarer, reicher leut auff seiner hochzeit
gewessen, frauen und mann“[280]. In Hamburg bildeten die Bader 1375
eine anerkannte und bestätigte Zunft. Ihre Mitglieder genossen des
Waffenrechts, und dem erbangesessenen Badermeister war der Besuch der
bürgerlichen Konvente ebensowohl gestattet, wie jedem Haus und Erbe
besitzenden Bürger[220]. Auch in Würzburg finden wir die Bader bei
der Aufbeschwörung und dem Vertrag aller Handwerke mit dem Rat 1373
vertreten[144]. Als Zürich 1336 die ~Brun~sche Verfassungsänderung
annahm und es zur Bildung der bis dahin verbotenen Zünfte kam,
wurden Bader und Scherer mit Schmieden, Schwertfegern, Kannengießern,
Glockengießern, Spenglern und Waffenschmieden, also den angesehensten
Handwerken in einer Zunft untergebracht. Nur die „Uffbisewer“ und
Kammacher waren nicht zünftig[281]. Die Bader genossen damit zu den
städtischen Ämtern aktives und passives Wahlrecht. 1337 bestätigte
Kaiser Ludwig die neue Ordnung[287]. Doch zeigt sich auch hier ein
Anklang an die Mißachtung der Bader und der mit ihnen seit 1490 zu
einer Gesellschaft innerhalb der Zunft vereinigten Scherer. 1655 hatten
die Messerschmiede in Basel die Heirat eines ihrer Mitglieder mit eines
Barbiers ehelicher Tochter als an ihren Ehren nachteilig erklärt, was
zu einem „Schimpf- und Scheltungshandel“ führte. Den gleichen Lärm
erhoben die Meister Messerschmiede in Zürich bei Anlaß einer gleichen
Heirat. Der daran anschließende „kostliche Prozeß“ fand erst 1658 durch
Vergleich ein Ende, wie es scheint durch Vermittelung der Zünfte von
Frankfurt a.❆M. und Nürnberg. 1668 hatten die Bader wieder einen Handel
mit den Messerschmieden, in dem sie von den Scherern mit fünfundzwanzig
Schilling aus der Gesellschaftskasse unterstützt wurden. Die Scherer
dünkten sich wieder mehr als die Bader. 1684 hatte ein Geselle, der
bei einem Landmeister zum Scherer und Bader zugleich herangebildet
war, das Wörtchen Bader in seinem Lehrbrief ausgekratzt. Die Meister
Scherer erklärten, ob dieser Frechheit nicht wenig verwundert zu sein,
aber hundert Jahre später (1762) gaben auch sie ihre Mißachtung der
Bader offen kund. Man wollte den Obmann der Bader bei Zusammenkünften
und Mahlzeiten nicht am Tisch der Vorgesetzten sitzen lassen, weil ein
geschworener Meister der Scherer allezeit mehr geachtet werde denn ein
Obmann der Bader. Man einigte sich schließlich dahin, daß der Bader
Obmann über den jüngeren geschworenen Meistern der Scherer sitzen
solle, aber nur bis zur Mitte vorrücken dürfe[243].
[Sidenote: _Verhalten der ehrlichen Bader gegen unehrliche Handwerke_]
Wo Bader und Scherer ehrlich waren, verhielten sie sich den Unehrlichen
gegenüber ebenso schroff ablehnend wie die übrigen Handwerke. Fast
zur selben Zeit, als die Messerschmiede in Zürich den Scherern ihre
Mißachtung ausdrückten, verweigerten diese (1658) die Aufnahme des
Sohnes eines losgekauften Scharfrichters in ihr Handwerk. Sogar Meister
und Gesellen von Straßburg legten memoria ein. Der junge Volmar,
nun Steinfels genannt, wurde aber 1665 auf Ratsbeschluß zum Examen
zugelassen[243]. In Würzburg erschien am 19. März 1495 das ganze
Baderhandwerk vor dem Rate und klagte, daß zu einer Hochzeit, welche
ein Knecht ihres Handwerks gehalten, der Scharfrichter gekommen sei und
sich zwischen Bräutigam und einen anderen Knecht gesetzt habe. Deshalb
baten sämtliche Zunftmitglieder, damit Ehrbarkeit und Zucht erhalten
bleibe, dem Bräutigam das Handwerk zu verbieten. Dieser verteidigte
sich jedoch, er habe den Scharfrichter nicht eingeladen, dieser sei als
Nachbar seines Weibes von selbst gekommen und habe sein eigenes Essen
mitgebracht. Auch sagte er, er müsse den Scharfrichter baden, scheren
und stehe sonst noch im Verkehr mit ihm. Trotz dieser Einrede wurde der
Bräutigam mit ein Pfund Wachs und ein Achtel Wein bestraft[144].
[Sidenote: _Die Bader als Trinker und Schwätzer_]
Sehen wir von der Unehrlichkeit der Bader ab, so hatten sie auch aus
anderen Gründen keinen besonders guten Ruf. Sie galten im allgemeinen
als Trinker. Bei ~Stieler~ heißt es:
„Er izzet als ein mâder (Mäher)
und trinket als ein bader“[151],
und ~Abraham a Santa Clara~ sagt 1711: „Sie können sich in das Fasten
weniger schicken, als David in den Harnisch des Saul. Es kommt mancher
ganz roth im Gesicht nach Haus, daß man vermeinte, er hätte sich mit
Zinnober gebadet, es war aber nur ein Safft vom Oktober“[288]. Auch
~Goethe~ spricht von einem versoffenen Bader[151]. Sogar die Hüterin
trinkt nach des Teufels Netz „och gern guoten win“[241]. Die 1754 noch
gültige gräflich schwarzburgische Baderordnung für das Amt Gehren
ermahnte die Bader, sich neben der Gottesfurcht auch der Nüchternheit
zu befleißigen, damit niemand der chirurgisch Behandelten durch
Unfleiß und Trunkenheit verwahrlost werde[242]. Man darf deshalb nicht
verwundert sein, wenn § 11 in den Statuten der Züricher Bader von 1604
lautet: „Zum einlifften. sol einer verstendigen Person da nüdt für
geschriben syn“[240].
Eine Verordnung des Rats zu Ulm von 1379, die bis 1538 in Kraft
blieb, kennzeichnet die Bader als recht leichtsinniges Volk. Es wurde
den Badknechten untersagt, das zur Unterstützung Dürftiger in die
Zunftbüchse gelegte Geld nicht mehr wie früher bei Höfen, Gastereien
und Fastnachtsschimpfen zu verzehren[50]. Auch in Zürich hatten Bader
und Scherer 1490 nach ihrer Abtrennung von der Schmiedezunft nichts
eiliger zu tun, als das ihnen ausgezahlte Geld unter sich zu verteilen.
Der Rat forderte aber die Wiederaufbringung des Gesellschaftsgutes und
bestrafte die anführenden Übeltäter noch besonders[289].
Die Geschwätzigkeit der Bader ist allgemein bekannt. „Und wissend alle
fremde maer“, sagt schon des Teufels Netz[241]. Der Ausdruck Salbadern,
viele und unnütze Worte reden, soll nach ~Adrian Beyer~s Architectus
Jenensis (1681) von dem Bader an der Saale in Jena, dem Saalbader,
hergenommen sein, „der albern Possen auf die Bahn brachte“[282]. Eine
andere Erklärung läßt Salbadern mit Seelenbad in Zusammenhang stehen
(siehe S. 194).
In Würzburg wurden die Badknechte von der Obrigkeit auf die
Handwerksgesetze verpflichtet. Trotzdem treffen wir einige Male
Auflehnungen gegen die Meister im 15. Jahrhundert an. 1457 wurden
sechs Baderknechte gefangen gesetzt, die etlichen Meistern vor die
Häuser gegangen waren und die Badknechte herausgefordert hatten. 1462
hatte Eberhard Ludwig, ein Schererknecht zum „Becken“, der Badestube
des Spitalmeisters, alle anderen Badknechte Gelübde ablegen lassen,
worauf alle aus der Stadt gezogen waren. Er wurde abwesend verurteilt,
später aber gefangen genommen und ins Loch gelegt, um auch den anderen
Handwerksgesellen Furcht zu machen. Ihm war schon früher das Betreten
der Stadt Kitzingen verboten worden, weil er auch dort dem Handwerk
„treulos“ geworden war. Nach Verbüßung einer Strafe wurde er aus
Würzburg verbannt[144].
[Sidenote: _Trennung von Bader- und Schererberuf_]
Nach meiner Ansicht deckten sich ursprünglich Bader- und Schererberuf.
Da aber die Badestuben auf eine bestimmte Zahl beschränkt waren, der
Kauf und Betrieb einer solchen große Mittel erforderte, übte ein Teil
der Bader, falls sie nicht lebenslang Gesellen bleiben wollten, das
Handwerk, Scheren, Schröpfen, Aderlassen und Wundbehandlung ohne die
eigentliche Baderei aus, das waren die Scherer. Wir finden deshalb in
früheren Zeiten ohne weiteres die Übernahme eines Bades durch einen
Scherer. In Zürich hatte von 1369–70 Hans Scherer von Straßburg die
Badestube an der Linggi-Gasse inne[173], in Jena die vor dem Saaltor
1369 ein „rasor“[290]. Im 15. und 16. Jahrhundert kam dies in den
süddeutschen Mineralbädern öfters vor. Aber auch schon 1397 erhielt
in Bad Enggisstein (Kanton Bern) Hans Scherr von Worb als Erblehen
die „Taferne“, „datz er besorgen soll datz bhad und 8 Bhadkammern yn
richten“[90].
Erst als die Handwerke in ihren Ordnungen die Befugnisse eng umgrenzten
und sich gegenseitig zu befehden anfingen, traten an zahlreichen
Orten Scherer und Bader einander schroff gegenüber, selbst dann,
wenn sie zu einer Zunft gehörten. Die Badergesellen durften nicht
mehr eigenmächtig ihrem Berufe nachgehen, in Ulm wurde den nicht
zünftigen, d.❆h. den nicht bei einem Meister in Arbeit stehenden 1470
jede Tätigkeit verboten[215]. Sie durften nur noch im Auftrage eines
Meisters arbeiten. Die Badermeister und noch öfter die Scherer erhoben
unerbittlich Einspruch gegen die unerwünschte Konkurrenz. Auch durfte
kein Scherer, der nicht Bader zugleich war, eine Badestube übernehmen.
In Zürich wurde jedoch dem Scherer die Übernahme eines Bades leicht
gemacht. Er kaufte sich bei der Baderlade ein, und damit wurde der
Scherer Bader. „Wenn einer nur eine Badstubengerechtigkeit hat“,
heißt es vorwurfsvoll in einer Eingabe an den Züricher Rat im 18.
Jahrhundert, „so machen die Bader gegen Gebühr jemanden in einer und
der gleichen Minute zum Jungen, Gesellen und Meister“[243]. Die Wiener
Bader verlangten jedoch 1625 vom Barbierer, wenn er das Baderecht
erlangen wollte, daß er das Handwerk erlernt habe und wenigstens drei
Jahre darauf gewandert sei, was Kaiser Leopold I. 1665 bestätigte[16].
Darauf haben wohl Beschlüsse von 1740 und 1750 der Züricher
Gesellschaft zum schwarzen Garten (die Scherer und Bader umfaßte)
Bezug. Es sollten, um mit dem Reich nicht in Streit zu kommen, die
Lehrbriefe der Knaben, welche auf dem Lande Scherer und Bader zugleich
gelernt hatten, nicht mehr von den Scherern allein ausgestellt werden,
sondern auch von den Badern, weswegen sie sich in Zukunft auch bei
deren Lade und nicht nur bei der der Scherer einkaufen mußten.
Tatsächlich war vorher ein solcher von den Scherern ausgestellter
Scherer-Bader-Lehrbrief von den Badern in Wangen beanstandet worden,
was einen Sturm von Entrüstung bei den Züricher Scherern hervorgerufen
hatte, „sintemal noch alle von ihnen gegäbene Lehrbrief nit allein
durch das ganze römische Reich, sondern in allen Orten, durch das
gantze Teutschland passiert seyen“[243].
Das sind die wenigen Fälle, in denen die Bader den Spieß gegen die
Scherer kehrten, sonst sind sie in dem unausgesetzten Kampfe, der
zwischen den beiden Bruderhandwerken bestand, die Angegriffenen gewesen.
[Sidenote: _Die Bader und die innere Medizin_]
Im Mittelalter waren die innere Medizin, die höhere Chirurgie eine
freie Kunst. Was dem landfahrenden Arzte zustand, war dem Bader nicht
verweigert. Innere Krankheiten wurden in Badestuben behandelt. Dafür
sprechen die Kräuterbäder, die man in diesen bis in die neueste Zeit
verabreichte, die Schwitzapparate, die dort aufgestellt waren (Abb.
43). Die Badestube erscheint sogar einmal als Krankenhaus. 1491 baten
die Bürger zu Würzburg den Rat, um Gottes willen einen armen Mann,
welcher alt, krank und unvermöglich sei, sich Almosen zu betteln, ins
Spital aufzunehmen, derselbe sei auch vier Wochen in der Badestube
gelegen[144]. Daß der Bader bei Kuren innere Mittel, namentlich die
vor jeder Badekur notwendigen Abführmittel reichte, ist anzunehmen.
1553 bestimmten Bürgermeister und Räte zu Zürich, daß den Apothekern
nach Ablegung des Eides vorgelesen werden solle, starke Abführmittel
nicht an jedermann zu verkaufen und das rechte Gewicht zu beachten,
namentlich „Scammonea, ein safft, welchen M. Jakob Jeger, Bader vf Dorf
vil brucht hat“[283].
[Illustration: Abb. 43. Badestube zu Heilzwecken (Kräuterbadstube).
Holzschnitt aus: Eyn new Badenfart von ~L. Friessen~. Straßburg, M.
Jacob Cammer. ca. 1540.]
[Sidenote: _Die Bader und die Chirurgie_]
Als die Verabreichung innerer Mittel ausschließlich den studierten
Ärzten als Recht zugestanden wurde, verbot man überall den Badern,
auch Scherern und Chirurgen, Abführmittel anzuwenden, oder gestattete
ihnen nur, sie auf ärztliche Verordnung zu reichen. Wundtränke
waren erlaubt. Anders verhielt es sich mit der höheren Chirurgie.
Als diese den Marktschreiern entrissen wurde, verblieb sie in
einem Teile Deutschlands Badern und Scherern gemeinsam, ebenso die
Behandlung frischer Wunden. In Konstanz[219], Breslau[210] waren im
15. Jahrhundert, in Wien, Berlin, Köln an der Spree[291], Augsburg,
Nürnberg im 16., in Ulm 1653[235], in Württemberg 1651[292] die Bader
den Scherern vollkommen gleichberechtigt. Meist wurde zur Ausübung
der Chirurgie die Ablegung einer Prüfung neben einem Meisterstück,
das in der Regel in Anfertigung von Salben und Pflastern bestand,
gefordert. Aus beiden Handwerken konnten die Amtschirurgen gewählt
werden. Schon 1400 behandelte in Nürnberg der Bader am Zottenberg einen
vom Scharfrichter Geblendeten auf Ratskosten[207]. Freiberg in Sachsen
hatte im 16. Jahrhundert einen Bader pestilentialis[293].
In anderen Städten wurde den Badern das Recht zur Ausübung der
Chirurgie von den Scherern bestritten, obwohl sie fast überall
behaupteten, es von alters her zu besitzen. In den Streitigkeiten
gingen die Scherer mit großer Leidenschaft und nicht immer allzu
ehrlich vor. Als Halberstadt 1694 einen Bader zum beeidigten
Stadtchirurgen machen wollte, erklärten die Balbierer, daß im ganzen
römischen Reiche „nicht erhöret worden, daß ein Bader Chirurgiam
exercieren, vielweniger ein beeydigter Stadt-Chirurgus seyn könte“.
Die Bader wandten sich aber an den Rat von Dresden, und der bezeugte,
daß dort den Badern Chirurgie zu üben freistehe wie den Balbierern,
der Stadtbader die im Dienste der Stadt Verunglückten und die Kinder
des Waisenhauses behandele, „zu geschweigen, daß bey Chur-Fürstens
Joh. Georgen des II. höchstseel. Andenckens Zeiten, aus dessen
officin unterschiedliche Compagnien der am Hofe stehenden Garde mit
Feldscherern versehen gewesen“. Im gleichen Jahre hatte der Kurfürst
von Brandenburg schon einige Monate vor jenem Briefe Halberstadt
freigegeben, einen Bader als Stadtchirurg anzustellen, und 1696 tat es
dies auch. 1701 geschah das nämliche zu Holzthaleben für das Amt Keula
vom Grafen von Schwarzburg aus[242].
[Illustration: Abb. 44. Joß Lindouwer, Bürger von Zürich, Okulist,
Stein- und Bruchschneider und gewesener Feldscherer in Frankreich.
Scheibenriß von ~Hans Jäggli~ in Winterthur. 1607. Aus der Statistik
Schweizerischer Glasgemälde und Handzeichnungen. Jg. 1900. Landesmuseum
Zürich.]
[Sidenote: _Die Bader und das Barbierhandwerk_]
Daß es ein Militärarzt im 17. Jahrhundert nicht unter seiner Würde
hielt, im Bad als Bader nackt seines Amtes zu walten, zeigt Abb. 44. In
Würzburg war 1604 ein Dr. Stengel zugleich Barbier und Bader. Er ließ
im dortigen Franziskanerkloster zur Ader, schröpfte und badete[294].
Der eigentliche Baderberuf trat aber trotzdem immer mehr in den
Hintergrund. Die Wiener Bader, die einst mit ihren Wasserkübeln zum
Feuer laufen mußten, erschienen von 1759 an mit Verbandszeug auf der
Brandstelle[16].
In einzelnen Gegenden, namentlich im nordwestlichen Deutschland, aber
auch teilweise in der Schweiz, war den Badern nur die Behandlung alter
Schäden und Geschwüre, nicht die frischer Wunden erlaubt. In Zerbst
und Gotha wurde ihnen im 17. Jahrhundert wenigstens das Anlegen eines
Notverbandes gestattet. Große, Jahrzehnte dauernde Prozesse wurden
in mehreren Städten bis zu den höchsten Instanzen zwischen Badern
und Scherern wegen des Rechts der Wundbehandlung geführt[242]. Die
Behandlung von Knochenbrüchen und Verrenkungen ist nirgends Gegenstand
des Streites, sie war 1653 in Naumburg, 1699 im schwarzburgischen
Amte Keula auch dem Scharfrichter erlaubt[242]. Eine Züricher
Ratsverordnung von 1431 gestattete den Schuhmachern, Schmieden und
Wagnern, bei Einrichtung der Arm- und Beinglieder einander zu helfen
ohne Widerspruch der Scherer[551]. Zur Ader zu lassen, war den Badern
bald verboten, bald erlaubt, mancherorts nur in der Badestube, ebenso
das Aushängen der Aderlaßbinde (Abb. 28) an den zum Aderlaß günstigen
Tagen. 1792 war die Sitte in Nürnberg abgekommen, obwohl Bader und
Scherer noch auf das rechtzeitige Aushängen schwören mußten[195].
Am heftigsten umstritten war das Scheren. Im allgemeinen kam es
den Badern da zu, wo sie Chirurgen waren und gleiche Rechte wie
die Scherer besaßen. Obwohl letzteres in Nürnberg der Fall war,
verlangten die Scherer, daß die Bader nur dann scheren sollten, wenn
die Leute wirklich bei ihnen badeten, folglich ausgezogen und naß
waren. Der Streit wurde anfangs vor dem Rate geführt, kam nachher
an den kaiserlichen Reichshofrat und endlich an das Kammergericht,
kostete beiden Parteien mehrere tausend Gulden und wurde 1704 durch
einen Vergleich beendet. Das Verhältnis zwischen beiden Handwerken
war um diese Zeit ein derart gespanntes, daß die gegen Ende des
17. Jahrhunderts gegründete Anatomie einging, weil die Scherer
den Badergesellen den Zutritt erschwerten. Auch 1773 mußte in
einer Anatomieordnung geboten werden, Haß und Neid und Feindschaft
gegeneinander solle abgelegt werden, Bader und Barbierer seien
Chirurgen, und keiner habe vor dem anderen einen Vorzug[195].
In Basel war 1340 den Badern erlaubt, in den Badestuben zu
scheren[255], 1582 in Lübeck (1672 aber nur an den Badetagen), 1701 in
Jena[242], 1454 in Frankfurt a.❆M., 1455 wurde aber hier verordnet,
daß nur das Naß-, nicht das Trockenscheren in der Badestube gestattet
sei, 1470 das Scheren außerhalb derselben verboten[127], was auch
in Jena der Fall war[242]. In Zürich durften 1490[243] und in Ulm
1470[215] die Bader in ihren Stuben scheren, wenn sie dazu aufgefordert
wurden, in Zürich 1529 aber nicht in der Hütstube (Abziehstube). In den
Bürgerhäusern zu scheren, war ihnen gestattet, wenn sie dahin gerufen
wurden, und nur im Bad, 1603 in Lübeck[242], wenn der zu Scherende
tatsächlich unangekleidet war.
[Sidenote: _Kampf der Bader mit den Scherern wegen des Rasierens_]
An manchen Orten war den Badern gestattet, Barbierbecken gleich den
Scherern auszuhängen, zuweilen zum Unterschied von diesen in einer
geringeren Anzahl (Abb. 38). Doch wurde ihnen zuweilen trotz des
Scherrechts in der Stube kein Becken zugebilligt. Der Rat zu Zerbst
ließ 1620 durch seine Diener die ausgehängten Becken der Bader
entfernen und schrieb vor, nach früherem Brauch ein weißes Laken über
der Tür anzubringen[242]. In Hamburg suchte 1674 der kaiserliche
Friedens-Kommissarius Graf Windischgrätz den Badern das sehnlichst
gewünschte Recht zum Aushängen mehrerer Becken zu verschaffen, doch
ohne Erfolg. Im Anfang des 18. Jahrhunderts nahm der Streit zwischen
Badern und Scherern in Hamburg mehr einen komischen als ernsten
Charakter an. Die zum Rasieren ausgehenden Badergesellen wurden von
den Barbiergesellen überfallen, geschlagen und ihrer Scherbeutel
beraubt. 1705 erschien bei einem ähnlichen Vorfall „die notleidende
Gerechtigkeit der Barbierer und der daran hangenden bürgerlichen
Freiheit u.❆s.❆w.“, worin die Barbierer über namhafte Ratsherren und
Graduierte sich beschwerten, daß diese sich von Badern und anderen
Pfuschern rasieren ließen. Die Bader entgegneten in einer gedruckten
Vorstellung, daß die Barbierer wider Wahrheit, Recht und Tugend,
wider Gott und Menschen sich versündigten, wenn sie die Bader zu den
Pfuschern zählten. Sie beriefen sich auf Kaiser Wenzels Freiheitsbrief
und nannten die Barbierer „Böhnhasen des Baderamts“, was diese eine
„beispiellose Ausverschamtheit“ nannten. Sie ließen eine Schmähschrift
drucken: „Die durch bessere Gegenvorstellung entblößten Bader, ihrer
mit Feigenblättern beschmückten Vorstellung entgegengesetzet“[220].
Man versteht den Kampf der Bader, wenn man bedenkt, daß im 18.
Jahrhundert mit der eigentlichen Baderei nicht mehr viel zu verdienen
war. Wo ihnen Chirurgie und Barbierhandwerk verschlossen war, fristeten
sie von den geringen Einkünften des Schröpfens ihr Leben. Als in
Zürich im 19. Jahrhundert nach der Auflösung der alten politischen
Zunft die Gesellschaft zum schwarzen Garten als eine Privatvereinigung
wieder erstand, fügte man dem früheren Namen noch „der Chirurgen“
hinzu, wodurch der Ausschluß der schon längst lästigen Bader für immer
erfolgte[243].
[A] Mitteilung von Herrn Professor ~Dändliker~ in Zürich. Siehe auch
dessen Aufsatz im Züricher Taschenbuch[188].
[B] Nach dem Nürnberger Planetenbuch von 1515 werden die, welche
unter dem Zeichen Saturns geboren sind, „klayber, badreyber, Schlot-
und Winkelfeger[16].
[C] Von ~Hans Sachs~[208] erfahren wir, was unter großem und schwerem
Geschirr zu verstehen ist und warum dessen Schleifen die Schmiede
anging. Er sagt vom Schleifer:
„Ich schleiff sehr scharff auff meim schleyffstein
Messerklingen, mittl, groß vnd klein,
Feyln, Schlösser, bender allewegen,
Helleparten, Dolch, Schwert vnd Degn,
Allen Harnisch zu Fuß und Roß,
Halb vnd gantz Hacken (Hakenbüchsen), zum geschoß,
Reit Hämmer, Partisan, ich zier,
Auch auff der Scheiben ich palier.“
[D] Die Zeichner des mittelalterlichen Hausbuches und des
Holzschnittes zum Züricher Codex haben Bader entsprechend den
Eigenschaften Lunas „naß und kalt“ als im kalten Wasser Badende
aufgefaßt. In einer Planetendarstellung ~Beham~s findet sich dagegen
die Badestube abgebildet (Abb. 38).
[E] Den Ausdruck „welben“ erklärt eine Ratsverordnung von 1530[275]:
„Kupplerin. Der Kuppleren halb, so da werdend erfundenn, das sy
eins bidermans tochter oder Eemenschen verkupplend, vffenthaltend,
ynfürend vnnd gwelbt habend, .... der (Burgermeyster) sol sy dann
in Wellenberg lassen legen, vnd morndes ein stund in das Halßysen
stellen, vnd jren dann den Eyd vß vnserer Herren Statt, Gericht vnnd
Gebiet geben.“
[F] Fugger, augsburgisches Handelsgeschlecht.
[G] Mir scheint unter Berücksichtigung des Obigen folgende Angabe bei
~Jäger~ über die Ulmer Verhältnisse auf einem Irrtum zu beruhen. 1513
gab der Rat das Tragen der langen Wehren gänzlich frei. Ein späterer
Versuch, dies Gesetz zurückzunehmen, mißlang, weil man die Apotheker
und Bader ausnehmen wollte und die übrigen Bürger sich diese
Bevorzugung nicht erklären konnten (Chron. ~Veit Martaller~)[50].
DIE PRIVATEN BÄDER
Neben den ehehaften Badestuben bestanden die privaten weiter.
Ihre Errichtung war, wenn auch nicht immer, unabhängig von einer
obrigkeitlichen Bewilligung.
Auf den Burgen wurde ausgiebig vom Bade Gebrauch gemacht, obwohl der
Ritterspiegel von den abgehärteten Rittern sagt: „und wizzin von
badin nicht zu segin“, nur dem „Zertelinge“ sind die „badehemede
wol bekant“[122]. Aber Heinrich von Kempten nahm auf der Heerfahrt
in seinem Zelte ein Bad und ließ dazu aus einem Dorfe einen Zuber
herbeischaffen[295].
Man badete nicht täglich. Ulrich von Liechtenstein ließ eines Tags im
Jahr 1248 die Falkenbeize ausfallen. „Ich wil ez durch mîn bât hînt
lân“, sagt er[268]. Tannhäuser badete zweimal in der Woche, was neben
schönen Weibern, gutem Wein und Morchelfrühstück den Geldbeutel nach
eigenem Geständnis sehr erleichterte[103]. Das geschah aber wohl in
einer öffentlichen Badestube.
Vor der Aufnahme in den Ritterstand hatte der Knappe ein Bad zu
nehmen. Es handelte sich nicht nur um ein einfaches Reinigungsbad vor
dem Feste, sondern um einen Teil der Zeremonien, die eine geistige
Reinigung darstellten. Nach dem Bade wurden ganz neue Kleider angelegt.
Der Knappe brachte darauf die Nacht mit dem Priester und den Taufpaten
unter Fasten und Beten in der Kirche zu. Der Brauch bestand nur
an manchen Orten. Der wahrscheinlich über ganz Europa verbreitete
Bathorden erhielt von den genannten Zeremonien seinen Namen[307]. Ich
möchte einen Rest derselben, allerdings als Karikatur, in späteren
Gebräuchen der Handwerksgesellen, der Studenten und einiger sogenannten
Burschengesellschaften in den Dörfern Thüringens sehen, wo auch bei der
festlichen Aufnahme Bader oder Barbierer neben den Paten auftraten,
ohne daß eigentlich gebadet wurde.
[Sidenote: _Baden auf den Burgen_]
Dem Gaste wurde nach seiner Ankunft auf der Burg „nâch hübschen
siten“[296] ein Bad bereitet (Erec[297], Bieterolf[298], trojanischer
Krieg[296], Alpharts Tod[299]). Der Knappe geht im nackten Boten sogar
uneingeladen ins Bad[212]. Im Wigalois[300] wird der Empfang zu Anfang
des 13. Jahrhunderts, wie folgt, geschildert:
„er nam geselleclîche
hern Gâwein bî der hant.
den helm man im abe bant
und fuorte in an guot gemach.
zuo sînen knappen er dô sprach
‚nu badet den rîter schône,
daz ichs iu iemer lône‘.
abe schutter sîn îsengewant.
si fuorten in enwec zehant
und batten in rîterlîche.“
[Illustration: Abb. 45. Herr Jakob von Warte im Wasserbad. Miniatur aus
der Manesseschen Handschrift. 14. Jahrhundert. Nach ~Kraus~.]
Das Baden geschah im „wazzerbad“[301], der Zweck desselben war, den
„râm“ oder den „harnaschrâm“ (Bieterolf) abzuwaschen.
„Ein bat hiez er (Erec) bereiten:
wand’ er von arbeiten
von dem gewaefen ûf der vart
sweizic unde râmic wart“[297].
Das Bad wurde aber auch am Tage nach der Ankunft gereicht, so
Tandareis[267], Parzival[254]. Meleranz langte auf Burg Belfortemunt
an. Am anderen Morgen
„dô lac er niht langer dâ.
er stuont ûf, man fuort in sâ
in ein harte schoenez bat.
er wart an der selben stat
gebadet und erstrichen wol“[302] (vgl. Abb. 45).
Das Streichen geschah einmal zum Entfernen des Schmutzes, dann als
eine Art Massage besonders zur Behandlung von Beulen, die im Turnier
erhalten waren. Das Bad nach dem Turnier wird öfters erwähnt, z.❆B. im
Bieterolf[298], von Ulrich von Liechtenstein[268] und im Liederbuch der
Clara Hätzlerin[259].
„Gunthêr dô die helde bat
daz si sich ze hûse liezen laden
er wolt si schône heizen baden
unde in schenken sînen wîn“[298].
Man zechte also auch bei dieser Gelegenheit.
Im Parzival, in Liechtensteins Frauendienst, auf Jakob von Wartes
Bild in der ~Manesse~schen Handschrift (Abb. 45) wird das Bad als
besondere Ehrung mit Rosen bestreut. Noch im 18. Jahrhundert berichtet
~Marcard~[160] von einer derartigen Galanterie einer Dame gegenüber.
Der Verehrer hatte aber nicht mit dem Pyrmonter Wasser gerechnet,
das mit den ins Bad geworfenen wohlriechenden Kräutern unangenehme
Verbindungen einging, so daß die Dame mit pechschwarzen Fingerspitzen
und Nägeln an Händen und Füßen das Bad verließ.
[Sidenote: _Badehemd und Badelaken_]
Die Bedienung beim Bad geschah durch Jungfrauen, Mägde (Abb. 45) oder
Knappen. Auffallenderweise ist von einem Abtrocknen nach dem Bad
nicht die Rede. Nach fast allen Berichten wird dafür ein Badelaken
oder Badehemd gereicht, in dem man sich zur Erkühlung oder um Ruhe zu
pflegen aufs Bett legte, um darnach leinene, vom Hausherrn gestiftete
Gewänder anzulegen. Nach ~Conrad Clauser~ (Basel 1598) aber trocknete
man den Leib mit „der badlachen“[556], nach dem St. Galler Codex
Nr. 760 rieb man ihn mit warmen Tüchern trocken, die man nachdem um
sich schlug. Der Name „badtuch“ kommt schon in dem Gedicht auf die
Bergtheimer Schlacht vor (1400)[49].
Das Badelaken sollte Parzival „umbe nemen“, dem Vater in der halben
Decke (13. Jahrhundert) wurde es „angegeben“, um darauf im Bett zu
liegen[212], das mit Ärmeln versehene Badhemd zog Agamemnon über den
Kopf[296]. Beide Gegenstände sind aber dasselbe.
„ouch hienc ein badelachen dâ
an einem ast der linden.
ich waen ieman möht vinden
ein badehemde atsô rîch.
mit golde was vil meisterlîch
vil waehiu bilde dran genât“,
heißt es im Meleranz[302]. ~Hans Sachs~ läßt den Kaiser Julianus im
„badtmantel“ zum Bade gehen, an seiner Stelle kehrte der Engel im
„badlach“ zurück[29]. Murner legt sich nach dem Bad im „badmantel“
nieder[6]. Nach ~Hans Sachs~ gebrauchte ein Pfaffe einen schneeweißen
„badkittel“ nach dem Bad[151]. Ein anderer Ausdruck für dies
Kleidungsstück war „badekappe“. Die Ambraser Handschriften des
Schwabenspiegels aus dem 13. Jahrhundert, die des Klosters Einsiedeln
aus dem 14., die der juristischen Bibliothek zu Zürich aus dem 15.
haben „badelachen“, die drei Baseler und eine Züricher auch aus dem 15.
Jahrhundert dafür „badekappe“ und der erste Druck „badhemet“[558]. In
Frankfurt sind beim Verkauf des Hausrats eines Metzgers „10 hel. vor
ein allten badkittel“ verzeichnet[127], die Markgräfin Margarete von
Brandenburg hatte, wie sie 1473 von Köln an ihren Oheim, den Kurfürsten
Albrecht schrieb, „grosen geprechen an hemden und padkitteln“[54]. Im
Loos- und Teilungsbuch der Kinder Konrads von Glauburg zu Frankfurt
kommen 1482 zwei „Badekappen“ vor[127]. Ulm hat 1346 in einer
Hüttenrechnung ein „Badhemd“ verzeichnet[50].
In der Regel werden die Badelaken bei den Minnesängern als weiß, häufig
als seidene, sonst als leinene bezeichnet. Sie wurden auf den Burgen
vom Wirt dem Gaste zur Verfügung gestellt. Im Bieterolf erhalten sie
die nach dem Turnier badenden Ritter von edlen Frauen zugesandt.
Markgräfin Anna von Brandenburg schickte 1470 ihrem Bruder, dem Herzog
Albrecht von Sachsen ein Badhemd und schrieb dazu von Ansbach aus:
„Uff das eur liebe vermerck, wir eur auß angeborner swesterlicher
treu in gedechtnus und unvergessen haben, schicken wir eur lieb
hiemit ein padhemd, guttlich pittend, ir wollet das von uns zu gut
uffnemen, das von unsern wegen uff den somer tragen unnd unser dapay
auch gedencken“[54]. Es fällt in dem Brief auf, daß der Herzog das
Badhemd den Sommer über tragen soll, das scheint doch fast, als ob das
Badhemd nicht nur beim Baden angelegt wurde. Dafür spricht eine Stelle
aus der Chronik des ~Clemens Sender~. 1490 zogen die Augsburger gegen
die Leute ihres Bischofs mit achtzehn Fahnen und ihren Zunftmeistern
viertausendundsechzig Mann stark unter Führung ihrer Bürgermeister. „Ir
etlich wassen fast wol mit harnisch angelegt, etlich ploß, ir etlich
giengen auch in langen badthemether, als ob sie in das bad wolten gan,
nun was aber diser tag überaus feindtlich hitzig und haiß.“ Zum Löschen
des Durstes führte man sogar etliche Faß Wein mit. Es kam nicht zur
Schlacht, der Friede wurde schon vorher verkündigt. Die, welche in
Badhemden ausgezogen waren, hatten nicht unpraktisch gehandelt; denn
als man wieder nach Augsburg kam, starb Wilhelm Artzat, der einen
schweren Harnisch angehabt hatte, „vor großer Hitz im Stüblein unterm
Rottenthor“[280]. Das Badhemd erscheint hier als eine Art Sommerkleid
und würde beim Soldaten unserem heutigen Drillichzeug entsprechen.
Tatsächlich rechnet auch das Stadtbuch von Verden 1330 das Badelaken
zur „Hergewede“[559], das in der Erbschaft vom Vater auf den Sohn
überging und im wesentlichen Waffen und Rüstung begriff, während es
sonst zur Gerade, dem Frauenerbteil, gehört.
1467 wurden in Frankfurt bei Faschingsmaskeraden der jungen Patrizier
lange weiße Badekittel angezogen[127]. Heinrich IV., Herzog in
Schlesien, verordnete (1396) letztwillig: „Ein Leilachen und eine
Bade-Kappe, de soll man uns inne begraben“[16]. Nach den Aufzeichnungen
des Luzerner Stadtschreibers ~Cysat~ über Kostüme bei den
Fastnachtsspielen hatten die Toten einen Bademantel umgeschlagen[423].
Im Inventar der Johanniterordenskomturei Wildenbruch fand sich
1560 eine Badekappe in des „Hern Compthers understen Gemach“. Eine
gleichzeitige Randbemerkung sagt aber: „Ist eine Khorkappe“, also ein
priesterliches Gewand[560].
[Sidenote: _Das Bad auf den Burgen_]
Man darf wohl annehmen, daß jede Burg ihr Badezimmer besaß, wenn man
auch Parzival die Kufe ins Schlafzimmer brachte und Enite in der
„heimlîche“ der Königin Ginover das Bad nahm[297]. Im Bieterolf werden
fünfhundert Ritter auf einmal gebadet. Das ist eine Übertreibung, wie
sie auch in Bezug auf die Badestuben und Badegerätschaften vorkommt.
Herzog Ernst (12. Jahrhundert) stößt mit seinen Helden auf eine
verlassene Burg:
„Mer noch funden die jungen
Zcwey wesserlin ensprungen,
Die durch die burg flossen
Vnd nach willen sich ergossen,
Als der eyn meister het edacht,
Der das mit kunst hett tzubracht;
Die burg sie nyrgen funden arm;
Der eyne was kalt, der ander warm,
Als er wer gewermet, la;
Ein bat funden sie alda,
Gar lutter vnd reyne,
Von grunem mermelsteyne
Wol ußgemuret vnd obirtzogen
Mit funfftzig hoen swybogen;
Es enkunde nicht bas getziret sin;
Do stunden ynne tzwey bottelin,
Die waren rot guldin;
Die borne waren geleitet darin
Mit silberinen roren.
Hie mogit ir wunder horen:
Wie man in dem golde
Das wasser haben wolde,
Entweder kalt oder la,
Also mochte man es haben da.
Noch mer ich uch sagen wil:
Das wasser uß den butchen vil
In rynnen gut von silber gros,
Das es in der burg alumb flos,
Die recht vnd auch die krumme,
Jn all der burg alumme“[303].
Ähnlich ist die Schilderung im Wigamur[304]. Hier steht das aus dem
sonderbaren Stein Aptor gehauene Bad unter freiem Himmel.
„Auch stunden allvmb da
Rosenstöck vnd weinreben sa,
Die waren jn ain gulden rayff gepogen,
Vnd hoch über den stain gezogen,
Dick gleich ainem hag,
Das dardurch kum der tag
Mocht sein schein gehan:
Also stund es vmb den blan.“
Im Meleranz schützt das dichte Laubdach der Linde vor dem Sonnenschein.
Die Badebütte wird nicht weniger kostbar geschildert:
„daz holz was lign âlôê,
verre brâht über sê
von dem lant ze Kovesas.
mit golde si gebunden was“[302].
[Sidenote: _Bäder unter freiem Himmel_]
[Sidenote: _Badewannen mit Bedeckung_]
Bäder unter freiem Himmel sind nicht unwahrscheinlich. Wir finden sie
noch im 19. Jahrhundert in den Mineralbädern, besonders den Thermen
(Abb. 46). Nach ~Ryff~ soll die Badewanne im Sommer in einem grünen
Garten aufgestellt werden[48]. Man schützte das Wasser vor Abkühlung
durch eine Bedeckung, die auch den Körper des Badenden in sich hüllte.
Im Meleranz wird sie beschrieben:
„daz bat er verdecket sach
mit eines samîtes dach,
daz guot und riche waere“[302],
ebenso in einem Gedichte ~Kaufringers~ (c. 1400):
„Der zuber schon bedecket wart
Mit ainem golter seidein
Das niemant sehen mocht hinein“[256].
[Illustration: Abb. 46. Die großen Bäder zu Baden im Aargau mit den
unter freiem Himmel gelegenen „freien Bädern“, dem St. Verenabad
(links vorn) und dem freien Bade (im Hintergrund), in dem eine Reihe
Bauern geschröpft wird. Kupfer von ~F. Hegi~ nach ~Martin Usteri~.
Neujahrsgeschenk von der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich.
1808.]
[Illustration: Abb. 47. Wanne mit „Baderof“. Holzschnitt aus: Eyn nyge
Kalender recht hollende. Lübeck, Steffen Arndes. 1519.]
Im 15. und 16. Jahrhundert wird der „baderof“ als dachartiges Gestell
über der Badewanne (Abb. 47) mehrmals in niederdeutschen Quellen
erwähnt: „En kuuen (Kufe) vnde en roff, en badekuffen myt dem roue, en
halv wynvath myd eneme baderoue“[533]. C. 1474 kommen im Frauenkloster
Prez (Schleswig-Lauenburg) „Badeküven“ mit „Roven“ im Badehaus vor[16].
Wie im Herzog Ernst geschieht auch im Wigamur[304] und im Meleranz[302]
die Zuleitung des Wassers in zwei silbernen Röhren, die getrennt kaltes
und heißes Wasser führen. Schweben derartige Einrichtungen den Dichtern
als Ideal vor, so waren sie doch nicht unmöglich. Das neue Schloß zu
Baden (-Baden) hatte im Keller zwei Badezimmer. 1582 sah und beschrieb
eins davon ~Michael Häberer~ von Bretten: „Auch zeigt man uns in dem
Schloß ein schönes Bad, ganz überzinnt und heimliche Wasserkünst von
warmen und kalten Quellen“[40]. Dies war wohl das größere Bad, das
~Klüber~ 1810 als Schwimmbad bezeichnet, das den ganzen Raum ausfüllte
und nur eine Nische unter dem Gang (Treppe) übrig ließ, in dem eine
Anzahl Ritter wohl „gemeinlich“ zum Bade sitzen konnte. Ein anderes
Gemach mit einem Fenster in der östlichen Mauer der Terrasse hatte
einen eingemauerten steinernen Badkasten, der durch eine Scheidewand
zum Baden von zwei Personen eingerichtet war. Über dem Bad befand sich
ein gleich großer Wasserbehälter, aus welchem das Wasser strom- oder
tropfweise durch zwei Löcher in den Badekasten gelassen werden konnte.
Wahrscheinlich erhielten dieses Bad und das Schwimmbad das Wasser
mittels eines Saug- oder Druckrohrs entweder aus der sog. Höhlenquelle
(52,8° R heiß), welche die nächste am Schlosse und die höchst gelegene
aller Badequellen ist, oder aus einem tiefen Brunnen, der in dem
Schneckengarten am Schloß an der Seite, wo die Bäder sich befanden,
liegt und bei einer Untersuchung im Jahre 1808 28° R Temperatur zeigte.
In der Mauer fanden sich noch Spuren von Wasserröhren (1810)[405].
[Sidenote: _Badestuben auf Burgen_]
Vielleicht ist auch ein als Badezimmer bezeichneter Raum im zweiten
Stock des westlichen Teils der Burg Runkelstein bei Bozen in
Südtirol[305] ein Bassinbad gewesen, das im letzten Jahrzehnt des 14.
Jahrhunderts vom Besitzer Niklas Vintler mit Wandmalereien ausgestattet
wurde[306]. Es ist ein großer Raum, in dessen Mitte eine Holzsäule von
dem Estrich bis zum Plafond hinaufführt. Auf letzterem sind Sonne, Mond
und Sterne auf blauem Grunde dargestellt. Zwei tiefliegende Fenster
lassen nur wenig Licht in das Zimmer. Eine kleine Tür führt gegen
Süden auf einen offenen Gang, welcher neben dem Zimmer an der Mauer
hinläuft. Ringsherum an den Wänden sind oberhalb der Türen und Fenster
übereinander zwei Streifen mit figürlichen Darstellungen angebracht.
Auf dem unteren größeren sieht man je acht bemalte Öffnungen in der
Art von Badekabinen. In diesen befinden sich an drei Wänden einzelne
Figuren, meistens an eine Stange gelehnt, an der östlichen Wand
Frauen-, gegen Norden Männergestalten, gegen Westen Badende. Von den
Stangen und Badekabinen hängen an einzelnen Schnüren tiefrote (gemalte)
Teppiche an den Wänden herab[514].
[Illustration: Abb. 48. Tristan wird von Isolde im Bad überfallen.
Wandgemälde auf Burg Runkelstein in Tirol. Ende des 14. Jahrhunderts.
Nach ~Selos~ und ~Zingerle~.]
Meist wird das Wasserbad in Kufen genommen. Deren Form sehen wir aus
den eigentlichen Badebildern, den Darstellungen der Taufe Erwachsener,
des heiligen Nikolaus, der fast immer von einer Badewanne begleitet
ist, und des Martyriums des Ölsiedens. Im Bebenhauser Passional
heißt es 1439 von „St. Johannes Er“: „und hieß jn setzen in ein
bittenen siedendigs Oels. Da saß er jn und saß da yn als in ainem
mayenbade“[51]. Bald sind die Badewannen rund, hoch, Fässer nach
heutiger Auffassung, in denen der Badende steht oder (auf einem
Schemel) sitzt (Abb. 48), häufiger, wie heute, oval (Abb. 45). Sie sind
in der älteren Zeit aus Holz, nach ~Ryff~ aus Tannenholz gefertigt[48].
Nach dem Recht der Stadt Straßburg aus der zweiten Hälfte des 11.
Jahrhunderts hatten die Küfer für den Bischof, den Kaiser und die
Kaiserin, wenn sie anwesend waren, die Badewannen zu binden[550].
Ich will die Burgen übergehen, von denen wir wissen, daß sie eine
Badestube hatten, und nur die anführen, von denen uns nähere Angaben
übermittelt sind.
[Sidenote: _Die Badestube der Wartburg und anderer Burgen_]
Die Badestube auf der Wartburg war ein Fachwerkbau an der Südseite des
Palas, in dem sich auch das Backhaus befand. Ein mächtiger Rauchschlot
lehnte sich an den Palas an. Das Abwasser ging in den Hauptkanal, der
aus dem Palas ins Freie führte. Die Fenster der Badestube waren mit
Schiebevorrichtungen versehen. Im 18. Jahrhundert geriet das Bad in
Verfall, im 19. wurde es abgetragen[A].
Auf der Burg Thiersberg in der Ortenau, die nur aus zwei Gebäuden
bestand, befanden sich im 15. Jahrhundert in dem östlich gelegenen
jüngeren Bau im Erdgeschoß die Pfisterie (Bäckerei), eine
Badstubenkemenate und die Speisekammer[561].
Wir werden später sehen, daß die Verbindung vom Backhaus mit
der Badestube keine zufällige war, sondern aus praktischen
Gründen erfolgte, und es etwas gewagt erscheint, wenn moderne
Schriftsteller[501] nach Minnesänger Art auf der Wartburg im 13.
Jahrhundert Galerien im Bade sehen, von denen Frauen und Jungfrauen
Rosen auf den badenden Gast werfen. Ich glaube, daß die Badestuben
sehr einfach eingerichtet und auf den eigentlichen Burgen schon wegen
Raummangels kleine Kammern waren. Ich zweifele auch daran, daß das
sog. Bad auf Runkelstein ein Bad war. Gerade in diesem Raum sind
mit Ausnahme der einen Wand, wo die Badenden dargestellt sind, die
Malereien am besten erhalten, sie stammen aus der ältesten Zeit, wurden
nie restauriert[514], und der beim Bad unvermeidliche Dampf würde
doch eher als Zerstörer denn als Erhalter gewirkt haben. Die Bilder
sprechen mehr für die Darstellung eines Mineralbades, wo Zuschauer auf
Galerien nichts Ungewöhnliches waren. Übrigens ist über dem sog. Bad
ein Raum mit der Darstellung eines Turniers, das auch von Zuschauern,
die an einer Stange lehnen, betrachtet wird[515], und das Turnier
hat wohl bestimmt nicht in diesem Raume stattgefunden. So ist das
sog. Badezimmer lediglich ein mit Badeszenen geschmückter Raum, wie
sich auch im 14. Jahrhundert im Hause des Domherrn von Eberstein zu
Mainz unter mehreren Darstellungen die einer Badeszene befand, die
~Henricus de Hassia~ einer Besprechung der damaligen Badeverhältnisse
zugrunde legte, ohne daß das Zimmer als Bad bezeichnet wurde[357].
Runkelstein hatte aber an anderer Stelle ein „pad“, in dem sich nach
dem Inventar von 1493 „Fünff stain püchsel“ und „ain alter, langer
Tisch“ befanden. Das Bad wurde aber zur Zeit wie das gesamte Schloß
als Waffenaufbewahrungsort benutzt. Nach demselben Inventar befanden
sich „im gemach, genant das Swietal, drey alt pettstatten, ain alter
venster ram“. Daneben lag ein „stüblen“, das neben anderem auch „zehen
spanngürtel“ enthielt[516]. Nach Graf ~Waldstein~ ist die Lage des
„Swietal“ bis heute nicht festgestellt[515]. Könnte nicht das „Swietal“
ein Schwitzsaal gewesen sein und das „stüblen“ daneben das noch zu
besprechende Vorstübchen der Badestube?
Das fürstliche Schloß in Münden hatte 1545 neben Backhaus, Fleischhaus
eine Badestube, also anscheinend einen selbständigen Bau[549]. Auf dem
Schlosse der deutschen Ritter zu Marienburg war die Baderei in der
Vorburg als ein Teil des Kornhauses an der Nogat untergebracht[553].
Nach dem Inventar der Johanniterordenskomturei Wildenbruch von 1570
lag dort „vor der Badtstuben“ ein heizbarer Raum, in welchem eine
eingemauerte Pfanne angebracht war, „darinnen ohngefehr ein Thonne
Wasser gehet“. „In der Badestuben“ war ein „Wasserfas“, ferner eine
„Oberbanck mit zwe Vorbencken oder Trippen“[560]. Wir werden später
sehen, daß es sich hier um eine Schwitzbadeanstalt handelt. In nackten
Boten (erste Hälfte des 13. Jahrhunderts) wird zur kühlen Herbstzeit
die „bat stuben“ alle Tage vom Gesinde geheizt. Die „rehte stube“ blieb
kalt liegen, „daz die vliegen gar vervlugen und in die stuben niht
enzugen“. Tochter und Frau des Ritters benutzten mit dem Gesinde die
Badstube „vür ein werk gaden“. Vor der Stube legte der Knappe auf dem
Hofe seine Kleider ab. Über der Tür fand er „guoter wedel’ viel geleit,
daz dûhte in ouch ein saelikeit“. Als er unerwartet die Badestube
verlassen mußte und der Hofhund ihn anfiel, wehrte er diesen mit dem
Wedel ab[212]. Auch diese Badestube war ein Schwitzbad.
[Sidenote: _Badestuben in Klöstern_]
Die Regel des heiligen Benedikt war für alle Orden und Kongregationen
in der ersten Hälfte des Mittelalters maßgebend und bestimmend[197]. In
der zweiten Hälfte des Mittelalters kam man aber vom mäßigen Gebrauch
des Bades ab. Das Konzil zu Magdeburg schrieb 1370 den Geistlichen vor,
eigene Badestuben zu haben und alle vierzehn Tage zu baden[210]. Ein
Dekret für Vorau in Steiermark vom Jahre 1340 schärfte den Kanonikern
ein, nur innerhalb des Stiftes Bäder zu gebrauchen[84]. Es hatte
demnach wohl jedes Kloster seine eigene Badestube. Ich will auch hier
nur die anführen, deren Beschreibung uns Einblick in das Badewesen gibt.
Im Zisterzienser-Kloster Salmannsweiler lag unter Abt Ulrich II.
(reg. 1282–1311) das Bad bei der Küche[129], also wie in St. Gallen.
Besonderes Interesse bietet das Kloster Maulbronn. Das Praefugium
erwärmte nicht das Winterrefektorium, sondern einen kleinen Saal, der
als Schwitz- oder Badestube betrachtet wird. Die heiße Luft wurde
hier durch Verbrennen von Holz in einem von starken Mauerwänden
eingeschlossenen Gewölbe erzeugt und mittels Löcher in ein über
dem Gewölbe liegendes Zimmer geleitet. Es fehlte eine Heizung der
Wände[561].
[Sidenote: _Verbindung von Back- und Badhaus_]
Wir haben es hier mit einer ausgesprochenen Heißluftbadestube zu
tun. Sollten auf Burg Thiersberg und auf der Wartburg nicht auch
solche gewesen sein? Die Verbindung mit der Bäckerei macht es sehr
wahrscheinlich. Auffallenderweise werden die Bäckerbadestuben von den
Schriftstellern, besonders den Vielschreibern des 16. Jahrhunderts
nicht erwähnt. Vielleicht gehört das in einer Augsburger Urkunde von
1343 vorkommende „Bäcken Badhaus“ am Hospital zum heiligen Geist
hierher[434]. Eine Stift St. Gallische Verordnung unter Abt Ulrich
VIII. schärfte den Klosterpfistern ein, in der „phistry“ (Bäckerei)
„niemand keinen wandel laussen, weder mit baden, weschen noch
anderem“[557]. 1291 entstand in Augsburg ein Grenzstreit zwischen der
Judengemeinde und dem Spital. Es lagen „der iuden badhus und des
spitals bathhus“ nebeneinander. Es wurde vom Rat entschieden, daß die
Juden des Spitals Wand an dem „backhuse“ nießen sollten[434]. Des
Spitals „bathhus“ und „backhus“ war also +ein+ Gebäude. Nach dem Plan
des Klosters Tänikon im Thurgau vom Jahre 1687 lag an der äußeren
Grenze des Klosters über einem Kanale ein Bade- und Waschhaus, näher an
der Klausur ein ebensolches. Der Text sagt aber für Bad- und Waschhaus
Back- und Waschhaus[562]. Nach einer anderen Quelle ließ die Äbtissin
Victoria 1683 für neunundneunzig Gulden dreizehn Batzen ein Bad-
und Waschhaus von Grund aus neu erstellen, das war das äußere; sie
schaffte aber auch für das Schweißbadehaus einen neuen Kessel im Wert
von fünfundvierzig Gulden an[187]. Da erfahren wir, daß das andere als
Back- und als Badhaus bezeichnete ein Schweißbad war. Zwei gleichartige
Bäder außerhalb der Klausur wären ja sinnlos gewesen, sie waren eben
zweierlei Art. In dem Sinne sind auch die zwei von der Äbtissin Barbara
von Spangenstein (1523–43) im Kloster Goeß (Steiermark) erbauten
Badehäuser[84] aufzufassen.
1645 ward in Zürich erkannt, „daß den becken zu statt und land, ihre
nachbahren und kunden in die vom brothbachen erwärmenden badstüebli
zulassen erlaubt sey, jedoch sie keinen lohn von ihnen nemmen, noch
ihnen schrepfen sollen“[209]. Zu Beginn der zweiten Hälfte des 18.
Jahrhunderts hatte Aadorf im Thurgau in der mit einer Bäckerei
verbundenen Gastwirtschaft über dem Backofen eine Schwitzbadestube,
die von noch jetzt (1898) lebenden Leuten besucht wurde[187]. In der
Tavernenbewilligung von 1768 ist sie nicht erwähnt, was dadurch erklärt
wird, daß sie, wie auch die in Zürich, keine ehehafte war. 1783 warnte
Scherb, ein Arzt zu Bischofszell im Thurgau, das vielen so beliebte
und oft ohne Not zu gewissen Zeiten heftige Schwitzen in allen Fällen
anzuwenden[563]. Nach ~Rüsch~ waren die Bäder über dem Backofen in den
Kantonen Appenzell, St. Gallen, Thurgau und Zürich in Gebrauch[88],
das Volk nannte sie Brotbäder. Schüttete man ein Glas Essig in den
heißen Backofen, sprach man von einem Essigdampfbad. Man hatte auch
Haferbäder, wenn statt des Brotes Hafer im Ofen gedörrt wurde. Dieser
mußte von Zeit zu Zeit aufgerührt werden, wobei ein angenehmer Duft
in die Badestube drang. Der Baderaum lag manchmal direkt über dem
Backofen, und die Hitze stieg durch ein Loch in dem Plattenboden
hinauf, oder es führte ein mit einer Klappe verschließbares Metallrohr
in ein im oberen Stockwerk befindliches, vollständig dunkles
Kabinettchen, das ringsherum mit Reihenbänken versehen war. In der
Decke dieses Kastens war ein Ventil gegen den Kamin hin angebracht, so
daß die Ventilation nach Belieben geregelt werden konnte. Die Badegäste
entkleideten sich in einem Vorzimmer, traten nackt oder im Hemde in
den Baderaum und setzten sich der Reihe nach auf die Bänke. Hatte sich
das Brot zu bräunen angefangen, öffnete der Bäcker das Ventil, und
nun strömte der heiße, duftende Brotdampf in das Badezimmer hinauf.
Wurde die Hitze zu stark, öffnete ein Gast die Klappe an der Decke.
Nach dem Bade rieb man sich ab, kleidete sich rasch an und begab sich
in die Stube hinunter, um sich durch einen Trunk Wein zu erfrischen.
„Man muß“, sagt ~Senn~ 1871, „jene rotbackigen, redseligen Weiblein
nach einem Brotbade hinter dem Wirtstische gesehen haben, um sich
von der Wichtigkeit einer solchen Kur überzeugen zu können“[564].
Nach anderen Berichten ruhte man vor dem Trunke nach Wunsch auf
einem Bette aus[529]. Man blieb eine halbe bis anderthalbe Stunde im
Bade[565] und nahm es gewöhnlich sechs Tage lang[564], namentlich
gegen Rheumatismus und Gicht[565]. Die Bäder hatten Platz für acht
bis zwölf Personen[564], es gab aber auch solche für zwei bis vier.
~Meyer-Ahrens~ maß ein Zimmer für acht Personen aus. Es hatte 1,30 m
Tiefe, 1,70 m Höhe, 1,80 m Länge. Die Eingangstür war 1,35 m hoch und
42 cm breit. Die Bäder sollen im Kanton Zürich gegen 1862/63 abgekommen
sein[565], in den anderen Kantonen bestanden sie 1871 noch oder waren
kurz vorher eingegangen[564]. Ich habe einen alten Mann aus Wetzikon im
Kanton Zürich gesprochen, der sich aus seiner Jugendzeit der Brotbäder
und des daran anschließenden Trunkes wohl erinnerte. Die Bäder wurden
mit zehn Rappen bezahlt oder gratis verabreicht, wo dann allerdings der
Bäcker durch den Wein auf seine Rechnung kam[564] [565].
[Sidenote: _Die Bäckerbadstuben_]
~Senn~ gibt sie 1871 oder kurz zuvor in der Krone zu Baltersweil bei
Eschlikon (Thurgau), in Tannegg bei Fischingen (in der Mühle und „ins
Mühlemachers“), in Elgg, in Wiezikon bei Wyl, in der Langgasse bei
St. Gallen usw. an[564]. In der einzigen Gemeinde Wetzikon gab es
ungefähr zehn bis zwölf Schwitzkämmerchen, und noch in den vierziger
Jahren des 19. Jahrhunderts wurden mehrere neue errichtet[565]. Es wird
im Dorfe Wetzikon wohl kaum zwölf Bäcker gegeben haben, und ~Senn~
führt eine Bäckerbadstube in der Mühle an. Es wurden demnach auch die
Privatbacköfen zur Heizung von Schwitzstübchen verwendet. Heute sind
sie nicht mehr in Gebrauch.
[Sidenote: _Die Badehäuschen der oberdeutschen Bauern_]
Auch in anderen Gegenden sind ähnliche Badevorrichtungen nur dem Namen
nach erhalten. Noch jetzt findet man in gewissen Teilen Schwedens bei
den Bauernhöfen gezimmerte Häuschen, die man Badehäuser, badstugor,
nennt, doch dürften sie nach ~Retzius~ nunmehr selten zu ihrem
eigentlichen Zwecke verwendet werden, sondern sie dienen anstatt dessen
als Waschhaus, fürs Trocknen von Korn, fürs Räuchern von Rind- und
Schweinefleisch usw.[5a]. Ebenso gibt es heute im bayerischen Oberlande
Badstuben, die ein zum Hofe gehöriges Nebenhäuschen sind, worin sich
der Backofen, die Anstalt zum Flachsdörren oder -brechen befindet, oder
das einem Tagelöhner zur Wohnung dient[46]. In Steiermark sind auf
dem flachen Lande die „Badstuben“ Hütten zum Flachsrösten. ~Wichner~
glaubt, daß sie wohl nie oder selten zum Zwecke des Badens gedient
haben. „Rösten und Dörren“, sagt er, „ist identisch mit bähen (bahan),
im Volksmunde „bahden“, z.❆B. die „Pahde“ ist eine gebähte, geröstete
Semmel. Es sind daher jene Forscher auf dem Holzwege, welche in dem
zahlreichen Vorkommen der Badestuben selbst bei einzelnen Bauernhäusern
auf einen hervorragenden Reinlichkeitssinn des Landvolkes schließen
wollten“[84]. ~Wichner~ ist aber im Irrtum, die Badstuben wurden
tatsächlich als solche benutzt.
Nach der bayerischen Landesordnungerklärung vom Jahre 1578 waren die
„sonderbaren Padstuben“, welche „die Paurssleut gemainlich zu jren
hausswohnungen“ aufzurichten sich unterstanden, verboten. Nur die
Einöden vor den Gebirgen, „wölche weite dess weegs haben die Eehaft
Päder nit besuchen mögen“, waren ausgenommen[16], ebenso verbot eine
bayerische Forstordnung von 1616 die „sondern Badstuben der bawren bey
Ihren Hauswohnungen“ außer bei den Einöden an den Gebirgen, wo man weit
in das ehehafte Bad hatte[46]. Der Propst des Klosters Baumburg in
Bayern gestattete in dem Altenmarkt nur ein „eepat“. In dem Weistum von
1439 heißt es: „es schol auch sunst kain vailpad noch haimleich oder
besunder pad in dem Altenmarkt sein, es waren dreu (3) aufgevangeneu
pad zu dem Altenmarkt, aines gehöret zu dem Jacob Zolnär, sunst genant
der Engelhaimer, das ander ainem genant der Alt Jorig, das dritt dem
Symon Chueperger, also wolt die selben pad mein vorvoder säliger
gedächtnüsz brobst Ulreich Seman nider haben lassen prechen, das ward
im durich die vorgenanten drei, der die pad waren, abgepeten, doch in
solicher masz das die selben pad hinfür nicht pessert schulten werden,
und wenn si ab wären gangen, so schulten si hinfür nimmer zimmert
werden. nun seind die pad alle dreu von alter abgangen. ich hab auch
selbst bei wandeln poten, das sie nimmer zimmert schullen werden, da
wais man sich nu wol nach zu richten“[535].
[Illustration: Abb. 49. Vereinigung von Bad- und Waschhaus. Kpfr. aus
dem 18. Jahrhundert. Sammlung Pachinger in Linz.]
Aus diesen drei Urkunden erfahren wir, daß die Bäder bei den Bauern den
ehehaften Konkurrenz machten, daß in ihnen also gebadet wurde, ferner,
daß sie gezimmert wurden und zwar so leicht, daß die Regierungszeit
eines Propstes genügte, um sie zerfallen zu lassen. Das sind noch
dieselben kleinen hölzernen Badstuben, wie sie als selbständige Gebäude
im alamannischen und bayerischen Rechte vorkommen. Wir finden sie
auch in der Schweiz. 1550 wurde an das Siechenhaus zu St. Gallen
der Hof Bernang verkauft: „Haus und Hofstatt mit Zimmern, Torggel,
Stadel, Speicher, Badstuben, Schweinestall, Brunnen mit Wasser und
Wassergängen, Baumgarten und Reben, alles in einem Einfang im Dorf
gelegen“[311].
[Sidenote: _Verbindung von Bad- und Waschhaus_]
Ein weiterer Typus des Badehauses, wie ich glaube aus späterer
Zeit, ist die Verbindung desselben mit dem Waschhause (Abb. 49).
Wir sahen schon, daß das Kloster Tänikon im Thurgau 1693 neben dem
Schweißbadehaus ein Wasch- und Badhaus hatte, und zwar über einem
Wasserkanal gelegen[187]. Die Veste Kyburg besaß an der Ringmauer
gegen den Hof hin ein Bad- und Waschhaus nebst Holzschuppen, das bei
Beschreibung des Planes als „neu“ bezeichnet wird[517]. 1583 erbaute
das Kloster St. Blasien im Schwarzwald „ain neuwe Badstuben sampt ainem
Waschhauß darin“ am Teich bei der Brücke[129]. Das Fraumünsterstift zu
Zürich hatte 1439 eine „batstube“. 1540 wurde die St. Niklauskapelle
nebst „Bad- und Waschhaus“, um Platz zu schaffen, abgerissen. 1439
bestand aber daneben „miner fröwen gnad batstübel“, das 1514 wieder
erwähnt wird[174]. Im Züricher Waisenhause wurde 1765 ein „Wasch- und
Badhaus“ erbaut[566].
Der zu Nürnberg 1705 gedruckte „kluge und rechtsverständige Hausvater“
hat ein Kapitel überschrieben: „Von der Wasch-Kuche, item dem Bad-
und Back-Häusel“. Alle drei Stätten sollen auf einem Vorwerk oder
Meierhof unter einem Dache untergebracht werden. Drei Öfen heizen
fünf Zimmer. Ein Ofen steht im Bad, geht aber mit einer Seite in die
Abziehstube, ein zweiter liegt dem ersten gegenüber. Die Öfen haben
inwendig Kessel, die oben mit Deckeln und unten mit „Reiben“, das
Wasser abzulassen, versehen sind. Sie dienen zum Waschen und Baden. In
der Mitte des Raumes steht eine Badewanne mit niederem Sitz. Das Bad
kann achteckig und oben mit einer Halbkugel oder einem Spiegelgewölbe
geschlossen sein[567]. Auch sagt die 1703 zu Nürnberg veröffentlichte
„kluge als künstliche ... Hauß-Halterin“: „Wo man ein Bad in den
Häusern hat, findet man in den Ofen derselben einen großen küpfernen
Kessel eingemauret, um das benöthigte Wasser darinnen auf zu wärmen.
Man kann ihn auch zum Waschen benutzen, wenn man nicht besondere
Kessel im Hofe eingemauert hat. Übrigens muß das Bad mit Bäncken
umgeben und rings mit Holz getäfelt seyn, damit die Kälte nicht durch
das Mauer-werk häufig eindringe, und man an einen Ort verbrenne, und
an den andern fast erfröhre. Nechst deme gehören auch in das Bad ein
messing- oder küpfernes Laugen-Kesselein, den Kopf zu zwagen, ein und
andere Bad-Wannen, hölzerne Schäfflein und Gelten, so wohl zu kalten
Wasser, das allzu heiße damit zu temperiren und abzukühlen, als auch
zu warmen Wasser, die Füße darein zu setzen, wiewohl man gemeiniglich
hiezu besondere aus Kupfer gemachte tiefe Fuß-Becken hat, welche man
hiezu gebrauchen, und jedes mal aus der Küche hinab in das Bad zu
tragen pfleget“[568]. Im germanischen Museum zu Nürnberg befindet sich
ein Puppenhaus vom Jahre 1639. Zuunterst in dem Hause ganz links liegt
die Badestube, die mit allerlei hölzernen Bänken, Kübeln und einer
zinnernen Badewanne angefüllt ist. In einem zweiten Puppenhause des
germanischen Museums ist ein Raum im Erdgeschoß durch die Bemalung
der Innenseite der Tür (Abb. 50) als Badestube gekennzeichnet[B].
~Roth~ erwähnt 1792, daß sich in Nürnberg fast in jedem Hause Zimmer
zur Reinigung der Wäsche im untersten Stockwerk vorfinden, die man
„Bädlein“ heißt[195]. Sie wurden demnach nicht mehr als Bad benutzt.
[Sidenote: _Das Bad im Garten_]
Anton Tuchers Badestube befand sich zu Nürnberg nach dessen
Haushaltungsbuche (1507–17) dementsprechend im Vorderhause. Tucher
hatte aber ein zweites Bad im Garten[206]. Den Nürnberger Verhältnissen
der damaligen Zeit nach zu urteilen, muß es außerhalb der Stadt gelegen
haben. 1584 wurde eine Nürnberger Patrizierin Magdalena Paumgartner,
geb. Beheim, zu ihrer Freundin, der Scherly ins Bad im Garten
geladen[248]. Der Abt Johann III. zu Admont in Steiermark errichtete
1473 ein Badhaus im Garten. 1560 wurde es neu gemauert und im Innern
durch Steinpfeiler gestützt, 1576 eine neue Verglasung der Fenster
erstellt[84]. Im erzbischöflichen sog. Mainzer Hofe zu Erfurt ließ
Nikolaus Engelmann, der von 1494–1516 Küchenmeister war, „eyn schöne
newe badestubbe mit zweyen stubben vnd eynem sommerheuslein“ errichten.
Von der Badestube im Mainzer Hofe sagt der Bericht an anderer Stelle:
„Szo man baden will, fallen sie (keszemutter) vnd die viehemaidt laugen
machen, die badestoben wormen, vnd die benck vnd boddeme, schemel
vnd hultzern pfulffe (kissen) darin rein weschen.“ Der „heymknecht“
oder die „Viehemaydt“ und die Hirten sollten Holz tragen und Wasser
schöpfen, den Badekessel füllen und die Badestube wärmen[569]. Sie
enthielt nach dieser Schilderung, wie wir später sehen werden, ein
Schwitzbad. Diese Gartenbadehäuser waren Lusthäuser, die sich manchmal
zu wahren Prachtbauten gestalteten. So erbaute der Kurfürst Max
Emanuel 1718 im Rokokostil die „Badenburg“ im Park zu Nymphenburg bei
München[168].
[Illustration: Abb. 50. Frau (Bademagd?) mit Kind zum Bade gehend.
Bemalung der Innenseite einer Tür (der Badestube) im Erdgeschoß eines
Puppenhauses von ca. 1600 im germanischen Museum zu Nürnberg. Nach
einer farbigen Zeichnung von ~Hefner-Alteneck~.]
[Illustration: Abb. 51. Badestube im Fuggerpalast zu Augsburg (erbaut
1571–81). Holzschnitt nach ~Dohme~.]
Der Renaissance gehören die beiden herrlichen von 1571–81 erbauten
Badestuben im Fuggerpalast zu Augsburg an[430] (Abb. 51), ebenso die
des Ambrosius Höchstetter daselbst[565]. Das schönste Badezimmer aus
jener Zeit besitzt der Vatikan nach einer Mitteilung des Freiherrn von
Gleichen-Rußwurm im Neuen Wiener Tageblatt. Raffael hat es für seinen
Gönner, den Kardinal Bibbiena, mit mythologischen Szenen geschmückt.
[Sidenote: _Inventar der Hausbadestuben_]
In Frankfurt ermietete 1495 der Kammerrichter Eitel Friedrich Graf
zu Zollern das Haus Rustenberg an der Leonhardskirche samt Mobiliar.
„In der baetstoben“ fand er „eyn großen coppern kessel vnd 2 groiß
messen (messingerne) becken vnd eyn cleyn becken und eyn coppern
becken, eyn lilach mit zadel vnd 2 lilach vnd eyn blechen laugkessel
(Laugenkessel)“. In der Badestube des zu Frankfurt 1502 verstorbenen
Wernher Dulling befanden sich zwei kupferne Kessel[127]. Das
Reichskloster Salem (Salmansweiler) hatte zu Pfullendorf einen Hof, das
„Stainhauss“. Als 1577 Frater Hägelin in die Pflege eingesetzt wurde,
befanden sich im „Badstüblin“: „kupfferin lauggelten 1, wassergelten
2, kübel 2, laughäfen, alles kupffern“, im „Abziechstüblin“:
„gutschenbettlin 1, darinn strosackh 1“ und in der Küche „1
badbeckelin“ aus Messing[570]. Auch in einem Züricher Inventar aus
dem 16. Jahrhundert kommt ein „möschi Becki“ (Becken aus Messing),
„als man in das Bad treit“, vor, daneben „1 kupferner Badhafen sammt
dem Hut (Deckel), 1 Badkasten und 1 Hafen in ein Badstuben“[252].
~Michel Behaim~ gedenkt 1491 der „padstuben“, 1499 kaufte er seinem
Weibe für siebzig den. eine Badewanne[210]. Anton Tucher in Nürnberg
hatte nach seinem Haushaltungsbuche (1507–1517) ein „abcziehkemerlen
vor dem pad“ mit Rautenfenstern. In der Badestube war der Boden aus
Stein und Brettern. An Inventar kaufte er einen kupfernen Badeofen von
261 Pfund Gewicht, einen Badkessel aus Kupfer[C] und vier kupferne
„padschefflen“, einmal eine neue Badewanne in den Garten[206]. In der
Badestube der Benediktinerabtei Neustadt am Main befanden sich 1555
zwei messingerne Wannen mit zinnernen Deckeln, eine kupferne Wanne,
ein messingernes Becklein, fünf Badgelten von Holz und ein großer
Wasserzuber[196]. Nach ~Ryff~ waren die Öfen in den kleinen Badestuben
aus Eisen oder Kupfer oder gemeinem Hafnergeschirr aufgesetzt[466].
Manche Hausbadestuben waren gemauert, zuweilen künstlich gewölbt, doch
zog er die aus Holz gebauten vor, die steinernen sollten wenigstens mit
Holz getäfelt sein[48].
In den verschiedenen Gedichten vom Hausrat[257] wird das Inventar der
Hausbadestube angegeben. ~Hans Foltz~ sagt in den achtziger Jahren des
15. Jahrhunderts in einem Spruchgedicht:
„Darnach was als ghort yns badt
Ein krugk mit lawen ist nith schad
badsack badschwam ein heris tuch
welchs man darff das man es her such
Schemel badfleck badlach badbeck
Strel badhut kussen das man legh.“
In einem Meistergesang desselben Dichters heißt es:
„So mon nün in das pad wil gan
ein krüg mit laügen müs mon han
pattüch wisch düch vnd ein pad schwam
patpeck pat hüt ein strel.“
~Hans Sachs~ hat in einem Spruchgedicht von 1544 „Der gantz Hawsrat“:
„Wen man den in das pad wil gan
Ein krueg mit lawgen mues man han
Padmantl, padhuet vnd Hauptuech
Peck, puersten, kamb, schwamen vnd pruech.“
[Sidenote: _Badebeutel mit Zubehör_]
In den Verzeichnissen ist der Krug mit Lauge ohne weiteres verständlich
und entspricht dem heute ins Bad mitgenommenen Stück Seife. „Ein Krůg
zů der Lougen dz man zwag“, heißt es im Straßburger Gedicht vom Hausrat
(1514), das übrigens auch den Blasebalg anführt, der das Feuer unter
dem Kessel „vff glesten“ macht[257]. Darauf folgt im Spruchgedicht von
~Foltz~ der „badsack“, in dem die später genannten Gegenstände bis
zum Strel (Kamm) oder auch mit Einschluß des Badehutes untergebracht
waren. In Ulm sollte 1584 „ein köstlicher Badsack, der mit Hemden,
Scheertüchern, Fezenetlin und anderer Bereitschaft gefüllt ist“,
nicht höher als vierundzwanzig fl. kommen[73]. Meister ~Curd Hallis~,
Rektor der Stadtschule in Göttingen, ließ 1458 von seiner Geliebten
den „snor“ (Schnur) an seinem „badebudel“ machen[526]. 1537 kommt in
Wismar „1 badekappe mit deme badebudel“ vor[533]. Nach der Rostocker
Kleiderordnung von 1581 schenkte die Braut dem Bräutigam einen
Badebeutel[543]. ~Lukas Rem~ hat 1518 in seinem Tagebuch aufgezeichnet,
daß seine Frau für ihn kaufte „mein breigoff, 2 hembder, badsack mit
seim zugehör & und ander fil, Ir zuo der hochzeit net gwest“[265].
~Schmid~ und ~Greiff~ verstehen unter Breigoff die Gabe der Braut an
den Bräutigam[265]. Doch hat ~Rem~ 1518 beim Hochzeitsgeschenk für
seinen Schwager und dessen Braut angemerkt: „Sie hetten aber mir,
meim weib eerliche breygoff stuck nach Ir manier geschenkt“[265].
Breygoff bedeutet demnach ganz allgemein ein bei der Hochzeit gegebenes
Geschenk. Heute noch beschenken sich in manchen Gegenden der deutschen
Schweiz, z.❆B. im Klettgau, auch die Hochzeitsgäste gegenseitig. In
dem zu Ulm 1584 erwähnten Badsack befanden sich auch „Fezenetlin“.
Der Ausdruck kommt vom italienischen fazzoletto, und heute bedeutet
in der Schweiz Fazinetli ein kleines Tuch, meist das Taschentuch. Im
Wildenbrucher Inventar werden 1560 „15 zwilch Facinetlein“ aufgeführt
mit der Bemerkung „sein Tellertücher“[560]. ~Conrad Clauser~ (Basel
1598) hat aber badlachen gleich „faceletly“[556], darum gehörten sie
in den Badesack. Der „badfleck“ bei ~Foltz~ ist nicht verständlich, da
aber die von ~Sachs~ angeführte pruech fehlt, möchte ich ihn für die
Badehose halten.
[Sidenote: _Kopfbedeckung im Bad_]
Der Badehut wurde fast durchgehends im Bad getragen. Die Ansicht,
dadurch das Haar vor Nässe zu schützen, stammt erst aus späterer Zeit.
Die meist kleinen, aus Stroh geflochtenen Badehüte hätten diesen Zweck
auch nicht erfüllt (z.❆B. Abb. 36). Im Anfang des 14. Jahrhunderts sagt
der König vom Odenwald
vom strôwe badehüete
geben guot gemüete“[228].
Die ersten Abbildungen von Badehüten aus Stroh finden sich im
Dresdener und Wolfenbütteler Sachsenspiegel (14. Jahrhundert) (Abb.
68), während im Heidelberger (13. Jahrhundert) die Badenden barhaupt
dargestellt sind (Abb. 67). Noch im 18. Jahrhundert kommt der
„Schaub-(Stroh-)hut“ in der Kurfürstlich Sächsischen Taxordnung des
Kreises Meißen vor. Für die Benutzung war dem Bader ein Pfennig zu
zahlen[242]. Nach einem Weistum von Huisheim in Schwaben von 1505
hatte der Bader jedem Erwachsenen einen Badehut zu geben[535], nach
dem „Öttinger Ehaftbüechl“ von 1577 ebenfalls, wenn der Badende keinen
mitbrachte[46]. In ~Maalers~ Lexikon (1561) wird der Badehut als aus
Roggenstroh gefertigt angegeben[162]. Daneben finden wir auch andere
Kopfbedeckungen, zuweilen die im gewöhnlichen Leben getragenen, z.❆B.
ein Federbarett bei Männern und auch bei Frauen. Auf dem ältesten, im
14. Jahrhundert gebrauchten Siegel der Stadt Baden (Schweiz) trägt die
im Bade sitzende Frau eine Bedeckung (Schleier) (Abb. 52), wie sie auf
den Siegeln und steinernen Denkmalen des 13. Jahrhunderts und in den
Sachsenspiegelbildern vorkommt, durch welche die verheiratete Frau von
der Jungfrau unterschieden wird[552]. Frauen und auch Männer tragen
häufig Haarnetze, zuweilen turbanartig geknotete Tücher und Kappen,
wohl von Leinwand. ~Wildvogel~ gibt im 18. Jahrhundert solche aus Wolle
an[242], und ~Behaim~ erhielt 1500 zum Baden im Wildbad von seiner
Frau ein „swartze seiden hauben“[210]. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts
schützte die Frau ihr Haupt vor Nässe durch eine Badehaube[422], nach
~Zedlers~ Lexikon war diese 1733 von weißer Leinwand und ein auf dem
Kopfe „zusammengefitztes“ Tuch[468].
[Illustration: Abb. 52. Siegel von Baden im Aargau, _a_ im 14., _b_ im
15. Jahrhundert gebraucht. Schweizerisches Landesmuseum in Zürich.]
Das Becken nennt ~Hans Sachs~ zwischen Haupttuch und Haarbürste, und
fand es vielleicht deswegen beim Kopfwaschen Verwendung. Dagegen glaube
ich, daß das „badbeckelin“ aus Messing in der Küche des Steinhauses
zu Pfullendorf und das „möschi Becki, als man in das Bad treit“ des
Züricher Verzeichnisses dem aus Kupfer gefertigten tiefen Fußbecken
der Nürnberger Haushalterin entspricht, welches man jedesmal in das
Bad zu tragen pflegte. Daß man es nicht im Bad aufbewahrte, lag an der
durch Feuersgefahr begründeten Abgelegenheit der Badestube (erst im 18.
Jahrhundert liegt sie beim Schlafzimmer)[422], und weil man Fußbäder
sehr häufig nahm. ~Ryff~ kannte schon den Einfluß der Schenkel- und
Fußbäder, die ziemlich heiß genommen werden sollten, auf den Kopf und
schrieb ihnen Stärkung von Gesicht, Gehör und Gedächtnis zu[48]. Über
„kussen das man legh“ siehe S. 164.
Man muß annehmen, daß die Leute in ihrer eigenen Badestube trotz der
Meistersinger Inventar nackt badeten. Hans von Schweinichen erzählt:
„daß ich wenige Tage zu Hofe war, badete die alte Herzogin (von
Liegnitz c. 1562); alda mußte ich aufwarten als ein Junge. Es währet
nicht lange, kummt eine Jungfrau, Katharina genannt, stabenakend raus,
heißt mich, ihr kaltes Wasser geben“[16].
[Sidenote: _Der Badschild des armen Mannes_]
In frühester Zeit hatte wohl jeder Grundeigentümer seine eigene
Badestube. Es scheint fast, als wenn diese zuweilen dem verarmten
Manne die letzte Zufluchtsstätte war, in der er wohnte. In uralten
hessischen Rechtsformeln heißt es: „wer aber alhie eigen und erbe hat,
derselbige sal sich darauf finden lassen, und denselbigen sal man auch
uf keinen groszern buwen dringen, diewil er sich unter einem batschilde
erhalten mag“. „Item, ob einer verarmt, das er sinen bew nicht gehalten
kan, sol er seinen schilt stürzen uf sin erb oder gut, sol er us dem
batschild geben des besten, das er vermag, so sollen die herren in
nit zu vertriben haben.“ „auch sal man einen armen Mann in diseme
gerichte lassen sitzen uf dem sime, die wile he sich mag behalden
under einem badschilde“[151]. GRIMM meint zwar, daß Badschild gleich
Badewanne wäre, doch konnte man unter einer solchen nicht wohnen, wohl
aber, wie wir sahen, in einer Badestube[D]. Außerdem wird Badschild
in Gegensatz zu einem großen Bau gestellt. Vielleicht ist es gewagt,
wenn ich unter Badschild den durch das Bad gewährten Schutz und in
weiterem Sinne die den Schuldner schützende Badestube verstehe. Nach
dem König vom Odenwald zu Anfang des 14. Jahrhunderts nahm sogar ein
Herzog von Sachsen seine Zuflucht zur Badestube, um nicht gepfändet
zu werden[228]. Jedenfalls geht aus den Rechtsformeln hervor, daß das
unter dem Badschild befindliche Eigentum die letzte Habe des armen
Mannes war, zu der demnach auch der Badschild selbst, sei er Badestube
oder Badewanne, gehörte.
[Illustration: Abb. 53. Bad unter der Dachtraufe eines Bauernhauses.
Holzschnitt aus einer Serie: „Aus der Gründung der Eidgenossenschaft“.
1580. Stadtbibliothek Zürich.]
[Sidenote: _Bewegliche Badstübchen_]
[Sidenote: _Das eigentliche Schweißbad_]
In den Städten finden wir bei vornehmen Leuten frühzeitig eigene
Badestuben, so in Ulm 1352 bei Heinrich von Weißenhorn[50]. 1385 besaß
der Hof des Herrn Friedrich Roth in der Sterngasse zu Würzburg ein
eigenes Bad[144]. Fehlte in bürgerlichen Wohnhäusern das Badezimmer,
so war doch eine Badewanne vorhanden. In den Gedichten ~Kaufringers~
hatte eine Augsburger Schustersfrau den Zuber vor der Kammer stehen,
und im Hause des Bürgermeisters von Erfurt war er im „kemenat“[256].
In Dörfern stand er nach zahlreichen Darstellungen des Todes
Wolfenschießens im Hausflur, einmal erscheint er unter der Dachtraufe
(Abb. 53). Ganz armen bedürftigen Leuten, namentlich „kindbetteren“
wurde die „badebütt“ geliehen, so 1338 von der Äbtissin zu Andlahe,
welche nach der Dinghofrodel zu Marlei (altem Königshof bei Straßburg)
die „dugen“ von denen zu Birken schicken ließ, die der Baumeister
mit den vom Keller gegebenen Reifen zur Badebütte vereinigte[535].
Immerhin verlangte eine bayerische Forstordnung (1616) vom geringen
Bürger und Handwerker ordentliche gemauerte Badstuben im Hause[46].
Man hatte nämlich auch transportable Apparate, die durchweg den Namen
Badstüblein führen. Schon 1345 kommt in einer Klosterrechnung zu St.
Emmeran ein solches vor. Die bayerischen Bauern hatten bei ihren
Wohnungen und die geringen Bürger und Handwerksleute in Städten und
Märkten ebenfalls „solche Bädlen, die man hin und wider tragen mag
und mit Gluet haizt“ (1616)[46]. Das waren im Gegensatz zu den in
Wannen genommenen Bädern solche zum Schwitzen. Aber bei genauerem
Betrachten erscheinen auch manche Wannenbäder, die man zunächst für
Wasserbäder halten könnte, als Schweißbäder. Vom Frauenkloster Prez
in Schleswig-Lauenburg heißt es c. 1474: „Item leth ick maken in
dat Badehus IV lange nige (neue) Badeküven mit IV nigen Roven (Dach
darüber) und mit bequemen Schemelen up to sittende, und ok under
de Vote“[16]. Die Schemel waren also zum Sitzen in der Badewanne
bestimmt, und es gab auch welche für die Füße. ~Ryff~ sagt: „Aber die
kleineren Badtstuben oder schweiß bäder so allenthalben in sonderlichen
Bürgerlichen wonungen bey vns Teutschen vast (sehr) gemein sindt,
pflegt man durch dunst vnd dämpff siedens wassers zu heitzen. Aber
solche truckne (er rechnet die Dampfbäder zu den trocknen) schweißbäder
zu der notturfft inn der eil zu bereiten vnnd erhitzigen haben wir
gar mancherley geschicklicheit vnd vortheil, als mit glüendigen Eysen
sinter stein, Maur stein oder gebachen steinen, kißling steinen vnd
dergleichen wie yederman wol bewust, darmit man schnel truckne schweiß
bäder zurichten mag“[48]. 1519 empfiehlt der St. Galler Bürgermeister
und Arzt Joachim von Watt, zur Verhütung der Pest Schwitzbäder im Haus
zuzurichten „als in einem verdeckten zuber, mit heißen steinen usw“.
Im Badwasser sollte man Kräuter sieden „vnd domit vff gießen“ und auch
waschen[571]. ~Etschenreutter~ sagt 1571: „aber bey vilen im brauch +dz
wir eigentlich schweißbad nennen+, so kreütter in einem kessel gsotten,
von dem selbigen laum (Dampf) der leib erschwitzet, allein für sich
selbs oder mit glüenden sinckelsteinen mit wein begossen, menigklich
bekant, vnnötig weitter daruon zureden“. An anderer Stelle sagt er, daß
das Schweißbad in der Bütte genommen werden soll, und weiter: „... so
allein das haupt außerhalb des dampffs der badestuben ist. So aber der
schweiß in schweißbädern mit gesottnen kreüttern erwermet, gefürdert
wird .... ist würcklicher (wirksamer), dann so es allein mit holtz
in gemeinen badstuben bescheh ... Wann aber der dampff vnnd erwermet
lufft, von dem wasser, in welchem saltz, salpeter, oder schwebel ist,
erhept, ... seubert mehr dann das drucken schwitzen, vil mehr dann so
der schweiß vom dampf der süßen wasser zugericht wurde“[449].
[Illustration: Abb. 54. Dampf- und Beräucherungsapparate des 16.
Jahrhunderts. Holzschnitt aus ~Dryander~s Arzneispiegel. Frankfurt am
Main. 1547[E].]
[Sidenote: _Badeapparate im 16. Jahrhundert_]
Nun ist es verständlich, warum im Kloster Prez die Kufen Schemel zum
Sitzen und für die Füße hatten; denn das kochende Wasser wurde direkt
auf den Boden der Wanne oder auf dort befindliche, glühend gemachte
Steine gegossen. Hervorgehoben muß werden, daß man in der Regel nur
das Bad in diesen Apparaten Schweißbad nannte, und ~Murner~ bildet
unter diesem Namen eine mit Dach versehene Badebütte, aus der der Kopf
herausragt, ähnlich wie Abb. 54 f ab. Nach ~Ryff~ sollte die Bütte
bedeckt sein[250]. An Stelle des einfachen Wassers scheint man noch
häufiger Abkochungen von Kräutern verwendet zu haben. „Acten, ruten,
gesotten mit wyden, getrunken, und ab den krüteren gschweiß-badet“,
heißt es 1588 in einem Zuger Arzneibuch[557]. ~Guarinonius~ versteht
1610 unter „Dempffbad“, das er auch Schweißbad nennt und in Gegensatz
zum gemeinen Bad (in der Badestube) stellt, „wann man in den ehrlichern
vnd ansehnlichern Häusern, ein darzu gerüste Wannen, oder kleine Stüble
hat, darinnen man gehitzte Ziegel, oder Kißlingstein einträgt, vnd
mit abgesottenem Wasser von guten vnd wol riechenden Kräutern, die
Stein begeust, darauß die Wärme vnd der Dampff räucht“[134]. Diese
Schweißbäder waren, wie aus der Stelle bei ~Etschenreutter~ hervorgeht,
sehr bekannt, auch ~Watt~ beschreibt sie nicht näher, sondern setzt
dafür ein usw. Noch 1697 empfiehlt ~Zapf~ in Weimar, das Rastenberger
Wasser gegen Podagra auf heiße Kieselsteine oder in ein Badstüblein
oder „versprügelten Wannen“ aufzugießen[401].
Nach ~Ryff~ setzte man auch zwei Wannen oder Gefäße übereinander
(natürlich die obere mit dem Boden nach oben) oder gebrauchte über der
Wanne ein „obdach von Stro geflochten“[48] (Abb. 43).
Im Straßburger Gedicht vom „Hußrat“ (1514) heißt es:
„Ich bring dir sicher ouch ein Badbütten
Bedket mit eyner Schoubin (von Stroh) hütten
Darzů so můstu gůte Krüter hon
So würstu ouch schwytzen wol dar von“[257].
[Sidenote: _Die kleinen Heißluft- und Dampfbadestuben_]
Andere „kleine Badstüblein“ hatten die Form eines Schrankes und waren
aus dicken Brettern gefertigt, um die Wärme besser zu halten (Abb. 54
e). In den Doppelboden wurden glühendes Eisen, erhitzte Sintersteine,
Kieselsteine, gebackene Steine, Mauersteine oder Schlacken
eingeschoben oder darin Branntwein angezündet. Es handelte sich also
um Heißluftbäder. Im Deckel befanden sich Löcher, die mit Zapfen
verschlossen werden konnten, um die Hitze zu mäßigen. Wenn es für nötig
befunden wurde, leitete man von einem Topf (Abb. 54 c) aus die Dämpfe
von Kräutern in das Badestübchen. An der Einmündung des Rohres wurde im
Innern des Kastens eine hohle, nach unten offene Halbkugel angebracht,
damit der Dampf dem Badenden nicht direkt gegen den Leib dringe. ~Ryff~
nennt 1549 den Kasten eine Neuerfindung seiner Zeit[48].
In der einfachsten Form verwendete das Volk einen Topf und ließ durch
einen hölzernen Trichter den Dampf gegen das kranke Glied treiben (Abb.
54 b). An Stelle des Wasserdampfes konnten Beräucherungen von Trociscen
(Trochisci-Zeltchen) und anderen „bequemen Stücken“ treten, die in
einem „glutpflännlin“ verbrannt wurden (Abb. 54 a). Zuweilen wurden die
Badenden zum Dampfbaden und Beräuchern auf einen Stuhl gesetzt und mit
Tüchern behangen (Abb. 43 u. 54 d)[233]. Man verbrannte auch Kräuter
auf heißen Steinen. In einer Wiener Handschrift des 15. Jahrhunderts
heißt es: „Vnd mach ein stain pad vnd leg das chraut vber die stain
vnd erswicz wol“[16]. Im 14. Jahrhundert wird von ~Boner~ im Edelstein
das Schwitzen im Bette durch einen heißgemachten Stein erwähnt. Eine
Äbtissin ist „von dem Ritten“ (Fieber) geplagt.
„Sie sprach: ‚mîn rugge und ouch mîn bein
die ridwent (fiebern) vaste. ein ziegelstein
soltu mir balde machen heiz;
und würde mir ein senfter sweiz,
ich möcht vil lîchte wol genesen! ...
acht eben, wenne ich switze:
sô nim den belz und decke mich.
lâ nieman în, des bit ich dich,
daz der sweiz nicht erwinde‘“[226].
~Ryff~ hat oft gesehen, daß man die Schweißbäder in großen Weinfässern
machte[48]. Dies „Fäßlischwitzen“ war bis in die jüngste Zeit in der
deutschen Schweiz in Gebrauch. In der Küche wurde ein Salzfaß, mit dem
Boden nach oben gerichtet, auf drei Mauersteine gestellt und darunter
ganz dürres Wacholderholz, das nicht raucht, angezündet, bis das Faß
über und über heiß war. Dann brachte man es ins Schlafzimmer, stellte
es aufrecht, setzte sich auf einem Stuhl hinein und deckte das Faß oben
mit Tüchern zu[564]. An Stelle des Wacholderholzes verbrannte man auch
Rebholz oder legte heiße Kieselsteine, besonders Ädersteine in das Faß
oder legte erhitzte Steine in einen eisernen Topf mit einem Absud von
Wacholder- und Föhrenzweigen und nahm über diesen das Fäßlibad[557].
[Sidenote: _Deutscher Ursprung der Hausdampfbäder_]
Diese Hausdampfbäder sind deutschen Ursprungs. ~Schultz~ beschrieb
eine Münchener Handschrift aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts, die,
lateinisch von einem italienischen Arzte verfaßt, eine Anleitung für
Italienerinnen zur Pflege der körperlichen Schönheit enthält und
für besonders förderlich dazu ein Schwitzbad empfiehlt. Sollte ein
solches Bad, heißt es darin, nicht zu erlangen sein, so kann man auch
auf andere Weise (stuphis) denselben Zweck erreichen, indem man das
Verfahren der Frauen jenseits der Alpen nachahmt, man macht nämlich
Ziegel oder schwarze Steine glühend heiß, wirft sie in eine Tonne
(tina), gießt kaltes Wasser darauf und setzt sich nun wohlverpackt mit
Tüchern über den aufsteigenden Dampf und schwitzt tüchtig[537][F].
Der von ~Ryff~ angegebene Schwitzkasten hat sich in seiner Form bis
heute erhalten, 1733 gedenkt ~Zedler~s Lexikon unter diesem Namen des
Badekastens von Holz[468]. Im 19. Jahrhundert tauchten neue Arten des
Heißluftbades auf. ~Lavater~ setzte 1804 zur Wiederbelebung Ertrunkener
an Stelle des lauen Wasserbades einen doppelwandigen Blechkasten, in
dessen äußeren Teil warmes Wasser gefüllt wurde[178]. Als 1831 in
Hamburg die Cholera war, legte man die nackten Kranken auf niedere
Gurtenbetten, über die Reifen gespannt wurden, die durch Decken einen
Abschluß erhielten. Unter dem Bett wurde Weingeist in einer Schale
angezündet. Diese Cholerabetten kamen aber wegen Verbrennungen der
Patienten bald in Mißkredit, so daß man Wasserbäder an ihre Stelle
setzte[572]. Heute hat man im sog. Phénix à l’air chaud dem Übelstand
abgeholfen, in dem man wie beim ~Ryff~schen Apparat den Dampf, die
heiße Luft aus einer besonderen Heizvorrichtung ins Bett leitet.
In der Dachauer Gegend findet man in den Bauernhäusern Bahaisl
(Badhäuslein), Badl (Bädlein) genannte bretterne Verschläge im oder
um den Ofenwinkel (Schwitzkasten)[46]. Auch im Fürstentum Hohenlohe
bezeichnete 1789 Badstübchen einen kleinen Verschlag hinter dem
Ofen[555]. Diese Einrichtungen sind wohl auch ein Ersatz für die
selbständigen Badstubenhäuschen begüterter Bauern. In der Passauer
Gegend deutet heute nur noch der Name Badl für den Winkel hinter dem
Ofen[46] ihr ehemaliges Vorhandensein an.
[Sidenote: _Das Schwitzbad im Backofen_]
Als selten geübter Volksgebrauch kommt das Schwitzen im Backofen auf
Brettern nach dem Herausholen des Brotes vor. Nach ~Ryff~ muß sich
zuweilen der arme Mann auf den Dörfern aus Notdurft gegen Wassersucht
mit dieser Art Bad behelfen[48]. „Aber die meister der artznei bruchen
es wenig“, sagt ~Phries~[386]. ~Guarinonius~ nennt es 1610 eine neue
Badform und berichtet Fälle mit unglücklichem Ausgang[134]. 1748 starb
in Hadlikon eine Frau Hartmann, von welcher es heißt, „sie hatte den
23. Januar im Ofen geschwitzt, wurde für tot herausgezogen, lebte aber
noch bis den 26. Wie es zugegangen novit Deus“[573]. 1857 schwitzten
in Böhmen Kinder im Backofen gegen Krätze, nachdem sie mit einer Salbe
eingerieben waren. Eins davon wurde halbverkohlt herausgezogen[16].
1871 spricht ~Senn~ für die deutsche Schweiz von einem veralteten
Brauch, der aber doch noch gegen Rheumatismus angewendet wurde[564].
Wie aus dem Vorhergehenden ersichtlich ist, nahm man in der
Hausbadestube nicht nur Reinigungsbäder, sondern badete auch gegen
Krankheiten. Der Bürgermeister Nikolaus Gentzkow von Stralsund tat es
am 31. März 1564 auf ärztlichen Rat. Am 2. Dezember verzeichnete er in
seinem Tagebuche: „badede ick in minem eigen stauen vth diekwater“,
am 27. Januar des folgenden Jahres: „leth ick den kum am stauen
vthschmelten vnd den stauen heruthmaken, vnd badede darin vmb des bains
willen“[542]. Hieraus ist übrigens zu entnehmen, daß der stauen nicht
nur die Badestube, sondern auch die Badewanne war. Schon 1562 badete
Gentzkow öfters „mit minen qwaden ruggen“. Aus ~Fabricius Hildanus~
geht hervor, daß im 17. Jahrhundert besonders von armen Leuten als
Ersatz der Badekur nicht nur in Krankheiten, sondern auch zur Bewahrung
der Gesundheit ein- oder mehrmals im Jahr Tage und Stunden lang, wie
in den Mineralbädern, im Zuber gebadet wurde. ~Fabricius~ sah dabei
Krämpfe, Schlaganfälle auftreten und führt diese bösen Zufälle darauf
zurück, daß die Leute meinten, die zur Badekur nötige Reinigung des
Leibes, vorzüglich die durch Purgieren, nicht nötig zu haben. Ganz
besonders sei sie gerade beim Baden im süßen (gewöhnlichen) Wasser
erforderlich, weil das den Leib schlüpfrig und glatt mache. Auch die
mineralischen Bäder, die durch die Kunst der Chemie zubereitet würden,
seien, wie die aus süßem Wasser, unserer Natur zuwider. Die Nachbildung
einiger natürlicher Mineralbäder durch Schwefel, Alaun und Salz
erkennt er für Notfälle an, erklärt es aber für Eitelkeit, Frechheit
und Aufschneiderei, natürliche Bäder durch die Kunst der Chemie zu
machen[101]. Es gab schon im 16. Jahrhundert z.❆B. von ~Thurneisser~
Rezepte, Mineralbäder nachzuahmen[390], und ~Paracelsus~ ergänzte die
Mineralbäder für bestimmte Krankheiten durch Zusätze von Kräutern[374].
Meister ~Burckhart~ von Reytlingen gab ein „bewert wiltbad“ an[47].
~Johann Wilhelm Simler~, ein großer Verehrer der Mineralbäder, singt
„vonwegen des Podagrams, im Meyen, 1668 und 69“:
„Gewärmtes Kräuterbad in meinem Ofenkessel;
nächst Gott; entbande mich von Podagrames Fessel“[27].
[Sidenote: _Kräuterbäder im Hause gegen Krankheiten_]
Ja man nahm regelrechte Badekuren im Hausbade vor. 1528 schreibt
~Hans Stockar~ in Schaffhausen: „Uff dye Zitt hain jch 33 Dag Wasser
badett jn mim Hus, und schlug heffdyg us“[597]. Felix Platter ließ
Kuren mit Kräuterbädern im Hause gegen Aussatz vornehmen[488]. Nach
~Brunssfels~ sollte man nicht über vierundzwanzig Tage lang baden und
bis auf acht Stunden täglich steigen, dazwischen schweißbaden. Man
saß dabei auf dem Kräutersack, dessen Abkochung sich im Badewasser
befand[47], nach ~Dryander~ 1547 täglich eine Stunde lang[233]. Es
gab also zweierlei Kräuterbäder, Dampf- und Wasserbäder. Der Kosten
wegen wurde das Kräuterbad mehrmals benutzt. Infolgedessen machte
das Wärmen eine besondere, in Abb. 55c wiedergegebene Vorrichtung
nötig, die auch ~Thurneisser~ 1572 etwas abgeändert bringt[390]. Nach
ihm und ~Brunssfels~ sollte das Bad alle drei Tage erneuert werden.
Die Badebütte war zuzudecken, damit die Kraft darin bleibe[47].
~Guarinonius~ sagt 1610:
„Die Badwann laß offen, oder schleuß nur vor dir,
Den Dampff laß vnten beyn Füssen riechen herfür“[134].
1647 schlug ~Sebiz~[65] vor, die Badebütte mit hölzernen Deckeln oder
dicken groben Tüchern, „Kutern oder Sergen“, ~Gessner~[335] 1745,
mit einem Tuch, Teppich oder einem Brett mit einem Ausschnitt für
den Hals zuzudecken. Für Kräuterbäder einzelner Teile dienten der
„Lendenzuber“ (Abb. 55a), dessen Sitzbrett nach hinten abfallen sollte,
und eine besondere Schenkelbadewanne (Abb. 55b)[48. 221], die auch zu
Dampfbädern verwendet werden konnte.
[Illustration: Abb. 55. Apparate für Wasser- und Kräuterbäder im 16.
Jahrhundert. Holzschnitt aus ~Dryander~s Arzneispiegel. Frankfurt a.❆M.
1547.]
[Sidenote: _Andere Bäder zu Heilzwecken_]
1684 machte ~Lamzweerde~ neue Badeapparate bekannt, darunter einen Sack
aus Leder in dem sehr schwache Kranke das Bad im Bett nehmen konnten
(Abb. 56). Er beschrieb auch einen, erst in der modernen Hydrotherapie
zur Geltung gelangten Rückenschlauch (Abb. 57) und mit Wasser
gefüllte Ledersäcke, die über einzelne Gliedmaßen gezogen wurden[574].
Sein geistiges Eigentum scheinen diese Apparate aber nicht zu sein,
denn einzelne sind schon in einem Werke des aus Illyrien stammenden
Arztes ~Santorio~ abgebildet, der 1636 zu Venedig starb und sich auf
technisch-medizinischem Gebiete, unter anderem auch durch Herstellung
von Instrumenten zur Ermittelung der Körpertemperatur und des Pulses
auszeichnete[235].
[Illustration: Abb. 56. Sack aus Leder zum Dauerbad im Bett für sehr
schwache Kranke v. Lamzweerde. Kfpr. 1684.]
~Pictorius~ erwähnt 1560 Bäder von Baumöl, Milch, Molken, Wein und
Öl, in dem ein Fuchs oder Dachs zuvor gesotten wurde, sagt aber, „man
schreibt von ihnen“; sie waren also nicht in Gebrauch[152]. Nach ~Ryff~
war bei den Deutschen in Milch zu baden ebenso ungewohnt, als in Wein
und Öl[48]. 1793 benutzte man aber Milch- und Molkenbäder[160], wobei
man glaubte, die Kranken dadurch zu ernähren. Von dieser Vorstellung
ging wohl auch ~Pantaleon~ aus, als er den Lungensüchtigen und denen,
so das Abnehmen am Leib haben, den Besuch der Thermen verbot, dafür
aber Wasserbäder „so ab Kalbsköpfen und füssen gesotten“ empfahl[35].
Trotz mancher Kuren im Hause gingen Leute, denen eigene Badestuben
zur Verfügung standen, in die öffentliche Badestube zum Schröpfen,
Aderlassen oder um Heilbäder zu nehmen. Nach der Pfründeordnung
des Klosters Geisenfeld in Bayern aus dem 13. Jahrhundert hatten
die Frauen aller vierzehn Tage ein Anrecht auf ein Bad, das zwei
„lantnaer“ bereiteten. War eine Frau „siech“ (krank), oder wollte sie
„us einer aderlazz baden“, ging sie zum „veilen pade“. Wer das nicht
wollte und das Bad lieber im Kloster nahm, hatte es zu bezahlen[548].
Bürgermeister Gentzkow war am 3. April 1559 „mit vruw vnd kindern jm
steinstauen vnd leth wohl 7 koppe setten“, am 24. November badete er
„jm gemeinen stauen und leth 3 koppe setten“[542].
[Illustration: Abb. 57. Rückenschlauch von Lamzweerde. Kpfr. 1684.]
[Sidenote: _Einladungen in die Hausbadestuben zum Schmausen und Zechen_]
Wir sahen schon im nackten Boten, daß die Badestube zur kühlen
Jahreszeit als Wohnraum benutzt wurde. Sie diente aber auch als
Speise- und Trinkzimmer, in das man gern Freunde und Bekannte lud.
~Guarinonius~ sagt 1610: „Wann manicher, der sonsten nichts zu thun
hat, nicht weiß was er anfangen solle, läßt er jhm ein Schweiß- Dempff-
oder auch Vollbad zurichten, darin er etwan mit seinem Weib, oder
sonsten einem guten Freund sitzet, und ein Kändele drey, vier Wein,
neben guten Sträublen außleeret, damit in seinem Leib innen nicht
etwan das Vacuum rusticum entstehe“[134] (Abb. 58). 1584 wurde, wie
erwähnt, Magdalena Paumgartner in Nürnberg zu einer Bekannten ins
Bad geladen[248]. Der Bürgermeister Gentzkow berichtet uns in seinem
Tagebuche des öfteren von solchen Einladungen[542]. Am 13. Mai 1559
hat er verzeichnet: „badede ick in minem eigen stauen mit D. Khetell“,
am 3. Oktober 1562: „do badede ick in minem stauen. D. Kehtel vnd sine
vruw badeden mit mj. eethen darna mit mj vnd toueden bet nha negen“,
am 9. Juni 1563 „badede ick in minem stauen vnd beheld min volck by
mi to gast“. Unter Volk sind die Angestellten des Bürgermeisters zu
verstehen. Aus den Angaben scheint hervorzugehen, daß die Gasterei erst
nach dem Bade stattfand. Ferner hat Gentzkow verzeichnet am 13. Januar
1558: „leht ick minen batstauen heiten vnd badede mit minem volcke“,
am 21. April 1559: „badede ick mit all minem volck, vnd worden dorch
den roden wyn so vrolick darna, dat alle jungen vnd knecht dantzen
vnd singen musten bet in die nacht, dat die glock ein schlug“, am
30. Juni desselben Jahres: „badede ick mit minem volck vnd zechten
darna wol“, am 3. Januar 1560: „badede ick mit alle minem volck noch
jm suluen minem stauen. Ick leth ock minen naber Christoff Lafferde
mit siner vruwen vnd all sinem volck darinn baden“, am 10. Februar
desselben Jahres: „leth ick den stauen in minem haue (Hause) anheiten
vnd badede mit minem volcke drinn“ und am 15. April: „hadde ick mien
volck togaste vnd was mit en guder dinge“. Gentzkow lud sein Volk auch
sonst zu Gaste, z.❆B. in seinen Garten zum Tanz oder am 10. November
1560 zum Martinsabend, wobei der Exzeß, wie Gentzkow selbst schreibt,
so groß war, daß er am anderen Tag auf der Bank liegen mußte. Das sind
aber Seltenheiten gegenüber den Einladungen ins Bad, die wir unseren
heutigen Gesellschaften gleichstellen müssen.
[Illustration: Abb. 58. Mann und Frau beim Schmause im
Hausbadestübchen. (Der Mai). Kpfr. von ~Franz Brun~ 16. Jhdt.]
[Sidenote: _Die Hausbadestube als Speisezimmer_]
Daß es auch in Nonnenklöstern bei den Einladungen ins Bad fröhlicher,
als es die Sitte erheischte, zuging, zeigt folgender Züricher
Ratsbeschluß von 1523: „Abrednuss miner Herren von Zürich verordnoten
ratsboten mit frow priorin und den ratsfrowen zuo Töss, etlicher bösen
missbrüchen halb beschechen. Zum ersten: als dann ein badstuben zuo
Töss im gottshus ist, darin dann unzhar etlich ander frowen von den
klosterfrowen geladen gewesen, mit inen zuo baden, die syent von der
Töss ab der strass, von Winterthur oder anderschwohar; das aber vil
geschreis und nüt anders dann ein liechtfertigkeit und zerstörung
guots wesens mag bringen; ist von minen Herren mit verwilligung der
frowen abgeredt und beschlossen, daß hinfür gar niemas in solich bad
sölle kommen oder gan, dann allein die kloster- und ordensfrowen. Es
soll ouch endheine under inen, jung oder alt, nit gewalt oder macht
haben, dhein andere usserthalb dem kloster, wer joch die syg, in das
gemeldt bad zuo laden, ane gunst und willen (der) frow priorin und der
ratsfrowen“[172].
~Rudolf Collin~ erzählt in seiner Lebensbeschreibung: „Im Jahr 1524
den 14. Hornung verliesse ich mein Vaterland (Lucern), kame um den
Abend gen Zürich, und nahme meine Einkehr in Herrn Oßwald Myconius
Hause, wo mir eine lustige Begebenheit aufstieße: Es war namlich an
der alten Faßnacht, da stuhnde (wie um diese Zeit gewohnt) ein Tisch
mit den niedlichsten Speisen, und vollen Bechern versehen in einer
Schweißstube (vaporario).“ Kein Mensch war zugegen, weil alle Gäste auf
die Ringmauer hinausgegangen waren, dem Fastnachts- oder Märzenfeuer
zuzusehen[551]. Das Baden ist garnicht erwähnt, und die Gäste müssen in
Kleidern gewesen sein, um das Haus zu jener Jahreszeit vorübergehend zu
verlassen. Die Schweißstube war hier das Speisezimmer des Hauses.
[Illustration: Abb. 59. Doktor Moser in Konstanz wird in der
Hausbadestube mit seiner Geliebten vom Ehemanne derselben überrascht
und zu Tode gestriegelt. 16. Jahrh. Wyckiana. Zürich, Stadtbibliothek.]
[Sidenote: _Liebesabenteuer im Bad_]
Im Hausbadestübchen empfing auch die ungetreue Ehefrau ihren Liebhaber.
Das schien so selbstverständlich, daß z.❆B. in einem Volksliede des
16. Jahrhunderts die Badestube garnicht erwähnt ist, wohl aber auf dem
Titelbilde dargestellt wird[310]. Manche dieser Stelldicheins endigten
mit Mord und Totschlag durch den betrogenen Ehemann. Von einem solchen
Fall, der sich zu Zofingen 1559 zutrug, berichtet der Züricher Chorherr
~Wyck~[308]. 1530 wurde in Zürich bei Augustin Fries ein fliegendes
Blatt gedruckt „Ein hübsch Lied, genannt der Striegel“, das in des
Knaben Wunderhorn[309] aufgenommen ist. Das Gedicht war ein seinerzeit
weit bekanntes Volkslied. Eine Kaufmannsfrau in Konstanz empfing in
Abwesenheit ihres Mannes den Geliebten, einen Doktor, im Bad. Der
Ehemann, dem die Sache zu Ohren kam, gab eines Tages vor, eine weite
Reise zu unternehmen, ließ aber einen Striegel anfertigen, mit dem er
unerwartet in die Badestube trat und den Doktor zu Tode striegelte.
~Wyck~ klebte in seine Sammlung einen kolorierten Holzschnitt (Abb.
59) ein, der wahrscheinlich dem genannten fliegenden Blatt entnommen
ist, und fügte, ohne das Gedicht anzuführen, hinzu, dieser Doktor
(auf dem Bild durch die Kopfbedeckung als solcher gekennzeichnet)
sei ein Sohn des Organisten Moser vom Großmünster in Zürich gewesen
und der Bruder einer Nonne im Ötenbach, die fromme Moserin genannt,
die 1554 starb[308]. Etwas abgeändert wurde das Gedicht zu Augsburg
„durch Valentin Schönigk, auff vnser Frawen Thor“ (auf der Abbildung
tragen Mann und Frau den Badehut von Stroh) und 1606 zu Basel bei
Johann Schröter gedruckt. Auch ~Fischart~ sagt in der Gargantua: „o bad
gestrigelter doctor von Costenz!“[151]. Noch 1624 wurden Szenen aus
dem Gedicht auf einer Glasscheibe dargestellt, die das Landesmuseum
zu Zürich besitzt, wo die Liebenden entgegen der sonstigen Auffassung
nebeneinander auf der Schröpfbank in der Schweißbadestube sitzen. Die
Hausbadestuben scheinen demnach, wenigstens in dieser Beziehung, ihre
frühere Bedeutung nicht mehr besessen zu haben[G].
Bekanntlich forderte der Landvogt Wolfenschießen 1307 zu Alzellen von
Baumgartens Weib, mit ihm im Bad zu sitzen. Sie rief aber ihren Mann
herbei, der den Landvogt mit der Axt erschlug (Abb. 53). In den um 1400
verfaßten Gedichten ~Heinrich Kaufringer~s ladet einmal eine Augsburger
Schustersfrau ihren Geliebten, einen Chorherrn ins Haus zum Bad, ein
ander Mal die Frau des Bürgermeisters von Erfurt den Sohn des Königs
von Frankreich, der dorthin „gen schuole“ gesandt war[256].
[Sidenote: _Badestuben in den Amtswohnungen_]
Wir finden häufig das Hausbadestübchen in Amtswohnungen auf Kosten
der Behörde errichtet. Zu Frankfurt am Main kommt 1436 die Badestube
in der Bonameser, 1470 die in der Erlenbacher Burg für die Amtmänner
beider Orte vor, sowie 1499 die Badestube für den Marstaller. Auch im
Römer befand sich ein Badstübchen, offenbar für den Stadtschreiber,
welcher dort seine Amtswohnung hatte. In Hamburg finden wir sie im 16.
Jahrhundert in den Wohnungen des Physikus und des Stadtschreibers.
1477 wurde das „batstobelin im Rathuse“ in- und auswendig geweißt
und das „batstobechin“ mit Fenstern (638 Scheiben) versehen[127].
Berlin und Cöln an der Spree hatten im 16. Jahrhundert in den
Kaplan- und Predigerhäusern Badestuben[191], 1610 das evangelische
Pfarrhaus zu Aadorf. 1640 schaffte hier das Amt Winterthur ein neues
„Badestubenöfeli“ an. Auch im Pfarrhaus zu Aawangen war schon vor 1597
ein Badstübli eingerichtet, und 1619 fehlte es nicht im neuerbauten
Pfarrhaus[187]. 1557 wurde zu Waldulm im Pfarrhaus der Ofen in dem
„badstublin“ errichtet[460]. In Frankfurt am Main war die Fahrbadstube,
auch die Badstube am Fahr genannt, die 1337 zuerst erwähnt wird,
gemeinschaftliches Eigentum der Stadt und des Leonhard-Stiftes.
Die Herren des Rates und wohl auch die Mitglieder des erwähnten
Stiftes bedienten sich ihrer, dem großen Publikum war sie aber
verschlossen[127].
[Sidenote: _Verbote der Hausbadestuben zur Förderung der ehehaften_]
Aus verschiedenen Gründen finden wir hie und da die
Privatbäder eingeschränkt oder verboten. Nach der bayerischen
Landesordnungerklärung von 1578[16] und der Forstordnung von 1616[46]
wurde den Bauern mit Ausnahme der in den Einöden wohnenden untersagt,
eigene Badestuben zu bauen, nach der zweiten Ordnung auch der
Gebrauch transportabler und dieser nicht nur den Bauern, sondern auch
den Bürgern in den Städten und Märkten, dafür diesen aber erlaubt,
ordentliche gemauerte Badestuben in den Häusern zu haben.
Die Gründe zu diesem Verbot lagen in dem zu reichlichen Holzverbrauche
und der Feuergefährlichkeit der kleinen Badestuben. Daneben sollten
durch dieselben die Einkünfte der ehehaften nicht geschmälert werden.
Aus letzterem Grunde erfolgte das erwähnte Verbot im Altenmarkt
(Bayern) 1439[535], ein solches zu Kuppenheim bei Rastatt 1484: „und
daruff so sollent alle kleine badtstuben, die bißheer zu Cupenheim
gewesen sind, abgetan und nyemandt mee, er sy geistlich oder weltlich,
gestattet werden, in den hüsern badtstuben zu haben oder fürter zu
machen, damit Diethrichs Hans und sine erben unser badtstube dester
baß gehalten und den zinß jerlich daruß geben mögend; es were dann,
das ein amptmann zu Cupenheim in sinem huse ein badtstüblin haben
wölt, des solt er macht han allein fur sich und sin gesinde und sust
fur nyemandt mee zu gebruchen ungeverlich“[61]. Ebenso wurde 1440 und
1476 in Görlitz die Badestube nur zum eigenen Gebrauch erlaubt. „Vnd
forder sal nymandis ander lüte weder vor der Stat noch in der Stat
baden denn alleine sich sine kinder vnd gesinde“[202]. 1547 führten die
Lübecker Bader Klage darüber, daß nicht nur der Hausvater und Familie
nebst Gesinde, sondern auch dessen Bekannte bei ihm badeten[16]. Bei
der Verleihung des Bades zu Liebenzell 1498 behielt sich der Lehnsherr
das Recht vor, die „badstüblin“ im Hause nach eigenem Gefallen jemandem
zu gestatten, jedoch sollte es der Betreffende nur für sich selber
brauchen. Im sog. Ried, der Niederung an der Mündung der Murg bei
Rastatt, lagen im 15. Jahrhundert fünf Dörfer (heute noch drei). Diese
hatten zusammen ein „badstublin“. Als 1487 das nahe Iffezheim auf
Bitten der Gemeinde vom Markgrafen Christoph zu Baden ein ehehaftes Bad
erhielt, wurde denen im Ried befohlen, ihr Badstüblein durch den Bader
von Iffezheim wärmen zu lassen oder nach dort zum Bad zu gehen[61].
[Sidenote: _Verbote der Hausbadestuben wegen Feuersgefahr_]
Die Feuergefährlichkeit der Badestübchen tritt häufiger als Grund ihrer
Einschränkung auf. Nach dem klugen und rechtsverständigen Hausvater
war es 1705 jedermann freigegeben, ein Badhäuschen oder Badstübchen
zu erbauen, es durfte jedoch keine Feuersgefahr bringen[567],
weswegen es von der Obrigkeit besichtigt wurde. Dies geschah z.❆B. in
Frankfurt 1478. Trotzdem entstand 1556 von einer „clein batstoben“
aus eine Feuersbrunst[127]. In der Bergstadt S. Marienberg verordnete
man 1540, die Badstüblein jährlich zweimal zu besichtigen, nach der
Stuttgarter Feuerordnung von 1607 sollten sie nur geduldet werden,
wenn der Schornstein gut gebaut und bis übers Dach hinausgeführt
wäre[16]. 1484 veranstalteten Kellner und Rat zu Butzbach in Hessen
einen besonderen Umgang durch die Stadt, um festzustellen, welche
von den Badestuben zu leiden oder nicht zu leiden seien. Im Herbst
1489 sah sich der Rat veranlaßt, eine Anzahl Öfen in den Badestuben
gewaltsam abbrechen zu lassen. 1494 erging an verschiedene, bei einem
vorherigen Umgange aufgezeichnete Bürger der gemessene Ratsbefehl, „die
sorglichen Badstuben abzuthun“. In demselben Jahre hatte aber auch der
Rat eine Badestube in eigenen Betrieb übernommen[194]. Die Görlitzer
Statuten verlangten die „badestoben“ wegen Feuersgefahr zur ebenen
Erde gelegen. 1440 und 1476 wurde verordnet: „Alle badestobin uff den
Estrichin vnd sust empor stehende, sullin gantz abgethon werdin vnd
was sust badestobin sindt ouch wol bewart“[202]. In der Stadt Brieg
wurde 1550 sogar verlangt, daß „alle Badebutten In der Stadt bay den
gemeinen Manne abgestalt werden, welcher aber daruber inn seinem Hause
baden wirt, sol so offte solchs geschicht zur pehn ein margk vorfallen
sein“[16]. 1748 wurde in der Instruktion für bürgerliche Obrigkeit
(Bayern) verboten, „in den Stuben gefährliche Baadel (am Ofen) zu
halten“[46]. Würzburg gestattete 1564 die Privatbäder, doch durfte
niemand Stroh, Heu, Reben, Pfähle, Wolle u.❆s.❆w. in engen Häusern,
auf den Boden und an Orte, wo man feuert, „Bäder machet oder waschet“,
hinlegen[575].
[Sidenote: _Das Bad der Neugeborenen_]
Die alten Germanen sollen ihre Kinder auf einem Schild im Rhein gebadet
haben[151]. Nach der „Kindheit Jesu“ von Kuonrât von Fuozesbrunnen aus
dem 12. Jahrhundert wurde Christus nach der Geburt in einem „vazze“
gebadet[520]. Die heilige Elisabeth (Ende des 13. Jahrhunderts) erhielt
zur Ausstattung eine silberne Badewanne. Die Mutter ließ anfertigen:
„Von silbere lodec wize
Mit druwelichem flize
Deme kinde ein zuberlin,
So es wehes kunde sin,
Da man iz inne mochte
Gebaden wan iz dochte“[224].
In einem „Vasnachtspil vom Münch Berchtolt“ aus dem 15. Jahrhundert
sagt der „Preut Vater“:
„Merk, tochter, was ich dir geben wil!
Ein padschaf und ain wiegen“[12].
[Sidenote: _Temperaturbestimmung des Badewassers mit dem Fuße_]
In der Regel war die Badewanne aus Holz, wie die meisten Abbildungen
zeigen.
„Ein Tennin zuberlin dar inn mans bad
Deck es zů das im der Lufft nit enschad
Vnnd mach ym das Wasser nit zů warme“,
heißt es im Straßburger Gedicht vom Hausrat (1514)[257]. Während
die deutsche Ausgabe von ~Rueff~s Hebammenbuch eine Holzbadewanne
zeigt[251], hat die holländische Übersetzung eine runde, flache
Metallschüssel[576], ebenso eine Darstellung der Geburt der Maria vom
Meister der ~Lyversberg~schen Passion (Abbildung bei ~Schultz~)[210].
Nach den von ~Schultz~ zusammengestellten Schriften aus dem 18.
Jahrhundert wurden die Kinder in einer hölzernen Badewanne oder in
einer kupfernen Bademolde gebadet[422], nach ~Zedler~s Lexikon 1733
Sechswochenkinder in einer kupfernen ovalen oder flach getriebenen
Bademolde. Dieses erwähnt auch den „Badewisch“, eine Decke aus zartem
Stroh, dessen sich die Weiber beim Baden kleiner Kinder bedienen[468].
Auffallend ist, daß die Badewanne stets auf dem Fußboden, nie
auf einer Bank oder einem Tische steht, was vielleicht mit der
Temperaturbestimmung des Wassers zusammenhängt. Auf dem erwähnten Bilde
vom Meister der ~Lyversberg~schen Passion und auf einem vergoldeten
Holzrelief, Geburt der Maria von einem Augsburger Meister (1510–20),
(Abbildung bei ~Bode~)[525], geschieht diese zwar mit der Hand, weit
häufiger aber mit dem Fuße, wie Abb. 60 zeigt. In der Chronica von
Josaphat und Baarlaam von 1477 (Abbildung bei ~Boesch~) hat die das
Königskind badende Frau einen Fuß in den Zuber gesteckt[123], ebenso
auf der Badeszene zu Wigamur in einer Wolfenbütteler Handschrift
von 1477 (Abbildung bei ~Hagen~ und ~Büsching~)[304], und auf dem
Titelbilde zu ~Rösslin~s Rosengarten von 1528 hält die Hebamme beide
Beine in die Wanne[505]. (Siehe auch ~Strigel~, Altarflügel von 1515
bei Janitschek[306]). Textlich wird diese Temperaturbestimmung nur
einmal und zwar von ~Brunssfels~ erwähnt: „So du baden wilt so solt du
das wasser versuchen darinn du baden wilt, vnd sollt die füß darein
setzen, ist es dann das dir die beyn schwitzen, so ist es dir gůt“[47].
Meines Wissens war ~Hufeland~ (1790) der erste, welcher die Bestimmung
der Temperatur mit dem +Bade+thermometer verlangte[518], aber schon
~Rousseau~ empfahl zur genauen Temperaturbestimmung beim Baden der
Kinder das Thermometer[100]. Im Salzburger Antiphonar aus dem 12.
Jahrhundert kommt für das neugeborene Jesuskind eine mit einem Fuß
versehene Badewanne vor, die dem heutigen Taufstein gleicht. Diese Form
ist wohl nicht deutschen Ursprungs; denn die gleiche Darstellung findet
sich auf den Bronzetüren zu St. Paul extra muros in Rom[532]. Das
Baden von mehreren Kindern geschah in der gewöhnlichen großen Badewanne
(Abb. 61).
[Illustration: Abb. 60. Bestimmung der Badetemperatur mit dem Fuße.
Geburt der Maria. Kupfer von Meckenem. 15. Jahrhundert.]
[Illustration: Abb. 61. Kinderwäsche in der Hausbadestube. Kupfer von
J. von Meckenem. 15. Jahrhundert.]
Der Züricher Kalender von 1508 gibt für die Behandlung des Kindes kurz
nach der Geburt folgende Vorschrift[H]:
„Die kind můß ich weschen vnd baden
Zart vnd rein für mengen schaden
Ich bad min kind alle tag
In lawen wasser als ich dir sag
Vnd lan es nit darin ein halb stund
Salb es mit roß öl das ist im gsund
Vnd kratz im alle sin glider
Das rügglin vff vnd nider
Den knaben ist es sunder gůt
Wann es die glider krefften thůt
Man sol trucken dem jungen kind
Sine glider die wil sy weich sind
Als sy sond sin so sy werden alt
Mit weschen rein vnd machen wol gstalt
Den mund, oren vnd nassen klein
Den ars můß man im machen rein“[26].
[Sidenote: _Baden der Kinder in Wein und Bier_]
~Ryff~ sagt, junge Kinder sollen in bequemen Fässern täglich einmal,
höchstens dreimal gebadet werden in süßem Wasser, das im Sommer lau,
im Winter ziemlich warm sei, und nicht länger, bis die Kinder anfangen
über den ganzen Leib „rottfarb“ zu werden[48], auch ~Etschenreutter~
erklärt mit dem Rotwerden der Haut das Bad für beendet[449].
~Metlinger~ in Augsburg empfiehlt 1476, das Kind ein halbes Jahr lang
alle Tage zu baden und zwar im Winter wärmer als im Sommer, die Tochter
wärmer als den Sohn[123]. Nach ~Ryff~ hatten etliche fürwitzige Weiber
in Brauch, die Neugeborenen in recht temperiertem Wein zu baden,
und hielten den dicken roten, rauhen Wein für den besten, was nach
ihm nicht befolgt werden sollte, ebenso die niederländische Sitte,
die Kinder in Bier zu baden[48]. In einem berühmten Hebammenbuche
von Frau ~Bourgeois~, das 1628 und 48 deutsch erschien, wird das
Baden der Kinder in Wasser und Wein empfohlen[577], auch ~Hirzel~
ließ 1784 dem lauen Bad ein wenig Wein zumischen. Er wollte aber die
späteren Bäder immer kälter bis ganz kalt haben[578]. Hier macht sich
schon der Einfluß ~Lockes~ geltend, der 1693 zur Abhärtung der Füße
das kalte Waschen vorschrieb und sagte, die kalten Bäder wirkten
bewunderungswürdig, besonders bei schwächlichen Personen[140].
[Sidenote: _Die Bademuhme_]
Das Baden des Kindes war eine so selbstverständliche Sache, daß ~Caspar
Bauhins~ Schwiegermutter ihrer Tochter bei Anlaß eines Unwohlseins 1582
schrieb, sie hoffe, „eß soll eine gute lebendige kranckheit werden,
daß es veber ein Jahr Jm züberlin pfladern werdt“[521]. Bademoder und
Bademome hieß im Niederdeutschen Hebamme[533], in Hildesheim kommt
1544 Bademöme dafür vor[52], eine Münchener Handschrift hat im 15.
Jahrhundert „Badmueter“[46]. Im Niederdeutschen heißt auch Taufpate
„badegode“[553]. 1526 begehrte Anna, Herzogin zu Mecklenburg, geb.
Markgräfin zu Brandenburg, vom Rat zu Berlin die Zusendung einer
„Bademuhme“[191].
Das Waschen des Herzogs Ludwig von Württemberg hatten unter Obhut der
Mutter die Mägde besorgt, bis im Jahre 1562 die Erziehung Männern
übertragen wurde und damit auch des Leibes Reinigung. Die Instruktion
für den Hofmeister, den Lehrmeister und den Untergehülfen lautet: „Es
soll auch der Jung fürst, In 14 tagen Einmahl zue Morgens vor dem
essen, schwaißbaden, unnd allwegen Hofmaister, oder Präceptor, unndt
der Jung Maister Conradt Bausch, auch mit Ime baden, sonnst alle acht
tage soll Ime der Kopf gewäschen werden, durch gemellten Conradten, mit
der laugen, wie Ime der Jungen frewlein Hofmaisterin ordnen wurdet.
Das haar soll Ime durch gedachten Conradten, doch annderer Zeit nicht,
dann im zunemenden Mon, unnd ußerwellten Zaichen beschnitten werden.“
Wenn von nöten, sollte Meister Conrad Bausch auch den Kopf und die Füße
waschen[579]. Als Hans Christoph von Venningen 1582 als Hofmeister
des acht Jahre alten Kurprinzen Friedrich von der Pfalz angestellt
wurde, schrieb ihm der Kurfürst nach Angabe des Dr. ~Strupp~ in seiner
Bestallung vor: „Er soll auch daran seyn, daß vnser Sohn vnd andere
ihm zugeordnete Knaben jederzeit am Haubt oder Leib durch die Balbirer
vnd Bader der Gebür mundirt werden“. Im selben Jahre heißt es in einer
Ordnung für die Hofmeisterin von Fräulein Christine, Pfalzgräfin,
des Herzogs Friedrich Schwester, „die nötige vnschädliche Säuberung
des Haubts, Füßen vnd ganzen Leibs wird gegenwärtige Hofmeisterin
wohl wissen, sonderlich auf die Sonnabend nützlichen ahnzustellen.
... Solche des Leibs Badungen aber sollen nit nüchtern, sondern vmb
Vesper-Zeit, auch nit in Schweiß- sondern Wasserbäden wegen ihrer
truckhenen Natur vnd Complexion geschehen“[583].
[Sidenote: _Die Kinder in der öffentlichen Badestube_]
Aus diesen Anweisungen geht hervor, daß auch Kinder Schweißbäder
nahmen. Auf einem Konstanzer Wandgemälde aus den ersten Dezennien
des 14. Jahrhunderts ist dies dargestellt (Abb. 86), ebenso auf
mehreren Bildern ~Beham~s (z.❆B. Abb. 40). Aber auch zum Wasserbade
nahm man Kinder mit in die Badestube (Abb. 36). Für den Besuch der
öffentlichen Badestuben durch Kinder sprechen viele Badetaxen, in der
von Gerolzhofen in Franken aus dem Jahre 1557 sind sogar Kinder, die
man ins Bad trägt, berücksichtigt[239]. Die Bamberger Baderordnung
von 1480 verbot Sechswöchnerinnen und saugenden Kindern den Zutritt
zur Badestube[144]. Nach der Nabburger Schulmeisterordnung von 1480
sollten die Schulkinder am Mittwoch ins Bad gehen, weil die Bäder am
Samstag von Erwachsenen zu sehr besetzt seien[46]. Die Ordnung der
Fürstenschule von Meißen aus dem Jahre 1580, welche das Baden im Flusse
wegen Gefährlichkeit untersagte, schrieb vor, den Knaben einen Mittwoch
um den anderen die Badestube zu heizen. Am dazwischenliegenden Mittwoch
wurden die Köpfe durch den Bader gewaschen und die Haare geschnitten.
Überdies war eine Frau angestellt, um den Kindern zu den Häuptern zu
sehen, und so es vonnöten, sie zu reinigen[118].
[Sidenote: _Das kalte Bad der Juden_]
Eine besondere Berücksichtigung verlangen die Bäder der Juden. Nach
~Preuss~ schreibt der jüdische Ritus den Frauen vor, den Zustand der
„Unreinheit“ durch ein Bad zu beseitigen, sei er durch eine Blutung
aus den Genitalien auf physiologischer (Menstruation, Wochenbett) oder
krankhafter Grundlage hervorgerufen. Der ganze Leib muß sich zu diesem
Zwecke im Wasserbad befinden, d.❆h. jede Stelle der Körperoberfläche
mit dem Wasser in Berührung kommen (Abb. 64). Dieses kalte Tauchbad
soll in „lebendigem Wasser“, das sich aus Quellen ergießt, genommen
werden, das durch ein Rohr in ein Bassin geleitet werden kann. Es
ist unzulässig in einer Wanne zu baden. Da Quellwasser nicht überall
vorhanden ist, verwendet man als Ersatz auch Regenwasser. Die jüdischen
Gemeinden haben fast durchweg Bassins dafür angelegt, deren Inhalt
durch Zuschütten von heißem Wasser erwärmt wird. Vor dem Tauchbad nimmt
man ein warmes Reinigungsbad[522]. Die zahlreichen Abbildungen von
Bathseba und Susanna im Bade, die vielleicht auch ein gewöhnliches Bad
nach orientalischer Sitte darstellen, zeigen stets ein unter freiem
Himmel gelegenes Bassinbad (Abb. 62).
[Illustration: Abb. 62. Bathseba im Bad von David beobachtet. Kpfr. von
~Jakob Binck~. 16. Jahrhundert.]
[Sidenote: _Die kalten Judenbäder zu Speier und Friedberg_]
Als rituelle Bäder haben wohl die meisten bei den Judenschulen
(Synagogen) angelegten zu gelten. Sie führten den Namen „Judenpitz,
puteus Judeorum, lapis lavationis Judeorum (Cöln)“[580]. In Karlsbad
ließ Kaiserin Maria Theresia 1762 ein neues Badehaus errichten, das den
Mühl-, Neu- und teilweise auch den Garten-, späteren Theresienbrunnen
aufnahm und neben fünf Badezimmern, einem Tropfbade auch eine
„Judentauche“ für Judenfrauen enthielt[347]. Das älteste Frankfurter
Judenbad, das urkundlich 1323 zuerst erwähnt wird, lag der Judenschule
gegenüber und diente nur zu kalten Bädern[127]. In Mainz war mit dem
Bad eine Judenherberge verbunden, „die Herberg im kalten Bad“[205],
die aus zwei Häusern bestand. Im 15. Jahrhundert war es das einzige
Judenbad bei der Stadt[581]. Zwei hierher gehörige, architektonisch
bedeutende Judenbäder aus alter Zeit haben sich bis heute wohl wegen
ihrer unterirdischen Lage trotz Judenverfolgungen erhalten. Das eine
liegt in Speier nahe bei der Judenbadgasse und stammt aus romanischer
Zeit (12. Jahrhundert). Eine Treppe führt zum Wasserspiegel hinab, der
5 m unter der Erde liegt[523]. Das Judenbad zu Friedberg in Hessen ist
ein gotisches Tiefbauwerk aus der Mitte des 13. Jahrhunderts (Abb.
63). Urkundlich wird es 1350 zuerst erwähnt, als es samt Judenschule,
allen Judenhäusern und Hofstetten verkauft wurde. Der Wasserspiegel
liegt ca. 30 m tief, der mittlere Wärmegrad ist 6°R. Heute wird
es fälschlicherweise das Römerbad genannt. 1856 erkannte es Dr.
~Dieffenbach~ als Judenbad[524]; die im Innern an einigen Stellen
angebrachten hebräischen Inschriften legen Zeugnis dafür ab[319].
Übrigens war es ~Zeiller~ 1655 als solches bekannt und nach ihm noch in
Gebrauch. Es lag in der Judengasse und ist ein „wunderbarlich weiter
Brunn, sehr künstlich, vnd sonder Zweiffel, mit großer Gefahr, vnd
Kosten, erbauet. Dann der Brunn ist rund, vnd hat 84 steinerne Staffeln
biß auff das Wasser, vnd 13 oder 14 vngefährlich in das Wasser hinab;
ist bogenweiß also geschlossen, daß man, von oben herab, biß zum
Wasser, und wieder hinauff, steigen kann“. Nach ihm haben die Juden den
Brunnen um eine Summe Geldes erstanden[83].
[Illustration: Abb. 63. Das Judenbad zu Friedberg in Oberhessen aus der
Mitte des 13. Jahrhunderts. Nach ~Kratz~.]
[Sidenote: _Beaufsichtigung der Kellerquellenbäder_]
In kleinen Gemeinden entbehrten die Bäder nicht nur jeden Schmuck,
sondern waren recht oft in einem derartig unhygienischen Zustande, daß
~Mombert~ 1830 für ihre Abschaffung eintrat[582]. Später kamen die
Bäder in Bayern unter bezirksärztliche Kontrolle. In den ersten Bänden
der Balneologischen Zeitung wird z.❆B. 1856 und 57 berichtet: „Die in
Mittelfranken existierenden Kellerquellenbäder der Juden entsprechen
durchaus der Gesundheitspolizei“ oder „Die Kellerquellenbäder der
jüdischen Gemeinden sind zweckmäßig und zur Erwärmung des Wassers
eingerichtet. In Schwabach wurde das alte schlechte Kellerbad durch ein
neuaufgebautes ersetzt“[I].
[Illustration: Abb. 64. Judenbad. _a_ das warme, _b_ das kalte Bad.
Kpfr. aus: ~T. C. Kirchner~, Jüdisches Ceremoniel. Nürnberg 1726.]
[Sidenote: _Die Badestuben der Juden_]
Neben den kalten Judenbädern finden sich solche, die den öffentlichen
Badestuben entsprechen, „rechte Bäder“, wie sie die Frankfurter
Juden 1460 selbst nennen[133] (Abb.64). Das Wiener Konzil hatte im
Jahr 1267 den Juden das Benutzen der christlichen Badestuben[16],
König Wenzel sogar das Betreten der Bader Behausung[286] verboten,
das Konzil zu Freising 1440 das Zusammenbaden von Juden und
Christen[144]. Nach den Nürnberger Polizeiordnungen des 13. und 14.
Jahrhunderts sollte kein Christ in der Judenbadstube baden und die
Juden in der eigenen[201]. Ein gleiches Gesetz erließ Augsburg 1276.
Infolgedessen wurde 1290 den Juden auf ihre große Bitte erlaubt „ein
badhous zu machen des Haerpheres house und des spitals badhouse“. Auch
das christliche Gesinde der Juden hatte dort zu baden und nicht in
anderen Badstuben[541]. München verfügte in der ersten Hälfte des 14.
Jahrhunderts, es solle wie zu Augsburg gehalten werden[203].
In Nürnberg verlegten die Juden schon 1349 die Badestube in ihr neues
Schlachthaus zur weißen Krone in der Judengasse. Sie hatten vorher das
Zottenbergerbad, eines der ältesten Bäder Nürnbergs benutzt[195]. Die
Badestube „Wunderburg“ in Wien hatte 1314 ein Jude Liebmann inne. 1385
kaufte die Judengemeinde daselbst von Ulrich Pader eine Badestube[16].
Von 1416–1447 wird das Judenbad zu Hildesheim mehrfach genannt. 1443
wurden Juden mit 2½ ℔ 3 Schillingen und 4 Pfennigen bestraft, weil sie
„auf den heiligen Tag“ gebadet hatten[52]. In Speier wird 1340 „der
Juden Badstobe“ erwähnt[273], eine „stupa balnearis judeorum“ im 14.
Jahrhundert zu Bamberg, in Erfurt im Mittelalter ein Judenbad[16], 1449
ein solches zu Görlitz[202].
Die Konzilbeschlüsse, welche den Christen gemeinsames Baden mit
den Juden verboten, wurden, wie aus der Nürnberger Polizeiordnung
hervorgeht, nicht gehalten. In Frankfurt badeten die Juden bis etwa zum
Jahre 1450 in allen öffentlichen Badestuben mit den Christen vermischt,
und niemand nahm Anstoß daran. Erst um jene Zeit, als das Volk auch
hier angefangen hatte, sie zu mißhandeln, wurde ihnen nur eine
öffentliche Badestube, die obere in Sachsenhausen (1348 zuerst erwähnt)
zu besuchen erlaubt. In einer Bittschrift der Frankfurter Juden kommt
unter anderem vor: „Als vormals, davon vns nit czwifelt uwerer wißheit
wissentlich sin mag, die Jutscheit czu Franckfurt myt dem Christenen
volcke, wo vnd welich zit iglichem eben was, czu bade ginge, han vnsere
herren der Raidt czu der czit im besten der Jutscheyt ein badestobe,
nemlich die czu Sassenhusen, czubescheyden vßgesundert vnd darinne
czugeen bevolhen, das auch also bißhere gehalten ist, wir vns auch
darinne vnd myt den Christen czuchtlich vnd schicklich gehalten vnd
verdragen han.“ Schon 1444 verfügte der Rat: „Die Juden lassen baden
uff die frytage, obe sie wollen; wil sie aber der beder uff ander tage
baden, das moge er tun oder nit, oder sie in Meyne lassen czum kalden
bade geen.“ Manchmal aber verweigerten die Bader oder die Besitzer der
oberen Badestube zu Sachsenhausen den Juden überhaupt den Zutritt.
Im Jahre 1491 ersuchte der Rat Claus von Rückingen, daß er, „wo er
mit fugen moge, die Judescheit in der batstoben zu Sassenhusen baden
laiße“. Diese Bitte ward jedoch nicht erfüllt, und der Rat beschloß
infolgedessen, eine besondere jüdische Badestube in der Judengasse
erbauen zu lassen[127]. Die Juden von Frankfurt müssen aber doch
schon vor dieser Zeit eine eigene Badestube gehabt haben, wenn sie
auch die christlichen besuchten. Als auf kaiserlichen Befehl die der
Judengemeinde gehörigen Häuser, die bei der Pfarrkirche des Stifts
S. Bartholomäus lagen, weggerissen werden sollten, wurden die Juden
1460 beim Rat vorstellig: „vnd sulichs als jne vnser Schule ist, auch
eynß Kalden Baddes vnd Buwe darzu vnder der Erden, das müssen wir
Nachts gebruchen vnd nit zu dem Meyn komen känen, mogen wir auch mit
nit entpheren, auch eynß rechten Badß des wir daher auch jne bresten
gewest sin, vnd vnsere Herre fast darume angelegen han, vnß eyn Bat zu
bestellen, oder uff das Ende uwer Ersamkeit vnß gegünt, vnd geheyschen
han, wir sullen selbst eynß buwen, wir haben doch Fleckens genonck
vnd wie dann solches geluydet hait; Also gnedigen lieben Herrn han
wir eynß gebuwet, vnd schwerlich vnd großen Kosten dran gewant.“ Als
der Rat von Frankfurt der Judengemeinde ihre Häuser auf seine Kosten
in der Judengasse wieder aufbaute, da wurde 1461 in der Baurechnung
verzeichnet: „Heile dem Cleiber, von dem Gehäuse da das kalde Bad
insteet, zu stecken, zu cleiben und zu binden XVII. ℔. VIII. ß“[133].
Eine Badestube wird nicht erwähnt.
[Sidenote: _Die Juden in den Mineralbädern_]
Auch in den Mineralbädern badeten die Juden abgesondert. Töplitz hatte
1706 zwei Judenbäder[81]. In Baden bei Wien lag das Judenbad 1649 vor
dem Städtlein und wurde vom „Abfall“ gespeist[371]. 1734 mußten die
Juden doppelte Taxe bezahlen[499]. In Baden (Aargau) hatten die kleinen
Bäder 1790 ein Judenbad[424], in Schinznach wohnten um die gleiche Zeit
die armen Juden abgesondert im „Judenhüttchen“, reiche nahmen eigene
Zimmer unter den anderen Gästen, kochten und aßen aber für sich[421].
[A] Diese Mitteilung verdanke ich Herrn Professor ~Weber~ in Jena.
[B] Die Nachricht darüber verdanke ich Herrn Dr. ~Hampe~.
[C] Nach einer Abbildung in ~Ryff~s Vitruv von 1575[466] waren die
metallenen Badewannen aus großen Blechstücken zusammengenietet.
[D] Dabei kann Badschild außerdem die Badewanne bedeuten, wie
Badestube das Badehaus, die Stube selbst und auch das Gefäß, in dem
man badete, bezeichnet.
[E] Die in Abb. 34, 53 und 54 wiedergegebenen Apparate finden sich
in mehreren Büchern des Egenolfschen Verlages, namentlich in ~Ryff~s
großer Chirurgie.
[F] Diese Stelle stützt die Ansicht ~Heyne~s, daß die Italiener das
Wort Stufa aus dem Deutschen entlehnt haben[3]. Auch ~Faloppius~
(1523–62) aus Modena sagt — nach der deutschen Übersetzung von
~Bauhin~s Buch über das Bad von ~Boll~ 1602 —, daß die in Italien
vorkommenden großen Bäder voller warmer Dämpfe (über den heißen
Quellen, die heute noch Stufen heißen) von den neuen Skribenten
Stufen genannt werden[331].
[G] Der Striegel wird textlich nur noch einmal erwähnt. Im Höllenbad
von ~Hans Sachs~ „thet man mit scharpffen strigeln krawen“[29].
Krauen, das heute am besten durch „krabbeln“ wiedergegeben wird,
war ein erhöhter Grad von Reiben, das sich bis zum Kratzen steigern
konnte und im Schwitzbade stattfand. Aber auffallenderweise ist
auf keinem Schweißbadbilde ein Striegel zu finden. Er kommt
öfters und zwar in der auf Abb. 59 angegebenen Gestalt, aber
nur bei Wasserbädern vor, z.❆B. auf dem Titelblatt zu ~Murner~s
Badenfahrt[6], dem zum Buche ~Etschenreutter~s über Mineralbäder
(Abb. 101)[449], dem zu ~Phries~’ Wildbädern (Abb. 117)[429], auf
dem Männerbade ~Dürer~s (Abb. 138) und einem Mineralbadbilde in
~Münster~s Cosmographey (Abb. 111)[351].
[H] Der schwangeren Frau rät der Kalender nicht zu baden.
„Doch so ist eß inen gůt vnd gesundt
Wenn der hinderst monat kunt
Denn sol ein bad syn gemacht
Von ypschen bappelen ge schlacht
Beren klawen vnd vyol krut
Sy da by mit sunder trut
Wenig sol sy darin schwitzen
Vnd zelang nit darin sitzen
Das sy ein omacht köme an
Wenn sy den vß dem bad wil gan
So sol man sy den salben
Mit öle allenthalben
Das von vyol sy gemacht
Oder populeon geschlacht
Nach dem bad sond sy geflissen sin
Mit essen vnd trincken gůten win.“
[I] Ich halte ein bei Pyrmont gelegenes Bad, das von Schriftstellern
des 18. Jahrhunderts beschrieben wird, aber nicht erklärt werden
konnte[394, 381], für ein rituelles Judenbad. Für Pyrmont fiel auf,
daß es mit gewöhnlichem Wasser versorgt wurde. Es war ein altes
(schon 1706) Gewölbe, oben mit Moos und Hecken überwachsen, das die
Einwohner den Eichenkeller nach den auf dem Hügel stehenden alten
Eichen nannte. Die Länge desselben betrug 60, die Höhe 7, die Breite
auf Handhöhe beim Eingang 9, weiter hinten 5 Schuh. Oben war es noch
enger. Wegen Erde und Schlamm konnte man die Tiefe des Wassers nicht
messen, das aus 4 in den Berg getriebenen Löchern hervorquoll. Zu
beiden Seiten waren gemauerte Absätze angebracht, die man für Bänke
hielt, wohl aber doch die Stufen zum hinabsteigen waren. Der Ausfluß
des Wassers geschah durch ein Loch, das leicht zugestopft werden
konnte. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts benutzten die Einwohner von
Pyrmont den Keller zum Aufbewahren von Milch während des Sommers.
DIE VORGÄNGE IN DEN ÖFFENTLICHEN BADESTUBEN
[Illustration: Abb. 65. Bademägde. Deutsche Wenzelbibel. Anfang des 15.
Jahrh. Nach von ~Schlosser~.]
Unter den älteren Schilderungen der Vorgänge in der Badestube ist die
eingehendste im Seifried Helbling[214], einem Gedicht aus dem Ende des
13. Jahrhunderts enthalten, das Wiener Badegebräuche beschreibt.
„‚Sit nû diu frâge ist volbrâht,
sô hân ich eines mir gedâht,
daz nâch unmuoze niht schat:
ob bereit sî daz bat,
des nim war frumer kneht.‘
‚herr, ir welt wol und reht.
ob ich dâ bî die wârheit kies?
ich hôrte, daz der bader blies
und sach mit niugebürstem hâr
barfüez ân gürtel slîchen dar
unser nâchgebûren drî:
dâ kius ich die wârheit bî.‘
‘ich wil dar, wol dan nâch mir!
nim mîn badhemd mit dir.‘“
[Sidenote: _Ankündigung des Bades_]
„Ich hôrte, daz der bader blies“, versichert der Knecht seinem Herrn
als Zeichen, daß das Bad bereitet ist. Auch in späteren Zeiten
bestand diese Sitte noch. ~Thomas Murner~ sagt in seiner Badenfahrt
(1514): „Got hat vns selb ins bad geblasen“, und auf dem zugehörigen
Bilde bläst Christus auf einer Posaune zum Fenster hinaus[6]. In
der Schweiz hat sich das „in’s Bädli blasen“ oder „gugen“[557] bis
in die neueste Zeit erhalten. Im Tale von Pfäffikon (Kt. Zürich)
blies der Bäcker (siehe S. 112) noch 1866 ein Horn zum Zeichen, daß
die Badestube bezogen werden könne[529]. Der Brauch bestand auch in
Zell[557], in Stegen bei Wetzikon (Mitteilung von ~Ferdinand Keller~ an
~Meyer-Ahrens~) und in einzelnen Ortschaften der Kantone Thurgau und
St. Gallen. Der Bäcker verließ sogar sein Haus und machte auf einem
großen Horn (Ochsenhorn) blasend die Runde, um auch die Bewohner der
umliegenden Ortschaften zum Bad zu blasen (noch 1871)[564].
„Wir wöllend auch das unnötige Badrüeffen am h. Wienacht Abend
verboten haben“, lautet ein Züricher Mandat von 1636 und ähnlich eins
von 1650. In Beromünster (Kt. Luzern) wurde die Badestunde in Versen
angezeigt: „Giri giri Geiss, euses Bad ist heiss; wer will baden,
ist früntlich ing’laden!“ Ein ähnlicher Ruf ertönte im Einsiedeler
Gebiete: „Giri giri Geiss, ’s Bad ist heiss; wer will schräpfen und
z’ Oder lon, sell zuem runden Turen (Turm) in’s Badhus chon“![557].
Auch in einem hochdeutschen Baderufe kommt 1606 die Ziege vor: „Bock,
Bock, Bock, Geiß, ich lauf, daß ich schweiß, kommt her, die Badstub ist
sehr heiß“![437]. Fast unglaublich klingt folgende Badeankündigung,
die Antistes ~Rudolf Stumpf~ in seiner Lebensbeschreibung erzählt:
„Es hat sich A. 1567 am Pfingsttag in der Kirche zu Kilchberg (bei
Zürich, wo Stumpf damals Pfarrer gewesen) begeben, daß Jung-Hans ab
Egg, von Rüschlikon, Wirth im Nydelbad, während der H. Communion
vor dem Tisch des Herrn offentlich ausgeruffen: „Wer im Nydelbad
baden, Lan (Aderlassen), oder Schräpfen wolle, solle auf Morn am
Pfingst-Montag ins Nydelbad kommen“[551]. In der deutschen Bearbeitung
des griechischen Romans vom König Apollonius von Tyrus durch ~Heinrich
Steinhövel~ von Wil, „Doctor der Arcni“, vom Jahre 1461 lautet der
Baderuf:
„Hört reich vnd arm
Das bad ist warm
Wer sich wöll waschen vnd salben
Am hobt vnd allenthalben
Er sey herr, Knecht, frow, oder man
Dem wirt gewarttet schon“[A].
Nach ~Hans Sachs~[29] (1553) hörte Apollonius „mit eim beck ein knaben
klopfen an das bad“[B]. Sachs bringt den Baderuf nicht, hat aber die
Beschreibung des Baderhandwerks in seinen Ständen[208] als solchen
gefaßt:
„Wolher ins Bad Reich vnde Arm,
Das ist jetzund geheitzet warm,
Mit wolschmacker Laug man euch wescht,
Denn auff die Oberbanck euch setzt,
Erschwitzt, denn werdt jr zwagen vnd gribn,
Mit Lassn das vbrig Blut außtriebn,
Denn mit dem Wannenbad erfreuwt,
Darnach geschorn vnd abgefleht“[C].
[Sidenote: _Aushängezeichen der Bader_]
Nach ~Zinken~s Allgemeinem ökonomischen Lexikon (Leipzig) ging 1740
an den Tagen, an welchen das Bad geheizt wurde, ein Junge durch die
Gassen, auf ein „messigen Becken mit einem kleppel schlagend“, in
Eger wurde im 18. Jahrhundert in den Straßen eine kupferne Pfanne
angeschlagen und ausgerufen, daß das Bad bereitet sei[16]. ~Wildvogel~
sagt 1754, daß zur Zeit nach allgemeiner Sitte am Tage, an dem das
Bad bereitet, jemand durch die Straßen der Stadt läuft und auf einem
messingernen oder eisernen Becken oder mit einem hölzernen Instrumente
einen Ton hervorruft und so das Bad öffentlich anzeigt[242]. Schon im
Ring heißt es von Gunterfay, dem Spielmann:
„Und cham her aus gestoben
Gerumpelt und geflogen
Mit seinem bekkin, daz war new.
Bertschi sprach: Nu plew und plew
Und lass uns heynt hofieren! ...
Uber al daz bekk erschal,
Daz es erchnal in perg und tal.“
Diese Beckenmusik, die ein Ständchen vor Tagesanbruch darstellen
sollte, wird auffallenderweise gleich darauf als Pfeifen bezeichnet. Es
fand wohl beides zusammen statt.
„Wes schlaist uns heint mit deinem pfeyffen?
Wilt, daz wir dir dhant derstrichen?
Des antwurt in der Schollentrit:
Lieben herren, zürnet nicht!
Mich dunkt, er hab ins pad gschlagen,
Wier schüllen uns da hin dertraben.
Schollentritten glaubt man do,
Yederman der ward so fro,
Daz er also zsteite
Sich huob von seinem beite
Wen seu pey allen iren tagen
Häiss pad chonden nie gehaben“[230].
[Illustration: Abb. 66. Inneres einer Badestube. ~Philipp von
Allendorf~, Der Juden Badstub. Titelholzschnitt. 1535.]
Die im Morgenschlaf gestörten Bauern lassen sich also durch die Angabe
beruhigen, der Spielmann habe ins Bad geschlagen, worauf sie sich von
ihren Betten erheben und dem Bade zueilen.
Mir scheint fast, daß die Aushängezeichen der Bader wegen ihrer
Vergänglichkeit nur an den Badetagen — wie die Aderlaßbinde an
den Aderlaßtagen — ausgehängt wurden. In Zerbst war dies 1620 ein
weißes Laken[242], in Abbildungen zu ~Murner~s Badenfahrt[6] und zu
~Allendorf~s Judenbadestube[234] ein Badehut mit darunter hängendem
Badewedel (Abb. 66).
[Sidenote: _Bekleidung beim Gang zum Bade_]
Helbling geht als Ritter angekleidet zum Bad und läßt vom Knecht das
Badhemd nachtragen. 1227 mußte für Ulrich von Liechtenstein dessen
Kämmerer das „badgewant“ aus der Herberge holen[268]. Das Nachtragen
der Badewäsche durch den Diener ist auf einer Abbildung von Aachen
aus dem Jahre 1727 zu sehen[410]. Arme Leute ließen an Kleidung
möglichst viel daheim — barfuß und ohne Gürtel kommen bei ~Helbling~
die Nachbarn —, und noch 1610 wendet sich ~Guarinonius~ an die
steierischen Stadtrichter und Bürgermeister: „Besinn dich, ob du
nicht bißher gesehen hat, vnd alle Wochen noch sihest, daß deine wol
erzogne Burger vnd Burgerinen, sich in jhren Häusern entblößen, vnd
also nackend vber die offentliche Gassen, biß zum Bad- oder Schandhauß
vor aller fürgehenden Augen gehen dörffen? Ja damit dise lustige Zucht
nicht abgehe, auch jhre junge Knaben vnd Töchter fein zeitlich darzu
abrichten, damit sie fein früe, die Geschämigkeit verlieren ... Wie
vil mal sihe ich (ich nenn darumb die Stadt nicht) die Mägdlein von
10. 12. 14. 16. vnd 18. Jaren gantz entblößt, vnnd allein mit einem
kurtzen leinen offt schleussigen vnd zerrißnen Badmantel, oder wie
mans hier zu Land nennt mit einer Badehr allein vornen bedeckt, vnd
hinden vmb den Rucken, Dieher vnnd Füssen offen, vnd die ein Hand
mit gebür in dem Hindern haltend, von jhrem Hauß auß, vber die lang
Gassen, bey mitten tag, biß zum Bad lauffen? Wie vil laufft neben
jhnen die gantz entblößten zehen — zwölff — virtzehen vnd sechtzehen
järigen Knaben her, vnd begleit das erbar Gesindel einander ins Schand
vnd Wüsthauß hinein? Ja wie vil mal laufft der Vatter bloß von Hauß
mit einem eintzgen Niderwad (Badehose) vber die Gassen, sambt seinem
entblößten Weib vnd blossen Kindern, dem Bad zu?“[134] König Pipin
ging in Aachen nur mit Schuhen und Hemd angetan und dem Schwerte zum
Bade[15], und in dieser Tracht verläßt ein Mann auf dem Bilde der
Heidelberger Sachsenspiegelhandschrift die Badestube; das Badelaken
ist weiß, bedeckt den Körper und ist über den Kopf geschlagen[552]
(Abb. 67). Als 1490 die Augsburger zum Kampf auszogen, waren etliche in
langen Badhemden darunter, „als ob sie in das bad wollten gan“[280].
In Hildesheim mußte der Bader im Mittelalter Sorge tragen, daß niemand
nackt über die Straße ging, dort herumstände und säße[52].
[Illustration: Abb. 67. Badestube. Zeichnung aus dem Heidelberger
Sachsenspiegel. Handschr. 13. Jahrh. Nach ~Batt~, von ~Babo~.]
~Zappert~ glaubt, daß die geringe Bekleidung beim Gang zum Bade
neben Bequemlichkeitsrücksichten durch Mißtrauen gegen Badediebe
veranlaßt wurde[16][D]. Schon der Sachsenspiegel (13. Jahrhundert)
berücksichtigt die Verwechselung von Schwert, Kleid, Becken oder
Schermesser in der Badestube[213]. Die Bilderhandschriften fassen
Kleid als Badekleid (Abb. 67 u. 68) auf. Im Hamburger und im Bremer
Stadtrecht aus dem Ende des 13. Jahrhunderts wird dagegen neben dem
Kleid (das hier also die gewöhnliche Bekleidung bedeutet) noch das
Badelaken besonders genannt[16].
[Illustration: Abb. 68. Badestube. Kolorierte Zeichnung aus dem
Wolfenbütteler Sachsenspiegel. Handschrift. 14. Jahrh.[E].]
[Sidenote: _Die Abziehstuben und die Kleiderhüter_]
Größere Badestuben hatten zum Ablegen der Kleider einen besonderen
Raum, die Abziehstube, welche in Zürich nach dem Aufbewahren, dem
Hüten der Kleider, Hütstube (1529 und früher) hieß[243]. „Badhieter“
kommen neben Reibern und Schröpfern in Ulm 1346 als Mitglieder des
Baderhandwerks vor[73]. Nach der Durlacher Ordnung von 1536 hatte
die „Reybermagt“ reiche und arme Gäste „gutlich und tugentlich“
zu empfangen und alles, was ihr zu versorgen befohlen, getreulich
aufzuheben und zu verwahren. Der Bader sollte seinem Weib, den Knechten
und allem Gesinde befehlen und sie anhalten, das von den Badgästen
zum Aufbewahren Gegebene auf ihr Fordern nach dem Bad unmangelhaft
zurückzugeben[219]. In Breslau hatte der Rat 1582 viele Klagen und
Beschwerden wegen Verwechselung und Entwendung von Kleidern in den
gemeinen Badestuben zu hören bekommen, die nach Ansicht der Betroffenen
auf Unfleiß und Nachlässigkeit der Hüter zurückzuführen waren.
Verordnet wurde daraufhin, daß in Zukunft Hüter und Aufseher im Männer-
und Frauengemach nur dann verantwortlich wären, wenn die Kleider ihnen
übergeben und auch die Gebühren dafür bezahlt worden seien[242]. Eine
ähnliche Verordnung hatte München schon 1437: „Swer ze pad lonet
(bezahlt), swaz der selb und sein hausfrau und sein hausgesind ze
pad verliesent, daz süllen die gewanthütterinn gelten“. Nach einem
Zusatz von 1392 war der Bader haftbar, wenn der Aufseher nicht zahlen
konnte[203]. In Würzburg beschloß der Rat 1459, daß die Bader alles und
nur das zu ersetzen hätten, was ihnen während des Badens anvertraut
würde, was sie allen Leuten mitteilen sollten. 1509 wird in Würzburg
eine alte und kranke Magd und „Aufheberin“ in der Badestube zum Becken
erwähnt[144]. Nach des Teufels Netz war der Hüterin, die es als
Trinkerin bezeichnet, nicht sehr zu trauen:
„Trait ainr pfenning in das bad
Da möcht im wohl beschehen schad;
Er git ir das zuo kalten
Und lat es got walten.
Villicht vint er minder denn vor.
Er ist sicher ain rechter tor,
Der pfenning in das bad treit,
Es wirt im sicherlichen leid“[241].
Mehr scherzhaft sagt ~Hans Sachs~ 1538 vom „lörles pad“ (Narrenbad):
„Da ging ich aus dem pad gar spet
sauber vnd new gewaschen,
der pader spilet in dem pret,
die fraw dranck aus der flaschen.
als ich grieff in mein daschen,
da war sie mir geraumbt,
im lörles pad ich nit saumpt,
darein ich nit mer kumb“[337].
[Sidenote: _Seifried Helblings Schilderung des Bades_]
~Helbling~ fährt fort:
„als ich zuo dem badhûs kam,
der kneht von mir nam
daz gewant und leit ez hin:
ze dienste het er guoten sin.
er sprach: ‚nu her ân allen tadel
einen frischen niuwen wadel,
hinden wol gebunden!‘
‚den hân ich schiere funden‘,
sprach der wirt und gap uns vier;
dar ûz nâm die besten wir,
als ich in die stuben gie,
das badvolk mich wol enphie.
sie heten unverdrozzen
die diln wol begozzen,
gewaschen schôn die benke.
ein wibel vil gelenke
nam mîn dâ mit dienste war.
sie truoc mit bat ein scheffel dar,
weder ze kalt noch ze warm,
sie streich mir rücke, bein und arm
als eim wetloufaere.
dô sprach min kneht gewaere:
‚mich juckent arm und diu bein,
nu dar! zwei scheffel an die stein,
dâ wir nâch erswitzen!
macht vinster, dâ wir sitzen,
daz wir die wedel swingen!
lât an dem oven klingen
zwên würfe mêr, die krachen!‘
des begund ich lachen
in der vinsternüsse,
ich traf ouch, dâ daz küsse
scheidet mich und die bank.
ich sprach: ‚geselle, nû hab dank
diser gramazin.
durch den willen mîn
bit noch zwên würfe werfen dar.‘
des wart der badaer gewar;
er sprach: ‚seht dar einez!‘
(das was niht ein kleinez)
‚seht dar einz und aber mêr,
dâ mit ich den herren êr!
seht einz durch des knehtes willen!‘
dô muost ich ûf die dillen.
‚nû dar nâch, badliute reht,
ze mînem herren!‘ sprach der kneht,
‚lât iuch niht bedriezen.
riben und begiezen
füeget nâch der lecke wol.
guot louge man gewinnen sol
lûter und lieht gevar.
ein badwîbel füeg sich dar,
diu wol künne dwahen,
des êrsten niht gâhen,
mit langen umbesweifen,
wie gist in der seifen
der kamerwîp gebende;
alsô lât iuwer hende
in der gist dar strîchen.
ze leste nemt einclîchen
der loug ie mêr unde mêr,
sô tuot daz jesen widerkêr.
nû dar, her scheraer,
strîchet scharsach unde schaer,
ebent hâr und scheret bart!‘
ich sprach: ‚geselle, wol mich wart
dîner grozen sinne!
würd dîn der herzog inne,
er lieze dich mir nimmer.
nû wil ich helen immer,
wie dîn name sî genant,
daz dû im sîst unerkant.‘
dô iz allez geschach,
min kneht stuont dar nâch,
dô saz ich ûf die fürbank.
ich sprach: ‚geselle nû hab dank,
ginc her unde knie für mich.
ich wil ouch bewîsen dich,
wâ dû mir bist ungezesem;
’ie lieber kneht, ie groezer besem,
daz muoz an dir werden schîn.‘
dô wart durch den willen mîn
ein besem mir gereichet,
der was wol erweichet
die wîl in einem heizen bad ....
der kneht stuont ûf, im was endank,
ich rûmt ouch die selben bank,
dâ ich was gesezzen.
mîn wart niht vergessen,
begozzen wart ich vor der tür.
dâ was mir gerihtet für
ein bett, als ich wolde,
dâ ich ruowen solde.
als ich geruote, zehant
der kneht reichte mir daz gwant;
ich leit mich an vil schône.
die badliut nâch ir lône
dienten; des wart in gegeben:
‚herr, got lâz iuch lange leben,
der aller ding wol lônen kan!‘
sprâchens, dô ich schiet von dan.“
Noch vor dem Betreten der eigentlichen Badestube legt der Ritter die
Kleider ab, also in der Abziehstube, und erhält vom Badewirt einen
Wadel. In der Badestube sind Dielen (Fußboden) und Bänke frisch
gescheuert. Nun beginnt das Baden. Eine weibliche Angestellte trägt in
einem Scheffel lauwarmes „bat“ herbei und streicht damit dem Ritter
Rücken, Beine und Arme mit größtmöglichster Geschwindigkeit. Nachdem
die heißen Herdsteine mit zwei Scheffel Wasser begossen sind, nimmt
der Ritter auf der mit einem Kissen[F] versehenen hochgelegenen Bank
seinen Platz ein und läßt die Badestube finster machen. Die Wedel
werden geschwungen und dem hohen Gast zu Ehren der Ofen wohl mehr,
als es sonst üblich ist, mit Holz geheizt. Die Hitze wird dem Ritter
unerträglich, er muß zu den Dielen hinuntersteigen. Nach dieser „lecke“
wird er gerieben und begossen. Ein „badwibel“ besorgt das „dwahen“
(Waschen, meist im Sinne von Kopfwaschen) mit guter, gischender Lauge.
Der Scherer ebnet das Haar und schiert den Bart. Nach einer längeren
Unterhaltung mit dem Knecht, während der der Ritter auf der „fürbank“
sitzt, wird dieser vor der Tür der Badestube nochmals begossen, um
darnach auf einem Bette auszuruhen. Reichlichen Lohn empfangen die
Badeleute, worauf der Ritter angekleidet das Bad verläßt.
[Sidenote: _Des wälschen Gastes und Herrands von Wildonie Schilderung_]
Eine ältere Schilderung des Badstubenbadens haben wir andeutungsweise
vom wälschen Gast[467], der seine Dichtung 1216 vollendete und ein
Höllenbad beschreibt. Auf einem Stuhle sitzend wird man begossen (in
der Hölle „mit wallendem pade, peche und swebel“) und gerieben, bis man
weiß wird. Darauf folgt eine abermalige Begießung, und nun „wadelt“ man
(in der Hölle die armen Leute mit Geißeln); „dem herren bringet man
snellîche guote wedel harte rîche“, um den Schweiß herauszubringen.
Später wird man „gebettet“.
Etwa 1259/60 vollendete ~Herrand von Wildonie~ seine Dichtung „Von dem
blôzen keiser“, aus der folgende Stelle hierher gehört:
„der keiser ûf sin phert dô saz
und reit vil spâte durch die stat;
dâ was bereit im ein bat.
dâ gie er in, und habt hie vor
vil manic ritter vor dem tor.
dem keiser wâren dinnen bî
kleiner junkherlîne drî
und solher wîbelîn ein teil,
diu man dâ vindet ringe veil.
dô der keiser het gebât,
als man ze bade gewonheit hât,
dô sprach er: „man sol giezen an,
wir suln erwarmen unde gân
zuo den rossen für daz tor;
dâ wartent uns die ritter vor.“
der keiser legt sich ûf ein banc,
als in diu hitze dâ betwanc;
diu venster wurden zuo getân:
dô gie ûz der tür ein man,
der was dem keiser gar gelîch,
sîn lîp, sîn stimme hêrlîch,
als ez der keiser waere.
dô sprungen kameraere
und reichten im sîn badekleit.
er sprach: „fürwâr, mir ist daz leit,
daz ich lange hân gebât,
ich waen, iuch des verdrozzen hât.“
die ritter sprâchen: „hêrre, nein,
ez ist uns ein dienest klein.“
er saz ûf und reit mit in
gên der herberge hin.
den kameraeren wart vil gâch,
sin batgewant si truogen nâch.
der an des keisers stat dâ saz
vil manic ritter vor dem az,
mit den er vil schimphes pflac.
Dannoch der tumbe keiser lac
ze bade und het gemaches vil.
ein badekneht im brach daz spil,
der lief zer badestuben in,
er sprach: „der keiser ist hin
gevarn an die herberge sîn.“
sus drungen die junkhêrrelîn
und legten balde an sich ir kleit;
si liefen nach, wan in was leit,
daz der keiser ân si was
geriten zuo dem palas.
diu venster man ûf warf zehant:
dâ lac des rîchen sarjant
ûf der dillen alles hie.
er lachte des, der hin in gie
und sagt, der keiser waere enwec:
„wes liget ir dâ, her schandenflec?“
sprach der knabe dem keiser zuo,
„ir welt vil lîhte morgen fruo
uns überfüeren umb diu kleit,
diu wir dâ hân, daz waere uns leit.“
der keiser sprach: „nu lât her gân
mîn kameraere, ich wil mich an
legen und wil ze hûse varn ...
und ist, daz man mir vor der tür
niht wartet mit dem badekleit,
ez wirt ir etelîchem leit“ ...
die badere sprâchen: „ir sult gân
hinfür, und welt ir ruowe hân;
tuot ir des niht, iu mac geschehen,
daz ir ungerne müget sehen.“ ....
der blôze weinent gie zer tür.
nâch im si sparten zuo daz tor,
dâ stuont er jâmerlichen vor.
ein wadel was sîner lide kleit;
diu vinster naht was im niht leit,
wan si im dacte sîne scham“[438].
Auffallend ist, daß sich der Kaiser auf die Bank legt, nachdem er,
wie es die Gewohnheit mit sich brachte, gebadet hatte. Hier tritt an
Stelle der Übergießung ein Wasserbad. Ulrich von Liechtenstein, der
1227 auf seiner Venusfahrt vor Wiener-Neustadt ein „wazzerbat“ von
Badern bereiten ließ und, nachdem er schon im Bad gesessen, wegen
eines Liebesabenteuers, wie er sagt, „ungebat“ herausging[268], hat
in Anbetracht dieses Ausdruckes das Wasserbad doch wohl auch nur als
Einleitung zum Schwitzbade benutzt. Wir erfahren aus ~Wildonie~s
Dichtung noch, daß das von ~Helbling~ erwähnte Finstermachen der
Badestube durch Schließen der Fenster geschah, wie es auch auf einem
Bilde der Göttinger Handschrift von ~Konrad Kieser~s Bellifortis von
1405 zu sehen ist (Abb. 74).
[Sidenote: _Schilderung des Bades durch Meistersinger_]
Aus Meistersingerliedern, die von ~Hans Sachs~’ Hand geschrieben und
zum Teil auch von ihm gedichtet sind[337, 464] erfahren wir, daß man
in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts den eintretenden Gast Gott
willkommen hieß. Dann langte man Wasser her und frug, ob er einnetzen
wolle. Dies besorgte darauf die „Untermaid“ mit selbst gebrauter
Lauge, in weniger guten Badestuben mit Wasser. Dann stieg man auf die
Bank hinauf, die auch als „Schwitzbank“, „ober panck“, „leckpanck“
bezeichnet wird, um zu schwitzen. Nun wurde von einem Reiber, der vor
den Ofen trat, aus einem Kübel aufgegossen, manchmal auch schon vor dem
Hinaufsteigen zur Oberbank. Nach dem Schwitzen setzte man sich „abher“,
anscheinend auf eine tiefere Bank, wo ein Reiber, Baderknecht oder
„poden knecht“ das Reiben vornahm, das zu einem unangenehmen Kratzen
wurde, wenn dieser Nägel „wie vögel klawen“ hatte. Das Reiben scheint
aber auch auf der Oberbank stattgefunden zu haben. In diesem Falle
erfolgte nach dem Herabkommen auf die Bank das Zwagen vom Baderknecht,
welches wohl der Hauptsache nach Kopfwaschen war, das auch die
„vntermaid“ besorgte. In der „scherstat“ oder „schereck“ fand darauf
das Scheren statt, in Zürich im 18. Jahrhundert auf dem „Stöckele“ oder
„Stöckli“, wo auch zur Ader gelassen wurde[243]. Zum Schluß bereitete
die Untermaid Lauge zum „abfleihen“ (abgießen), die Fleihlaug’ genannt
wird. Wer schröpfen wollte, saß „an der laspanck“ vor dem Kopfwaschen
und nach dem Reiben, ließ sich darnach Wasser in einem Scheffel aus
dem Kessel geben und darauf „ein wannen giesen“, um darein zu sitzen.
Nach der Bamberger Baderordnung von 1481 hatte der, welcher „ein Wannen
gegossen haben will“ sechs Pfennig auf der „frawen stule“ (soll wohl
stube heißen) zum Bade zu geben[46]. Pfarrer ~Johann Schalyss~ zu
Holtzheim besang 1599 das neu errichtete Bad Boll:
„Das Badhauß eben ist gewehlbt,
Auff schönen Stein in Seulen gstelt.
Drey Kessel groß es drinnen hat,
Darauß man warm wird +gießen+ an“[489].
Boll hatte nur Wasserbäder in Wannen. Das „Angießen“ bedeutet demnach
nicht immer, wie man vermuten sollte, ein Begießen der heißen Steine
zur Dampfentwickelung, sondern auch das Füllen der Badewanne.
[Illustration: Abb. 69. Begießen im Bad. Kpfr. aus: ~Murner~, Nebulo
nebulonum. Frankfurt, Fickwirth, 1663.]
[Sidenote: _Andere Berichte_]
Mehrmals wird erwähnt, daß sich die Badenden Wasser in einem Scheffel
aus dem Kessel bringen lassen, anscheinend um sich selbst zu begießen
(Abb. 69). In die Badestube an der Pegnitz floß warmes und kaltes
Wasser, „darmit man sich kann säuberlich nach allem Wunsch begießen“.
Das Weistum von Huisheim in Schwaben schrieb 1505 dem Bader vor,
er „sol auch ainem iedem menschen, so zu gottz tisch gaut (d.❆h.
Erwachsenen), geben ain kibel mit warmem wasser und ain badhut, es
seien mans- oder weibsbild ... und iedes bad allein und in sonder ain
schaf mit laug in die badstuben verordnen, dar mit die leut versechen
seien“[535]. Nach der Durlacher Baderordnung hatte der Bader 1536
„wie von alter der bruch“ dreißig Kübel und dreißig Hüte vorrätig
zu halten[219]. Erwähnt werden auch in den Meistersingerliedern die
von den Badern geflochtenen Hüte, das Heizen der Badestube mit Holz,
der Ersatz von Lauge durch Seife und das Zechen nach dem Bad. Im
wesentlichen ist die Darstellung gleich der von ~Hans Sachs~ in den
Ständen (S. 145) gegebenen. Einer der erwähnten Meistergesänge ähnelt
übrigens sehr einem solchen aus dem 15.Jahrhundert. Abweichend heißt es
darin:
„reich mir ein kost und einen hot (Hut)
einer legk solt uns geweren.
darnach so sol wir scheren,
so sin wir schir gerecht“.
Auch hier ist +nach+ dem Bad der Sinn auf den Ort gerichtet, wo der
Beste geschenkt wird[469].
[Sidenote: _Eigenartige Veranlassung zum Reiben_]
Eine eigenartige Veranlassung zum Reiben gibt dieser Meistergesang,
wie auch der von ~Hans Sachs~ an: „die hüt byssen uns ser“[469], „mich
selbst juckt die Haut sehr“[464]. Nach ~Hero~ (1533) vertreibt das Bad
das Jucken[231]. Auch bei ~Helbling~ ist für den Knecht Jucken der Arme
und Beine die Begründung für weitere Dampfentwickelung im Bad[214].
~Murner~ läßt die Füße gegen Jucken reiben[6]. Nach dem König vom
Odenwald badete man, „überlût, daz in jücket die hût“[228].
Im Höllenbad (1540) sah ~Hans Sachs~[29]
„.... reyben, lechzen und schwitzen,
Negel abschneyden, volbad sitzen,
Lassen und schrepfen, kemmen und zwagen,
Schern, abfleyhen, wasser tragen,
Zehn außbrechen, die rewding salben,
Doch undterschiedlich allenthalben....
Auch hört ich schreyen on zal grillen[G].
In summa all ding daucht mich ghrad,
Als wer die hell gleich wie ein bad“.
Das Bad begann mit Einnetzen von Lauge; nachdem sah ~Sachs~ auf den
Bänken eine Summe
„Gelb dürrer seel, die waren lecken
Und sich mit dörren kosten schlugen“;
andere schwitzten schon auf den Bänken, daß es wie ein Bach herabfloß.
[Sidenote: _Die allegorischen Beschreibungen des Bades_]
In ~Murner~s geistlicher Badenfahrt (1514), wie überhaupt in den
allegorischen Beschreibungen, ist die Reihenfolge der Vorgänge
wahrscheinlich nicht innegehalten; denn dem Kämmen des Haares folgt bei
~Murner~ das Lecken. Am Schluß finden statt: Abgießen, Bademantelgeben,
Niederlegen und nach dem Bad Wohlleben[6]. Aus der von ~Philipp von
Allendorf~ 1535 herausgegebenen Judenbadstub sei hervorgehoben, daß der
Bader questete und man am Schluß das Badgeld bezahlte[234]. Nach „des
Bapsts vnd der Pfaffen Badstub“ (1546) „geüßt man sich fein sauber ab“,
ehe man aus dem Bad geht. Nach dem Bad pflegt man der Ruhe[440]. Die
Judenbadstube Abb. 70/71 hat die Steine zum Begießen abgebildet, dieses
selbst, wie das Hinaufsteigen auf die Bank und das Lecken fehlen;
vielleicht waren diese Vorgänge zum Schröpfbade, das hier beschrieben
wird, nicht nötig. Möglicherweise sind sie aber nur weggelassen, weil
sie in der allegorischen Darstellung keine Verwertung fanden.
[Illustration: Abb. 70/71. Juden-Badstub. 1. In der ersten Figur stehet
ein Kaufmann, der großen Handel will treiben. 2. schlegt sich zu den
Juden und wird von ihnen in die Gaß geführt. 3. handelt mit ihnen. 4.
die wollen ihn baden, darumb schöpft der Teufel und Jud Wasser. 5.
henken den Kessel über. 6. schüren das Feuer. 7. kehren die Badstub. 8.
reiben ihn. 9. schrepffen ihn.
10. zwachen ihn. 11. waschen ihn ab. 12. er beklaget sich seines
Schadens. 13. kompt aber arm wieder zur Gassen heraus. 14. siehet er,
daß er umb das Seine gekommen. 15. die Juden waschen die Sünd ab, der
Teufel fischet sie wieder auf. 16. und führet sie in die Hell. Kpfr.
aus dem 16. Jahrhundert.]
[Sidenote: _Brunßfels’ Schilderung der Vorgänge im Bad_]
Bei den populär-medizinischen Schriftstellern ist nicht
auseinanderzuhalten, was als Gebrauch bestand und was Vorschlag des
betreffenden Verfassers ist, wobei das römische Vorbild verwirrend
wirkte. Die wirklichen Vorgänge scheint ~Brunssfels~[47] gegen Mitte
des 16. Jahrhunderts in einer nach der Vorrede für den armen Mann
gegebenen Anweisung zu schildern: „Eyn kurtze leer von baden. So du
baden wilt, so beweg dich vor vnd exercier dich etwa mit, spacier ein
gůte weil biß du erwarmest, darnach gang in das bad, bleib an einer
külen statt erschwitz da[H], vnd laß dich dann mit einem heyssen
wasser begiessen, darnach setze dich an ein warme statt im bad,
darnach aber wermer, also nach einander je baß je baß biß du gleich
wol erschwitzest, nach dem wesche dich mit wasser das nit zůheyß seye
als das erst, vnd zům letzten mit eim külen wasser das doch nit zů
kalt sey, vnd wann du außghast so halt dich warm.“ An anderer Stelle
sagt ~Brunssfels~, daß man sich nach dem Eintritt ins Bad „zů stundt“
mit warmem Wasser, so warm man es vertragen mag, begießen soll, kurz
vor dem Ausgehen, wenn „mann wol erschwitzt“, mit kühlem, das nicht
zu kalt sei, ein wenig kühler als lau, das erfrische die Glieder des
Körpers. Etliche Menschen, die viel Schweiß baden, würden gern räudig
und bekämen „eyssen“ (Furunkel). Die sollen dem zuvorkommen und sich,
wenn sie’s vertragen und nicht Gliederschmerzen bekommen, mit kaltem
Wasser vor dem Ausgehen beschütten, sonst mit wenig warmem. Wasserbäder
sollen nicht zu heiß sein. Man soll über den Nabel, aber nicht über
die Brust hinein sitzen. Dieses Baden nützt sehr den Menschen mit dem
Stein und Grimmen im Leib und sonst zu vielen anderen Dingen. Wer
zuviel Hitze und Durst im Wasserbad bekommt, muß sich vor dem Ausgehen
mit kaltem Wasser beschütten „Item es seye schweiß oder wasserbad,
wann dir der mund schwitzt so hör auff.“ Nach dem Bad (Schweiß- und
Wasserbad) soll man im Bett ruhen und die Füße mit Salz und Essig
reiben, das ziehe die böse Hitze aus dem Leib und mache lustig. Auch
im Bad soll man die Sohlen mit einem Messer schaben lassen. Schon in
~Boner~s Fabeln (erste Hälfte des 14. Jahrhunderts) sagt die Äbtissin
nach Anordnung des Schwitzbades:
„ouch hab ich selbe daz gelesen,
daz man die vüeze rîben sol
mit ezzich und mit salze wol“[226].
Ein Reiserischer Druck aus dem 15. Jahrhundert schlägt vor, im Bad zu
kratzen und zu reiben, den Schweiß mit trockenen Tüchern vom Körper zu
streichen, darauf folgt das Begießen mit wenig warmem Wasser, darnach
das Schröpfen. Vor dem Ausgehen aus dem Bad sollen die Sohlen der
Füße mit einem Messer oder rauhen Steine geschabt werden. Zum Schluß
folgt eine Begießung mit kaltem Wasser, das nicht zu kalt sei, ein
wenig kälter als lau[238]. Nach dem St. Galler Codex 760 soll man sich
in der warmen Stube abziehen, dann immer wärmer, aber nicht zu heiß
baden, den Leib kratzen, und, wenn man dann zum ersten Male schwitzt
und geruht hat, soll man sich begießen mit lauem Wasser, das nicht zu
heiß sei, und so man „anderwert“ schwitzt (gemeint ist im Ruhebett)
und sich reibt, soll man sich mit noch kälterem Wasser begießen; denn
nach Avicenna werden die Glieder dadurch am leichtesten erkühlt, des
Leibes Kraft gehärtet und bleibt die natürliche Hitze im Leib. Der Leib
wird nun mit einem weichen Tuch getrocknet, das darnach um den Körper
geschlagen wird.
[Sidenote: _Das kalte Abgießen nach dem Schweißbad_]
~Ryff~ sagt vom Begießen: „Welchen aber das Hirn fast (sehr) hitzig
mit etwas vnmessiger feuchte, denen ist ein zimliche rechtmessige,
doch nit vberflüssige begiessung, mit kaltem wasser vber das haupt
abgossen, wo man sich erstlichen mit zimlicher laugen, die vast (sehr)
warm gezwagen hette nit schedlich, wie dann etliche inn diesem fall inn
gemeinem brauch haben, die heisse scharpffe laugen mit zimlicher maß
kaltem wasser abzuspülen, vnd das erhitzigt Hirn also külen.“ „+Das
aber an vilen orten der gebrauch on zweiffel auß alter gewonheit,
vnsere vorfarn nach bliben, das man die so vast hitzig gebadet haben
vnd yetzundt aus dem Badt hinweg gehen wöllen, mit kaltem wasser
pflag ab zugiessen+, welche alte gewonheit on zweyffel an solchen
orten allein dardurch erhalten worden, vnd im brauch bliben, das sich
grobe starcke leuth gesundes vermöglichs leibs vnd harter Complexion,
daruon oberzelter vrsachen halb vast wol befunden haben“[I]. Die
Deutschen machten nach ihm meist keinen Unterschied in der Complexion,
heute würde man sagen Konstitution, er riet aber denen mit schwachem
Körperbau, sich zu hüten „vor stümpfflinger abgießung mit kaltem wasser
auff hitzig schweiß badt“. Etliche fleißige Medici hätten deshalb
an Stelle der kalten Übergießung an den Schluß des Schweißbades ein
Ausgießen von kaltem Wasser um den Menschen herum, nicht auf seinen
Leib, gesetzt, um durch die erkühlte Luft zu laben und zu erquicken.
Der gemeine Brauch der Deutschen sei aber in solchem Fall, daß „das
angesicht mit kaltem wasser vast nützlichen gekület vnd erwaschen
werden mag, welche külung den augen fürnemlichen nutzlich vnd gut ist
... Aber den starcken vermöglichen Cörpern, erweckt das kalt Baden
von obgemelts begiessen mit kaltem wasser das rott lauffen, schnel
durch lauffender hitz vnnd fröstigs schaudern, vnnd inn magern personen
werden dardurch Febres verursacht“[J]. Er tadelt den gemeinen Brauch,
stracks aufs Bad ein paar frische Eier mit zerriebenen Muskatnüssen zu
essen[48].
Die deutsche (aber nur die wohlgeordnete[48]) Badestube hatte nach
~Ryff~ zwei Abteilungen, das „vorstüblin“ zum Abziehen und Erkühlen
und das eigentliche „truckene Schweißbad“, in dessen Hitze man vom
Vorstüblein ging[250]. ~Etschenreutter~ sagt 1571: „Wir aber habend
allein die badstuben, vnd die abziechstuben, darinn gemeincklich
bether (Betten) seind, darinn sich der bäder mag abtrucknen. Der
gemein man sucht an sollichem beth mehr ruhe, dann abtruckung des
schweiß“[449]. Nach ~Ryff~ ruhte man „für die schwacheyt“, nachdem man
vor dem Aussteigen aus dem Bad Schweiß und Nässe mit warmen Tüchern
abgetrocknet hatte. Wer „euacuationem vnnd resolutionem“ begehrte,
erschwitzte wiederum im „rhůbetlin“, so viel er erleiden mochte[48].
~Wittenweiler~ gibt gegen 1450 im Ring zwei Arten der Bäder an:
„Hie so scholt du mercken pey,
Daz man da vindet zwayerlay
Peder nach der gmainen sag,
Swaysspad und auch wasserpad.
Swaysspad daz sey dir beräyt,
Hast du uberflüssichait
Zwüschen flaysch und auch der haut.
Wasserpad mit edelm chrawt,
Daz lawich sey und nicht ze hayss,
Macht dich schön und dar zuo fäyss“[230].
[Sidenote: _Arten der Bäder_]
~Pictorius~ unterscheidet 1560 nach ~Petrus de Ebano~ drei Arten von
Bädern: (1.) Wasserbäder, (2.) Bäder in den Badestuben mit warmen
Dämpfen und (3.) in einer Stube oder Backofen, aus dem erst das Brot
herausgezogen wurde oder solche, die mit heißen Steinen angemacht
sind[152]. ~Dryander~ kennt 1547 nur Baden (1.) in „gewärmten zübern
oder (2.) stuben, mit heyssen dämpfenden wasser“[233]. Nach ~Phries~
sind (1.) „ettliche (Bäder) vonn feuwer gemachet (on Wasser[420]),
als in den Öfen, da man die krancken ynleget (Backöfen), vnnd seind
heisser vnd truckner complexion, ettliche von hitz vnd wesserigen
tempffen, als (2.) die badstuben oder (3.) zûber so man hitziget mit
feuer vnd wasser, welche warmer vnd füchter complexion seind“[386]. Er
unterscheidet also (1.) heiße, trockene (Heißluft-), (2.) Dampfbäder
in den Badestuben und (3.) Wasserbäder in Zubern. Die unter 2 und 3
genannten Bäder sind im Gegensatz zu 1 warmer und feuchter Art. ~Ryff~
nennt aber „trucken schweiß badt“ die Bäder „on alle benetzung“,
d.h. ohne direkte Berührung mit eigentlichem Wasser und rechnet zum
trockenen Bade die „mit hitzigem dampf vnnd dunst erfüllet“[K].
[Illustration: Abb. 72. Frauenbad von ~Hans Sebald Beham~. (1500–1550).]
[Sidenote: _Die deutsche Badestube als Dampfbad_]
Dazu gehört zuerst die Badestube: „wiewol bey vns Teutschen
gemeinklichen der grossen schweiß Bäder oder Badstuben mit wacken vnd
Kißling steinen (diese wieder durch Holzfeuer) erhitzigt werden“, und
weiter sagt er: „Dieweil aber nach vnseren gemeinen Teutschen brauch
die Badstuben bader mehr durch hitzigen dunst vnnd dampff des siedenden
wassers, dann von der hitz des Fewers allein gewermet oder erhitziget
werden mag“[48].
[Sidenote: _Die deutsche Badestube als Heißluftbad_]
Nach ~Etschenreutter~[449] wurden die Badestuben mit Holz beschickt
im Gegensatz zu den kleinen, die man eigentlich Schweißbäder
nannte (dampfkastenartigen), wo heiße Steine mit Kräuterabkochung
begossen wurden. An anderer Stelle heißt es, daß der durch diese
(Kräuter-)Schweißbäder erzeugte Schweiß wirksamer sei; „dann so es
allein mit holtz in gemeinen badstuben bescheh“. Pictorius sagt dagegen
wieder, daß die Badestuben mit warmen Dämpfen des Wasser zugerichtet
würden[152]. Aus allem geht hervor, daß man in manchen öffentlichen
Badestuben erhitzte Steine mit Wasser zur Dampfentwickelung begoß
(Abb. 40), in anderen man nur ein Heißluftbad durch Erhitzen des Ofens
nahm, wo aber nebenbei noch Dämpfe aus dem Kessel aufstiegen; in dem
das Wasser zum Begießen erwärmt wurde (Abb. 70). Ein Bild ~Beham~s
zeigt (Abb. 72) einen hohen, bis zur Decke reichenden Kachelofen. Die
genaue Beschreibung einer Badestube in ~Zedler~s Lexikon vom Jahre 1733
erwähnt nichts von Dampfentwickelung, und wenn 1788 in einer Züricher
Badestube ein mit Steinen wohl garnierter Ofen vorkommt, so ist zu
berücksichtigen, daß die alten hohen Kachelöfen der Schweiz große
Feldsteine enthalten, die nach dem Erlöschen des Feuers durch Abgabe
von Wärme die Wohnstube noch längere Zeit warm halten sollen. ~Blondel~
stellt 1688 dem Dampfkasten die Badestuben gegenüber[409]. 1727 heißt
es in der holländischen Ausgabe für Badestuben „de drooge Baaden
(Laconia)“[410]. Ich habe nach den Berichten den Eindruck, daß in der
älteren Zeit die Bäder mit Dampfentwickelung vorherrschten, allmählich
Heißluftstuben daneben auftraten, die schließlich allein übrig blieben.
In den gemeinen Badestuben war nach ~Ryff~ der Ofen mit Werksteinen
gemacht, an etlichen Orten (in Deutschland?) aber in Brauch, „allein
durch die erhitzung des vndersten Gewelbs solche Bad zu heizen, vnd
auff gelegten Brettern darinn vmbher zugehn“[466]. Sollte hier eine
Einrichtung gemeint sein, wie sie sich im Kloster Maulbronn befand?
(s. S. 111). Einmal begab sich der Rat von Butzbach in Hessen nach dem
Zisterzienserkloster Arnsberg, um die dortigen Badeeinrichtungen zu
studieren, und beschloß, sie für die Neueinrichtung der städtischen
Badestube zum Muster zu nehmen. In der Tat erhielt diese auch eine
ziemlich umständliche und kostspielige Heizvorrichtung[197], die
leider nicht näher angegeben wird. In einer Göttinger Handschrift,
dem Bellifortis ~Konrad Kieser~s von 1405, sind ein Wasser- und ein
Kräuterbad (Abb. 73 u. 74) dargestellt. Auf beiden findet sich eine
Heizvorrichtung, die im wesentlichen der ~Dryander~s (Fig. 55 c) und
~Thurneisser~s, nur in größerem Maßstabe, entspricht. Der Kessel, der
in dem einen Falle Wasser, im anderen eine Kräuterabkochung enthält,
steht mit einem darüberliegenden Behälter in Verbindung, in den das
heiße Wasser hinaufsteigt und von diesem aus weiter in die Badegefäße
geleitet wird[3]. Im Kräuterbad sind die Fensterladen geschlossen, die
beim Wasserbade offen stehen, weil man hier den Dampf nicht gebrauchte.
[Illustration: Abb. 73. Wasserbad mit Dampfheizung. Nach einer farbigen
Zeichnung aus dem Göttinger Bellifortis des ~Konrad Kieser~ von 1405.]
[Sidenote: _Die Steinstuben_]
Wo Steine zum Begießen in der Badestube abgebildet sind, liegen sie in
einer Nische (Abb. 86). Nach dem Gedicht von der Einnahme Hohenkrähens
(1512) goß man das Wasser „in ofen dar“[49], und ~Hans Sachs~ sah in
den Ofen des Höllenbades hinein und unten die Steine liegen[29]. Es
ist möglich, daß der Steinofen nicht immer, vielleicht in manchen
Gegenden nur zu Kräuterdampfbädern begossen wurde, oder daß nur manche
Badestuben in der Stadt derartige Einrichtungen hatten, dafür spricht
das Vorkommen besonderer Steinstuben, wie auch Kräuterstuben genannt
werden. So hatte Klein-Basel im 14. Jahrhundert zwei Kräuterbadstuben,
die „zum Fröwlin und zer Trüwe“, und in Basel gab es zu dieser Zeit
Steinbadstuben[260]. In Zürich erscheint die seit 1399 erwähnte
untere Badestube 1553 unter dem Namen Krut-(Kräuter-)bad[173]. In der
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wird mehrmals in Hildesheim eine
„Steynstove“ erwähnt[52]. Bürgermeister Gentzkow badete 1559 und 1562
„jm steinstauen“, aber 1559 auch im „gemeinen stauen“[542].
[Illustration: Abb. 74. Kräuter- und Heilbad. Nach einer farbigen
Zeichnung aus dem Göttinger Bellifortis des ~Konrad Kieser~ von 1405.]
[Sidenote: _Die Kräuterstuben_]
Abb. 43 weicht auffallend von den übrigen Bildern der Zeit ab.
Wir sehen in der großen Badestube zwei von ~Dryander~ und ~Ryff~
beschriebene sog. kleine Badestuben, in denen Kräuterdampfbäder
genommen wurden, auch ein Wasserbad, in das der Bader eine Flüssigkeit,
wahrscheinlich eine Kräuterabkochung gießt. Dieser Art waren wohl
die erwähnten Kräuterbadestuben. Sie wurden nur von Kranken benutzt.
~Phries~ klagt darüber, daß häufig Schweiß- (die in den Apparaten) und
Kräuterbäder auf Anraten von alten Weibern und „zwilchartzet“ genommen
würden[386].
Die Wasserbäder wurden nach ~Ryff~ „von Fewer (im Kessel), oder von
Fewer erhitzigten dingen, darinn glüendig abgeleschet“ erwärmt[48].
Aus dem Kessel schöpfte man das heiße Wasser in die Wanne mit Gefäßen,
die nach Abbildungen auf Wandgemälden (auch auf den Züricher
Leutpriestersiegeln) im 14. Jahrhundert schöpflöffelartig[345], im 15.
kleine Kübel waren, an denen ein langer Stiel befestigt war[517] (vgl.
Abb. 61). Im 16. finden die oft erwähnten Gelten und Schefflein (Abb.
82) dazu Verwendung.
[Illustration: Abb. 75. Badestube aus dem Kalender von 1515. Basel,
Pamphilus Gengenbach.]
[Sidenote: _Die Bänke im Schweißbad_]
Die Temperaturbestimmung des Wasserbades geschah nach ~Brunssfels~
mit dem Fuße, wohl aber mehr bei Kinderbädern. 1669 wurde in der
oberen Badestube zu Winterthur ein Mann von Reterschen, der „in
einem Wynrüschlein entnuckt, so versotten, daß er noch selbigen
Abend den Hinscheid aus dieser Welt ergriffen“[57]. Im Schwitzbade
wurde natürlich jedem einzelnen überlassen, die für ihn rechte
Temperatur zu wählen. Aus dem Vorhergehenden geht hervor, daß mehrere
übereinanderliegende Bänke im Bad vorhanden waren, deren höchste nach
~Ryff~ der „Pfal“ genannt wurde[48]. Je höher man stieg, um so höherer
Temperatur wurde man ausgesetzt. In der Johanniterkomturei Wildenbruch
gab es eine Oberbank und zwei Verbänke oder „Trippen“. Diese drei Bänke
(Abb. 40) fanden sich aber nicht in allen Badestuben, in den kleinen
sogar nur eine (Abb. 75), und dort war manchmal nicht ein Vorstübchen
vorhanden[48]. Man sollte allmählich immer höher steigen, legte sich
aber häufig gleich anfangs auf die hohen Bänke, daß einer da, der
andere dort ohnmächtig herabfiel und teils gar tot wie das Vieh aus der
Badestube hinausgetragen wurde, wie ~Guarinonius~ 1610 berichtet. Er
sagt deshalb:
„Wiltu ohne grossen Schaden schwitzen,
Fleuch die grosse Hitz, thu nicht z’hoch sitzen,
Sonst fällst herab auff allen viern,
Ligst da wie todt, kanst dich nicht rührn“[134].
~Murner~ sagt auch:
„Das schweißbad hat ein starcke art,
Da manchem in onmechtig wart“[6].
Nach ~Pansa~ (1609) wird mancher durch Aufgießen von kaltem Wasser von
gefährlichen Ohnmachten wieder zu Recht gebracht, wie solches oft die
Bader und viel erfahren, da durch unmäßiges Schwitzen und unziemlichen
Gebrauch der Schröpfköpfe oftmals Menschen in den Badestuben umfallen
und in Ohnmacht geraten[350]. ~Hans Stockar~ hat mehrmals in seinem
Tagebuche, z.❆B. 1528, Beschwerden von zu heißem Baden im „Schwatzbad“
(Schweißbad) angemerkt[597].
[Illustration: Abb. 76. Im Kübel sitzende Bademagd mit Wedeln.
Miniatur in der deutschen Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrh. Nach von
~Schlosser~.]
[Sidenote: _Das Lecken im Bad_]
Die Schwitzbank heißt bei den Meistersingern auch „leckbank“, weil
dort das Lecken stattfand. Heute leckt ein Gegenstand, der Flüssigkeit
hindurchläßt; ehemals bedeutete Lecke Flüssigkeit[L] und lecken mit
Flüssigkeit übergießen. Nach ~Oswald von Wolkenstein~ (erste Hälfte
des 15. Jahrhunderts) wurde der künftige Kaiser Sigmund in der Stadt
„parpiân“ empfangen:
„dô ward gehaitzet im ain pad
hêt man die leck auff gossen“[313].
Im Phalarismus Huttenicus (1517) wird von einem Nackenden, der um sich
glühende Kohlen und daneben ein Faß mit kaltem Wasser stehen hat,
gesagt, sobald ihn die Hitze von den Kohlen an allen Orten angeht, „so
+lecket+ er das kalt wasser vff sich“[629]. In der Badestube bedeutet
lecken naß werden vom Schweiß, schwitzen. So wird es bei ~Helbling~
gebraucht. Im Renner (13. Jahrhundert) heißt es:
„Vnd so die leib in werden sat,
So gent sie leckent in ein pat“[130].
Der Ausdruck lecken ging aber schon frühzeitig auf einen Vorgang über,
der neben der Hitze der Badestube den Schweiß hervorrief, das Schlagen
mit Büscheln von Birken- (Abb. 76) oder Eichenzweigen (Abb. 77). Im
Liederbuch der Klara Hätzlerin heißt es:
„Da sicht man lecken vnd streichen (schlagen),
Kain fräd mag ir geleichen.
Wann der ofen recht erhitzt
Vnd wol waidenlich erschwitzt,
Vnd gäb der küng Im zehen Marck,
Sein krey wär dannocht nit so starck,
So er sich vff die panck streckt
Vnd sich streichet vnd leckt!“[259]
und in der erweiterten Fassung desselben Gedichtes:
„dâ sichet man bruech fellen,
an beiden arßbellen
sichet man sich streichen,
kein freude kan ir geleichen,
wan ein man vff die bank siczet
vnd der vff wol erswiczet
vnd sich hauwet, dâ man siczet,
dâ hinden vmb die minneglocken“[441].
[Illustration: Abb. 77. Schröpfmann mit Badehut und Badewedel.
Holzschnitt aus: ~Pictorius~, Laßbüchlin. Basel, Jacob Kündig, 1555.]
Das Instrument zum Lecken wird Wedel, Wadel genannt. Nach ~Ryff~ trieb
man damit (wedelte) den Dampf auf den Körper[48]. Ein anderer Ausdruck
ist Queste, wodurch die Form, die einer Quaste, bezeichnet wird; dafür
kommt auch der questen und für lecken das Zeitwort questen vor.
„Darnach er dich zů qwesten weyß,
Das er dirs bad nit macht zů heyß“,
sagt ~Philipp von Allendorf~ 1535 in der Judenbadstube[234]; woraus
hervorgeht, daß das Questen zur Hervorrufung des Schweißes diente.
Dafür spricht auch eine Stelle in einem Neithartliede:
„Swelch badestub’ wirt gehizzet also linde,
ein man gelekket vil, e er enpfinde
hizze, der sin herze gert;
swie guot diu schiter sin, unt ist boese der hert,
von hizze enpfaeht er doch vil selten vröuden“[103].
[Illustration: Abb. 78. König Wenzel, der zur Bedeckung der Scham
den Wedel benutzt, wird von Bademägden gestrichen. Miniatur aus
der deutschen Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrhunderts. Nach ~von
Schlosser~.]
Ein anderer Ausdruck für Queste ist kosten, kost. „Kosten das man
leck“, hat ~Hans Foltz~ in seinem Hausrat verzeichnet[257], im
Höllenbad waren die Seelen „lecken“ und schlugen sich mit „kosten“[29].
„Reich mir ein +kost+ und einen hot (Hut), einer legk solt uns
geweren“, heißt es im Meistersingerliede aus dem 15. Jahrhundert[469].
Das Lecken besorgten die Badenden (Abb. 40), wie auch der Bader (Abb.
86), z.❆B. auf einer Abbildung bei ~Murner~[6].
In dem Gedicht auf die Bergtheimer Schlacht (1400) heißt es:
„An lecke mochten sie nit baden,
das ward in von stunden schaden,
sie begerten keines glichen.
Die badeknecht begundens strichen,
daß sie gewunnen einen sweiß,
sie lekten, daß in ward ze heiß.
Ir questen waren wunderlich“[49].
~Sastrow~ erzählt, daß, als er als Knabe am Strande gebadet, sein
Vater am anderen Morgen mit der Rute vor ihn trat und sagte: „Habt ir
gebadet, so muß ich questen“, wobei er ihn schlug[258]. So finden
wir questen und auch lecken ganz allgemein für schlagen gebraucht.
„Wolfdieterîch der werd begunde nider lecken manegen heiden zuo der
erd“[442].
[Sidenote: _Der Wedel zur Bedeckung der Scham_]
Da, wo man ohne Badehose im Bade saß, diente der Wedel zur Bedeckung
der Scham. „Du thust wie ein quest im bad; deckest du dein scham der
laster mit den predicanten“, sagt ~Geiler von Keisersberg~[258] und an
anderer Stelle: „beschirmung (Bemäntelung) der sünden wird gemerckt
in allen menschen, die da mit dem baderquesten der entschuldigung
understont zu verbergen ire laster“. Bei ~Wolfram von Eschenbach~
findet sich die Stelle, er säße eher nackend ohne Tuch im Bad, als daß
man seinen Parzival für ein Buch hielte, vorausgesetzt
„sô ich in dem bade saeze, ob ichs questen (den Quast) niht
vergaeze“[585].
Das Weistum von Huisheim in Schwaben schrieb 1505 dem Bader vor, zu
„verordnen den mannen ein notturft +costen+ in die batstuben und ainer
ieden frawen verordnen ire claider ausz und ein zu tragen“[535]. Dem
Badekleid der Frau entspricht hier beim Manne der Kosten zur Bedeckung
der Scham.
[Illustration: Abb. 79. Adam u. Eva. Holzschnitt aus der Practica von
1499. Straßburg.]
Auf einem Bilde der deutschen Bibel Wenzels sitzt der König im Bad,
die Scham vom Wedel bedeckt, während ihn zwei Bademägde massieren
(Abb. 78)[286], und als der Kaiser in der Erzählung ~Herrand~s ~von
Wildonie~ vor die Tür gestoßen wurde, da war „ein wadel sîner lide
kleit“, er hatte also auch nackt im Bad gesessen, und die Wiener
Handschrift aus dem 16. Jahrhundert bildet den Kaiser ganz nackt, die
Krone auf dem Haupt, ab, und neben ihm liegt der Wedel. Ebenso wird
in der Judenbadstube von ~Philipp von Allendorf~ der arme Mann nackt
aus der Badestube gelassen und deckt seine Scham mit dem Wedel (Abb.
66). Zu diesem Zwecke kommt der Wedel auch dann vor, wenn vom Bad gar
nicht die Rede ist. ~Geiler von Keisersberg~ macht den Vorschlag, wenn
Kinder sich mit Lügen entschuldigen und wie beim Sündenfall Questen von
Feigenblättern machen, soll man sie mit Birkenquesten von Birkenreisern
durchhauen[123], und ~Suchenwirt~ sagt von Adam und Eva: „zwên questen
deckten in ir scham“[258]. Auch im Pfaffenleben aus dem 12. Jahrhundert
heißt es:
„mit dem Adâmes cherm wadele
Wellent si ir scham bedechen“[584].
Darstellungen von Adam und Eva zeigen deshalb häufig — wie
~Zappert~ meint, nur in Werken deutschen Ursprungs[16] — statt
des Feigenblattes den Wedel (Abb. 79), so in der deutschen Bibel
~Wenzels~ und den Bildern zum Sachsenspiegel. Bei einer in Zerbst
1507 aufgeführten Prozession heißt es und ist durch figura in der
Handschrift dargestellt: „Die Bader. Eynen Bom mit eyner slangen. Adam
vnd Eua naket mit questen“[586]. Hier fiel den Badern also wegen ihres
Handwerkzeugs, des Wedels, die Rolle von Adam und Eva zu.
Weil die Metzger in Nürnberg bei ihrem Tanz, der 1350 zum ersten
Male gehalten wurde, auf den Pöbel, um Platz zu machen, allzukräftig
dreinschlugen, befahl der Rat, um alle Unruhe zu vermeiden, keine
Waffen und Wehr mehr zu gebrauchen, sondern nur Quasten oder Büsche von
Eichenlaub. Deswegen bestellten die Metzger anfänglich vierundzwanzig
Männer, die sich in Zwillich kleideten, das Angesicht verdeckten,
hölzerne Knebelspieße und einen Busch in der Hand tragen mußten,
um ihnen zum Tanzen Raum zu verschaffen. Nach den Abbildungen der
Schönbart(Narren)bücher von 1459 und 1560 waren diese Badewedel aber
durchaus nicht so harmlos, wie sie der Rat gewünscht hatte; denn aus
einzelnen schießen Wasser- und Feuerstrahlen hervor[587].
1360 hatten die Bader zu Basel den Quast als Wappen[255], 1373 führten
ihn die Würzburger Bader im Siegel[144].
[Sidenote: _Die Tracht der Bader_]
Auf den Bildern zum Sachsenspiegel sind die Bader völlig nackt (Abb.
67 und 68), auf dem Konstanzer Gemälde aus den ersten Dezennien des
14. Jahrhunderts in einem Frauenbade aber mit der Badehose versehen
(Abb. 86). Später finden wir sie damit angetan bis zu Anfang des 17.
Jahrhunderts. In Freiberg wurde ihnen 1480 geboten, „Vortüchel“ zu
haben bei fünf Groschen Strafe[183].
Die Bader gingen in diesem Kostüm ungeniert über die Straße (Abb.
82). Deswegen gebot die Lüneburger Baderrolle von 1361: „Ok en schall
nement des hilligen dages barebeende ane hosen gan up den straten by
broke ein punt wasses (Wachses)“ und Hamburg 1375: „Vortmer en schal
nen knecht ut sines heren hues ghan barschinket unde myt blotem hovede
vorder den syn ronsteen keret (Rinnstein kehret)“[217]. Noch 1649 wurde
daselbst festgesetzt: „es soll fortan kein Badergesell oder Lehrjunge
baarfuß oder mit dem Badehute ausgehen, bei 4 Schill. Strafe; wers
siehet und verschweigt’s, soll gleiche Strafe geben“. 1419 beschlossen
die Breslauer Bader, daß fortan keiner von ihnen, weder Meister noch
Geselle „baarschenkelig“ ausgehen dürfe, „es sei denn, Einer wäre
krank oder käme just vom Bade oder trüge ein so langes Gewand darüber,
daß man seine Peine nit sehen könne“ bei Strafe eines Pfundes Wachs
und zwar um der Ehre des Handwerks willen[220]. Nach der Bamberger
Baderordnung von 1481 sollen „Meister und knecht ... am suntag und
an allen gepanten feiertagen gehost und nicht mit bloßen peynen und
on schwe (Schuhe) gehen“. Später wurde das Verbot, „on hosen oder
parschenkel“ zu gehen, dahin gelindert, „daß sie Vormittag gehoset
gehen sullen, nach der Predigt aber die Hosen ausziehen und einen
langen Rock anlegen mogen und ye nicht mit pleckenden peynen über die
gassen gehen“[46]. Es scheint darum nicht wunderbar, wenn ~Osse~ Mitte
des 16. Jahrhunderts in seinem Testamente schreibt, selbst Magistri
gingen in leichtfertiger zerschlitzter Kleidung und es wäre wenig
Unterschied zwischen ihnen und einem Barbiergesellen[554].
[Illustration: Abb. 80. Badknecht und Bademagd. Kpfr. aus:
Nürnbergische Kleider-Arten. Nürnberg bei Johann Kramer. 1669.]
[Illustration: Abb. 81. Bademagd. Miniatur aus der deutschen
Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrhunderts. Nach ~von Schlosser~.]
Im 17. Jahrhundert trat zur Badehose ein Schurz, so auf einem
satyrisch-politischen Kupferstich von 1612[443], auf dem Badstubenbilde
von 1711 (Abb. 91)[288] und im Nürnberger Trachtenbuch von 1669
(Abb. 80), so daß ~Goethe~ mit Recht sagen konnte: „Bader erkennt
man an der Schürze“[151]. Schon im 16. Jahrhundert wurde nach ~Jost
Amman~s Abbildung zu ~Hans Sachs~’ Ständen ein solcher Schurz von
dem im übrigen völlig nackten Bäcker vor dem Backofen getragen[208],
und ~Guarinonius~ schlug 1610 diese Kleidung für die Bader vor[134].
Ich möchte aber ~Guarinonius~ nicht für den Urheber dieses Gedankens
halten; denn er schmückt sich zu oft mit fremden Federn, und so wird
der Baderschurz schon 1610 im allgemeinen Gebrauch gewesen sein.
[Sidenote: _Die Tracht der Baderinnen_]
Auch die Tracht der Baderinnen ist uns bekannt. Die ältesten
Darstellungen finden sich in den für König Wenzel von Böhmen
angefertigten Handschriften, zum erstenmal im „Wilhelm von Oranse“
1387. Zumeist besteht sie in einem kurzen, weißen hemdartigen Gewande,
das mit Achselbändern an den Schultern befestigt ist, die Arme und die
obere Brust freiläßt (Abb. 81). Einmal erscheint die Bademagd in einem
durchsichtigen feinen Gewande, ein paarmal ganz nackt in der deutschen
Bibel und der goldenen Bulle[286]. Das wird wohl auch der Wirklichkeit
entsprochen haben je nach der moralischen Höhe der einzelnen Badestube.
In ~Hans Sebald Beham~s (1500–1550) Darstellung der Luna ist die Tracht
noch die alte (Abb. 38), und die Dorfordnung von Nüdlingen von 1594
gebot, es „sollen die Mannspersonen sowohl die junge Gesellen an dem
Tantz, sonderlich vf dem offen Platz in ihren Kleydungen, Kittel oder
Röcken vnd nicht im Leib wie eine Badmaid im Hembd tantzen“[589],
ebenso die von Euerdorf gegen Ende des 16. Jahrhunderts[144]. Im
Nürnberger Trachtenbuch (17. Jahrhundert) erscheint die Baderin
gegenüber früheren Zeiten bedeutend mehr bedeckt (Abb. 80), im
Frauenbade waltete sie aber völlig nackt ihres Amtes (Abb. 40).
[Sidenote: _Die Bekleidung der Badenden / Die Badehr_]
Die Badenden sind auf den Bildern zum Sachsenspiegel (Abb. 67 und 68)
nackt, aber schon zu Anfang des 13. Jahrhunderts bezeichnet es ~Wolfram
von Eschenbach~ im Parzival als größte Verlegenheit, wenn man nackend
ohne Tuch im Bad gefunden würde[585]. Die Männer tragen auf anderen
Bildern durchgehends, auch wenn sie von männlichen Badern bedient
werden, die Badehose, im 18. Jahrhundert auf den erwähnten Abbildungen
auch den Schurz (Abb. 91). Auffallenderweise sind die Frauen auch bei
Bedienung durch männliche Bader meist nackt im Bade (Abb. 39). Auf
einzelnen Darstellungen, z.❆B. in Abb. 36 und 82, tragen sie eine Art
Schürze, und ~Guarinonius~ erwähnt 1610 eine Bekleidung für Mädchen,
die hinten offen ist, und nennt sie Badehr[134]. Mit diesem Ausdruck
wird zuweilen auch ganz allgemein ein Badhemd bezeichnet, so geschieht
es z.❆B. bei ~Hess~, aber mehr ironisch[315]. ~Wieland~ sagt: „Kurz
und gut, sie hat, mit Gunst zu sagen, keinen Lappen am Leibe, nicht
einmal eine Badehre“[151]. Badehr war ein Kleidungsstück, das die
Scham der Frau bedeckte und beim Manne der Badehose, die „bruech oder
Niderkleid“, auch niderwat und Untergewand genannt wurde, entsprach.
So sollten nach einer Ordnung des Rats von Baden in der Schweiz (1506)
die Männer (im Mineralbade) im Untergewand, die Frauen in der Badehr
ins Bad gehen[38], und in einer Züricher Gschauordnung vom Jahre 1769
wurde befohlen, mit der Austeilung von „Bruechen und Badehren“ an
die Armen des Bads an der Spannweid sparsam zu sein[412]. Nach dem
Frauenzimmerlexikon von 1715 band die vornehme Frau die Badeschürze
vor, wenn sie auf dem Rücken geschröpft wurde[422]. ~Zedler~ gibt
1733 in seinem Lexikon an, daß Badeschürze ein Vortuch von weißer
Leinwand sei mit einem angesetzten Latz, dessen sich die Frau beim
Schröpfen bediene. Er nennt aber auch einen von weißer Leinwand
gemachten Schurz, welchen das Frauenzimmer bei dem Bad umschlägt und
fast die Gestalt einer Weiberschürze hat, Bademantel[468], während
nach dem Frauenzimmerlexikon der Bademantel beim Verlassen des Bades
umgeschlagen wird. Es kann kein Zweifel sein, daß die Badeschürze die
alte Badehr und nur ein Bekleidungsstück der Frau war. 1669 hinterließ
Jungfrau Elisabetha Zollerin in Zürich: „16 Hembder und Bad-Ehren, 32
Hembder und Bad-Lacken, item Bad-Ehren“[308].
Auffallenderweise mußten aber 1347 die Einwohner von Augsburg dem
Bischof, wenn er badete, zwei neue Badeschürzen schenken[144].
Möglich ist es, daß in diesem Falle die Badehose durch die Schürze
vertreten wurde. Das Badehemd des Mannes muß sich von dem der Frau
auch unterschieden haben; denn in der Hinterlassenschaft der adeligen
Familie von Sal in Winterthur fand sich 1469 ein „Manbadhempt“[57].
[Illustration: Abb. 82. Badestube. Holzschnitt aus: Michael Hero,
Schachtafeln der Gesuntheyt. Straßburg, Schott. 1533.]
[Sidenote: _Die Herbeischaffung des Wassers zur Badestube_]
Nach ~Ryff~ war es in Deutschland Sitte, das Wasser für die Badestube
aus dem Bach zu nehmen, der als Kloake durch die Stadt floß. Die
Badestube sollte am fließenden Bach liegen[48]. Wir finden aber
recht oft die Verwendung von Brunnen- und Quellwasser, ja einzelne
Badestuben gebrauchten Mineralwasser. So wurde 1470 an der Metzgergasse
in Winterthur eine Badestube (die untere) gegründet, die ihr Wasser
aus dem heiligen Berge bezog, nach dem sie den Namen Goldbad führte.
Wohl auf Grund der edlen Bestandteile der Quelle steigerte man 1675
dem Bader den Zins des Wasserrechts von 12 auf 42 Pfund, während —
wie wir sehen werden — gerade um diese Zeit die Badestuben eher
einer Erleichterung bedurften. 1691 beschrieb der Stadtarzt ~Künzli~
angebliche mineralische Bestandteile des Wassers. Das Bad nahm
infolgedessen an Besuch zu; aber Ende des 18. Jahrhunderts war der
Glaube an das Gold und dessen Wirkung verloren gegangen und das Wasser
des Goldbades fand nur noch im Schlachthause Verwendung. 1806 wurde die
Badestube abgebrochen[57]. Auch in Basel gab es einen Goldbach, der
in der Nähe des Gesellschaftshauses zum Ingber hervorquoll und im 14.
Jahrhundert zwei Badestuben, seit 1407 drei hinter St. Andreas gelegene
versorgte[260]. 1471 wird bei Winterthur auf dem Limperge das Lörlibad
zuerst genannt, 1527 standen noch drei Häuser und Hofstetten samt dem
Bad. 1537 leitete man das Wasser in die 1349 zuerst genannte (obere)
Badestube, die bisher ihr Wasser aus zwei Quellen im Mockentobel bezog,
ließ das alte Lörlibad verfallen, und nun wurde die obere Badestube
unter dem Namen Lörlibad zum Mineralbad erhoben. Die Gäste, welche
fortan zur Reinigung ihres Körpers die Badestube aufsuchten, durften
nicht in die Badkästen aufgenommen werden, sondern erhielten besondere
Zuber oder durften nach Schluß der Badezeit um sieben Uhr abends im
Wasser der Kurgäste baden[57]. Auch in Canstadt leitete man die Quelle
des Wildbades nach dessen Zerstörung im Dreißigjährigen Kriege in die
1538 neu erbaute Badestube, wo bis gegen 1820 gebadet wurde[154]. 1337
lag in Bamberg eine Badestube bei der Quelle, genannt Steinbrunn[144].
In Durlach floß 1536 das Wasser in das Bad. War es unsauber, mußte der
Bader dem Bürgermeister Anzeige erstatten[219]. Selbstverständlich
waren Röhrenleitungen oder andere Vorrichtungen nötig, um das Wasser
in das Bad zu leiten. In Abb. 39 rechts ist neben zwei Arten von
Ziehbrunnen eine solche (links das Herbeischaffen des warmen Wassers)
dargestellt, ähnlich in Abb. 82. In Görlitz wurde 1489 der Salmannsborn
in Röhren in die neue „badestoben“ geführt[202], in Bräunlingen bei
Donaueschingen lief 1467 der Brunnen in zwei eisernen Röhren in die
Badestube[219]. Die Heidestube in Wernigerode, die man auch „den
stoven“ auf der Heide nannte, hatte 1447 eine Röhrenleitung aus
Erlenholz[439]. Im 18. Jahrhundert bestand die Leitung des Cannstatter
Mineralwassers zur Badestube in einer ungefähr sechshundert Schritt
langen offenen Rinne[154]. Nach ~Meyer-Ahrens~ zeigt die Abbildung
einer Klosterbadestube einen laufenden Brunnen[565]. 1567 bat der Bader
zum Loch in Würzburg, daß ihm an den Badetagen der Bach durch einen
Kanal über den Stadtgraben an der Spitalmühle in seinen Brunnen geführt
oder in das Bad geleitet werde[144]. Die 1288 zuerst erwähnte Badestube
an der Pegnitz in Nürnberg[195] erhielt das Wasser aus dem Fluß durch
ein Schöpfrad:
„Ein Wasserrad, schöpft in das Bad
Wasser genug nach allem Fug,
Thut in die Stuben fließen“[464].
Im Boller Bad wurde 1632 das Wasser mit Eimern aus dem Brunnen
gezogen, die sich selbst ausgossen[67]. 1636 bewilligte der Rat von
Zürich, daß in die Badestube an der Schipfe (zuerst 1357 erwähnt,
das Haus heißt heute noch zur Badestube) ein Wasserrohr vom Rad auf
der unteren Limmatbrücke auf Kosten des Baders gelegt werde[173].
Auch Hausbadestuben hatten, wie wir vom Schloß in Baden-Baden wissen
und wie Abb. 61 zeigt, Röhrenleitungen. In Zürich wurden schon 1421
Wasserleitungen in Privathäuser bewilligt, die von den öffentlichen
Brunnen ausgingen und ins Haus zu einem Brunnen mit Hahn führten[590].
[Sidenote: _Die Abführung des Badestubenwustes_]
Viel Sorge machte der sogenannte Badstubenwust, der Abfall der
Badestube. Man hielt den mit dem Schweiß der Badenden vermischten
Dampf für schädlich. So verbat sich einmal ein Professor, der Zöglinge
zu unterrichten hatte, die Nachbarschaft einer Badestube, weil die
aufsteigenden Dämpfe Kopfweh, Schwere und Mattigkeit der Glieder
hervorrufen könnten[242]. 1515 unterstand sich der Bader am Sande in
Würzburg, den Abzugskanal aus seiner Badestube bei den Steinhütten
in den Main zu leiten, wodurch ein solcher Gestank entstand, daß die
Steinmetzen nicht mehr arbeiten konnten[144]. Nach den Nürnberger
Polizeiordnungen des 13. und 14. Jahrhunderts durfte der Bader hinter
den Fleischbänken keine Tür und Fenster (die übrigens nach ~Ryff~
der Holzersparnis wegen sehr klein waren)[48] in der Gasse gegen die
Fleischbänke haben. Der Bader unter der Burg mußte eine Grube für sein
Wasser graben, daß es nicht durch die Stadt herabrinne. Er sollte das
Wasser mit dem Regen herablassen, und wenn es lange nicht geregnet
hatte, nachts austragen, daß es bei Nacht herabrinne[201]. In Bern
wurde 1392 Hans Sachs, dem Inhaber der „Baadstube bei dem obern Thor“
befohlen, besonders „mit dem Wässeri“ die Badestube redlich und recht
zu unterhalten, daß hierdurch weder der Stadtturm und die Ringmauer
noch des Bernhard Fridbolds Haus geschädigt werde[557].
[Sidenote: _Lage der Badestuben_]
Die Badestuben finden wir öfters dicht aneinander gelegen, häufig in
der Altstadt, was wohl darin seinen Grund hat, daß die Ehehaftrechte
auf ihnen lagen und in späterer Zeit, neue Badestuben aufzuführen,
verboten war. In Ulm gab es Badeplätze, wo mehrere Badestuben
beieinander lagen[50]. Maßgebend für die Anlage war auch die Nähe
des Wassers. In Bern lagen die meisten am Badergraben[199], in
Zürich an der Limmat, sogar in Nachbarhäusern[173]. Wir finden sie
auch öfter bei oder vor den Toren. So hatte Jena eine Badestube vor
dem Johannistor[16], eine vor dem Saaltor[290]. In Riga lagen die
3 Badestuben im 13. und 14. Jahrhundert an den Pforten, nach denen
sie benannt wurden[193], in Zittau kommt 1340 eine Stube vor der
Stadt vor[16]. Speier hatte im 14. Jahrhundert ein „estuarium an
dem drencdor“, 1326 eine Badestube „vor deme Rinburgetor“, im 14.
Jahrhundert ein „ante veterem portam estuarium zu dem Nusbaume“, das
1586 als in der Vorstadt „vorm Altportel“ gelegen bezeichnet wird[273].
Vielleicht war diese Lage vor der Stadt durch die Feuergefährlichkeit
der Badestuben bedingt. Im Dorfe Altenmarkt (Bayern) lag die Badestube
an „aim gässel“, welches so weit sein sollte, daß die Zufuhr von Holz
und anderen Dingen nicht behindert würde[535]. In Burgau, einem kleinen
Dorfe bei Bülach (Schweiz), stieß die Badestube im 16. Jahrhundert mit
zwei Seiten an die Landstraße[600].
[Sidenote: _Zusammenfassung_]
Fassen wir die Vorgänge in der Badestube noch einmal kurz zusammen. In
der Abziehstube legte man die Kleider ab, wo sie fehlte, auch im Bad
selbst, falls man nicht vorzog, sie daheim zu lassen. In der Badestube
gossen sich arme Leute mit warmem Wasser ab, bei reichen besorgte es
der Bader mit Lauge und verband damit das Massieren (Abb. 83). Der
Vorgang konnte auch durch ein Wasserbad, wahrscheinlich in Verbindung
mit Reiben, ersetzt werden. Darauf legte man sich auf die Schwitzbank,
in größeren Badestuben stieg man allmählich bis zur Oberbank. Nun
wurden die heißen Steine begossen, die Dampfentwicklung ging vor sich,
währenddessen die Badenden oder der Bader questete. Nach dem Schwitzen
wurde man abermals begossen mit lauem Wasser oder Lauge, wobei auch
gerieben wurde (Abb. 83). Wer Kopf waschen oder Schröpfen wünschte,
ließ es jetzt besorgen, ruhte darauf in der Abziehstube und verließ
nach einer kalten Abgießung das Bad. Diese letzte Übergießung scheint
in der Abziehstube stattgefunden zu haben (vgl. ~Helbling~), darum fand
sich in derselben bei den Johannitern in Wildenbruch eine eingemauerte
Pfanne mit Wasser vor. Immer wurde dieses Schema wohl nicht
innegehalten. So konnte man an Stelle der vorletzten Übergießung auch
ein Wasserbad nehmen, tat dies auch nach dem Schröpfen, oder man kühlte
nur den Kopf. Manche schwitzten nochmals im Ruhebett. ~Etschenreutter~
sagt 1571: „dann vil mahl sich zůtregt, wann einer in der batstuben
erschwitzet, darnach im wasser bad badet, also außgehet, das er für
sich selbs erst in der anziehe stub widerumb erschwitzet, die sonst für
sich selbs allein terperirter werme“[449].
Überall da, wo mehrere Menschen zusammenwohnten, glichen die privaten
Badestuben den öffentlichen. In den Bürgerhäusern gab es nur
Wasserbäder und als Ersatz des Schweißbades kastenartige Vorrichtungen.
Nach Gebrauch derselben goß man sich aber wahrscheinlich, im Gegensatz
zur öffentlichen Badestube einer Bemerkung bei ~Ryff~[48] nach, nicht
ab.
[Illustration: Abb. 83. Reiben vor (links) und nach dem Bad (rechts).
Holzschnitt aus: Hero, Schachtafeln der Gesuntheyt. Straßburg, Schott.
1533.]
[A] Nach dem Baseler Exemplar. Die Mitteilung verdanke ich Herrn
Oberbibliothekar Dr. ~Bernoulli~.
[B] Nach den deutschen Volksbüchern sah ~Apollonius~ einen Knaben mit
einem Becken durch die Straßen laufen, der an alle Türen klopfte und
mit lauter Stimme rief: „Hört Reich und Arm usw.“[470]. Der Ruf ist
dem bei Steinhövel sehr ähnlich.
[C] ~Guillaume de la Villeneuve~ sagt in seinen Crieries de Paris:
„Oiez c’on crie au point du jor:
Seignor, qu’or vous allez baingnier
Et estuver sans delaier;
Li bains sont chaut; c’est sans mentir.“
Schon im 13. Jahrhundert mußten sich die pariser Bader verpflichten,
das Bad nicht vor Tagesanbruch auszurufen. Das altfranzösische
Badeleben hatte sehr viel Ähnlichkeit mit dem deutschen. Vergl.
darüber ~Depping~[471].
[D] Ich habe nur zweimal Diebstähle erwähnt gefunden. 1456 wurde dem
Rat in Würzburg angezeigt, daß der Bader zum Sand einen Dieb gefangen
habe[144]. In seiner Weißenhorner Historie vom oberschwäbischen
Bauernaufstand schreibt ~Nikolaus Thoman~ 1488: „Es begab sich, das
ain waldknecht ain fremden seckel in dem bad nam, saget, er were
sein. Do es offenbar wart, wollten in die andren knecht nit me under
ynen lassen, da musset er hinweg und sunst ander ach“[128].
[E] Diese Abbildung verdanke ich dem verstorbenen Herrn
Oberbibliothekar ~von Heinemann~ in Wolfenbüttel. Sie deckt sich
vollkommen mit der des (von Karl von Amira herausgegebenen[624])
Dresdener Sachsenspiegels.
[F] Im Mainzer Hofe zu Erfurt waren im Bad Bänke, Boden, Schemel und
„hultzern pfulffe“, also +hölzerne Kissen+ rein zu waschen[569].
[G] ~Hess~ singt 1818 von Baden:
„Einsam zwar und allein im stillen Gewölbe des Bades,
Bin ich verlassen doch nicht; denn das Heimchen, das gern
Sich zu Menschen gesellt, zirpt ungesehn in der Nähe,
Und vor der inneren Welt lächelt mir, Liebchen, dein Bild!“[315].
[H] Diese Stelle steht mit der weiter unten erwähnten, aus
~Brunssfels~ entnommenen, in Widerspruch. Das Schwitzen vor dem
Begießen mit heißem Wasser ist hier gleich erwärmen zu setzen und
sollte an kühler Stätte in der Badestube oder, wenn eine Abziehstube
vorhanden war, in dieser stattfinden, um den Körper nicht dem
plötzlichen Temperaturwechsel zwischen kalter Außenluft und der Hitze
der Badestube auszusetzen.
[I] Nach diesen Angaben kann kein Zweifel sein, daß man sich nach dem
Schweißbad mit kaltem Wasser abgoß. Auch ~Fischart~ sagt in „Aller
Practick Großmutter“ (Vorrede zur Ausgabe von 1623):
„Ihr schnapt nach dem Athem oder nicht,
wie ... ein Kaltbeschütter im Bad“[31].
[J] ~Ryff~ kannte also schon die sogenannte Reaktion und wußte, daß
im Gegensatz zu kräftigen Personen von magern die kalte Übergießung
schlecht vertragen wurde.
[K] In der Einteilung der Bäder herrscht ein großer Wirrwarr. In
~Blondels~ Werk über Aachen werden 1688 die Dampfkastenbäder als
Sudatoria sicca, seu vaporosa (truckne schweiß oder schwadembäder)
bezeichnet[409]. ~Wetzler~ spricht 1822 vom +trockenen Dampfbade+,
das gemeinhin Schwitzbad genannt wird (~Reil~ nennt es Feuerbad)
und stellt diesem gegenüber das feuchte Dampfbad, das in engerem
Sinne Schweißbad genannt wird, wobei auf dem Ofen liegende
Kieselsteine mit Wasser übergossen werden, oder wo in eigenen
Apparaten (Dampfbadewannen) Wasser durch bis zum Rotglühen erhitzte
eiserne Kugeln in Dampf verwandelt wird, oder wo Dämpfe von Thermen
in Schwitzhäuser oder Kasten oder endlich die Dämpfe gewöhnlichen
Wassers von einem Kessel in solche Kabinette geleitet werden“[370].
Auch ~Schreger~ unterscheidet trockene und feuchte Dampfbäder.
Erstere sind meist Beräucherungen, zu letzteren rechnet er das
Weingeistdampfbad[4], unser heutiges Heißluftbad. In ~Zedlers~
Lexikon von 1733 sind Bäder von Asche, Salz und Stahl-Feile als
Balnea sicca in Gegensatz zu den balnea humida bezeichnet, die
vaporosa vom Dunst ausgekochter Kräuter oder aquosa (künstliche von
Dekokten und natürliche Bäder) sein können[468]. ~Bauhin~ sagt 1602
von den Dampfbädern: „man nenne sie jetzt gleich Dampfbäder, trucken
Bäder oder Schweißbäder“[331]. Verhaltungsmaßregeln zur Pestzeit
aus dem 15. Jahrhundert geben an: „in einem Wasserbad magst du ein
wenig switzen“[238], ebenso ~Ellenborg~ 1484[16]. ~Ryff~, der das
Dampfbad als trockenes Schweißbad bezeichnet, spricht einmal vom
nassen und feuchten Schweißbad[48], worunter nach dessen sonstiger
Auffassung ein Wasserbad verstanden werden muß. Vielleicht waren
diese Wasserschwitzbäder die mit einem Dach versehenen, durch welches
das Entweichen der Dämpfe verhindert wurde.
[L] Sollte Lecke nicht mit Lacus See, Lake Salz(See)wasser und Lache
(im österreichischen Dialekt Lacke) Wasserpfütze zusammenhängen? Nach
~Schöpf~ heißt in Tirol das Bad auch „die lak“[441].
BADELEBEN IM SPÄTEREN MITTELALTER / UND IN NACHMITTELALTERLICHER ZEIT
Welch hohe Bedeutung man dem Baden für das Volkswohl zuschrieb, geht
daraus hervor, daß es in den populären Anweisungen zur Gesundheit und
den Volkskalendern, die der tägliche Ratgeber des gemeinen Mannes
waren, eingehende Berücksichtigung fand. Die darin gegebenen Regeln
sind eine Umarbeitung und Anpassung an unsere Verhältnisse des Regimen
sanitatis Salernitanum, eines Lehrgedichtes der medizinischen Schule
von Salerno, das gegen Ende des 11. oder zu Anfang des 12. Jahrhunderts
entstand. Es ist dem Prinzen Robert, dem Sohn Wilhelms des Eroberers
gewidmet[527]. Nach der Straßburger Bearbeitung von 1505[25] ist es von
einem weisen Meister zu Paris für den König von England geschrieben
worden, nach einer Leipziger Handschrift aus dem 14.[507] und dem
St.Galler Kodex 760 aus dem 15. Jahrhundert von Aristoteles für den
König Alexander.
Baden wird an dritter Stelle zur Erhaltung der Gesundheit für nötig
gefunden.
„Daz drit, daz die nataur wil haben,
ist daz twahen und daz paden“,
heißt es im Ring[230], und der Meistersinger ~Hans Rosenblut~ sagt
(ungefähr Mitte des 15. Jahrhunderts):
„Der dritt leiparczt ist ain pader
Der padt den leip vnd schleht dy ader
Vnd schirt das haubt vnd fegt dy glyder“[12].
[Sidenote: _Das Regimen sanitatis_]
Neuere Schriftsteller geben fast durchgehends an, die Lehren des
Regimen sanitatis, das nur italienische Verhältnisse berücksichtigt,
sei in plumper Weise von den Deutschen befolgt und so der Mai auch
für unsere kältere Gegend zum eigentlichen Bademonat erhoben worden,
während Juli und August als ungeeignet verworfen wurden, weil Italiens
Ärzte wegen der dort herrschenden Hitze vom Gebrauch der Bäder
abrieten[16]. Diese Ansicht ist unrichtig.
Zunächst glaube ich nicht, daß die Vorschriften des Regimen im
allgemeinen eingehalten wurden. So sollten Leute, die wenig arbeiten,
aber viel essen und trinken, Schweißbäder, die anderen Wasserbäder
gebrauchen. Im Züricher Kalender von 1508, einem der ausführlichsten
und besten, sind Schweiß- und Wasserbäder miteinander verwechselt[26],
und ~Ryff~[48] sagt, daß in Deutschland mäßige, zum Wasserbad geeignete
Leute wenig gefunden würden, zugleich ein Beweis, daß Wasserbäder
weniger als Schwitzbäder benutzt wurden[A]. Die Vorschriften in den
Kalendern und den verschiedenen Anweisungen zur Gesundheit betreffen
in der Regel nur das Baden in der Badestube. Das geht am deutlichsten
aus einer Schrift von ~Küngsper~ (Regiomontanus, Joh. Müller von
Königsberg) hervor. Er sagt: „Mann soll nicht lassen (aderlassen),
wedder Baden noch tranck nemen in den Hundtstagen“ (17. Juli bis 21.
August) und beim August: „Man solt auch offt in kaltem wasser baden
für die hitze, denn hütet man sich vor hitze nicht, so kompt dauon
hauptweh“[262]. Hören wir weiter die verschiedenen diesbezüglichen
Schriften selbst.
[Illustration: Abb. 84. Darstellung der im Regimen sanitatis
geforderten Vorgänge zur Erhaltung der Gesundheit. Im Vordergrunde
Aderlassen, Schweißbaden mit Schröpfen und Wasserbaden. Fabel vom
reichen Mann. Kpfr. von Aldegrever. 1554.]
[Sidenote: _Baden in den Volkskalendern_]
Die älteste deutsche Bearbeitung des Regimen sanitatis, die
beinahe, aber doch nicht wörtlich mit einer zu Basel aufbewahrten
provençalischen Handschrift aus Montpellier übereinstimmt, ist die
sogenannte Mainauer Naturlehre. Sie wurde wahrscheinlich Ende des 13.
Jahrhunderts von einem Deutschritter auf der Insel Mainau verfaßt und
ist in einer Handschrift des 14. Jahrhunderts von ~Konrad~ von St.
Gallen enthalten. Dort heißt es vom Lenz: „so ist och decheine zit
besser ... zebadenne“, vom Sommer: „unde man sol kaltiu beder mezeclich
uben“. Im Herbst wird vor den Thermen gewarnt[44]. Ein deutscher
Pergamentkalender der Kopenhagener Bibliothek aus dem 14. Jahrhundert
empfiehlt im Februar „sweis baden“, im März baden und verwirft im
November und Dezember das Bad[504]. ~Johannes Gredinger~ hat 1428 in
seinem Kalender verzeichnet für Januar: „Vnd paden ist gesunt vnd pad
in steynpaden .... vnd la dir vil mit warmer lawg twahen“, für Februar:
„Vnd nymst du ein trank, daz trink in eym pad“, für März: „Vnd oft
paden ist gesunt, vnd niht zu hais. Vnd wasch dein zen ym pad vnd
reib sie mit salcz“, für Mai: „pad mit guten krewtern in eym schaff,
daz oben wol bedekt sei“, für Juni: „Vnd pad niht vil vnd vast niht
lang“, für Juli: „vnd pad kül“, für Oktober: „Vnd pad niht hais noch
ze vil“, für November: „Vnd pad niht hais“ und für Dezember: „Vnd
paden ist gut“. Er faßt zusammen: „In dem Merczen pad, in dem Awgst
(August) ge niht zu haissem pad“[43]. Im Pergamentkalender der Züricher
Stadtbibliothek von 1467 heißt es: „Im Hornung: offt sol man baden in
schwaiß bad. Im Mertzen: vnd in schwaiß baden sol man offtbaden. Im
Abrellen: offt sol man baden. Im Meyen: bad ist gůt vnd besunder wurtz
beder. Im brachet: och in kaltem wasser dick (oft) baden. Im Höwet:
darumb sol man nit tranck nemen noch nit lassen (aderlassen). wann in
dem bad mit fintusen dem es not ist. In senfften bedern mag man wol
nüchter baden. Im Ögsten (August): offt sol man in kaltem wasser baden.
von der grossen hitz wegen. wann hütet man sich nit vor der hitz. so
erwellet sich das hirn das der mensch villicht houbt siech werden
möcht. Der erst winttermanott (November): wenig vnd selten ist zebaden.
myd ouch namlich sweiß bad. es ist ouch in keinem manot (Monat) bad
als vngesund als in dem manot“[308]. Aus dem 16. Jahrhundert sei der
Kalender des Frankfurter Stadtarztes ~Eucharius Rösslin~ von 1533
angeführt. Im Januar soll man nach dem „Regiment Ipocratis der 12
Monat“ selten baden, im Februar, März oft schweißbaden und im April oft
baden. Im Mai sind alle, besonders Kräuterbäder gut. Im Juni soll man
kurze Bäder haben, im Juli allein im Bad schröpfen, wenn es vonnöten
ist. „In senfften baden mag man wol nüchtern baden ... Man soll auch
wenig badenn“, im August oft in kaltem Wasser baden für die Hitze,
im November wenig und selten baden und gar nicht schweißbaden[505].
Auffallend ist es, daß eine Münchener Handschrift des 15. Jahrhunderts
beim Januar hat: „Kühl erlaub ich dir zu paden“[42], wobei „in der
Badestube“ zu ergänzen ist.
[Illustration: Abb. 85. Badeszene. Darstellung des Monats August.
Handzeichnung von Virgil Solis. (1514–1562.)]
[Sidenote: _Beachtung des Mondstandes_]
Allmählich schrumpfen im 16. Jahrhundert die in den Kalendern gegebenen
Baderegeln immer mehr zusammen, die alten Badebilder, die sich
fast durchgehends nur beim Mai finden (Abb. 58) — ~Virgil Solis~
(1514–1562) bildet aber das Bad beim August ab (Abb. 85)[594] — fallen
schließlich ganz weg. Im Badener Kalender treten 1739 zum ersten
Male beim Juni die im Flusse badenden Kinder auf[506]. Die zum Baden
günstigen Himmelszeichen sind im Züricher Kalender bis 1826 samt dem
Aderlaßmännchen angegeben. 1827 findet sich eine moderne Anweisung zum
Gebrauch der Bäder mit dem Zusatze, daß die Alten einigen Wert auf den
Einfluß, den der Mond auf unseren Körper habe, legten und deswegen der
Kalender die Himmelszeichen noch bringe, damit niemand nichts vermisse.
Von 1833 an wird das Baden nicht mehr erwähnt.
Die alten Kalender berücksichtigten den Stand des Mondes sehr genau. In
der Regel, z.❆B. im St. Galler Kodex 760, ist angegeben, im abnehmenden
Mond zu baden und wenn der Mond im Widder, Skorpion, Krebs oder den
Fischen ist. Zugefügt ist noch, daß Meister ~Halevy~ spricht, in keinem
heißen Zeichen als im Löwen, Jungfrau, Zwillingen und Steinbock in das
Bad zu gehen. In einer Ordnung der fünf Meister Bader zu Zürich von
1604 wird auf die Himmelszeichen Bezug genommen: „Demnach söllent die
fünff Meister ein täfeli haben. Darjnnen sy mit jren nammen geschriben
sind. Da sol nun je der eltist Meister zum vorderisten. vnnd dann also
ein anderen nach, vom kräps. biß jnn Zwiling. diß täfeli by synen
hannden haben. Derselbig Meister sol alßdann die anfrag thun. wann vnnd
wie mann jm schützen vnnd jm waßerman heitzen welle. vnnd waß sich dann
dryg (3). vnnder jnnen mit einanderen verglichen thetind. sol alßdann
der meister. der die Vmfrag vnnd diß täfeli hat. sölliches den vberigen
beiden Meisteren verkünden. Damit man also einheilig heitzen khönne,
vßgenommen alle Sambstag. doran ein jeder sonst ze heitzen befügt
jst“[240].
[Sidenote: _Badebedürfnis_]
Durch Befolgung der Kalenderregeln hoffte man seine Gesundheit zu
erhalten. Wie sehr das Bedürfnis zum Bade vorhanden war, zeigen
folgende Stellen. Nach der Speierischen Chronik zog 1476 König Matthias
gegen die Türken mit siebenhundert Schiffen, „die sint zu gericht nach
aller notturff mit volck, were und spiß, und uff den schiffen sint
zu gericht stuben, kamern, +batstuben+, smytten und backoffen“[129].
~Geiler von Kaisersberg~ sagt 1498, viele Weiber gingen nicht nur zwei-
oder dreimal ins Bad, sondern heizten auch noch Sonntags das Badstüble
daheim[271]. Im Juliusspital zu Würzburg bestand schon frühzeitig eine
Abteilung für Geisteskranke, die damaliger Auffassung gemäß im „Kerker
der Wahnsinnigen“ oder dem „Gefängnis der Angefochtenen“ in Ketten
lagen. Diese hatte nach der Ordnung von 1585 die Wärterin je zu Zeiten
herauszutun und zu baden[528]. Wenn ein Gläubiger in Frankfurt am Main
einen Schuldner gefangen nehmen ließ, war er gesetzlich verpflichtet,
ihm alle vier Wochen ein Bad geben zu lassen[127]. Selbst die gemeinen
Frauen zu Nürnberg hatten im 13. und 14. Jahrhundert vom Wirt alle
Woche in ihrem Hause mindestens ein Bad zu beanspruchen[201]. In
Regensburg war 1369 einer angesehenen Bürgerin als Strafe auferlegt
worden, ein Jahr lang nicht aus ihrem Hause zu gehen; jedoch gestattete
man ihr neben Beichte und Abendmahl nach ihrer Notdurft den Besuch des
Bades[16]. 1502 erschien der Türmer Lorenz vor dem Rat zu Würzburg
mit der Bitte, ihm bisweilen zu erlauben, in die Kirche und zum Bad
zu gehen. Letzteres wurde ihm alle vierzehn Tage gestattet nach
vorheriger Einholung der Erlaubnis vom Bürgermeister. 1599 erhielt
der Türmer einen Verweis wegen Trunkenheit, unzeitigen Herabkommens,
und weil er am Sonntag statt am Samstag Bad gehalten habe. Künftig
sollte er jedesmal um Erlaubnis nachsuchen[144]. Fremden Bettlern wurde
1527 der Aufenthalt in der Stadt Münerstadt (Mürstat), den Dörfern
Ethausen und Werberichshausen im Bistume Würzburg verboten, nur dem
Armen vorübergehend gestattet, welcher „der notturfft halbenn seins
leibs artzeney zu suchenn, zu badenn“ käme oder wegen Teuerung aus
der Heimat gezogen wäre[472]. Fast die gleiche Ordnung wurde 1528
für die Stadt Würzburg erlassen[144]. 1562 heißt es in einem Liede:
„Die Handwercksgesellen, die kumen das Badgelt hand, solch Hosen
(Flodderhosen) tragen wöllen“[557]. „Ach bist so ellend dort (in der
anderen Welt), mein man, hast nit ein pfenning in ein badt“, klagt die
einfältige Bäuerin, der der fahrende Schüler von ihrem verstorbenen
Mann und dessen Not erzählt (1560)[46].
[Illustration: Abb. 86. Badestube in Konstanz zu Anfang des 14.
Jahrhunderts. Wandgemälde daselbst. Nach ~Ettmüller~.]
[Sidenote: _Schweißbäder wurden zur Reinigung des Körpers genommen_]
An erster Stelle waren die Bäder natürlich zur Reinigung des Körpers
bestimmt, und zwar diente dazu, wie heute noch bei den Finnen, das
Schweißbad. „Heüttigs tags brauchend wir gemeincklich dz schweißbad
allein, die haut vom schweyß, vnnd schmutz zů seübern, auch dz
wasserbad mehr von wollust (Vergnügen) wegen, dann zů gsuntheit“,
schreibt 1571 ~Etschenreutter~[449]. Schon im nackten König vom
Stricker (Mitte des 13.Jahrhunderts) wird der Bader „sweizbadaere“
genannt[212]. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts sagt ~Guarinonius~, der
gemeine „Böffel“ und viele ansehnliche Bürger aller Städte halten am
„schweiß- und dempffbaden ... dermaßen steiff vnd starck ..., daß
sie vermeyneten viel verloren vnd verabsaumbt zu haben, wann sie
nit alle Sambstag vor dem Sontag, oder alle Feyrabend vor den Fest-
und Feyrtägen, in das gemeine feil oder besondere Schweißbad gehen,
schwitzen, sich reiben, fegen, butzen, vnd abwaschen lassen solten“.
Alle Samstag laufen die Handwerker dem Bade zu, nicht allein ihren
Schmutz und Wust, sondern auch den an ihnen vertrockneten Schweiß durch
geringen Schweiß wieder vom Leib „abzuschwentzen“. Reiche und Arme
meinen, es sei nicht Sonntag oder Feiertag, wenn sie nicht Sommer und
Winter am Samstag oder Feierabend gebadet haben[134]. Wahrscheinlich
wurde das Wasserbad vom armen Manne selten benutzt, das hatte seinen
Grund schon im Preise, der in Bamberg z.❆B. 1480 zwölfmal höher war
als der fürs Schweißbad[144].
Auf den Konstanzer Wandgemälden aus den ersten Dezennien des 14.
Jahrhunderts sind auf siebzehn Bildern Fabrikarbeiterinnen der
Textilindustrie in Tätigkeit dargestellt und zuletzt das Baden im
Schwitzbad[529] (Abb. 86). Auch Gudrun verlangt für sich und die
Jungfrauen, die in harter Gefangenschaft mit ihr spinnen und weben
mußten, nach der Befreiung sogleich ein Bad:
„‚Tuot mirz ze liebe Hartmuot‘ sprach daz edele kint
‚alle mîne meide, die hie verderbet sint,
daz man si bade hînte. volget mîner raete‘“[530].
So war das Bad am Samstag als am Ende der Arbeitszeit namentlich der
arbeitenden männlichen Bevölkerung bestimmt. Darum öffnete man am
Sonnabend Abend in Hamburg (1375) die Badestuben den Männern, während
an den Abenden der übrigen Tage die Frauen badeten, und wenn auf den
Sonnabend ein heiliger Tag fiel, mußten die Frauen den vorhergehenden
Werktagabend den Männern abtreten[217]. Die Handschrift eines
oberdeutschen Weichbildes schließt: „Daz buech hat ein ende. Daz got
all vaig schende. vnd geb uns sein gnad vnd hincz samztag ein guet bad.
amen“[531].
[Sidenote: _Das Schweißbad der Handwerker am Ende der Woche_]
Um die Badestube aufzusuchen, hörten einige Handwerke am Sonnabend
eine Stunde früher mit der Arbeit auf, man machte „Badschicht“[468],
wozu der Arbeitgeber noch das Badgeld, bezw. Stovengeld gab. Nach den
Baurechnungen des Bremer Rathauses erhielten meistens gegen zwanzig
Mann zusammen vier bis sechs Groschen „für den staven“[533]. Endres
Tucher bemerkt im Baumeisterbuche der Stadt Nürnberg (1464–1475):
„So soll im (dem Werkmeister der von der Stadt beschäftigten Maurer
und dem der Zimmerleute) der stat paumeister geben alle wochen, es
sei veiertag oder werckentag, für sein lone und padgelt fünf pfunt
alt“. Der Baumeister oder Werkmeister konnte einem Arbeiter, der es
verdiente, „zu zeitten ein pare pfenning zu badgelt mer geben“. Als die
Löhne stiegen, wurden die Badgelder herabgesetzt[596]. Außer diesem
wöchentlich verabreichten, gleichsam zum Lohne gehörigen Badgelde
gab man es aber sonst noch, wie heute das Trinkgeld. Im Regensburger
Stadtbuch von 1366 war ausgesprochen, den Tagelöhnern habe man kein
Trinkgeld, wohl aber Badgeld zu geben. In Frankfurter Ausgaberechnungen
von diplomatischen Reisen findet sich für die Diener der Gasthäuser und
für die Geleitsknechte Badegeld verzeichnet[127]. Man sprach auch vom
„Verbaden“ der Leute. 1485 sollten in Nürnberg die Brautleute außer
den Dienstboten „nyemannd verbaden oder padgelt für sie zalen“[201].
~Walfhart~ hat unter den Ausgaben Herzog Albrechts des Jüngeren von
Bayern im 14. Jahrhundert verzeichnet: „an Montag nach Purificationis
beate Marie verpadt mein Herre etlich fraven; an Pfintztag vor
Invocauit, verpadten die Zenger der Muraher meinen Herrn“[509]. In
Rechnungen des Chorherrnstiftes zu Klosterneuburg findet sich im
15. Jahrhundert mehrfach ein Posten, „die weinczürl (Winzer) ze
verpaden“[16].
[Sidenote: _Die Höhe des Badgeldes_]
In der Regel war das Badgeld für die einzelne Person so niedrig, daß es
nur die kleinste Münze betrug. „Meine Bücher, die ich mit großer Arbait
geporn, umb ein Badgeld hab müssen verschlaudern“, sagt ~Sebastian
Frank~[73]. In Bayern hieß man es geradezu Padpfenning (1294)[534].
Das Badgeld wurde auch in Naturalien gezahlt. In Raitenbuch bei
Weißenburg hatte jeder Bauer zu Lichtmeß „ain mz. korns, und 1
kebler, der ein sondre feuerstatt hat, ein mz. habern“ zu geben,
außerdem jeder, der zu Gottes Tisch geht (Erwachsener) dem Bader drei
„hochzeit pfennig“, nämlich Ostern, Pfingsten und Weihnachten[535].
In Böblingen erhielt der Bader von Unerwachsenen einen Laib Brot
zu Weihnachten[198], ebenso in Sundelfingen[16]. Wenn der Abt von
Wiltzburg nach Wetelsheim kam, um die „Pauding-Recht“ zu „suchen“,
sollte der Bader für ihn ein Bad haben, wofür er „ein metzen lauters
Korns“ von ihm erhielt (1402)[144].
Zuweilen werden die verschiedenen Angestellten für die einzelnen
Prozeduren bezahlt. In Böblingen erhielt gegen 1554 der Reiber einen
Heller zu reiben und einen Pfennig zu baden[198]. 1480 zahlte in
Freiberg in Sachsen jeder namhafte Mann drei Pfennig für sich und sein
Gesinde, anderthalb Pfennig dem Bader, einen Pfennig in die Stube
und der „Schurin“[B] einen Heller, ein Handwerksmann, ein lediger
Geselle dem Bader zwei Pfennig, die Frauen zwei Pfennig für sich, einen
Pfennig für die Magd, dem Bader und der Bademagd einen Pfennig[183].
Das Badegeld wurde demnach standesgemäß berechnet. Auch in Bamberg
betrug es 1480 einen Heller, für Vermögliche einen Pfennig, also das
Doppelte[144]. Nach ~Guarinonius~ erhielten die Ansehnlichen im Bad
besondere Bänke[134]. Es ist wohl anzunehmen, daß die verschiedenen
Stände gesondert badeten. In Gerolzhofen wird z.❆B. 1445 angegeben,
daß viele Frauen und auch etliche Männer am Sonnabend nicht gern ins
Bad gingen[239]. Die Fahrbadestube in Frankfurt am Main (1337 zuerst
erwähnt, 1450 aufgehoben), die dem Leonhardsstifte und der Stadt
gehörte, war dem Publikum nicht zugänglich, sondern für die Insassen
des Stiftes und die Herrn des Rates bestimmt[127]. In Butzbach in
Hessen dagegen gestatteten 1468 die Chorherren des Kugelhauses gegen
mäßige Entschädigung auch den Bürgern die Benutzung ihrer Badestube,
bis 1494 die Erlaubnis zurückgezogen wurde[194]. Auch in Villingen
verliehen die Johanniter ihre Badestube, bedungen sich aber aus, daß
wenn sie badeten, es geschehen sollte, als ob sie ihr Geld darum
gäben[16].
[Sidenote: _Das Badgeld der Angestellten_]
Nicht nur Handwerkern, sondern auch Beamten, zuweilen sogar den
höheren, wurde Badgeld verehrt und auch regelmäßig am Samstag. In
Rottweil erhielten die städtischen Angestellten (von 1315 bis Mitte
des 16. Jahrhunderts) „von ... amptz wegen“ neben Lohn, Geld für
Essen und Trinken an „Ungeltern“ auch Opfergeld und „batt gelt“[473],
ebenso bekamen zu Basel im 14. Jahrhundert der Ratsschreiber und
Unterratsschreiber von Zeit zu Zeit „Geld ins Bad“[260]. Frankfurt am
Main gab noch 1706 nach althergebrachter Gewohnheit den Bürgermeistern
und einigen Kanzleibediensteten alle Sonnabend eine gewisse Zahl
„Creutz-Heller“, die zur Zeit keine gangbare Münze mehr waren und
„BaadHeller“ genannt wurden[133].
In Butzbach in Hessen nahmen bei Gelegenheit des Bürgermeisterimbisses
Kellner und Herrendiener, Rat und Ratsdiener regelmäßig ein Bad,
dessen Kosten aus der Stadtkasse bestritten wurden. Auch wenn man
neue Gesellen in den Rat kor, pflegten sich Schöffen und Ratsmannen
diesen Genuß selten zu versagen. 1446 wird des bezeichneten Vorfalles
gedacht, daß Schöffen und Ratsfreunde, nachdem sie im Bad gewesen,
auf dem Rathause einen gemeinsamen Imbiß und ein fröhliches Gelage
veranstalteten und dann „unbezahlt hinweg gingen“[194][C]. Das
speierische Domkapitel hatte (1512) jährlich auf Martini dem Stadtrat
und den übrigen Stadtbeamten von Eßlingen ein großes Gastmahl im
Zehenthofe zu geben. Von einem Bade wird hier nichts erwähnt, wohl aber
gestattete man nach dem Mahle den Dienstboten, in das Badehaus zu gehen
und dort ein Bad zu nehmen. Am Fastnachtsdienstag mußte der Zehenthof
wieder ein großes Essen geben. Darnach durften die dabei beschäftigten
Dienstboten wieder ins Bad mit Ausnahme des Bäckers und seiner Frau,
die nur zu Martini das Bad bezahlt bekamen[61].
Fremde Gäste wurden von Behörden auch ins Bad geladen, das für sie
samt der Zeche bezahlt wurde. Als der Frankfurter Rat 1432 mit einem
anwesenden Edelknecht unterhandelte, beschloß er, ihm „daz bat zu
machen“[127]. In Basel ließ der Rat im 14. Jahrhundert fremde Gesandte
auf seine Kosten ins Bad führen[260]. 1423 verehrte der Butzbacher Rat
dem Junker von Eppenstein zwei Viertel Wein, „als ihn Herr Johann von
Stockheim (der Butzbacher Schultheiß) in das Bad geladen hatte“[194].
Ein besonderes Badgeld wurde den Arbeitern nach Fertigstellung
einer größeren Arbeit geschenkt. In erster Linie kommen auch hier
die Bauhandwerker in Betracht, die unseren heutigen Richtschmaus
im Bade feierten. Nach Frankfurter Baumeisterrechnungen gab man
1429 2 ß den Maurern „czum bade, als man murens uffhorte“, 1436 3½
ß den Steindeckern „czu bade czu geen vnd czu uerdrincken, als sie
den buwe follenbrachten“[127]. Ebenso häufig war ein Freibad mit
Bewirtung nach der Ernte und der Weinlese. Die Schnitter des Spitals
zu Mosbach bekamen 1527 nach der Ernte 1 ß. 2 den. zum Badgeld[461].
In den Rechnungen des Chorherrnstiftes zu Klosterneuburg wird im
15. Jahrhundert häufig für die Winzer Geld zum Bad und „das mal ze
pessern“ erwähnt[16]. Nach Beendigung der Herbstgeschäfte wurde dem
Klostergesinde, den Handwerksleuten und allen, welche für das Kloster
Denkendorf gearbeitet hatten, ein Badtag gegeben. An diesem Tag
nahm jeder nach dem Mittagessen sein Weib und, wer ledig war, seine
„Zwagerin“[D] und zog mit ihr nach Eßlingen ins Bad[73]. 1559 gibt
die Domrechnung von Basel nach der Ernte an: „den knechten fürs mol
und badgelt 1 Pfd. 5 ß“[219]. Im 15. Jahrhundert mußten nach einer
Herbstordnung zwei Bannwarte in Begleitung der anderen von Haltingen
„ein hengelin trüblen“ an einer Stange über die Rheinbrücke nach
Basel in das Bauhaus tragen. „Do sol inen ein bumeister ir obendbrot
erbarlich bereit han und dannenthin in die badstuoben schicken,
und den badstuoben trunck geben und für sie bezalen.“ In ähnlicher
feierlicher Weise hatten 1338 die Jäger des Dreieicher Wildbanns, eines
großen Forstes, in der Messe einen eingefangenen Hirsch nach Frankfurt
zu bringen. „Vnd wan sye komen tzu Sassenhusen, so sullent sye blasen
durch die stadt, vnd sullent yne dem schultheiszen heym furen, der sall
sye tzu bade furen, vnd sall sye erlichen laszen, vnd sall den hyrtz
(Hirsch) mit den scheffen teylen als sin ere ist“[535].
[Sidenote: _Das Bad als Verschönerungsmittel_]
Mit dem einfachen Reinigungsbad verbanden namentlich eitele Frauen eine
künstliche Verschönerung des Körpers.
„Ez ist manig altez wib
Dü färwet vnd badet jren lib
Vnd schint jr daz vil lützel an
Man sech jr doch die runzeln an“[536].
~Hero~ gibt 1533 bei Besprechung des Bades eine haarfressende Arznei
an, die den Körper nicht verbrennt, d.❆h. ein Haarentfernungsmittel,
außerdem auch Färbemittel[231], und nach ~Abraham a Santa Clara~ (1711)
badeten manche, um sich des Bleiweißes und Spießglanzes bequemer zu
bedienen[288]. Die Arsenverbindungen spielten bei der Hautverschönerung
eine große Rolle, und man gebrauchte sie, wie aus der schon erwähnten
italienischen Anweisung aus dem 14. Jahrhundert hervorgeht, nach dem
Dampfbade[537], wodurch die Aufnahme in den Körper besser erfolgte.
[Sidenote: _Trinkgelage in den öffentlichen Badestuben_]
Man ging aber nicht nur zur Reinigung, sondern, wie schon aus
dem Vorhergehenden ersichtlich ist, zum Vergnügen ins Bad und um
Gesellschaft zu suchen, was schon zu Anfang des 14. Jahrhunderts der
König vom Odenwald bemerkt[228]. Wein trinken, „harpffen, geygen,
tantzen vnd paden“ geben nach einem Weingruß viel Freude[584]. In einem
Gedichte des Liederbuches der ~Clara Hätzlerin~[259] wird Baden für
Mann und Frau zu den größten Freuden des Lebens gerechnet.
„Baden ist ain rainclich lust,
Als er vf erden mag gesein.
Es ward vff erd chain fraw so vein
An leib, an claidern, an allen sachen,
Sy haisz ir dannocht machen
Ain bad durch sunderlichen lust.
Hatt ain man dann vf der iust
Gedienet schönen frawen,
Ist er in Turnay wol erplawen,
Hatt er gewallet oder geraiszt,
So gert er doch aller meist
Vor allen fräden baden.
Darzů tůtt man laden
Alle gůt gesellen,
Die zu der fräd wöllen ...
Baden ist ain sauber spil,
Das ich auch ymmer preisen wil.“
Um das Jahr 1470 feierte ein Stiftsherr zu St. Bartholomäus in
Frankfurt am Main sein Jubiläum und „hat den ganzen Stift und
ander sine gute Frunde darzu geladen und diesen allen den ganzen
Tag gütlichen gethan und den andern Tag gebatt in dem Sweis- und
Wasserbaden“[197]. Auf dieselbe Weise feierte ein Chorherr des
genannten Stiftes 1410 sein Jubiläum[127]. Die vornehme Gesellschaft
Limburg in Frankfurt feierte einmal im 15. Jahrhundert mehrere Tage
lang Fastnacht, „und am Schluß gehend die Gesellen in das Bad zu der
Weißen Badstuben und das Badgeld bezahlen die Frauen“[519]. Zieht man
in Betracht, daß nach dem Liederbuch der ~Hätzlerin~ am Montag die
Trunkenen baden[259], nach dem König vom Odenwald man in die Badestube
geht, um nüchtern zu werden[228], nach ~Hans Sachs~ im Höllenbade auf
den Bänken „schlemmer, trunckenböltz, füllhels und demmer (Schwelger)“
sitzen[29], und daß der Greifswalder Professor ~Franc. Joel~ (16.
Jahrhundert) Wasserbäder gegen Katzenjammer empfiehlt[16], so erscheint
der Besuch der Badestuben nach den Frankfurter Festlichkeiten in einem
eigentümlichen Lichte. Das Gleiche gilt vom Baden am blauen Montag der
Handwerke. In Amberg durften die Gesellen alle vierzehn Tage ihren
guten Montag, den sog. Badtag, erst des Nachmittags nach beendetem
Tagwerk halten[205]. Die bayerische Landesordnung von 1553 will den
guten (blauen) Montag und das Badgeld abgeschafft haben[46].
In Hildesheim waren die Mitglieder der Schneidergilde bei Strafe
verpflichtet, an den sogenannten „freien Montagen“ nach Beendigung
der Messe das Bad aufzusuchen. ~Becker~ versteht unter den freien
Montagen die nach Ostern, Johannis und in der Maiwoche[52]. Hier
handelt es sich wohl um eine andere Art Bäder der Handwerker, die
sogenannten Stovenlaghe (Badstubengelage), die z.❆B. in Lübeck die
Drechsler und Kistenmacher, in Wismar 1515 die Zimmerleute, 1523 die
Maurer abhielten[533]. In Görlitz wurde alle Quartal an dem Badetage,
an welchem sich die Gesellen baden und gründlich reinigen sollten, ein
Mahl gehalten[205]. In Frankfurt am Main durfte in den Zunftgeboten,
in welchen die Rechnungsablage vorgenommen wurde, jedem Anwesenden
Badgeld aus der Zunftkasse gegeben werden[127]. Eine mecklenburgische
Polizeiordnung von 1516 verbot den an etlichen Orten herrschenden
Mißbrauch, daß die Handwerksfrauen „im ingange der hantwercke erer
eelicken manne mit neinem stouenbade, collacien edder spyse“ beschwert
würden[53].
[Sidenote: _Das Singbad_]
Als Badestubengelage muß auch das Singbad der Meistersinger gelten. In
der Kolmarer Meisterliederhandschrift heißt es in einem wohl aus dem
14. Jahrhundert stammenden Gedichte:
„So will ich singen waz ich kan
als dick als es gelanget mir
Al in dem bad vnd bij dem win
wie gerne ich daz tet“[464].
Die Ulmer Tabulatur von 1644 bestimmte: „Die Singer .... sollen sich
alles Zusammen Singens, es sey auff der Schul, in den Zechen, in
dem Bad enthalten. Es wäre dann sach der Bixenmeister oder Märcker
begehrtens an Sie.“ In der Ulmer Tabulatur von 1599 wird das Singbad
auch „Bad-Zech“ genannt, die von einem „Schulmeister“ gegeben wurde.
Nach der Ulmer Tabulatur von 1644 sollte der Kron-(Kranz-)gewinner,
der „Kronmeister“ gleich den Montag nach der Freischule ein Singbad
anstellen. Dem Singbad in Ulm entsprach in Nürnberg die „Festsuppe“,
die vom „Schulhalter“ auf eigene Kosten den Sängern nach der Festschule
gegeben werden mußte. Dem Schulhalter war bei jeder Singschule die
Anordnung übertragen. Wie in Ulm der Krongewinner, so hatte in
Nürnberg der Sieger im Kranzsingen drei Monate nach seinem Siege ein
Kranzsingen, gewöhnlich Kränzlein oder Kranz genannt, zu geben[465].
Erinnern wir uns, daß in der „Suppe“ bei der Badenfahrt guter
Gesellen[36] das Kränzlein von einem auf den anderen überging, wobei
der Besitzer des Kranzes die Kosten der Zeche tragen mußte, so ist
hier unschwer ein Singbad zu erkennen, zumal die einzelnen Gesellen
ihre Wünsche in gebundener Form vorbrachten (Abb. 87). Die erwähnten
Meisterlieder, die von ~Hans Sachs~’ Hand geschrieben sind, müssen auch
als Lieder des Singbades gelten. Meist wird der Bader wegen schlecht
besorgter Badestube geneckt, doch ist es dem Dichter nicht ernst damit:
„Pader, ich thu nur spotten,
hapt mir für guett,
im padt mon thuett
oft reisen solche zotten“[337].
Es kommen auch Lobeserhebungen des Baders und seiner Stube vor, wofür
einmal das Schenken des Badgeldes gefordert wird[464].
[Sidenote: _Die Badestube als Versammlungsort_]
In manchem glich die Badestube dem heutigen Wirtshause, „Stovenmere“
ist das Gerede in den Badestuben und bedeutet soviel als
Wirtshausgeschwätz[533]. In ~Philipp von Allendorf~s Judenbadstube
(1535) heißt es: „So schwetzt man auch im bad gar vil“[234].
Selbstverständlich wurde auch politisiert. „Das ist wider die juden und
bösen christen, die da spöttisch reden von den heiligen sacramenten,
als man da thůt in den batstůben“, sagt ~Geiler von Kaisersberg~
1518, und in einer Predigt aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts
heißt es: „Dort sitzen sie imm Padstübl und reden keczrisch wider
gott vnd kaisser“[16]. Die Badenfahrt guter Gesellen[36] ist ein
Religionsgespräch aus der Zeit der Reformation, das zur Versöhnung
der feindlichen Parteien beitragen sollte. In Köln wurden bei
einem Aufstand die Feinde des Rats nicht müde, auf den Gaffeln,
in Trinkstuben und in Badestuben, den Ratsherren und Ratsbeamten
Gewalthandlungen, Rechtsverletzungen und Bestechungen vorzuwerfen[539].
1488 heißt es in der Weißenhorner Historie vom oberschwäbischen
Bauernaufstand: „Alß die waldknecht, die den lerman angefangen hetten,
die grosse aufrur und not sachen, da manet sy ir fenderich, sy sölten
iren herbergen und waffen zulaffen. Das theten sy, versamleten sich
etlich bey dem spital und namen die gassen ein, etlich kamen zesamen in
der badstuben, möchten weyter nichts mer thon“[128].
[Illustration: Abb. 87. Morgensuppe im 16. Jahrhundert zu Baden im
Aargau. Titelholzschnitt zu „Ein badenfart gůter gsellen“ von ~Hans
Achtsinit~ (wahrscheinlich ~Nikolaus Manuel~).]
[Sidenote: _Badetage_]
In kleinen Ortschaften badete man nur am Samstag, z.❆B. 1467 in
Bräunlingen bei Donaueschingen, in anderen zweimal in der Woche, z.❆B.
im Dorfe Langensteinenbach bei Karlsruhe[219]. In den Städten waren
meist drei Tage dazu bestimmt, in Zwickau 1284 Montag, Mittwoch und
Sonnabend[540]. Häufiger kommen Dienstag, Donnerstag und Sonnabend
vor, z.❆B. 1536 in Durlach[219]. War einer der genannten Tage ein
Feiertag, mußte dafür an einem anderen, meist am vorhergehenden Tage
Badetag gehalten werden. Eine besondere Stellung nahm der Donnerstag
ein. In einem Fastnachtsspiele des 15. Jahrhunderts werden die
Wünsche einer Frau für jeden Tag angeführt: „Am phinztag sie zum pad
begert“[12]. Daß die Märzenbäder am Donnerstag stattfanden, wurde S.
17/18 erwähnt. An Sonn- und Feiertagen und am Freitag durfte fast
überall nicht gebadet werden. Nach dem Liederbuch der ~Hätzlerin~
taten es die Ungehorsamen[259]. „Man hat auch gesetzet, daz dehaine
pader an dehainem freytage kaine pade furbas mer haben sol“, heißt es
in den Nürnberger Polizeiordnungen des 13. und 14. Jahrhunderts[201].
Luzern verbot vor 1320 das Heizen der Badestuben am Freitag[111]. In
Breslau durften die Bader (1486) an heiligen Tagen nicht arbeiten[210],
in Eßlingen (1487) weder Freitags noch an der Fastnacht heizen[16].
In Steiermark wurde 1652 und 1676 den Badern gesetzlich untersagt, am
Vormittag der Sonn- und Feiertage ihre Stuben zu öffnen[84].
[Sidenote: _Erlaubnis zum Heizen außer den Badetagen_]
Die von der Obrigkeit vorgeschriebenen Tage mußte der Bader innehalten.
Ausnahmsweise durfte in Frankfurt nach Einholung bürgermeisterlicher
Erlaubnis auch an anderen Tagen geheizt werden[127]. In Konstanz
war den Meistern 1483 sogar am Freitag gestattet, Bad zu halten mit
„erlobung ains zunftmaisters, und sol nymand baden noch laden wan dye
mit dem komend der daz bad gefrümpt (bestellt)[E] haut“[219]. Die
Bamberger Baderordnung verbot 1480 „zwahen oder scheren“ an Sonn- und
Feiertagen, es sei denn ein Fremder. Bis 1515 hatten in Würzburg manche
Bader an einigen Chorfeierfesten Bäder bereitet, andere nicht. Nun
sollte keiner mehr Feuer anzünden, es sei denn mit Genehmigung zweier
geschworener Meister[144]. In einer Ordnung setzten 1604 die fünf
Meister Bader von Zürich fest: „Wan die fümff Meister Bader zu Sommers
Zyt, waßer beder. einer oder meer hetend. daruon dann die badstuben
warm wirt. so sol derselbig Meister an den vnngraden tagen. an denen
mann gemeinlich nit heitzt. jnn der Badstuben niemandts schrepfen noch
baden laßen. es werind dan durchreißende Personen verhanden. die an
gmeinen heitztagen die badstuben nit bsuchen köntendt. alß dann sol ein
jeder Meister harjnnen gefrigt syn“[240].
„Die von Ulm ließen (1529) offenlich beschreyen vor dem heyligen Tag
(25. Dez.), man wellte marckt halten am newen jarstag, wie sunst
anaynem samßtag, so allweg marckt ist, desgleichen bad, wie sunst, mit
aller handthierung (loblich sachen)“[128]. Während der Messe und an
Fürstentagen durfte in Frankfurt mit Ausnahme der Charwoche und der
Feiertage alle Tage gebadet werden[127].
[Sidenote: _Das Hochzeitsbad_]
Es scheint selbstverständlich, daß man vor der Hochzeit als einem Feste
badete, der Bräutigam, die Braut und die Badegäste.
„Wenn man hochzeit haben sol,
Wen man hat darzu geladen,
Der muez sich gar sauber paden
Vnd legt schonew chlaider an“,
singt der ~Teichner~ im 14. Jahrhundert[16]. Es handelt sich aber
nicht nur um ein einfaches Reinigungsbad direkt vor dem Feste,
sondern um eine Feierlichkeit, die einen Teil der Tage dauernden
Hochzeit ausmachte. In Zittau wurde 1616 das Brautbad am Sonnabend
oder am Badetage genommen[16], d.❆h. an einem gewöhnlichen Badetage
in der öffentlichen Badestube. Einer der Hochzeitstage hieß 1490 in
Gerolzhofen (Franken) der „Wenzeltag“, an ihm fand das Bad statt[239],
in Stolberg am Harz 1526 in der „Walgernacht“[592]. In Erfurt
geschah 1351 das „vßbade“ nach der Hochzeit[115]. Zu Anfang des 15.
Jahrhunderts, auch 1476[202] und noch 1565 werden in Görlitz vor und
nach der Hochzeit Bäder erwähnt, ebenso 1626 in Pritzwalk[16]. Das Bad
nach der Hochzeit scheint aber die größere Feier gewesen zu sein. „So
denn der Hochzceittag loblich hingebrocht ist vnd nach alder gewonheit
braut vnd breutigam mit ihren frunden zcu bade gegangen sint“, heißt es
in den Görlitzer Statuten von c. 1434 und 1476[202]. Dies ist nichts
Auffallendes; wir finden ja auch am Schlusse anderer Festlichkeiten ein
Bad.
Zum Hochzeitsbade begleiteten Männer den Bräutigam, Frauen und
Jungfrauen die Braut. Schon früh wird die Zahl der Begleiter
beschränkt, in Braunschweig 1320[127]. Nach den Nürnberger
Polizeiordnungen des 13. und 14. Jahrhunderts sollen vier Frauen mit
der Braut zum Bade gehen[201]. Regensburg erlaubte im 14. Jahrhundert
dem Bräutigam vierundzwanzig seiner Genossen „daz er vnd die Prawt sol
selb acht frawen dar gen vnd mit dheiner mer“[200], und das Münchener
Stadtrecht (vor 1347) schrieb vor: „ze der vest und ze pette und ze
pade (auch hier nach der Hochzeit!) sol man haben ietweders tails niur
sehs frawen, daz sint zwelf frawen“[203]. Danach scheint es fast,
als ob im 14. Jahrhundert der Bräutigam auch Frauenbegleitung gehabt
habe. Augsburg erlaubte in einer Verordnung des 13.Jahrhunderts jedem
Teile fünf und im selben Jahrhundert etwas später zehn Begleiter[541],
Görlitz c. 1434 je zwölf, 1440 aber nur zehn[202], 1467[210] und 1476
wieder je zwölf[202].
[Illustration: Abb. 88. Darstellungen aus dem Leben der Frau. Links
Badestube mit Kindsbetthof und Brautbad. Kpfr. ~Wenzel Hollar~.
1607–1677.]
Ob beide Parteien getrennt badeten, läßt sich nicht mit Bestimmtheit
sagen, immer wurde die Scheidung der Geschlechter jedenfalls nicht
durchgeführt. Man aß dabei und trank im Übermaß im Bade oder wenigstens
nach dem Bade im Badehause, wo auch der Tanz stattfand. „Vom Brautbade
(wie mans nennet)“, sagt ~Spangenberg~ 1563 im Ehespiegel, „will
ich nichts sagen, so man nicht ein vnordentlichs geseüffe darauff
treibet, vnd züchtig vnnd erbarlich sich helt, so hat es seinen weg.
Die schändtliche gewonheyt der Walgernacht (an ettlichen orten noch
breüchlich) ist hye billich abgeschafft, solte auch nicht geduldet
noch gelitten werden“[508]. Der Erfurter Zuchtbrief ließ zu einer
Hochzeit nur zweiunddreißig Schüsseln Speise zu „vnd 16 zu dem
vssbade, vnd sechs spilman vnd zwene vnrether“[115]. Wie es beim Tanz
herging, zeigt eine Stelle aus den ältesten Statuten von Görlitz (c.
1434): „Alsdenn vormols dy jungen gesellen noch dem bade widir gute
sitten jn badekappin vnd barschenckicht, vnd ouch nicht alleine zcu der
zceit, sunder ouch zcu andern tentzcen getantzt habin, wil der Rath
das fortmeh kein mansbilde jn badekappen adir barschinckicht tantzcen
sulle, sunder alle dy do tanzcen wollen sullen sein mit yopen vnd
hossin angethon noch ander lannde vnd stette loblicher gewonheyt“[202]
(verg. Abb. 88).
[Sidenote: _Einschränkungen des Brautbades_]
Die behördlichen Verordnungen, welche das Brautbad betrafen, suchten
es zu einem einfachen Bade zu gestalten. Nach den Nürnberger
Polizeiordnungen (13. und 14. Jahrhundert) war der Braut wohl erlaubt,
vier Begleiterinnen mit ins Bad zu nehmen, doch sollte man zur „padlat“
Männer und Frauen „weder peiten noch ezzen noch trincken noch tantzen
von derselben padlat wegen“. 1485 durften weder Braut noch Bräutigam
jemand „verbaden oder padgelt“ zahlen, „noch auch nach dem pade
ainicherlay mal noch zech haben“ und nur der Braut und des Bräutigams
Hausgesinde Badgeld zahlen[201]. Augsburg erlaubte 1550 und 1562 den
Brautleuten, nach dem „Breutelbad“ eine Zech zu halten, wenn sie es
wollten, doch nur mit sechzehn Gästen[16]. Ausdrücklich wird 1476
in Görlitz verlangt, daß die Freunde nach dem Bade die Brautleute
heimbegleiten und zu Hause ein einfaches Mahl aus Käse, Brot und Obst
mit Landwein und heimischem Bier einnehmen sollen[202]. Grünberg in
Hessen verbot 1492, „mal ader orten“ nach dem Bad zu haben[619].
Nach einer Verordnung von Gerolzhofen vom Jahre 1490 lud der Bräutigam
zum Bad und dem darauf folgenden Nachtessen ein; er mußte demnach
die Kosten tragen. Auch die Badleute (Bader) erhielten Speise und
Trank, was Gerolzhofen in demselben Jahre verbot[239]. 1616 sollte
in Zittau am Badetage kein Gast außer den Hochzeitsbittern gespeist
werden[16]. In Ulm wurde 1400 bei einer Hochzeit Badgeld gegeben[73].
Nürnberg verbot 1485, wie wir sahen, anderen Leuten als dem Gesinde
Badgeld zu zahlen[201], ebenso die Stadt Grünberg in Hessen 1492[619].
Ein vollständiges Verbot der Brautbäder soll nach ~Westenrieder~ der
Münchener Rat schon 1405 erlassen haben[46]. „Die walger nacht, wie
sie vor alters gehalten, als mit bade vnd dantzen, soll gantz vnd
gar absein vnd nit mehr gehalten werden“, heißt es in den Stolberger
Statuten (1526)[592]. 1555 wurden in Görlitz alle „geprängischen“
Hochzeitsbäder, 1626 die in Pritzwalk verboten, in Havelberg 1655 die
Abendhochzeiten, Kranzmachen und Brautbaden. Kurfürst Joachim II.
von Brandenburg untersagte 1551, Gäste zu laden, 1580 erneuerte der
Rat von Berlin die Verordnung[16], und 1604 verbot Kurfürst Joachim
Friedrich auch das Baden der Brautleute[144], nach ~Fidicin~ wurde es
nur eingeschränkt[191]. Nach der Heilbronner Hochzeitsordnung vom Jahre
1492 mußten (?) sich einen Tag vor der Hochzeit alle Hochzeitsgäste
baden, worauf sich die Gesellschaft in das Hochzeitshaus zu einer sog.
gelben (Safran-)Suppe begab. Die Hochzeitsordnung von 1699 verbot diese
„Barbiersuppe“[73].
Vornehme Leute hielten das Brautbad nicht in der öffentlichen Badestube
ab. Am 18. September 1563 hat Bürgermeister Gentzkow von Stralsund in
seinem Tagebuche bemerkt: „badede die brudt ehr bet in minem stauen;
dat costede mi all etwas“. Es handelte sich um die Braut seines
Sohnes. Das Bad fand zwei Tage vor dem „brutlacht“ statt[542]. 1715
war das Brautbad nach ~Corvinus~ nur ein einfaches Reinigungsbad der
Braut vor der Hochzeit, dem vornehme Personen wohlriechende Kräuter
zusetzten[422].
[Sidenote: _Das Schenken von Badewäsche zur Hochzeit_]
Mit dem Brautbad wurde das Schenken von Badewäsche verbunden, die man
in solcher Fülle austeilte, daß die Zahl der Beschenkten gesetzlich
beschränkt werden mußte, aber auch der Luxus, mit dem die Wäsche
ausgestattet wurde. In Augsburg sollte Ende des 13. Jahrhunderts zur
Hochzeit niemand mit leinenem Gewand beschenkt werden als der Bräutigam
und der nur mit zwei Bräutelgewand und einem Badelaken[541]. 1562
traten an Stelle der letzteren zwei Zwagtücher[16]. In Nordhausen
sollten Braut und Bräutigam 1470 an „brutstugken“ nicht mehr geben,
als bisher Gewohnheit gewesen ist, nämlich an „badecappen, hemden,
sleigern, gorteln unde schon“ (Schuhen)[588]. Magdeburg verbot 1544
das Schenken von Hemden und Badekitteln an Eltern und Verwandte der
Brautleute[16]. In Nürnberg durfte 1485 die Braut nur dem Bräutigam ein
Mannshemd oder Badhemd schenken[210], und der Rat von Berlin verordnete
1580 neben dem Verbot der Brautbäder, daß die Braut niemandem als dem
Bräutigam, seinen Brüdern und des Bräutigams Vater und zwar jedem nur
ein Hemd, nicht aber den Schwestermännern, Brüdern oder Bruder- oder
Schwesterkindern etwas unter dem Namen von Badekleidern zu geben befugt
sein solle. Die Rostocker Kleiderordnung vom Jahre 1581 befahl, die
Braut dürfe dem Bräutigam nicht mehr als eine Badekappe, höchstens fünf
Gulden an Wert, zwei Kopftücher und einen Badebeutel schenken[543].
Lübeck schrieb (zwischen 1467–78) vor, die Braut solle niemandem als
dem Bräutigam leinene Kleider geben, „unde de badekappe, de de brud
deme brudegamme gifft myt deme hemede, en schal nicht beter wesen dan
achte mark lubesch“[544] (siehe auch S. 119). Man setzte den Wert der
Wäschestücke fest, weil diese nicht mehr einfache Gebrauchsgegenstände,
sondern Prunkstücke waren. So kommt in einer Züricher Teilrödel der
adeligen Familie von Zoller 1690 ein Zwachtuch mit „Carmoßin Syden
genehet“ vor[308], und in der Stralsunder Kleider- und Hochzeitsordnung
vom Jahre 1570 wird der Braut wohl gestattet, dem Bräutigam ein „hembde
vnd nesedock“ zu geben, doch sollten beide nicht mit Gold und Perlen
geziert sein[593].
Im 18. Jahrhundert wußte man nichts mehr vom Brautbade im alten Sinne
und dazu geschenkten Badehemden. Wohl bestand aber die Sitte, daß die
Braut den Bräutigam in den meisten Gegenden Deutschlands mit einem
oder mehreren Hemden beschenkte und der Bräutigam am Abend seiner
Verbindung einen Schlafrock und eine Mütze auf dem Hochzeitsbette
fand. Schriftsteller des 18. Jahrhunderts haben in der Mütze die alten
Kopftücher (Zwagtücher zum Kopftrocknen) und im Schlafrock das alte
Badehemd sehen wollen[543][F].
[Sidenote: _Die Kindbettbäder_]
Nicht minder als die Hochzeit gab das Wochenbett Anlaß zu mehreren
Gastereien, die aber nur im Kreise der Frauen gehalten wurden. Man
nannte sie Kindbetthöfe, in Basel „Westerlage“, in Zittau „Lachen“
und die eingeladenen Frauen „Lachenweiber“. Sie fanden zur Taufe, zum
ersten Kirchgang und zum ersten Bade der Frau nach dem Wochenbett
statt. Auch hier mußte die Zahl der Eingeladenen und der Aufwand
beschränkt werden. Beim Mahl standen Süßigkeiten im Vordergrunde. In
Frankfurt durften sie nur in Lebkuchen und Konfekt bestehen[127]. Ulm
schaffte 1411 alle Kindbetthöfe ab und gestattete, nur einmal zu einem
Bade Frauen, aber nicht mehr als drei zu laden. Auch hier mußte der Rat
gegen das kostbare Konfekt und den Zucker, der dabei gebraucht wurde,
eifern[50]. Ebenso ließen die Nürnberger Polizeiordnungen (13. und 14.
Jahrhundert) nur drei Frauen zur „padlat“ zu[201], die übrigens in Ulm
1411 „Badhof“ genannt wurde[73]. In derber Weise schimpft ~Fischart~
über „Kindtauff, Kindschenck, die Kindbetthöf, die Küchelbäder, da man
die Kindbetterin vnd sechswochnerin wider zu Jungfrawen vnd gromat[G]
sauffet“[598].
[Sidenote: _Die Seelenbäder_]
Eine besondere Beachtung verdienen die sogenannten Seelenbäder (balnea
animarum). Sie verdanken ihre Entstehung den Lehren der katholischen
Kirche. Demnach erscheint es natürlich, wenn sie mit der Reformation
zurückgingen. Aber auch in katholischen Gebieten verminderten sie sich
beträchtlich im 16. Jahrhundert. Sie sind barmherzige Stiftungen und
für Arme bestimmt, die unentgeltlich das Bad genießen sollten. Ihnen
liegt die Vorstellung zugrunde, daß jedes Werk der Barmherzigkeit
der Seele seines Urhebers im ewigen Leben zu Nutzen und Förderung
gereiche und insbesondere imstande sei, einen Teil der durch irdische
Sündhaftigkeit verwirkten Strafen abzutilgen. Sie sind eine Unterart
der in den mannigfaltigsten Formen auftretenden Seelgeräte[545], in
einem Koldizer Aktenstück aus dem 15. Jahrhundert ausdrücklich als
„zelgerethe zcu der badestuben“[510], 1340 in Zittau als „Seelengeräth
auf der Stuben vor der Stadt“[16] bezeichnet. In der Subachschen
Seelgerätstiftung von 1440 für das Jungfrauenkloster St. Georg zu
Glaucha vor Halle wird Abhaltung von Vigilien und Seelenmessen und
am selben Tage ein Bad vorgeschrieben[190], ebenso 1330 in einer
Wiener Stiftung nach dem Seelenamt ein Bad[16]. Wir müssen demnach die
Seelenbäder als Fortsetzung der in früheren Zeiten von Wohltätern Armen
und Kranken persönlich gereichten Bäder auffassen.
Die Stiftungen von Seelenbädern sind meist letztwillige Verfügungen und
dem entsprechend die Stifter einzelne Personen oder Familien, meist
bürgerliche, selten adelige oder fürstliche[545], z.❆B. Friedrich der
Weise 1517[196]. Ausnahmsweise kommen auch weltliche und geistliche
Korporationen vor. So ließ der Rat von Zwickau (1350) jährlich vier
Seelbäder auf Gemeindekosten verabreichen[545]. 1403 lehnte der Rat
von Jena die vor dem Johannistor gelegene Badestube erblich dem Nic.
Jungen, „und sollen auch alle jahr, jerlichen vier Seel Bade machen zu
jeglicher Wichfasten eins, uff yr eigen kosten“. In Freiburg in Sachsen
(?) verkaufte 1532 die Stadt ihre Badestube mit der Verpflichtung, daß
der Bader jährlich vier Seelbäder zu Weihfasten abhielte, wofür er
die Gebühren wie von alters her vom Rate erhielt[16]. 1543 schloß der
Magistrat der Stadt Grimma mit dem Bader Georg Zeiß einen Pachtvertrag,
nach dem dieser jährlich ein Seelenbad zu halten hatte[545]. Ich
glaube, daß in diesen Fällen die Seelbadstiftung nicht von der
Stadt ausging, sondern daß die Gemeinde durch ältere Vermächtnisse
verpflichtet war, die Bäder zu halten. Als 1494 die Stadt Butzbach von
den Kugelherren des St. Markusstiftes deren Badestube übernahm, ging
an sie die Verpflichtung über, Seelbäder zu halten. Die Kugelherren
waren aber nicht die Stifter derselben, sondern Hartmann Möller, ein
Kanoniker des Bartholomäusstiftes in Frankfurt[194].
Selbst arme Leute stifteten Seelenbäder. „Margaret Hannsen Angeruelder
des Jungern dienerinn; verordnet letztwillig (1425 in Wien): Item Iren
Sechsfuechtigen Sloyr mit dem prawnen entlein schafft Si in das Spital
den armen leuten, doch sol man versuhen, ob man dauon mug ausrichten
ain mal vnd ain pad — vnd ain Armen menschen, den Si albeg genant
hat Vater, dem schafft Si dauon ain pfund vnd vmb zwen Schuch ain
padgelt“[16].
In Wien kommen im 14. und 15. Jahrhundert häufig Seelenbadstiftungen
für die Dürftigen und Siechen im Spital vor, 1411 in Königgrätz.
In Regensburg findet sich ein Seelbad für die Dürftigen zu St.
Lazarus[16], in Jena 1369 für die Schwachen und Kranken im
Nicolaispitale vor dem Saaltore[290]. Viel häufiger wurden sie mit
Ausnahme Wiens den Armen im allgemeinen gestiftet, so in Hannover 1393
allen armen, notdürftigen Leuten[197], ebenso 1461 in Grünberg in
Hessen[435] und 1552 in Halle[190] allen Armen, in Zittau 1424 für alle
Arme, „sie seyen gelehrt oder ungelehrt, Mann oder Weib, jung oder alt,
Niemand ausgenommen“[545]. In Lübeck waren im 14. und 15. Jahrhundert
die Seelenbäder meist für eine beschränkte Anzahl Armer, z.❆B. für
zwölf, fünfzig und hundert bestimmt, in Halle 1513 für zwölf Arme, in
Freiberg für Schüler und arme Leute[196]. Nur einmal finde ich 1440
ein Seelenbad für Nonnen und zwar im Jungfrauenkloster zu St. Georg zu
Glaucha vor Halle, das alle Quartal nach den Vigilien und Seelenmessen
in der Badestube des Klosters abgehalten werden sollte[190]. Nirgends
ist das Baden von Armen in Nonnenklöstern als Seelbadstiftung erwähnt.
Ich möchte darum auch folgende bei ~Bodmann~ erwähnte Stelle nicht auf
ein Seelenbad beziehen, zumal nach den Quellen sich nirgends ein Anhalt
dafür findet, daß es bei den Seelbädern unehrbar zugegangen wäre. Den
Schwestern in der St. Georgenklause unter dem Johannisberge im Rheingau
wurde vom Erzbischof Konrad III. von Mainz 1426 auf Antrag des Vizedoms
verboten, irgend jemand von auswärts weder umsonst noch gegen Geld in
der Klause baden zu lassen, weil die Schwestern unter dem Vorwande,
Laien beiderlei Geschlechts zu baden, sich die Gelegenheit zu einem
freien, skandalösen Benehmen verschafft hätten und die Leute statt zu
baden sich zu ergötzen kämen[114].
[Sidenote: _Beköstigung beim Seelenbade_]
Nach einer Dresdener Seelenbadstiftung von 1394 sollten zwölf Badelaken
für die Armen bereit gehalten werden[16]; wer in Halle (1552) neben dem
Baden auch Schröpfen wollte, sollte es um Gottes willen haben[190].
Sehr häufig kommen auch noch andere kleinere Vergünstigungen für die
Armen vor. In Wien war das Seelenbad meist mit einem Mahl verbunden,
das 1428 als Wein und Brot näher bezeichnet wird. Der Erzbischof
Matthias Lang von Salzburg stiftete 1539 ein Seelenbad, bei dem jedem
armen Menschen drei Kreuzer auf die Hand gegeben werden sollten[16]. In
Lübeck sind 1370 eine Tonne Bier für fünfzig Personen zur Erquickung
und jedem ein Weißpfennig, 1375 jedem ein Heller, 1376 zehn Mark zum
Trinken verzeichnet. In Halle bekam 1513 jeder der zwölf Armen ein paar
Semmeln, ein paar Eier und einen alten Pfennig, in Freiberg wurden
(1487) zu jedem Bade ein Faß Bier und ein Brot um zwei Gulden unter
die Armen verteilt[196]. Die Nonnen zu St. Georg in Glaucha vor Halle
erhielten 1440 nach dem Bad, jung und alt, Bier aus dem Subachschen
Vermächtnis[190]. 1488 kommt in einer Seelbadstiftung zu Glauchau vor:
„Item auch hat er versurget eyn sehelbath vnd eyne spende jn sulcher
forme. Daß das sehelbath nach gewohnheyt mit aller notdorft. mit, eßenn
vnd trinken dy menschen versorget sullin werden. Vnd daß allir beste
bir. alß jn seynem keller funden wert sal man dem armen mildiglich zu
der Spenden reichen vnd eynen itzlichen armen menschen 1. pfennigk
vnd eyn broth daß eyn phennigk gilt darzun geben“[540]. Die Zahl der
Speisenden wurde zuweilen nach „Tischen“ bestimmt. In Waltershausen
erhielten auch die Badergesellen ein mäßiges „Tranckgeldt“, welches die
„Vormündere“ der Marienpfarrkirche auszuzahlen hatten[545].
In Lübeck waren die Seelenbäder vom 14. bis zum 16. Jahrhundert meist
nur einmal oder innerhalb des ersten Jahres nach dem Tode des Stifters
einmal wöchentlich abzuhalten[196]. Der Ratsmeister Caspar Querhammer
in Halle verlangte es innerhalb des ersten Vierteljahres nach seinem
Tode[190]. In Wien sollten 1330 die Armen des Spitals fünfzig Tage lang
an den Montagen ein Bad erhalten[16]. Häufiger sind die Stiftungen
„auf ewige Zeiten“. In Leyznick sollte 1506 jedes Jahr einmal
Seelbad gehalten werden[16], in Zwickau im 14. Jahrhundert zweimal
jährlich[540]. Am meisten aber wird das viermalige Abhalten im Jahr, so
außer an den schon genannten Orten in Meiningen 1370[197], in Glaucha
vor Halle 1440[190], und etwas seltener die wöchentliche Wiederholung
verfügt, 1394 in Dresden, 1340 in Zwickau[16], 1393 in Hannover[197].
In Würzburg wurde 1462 ein 1411 gestiftetes Seelenbad bestätigt, das
alle Montag, und wenn dieser Tag ein Feiertag wäre, alle Donnerstag
gehalten werden sollte[144].
Die Badezeit erstreckte sich in der Regel über den ganzen Tag,
beginnend nach Beendigung des Morgengottesdienstes („nach den vier
Messen“) in der Pfarrkirche[545], für Zwickau wird 1340 angegeben
früh bis nach Vesperzeit[16], für Grünberg in Hessen 1461 ein halber
Tag[435], für Dresden 1394 der ganze Tag[16]. Das Waltershäuser
Quatemberseelenbad scheint „an dem mittag ump zwölff hora“ seinen
Anfang genommen zu haben und währte „bis zu abend, daß der Seyger
sechse schläget“[545].
[Sidenote: _Ankündigung des Seelenbades_]
Den Beginn des Seelenbades hatte der Bader hie und da durch „läuten
oder klimpeln“ kundzumachen. In Erfurt hatte jedoch die Eröffnung des
domkapitelischen Armenbades ein „Bierrufer“ auf dem Markte und zwar
mit den Worten auszurufen: „ein Seelenbad, ein gutes Bad haben unsere
Dom-Herrn allererst aufgethan hinter unser lieben Frauen Berge; wer
baden will, soll garnichts geben“. In Döbeln verordnete 1460 der
Stadtrat, welcher für die Seelbäder die Gewährleistung übernommen
hatte, daß „künftig jedesmal den Sonntag vorher, ehe eines der vier
Seelbäder für die Armen gehalten würde, solches und von wem sie
gestiftet worden seien, auf der Kanzel vermeldet werden sollte“[545].
Nach einer Stiftung zu Hannover aus dem Jahre 1393 wurde ein
wöchentlich zu haltendes Seelbad zweimal im Jahr „van dem Predichstole
(herab) gekundiget“[197]. Caspar Querhammers Seelenbad in Halle (1552)
mußte in allen drei Pfarren der Stadt und außerdem zu St. Lorenzen und
St. Georg von der Kanzel angesagt werden[190]. In Zwickau lautete im
16. Jahrhundert eine Ankündigung: „Dergleichen hat der Radt vff morgen
montag ayn selenbadt zu der obern stuben bestellen lassen, wer um gotte
willen baden will mag sich dahyn fugen“[16].
Die Verpflichtung zum Beten für den Stifter war offenbar in jedem
Seelbadvermächtnis enthalten, wie ~Gengler~ meint. In einzelnen
Urkunden wird es ausdrücklich hervorgehoben. So hatte der Bürger
Nikolaus Schwertfeger zu Döbeln 1446 in der Niederbadstube zwei
Seelbäder gestiftet, „uff das die armen luthe vlißlichen den
almechtigen got geloben, vor vns vnd frauwen ylßen kreczemerynne,
Nicolaen Swertfegers vnd alle der synen vorfahren vnd nachkommen selin
gebethin mogen, das vns der Almechtige got muße genedigk sein“, und
in dem Schoßbefreiungsprivileg der Grafen von Beichlingen von 1440
wird den Besuchern des im eximierten Sedelhofe zu Cölleda befindlichen
Seelenbades sonderlich ans Herz gelegt, auch den auf dem Schloß
Beichlingen verstorbenen gräflichen Familiengliedern ihre fromme
Fürbitte zuzuwenden[545]. Es scheint jedoch nicht bei jedem Armenbade,
das seine Entstehung einer Seelbadstiftung verdankt, ein Beten für
den Stifter stattgefunden zu haben. So sollten im Katharinenspitale
zu Bamberg 1493 die Kranken aller vierzehn Tage von des Pulen (eines
Wohltäters) Almosen gebadet werden. Außerdem erhielt jeder Badende ein
Quart Wein oder Bier aus der Stiftung eines Chorherrn. In der Goldwoche
nach Lucia (13. Dezember) sollte aber ein „Sele padt“ gehalten werden
mit drei Pfund „Semelin“, ein Eimer Getränk und ¼ Obst von des
Pulen Almosen[144], woraus doch zu schließen ist, daß nur an diesem
einen Tage des Stifters in feierlicher Weise gedacht werden sollte.
Hervorgehoben soll noch werden, daß das aller vierzehn Tage genommene
Bad und das dabei genossene Getränk von zwei verschiedenen Stiftern
herstammte, und ~Roth~ verweist darauf, daß Seelenbad bisweilen auch
eine Spende ohne Bad bedeutet[195].
[Sidenote: _Besondere Arten der Seelenbäder_]
Es sei noch einiger besonderer Arten von Seelbadstiftungen gedacht.
Claus Becker mußte 1504 in Halle wegen eines begangenen Totschlags
dem Entleibten zum besten ein Seelbad stiften[190]. Zu Schneeberg
in Sachsen wurde 1499 ein Totschlag dahin verglichen, daß der Täter
unter anderem auch ein Seelenbad mit Brot und Bier halten lassen
mußte[540]. Ähnliche Seelbadstiftungen kommen in Todsühnebriefen 1474,
1508 und 1515 zu Freiberg vor[545]. Der Priester Hans von Beierstock
stiftete zu Zwickau im 14. Jahrhundert ein Seelbad nicht nur für sich
und seine Vorfahren, sondern auch für alle, die im Streit erschlagen
würden[540]. Es sei noch einiger besonderer Seelenbäder gedacht. In
Hildesheim gab es eine unter Aufsicht der „Älterleute“ des Trinitatis-
oder Geisthospitals stehende Stiftung von zwei Seelbädern, die für
die Aachenfahrer bestimmt waren. Vor der Ausreise nach Aachen sollte
das Bad in der Osterbadestube, bei der Rückkehr in der Steinbadestube
genommen werden, wobei zur Bewirtung Brot, Speck und zwei Tonnen Bier
gespendet wurden. Die Torwächter am Oster- und Dammtore mußten die
Pilger auf diese Einrichtungen aufmerksam machen. Solche Aachenfahrten
kamen 1474, 1489 und 1503 vor[52]. 1396 verzichtete Graf Johann von
Werdenberg auf seine Einkünfte aus dem Bad Pfäfers, damit das Gute,
was durch das Bad geschähe, dem Seelenheil seiner Familie zugute käme:
„Wir Graf Johans von Werdenberg Herre ze Sanegans der elter bekennen
vnd tund kunth mäniglichem mit dem brief, als Wir vnd vnser vordern,
von dem Abten vnd dem Convent des gottzhus phäfers durch ain lieby
und schirmes willen, von dem wildbad ze phäfers das undrent valens
dem dorff in dem tobel ist gelegen, järljch halben zins habin gehebt,
da verychen wir für vns vnser erben vnd nachkommen, das wir solichen
gebresten so dasselb gottzhus hat, und ouch die gottzdienst und das Gut
so täglich durch gott, durch siner lieben mutter magt Maryen und ander
gottes hailigen da begangen und volbracht wirt, Vnd ouch sunderlich
durch vnser vordern, vnser und aller vnser nachkommen selan hail willen
angesehen habint, vnd hand vns desselben zinses und nutzes so vns oder
vnsern erben nun hinnenthin darvon gevallen möcht gänzlich entzigen
vnd es dem vorgenannten Convent und gottzhus ze phäfers das in Churer
Bistum ist gelegen gänzlich ledig gelassen“[316]. Hie und da mal wurde
bei besonderen Anlässen von Obrigkeits wegen die Bereitung eines
einzelnen Seelenbades einem Bader übertragen und die Ausgabe dafür
z.❆B. aus dem Gotteskasten gedeckt. So stifteten 1348 zur Pestzeit
die Erfurter Domherrn ein Seelbad[545]. 1347 gaben Rat und Gemeinde
zu Vilshofen dem Pfarrer und Dechant daselbst „zu einem Trost aller
ihrer lieben Verwandten“ die obere Badestube mit der Verbindlichkeit,
daß er oder einer seiner Gesellen alle Montage mit den Schülern „mit
Weichprun“ und Gesang um die „Chirichen“ gehe[144].
Von den eigentlichen Seelenbädern sind die einfachen Bäder für
Arme abzutrennen. So gewährte der Rat zu Braunschweig einem Bader
Abgabenfreiheit unter der Bedingung, seine Stube zu bestimmten Zeiten
den Armen unentgeltlich zu öffnen[127]. Dem Bader zu Böblingen wurde
gegen 1554 gestattet, liegendes Holz im Liechtenwald zu fällen, so viel
er bedürftig sei, wofür er am Dienstag in der Fastnacht ein Freibad
ohne jedes Entgelt halten mußte[198].
Die Seelenbäder wurden derart zahlreich von den Armen besucht, daß die
Leute dabei „vber einander“ geschlagen wurden (1445 Gerolzhofen)[239],
und der Rat von Zwickau verfügte 1284, die Seelenbäder hätten nicht an
den üblichen Badetagen, sondern an anderen, dem Dienstag, Donnerstag
und Freitag (!) stattzufinden, „vmme daz arm Lute denn eren ruwm vnd
gemach desto baz gewarten mügen Got czu Lobe vnd denselben czu troste
vnd allin gelawigen selen den man czu troste vnd selicheit dy Bade
macht yr gelt abe dinen das ys denselben czu nucz vnd Trost chome.
Des man yn (den Badern) darunne gibt“[540]. Ebenso wie das Bad,
zog gewiß Essen und Trinken die armen Leute an. „Drey Würtz-Tröge
stunden (bei den Erfurter Kanonikern) vor der Badestuben hinter dem
Berge; die wurden voll Wein gegossen und Semmeln darein gepflockt. Da
kam dann das Volk zu hundert und tausend mit ihren Gefäßen, und die
Geistlichen hatten eine Kelle, da fast ein Nößel darein ging; also
gaben sie einem jeden eine Kelle voll in sein Gefäß“[545]. In einer
Fastnachtspredigt aus dem 16. Jahrhundert des Doktors Schwarm von
Hummelshahn heißt es höhnisch: „Aber den alten Vetteln wird man halten
ein Seelbad in der Mühl unter dem Kammrad. Die Spend soll ihnen werden
auch: Schwefel, Pech und Hüttenrauch, Pilsensamen und Pulverkorn“[271].
Die Seelenbäder waren über ganz Deutschland verbreitet; die Lübecker,
die bis zum Jahre 1539 ihre eigene Stadt reichlich mit solchen
versahen, stifteten sie selbst mehrfach zu Bergen in Norwegen, mit
dem sie in regem Handelsverkehr standen[196]. Für Frankfurt konnte
~Kriegk~ keine Beispiele finden[127], auch in der Schweiz läßt sich
kein Seelbad, abgesehen von der Pfäferser Stiftung, nachweisen; doch
kommen in Siechenhäusern Bäder mit Speise und Trank vor, die als alte
Seelbadstiftungen aufzufassen sind.
[Sidenote: _Die letzten Seelenbäder_]
In Nürnberg hatte im Anfang des 16. Jahrhunderts die Zahl der
gestifteten Seelbäder bereits eine solche Höhe erreicht, daß man unter
dem Einflusse reformatorischer Bestrebungen beschloß, fernere derartige
Stiftungssummen anderen wohltätigen Zwecken zuzuwenden (1522). 1525
spricht sich ~Luther~ in einem Briefe an Hans Minkwitz über eine
Stiftung dessen Vaters, darunter auch über Seelbäder, dahin aus: „Das
fünfte Stücke mit dem Seelbade gefällt mir auch wohl, ohne daß ichs
nicht ein Seelbad für die Seelen sein lassen wolle, sondern ein Exempel
Christi, da er seinen Jüngern im Abendmahl die Füße wusch“[16]. In den
Schmalkaldischen Artikeln wird 1537 gesagt, die Messe habe „gezeuget
das Fegfeuer, da hat man mit Seelmessen, Vigilien, ..... zuletzt mit
Gemeinwochen und aller Seelentag, Seelbad ums Fegfeuer gehandelt“[540].
Selbst nach der Reformation wurden 1560 und 1568 in Zittau Seelbäder
gestiftet[16]. Die herzoglichen Brüder Johann Friedrich der Mittlere,
Johann Wilhelm und Johann Friedrich der Jüngere von Sachsen verfügten
in einem die „vier Seelbade“ zu Waltershausen betreffenden Reskripte
von 1556, daß dieselben nicht, wie man projektiert hatte, in ein
Geldreichnis des Badstubenbesitzers umgewandelt würden, sondern da sie,
„obwohl im Bapstthum Seelbad genennet, doch der armen leute halben
gestifftet und verordnet worden“ seien, fernerhin in natura geleistet
werden sollten[545]. In Hamburg stiftete Frau Anna, des Bürgermeisters
Henning Büring Witwe, 1535 „twee seelbade“, trotzdem sie ihr erstes
Testament vom Jahre 1504 wegen der neuen Lehre ~Luther~s aufgehoben
hatte[197]. Noch 1836 gaben einige Zünfte in München zu Quatember
oder anderen Zeiten für die Seelen ihrer Abgeschiedenen Seelbäder
zum besten. „Morgen läßt das ehrsame Handwerk der bürgerlichen
Loderer dahier beym Bader am Radlsteg ein Sêlbad halten“, lautet eine
kirchliche Verkündigung[46]. Nach ~Rocholz~ wurden 1867 in München bei
Trauergottesdiensten eine Anzahl Seelbäder ausgeboten, in denen die
Armen zum Gedächtnis des eben Verstorbenen unentgeltlich gewaschen
werden sollten[513].
[Sidenote: _Eine andere Auffassung des Seelenbades_]
Eine 2. Auffassung des Seelenbades in ganz anderem Sinne als das
besprochene entspringt altheidnischem Glauben. In einem Beichtspiegel
des 15. Jahrhunderts wird als Todsünde bezeichnet der Glaube „von
den totten: Also wenn die Menschen sterbend so far die sel durch das
Wasser vnd reinge sich darin, denn schittend sy das wasser vss“[511].
Heute noch wird in Obwalden beim Tode eines Menschen alles in der
Küche befindliche Wasser sofort ausgeschüttet; denn die „abreisende“
Seele würde sich sonst darin baden wie „ein Vogel“[512]. In den
ostdeutschen und letto-russischen Provinzen soll man nach ~Rocholz~
am Allerseelentage die Abgeschiedenen in der Badestube empfangen, wo
eigens dazu aufgeräumt wird und mancherlei Speisen aufgetragen werden.
Alsdann baden hier, nimmt man an, die Seelen eine nach der anderen[513].
Man hat den Ausdruck Salbadern, viele und unnütze Worte reden, mit
Seelbad in Verbindung gebracht. Die S. 96 gegebene, aus dem 17.
Jahrhundert stammende Erklärung des Wortes ist unrichtig; denn
Salbader kommt schon in den Briefen der Dunkelmänner vor[601]. Manche
vermuten einen Zusammenhang mit Salvator, daß Salbadern den Namen
des Heilands und sonst nichts weiter im Munde führen hieße[197].
~Kluge~ glaubt, Salbader beruhe auf dem älteren Seelbader, womit der
Arzt der Krankenhäuser bezeichnet wurde[601]. Seelbader könnte schon
den Bader im Seelhause bedeuten, aber ebenso gut den Bader, der ein
Seelenbad abhält. Da aber unter Bader häufig auch der Badende zu
verstehen ist, so sind Seelbader die im Seelenbade Badenden, die viel
schwatzen; denn das Seelbad war ja einem Wirtshausbesuch der armen
Leute gleichzusetzen. Es ist aber noch eine andere Erklärung möglich.
Bei den großen, für alle Armen bestimmten Seelenbädern, die Jahrzehnte,
vielleicht Jahrhunderte nach dem Tode des Stifters abgehalten wurden,
wird das Gebet für dessen Seelenheil bei vielen wohl nur ein leeres
Wortemachen gewesen sein, und diese Leute waren die Seelenbader,
Salbader, die Schwätzer. 1789 sagt der Jenaer Professor ~Gruner~, die
Geistlichen hätten in den Klöstern Seelenbäder errichtet, hoffentlich
sei der Name „Saalbader“ daher entstanden, andere leiteten denselben
von Salben ab[654]. Tatsächlich gebrauchte ~Samuel Hahnemann~ das Wort
Salbbaderei im Sinne von Quacksalberei[660].
[Sidenote: _Rechtliche Stellung der öffentlichen Badestube_]
In rechtlicher Beziehung galt die Badestube als öffentlicher Ort. Einem
Totschläger im Toggenburg wurde 1548 aufgegeben, den Verwandten des
Erschlagenen bis zum dritten Grade beim Begegnen drei Schritte aus
dem Wege zu gehen, oder, wenn solches nicht möglich wäre, ihnen im
Vorübergehen den Rücken zuzukehren, kein Wirts- oder Badhaus, darin
sie sich befänden, zu betreten [112]. Hans Nef von Appenzell, der 1587
den Lorenz Schlipf daselbst getötet hatte, mußte sich verpflichten,
allen Geschwisterkindern, Schwägern und nahen Verwandten des Getöteten
auf Stegen und Wegen, in Holz und Feld, in Städten, Dörfern und
Marktplätzen auszuweichen, ohne ihre Bewilligung in kein Speise- und
Wirtshaus, in keine Bade- oder Scherstube zu treten, wo sie sich
fänden, wäre er aber zuerst da, so sei er nicht schuldig, sich zu
entfernen[546]. Auch in Kempten mußte ein Totschläger ein ganzes Jahr
lang den Verwandten des Erschlagenen auf der Gasse, dem Kirchgang und
den vier ehehaften Orten (Wirtshaus, Badestube, Mühle und Schmiede)
ausweichen[16]. Starb jemand an den Folgen eines Schlages, und war
er zuvor in der Kirche, auf dem Markte oder „to deme stouen“ gesehen
worden, so galt der Täter nach dem Hamburger Stadtrecht (1270, 1292,
1497) nicht als Mörder, ebenso nach den Bremer Statuten vom Jahre
1333[16]. Verwundungen, Schlägereien, Injurien in der Badestube wurden,
als an einem der befriedeten Orte begangen, in Riga (13. und 14.
Jahrhundert) doppelt bestraft[193]. Wer in seiner Kleidung mit bloßer
Wehr den Nackenden in der Badestube blut und blau schlug, hatte nach
dem lübeckischen Recht eine vorsätzliche Gewalt getan und sollte am
Leben mit dem Schwert gerichtet werden[547]. Diebstahl in der Badestube
wurde in Riga, wenn der Wert des Gestohlenen ein Lot oder darüber war,
mit dem Tode bestraft[193]. Auch in anderer Beziehung bot die Badestube
einen Schutz. Der Schuldner durfte nicht festgenommen werden. Zu Anfang
des 14. Jahrhunderts singt der König vom Odenwald:
„der zweinzigst muoz des bades gern
vor sînen schuldêrn[H]:
swenn er sie niht zuo rihte hât,
sô birget er sich in daz bat:
herzoge von Sachsen schanden ôn,
er giht, er habe ez auch getôn“[228].
Aber „in deme veylen stoven oder stofhuse mach men“, nach den Goslarer
Statuten, „wol vorvestede lude unde overhorighe lude upholden
(verhaften)“[533].
[A] In einem wahrscheinlich von ~Hans Sachs~ stammenden Gedicht
werden „Die neun ler im pad“, in derber Weise verhöhnt[337]. Eine
Parodie auf das gesamte Regimen sanitatis erschien Mitte des 16.
Jahrhunderts in der Schweiz[595], eine solche ist auch ~Fischart~s
„Aller Practick Großmůtter[630].
[B] ~Gengler~[545] nennt unter den Angestellten des Baders den
Schürer. Die „Schurin“ ist demnach eine Baderin, die das Feuer
schürte.
[C] Ein auf Gemeindekosten gehaltenes Bad scheint auch das
„burgerbad“ zu Durlach gewesen zu sein, das 1536 der Bader um einen
halben Gulden halten mußte, wobei noch den Knechten ein Schilling
Pfennig geschenkt wurde[219].
[D] Zwagerin ist hier im üblen Sinne ähnlich wie Reiberin gebraucht
(vergl. S. 86).
[E] Im Ausgabenbuch des Herzogs Albrecht des Jüngeren von
Niederbayern (1389–1392) hat der Landschreiber Walfhart mehrmals
Geld für ein „frumpad“, „frümpad“, oder „frempad“ verzeichnet[509].
~Frommann~ vermutet unter dem ersten und dritten Namen ein bestelltes
Bad[46]. Doch lautet eine Angabe bei Walfhart: „An Erihtag nach Petri
meinen Herrn ein frumpad auf der Ader“. Es scheint sich also um ein
Bad, das frommt, d.❆h. ein Bad zu Heilzwecken zu handeln.
[F] Diese Ansicht erhält dadurch eine Stütze, daß man in den
Mineralbädern in älterer Zeit im Bademantel, später im Schlafrock ins
Bad ging.
[G] Gromat ist nach ~Stöber~ ein mit Wacholderbeeren gewürzter Wein
oder Branntwein[599].
[H] Schuldiger kommt vom 14.–17. Jahrhundert auch in der Bedeutung
von Gläubiger vor[591].
RÜCKGANG UND AUFHÖREN DER ÖFFENTLICHEN BADESTUBEN / ERSATZ DERSELBEN IN
DER NEUZEIT
Das Gedeihen der Badestuben erhielt einen ersten heftigen Stoß durch
Steigerung der Holzpreise im 15. Jahrhundert. Als 1596 in Würzburg
die Elß Lermännin ihre alte Badestube in der Büttnersgasse wieder
aufbauen wollte, beklagten sich die Bader und erklärten, früher seien
wohl zwölf Badestuben zu Würzburg gewesen, aber des teuren Holzes
wegen abgegangen[144]. In den Niederlanden und Brabant mußte man schon
1465 wegen Mangels an Holz mit Kuhmist und Torf kochen. Ungefähr in
der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde in Wien der Vorkauf des Holzes
untersagt, und 1475 beschwerten sich die ärmeren Meister Bader beim
Rat, daß die bemittelteren das Holz vorkauften, wodurch es verteuert
würde, daß sie nicht einmal das notdürftigste haben könnten und ganz
verderben müßten. Es wurde beschlossen, die Bader sollten gemeinsam
einkaufen und nach Bedürfnis das Holz verteilen[16]. In mehreren der
erwähnten Meistersingerlieder wird der Bader wegen kalter Badestube und
des Einkaufs von Holz nach dem Pfennwert (im einzelnen) geneckt[337].
Ott Ruland hat 1448 in seinem Handelsbuch neun Gulden Schulden des
Baders für Holz in der ihm gehörigen Badestube verzeichnet. Später
mußte der Bader einmal den Zins schuldig bleiben[284]. In Augsburg
verordnete im März 1477 der Rat, daß das Holz, das bisher nach dem
Gewicht verkauft worden, nach einem gewissen Maß, das Klafter genannt
wurde, abgemessen und bezahlt werden sollte. 1548 wird angegeben, daß
zu Augsburg das Holz seit einigen Jahren auf einen ungemein hohen
Preis gestiegen sei; um die Stadt herum gab es fast nichts mehr,
und 1566 durfte nichts mehr vor der Stadt, sondern nur noch auf
offenem Markte verkauft und abgemessen werden[495]. Zu Anfang des
17. Jahrhunderts macht ~Guarinonius~ wieder auf den Holzmangel in
Augsburg aufmerksam und rügt im Gegensatz zu Augsburg das Überheizen
der Stuben in Steiermark, weil zu reichliche Holzmengen zur Verfügung
ständen[134]. Diesem entsprechend finden wir hier ein für die Zeit
noch hochentwickeltes Badewesen. 1430 verkaufte der Bischof von Speyer
die Badestube von Bruchsal an die Stadt und führte große Klage, daß
durch die Bader die Wälder verwüstet seien. Forthin sollte der von
Bruchsal täglich im Winter nur ein und im Sommer zwei Karren Holz holen
dürfen[61]. In Frankfurt a.❆M. begann 1497 ein Mangel an Holz, und man
deckte von nun an den Bedarf nicht mehr im städtischen Wald, sondern
bezog es vom oberen Maine her[127].
[Sidenote: _Steigen der Holz- und der Badpreise_]
Die steigenden Holzpreise hatten ein Steigen der Badepreise zur Folge,
die wieder einen verminderten Badebesuch — neben noch zu erörternden
Ursachen — bewirkten, wodurch die Einnahmen der Bader sich wesentlich
verminderten; denn ob wenig oder viel Leute in der Badestube saßen,
die Kosten für Heizung waren dieselben. Als in Winterthur 1514 die
obere, die städtische Badestube verpachtet wurde, erhielt der Bader
nach dem Vertrage zehn Klafter Holz jährlich in der Stadt oder aus dem
Wald; als er 1517 die Badestube von der Stadt kaufte, bekam er von nun
an nur soviel als andere Einwohner. Im selben Jahre wurde dem Inhaber
der unteren Badestube, die Erblehen war, mitgeteilt, daß er nicht mehr
„Vordrung noch Ansprach an unserm Wald Eschenberg des Holzes halb“
haben sollte, und ihm zugleich befohlen, die Welt mit dem Badgeld nicht
zu steigern[57]. 1496 ermahnten Schultheiß und Rat zu Baden (Schweiz)
ihren Bader, die Gemeinde beim alten Lohn zu lassen und von einem Mann
nicht mehr als drei Heller, von einer Frau nicht mehr als zwei Heller
zu nehmen[32]. In Stuttgart klagten 1547 die Bader, daß sie bei den
festgesetzten Badepreisen nicht mehr bestehen könnten, und es wurde
infolgedessen das Badgeld für einen erwachsenen Mann auf drei Pfennig,
für eine Frau auf drei Heller und für ledige Personen, Dienstboten
und Kinder auf einen Heller erhöht. Im selben Jahre steigerten die
Eßlinger Bader die Preise und begründeten dies direkt mit einer
Erhöhung des Holzpreises, ebenso 1622 die Bader zu Nürnberg[16]. In
Berlin ersuchten 1624 die Verordneten der Bürgerschaft den Rat, dafür
zu sorgen, daß die Taxen nicht erhöht würden; denn die Bader forderten
von einer älteren Person für ein Bad acht gute Pfennig und Trinkgeld,
so daß es auf zwei Groschen zu stehen käme. Aber 1677 beklagten sich
die Besitzer der Badestuben beim Kurfürsten, daß sie aus Mangel an
Nahrung gänzlich in Verfall gerieten, indem sie jeder wöchentlich kaum
drei Groschen einnähmen und wohl sechzehn Groschen für Holz zum Heizen
der Badestube ausgeben müßten[191]. Obwohl 1774 in der Stadt Zürich
fünf Badestubengerechtigkeiten, aber nur zwei Badestuben in Betrieb
waren, bekämpfte das Handwerk der Bader die Niederlassung eines dritten
Meisters, der die Badestube nicht betreiben wollte, mit Erfolg unter
Hinweis darauf, daß die zwei Meister Bader zum Heizen ihrer Badestuben
von der Obrigkeit verpflichtet seien und mit dem Wärmen große Kosten
hätten[243].
[Sidenote: _Bestrebungen der Bader / die vorgeschriebenen Badetage
einzuschränken_]
Im wesentlichen ging das Bestreben der Bader darauf hinaus, nur noch
zu schröpfen und die eigentliche Baderei, die mehr Unkosten als
Einnahmen brachte, eingehen zu lassen, bezw. die Anzahl der Badetage
einzuschränken, was aber nach den Verleihungsurkunden nicht angängig
war. So wurden einmal durch kurfürstlichen Befehl die Badstübner zu
Köln bei Berlin aufgefordert, ungesäumt die Badestuben zu heizen und
für die Einwohner in Bereitschaft zu halten[191]. 1445 beschwerten
sich die Einwohner von Gerolzhofen beim Vogt und beim Rate, daß „vor
alter Herkommen“ von jedem der zwei Bader alle Woche vier Bäder gemacht
worden seien und werde nun durch deren eigenes Vorgehen ein Bad
abgebrochen und nur noch drei gehalten. Viele Frauen, heimische und vom
Lande, und etliche Männer pflegten am Samstage nicht zu baden, dazu
habe sich die Stadt an Einwohnern gemehrt, daß „die andern zwen tag als
Dinstag vnd Mitwochen, die leute alle mit Iren kinden gerewmlichen
nicht vnd nach nodturfft gebaden konnen noch mogen, sundern werden vber
einander, als ob ein Seelbad were, geslagen“. In der Folge sollten
vier Bäder, am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag, und wenn der
Donnerstag ein Feiertag wäre, am Montag gehalten werden. Fast hundert
Jahre später, 1543, ließen Vogt und Rat die zwei Bader fordern, weil
sie sich unterstanden, in der Woche nur ein Bad zu machen. Sie sollten
zweimal, Mittwoch und Samstag, Bäder halten, und wenn an diesen Tagen
Feiertag wäre am Dienstag und Freitag(!). Von nun ab mußten auch Kinder
mit neun oder zehn Jahren das Bad mit einem neuen Pfennig bezahlen,
was am Tage Johannis „vber die Cantzel verkunt worden“. Von 1557 an
hatten auch Kinder, die ins Bad getragen wurden, jedes einen Pfennig zu
geben[A], Erwachsene zahlten zwei neue Pfennige[239]. 1573 erschienen
vor Rat und Bürgermeister beide Bader und trugen vor, das Brennholz
würde zu so hohem Preise verkauft, daß sie in Zukunft nicht mehr um den
alten Lohn Bäder halten könnten, und baten um Steigerung des Badgeldes.
Künftig sollten zwei Bäder wie bisher gehalten werden. Erwachsene
sollten vier alte Heller, junge Leute über vierzehn Jahren drei alte
Pfennige und jüngere einen Neupfennig geben. Die Ordnung sollte bis
zum Abschlagen der Holzpreise gelten. Auf weiteres Bitten wurde den
Badern bewilligt, daß vier Wochen lang jeder nur ein Bad zu halten
brauche. 1575 wurde diese Ordnung wieder abgeändert. Fortan sollten
alle Erwachsenen einen neuen, Kinder aber einen alten Heller zum Bade
geben[144].
Schrieben die Behörden den Badern vor, das Badgeld nicht zu hoch zu
rechnen, so verpflichteten die Zünfte ihre Mitglieder, nicht zu wenig
zu nehmen, um gegenseitige Konkurrenz zu vermeiden. In Zürich durfte
1503 kein Bader jemandem das Badgeld schenken[243]. 1483 sagt die
Konstanzer Schererordnung: „Item es ist ain sacz, daz kain bader kain
nächer (wolfeiler) sol baden den umb 2 D.“, und Scherer und Bader
sollten „kainen nächer verdingen dan um 7 ß D.“ für das Jahr, er sei
jung oder alt[219].
Von größtem Einfluß auf das Badeleben waren die Infektionskrankheiten.
Manche Schriftsteller behaupten sogar, der Gebrauch der Badestuben sei
erst nach Einschleppung des Aussatzes, der Lepra, aus dem Orient zur
Zeit der Kreuzzüge aufgekommen und habe ebenfalls seinen Ursprung dort
genommen. Beides ist falsch. Wir hatten Aussatz und Badestuben schon
vor dieser näheren Bekanntschaft mit dem Osten.
Das Mittelalter ging mit äußerst scharfen Maßnahmen in der Absonderung
der Leprösen von den Gesunden vor, um weitere Ansteckungen zu
verhindern. Es war dem Aussätzigen der Zutritt zu allen öffentlichen
Anstalten verboten, auch der Besuch der Badestube. Zu Windsheim in
Franken wurde 1410 eine Frau aus der Stadt gestoßen, weil man sie
für aussätzig hielt; „denn die Gemeind wollt das Weib nit leiden zur
Kirchen, Straßen und Bad“[144].
[Sidenote: _Die Badestuben in oder bei den Aussatzhäusern_]
Im Siechenhause stand den Kranken ein eigenes Bad zur Verfügung. Das
Bad „zu wärmen und zu rüsten“ war im Sondersiechenhause auf der Steig
in Schaffhausen Sache der Kranken selbst, die der Reihe nach die
Verpflichtung auf sich nahmen. Auch vornehme Personen waren davon nicht
ausgenommen, so 1574 ein Mann, dem im Leibgedingsvertrag sogar Stallung
für ein eigenes Pferd zugebilligt wurde. Als Lohn erhielten die Kranken
„dry köpf“ (Gefäß) Wein von der Verwaltung[487].
An anderen Orten besorgte ein Bader von Beruf die Bäder, der wegen
seines intimen Verkehrs mit den Leprösen zur Abgeschlossenheit von
der übrigen Menschheit verurteilt war. Der Siechenbader Jörg Wuster,
der siebzehn Jahre im Siechenhause St. Georg bei Winterthur gewohnt
und auch hin und wieder im Land die Badstuben in den Siechenhäusern
versehen hatte, war lange verhindert, zur Ehe zu schreiten, bis er 1591
auf der Schau zu Zürich von den Doktoren und Verordneten bei ihren
Eiden als gesund und rein erkannt worden war und als Beleg einen Brief
der Stadt Zürich mit Sekret vorgewiesen hatte[57]. Auch im Baseler
Siechenhaus war ein Bader angestellt, welcher mit dem Zimmermann, der
die Sondersiechenmagd geheiratet hatte, zusammen als Nichtaussätziger
von 1652 ab das Almosen an hohen Festtagen in der Stadt einsammelte,
was bis dahin die Siechen selbst besorgt hatten und ihnen nun verboten
wurde[480].
Man scheint aber nur den persönlichen Verkehr mit den Aussätzigen
gemieden zu haben. In Würzburg mußte nach einer Urkunde von 1318 die
beim Spital gelegene Badestube zum Bekein (Becken) den Siechen des
Spitals alle vierzehn Tage am Montag zur Abhaltung ihres Badetages
überlassen werden[144]. In der übrigen Zeit badete dort das Volk (siehe
S. 89). Zweifelhaft bleibt aber, ob hier unter den Siechen Aussätzige
zu verstehen sind, obwohl sie das ganze Mittelalter hindurch und
noch später diesen Namen führen. In der Regel werden sie Feld- oder
Sondersieche genannt und waren nicht im Spital, sondern im Siechen-
oder Sondersiechenhause untergebracht. 1470 wird in einer Ordnung des
Bürgerspitals der Mitgebrauch der genannten Badestube durch die Siechen
des Spitals ausdrücklich wiederholt; es wird aber für Sieche auch der
Ausdruck krang (Pfründner) gebraucht[144]. Um diese Zeit dürfte es sich
also nicht mehr um Aussätzige gehandelt haben. Auch lagen 1533 die
Sondersiechen in den zu „Sant Claus“ genannten Häusern vor der Stadt.
Sie waren streng abgesondert und durften um Almosen nur in bestimmten
dazu verordneten Häusern bitten[486]. Zu Ypphofen in Franken wurde 1402
eine Badestube beim Spital der Aussätzigen errichtet, in der diese
aller vierzehn Tage ein Bad erhielten, dazu noch jeder eine halbe Maß
Wein, bis drei Eimer im Ganzen[144]. Ob die Badestube dem Publikum
zugänglich war, wird nicht gesagt.
[Sidenote: _Kräuter- und Mineralbäder gegen Aussatz_]
Da die Feststellung des Aussatzes bei einer Person schwere Folgen
hatte, sie gleichsam für bürgerlich tot erklärt, dazu unbarmherzig aus
ihrer Familie gerissen wurde, suchten die Betroffenen ihre Krankheit
möglichst lange zu verheimlichen. Deswegen waren alle Medizinalpersonen
verpflichtet, des Aussatzes Verdächtige anzuzeigen. Darauf mußten
1426 in Luzern die Scherer und Bader dem Rate schwören[189]. Bei
der Unsicherheit der Diagnose — sie wurde durch die Geschau oder
Schau aus dem Aderlaßblute gestellt — kam es zu häufigen Mißgriffen.
Gewissenhafte Ärzte, wie Felix Platter in Basel (1536–1614), der
als Stadtarzt das Siechenhaus zu St. Jakob an der Birs zu besorgen
hatte, überwiesen deshalb Aussatzverdächtige nicht ohne weiteres dem
Siechenhause, sondern versuchten das Übel neben inneren und äußeren
Mitteln durch eine Badekur zu heben. Hatte diese Erfolg, war die
Person nicht aussätzig. So heilte Platter einen Mann, dessen Mutter
und Schwester aussätzig waren, der selbst Pusteln im Gesicht hatte und
schon drei Jahre abgesondert war, durch eine zweijährige Badekur. Er
ließ sich sogar herbei, bei einem mit Aussatz behafteten Manne eine
derartige Kur durchzuführen, nachdem dieser versprochen hatte, das Haus
niemals zu verlassen, obwohl er am Erfolg zweifelte. Die Kur im Hause
bestand in Kräuterbädern mit oder ohne Zusatz von Schwefel, Alaun oder
Kochsalz, die im Frühling oder Herbst täglich eine Zeitlang gebraucht
wurden. Auch natürliche Thermen, besonders die schwefelhaltigen von
Baden in der Schweiz und Brieg im Wallis wurden benutzt[488]. Leuk
hatte im 16. Jahrhundert eine besondere Quelle, die eingefaßt und „den
Feldsiechen mit einer behausung“ zugerichtet war und „einen guten Weg
hinauff“ vom Hauptbade entfernt lag[318]. Schon der Meistersinger
und Barbier ~Hans Foltz~ erwähnt im 15. Jahrhundert den Gebrauch der
Leuker Thermen gegen Aussatz[12]. 1827 lag das Bad der Aussätzigen
in Trümmern, an seiner Stelle erstand das Armenbad[88]. Sonst finden
wir, daß die mit ekelerregenden Hautkrankheiten Behafteten zusammen,
die Aussätzigen also nicht besonders badeten. So hatte Karlsbad in
der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in dem Badehause, das die
öffentlichen gemeinen Bäder enthielt, noch eine besondere Abteilung für
„Kretzige und Aussätzige“[347].
Zuweilen wurden die Kranken von ihrem Siechenhause in Badeorte
geschickt. Die Rechnungsbücher der „Senti“ in Luzern geben an, 1659
vier Personen, welche in das „Walliss Baadt“ (Leuk) verreisten, je
einen Gulden sechs Kreuzer Zehrgeld und 1673/74 Jakob Kapelin eine
„Baadestür“ von zwei Gulden zehn Kreuzer zu demselben Zwecke[488].
Das neuerstandene Wunderbad zu Boll im Württembergischen nahm 1597
und achtundneunzig Leute aus den Gutleuthäusern (Leproserien) zu
Heilbronn, Neuffen, Stuttgart und einen von Bernhausen „auff den
Fildern“ (Feldern, daher Feldsieche) zur Kur auf, die zum Teil „wegen
jhres abschewlichen anblicks in gemeinem Badgewölb, zu Baden (-Baden)
nicht gestattet, sondern in ein besonder Badhütlein darzu gemacht,
abgesündert hat, wie dann I. F. G. löbliche Badeordnung außweiset“,
und die alle geheilt wurden. Bei zweien fügt der Berichterstatter
~Rentzius~ Gutachten hinzu, auf Grund deren die Personen aus dem
Gutleuthause zu Heilbronn entlassen wurden. Es hat sich in allen diesen
Fällen wohl nicht um Aussätzige gehandelt. ~Rentzius~ bezeichnet sie
auch nur als mit Erbgrind, beißender Flechte und Rauden behaftet[489],
und doch waren sie im Aussatzhause abgesondert und der Schau des
Physikus unterworfen.
Von den Thermen sagt ~Felix Platter~, „sie wirken kräftiger (als die
Kräuterbäder), sie heilen nicht nur eine Anzahl von Hautkrankheiten,
sondern sie nehmen dem Aussatze die Bösartigkeit und mildern die durch
den Aussatz erzeugten äußeren Schäden. Darum gehen in diese Bäder nicht
nur Kranke, bei denen der Aussatz konstatiert ist, um das Übel länger
geheim zu halten, sondern wir schicken auch solche Kranke dorthin, bei
denen wir nach vorgenommenem Untersuch noch in Zweifel sind, um vorerst
den Erfolg derselben und allfällige Veränderungen abzuwarten“[488].
Eine für die Prognose ausschlaggebende Bedeutung schrieb schon ~Foltz~
den Leuker Thermen zu:
„Vnd wem man den aussatz zuo schreib
Der mag bey zeit heilung erwerben.
Beit er zuo lang er muß drin sterben“[12][B].
[Sidenote: _Mineralbäder gegen Aussatz_]
Neben den Thermen kamen auch andere natürliche Quellen, Mineralbäder
und vermeintliche Mineralbäder in Betracht. Das Eintauchen in die
kalten Brunnen der Alpen wurde schon erwähnt und auch der heilige
Brunnen bei dem Kirchlein zu Munzach, den man in ein entferntes
Siechenhaus leitete, wo das Wasser selbstverständlich erwärmt wurde.
Die Grafen von Rapperswil errichteten zu Kempraten nahe bei einer Fluhe
für Aussätzige ein Pfleghaus und über den daselbst für den Aussatz
heilsamen Quellen ein Badhaus. Weil dies aber auf morastigem Boden
stand, wurde es später, vermutlich 1354, auf die Fluh verlegt und
hieß darnach „an der Fluh“[490]. Kempraten ist wahrscheinlich eine
römische Niederlassung und sein Name aus campus prati entstanden. Das
Siechenhaus wurde bis 1810 als Armenhaus benutzt und bestand 1867 noch
als Privathaus. Auch die Gypsquelle zu Bellerive im Kanton Bern datiert
aus Römerzeit. Sie wurde nach den Kreuzzügen zur Heilung des Aussatzes
benutzt und mit Badeanstalten versehen. 1375 zum erstenmale und trotz
der Fürsorge der Bischöfe von Basel später noch öfters zerstört,
gerieten die Badegebäude nach ihrer Auffrischung im 19. Jahrhundert
bald wieder in Verfall[86]. Der Johanniterorden trat das Haller Wildbad
an das Spital der Stadt Hall, in der es lag, im 13. Jahrhundert unter
der ausdrücklichen Bedingung ab, dieses Bad so instand zu halten,
daß täglich zwölf Aussätzige damit bedient werden könnten[154].
Nach ~Zeiller~ lag 1655 zu Freiberg in Sachsen vor dem Peterstor
ein Brunnen, dessen Wasser für heilkräftig gegen Aussatz betrachtet
wurde[83]. Das eine der Züricher Siechenhäuser, das zu St. Moritz an
der Spannweid, bezog für sein Badehaus das Wasser aus einer angeblichen
Heilquelle, der des oberhalb gelegenen Röslibades. Nach der bis ins
19. Jahrhundert geltenden Badeordnung wurde in drei Einsätzen gebadet,
d.❆h. ein Teil der Siechen hatte den dritten Teil der jährlichen
Badesaison zur Verfügung, dann rückten andere an ihre Stelle.
[Illustration: Abb. 89. Heilige (Sainte Segouleine, veuve, abbesse de
Troclar en Albigeois) einen Aussätzigen badend. Holzschnitt von ~Hans
Burgkmair~ (1473–1531).]
[Sidenote: _Übergang der Baderechte der Aussätzigen an die Siechen_]
Aus dem Vorhergehenden geht hervor, daß die Aussätzigen eine Zeitlang
täglich badeten, also nach früherer Sitte eine regelrechte Badekur
vornahmen. ~Martin Rulandus~ empfiehlt 1568 gegen „Aussatz vnd
malatzey“ „Bäder von schwefel, item das Pfefferbad, Wallisserbad
(Leuk), oder dz Bad Bruntzbach, Wendigerbad“[400]. Auch im Badehause
des schon erwähnten Siechenhauses zu St. Georg am Feld bei Winterthur
wurde im 16. Jahrhundert im Mai gebadet. Als die vier badeberechtigten
Siechen nach Aufhebung des Siechenhauses ins Pfrundhaus der Stadt
aufgenommen waren, hielten sie auch jetzt noch ihre jährliche Badekur,
nun im Juli, und zwar in der Badestube der Stadt ab. Dabei genossen
sie Vergünstigungen an Lebens- und Genußmitteln, wobei der Wein eine
nicht unbedeutende Rolle spielte. Des Spitals Rechnung zeigte 1842 „112
Maaß Wein für die Badweiber“. Kurz darauf kaufte sich aber die Stadt
mit sechsunddreißig Gulden von der Verpflichtung dieser Lieferungen
los[57][C].
[Sidenote: _Die Aussätzigen gebrauchten die Schweißbadestuben nicht zum
Zwecke der Heilung_]
Diese Belege zeigen zur Genüge, daß der Aussatz mit Wasserbädern,
wenn auch nicht von gewöhnlichem süßen Wasser, behandelt wurde, wie
schon zur Karolingerzeit (siehe S. 9). Die heilige Elisabeth badete
und wusch, wie ihr Biograph berichtet, einen armen aussätzigen Mann
und legte ihn in ihres Gemahls Bett[16], und die Abbildungen zu
~Hans Burgkmair~s Heiligen (1517/18) stellen nur Voll- und Fußbäder
der Aussätzigen (Abb. 89) dar[479]. Die von neueren Schriftstellern
behauptete Behandlung mit Schweißbädern scheint demnach mehr
auf Vorschlägen in älteren ärztlichen Werken als auf wirklich
durchgeführter Praxis zu beruhen. Dabei soll nicht gesagt sein, daß
die Aussätzigen nicht schweißbadeten. Die Benutzung der Badestube zum
Becken in Würzburg, die aller vierzehn Tage einmal erfolgte, macht es
sogar wahrscheinlich. Doch handelt es sich hier um ein Bad, das der
gemeine Mann zur Lebens Notdurft in damaliger Zeit für unentbehrlich
hielt. Warum sollte das den Aussätzigen vorenthalten werden? Das aber
war kein kurgemäßer Gebrauch des Badens zum Zwecke der Heilung. Es
sei bemerkt, daß auch für die Siechen in Würzburg der Badetag ein
Freudentag war. Wenn sie vom Bade kamen, erhielten sie (1470) zwei
Eier, eins gesotten oder gebraten und eins roh, und zum Nachtessen eine
halbe Maß Wein. „Das Almosen gibt man von einem Hauß“[144]. Es wird
wohl eine Seelbadstiftung gewesen sein.
Im 17. Jahrhundert kann der Aussatz im mittleren Europa als erloschen
betrachtet werden[491]. Was in späterer Zeit im Siechenhause
Unterkunft fand, waren Hautkranke und Sieche im heutigen Sinne,
chronisch Kranke. Die alten Siechenordnungen blieben aber bis ins 19.
Jahrhundert in Kraft, und auch die einst den Aussätzigen gemachten
Vergünstigungen und wohltätigen Stiftungen erbten auf die späteren
Insassen der Siechenhäuser fort. Dabei glaubte man an ein tatsächliches
Weiterbestehen des Aussatzes. Die noch im 18. Jahrhundert geltende
gräflich Schwarzburgische Baderordnung im Amt Gehren schrieb vor, die
bei Aussätzigen gebrauchten Instrumente, Laß- und Schröpfeisen, nicht
bei anderen Personen zu verwenden[242].
[Sidenote: _Blutbäder gegen Aussatz_]
Nicht unerwähnt soll ein praktisch wohl kaum angewandtes Heilmittel
gegen den Aussatz, das Blutbad, bleiben. Bekannt ist, daß in
~Hartmann~s ~von Aue~ Armen Heinrich der Ritter vom Aussatz geheilt
werden sollte, wenn eine reine Jungfrau ihr Herzblut für ihn gäbe[297].
Im Silvester von ~Konrad von Würzburg~ ist Kaiser Konstantin von Rom
mit der „miselsucht“ behaftet. Die Meister vom Kapitol haben ihm
geraten, im Blut unschuldiger Kinder zu baden.
„Nû daz der rât im wart gegeben
umbe die genist und umbez leben,
dô sante er in daz lant sîn,
und hiez driu tûsent kindelîn
zuo Rôme bringen in die stat
dar umbe daz im würde ein bat
gemachet ûz ir bluote dô“[492].
Allen Ernstes berichtet der Züricher Chorherr ~Wyck~ in seiner Sammlung
von einem Blutbad, das er sogar im Bild hat darstellen lassen. „Von
einer grusammen mortlicher thaatt, der Hertzogen von Florentz uß
einem schryben von Ferrara den 24. Aprilis (15)87 an J. Hanns Ulrych
Grebell“. Danach hat Signora Biancha Capella, die Gemahlin des Herzogs
zu Florenz, als sie etwas krank gewesen, auf den Rat jüdischer
Ärzte zweihundert Kinder aus den Dörfern nehmen, die Hälse heimlich
abschneiden und ihr unschuldiges Blut auffangen lassen, darin sie die
Juden gebadet. „Ist aber glich wol Ir kranckheit nit hingangen.“ Als
das der Herzog vernommen, hat er vier der Juden vierteilen lassen,
„unnd ist Iro bißhar (der Gemahlin des Herzogs) nichts beschähen.“
„Dise thaatt ist nütt unglych deß Königs Herodis der die armen
unschuldigen Kindli zu Bethlehem ermürdt unnd umgebracht“, setzt ~Wyck~
hinzu[308]. Auch der Berner Chronist ~Anshelm~ berichtet, 1483 ließ
sich König Ludwig XI. von Frankreich gen Tours zu S. Martin tragen,
der vor seinem Tode „insunders von wegen der Malacy vil Kinderblut
gebrucht“[104].
[Sidenote: _Warnung vor dem Gebrauch der Badestuben zur Pestzeit_]
Weit mehr als der Aussatz griff, wenn auch vorübergehend, das Auftreten
der Pest in das Badeleben ein. Ich habe zahlreiche Pestordnungen
vom 15. bis 18. Jahrhundert durchgesehen. Die meisten gleichen
sich wie ein Ei dem andern. Sie bringen Ratschläge für Gesunde und
Kranke. Daß man in „diesen sterbenden Läufen“ Gesunden empfahl,
alle Orte, wo viele Menschen zusammenkamen, wie Rathaus, Kirchen,
Wirtshäuser, öffentliche Badestuben u.❆s.❆w. zu meiden, erscheint
selbstverständlich. „Auch meydet bat gemeynschaft der lewte und vil
reden mit den lewthen; worumme? eyne mensche wirt von dem andirn
vorgift“, heißt es in der ältesten deutschen Anweisung von Albicus,
Erzbischof von Prag (1412)[474]. Man fürchtete aber nicht nur direkte
Ansteckung, sondern auch Übertragung durch dritte Personen; „es mag
sich leichtlich begeben, dz yemandt für sich selbs gesund, etwas mit
jm bringt daß einer anderen complexion verderblichem ist“ (~Pantaleon~
1564)[602]. Deshalb durften nach einer Nürnberger Ratsverordnung
von 1600[493], solchen von Zürich (1564)[494], Amberg (1555)[16]
alle Pestrekonvaleszenten die genannten Orte wenigstens einen Monat
nach überstandener Krankheit nicht betreten, in Luzern (1594) sechs
Wochen lang[481], in Stettin (1567) für längere Zeit nicht[475]. Das
Verbot galt auch für Personen, die in infizierten Häusern wohnten, in
Nürnberg für vierzehn Tage[493], in Zürich für einen Monat bei zehn
Pfund und fünf Schillingen Buße[494]. In Stettin wurden 1567 die Bader
aufgefordert, Kranke, Rekonvaleszenten, der Pest Verdächtige aus ihren
Badestuben zu weisen[475]. In Wien sollten 1602 Personen, die aus
verseuchten Orten kamen, durch Anschlag an der Badestube vom Betreten
derselben abgemahnt werden[16].
Die Warnung vor Schweiß- und Wasserbaden in öffentlichen Bädern
hatte noch ihren besonderen Grund. ~Vadian~ (1519)[571], ~Pantaleon~
(1564)[602]; ~Lavater~ (1668)[603] begründen sie, teilweise unter
Hinweis auf ~Avicenna~, damit, daß durch die infolge des Badens
geöffneten Schweißlöchlein die böse Luft (~Pantaleon~), die giftige
Luft (~Herlicius~ 1623)[604], das Erb(Ansteckungs)gift (~Lavater~)
leicht eindringe, wodurch einmal in der Badestube eine Ansteckung durch
andere erfolgen könne, nach dem Verlassen derselben aber auch durch die
Luft. Deshalb wurde geraten, die Schweißlöcher vor dem Betreten der
Straße durch Einreibungen wieder zu verengen. „Item vor allen dingen
vffsechen domit man an den offnen vnd sorglichen lufft bald nach dem
bad nit kum. Item so die hitz etwas in vnß nachgelassen hat, roßwasser
nemen vnd das mischen mit ein wenig gapher vnd essig, domit die hend
füchten, vnd die stirn, die nasen, den mund vnd hals bestrichen,
voran wo einer vß gon wölt, ist treffenlich wersam“ (~Vadian~). Auch
~Pantaleon~ schlägt Waschen der Hände und des Gesichts mit Rosenwasser
und Essig vor, ~Herlicius~ Waschen und Reiben des ganzen Körpers mit
Kamillenöl oder gutem Wein.
Begnügten sich in der Regel Ärzte und Behörden damit, das Volk vor dem
Besuch der öffentlichen Badestube zu warnen, gingen andere weiter.
Nürnberg beschränkte 1562 den Gebrauch der Badestuben auf dreimal in
der Woche, bei späteren Seuchen auf zweimal[291]. In Stettin durfte
jeder Bader 1591 nur einmal in der Woche heizen[475]. Einige Ärzte
schlugen vollständiges Schließen der Badestuben vor, ~Crato von
Crafftheim~ 1548, ~Hiltprant~ 1607 für Österreich,[16], ~Schleher~
1611 für Konstanz[605], ~Lavater~ 1668 für Zürich, ~Herlicius~ 1623
für Pommern. In den Jahren 1521, 1554, 1562 und 1691 wurden sämtliche
Badestuben Wiens, bald allein, bald mit anderen öffentlichen Anstalten
zusammen, gesperrt, 1562 auch die, welche zwei Meilen um die Stadt
herum lagen[16]. 1597 war die rote Badestube in Frankfurt a.❆M. eine
Zeitlang geschlossen[127], wohl wegen eines im Hause vorgekommenen
Pestfalles. Dagegen waren 1542 in Zürich trotz der behördlichen Warnung
vor Besuch infizierter Häuser die Badestuben weiter in Betrieb, obwohl
man wußte, daß der Tod auch dort gewesen war[209].
Nicht nur das Baden in den öffentlichen Badestuben, sondern das Baden
überhaupt wurde zur Pestzeit fast durchgehends für schädlich angesehen.
„Item ouch sol man vast (sehr) sich hüten vor vberyger fulle, vor allen
bedern, besunder vor badstuben“, sagt Magister ~Henricus Münsingen~
Mitte des 15. Jahrhunderts[476]. In einem Traktat von 1482 heißt
es: „Baden wie das ist sol man nit zu den zyten thun als die sucht
regnieret“[477]. Auch hier berief man sich wieder auf ~Avicenna~, der
lehrte, daß das Baden zur Pest geneigt mache eben wegen der erweiterten
Hautporen, obwohl dieselben Schriftsteller angeben, das Gift würde
durch die geöffneten Schweißlöchlein im Bad ausgetrieben. „Wer des
Badens entraten kann, thue es“, „wo man je aus Notdurft baden will“,
„wer gewohnt zu baden“, „wo aber die Gewohnheit des Badens so groß
wäre“, so beginnen die Vorschläge für Ersatz des öffentlichen Bades.
Nur einer verachtete ~Avicenna~s Lehre, ~Paracelsus~: „Wiewol aber im
Brauch ist, vil baden, schrepffen, soliches alles soll im alten Brauch
bleiben, wo es mag geschehen, on vermischung ander Volcks“[655].
An Stelle der öffentlichen Badestube wird das Bad in „einer sondern
Badstuben in seiner Behausung“ empfohlen. Nicht zu heiß soll es
genommen werden. Wer Theriak vor dem Bade will, um zu schwitzen,
soll ihn sechs Stunden vorher nehmen (~Neef~ 1577)[606]. ~Ellenborg~
(1484)[16] und der erwähnte anonyme Reisersche Druck aus dem 15.
Jahrhundert[238] schlagen ein wenig Schwitzen in einem Wasserbad vor.
~Willich~ warnt dagegen vor dem „laulichen“ Warmwasserbad in der Wanne
„wie sonst geleert wird“. Es soll nur um des Schweißes willen gebadet
werden, der mit hölzernen und knöchernen Messern abzureiben ist. Danach
soll man sich mit warmem Wasser abspülen und mit Seife allen Unflat
und Schweiß abtreiben[607]. ~Herlicius~ empfiehlt ein Schweißbad im
Hause nach Einnahme von einem Quentlein Theriak oder Mithridat mit
nachfolgendem Schwitzen im Bett, ~Vadian~ ebenfalls ein Schwitzbad im
Haus herzurichten „als in einem verdeckten zuber, mit heißen steinen
u.❆s.❆w. Vnd in dem bad wasser Camilien, ruten, Isopen, Basiliken,
poleyen, wolgemůt, sametlich oder sunderlich sieden, vnd domit
vffgiessen vnd waschen“[571]. Ein Vorschlag ~Tansstetter~s (1521)[16]
galt wohl den Armen, die weder eigene Badestuben noch Badezuber
besaßen. Sie sollten alle Woche die Füße einmal waschen.
~Willich~ verwirft auch den nach seiner Angabe üblichen Gebrauch
der Wildbäder. In Pfäfers wurde aber in den Jahren 1611 und 1629
ausnahmsweise auch im Winter gebadet und zwar wegen der Pest. Es wurde
niemand von der Seuche ergriffen, während in der Umgebung Dörfer
zur Hälfte oder ganz ausstarben und die Luft so vergiftet war, daß
Vögel, Hunde und Katzen tot zur Erde fielen. Einige Ärzte wollten die
Sicherheit der Kurgäste aus der abgeschiedenen Lage herleiten, wogegen
~Rüsch~ 1832 anführt, daß auch bei anderen Thermen in der Nähe niemals
Ansteckung erfolgt sein soll[88]. In Baden-Baden suchte man 1551 durch
den Dunst der geöffneten Quellen die Pest abzuhalten[70].
[Sidenote: _Baden zur Verhütung der Pest_]
Einer für ihre Zeit genialen prophylaktischen Maßnahme gegen die Pest
sei hier noch gedacht. Der Züricher Arzt ~Johann Heinrich Lavater~,
ein Schüler des Chirurgen ~Fabricius Hildanus~, verfaßte 1668 auf
Befehl des Rates eine neue Pestordnung. Sie unterscheidet sich von
anderen wesentlich durch neue Gedanken, die ich anderweitig nicht
fand und deshalb ~Lavater~ selbst zuschreiben möchte. Er schlug vor,
Landeskinder, die durch ihren Beruf zum Reisen genötigt seien, bei
der Rückkehr aus verseuchten Orten nicht abzuweisen, sondern sie an
den „vordersten Pässen“ folgender Behandlung zu unterziehen. Man soll
die Person „bey oder nach leibsöffnung einen oder zwen Theriacalische
schweißtrünke eingeben, hernach in ein wasserbad mit Wasserknoblauch,
Scordium genannt, oder in mangel dessen, mit gemeinem Knoblauch,
Schwalmen- und Eberwurzen alterirt, oder gebrochen, 2 oder 3 stunde
lang setzen, und ihnen in dem bad mit einer gelinden laugen von
rebäschen, darinn Rautenblätter, Angeliken- oder Aletwurzen gesotten
worden, durch eine bestelte, gesunde, und starke person zwagen und
abwaschen lassen, hernach mit sauberen kleideren, von gesundem hause
auß, sich anzuziehen, oder sich in jez gebräuchliche, für arme und
reiche bequeme leinwad zukleiden, und ihre alte angestekte kleidung,
von der solen an bis auf die scheitel, zuverbrennen, befehlen“[603].
Sehr ängstlich sahen die Badeorte darauf, daß niemand aus
pestverdächtigen Gegenden zur Kur kam, wohl gerade deswegen, weil man
dort Schutz vor der Seuche suchte. Nach der Ordnung des Wunderbades
Boll (Württemberg) aus dem Ende des 16. Jahrhunderts war es bei zwölf
Gulden Strafe verboten, von verdächtigen Orten aus, „da der Erbsucht
und sterbender Laufft habben, der Luft nicht rein ist“, Aufenthalt in
Boll zu nehmen[331]. 1634 erging an den Wirt im Tobelbad der Befehl,
einige „Pollakhische Studenten“, welche der Infektion wegen von Graz
ohne Bewilligung in das Bad gezogen, abzuschaffen. Ohne Vorweisung
eines Gesundheitspasses sollte er niemanden aufnehmen. Im gleichen
Jahre wurde der Pfarrer von St. Veit, welcher einer verdächtigen Person
Beichte gehört hatte, abgesperrt. Das gleiche widerfuhr dem Wirt und
seinem Gesinde. 1679 wurde der Wirt beschuldigt, daß er aus infizierten
Orten kommende Personen dulde, darunter eine getaufte Jüdin aus Wien.
Der herrschenden Kontagion wegen wurde 1682 das Bad ganz geschlossen
und selbst die Kapelle gesperrt[84].
[Sidenote: _Badebehandlung der Pestkranken_]
Die von der Pest Ergriffenen wurden mit Schwitzen behandelt. Meist
begnügte man sich, die Kranken gut zugedeckt im Bett zu halten und
einen Schweißtrunk, fast durchgehends Theriak, einzugeben. Beim
Ausbleiben des Schweißes suchte man ihn mit warmen Ziegelsteinen
hervorzurufen. Nach ~Pantaleon~ wurden sie im Feuer erhitzt. Wurden die
Steine heiß verwendet, umwickelte man sie mit nassen Tüchern. In der
Regel sollten sie die Füße erwärmen; manche legten sie auch zwischen
die Schenkel oder um den ganzen Patienten herum. Als Ersatz der
heißen Steine dienten frisch aus dem Ofen gezogenes, durchgebrochenes
Brot, mit warmem Wasser gefüllte Flaschen, auch von Blech, Guttern
(enghalsige Flaschen) und Rindsblasen. Nach ~Untzer~ (1607) sollten die
am Fußende angewandten warmen Gegenstände nicht allein Schweiß treiben,
sondern auch das Gift vom Herzen ziehen. Beim Ausbleiben des Schweißes
galt der Patient für verloren[608].
[Sidenote: _Verbot des Bäderbesuches von Syphilitischen zur Vermeidung
der Ansteckung_]
Am empfindlichsten wurde das Badeleben durch das epidemische Auftreten
der Syphilis betroffen. Die Chroniken geben an, die Landsknechte
Kaiser Maximilians hätten die Seuche vom Zug gen Mailand mitgebracht.
Im Jahre 1495, sagt eine Nürnberger Chronik, „ist bös krankheit, malo
franco, welches man die Franzosen nennt, erstlich ins Teutschland
kommen“[195]. Auch von Frankreich (daher der Name Franzosenkrankheit)
und von den Niederlanden wurde sie durch die aus Italien heimgekehrten
Söldner Karls VIII. von Frankreich, unter denen 1494 die Krankheit als
Epidemie ausgebrochen war, eingeschleppt. Nach den schweizerischen
Schriftstellern der Zeit brachten die Schweizer 1495 die Krankheit aus
dem neapolitanischen Feldzuge mit in die Heimat[480].
Schon 1496 wird als Hauptpräservationsmittel angegeben, „ein gemeyns
bad, darein mangerley menschen koome“, zu fliehen (~Grünpeck~)[478].
Im gleichen Jahre erging in Nürnberg das Gesetz, „allen padern bei
einer poen zehen gulden zu gepieten das sie darob vnd vor sein, damit
die menschen, die an der Newen krankhait malum Frantzosen, beflekt
und krank sein, in Irn paden (Bädern) nicht gepadet“[195]. Die
eidgenössische Tagsatzung verbot für alle Orte (Kantone) denen, „so die
böße Blatteren habent“, den Besuch von Kirchen, Straßen, Wirtshäusern,
Bädern und Scherstuben (Abschied zu Luzern 1496). Im gleichen Jahre
wurde auf der Jahresrechnung zu Baden im Aargau bekannt gemacht: „Der
lüthen halb, so die bößen Blatteren hannd, ist angesehen, das man
alle hett geheißen vß Baden schweeren, vnd sol jederman deheim mit
denselbigen verschaffen, daß sy nit gen Baden faren (d.❆h. zur Badekur
kommen), wann die Eidtgnossen wends da nit liden noch dulden“ (Abschied
1496). Ungefähr gleichzeitig verbot der Rat von Zürich Syphilitischen
den Besuch der Badestuben[480]. In Frankfurt a.❆M. wurde im selben
Jahre dem Inhaber der am meisten besuchten Badestube, der roten,
befohlen, einen angesteckten Knecht sofort zu entlassen, widrigenfalls
die Stube geschlossen würde. Im nächsten Jahre erkrankten der Meister
selbst und seine Frau. Dies und der Umstand, daß „viel lude darinn
befleckt sin worden“, hatte den Befehl zur Schließung der Badestube
zur Folge. Erst ein halbes Jahr später wurde die Wiedereröffnung
derselben gestattet, jedoch unter der Bedingung, daß nicht nur die
Öfen, Bänke und Stuben unter obrigkeitlicher Aufsicht gereinigt und
gewaschen, sondern auch niemals Erkrankte zugelassen würden. Das
Publikum fürchtete sich jedoch so sehr vor der Ansteckung, daß der
Bader aus Mangel an Zuspruch schon drei Monate später mit seinen
Gläubigern akkordieren mußte. In Frankfurt warnte 1499 der Rat die
Bürger sogar, die „klein badstuben in den husen“, also die Privatbäder,
gemeinschaftlich mit Syphilitischen zu benutzen[127].
Die ungemein schnelle Ausbreitung und die schwere Form, in der die
Seuche auftrat, ließ die Menschen erzittern. Am 18. August 1506
schrieb ~Albrecht Dürer~ aus Venedig an ~Wilibald Pirckheimer~ nach
Nürnberg: „Saget mir vnserm prior (Eucharius Karl, bey den Augustinern
daselbst) mein willig dienst. Sprecht, dz er Gott vür mich pit, daz
ich behüt werd vnd sunderlich vor den Frantzosen, wan ich weis nix,
daz ich vbeller fürcht, wan schir iederman hat sy. Vil leut freßen sy
gar hinweg, daz sy also sterben“[195], [478]. „Vor 25 Jahren“, sagt
~Erasmus~ von Rotterdam, „war bei den Brabantern nichts beliebter
als die öffentlichen Bäder (thermae), die jetzt überall kalt stehen;
denn die neue Hautkrankheit (scabies) lehrte uns, von ihrem Gebrauche
abzustehen“[483].
[Sidenote: _Ansteckung mit Syphilis durch Schröpfen in den Badestuben_]
Im 16. und 17. Jahrhundert sind die Verbote des Badestuben- und
zuweilen auch Heilbäderbesuches für Syphilitische nicht selten, in
Luzern mußten diese sogar nach Verordnungen aus dem letzten Viertel
des 16. Jahrhunderts noch drei ganze Monate, nachdem sie aus der Kur
gekommen, die Badestuben meiden[480], [482], und doch sind trotz
dieser Vorsichtsmaßregeln mehrere kleinere durch Badestuben veranlaßte
Epidemien bekannt. Die Übertragung geschah wohl in den meisten
Fällen durch chirurgische Instrumente, namentlich beim Schröpfen.
Schon nach der Nürnberger Ratsverordnung von 1496 war es den Badern
verboten, Eisen und Messer, die sie beim Scheren und Aderlassen
Syphilitischer in deren Wohnung benutzt hatten, wieder in der Badestube
zu verwenden[195]. Nach ~Roth~ erzählt eine alte (wohl Nürnberger)
Chronik, ehrbare Leute gingen nicht gerne in die Badestuben, weil
etliche lose Landsknechte die Leute dort verderbet, daß sie elend
geworden, die Laßköpfe ausgeschworen, und sie zum Teil gestorben[195].
~Jordanus~ berichtet, daß der größte Teil jener, die am 13. Dezember
1577 das am Fuße des Spielberges in Brünn gelegene Schwitzbad besuchten
und dort sich Schröpfköpfe setzen ließen, syphilitisch infiziert
wurden[16]. 1615 geschah es in der Badestube zu Sommerach a.❆M. durch
nicht gereinigte Schröpfköpfe[144]. 1614 wurde die ganze Gemeinde
Merchendorf infiziert[393]. 1601 schreibt ~Maier~ von Wurzberg bei
Wimpfen (~Marius~), zwei Jahre vorher seien in der Gegend der Aysche
(Zufluß der Regnitz), wie auch in anderen Städten und Dörfern herum,
von dem Schröpfen in gemeinen Bädern oft zwanzig, zuweilen vierzig
auf einmal und nicht die geringsten „verunrainet“ worden. Deswegen
habe jedermann Furcht vor dem Baden bekommen. Die Leute schämten sich
dieser „Vnreine“, ließen sich heimlich von Kurpfuschern behandeln,
und so breitete sich das Übel immer weiter aus. Als die Untersuchung
keine Ursache feststellen ließ, da gab man aus, die Krankheit sei „von
einer sondern himmels constellation, auß der lufft“ gekommen, „daß
Gottes zorn dies verhengete, andere doch disputirten von Schrepffeissen
oder flitten, letzlich man gar herauß saget, von frantzosen pocken,“
und ~Marius~ begründete diese letztere Ansicht damit, daß nur Leute
betroffen worden, die im Bad gewesen waren. Die erste Veränderung
sei an den geschröpften Stellen und entsprechend dem Laßkopf rund
gewesen und erst später der Ausschlag gekommen. ~Marius~ macht in
unklarer Weise auch noch andere Umstände, z.❆B. die Zubereitung der
„flitten“, verantwortlich, „vber das einer bekant, die flitten in
zwibel (Pancratio forsan) stecken gehabt“[485]. Die Erklärung dieser
Stelle gibt uns ein Eintrag vom 13. November 1599 in das Tagebuch von
Meister ~Frantz~, des Nachrichters von Nürnberg: „Andreas Seitzen,
Badersgesell, welcher im Weißenthurmbad gearbeitet, mit seinem Gesellen
Michel uneins worden, ihme gedroht, ein Possen zu machen, daß er an
ihn gedenken soll, und ihm darauf sein Schrepfeisen in eine Zwiebel
gesteckt, auch nüchtern Erbes gekaut und das Eisen angeathmet, dieweil
nun über die 70 Personen im Bad verderbt und die Franzosen bekommen,
auch die Köpf (wohl die Stellen, wo die Schröpfköpfe gesessen hatten)
ausgefallen, wiewohl er die Franzosen selbst bekommen, acht Wochen im
Haus gelegen, hat man ihm die Schuld geben; weil aber hernachmals er
eben sowohl die Leut verderbt in andern Baden, hat man ihn aus Gnaden
mit Ruthen ausgestrichen“[484].
Wie schwer die Syphilis den Wohlstand der Bader beeinflußte, zeigen
die Würzburger Verhältnisse im 16. Jahrhundert. 1512 brachte der
Pfortenschreiber im Domkapitel vor, der Bader zu Sulzdorf habe nun die
Badestube Jahr und Tag inne, aber noch nichts bezahlt. 1544 wurde dem
Rate gemeldet, die Badestube am Sand drohe dem Einsturz; der Bader
konnte wegen Armut keinen Neubau errichten, so daß sie die Stadt
übernehmen mußte. 1551 kaufte die Stadt auch die Badestube zu Bleich.
1552 bat der Bader zum Gulden um Ausbesserung von Bänken und Boden,
sonst könne er um den Zins nicht länger bleiben, 1557 bat derselbe um
Verringerung des Zinses. 1570 drohte die Badestube zu Randersacker,
einem Marktflecken bei Würzburg, dem Verfall. 1580 brachte der älteste
Bürgermeister vor, des Spitals Badestube trage im Jahr nur 15 fl.,
davon gingen 5 fl. ab, wofür der Bader die Armen baden müsse, dagegen
sei die Baulast eine große. Es wurde beschlossen, die Badestube zu
verkaufen unter der Bedingung, daß sie auf ewig erhalten bleibe und die
Insassen des Spitals weiter baden könnten. 1588 wurde ein Armenhaus
für die Bader gebaut. 1595 erhielt ein Bürger und Bader den Bescheid,
er solle sich auf dem Lande nach einer Badestube umsehen, indem die
Mittelstube zu erbauen für ihn zu kostspielig sei[144].
[Sidenote: _Zahl der Badestuben in verschiedenen Jahrhunderten_]
Sehr deutlich spricht auch die Anzahl der Badestuben in einzelnen
Orten zu verschiedenen Jahrhunderten. Die älteste urkundlich zuerst
erwähnte öffentliche Badestube war zu Fulda. Abt Marquard, der von
1150–68 regierte, errichtete eine Fleischbank auf dem Markte und
daneben eine Badestube, macellum in foro ac juxta illud balnearia
stupa. Wenn die Badestube damals etwas ganz Außerordentliches gewesen
wäre, bemerkt ~Falk~, so würde die Klostergeschichte nicht versäumt
haben, dessen Erwähnung zu tun. Die Badestuben gehen demnach weiter
zurück[196]. Wolfger von Ellenbrechtskirchen badete auf der Reise in
öffentlichen Badestuben zu Passau und Ebbelzperg bei Linz zu Anfang
des 13. Jahrhunderts[270]. In Hildesheim wird 1295 die Badestube „bei
den kleinen Steinen“ als die frühere erwähnt[52]. Zwickau hatte 1284
mehrere Badestuben[540]. Die Reichsstadt Wimpfen am Neckar kann drei
Badestuben im 14. Jahrhundert aufweisen[196]. Noch heute besteht das
1354 zuerst erwähnte Badehaus bei den Predigern als „alte Badestube“,
aus der ein starker Strahl klaren Quellwassers hervorsprudelt[623]. Zu
Wimpfen im Tal gab es im Mittelalter ein Bad, das im 17. Jahrhundert
verboten wurde[196]. Speyer hatte im 14. Jahrhundert neun Badestuben,
eine davon wird noch im 17. erwähnt[273], Basel elf und Kleinbasel
fünf[260]. In Riga waren im 13. und 14. Jahrhundert die drei Bäder
städtisch[193]. Mainz hatte im 14. Jahrhundert vier Badestuben[127],
Regensburg im 15. ebenfalls vier[62], Ulm im Mittelalter zehn[50],
Würzburg zwölf, 1470 noch neun. Ochsenfurt hatte in der Nähe des
Spitals eine alte Badestube, die 1431 von diesem gekauft wurde. 1691
wurde sie wieder verkauft, obgleich neben ihr eine neue angelegt war.
Bald ging aber diese ein, 1717 auch die alte, in welchem Jahre der
Kessel in das städtische Waschhaus versetzt wurde[144]. Meßkirch hatte
gegen Ende des 14. Jahrhunderts vier Badestuben[149]. 1350 werden Bäder
in den Dörfern Schornheim (Schornsheim bei Mainz) und Kunigernheim
(Königernheim bei Alzei oder bei Oppenheim) erwähnt[219]. Nach Urkunden
von 1426–1515 hatten fünf Dörfer bei Ulm jedes seine eigene Badestube,
im 15. baten die Leipheimer, eine zweite errichten zu dürfen[50]. Das
Dorf Burgau bei Bülach (Schweiz) besaß Mitte des 16. Jahrhunderts bei
ungefähr fünfunddreißig Hofstätten eine öffentliche Badestube[600].
Die Zahl der Wiener Badestuben betrug im Mittelalter einundzwanzig,
1534 elf, Anfang des 18. Jahrhunderts sieben[16]. In Eger gab es im
16. Jahrhundert vier gemeine Badestuben[318]. Nach ~Guarinonius~ war
1610 in Österreich keine Stadt, kein Markt, kein Dorf so gering, daß
er nicht seine Badestube hatte[134]. Aus einer Jenaer Verordnung von
1701 geht hervor, daß dort zur Zeit mehr als eine Badestube in Betrieb
war[242]. Halle hatte 1755 fünf privilegierte Badestuben[190]. 1699
wurde nach einer im städtischen Museum zu Jena befindlichen Urkunde
eine Badestube zu Weimar von den Herzogen Wilhelm Ernst und Johann
Ernst zum Erblehen gegeben. In Frankfurt a.❆M. kommen von 1290–1500
fünfzehn öffentliche Badestuben urkundlich vor (die erste 1290), das
offizielle Bürgerverzeichnis vom Jahre 1387 gibt sogar neunundzwanzig
Bader an, wovon aber doch wohl ein Teil Gesellen gewesen sein werden.
1555 waren noch zwei Badestuben in Betrieb und diese nur an zwei
Wochentagen[127], sie bestanden noch 1706[133]. 1809 stellte auch
die letzte aus alter Zeit ihre Tätigkeit ein, die rote Badestube,
welche 1356 zuerst erwähnt wird, 1498 wegen der Syphilis und 1597
wegen der Pest eine Zeitlang geschlossen war[127]. Nürnberg hatte
nach ~Hans Sachs~ dreizehn gemeine Badestuben[498], 1671 wurden zwölf
und ein Gesundbrunnen, das Wildbad, gezählt. Dies bestand 1792 noch
mit zehn gemeinen oder öffentlichen Badestuben, darunter die älteste,
das Rosenbad, welches ehemals Burgbad hieß, und von dem die Bader
in ihren Streitigkeiten mit den Barbierern nachwiesen, daß es, wie
~Roth~ 1792 schreibt, schon siebenhundert Jahre vorher bestand[195].
Zürich hatte seit dem 14. Jahrhundert fünf Badestuben (die erste
wird 1303 erwähnt)[173], die 1605 noch in Betrieb waren[209], im 18.
Jahrhundert nur zwei. Dagegen fanden sich auf der Landschaft Zürich
im 18. Jahrhundert fast in allen Dörfern Badestuben. Mit Inbegriff
von zwölf Wirten gab es fünfundzwanzig „alleinige“ Bader in ebenso
vielen Ortschaften, wozu noch die Bader kamen, welche zugleich
Scherer waren. Die „alleinigen“ Bader übten die Baderei tatsächlich
aus und waren nicht etwa Chirurgen; denn es war ihnen nicht erlaubt,
zur Ader zu lassen. Im Dorf Steinenbach wurde sogar 1775 eine alte
eingegangene Badestube wieder eröffnet. Im selben Jahr bestand eine
zu Bassersdorf, 1774 eine zu Waldenstein bei Winterthur, 1776 eine
in Volkerschwil[243]. 1775 und 1776 prozessierte der Inhaber der
Badestube zu Horgen, die aus dem 15. Jahrhundert stammte, mit dem
Besitzer des Badrechts im Mineralbade auf Bocken, einem Feldscherer,
wegen des Schröpfens daselbst und erreichte, daß ihm eine jährliche
Geldentschädigung zugesprochen wurde, falls auf Bocken ein eigener
Badermeister angestellt wurde [243, 502]. 1730 lag der Bader von
Hinweil mit der Gemeinde wegen Holzlieferung im Streit. Sie wurde
ihm auf Grund einer Ordnung von 1563 zugesprochen, wofür er die
Dorfgenossen um einen halben Schilling billiger als andere baden
mußte[573]. Bern hatte 1820 sechs Badewirtschaften[253]. In Dießenhofen
gab es 1826 ein mit Bachwasser versorgtes Bad[88].
Im grellen Gegensatz zu den geschilderten Würzburger Verhältnissen
stehen die Darstellungen der Künstler im 16. Jahrhundert, so daß
man den Eindruck gewinnt, es habe ihnen nur daran gelegen, ein
belebtes Bild nackter Personen zu schaffen. ~Ephrussi~ behauptet
geradezu, ~Dürer~ habe die Badestuben zu Aktstudien benutzt[609].
~Beham~s Frauenbad (Abb. 40) ist übrigens nur eine abgeänderte
Nachzeichnung des gleichnamigen Bildes ~Dürer~s, das vielleicht noch
aus der vorsyphilitischen Zeit stammt. Auch ~Hans Baldung Grien~s
Frauenbad im Cabinet des Estampes zu Paris ist nach ~Ephrussi~ nur
ein Gegenstück zu einer Federzeichnung ~Dürer~s in der Kunsthalle
zu Bremen (~Ephrussi~ schreibt es deswegen ~Dürer~ zu). Jedenfalls
geht daraus hervor, daß wir Bilder des 16. Jahrhunderts mit Vorsicht
zur Beurteilung des damaligen Badewesens verwenden müssen, weil sie
zuweilen nur ein Abklatsch von Bildern älterer Zeit sind. Auffallend
ist das verhältnismäßig häufige Vorkommen des Badewedels auf Bildern,
während er von den medizinischen Schriftstellern nur einmal erwähnt
wird, nämlich von ~Ryff~, und nur als Instrument, den Dampf an den
Körper zu treiben, nicht als Schlaggerät. Natürlicher erscheinen mir
die Abbildungen der Kalender und der Anweisungen zur Erhaltung der
Gesundheit (Abb. 75, 9O). Trotz des Verschwindens des Badewedels — zum
letztenmal finde ich ihn 1677 dargestellt[76], falls der Holzschnitt
nicht aus einem älteren Werke entnommen ist — war auch in den
folgenden Jahrhunderten das Schwitzbad in den meisten Badestuben noch
vorhanden.
[Sidenote: _Die Badestuben im 18. Jahrhundert_]
Im dritten Bande von ~Zedler~s Universallexikon[468] findet sich 1733
folgende Beschreibung einer öffentlichen Badestube: „Es siehet aber
eine Badstube also aus: Es ist nemlich ein niedriges Gemach, an dessen
einem Ende ein Ofen, neben diesen Ofen aber ein Kessel mit heißen,
und ein Kübel mit kalten Wasser ist, daraus man schöpffen, und wie
man es brauchen will, die Wärme mäßigen kann. An denen Wänden sind
Bäncke vor und über einander, darauf man sich höher oder niedriger
setzen kann, nachdem man starck oder gelinde zu schwitzen verlanget,
und diese werden die Schwitz-Bäncke genennet. Diejenigen, welche naß
baden wollen, setzen sich in eine Bade-Wanne, die mit Wasser angefüllt
ist. Zu diesen Stuben nun ist insgemein iemand bestellet, welches denen
Bade-Gästen aufwartet, auch ist insgemein ein Bader bey der Hand, wenn
jemand schröpfen will.“ Den badenden Personen ging mit Abwaschen die
„Bade-Magd“ an die Hand, die auch sonst im Bad bediente. 1734 erwähnt
~Dietman~ (Baden bei Wien) die Dampfbäder von angezündetem Spiritus
oder Branntwein und die Schwitzbänke der Bader[499].
[Illustration: Abb. 90. Badestube in der ersten Hälfte des 16.
Jahrhunderts. Holzschnitt aus: ~Dryander~, Arzneispiegel. Frankfurt
a.❆M., 1547.]
1788 kam in Zürich die „Baad-Stub“ auf Dorf zur Versteigerung. Darin
fand sich à plein pied ein Holzschopf und die Badestube selbst, in
dieser „ein mit Steinen wohl garnierter ofen, 2 küpferne Kessel in
circa 6 Tausen Wasser haltend, 2 Tollenöfen darzu, ein hölzerner
Baadkasten nebst Bänken mit Baad Gerechtigkeit darbei, in gleichem
Zimmer ist ein guter Galgbrunnen mit steinernem Wassertrog“. Von der
Badestube waren alljährlich an ewigem Zins zwei Pfund ins Säckelamt zu
entrichten. 1665 wird in derselben Badestube, die damals zu St. Anna
hieß, als Eigentum angegeben: „Drey Möschen (von Messing) Hänen, zwey
steinin trög, zwey Badkästen item die Gerechtigkeit zu einem Brunnen
und zu einer garvy (Gerberei)“[243].
Aus dem Vorhergehenden ist zu ersehen, daß mit dem epidemischen
Auftreten der Syphilis das deutsche Badeleben schwer beeinflußt,
das Badebedürfnis aber nicht vernichtet wurde, dasselbe gilt vom
Dreißigjährigen Kriege. So bauten 1660 die Bürger von Allensbach ihre
1640 im Kriege zerstörte Badestube im Frondienste umsonst wieder auf
und hatten dazu dreihundert Gulden Unkosten[129]. In Göttingen wurde
noch kurz nach dem Kriege täglich geheizt, doch bat ein Pächter den
Rat dringend, ihn von dieser Verpflichtung zu entbinden, da die Gäste
so selten wären[3]. 1655 sagt ~Zeiller~, eine berühmte Badestube sei
zu Leipzig am Ransteter Tor, schön und von Steinen erbaut, auch ganz
gewölbt[D], darin viel große kupferne Wannen und Zuber, bei deren
jedem ein hoher messingner Hahn, aus welchem das frische Wasser auf des
Badegasts Begehren nach aller Lust springen thue. Dergleichen sei auch
in anderen Badestuben, so vor der Thomaser Pforte anzutreffen. Diese
wäre jedoch nicht so „artlich vnd fest“ als die oben genannte[83].
[Sidenote: _Im Mittelalter gingen auch Vornehme / später nur das Volk
in die Badestube_]
Trotz dieser guten, anscheinend nur für Wasserbäder bestimmten
Einrichtung glaube ich, daß vornehme Leute nicht mehr, wie im
Mittelalter, ständig die öffentliche Badestube gebrauchten. Karl IV.
behielt sich in Königsfeld 1360 ausdrücklich vor „stubam balnearem“
zum eigenen Gebrauch, dem seiner Nachkommen und Erben, der Könige
von Böhmen[552]. In Bayern mußte 1294 der Viztum das Badgeld für den
Herzog zahlen, wenn dieser in den Amtsbezirk kam[534]. Den Herzog
Ludwig II. zu Brieg und Liegnitz ereilte 1436 der Tod in der Badestube
in der Liebfrauengasse zu Liegnitz[16]. Aber schon in der ersten
Hälfte des 15. Jahrhunderts sagt der Erzbischof Albicus von Prag in
seinen Verhaltungsmaßregeln zur Pestzeit nach einer Warnung vor dem
Bade überhaupt: „Du armer ... Du salt meyden gemeyne bat“[474], und
der Stadtarzt König von Bern warnt zur Pestzeit 1628 und 29 nicht den
Junker vor dem Besuch der gemeinen Schweiß- und Badestuben, sondern
rät ihm, sein Hausgesinde von diesen fern zu halten[610]. Nach dem
zu Leipzig 1715 erschienenen Frauenzimmerlexikon badete die vornehme
Frau zu Hause, nur Weibsbilder vom schlechten Stande besuchten die
öffentliche Badestube, wo die Bademagd die Bedienung besorgte[422].
Während 1610 nach ~Guarinonius~ in Steiermark die Handwerker
am Sonnabend abend ein Reinigungsbad nahmen[134], auch 1733 in
Mitteldeutschland die Badeschichten noch zum Baden benutzt wurden[468],
sagt ~Grellmann~ 1794, die Badeschichten seien ein Überbleibsel aus
früher Zeit, die bei einigen Handwerken noch in Gebrauch wären[543].
Gebadet wurde also von diesen nun auch nicht mehr.
[Sidenote: _Rückgang der Badestuben seit der Mitte des 18.
Jahrhunderts_]
+Das Zurückgehen des Badebedürfnisses beim gemeinen Mann müssen wir
in die Mitte des 18. Jahrhunderts legen.+ 1733 waren nach ~Zedler~s
Lexikon in Polen, Rußland, Littauen, Livland und den Nordländern
die Badestuben „sehr gemein, in Teutschland aber sind sie so sehr
bräuchlich nicht“, noch weniger in den übrigen Teilen Europas[468].
In Winterthur hatte die schon erwähnte Lörlibadestube durch Zuführung
eines angeblichen Mineralwassers einen Aufschwung genommen. 1670
fand sich jedoch kein einheimischer Bewerber, sondern nur Fremde.
1733 aber beschloß der Rat, die obere (Lörli-)Badestube solle wie
von alters her eine ehehafte und ein Erblehen bleiben, und als der
Bader um Erleichterung nachsuchte, gab ihm der Rat den Trost, „wenn
nach Beschaffenheit der Zeit sich keine oder nur sehr wenige Badgäste
einfinden sollten, daß er nicht erleiden möchte zu wärmen, daß dann
wohl niemand ihn dazu nötigen werde“. 1766 wurde die Badestube neu
gebaut. Der Bader erhielt 5000 fl. zu 2½ % geliehen und alles Holz zum
Baue frei. Als 1801 die Badestube der Stadt zum Ankauf empfohlen wurde,
fehlte es am nötigen Gelde, und 1804 wurde der Vorschlag gemacht, das
Badhaus zur Errichtung eines Waisenhauses anzukaufen. Durchgeführt
wurde er aber nicht. Dem Bader ließ man das Geld mit leichtem Zins
unter dem Vorbehalt, daß das Gebäude stets eine Badestube bleibe (sie
bestand schon vor 1349) und in unklagbarem Zustande erhalten werden
müsse. 1841 forderte der Rat jedoch eine Verzinsung seines Geldes zu 4
%[57], und nicht lange nach 1843 scheint die Badestube eingegangen zu
sein.
Im 17. Jahrhundert hielt man die Badestube noch für unentbehrlich. So
singt ~Greill~ 1610 von München nach Aufzählung von zweiundvierzig
Weinhäusern, vierzehn Methschenken, zweiundsiebzig Bierbrauereien und
zweiundsechzig Bäckereien:
„Vergessen hett ich schier noch eins,
Welches dannoch kein kleins,
Daß da zwölff offne Bad thut han,
Darin man sich kan putzen lan“[497].
[Illustration: Abb. 91. Deutsche Badestube zu Anfang des 18.
Jahrhunderts. Kupfer aus: ~Abraham a Santa Clara~, Etwas für Alle.
Würzburg, 1711.]
In einer Stettiner Pestordnung von 1625 wird vor unnötigen
Versammlungen in den Badestuben gewarnt und zugefügt, man könne
derselben „ad interim eine Zeitlang woll entrathen“[475]. Noch 1711
sagt ~Abraham a Santa Clara~, wer ein Freund der Reinlichkeit ist,
werde in Wahrheit auch ein Freund des Badens sein. Wie denn fast alle
Landschaften nicht ohne Bäder sein werden (Abb. 91)[288], und im
Odenwalde waren 1754 die Badestuben noch so in Brauch, daß ~Klein~
Kleidung, Gebäude (Tiguria), Bäder (Hypocausta) und Betten in einem
Kapitel beschreibt, die Badestuben demnach als zum Leben notwendige
Einrichtungen galten. Der Schilderung nach waren sie mit Holz geheizte
Heißluftbäder, aus der sich die Besucher direkt an die freie Luft
zur Arbeit begaben, ob es nun regnerisch, windig oder kalt war. Auch
Wöchnerinnen brachte man in die Badestube[645].
[Sidenote: _Im allgemeinen schröpfte man nun nur noch in den
Badestuben_]
Abgesehen von Krankheitsfällen scheint die Badestube aber von den
meisten nun nur noch zur Vorbeugung von Krankheiten einige Male im
Jahre in Verbindung mit dem Schröpfen benutzt worden zu sein. Schon
im 17. Jahrhundert wird in Muri (Aargau) dem Hofscherer befohlen, die
„Schweiß- und Schräpfbäder“ ordentlicher Zeit abzuhalten[557]. In
Ettenhausen erhielt der Wagner Zehnder 1720 von der Äbtissin Euphemia
des Klosters Tänikon eine Schweißstubengerechtigkeit mit Schenkrecht
und zwar nicht für das ganze Jahr. Die Schweißstube sollte er jeweils
vom 13. November bis zum Johannistag zum öffentlichen Gebrauche geben.
Jeden Samstag, und wenn ein Feiertag darauf fiel, am vorhergehenden
Freitag, wurde das Badezimmer geheizt. An anderen Tagen durfte niemand
mit Brot und Wein bewirtet werden. Keine Verdächtigen, besonders Fremde
und Landstreicher, sollten im Hause übernachten. Spiel und Tanz war
jederzeit untersagt. Im Sommer wurde das Bad um zehn, im Winter um neun
Uhr geschlossen[187][E].
Fast durchgehends geben die Schriftsteller gegen Ende des 18. und zu
Anfang des 19. Jahrhunderts an, daß die Bader nichts mehr mit Baden zu
tun hätten. Die Bader und Barbierer, sagt ~Gruner~ 1789, unterschieden
sich allein durch den Besitz der Bade- oder Barbierstube, die Bader
machten den bloßen Barbierer oder deutschen Chirurgen und unterschieden
sich durch weiter nichts, als durch das Ansetzen der Schröpfköpfe,
dessen sich die Barbierer schämten[654] (siehe Anm. S. 219).
Doch auch dem gewohnheitsgemäß genommenen Schweiß- und Schröpfbad
schlug die letzte Stunde. Ich erinnere an die Privatbäder der
bayerischen Bauern, die 1827 nicht mehr zum Baden Verwendung fanden.
1822 schreibt P. ~Maurus Lindenmayr~ von Österreich ob der Enns: „’s
Schrepfen, ’s Dünstbad um Quatemä ist ietzunda gar a’kemmä“[46][F].
Gleichzeitig mit dem schnellen Rückgang der alten Badestuben im
18. Jahrhundert setzt die Agitation der Ärzte für Wiedereinführung
der Bäder ein, die mit der für kalte Bäder Hand in Hand ging. Dr.
~Schelhamer~ beklagt 1747, daß die Bäder so sehr in Verachtung geraten
wären. Er sagt, daß er sich erinnere, ehemals in allen nur einigermaßen
berühmten Städten Deutschlands öffentliche Bäder gesehen zu haben,
worinnen sich das Volk täglich gebadet habe. Es wären aber dieselben
in Verfall geraten, weil die Obrigkeit jedes Orts auf dergleichen
Anstalten zu wenig acht gehabt hätte, weswegen er ihnen auch aufs
Nachdrücklichste die Wiederherstellung ans Herz legte[97] [611].
Dabei zeigte man keine große Lust, die alte deutsche Badestube wieder
einzuführen. ~Gruner~ wollte 1789, man solle bei dem herrschenden
Modegeschmack am Baden den Bader im wahren Sinne des Wortes wieder den
Bader machen, von ihm kalte und warme Bäder in der Badestube besorgen
lassen und ihm genaue Anweisung geben, wie und wo er dergleichen
anlegen und in verschiedenen Fällen bei verschiedenen Personen brauchen
solle[654].
[Sidenote: _Die russischen Dampfbadeanstalten in Deutschland_]
Der größte Teil der Ärzte gab sich gar nicht die Mühe, die
Geschichte der deutschen Badestube und deren einstige Einrichtung
zu studieren[G], obwohl in den Sammelwerken seitenlange, aus
Reiseberichten gezogene Beschreibungen fremder Schwitzbäder zu finden
sind. Die meisten Schriftsteller erwähnen sie nur flüchtig als
geheizte Kammern mit abscheulicher Atmosphäre, die teils sogar unter
der Erde gelegen sein sollten. Dies wurde besonders in einem Werk
des in russischen Diensten stehenden Arztes ~Sanchez~ hervorgehoben,
von dem ein Auszug 1789 zu Memmingen deutsch erschien[612], und
das die russischen Dampfbäder als Allheilmittel empfahl, die alle
Übelstände der deutschen Badestuben nicht haben sollten. Der bayrische
Stadtgerichtsarzt und Medizinalrat ~Hirsch~ begründete 1815 ihre
Einführung in Deutschland neben dem Nutzen für unser Volk sogar damit,
die durch Deutschland ziehende kaiserlich russische Armee bei guter
Gesundheit zu erhalten[613]. Es bedurfte nicht des Aufrufs, die Russen
halfen sich schon selbst. Aus Schlesien wird wenigstens berichtet, daß
sie gewöhnlich eine feste, ziemlich luftdichte Bauernstube zum Bad
herrichteten, indem sie den Kachelofen bis zum Heizungsherd abbrachen,
Feldsteine auflegten und wie in der Heimat badeten. Die kalte
Schlußbegießung nahmen sie auf dem Hofe beim Brunnen vor[643][H].
Das erste russische Dampfbad wurde 1781 unter dem Namen des englischen
Dampfbades (weil eins vorher in London bestand) von einem Arzte ~Uden~
in Berlin errichtet[614]. Es war in Vergessenheit geraten, als 1818
ein höherer preußischer Steuerbeamter ~Pochhammer~ in Berlin das
Mariannenbad eröffnete, in dem von den gewöhnlichen Bädern abgesondert
das „erste“ russische Dampfbad erbaut wurde. ~Sanchez~’ Buch, der Rat
eines geborenen Russen und „die Ansicht des russischen Bades, welches
des Königs von Preußen Majestät zu Ihrem Gebrauche zu Potsdam hatten
einrichten lassen“, dienten dabei zur Anleitung[652]. Dieses Bad im
Potsdamer Schlosse, das Friedrich der Große für sich erbauen ließ,
hatte um die eigentliche Badestube herum mehrere Backöfen, die ihre
„Glut“ aus Drachenköpfen in das Zimmer ergossen und einzeln durch
Hähne an- und abgestellt werden konnten[653]. In der ~Pochhammer~schen
Anstalt wurden rotglühend gemachte Kieselsteine mit Wasser begossen.
Die Badenden ließen sich nach vollständiger Durchwärmung mit
eingeseiften Birkenzweigen reiben — die in den Schriften von ~Sanchez~
und ~Hirsch~ sonderbarerweise den alten deutschen Namen „Badequästen“
führen — und danach den Seifenschaum mit lauwarmem bis kaltem Wasser
abgießen. Es fanden außerdem noch Übergießungen statt, auch in Form
der verschiedenen Duschen. Nicht selten wurde das kalte Wasserbad
mehrere Minuten lang benutzt, nachdem sich die Badenden vorher in einer
Temperatur von 50° C befunden hatten, in die sie nach dem Bad wieder
hinaufstiegen. Diese wechselwarmen Prozeduren wurden mit einer kalten
geschlossen. Gesunde kleideten sich darauf an oder begaben sich der
Gemächlichkeit wegen noch einige Zeit auf ein Ruhebett im Aus- und
Ankleidezimmer. Kranke schwitzten dort, in wollene Decken gehüllt,
nach[652]. Im großen und ganzen badete man hier wieder wie in der alten
deutschen Badestube.
Nach den Plänen der ~Pochhammer~schen Anstalt wurden in den zwanziger
Jahren des 19. Jahrhunderts ähnliche in Berlin, Frankfurt a.❆d. Oder,
Blankenburg i.❆d. Uckermark, Helfte im Mansfeldischen, Freienwalde,
Magdeburg, Groß-Salze, Potsdam, Stettin, Memel, Köln a. Rhein, Danzig
und Breslau errichtet[643][652]. Um die gleiche Zeit entstanden die
russischen Dampfbäder zu Frankfurt a.❆M., Halle, Weimar, Leipzig,
Dresden, Prag, Wien, Weißenfels, Bahrenfeld, Altona, Hamburg[643][653],
im Muskauer Hermannsbade und beim Solbad zu Elmen[622]. In Würzburg
wurde es mit einer orthopädischen Anstalt verbunden (1825)[653]; im
~Barrie~schen Alexanderbade zu Hamburg fand sich auch ein sogenanntes
türkisches Bad mit wohlriechenden Dämpfen[622][643].
[Sidenote: _Die römisch-irischen Bäder in Deutschland_]
Auch das alte deutsche Badstübchen, den Schwitzkasten, bei dem der
Kopf nicht vom Dampfe umgeben war (Abb. 54 e), führte ~Marcard~ 1778
als englische Neuheit ein[160]. Von Großbritannien mußten wir uns auch
die zweite Form der alten deutschen Badestube, das Heißluftbad mit
Übergießungen, unter dem Namen des römisch-irischen Bades holen. Der
irische Arzt ~Barther~ errichtete 1856 in St. Anns Hill bei Cork in
Irland das erste „römische Bad“. Als Neuerung (?) fügte er am Schluß
Begießungen hinzu, deren Wärmegrad allmählich abnahm[168]. Die erste
derartige Anstalt schuf in Deutschland ein Dr. ~Luther~ in Nudersdorf
bei Wittenberg in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts[501][I].
Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts war für die alte deutsche
Badestube, die doch in ihrer Hauptform Schwitzbad war, besonders
ungünstig, weil von ärztlicher Seite die hitzige Lebensweise, wie man
sagte, samt den Schwitzbädern bekämpft wurde. ~Zwierlein~ spottet
1793 über die „altmodischen“ Schwitzdoktoren[656]. Die kalten und
lauen Bäder waren Mode und dadurch entstanden neben den Badeanstalten
auf den Flüssen jene schon besprochenen nach französischem Muster,
die Wasserheilanstalten im heutigen Sinne waren und neben einfachen
Reinigungsbädern über einen reichlichen Badeapparat verfügten und
sich in den Einrichtungen mit den Mineralbädern deckten, ja diese zu
ersetzen strebten. Eins der Cannstatter Bäder hatte 1838 sogar ein
künstliches Salzbad mit Wellenschlag als Surrogat für Seebäder. 1838
wurden dort Schlammbäder eingeführt[154].
Der größte Teil der Bäder, welche ehemals als mineralhaltig galten,
es aber nicht waren, ging, wenn nicht zugrunde, in die genannten
Badeanstalten auf. So war die S. 46 erwähnte, im Fechthause zu Nürnberg
gelegene das alte Wildbad, das schon 1577 nach zweihundertjährigem
Bestehen in Stein neu aufgeführt wurde. Das 1628 erbaute Fechthaus
machte einen Flügel des Wildbadhauses aus und diente ursprünglich nur
als Vergnügungsraum[195].
[Sidenote: _Die deutschen Badestuben im 19. Jahrhundert_]
Mit diesen Badeanstalten war aber kein Ersatz für die alte Badestube
geboten, die große Masse des Volkes wurde von ihnen nicht berührt.
~Tissot~s Anleitung für das Landvolk war in fast alle europäischen
Sprachen, ja in Dialekte übersetzt. Gelesen wurde sie aber nach
zeitgenössischem Urteil von dem, für den sie bestimmt war, nämlich
vom Bauern, nicht[663]. ~Hufeland~s nötige Erinnerung an die Bäder,
zur Belehrung des Volkes geschrieben, erließ ~Bertuch~ im Journal des
Luxus und der Moden[518], und das las der gemeine Mann nicht, auch
wohl kaum die übrigen diesbezüglichen ~Hufeland~schen Schriften. So
badete denn das Volk gar nicht mehr. „Auf Baden in warmem Wasser haltet
der Roggwyler wenig“, heißt es 1835 in einer Schweizer Dorfchronik,
„dieses wird mehr für eine Mode, denn für die Gesundheit zuträglich
angesehen; obwohl auch nur die bloße Reinigung des Leibs zu empfehlen
wäre“[J][657].
Das war jedoch nicht überall so. Wir erfuhren schon, daß in München
die Handwerker noch 1836 Seelbäder, wenn auch nur einige Male im Jahr,
ankündigen ließen[46]. ~Kahtlor~ schreibt 1822 von den deutschen
Badestuben, man setze sich in denselben nur durch starke Hitze ihrer
Öfen in Schweiß. Viele Personen schwitzten in ihnen zu gleicher Zeit,
so daß die Luft bald zu einem stinkenden Qualm werde. Wohl seien viele
Badehäuser mit Flüssen in Verbindung gesetzt, manche aber, wenn sie
auch in der Nähe vom Wasser lägen, nicht. In der Badestube befänden
sich viereckige, in die Erde gegrabene, mit Brettern oder Backsteinen
belegte Löcher, in denen man nach dem Schwitzen bade. Das täten aber
nur wenige, die meisten reinigten sich durch Abwaschen. In einem
alten Badehause zu Krautheim an der Jagst sah ~Kahtlor~ neben den
erwähnten Löchern, also den in die Erde gelassenen Badewannen, noch
eine Einrichtung, die er als ein ehemals bestandenes Gußbad deutete,
das durch ein kleines, vom Berge kommendes Bächlein bewerkstelligt sein
sollte[644], die ich aber doch eher für eine verfallene Wasserzuleitung
halten würde, falls sie aus älterer Zeit stammte.
Augsburg hatte 1837 zehn Badestuben, von denen eine, die
~Breyvogel~sche, als neue Badeanstalt von ~Jäger~ rühmend hervorgehoben
wird[496]. Von ~Wetzler~ erfahren wir +1822, daß sich in Augsburg in
vier Häusern Schwitzbäder vorfanden, welche die Woche zweimal bereitet
und von den Webern, Fabrikarbeitern, Taglöhnern+ usw. +zahlreich
benutzt wurden. Viele besuchten sie das ganze Jahr hindurch, und sie
waren ihnen so zum Bedürfnis geworden, daß sie sich unwohl fühlten,
wenn sie dieselben einmal nicht besuchen konnten.+ Von vornehmen Leuten
wurden diese vier Badestuben nicht gebraucht. ~Wetzler~ erst riet
„rechtlichen Bürgern“ und sogenannten Honorationen, bei Rheumatismen
die Bäder eigens heizen zu lassen, um allein baden zu können, und im
geschlossenen Wagen hinzufahren. Sonderbarerweise bezeichnet ~Wetzler~
diese vier Augsburger Schwitzbäder nicht als Badestuben, sondern
schreibt, es sei kein Schade, daß die deutschen Badestuben eingingen.
Er habe selbst solche in Bayern und Schwaben gesehen, die enge,
finstere Löcher ohne Lufterneuerung waren, durch stark geheizte Öfen
erhitzt wurden (also keine Dampf-, sondern Heißluftbäder waren!), wo
man ungeheuer schwitzte und zugleich und im Übermaß schröpfte. Trotzdem
kann kein Zweifel darüber herrschen, daß die vier Bäder zu Augsburg
alte deutsche Badestuben waren, wodurch bewiesen wird, daß es eben zur
Zeit nicht nur enge, finstere Löcher zum Schweißbaden in Deutschland
gab[K]. Sie bestanden aus einer Schwitzstube und einem Verschlage,
wo der Badende sich aus- und ankleidete und nach dem Bad verweilte,
bis er sich abgekühlt hatte. Die Hitze fand ~Wetzler~ 36 bis 38° R.
Das Bad kostete nur vier Kreuzer. Beide Geschlechter badeten zusammen.
Leider sagt ~Wetzler~ nicht, ob Dampf entwickelt wurde. Er hielt die
Anstalten, so mangelhaft sie wären, doch für eine große Wohltat für
die Arbeiter, namentlich die Weber, welche in Augsburg auch den Winter
unter der Erde arbeiteten.
~Wetzler~ entwarf nun folgenden Plan. Die kalten Bäder hielt er zur
allgemeinen Einführung als diätetisches Mittel nicht für geeignet,
wohl aber die warmen, weil sie das ganze Jahr hindurch genommen
werden können. „Die öffentlichen allgemeinen Bäder“, sagt er, „können
keine Wasserbäder sein, die Anlegung und Einrichtung der Gebäude,
die Bereitung der Bäder würde zu viele Kosten erfordern“. So empfahl
er dann für den großen Haufen die Dampfbäder und verlangte von den
großen Städten Deutschlands als Notwendigkeit die Einführung von
Bädern, namentlich Dampf- und Duschbädern. Der Dampf sollte am besten
mit Röhren aus dem Kessel in das Badegemach geleitet werden. Vor dem
Schwitzbad sollte ein laues Bad oder eine Abwaschung mit Seife genommen
werden, im Bad wünschte er Massage und zum Schluß ein Abwaschen oder
Begießen mit Wasser von geringer und zuletzt von kalter Temperatur[370].
Vielleicht waren ~Wetzler~s Vorschläge doch nicht ganz in Vergessenheit
geraten; denn 1852 beantragte der Gerichtsarzt Dr. ~Wolfring~ in
Fürth eine Dampfbadeanstalt für Quecksilberarbeiter. Sie sollte
als Schutzmittel gegen Metallintoxikationen der Quecksilber- und
Farbwarenarbeiter dienen[615]. Tatsächlich kam sie in Verbindung
mit einer anderen Art von Badeanstalten zur Ausführung, die ihren
Ausgang von England nahm und dem Volk einen Ersatz der alten deutschen
Badestube anfangs zu bieten schien, in England ihre Aufgabe auch
erfüllte.
[Sidenote: _Die Wasch- und Badeanstalten_]
Als in England 1832 die Cholera ausbrach, erneute sich die längst
gemachte Erfahrung, daß die Seuche in den unreinlichsten Quartieren den
bösartigsten Charakter annahm und selbigen von den genannten Punkten,
wie von einem Fokus aus, auf die Nachbarschaft übertrug. Man fühlte
das Bedürfnis größerer Reinlichkeit in allen Stadtteilen und allen
Schichten der Bevölkerung. Einer armen Frau gebührt das Verdienst der
Lösung. Sie zuerst mietete in einem abgelegenen Hinterhause einen
Schuppen, stellte dort einen Waschkessel auf und machte es, unterstützt
durch die Beiträge einiger Damen, nach Anschaffung der nötigsten
Waschgeräte möglich, ihren Nachbarinnen gegen einen Wochenbetrag
von einem Penny eine Waschgelegenheit außerhalb ihrer eigenen engen
Wohnungen zu verschaffen. Nach kurzer Zeit hatte sie fünfundachtzig
Arbeiterfamilien zu ihren Kunden. Überrascht durch dieses Ereignis,
bemächtigte sich die gutgesinnte Spekulation des fruchtbaren Gedankens,
worauf dann im Jahre 1842 die erste regelmäßige Anstalt dieser Art
zu Liverpool eröffnet ward[616]. Mit diesen englischen Waschhäusern
waren Bäder verbunden, in Liverpool acht. Gleich darauf baute man in
London zwei größere Anstalten gleichen Charakters. In einer großen
Volksversammlung in London wurde nun 1844 auf die hohe Bedeutung dieser
Wasch- und Badeanstalten für das Volkswohl nachdrücklich hingewiesen;
infolgedessen befaßte sich eine Parlamentsakte von 1846 mit dem Bau
derselben, nach der den Gemeinden die Verwendung von öffentlichen
Geldern gestattet wurde und, was das wesentlichste war, die
Verpflichtung bestand, zwei Drittel der Bäder für Arbeiter einzurichten
und den Preis für ein kaltes Bad mit zehn, den für ein warmes mit
zwanzig Pfennig anzusetzen. 1854 waren schon zwölf derartige Anstalten
in England errichtet[500].
In Deutschland entstand die erste Badeanstalt nach diesem Vorbild in
Hamburg. Die Stadt gab den Grund und Boden samt der Wasserversorgung
umsonst ab. 1855 war die Anstalt fast vollendet[L] und kostete bis
dahin über hunderttausend Mark. Neben der Bade- und Wascheinrichtung
bestand auch ein Schnelltrockenraum, so daß man während des Badens
seine Leibwäsche reinigen lassen konnte[616][M]. In Fürth wurde
1857 die vierte deutsche und erste bayrische „Bad- und Waschanstalt“
errichtet, mit der das erwähnte Dampfbad für Metallarbeiter verbunden
wurde. Sie war Eigentum einer Aktiengesellschaft[615]. [617]. Wurden
durch die Verbindung von Bad- und Waschanstalt die Betriebskosten
vermindert, und konnte man dadurch Bäder um einen billigen, für den
Arbeiter aber immer noch hohen Preis bieten, so erlangten diese Bäder
doch keine Volkstümlichkeit. Die zeitgenössischen Schriftsteller heben
die Großartigkeit der Anstalten hervor, und darin lag die Ursache
ihres Untergangs. Man hätte weniger kostspielige Anstalten und mehrere
bauen sollen. Schon 1858 betont ~Pappenheim~, daß Badeanstalten, wenn
sie nützen sollen, sich mitten in der dichtesten Arbeiterbevölkerung
befinden müssen, darum waren in Berlin zu derselben Zeit die Flußbäder
außerordentlich beliebt. Sie wurden an einzelnen Sommertagen von
tausend Personen besucht, und der Preis des Bades betrug nur sechs, mit
Handtuch zehn Pfennig[618].
[Sidenote: _Die Brausebadanstalten_]
Die Lösung der Frage des volkstümlichen Bades gebührt ~Lassar~. Schon
1832 hatte ~Meissner~ als Ersatz des Flußbades für Soldaten Duschen in
leicht transportabler Form unter dem Namen Militärbad empfohlen[446],
aber ~Lassar~ hob hervor, daß das Brausebad nur dann dem Volk
von Nutzen sei, wenn es warm oder kalt mit Seife und Handtuch in
einzelner Zelle für zehn Pfennig geboten würde[620]. Auf der Berliner
Hygiene-Ausstellung führte ~Lassar~ 1883 praktisch seine Gedanken
durch. In einem Wellblechhäuschen waren zehn Brausezellen eingerichtet,
die von zehntausend zahlenden Besuchern benutzt wurden[500]. Wenn
auch vorläufig kein Grund vorhanden ist, an das Aufblühen der alten
deutschen Badefreudigkeit zu glauben, so möge doch ~Lassar~s Wunsch in
Erfüllung gehen:
„Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad!“[620].
[A] Während Kinder im 15. Jahrhundert kein Badgeld zahlten, wird es
jetzt auch für diese gefordert. In Zürich war 1604 der Badepreis
nach Altersgrenzen bestimmt. Ein Mann oder Weib zu baden kostete
einen halben Batzen. Eine mannbare Person, die schwitzte oder badete,
zahlte einen Kreuzer, Personen von neun und zehn Jahren für Baden
sechs Heller, unter neun Jahren vier Heller. Um Übervorteilungen
auszuschließen, mußten die Preise an der großen Holztür angeschlagen
werden[240].
[B] Die geheilten Fälle waren selbstverständlich nicht Aussätzige,
sondern andere Hautkranke, und die übrigen, die nicht gerade im
Bad starben, aber ihre Krankheit bis zum Tode behielten, litten am
echten Aussatz. ~Zimmermann~ sagt 1689 von Pfäfers, wenn dort die
Lepra nicht gleich anfangs abgewaschen würde, geschähe es überhaupt
nicht[428]. ~Foltz~ schreibt auch dem „bad bey kalb zuo zell
genant“, dem Liebenzeller Bad, für mit Gelbsucht und gleichzeitig
mit Schwindsucht Behaftete eine gleiche Eigenart wie Leuk zu. Wer in
vierzehn Tagen nicht gesund wurde, mußte sterben[12].
[C] Diese mit Weinbewirtung verbundenen Bäder führten den Namen
„Badwein“. 1482 kaufte sich eine Bürgerin in das Spital zu Biberach
als Pfründnerin ein „ohne Anspruch auf Wein und Fische bei Badwein
und Jahrzeiten“[436].
[D] Diese Badestube war ein Werk des Bürgermeisters Lotter. Ein
Verzeichnis von dessen Bauten aus dem Jahre 1573 sagt: „bei dem
Rannischen Thore eine gemeine steinerne Badstuben innerhalb der Stadt
und habe dieselbige lassen wölben, daß solch Gewölb kein Trauffen
oder Feuchtigkeit von sich gegeben“[196]. Es ist auffallend, daß im
16. und 17. Jahrhundert hervorgehoben wird, die Badestube sei gewölbt
gewesen. ~Ryff~ warnte vor dem Besuch der steinernen Badestuben
wegen der Feuchtigkeit, sie sollten zumindestens mit Holz getäfelt
sein[48], die Leipziger muß also ein besonders vorteilhafter Bau
gewesen sein.
[E] Diese Badestube scheint nicht für Wasserbäder eingerichtet
gewesen zu sein, dafür spricht der Betrieb vom 13. November bis
zum Johannistag, der also in den Monaten stattfand, welche die
Anweisungen zur Gesundheit im großen und ganzen zum Schweißbaden
empfahlen.
[F] Daß auch in früheren Jahrhunderten die Quatemberbäder eine
Rolle spielten, geht aus den häufig viermal im Jahr (zu Fronfasten,
Weihfasten) stattfindenden Seelbädern und den Quartalbädern der
Handwerker hervor. Es handelte sich gewiß um Bäder, die man zur
Erhaltung der Gesundheit für unbedingt notwendig hielt. Ich erinnere
daran, daß auch der Aderlaß viermal im Jahr stattfand.
[G] Charakteristisch ist, daß nach Ephrussi der Holzschnitt einer
deutschen Badestube von ~Hans Baldung Grien~ im Cabinet des Estampes
zu Paris den Namen „Bain d’Orient“ führt (s. auch Nachtrag)[609].
[H] Noch 1690 verlangte der brandenburgische Militärarzt â Gehema die
Benutzung der Badestuben auch für den deutschen Soldaten. „Das vierte
Mittel“, sagt er, „wodurch die Soldaten sich praeserviren können,
sind die Bäder und Badstuben, wodurch aller in denen poris und
Schweißröhrlein der Haut sitzende Unrath, welcher die so nothwendige
transpiration oder außdämpfung verhindert, und zu vielen Kranckheiten
uhrsache giebet, außgetrieben wird; dannenhero der Mensch hurtig,
munter, leicht, actif und frisch wird, gleich als wann er von neuen
were gebohren worden“[664]. Diese Stelle findet sich in ~Muralts~
Kriegs- und Soldatendiät von 1712 wörtlich wieder[680].
[I] Es herrschte geradezu eine Sucht, alte deutsche Badeweisen mit
fremdem Namen zu benennen. 1803 erwähnt ~Schreger~ das Schwitzen über
Weingeistdampf, wobei nach „spanischer Sitte“ der Körper in Tücher
gehüllt auf einen Lehnstuhl gebracht wird[4] (vergl. Abb. 54 d).
[J] 1663 wurde aber noch in derselben Gemeinde alles Baden in Bädern
an Sonntagen verboten[657].
[K] Die Auffassung ~Wetzler~s ist wieder ein Beleg, wie gering man
das Gute im eigenen Lande schätzte. In ~Schreger~s Balneotechnik
(1803)[4] sind sämtliche in Deutschland bestehenden Bäder aufgeführt,
aber keine einzige alte deutsche Badestube, z.❆B. in Frankfurt
die ~Kohl~schen und ~Hof~schen neuen Badeanstalten, nicht aber
die dort zur Zeit noch bestehende Badestube, weil er die deutsche
Badestube nicht als Bad auffaßte. Es handelte sich bei dieser ja
schließlich auch nur noch um einen besonders stark erhitzten Raum,
der in den meisten Fällen zum Schröpfen erwärmt wurde, und diesem
Heißluftbad versagte man den Namen Bad. So erklären sich denn auch
die gleichzeitigen, widersprechenden Angaben, die Bader hätten
nichts mehr mit Baden zu tun und seien nur noch Schröpfer (S. 215),
einerseits und andererseits, die deutschen Badestuben würden durch
stark geheizte Öfen zum Zwecke des Schwitzens erhitzt, seien also
Schwitzbäder, und man schröpfe im Übermaß darin.
[L] In Wien bestand aber 1842 im „Fahnenstangenwasser“ eine
Flußbadeanstalt, die einem Herrn Kauff gehörte, und mit ihr war eine
Waschanstalt mit zwei Duschen in Verbindung, die zahlreichen Besuch
herbeilockten[636].
[M] Schon der König vom Odenwald erwähnt zu Anfang des 14.
Jahrhunderts, man ginge in die Badestube, daß man die Kleider
wasche[228], und als dem Hans Ulrich Krafft 1573 in Baden (Schweiz)
die Weiber sein „schnupftüechlin“ entführten, brachten sie es ihm
sauber und trocken zurück, ehe er seine Kleider angezogen hatte[329].
DIE DEUTSCHEN MINERALBÄDER IM MITTELALTER UND DIE AUS DIESEM IN DIE
NEUZEIT HINÜBERGENOMMENEN BADEGEBRÄUCHE[A]
Natürliche Bäder zu Heilzwecken, Heil- oder Gesundbrunnen genannt,
sind wahrscheinlich seit den ältesten Zeiten in Gebrauch. Ich erinnere
an die Seite 24 ff. genannten, zumeist heiligen und sehr kalten
Quellen. In Betracht kamen ferner die durch ihre Farbe, Geschmack,
Ausscheidungen und Wärme auffallenden Bäder, die Mineralbäder und
Thermen, wobei oft genug von Mineralien kaum nennenswerte Bestandteile
vorhanden waren, die kostbarsten und heilbringendsten aber angenommen
wurden. Obenan standen von jeher die natürlich warmen Quellen. Zum
Teil wurden sie schon von den Römern benutzt und mit Badeanlagen
versehen, z.❆B. Aachen, Bertrich, Wiesbaden, Badenweiler und die
drei Baden: bei Wien, in Baden und in der Schweiz[70]. Keines der
Römerbäder hatte einen dauernden Bestand, alle zerfielen oder wurden
noch öfter in Kriegszeiten, mit wenigen Ausnahmen von germanischen
Völkerschaften, zerstört. Auf ihren Trümmern entstanden neue Anlagen,
zumeist unter Nichtbenutzung der römischen. Mir ist als Ausnahme nur
das 1845 abgebrochene Verenabad zu Baden in der Schweiz bekannt, dessen
Einfassung von den Römern gebaut wurde. „In der nördlichen Wand sah man
früher“, schreibt ~Keller~ 1864, „in dem roten Cement die Eindrücke
von kleinen quadratischen Tafeln, welche in der Weise des Opus
reticulatum angeordnet gewesen waren“[131]. Auf einer Handzeichnung
~Vogel~s vom Jahre 1820 ist es gut sichtbar und von diesem als solches
angemerkt (Abb. 103 rechts unten). Beim Abbruch des Bades fand man
in der Quelle römische Münzen. Das aus der Zeit der Römer stammende
und wahrscheinlich von diesen als Bad benutzte marmorne Gewölbe, das
den „Ursprung“, die Hauptquelle von Baden-Baden, aufnahm, diente,
wenigstens 1606[362] und 1810, nicht als Bad, sondern als Sammelkasten
des heißen Wassers[405]. Die althochdeutschen Worte Badun und
Wisibadun[16] sprechen für die Benutzung der heute noch so benannten
Badeorte in alter Zeit.
[Sidenote: _Der Jungbrunnen_]
Während die Heilbrunnen nur Kranke heilten, finden wir, wenigstens in
der Sage, auch Brunnen, welche die Eigenschaft besaßen, Häßliche schön
und Alte jung zu machen, die sogenannten Jungbrunnen. Sie sind öfters
Gegenstand bildlicher Darstellungen (Abb. 92, 93) und dichterischer
Betrachtungen gewesen.
[Illustration: Abb. 92. Darstellung eines Jungbrunnens und
Verherrlichung der Heilbäder. Holzschnitt von ~Albrecht Glockendon~
nach ~Hans Sebald Beham~ ca. 1570. (Das Bild ist die seitliche
Fortsetzung zu Abb. 41.) Um 1600 wurde das Bild von ~Jo. Theo de Bry~
verkleinert in Holz geschnitten und trägt die Unterschrift:
„Balnea Mundana non vltima gaudia vitae
Esse vides, crebro quae faemina virque requirant.
Aestum Nymphaeis dum fallunt, frigora thermis,
Tempora colloquiis, quibus haud obsonia desunt
Exultant nunc loripedes, laetasque choreas
Circum ignem ducunt, multus quem scipio pascit“.
]
„Do furt sy in dem land(e), den tugenthaften man,
für einen (hohen) perg; da west sy ein jung brunnen stan,
der was ain halb kalt(er), und anderhalb was er warm:
dar ein sprang die frawe, sy pat sich got bewaren.
Do ward sy getaufet: vor was sy rauch Els genant,
nu hiesz sy fraw Sigminne, dy schönst über alle lant.
Do het sy dy rauhen haut in dem brunnen gelan:
in gedaucht, das nie kain schöner fraw(e) wär getan.“
(~Wolfdietrich~)[341].
[Illustration: Abb. 93. Jungbrunnen nach einer Freske von ~Hans
Holbein~ d. J. im Hertenstein-Hause zu Luzern (zwischen 1516 und 1519).
Nach ~von Liebenau~.]
Diese Darstellung stammt wohl aus einer Zeit, zu der man noch an den
Jungbrunnen glaubte. Man denke an die weiten Wanderungen Kranker zu
den kalten Gebirgsbädern, um dort durch Eintauchen in einfaches kaltes
Wasser Genesung zu erhalten, und wird nicht unwahrscheinlich finden,
daß mancher oder manche in aller Stille den beschwerlichen Gang zum
einsam im Hochgebirge gelegenen Jungbrunnen unternahm und durch
Untertauchen in ihm einen Versuch zur Verjüngung und Verschönerung
wagte.
Ganz anders war die Auffassung im 16. Jahrhundert. Man vermengte den
Jung- mit dem Heilbrunnen und stellte ihn demnach als Mineralbad dar.
Im Grundgedanken der Altweibermühle gleich, spielte er nunmehr die
Rolle eines Scherzes und kam in Nürnberg auch einmal an der Fastnacht
zur Darstellung. Hier „Der junkbrunn“ (1548) von ~Hans Sachs~:
»1. Eins nachts traumt mir gar wol besunnen,
wie ich köm zu eim großen brunnen
von merbelstein polieret klar,
darein das waßer rinnen war,
warm und kalt, aus zwelf gulden rören,
gleich eim wiltbad; tunt wunder hören:
Dis waßer het so edle kraft,
welch mensch mit alter war behaft,
ob er schon achzigjerig was,
wen er ein stunt darinnen saß,
so teten sich verjüngen wider
sein gmüt, herz und alle gelider.
Um den brunnen war ein gedreng,
wan dahin kam ein große meng,
allerlei nation und gschlechte,
münich, pfaffen, ritter und knechte,
burger, bauer und hantwerker,
der kam on zal zum brunnen her
und wolten sich verjüngen laßen,
vol zug es zu auf allen straßen,
2. Aus allen landen weit und ferren
auf senften, schlitten, wegen, kerren,
ir vil man auf radwerben zug,
etlich man auf mistberen trug,
und etlich trug man auf dem rücken,
etlich gingen daher auf krücken.
Zusamen kam ein hauf der alten
wunderlich, entig, ungestalten,
gerunzelt, zanlücket und kal,
zittrent und kretzig überal,
dunkler augen und ungehöret,
vergeßen, doppet und halb töret.
Ganz mat, bleich, bogrücket und krum
da war in summa summarum
ein husten, reispern und ein kreisten,
ein achizen, seufzen und feisten,
als obs in einem spital wer.
zwölf man waren bestellet her
die allen alten, so sie funnen,
halfen steigen in den junkbrunnen;
3. Die teten sich alle verjüngen
nach einer stunt, mit freien sprüngen
sprangen sie aus dem brunnen runt,
schön, wolgefarbt, frisch, jung und gsunt,
ganz leichtsinnig und wolgeberig,
als ob sie weren zwainzig jerig.
Da dacht ich mir im traum: fürware,
alt bist auch vier und funfzig jare,
dir get ab an ghör und an gsicht,
wes zeichst du dich, das du auch nicht
wol balt in den junkbrunnen sitzest,
die alten haut auch von dir schwitzest?
In dem daucht mich, wie ich zuhant
auch abzüg alles mein gewant,
in dem junkbrunnen mich zu baden,
ab zu kumen des alters schaden.
in dem einsteigen ich erwacht;
meins verjüngens ich selber lacht,
dacht: kein kraut ist auf ert gewachsen
mich zu verjüngen und Hans Sachsen«[29].
Als 1556 Pyrmont als Wunderbrunnen in Ruf kam, da ließen sich nach dem
Braumschweiger Chronikenschreiber ~Bünting~ (1586) auch alte verlebte
Weiber hinführen, die vermeinten, dort vielleicht wieder jung zu
werden[381].
[Sidenote: _Das Bad im Stein Aptor_]
Dem Jungbrunnen nahe an Wunderkraft stand das Bad im Steine Aptor, von
dem sich in Wigamur folgende Schilderung findet:
„Wer jnwendig jn falschait ist,
Der enmag kain fryst
Gewynnen bey dem stain;
Wer aber sein hercz rain,
So wirt er von des staines krafft
Vil werd vnd lobhafft.
Diese mer söllennt jr mercken wol,
Der stain was gemacht hol,
Baide tieff vnd weytt,
Als vns die vrkunt geyt.
Dise abenteür reich,
Ainem vass was geleich
Darjnnen man paden sollt
Wen der wirt wollt ....
Vnd jn dem selben stain badet kain man
Der falschen muet ye gewan,
Er wurde kranck, plaich, missefar
Vnd des leybs vnkrefftig gar.
Wer aber jn das pad gye,
Der raine tugent mynnet ye,
Von des staines macht vnd türe
Vnd von des prunnen natüre,
So er jn das pad gesaß,
Aller swere er vergaß,
Sein leyb ward ring, sein hercz fro,
Sein kraft starck sein gemüt hoh,
Der synnen ward er weyße,
Sein leyb stund gar nach preyße;
Suß lebt er ain manat
Das jm kainerlay schlacht not
Von freuden geschaiden mocht.
Jn so gethanner acht,
Als ich euch gesaget han,
So was das pad lobesam“[304].
[Sidenote: _Die ältesten Badenfahrten_]
Man muß annehmen, daß in der älteren Zeit die Gesundbrunnen meist nur
von Leuten aus der Umgebung benutzt wurden, vielleicht nur einen oder
wenige Tage, um dann wieder heimzuziehen, wie wir das bei den kalten
und heiligen Brunnen sahen. Solche einfache Badenfahrt wird 1574 von
~Collinus~ beschrieben. Zur Quelle von Augsport (Wallis) wallte täglich
eine große Menge Menschen, zum Teil aus weiter Ferne. Von Krankheit
geschwächt, von der langen und beschwerlichen Reise ermüdet, kamen die
unwissenden, einfältigen Bauern hungrig und durstig an und tranken nun
so viel von dem höchst kalten Wasser, als sie nur immer zu schlucken
vermochten. Hierauf wuschen sie entweder den ganzen Körper oder ein
einzelnes Glied, den kranken Teil mit dem Wasser, das sie mittelst der
Hände schöpften, zündeten dann ein Feuer aus Alpenrosensträuchern an,
setzten sich um dasselbe, langten nun aus ihren Säcken und Ranzen die
mitgebrachten Lebensmittel hervor, brieten Käse und tranken dazu von
Zeit zu Zeit von dem Heilwasser in vollen Zügen, indem sie von diesem
Wasser kein Sättigungsgefühl zu spüren behaupteten. Nach Beendigung
des Mahles füllten die Leute ihre mitgebrachten Fläschchen mit dem
Heilwasser und begaben sich nun auf den Rückweg[86].
Aber schon im 14. Jahrhundert treffen wir Badereisen von längerer
Dauer in benachbarte Kurorte an. Als 1376 Meister und Konvent des
heiligen Geist-Hospitals zu Ulm von ihren Gütern und Almosen eine
neue Präbendenmesse in der Hospitalkirche stifteten, ward besondere
Rücksicht darauf genommen, daß jeder jeweilige Inhaber dieser Pfründe
alljährlich auf zwanzig Tage in ein natürliches Bad ziehen konnte,
wie ~Jäger~ meint, wahrscheinlich nach Überkingen[50]. 1352 unternahm
der Abt von Sankt Emmeram eine Badereise[16]. In den 1346 erneuten
Statuten der Züricher Chorherren vom karolinischen Stift heißt es:
„Ein Chorherr mag wohl im Frühling und Herbst seiner Gesundheit halber
eine achttägige Badenfahrt halten und gleichwohl sein Pfrundeinkommen
beziehen, als hätte er dem Gottesdienst beigewohnt; bleibt er aber
länger aus, so wird er als abwesend gehalten“[315].
Im 15. Jahrhundert treten einzelne Kurorte vor anderen als berühmte
hervor; manche davon kennen wir heute kaum dem Namen nach.
[Sidenote: _Baden-Baden_]
675 schenkte der fränkische König Dagobert dem Abte von Weißenfels die
badischen Bäder. Die Stadt Baden lag noch in Ruinen von der Zerstörung
durch die Alemannen her[70]. Nach einer Urkunde bei ~Zappert~ überließ
derselbe König Dagobert 676 dem Kloster Weißenfels die Bäder jenseit
des Rheins im aucicensischen Gau, welche die Kaiser Antonius und
Hadrian gebaut hatten[16]. 873 gab König Ludwig dem Kloster Weißenfels
die in den Kriegen verlorenen Bäder zu Baden zurück[70]. Die Stellen
betreffen Baden-Baden.
[Sidenote: _Steirische Bäder_]
Ein „Padebrunne“, das heutige Badenbrunn bei Kirchberg an der Raab,
wird in Dokumenten von 1183–1187 erwähnt. Eine Urkunde von 1141 nennt
in der Gegend von Cezt und Wibestein bei Gleichenberg in Steiermark
einen „fons marmoreo lapide signatus“. Gleichenberg war schon den
Römern bekannt, ebenso Tüffer, das im 14. und 15. Jahrhundert wieder
als Bad erwähnt wird, zur selben Zeit auch Einöd in Steiermark[84].
Das im Wasgenwalde, zwar nicht auf deutschem Gebiet liegende, aber viel
von Deutschen benutzte Plummers (Plombières) erhielt 1292 vom Herzog
Friedrich III. von Lothringen ein Castrum oberhalb des Bades, um die
Badenden vor räuberischen Überfällen zu schützen[16]. 823 wurde die
Saline zu Kissingen dem Benediktinerkloster in Fulda geschenkt, das
Rippoldsauer Bad gegen 1140 von den Benediktinern vermietet und zwar
mehrere Jahrhunderte hindurch[70].
[Sidenote: _Böhmische und andere Bäder_]
Die Quellen von Bilin sollen 761, die von Teplitz im folgenden Jahre
entdeckt worden sein. 1160 wurde hier gebadet[70]. Karlsbad erhielt der
Sage nach von Kaiser Karl IV. seinen Namen und wurde 1370 von demselben
beim Jagen entdeckt[350]. Die Auffindung der Warmbrunner Therme soll in
das Jahr 1175 fallen. 1403 besaßen die Zisterzienser das Propsteibad
daselbst.
Gastein wird zum ersten Male in einem Liede von „Nithart“ im 13.
Jahrhundert erwähnt. „Hienach folget wie Neidhart bey einer schönen
graserin in der Kasteien badet“:
„Ein graserin in der Gastein (bat)
diu gab mir lust (unt vröud) mit irem gerein,
Do ich sach durch ir pfat die briun’
mich tet mit iren högk noch zein,
Ich greif si an unt tet si zuo mir smükken,
schon’ bükken, jükken in dem bat;
was aller welt ein kleiner schat,
unt tet uns wol im libe und im herzen“[103].
1420 wurde ein neues Kurhaus gebaut, und man machte die Wege
zugänglicher[70]. „Anno 1436 ist Kaiser Friedrich der dritt alhir in
den Padt gewesen, hat an einem Schenkhel ain ofenen schadten gehabt,
ist ihm geholfen, auch frisch und gesundt worden.“ 1489 wurde durch
den Gewerken Konrad Strochner zur Aufnahme unbemittelter Kranker ein
Badehospital gegründet. Zur Zeit standen die Goldbergwerke Gasteins
in höchster Blüte[344]. Baden bei Wien war 1450 stark besucht. Kaiser
Friedrich III. hielt sich damals dort auf. Im folgenden Jahre badete
auch die Kaiserin Eleonore nach einem Wochenbett. Im 13. Jahrhundert
soll es Sitte gewesen sein, daß junge Ehemänner ihre Frauen zum Brunnen
von Spa schickten, obgleich erst 1327 einige Wohnungen um den Pouhon
aufgeführt wurden[70]. Die älteste Brunnennachricht von Wildungen
findet sich hinter dem Altare und ist vom Jahre 1378[343].
[Sidenote: _Bayrische Bäder_]
[Sidenote: _Heilbronn_]
Heilbrunn in Oberbayern, heute noch durch seine Adelheidsquelle ein
blühender Kurort, soll schon vor 1059 den Mönchen als heilender Quell
bekannt gewesen sein[343]. Dagegen ist das Wasser von Heilbronn heute
außer Gebrauch. Der Sage nach sollen die Gesellen des heiligen Kilian
hier Christen getauft haben, wonach die Quelle den Namen Heiligbronn
erhielt. Tatsächlich kommt in Urkunden seit der Karolinger Zeiten bis
zu Anfang des 15. Jahrhunderts — nach ~Jäger~ sogar ausschließlich
— die Bezeichnung Heiligbrunn (z.❆B. 841 Hailigbrunno) vor, 1225
aber auch „Heilesbrunnen“ und 1338 „Heylprunnen“. Schon 745 übergab
Karlmann eine dem Erzengel Michael geweihte Kirche zu Heilbronn dem neu
errichteten Bistume Würzburg[363]. Nach einer Urkunde von 1132 erhielt
das Kloster vom Heilbrunnen seinen Namen. Es sind auch Heilungen aus
alter Zeit bekannt. Man hielt sie jedoch, wie den Zusammenhang vom
Kloster mit seinem Namen, für Sage, weil kein Brunnen vorhanden war.
Als man aber 1729 in dem im alten Kloster gelegenen Brauhof einen bis
dahin öden Brunnen ausräumte, um einen Fischbehälter daraus zu machen,
zeigte es sich, daß man nicht nur vier oder fünf Treppen hinabgehen,
sondern auch um denselben her in ausgerundeten Steinen sitzen und das
daneben gefaßte Wasser bequem schöpfen konnte. Das war das ehemalige
Badebassin. Man suchte auch nach der Quelle und fand sie in ihrer
alten Einfassung, nämlich in schön zusammengeklammerten Quadersteinen
in ein längliches Viereck gefaßt, fünf Schuh tief unter der Erde.
Bei diesen Arbeiten wurden, wie das nach den älteren Bäderberichten
öfters zu geschehen pflegte, zwei zufällig mit Krankheiten behaftete
Taglöhner sofort gesund, und nun war der Ruf der alten Quelle wieder
hergestellt. Bis dreißig Meilen weit wurde das Wasser fortgeführt, oft
badeten an einem Tage mehrere hundert Personen. Man leitete aus der
alten, unverändert gelassenen Fassung die Quelle in einen Neubau (Abb.
94), der für Trinkkuren und zum Schöpfen von Badewasser eingerichtet
war[361]. Nach vielen, auch im Druck veröffentlichten Heilungen schwand
der Ruf der Quelle, die fortan gutes Trinkwasser lieferte und gegen
1854 auch eine kleine Badeanstalt für Gesunde erhielt[364].
[Illustration: Abb. 94. Gesundbrunnen im Kloster Heilbronn. Kupfer aus:
~Feuerlein~, Heylsbronnisches Zeugnuß der göttlichen Güte und Vorsorge.
Nürnberg, 1732.]
[Sidenote: _Burgbernheim_]
Das gleiche Schicksal hatte das einst hochberühmte Wildbad zu
Burgbernheim in Franken. Schon Kaiser Lothar ließ 1118 das Wasser nach
Nürnberg bringen und benutzte es gegen Nierensteine. 1308 wurde das Bad
von vielen vornehmen und geringen Personen besucht[343], darunter war
der Bischof Gottfried III. von Würzburg, der die Quellen hatte fassen
lassen[70]. Wegen der Hilfe, die Kaiser Karl IV. im Jahre 1347 bei
seinem Magenweh durch das Wasser fand, verlieh er dem Ort Privilegien
in folgender Urkunde: „Fürters verneuen und befreyen Wir auch der
Vogtei Bern ihren Markt, Rathhaus und von Gott gesegnetes Wildbad,
welches Wir selbsten zu Nürnberg zur Abwehr unseres Magengrimmens
abholend kräftiglich genossen. Benebens Wir die junge Gesellschaft
der Vogtey Bern, die uns das heilsame Wasser von Bern gen Nürnberg
gebracht, mit einem Danz deren erst gesetzten Ort des Kirchschirms
die zween ersten Tage mit zwanzig, den dritten aber mit zwölf Reihen,
Unsere Gnad ewiglich zu gedenken, fürgänglich verehren“[70]. In den
nächsten Jahrhunderten hielt sich das Bad noch, nahm vielleicht an
Bedeutung zu. 1484 gebrauchte es der Kurfürst Albrecht Achilles von
Brandenburg. 1487 wurde ein neues Badehaus gebaut. In den Jahren
1558–1603 betreffen mehrere Verordnungen vom Markgrafen Georg Friedrich
das Bad. Dann soll es verfallen sein[343]. Aber doch benutzte es
1605 die Äbtissin Anna vom Kloster St. Afra zu Würzburg vom 12. Mai
bis 20. Juni[367]. 1712 wurde wieder ein neues Badehaus errichtet.
Bis 1720 war es viel besucht; der König von Polen, der Markgraf von
Brandenburg-Onolzbach, der Fürst von Sulzbach und der Kurfürst von
Mainz gehörten zu den Gästen. Dann trat abermals Verfall ein[343]. 1856
war der Besuch sehr gering[364].
[Sidenote: _Bertrich_]
Die Bertricher Thermen werden in mehreren Urkunden als Thermae ad
Sanctum Bertricum oder als Aquae Bertlichianae erwähnt. Der Ort soll
gegen Ende des 14. Jahrhunderts Eigentum der Bischöfe von Trier
geworden sein und der Erzbischof Johann zur Wiederherstellung der
Thermen (die schon zur Römerzeit benutzt waren) 1456 sechzehntausend
Gulden verwendet und das Gemeinbad errichtet haben. Doch besagen die
Gesta Trevirorum noch beim Jahre 1471, daß derselbe Bischof die ganz
verlassenen Thermen mit ungeheuerem Fleiße repariert und mit einer
starken Mauer umgürtet habe. Bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts
behaupteten sie ihren Ruf, um dann in Vergessenheit zu geraten. 1741
waren sie verfallen und zerstört. ~Cohausen~ suchte sie damals wieder
in Ruf zu bringen, was aber erst achtundzwanzig Jahre später durch
Fürsorge des letzten Kurfürsten von Trier gelang[70].
[Sidenote: _Aachen_]
Aachens römische Bäder waren während der Völkerwanderung zerstört oder
in Verfall geraten. Karl der Große setzte sie nach einer karolingischen
Chronik wieder instand und traf Vorrichtungen zum Abkühlen der Therme
mit kaltem Wasser. Sie wurden, wie aus ~Angilbert~s Gedichte an
Kaiser Karl hervorgeht, prächtig ausgestattet. Marmorstufen führten
zum Bassin, und bequeme Sitze umgaben die Wände[14]. Karls Liebe zu
den Dünsten der warmen Quellen veranlaßte ihn, zu Aachen ein Schloß
zu bauen, in dem er in seinen letzten Lebensjahren bis zu seinem
Tode beständig wohnte. Und nicht nur seine Söhne, sondern auch die
Vornehmen und seine Freunde, nicht selten auch die ganze Schar seines
Gefolges und seiner Leibwächter lud er zum Bade, so daß bisweilen
hundert Menschen und darüber zusammen badeten[119]. Dies berichtet uns
~Einhard~, der Biograph Karls des Großen. Es war in Aachen also ein
größeres Bassinbad, wie wir es später in den meisten größeren Bädern
finden.
In dem auf der Insel Reichenau geschriebenen Codex Egberti[356] ist ein
Badebassin aus dem Ende des 10. Jahrhunderts abgebildet, nämlich der
Teich Bethesda, der, soweit mir bekannt, auch sonst als unter freiem
Himmel liegendes Mineralbad dargestellt ist (Abb. 12)[426]. Es hat
schon die später meist vorkommende viereckige Gestalt und ist mit einer
Einfassung umgeben.
[Sidenote: _Burtscheid_]
Nach dem Mönch von St. Gallen badete bereits Pipin vor Erbauung der
Badehäuser in Aachen. Als dieser einst zur Quelle ging, wirbelte
plötzlich der Dampf auf, und das Wasser trübte sich. Pipin deutete es
als einen Angriff des Teufels, den er mit dem Zeichen des Kreuzes und
dem Schwerte abwehrte, das dabei tief in den Boden fuhr[15]. Als die
Normannen 881 den Palast Karls des Großen zerstörten oder wenigstens
stark verwüsteten und ausplünderten, machten sie, wie ~Liutprand~
ausdrücklich hervorhebt, auch das Bad zunichte. Seit dieser Katastrophe
blieb es nach ~Stephani~ Ruine und mag 1225 mit anderen Liegenschaften
von Kaiser Friedrich II. dem Münsterstifte geschenkt worden sein[14].
Nach Quellen bei ~Zappert~ badeten jedoch Kaiser Heinrich III.
(1039–56) und mehrere andere Kaiser bei ihrer Anwesenheit in Aachen,
und 1226 verlieh der römisch-deutsche König (nicht Kaiser) Heinrich
VII. (der Sohn Kaiser Friedrichs II.) dem Marienstifte die Aachener
Bäder, welche der Reichsministeriale Wilhelm, genannt Bayer, als Lehen
besaß und jenem Stift käuflich überließ[16]. Wir sehen hier, daß
auch die Mineralbäder wie die ehehaften Badestuben trotz des Kaufes
noch eine Belehnung von seiten des Landesherrn erforderten. 1240 gab
die Krönungskirche das Königsbad in Erbpacht[70]. Von den Aachen
benachbarten Burtscheider Bädern wissen wir, daß sie wahrscheinlich
786 Eigentum des Benediktinerklosters und später im Besitz einer
reichsunmittelbaren Nonnenabtei waren. ~Caesarius von Heisterbach~
(gegen 1222) erzählt von einem Mönch, der so einfältigen Sinnes war,
daß er fast täglich in den warmen Bädern, die vor dem Eingange des
Klosters des heiligen Johann Baptist zu Burtscheid lagen, unter den
Armen saß, ihnen den Rücken frottierte, den Kopf wusch und die Kleider
reinigte.
[Sidenote: _Ems / Pyrmont / Wildbad / Hall / Liebenzell_]
1355 belehnte der Erzbischof von Köln den Grafen von Nassau mit
dem Dorf Ems und dem Warmbade. 1403 verkaufte eine Gräfin von
Nassau das Dorf mit den warmen Bädern um fünftausend Gulden[70].
Die erste Nachricht über Pyrmont gibt ~Henricus de Hervordia~, ein
Dominikanermönch, der ums Jahr 1350 lebte. Er beschreibt den jetzigen
Trinkbrunnen sowohl als den Badebrunnen, jener hieß damals fons sacer,
dieser fons bulliens, der Siede- oder Brodelbrunn. Der erstere spritze
dem ins Gesicht, der sich darüber beuge, der andere quille mit
solchem Geräusch, daß man ihn auf beträchtliche Weite schon höre[342].
Württembergs Wildbad wird zum erstenmal aus Veranlassung des Überfalls
des Grafen Eberhard des Greiners, der hier zur Kur weilte, durch die
Martinsvögel im Jahre 1367 erwähnt. Das Haller Wildbad — nicht zu
verwechseln mit dem dortigen, später entdeckten Solbad — wird schon in
jener bereits erwähnten Urkunde aus dem 13. Jahrhundert genannt[154].
1403 wurde das untere Bad zu Liebenzell verliehen, 1415 „unser nüw
wildbad zu Liebenzelle, genant das ober bade“, ein Beweis, daß die
Zahl der Besucher zugenommen hatte[61]. Im 16. Jahrhundert zählte das
„Zeller Bad“, wie es meist genannt wurde, zu den angesehensten Bädern,
im 18. wurden die beiden Badeanstalten sogar durch eine Lindenallee
verbunden. Trotzdem ging die Regierung gegen Ende des Jahrhunderts
mit dem Plane um, eines der Bäder eingehen zu lassen. Um diese Zeit
scheinen beide in Privatbesitz übergegangen zu sein, allein auch so
wollten sie nicht gedeihen. Kurz vor 1839 war es nahe daran, daß eines
der Bäder zu anderen Zwecken verwendet wurde[154]. Von da ab kam es mit
den anderen württembergischen Bädern zusammen wieder in die Höhe.
[Sidenote: _Soden / Kreuznach_]
Die Sodener Mineralquellen werden in Frankfurter Urkunden zum ersten
Male 1433 genannt, von 1437 an auch eine warme Quelle. Die Stadt
Frankfurt erhielt durch kaiserliches Privileg das Eigentumsrecht
„der Quelle und Springe einer warmen Adern und Flosses“ und wurde
ermächtigt, sie zu „bessern, bauen und gebrauchen“. 1567 fanden
sich zu Soden vier Salzbrunnen und die warme Quelle. Im Frankfurter
Ratsprotokoll desselben Jahres heißt es, wenn man die letztere
zurichten ließe, so könnte sie als Bad benutzt und so mit der Zeit
einträglich gemacht werden. Sie wurde damals wirklich gefaßt und um
ihretwillen Soden seitdem als Kurort besucht. Die Solquellen dienten
nur zur Salzgewinnung. Später wurde der warme Quell verschüttet, wie
es heißt von den Einwohnern zugedeckt, die im Dreißigjährigen Kriege
zum Auswandern genötigt worden seien. Nach ihrer Rückkehr fanden sie
die Quelle nicht wieder. Am Anfang des 18. Jahrhunderts brach sie von
selbst hervor, und man fand beim Nachsuchen die alte Brunnenfassung.
Von dieser Zeit an diente Soden wieder als Kurort, wurde jedoch
anfänglich nur von wenig Gästen, meist Frankfurtern, besucht[127]. Zu
Kreuznach erhielten 1490 zwei Köche des Pfalzgrafen Philipp bei Rhein
den „saltz- und badbronnen“ wegen treuer Dienste zum Erblehen mit der
Erlaubnis, eine oder mehrere Badestätten zu errichten, was für andere
gleichzeitig verboten wurde. Die Benutzung der Solquellen als Bad
reicht demnach nicht über 1490 zurück[61].
[Sidenote: _Wiesbadener Leben im 14. Jahrhundert nach Heinrich von
Langenstein_]
Im Testamente der Begine Methildis zu Boppard findet sich 1322
eine auf die Blüte der Bäder zu Wiesbaden gehende Notiz. Im 14.
Jahrhundert waren elf Bäder vorhanden, deren ältestes sich 1326
nachweisen läßt[432]. In den achtziger Jahren des 14. Jahrhunderts
beschrieb ~Henricus de Langenstein~, dictus de Hassia, (1325–1397) ein
Wandgemälde im Saale des Mainzer Kämmerers und Domherrn Johann von
Eberstein, das ein Badefest in Wiesbaden darstellte[357]. Hier die
Schilderung in der deutschen Übersetzung von ~Schultz~[210]:
„Von fleischlicher Lust.
Wenn ich mich nicht täusche, so ist der Sinn dessen, der die Reihe
besagter Malereien angab, von dem Geiste getrieben worden, um
stillschweigend die Meinung des Apostels Johannes auszudrücken, der
da spricht: „alles was auf der Welt vorhanden ist, ist Begehrlichkeit
des Fleisches oder Begehrlichkeit der Augen oder Übermut des
Lebens“. Das heißt: alle Laster weltlicher Verirrung sind auf drei
zurückzuführen: fleischliche Lust, weltliche Habgier und Stolz
auf eitlen Ruhm. Wie aber konnte schicklicher fleischliche Lust
dargestellt werden, als auf einem Bilde des Wiesbadener Festes,
das durch alle Fleischlichkeit anstößig, von dem Schaume aller
sinnlichen Wollust triefend ist? Zu ihm kommen sie von allen Seiten
in Freude und Ausgelassenheit, mit Trompeten und Pfeifen, mit vollen
Kasten und Flaschen, man bringet Lebensmittel und die leckersten
Getränke herbei, man nimmt Geld in Menge mit, seltsame Kleider werden
mitgeführt; in der Hoffnung, sich zu ergötzen, wird schon auf dem
Wege gespielt, gesungen, geplaudert, als ob man am Ziele die Freude
der Glückseligkeit zu erwarten habe. Wenn man angekommen ist, werden
Gastereien veranstaltet, man sucht der Frauen Gesellschaft, geht ins
Bad, wäscht den Leib, befleckt die Seele. Man geht heraus, und es
schmettern die Trompeten, erklingen die Pfeifen, beginnen die Tänze.
Da werden den keuschen Augen der Zuschauer vorgeführt die Schauspiele
der Verderbnis, nämlich die wollüstigen Gebärden, die unzüchtigen
Kleider beider Geschlechter. Da sieht man bei den Frauen die Blöße
des Busens, bei den Männern die Entblößung des Gesäßes, überall
Ausschweifung, durch die ein keuscher Sinn beleidigt wird. Was mehr?
Hier sieht man lauter Eitelkeit und Zerrüttung, keine Frömmigkeit,
keine Ordnung, hier ist Gottvergessenheit, hier ist jede Tugend
verbannt; es gibt keine Schamhaftigkeit, es fehlt das Maßhalten,
es herrscht die Genußsucht, es rast die Wollust. Bei diesem Feste
des Bauches, oder richtiger diesem öffentlichen Hause der Venus,
diesem Spielwerk des Teufels, wirst du wunderbare Ungeheuer sehen:
wenn der Mönch im ritterlichen Kleide sich sehen läßt, der Ritter in
der Mönchskutte, die Nonne im Anzug einer öffentlichen Dirne, der
Geistliche in Frauenkleidern. Da werden versteckt Küsse gegeben:
es küssen sich Männer und Weiber. Im Bade sitzen sie nackt mit
Nackten beisammen (vgl. Abb. 95), nackt mit Nackten tanzen sie.
Ich schweige darüber, was im Dunkeln vor sich geht, denn alles
geschieht öffentlich. Aber was ist das? Der Ausgang und der Eingang
dieses unsinnigen Festes ist nicht gleich, wenn, nachdem alles
verzehrt ist, die Kasten leer zurückkommen, die Geldbeutel ohne
Geld, man die Rechnung hört und die Verschleuderung so vielen Geldes
bereut. Und zuweilen beißt auch die Seelen der Heimkehrenden das
Gewissen wegen der begangenen Sünden. Der ist traurig über solche
Verirrung, der klagt, weil er von der Lust scheiden muß, der gedenkt
betrübt, wie kurz und inhaltlos die Freuden der Welt sind. Was
mehr? Sie kehren heim, die Körper sind weiß gewaschen, die Herzen
durch Sünde geschwärzt; die gesund hingingen, sie kehren heim
angesteckt (discrustati); die durch die Tugend der Keuschheit stark
waren, kehren heim verwundet von den Pfeilen der Venus. Das möchte
noch wenig bedeuten, wenn nicht die Mädchen, die als Jungfrauen
hinreisten, als Dirnen zurückkehrten, als Ehebrecherinnen, die
anständige Ehefrauen waren, wenn nicht als Teufelsweiber heimkehrten,
die als Gottesbräute hingingen. Und so erfahren sie durch diese und
andere Anlässe zur Trauer bei der Rückkehr alle die Wahrheit des
Satzes, daß das Ende aller fleischlichen Lust Trauer ist.“
[Illustration: Abb. 95. Darstellung eines Wildbades. Federzeichnung von
~Peter Flötner~. 16. Jahrhundert[B].]
[Illustration: Abb. 96. Leuk im Wallis. Holzschnitt aus: ~Sebastian
Münster~, Cosmographiae universalis Lib. VI. Basel, Petri, 1550.]
[Sidenote: _Pfäfers_]
Pfäfers wurde 1038 entdeckt, 1240 oder 1242 wiederum. Um 1242 traf
der Fürstabt Hugo II. von Villingen eine Vorrichtung zum Baden, aber
erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts scheint Abt Johann II.
von Mendelbüren ein Badehaus errichtet zu haben, das in der Schlucht
mitten über der Tamina auf hölzernen Tragbalken ruhte (Abb. 130).
1382 gab es der erwähnte Abt zwei Brüdern Camaurizi aus Valens auf
zehn Jahre zu Lehen unter der Bedingung, noch einiges an Gebäuden
aufzuführen und die Personen des Klosters unentgeltlich aufzunehmen.
Da der Andrang der Gäste immer stärker wurde, so errichteten teils die
Pächter, teils Private einige Häuser im Badtobel, der Schlucht am Wege
nach Valens. Den Hindernissen, welche die Natur der Entwicklung des
Bades entgegenstellte, traten Zwistigkeiten des Klosters mit dessen
Schirmvögten zur Seite, die auch ein Recht am Bad zu haben behaupteten
und in der Tat seit 1330 den halben Pachtzins bezogen hatten, bis
1396, wie schon erwähnt, Graf Johann von Werdenberg seine Ansprüche
am Bad zu seinem und seiner Familie Seelenheil an das Kloster abtrat.
1420 errichtete Abt Werner IV. von Reitnau ein neues Badhaus, ließ den
Weg etwas zugänglicher machen und löste nach und nach die erteilten
Badlehen wieder ein. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts gingen die im
Badtobel gelegenen Häuser an das Kloster über[316].
[Illustration: Abb. 97. Leuk im 18. Jahrhundert. Kupfer nach ~von
Rodt~.]
[Sidenote: _Leuk_]
Die Leuker Thermen werden 1315 zum erstenmale urkundlich erwähnt. 1481
erneuerte der Bischof Jost von Sitten einige Logierhäuser, ließ für
sich ein besonderes Bad erbauen und legte den Grund zum großen Ruf
der Quellen. Weitere Bauten folgten. Aber 1518 zerstörte eine Lawine
alle größeren öffentlichen Gebäude und zahlreiche Privathäuser[90].
Die darauf neu erstandenen Einrichtungen waren sehr einfach (Abb.
97) und trotzdem berühmt. Fast in keiner der Bäderbeschreibungen des
16. Jahrhunderts sind sie unberücksichtigt geblieben. Den völligen
Untergang des alten Bades brachte am 18. Januar 1719 eine riesige
Lawine, die fünfzig Häuser, alle Bäder, die Gasthöfe, das Steinhaus
des Kardinals und eine Menge Hütten zerstörte, wobei fünfundfünfzig
Personen umkamen. Ein neues Dorf entstand am rechten Dalaufer „ohne
Schönheitsrücksichten, ohne Bequemlichkeit, die zusammengedrängten
Häuser mit unbequemem Zugang und wunderlicher Lage, die kleinen Straßen
ohne Plan“. (Vgl. Abb. 96.) Es verschwand durch die modernen Bauten der
Neuzeit[90].
[Sidenote: _Fideris_]
Während wir bis zum 16. Jahrhundert vom Sauerbrunnen zu St. Moritz
noch keine Nachricht haben, wird der zu Fideris im Prättigau 1464
urkundlich erwähnt. Das später eingegangene untere Badbrünneli wurde
mit der Verpflichtung verliehen, ein Bad zu beginnen. Die Bewohner
von Fideris verpflichteten sich, so lange im unteren Bad Platz sei,
keine Fremden ins obere (jetzige) Bad zu führen. 1497 war letzteres
im Besitze des Hauses Österreich und wurde verpachtet. 1529 hatte es
Pergätzi von Fideris zum Lehen. Er bat die Gemeinde, da er alles, was
ihm Gott an Zeitlichem beschert, auf das Bad gelegt habe, man solle
ihm, dieweil das Bad ein Schatz und eine Gabe Gottes sei, in das so
„meng siech presthaft Mensch“ komme, der darin gesund und gebessert
werde, gestatten, statt nur eines Pferdes drei auf die Gemeindeweide
zu treiben. 1545 riß, wie ~Campell~ berichtet, die durch einen
Wolkenbruch angeschwollene Raschitscha alle Bäder und Gebäude samt
allem Inhalt hinweg, so daß die Quelle verschüttet wurde und lange
nicht mehr gefunden werden konnte. Alles mußte neu erbaut werden; 1547
sah ~Campell~, wie eine Menge Männer einen ungeheueren Wasserwärmkessel
über den engen Fußsteig wieder in das Bad schleppte. Von 1550 an wurden
Küche, Keller, Metzgerei, Bäckerei, Wirtsstüblein, Tanzlaubezimmer,
Landvogteistüblein, Spensa und Zwickezimmer errichtet[90]. 1553 kam der
Züricher Naturforscher ~Conrad Gessner~ nach Fideris und bewunderte
dort das Pumpwerk, mit dem der Sauerbrunnen in die Badkessel gehoben
wurde (Abb. 98)[334]. Für die damalige Zeit war diese Anlage ein
Ereignis. Fideris scheint überhaupt sehr gut eingerichtet und eine
Art Luxusbad gewesen zu sein; denn 1559 schreibt der Baseler Arzt
~Huggelin~: „Wo einer zů vil gelt inn dem seckel hat, dem hilfft es
auch geschwind daß er sein ledig wirt. Dann gůten weyn, auch andere
gůte kost findet man genůg in disem Bad“[80], und ~Martin Ruland~
sagt 1568: „Für alle kranckheit helffen warme Bäder, vnd dz Bad
Fideris“[400]. Seither blieb es fast ununterbrochen im Gebrauch.
[Sidenote: _Worms_]
Es muß hier eines im welschen Gebiet liegenden Bades gedacht werden,
das für das deutsche Badeleben von nicht untergeordneter Bedeutung war.
Bormio, deutsch Worms genannt, schon von Plinius beschrieben und vom
Ostgotenkönig Theoderich dem Großen benutzt[38], hatte 1336 ~Petrus
de Tussignano~ zu Gaste, der dort am 13. März des genannten Jahres
„ad honorem Dei, beatae Mariae, et Sancti Martini“ zwölf Baderegeln
aufstellte[333], die den deutschen Schriftstellern später zur
Richtschnur dienten. 1616 war Bormio weit berühmt, nicht nur in Rätien,
Tirol, Bayern, Schwaben, Österreich, den anstoßenden Ländern Italiens,
sondern auch bei den äußersten Holländern und Goten in solcher Gestalt,
daß ein Sprichwort bei ihnen entstand: „Wormserbad heylt allen
schad“[59].
[Illustration:
A Locus in quo aqua Balnei hauritur è puteo.
B Rota quam riuus montanus impellit.
C Canalis ligneus.
D Aqua defluens è riuo montano impellens Rotam.
E Aqua riui montani seorsum defluens quando non impellit rotam.
F Hastæ immissæ quæ implent tubos.
G Tubi in puteum demissi.
H Orbis ligneus.
I Corpus circumaffixus.
K Canalis ex quo aqua effunditur.
L Lebes in quo calefit aqua.
M Lignum quod est operculum impediens riuum monunum.
N Baculum præcipuũ quod sustinet Cyconiam.
O Tabula quæ lebetem operit.
P Baculum paruum infixum operculo Lebetis.
Abb. 98. Pump- und Heizwerk des Sauerbrunnens zu Fideris. Holzschnitt
aus: ~Conradus Gesnerus~, De Thermis Helveticis. In: De Balneis.
Venetiis (Venedig) apud Juntas, 1553.]
[Sidenote: _Baden im Aargau_]
Die Bäder zu Baden in der Schweiz führen nach ~Konrad Gessner~ in
alten Schriften die Namen „das Bad der Drey Küngen in Ober-Schwaben,
bey Schweitz“, so benannt nach der Kapelle der Heiligen drei
Könige, und „das Bad der Herzogen in Österreich“[94]. Die Stadt wurde
„Herzogen-Baden“ im Gegensatz zu Markgrafen Baden (Baden-Baden)
genannt[315]. Beide werden auch als Ober- und Niederbaden
unterschieden. Die alten Bäder waren offen, doch kommt schon im 13.
Jahrhundert auch ein geschlossenes Bad (clausum balneum) vor, das
wahrscheinlich der noch öfter zu nennende Hinterhof war. 1322 gab
es der Herzog Leopold von Österreich dem Lienhard Meyer von Baden
zum Erblehen, in dessen Familie „das beslozzen pad ze Paden“ (1357,
1364) bis zu Anfang des 15. Jahrhunderts blieb samt einem zweiten,
dem 1398 genannten Widchenbade, vermutlich der späteren Kesselquelle
zum Bären. „Der Hof nid dem Rain oder am Rey“, der spätere Staadhof,
wurde 1361 vom Herzog Rudolf von Österreich zum Lehen gegeben, aber
1405 dem Heinrich Kaufmann wegen treuer Kriegsdienste gegen die
Schwyzer zum Eigentum geschenkt, während der Hinterhof bis ins 19.
Jahrhundert Lehen blieb. Die Inhaber der beiden Höfe waren nicht
etwa Bader oder Scherer, sondern vornehme Personen. Götz Meyer vom
Hinterhof war Untervogt von Baden und Ritter. Er zog als Bannerträger
der Stadt 1386 mit zwei Söhnen auf österreichischer Seite in die
Schlacht bei Sempach, wo er auf der Wahlstatt blieb. Bis ins 19.
Jahrhundert waren die beiden Höfe nur von der vornehmen Welt besucht,
bis sie 1872 von einer Aktiengesellschaft gekauft und niedergerissen
wurden. Aus ihnen entstand das heutige Grand Hotel. Daneben gab es
schon im 14. Jahrhundert die bürgerlichen Badehäuser zum Bären, zum
Ochsen, zum Raben, zur Blume und zur Sonne. So wurde z.❆B. der Bär,
der österreichisches Lehen war, 1361 verpfändet, der „Badhof, so
man nennt des Berners Geseste, mit Haus, Hofstatt, Bädern und den
fließenden warmen Wassern, die von +altersher+ in die Bäder gerinnen,
mit all dem, so dazu gehört“. Wir finden auch hier die Zahlung des
Zinses in Naturalien. Das später zum Raben genannte Bad gab 1299
jährlich nur zwei weiße Gänse. Neben diesen Badegasthäusern bestand
ein größeres Gasthaus, das zum Schlüssel (in Abb. 99 durch sein
Aushängeschild kenntlich), das kein Thermalwasser hatte. Es besaß den
anderen gegenüber aber Vorrechte — nachweislich seit dem Jahre 1377
—, die darin bestanden, daß jedermann, sei er bei ihm in Herberge
oder nicht, um sein Geld essen und trinken konnte, was er wollte.
Den anderen Wirtshäusern in den Bädern war bei Strafe untersagt,
fremden Gästen, die nicht bei ihnen Herberge hatten, Speise und Trank
zu verabreichen. Zur Erläuterung sei angeführt, daß die Bäder eine
Viertelstunde von der Stadt entfernt lagen und somit die Wirtshäuser
in der Stadt von dieser Verordnung nicht getroffen wurden, ja sie war
in deren Interesse erlassen. Das Vorrecht des Schlüssels wurde dadurch
zunichte, daß er 1404 von der Stadt gekauft wurde, nachdem der Rat von
Baden mit dem Besitzer, dem Kreuzfahrer Walter Brunner, 1398–1503 bis
zum kaiserlichen Landgericht in Rottweil herumprozessiert hatte[32].
Brunner hatte nämlich sein Vorrecht auf Grund einer päpstlichen Bulle
erhalten, die anscheinend die Stadt anerkennen mußte. Noch im 16.
Jahrhundert durften die Badewirte nur ihren Gästen und keinen anderen
Leuten Wein und Speisen auftragen, damit den Wirten in der Stadt kein
Abbruch geschehe. Obwohl jene 1510 vorstellig wurden, sie könnten gar
nicht verhindern, daß die Karrer und die Gäste derselben, daß der
Besuch der Badenden Herberge nähmen, daß die Badegäste selbst einen
Fremden zum Trunk einlüden, die von Baden beriefen sich auf Brief und
Siegel, und die acht Orte bestätigten es[315]. Im Schlüssel befand
sich ein mit zwölf Tischen versehener geräumiger Sommersaal, in dem
die vornehmen Herren aus den beiden Höfen, wenn sie nicht eigene Küche
führten, die Mahlzeiten einnahmen; denn die Inhaber der Höfe gaben
noch im 15. Jahrhundert ihren Gästen nur Zimmer und Bäder, aber keine
Lebensmittel. Außerdem gab es in den Bädern mehrere Gasthäuser, in
denen die ärmeren Leute wohnten, welche die beiden freien Bäder, das
Verena- und das Freibad benutzten. Vom Freibad ist 1399 das erstemal
die Rede. Die Herren von Rümlang, welche das Scher- und Schröpfrecht
daselbst als Lehen besaßen, setzten durch, daß ein Scherer Hensli,
der dort seinen Beruf auszuüben sich anmaßte, weggewiesen wurde. Den
sogenannten großen Bädern gegenüber liegen auf der anderen Seite der
Limmat die sogenannten kleinen. 1347 stritten die Besitzer der fünf
Wirtshäuser um den Besuch der dortigen zwei öffentlichen Bäder. Der
Zwist wurde dahin beigelegt, daß alle Gäste der fünf Wirtshäuser
gleiche Rechte haben sollten[32].
[Illustration: Abb. 99. Baden im Aargau. Holzschnitt aus: ~Joh.
Stumpf~, Schweizerchronik. Zürich, Froschauer, 1548.]
[Sidenote: _Poggios Bericht über Baden im Aargau von 1417_]
Einen eingehenden Bericht über das Leben zu Baden hat uns ~Johann
Franz Poggio~ in einem 1417 an seinen Freund Nicolo Nicoli gerichteten
Briefe hinterlassen. ~Poggio~ war vierzig Jahre lang Sekretär von zehn
verschiedenen Päpsten und starb 1459 als Kanzler der Republik Florenz.
Er begleitete den Papst Johann XXIII. zum Konzil nach Konstanz, von wo
aus er die Bäder zu Baden besuchte. Ich gebe seinen Bericht nach der
Übersetzung im helvetischen Almanach von 1800 wieder[327].
„Ich schreibe dir diesen Brief aus den hiesigen Bädern, wohin mich die
Gicht an den Händen getrieben, und denke, sie verdienen es, sowohl die
Lage und Anmut derselben, als die Sitten der sich hier aufhaltenden
Gäste, und ihre Badensweise dir zu schildern.
Die Alten machten viel Redens von den Bädern zu Puteoli, wohin beinahe
ganz Rom, um sich zu erlustigen, zusammenfloß. Allein, nach meiner
Meinung, kamen dieselben in dieser Rücksicht den hiesigen nicht bei,
und leiden überhaupt keine Vergleichung mit ihnen. Dort trug die
Schönheit der Gegend und die Pracht der umliegenden Landhäuser, mehr
als das Baden und die fröhliche Gesellschaft, zu den Vergnügen des Orts
bei. Hier hingegen gewährt die Lage dem Gemüt keine, oder doch nur
sehr geringe Ergötzung; alles andere aber hat so unendlichen Reiz, daß
ich mir öfters träumen konnte, Cypria selbst, und was sonst die Welt
Schönes in sich fassen mag, sei in diese Bäder zusammengekommen; so
sehr hält man hier auf die Gebräuche dieser Göttin, so sehr findest du
da ihre Sitten und losen Spiele wieder; und so wenig die guten Leute
Heliogabals[C] Rede gelesen haben, so vollkommen scheinen sie doch von
Mutter Natur selbst hierin unterrichtet zu sein.
Vor allen Dingen aber noch ein Wort von dem Wege, der von Constanz
hieher führt, damit du wissest, in welchem Teile Galliens unsre Bäder
gelegen seien.
Den ersten Tag fuhren wir in einem kleinen Nachen auf dem Rhein bis
Schaffhausen sechs Meilen weit; hernach mußten wir des hohen Falles
wegen, den dort der Fluß über abgerissene schroffe Felsen macht,
anderthalb Meilen zu Fuße gehen, und kamen so zu dem jenseit des Rheins
gelegenen Schlosse, Kaiserstuhl, wo, aus dem Namen zu schließen, die
Römer (der vorteilhaften Lage wegen, auf einem hohen Hügel, an dem
Strome, wo Gallien mit Germanien durch eine kleine Brücke verbunden
wird) einst ein Lager gehabt.
Auf unserer Straße sahen wir, wie gesagt, den Rhein von einem hohen
Berg über dazwischen stehende Klippen mit einer Wut und einem Getöse
sich herabstürzen, daß man glauben sollte, er bejammre selbst seinen
Fall. Hier fiel mir ein, was man von den Katarakten des Nils erzählt,
daß nämlich die daran wohnenden Menschen von dem Geräusch und Geprassel
taub werden, da man schon das von diesem Flusse, der doch gegen jenen
nicht viel mehr als ein Waldbach ist, fast eine halbe Stunde weit höret.
Endlich kamen wir nach Baden, einer ziemlich wohlhabenden Stadt, die
in einem von Bergen rundum eingeschloßnen Tal an einem großen schnell
laufenden Flusse liegt, welcher anderthalb Meilen unter dem Ort sich in
den Rhein ergießt.
Ungefähr eine Viertelstunde von der Stadt nun, dicht am Flusse, hat man
zum Gebrauch der Bäder einen schönen Hof angelegt, in dessen Mitte sich
ein großer Platz befindet, ringsum von prächtigen Gasthäusern umgeben,
die eine Menge Menschen fassen können. Jedes Haus hat sein eigenes Bad,
dessen sich nur diejenigen bedienen, die in demselben wohnen. Die Zahl
der öffentlichen und Privatbäder beläuft sich zusammen an die dreißig.
Für die niedrigste Klasse des Volkes indessen sind zwei besondere von
allen Seiten offne Plätze bestimmt, wo Männer, Weiber, Jünglinge und
unverheiratete Töchter, kurz alles, was vom Pöbel hier zusammenströmt,
zugleich baden. In diesen befindet sich eine die beyden Geschlechter
absondernde Scheidewand, welche jedoch nur Friedfertige abhalten
könnte; und lustig ist es anzusehn, wie da zugleich alte abgelebte
Mütterchen und junge Mädchen, nackend vor aller Augen hinabsteigen,
und das, was sonst jedermann sorgfältig verbirgt[D], den Mannsblicken
preisgiebt. Mehr als einmal hat mich dieses köstliche Spektakel
belustigt; die floralischen Spiele sind mir dabei eingefallen, und
ich habe bei mir selbst die Einfalt dieser guten Leute bewundert, die
eben so wenig ihr Auge darauf richten, als sie dabei das mindeste Arge
denken oder reden.
[Illustration: Abb. 100. Mineralbad. Titelholzschnitt aus: ~J. J.
Huggelin~, Von heilsamen Bädern des Teutschenlands. Mühlhausen, 1559.]
Nun die besondern Bäder in den Gasthöfen betreffend, so sind diese
sehr schön ausgeputzt, und — beiden Geschlechtern gemein. Zwar
werden dieselben durch ein Getäfel gesondert, worin aber verschiedene
Ablaßfensterchen angebracht sind, durch welche man zusammen trinken
und sprechen, und sich also gegenseitig nicht bloß sehn, sondern auch
berühren kann, wie denn dies Alles häufig geschieht. Neben dem sind in
der Höhe Gänge angebracht, wo sich Mannspersonen zum Sehen und Plaudern
einfinden; und, wohlverstanden, stehet da jedem frei, in des andern Bad
einen Besuch zu machen, zu scherzen, sein Gemüt zu erheitern, und beim
Hereintritt ins Bad, sowie beim Aussteigen, hübsche Frauen am größten
Teil des Leibes nackend zu schauen. Also keine Posten bewahren hier
die Zugänge, keine Thüren — zumal keine Furcht des Unanständigen,
verschließen sie. In mehreren Bädern treten sogar beide Geschlechter
durch denselben Eingang ins Bad, und nicht selten trägt sich’s zu, daß
die Mannsperson einem nackten Frauenzimmer, und umgekehrt, begegnet.
Doch binden die Männer eine Art von Schürze vor, und die Weiber haben
ein linnen Gewand an, welches aber von oben bis in die Mitte, oder an
der Seite offen ist, so daß weder Hals, noch Brust, noch Arme, noch
Schultern damit bedeckt sind (Abb. 100). In dem Bade selbst speisen
sie öfters von allseitig zusammengetragenen Gerichten an einem Tisch,
der auf dem Wasser schwimmt (Abb. 87, 102), wobei sich natürlich auch
die Männer einfinden. In dem Haus, wo ich badete, wurde auch ich eines
Tags zu einem solchen Fest eingeladen. Ich gab meinen Beitrag, ging
aber, ob man mir gleich sehr zusetzte, nicht hin — und zwar nicht
aus Schüchternheit, die man hier für Faulheit oder bäurisches Wesen
hält, sondern weil ich die Sprache nicht verstand; denn es kam mir
abgeschmackt vor, daß ein des Deutschen unkundiger Welsche, stumm und
sprachlos zwischen Schönen, einen ganzen Tag im Bad bloß mit Essen
und Trinken zubringen sollte. Zwei meiner Freunde hingegen fanden
sich wirklich ein, aßen, tranken, schäckerten, sprachen durch einen
Dolmetsch mit ihnen, wehten ihnen mit einem Fächer Kühlung zu, und kurz
belustigten sich sehr. Denn nichts fehlte an dem Schauspiel, als die
Vorstellung Jupiters, wie er durch den goldnen Regen auf Danaen wirkte,
usw. und waren zwar meine Gefährten mit dem Linnengewand bekleidet,
das auch Männer anzulegen pflegen, wenn sie in Frauenzimmerbäder
geladen werden. Ich sah dann alles an von der Galerie, die Sitten und
Gewohnheiten dieser Ehrenleute, ihr gutes Essen, ihren angenehmen,
zwanglosen Umgang. Wunderbar ist es zu sehen, in was für Unschuld sie
leben, und mit welch unbefangenem Zutrauen die Männer zuschauten,
wie Fremde gegen ihre Frauen sich Freiheiten herausnahmen; nichts
beunruhigte sie; Alles deuteten sie zum Besten aus; oder viel mehr,
sie gaben nur nicht Acht darauf. Denn nichts ist so schwer, das,
nach den Sitten dieser guten Menschen, nicht federleicht wird. In
~Platon~s Republik, deren Sitten Alles gemein machen, hätten sie sich
vortrefflich benommen, da sie schon, ohne seine Lehre zu kennen, sich
so zu seiner Sekte neigen.
[Illustration: Abb. 101. Mineralbad. Titelholzschnitt aus: ~Gallus
Etschenreutter~, Aller heilsamen Bäder und Brunnen Natur. Straßburg,
1571.]
Einige dieser Bäder gebrauchen, wie schon gesagt, Manns- und
Frauenspersonen zugleich, wenn sie untereinander durch Bande des Bluts
oder der Freundschaft verbunden sind. — Mancher besucht täglich drei
bis vier solcher Bäder, und bringt da den größten Teil seines Tages
mit Singen, Trinken und nach dem Bade mit Tanzen zu. Selbst im Wasser
setzen sich einige hin und spielen Instrumente (Abb. 95, 101, 102,
111). Nichts aber kann reizender zu sehen oder zu hören sein, als wenn
eben mannbare oder schon in voller Blüte stehende Jungfrauen, mit dem
schönsten offensten Gesicht, an Gestalt und Benehmen Göttinen gleich,
in diese Instrumente singen, ihr leichtes zurückgeworfenes Gewand auf
dem Wasser schwimmt, und jede eine andre Venus ist. Dann haben sie die
artige Sitte, wenn Männer ihnen von oben herab zusehen, sie scherzweise
um ein Almosen bitten; da wirft man, zumal den hübschern, kleine Münzen
zu, die sie mit der Hand oder mit dem ausgebreiteten Linnengewand
auffangen, indem eine die andre wegstößt; und werden bei diesem Spiel
eben nicht selten auch die geheimen Schönheiten enthüllt. Ebenso wirft
man ihnen auch aus allerlei Blumen geflochtene Kränze herab, mit denen
sie sich das Köpfchen schmücken.
[Illustration: Abb. 102. Mineralbad unter freiem Himmel (angeblich
Leuk). Gemälde von ~Hans Bock~ d. Ä. 1597. Eigentum der öffentlichen
Kunstsammlung in Basel.]
Diese vielfältige Gelegenheit, das Auge zu ergötzen und den Geist zu
ermuntern, hatte einen so großen Reiz für mich, daß, ungeachtet ich
selber täglich zweimal badete, ich noch die übrige Zeit mit Besuchung
andrer Bäder zubrachte, und ebenfalls Münzen und Kränze hinunterwarf,
wie die Andern. Denn unter diesem immerwährenden Geräusch von Klang
und Gesang, war da weder zum Lesen noch zum Denken Zeit; und hier
allein weise sein wollen, wäre die größte Torheit gewesen, zumal für
Einen, der kein selbstpeinigender Menedem, und dem nichts Menschliches
fremde ist. Zur höchsten Lust mangelt freilich noch die Unterhaltung
durch Gespräche, die denn doch unter allen die vorzüglichste ist. Mir
blieb also nichts übrig, als die Augen an den Schönen zu weiden, ihnen
nachzugehn, sie zum Spiele zu führen und wieder zurückzugeleiten. Auch
war zum nähern Umgange Gelegenheit da, und so große Freiheit dabei, daß
man sich eben um die gewohnte Stufenleiter der Bewerbung um Gunst und
Zuneigung nicht zu bekümmern brauchte.
Außer diesen Vergnügungen gab es dann noch eine andere von nicht
geringem Reize. Hinter den Höfen, allernächst an dem Flusse, liegt
nämlich eine große, von vielen Bäumen beschattete Wiese. Hier kömmt
nach dem Essen jedermann zusammen und belustigt sich mit Gesang, Tanz
und mancherlei Spielen. Die meisten spielen Ball; aber nicht wie bei
uns, sondern Manns- und Weibspersonen werfen sich, jedes dem, den es
am liebsten hat, einen solchen Ball zu, worin viele Schellen sind.
Alles läuft zu, ihn zu haschen; wer ihn bekömmt, hat gewonnen, und
wirft ihn wieder seinem Geliebten zu: Alles streckt die Hände empor,
ihn zu fangen; und wer ihn hält, tut, als ob er ihn bald dieser,
bald jener Person zuschanzen wollte. So viele andere tausendlustige
Ergötzlichkeiten muß ich, der Kürze wegen, übergehen, und gab dir nur
das Pröbchen von einigen, um dir einen Begriff zu machen, was hier für
eine große Gesellschaft von Epikuräern sei. Bald glaub ich, das sei
der Ort, wo der erste Mensch geschaffen worden, den die Hebräer Gan
Eden, d.❆i. den Garten der Wollust nennen; denn, falls anders diese uns
Glückseligkeit verschaffen kann, so seh’ ich nicht, was dem Orte hier
fehlet, um solche vollkommen zu gewähren.
Frägst du mich denn, Freund! weiter, zumal nach der Kraft des hiesigen
Wasser, so ist dieselbe eben sehr verschieden und mannigfaltig; in
einigen Stücken aber besonders groß und fast göttlich; denn auf der
ganzen Welt, glaub ich, ist kein Bad, welches mehr die weibliche
Fruchtbarkeit fördere. Kömmt eine Frauensperson hieher, deren Leib
verschlossen ist, so erfährt sie bald die bewundernswürdige Wirkung
dieser Bäder, wenn sie nur geflissen die Mittel anwendet, welche die
Kunst den Unfruchtbaren vorschreibt.
Unzählbar ist übrigens die Menge der Vornehmen und Gemeinen, die, nicht
sowohl der Kur, als des Vergnügens wegen, von 100 Meilen weit hier
zusammenkommen. Alle die lieben, alle die heiraten wollen, oder wer
sonst das Leben im Genusse setzt, strömen hieher, wo sie finden, was
sie wünschen. Viele geben körperliche Leiden vor und sind nur am Gemüte
krank. Da sieht man hübsche Frauen die Menge, die ohne ihren Mann, ohne
Verwandte, nur in Begleit zweier Mägde und eines Dieners hier anlangen
— oder etwa eines alten Mütterchens von Muhme, die sich leichter
hintergehen als bestechen läßt. Jede aber zeigt sich, so viel möglich,
in Gold, Silber und Edelgestein, so daß man denken sollte, sie wären
nicht in’s Bad, sondern zu der prächtigsten Hochzeit gekommen. Auch
Nonnen, oder, richtiger zu reden, floralische Jungfrauen, Äbte, Mönche,
Ordensbrüder und Priester, leben hier noch in größerer Freiheit als
alle übrigen; letztere baden sich wohl mit dem Frauenzimmer, schmücken
ihr Haar mit Kränzen und vergessen alles Zwanges ihrer Gelübde. Alle
nämlich haben einerlei Absicht: — Traurigkeit zu verbannen, Vergnügen
zu suchen, keinen Gedanken zu haben als wie sie des Lebens und seiner
Freuden genießen mögen. Keiner bemüht sich dem Gemeinschaftlichen etwas
zu entziehen; vielmehr sucht jeder, das Besondere allgemein zu machen.
Und zum Erstaunen ist es, wie bei einer so großen Menge (es mögen
immer an die tausend Menschen da sein) bei so verschiedenen Sitten,
in einem so freudetrunkenen Gemische, keine Händel, kein Zwist, kein
Schimpfwort, nur kein Murmeln noch Beschweren des einen über den andern
entsteht. Da sehen Männer, wie mit ihren Weibern getändelt wird, und
treffen sie mit einem wildfremden Manne unter vier Augen an; das Alles
bewegt sie nicht, sie wundern sich über nichts, und glauben, daß alles
auf die eingezogenste Art, im Vertrauen des redlichsten Hausfreundes
geschieht. So ist der Teufel der Eifersucht, der anderswo bald alle
Männer plagt, hier ein unerhörter Gast, und da sie die Sache nicht
kennen, auch dem Namen nach unbekannt. O Sitten, wie unähnlich den
unsrigen! Wir Welsche sehen alles von der schlimmsten Seite an und
finden an Verläumden und Verkleinern Geschmack, daß, wo der schwächste
Schein zum Argwohn ist, wir sofort auf die schwärzesten Verbrechen
schwören.
Schon mehr als einmal hab ich daher die unzerstörbare Gemütsruhe
dieser guten Menschen beneidet, und dagegen unsre verkehrte Denkart
verwünscht, die wir immer klagen, immer begehren, durch keinen Gewinn
befriedigt, durch keinen Wucher gesättigt, Himmel und Erde umkehren
wollen, um nur Geld zu erwerben. Da werden wir von ewigem Kummer und
Angst umhergetrieben, und erbeben meist vor erst künftigem Elend; um
nicht unglücklich zu werden, hören wir nie auf, unglücklich zu sein,
starren mit unverwandtem Blick unsern Mammon an, und wissen weder dem
Leib noch dem Geist gütlich zu thun. Diese Glücklichen hingegen, mit
Wenigem vergnügt, leben nur für heute, machen sich jeden Tag zum Feste,
verlangen nicht nach Reichtum, der ihnen wenig nützen kann, freuen sich
dessen, was sie haben, und zittern nie vor der Zukunft. Begegnet ihnen
je etwas Widriges, so tragen sie es mit Geduld, und ihr größter Schatz
ist der Wahlspruch: „Der lebte, der seines Lebens genoß!““
Sehen wir von Ungenauigkeiten ab, die ~Poggio~, um möglichst schön zu
reden, der Wahrheit entgegen, sich erlaubt und selbst widerruft, so
ist sein Bericht im großen und ganzen richtig und wird von anderen
noch ergänzt. Man hat angenommen, daß ein derartiges Leben sich nur
zu Baden abspielte, und ~Johannes von Müller~ hat darauf hingewiesen,
daß tausende von zügellosen Kriegern während der Sommermonate in Baden
zubrachten, wenn sie nicht durch Feldzüge ferngehalten wurden[317].
Doch finden wir ja nach ~Henricus’ de Hassia~ Bericht ein gleiches
Leben zu Wiesbaden.
[Sidenote: _Die Geistlichen in den Mineralbädern_]
Auffallend ist hier wie dort das Treiben der Geistlichkeit, das in
Baden derartig anstößig war, daß Bischof Burkhard von Konstanz 1463
dem jeweiligen Leutpriester zu Baden Vollmacht erteilte und befahl,
fehlbare Geistliche, wenn nötig mit Hilfe des weltlichen Armes,
festnehmen zu lassen und dem bischöflichen Vogte zu Kaiserstuhl zur
Bestrafung auszuliefern, was bis 1498 mehrmals wiederholt wurde.
Veranlaßt wurde die Verfügung auf Wunsch des Rates von Baden, weil
bei dem Zusammenströmen von Leuten verschiedener Nationen in die
Bäder „von Priestern oft enorme, ärgerliche und strafbare Excesse
verübt werden“[32]. 1415 verkaufte die Äbtissin des Frauenmünsters
in Zürich den gesamten Meierhof von Stadelhofen, um die Kosten einer
Badenfahrt bestreiten zu können. Der Bericht über den Verkauf des
Kelnhofes lautet: „es ist zu wissen als die Äbtissin Frau Anastasia von
Hohenklingen den Kelnhof zu Stadelhofen entfremdet hat, und Recht und
Herrlichkeit der Lechen mit Zins und aller Zubehörd gegeben den Frauen
und Kloster am Oetenbach. Und haben dieselben Frauen der Äbtissin darum
geschenkt eine Summe Gelds zu einer Badenfahrt, die sie dazumal wollt
haben; Gott gesegne ihr das Bad in jener Welt!“[90]. Die Klosterfrauen
zu Töß erkauften sich zu Anfang des 16. Jahrhunderts für schweres Geld
päpstliche Bullen und Indulgenzen, um nach Baden zu fahren und daselbst
unter dem Skapulier weltliche Kleider tragen zu dürfen, falls sie, wie
die Erlaubnis besagte, im Kloster nicht alle nötigen Hilfsmittel, ihre
Gesundheit herzustellen, finden könnten. Der im Jahre 1492 zum Abt in
Kappel erwählte Ulrich Trinkler von Zürich war berüchtigt durch seine
dem Kloster höchst nachteiligen Badenfahrten. Er hielt in den Bädern
wochenlang und täglich für mehr als zwanzig Personen offene Tafel und
ward sogar eines näheren Umgangs mit den daselbst befindlichen Nonnen
verdächtigt. Am Ende aber trieb er es so arg, daß er aus seiner Abtei
verstoßen wurde[315].
Anno 1566 „haben einige Chorherrn im Hof (zu Luzern) den Rath um
Erlaubniß gefragt, mit ihren Metzen gan Baden eine Badfahrt z’han,
das ihnen aber um der Ergerniß wegen abgeschlagen worden“[320]. Die
Bitte der Chorherren erscheint gar nicht auffällig, wenn man folgende
Weisung von Rat und Schultheiß der Stadt Baden vom Jahre 1520 an die
beiden Stadtknechte bedenkt: „Sy söllent zu den Bädern niden deheinen
an Si gmach gan noch uff tun, Sy wissent dann wol, das er ein metzen
by im da inn habe. Unnd ob ein priester har gen Baden keme und ein
Junckfrowen mit im brechte, und ein gemach empfienge, denselben söllent
si nit uffnemen; ob er aber ein priester ein frye metzen zu im in
siner kamer fürte, den mögent si uffnemen. Sy söllent ouch erenlütten
nit in ir kamer noch gemach gan, Sy wissent dann wol, das er ein
metzen by Im hette. Sy söllent ouch die so sie uffheben in der Setzung
bescheidentlichen halten je nach gestalt der personen und des Handels.
Unnd insunders so sollent si kein Dietrich me bruchen noch haben“[32.]
[Illustration: Abb. 103. Das St. Verenabad zu Baden im Aargau 1820.
Bleistiftzeichnung von ~Ludwig Vogel~. Landesmuseum Zürich.]
[Sidenote: _Der Verenakultus_]
Entspricht diese Anweisung der sonst üblichen Auffassung des
Mittelalters, so wird sie für Baden besonders verständlich, wenn man
bedenkt, daß in der Nähe Zurzach, der Hauptort des Verenenkultus,
lag. Baden selbst hatte zu diesem durch sein Verenaloch, die Quelle
im Verenabad, Beziehung. Hier stand die Bildsäule der Heiligen (Abb.
46, 103)[E] bis zum Abbruch des Bades. Sie wurde am Verenentage mit
einem Blumenkranz geschmückt und acht Tage und Nächte hindurch mit
fünf geweihten Kerzen beleuchtet. Jahrhundertelang wurde das Bad von
Frauen aller Stände besucht, die durch seinen Gebrauch Kindersegen
erhofften. Sonst wurde es von Vornehmen nicht benutzt. Es war das
Bad der Armen und Hilfsbedürftigen, denen Verena wieder Heilung und
Genesung gab. Sie selbst soll gegen Ende des 3. Jahrhunderts dem
Volksglauben nach dort Arme und Kranke gepflegt und ihnen das Bad
bereitet haben[315], obwohl die Legende nichts davon erzählt. Aber
Verena war nicht nur die Schutzpatronin der Armen. Im Siggentale sang
man einst ein Lied vom Tannhäuser, der in Frau Vrenelis Berg gegangen
sei. Vreneli und Venus sind beide identisch. An St. Verenas Grab zu
Zurzach war ein Jahrtausend lang der Ort ausgesuchtester Sinnlichkeit
und zügellosester Üppigkeit. Zwar finden wir auch hier Eheleute, die
ehelichen Segen erflehten. So soll König Konrad von Burgund mit seiner
Gemahlin zu St. Verenas Grab gewallfahrtet haben und nachher mit einem
Prinzen beschenkt worden sein. Desgleichen wurde daselbst der Herzog
Hermann von Alemannien erhört. Hier flehte auch König Ottokars von
Böhmen Tochter Agnes, die Gemahlin des Herzogs Rudolf von Österreich,
um einen Prinzen, der ihr dann auch in Johann Parricida geschenkt
wurde[32]. Zur Zeit der einst weltberühmten Märkte sammelte sich dort
aber ein anderes Volk. Wie Pfeifer und Keßler an bestimmten Orten
einmal im Jahr zusammenkamen, fanden sich zu Zurzach die fahrenden
Weiber ein. Der Landvogt von Baden hatte den Zurzacher Markt zu der
Eidgenossen Lob und Ehre mit „Pfiffern und Trummeteren“ zu versehen
und sich laut Verordnung der Tagsatzung von 1418 mit vier ehrbaren
Männern aus der Stadt, den Untervögten und deren Knechten selbst
hinzubegeben[32]. Dort eröffnete er den Matzentanz und beschenkte die
Schönste mit einem Gulden[F], weil 1308 Kaiser Albrecht in den Armen
einer Dirne gestorben war. Die vermeintliche Stiftung soll von der
Königin Agnes von Ungarn gemacht worden sein[38]. Als die reformierten
Stände im Jahre 1535 dem Treiben zu Zurzach etwas Einhalt tun wollten
und der Landvogt Schütz einen bezüglichen Antrag an die Tagherren
brachte, verwahrten sich die katholischen Orte gegen „diese ketzerische
Neuerung“. Es wurden auch die unsittlichen Tänzereien während der Messe
beibehalten; denn, sagte der Tagherr von Luzern, es tanze da mancher
gute Geselle mit einer armen Dirne und behelfe sich mit ihr, während er
sonst etwas Böseres tun könnte[32] (vgl. S. 266).
[Sidenote: _Sittenlosigkeit zu Baden im Aargau und Baden-Baden_]
Wie es zur Zeit der Zurzacher Messe im nahen Baden zuging, braucht
nicht durch Quellen belegt zu werden. Bedenkt man noch die Anwesenheit
von zahlreichen Landsknechten, dann wird kein anderer Kurort Baden um
sein Gesindel beneidet haben. Im Jahre 1486 lag der Hauptmann Ruppli
aus dem luzernischen Amte Rothenburg längere Zeit in Baden eingetürmt,
weil er in Ennetbaden (den kleinen Bädern) mit gezücktem Schwerte
eine Dirne aus dem Bade gerissen, um seine Lust mit ihr zu treiben,
und versucht hatte, den im Bade sitzenden Nebenbuhler zu verwunden.
Ruppli war deshalb zum Tode verurteilt worden; allein die Bitten
einflußreicher Freunde und Verwandter konnten zuletzt seine Begnadigung
erwirken. Er mußte Urfehde schwören und dem Landvogte, sowie der Stadt
Baden eine beträchtliche Buße zahlen[32]. Auch in den beiden freien
Bädern zu Baden-Baden waren vor Jahren, wie es 1488 heißt, Tag und
Nacht von Heimischen und Fremden allerhand „vnfuren“ begangen, weswegen
der Bader angewiesen wurde, starke (kräftige) Bettler, fahrende Schüler
und Dirnen, die in den Herbergen hinter dem freien Bade ihr Wesen
trieben, vor den Schultheißen zu bringen, „damit man mit denselben
lüten alles überlasts, betrugs vnd vnwesens vertragen blybe, auch
vnfuren vnd bubereyen tags vnd nachts im großen vnd kleinen Bade
dardurch abbestallt“[40].
Am tollsten ging es in Baden (Schweiz) vielleicht Anfang des 16.
Jahrhunderts zu. Die Eidgenossen hatten dem Kaiser Maximilian einen
Römerzug versprochen, den Frankreich zu verhindern und die Eidgenossen
für sein Heer zu gewinnen suchte. Geld, das dem Kaiser fehlte, stand
Ludwig XII. in Menge zur Verfügung. Zürich wurde 1505 vom Gesandten
Rocquebertin bearbeitet, der zu Baden fürstliche Tafel hielt, die
Badenfahrten vieler Weiber, öfters die ganze Zehrung aller Gäste
bezahlte. Er hatte beständigen Zulauf an feilen Dirnen, warf Geld in
die Bäder und unter die Weiber[315. 317].
Selbst Zürichs Bürgermeister Waldmann (1489 hingerichtet), der in
seiner Stadt durch strenge Sittenmandate den Ausschweifungen wehrte,
ging, als wären die Mandate nicht für ihn gemacht, häufig mit einer
Schar lockerer Gesellen nach Baden, um auf die zügelloseste Art der
Freude und Lust zu frönen[32]. Ein St. Galler war Augenzeuge, daß der
Bürgermeister auf einer Gesandtschaft nach Baden neben seiner Frau
noch sechs Weibsbilder bei sich führte und zugleich einer Baslerin
durch Geschenke vergebens nachstellte. Endlich konnte er den Badwäscher
bestechen, der ihn zu ihr führte. Sie aber widerstand und klagte
nachher Waldmann öffentlich an[321]. Wir finden auch in späteren
Jahrhunderten die Züricher öfter in Baden, um die heimatlichen Sitten-
und Luxusgesetze zu umgehen, weswegen die Badenfahrten zu wiederholten
Malen verboten wurden.
[Illustration: Abb. 104. Geselliges Treiben in einem kleinen
Mineralbade am Bodensee im 15. Jahrhundert. Aus dem Hausbuch der
Familie Goldast zu Konstanz, wahrscheinlich von Bartholomäus Zeitblom.
Nach dem mittelalterlichen Hausbuch.]
Zürich sah überhaupt darauf, daß seine Bürger sich in Baden anständig
aufführten. 1492 ist im Ratsprotokoll verzeichnet: „J. Aberli und L.
Holzhalb sollen nachgohn als etlich Mann und Frauen nackend gesessen
und by enandern getrunken haben“[317]. Aus den Verordnungen und
verfügten Strafen des Rates von Baden geht ebenfalls hervor, daß man
das unsittliche Leben nicht billigte und den guten Willen hatte, es
abzustellen, und selbst ~Poggio~ gibt zu, daß Männer Frauenbäder im
Bademantel besuchten. ~Montaigne~ empfiehlt im 16. Jahrhundert sogar
Baden den Frauen, die abgesondert und züchtig zu baden wünschen, als
geeigneten Ort[326]. In den vornehmen Bädern ging es gewiß ehrbar zu.
~Hans von Waldheim~ badete 1474 nur mit Männern, schwäbischen Adeligen
und Züricher Geistlichen zusammen. Von ihm erfahren wir auch, daß
„graven, hern, rittere und knechte und vile eddil luthe usz Swabin
und usz andern landen, und dorczu vile schoner frawen, burgere und
burgerynne von Basil von Kostenicz und von Lyndouwe, die gar kostlich
mit yren cleydern und silbern tringgefesse do weren“[32].
Trotz der großen Zahl anwesender Badegäste[G] befand sich im 15.
Jahrhundert in Baden noch kein Arzt. Als im Jahre 1478 Frau Anna geb.
Gräfin von Kirchberg beim Spiele plötzlich unwohl wurde, mußte man
nach Zürich zum Arzte schicken. Als dieser erschien, war sie dem Tode
nahe[32].
Das Treiben in einem Bade um die Mitte des 15. Jahrhunderts zeigt uns
ein Bild des mittelalterlichen Hausbuches (Abb. 104)[150]. Es stellt
den Typus eines kleinen Bades dar, wie wir ihn bis ins 19. Jahrhundert
finden. Neben dem Badehaus liegt der Lustgarten. Das Ganze ist durch
eine Mauer von der Umgebung vollkommen abgeschlossen und mitten im Feld
gelegen. Ein größeres Bad stellt eine ebenfalls aus Konstanz stammende
und auch um die Mitte des 15. Jahrhunderts gemalte Blockwand des
Schweizerischen Landesmuseums in Zürich vor. Leider ist das Bad selbst
nur in Resten vorhanden und der größte Teil abgesägt.
[Sidenote: _Häufigerwerden der Badenfahrten im 15. Jahrhundert_]
Im 15. Jahrhundert mehren sich die Nachrichten von Badenfahrten.
Das Protokoll des Frankfurter Rates enthält schon häufig
Urlaubsbewilligungen für Beamte, vorzugsweise für die angeseheneren,
wie den Stadtschultheiß, die Dorfamtmänner und den Stadtarzt[127].
Luzern ließ sogar mehrere in der Schlacht bei Murten (1476) verwundete
Krieger auf Staatskosten in Bäder gehen; auch Zürich tat dies 1532 im
Kappeler Kriege[229]. Man besuchte jetzt auch entfernt liegende Bäder.
Herzog Wilhelm von Sachsen weilte 1476 im Wildbade zur Kur. Auf einen
Brief an den Kurfürsten Ernst von Sachsen antwortete ihm dieser, er
freue sich, daß Herzog Wilhelm dort die Gemahlin des Grafen Ulrich von
Württemberg angetroffen habe und „neben uwer libe in underscheyd gebatt
und sich fruntlich irköset (unterhalten)“. Der Herzog badete alle Tage
acht oder neun Stunden[54]. Für das Wildbad schlägt ~Mechinger~ auch
1513 bis neun Stunden tägliche Badezeit vor[346].
[Sidenote: _Der Badeausschlag_]
Philippine Welser gebrauchte 1571 wegen Gallensteine die Kur in
Karlsbad. Nach den Aufzeichnungen ihres Leibarztes Dr. ~Georg Handsch
de Limusa~ trank sie während der ersten Wochen nur das Wasser und zwar
bis acht Seidel am Tage. Am vierzehnten Tage begann sie zu baden, mit
je einer Stunde am Vor- und Nachmittag beginnend und bis zu je fünf
Stunden steigend, also zehn Stunden am Tage. Am sechzehnten Badetage
nahm der „Badeausschlag“ einen rotlaufartigen Charakter an; von diesem
Tage an wurden wärmere Bäder von kürzerer Dauer genommen, „damit der
Ausschlag wieder abtrockene“[347].
Der Badeausschlag war eine Entzündung der Haut infolge des lang
anhaltenden thermischen und auch chemischen Reizes beim Baden.
Die Bäder mit höheren Temperaturen und reichlichen mineralischen
Bestandteilen riefen ihn schneller hervor. Ein Jesuit, der in
Pfäfers badete, beschrieb ihn 1642. Es entsteht zweierlei Ausschlag
nacheinander. Der erste ist hitzig und brennt wie Feuer oder Nesseln
und wird „Obrist Fresser“ genannt. Wenn er durchs Bad abgeheilt ist,
kommt bald ein anderer, der nicht so brennt, aber heftig beißt und
zu stetem Kratzen Ursache gibt. Der wird „Obrist Kratz“ genannt. Bei
etlichen kommt der Ausschlag am dritten oder vierten Tage, die Haut
wird rot, schält sich, Arme und Füße schwellen. Im Wasser besteht kein
Schmerz, aber außerhalb desselben, besonders im Bett. Die Glieder
brennen wie mit Nesseln bestrichen; man nennt dies den Brenner. Wenn
die Geschwulst an Händen und Füßen zunimmt, tritt Krampf auf, das ist
der Spanner. Etliche können dann nicht gehen und die Hände zum Munde
bringen. Es tritt Kälte wie beim Fieber auf. Das Wasser kommt einem
eiskalt vor, dieser Geselle heißt der Zitterer oder Schnatterer. Nur im
Bett wird man warm. Später kommt der Kratzer oder Obrist Kratz; der tut
manchen nach Hause begleiten[366]. Der „Schauder oder Schütter“ war oft
so heftig, daß die Patienten zwei bis drei Tage im Bett bleiben mußten
(1689)[428].
Philippine Welser wartete, wie aus den Angaben ihres Leibarztes
hervorgeht, den zweiten Ausschlag nicht ab, sondern heilte den
ersten durch sogenanntes Abbaden, bei dem die Badezeit verkürzt und
die Temperatur des Bades +erhöht+ wurde. Diese Art scheint auch
später noch in Karlsbad Sitte gewesen zu sein, war aber nicht die
gewöhnliche[H]. Traten die ersten Zeichen des Ausschlags — der
übrigens auch die Ausschlächte genannt wurde — auf, ging man, wenn
Bäder von verschiedener Temperatur zur Verfügung standen, in ein
wärmeres Bad, bis er sich vollständig entwickelt hatte. Man badete zu
dem Zwecke auch länger. Darauf folgte das Abbaden in kälterem Wasser
bei Abnahme der Badezeit. So geschah es in aargauisch Baden noch
1790[424]. Nach ~Dorer~ (1806) war kälteres Badewasser nur dann nötig,
wenn der Ausschlag schwer abheilen wollte[418], und ~Hess~ gibt 1606
für Baden-Baden an, daß, wenn nach dem Ausschlagen die frische Haut
„schwerlich“ werden und wachsen wollte, man nicht frisches Wasser
benutzen solle, sondern solches, das einen Tag und eine Nacht gestanden
habe[362]. ~Leucippaeus~ sagt 1598, daß etliche in Markgrafenbaden ein
bis zehn Tage anfangen zu baden und baden danach im Wildbad die übrigen
Tage gar aus[431]. (Wildbad ist kälter als Baden-Baden.) Die Doktoren
von Augsburg schickten aber gegen 1571 ihre Kranken zuerst auf zehn
Tage ins Wildbad zum Baden und ließen darauf im (kälteren) Zellerbad
(Liebenzell) die Badenfahrt ausrichten. ~Günther von Andernach~
und ~Etschenreutter~ waren damit nicht einverstanden. „Wo aber die
krancken, allein zůbaden begerten, das sie an demselbigen ort da sie
das baden angehebt, volstreckten, das wer nutzlich jnen vnd gůt.“
Dagegen hielten sie eine Teilung der Kur für angebracht, wenn man das
Wildbad trinke und im Zellerbad die Badenfahrt mit Baden vollende[388.
449]. Manche, die in Pfäfers nicht ausbaden konnten oder wollten,
taten dies im Nieder-Urnerbade am Wallensee[86]. In Leuk benutzte man
im 16. Jahrhundert nach dem Ausbaden[I], d.❆h. nachdem der Ausschlag
herausgebadet war, einen Tag lang einen besonderen Brunnen, der gar
nicht schmeckte, also wohl nur geringe mineralische Bestandteile hatte,
die Haut schnell heilte und deshalb Heilbrunnen genannt wurde[318].
Man war sich nicht einig, ob zur Kur der zweite Ausschlag nötig sei,
bei manchen Badenden scheint er überhaupt nicht aufgetreten zu sein,
bei anderen kam nach Abheilen des einen immer wieder ein neuer zum
Vorschein. In Pfäfers badeten manche vier Wochen Tag und Nacht und
wurden den Ausschlag nicht los (1642)[366]. ~Lucas Rem~[265], der im
November 1529 den „englischen Schwais“ überstanden hatte, zog 1530 zur
Nachkur ins Wildbad. Am 7. März begann er die Kur mit fünfstündigem
Baden. Am 12. war er auf acht Stunden gestiegen, am 13. fing er an
„fast“ (sehr) auszuschlagen. Der Ausschlag währte acht Tage. ~Rem~
badete aber weiter und schlug am 28. und 29. wieder aus. Am 24. und
31. März hat ~Rem~ Schweißbad und Schröpfen verzeichnet, also in der
Ausschlagperiode, 1525 fand das Schweißbad am elften Tage statt.
~Sytz~[375] schlug es 1516 nach dem achten oder zehnten Tage vor. Nach
~Hess~ (Baden-Baden, 1606)[362] sollte im Bett oder sonstwie geschwitzt
werden, wenn der Ausschlag stark juckte oder langsam fortschritt. Das
Schweißbaden geschah also zur Heilung des Ausschlages.
[Sidenote: _Übermäßig langes Baden zur Erzielung des Badeausschlags_]
+Einen+ Ausschlag hielt man aber in der Regel für nötig zum Gelingen
der Kur, weil dadurch die inneren Unreinigkeiten zum Körper
hinausbefördert wurden. Unterstützt wurde dieser Heilungsvorgang nach
damaliger Ansicht (bis ins 19. Jahrhundert) durch Schröpfen, das
wohl in der Regel mit dem Schweißbade verbunden wurde, also in die
Ausschlagperiode der Badekur fiel. Kam kein Ausschlag zustande[J]
und wurde man geheilt, war man darüber nicht bekümmert; dann hatte das
Wasser durch seine Kraft und Wärme die bösen Flüsse und Feuchtigkeiten
ohne alle Schmerzen und Verletzung der Haut trotzdem ausgezogen[366].
Es kam übrigens vor, daß der Ausschlag sich erst nach Verlassen des
Kurortes bildete, namentlich bei Leuten, welche die Kur zu zeitig
abbrachen und besonders bei denen, welche sie zu Hause mit einfachen
Wasserbädern fortsetzten, weswegen in vielen Anweisungen vor diesen,
manchmal auf Wochen hinaus, gewarnt wurde. ~Leucippaeus~ (1598)
verbietet Süßwasserbäder auf ein halbes Jahr und läßt Schweißbäder,
wenn sie vonnöten sind, zu[431].
Da nach Ansichten der meisten Leute der Badeausschlag zur Kur nötig
war, suchte man ihn möglichst schnell zu erzielen, namentlich Arme,
die wegen Mangel an Geld zur baldigen Heimreise genötigt waren. Sie
suchten die üblichen hundert Stunden[K] womöglich in einem fort
im Bade, Tag und Nacht, abzusitzen. Sie drängten sich deshalb auch
möglichst nahe an den „Ursprung“ des Wassers, wo dies heißer als im
übrigen Bade war. In Baden bei Wien begannen einige nach ~Anemorinus~
(1511) mit dem Baden bald nach Mitternacht[70]. Man aß, trank und
schlief (nicht nur am Tage, sondern auch in der Nacht) im Wasser. Das
kam namentlich in Pfäfers vor, wird aber im 16. Jahrhundert auch von
Karlsbad berichtet[348]. Unglücksfälle waren dabei nicht wunderbar.
Die Kirchenbücher von Gastein führen in den vergangenen Jahrhunderten
fast in jedem Monat mehrere Todesfälle von Badenden an und diese
meist im Bade selbst. Oftmals heißt es „suffucatus in balneo“[70].
~Kolweck~ sagt 1631 von Pfäfers, daß man in anderen Wildbädern auf der
Gelehrten Rat mit Baden auf und ab steige, in Pfäfers mache man aber
gleich mit vielen Stunden den Anfang. „Dahero gewohnlich, daß jhr vil,
vnter Tag vnd Nacht, niemaln auß dem Bad tretten, sondern daselbst
bleibende, Essen, Trincken, vnnd Schlaffen: Die Reichen zwar, vmb Lust
halber, welchen sie vnder dem Baden empfinden: Die Armen aber, vmb
Willen, ermanglender Herberg oder Prouiant, oder damit sie die Zeit
ersparen, vnnd desto bälder fertiger werden. Zwar halten jhnen, vil
grosse Herren, zu einem Rhumb, wie länger dieselben, vber den gantzen
Tag, auch vil stundt in der Nacht, im Bad zubringen, vnnd die Bad
Wärme erleyden mögen ... Zwar die wenigern vnd vermůglich, pflegen
vngefahr, drey Wochen, mit Baden zubringen; Demnach es das Gebrechen
vnnd Leibsgelegenheit geduldet. Die meisten, so bald die Haut an dem
Leib außgeschlagen, vnd versöhrt, die mögen so gar kein kleine weil,
vnd so gar nicht in den waichesten Beth, ruhen; Seytemalen das Bad
Wasser, die Krancken nicht anderst, als der Magnet, das Eysen, an
sich ziehet. Andere, die gerahten, auß vnauffhörlichen Baden, vnd
zerbrochnen Schlaff, in die Vnsinnigkeit, deren etliche wenig, als die
Nebensitzenden, alle geschlaffen, gesuncken vnd ertruncken“[349]. Auch
~Fabricius Hildanus~ erlebte 1610 in Pfäfers, daß Leute während der
Nacht im Bad ertranken[22].
In Pfäfers wurde aber 1676 auch auf- und abgebadet. Dr. Abiss schlägt
kräftigen Leuten vor, den ersten Tag morgens und abends vier Stunden,
den zweiten sieben, den dritten zehn, den vierten zwölf Stunden zu
baden, bis sie ausschlügen. Nachdem soll auch in der Nacht gebadet
werden, um die Schmerzen zu lindern und den Ausschlag wegzubaden.
Schwache und Personen von sieben Jahren sollten bis neun Stunden baden,
nach Ausbruch des Ausschlags sich wie Erwachsene verhalten[365]. ~Lucas
Rem~, der 1511 zu Pfäfers in neunzehn Tagen hundertsiebenundzwanzig
Stunden badete, stieg von vier auf elf Stunden am Tage an. „Schluog
adi 30. 31 (Mai, anscheinend am 9. und 10. Tag) aus. Da badet ich die
nacht 1, 1, 3 stundt“[265]. In den Bädern, deren Wasser erwärmt werden
mußte, wurde auch des Nachts gebadet, und, wie aus nachfolgender Stelle
hervorgeht, im Notfalle das Bad von den Gästen selbst geheizt. 1580
empfing Caspar Cunrad Wielli von „gemeinen Nachpuren von Sumwix“ zu
einem ewigen Erblehen „das Bad in Wall“ (Somwixer- oder Tennigerbad bei
Disentis). Dafür sollte er und seine Erben „denen von Sumvix das Bad
erhalten und wärmen, wann ihrer acht Personen zusammen kommen, umb 1
Krützer, +Tag und Nacht+, und die Främden umb 2 Krützer“. Kamen aber
weniger als acht Personen zusammen, dann sollte er ihnen „das groß
Kässen (Kessel) sammt ander Rüstung lihen“, damit sie selber „wärmen“
könnten[86].
[Sidenote: _Rückgang des Ausschlagbadens_]
Schon 1597 empfahl ~Feurbergk~ (~Pyrmontanus~), man solle in Pyrmont
nicht länger als eine halbe Stunde hintereinander baden[56]. 1609
war in Karlsbad das „Auffressen der Haut“ eine seltene Kur[350].
Das war auch an anderen Orten der Fall und hing damit zusammen, daß
die Badezeit bedeutend kürzer war. Im 17. Jahrhundert badete man in
den meisten deutschen Badeorten nur noch ungefähr zwei Stunden am
Vormittag, starke Personen noch am Nachmittag, soweit es die Kräfte
vermochten. Zuweilen trat auch da ein Ausschlag auf. Für Leuk empfahl
~Fabricius Hildanus~ dem Bürgermeister Anton von Grafenried sechs
Stunden täglich bei einer Kur von dreiundzwanzig oder vierundzwanzig
Tagen mit Ansteigen an den ersten sechs und Absteigen an den letzten
sechs Tagen[101]. Nach ~Hess~ stieg man in Baden-Baden 1606 bis auf
sechs Stunden an[362].
Der Ausschlag verlor seine „kritische“ Bedeutung im 19.Jahrhundert
und wird heute nur noch zur Heilung von Hautkrankheiten gebadet; denn
mit ihm wird die alte kranke Haut entfernt. Einige Bäder, die nur
Hautkrankheiten heilten, hießen deswegen im Volke etwas verächtlich
Krätze- oder Raudenbäder.
1806 sagt ~Dorer~ (Baden), der Ausschlag sei vielfach unnütz und nicht
zur Heilung nötig, trotzdem schreibt er vor, täglich bis fünf Stunden
mit Auf- und Absteigen zu baden[418]. 1818 gab es aber in Baden auch
schon zwei Arten der Kur, eine mit Erzielung des Ausschlags bei einer
Badezeit bis zu fünf Stunden in einundzwanzig Tagen, und eine ohne
Ausschlag, bei der früh eine und am Abend eine halbe Stunde gebadet
wurde[315]. ~Kerner~ schlägt 1832 für das Wildbad zweimal täglich eine
Stunde Gebrauchszeit vor[325]. In Ragaz badete man 1857 täglich eine
halbe bis eine Stunde. Der Badeausschlag war selten. Die Kur dauerte,
wie in den meisten Schweizer Orten, einundzwanzig Tage. In Leuk fand
dagegen ein methodisches An- und Abbaden statt. Heute noch ist dort
die Ausschlagkur üblich. In Pfäfers wurde sie 1857 selten[368], 1869
nicht mehr gebraucht[369].
[Sidenote: _Die Trinkkur_]
Bei Trinkkuren stieg man mit der Menge des genommenen Wassers ebenfalls
an und nach einiger Zeit ab. Übertreibungen kamen auch hier vor,
namentlich von den Armen in Pfäfers, die nach Berichten des 16. und 17.
Jahrhunderts meinten, je mehr, je besser zur Heilung und das noch dazu
im Bade. Der gleichzeitige Gebrauch einer Trink- und einer Badekur galt
als großer Verstoß gegen die Gesundheit. Man nahm in der Regel beide
nacheinander vor. 1598 riet ~Kieffer~ sogar, das Wildbad nur zu trinken
und danach zur Badekur nach Liebenzell zu gehen[154]. (Siehe auch
~Günther~ und ~Etschenreutter~ S. 253.) Es gab aber auch Ärzte, welche
zwar nicht gerade das Trinken im Bad empfahlen, doch Trink- und Badekur
zu gleicher Zeit vornehmen ließen. Die Badezeit war dann eine kürzere.
So badete ~Konrad Gessner~ 1563 in Baden von fünf bis sieben Uhr und
trank von sieben bis acht Uhr. Ja er durchbrach die allgemein geltende
Vorschrift und nahm abends im Bad noch acht Unzen Wasser zu sich[94].
Im 17. Jahrhundert kommt das schon öfter vor. ~Blondel~ will es für
Aachen aber nur bei starken Naturen, bei anderen einige Tage Trinken,
ebensolange Baden oder einen Tag um den anderen abwechseln[409].
Wie man bei der Badekur den Ausschlag als Krise nötig zu haben glaubte,
hielt man es bei der Trinkkur für ein Erfordernis, daß Verlust der
Eßlust, schlechter Geschmack im Munde, belegte Zunge, Magendrücken,
Müdigkeit der Glieder, Gemütsverstimmung u. dergl. auftraten, und nahm
mit der Wassermenge immer mehr zu, bis man endlich den Magen verdorben
hatte. Dann ging man mit der Zahl der Becher herunter. Auch diese
Ansicht verlor sich im 19. Jahrhundert[368].
Der Glaube, daß zu einer Kur eine bestimmte Anzahl Tage oder Stunden
nötig sei, hielt sich bis ins 19. Jahrhundert und besteht teilweise
heute noch im Volke. „~Priessnitz~ und seine Anhänger“, sagt ~Vogt~,
„haben zuerst mit Erfolg den durch lange Gewohnheit eingewurzelten Wahn
zu besiegen gewußt, daß Bade- und Trinkkuren immer in einer bestimmt
abgemessenen Frist gemacht werden müssen“[368].
Vielfach trank man, wenn man einmal in einem Kurorte war, das Wasser
derselben Quelle, die man zum Baden benutzte. Mineralwässer, die heute
nur noch als Bad Verwendung finden, wurden infolgedessen getrunken.
So nahm ~Konrad Gessner~ vom Wasser in Baden in der Schweiz 1562 den
ersten Tag fünfzig, den zweiten fünfundsiebzig, den dritten hundert
Unzen, 1563 den ersten Tag zweiunddreißig, den zweiten achtzig, den
dritten hundertundvier, den vierten hundertundachtundsechzig, den
fünften hundertundzwanzig, den sechsten zweiundsiebzig, den siebenten
vierzig Unzen zu sich und jeden Abend noch acht Unzen, 1564 stieg er
auf zweiundzwanzig Gläser täglich[94]. Heute trinkt das Wasser kaum
jemand mehr.
[Sidenote: _Verschicken von Mineralwasser_]
Im 16. Jahrhundert konnte man in den Mineralbädern schon Wasser von
auswärts haben. ~Leucippaeus~ erwähnt 1598 das Sauerbrunnentrinken
in den Herbergen von Baden-Baden, Wildbad und Zellerbad[431]. Es ist
aber von frischem Sauerbrunnen die Rede. Er wurde demnach aus der
Nähe hingebracht. Häufig geschah das Hinwegschaffen des Wassers nach
anderen Orten, weil für die Gäste beim Brunnen selbst nicht genügende
oder standesgemäße Unterkunft zu finden war, seltener wohl, um die
Vergnügungen im Kurorte zu fliehen. Es galt aber doch der Grundsatz
(1647):
„Das beste Wasser, so man trinckt,
Ist diß, welchs auß der Quell entspringt“[65].
[Illustration: Abb. 105. Der zu Bilfeld Anno 1666 am 2. Sontag nach
der H. Drey Einigkeit entsprungene Heyl-Brunnen. Kupfer aus: ~Conradi
Redekeri~ descriptio Bilfeldiani fontis. Amstelaedami 1668.]
Im Wildbad scheute man sich 1513 nicht, das Wasser aus den Quelladern
am Boden des Bades zu schöpfen, nachdem das Badewasser abgelassen
war[346]. Der Transport geschah in Flaschen oder Fässern, die ohne
besondere Maßnahmen gefüllt wurden (Abb. 105). In jüngster Zeit
wurde noch darüber geklagt, daß die hessischen Wasserbauern, welche
Sauerbrunnen nach Frankfurt bringen, die Füllung in der primitivsten
Weise vornähmen. Leere Krüge würden mit allem anhaftenden Schmutz
ins Wasser getragen und unter dem Spiegel gefüllt, manche führen
gleich den ganzen Karren samt den Krügen in die Quelle hinein[377].
In Eger (Franzensbad) wurde im 16. Jahrhundert der Sauerbrunnen von
jungen, sechzehnjährigen Leuten in Krügen haufenweise in die Stadt
getragen[318]. ~Sebiz~ sagt 1647, man soll den Sauerbrunnen von
Griesbach und Petersthal nicht von den gemeinen Sauerbrunnenmännern
kaufen, die das Wasser in „zimlichen, aber offtermaln schimmlichten vnd
stinckenten faulen Fässern bringen“[65].
In seinem Neu-Wasserschatz gab 1581 ~Jakob Theodor von Bergzabern~
(~Tabernaemontanus~) zunächst für den Weinbrunnen von Schwalbach
folgende Vorschrift zum Verschicken, die auch für andere Sauerbrunnen
galt. Das Wasser soll in steinernen oder Siebenbürgerkrügen geholt
werden, die morgens oder abends gefüllt werden. Sie sind mit Wachs,
Pergament oder einer Blase zu verstopfen und zu verbinden und in
einem Rückkorb, mit frischem Wasser oder mit nassen Lumpen umgeben,
nicht bei Sonnenschein zu transportieren. Oder man nimmt neue Fässer,
die mit siedendem Wasser gefüllt, zugeschlagen werden und die Nacht
über stehen. Am nächsten Morgen werden sie geleert, wieder mit
frischem Wasser gefüllt und so eine oder mehrere Nächte gelassen,
dann mit Sauerbrunnen ausgeschwenkt und eine Nacht mit diesem gefüllt
stehen gelassen. Am Morgen vor Sonnenaufgang wird das Faß wieder
mit Sauerbrunnen gefüllt, zugeschlagen und aufgeladen, auf frische,
grüne, mit Tau besprengte „Wasen“ gelegt und oben mit nassen leinenen
Tüchern bedeckt. Der Karren soll außerdem mit einem „Spriegel vnd Deck“
versehen sein, daß die Sonne nicht auf das Faß scheint. Krüge und
Fässer werden nach der Ankunft im kühlen Keller aufbewahrt. Im Winter
muß das Faß mit Stroh umgeben sein, damit das Wasser nicht gefriert.
Das Einlassen des Sauerbrunnens soll bei schönem und hellen Himmel ohne
Wolken geschehen. ~Tabernaemontanus~ wollte, wenn es großen Herren
möglich wäre, den Transport in der Nacht und dafür die Errichtung einer
gemeinen Fußpost von Dorf zu Dorf haben. Der Sauerbrunnen sollte sich
auf die angegebene Weise zehn Tage halten, besser wäre es, wenn er als
Arzneitrank aller drei Tage frisch bezogen würde[324].
[Illustration: Abb. 106. Versand des Aachener Mineralwassers und
Wiedererwärmen desselben zum Gebrauch. (Die Gestalt der Flaschen; die
Art, sie wieder warm zu machen; die Weise, die Wärme zu unterhalten.)
Kupfer aus: ~Blondel~, Beschryving van de Stad Aken. Leiden 1727. (Das
Bild findet sich auch in der Ausgabe von 1688.)]
[Illustration: Abb. 107. Der „Cornelische Badwasser-Brun“ in Aachen.
Kupfer aus: ~Blondel~, Erklärung deren Badt- vnd Trinckwässeren zu
Aach. Aachen 1688.]
[Illustration: Abb. 108. Der „Kayserliche Badwasser-Brun“. Kupfer aus:
~Blondel~, Erklärung deren Badt- vnd Trinckwässeren zu Aach. Aachen
1688.]
~Sebiz~ gab ähnliche Vorschriften und hielt gläserne Flaschen für
das beste Transportmittel[65]. Zu Seebach beim Bade Rippoldsau wurde
1587 eine eigene Glashütte zur Anfertigung von „Sauerbronnen-Guttern“
(Gläsern mit engem Hals, aus denen das Wasser zwar nicht tropfenweise
(gutta, der Tropfen), aber in dünnem Strahle (Abb. 106) herausfloß)
für das Bad gegründet. 1688 beklagten sich die Glasmacher daselbst beim
Grafen von Fürstenberg, weil die Glashütten der Klöster St. Blasien und
St. Peter im Schwarzwald die Gläser billiger lieferten und die Hütte
in Seebach dadurch sehr benachteiligt würde[338]. Das Rastenberger
Wasser wurde 1696 im Waldenburgischen, mit Wachs verwahrten Flaschen
verschickt[401]. Der Versand des Emser Kränchens geschah in Krügen, die
1859 noch mit einem Stopfen Leder oder Pech verschlossen wurden[339].
Die sogenannte Krugbäckerei befand sich im Dorfe Arzbach bei Ems,
wo sie 1750 von drei Gebrüdern Gerharz eingeführt wurde und seitdem
in den Händen von deren Nachkommen war, die fast die Hälfte der
Dorfeinwohner ausmachten (1862)[340]. 1627 trank man in Ems einen von
~Tabernaemontanus~ 1581 gepriesenen dortigen Sauerbrunnen nicht mehr
und auch, bei Tisch wenigstens, nur selten das Emser Wasser, sondern
auswärtige Sauerbrunnen, Braubacher und Denkholder[358]. Selters
(Sältz) wurde 1720, schon wenige Jahre nach seiner Bekanntmachung
durch den Leibmedikus ~Gundelsheimer~ verschickt, zur selben Zeit auch
Karlsbader Wasser[402]. 1603 gingen zweihundert Flaschen Spawasser
nach London, später ebenso viele nach Mantua; die Gemahlin Heinrichs
IV. trank es zu Monceaux[70]. Von Pyrmont wurden jährlich sechzig- bis
achtzigtausend Bouteillen die Weser hinab nach London geführt. Die
Engländer hatten dieses „kräftigste“ Stahlwasser in ihre Materia medica
eingeführt (1733)[343]. Um die Zersetzung mancher Wasser zu verhüten,
trieb man 1826 einen Nagel durch den Pfropf bis ins Wasser. Im gleichen
Jahre schlug ein Dr. ~Hecht~ in Franzensbad für diesen Zweck den
Zusatz von Kohlensäure durch „aufgefaßte kräftige Sauerteige“ vor[88].
[Sidenote: _Die Aachener Trinkbrunnen_]
Auch das Wasser von Pfäfers wurde im 19. Jahrhundert in größerer Menge
nach Deutschland, Italien und Frankreich versandt[419]. Man ließ also
mit vielen Kosten reines Quellwasser kommen. Ob es gewärmt getrunken
wurde, wird nicht angegeben. Dagegen trank man Aachener Wasser nur
warm. Der Badearzt ~Blondel~ schlug 1688 auch den kalten Gebrauch
vor, hatte aber schon heftige Angriffe zu bekämpfen, die sich gegen
das Trinken von warmem Aachener Wasser richteten und es „gantz von
der übung der medicin außgeruttet“ wissen wollten. ~Blondel~ selbst
bezeichnet das Trinken in Aachen als neuen Brauch. Der Magistrat
scheint kurz vorher den ersten Brunnen (Abb. 107) auf freier Straße
errichtet zu haben, was dem nicht fernliegenden Spa anscheinend
unangenehm war. Der Brunnen wurde von einem „Sprung“ (Quelle) des
Corneliusbades gespeist, das Wasser mußte gepumpt werden. ~Blondel~
schlug noch vor, wärmere Sprünge aus dem Kaiserbade in ähnlicher
Weise zu verwenden[409]. Ein zweiter Brunnen kam auch später zur
Ausführung, wenn auch nicht in der von ~Blondel~ vorgeschlagenen Art
(Abb. 108), sondern als laufender Brunnen (Abb. 109)[410]. Kurz vor
1736 bestand dieser allein noch, war aber umgebaut worden (Abb. 110)
und zwar aus den Überbleibseln des ersten Brunnens, den man abgerissen
hat. Das Standbild der Jungfrau Maria (Abb. 107) war mehr als einmal
die Veranlassung zu bitteren Streitigkeiten zwischen Katholiken und
Protestanten gewesen[263]. Während wir in anderen Bädern gleich in oder
beim Bade meist eine Röhre zum Trinken finden, mußten die Aachener
Kranken zu dem Corneliusbrunnen über die Straße gehen. Für Leute,
die an das Haus gefesselt waren, schrieb ~Blondel~ eine besondere
Verschickungsart vor. Es sollten „dupele Gläserne Flaschen“ genommen
werden mit engem Hals. Durch steinerne ginge die Kraft, in ihnen bliebe
auch der Wüst stecken. Nach der Ankunft sollten die Flaschen uneröffnet
in einen Kessel mit kaltem Wasser gelegt und in diesem erwärmt, danach
im warmen Wasser in einem Holzkübel bis zum Gebrauch aufbewahrt werden
(Abb. 106)[409].
[Illustration: Abb. 109. Neuer Trinkbrunnen in Aachen 1727. (Nieuwe
warme Fontein op alle vier Hoeken Water geevende.) Kupfer aus:
~Blondel~, Beschryving van de Stad Aken. Leiden 1727.]
[Illustration: Abb. 110. Ansicht des warmen Brunnens auf dem Markte zu
Aachen. 1. Der Brunnen, wo man trinket. 2. Der Spazierplatz. 3. Das
Herrenbad. Kupfer aus: Amusements des eaux d’Aix la Chapelle. Amsterdam
1736.]
[Sidenote: _Badebekleidung_]
Eng mit den Ansichten über den Badeausschlag hing die Bekleidung
im Bade zusammen. Es ist verständlich, daß man nach Auftreten der
Hautentzündung, die beim Karlsbader Wasser sogar zu eiternden
Geschwüren führte[350], die Körperoberfläche mit möglichst wenig
Stoff in Berührung brachte. Deswegen die so eng bemessene Bruoch
(Badehose) der Männer auf dem ~Dürer~schen Bilde (Abb. 138), wie sie
im gewöhnlichen Leben den Abbildungen nach nicht getragen wurde[L],
deswegen die von ~Poggio~ beschriebenen Hemden der Frauen, die Brust,
Schultern und Rücken frei ließen und lange Schlitze an den Seiten
hatten (Abb. 100). Vielfach erscheinen auch die Frauen mit einem mehr
oder weniger leicht umschlungenen Tuche, das häufig sogar beiseite
gelegt ist (Abb. 102). Gewiß ist die Absicht der Künstler nicht zu
verkennen, in den Badeszenen möglichst reine Akte darzustellen, wodurch
das Treiben auf den Bildern anstößig erscheint. Aber auch auf den alten
Siegeln von Baden (Abb. 52), auf dem Bild zu ~Foltz~’ Wildbädern, wo
die Geschlechter getrennt sind (Abb. 114), sitzen die Frauen nackt,
und ähnliche Darstellungen in ~Sebastian Münster~s Cosmographey (Abb.
111) wurden in einem auf der Züricher Stadtbibliothek befindlichen,
von ~Hugo von Amerongen~ im Auftrage der Inquisition korrigierten
Exemplar[351] nicht anstößig befunden, während man ziemlich harmlose
Stellen überklebte, z.❆B. das ganze Kapitel über Kaiser Ludwig den
Bayer, oder an Stelle von „Dominus Calvinus“ „Studiosus quidam“
setzte[455]. Die Männer in der Bruoch, die Frauen im Badhemd, so
befanden sich wenigstens die Armen im gemeinsamen Bad bis ins 19.
Jahrhundert (Abb. 46 u. 140). Nach ~Poggio~ legten die Männer, wenn
sie in Frauenbäder gingen, den Bademantel um. Mit diesem bedeckt stieg
man ins Bad und ging mit ihm heraus (Abb. 137). Die Glotterthaler
Badeordnung aus der Mitte des 16. Jahrhunderts schrieb vor: „Item es
sollen die Mann in jren Niderklaidern zu vnd vß dem Bad gehn, auch
die Hembder oder Badmentel, biß sie in dem Casten nidersitzen wollen,
anbehalten“[330]. Ob im 16. Jahrhundert die Frauen außerhalb des Bades
über dem Badhemd einen Bademantel trugen, wird nicht angegeben. Noch
gegen Ende des 18. Jahrhunderts schritten die Armen, Frauen und auch
Männer, in Baden aus den Gasthöfen zum Verenabade nur im Hemd über die
Straße[424]. 1819 rügte ~Wetzler~, daß auch junge Mädchen im nassen
Hemd zum Gasthof zurückgingen[370]. Beim Freibade zog man sich auf
offenem Platze aus[424].
[Illustration: Abb. 111. Mineralbad. Holzschnitt aus: ~Sebastian
Münster~, Cosmographiae universalis Lib. VI. Basel, Petri, 1550.]
[Sidenote: _Badebekleidung und Badewäsche_]
Vor dem Anlegen des Bademantels trocknete man sich im 16. Jahrhundert
wahrscheinlich nicht ab. Anders im 17. Jahrhundert. Da nahm man 1689
nach Pfäfers an Leinwand mit: „Badttücher, Badhößlein, Bad-Mäntel
drey“, als dienlich wird angegeben „1 langer Beltz oder sonst warmer
Bad-Mantel“[428], 1665 ein bis drei Badtücher oder Schürzen, bequeme
„schlaffhosen“ von Leinwand, doch mit dem Schlitz an der Seite und
anstatt des Bandes mit einem paar Haften, weil die Bänder nach dem Bad
schwer zu lösen seien, und einen oder zwei Bademäntel mit Ärmeln[456].
~Ritter~ läßt 1696 mit dem Bademantel abtrocknen und im Nachtrock ins
Zimmer gehen[M][411]. Im 17. Jahrhundert legten die Männer, wenn sie
mit Frauen badeten, auch im Bade den Bademantel um. In Österreich
war das schon im 16. Jahrhundert Sitte. Im Tobelbade bei Graz wurde
1549 verordnet: Es soll „ein Herr oder ander Person (also Mann)“,
„sonderlich, so das Frauenzimmer vorhanden, an (ohne) ain Pfaidtn mit
ainen ..... guertl umbpunden“ nicht in den Ursprung (anscheinend
Bassinbad bei der Quelle) gehen oder im Vollbad sitzen[84]. „Ayn
padphayt“ ließ sich 1428 der Propst von Klosterneuburg für 46 dn
anfertigen und kaufte in Baden bei Wien ein „femural“ für 11 dn[16].
Aus den Preisen geht hervor, daß „padphayt“ ein größeres Wäschestück
als die Badehose und wahrscheinlich der Bademantel ist. Auch hinterließ
in Wien 1413 eine Jungfer „ain welische patphait“[16]; wonach es nicht
die Badehose sein konnte. ~Zeiller~, der selbst das Herzogsbad zu Baden
bei Wien gebraucht hatte, beschreibt 1649 die dortige Badekleidung.
Junge und Alte, Edel und Unedel, Manns- und Weibsvolk saß untereinander
mit „angezogenen, vnd mit Fleiß dazu gemachten Badekleidern, Theils
seynd nur in Hembder, vnnd Schlaffhosen (siehe Anm. S. 261 u. 262)
angethan, die Männer mit bedecktem Haupt, welches sie im ein- vnd
außgehen, entblössen, vnnd neben dem Gruß, das Bad gesegnen müssen;
Das Weibervolck aber mit theils angethanen Vberschlägen, Zierd vnnd
Schmuck vmb den Kopff auf Österreichische Manier gebůtzt .... lassen
jhnen den Saum an den Badröcken, mit Bley einnehen, damit solche nit
vbersich schwimmen können“. Es wurde, wie ~Zeiller~ bemerkt, Ausschlag
gebadet[371].
[Illustration: Abb. 112. Das Herzogsbad zu Baden bei Wien. Titelkupfer
aus: Beschreibung deren Gesundheits-Bädern Baaden, Teutsch-Altenburg
und Pyrenwarth. Nürnberg 1734.]
Im 18. Jahrhundert sehen wir (Abb. 112) in Baden bei Wien niemanden
mehr in Badehosen[448]. 1758 gibt ~Moser~ folgende umständliche
Beschreibung vom „Bad-Geräthe“ für das Wildbad: „Eine Manns-Person
von einigem Stand hat ohnehin einen Schlafrock, Kappe und Pantoffeln;
brauchet also nur noch ein Bad-Hembd. Dieses machet man wie einen
fast auf die Erde gehenden Schlafrock, mit offenen, (welches besser
ist) oder mit beschlossenen Ermeln, und oben mit einem Kragen und
Knopf. Hinten werden mitten in dem Rücken 2 Bändel einer Ehle lang
angenähet, mit welchen man so dann das Bad-Hembd zuknüpfet. Weißes
zartes Tuch schicket sich nicht darzu, weil es sehr an dem Leib klebt,
und dadurch dessen ganze Beschaffenheit zeigt; sondern man nimmt
ungebleicht oder gar hänfen Tuch darzu. Weibs-Personen lassen sich
auch ein solch Bad-Hembd machen: Andere thun kein Hembd an, sondern
bedecken den Ober-Leib mit einem Capuciner-mäßigen Ober-Mantel, oder
Saloppe, so dann bedienen sie sich eines ungefüterten Unterrocks von
baumwollen Zeug oder Barchet; wiewohl Einige wahrscheinlich meinen, die
Krafft des Bad-Wassers werde durch die Dicke des Barchents mercklich
geschwächt“[332]. Nach ~Gessner~ trugen 1746 die Frauen auch Röcke
und Mäntel von Barchent „nebst“ dem Badhemd und die Männer lange,
weiße Badhemden „so als ein Schlaffrock“. Man ging im Schlafrock über
die Straße zum Bad[335]. Bei reichen Leuten waren die Badhemden mit
Spitzen geziert, und nach den Handzeichnungen ~Vogel~s von 1820 im
Schweizerischen Landesmuseum in Zürich reichten die der Frauen bis
zu den Zehen. Sie wurden nach ~Hess~’ Bericht[315] als Paradestücke
im Anfang des 19. Jahrhunderts zu den Fenstern der Gasthöfe zum
Trocknen hinausgehängt (Abb. 46), was auch in Wildbad den Badegästen
ein Bedürfnis gewesen zu sein scheint, denn die dortige Badeordnung
vom Jahre 1828 verbot das Trocknen der Bademäntel, Badehemden
und Abtrocknungstücher auf dem öffentlichen Marktplatze vor den
Badegebäuden[325].
[Sidenote: _Mitführen des gesamten Haushaltes in das Bad_]
Es wurde schon erwähnt, daß die Besitzer der Höfe in Baden (Schweiz)
den Gästen nur Wohnung und Bad zur Verfügung stellten. Man zog
allgemein, wie ~Ryff~ 1549 berichtet, mit ganzen Haushaltungen ins
Bad[48]. In Baden (Schweiz) erhielt man noch 1786 mehrere Zimmer,
eine dabei gelegene Badehalle, eine Küche und einen Keller[415]. Die
Badegäste kauften auf dem Markte in der Stadt Baden (im Bade selbst
war es verboten) Nahrungsmittel ein, kochten selbst, den Wein brachte
man von Hause mit[32]. So war es in den meisten Kurorten. In den
Beschreibungen wird fast immer angegeben, daß kein Mangel an Essen und
Trinken sei und man in den benachbarten Orten gut einkaufen könne. So
gibt ~Pictorius~ 1560 für Badenweiler die Stadt Neuenburg an[152]. 1747
konnte man dort noch selbst kochen und brachte insgemein die Betten
mit[352].
Aber schon 1485 finden wir ein Abweichen von dieser Lebensweise im Bad.
Nach der Badeordnung von Meinhardt in Württemberg aus dem genannten
Jahre war wohl das Selbstkochen gestattet, und der Wirt durfte niemand
drängen, es zu unterlassen. Man mußte aber zwei Pfennig Liegegeld für
die Nacht zahlen, wer nach dem Pfennigwert aß (die Speisen einzeln
bezahlte), nur einen Pfennig, und wer das Mahl beim Wirt nahm, gar
nichts[53]. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts konnte man in Wiesbaden
die Speisen selbst richten, in Schlangenbad litt es der Wirt nicht.
Sein Wein war aber so schlecht, daß die Badegäste ihren eigenen
mitbrachten[407]. Im allgemeinen nahm man im 18. Jahrhundert wenigstens
Betten von Hause mit, ins Wildbad noch 1832[325].
[Sidenote: _Baden ganzer Familien_]
Das Verlegen des gesamten Haushaltes in das Bad brachte Nachteile mit
sich, die trotz öfteren ärztlichen Hinweises nicht beachtet wurden. So
sagt ein Bericht aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts von Baden: „Oft
aber, wenn auch nur ein oder zwei Glieder des Hauses kurbedürftig
sind, machen die Übrigen aus Sparsamkeit die Kur mit, um nicht die
Kosten zweier Wirtschaften, einer bei Hause und einer zweiten im Bade,
zu tragen, und gehen nicht selten, nachdem sie gesund angelangt waren,
halb krank heim“[32]. Und ~Scheuchzer~ schreibt 1732: „Da werden ganze
Familien versorgt mit Zimmern, Küche, Keller, Tisch- und Bettzeug,
Holz- und Küchengeräten nebst eigenen Bädern. Großer Mißbrauch wird
damit getrieben, daß ganze Haushaltungen gleich streng, gleich lang
baden ohne Unterschied des Alters und Geschlechts. Ratet man einer
Hausmutter das Bad, so muß die Tochter, der Sohn, die Sohns-Frau und
deren Kinder die Bader-Cur auch genießen“[355]. Noch im 19. Jahrhundert
nahm man die Kinder mit in das Bad, und wie aus Abb. 113 hervorgeht,
auf längere Zeit[353].
[Illustration: Abb. 113. Familienbad zu Baden im Aargau. Kupfer
nach ~Martin Usteri~ von ~F. Hegi~ aus dem: ~Neujahrsgeschenk~ der
Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich 1808.]
[Sidenote: _Der Meistersinger Hans Foltz über die deutschen Bäder_]
Gegen 1480 wurde in Nürnberg ein Gedicht des Meistersingers und
Barbiers ~Hans Foltz~ gedruckt[37], das 1504 in Straßburg einen
Neudruck[12] erfuhr und eine poetische Bearbeitung der Baderegeln
~Petrus’ de Tussignano~ enthält, zwischen die eine Beschreibung von
warmen Bädern eingeflochten ist (Abb. 114). Uns interessieren neben
dem französischen „plumbers“ die deutschen Bäder: „baden jn der marck
grofschafft“, „ein bad bey mentz genant wißbaden“.
„Zuo Ems ein bad do selbest vmb
Wer bades halben do hin kum.
Ist mer vmb lust dan vmb gesunt.“
„Ein bad bey kalb gelegen nho.
Genant jm swartz wald dz wilpad.“
„Bey kur nit ferr ein wilbad ist.
Leyt bey sant benedicten wist.
Genant pfeffers diff jn einer krufft
Do tages licht noch windes tufft.
Gar fast wenig gemerckt wirt
Das bad wünderlich hilff gebürt
Vnd wird für vil ander gepreist.
Großer hilff halb die es beweist.
Ist fein lauter wie ein cristal.
Sie kochen vnd drincken sein all
Vor grossem wol gesmack vnd güt
Es krefftigt hertz, sel vnd gemüt.
Vnd hat nie nymant wee getan.
Dint auch eins yder complexian.
Es fleüst von lauter goldes ertz.
Nymant hat do verdriß noch smertz
Veriagt allen vnlust vnd grawen.
Dint kalt vnd heissen man vnd frawen
Dewt wol all speis dz sie nit schat
Wer den smertzen padagran hat
Mit allen den geschlechten sein
Dut es offenlich hilffe schein.
Lüfft dem gehörd dint dem gesicht
Vnd waß man sunst von flüssen spricht
Treybt auch auß all vnreinigkeyt
Die sich jm gantzen lieb auß breyt.“
„Ein bad jn zweitz zuom walles heist“ (Leuk), „bey kalb ein bad zuo
zell genant“ (Liebenzell), „ein bad bey eger zuom elnbogen“ (Karlsbad).
„Noch ist ein bad jn öbern swaben
Dut man für diese alle loben.
Hertzogen baden man es nent.
Wunsamer bad wart nie erkent.
Des lusts glich sind man jn keim bad
Von wannen jm her kum die gnad
Kunt nie kein weiser auß studirn.
Man meint dz ein sunders gestirn
Ein sülchen jnfluß do hin hab.
Das do kein freid nümer ge ab
Im herbst vnd meyen zuo vor auß.
Do wart nie zweiung oder strauß.
Von wan falck dar kumpt auß eim lant
Oder waß sprach jm sey bekant
Er sey reich arm oder ein paur.
Wie schon suptil wi grober knaur
Münsch pfaff, fürst, grof, oder frey
Von wan er kum vnd wer er sey
Wirt allß vereinet jn eim plick.
Do macht sich mancherley geschick
Von essen, trincken, tantzen, springen
Stein stossen, lauffen, fechten, ringen
Seiten spil, pfeiffen, singen, sagen.
Ein ander von vil sachen fragen.
Lib kosen halsen vnd sunst schimpfen
Künen sie ein ander alls gelimpfen.
In wisen gerten sich ermeyen.
In weld vnd zuo den prunen reyen
Nymant den andern hasset nicht
Spürn waß eclesiastes spricht.
In frölich vnd fryem gemüt.
Ein lust grünendes allter plüt.
Gedencken auch vnd sehen an.
Den spruch den spricht der saloman.
Die trauikeit mit irem gewallt
Macht mager geruntzelt allt.
Dar vmb zuo wundern ist von aln
Den dise ding also für valn
Das geistlich vnd keiserlich recht
Verpitung thun bey schweret echt.
An vil enden der welt gemein
Nit jn den wilpaden allein.
Sunder jn allen sammungen gar.
Gesündert seint der frawen schar.
Von manen auch die jungen geselen
Von jungfrawen bilden, vnd ertzelen
Manch bös vrsachen vil dar bey.
Des halb sint zuo gelossen frey.
Gemeine weib, groß zuo bewarn[N]
Dz sunst der mensch möcht über farn
Nicht sprich jch das jn disem bad
Imant gesche einiger schad.
Eren halben das sprich jch nicht.
Sunder der al ding weiß vnd sicht
Vnd durch die jnflüß der natur.
Lest würcken jn sein creatur ....
Dar vmb ob jm gemelten bad.
Sich alles folck zuo samen lad.
In fruntschaft such freid vnd schimpf
Wer wolt das als zuo vngelimpf
Als bald verkern, so doch nymant
In sülchs bis her zuo argem want
Lentlich ist sitlich hört jch ye
Des gleichen las man bleipen sy.
Denoch ist ye zuo loben bas.
Kürtzweilig freid mit mitler mas
In lib vnd früntschafft für genomen.“
[Illustration: Abb. 114. Mineralbad. Titelholzschnitt zu: ~Hans Foltz~,
Gedicht von den naturheißen Bädern.]
[Illustration: Abb. 115. Badehalle in Aachen 1736. (Die Art, wie
man sich badet.) Kupfer aus: Amusements des eaux d’Aix la Chapelle.
Amsterdam 1736.]
[Sidenote: _Vorteile der blutwarmen Bäder_]
Wir erfahren hier auch von ~Foltz~, daß Baden über alle Bäder zu loben
ist, nämlich als Luxusbad. Als Heilbad steht Pfäfers trotz seiner
unangenehmen Lage obenan.
„Vnd hat nie nymant wee getan
Dint auch eins yder complexian“,
dessen können sich nicht viele Bäder rühmen, wenn es auch für Pfäfers
eingeschränkt werden muß. Die meisten ließen nicht alle Komplexionen
(Konstitutionen) zu. Von Wiesbaden sagt ~Foltz~, daß es den Colericis
bald schaden bringe. Der Grund liegt in der Temperatur. Pfäfers Wärme
ist gleich der des menschlichen Blutes, aus demselben Grunde war
auch das Wildbad im Schwarzwald hochangesehen und viel besucht. Die
Redensart „Eben recht wie das Wildbad“ erwähnt schon ~Leucippaeus~
1598[431]. Ein Teil der Thermen war zu heiß[O] und mußte vor dem
Gebrauche abgekühlt werden — die Aachener Bassinbäder (Abb. 115)
erforderten fünfzehn bis achtzehn Stunden[409] —, andere nicht
warm genug (z.B. Liebenzell) und mußten erwärmt werden. In beiden
Fällen gelang es nicht, einen andauernd gleichmäßig warmen Strom
hervorzubringen und bei längerem Gebrauche war während des Badens ein
Zusatz von heißem Wasser erforderlich (Abb. 116). Um vieles mehr waren
die Bäder, die ganz und gar gewärmt werden mußten, im Nachteil, und ihr
Emporkommen zuungunsten anderer, z.❆B. des Wildbades, verdanken sie
zum Teil einer geschickten Reklame, die der unserer heutigen Zeit kaum
nachstand.
[Sidenote: _Bäderreklame_]
Mit dem 16. Jahrhundert beginnt eine enorm große Bäderliteratur,
meist in Buchform. Neben der eingehenden Schilderung des Bades, einer
möglichst weit zurückgehenden Geschichte, sind Verordnungen über den
Gebrauch des Bades bis ins kleinste angegeben, daneben oft zahlreiche
Krankengeschichten, natürlich nur mit Erwähnung der geheilten Fälle,
und mehreren Gedichten, die das Bad und noch öfter den Beschreiber des
Bades in der Regel als Wohltäter des Ortes oder der Menschheit preisen.
Der Wert der Krankengeschichten wird am besten durch folgenden Vorfall
beurteilt: Über Dr. ~Gessner~, den Herausgeber mehrerer Monographien
über die Bäder Württembergs, wurde in den Leipziger gelehrten Zeitungen
wegen seiner „Zaysenhauser Bad-Beschreibung“ ein „nichtallzu gütiges
Urtheil, in Ansehung der Observationum practicarum“ gefällt, „und hat
der Hr. Censor selbige in sehr aequivoquen terminis, als ein Mittel,
Pfuscher in der Medicin zu machen, angegeben“. ~Gessner~ entschuldigte
sich 1748 damit, die Observationes wären nicht seine, sondern anderer
Leute Arbeit und er habe sie selbst als unvollkommen bezeichnet.
Weder er, noch der Verleger habe sie mit gutem Willen beigesetzt, „da
es aber von andern ansehnlichen Orten expresse verlangt worden, hat
man sich dessen nicht entschlagen können, und solches als suspensam
hederam angesehen“[372]. Manche Bäder gaben auch auf einzelnen Bogen
gedruckte Empfehlungen heraus. Ein solcher von Baden in der Schweiz vom
Jahre 1619 ist 80 cm lang[322]. Antegast ließ noch 1704! ein Plakat
für seinen Sauerbrunnen aus ~Tabernaemontanus~’ Neu-Wasserschatz
abdrucken[323], der 1580 geschrieben wurde[324]. Waren die dort
niedergelegten Ansichten auch ganz veraltet, sie waren empfehlend, und
das genügte. Dazu wurde auf den Bogen statt 1580 1505 gesetzt, um den
Gebrauch des Brunnens noch ein wenig älter erscheinen zu lassen.
[Sidenote: _Das gemeinschaftlich genommene Mineralbad_]
Ein großer Nachteil erwuchs den Thermen mit indifferenter Temperatur
durch ihre Lage. Sie konnten sich nicht zu Luxusbädern entwickeln.
Das württembergische Wildbad wird zu Anfang des 19. Jahrhunderts in
den meisten Brunnenschriften, selbst in der von ~Hufeland~ in drei
Auflagen nicht einmal erwähnt[354]. Da war es ~Justinus Kerner~[325],
der 1832 warm für die Heilkraft der genannten Bäder, besonders des
Wildbades eintrat und zugleich eine Lanze, wohl die letzte, für die
alte Gebrauchsart der Bäder brach. Im 19. Jahrhundert eiferte man
gegen das gemeinschaftliche Baden in Bassinbädern und bereitete ihm
auch mit wenigen Ausnahmen ein schnelles Ende. Schon 1758 nennt es
~Moser~ (Wildbad) für manche scham- und ekelhafte Personen einen der
allerbeschwerlichsten Punkte[332]. ~Hottinger~[373] wußte 1702, daß in
Baden in der Schweiz der weiße Fluß der Frauen nicht nur vertrieben,
sondern auch erworben wurde und nicht nur durch zu heißes Baden,
sondern auch durch Zusammenbaden mit Leuten, die damit behaftet waren.
Auch ~Scheuchzer~ hebt es 1732 hervor[355]. Die alten Ärzte gingen
darüber leicht hinweg. ~Leucippaeus~ sagt 1598 vom Wildbad, es säßen
viele beieinander „als in einer Kirchen oder Keller“, keine Ansteckung
erfolge durch den anderen, „dieweil des wassers natur nichts vnreines
annimt“[431]. Im 19. Jahrhundert mehrten sich aber die Stimmen, die
eine Ansteckung annahmen, dazu kamen andere, die auf eine Gefährdung
der Sittlichkeit hinwiesen[370]. Auch das Wildbad konnte nicht mehr
zurückbleiben und führte Wannenbäder ein[P]. ~Justinus Kerner~s Stimme
verhallte umsonst. Die Zukunft zeigte, daß Wildbad recht daran getan
hatte; denn schnell kam es zur Blüte. ~Kerner~s Auffassung ist so
eigenartig, daß ich sie widergebe:
[Sidenote: _Justinus Kerners Eintreten für das gemeinschaftliche Baden_]
[Sidenote: _im fließenden Mineralwasser_]
„Vor vielen Bädern und namentlich auch vor dem benachbarten Baden
haben die Quellen des Wildbades auch das voraus, daß zu ihnen nicht
leicht jemand wandert, der nicht wirklich erkrankt ist, oder der nur
der Welt und ihrer Lust fröhnen will. Zum Glücke ist hier die Natur
so sehr von Granit, daß sie den Bestrebungen der Menschen, sie den
Wünschen der verweichlichten Menge mehr anzupassen, stets widerstrebt.
Hier sprudeln einzig Heilquellen, hier sind keine Farobänke, keine
Schauspielhäuser, keine üppig besetzten Tafeln. Wer den Tumult der
Menge liebt, wen nur die Langeweile aus der gewohnten Lage treibt,
wer meint, er müsse jährlich in ein Bad, weil es die Mode so will,
der bleibe doch, um Gottes willen! fern von dieser, nur dem Kranken
geweihten, Stätte, sie würde seine Langeweile, seine Leere nur
vermehren. Zu diesen segenvollen Quellen aber komme der wirklich Kranke
mit Liebe und Vertrauen, und hält er sich hier an die so einfache,
unverweichlichte Natur, richtet er seine Lebensweise dieser gemäß
ein, wird er auch Heilung oder Linderung seiner Leiden finden. Der,
dem es Ernst ist, hier zu gesunden, der nicht bloß mit diesen Wassern
sein Spiel treiben will, der hat vor allem zu bedenken, daß nur eine
einfache Lebensweise, kräftig und naturgemäß, der stillen und einfachen
Größe der Natur dieses Heilorts entspricht. Mit Betrübniß muß man
sehen, wie solche Stätten, die die Natur einzig zur Heilung kranker
Körper bestimmte, so oft zu ihrer Vergiftung, durch die unnatürliche
Lebensweise an ihnen, mißbraucht werden. Noch scheinen, besonders auch
in den Bädern unseres Vaterlandes (was hauptsächlich aber auch noch
in dem benachbarten Baden-Baden der Fall ist), die Tafeln der Wirte
die Hauptsache zu sein, die Quellen die Nebensache. Ahme man doch hier
Bäder des Auslandes von größtem Rufe nach, wie z.❆B. das Marienbad,
das Karlsbad, wo die Wirtstafeln den Quellen, die Wirte den Ärzten,
untergeordnet sind .... Hört man doch meistens auch die Esser, die von
solchen übervollen Tafeln mißmutig und träge aufstehen, im Gefühle
ihrer Übersättigung, dem Wirte zum Danke, noch über alles, was sie
gegessen, nur schimpfen! Dem war die Trüffelpastete zu wenig pikant,
jenem das schwarze Wildbret als zahmes verdächtig; der schimpft, daß
der Aal in zu kurzen Stücken aufgeschnitten, und jener, daß die Gans
nicht mit Kastanien gefüllt gewesen, und wieder ein anderer meint,
daß er das Alles da oder dort um die Hälfte des Preises wohl besser
und reichlicher gefunden habe .... In diesen Bädern des Wildbades ist
keines Menschen Nachhülfe nötig, weder kaltes noch warmes Wasser wird
mühsam in diese Bassins getragen (Vgl. Abb. 116), ganz so, wie der
Wärmegrad dem oder jenem Körper am angemessensten ist, als hätte die
Natur diese Quellen zu nichts anderem, als zur Heilung kranker Körper,
von Anbeginn bestimmt (man kann nämlich mit diesem Wasser weder Hühner
noch Schweine brühen) steigen sie aus der geheimnißvollen Werkstätte
wohlthuender Geister herauf. Die lebenerweckende, gleichförmige
Verbindung dieses Wassers mit Wärme kann, glaube ich, kein Thermometer
so schön darthun, als das Experiment sie darthut: daß Hühnereier
beinahe zum Ausbrüten in ihm gebracht werden können. Neben diesem
immer gleichen Temperaturgrade haben die Bäder des Wildbades wohl
auch noch diesen Vorzug, — daß ihr Wasser ein lebendiges fließendes
ist. Wer in diesen Bädern badet, der badet in einem natürlich warmen
Flusse: denn dieses gerade aus seinen Felstiefen entsprungene Wasser
ist über dem reinen Flußsande in beständiger Bewegung, in einem
beständigen Ab- und Zuflusse. Der Badende sitzt umwallt von immer
sich bewegenden, krystallhellen, lebendigen Quellen, die soeben das
Licht des Tages begrüßen, umspielt von dem unaufhörlich unter ihm in
großen Blasen aufperlenden mit Wasserdämpfen geschwängerten Gas. Ein
solches Baden verdient in Wahrheit erst ein Baden genannt zu werden.
Wie arm und höchst notdürftig (auch bei seiner geringen Wassermenge)
ist dagegen jedes Zuberbad, das Röhren oder Menschenhände von seiner
Geburtsstätte tragen, mit kaltem Wasser vermischen, das in toten
Gefäßen gebunden steht und bei dem das Thermometer immer beschäftigt
ist, eine gleichförmige Wärme anzuordnen, die doch bei aller Sorgfalt
nicht erhalten werden kann! .... Das gemeinschaftliche Zusammenbaden
trägt auch vieles zur Unterhaltung bei, man spricht gemeinschaftlich
über die Gefühle im Bade, über seine Wirkung; der Hypochondrist vergißt
seine Grillen; der Gichtkranke seine Schmerzen; der an der Heilung
schon fast Verzweifelnde schöpft neuen Mut und neue Hoffnung, indem er
einen Andern die wohlthätige Wirkung des Wassers preisen hört .... Die
Bäder des Wildbads sind, wie schon öfters gesagt, warme Flüsse. Somit
vereinigt sich in diesen Bädern, als in einem Brennpunkt, alles, was
je ein kranker Organismus von der Heilkraft eines reinen, lebendigen
Brunnquells und einer immer gleichen Naturwärme zu erwarten hat. Und
wie ein schöner Frühlingstag, an welchem das Licht der Sonne im Bunde
mit dem reinsten Äther uns umströmt, fachen sie selbst im Greise wieder
neues Leben und frische Jugend an. Harmonisch, ungetrübt und wohlthuend
ergießen diese frommen Nymphen ihre Wasser, und Segen werden sie gewiß
auch dem bringen, der die Stufen ihrer Tempel mit Liebe und Glauben
betritt.“
[Illustration: Abb. 116. Mineralbad aus dem Ende des 17. Jahrhunderts.
Gleichzeitige Radierung im germanischen Museum zu Nürnberg.]
„Der Wasser gute Geister singen
Hier aus krystallnen Tiefen laut:
„Bald werden Dem wir Heilung bringen,
Der liebend unsrer Kraft vertraut“.
Wie Lenzeshauch wird’s Dich durchbeben;
Frag’ nicht, wie diese Kraft man heißt;
Du kehrst ein neuer Mensch ins Leben
Und sprichst: Das that des Wildbads Geist!“
Nach diesen Ausführungen ist es verständlich, wenn ~Kerner~ das
Zuberbad von Wildbader Wasser nicht mehr ein Baden im Wildbade nennt
und die zu seiner Zeit errichteten Badekufen nur für warme Bäder mit
Zusätzen von Steinsalz, Schwefelleber, Sublimat und aromatischen
Kräutern gebraucht wissen will[Q].
[A] Um Wiederholungen zu vermeiden, ist auch die nachmittelalterliche
Zeit einiger Mineralbäder hier gleich besprochen worden.
[B] Die Unterschrift lautet: „Die fissirung Jst nit die recht groß
sunder Ein meinung dor vonn man muß den prunnen vnd Berckwerck nach
machenn Bey maister pancraz findt man wol aller ley gattung dor zue
nur das man dor noch fein zusamen richt vnd ordennir.“ ~Konrad Lange~
identifiziert den Meister Pancraz mit Pancraz Labenwolf und nennt
die Zeichnung den „Entwurf zu einer bronzenen Brunnenverzierung,
die offenbar bestimmt war, in der Werkstatt Labenwolfs ausgeführt
zu werden“. Diese Mitteilung verdanke ich der Generalverwaltung der
königlichen Museen in Berlin durch Herrn von Loga. Von ~Pancraz
Labenwolf~ († 1563) stammen in Nürnberg der Gänsemännchenbrunnen und
der Brunnen im alten Hofe des Rathauses.
[C] Omnes de circo, de theatro, de stadio, et omnibus locis et
balneis, meretrices collegit in aedes publicas, et apud eas concionem
habuit quasi militarem, dicens eas commilitones, disputavitque de
generibus schematum et voluptatum. Ael. Lampr. Heliogab. 25. in
Script. Hist. Aug. (Lips. 1774) p. 194.
[D] Verenda et nates, sagt der geistliche Begleiter eines Papstes auf
ein Conzilium ohne alle Umstände.
[E] Von ~Pantaleon~ wird sie 1578 nicht erwähnt[35]. ~Hess~, der
sie genau untersuchte, verlegt ihre Entstehung in die erste Hälfte
des Mittelalters. Die Heilige war mit Laugenkrug und Strehl (Kamm)
dargestellt[315]. So findet sie sich schon auf einem Bild in der
Klosterkirche zu Kappel aus dem 14. Jahrhundert[345]. Durch diese
Attribute hat sie in der Volkssage vieles gemeinsam mit Frau Holle.
Stäfa am Zürichsee führt ihr Bild, auch mit Krug und Kamm, heute
noch im Wappen. Hier soll die Heilige der Legende nach den Armen
viel Gutes getan und den grindigen Kindern die Köpfe gereinigt und
gekämmt haben. Sie heißt heute noch „Vreneli mit dem Strehl“. Ihr
waren in der Gegend zwei Kapellen geweiht, von denen uns die eine
„in den Wannen“ auf der Berghöhe gegen Ötweil zu interessiert. Sie
lag bei den Quellen des Wannenbades, von welchen noch kurz vor 1818
Überbleibsel zu sehen waren[315]. Dies war einst weit berühmt. 1538
besaß Peter Wysling von Ötweil „zu Eigen das Kilchli mit sammt dem
Bad genannt in der Wannen“. Das Kirchlein führte den Namen „zur
heiligen Jungfrau zur Wannen“[86]. Gegen 1768 wurde das Bad nach
längerem Nichtgebrauche wieder eröffnet[419] und blieb bis in die
siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts in Benutzung. Später leitete man
das Wasser tausend Fuß weiter in die Krone zu Oberhausen, die 1842
einging[86]. In der Krone wohnte ~Goethe~ während seines Aufenthaltes
in Stäfa.
[F] In einem Fastnachtsspiele heißt es:
„Ich han dich wol in großen eeren gsehen,
Es ist iez by siben jaren bschehen,
Zuo Zurzach an dem huorendanz:
Darumb so treist du wol ein kranz;
Dann da warend mee dann hundert huoren,
(D)ie do all am danz da umbher fuoren;
(Do) hast du da den gulden gwunnen,
(Den) man der hüpschisten solt gunnen,
(Den) der vogt von Baden gibt denn zmal
(Der) hüpschisten in der huorenzal,
Die denn zuo mal uff der Wißmatten sind“[12].
[G] ~Lersch~[70] gibt die Zahl der Kurgäste 1480, als Markgraf
Christoph dort badete, auf dreitausend an. Wie aus einer späteren
Stelle bei ihm hervorgeht, liegt eine Verwechslung mit Baden-Baden
vor.
[H] Die Ausschlagkur in Karlsbad wich überhaupt von der in anderen
Orten ab. Nach Dr. ~Fabian Summer~ (1571)[347] biß das +laue+ Bad
die Haut auf, das +warme+ heilte sie zu. In ersterem wurde bei
täglichem Zunehmen mit der Badezeit bis zu zehn oder zwölf Stunden
gestiegen. War die Haut aufgebissen, schlug ~Summer~ vor, einige
Tage mehrmals eine Stunde lang in wenig wärmerem Wasser zu baden,
so lange die Haut offen sei, darauf mit der Temperatur, aber auch
wieder mit der Badezeit zu steigen, bis die Haut „widerumb zusammen
wachse, gantz vnd fest möge werden“. Wie weit es sich um wirklich
bestehenden Gebrauch oder um Vorschläge ~Summer~s handelt, läßt sich
nicht entscheiden. Jedenfalls ist ~Summer~ im Irrtum, wenn er glaubt,
die Ausschlagkur sei eine „gewonheit“ nur Karlsbads gewesen, ja
sie erscheint nach seinen Auseinandersetzungen dort nicht als eine
allgemein geübte Badeart, sondern mehr als eine Ausnahme, zu der
namentlich die „Creusin-Quelle“ benutzt wurde, die deshalb den Namen
„Fresser“ erhalten hatte. Als der Nürnberger Kaufmann Paumgarten 1591
in Karlsbad über vierzehn Maß Wasser getrunken hatte, wollte der
Doktor, er solle alle Tage zweimal und je ein und eine halbe Stunde
(!) nicht über dem Nabel im Wasser sitzen[248].
[I] Ausbaden heißt auch die Badezeit eines Tages oder auch die ganze
Kur beenden.
[J] ~Wetzler~ berichtet 1819, daß er zu Baden (Schweiz) vergeblich
Ausschlag baden wollte[370].
[K] ~Rem~ badete aber im Wildbad 1525 und 1529 bei jeder
Kur hundertsiebenundsiebzig, 1521 in genau vier Wochen
hundertzweiundsechzig Stunden[265].
[L] Die Bruoch war ein Kleidungsstück, das mit den Hosen, unseren
heutigen Hosenbeinen, zusammen der jetzigen Hose entspricht. Gut
sichtbar ist diese Bekleidung im mittelalterlichen Hausbuche[150].
Die Bruoch wurde auch, wie aus Darstellungen plötzlicher nächtlicher
Flucht in den Bilderchroniken hervorgeht, im Bett anbehalten, wodurch
der Ausdruck Schlafhose verständlich wird.
[M] Es scheint, daß die Badetücher oder Schürzen die Bedeckung der
Frauen während des Bades im Gegensatz zu den Bade- oder Schlafhosen
der Männer waren und man sich mit dem Bademantel abtrocknete, worauf
man in einem warmen Bademantel oder Schlafrock das Bad verließ.
[N] Diese Auffassung — Frauen und Jungfrauen zu bewahren — war im
Mittelalter die Begründung für die Zulassung der öffentlichen Frauen
(siehe S. 249).
[O] ~Foltz~ sagt von Baden-Baden:
„Wer jn sein flüß weich eyer leg
Die sint dar jn gesoten schier“.
Man verwendete auch praktisch die hohe Temperatur. Eine der
Quellen in Baden-Baden wurde 1606 zum Brühen von Hühnern, Vögeln
und Schweinen benutzt und danach „Brühequell“ genannt[362]. Auch
~Klüber~ erwähnt ihn und seinen Gebrauch 1810[405]. Mehrere derartig
benutzte Quellen, die als Schöpfbrunnen gefaßt waren, lagen bei
Burtscheid[409]. In Abb. 144 ist das Brühen der Tiere neben dem
Karlsbader Sprudel dargestellt.
[P] Nach ~Leucippaeus~ wurde 1598 in Baden-Baden im Gegensatz zum
Wildbad nur in Kästen gebadet[431]. Sie müssen aber sehr groß gewesen
sein; denn ~Ryff~ sagt in seiner Übersetzung zum Vitruv, daß unter
Labrum nicht Kasten mit Wasser zu verstehen seien, wie man sie zu
Wiesbaden und Markgrafenbaden habe. Dort seien sie mit Lehnen und
Geländern versehen, daß man den Badenden zuschauen mag[466]. In
Gastein führte man 1804 die großen Gesellschaftsbäder an Stelle
der Wannenbäder ein, und hier wurde dies als zweckmäßige Neuerung
begrüßt. Seit dieser Zeit hob sich der Verkehr in Gastein, zum Teil
lag dies aber auch daran, daß die Kurgäste von da ab nicht mehr in
den hölzernen Wohnhäusern (Abb. 121) Herberge nehmen mußten[344],
die dann nach und nach verschwanden und zum Leidwesen manches
Verehrers von Gastein modernen Steinbauten im Stile der Renaissance
Platz machten, so daß 1858 der Maler ~Steinfeld~, von Rotschild zur
Anfertigung eines Gemäldes aufgefordert, erwiderte: „Das kann und
will ich nicht“[452]. Nach ~Wetzler~ badeten 1819 die Geschlechter zu
Baden bei Wien, Gastein und Leuk gemeinsam. Einige Jahre vorher war
in Baden bei Wien das gemeinschaftliche Baden verboten worden, allein
das Verbot mußte auf Vorstellung der Einwohner zurückgenommen werden,
da die Bäder unbesucht blieben[370].
[Q] ~Kerner~ macht an mehreren Stellen seinem Ärger über die neu
errichteten Wannenbäder Luft. „Das gemeinschaftliche Zusammenbaden
in diesem naturwarmen lebendigen Flusse und das Baden in
stagnierendem Wasser in einer Kufe verhält sich zu einander wie ein
gemeinschaftlicher Spaziergang in lebendiger freier Luft zu einem
einsamen Sitzen in einer verschlossenen Stube.“ Und doch übertreibt
~Kerner~. Nach der Badeordnung von 1828, die ~Kerner~ selbst bringt,
erneuerte sich das Wasser in den Badewannen beständig.
DIE GESUNDBRUNNEN IN NACHMITTELALTERLICHER ZEIT / BIS ZUM
DREISSIGJÄHRIGEN KRIEGE[A]
Sehen wir von ~Hans Foltz~’ens Gedicht über die Wildbäder ab, so
beginnt die deutsche Bäderliteratur zu Anfang des 16. Jahrhunderts,
zuerst mit einigen Monographien über Baden bei Wien, Karlsbad, Wildbad,
Baden in der Schweiz; dann folgt das erste zusammenfassende Buch, der
Traktat der Wildbäder von ~Laurentius Phries~, der freien Kunst und
Arznei Doktor, gedruckt zu Straßburg 1519 von Johannes Grieninger[420],
1538 abermals von Bartholomäus Grieninger[676] und zum dritten Male im
16. Jahrhundert zu Straßburg bei M. Jacob Cammer Lander von Mainz[47].
[Sidenote: _Baderegeln von Laurentius Phries_]
~Phries~ fühlte sich nach der Vorrede bewogen, sein Buch zu schreiben,
weil wegen unvernünftigen Gebrauches der Bäder oft großer Schaden
erwuchs und glaubte durch sein Traktat mehr zu nützen „dann andere
quotlibetische bücher, so man yetz und in tütsch der artzny zůschreibt,
wie dann sunderlichs yetzund einer zůsamen gefügt hat widertige
subiecta, dz ist hilff des menschlichen leibs vnd die lollbrüdery wie
man den sterbenden vor betten sol“. Er rechtfertigt sich, daß er das
erste derartige Buch in deutscher Sprache schreibt. „Wiewol etlich
möchten sprechen das es gnůg wer so es die gelerten wissten, welches
doch nicht ist, vrsach das der gemein nicht fůglich mag gehaben die
gelerten, oder zů zeiten so vngehobelt das er nicht achtet rats zů
pflegen. Auch anderer vrsach halb hie nit not zů erzalen.“
Andere die deutschen Bäder behandelnden Werke ähneln sehr dem von
~Phries~. Eine selbständige Stellung nimmt das von ~Paracelsus~[374]
ein. Die Baderegeln, welche ~Phries~ gibt, sind die von ~Petrus de
Tussignano~ und nur weiter ausgeführt. Vor der Abreise soll man nach
dem Rat eines gelehrten Arztes den Leib durch Purgieren und Aderlassen
reinigen. Dann fährt man ins Bad, wo man sich nach folgenden Regeln
verhalten soll:
„So du nun auß angezeugter ler verfasset hast ein bad dir dienende,
auch den leib nach rat darzů bereitet. Ist auch not das du wissest wie
du dich haltenn sollest so du wilt baden, welliches ich dir anzeigen
will durch ettliche nachfolgende regulen.
Die erst ee du in ein bad ziehest soltu schauwen das dein seckel
geladen sei mitt gold vff das du mögest halten zimliche ordnung. Wann
so bald das gelt ein ort hat, so hat auch die ordenung ein ort.
Die ander regul, so du in das bad kummest solt du nicht eilends streng
baden, sunders von tag zu tag ein stund zůgeben.
Die drit regul, so du in hitziger zeit zů baden bist, das du nit badest
wann die hitz groß ist, sunders morgens frů vnd abents, wann von hitz
der zeit vnd hitz des badens würden die leib zů hart eroffnet vnnd
geschwechet.
Die fierd regul, die stund so du baden wilt sol sein die stund so die
sonn vffgat, oder wennig daruon, wann zů der selbigen stund die sonn zů
dem weitesten von vnserm halbteil des circuls gesetzt ist.
Die fünfft regul, wan du in das bad gon wilt solt du dich vorhin
reinigen von vberflüssigkeiten der stůlgeng, des harns, der speichelen
u.❆s.❆w. wann du also in das bad giengest, würden die vberflüssigkeiten
gezogen in die schwachen glider, vnnd darinnen machen verstopffungen
vnnd geschwer, darumb ein yeglicher badender oder der da badet sol
lůgen vnnd achtenn das er gereiniget sei durch die natur oder von kunst.
[Illustration: Abb. 117. Titelholzschnitt von E. Schlitzoc (?) zur
ersten Ausgabe von: ~Laurentius Phries~, Traktat der Wildbäder.
Straßburg, 1519.]
Die sechst regul, die weil du in dem wasser sitzest, so solt du weder
essen noch trincken, vnnd dis ist wider den gemeinen bruch der bad
gesellen. Vrsach warum man nit in dem bad essen sol, ist dz die speiß
oder tranck eintweders hitzigend vnd darzů auch warm sein, deßhalb sie
dann die hitz des badens merent vnndleichelichen von dem bad in dem
magen faul werden. Oder sie hitzigend vnd seind kalt wie kalter wein,
darumb dann von der selbigen keltin gehindert würt die wirckung des
bades vnd nicht eroffnet das da eroffnet solt werden. Auch so tringet
die selbig speiß oder trank von wegen der hitz so sie in irer macht
hat in die engen weg des leibes, welliche von dem bad eroffnet seind,
vnd macht darinnen böße verstopffungen. Oder villeicht seindt die
speiß oder tranck warm vnd kulent doch in irem gwalt welche dann auch
leichtlichen in füle verkert werdendt, mitsampt hinderung der wirckung
des badens so sye dann thůnd.
Die sibend regul, einer der da ist heisser vnd truckner complexion,
mitt einer dünnen haut vnd subteilen füchten, der schwach ist von
geburt oder der zeit, sol sich hüten das er nicht lang bade vnnd sich
nicht hart reibe, wann zů förchten ist in solichem ein böse resolucion
geschehen möcht.
Die achtend regul, wann du auß dem bad gast, so solt du dich wol
bedecken mitt weißen tüchern das der lufft nicht an dich gange, wann
der lufft ist zů vil kalt in vergleichung gegen der wörmin des bades,
so ist der leib ietzund dünn gemacht vnnd eröffnet von wegen der
verzerung der glider füchtin vnnd geist, darumb dann schedlich wer daz
der lufft gienge in die tieffe des leibs.
Die nünd regul, so du nun auß dem bad gegangen bist so solt du dich
legen in ein bedt wol zůgedeckt, vnnd solt dann also schlaffen vnnd
schwitzen, wann durch die rů vnnd den schlaff, so stillet sich die
vffledigung, vnnd erholendt sich widerumb die seelischen geist, vnnd
würt auch hingethon die müde. Auch so seind vil vberflüssigkeiten
subteil gemacht von der hitz des bades vnd gezogen in dem vmbkreiß des
leibs, welche dann durch den schweiß vßgeschlossen werden, dauon der
leib erleichtert würt.
[Illustration: Abb. 118. Titelholzschnitt zur dritten Ausgabe von:
~Laurentius Phries~, Traktat der Wildbäder. „Eyn new Badenfart.
Wildt Bäder L. Friessen“. Straßburg, Jacob Cammer. Mitte des 16.
Jahrhunderts.]
Die X. regul, ee das du issest soltu dich ein weil etwz üben mit hin
vnd her gon vff dz die tempff vnd windikeiten so von des bades hitz
erhebt seind vßgetriben werden. ob du aber so schwach bist dz du nit
gon magst, so laße dir deine glider senfft reiben mit einem warmen
thůch. Vnd so du dis auch nit leiden magst von wegen schmertzens der
glider, oder du villeicht geschwer daran hast. So nym vor essens ein
suppositorium, das ist ein zepflin, welches gemacht sei von honnig vnd
mangolt wurtzel, oder von violwurtz, oder vonn gesaltzenem speck.
Die eilfft regul, so du nun diße ding alle volbracht hast, so solt
du dann essen vnnd trincken speiß vnnd tranck zimliches wesens vnnd
zimlicher vile. So ich sprich zimliches wesens so solt du verston
speiß vnnd tranck welche nicht zů vil heiß vnnd trucken, hart vnd grob
seiend, oder zů vil kalt vnnd feucht schleimerig vnnd weich, welche
alle der douwung widerstrebend, vnnd ietzund die hitz des magens vonn
wirckung des bades geschwecht. Auch so ist not das die speiß vnnd
tranck seiend mittelmäßiger narung, vnd leichter durch tringung zů den
glidern vnnd darumb so soll der bader brot sein, wol gehefelt vnnd
wol gebachen, nicht vber zwen tag alt. Ir fleisch sol sein kitzin,
kalb, ieriges lambfleisch, oder von cleinen iungen vögeln, nitt von
wasserfogeln. Vnd gewild mögend sie essen frischling, hasen, künglin.
Item sie sollendt auch meiden milch ist sich das die vrsach, das sie
leichtlichen sauer würt in iren mägen. Doch so mögend die so gewon
seind milch zů essen wol bruchen süße milch die nüwlichen gemolcken
ist, nach anderer speiß ein wennig nüwes keß ist inen auch zůgelassen.
Von eyern mögend sie essen nach irem willen on allein so sie hart
gekocht seind. Die kůchen vnd gebächtns der pfannen seind inen auch
nicht bequem oder gůt.
Sie sollend auch meiden alle gemüß außgenommen rot erbißen, vnd gersten
mitt fleischbrüe gekochet.
Von früchten wennig, wann sie leichtlichen in iren magen faulend. Von
wolriechender specery, yngber zymmet vnnd muscatblüet, vnnd die andern
gar wennig. Fisch welche schüppig seind vnnd in steinigen wassern
gefangen, seind inen bequem. Ouch so sol al ire speiß ein mittel haben
zwischend süßem vnnd sauerem geschmack, nicht scharpff sein als zübel,
knoblouch, pfeffer, senff, auch nicht sauer als vnzeitige frucht.
Sie sollen trincken subteilen wolriechenden weissen wein, nicht zů
vil starck noch tempffig, sollend meiden alles wasser, wann so die
glider außgelert vnnd erhitziget seind, möchte das wasser leichtlich
dareyn tringen vnnd gezogen werden in die außern glider, dauon dann den
neruischen glidern dem haubt, der brust, den beinen, vnnd dem marck
grosser schaden entsteen möchte, wie dann Hipocrates apho. part. V.
anzeuget. Ich hab auch oben gesagt das die bader die speiß vnd tranck
sollend nemmen in zymlicher maß. Vrsach so sye die aller edelsten
speiß zů vil auff ein mal nemend, möcht die selbig nicht verdöwet
vnnd recht gekocht werden, dhweil die hitz der glider von wirckung
des bades geschwechet ist. Nemmend sie aber minder dann billich speiß
vnnd tranck, so möchte nicht beschehen widerlegung der verzerten
vnnd verlornen feuchte, daruon dann die glider mer getrencket oder
beschwechet würdent.
Die zwölfft regul, so du das mal genummen hast so solt du nicht in das
bad gon ee sechß stund vergangen seiend, wann so du badest dweil die
speiß noch nicht verdouwet, so würt sie gezogen in die leber vnnd ire
adern, vnnd macht darinn verstopffung vnd böße bresten. Vnnd diser
mißbruch beschicht, sunders vil vrsach das die groben in schneller yl
außgericht wöllendt sein.
Die dreizehend regul, du solt meiden das werck der liebe dweil du
badest, vrsach das sunst vil feuchte eröffnet vnnd verzeret würt durch
das bad. So würt auch durch diße werck verzert die vberflüssigkeit
der letsten narung welche vil nütz ist, wie dann bezügt Auicenna. XX.
tertii. u.❆s.❆w.“
Darauf folgt die Angabe von Arzneimitteln gegen die übelen Zufälle
im Bad, nämlich gegen Schlaflosigkeit, großen Durst, Kopfschmerzen,
Verstopfung, Schweißausbrüche nach dem Bad, „brunst vnnd stechen des
harnes“, gegen „ein fluß von dem haubt herab fallende vonn wegen
der materi des hirnes so die hitz des bades geschmeltzet hatt“ und
Appetitlosigkeit.
[Sidenote: _Baderegeln von Phries / Leucippaeus / Mechinger / Sytz_]
Interessant ist, daß ~Phries~ an Stelle der Bewegung nach dem Bade
bei gelähmten Gliedern die Massage setzt. Auch ~Leucippaeus~ will
1598, daß Lahme und die, welche keine besondere Leibesübung wegen
Unvermögens haben können, sich vor oder nach dem Essen, wenn sie noch
nicht ausgeschlagen sind, „an den Händen vnd Füßen, auß vnd abwerts, ad
exteriora membra, sich streichen vnd reiben lassen, damit überflüssige
Dämpfe auch verzehrt durch solche Fricationes und als eine natürlich
Hitze artificiali modo in ihnen erweicht werde“[431]. Nach ~Mechinger~
(1513) sollen im Wildbad die mit lahmen und zitternden Händen und
geschwollenen Gliedern auch im Bade die Glieder mit dem am Boden
liegenden Sand reiben[346]. Gegen Schlaflosigkeit gibt ~Leucippaeus~
1598 im Gegensatz zu den sonst gebräuchlichen Arzneimitteln an, vor
dem Schlafengehen die Füße erst mit warmem Wasser, darnach mit kaltem
zu waschen und die Füße im Bett nicht zuzudecken[431]. Bei im Bad
auftretendem Fieber (gemeint sind Wallungen) läßt ~Sytz~ 1516 an Stelle
des Mineralbades ein Bad aus Brunnenwasser setzen, frischen Landwein
mit Gerstenwasser gemischt trinken, im Bett schlafen und schwitzen und
nach dem Erwachen massieren. Wäre aber das Fieber nicht ein solches
schlechtes (gewöhnliches), sondern ein böses, „so soll der selb stracks
onuerzogen vßgän, vnd aller bäder müssig stän, oder empfacht darumb
sein lon“[375]. Bei starkem Nasenbluten im Bad wollen ~Sytz~ (1516) und
~Mechinger~ (1513) nach Versagen von großen trockenen Schröpfköpfen
auf den Bauch „arm vnnd füeß mit sailen vnnd selbennden, (Salbenden,
Tuchleisten) von tuch hart binden, vnnd etwan vff laßsen vnd wider
binden (~Sytz~ nur einseitig), vnnd so man die brüst inn frawen vnnd
die hochbelg inn mannen auch alßo bindet ist so vil dester stercker“
(~Mechinger~). Beide empfehlen noch, die Nasenlöcher mit „Maißelin“ von
altem leinenen Tuch genetzt mit frischem Saft gedrückt aus Eselsmist
oder, wenn man den nicht haben kann, aus Schweinsmist, zu verstopfen.
Die wirken nach ~Mechinger~ sicherer als die sehr kalten Dinge, die
etliche außen und innen gebrauchen nach Sag der Lehrer. Bei Ohnmachten
und Schwindel im Bad schlug ~Fabricius Hildanus~ vor, die Zehen über
das Bad hinaus zu erheben, was nach Aussage des Badearztes ~Petrus de
Spina~ 1593 in Aachen mehrfach mit gutem Erfolg vorgenommen wurde[101].
[Sidenote: _Der Name Wildbad_]
~Phries~ zählt die ihm bekannten Wildbäder im hohen (oberen)
Deutschland auf: „pfeffers, plumers (Plombières), baden in Eidgnossen,
Wildbaden, marckgraffen Baden, Zellerbad (Liebenzell), Göppingen
vnd Ow, Emps ob Constantz, das wasser in der vorstat zů Vberlingen,
Gebersweiler und bad bei Oppenow. Darunter befinden sich auch kalte
Sauerbrunnen, die ~Phries~ also zu den Wildbädern zählt. ~Folz~
rechnete nur die Bäder, die von Natur heiß sind, dazu, ebenso
~Ryff~[48] und ~Pictorius~[152]. Aber auch das „Wildbad“ zu Nürnberg,
in dem Michel Beham 1499, 1500 und 1502 badete[210], das Wildbad zu
Roigheim (1476)[61] mußten gewärmt werden. Der Name Wildbad für das zu
Nürnberg leuchtete schon im 18. Jahrhundert nicht recht ein. ~Roth~
schreibt 1792: ~Cardilucius~ suchte den Namen Wildbad zu erklären und
meinte, das Wasser heiße so, weil es im Vergleich mit anderen süßen
Wässern gleichsam ein wildes, das ist von selbst und ohne besonderen
dazu angewandten Fleiß entstandenes Wasser sei, dahingegen jene in
ihren Quellen gesucht und durch Röhren, Rinnen und Wasserleitungen
geleitet werden müßten. Ein Dr. ~Schoder~ wollte nicht gestatten,
daß man dieses Wasser thermas ferinas nenne, sondern behauptete,
daß wild hier soviel wie unecht heiße[195]. Unter wildem Wasser
verstand man stets gewöhnliches Quellwasser, dessen Zufluß man von
den Mineralquellen, manchmal unter großem Kostenaufwand, fernzuhalten
suchte. Beide Erklärungen sind so gezwungen, daß man annehmen kann,
im 18. Jahrhundert hatte der Ausdruck Wildbad eine andere und schon
die heutige Bedeutung: natürlich warmes, in wilder Gegend gelegenes
Bad. Nach dem Gedicht auf die Bergtheimer Schlacht (1400) war das
Wildbad ein unter freiem Himmel gelegenes[49]. ~Konrad von Megenberg~
(gest. 1374) sagt, es „nimpt auch das wasser sere seinen geschmack von
dem geschmeid vnd auch von dem schwefel die man die Wildtbad nennet,
daruon dasselb wasser fleußt durch brennendes schwefenlichs erdtrich
daruon das wasser heyß wirt vnd stinckt“[429]. Die Annahme, daß die
Thermen Schwefel enthielten, gründete sich auf dessen Vorhandensein
in einigen derselben, woraus man schloß, der Schwefel müsse sich in
allen vorfinden und bewirke die Wärme. Obwohl für Pfäfers nachgewiesen
war, daß das Wasser keine mineralischen Bestandteile enthalte, konnte
man sich im 18. Jahrhundert noch nicht entschließen, den Schwefel als
Bestandteil fallen zu lassen und folgerte sein Vorhandensein aus der
Wirkung des Bades. „Es gebens auch die Effectus und Gebrechen, die
allda curirt werden vnd geheylet, die des Schwefels, und keines anderen
Eygenschaft synd“ (~Reydt~ 1708)[383]. Deswegen konnte man durch
Zusatz von Mineralien zum gewöhnlichen Wasserbade künstliche Wildbäder
erzeugen[47].
[Sidenote: _Die Frauenbäder_]
~Rueff~ sagt 1554 in seinem Hebammenbuch, unfruchtbare Weiber sollen
nach genügendem Purgieren in ein warmes Schwefelbad fahren und
baden[251]. Für schwefelhaltig galten aber sämtliche Thermen, die denn
auch alle darauf Anspruch machten, die Unfruchtbarkeit der Frauen zu
heben. ~Ruland~ bezeichnet in der lateinischen Ausgabe seines Buches
(1568) als geeignet: Gastein und andere warme Wasser, Aachen, Baden in
der Schweiz, Brieg, Plumbersbad (Plombières), die Wasser in Löffingen,
Broylerborn, Brochenborn, Kesselborn, die Sauerwasser in Wehr und
Cissen, den Sauerbrunnen von Kissingen und die Aquae nitrosae, an
anderer Stelle auch noch Markgrafenbad, Ems, Niderbron, Karlsbad und
„Badenses Herciniae“[384], in der deutschen Ausgabe vom selben Jahre
wird zunächst nur Gastein, später werden die Bäder von Schwefel, Alaun,
Salz und warme Bäder angeführt, „item Oberbad (Schweiz), Marggraffbad,
das bad Gastein“[400].
Wie schon erwähnt wurde, stand in dieser Beziehung in sehr großem Rufe
das Verenabad zu Baden (Schweiz), den es nicht nur seiner Beziehung
zur heiligen Verena, sondern in manchen Fällen wohl tatsächlichen
Heilerfolgen verdankte; denn die Verenaquelle war eine kräftige
aufsteigende Dusche, auf deren Wirkung schon ~Sytz~ 1516 hinwies[375].
Auch die „Bubenquelle“ in Ems war eine aufsteigende Dusche[370]. In
Wettbewerb mit Baden trat Bormio. Erzherzogin Catarina von Mantua,
die Gemahlin des Erzherzogs Ferdinand von Österreich, hatte im Sommer
1590 die Wormser Thermen „der Nachkommenschaft halber“ besucht.
Quelle, Bad und Zimmer, welche die Fürstin benutzt hatte, hießen von
nun ab nicht mehr das untere oder das Frauenbad, sondern führten den
Namen „der Erzherzogin“. Nach Abbruch desselben erhielt die Quelle
den Namen „Frauenheil“[23]. Die Kur der hohen Frau hatte übrigens
insofern nur Erfolg, als sie ihren Gemahl in Zukunft mit drei Mädchen
beschenkte[38]. Bormio aber kam in Ruf und hieß 1616 bei den Deutschen
das Weiberbad[59].
Der Erfolg dieser Kuren wurde Jahrhunderte hindurch in nicht
mißzuverstehender Weise weniger der Wirkung des Wassers zugewiesen.
Darf man auch ~Poggio~[327], ~Murner~[31], ~Guler~[59],
~Merveilleux~[385] nicht ernst nehmen, so sagt doch der glaubwürdige
~Phries~, daß zu „Marckgrauenbaden“ ein Priester bei vielen Frauen im
Spiele gewesen wäre[386]. Im Liebenzeller Badhause befand sich 1748
unter einem Gemälde der Spruch:
„Auf ein Zeit hat ein Mann ein Weib,
Die liebt er als sein eigen Leib.
Weil sie ihm aber kein Kinder gab
So bekümmert er sich hefftig darab,
Rieth ihr, daß sie zog in dies Bad.
Das Weib zog hin auf des Mannes Rath.
Weiß nicht wie es gieng, gut war die Stund
Schwanger ward das Weib, die Magd und der Hund“[372].
Man schob überhaupt gern den Frauen ein besonderes Bedürfnis einer
Badereise zu. In einem die deutschen Mineralbäder in Kupferstichen
darstellenden Werke aus dem 17. Jahrhunderte finden sich die Verse:
„Der Mann schafft Tag und Nacht, badet in seinem Schweiß,
Alles die Frau verzehrt in ihrem Bad mit Fleiß“[387].
Tatsächlich machten auch einige Bräute in ihrem Ehekontrakt eine
Badenfahrt aus. In einem solchen, datiert Wien, September 1762,
„begibt sich im VII. Punkte der Bräutigam Herr Anton Waltoner: gwester
Bräumeister: hierin iedes Widerspruches gegen seine zukünftige
Eheliebste, die ehrsame Jungfrau Appolonia Molin: Wär auch Sach
dass sie wollt alljährlich in ein Badt fahren so soll das geschehen
unverwerth“[16]. Der Brauch wird auch von den Frankfurterinnen für
Schwalbach[407], den Züricherinnen für Baden[448] angegeben, doch sind
die Quellen nicht glaubwürdig.
Im 16. Jahrhundert hatte man eine hohe Meinung von den Mineralbädern.
~Martin Rulandus~ sagt 1568: „Nach dem bißher kein Artzneney erfunden
noch erdacht worden zu erhaltung der gesundtheit, vnd zur heylung yeder
vnd aller kranckheit des leybs, ohne allein das wasser vnd Wasserbäder
..... ist schier kein kranckheyt, sie sey an Jungen oder allten
leuten, Weybern oder Männern, welliche durch dise vnsere Wasserbäder
nicht möge geheylet werden ... So seind die Bäder auch in bösen vnnd
vnheylsamen kranckheyten die letzte vnd beste hilff vnnd zuflucht. Dann
welliche kranckheyt durch ärtzeney nicht können geheylet werden, heylen
dieselbigen die Bäder, so mans recht thůt brauchen.“ ~Ruland~ ist aber
kein einseitiger Verehrer der Bäder, bei jedem gibt er eingehend die
Gegenanzeigen des Gebrauches an[400]. Auch ~Sytz~ sagt, daß etliche in
den Wildbädern Gehör, Gesicht, Geschmack verloren hätten, andere lahm
geworden seien, wie er selbst vielfach gesehen[375]. Leute, die gesund,
oft nur zum Vergnügen ins Wildbad zogen, gingen häufig als Kranke
wieder heim. Natürlich gab es neben den Vergnügungssüchtigen auch
wirkliche Kranke, man muß aber doch recht mißtrauisch gewesen sein. Als
1583 drei Männer von Weil an der Wiesen das Luthernbad bei Willisau
besuchten, brachten sie ein Zeugnis mit, daß sie wirklich zur Pflege
der Gesundheit kämen und nicht in betrügerischer Absicht Frau und
Kinder verlassen hätten, mit der Bitte, „sie dieses göttliche Geschenk
genießen zu lassen“[38].
[Sidenote: _Die Badeärzte_]
Für Kranke war besser als früher gesorgt. Die besuchteren Badeorte
hatten jetzt selbst oder in benachbarten Städten Ärzte. 1578 war der
Baseler Professor ~Pantaleon~ zum fünfundzwanzigsten Male in Baden
(Schweiz)[35]. In kleinen Bädern war meist der Verwalter oder ein Bader
und Schröpfer der Ratgeber der Kranken, falls sich nicht fahrende
Ärzte, zumeist Juden, am Orte aufhielten, die sich der höchsten
Mißgunst der damaligen Ärztewelt erfreuten[35][375][324]. ~Blondel~ in
Aachen (Abb. 119) war der bedeutendste Badearzt des 17., ~Marcard~ in
Pyrmont der des 18. Jahrhunderts.
[Illustration: Abb. 119. ~Franz Blondel~ d. Ä., Badearzt in Aachen.
Kupfer aus: Erklärung deren heylsamen Badt- und Trinckwässeren zu Aach.
Aachen, 1688.]
[Sidenote: _Bäder für Vornehme_]
Vornehme Patienten brachten ihren eigenen Arzt mit. 1562 begleitete
~Günther von Andernach~ den Grafen Philipp den Älteren von Hanau
nach Pfäfers[388]. Herzog Wilhelm von Sachsen bat 1476 den Kurfürsten
Ernst um den Doktor ~Hildebrand~, damit dieser ihn ins „Wiltbad zu
Swarzwald“ begleite[54]. 1593 war ~Fabricius Hildanus~ mit einem
Edelmann in Aachen, 1610 mit dem Fürsten Radziwill in Pfäfers[22].
Der Arzt leistete dann seinem Patienten im Bade Gesellschaft, so der
Baseler Professor ~Pantaleon~ 1575 dem Markgrafen Georg Friedrich von
Brandenburg[35].
Für vornehme Personen hatte man besondere Bäder, die dementsprechende
Namen führten, die nach den verschiedenen Personen, von denen sie
benutzt wurden, sogar umgeändert wurden. So erhielt das erwähnte Bad,
das Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg benutzt hatte, den Namen
Markgrafenbad, vorher hieß es Bischofsbad. Teplitz hatte 1607 sein
Herzogenbad, das durch einen Gang mit dem Schlosse verbunden war[264],
1607 hieß es das Kurfürstenbad[81], 1733 das kurfürstliche oder
fürstliche Bad. Es wurde möbliert, wenn fürstliche Personen anwesend
waren, sonst durfte es nur von Standespersonen, nicht von gemeinen
Leuten benutzt werden[447]. Das Wildbad hatte vom 16.[431] bis ins 19.
Jahrhundert sein Fürstenbad. In diesem durfte 1758 niemand baden, er
habe denn bei der fürstlichen Rentkammer darum angehalten und einen
Befehl deswegen an den Vogt bekommen. Um die Erlaubnis suchten meist
Frauen nach. Die Fürsten selbst und die Grafen benutzten es nicht,
sondern badeten lieber im Herrenbad[332]. Der Augsburger Großkaufmann
~Lucas Rem~ wieder, dem seinem Stande gemäß im Wildbad das Herrenbad
zukam, zog 1521 das gemeine große Bad vor, nachdem er vierzehn Tage
„im hern“ gebadet hatte, „um daz (es) wermer und mer geselschaft was“.
1525 badete er seine Kur von hundertsiebenundsiebzig Stunden im „großen
hernbad“ und nur wenige davon im „clainen hern bedlin“ ab[265].
Die meist im oberen Deutschland erschienenen Badebücher behandeln nur
die dort gelegenen Bäder. 1572 gab ein Anhänger des ~Paracelsus~,
~Thurneisser~, ein nach Flußläufen geordnetes Werk über die deutschen
Bäder heraus, das erste, das auch eingehend Norddeutschland
berücksichtigt und 420 Folioseiten umfaßt[390].
[Illustration: Abb. 120. Balneum Plummers (Plombières). Holzschnitt
aus: ~Conradus Gesnerus~, De Thermis Germanicis. In: De Balneis.
Venetiis (Venedig) apud Juntas. 1553.]
[Sidenote: _Karlsbad / Plombières / Wiesbaden_]
Von einzelnen Bädern erfahren wir im 16. Jahrhundert folgendes.
Karlsbad war 1591 nach dem Berichte des Nürnberger Kaufmanns
~Paumgarten~ ein „sehr spröhttes willdbad, da umbs geltt doch
garnichtts zu bekommen, schier weder weyn noch bier allhie hatt“[248].
Trotzdem war es zur Zeit von Fürstlichkeiten auch aus der Ferne
besucht, z.❆B. dem Markgrafen von Brandenburg, dem Herzog von Pommern
und dem von Mecklenburg[391]. Das französische Plombières (Abb. 120)
wurde von den Elsässern fast ausschließlich benutzt, daß ~Pictorius~
1560 seine Landsleute darauf aufmerksam machte, es gäbe auch nützliche
Bäder im deutschen Land, es ist „nit alles mit dem Bad Plummers
außgericht“[152]. Wiesbaden war nach ~Ryff~ „allenthalben vast (sehr)
wol bekant“[48]. ~Philipp von Allendorf~ erwähnt es 1535 in der
Judenbadstub:
„Man sagt mir vil von dem Wißbad
Wes es eym fast im seckel schad“[234].
[Sidenote: _Aachen_]
Über das berühmt warm Bad bei Ach (Aachen) geht ~Ryff~ hinweg,
„dieweyl.... dasselbig dieser zeyt mehr zum lust dann zu der gesundheyt
gebraucht“ wird[48].
[Illustration: Abb. 121. Bad Gastein im 17. Jahrhundert. Gleichzeitiger
Stich.]
[Sidenote: _Aachen / Gastein / Wildbad / Schwalbach_]
Im Jahre 1534 kam Pfalzgraf Philipp, Fürst und Herr am Rhein, am
Tage Bartholomay mit sechzig Pferden nach Gastein (Abb. 121), badete
sieben Wochen und wurde gesund. Im Jahre 1537 zwischen Ostern und
Pfingsten kamen Ott Heinrich Pfalzgraf und sein Vater Friedrich mit
zwanzig Wagen und fünfzig Pferden[344]. Man hat diese Badefahrten
als besonders pompös betrachtet, was sie jedoch nicht waren. Zur
Mitführung der nötigen Haushaltungsgegenstände brauchte man reichliches
Transportmaterial, und außerdem waren die Straßen unsicher. Als der
Augsburger Kaufmann ~Lucas Rem~ am 12. September 1535 Wildbad verließ,
nahm er auf eigene Kosten wegen Straßenräuberei „fil folck, glait,
Reiter, fuosknecht“ mit sich. 1538 zog er „im Frankfurter grossen
glaitt“ heim[265]. Daß Vorsicht geboten war, geht aus folgendem, auch
sonst interessanten Bericht über die Badereise des Kurfürsten August
von Sachsen hervor, die 1584 zustande kam. Im Rat der Leibärzte hatte
Dr. ~Paul Luther~ „den Sauerbrunnen, eine Meile von Friedland gelegen“
(jetzt Bad Liebenwerda), in Vorschlag gebracht, wohin viele fremde
Leute gingen und von dem man einige Fäßlein hatte kommen lassen. Allein
die anderen Ärzte gaben Schwalbach den Vorzug. Sie wünschten vorerst
genau zu wissen, ob Leute in des Kurfürsten Alter (siebenundfünfzig
Jahre) und die an Wassertrinken nicht gewöhnt seien, solchen Brunnen
zumal nüchtern vertragen könnten. Der Kurfürst schrieb im April
1583 an die Landgrafen Wilhelm von Hessen-Kassel und Philipp von
Hessen-Rheinfels, erhielt auch von ersterem ein Regiment (Anweisung),
welches ihm sein Bruder Ludwig gegeben, der den Brunnen mehrmals
gebraucht hatte. Die befreundeten Fürsten meinten, daß sich der
Kurfürst im Dorfe Langenschwalbach nicht werde behelfen können, weil
die Gelegenheit da gar zu geringe und enge sei. Im Frühling 1583 wurde
deshalb der kurfürstliche Furier ~Neumann~ abgeschickt, um „ein bequem
Losament“ auszumachen. Er kam im Herbst nach unermüdlichem Nachforschen
in Langenschwalbach an und meldete, daß „solch Flecklein gar übel
gebauet, hat also geringe und arme Leut, seint eitel Tuchweber“,
das Rathaus habe nur eine Stube, sei übel verwahrt und allenthalben
offen, es solle sich auch allerlei loses Gesindel allda aufhalten.
~Neumann~ entdeckte auf seiner Erkundigungsfahrt auch einen Ort,
genannt Wiesbad (Wiesbaden). Dort sei gute Unterkunft und Schloß und
Stadt wohl verwahrt, er habe auch ein Bad, das könnte der Kurfürst
gebrauchen oder von da aus Schwalbach besuchen. Dem Furier gefiel aber
auch das Schloß des Kurfürsten von Mainz zu Ellfeld oder Eltvil, der
Hauptstadt des Rheingaus, und er glaubte, das Wasser könnte täglich von
Schwalbach geholt werden, indem man in den dazwischen liegenden Dörfern
die Träger wechsele. Der Kurfürst von Mainz lud darauf den Patienten
ein, in seinem Schloß zu wohnen, und erst im Mai 1584 wurde die Reise
angetreten mit einem Troß von zweihundertundneun Pferden und sechzehn
Leibpferden des Kurfürsten. Nach achtzehn Tagen langte der Kurfürst
an der hessischen Grenze an, wo er vom Mainzer bewaffneten Geleit
empfangen wurde[378].
Ein ganz anderes Urteil fällte 1580 ~Tabernaemontanus~ über Schwalbach:
„So findet man auch zimliche gute Herberg die von tag gebessert werden.
Zu dem hat es gute trewhertzige Leuth daselbst, die menniglich vmb
billiche belohnung zur Hand gehen vnnd dienen, also daß niemands,
der sich benügen lassen will, zuklagen hat.“ Auf die Schwalbacher
Sauerbrunnen machte 1568 ein Bauer den Bruder des Erzbischofs von
Mainz „Philipsen Brendeln von Homburgk Vitzthumb zu Meyntz“ als ein
besonders mildes Sauerwasser aufmerksam, nachdem diesem die Kur in
Göppingen nicht gut bekommen war. ~Tabernaemontanus~ untersuchte die
Brunnen und erklärte, einer derselben, der Weinbrunnen, sei „der
edelst, allerbest vnd heylsameste vnder allen andern Sauwerbrunnen die
mir noch vorkommen sind“. Darum gab er ihm den ersten Platz in seinem
Neu-Wasserschatz[324]. Wie gut die Reklame zog, zeigt der Besuch des
Kurfürsten von Sachsen. Trotzdem blieb der Weinbrunnen, als man ihn
fassen wollte, aus und mußte durch fleißige Arbeit und anhaltendes
Gebet wieder gesucht werden[379].
[Sidenote: _Griesbach_]
~Tabernaemontanus~ machte auch auf einen zweiten, bis dahin unbekannten
Sauerbrunnen, den zu Greißbach (Griesbach) aufmerksam, den Georg von
Schauenburg gefunden und gebraucht und danach hatte fassen lassen (Abb.
122). Er wurde bald sehr bekannt. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts gab
~Fabricius Hildanus~ dem Berner Bürgermeister Anton von Grafenried
Anweisung, wie er den Brunnen gebrauchen solle[22]. 1606 trank man ihn
in Baden-Baden neben dem näher gelegenen Petersthaler, der aber aller
zwei bis drei Tage frisch geholt werden mußte[362].
[Sidenote: _Göppingen_]
Im höchsten Rufe stand im 16. Jahrhundert der Sauerbrunnen von
Göppingen. Schon 1404 wurde der Schwalbronnen zum Lehen gegeben[70].
Der erste bekannte Kurgast war Graf Eberhard III. von Württemberg, der
1417 während einer Sauerbrunnenkur dort starb[154]. Das Göppinger
Wasser hatte eine ganz besondere Eigenschaft; es trieb das eingenommene
Gift aus und verzehrte es. Unter anderem wurde auch Herzog Christoph
von Württemberg, dem während seines Aufenthaltes in Frankreich Gift
gereicht sein sollte, nach mehrjährigen Kuren in Göppingen von den
Folgen geheilt[324]. In den achtziger Jahren des 17. Jahrhunderts
erbaute man ein neues Gast- und Badehaus. Damals wurde dem Göppinger
Sauerbrunnen die erste Stelle durch den von Jebenhausen streitig
gemacht, den man den Edelmann nannte und den Göppinger nur den Bürger;
der Überkinger erhielt bei diesem Vergleich wegen seiner „Räse“
(Schärfe) die Bezeichnung Bauer. 1839 war Göppingen aufs äußerste
heruntergekommen; es fanden sich nur noch wenige Gäste. Der Versand von
Wasser war unbedeutend, während vorher ganze Schiffsladungen nach Wien
gegangen sein sollten. Eine der Quellen wurde damals durch eine ganz in
der Nähe angelegte Dunggrube zugrunde gerichtet[154].
[Illustration: Abb. 122. Bad Griesbach im Rauchtale. Kupfer. 18.
Jahrhundert.]
[Sidenote: _St. Moritz / Leuk_]
~Paracelsus~ bespricht im Baderbüchlein Göppingen als ersten
Sauerbrunnen, setzt den „jm Growen pundt“ (St. Moritz) ihm gleich, fügt
aber noch hinzu, der in Graubünden sei edeler[374]. Im Schreiben über
die tatarischen Krankheiten sagt er: „Ein acetosum fontale, das ich für
alle so in europa erfaren hab, ist in Engiodin zů S. Mauritz“[681],
und ~Adam von Bodenstein~ schreibt 1576: „Was solte ich sagen vom
brunnen im Bundt, der also saur und kreftig?“[89]. ~Tabernaemontanus~
kannte das Wasser aber nur vom Hörensagen (1580). Vielleicht wurde es
zur Zeit gar nicht benutzt; denn 1570 hatte das Hochwasser des Inns die
Quellen verschüttet. Nach der Neufassung kam das Mineralwasser wieder
in Aufnahme, besonders in Italien hatte es großen Ruf und wurde weithin
versandt. Der italienische Arzt ~Malcarida~ dichtete 1650 Sonette auf
die Quelle, die sich von der damaligen schwülstigen deutschen[B]
Quellenpoesie vorteilhaft abheben, deren zweite in deutscher
Übersetzung lautet:
„Wie Blumen, wenn sie trinken, frisch erstehen,
So muß durch diese Quelle neues Lebens
Auch jedes schwache Alter wieder blühen.
Wie wunderbar! Das Eisen, sonst so tödlich,
Das leichte Gas, sonst von so kurzer Dauer,
Hier helfen beide, daß der Mensch nicht sterbe.“
1670 ließ die Gemeinde von St. Moritz als Besitzerin der Quelle
einige Arbeiten zur besseren Benutzung ausführen und verpachtete sie
an mehrere Einwohner. Aus Oberitalien trafen immer mehr vornehme
Kranke ein, 1697 der Herzog Amadeo von Savoyen, 1699 der Herzog von
Parma. Um diese Zeit wurde der Brunnen auch von Deutschen besucht.
Jedoch durch die napoleonischen Kriege und die Gleichgültigkeit der
Einwohner trat eine Vernachlässigung der Quelle ein[90]. 1811 schrieb
der Züricher Leutpriester ~Johann Ludwig Meyer~: „Die Celebrität, die
dies heilsame Wasser hat, könnte den, der sich noch nie an der Stelle
befand, leicht vermuten lassen, da wo es der Erde entquillt, eine Menge
schöner und geräumiger Wohnhäuser zu finden. Aber wie sehr würde er
sich in seinen Erwartungen getäuscht sehen, wenn er dorthin versetzt,
statt der gehofften bequemen Gebäude, in dem kleinen Tale nichts als
ein Häuschen erblickte, dessen Außenseite und innere Einrichtung alle
Begriffe von Armseligkeit übersteigt! Und doch verhält sich die Sache
nicht anders. Gerade da, wo zum Behufe der Kurgäste gut eingerichtete
Absteigquartiere stehen sollten, finden sie nichts, als jene elende
Hütte, nach der sie, so lange die Kurzeit dauert, täglich bei jeder
Witterung zu wandeln gezwungen sind. Das Erdgeschoß dieser baufälligen
Hütte ist in zwei ungleiche Hälften abgeteilt; die größere ist ein
halboffener Stallraum ohne Bahre und Krippe, in den nur die kleinere
Anzahl der Pferde, welche die Brunnengäste mit sich führen müssen,
zur Not eingestellt werden kann .... Die kleinere Hälfte ist für
das eigentliche Trinkzimmer (Abb. 123) bestimmt. Hier sprudeln drei
stärkere und vier schwächere Quellen zwischen den mit Eisenocker
überzogenen Steinen, und sammeln sich in einer aus rohen Granitplatten
bestehenden Einfassung von etwa drei Schuh in das Gevierte, um welche
herum in einem so engen Raum, daß kaum vier Personen in die Tiefe
zu stehen kommen, die Kurgäste sich zudrängen, um entweder von dem
bestellten Aufseher sich ihre Gläser und Gläschen aus einer eisernen
Kelle füllen zu lassen, oder sich tief herunterbückend selbst sie
zu füllen, um die fixe Luft besser beisammen zu halten.“ Über dem
Pferdestall befand sich ein Raum zum Aufenthalt der Kurgäste bei
schlechtem Wetter mit fensterlosen Lichtöffnungen und zwei Kaminen,
durch die der Wind den Rauch ins Zimmer blies. Ein italienischer Graf
bot aus Dankbarkeit für seine Genesung Geld zum Bau eines Gasthauses
bei der Quelle an, die St. Moritzer wollten von keiner Änderung
wissen[444]. Noch später behaupteten sie, der Mineralquell sei ihnen
mehr schädlich als nützlich[360]. 1814 überrumpelte aber die jüngere
Gemeinde die Alten, als diese in Tirano den Viehmarkt besuchten, und
beschloß eine Innkorrektion, die 1815 bereits vollendet war, wodurch
Quelle und Dorf mit einer Fahrstraße verbunden wurden. 1831 pachtete
eine Aktiengesellschaft die Quelle, von der aus die ersten Gebäude bei
derselben errichtet wurden[90].
[Illustration: Abb. 123. Der Sauerbrunnen zu St. Moritz im
Ober-Engadin. Kupfer aus dem: ~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum
schwarzen Garten. Zürich, 1811.]
[Sidenote: _Pyrmont_]
Weit mehr von des Schicksals Gunst und Ungunst beeinflußt war der
Brunnen zu Pyrmont. Wollte man im 16. Jahrhundert die Güte eines
Sauerbrunnens hervorheben, verglich man ihn mit Göppingen, im 18. und
im Anfang des 19. mit Pyrmont, daneben auch wohl noch mit Spa und
Schwalbach, und doch sagt das Journal des Luxus und der Moden von 1800,
der Pyrmonter Trinkbrunnen eigne sich gar nicht zum Verschicken, an der
Quelle selbst sei er nach langem Regen von gewöhnlichem Wasser kaum
zu unterscheiden. Seit der Erwähnung durch ~Henricus de Hervordia~ im
Jahre 1350 haben wir keine Nachricht von einem Brunnen zu Pyrmont. Da
ging plötzlich 1556 die Kunde von einem Wunderbrunnen in der Grafschaft
Spiegelberg durch ganz Europa. Die erste gedruckte Nachricht davon gab
~Metobius~, die als Beispiel derartiger Schriften hier vollständig
wiedergegeben werden soll.
[Sidenote: _Metobius’ Schrift über Pyrmont von 1556_]
„Beschreibung des newen gefundnen Brunnens, in welchem der allmechtig
Gott täglich seine gaben vnnd gůthat reichlich den menschen erscheinen
laßt, deßgleichen vor nie erhört. Vnnd ist der selb Brunn gelegen in
der Graffschafft Speygelberg zwo meil wegs von Hamelen, an dem fluß
Weser gelegen.
Diser Brunn, gelegen inn der Graffschafft Speygelberg, zwo meil wegs
von Hamelen an dem fluß Weser, ist vngeferd bey dreyhundert Jaren auch
in grosser krafft vnnd würde gewesen, also das er dazemal eben als yetz
grosse kranckheiten, lammen vnnd tauben genert hat.
So ist inn dem der Herr derselben Graffschafft zů gefaren, hat den
Brunnen lassen eynfassen, vnd allda von dem wasser Tribut oder zinß
geheyschet, so ist in dem das wasser verschwunden vnnd gantz vnnd gar
der Brunn versigen, biß auff den yetzigen Mertzen diß 56. Jars, da hatt
der Brunn seinen fluß wider bekommen, auch sein vorige würckung vnd
tugent durch die krafft Gottes wider erzeigt.
[Illustration: Abb. 124. Titelholzschnitt zu: ~Metobius~’ Schrift über
Pyrmont. 1556.]
Die Vögel in lüfften, auch andere vierfüssige thier, die ab disem
wasser trincken, sterben dahin, als ob sy vergifftet weren. Vnnd das
vernimpt ein armer ellender gsüchtiger mann, der tag vnd nacht kein
rhů hat, gedacht vor grossem schmertzen, du wilt auch ab disem wasser
trincken, so stirbst auch gleich, wie die thier vnd vögel, vnnd kompst
also deiner marter, angst vnd not ab. So er nun hingat, vnd des wasser
trinckt wirt es etwas besser vmb jn. Vnd gedenckt in jm selbs, Du wilt
noch mee von dem wasser trincken, villeicht wirdt es noch besser.
Vnd trinckt des wassers ein zeitlang, weschet auch sein gantzen leib
darmit. Genist aller dingen, verlaßt seine krucken, lobet Gott den
Herren, vnnd fart dahin. Wölches er nun kundt hat gethan yederman. Vnnd
ist yetz so ein grosses zůlauffen dahin von allen orten vnnd enden, von
den armen krüppelen, lamen, tauben, blinden, vnd besessenen menschen,
ja auch was sie für kranckheiten haben, das man nicht herberg noch
behausung gnůg mag haben, sonder machen alda vff dem feld hütten,
gleich wie in einem läger.
Nit weit vonn dem Brunnen ligt ein Closter, welliche Münch vor mangel
vnd armůt entlauffen můssen, dann sie von den den armen leüten
überfallen werden mit almůsen geben: vnd haben sich selbs dermassen
eröset, das sie kein bleibens mee allda haben.
Erstlich von der gestalt des Wassers. Der Brunn ist metallisch vnnd
saur, vnd hat mehr Oker bey sich, dann sunst einig andere bewerte Ertze.
Die gele farb, so bey vnd in dem Brunnen ist, vnd erfunden wirt, wirt
vff Latin Ocera genennt, vnnd auf Teütsch gelber Oker, vnd ye gelber
dasselbe in vnnd bey dem Brunnen ist, dester krefftiger das wasser ist.
Diser Brunn ist von Gott mit nachfolgenden tugenden reichlich begabet.
Erstlich hat er die krafft, das daß Wasser zů zeücht, wem die Zeen
loß schwach vnnd offen sein, auch das Paralysis, Podagra, Gelsucht,
Gegicht, Hilgedinck hierinnen gebadet, machet die seenen adern, vnnd
das fleisch gůt, offne schaden heilet es auß dem grund, vnd machet sie
rein.
Dioscorides in lib. V. cap. 58. schreibt das Oker des Brunnen krafft
sey, das da zů zeücht, zů bindet, vertreibt vnd abbeisset die überein
vnnd andere gewechß, vnnd verzert alten leüten jre reüdigkeit, vnd
andere zůfallende kranckheit.
Item das Wasser mit Oker vnd gelben wachs vermischet, füllt die wunden,
mit newem fleisch. Die Gelsucht, Gegicht, Podagra verzeret es an henden
vnd füssen.
Jungen starcken leüten schadet es nicht getruncken: dieweil es aber ein
nagende vnd beissende krafft hatt, beschediget es die Derm. Welcher zům
Colera geneigt ist, das ist, der gech zornig ist, der drinck es nicht.
Der Leib gepurgiert, vnd darnach gebadet, vertreibt vnd heilet die
Rud, den Grind, vnd böse flüß, Frantzosen, vnd alle alte offne schaden
die niemants gneren kan. Auch schäden die übel geheilet seind durch
vnfleiß, beißts wider auff vnd heilets recht.
Man hatt auch Gott sey lob funden, das diser Brunn vilen geholfen hat,
die etliche Jar taub vnd blind gewesen sind.
Deßgleichen ist befunden, das er vilen leüten die den Kancker oder
Krebs vnnd Harwürm gehabt haben, geholffen hat.
Es ist auch ein mensch zů disem Brunnen gebracht worden, wie sollichs
in der warheit gesehen vnd glaubwirdig befunden, welcher mit dem bösen
feind besessen gewesen, dem selben hat man mit gewalt dises Wasser in
den mund gegossen hat der böß feind als bald weichen müssen. Vnd ist
der selbig mensch mit grosser dancksagung zů Gott, von dem Brunnen
gesund hinweg gangen.
Es hat Gott der Herr durch disen Brunnen vilen menschen geholffen, die
alle tage gesund wider heim kommen, vnd noch täglich vil mit grossen
hauffen dahin ziehen, in hoffnung gesundtheit zů erlangen. Gott
verleihe vns allen Christgleubigen sein genad vnnd barmhertzigkeit,
Amen.
Durch Doctor Borchardum Metobium.“
„Diser nachfolgender brieff ist vonn dem Pastoren bey dem Brunnen
wonhafftig einem burger auß Lubeck (der da selbst auch durch die Gottes
gnaden seiner kranckheit erlediget) zůgeschrieben.
Item zům ersten heilet diß wasser auß disem Brunnen genommen, alle
wunden, die kein pflaster erleiden wöllen.
Auch heilet diß wasser, alle wunden so geschossen, gehauwen oder
gestochen sind.
Item das wasser heilet auch den bösen erbgrindt, vff dem haupt oder am
leibe.
Item welcher mensch den harwurm hat, vnnd badet darinnen der würdt
gesundt.
Item welcher mensch der verkrencket ist, vnd dem die glidmassen steiff
vnd entschlaffen sind, vnd darinnen badet vnd er trincket von dem
wasser, mit dem wirdts besser.
So ein mensch gifft bey jhm hett, vnd diß wasser trinckt, vnd badet
darinnen, der wirt gesundt. Als noch ein Fraw von Bylfeld allhie ist,
welcher ein Maulworff, ein schnecken vnd ein Schößlinck abgegangen
seind.
Item welcher mensch kranckheit vnd weetag an den augen hat, vnd netzet
oder weschet sie, mit disem wasser, dem wirt besser.
Es seind auch etlich leüt bey dem brunnen gewesen, welchen nach dem sie
sich mit disem wasser geweschen, würm auß jren beinen gekrochen vnd
gekommen seind, vnd ist von stund an besser mit jnen worden.
Item dise vorgemelte puncten zůgebrauchen, mag ein yeder mensch drey
oder vier wochen thůn, darnach der schaden groß ist, dann vil leüt
kommen des einen tags kranck vnnd schwach darzů, vnd gehn des anderen
tags gesund wider hinweg.
Auch ist hieher kommen ein Schmidtknecht, der mit einem aug blind
gewesen, vnd hat dasselbe aug drey tag nach einander mit dem wasser
geweschen, vnd darnach sein gesicht wider dermaß erlangt, das er
allerley Müntz mit dem selbigen aug nun erkennen kan.
Es seind auch dahin kommen drey Landtsknecht, deren zwen wund waren,
der drit aber gesund, die haben sich auch mit disem wasser geweschen,
doch die krafft vnd würckung des wassers verlacht vnd verspottet.
Spricht der ein, Ich můß mein schultern auch weschen, der ander: vnd
ich mein armen. Der gsund spricht auch, můß mich weschen vileicht
wirden ich hübscher. Vnd haben also jr gauckel spil triben mit der gaab
Gottes, biß das der ein vnsinnig vnd rasend ist worden, das man jn hat
müssen an ein ketten legen. Der ander gar toll vnd wütend, das man jm
all viere hat müssen binden. Der dritt ist mitt dem teuffel besessen
worden. Vnd seind also all drey verdorben, von wegen der verachtung der
gaben Gottes.
Zů disem brunnen ist ein grosses zůlauffen auß allen landen weit
vnd breit von reichen vnd armen, krüppelen, vnd lamen, stummen vnd
ghörlosen, blinden vnd kriechenden, die alte schäden an armen vnd
schencklen haben, trieffende bein die niemandts on schaden gstellen
kan, die den Roten schaden haben, weiber die brustwee haben. In
summa, was doch presthafft ist, kein kranckheit vßgenommen, hat alles
sein zůflucht zů disem brunnen. Man sind heütigs tags leüt, die
dörffen sagen, dz bey vnsern zeiten der allmechtig Gott nit so grosse
wunderwerck und miracklen den menschen erzeigt, als zůn zeiten Christi
seines geliebten sůns, nemen die selbige diß wunderwerck für augen, so
werdens nit so vnwüssent von Gott vnd seinem wunderwerck reden.
Der brunn ist auch der art wann ein krancker dahin geradt, vnd jn das
wasser nit dolen will so wirffts jn auß, oder tödtet jn gar, bey dem
villeicht ein kranckheit hat gar überhand genommen, welches doch selten
geschicht.
Gott der allmechtig hat den kindern von Israel vil gůtthaten vnd
wunder werck erzeigt, dardurch sie jn erkennen solten, aber sie waren
vndanckbar vnd murreten wider den Herren, darumb er sie straffet, das
sie in der wüste sturben, vnnd jren nit mer dann zwo personen in das
gelobt land kamen. Also ist es zů vnsern letsten zeiten gleich auch ein
ding, so vns Gott seine gaben mit wunder wercken erzeigt, so halten wir
es für ein gspöt oder fabel. Strafft er vns dann mit plagen, so gat es
sunst niemand zů hertzen, dann denn (dem?) es zů hauß gat. Warnet er
vns dann mit wunderzeichen so gat es niemandt zů hertzen, vnnd die es
nit gesehen haben, halten es für ein gedicht, als ich acht, das dise
gab Gottes vnd wunderwerck, von vilen verlachet vnd verspottet würdt,
als ob es ein erdicht ding sey, wiewol die wunderwerck heiter am tag
ligen, darmit vns Gott sein güte vnd barmhertzigkeit anzeigt, darmit
wir erkennen das wir einen gnedigen vatter haben, vnd sich zů jm keren
vnd jn anrüffen vmb sein gnad. Sollichs wöll er vns verleihen das wir
durch jhn erwerben nach disem leben das ewig leben, Amen.“
[Sidenote: _Wunderkuren in den Bädern_]
Man ist leicht versucht, die erwähnten Wunderkuren als Betrug
anzusehen. Ziehen wir die auf Suggestion beruhenden ab, bleiben doch
noch ein Teil auf den ersten Blick für uns unverständliche zurück.
Die damalige Generation begnügte sich aber schon, geringe Besserungen
als großen Erfolg anzusehen und als Heilung auszuschreien, auch sah
man mit anderen Augen als heute. Man betrachte nur die Ungeheuer,
die nach ~Rueff~s Hebammenbuch[251] oder nach den Bilderbogen der
Zeit Menschen geboren haben sollten. Die Falten der macerierten Haut
von manchen Frühgeburten sind fast immer vom Zeichner so gelegt, daß
ein kleines Schwein oder ein kleiner Elefant oder das berüchtigte
Mondkalb zustande kommt. In ~Johannes Bauhin~s Abhandlung über das
Bad zu Boll vom Jahre 1602[331] sind mehrere Petrefakten abgebildet,
darunter auch ein Schieferstein, der einen Wirrwarr von geflügelten
Menschen zeigt. Der aufgeklärte ~Bauhin~ setzt aber dem Bilde die
Worte bei: „Die Menschliche Gestallten gehören nicht hinein“. So
werden wohl die von ~Metobius~ angegebenen Tiere, Maulwurf, Schnecke
und Schößling nichts weiter als Blutgerinnsel gewesen sein. Des
Brunnens Pouhon berühmtes Insekt von Spa, das durch die Nieren
ausgeschieden wurde (Abb. 125)[404], erscheint auf den ersten Blick
als ein Harnleitergerinnsel. Das Würmlein, das in den Abhandlungen von
Aachen im 17. und 18. Jahrhundert in natürlicher und mikroskopischer
Vergrößerung auftritt[409][410][263], ist weiter nichts als eine
zufällige oder absichtliche Beimischung zum Harn. Gewebsfetzen wurden
häufig als Würmer mit mehreren Köpfen und Füßen gedeutet. Die Heilungen
von Blinden sind sehr vorsichtig aufzunehmen. Beim Weihenzeller
Wunderbrunnen bestanden sie z.❆B. auch darin, daß jemand ein am Boden
liegendes Geldstück sehen, ein anderer den am Finger steckenden Ring
erkennen konnte[393].
[Illustration: Abb. 125. Inseckt aus den Nieren einer Frauen gekommen
durch Würckung derer Wasser des Pouhons. Kupfer aus: Les amusements de
Spa: or, the galanteries of the Spaw in Germany. London, 1745.]
[Sidenote: _Der große Zulauf in Pyrmont 1556_]
Die Entdeckung des Brunnens von Pyrmont, wie sie ~Metobius~
schildert, ist eine Fabel. ~Pyrmontanus~[56] und ~Bünting~ in seiner
braunschweigischen Chronik[392] geben an, daß 1502 und die folgenden
Jahre die Gemahlin des Grafen zum Rietberg, eine geborene zu der
Lippe, das Wasser gebraucht habe. Selbst wenn diese Nachricht falsch
wäre, erscheint es auffällig, daß das Volk den Brunnen den heiligen
(er lag auch auf dem heiligen Anger) nannte, also mit einem Namen, den
schon zwei Jahrhunderte vorher ~Henricus de Hervordia~ gebrauchte,
und daß ~Pyrmontanus~[56] 1597 den zweiten von diesem erwähnten, den
Brodelbrunn, als nichts Auffälliges bespricht. Die kleine Schrift von
~Metobius~ veranlaßte aber, daß in den balneologischen Büchern des 16.
Jahrhunderts vom „Neubrunn“ die Rede ist. ~Pyrmontanus~ und ~Bünting~
erwähnen auch den großen Zulauf 1556. In Spanien, Frankreich, England,
Schottland, Norwegen, Schweden, Dänemark, Polen, Ungarn und Italien
soll der Brunnen bekannt gewesen sein. In vier Wochen fanden sich an
zehntausend Menschen ein. Die benachbarten Dörfer Odeßdorff (Oßdorff)
und Holtzhausen seien Tag und Nacht voll von Kranken und Gebrechlichen
gewesen, „daß man die Behausung vnd was sunsten zur Noturfft bedürffens
nicht zukommen wüste“. Die Stadt Lüdge, einen Büchsenschuß vom Brunnen
gelegen, sei dermaßen von kranken Personen hohen und niederen Standes
überfüllt gewesen, daß kein Raum in den Häusern mehr übrig, kein Brot
oder Bier zu bekommen war, und daß die Armut große Not gelitten.
Während eines Vierteljahres war eine solche Menge Volks daselbst
vorhanden, daß Lager im Holz aufgeschlagen, öffentliche „Scharren“,
Fleisch-, Bier- und Brothäuser angelegt werden mußten. „In summa es
war gleich einem grossen Feldtlager“[56][392]. (Vergl. Abb. 105, 126,
127.) Graf Philipp von Spiegelberg, der damals zu Pyrmont residierte,
hatte viel Schaden durch Besuch vornehmer Gäste, die den Brunnen
gebrauchten. Anwesend waren unter anderen Frau Hedwig, des Kurfürsten
Joachim zu Brandenburg Gemahlin, Frau Catharina, Herzog Johann Ernsten
zu Sachsen auf Coburg Gemahlin, Graf Conrad zu Teckelburg, der letzte
im Geschlecht, und Graf Sigismund von Gleichen, der bald nach dem Bad
starb[56].
[Illustration: Abb. 126. Bad Walkershofen in Bayern 1551. Holzschnitt
aus einem Flugblatt des 16. Jahrhunderts.]
An einem Lindenbaum hing neben Stangen und Krücken Geheilter die
Badeordnung, die ~Melanchthon~ 1556 zu Wittenberg lateinisch
abdrucken ließ. Der erste etwas sonderbare Artikel lautet in deutscher
Übersetzung:
„Zum ersten solln, so diesen Fontein
Besuchen, reich, arm, groß und klein
Sich in alleweg thun befleissen,
Daß sie nicht Göttliche Ehr beweisen
Diesem Brunn, und machen ihn nicht
Zu einem Abgott, sondern schlicht
Zu Gottes Ehrn sein geniessen
Von dem kömmt diese Gnad herfliessen“[381].
[Sidenote: _Ältere Ansichten über die kohlensauren Wasser und die
Thermen_]
Der Zulauf hörte im folgenden Jahre auf um die Zeit, als Graf Philipp
von Spiegelberg, der letzte seines Geschlechts, „für Quentin“ den 10.
August erschossen ward. Man vermutete ein göttliches Strafgericht, das
dem Wasser seine Kraft nehmen ließ, weil der gemeine Haufe öffentlich
Sünde, Schande und Hurerei bei dem Brunnen getrieben und vornehme
Weibspersonen den Brunnen beschuldigt hatten, durch ihn wassersüchtig
geworden zu sein, welche Bosheit aber Gott durch die Geburt schöner
Kindlein zuschanden gemacht hatte. Dies der Bericht von ~Pyrmontanus~
1597[56]. Spätere Beschreiber von Pyrmont lassen ihren Unwillen
über den Rückgang des Besuches zum Teil in derben Ausdrücken an
~Tabernaemontanus~ aus, der seinen Ruf als berühmter Arzt benutzt habe,
um Pyrmont zugunsten des Schwalbacher Weinbrunnens herabzusetzen[394].
Allerdings sprach sich dieser nicht gerade lobend aus: „Es war vor
zwentzig Jahr dieser Sawerbrunnen in einem solchen ruff vnnd geschrey,
daß auch auß frembden Nationen, als Franckreich, Italien vnd Sicilien
Leut herauß gezogen, diesen Brunnen zubesuchen, dann ein solch geläuff
zu diesem Wunderbrunnen war, wie vor zeiten das wütend vnnd rasend
Wallen zu der schönen Maria vnd Nothelferin zu Regenspurg, dann es war
schier kein Blinder, Tauber, Stummer oder von Mutterleib Lahmer, wie
auch die Sondersiechen oder Aussetzigen, die nicht verhofften in diesem
Brunnen jhre Gesundheit zu erlangen, ein solch greuwlich Lügengedicht
vnnd falsch geschrey kam darvon auß in alle Land, darzu halffen etliche
ärtzt oder Doctores, oder vielmehr Impostores oder Deceptores vnnd
Landbuben, die liessen ein offentlichen truch außgehen, daß dieser
neuw Wunderbrunnen nicht nur allein die erzehleten Kranckheiten,
sonder sonst auch alle andere Erbkranckheiten oder angeborene Seuchten
curiren vnnd heylen solt, welches doch mit keiner Artzney auff dem
gantzen Erdboden zuwegen zubringen ist, vnd dieselbig Kunst vnser
Erlöser vnd Seligmacher jhme allein vorbehalten hat. Wie schändlich
aber die guten Leut, daß sie einen solchen weiten Weg diesem Brunnen
zugefallen reysen müssen, betrogen worden seind, hat mancher mit
schmertzen vnd bekümmernüß müssen erfahren, dann ich in warheit etliche
gute Leut gekennt die all jr haab vnd Gut versetzt vnd verpfendet,
vnd die hoffnung hatten durch diesen Brunnen jre gesundheit widervmb
zuerlangen, haben aber durch ein so weite reyß sich also verzehret,
daß sie biß jhr ende haben müssen mangel leiden, vnd sonderlich die so
sich zum ersten vff die reyß den gemeldten Brunnen zubesuchen begeben
haben, dann dieselben musten den größten kosten tragen, die andern aber
die zum letzten kommen, die wurden vff dem Weg vnnd Reyß von den ersten
gewarnet, vnnd jhn der betrug vnd falsch eröffnet, also daß sie bey
zeiten vmbkehrten vnnd sich widervmb zu Hauß verfügten, vnnd also jhr
einer den anderen warnete, dannenher dieser Brunnen (wiewol er doch
nit gar zuverwerffen, sonder in etlichen kranckheiten nützlich mag
gebraucht werden) gar in ein verachtung kommen und der Gauchsbrunnen,
dieweil er so vil Narren und Gäuch gemacht, genannt worden ist, vnd
sich also je einer mit dem andern selbst vexiert. Soviel aber die
ärtzt vnd Medicos anlangen thut, die durch den offentlichen Truck die
Leut also verführt vnd betrogen, weren einer guten verehrung vnnd
lohns wol werdt gewesen, dann wann man sie schon mit Ruthen zum Land
hinauß gestrichen hette, hetten sie wol verdient“[324]. Von diesem
Urteil erwähnen die Verehrer Pyrmonts nichts, wohl aber fallen sie über
~Tabernaemontanus~ her, weil er vor dem Trinken des Brunnens warnte auf
Grund von Bestandteilen, die auch ~Metobius~ angab und auch wie dieser
auf das Absterben von Tieren im Wasser hinwies. Dies letztere erwähnt
Metobius auch von Wildungen[56], ~Tabernaemontanus~ vom Weinbrunnen
in Schwalbach[324] ~Bauhin~ von den Sauerbrunnen im Schwarzwald[331]
und auch schon ~Thurneisser~ wußte, daß Tiere in kohlensäurehaltigem
Wasser nicht leben können[390]. Die Schrift von ~Metobius~ war aber
im 18. Jahrhundert nur noch dem Titel nach bekannt, sonst wäre man
wohl vorsichtiger gegen ~Tabernaemontanus~ vorgegangen. Um diesen zu
widerlegen, warf ~Bolmann~[392] 1656 einen Frosch in Gegenwart vieler
vornehmer Personen in den Brunnen, nötigte ihn, diesen etliche Male
zu durchschwimmen. Wie er aber müde und wegen des Wassers dick wurde,
nahm ihn ~Bolmann~ vorsichtigerweise heraus, band ihn in seinem Garten
an, wo er vier Tage danach aus Mangel des nutrimenti starb. Und damit
hatte er — wie ein Hauptvertreter der Balneologie in der ersten Hälfte
des 19. Jahrhunderts schreibt — die offenbar unrichtige Behauptung
~Tabernaemontanus~’ widerlegt[416]. ~Seipp~, der das Ersticken von
Tieren schon über dem Wasser anerkannte, wollte aber durchaus kein
Gift in dem „Dunst“ sehen, sondern nur eine „sonderbare elastische
ausbreitende Krafft“, die aus der Lunge alle Luft verdränge[381],
infolgedessen also der Tod durch Sauerstoffmangel erfolge. Das edele
Wasser durfte nun einmal nichts Giftiges an sich haben.
Wenn ~Tabernaemontanus~ wirklich die Pyrmonter Verhältnisse beeinflußt
hätte, wie hätte es da Plombières ergehen müssen, von dem ~Paracelsus~
sagte, seine Wärme sei die des gärenden Misthaufens, es habe keine
sonderliche Tugend, den Ausschlag bade man ohne Nutzen, weil seine
Art, die Müdigkeit zu nehmen, auch gemeinem Wasser zukomme? Es habe
sogar einen unangenehmen Anhang. Was zu dem Guten auf der Bahn sei,
fördere es, aber auch das Böse, so zu Bösem geschickt ist. Baden-Baden,
Wildbad, Liebenzell, Teplitz, Baden bei Wien, Villach, sie alle haben
nach ihm nicht mehr Kraft als erwärmtes gemeines Wasser[374].
[Illustration: Abb. 127. Dorf Hornhausen sampt den darin entspringenden
Heilbronnen 1646. Kupfer von ~V. Wagner~.]
[Sidenote: _Pyrmont_]
Nach dem Dreißigjährigen Kriege kam Pyrmont wieder in die Höhe. 1651
wurde der Brunnen auch innerlich häufig gebraucht[392]. 1681 waren
sogar vierzig königliche und fürstliche Personen anwesend. Man fand
diese Zusammenkunft damals so merkwürdig, daß man auch in Paris sich
darum kümmerte, eine Erzählung in den Mercure galant einrückte und
urteilte, man werde vielleicht in langer Zeit nicht wieder so viele
souveräne Prinzen beisammen sehen. Anwesend waren unter anderen
Friedrich Wilhelm der große Kurfürst mit seiner Gemahlin, der
Herzog, nachmalige Kurfürst von Hannover, die Herzoge von Celle und von
Braunschweig, der Landgraf Carl von Hessen, Prinz Georg von Dänemark,
nachheriger Gemahl der Königin Anna von England. Als junge Prinzen
waren auch da der Kurprinz von Hannover, nachher Georg I. von England,
und seine Schwester, die spätere erste Königin von Preußen, und Sophie
Charlotte, die Prinzessin von Celle, spätere Mutter König Georgs
II.[342] Von nun ab war Pyrmont Adelsbad und blieb es bis zu seinem
Rückgang in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
[Sidenote: _Hornhausen_]
Was im 16. Jahrhundert Pyrmont, war im 17. Hornhausen zwischen
Aschersleben und Halberstadt (Abb. 127). Sechs Wunderbrunnen waren
dort 1646 entsprungen, von denen im selben Jahr drei Beschreibungen
erschienen und 1647 darauf eine vierte, nach der in diesem Jahre über
zweitausend Personen gezählt wurden, welche sich beim Pastor des Orts
wegen der Danksagung angegeben hatten. Ein Schäfer entdeckte den
ersten Brunnen und war gleich vom Fieber geheilt worden. Das wurde
im Dorf ruchbar, viele neugierige Leute liefen mit dem Priester und
Schulmeister hin. Eine alte Bauersfrau, die viele Jahre kontrakt
gewesen war, ward völlig geheilt. Nun drang der Ruf von diesem Wasser
bald in fremde Gegenden. Von allen Orten eilten die Kranken herzu, und
unter den anwesenden hohen Personen zählte man die Königin von Schweden
und den Kurfürsten von Brandenburg. Allein nach kurzer Zeit erstarb das
Gerücht von den Brunnen, bis sie 1689 wieder emporkamen. Viele Hunderte
hatten das Dorf damals angefüllt. Dann kamen die Wasser abermals in
Verfall; erst 1718 hörte man wieder von ihnen. Sechzehn gute Quellen
und eine große Menge von Kranken wurden gezählt. 1719 war ein einziger
armer Kranker da, nur noch sechs Quellen bestanden, von denen die
meisten modrig waren. Man warnte jetzt öffentlich vor ihrem Gebrauch.
Seither herrschte tiefes Stillschweigen über diese Quellen, welche —
wie ~Zückert~ 1768 sagt — das Schicksal gehabt haben, dreimal besucht
und gelobt und dreimal vergessen und verachtet zu werden[343].
[Sidenote: _Die Wunderbrunnen bei Nordhausen und Hofgeismar_]
Im 17. Jahrhundert entstanden mehrere Wunderbrunnen, die sämtlich
plötzlich in Ruf kamen, Blinde, Taube, Lahme heilten und nach kurzer
Zeit wieder verschwanden. Es scheint fast, als ob unter der Not
des Dreißigjährigen Krieges ein Bedürfnis nach derartigen Brunnen
vorgelegen habe. ~Zeiller~ schreibt 1655: „Vil Brünne, die vor wenig
Jahren entstanden, vnd deren Wasser vnheilsame Kranckheiten zu recht
gebracht hat, als die zu Hornhausen, vnnd andere mehr, haben jhre
Krafft wider verlohren. So auch die Anno 1646 den 24. May im Ambt
Stoltzenau, nächst dem Dorff Müslering entstandene drei Heilbrünnen
gethan, so umb den Wintermonat selbigen Jahrs jhre Krafft mehrertheils
wider verlohren haben, da zuvor vil hohes, vnd nidriges Standes
Personen, nicht allein dabey sich angefunden, vnd deren bedient;
sondern auch, nach erhaltener zimlicher guten Gesundheit, die Lahmen
jhre auffgehenckte Krücken hinterlassen; auch sonsten etliche hundert
vilfältig presthafft geweste gesund worden seyn.“ 1652 entstanden die
Brunnen beim Dorf Lose im Lüneburgischen und 1646 beim Kloster Lüne
wieder, die
viele Jahre zuvor in Ansehen gewesen, dazwischen aber kraftlos gewesen
waren. Ein berühmter Wunderbrunnen beim Dorf Nordhausen im Amt Kassel
hatte 1655 keinen Ruf mehr. Der Trinkbrunnen zu Hofgeismar begann auch
seine Laufbahn 1639 als Wunderbrunnen[83]; der alte Badbrunnen war aber
schon über achtzig Jahre bekannt[343].
[Illustration: Abb. 128. Gesundbrunnen bei Ham. Kupfer aus: ~Peter
Hesselius~, Hertzfließende Betrachtungen von dem Elbe-Strom. Altona,
1675.]
[Sidenote: _Die Wunderbrunnen zu Rastenberg / Bielefeld / Weihenzell /
Ham / Burgwinnumb_]
1646 wurde zu Rastenberg im Weimarischen ein Gesundbrunnen entdeckt.
Blinde, Lahme und Krüppel wurden geheilt, viele Krücken blieben zurück.
Der Herzog Wilhelm zu Weimar verordnete, den Brunnen mit einer halben
Mauer und einem Staket darauf zu umgeben, alle Woche Betstunden dabei
zu halten und einen Almosenstock anzulegen. 1648 blieb aber das Wasser
aus. 1696 entsprang es neu. Ein kranker Holzknecht trank zufällig
davon. Dies wurde im Backhaus erzählt, und schnell entstand großer
Zulauf. Der Weimarische Leib- und Hofmedicus Zapf beschrieb ihn, und
schon im Jahr darauf mußte sein Büchlein zum vierten Male gedruckt
werden. Diesmal wurde täglich zweimal, morgens und abends um sechs Uhr,
Betstunde gehalten, jedesmal ein Bußlied gesungen, Johannes, Kapitel 5
Vers 2–14 vorgelesen und darauf ein sehr langes Gebet gesprochen. Der
Zulauf war auch jetzt wieder sehr groß. Man erhielt nicht ein frisches
Bund Stroh, viel weniger ein Bett und eine warme Stube. Vier bis fünf
Personen mußten in einer Wanne baden, ohne daß das Wasser erneuert
wurde. Viele gingen, ohne den Brunnen gebraucht zu haben, heim[401].
1666 entsprang zu Bielefeld ein Heilbrunnen. Bei diesem derselbe
Zulauf. Abb. 105 zeigt das Treiben wie bei den anderen Wunderbrunnen.
Wir finden auch hier die „ordentliche Beth-Stunde“. „Ach Jesu! hast
du denn vergessen, daß wirs sind, die das Unrecht in sich gesoffen
wie Wasser?“ Diese Stelle mag das Bußgebet charakterisieren, das beim
Brunnen vorgelesen wurde[403]. In Weihenzell bei Ansbach entdeckte
1680 ein bettelnder abgedankter Soldat unter einer Miststätte einen
Quell, trank davon und nannte ihn einen unvergleichlichen Schatz. Sein
altes Brustübel wurde nach einer Stunde gebessert, nach wenigen Tagen
geheilt, ebenso zwei Weiber im Dorf. Damit begann der Ruf, und nun
kam der Zulauf. Der Fürst von Brandenburg-Onolzbach ließ den Quell in
Marmor fassen und in Gegenwart vieler tausend Personen durch seinen
Generalsuperintendenten ein öffentliches Dankgebet sprechen, das auch
im Druck erschien, und der fürstliche Leibmedicus ~Löle~ wurde nicht
müde, den Ruf der Quelle in Wort und Bild zu verkünden[393]. ~Zückert~
erwähnt sie aber 1768 gar nicht, ebenso die Wunderbrunnen bei Ham (Abb.
128), die zu Walkershofen (Abb. 126) und zu Burgwinnumb (Abb. 129).
[Illustration: Abb. 129. Der Brunnen bei Burgwinnumb in Franken.
Holzschnitt aus einem Flugblatt von ca. 1600.]
[Sidenote: _Der heilige Brunnen zu Zürich_]
Genossen auch viele Bäder einen unverdienten Ruf, die mineralische
Bestandteile angaben, welche sie nicht besaßen, so unterschieden sie
sich doch wesentlich von diesen Wunderbrunnen durch ihren dauernden Ruf
und Gebrauch. Die Badeärzte von Pyrmont hoben hervor, daß ihr Brunnen,
obwohl er das Schicksal eines Wunderbrunnens gehabt habe, mit diesen
nicht auf eine Stufe zu stellen sei, weil er durch seine wirksamen
Bestandteile geheilt habe. Umgekehrt wurde beim heiligen Brunnen
an der Wasserkirche in Zürich im 16. Jahrhundert von ~Albrecht von
Weissenstein~ die Mitwirkung von Mineralien in Abrede gestellt, weil
Gott durch die Kraft des Wassers allein die Verdienste der Heiligen
ehren wolle[414].
[Sidenote: _Pfäfers_]
Unter den Thermen steht bei ~Paracelsus~ Pfäfers obenan[374], das er
1535 selbst besuchte und beschrieb[21]. Angenehmer als früher war auch
im 16. Jahrhundert der Aufenthalt noch nicht.
[Illustration: Abb. 130. Pfäfers 1610. Holzschnitt von ~Joseph Pleb~
nach einem Modell von ~Fabricius Hildanus~. Aus: ~Guilhelmus Fabricius
Hildanus~, De conservanda valetudine. Frankfurt a.❆M., Merian, 1629.]
~Stumpf~ sagt 1548: „Gleych nebend dem Closter in einem tieffen
vngeheüren tobel, dardurch der bach Taming gantz vngestüm über die
velsen rauschet, vnder einem finsteren holen velsen, ligt das kostlich
vnd heilsam warm Bad, auch nach dem Closter, dem es zůgehörig, Pfäuers
genennt ..... Das tobel ist noch heüttigs tags vnwägsam, kleine ellende
heüßle sind darinn, die man allein Summers zeyt bewonet, zur notturfft
deren so darinn badend. Weyn, brot, fleisch, vnd alles das man darinn
braucht, můß man hinab tragen. Das tobel hat zween wäg hinab inns Bad,
beiderseyts in die velsen gehauwen: also böß vnd gefarlich zewandlen,
das vil leüt auß forcht nit hinab bedörffend wandlen: etlich tregt man
dareyn, etlich fürt man hinab. Etlich hab ich selbs kennt, die biß
darauff kommen, vnd auß forcht des gefarlichen wägs widerumb vngebadet
hinweg sind gefaren. Aber im jar 1543 ward erst ein gůter wäg hinab
gemachet, den man reyten vnd wol gewandlen mag .... Da ist in disem
finsteren loch kein fröud noch kurtzweyl dann im Bad, darinn ligt man
tag vnd nacht. Merteils leüten farend dar vnd dannen, daß sy an keinem
bett zů růwen niemer kommend. Die Sonn scheynt im Summer bey mittemtag
bey einer stund hinab. Der bach rauschet also durch die velsen vnder
dem Bad hin, daß einer dem andern redende, gleych als in einer müllin,
laut zůrüffen můß. Zů Herbst zeyt im October vergadt dz Bad, gibt
kein warm wasser mer, stadt lär den Winter, als denn ziehend die Würt
herauß“[9].
~Münster~ hätte 1550 gern in seiner Cosmographey eine Abbildung von
Pfäfers gebracht. Es war ihm aber unmöglich. „Es ist so gar zwischen
den grawsamen hohen Felsen beschlossen, dz man sein gelegenheit nicht
anzeigen kan. Es ist ein treffliche weite Spelunck, von zweyen hohen
Felsen erwachsen, vnder welchen der ein gantz gebogen ist wie ein
Gewelb, vnd neigt sich gegen dem andern, vnd lassen oben in der höhe
gegen Mittag ein öffnung, das die Sonn Summers zeiten zu Mittag ein
Stund vngefährlich dareyn scheinen mag, aber dannoch gantz dunckel
da vnden ist, daß man auch vmb den Mittag eins Liechts in den engen
Gemachen bedarff. Dann es stehn vnden gleich vber dem fließenden
Gletscherwasser drey oder vier Heußlin, darinnen man kocht, vnnd kleine
Stüblin hat.... Nun aber ist der Kasten (auch in Felsen gehauwen) so
eng, das nicht viel vber 100 Menschen darinn gesitzen mögen, die sich
dannoch gantz eng vnnd nahe zusammen schmucken müssen, vnnd sitzen
da in der dunckelheit, wie die Seelen in S. Patricij Fegfewr“[318],
und, wie 1665 ein Unterösterreicher Namens ~Schmuz~ hinzufügt, in „deß
Lutheri Höll“[456].
1610 fertigte ~Fabricius Hildanus~ ein Modell des Bades an, nach dem
er einen Holzschnitt (Abb. 130) zeichnen ließ[22]. Vom Beschauer aus
wölbte sich der Felsen über die Häuser. Wie man vor der Erbauung des
breiten schwebenden Stegs im Jahre 1543 ins Bad gelangte, wird nirgends
angegeben. Man könnte vermuten, daß ein schmalerer schon früher
bestand. Nach ~Münster~ mußten die Kranken ehemals an langen Seilen und
hängenden Leitern ins Bad hinabgelassen werden[351]. Der Aufenthalt im
Bad selbst war furchtbar. Der Dampf verdunkelte das Zimmer, daß man am
Tage Licht brennen mußte, und wenn die Sonne hell am Himmel stand, war
es erst recht dunkel, weil dann die Dämpfe nicht abzogen. Dazu kam das
Brausen der Tamina und das Geräusch des Badewassers, das mit großer
Gewalt in den Fluß fiel. Manche sollen närrisch geworden sein, konnten
nicht schlafen, Fieber und andere Zufälle folgten[22]. ~Günther von
Andernach~ fiel bei seinem Aufenthalte im Jahre 1562 noch unliebsam auf
der „foetor ex alui recrementis, hic illic per uiam qua ad lauacrum,
uel extra hospitium itur, positis occurrit, ut animi defectionem
hominibus paulo humanius educatis accersat“[C][388]. Große Steine und
Bäume fielen zuweilen von der Höhe auf die Häuser hinab, einmal als
dreihundert Menschen im Bade saßen[349]. „Mühe und Gefahr“, schrieb
~Ulrich von Hutten~ 1523, als er die Kur umsonst gebraucht hatte,
„waren vergeblich bestanden“[395].
Viel wurde nicht für das alte Bad getan. Die Brücke war 1610 wackelig
und zitterte, wenn man darauf ging, daß niemand mehr hinabreiten
konnte und Furchtsame von den Bauern in Sesseln mit verbundenen
Augen getragen werden mußten[22]. Oftmals kam es vor, daß nicht
allein Betrunkene, sondern Nüchterne im Ein- und Ausgehen zur Tag-
und Nachtzeit in den Abgrund zu Tode stürzten. Schließlich wurde die
lange Brücke durch abfallende Steine eingeschlagen, die Häuser und
die Badehütte verfaulten durch die Dämpfe. Im Winter 1626 wurde das
obere Wirtshaus durch einen herabfallenden Stein zerstört, und 1629
brannte im Winter, als man zur Pestzeit badete, durch Unvorsichtigkeit
dreier Mädchen das untere Gasthaus ab. Das sah der Abt als eine Fügung
Gottes an und entschloß sich zum Bau des Bades an der heutigen Stelle.
Am 19. Mai 1630 floß das Wasser in seiner Leitung zum ersten Male
die Taminaschlucht hinab. Den 10. Januar 1631 wurde auch noch das
alte Badehaus durch einen herabfallenden Stein ganz zerschmettert und
dadurch das Baden im alten Tobel „nunmehro auffgehebt“[349].
1680 wurde das Fortbestehen des neuen Bades ernstlich in Frage
gestellt. Am 11. März stürzten nach anhaltendem Tauwetter schon länger
drohende Felsenstücke mit großen Eis- und Schneemassen über die
Quelle und verschütteten dieselbe derart, daß auch nicht eine Spur
von Thermalwasser mehr zu finden war. Im Konvent zu Pfäfers wurden
Beratungen gepflogen, ob man die Quelle wieder hervorsuchen oder dem
ungeheuren Schutt preisgeben wolle. Schließlich entschied man sich für
ersteres, und am 1. Mai fand man sie wieder. Eine wichtige Beratung
fand 1700 statt. Das Badehaus genügte für die vielen Gäste nicht mehr,
war auch baufällig geworden und sollte abgetragen werden. Es wurde
die Erbauung eines neuen Gebäudes am Schwattenfall erwogen, ungefähr
in der Mitte des heutigen Weges von Ragaz nach Pfäfers. Der Plan kam
nicht zur Durchführung, dafür erstand das heutige klosterartige Gebäude
in den Jahren 1704 bis 1716[316]. Es war anfänglich vier Etagen hoch
und diente zweihundert Personen zur Herberge. Um dasselbe herum war
kein Raum für Spaziergänge. Obgleich der Ort, so dermalen das Badehaus
steht, nicht mehr so gräßlich ist als der ehemalige Aufenthalt bei der
Quelle, sagt 1766 ~Fäsi~, „so würden doch Übelthäter, denen das Leben
abgekennt ist, Gnade verdienen, wenn sie gezwungen wären, sich allhier
ein Vierteljahr aufzuhalten“. Nur die Hoffnung auf Gesundheit mache
den Aufenthalt erträglich[419]. 1825 schrieb ein deutscher Arzt in
~Hufeland~s Journal, daß kaum ein berühmter Badeort Ärzten und Kranken
weniger bekannt sei als Pfäfers. Man wisse gar nicht, wie man dahin
gelange. Er selbst war siebzehn Tage dort. Der Weg von Ragaz wurde in
zwei kleinen Stunden zu Fuß, zu Pferd oder auf von Männern getragenen
Sesseln zurückgelegt. Fahren konnte man nicht. Von Valens senkte
sich der Weg, ins Bad führten Stufen hinab. „Es werden wenige sein,“
sagt er, „in welchen dieser Anblick den Gedanken nicht erregte, die
unverzügliche Rückkehr einem mehrwöchentlichen Begräbnisse in diesem
schauerlichen Schlunde vorzuziehen.“ Die Quelle besuchte er nicht, weil
er sich an den schauderhaften Anblick nicht gewöhnen konnte. Er fand
überall nicht nur Mangel an Eleganz, sondern viel Unreinlichkeit. Die
Fugen der Wasserleitung waren mit halbfaulem Moos verstopft, und das
Wasser hatte Holzgeschmack. Beim ersten Anblick eines Badgewölbes (Abb.
131; 1805 waren nach ~Ebel~ in sämtlichen sechs Bädern die Fenster fest
vernagelt[682]) war er sehr verwundert:
„Wie! in so ekelhaft schmutzigen Hallen
Thront Pfäfers Nymphe, die Fürstin aus allen?
Sie, die mit Wunderkraft
Stets neues Leben schafft! —
Still Freund! man findet ja überall Spuren
Von großer Heilwirkung der Ekelkuren.“
Die Preise fand er nicht billig, tröstete aber den Gast mit der
Ersparnis an Equipagen, Gesellschaften, Ballkostümen und den hier
fehlenden Verlusten im Hasardspiel[396].
[Illustration: Abb. 131. Pfäfers 1784. Kupfer von J. J. M. Zürich.
Stadtbibliothek.]
Dem weiten Weg von Ragaz über Valens und dem schaudererregenden Abstieg
auf der Felsentreppe zum Bad wurde 1838/39 durch Anlegen der neuen
Kunststraße längs der Tamina abgeholfen, so daß man von nun an von
Ragaz nach Pfäfers nicht nur in dreiviertel Stunde gehen und reiten,
sondern auch fahren konnte, und kurz darauf wurde gar die Wasserleitung
längs der Straße hinabgeführt, daß am 31. Mai 1840 die neue Badeanstalt
in Hof Ragaz, dem alten Statthaltergebäude des Klosters, eröffnet
werden konnte[316]. Nun stand dem alten Wasser, das ein Jahrtausend
nur als Heilbad gedient, nichts mehr im Wege, sich zu einem Luxusbad
zu entwickeln, wenn auch Professor ~Vogt~ noch 1857 sagt: „In Ragaz
darf man nicht rauschende Vergnügungen wie in großen Bädern suchen.
Man kennt da nicht Bälle, Konzerte, Musik eines großen Orchesters,
Hazardspiel u. dgl., überhaupt nicht ein städtisches Gesellschaftsleben
mit Putz und Tand aller Art. Man ist hier in der Tat auf dem Lande
und alle Vergnügungen und Unterhaltungen haben durchaus das ländliche
Gepräge“[368].
[Sidenote: _Wildbad_]
Weit besser als in Pfäfers war im 16. Jahrhundert in Wildbad gesorgt.
~Günther von Andernach~ fand alle Bequemlichkeiten[388], und auch
andere Schriftsteller geben an, daß für Arm und Reich gute Herberge zu
finden sei[431]. Es wurde zur Zeit von mehreren Fürstlichkeiten und
vornehmen Personen besucht. Die Anwesenheit Heinrich Ottos, Pfalzgrafen
bei Rhein, im Jahre 1526 wurde der Nachwelt durch eine Inschrift auf
dem Bogen der sogenannten Hölle im Herrenbad überliefert. Dem Namen war
auch sein Wahlspruch „Mit der Zeit“ beigesetzt. 1532 stiftete König
Ferdinand, als er sich während seiner Interimsregierung im Wildbad
aufhielt, eine steinerne Brunnensäule mit zwölf metallenen Röhren,
auf der er sein gewappnetes Bild errichten ließ. Herzog Ulrich von
Württemberg scheint aber kein Freund seines eigenen Bades gewesen zu
sein. Als sein Sohn Herzog Christoph 1545 um hundert Stunden gebadet
hatte, warnte er ihn, die Kur fortzusetzen und schrieb unter anderem:
„Wenn auch das Bad zum allerbesten geriethe, so ist keine andere
Vermuthung, als daß du nach solchem Bad deinem Halten und Wesen nach
(wie mir bericht) so feyst werdest, wie eine Mastsaw.“ In einem anderen
Schreiben warnt er ihn, sich in Hinsicht des Bades wohl vorzusehen,
„sonst erwürgt’s dich, ehe du dich’s versiehst“. Das Städtchen Wildbad
wurde sechsmal beinahe gänzlich in Asche gelegt. Das scheint beim
Zurückgehen des Bades einen wesentlichen Anteil gehabt zu haben,
obwohl es den Dreißigjährigen Krieg infolge eines Schutzbriefes Kaiser
Ferdinands III. gut überstand[325] [335]. Um das Bad zu heben, wurde
1821 der Regierung eine Denkschrift mit Vorschlägen überreicht, in
der als Hauptmangel das für die höheren Stände widerliche und viele
Badegäste zurückschreckende Baden von Leuten aus allen Volksklassen in
denselben Bassins sowohl im Herren- als im Frauenbade zur Sprache kam.
1824 beschloß man, das Pferdebad zu einem Menschenbad einzurichten,
das den Armen überwiesen wurde, so daß 1828 durch Neuherstellung
der Einrichtungen der schickliche Vorteil erreicht wurde, nach
verschiedenen Klassen der Kurgäste zu baden, die Vornehmen auf Wunsch
auch in Einzelbädern[382]. 1837 befand sich im Wildbad noch nicht
ein einziger norddeutscher Kurgast, 1839 erst neunzehn[154]. Durch
Neubauten brachte es Wildbad schließlich dahin, daß auch Personen
höchsten Ranges standesgemäße Unterkunft fanden. Es wurde (1857)
wiederholt von der Kaiserin-Witwe von Rußland und vielen anderen hohen
Personen besucht[457].
[Sidenote: _Spa_]
Spa scheint schon im 16. Jahrhundert das Bad fremder Fürstlichkeiten
gewesen zu sein. Ein Leibarzt Heinrichs VIII., ein Venezianer und eine
spanische Dame waren angeblich die ersten fremden Kurgäste. Mehrere
Monographien halfen zur Verbreitung des Rufes. Louis de Gonzaga, Herzog
von Nevers, war 1575 und 78 und Alexander Farnese, Herzog von Parma,
war vor 1589 dort, auch Karl I. von England und Heinrich III. von
Frankreich gebrauchten die Kur, 1577 Margaretha von Valois mit einer
liebeskranken Prinzessin, die aber aus politischen Gründen das Wasser
nach Lüttich kommen ließ. Maldonat und Margaretha von Valois wissen
noch nichts Gutes von den Spaer Einrichtungen zu berichten[70].
[Illustration: Abb. 132. Gleichzeitiger Gebrauch von Dusche und
Mineralbad in den alten Stadtbädern zu Aachen. Kupfer aus: ~Blondel~,
Erklärung deren Badt- vnd Trinckwässeren zu Aach. Aachen 1688.]
[Sidenote: _Die Dusche_]
Zu Anfang des 16. Jahrhunderts kam eine neue Gebrauchsart der
Mineralbäder nach Deutschland, die Dusche. Tucia (~Ryff~), Ditia
(~Leucippaeus~), das sind die ersten, dem italienischen Wort Doccia
oder Duccia nachgebildeten Namen in Deutschland für das „Vff sich
lassen rinnen vnd fallen von oben herab“ (1513)[346]. Als ~Paumgarten~
1584 in Lucca weilte, schlugen ihm die Ärzte das „doccirn“ mit dem
Wildbadwasser vor[248]. Häufig wird der allgemeinere Name Stillicidium
gebraucht. Die Dusche wurde im Gegensatz zu unserem heutigen Gebrauch
zuerst nur auf den Kopf angewandt (Abb. 132), was nicht den Beifall
aller deutschen Ärzte fand. ~Phries~ (1519) will nichts von dem Gießen
des heißen Wassers aufs Haupt wissen, weil es Kopfschmerz mache[420],
und ~Conrad Gessner~ gebrauchte zu Baden (Schweiz) an Stelle des
ehemals berühmten Stillicidiums — wie er sagt —, welches vielen
Personen Ungelegenheit gemacht hatte, einen Schwamm, womit das Haupt
bedeckt und auf den das warme Badewasser geschüttet wurde[94]. 1598
wandte sich ~Leucippaeus~ gegen die eine Elle hoch herabfallende
Dusche, sie solle für etliche Mängel des Haupts dienen, in Wahrheit
sei aber solch Stillicidium viel schädlicher als es nützen könne[431].
Nach ~Phries~ war die Fallhöhe 1516 drei Schuh hoch, gegen Ende des
Jahrhunderts aber viel niedriger, so daß wir bei dem schwachen Strahl
heute eigentlich nicht von einer Dusche sprechen würden. Als der
Nürnberger Kaufmann Wolf Flenntz 1571 nach „Carls Padt bey Ellenbogen“
ging, gab ihm ~Volcher Coiter~, ein bekannter Nürnberger Anatom und
späterer Feldmedikus des Fürsten Kasimir von Anhalt, eine Anleitung
zur Kur. Darin heißt es: „Man mus ein hiltzes schefflin +zwo spannen
hoch vom haupt+ hennckhenn vnd wan das ihr im badt seidt, das wasser
darin ir badett in das selbige schefflein giessenn, vnd durch ein
henlin, so +weith+ das +aines klains fingerlin halb groß darein ghenn
mag+, dasselbig wasser auff das haubt also warm fallenn lassenn das muß
geschehenn ein wenig vor ehe das ihr auß dem badt woldt ghenn, Erstlich
müst ihr das wasser fallenn lassen vornen auf das hauptt, ein handt
braith von der stirnn, letzlich hinden ein handtbraith vom knieckh,
das müst ihr treibenn +so lanng ir badett+“[376]. Nach ~Bauhin~ fiel
das Wasser nur eine Hand, aufs höchste eine Spanne hoch herab[331].
Die Dauer setzte ~Mechinger~ (1513) auf ungefähr eine Stunde[346],
ebenso ~Bauhin~[331] bei fünfzehntägiger Gebrauchszeit, ~Coiter~ für
Karlsbad auf zwei Stunden fest[376]. Mehrere geben eine besondere
Vorrichtung an, um das Wasser länger auf dem Kopf zu halten und dann
die Wirbelsäule hinabfließen zu lassen. Nach ~Mechinger~ sollte das
Wasser „fallen vffs haubt vornen da es offen ist, als man das an
iungen kinden sehen kan, da tringt es durch yn. Soll aber das das haubt
mit ainem bauschs wie itzo die frawen vff iren haubtern tragen bewart
sein, der selbe soll hinnen offen sein, das die wasser dahin durch
mögen lauffen übern hals hinab“[346]. Dieselbe Vorrichtung beschreibt
~Sytz~[375]. ~Ryff~ wollte dafür ein Tuch um Stirn und Schläfe gewunden
haben, so, daß hinten eine Öffnung blieb[48]. Manche schoren das Haar
ab (~Bauhin~, ~Reydt~). In diesem Falle hielt man eine warme Bedeckung
des Kopfes nach der Dusche noch nötiger als sonst. Für Priester, die
bei der Messe die Kappe abnehmen mußten, schlug ~Reydt~ 1708 ein
Pflaster auf den Kopf vor[458].
Die Kur geschah auf zweierlei Weise, im Bad (Abb. 132) und außerhalb
des Bades (Abb. 133); wie beim Baden erhöhte man allmählich die
Wärme[331], in späterer Zeit stieg man auch mit der Fallhöhe und der
Dauer der Dusche und nahm am Schlusse wieder ab. 1606 gebrauchte man
in Baden-Baden das „Träuffen“ wie das andere Bad täglich zweimal, fing
mit wenig Stunden an, stieg bis zum höchsten (bis sechs Stunden?) und
nahm darauf ab[362]. Es entstand auch eine „Ruffe“ (Ausschlag), die
nicht abgerissen werden sollte, weswegen das Kopfwaschen vierzig Tage
zu unterlassen war (~Baccius~)[331].
[Illustration: Abb. 133. Auf- und absteigende Duschen (Stillicidia oder
Wassergüß) im St. Cornelii- (oben) und im Rosenbade (unten) zu Aachen.
Kupfer aus: ~Blondel~, Erklärung deren Badt- vnd Trinckwässeren zu
Aach. Aachen, 1688.]
~Ryff~ empfahl als einfachstes Instrument den Laugenkessel der
Barbiere[48]. Man verband auch das Kopfwaschen mit der Dusche. Der
dänische Statthalter in Holstein, ~Heinrich Rantzau~ schrieb eine
lateinische Anweisung zur Gesundheit, die 1573 herausgegeben[397] und
1587 von ~Wittich Vinar~ ins Deutsche übersetzt wurde. Er empfahl
zur Erhaltung der Gesundheit, jährlich das Haupt drei- oder viermal
mit kaltem Wasser zu zwagen: „erstlichen sol das heupt mit laulicher
laug gewaschen werden, wenn solches geschehen, soll man mit frischem
brunnwasser +allgemachsam von der höhe auff das heupt treuffen+, vnd
bald darnach heuffig ein drey oder vier nössel kalte laug oder frisch
brunnwasser vber den kopff schütten“[459].
Schon ~Ryff~ empfahl, die Dusche auch auf kranke Glieder tropfen
zu lassen, und dieser Gebrauch trat allmählich immer mehr in den
Vordergrund (Abb. 46, 133, 135_a_). Die einfachste Vorrichtung der
Dusche in Form eines Gießfasses war leicht in jedem Bade anzubringen.
Immerhin wurde sie nicht überall häufig gebraucht. In Warmbrunn war
1607 die „Treffte“ selten[69]. ~Bauhin~ erwähnt schon, daß in dem
neuen Namen Duccia zwei Sachen begriffen seien, das „abtroffen“ und
die „Besprengung“. Man gebrauchte neben dem Herabtropfen auch einen
stärkeren Strahl, der aus Teucheln floß, die vom Brunnen hergeleitet
wurden[331]. „Newe vor diesem niemahl gebrauchte Stillicidia oder
Wassergüß“ kündigte ~Blondel~ 1688 im S. Cornelii und im Rosenbad zu
Aachen an, die von den Franzosen la douche oder la touche, von den
Aachenern aber die „Pompe“ genannt wurden (Abb. 133). Sie waren nur
ohne Bad zu brauchen und hatten in der Nähe Betten zum Schwitzen. Als
Besonderheit führte ~Blondel~ an, die Patienten wären nach der Dusche
mit Schwefelblumen bedeckt, daß man mit Fingern auf der Haut schreiben
konnte. Im kaiserlichen, dem kleinen und in S. Quirinibad, den
sogenannten alten Stadtbädern, war der Wasserguß „von alters her“ im
Brauch, und zwar fiel das Wasser aus einem erhöhten Geschirr herunter.
1688 wurde das Wasser durch eine Pumpe emporgehoben (Abb. 132).
Geduscht wurde während des Badens[409]. Da die Pumpen nur das Wasser
in die Höhe zu treiben hatten, war der Druck des fallenden Wassers
gering, und man suchte ihn durch möglichst hochgelegene Duschebehälter
zu erhöhen. 1806 war die Dusche im Verenabade zu Baden zehn bis zwölf
Schuhe hoch (Abb. 46, 103), man benutzte sie zehn bis fünfzehn Minuten
lang, nahm mit der Zeit zu und ab wie beim Bade[418]. ~Vogt~ verlangte
1857 eine Fallhöhe von zehn bis fünfzehn Fuß, welche die meisten Bäder
nicht besaßen, um eine Erschütterung der tiefer gelegenen Teile zu
bewirken[368]. 1793 war im Brückenauer Bade bei Fulda ein Tropfbad
von zweiunddreißig Schuh Fallhöhe in Gebrauch, das auf ~Zwierlein~s
Vorschlag errichtet worden war, in Ronneburg eins von fünfundvierzig,
in Lauchstädt von achtundzwanzig[656], in Driburg 1792 von achtzehn Fuß
Höhe[674]. Im Seebad zu Zoppot fielen 1823 die Tropf-, Dusch-, Regen-
und Sturzbäder von einem Turme herab[185].
[Sidenote: _Duschemassage und schottische Dusche_]
In den süddeutschen Bädern hatte man 1822 noch die alten
Duscheeinrichtungen, bei denen das Wasser von der Decke oder vom
Dachboden herabfiel. Es mußte in die Behälter getragen oder gepumpt
werden, wodurch die Temperatur nicht gut regulierbar war und
außerdem nur Duschen von oben nach unten gegeben werden konnten.
In den norddeutschen Bädern zu Rehburg, Nenndorf, Eilsen, Pyrmont,
Mainberg und Driburg hatte man Duschemaschinen, die im wesentlichen
Feuerspritzen waren und den Strahl unter höherem Druck auf jeden
Körperteil richten ließen. Bemerkt muß hier werden, daß man zu dieser
Zeit unter Dusche (Tropfbad) nur die Strahlendusche verstand, die
Regendusche hieß Trauf- oder Sturzbad und wurde nur kalt verwendet
[370][D]. Die bewegliche Strahlendusche unter Verwendung einer Art
Feuerspritze wurde von einem Dr. ~Lucas~ vorgeschlagen, was ~Zückert~
1768 erwähnt[343]. Zur Unterstützung der Duschewirkung rieb man die
Glieder. Das besorgte der Kranke selbst, und in dieser Form war die
„Douchemassage“ ein allgemeiner Brauch. Zu Aix in Savoyen, Aachen
und Warmbrunn bestand noch eine besondere Anwendungsart. „Es setzt
sich nämlich“, schreibt ~Rüsch~ 1832, „der Badewärter zu dem Kranken
in eine ovale Wanne, reibt, streicht, drückt, dehnt, manipulirt
während dem Herabströmen eines Wasserstrahls die Glieder desselben
eine Viertelstunde lang unausgesetzt: durch welche Behandlung die
Wirksamkeit der Douche sehr erhöht werden soll“[88]. Auch ~Justinus
Kerner~ erwähnt 1832 von Aachen, daß dort eigene Leute männlichen und
weiblichen Geschlechts (Frotteurs und Frotteuses genannt) zum Reiben
der kranken Gelenke mit der bloßen Hand während des Duschens angestellt
seien[325]. In seiner Gymnastik weist ~Tissot~ darauf hin, daß man bei
Gelenkerkrankungen zur Vermeidung von Steifigkeit und Kontrakturen
einige Tage nach dem Schwinden des Schmerzes und der Entzündung neben
passiven Bewegungen Reiben der Gelenke und namentlich die warme Dusche
mit großer Fallhöhe anwenden müsse, die durch ihren Stoß schon als
Erschütterung wirke, um allmählich zu aktiven Bewegungen überzugehen.
Die Dusche von warmem Mineralwasser hielt er für besonders vorteilhaft
und stützte sich dabei auf die guten Berichte aus Aachen[453]. 1768
machte ~Zückert~ darauf aufmerksam, daß bei irgendwelcher Entzündung
an den Gliedern oder in den Eingeweiden die Dusche auf jeden Fall
unterbleiben müsse.
[Illustration: Abb. 134. Entwurf ~Blondel~s zu Dampfbädern in Aachen.
Kupfer aus: ~Blondel~, Thermarum Aquisgranensium et Porcetananarum
elucidatio et thaumaturgia. Aachen, 1688.]
[Sidenote: _Die Mineraldampfbäder_]
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts kam aus Italien eine zweite neue
Gebrauchsart der Mineralbäder nach Deutschland, die Verwendung als
Stufe, auf Deutsch als Dampfbad, direkt über oder in unmittelbarer
Nähe der Quelle. Nach ~Bauhin~ hatte man in Italien drei Hauptarten in
Gebrauch. Die Dämpfe wurden entweder über der Quelle aufgefangen und
durch einen engen Gang in ein kleines Haus geführt, oder man schwitzte
in Höhlen, unter denen sich „feurige Hitze“ befand, und die nach Art
der Badestuben aufsteigende Bänke hatten, oder man steckte nur einzelne
Glieder in kleine Höhlen. ~Bauhin~ schlug für das Boller Bad vor, die
Kessel und Deckel so zuzurüsten, daß das Wasser, welches heraustropfte,
zum Trinken könne aufgefangen werden und die Dünste durch Kanäle,
welche man vor die Löcher gestellt, in das über dem Kessel gelegene
Kämmerlein aufsteigen konnten. In dieser Kammer sollten Häußlein mit
krummen Teucheln an die Kanäle angeschlossen werden, wo der Kranke
auf einem hölzernen durchlöcherten Brette saß und der Kopf sich
außerhalb des Häuschens befand, also ein Schwitzkasten, wie er schon
beschrieben wurde. Ein derartiges Schweißbad befand sich bereits beim
Bad zu Plombières, und ~Bauhin~ schlug vor, dort mehrere zu errichten,
ebenso zu Baden-Baden und zu Baden in der Schweiz[331]. In Baden-Baden
wollte man aber davon nichts wissen. ~Hess~ nahm 1606 an, ein solches
Dampfbad müsse über der Quelle liegen, wodurch das Badewasser durch
abrinnenden Schweiß verunreinigt würde, außerdem könne man das Gewölbe
des Hauptquells nicht zerstören[362]. Vornehme Männer und Ärzte
verlangten „schweiß- oder schwadembäder“ für Aachen und Burtscheid,
und ~Blondel~ schlug 1688 den in Abb. 134 wiedergegebenen Kasten für
das Kaisersbad an der Stelle, wo das überflüssige Wasser ablief, vor.
Eine Art aufsteigende Dampfdusche im St. Cornelius- und im Rosenbade
bildet ~Blondel~ ab (Abb. 133 links), beschreibt sie aber nicht[409].
Dampfkästen für den ganzen und halben Köper und Dampfduschen für
einzelne Glieder finden sich im 18. Jahrhundert in mehreren Schriften
über Aachen angegeben (Abb. 135)[263][410]. 1768 sagt ~Zückert~, daß
die mineralischen Dampfbäder nur bei den schwefelhaltigen Thermen
angebracht seien, die übrigen hätten vor dem gewöhnlichen Dampfbade
keinen Vorzug[343]. In Karlsbad wurde 1794 ein kleines Dampfbad gegen
den Sprudel hin errichtet, das 1825 unter Weglassung der Wasserbäder
zu einer größeren Dampfbadeanstalt mit mehreren Kästen über der
Hygieensquelle umgestaltet wurde. Die Erbauung geschah unter Leitung
eines Dr. ~Jean de Caro~, der sie 1829 beschrieb[347].
[Illustration: Abb. 135. Bilder aus Aachen von 1827. _a_ Die Art,
wie man das warme Wasser auf die schwachen Glieder fließen läßt. _b_
Trockenbad oder auf was für Art man den Dampf von dem Wasser auf die
kranken Glieder bringt. _c_ Gebrauch des trockenen oder Dampfbades. _d_
Das halbe Dunstbad. _e_ Das halbe Wasserbad. Kupfer aus: ~Blondel~,
Beschryving van de Stad Aken. Leiden, 1727.]
[Illustration: Abb. 136. Dampfbad zu Baden im Aargau. Kupfer aus dem:
~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich, 1827.]
In einen neuen Entwicklungsabschnitt traten die Dampfbäder mit dem
Auftreten des bayerischen Legationsrates ~Carl von Gimbernat~. Seine
Vorstudien machte er in Aix in Savoyen, 1823 kam er nach Baden in der
Schweiz, wo er in aller Stille seine Untersuchungen begann. Er glaubte
schon in Aix eine organische Substanz, gebildet durch die elastische
Flüssigkeit dieser Quelle, gefunden zu haben, die viel Gleichheit mit
der tierischen Substanz und alle negativen Eigenschaften von Azot
(Stickstoff) haben solle, dessen Gegenwart sich ihm im Gas der Quelle
anzeige. Nach ihm verlor sich wegen unzweckmäßiger Einrichtungen der
Behälter, der Quellen, der Wasserleitungen die Haupttugend dieser
elastischen Flüssigkeit so sehr, daß Gas und Schwefel nur in sehr
unbedeutender Menge zu den Bädern und Brunnen gelange. Die Eigentümer
der großen Bäder gingen auf Versuche ~Gimbernat~s nicht ein, die er
dann in den kleinen anstellte. 1824 legte er der Stadt Baden, nachdem
er von der aargauischen Regierung die Zusicherung zur Unterstützung
seiner Pläne erhalten hatte, eine Zuschrift vor, in der er unter
anderem zeigte, daß der größte Teil der elastischen Flüssigkeiten,
die sich aus den Thermalquellen entwickeln, ein dem Azot (Stickstoff)
entsprechendes Gas sei, dem er den Namen tierischer Thermalstoff gab,
daß dieses Schwefelgas sich sehr schnell zersetze und fast weder Gas
noch Schwefel zu den Wassersammlern gelange, was für die Kranken ein
großer Verlust sei, indem ihnen von der Kraft dieser Schwefelbäder
und des Gases, das hier die Natur in großer Menge diesen Heilquellen
mitteile, nichts zugute komme. Er wollte ein großes Vaporarium über
dem Verenabade errichten und bei Erfolgen die Badebesitzer zur
Errichtung ähnlicher Anstalten ermuntern. Am 3. Juli wurde der erste
Dampfkasten über dem Verenabade errichtet. ~Gimbernat~ erhielt nach
England und Frankreich ehrenvolle Einladungen, blieb aber in Baden und
verlangte vom Stadtrate auch eine Abkühlungsanstalt (Tepidarium), weil
das allzuschnelle Aussetzen des gebadeten Körpers an die freie Luft
gerade in dem Maße schädlich sei, als die Gasbäder bei dem Gebrauch
eines Tepidarii nützen könnten. Seine Wünsche erregten den Unwillen
der Bevölkerung. Als die Regierung vorschlug, ihm als Wohltäter der
Menschheit das Bürgerrecht zu schenken, erklärte sich die Bürgerschaft
damit nicht einverstanden. Zwar empfahl die Sanitätskommission die
Errichtung von Thermalbädern und Tepidarien in den Bädern, statt der
Ausführung nahm man aber die Einrichtung im Verenabade 1825 weg.
~Gimbernat~ protestierte bei der Regierung, das Dampfbad wurde wieder
hergestellt. Auch in den Höfen und dem Wirtshaus zum Bär entstanden
nun Einrichtungen (Abb. 136), weil viele Kranke in die kleinen Bäder
gingen.
Das Haupthindernis seitens der Bäderbesitzer bei der Errichtung von
Dampfbädern lag darin, daß ~Gimbernat~ darauf bestand, sie müßten
direkt über der Quelle angelegt werden. Schinznach, das nur eine
einzige Bade- und Trinkquelle besaß und nur einen Kessel, dessen
Wasser zu den Bädern nicht entbehrt werden konnte, der zugleich als
Dampfbad diente, mußte wegen Beschwerde der Badegäste die Anstalt bald
eingehen lassen, die nicht in einem verunreinigten Badewasser sitzen
wollten[353]. 1817 errichtete man auch zu Baden-Baden drei Dampfbäder
über dem an mehreren Stellen durchbohrten Gewölbe der Ursprungsquelle.
Im folgenden Jahre wurde auch im Badgasthause zum Baldreith ein
Dampfbad errichtet, und 1819 kam eine große Dampfbadeanstalt an
der Ursprungsstelle zustande, in deren zweitem und drittem Stock
sich vierzehn Badekabinette befanden. In den meisten gab es ganze
Dampfbäder, außerdem halbe, Fuß-, Arm-, Schulter-, Hüft-, Nacken-,
Ohren-, Mund- und Augendampfbäder, auch Vorrichtungen zum Einatmen des
Dampfes[370]. Auch die Errichtung der Dampfbäder in Baden-Baden suchte
~Gimbernat~ zu beeinflussen. Wildbad hatte 1832 keine Dampfbadeanstalt,
seine Temperatur eignete sich nicht dazu[325]. Ihre Errichtung war
schließlich aus praktischen Gründen auf die höher temperierten Bäder
beschränkt.
Bemerkt muß noch werden, daß nur der Gedanke, besondere Vorrichtungen
für Mineraldampfbäder zu errichten, italienischen Ursprungs ist. Die
Dämpfe selbst wurden in Deutschland schon früher verwendet. ~Ryff~
schlug z.❆B. vor, gegen Wassersucht den ganzen Körper mit Badleim
(dem Niederschlag der Mineralbäder) zu bestreichen und über die
Dämpfe, nicht im Wasser zu halten, später den Leim mit dem Wasser
abzuwaschen[48]. Von Pfäfers wurde sowohl vom alten Bade (Abb. 130),
als auch vom neuen (dessen Fenster nicht zu öffnen waren) (Abb. 131)
gesagt, daß die Badenden mit dem Oberkörper gleichsam in einem Dampfbad
säßen, und ~Fabricius Hildanus~ sah darin 1610 ein hervorragendes
Heilmittel, weswegen er auf eine Anfrage hin angab, das Baden in Wannen
mit Pfäferser Wasser außerhalb des Bades selbst habe nur wenig Wirkung,
weil da der Dampf wegfalle[22]. In Baden (Schweiz) empfahl schon
~Conrad Gessner~ zur Stärkung der Glieder, diese über das heiße Wasser
zu halten[94], und ~Pansa~ erwähnt 1609 in Karlsbad das Bähen der
Glieder vor dem Bad über warmem Wasser in einem Fasse, das oben bedeckt
sein solle, wie man die Schweißbäder anzurichten pflegt[350].
[Sidenote: _Pantaleons Bericht über Baden im Aargau von 1578_]
Eine sehr eingehende Schilderung des Badelebens im 16. Jahrhundert gibt
der Baseler Professor ~Pantaleon~ von Baden in der Schweiz im Jahre
1578[35]. Die einzelnen Bäder und die dortigen Gebräuche beschreibt er
wie folgt:
VON DEM FREYEN BAD
Das freye Bad, so auch das Burgerbad genennet, ist vnder dem heiteren
himmel, zwischen den Herberigen auff einem zimlichen besetzten platz
gelegen. Es ist 30 schuh lang vnd 24 schuh breit, also das vber die
hundert menschen zu mal darinnen baden mögen. Es ist auch zuring
herumb mit steinen blatten besetzet, vnd mancherley sitz darinnen
geordnet. Hiemit ist auch ein eck vnd viertetheil deß Bads durch ein
höltzenen gatter vnderschlagen, vnd für die Weiber geordnet. Weil
aber offt die gemeinen Weiber dahin kommen, pflegen sich andere in
dem größeren Bad zuenthalten. Es lauffet ein großer Brunnen in diß
Bad von deß großen stein ersten quell vnd vrsprung. Demnach auch ein
kleinere rören in das vergättert Frawenbad, von dem viertheil dises
quell so gegen der Herberig zu dem Blumen gerichtet. Dises wirt alle
freytag abgelassen vnd sauber geweschen, man laßt auch bald das
wasser starck hinein lauffen, also das dises in sieben stunden wider
erfüllet. Dann man darff disem Bad kein mangel an wasser lassen, vnd
müssen etwann andere mangeln, biß dises erfült ist. In disem Bad
darff jederman frembd vnd heimisch vmbsonst baden, vnd sein ergetzung
lang oder kurtz da haben. Fürnemlich kompt an Sambstagen das Volck
von der Statt vnd ab dem Land mit hauffen daher, vnd begert Weib vnd
Mann sein kurtzweil zu haben, vnd hüpsch zu werden. Hie ist sich aber
hoch zu verwundern das man das schräpffen dermassen mißbrauchet, dann
es will jederman schräpffen, vnnd vermeinen mehrtheils sie haben nit
gebadet wann sie nit voll hörnlin wie ein Igel hangen. So jnen doch
offt vil nützer das blut zu jnen zukauffen ... Es were auch besser
wann regenwetter vorhanden, man sesse nit in das bad: dann ob wol dz
bad halb bedecket, vnd man sich an den schirm thun mag, verleuret
doch das Bad durch deß regenwassers vermischung sein qualitet vnd
eigenschafft. Deßhalben keinem zu rahten das er sein gantze Badenfart
darinnen vollbringen solle, dieweil nicht alle zeit das wätter
bestendig sein mag. Dises solle man auch von S. Verena bad verstehn.
Es ist ein Badermeister oder Scherer vber dises verordnet, welcher
der Knaben vnzucht stillen, vnd gute ordnung darinnen erhalten solle.
Diser hat etwann zwen, drey oder vier Diener, welche doch alle mit
schräpffen gnug zuschaffen, also das ein parthey offt der andern
kümerlich mag platz geben. Deßhalben auch offt das bad dermassen
geferbet, als wann man in dem blut badet. Diser hat es von der Statt
zu einem Lehen entpfangen, verdienet vil gelt, vnd muß auß disem Bad
vnd seiner behausung järlich 40 Gulden erlegen.
VON SANCT VERENABAD
Dises Bad ligt auch vnder dem Himmel auf der anderen seiten deß
grossen platz, in gleicher form wie das freye bad mit steinen vnd
mauren eingefasset, es ist 34 schuh lang vnd 20 breit. Es baden
mehrtheils arme prästhaffte leut darinnen. Daher es auch S. Verenabad
genennet. Dann dise heilige Fraw ist mit sampt S. Mauritio vnd dem
Christenlichen hauffen vnder den Heydnischen Keysern Diocletiano,
Maxentio vnd Maximino vmb das 300 jare nach Christi geburt, als
jhrer ordenlichen Oberkeit hilff zu beweisen, auß Affrica in der
Heluetier land kommen: wie auch die Thebanische Legion zu Martinach
in Wallis als bestendige Christen grausam gemartert, vnd etliche auß
jnen als S. Felix, Regula, Vrsus vnd andere Weib vnd Mannspersonen
mehr biß an die Aar vnd Limmat entronen, auch letstlich durch die
Keyserliche Landtuögt hingericht, hat S. Verena in disem Bad den
armen gedienet, jhr gut jnen reichlich mitgetheilet, vnnd sie den
Christen glauben gelehrt, biß sie zu letst auch abgethon worden. Dise
ligt nicht weit von disem Bad zu Zurzach begraben, da auch ein reiche
gestifft vorhanden. In disem bad entspringet der ander quall gantz
reichlich herfür, vnd zeigen sich vil bläterlin als wann ein hafen
auffquallet. Es ist aber hie ein abergleubischer wohn vorhanden.
Dann es vermeinen hie jren vil, wann ein vnfruchtbare Fraw darinnen
bade, vnd ein fuß in dz loch stosse, da dz wasser herfür quillet, es
werde S. Verena bey Gott erwerben dz sie fruchtbar werde. Deßhalben
sich auch begibt, wann das bad sauber abgelossen vnnd geweschen,
welches dann zweymalen in der wochen beschicht am Mittwochen vnnd
Sambstag, das vil schöner reicher Frawen mit guldinen Ketten bezieret
sich darein setzen, den fuß hinein stossen, jr gebett vollbringen,
vnnd den armen jr allmusen mittheilen. Es begibt sich auch offt das
sie bald hernach schwanger werden. Man findet wol etliche so da
vermeinen es helffen auch etwann die starcken Bettler darzu, welcher
vil darinnen vorhanden. Man thut aber den ehrlichen Frawen vnrecht:
dann wann sie darinnen baden, ist heiterer häller tag etwann zwo
stund vor dem jmbiß mal, vnd stehn vil leut vmb das bad so jnen
zulugen. Ich weiß aber ein bessere vrsach. Namlich das dises bad
art vnd eigenschafft ist die Bermuter außzutrücknen vnd zu erwermen
also das sie geschickter wirt zu entpfahen. Also muß ein jeder Acker
bereitet werden, so den samen entpfahen, vnd hernach frucht bringen
solle. Weil auch in disem bad das wasser nit oben herab durch die
Kenel fallet, sonder von vnden auff quillet, wirt die muter vil
krefftiger erwermet, so man ein stund bey dem loch sitzet, dann wann
man sonst ein gantzen tag im anderen wasser sesse ....
So vil aber die armen leut belanget kommen offt vorab im Meyen
etliche hundert dahin zusamen. Sie müssen aber vorhin vmb ein
Herberig lugen damit sie jr heimwesen haben vnd nit dörffen auff der
gassen ligen, wie dann zwo oder drey zunechst bey dem bade vorhanden.
Dise werden durch fromer leuten allmusen teglichen erhalten. Es
setzen die armen jre schüsseln zuring vmb das bad auff die mauren,
vnd bleiben sie im bad sitzen, darff auch keiner die seine anzeigen.
Dann legt man Gelt, Brot, Wein, Suppen, Fleisch, oder anders in die
Schüsseln, vnd weißt niemand welchem dise zu gehörig. Wann auch
etwann große heuffen herzugetragen, theilet der Wechter, so sein
Heußlin an dem Bad hat, dises ordentlichen auß, vnd ermanet dise
zubetten vnd sich danckbar zu erzeigen. Demnach geht ein jeder
herfür, vnd nimpt wz in seiner schüsseln ist. Weil aber hie offt
vnder den frommen sich auch vil böser bůben vnd seck einmischen so
nicht wercken mögen, sonder andern dörfftigen das Brot vor dem maul
abschneiden, were notwendig vnd nutzlich wann ein jeder armer, so
sich deß allmusen behelffen wille, ein schein von jrer Oberkeit
brechten, das sie dises nottürfftig vnd dz allmusen an jnen wol
angelegt were. Es wurden sich hiemit vil böser Buben schemmen, vnd
einem biderman wercken müssen, welche sonst deß müssiggangs gewohnen,
vnd in vil böse laster, als stälen vnd mörden gerahten. Es hat sich
im 1571 jar zugetragen, das ein Vatter Heine Eyselin vnd der Sohn
Lude genennet, mit der Muter daselbst gebadet, auch etwann öpffel vnd
byren auß den Dörffern zugetragen vnd da verkauffet. Wann aber dise
vermercket, das etwann schlechte leut auß dem Bad wöllen heimziehen,
haben sie an kommlichen orhten auff sie gewartet, vnnd dise ermördet
vnnd vmbgebracht: dise seind hernach zu Bruck gefangen worden,
vnnd hat sich der Vatter nach bekannter schuld inn der gefengknuß
selbs erhencket, der Sohn warde auff das Rad gelegt, vnd die Muter
ertrencket. Wann sie hetten ein schein von jrer Oberkeit sollen
bringen, wurden sie disen nicht bald erlanget haben. Dann ob sie wol
sich einer kranckheit angenommen, ware es doch nur ein erdichteter
handel, vnd mochten wol wercken. Ich hette jnen dises nicht
vertrawet. Dann sie seind lang auch zu Basel gewesen, vnnd haben mir
offt in Reben vmb ein Taglon gewercket.
Wann die armen etwas vnzucht begehn, werden sie von dem Wächter
gestraffet vnnd in das taubheußlin gesetzet, so vnden zu dem
Schlüssel steht. Wann auch jr Badenfart nach einem Monat vollendet,
manet er dise ab, vnnd heisset die je nach gelegenheit deß prästen
hinweg ziehen, damit ander leut mögen platz haben. Sie müssen jm auch
bey schwerer straff gehorsamen.
VON DEM STADHOF
Der Stadhof, so auch der vordere Hof genennt, vnd an der Limmat
gestad gelegen, ist ein grosse lustige Herberig, so mit vil schönen
stuben, sälen vnd gemachen bezieret. Daselbst seind zwo grosser
Kuchen vorhanden. Die eine gehöret dem Herren wirt zu, auß welcher
er die Gest mit ordenlichen malen, oder mit dem pfennwert noch eines
jeden gelegenheit speisset. Die andere hat ein besonderen Koch für
alle dise so selbs einkauffen, vnd jre speiß nach gefallen zu Kochen
begeren. Dann es ist solches einem jeden zugelassen. In disem Hof
seind acht lustige Beder vnder welchen fünffe gemein: vnnd die
vberigen drey werden sonderbaren personen vmb ein bestimpt Gelt zu
jeder wochen mit sampt den ordenlichen gemachen, verliehen.
Das erst ist das Herrenbad, in welchem Edel vnd Vnedel, Geistlich
vnd Weltlich, Jung vnd Alt Mannspersonen von den Catholischen oder
Euangelischen ohne alles disputieren vnd zancken, gantz freundtlich
nach vnd nach zusammen kommen, vngefahr bey 20. Es ist 15 schuh lang,
vnd 13 schuh breit. Diser wirt durch den ersten quall so vor dem Hof
bey dem grossen stein vorhanden, mit sampt dem Frawenbad, vnd den
vndern dreyen sonderbaren Bedern zubereitet vnd gewermet. Man mag
auch dises heiß, warm, oder law machen, nach dem man den zapffen
außzeuhet, darzu vil oder wenig lauffen lasset. Dises ist fast dem
Hof eben, vnnd mag man also sitzende hinauß durch die thüren in Hof
sehen, vnd mancherley Volck besichtigen. Welcher in dises Bad will,
gibt zu einzug zwen doppelfierer, oder ein angster vnd drey Creutzer.
Demnach geben sie alle morgens vmb sechs vhr die suppen (Abb. 87),
ordenlich nach einander, etwann einer vil der ander wenig, nach dem
ein jeder will gesehen sein. Ob wol auch zu vil essen vnd trincken in
dem Bad nicht nutz, begibt sich doch offt das jren vil, so vmb drey
oder vier vhren in das Bad sitzen, eines süpplin notwendig, vnd nicht
lenger mögen one trincken sein. Doch were gut das hierinn ein ordnung
gemacht, vnd das auff ein Person nicht vber ein halb maß weins
gegeben wurde: solches brechte dem Bad einen besseren nammen, vnd
dörffte man nit offentlich schreiben vnnd in truck lassen kommen, es
were der Schlemmer Bad, vnnd wurde hie die volle Mette gesungen. Dann
es mögen der Badergesellen der sach nach jrem gefallen mit einander
eins werden. Wann man die Suppen gar abstellen, wurde meniglich arm
vnd reich darinnen Baden, vnnd das Bad mit personen vberfüllet sein,
das man sich nicht wol geregen möchte. Man bettet vor vnd nach der
morgensuppen vnd dancket dann mit einem kurtzweiligen Lied dem Wirt,
damit er lang mit ehren lebe, biß er jnen wider gibt. Nach disem
bestellet man ein anderen Wirt, auff welchen die ordnung kommet,
setzet jm einen Krantz auff, vnd dröwet jhm in dem gesang man wölle
morgen zu jm kommen, mit Pfeyffen vnd mit Trommen. Doch lasset man am
Sontag vnd grossen Feyrtagen die gemeine Suppen vnnd gesang anstehn.
[Illustration: Abb. 137. Badgericht in der zweiten Hälfte des 16.
Jahrhunderts. Holzschnitt aus: ~Münster~, Cosmographey. Basel, 1598.]
In disem bad wirt ein Schultheiß erwelet mit mehrer hand der
Badergesellen, deßgleichen ein Statthalter, Seckelmeister, Caplan,
Schreiber, Großweybel, Kalthanß, Scherg und Nachrichter, so nach der
suppen das gericht (Abb. 137) besitzen, vnnd die vnzucht, so daselbst
vnd in allen Bedern dises Hofs begangen, wol straffen vnd abstellen
mögen. Es muß auch ein jeder Badergesell dem Schultheissen mit der
lincken hand an den Stab geloben jme zu gehorsamen. Was für bussen
fallen, geben sie den armen oder vmb Wein, oder verzehren es mit
einandern. Also geht jnen der morgen mit kurtzweil hinweg. Wann auch
jemand außgebadet, nimpt er freundlich vrlaub vnd gibt sein ehrlich
letze[E].
Das ander ist das Frawenbad, in welchem allerley ehren Frawen vnnd
Jungfrawen zusammen kommen, mehrtheils bey 30. Es ist 16 schuh lang,
vnd 10 schuh breit. Dises bekommet auch sein wasser von der ersten
quell so vnder dem grossen stein vor dem Hof entspringet, vnnd
wirt durch Kenel hinein geleitet, vnd durch den lauffenden zapffen
gemindert oder gemehret. In disem haben die Frawen auch alle tag nach
ordnung jr Wirtin, haben ein fröliche suppen, dancken derselbigen,
vnd machen dann ein andere mit einem Krantz vnd frölichen gesang,
wie in dem Herrenbad. Sie haben auch ein besondere Seckelmeisterin,
welche jhr gelt vnd letzin in seckel entpfahet, das sie auch mit
einandern freundtlich verzehren. Wann aber etwas vngeschickt vnnd
straffwürdig bey jhnen fürgeht, zeigen sie es dem Schultheissen vnd
gericht im Herren Bad an, damit darüber etwas nach altem gebrauch
erkennet werde.
Das dritte ist der Kessel, so 18 schuh lang vnd 15 breit. In disen
kompt allerley Volck, Weyb vnnd Mann, bey den 50 Personen zusammen,
seind züchtig vnd freundtlich beyeinandern, vnd isset ein jeder was
jm gefalt, vnd wz es vermag. Doch seind sie auch deß Herren bads
gericht vnderworffen. Es mag auch ein jeder auß dem Herren oder
Frawen bad etwann in Kessel gehn, sich wol zu erwermen. Hergegen
dörffen aber dise nicht in dieselbigen gehn, sie machen sich dann
der suppen theilhafftig. Dises ist ein wunderbar gut vnnd krefftiges
Bad, welches von vnden her gantz reichlich herfür quillet, vnd
dasselbig Bad krefftig erwermet. Der Kessel haltet obenher im zirckel
20 spannen vmbsich, vnnd wann ein Mann auff dem jnneren gattern
steht, so ob dem Brunnquell ist, geht er einem biß an die brust. Es
hat dises bad ein nutzliche würckung vnd werden offt contracte vnd
lame hinein getragen, welche bald hernach frisch vnd gerad selbs
wider herauß gehn, wie in dem 1577 jar einem Frewlin von Waltzhůt
beschehen, welche sich nit vberessen, vnd mit ordnung gebadet. Ich
raht auch insonderheit den Weibern, so etwas mangel an der Bermuter
befinden oder vnfruchtbar seind, dz sie sich offt zu disem Kessel
setzen, vnd die füß hinein hencken, so werden sie gewißlich jr
Badenfart wol anlegen, vnd nicht begeren den Badkosten wider in
dem Seckel zu haben, wie ich solches von vil ehrlichen Weib vnd
Mannspersonen gehöret, so nicht zustreng, sonder ordenlich gebadet,
wie wir hernach wöllen anzeigen.
Das vierdte ist neben dem Kessel, vnd wirt von demselbigen auch
erwermet. Doch ist es nicht also heiß, wie der Kessel, weil er durch
den Bogen lauffet, vnd in dem vberschlagen etwas kelter wirt. Darumb
solle man erstlich in dises, vnd vber ein stund oder zwo in den
Kessel sitzen. Es ist 16 schuh lang vnd 13 breit. Dahin kommen auch
Weib vnd Mann jung vnd alt bey 40 etwann zusammen.
Das fünffte ist neben der Frawen bad, vnd bekompt sein wasser auch
auß vorgemeltem Kessel, vnd lasset die hitz durch das ablauffen auch
etwas nach. Es ist fast in der Frawen bad größe, vnd kommen allerley
personen, wie in vorgemeldtem, bey den 40 dahin zusammen. Wann aber
der Frawen Bad mit personen gar erfüllet, so müssen alle andere
personen weichen, vnd nemmen es die Frawen, so die suppen geben, auch
für sich ein. Dise Beder werden alle nacht sauber geweschen, vnd ist
man nicht anders, weder dem Badwäscher, alle wuchen ein Creutzer
schuldig.
Das sechßte heisset deß Bischoffs vnd etwann deß Marggrauen bad. Es
wirt sonderbaren personen verliehen, vnd bekompt sein wasser, von
der ersten brunnquell, wie das Herren bad. Dises ist 10 schuh lang
vnd 8 breit, wie die zwey volgende. In disem ist der Durchleuchtige,
Hochgeboren Jörg Friederich Marggraue zu Brandenburg auff einem
Pferde sitzende gemalet, so daselbst im 1575 jar in eigner
person gebadet. Wann ich an dises Bad gedenck, muß ich warlich
eines wunderbaren bossen lachen so darinnen fürgangen vnd würdig
zubeschreiben.
In gemeltem Jare hatten Burgermeister vnd ein Ersamer raht der
loblichen weitberümpten Statt Zürych dem Hochgebornen Fürsten von
Brandenburg ein ehrliche Badenschencke von Wein vnd Habern zu
gesendet, vnd Herrn Heinrich Lochman dem Panerherren von Zürych
beuohlen dise zu presentieren vnd zu vberantworten. Wie nun diser zu
Baden mit der schencke erschienen, begab sich dz der fromme Fürst
durch das Bad zimlich erhitziget, vnd schwach worden, also das er
etliche tag nicht zu der tafeln gangen, sonder sich in seinem gemach
oder in dem Bad still gehalten. Hiezwischen beuahle er Hertzog
Johansen von der Lignitz vnnd seinen Rähten die frembden Gest zu
entpfahen, vnd jnen gut geschirr zu machen. Als man nun guter
dingen gewesen, vnd der Panerherr gern den Fürsten gesehen, ward
jm angezeigt, der Fürst lasse jetz niemand für sich kommen, sonder
enthalte sich in dem gemach oder im bad. Da schwure der Panerherr
vnnd gelobt bey seinen ehren, er wolte morgen ehe er verritte
wann es anders nicht möchte sein, mit Stiffel vnd Sporen zu dem
Fürsten in das Bad tretten vnd jme die hand bieten, damit er seiner
Oberkeit könte anzeigen er habe den Fürsten gesehen. Weil ich nun
auch ob derselbigen tafel gesessen, vnd zu morgen von dem Fürsten
erfordert mit jm allein zu baden, hab ich dem Fürsten züchtiglich
angezeigt, wz sich ob dem nachtessen für reden zugetragen, vnd wz
der Panerherr versprochen. Hiemit zeigt ich auch dem Fürsten deß
Panerherren hoch alter, vnd auffrecht dapffer gemüt an[F], bittende
wann solches beschehen, jr Fürstliche Gnad wölte jm nicht zu vngnaden
auffnemmen: Wie wir also zwo stund bey einander gesessen, vnd vns
mancherley sachen ersprachet, so kompt der gute alte Lochman wie ein
alter einfeltiger Eydgnoß daher, wünschet dem Fürsten einen guten
tag, wattet mit Stiffel vnd Sporen durch das Bad, vnd beutet dem
Fürsten die hand. Ich vermercket damalen das sich der Fürst etwas
entferbet. In solchem trate der Panerherr hindersich, vnd bate den
Fürsten vmb Gottes willen jme zu verzeihen, dann es were auß guter
meinung beschehen, damit er seiner Oberkeit deß Fürsten miltigkeit
vnd freundtligkeit erzellen mögen. Da hat der Fürst, als ein weiser
wolberedter Herr, erstlich seiner Oberkeit, vnd auch jhme von
wegen der presentierung gedancket, vnnd sich allergnaden gegen den
Zürychern erbotten. Hiemit hat er jm auch dise that so auß frommem
einfaltigem gemüt beschehen, verzigen, vnd jm auch hiemit ein grossen
stauff mit Wein zu einer freundtschafft außgebracht. Disen hab ich
von dem Fürsten entpfangen vnd dem Panerherren dargereicht, welcher
dem Fürsten bescheyd gethon, vnd jn mir auß gebracht. Er ist auch
hernach gantz demütig vnnd frölich von dem Fürsten gescheiden. Weil
solches in disem Bad beschehen, so jetz deß Marggrauen Bad genennet,
hab ich es hie müssen anzeigen, vorab weil der fromme Lochman in
volgendem jare in hohem alter auß diser zeit seliglichen verscheiden.
Das siebende heißet der H. drey König bad oder das schellenbedlin,
ist in gleicher grösse, vnd wirt auch von disem wasser erwermet.
Das achte heisset das Meyenbedlin geht hinauß auff die Limmat ist
mit schönen fenstern bezieret, welche man auff vnd zuthun mag,
vnd fürnemlich in dem Meyen einen großen lust vnd nutz darinnen
entpfahen. Es ist auch in vorgehnder grösse, vnnd wirt mit vorgehndem
heilsammen wasser zubereitet. Dise drey letsten Beder werden von
sonderbaren Personen etwann ein Monat zuuor bestellet, damit wann
sie kommen, dise ledig seyen, vnnd vorgehnde Ehrenleut jhr badenfart
vollendet haben.
Es hat auch Herr Hans Jakob Vberlinger der jetzige Wirt im Stadhof
im 1576 jar ein newen Brunnenquell in seinem Hof etwann zehen schrit
von der Limmat erfunden, vnnd mit grossem kosten lassen einfassen,
wie ich dann dises selbs besichtiget, vnnd sein werme erfahren,
so obenher bey vier spannen zu ring vmb sich haltet, vnd lustige
bläterlin auffwirffet. Wann man auch disen etwas höher vbersich
bringen, vnd dann hinab in Kenel durch die kammern richten, möchte es
an der behausung eck zwey oder drey lustige Beder geben, auß welchen
man zu beyden ecken die Limmat hinauff vnnd hinab sehen köndte.
In disem Hof ist auch ein lustiger dantzplatz mit schönen beumen
bezieret, deßgleichen ein schöne Sommerlauben darbey, so 28 schuh
lang vnd 25 breit ist, also das bey zehen tisch darinnen stehn mögen.
Er ist mit schönen Fenstern, vnnd vil ehrlichen Wappen bezieret.
Daselbst kommen die Badergest offt zusammen, thund ein abendtrunck,
oder begehn die malzeit mit einandern, damit jr kurtzweil gemehret,
vnd jr gemüt erfrewt werde, welches dann zu einer nutzlichen
badenfart höchlichen von nöthen.
VON DEM HINDEREN HOF
Der hindere Hof ist vnder dem vorgemelten auch an der Limmat gelegen,
mit einem großen Hof, darzu mit vil Stuben, Sälen vnd Gemachen
bezieret, also das mancherley Weib vnd Mannspersonen von Adel vnd
Burgern, Geistlichen vnnd Weltlichen stadt daselbst kommlich wonen,
jr speiß entpfahen, vnd jrer badenfart wol mögen außwarten: dann es
seind auch zwo Kuchen darinnen vorhanden, für dise so selbs Kochen,
oder bey dem Wirt wöllen essen, wie im Stadhof. Dises Hofs warm
heilsam wasser kompt von einem sonderbaren Brunnenquel herfür, so
der vierdte mag genennet werden, vnd vor dem Hof vnder einem runden
gemewr von quadersteinen erbawen, herauß tringet. Es hat Herr Caspar
Falck ein frölicher Mann vnd jetziger Wirt desselbigen Hof erst vor
zweyen jaren disen vrsprung geöffnet vnd geseubert, welches vorhin
bey menschen gedechtnuß nicht beschehen. Dises wasser wirt in acht
Beder außgetheilet, so in demselbigen Hof vorhanden.
Das erste ist das Herren Bad, in welches man von dem Hof etliche
staffel hinab geht. Es ist sehr lustig vnd die steinine sitz mit
täfelwerck eingefasset. Dises ist 18 schuh lang vnd 9 breit, also das
bey dreissig mann darinnen baden mögen, vnd ist fast in der mitte der
andern bedern gelegen. Es kommen allerley stadt ehrliche Menner in
dises zusammen. Geben nach einander die morgensuppen, vnnd besetzen
das Gericht aller dingen wie im Stadhof beschicht. Es hat sich
auch etwann zugetragen, wann der Personen wenig vorhanden, vnd jr
Gericht nit wol besetzen mögen, das man auß beiden Höfen ein morgen
vmb den andern zusammen gangen, die suppen entpfangen, vnnd das
Gericht gehalten, auff das jhr kurtzweil gemehret, viel kundtschafft
gemachet, vnnd einigkeit erhalten wurde.
Das ander ist das Frawen bad, so vngefahr 12 schuh lang vnd breit
ist, vnd auch bey 24 Frawen setzen mag. In disem kommen auch vil
schöner ehrlicher jung vnd alte Weibspersonen zusammen, seind
freundtlich mit einander, geben ordenlich jr suppen, vnd halten es
auch aller dingen, wie man im Frawen bad deß Stadhofs zuthun pfleget.
Das dritte ist der Kessel, so auch ein quell von vndenher, vnnd doch
auch von der großen Brunnquell etliche wasser entpfahen muß. Dises
ist bey 20 schuh lang vnd 12 schuh breit, in welchem bey den 40
personen von weib vnnd mannen kommlich baden mögen.
Das vierdte ist zwischen dem Kessel vnnd Frawen bad gelegen, vnd bey
12 schuh fast geuierdt, in welchem auch allerley personen wie in dem
Kessel zusammen kommen. Die volgenden viere seind nicht gemein sonder
werden sonderbaren personen verliehen, welche dise gemeinlich auff
ein bestimpte zeit von wochen zu wochen entpfahen.
Also ist das König bad das fünffte so zu oberst gelegen, vnd das
erste wasser von der großen Brunnquell entpfahet. Es ist vngefahr
12 schuh lang vnd 8 breit, ist gar lustig bezieret, vnd muß man ein
Stegen hinab zu dem eingang gehn.
Das sechßte heißet der Königin bad, ist fast geuierdt 12 schuh lang
vnd breit, vnnd zu nechst an dem vorgehnde in der tieffe gelegen, inn
welchem mehrtheil der Adel sein Badenfart vollbringet.
Das siebende ist deß Jungbrunnen bad, so vnden an der Limmat zu
niderst an den andern Bedern gelegen. Es ist fast rund vnd sehr
lustig mit Fenstern beziert, in welchem mehrtheil ein sonderbare
freundtschafft badet, vnnd vil kurtzweil hat, ist auch bey 12 schuhen
lang vnd breit.
Das achte ist zu niderst in dem Hof bey einem Fürstlichen saal vnd
lauben gelegen, bey 10 schuh lang vnnd breit, darzu lustig getäfelt,
also das groß Herren vnd Prelaten daselbst baden vnd jr kurtzweil
haben mögen. Man spacieret gemeinlich durch disen hindern Hof, wann
man auff der Matten etwas kurtzweil vollbringen will.
VON DEM RAPPEN
Der Rappen ist ein lustige Herberig bey dem Freyen bad an dem Stadhof
gelegen, in welchem vil lustiger gemach vorhanden, also das der Adel
vnd vil ehrlicher leut gern daselbst einkehren. Es hat sechs Beder,
welche alle jr wasser von dem ersten grossen quel haben, so vnder dem
grossen stein bey dem Freyen bad entspringet.
Das erste ist das Gewelb, inn welchem allerley Personen Weib vnd Mann
bey 30 zusammen kommen. Es ist vngefahr 16 schuh lang vnd 10 breit.
Demnach seind in einem lustigen gemach vier Beder ordentlich mit
gattern vnd täfelwerck creutzweiß vnderscheiden, jedes bey 10 schuh
lang vnd breit, welche sonderbaren personen verlihen werden. Das
sechßte ligt an einem besondern orth mit lustigen gemachen bezieret.
Es hat lustige Fenster gegen der Limmat welche man beschliessen
oder gar offen mag lassen. Dises Bedlin ist auch bey zehen schuhen
geuierdt, vnd gantz kommlich für contracte oder lame personen,
welche jhr Bett begeren nahe bey dem Bade zu haben. Es ist auch für
sonderbare personen zubereitet.
Ähnlich beschreibt ~Pantaleon~ die Herbergen zur Blume, zum Ochsen, zum
Bären. Dann folgt das letzte Badehaus in den großen Bädern.
VON DER SONNEN
In diser Herberig so auch auff dem platz bey S. Verena Bad gelegen,
kommet mancherley Volck zusammen, vnnd werden vmb jr Gelt wol
gehalten. Es seind sechs Beder darinnen vorhanden, so durch deß
sechßten quell heilsame wasser (wie auch zu dem Beren) zubereitet.
Die ersten zwey seind mit gattern vnderscheiden vnd jedes bey zwölff
schuh lang vnnd zehen breit, in welchen allerley personen Weib vnd
Mann zusammen kommen. Die vberigen vier seind fast von 8 schuhen
geuierdt, vnnd werden sonderbaren personen verliehen, sich nach jrem
gefallen darinnen zu ergetzen. Dergestalt seind die heilsamen wasser
zu den grossen Bedern in 41 orth abgesündert.
VON DEN KLEINEN BEDERN
Jenseith der Limmat ist der siebende Brunnenquell gleich zwischen den
Bedern vorhanden, welcher in vier Beder durch Kessel außgetheilet.
Das erste ist 22 schuh lang vnd 19 breit, also das bey 50 personen
darinnen baden mögen. Es lauffet sonst auch ein rörlin darein von
einem anderen kleinen quell. In disem bade seind gemeinlich Weib
vnd Mann so von dem Land zusammen kommen, vnd begeren jr badenfart
etwas ringer zu verrichten. Das ander ist 15 schuh lang vnd 19 breit,
so mit gatteren von dem ersten vnderscheiden, auch mit dergleichen
personen erfüllet. Wann aber deß Volcks weniger, machet man dises Bad
nicht an, sonder lasset dem ersten desto mehr wasser.
Das drit vnd vierte seind dargegen vber vnder einem andern tach an
einandern gelegen, vnd werden auch durch ein gattern vnderscheiden.
Das dritt ist 8 schuh, vnd das viert 7 schuh breit, vnd ein jedes
17 schuh lang, in welchem auch allerley Volck zusammen kompt. Weil
aber etwann sonderbare reiche Personen sich in dise kleine Beder
thun, damit sie destermehr ruh mögen haben, wirt es denselbigen auch
insonderheit verliehen, damit sie mit jrem Haußgesind daselbst jhr
badenfart nutzlich vollbringen mögen. Es seind vier Wirtsheusser
daselbst vorhanden. Zu dem Hirtzen, Sternen, Engel vnd Löwen,
welchen die Beder zugehörig: deßhalben mag ein jeder gast einkehren
wo jm gefallet, sich zu dem Wirt verdingen, auch das maal oder
pfennwert vmb ein zimlichen pfennig bey jnen essen, doch wirt niemand
zugelassen für sich selber zukochen. Es haben die Landtleut ein guten
mut daselbsten, führen mancherley gesang, vnd muß Trommen, Pfeiffen,
Geigen, vnd Sackpfeiffen offt bey jnen leyden, daß man etwann jnen
gern gelt gebe, das sie auffhörten: doch begerten sie es nit besser
zu haben ..... (Vgl. Abb. 138.)
[Illustration: Abb. 138. Männerbad im Anfang des 16. Jahrhunderts. Aus
einem Holzschnitt von ~A. Dürer~[G].]
VON DEM SCHLÜSSEL VND ANDERN HERBERGEN
Die Herberig zu dem Schlüssel hat keine Beder, gehört der Statt zu,
vnd ist einem sonderbaren Wirt vmb ein Zinß verliehen. In diser
kehren erstlich die frembden Gest zu Rossz vnd Fuß ein, welche vorhin
kein kundtschafft zu den Bedern haben, biß daß sie ein komliches
gemach mit sampt dem Bad in anderen Herberigen bestellet. Wann aber
jemand begeret in dem Freyen bad zu verharren, der mag daselbsten
bleiben. Etwann vor hundert jaren, was es ein groß wesen vnd gastung
zu dem Schlüssel. Dann die Wirt im Vorderen vnd Hinderen Hof kocheten
nit für jhre Gest, sondern waren groß Junckherrn, vnd verlihend
frembden leuten allein die Gemach vnd sonderbare Beder, von einer
wochen, oder einem Monat zu dem andern, vmb ein gewissen zimlichen
zinß. Deßhalben der Adel vnd andere Herren, so in den Höfen gebadet,
mehrtheil die malzeit, zu dem Schlüssel entpfangen. Dann es ist ein
lustiger Sommersaal daselbst vorhanden, so bey 44 schuh lang vnnd 35
schuh breit also das bey 12 Tisch darinnen stehn mögen. Weil sich
aber diser brauch verendert, vnd die Wirt in Höfen, jre Gest so
nit selber kochen, auß jrer Kuchen speisen, hat der Schlüssel sehr
abgenommen, vnnd muß sich allein diser personen, so erst ankommen,
oder der Bauren behelffen, so im Freyen bad etliche stund bleiben,
vnnd ein abendtrunck thun wöllen. Doch bestellen auch etwann die
Gest auß beiden Höfen ein malzeit daselbsten, ergetzen sich mit
einandern, vnd ist Weib vnd Mann frölich. Also lassen sie auch etwann
auß diser Herberig wein in jr gemach bringen.
Sonst seind noch andere Herberig, als zu dem Gälenhorn, Löwen, vnnd
halben Mon vmb Sanct Verena Bad, deßgleichen in der oberen straß,
zu dem Hirtzen vnnd Krebs in welchen offt die Landtleut, so sich
inn dem freyen Bad erweschen oder schräpffen wöllen, essen oder
ein abendtrunck thun: deßgleichen seind die armen leut daselbst zu
Herberig, vnnd mögen sich vmb ein klein gelt ring enthalten. Dann
man lasset niemand inn S. Verena bad sitzen, er habe dann vorhin ein
Herberig bestellet. Wann man auch daselbst deß weins befindet, ist
man gleich so frölich wie an andern orten.
VON DES BADS FREYHEIT
Es seind dise Beder mit mancherley Freiheiten von alten zeiten her,
durch König vnd Keyser, vnnd auch letstlich durch die lobliche
Eydgnoschafft, deßgleichen durch die Statt Baden begabet. Dann
welcher in dem Bad sitzet ist seines leibs vnd lebens auch haab
vnd gut versichert, vnd darff gar niemand einerley waaffen oder
seitenwehr zu dem Bad tragen. Wo sich auch jemand hie vbersehe,
vnd vngefahr ein wehr mit jm zu dem Bad bringen, hat er das wehr
verwircket, vnnd muß es der Oberkeit durch den Wechter zuhanden
stellen. Es mag auch jederman in disen Bedern sich ergetzen vnd sein
Badenfart vmbsonst vollbringen. Dann er ist niemand nicht daruon
schuldig weder dem Badwescher ein wochen ein creutzer, welcher das
Bad seuberen soll, oder dem Bader den schrepfferlon, so er jhm ab
verdienet hat. Hiemit solle auch dises Bad bey schwerer straff sauber
vnd rein gehalten werden, vnd darff niemand einerley vnuernünfftig
thier, als Sew, Hünd, Katzen, oder dergleichen darauß wäschen, oder
darein werffen. Wann aber jemand solches vbersehen, der ist neun
pfund zu straff der Oberkeit verfallen. Wann sich auch etwann vnzucht
in dem Bad begeben, es were mit worten oder wercken, dises mag durch
die Badergesellen gestraffet, vnd durch jhren Schultheissen vnd
gericht verbessert werden. So aber jemand nicht gehorsamen, oder zu
vil grosse vnzucht begangen oder ohne nidercleid in das Bad kommen,
also das hiedurch etliche andere fromme Weib vnd Manns personen
verletzet oder geergert, die werden von der Statt Schultheissen
gestraffet vnd dahin gehalten, das sie von mutwillen abstehn, vnnd
meniglich müssen vnbekümmert, vnd in dem Bad rüwig lassen. Wo aber
jemand etwas an den andern zusprechen, der mage darumb bey der Statt
Schultheissen vmb Recht ansuchen. Es solle auch dises Bad vil andere
Freyheit haben, welche mir bisher doch vnbekannt gewesen.“
Die Badegäste fanden, außer in den Bädern selbst, auch noch in der
Stadt Baden Gelegenheit zu Vergnügungen.
„Es ist auch gleich an der Statt bey dem nideren Thor ein schöner
Saal vnd Garten, so der Herren Garten genennet, in welchem zu Sommer
zeit gemeiner Eydgnossen Legaten, fremde Bader Gest, oder Statt Räht
vnd Burger alle tag zusammenkommen, offt jhr Malzeit entpfahen oder
ein abendtrunck thun, darzu vil freud vnnd kurtzweil bey einander
haben, also das keiner den andern verachtet, was Religion Catholisch
oder Euangelisch er sein möchte. Diser saal ist 82 schuh lang vnd 32
breit, also das bey 40 Tischen vnd 400 Mann wol daselbsten zu Tisch
sitzen mögen. In der mitte lauffet ein schöner Brunnen mit dreyen
rören, also das sich das wasser in die erden verleuret, vnd stehet
der gekrönet Bachus mit zweyen angesichten auff dem Brunnen, welchen
etliche Janum die andern Noe genennet, so die Weinreben zu pflantzen
erfunden, auch die Welt vor vnd nach dem Sündfluß gesehen. In disen
werden die Bächer gekület, vnd mag also mancher hitziger Badergesell
mit wein oder wasser seinen durst löschen. Doch ist der Statt beste
wasser in dem grossen Brunnen bey dem Löwen vorhanden. Hinder disem
Saal ist ein schöner Garten mit wolschmeckenden Linden, vnd Reben
gehelden bezieret: auff der Linden sind auch Tisch bereitet, bey
welchen man mag guter dingen sein, also das diser platz den Burgeren
vnd frembden nit ein kleiner lust ist.“
Diese Gartenzunft oder -gesellschaft, zu der nur die Honoratioren von
Baden Zutritt hatten, gab auf den 1. Mai ein großes Jahresfest. Sie
löste sich erst 1798 während der Revolution auf, aus Besorgnis, ihres
reichen Fonds beraubt zu werden, den sie unter die lebenden Mitglieder
verteilte[315].
~Pantaleon~ berichtet auch, daß die Stadt ein reiches Spital besaß,
das 1310 Königin Agnes, Andreas von Ungarn Gemahlin und des ermordeten
Kaisers Albrecht Tochter, gestiftet hatte. „In disem werden vil
einheimischer vnnd frembder armer leuten erhalten, welche kranck bey
den Bedern vorhanden, vnd sich nicht selbs versehen mögen.“
[Sidenote: _Montaignes Bericht über Baden im Aargau von 1580_]
1580, also zwei Jahre später, berichtet ~Michel de Montaigne~ über
seinen Aufenthalt in Baden: Es ist „eine kleine Stadt, mit einem
Flecken daneben, wo sich die Bäder befinden. Diese Stadt ist katholisch
und steht unter dem Schutze der 8 Schweizer Kantone. Es wurden hier
auch mehrmals große fürstliche Zusammenkünfte gehalten. Wir nahmen
aber nicht in der Stadt, sondern in dem Flecken unsere Herberge, der
unten an der Tiefe ganz an einem Flusse oder vielmehr Waldstrome liegt,
welcher Limmag heißt und aus dem Zürichsee fließt. Hier finden sich 2
bis 3 öffentliche und unbedeckte Bäder, derer sich deswegen nur die
armen Leute bedienen. Die übrigen sind in sehr großer Anzahl inner
der Häuser, wo sie in mehrere kleine, offene sowohl als beschlossene
Gemächer abgeteilt und geleitet werden, die man zugleich mit den
Wohnzimmern zur Miete nimmt. Diese Badegemächer sind sehr niedlich und
bequem eingerichtet, so daß zu jedem Bad eine Ader Wasser fließt. Diese
Häuser sind gar prächtig. Da, wo wir wohnten, fanden sich eines Tags an
die 300 Menschen zum Essen ein. Die Badegesellschaft war bei unserer
Anwesenheit noch so stark, daß die Gäste wohl 170 Betten brauchten. Es
sind siebenzehn Stuben und elf Küchen da und in einem anderen nahen
Wirtshause fünfzig möbelierte Zimmer. Die Mauern der Häuser sind ganz
mit den Wappenschilden der Edelleute bekleidet, welche hier wohnten ....
Das Badwasser in Baden riecht nach Schwefel, gleich dem zu
Aigues-Chaudes und andern. Die Wärme desselben ist gemäßigt wie dort
und zu Barbotan, und die Bäder sind daher sehr sanft und angenehm.
Wer Damen zu begleiten hätte, welche recht züchtig und bequem baden
wollten, mag sie nur hierher bringen; denn da können sie ganz allein
in einem Bade sitzen, das einem geschmückten Cabinet ähnlich ist,
durchaus hell, mit Glasfenstern, bemalten Wänden und reinlichen
Fußböden; überdas findet man Stühle und kleine Tische, so daß man nach
Belieben im Bade sogar lesen und spielen kann. Der Badende hiernächst
kann sich selbst so viel Wasser zugießen oder wieder ablaufen lassen,
als er will, und nahe am Bade hat man sein Zimmer, schöne Spaziergänge
am Fluß und daneben die künstlichen auf etlichen Galerien .... Die
Landeinwohner brauchen es aber vielmehr als Bad (als zum Trinken) und
lassen sich da so stark schröpfen und Ader schlagen, daß ich die beiden
öffentlichen Bäder bisweilen so gerötet sah, als ob sie ganz von Blut
wären. Wer übrigens das Wasser trinkt, nimmt gewöhnlich nicht mehr als
1 oder 2 Gläser zu sich. Insgemein hält man sich 5 bis 6 Wochen hier
auf, und die dortigen Gasthöfe sind den ganzen Sommer über besucht,
selten zwar von einer anderen Nation als von Deutschen; diese aber
kommen in großer Menge her.“
Wir erfahren ferner von ~Montaigne~, daß er das Wasser vornehmlich zum
Trinken benutzte, daneben schweißbadete, daß er im Hinterhofe wohnte,
die Bezahlung etwas stark fand und zudem noch gegen die sonstige Sitte
des Landes mehrfach geprellt wurde.
In seinen Versuchen (Bd. II, Kap. 37) kommt ~Montaigne~ noch einmal
auf die Bäder von Baden zu sprechen, welche er mit denen von Bagnères,
Plombières, Lucca und della Villa hauptsächlich der angenehmen Gegend,
mancherlei Bequemlichkeit für die Badegäste, der Gelegenheit zu
Leibesübungen und der guten Gesellschaft wegen in eine Linie setzt und
dabei glaubt, daß, wer bei dem Besuche solcher Bäder die obenerzählten
Eigenschaften derselben, wo sie sich finden, nicht mit Freuden benutze,
törichterweise sich selbst ihrer besten Wirkungen beraube[326].
[Sidenote: _Die Badschenken_]
Aus ~Pantaleon~s Beschreibung ersehen wir, daß die Stadt Zürich
dem Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg Wein und Hafer als
Badschenke zusandte. Derartige Geschenke waren nicht ungewöhnlich. Als
der Landgraf Moritz von Hessen am 8. August 1603 mit seiner Gemahlin
Juliane nach Wolfshagen kam, verehrte ihm der Rat einen halben Ohm
Wein und ein halbes Fuder Bier und der Landgräfin zwei Rinder[413].
Besonders suchte man aber dadurch fremde hohe Personen in Bädern zu
ehren. Die Art der Geschenke, anfangs meist Nahrungsmittel, in dem
erwähnten Fall auch Hafer, läßt darauf schließen, daß man ursprünglich
den Gast in den meist vom Verkehr abgeschlossenen Badeorten mit
Lebensmitteln versorgte. In Pfäfers konnte der Wirt noch im 17.
Jahrhundert den Gästen nur Brot und Wein bieten. Fleisch, Fische und
Wildbret sandte der Abt ohne Entgelt Standespersonen ins Bad hinab[22].
Schon im Jahre 1474 schenkte die ganze Eidgenossenschaft der Gemahlin
des Herzogs Siegmund von Österreich, Eleonora, einer schottischen
Prinzessin, die mit vielen Hofdamen und Edelleuten in Baden zur Kur
weilte, an Ochsen, Wein, Schafen, Butter, Hafer und anderen Dingen im
Werte von siebzig Gulden, „weil von ihr viel Ehren und Gnade Armen und
Reichen geschen“. Die Herzogin hatte viel zur Aussöhnung des Hauses
Österreich mit den Eidgenossen beigetragen[32]. Dem Pfalzgrafen Otto
Heinrich bei Rhein nebst seiner Gemahlin wurden im Wildbad vom Herzog
Christoph von Württemberg Wein, Hafer und Wildpret „verehret“[335].
1576 schickte der Rat von Zürich dem Landgrafen Maximilian von
Stühlingen, römisch-kaiserlichen Erbmarschall, und seiner Gemahlin,
welche die Kur in Baden gebrauchten, durch beide Standessäckelmeister
ein schönes Rind mit weiß und blau bemalten Hörnern und einer ebenfalls
weiß und blauen, mit Quasten gezierten Decke, welches fünfundsechzig
Gulden gekostet hatte. 1609 sandten „meine gnädigen Herren“ von Zürich
durch den Bürgermeister Rahn und drei andere Magistratspersonen dem
Herzog Ernst von Bayern, Kurfürsten von Köln, welcher sich in den
Bädern aufhielt, einen silbernen und vergoldeten, die Weltkugel
vorstellenden Becher, welcher zweiundsiebzigeinhalb Lot wog, einen
Hirsch aus dem Stadtgraben nebst einigen Lachsen und Aalen[315].
Ähnliche Badschenken mit mehr oder weniger diplomatischem Charakter
sind des öfteren in der Geschichte Badens verzeichnet.
Auch die Stadt Baden selbst wartete zuweilen ihren Gästen mit
Geschenken auf. 1706 erhielt der Schultheiß Grafenried von Bern, weil
er das erstemal im Bade war, ein paar Schafe und vier Kannen Wein, 1712
der Züricher Bürgermeister Holzhab vier gute welsche Hühner, sechs paar
Güggel und sechs paar Tauben[32].
Hie und da werden Badegeschenke, zuweilen mit scherzhaften
Anspielungen, an Angehörige und Bekannte erwähnt; auch solche an
Mitpatienten kommen vor. Pfarrer Schweizer wurde von den Damen,
mit denen er zu Baden an einer Tafel speiste, mit einer täuschend
nachgemachten Pfeife aus Zucker beschenkt, weil sie bemerkt hatten,
daß er trotz ärztlichen Verbotes heimlich rauchte. Vor seiner Abreise
zum Bad hatte Schweizer von seinen Angehörigen einen seidenen Hut
aus Biberhaaren und einen seidenen Schwarzrock als Badschenke
erhalten[399]. 1474 schickte der Doktor Heinrich Steinhövel der Gräfin
Margarete von Württemberg von Ulm aus „22 pombrantzen von Kum (Como)“
ins Zellerbad (Liebenzell) und schrieb dazu: „bitt ich üwer fürstlich
genad, dises min armes gäblin für ain schenkin zu gelüklichem bad
genädiglich uffzenieman“[54]. 1632 erfreute Statthalter Heidegger
in Zürich seinen Schwiegersohn Hauptmann Heß im Hinterhof zu Baden
mit einem „schönen Badermeyen nebst vielen andern Gutthaten“. Der
Badermeyen (sonst ein Blumenstrauß) bestand in einem Gedicht, in
dem der Herr Schwiegervater zunächst alles Gute zur Kur wünschte,
dann eine lange gelehrte Abhandlung über die schädlichen Folgen des
Trunkes mit Zitationen aus alten und neuen, geistlichen und weltlichen
Schriftstellern folgen ließ[315].
Es war ferner Sitte, daß Körperschaften ihren Vorgesetzten Geschenke
zur Ehrung ins Bad sandten. Von der kleinen Gemeinde Elgg im Kanton
Zürich erhielten Frau Beatrix von Hinweil 1546 eine Krone und drei
„Gitzi“, 1548 der Junker Felix ein Kalb, 1549 der Junker Hans von Ulm
und seine Frau ein Kalb, 1667 der Pfarrer ein Schaf. Als Junker Jörg
1576 von Baden kam, gab ihm die Gemeinde ein Schaf[145]. Wolfach hat
1643/44 in der Stadtrechnung verzeichnet: „Dem Herrn Pfarrer von
gemeiner Statt wegen in sein Badenchur in Grießbach an brod, flaisch
geschickt und verehrt worden 12 ß 4 d“[460]. Wie schon erwähnt wurde,
gestattete Ulm 1466, dem Bürgermeister, den Richtern und den Räten ein
Maß Malvasier oder dessen Wert ins Maienbad[H] zu schenken[51].
[Illustration: Abb. 139. Wie etlich Herren vnd Burger zůsamen
geschossen. Die Herren Bürgermeister Johansen Kambly vnd Herrenn
Seckelmeister Clůnrath Aescher. Einen Ochsen gan Baden zů einen Baden
Schencke gebracht. 1576. Nach einer farbigen Zeichnung der ~Wyckiana~.
Zürich, Stadtbibliothek.]
Alle diese Badschenkungen werden weit in den Schatten gestellt
durch die, welche Zürich seinen Standespersonen zukommen ließ.
Die erste, welche großes Aufsehen erregte, ward im Jahre 1534 von
hundertachtundneunzig Zürcherischen Stadt- und Landbürgern zu Pferd
und zu Fuß ihrem Bürgermeister Diethelm Röust nach Baden überbracht.
Sie bestand in einem fetten Ochsen, welcher über vierundzwanzig Gulden
gekostet, mit weiß und blauer Decke behangen war, vergoldete Hörner
hatte und zwischen denselben einen weiß und blauen Beutel trug, der
zwanzig rheinische Gulden enthielt. Die Mannschaft war neu in Sammet
und Seide gekleidet, mit Federbüschen geschmückt, auch mit Handbüchsen
und Spießen wohl bewaffnet, und zog so fröhlich nach Baden hinab. Als
aber die Bürger dieser Stadt, wo eben die eidgenössische Tagsatzung
versammelt war, einen so zahlreichen Zug anrücken sahen, schickten sie,
da sie demselben wegen der noch neuen Religionsänderung der Züricher
keine guten Absichten zutrauten, heimlich zu den Gesandten der übrigen
Kantone, um sich Rat zu holen, ob sie nicht ihre Tore schließen
sollten. Diese aber befahlen ihnen, sich ruhig zu verhalten, indem die
Züricher auch ihre Oberherrn seien. Da ließen sie zwar die lustige
Mannschaft ungehindert durch die Stadt ziehen, erwiesen ihr aber
keinerlei Ehre. Nachdem die fröhlichen Gesellen ihr Geschenk abgegeben
und die Nacht in den Bädern zugebracht, zogen sie am folgenden Morgen
wieder heimwärts. Da fürchteten die Bürger von Baden, ihr Verdacht und
ihre Unfreundlichkeit möchten übel gedeutet werden und bewirteten nun,
um alles wieder gut zu machen, den Zug, als er in die Stadt eintrat,
mit Wein und beschenkten denselben mit drei Goldgulden. Im Jahre 1571
(?) schickte die Zunft zum Widder dem damaligen Bürgermeister Kambli
einen Ochsen zum Geschenk (Abb. 139), der eintausendeinhundertdreißig
Pfund wog, den derselbe aber nicht in Baden verzehrte, sondern bei
seiner Heimkunft auf sämtliche Zünfte verteilen ließ[315]. 1604
besuchte der Deputat und Zunftmeister Melchior Hornlocher von Basel
mit seiner Gattin das Bad Ramsen im Jura. Diesen Anlaß ergriff die
gesamte Geistlichkeit der Landschaft, um „ihrem getreüwen patronen“
einen Beweis der Hochachtung darzubringen. Im Namen der drei Kapitel
der Landschaft machten sich die drei Herren Dekane auf den Weg zum
Bade. Sie waren beauftragt, dem wohlweisen und ehrenfesten Herrn
Zunftmeister „einen salmen, so zwölf Pfund kostet“, zu überreichen. Sie
„presentierten, verehrten und schenkten“ nicht allein „zu einer guten
badenfahrt, zu lybs gesundheit und langwieriger wohlfahrt“, sondern
auch „zur Ehr Gottes, zu nutz des Vatterlandts und fürderung der
kilchen (Kirche)“[39].
Schon gegen Ende des 16. Jahrhunderts traten in Zürich zuweilen an
Stelle der Naturalien silberne Becher, im 17. öfter. In Basel gehörte
es zu den „Kompetenzen der Herrn Häupter“, daß ihnen nach einer
gebrauchten Bad- oder Sauerbrunnenkur ein silbernes Trinkgeschirr von
vierzig Gulden Wert mit der Stadt Wappen von Obrigkeit wegen geschenkt
wurde. Das geschah von 1604 bis 1631 mehrmals. Auch der Stadtmagistrat
von Baden ließ öfters an angesehene schweizerische Staatsmänner
silberne Becher und dergleichen als Badgeschenk überreichen[315].
Da die Geschenke immer kostspieliger wurden, griffen die Behörden ein.
Der Stadtrat von Konstanz verbot sie aus diesem Grunde schon im 15.
Jahrhundert[461]. Gegen Ende des 16. beginnen in Zürich die Verbote,
die häufig wiederholt und ebensooft, selbst von der Behörde, nicht
gehalten wurden. Als 1647 alle Gaben an Vorgesetzte abermals verboten
wurden, übersandte die Regierung im selben Jahre, in Widerspruch mit
sich selbst, dem Bürgermeister Rahn eine künstlich gearbeitete Uhr
mit einem silbernen Schreibzeug ins Bad. Es finden sich auch in den
Ratsmanualen derselben Zeit Beweise, daß die Regierung Ratsrednern,
Stadttrompetern, Hebammen, Schanzenschreibern und dergleichen von der
Stadt besoldeten Leuten Badschenkungen an Geld, Wein und Getreide
zu senden verordnete. Noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts ließen
sämtliche Stadtknechte, Läufer und Überreuter jeden Sommer vor dem Rate
durch einen Anwalt um ihre Badschenkungen bitten, die für jeden einige
Pfund an Geld betrugen und einen Teil der Einnahmen ausmachten, welche
ihnen im Jahre 1679 durch eine obrigkeitliche Verordnung zugesichert
worden war, ohne daß sie dieselben in Baden zu verzehren brauchten. In
Schaffhausen war das Herbstbadgeld, auch kurz Herbstbad genannt, ein
Besoldungsposten höherer Beamter. Im Ämterbuche daselbst finden sich
im 18. Jahrhundert z.❆B. die Stellen: „Dem Antistes Herbstbaadgelt 36
Kreuzer.“ „Besoldung eines Herrn Diakoni im Münster, Herbstbad aus dem
Kloster 36 Kreuzer, Herbstbad aus dem Spital 36 Kreuzer“[557] (vergl.
Badgeld S. 178 u. 179).
Da sich in Zürich ein vollständiges Verbot der Badschenkungen nicht
durchführen ließ, so wurden zuweilen die scharfen Mandate gemildert.
Bald waren nur silberne Becher, bald auch Geld oder Geldeswert und
lebendige Schafe verboten. Manchmal wurden die Bürgermeister, häufiger
die Verwandten ausgenommen, denen unbenommen sein sollte, ihren
Angehörigen Eßwaren zu schicken. Mehr als alle Mandate bewirkte, wenn
auch nur vorübergehend, das Auftreten des Antistes Breitinger vom
Großmünster. Als dieser 1618 zur Kur in Baden weilte, verordnete der
Rat, daß jedes Mitglied desselben einen Dukaten erlegen solle und der
Bürgerschaft freistehe, auch das Ihrige beizutragen, um dem ersten
Lehrer der vaterländischen Kirche ein namhaftes Geschenk zu machen.
Allein sobald Breitinger von diesem Vorhaben Kunde bekam, lehnte er die
ihm zugedachte Badschenkung so entschlossen und beharrlich ab, daß der
Ratsdiener die bereits eingezogenen Dukaten jedem Geber zurückerstatten
mußte. 1632 eiferte Breitinger von der Kanzel herab gegen den Mißbrauch
und derartig, daß er wegen seiner ehrenrührigen Anspielungen zur
Verantwortung gezogen wurde. Seine Verteidigung gestaltete sich zu
einer abermaligen Strafpredigt, daß der Herr Bürgermeister am nächsten
Ratstag gestehen mußte: „Wir sind bestanden, wie ein Lauß auf dem
Ermel!“ Aus Breitingers selbstverfaßter Lebensbeschreibung geht hervor,
daß die Badschenken zu Stadt und Land geradezu erpreßt wurden, wenn
auch nicht von den Vorgesetzten selbst, sondern von deren Schmeichlern,
die nachher die Geschenke überbrachten.
Wie reichlich die Geschenke flossen, ist aus einem Verzeichnis zu
ersehen, das Bürgermeister Waser von Zürich aufgestellt hat, als er
1665 von Amts wegen zur Tagsatzung in Baden weilte und zu gleicher Zeit
mit seinen Angehörigen das Bad gebrauchte. Von siebzig verschiedenen
Orten erhielt er: „an barem Gelde vierzehn Gulden sechzehn Schilling;
zwei Louisd’or und drei Dukaten in Gold, ferner: einen großen Hirsch,
ein Zimmerstück von einem Hirsch und noch ein anderes Stück Wildbret,
ein Vorderstück von einem wilden Schwein, vier Hasen, drei Schafe, zwei
Lämmer, ein Schafsviertel, acht Schafsfüße, ein Essen Kalbsmilchen,
fünfundzwanzig größere und kleinere Fische, vierzig Hähne, ein Huhn
und achtzehn Eier, zwei Gänse, zwanzig Tauben, zehn kalekutische
Hennen, dreiundsechzig Rebhühner, zwölf Rebvögel, sechs Wachteln,
zwei Haselhühner, zwei Steinhühner, zweihundertsechsundzwanzig Krebse
und einen Vierling dito, eine Pastete, allerlei Salat und Rettige,
Artischocken, einen Stock Blumenkohl, zwei Ankenbräute (Butterbemmen),
ein neugebackenes Hausbrot, zwei Semmeln, drei Eierweggen, einen
Eierkranz, zwei große Bachis (Gebäck), einen Hammen (Schinken), acht
Scatellen (Schachteln) mit allerhand Konfekt, Rosinen und Makronen,
eine Schachtel Truciscas (wohl Trochisci = Bonbons, Zeltchen), zwei
Mandel- und Rosinen-Torten, Brustzucker, Melonen, Zitronen und
verschiedene Zierraten, mancherlei Aprikosen, zwei Zuckerstöcke.
Ferner ein schönes Hofessen, nämlich: einen Kapaun, ein Quart von
einem indischen Hahn, einen Hasen, ein Rebhuhn, Brigniolen, ein Stück
von einer Mandeltorte, ein Stück von einer Quetschentorte und eine
überzuckerte Zitrone. Ein Ührlein. An Büchern: Plantin, Histoire
Helvetique (französische Übersetzung) und Hottingeri Historia
Ecclesiastica, und endlich noch von zwei armen Kapuzinern im Hinterhof
zwei Melönchen, eine Hand voll Fenchel und einen Maien (Strauß)“[315].
Noch 1755 wurden in Zürich durch Mandat die „Badschenki“ im allgemeinen
bei zwei Pfund Buße verboten und 1790 — wohl zum letzten Male — die
Geschenke ganzer Gemeinden an ihren Pfarrer oder von Schulen an den
Lehrer bei 30 Pfund[412]. Soweit aus ~Hess~’ Badenfahrt zu ersehen ist,
bestanden sie, mit Ausnahme der von Verwandten gespendeten, 1818 nicht
mehr[315].
Wurden Vornehme bei ihrem Aufenthalt im Bad von dem Landesfürsten oder
der Stadt beschenkt, so hinterließen sie wiederum „nach glücklich
vollbrachter Baden-Kur zur Gedächtnuß Ihre Wappen“ (~Walch~,
Liebenzell 1668)[154], und das geschah meistens in Gestalt gemalter
Fensterscheiben, ein Brauch, den schon ~Poggio~ erwähnt. Auf dem Bild
des mittelalterlichen Hausbuchs sind die Wappenscheiben im Badehause
dargestellt (Abb. 104). Selbst kleine Bäder waren reichlich mit solchen
versehen, z.❆B. im 16. Jahrhundert das nicht mehr vorhandene Bad Urdorf
(Zürich) mit den Wappen des Grafen Georg von Württemberg-Mömpelgard,
der Reformatoren Bullinger und Pelicanus[427], das Gyrenbad bei Hinweil
mit denen Bullingers, der Bürgermeister von Zürich, der Prälaten von
Einsiedeln, Fischingen und Rheinau[425]. Im 18. Jahrhundert, z.❆B. in
Spa, scheinen die Einwohner selbst mehr zu Reklamezwecken ihre Häuser
mit den Wappen fürstlicher Personen geziert zu haben[404].
[Sidenote: _Baderkräm_]
Kehrte man vom Bade heim, so erforderte die Sitte, Geschenke
mitzubringen, die den Namen „Baderkräme“ (kramen, kaufen) führten.
~Johann Grob~ aus dem Toggenburg hat unter dieser Überschrift in seiner
„Dichterischen Versuchgabe“ 1678 folgende Verse verzeichnet:
„Wann der Frauen Bader-Cur und die liebe Zeit verflossen,
Dann so geht das Kramen an; freuet euch, ihr Hausgenossen,
Knecht und Magd ist unvergessen, auch der nächstgeseßnen Schaar;
Hat der Mann dann nichts zu hoffen? Ja, ein schönes Hörnerpaar!“[315].
Mit dem Titel „Bad-kramet“ schickte der Kanzler Löffler 1633
Eberhard III. ein Schreiben aus dem Wildbad[73]. Pfarrer Burkhard
zu Nieder-Weningen kaufte 1736 in Baden mehrere Kegelspiele als
„Baderkröme“, um sie daheim zu verschenken[32]. Vielleicht handelte
es sich um Geschenke bestimmter Natur; denn als der Astronom ~Fäsi~
1703 seine Schwiegermutter von Baden abholte, da brachte er seinen
Kindern etwas mit, aber nur dem Rägeli (Regula) „Baderkräm“[462].
Zu Anfang des 19. Jahrhunderts bedachte man auch noch die Kinder,
Verwandte und Dienstboten, aber nur mit kleinen Geschenken, besonders
mit Spanischbrötchen, einem Backwerk, das in Baden besonders gut
hergestellt wurde[315].
Armen Leuten, die ins Bad fuhren, gab die Heimatsbehörde kleine
Unterstützungen zum Unterhalt mit. Solche „Wildbadalmosen“ wurden z.❆B.
im 16. Jahrhundert in Nürnberg ausgeteilt[16]. In Basel erhielt 1593
ein armer Mann von Normandingen (jetzt Ormalingen) aus dem Kirchengute
eine „Badesteuer“ von sechzehn Schillingen[39], in Würzburg 1590 ein
Bader zwei oder drei Gulden „Beisteuer“ ins Wildbad[144].
[Sidenote: _Die Freibäder_]
Das Baden selbst war für Arme unentgeltlich, ja sogar für Vornehme,
die auch, abgesehen von kleinen Entschädigungen, nichts für das
Wasser zahlten. In Pfäfers hatte 1610 jeder, der es vermochte, einen
Kreuzer für Licht, und wer hinwegzog, einen Batzen dem Aufseher zu
geben, nichts weiter[22]. Pfäfers wird deswegen öfters als edles Wild-
und Freibad bezeichnet. Wie ~Pantaleon~ berichtet, bezahlte man in
Baden (Schweiz) nur die Säuberung des Bades wöchentlich mit einem
Kreuzer[35]. „Es mügen zu diesem Brunnen kommen vngehindert, Adel
oder vnadel, Reich oder Arm“, sagt ~Feurbergk~ (~Pyrmontanus~) 1597
von Pyrmont, „gratis datur gratis accipitur“[56]. Mit einem gewissen
Aberglauben wurde die Zulassung zum Bad jedermann gestattet. Dem
~Fabricius Hildanus~ erzählten 1610 die Einwohner von Pfäfers, ein
Abt habe das Bad mit Abgaben belegt, da sei der Brunnen verschwunden,
bis der Zoll aufgehoben wurde[22]. Ähnliches berichtet ~Wagner~ von
Gontenschwyl bei Reinach im Aargau. Dort wurde 1640 eine Quelle
entdeckt, die bei massenhaftem Zulauf viele Wunderkuren vollbrachte.
Aber schon im folgenden Jahre hatte der Brunnen seine seltsame
Heilkraft vollständig eingebüßt, weil die Bauern aus Habgier das Wasser
verkauften[679]. ~Metobius~ erzählt 1556, der Pyrmonter Brunnen habe
dreihundert Jahre vorher große Krankheiten geheilt. Als aber der Herr
der Herrschaft Zins erheischte, da verschwand das Wasser und versiegte
der Brunnen[417]. In Baden-Baden beschwerten sich die Einwohner 1488
beim Markgrafen Christoph, als der Bader von den Armen Geld genommen
hatte, mit Erfolg[40].
Zu Baden in der Schweiz bezog das Freibad mit mehreren Wirtshäusern
zusammen sein Wasser aus der Quelle, die der heiße Stein hieß. Es wurde
ängstlich darauf gesehen, daß zuerst die Armen mit genügend Wasser
versorgt wurden. Nach alten Badefreiheiten konnte im Freibad jedermann
den Zapfen (dargestellt in Abb. 102 rechts) ziehen oder stecken,
wenn er das Wasser wärmer oder kühler haben wollte. Kein Wirt durfte
bei Strafe den Zapfen berühren, schon sein bloßes Erscheinen beim
Freibade nach dem Läuten der Betglocke hatte für ihn unnachsichtlich
eine Buße von fünfundzwanzig Pfund zur Folge. Als im Jahre 1641 der
Nachtwächter bei den Bädern auf Geheiß eines Wirtes, um ihm mehr Wasser
zuzuhalten, den Zapfen des Freibades steckte, wurde er solange in den
Turm gesperrt, bis er den nannte, der es ihm geheißen[32]. In Baden
war auch der Besuch der Matte, des Vergnügungsplatzes, für jedermann
frei, trotzdem sie zum Hinterhofe, also dem Gasthause der Vornehmen,
gehörte, der Besitzer desselben den Platz instand zu halten hatte und
ihn mit den nötigen Ruhebänken versehen mußte. 1424 wurde „als +altes+
Herkommen geoffnet, daß die Werdmatte zu Niederbaden (es ist nicht
Baden-Baden gemeint, Niederbaden steht hier wohl im Gegensatz zu der
höher gelegenen Stadt Baden) zu dem Hofe, der Heinrich Schinders sel.
gewesen ist, gehöre und gehören soll, daß aber jedermann, in welchen
Ehren und Würden er sei, Jung oder Alt, Herren und Frauen, zu jeder
Zeit, Sommers und Winters, auf diese Matte gehen, allda tanzen oder
andere ziemliche Kurzweil treiben mögen, von jedermann ungehindert. Und
wer den Schinders Hof inne habe, der soll die Tanzstühle auf der Matte
machen und in Ehren halten und nießen, was auf der Matte wächst, ohne
jemand an Kurzweil, Steg oder Weg daselbst zu hindern“[32].
Die Abgabe von Mineralwasser zum Trinken war fast überall gänzlich
frei, zu Bädern jedoch nur da, wo das Wasser nicht erwärmt werden
mußte. Im Solbade Kreuznach kostete 1490 einen Tag baden einen
Heller[61], zu Meinhardt in Württemberg zahlte man 1485 für das Baden
am Vor- und Nachmittag je zwei Pfennig[53]. Das waren die Preise der
öffentlichen Badestuben. 1602 verordnete der Rat von Luzern, daß die
Bauern das Wasser aus dem Bad in der Luthern nicht wegführen dürften,
weil der Bader auf eigene Kosten das Bad hatte herstellen lassen[38].
[Illustration: Abb. 140. Das Freibad zu Baden im Aargau 1820. Aquarell
von ~Ludwig Vogel~. Zürich, Landesmuseum.]
[Sidenote: _Das Auswerfen_]
Die Auffassung, daß auch der Reiche nichts fürs Bad zu zahlen habe,
hatte seine Ursache einmal darin, daß man das Mineralwasser als Gabe
Gottes betrachtete; dadurch war es steuerfrei. Diese Ansicht hatte auch
zur Folge, daß etliche (1610) annahmen, Pfäfers verletze die, welche
mit Franzosen (Syphilis) behaftet seien, weil die hohe und heilige
Arznei solche unreine und wüste Krankheit nicht annehme[22]. (Der
Abt von Pfäfers lud aber doch ~Ulrich von Hutten~ zur Kur ein!) Nach
~Thurneisser~ (1572) sollten sich vor Pfäfers auch die Goldschmiede
hüten, die viel vergoldet haben, die schwämmen empor darin. Er kannte
einen aus Lindau, der viel vergoldet und deshalb viel Quecksilber an
sich gezogen hatte. Als dieser nun mit dem Podagra beschwert nach
Pfäfers kam, konnte er nicht unter Wasser bleiben und mußte ungebadet
wieder heimziehen, weil das Wasser kein Quecksilber litte[390].
~Fabricius Hildanus~ widerlegte diese Ansicht durch einen Versuch am
eigenen Leibe, nachdem er ihn an einem seiner Lehrlinge vorgenommen
hatte. 1628 wurde auch ein Goldschmied vom Gliederweh geheilt[101].
Das Wasser warf aber Wassersüchtige aus, die wegen des leichteren
spezifischen Gewichts emporschwammen. Man sah das als ein absolutes
Anzeichen zum sofortigen Verlassen des Bades an. So wurden 1663 in
Pfäfers zwei Wassersüchtige ausgeworfen, ein dritter badete weiter und
starb[456].
[Illustration: Abb. 141. Mineralbad von ca. 1600. Federzeichnung
von ~Bartholomäus Lingg~ in Straßburg. Statistik schweizerischer
Glasgemälde und Handzeichnungen. Jg. 1904. Zürich, Landesmuseum. Vgl.
Abb. 58.]
[Sidenote: _Einfache Einrichtungen in den Mineralbädern_]
Auch rührte das Freibaden gewiß aus einer Zeit her, wo sich die
einfachsten Vorrichtungen in oder bei der Quelle befanden. Die
Freibäder — und das waren die ältesten — lagen sehr häufig unter
freiem Himmel[I], die zu Baden in der Schweiz bis ins 19. Jahrhundert
(Abb. 46). Erst 1812 wurden die bis dahin offenen Bäder mit Jalousien
eingewandet (Abb. 103, 140), 1824 das Freibad gedeckt und auch für
beide Geschlechter in zwei Abteilungen unterschieden, drei Jahre darauf
geschah letzteres im Verenabad, das immer noch offen blieb, bis es 1841
einging[32]. Als Verbesserung traten die sogenannten Badeschuppen auf
(Abb. 124, 138). Auch in dieser Gestalt treffen wir Bäder mehrfach noch
im 19. Jahrhundert an. So hatte 1867 das Kuttlenbad in der Gemeinde
Summiswald (Bern) einen einzigen offenen Schuppen als Baderaum, unter
dem in sechs Wannen die Geschlechter ungetrennt badeten[86]. 1832
sagt ~Rüsch~ vom Langeneybad am Fuße des Seelibühls, zwischen dem
Gurnigel und den Stößen, drei Viertelstunden vom Gurnigelbad (Berner
Oberland) gelegen: „Es gleicht in seiner Lage und Bauart nach eher
einer Räuberhöhle als einer Heilanstalt. Wind, Regen und Schneegestöber
streichen ungehindert durch das von vornen und hinten offene Giebeldach
(Vgl. Abb. 96). Wohnung und Bewirtung findet man nicht; die ganze
Einrichtung beschränkt sich auf vier im Erdgeschoß angebrachte
ausgehölte Baumstämme, in welchen acht Personen mit gegeneinander
gerichteten Füßen baden können“[88]. Baden-Baden hatte aber 1488 schon
geschlossene Freibäder[40].
[Illustration: Abb. 142. Karlsbad vor dem Brande von 1759 mit den
Holzrinnen (2), die vom Sprudel aus längs der Tepl und über dieselbe
das Thermalwasser in die im ersten Stock gelegenen Badstüblein der
Uferhäuser leiteten. Kupfer.]
[Sidenote: _Zusammenbaden verschiedener Stände in den Mineralbädern_]
Ursprünglich saßen im Freibad Vornehme und Arme beieinander. In
Plombières (Plumbersbad) badete alles in einem unter freiem Himmel
gelegenen See (Abb. 120); nur das Königsbad war „beschlossen“[449].
Auf Verlangen des Pfalzgrafen Herzog Friedrich wurde 1524 für
diesen im Wildbad das Herrenbad zum Gebrauch für zwanzig Personen
unterschlagen[335]. Später errichtete man noch mehrere Abteilungen,
immerhin saßen die verschiedenen Stände in einem gemeinsamen Bade und
waren nur durch Bretterwände voneinander getrennt. In Pfäfers war das
obere Bad 1610 (Abb. 130) (auch im neuen Bad (Abb. 131) bestand die
Trennung der Stände) für große Herren und Edelleute bestimmt und führte
den Namen Herrenbad[22], obwohl die Badeordnung vom Jahre 1619 sagt,
keiner solle, weil Pfäfers ein Freibad, seines Standes wegen vorgezogen
werden[632]. Sie fügt jedoch hinzu, die Badenden seien nach ihrer Würde
zu setzen, und das geschah durch strenge Absonderung im Herrenbad.
Baden in der Schweiz hatte Bäder für Vornehme in den Gasthäusern,
ebenso Baden-Baden. Hier waren 1606 zehn offene Wirtshäuser mit
dreihundertneunundachtzig Badkästen neben einem Privatbadhause[362].
In Karlsbad wurde das Wasser des Sprudels in die benachbarten, zur
Fremdenbeherbergung dienenden Bürgerhäuser in offenen Holzrinnen
geleitet und dort in den „Badstueblein“ gebadet. Solcher zählte man
im 16. Jahrhundert gegen zweihundert, und noch vor dem großen Brande
vom Jahre 1759 waren vierzig Häuser mit Badestuben versehen. (Auf
Abb. 142 liegen sie als vergatterte Hallen im untersten Stockwerk der
Häuser längs des Flusses; bei den ersten beiden Häusern sind sie kleine
Anbauten.) Nach dem Brande jedoch hatten die meisten Bürger in ihren
Häusern keine Bäder mehr, weil das Baden um diese Zeit außer Gebrauch
gekommen war[347]. In den Beschreibungen wird vielfach berichtet, daß
Patienten, welche den gemeinsamen Baderaum nicht benutzen wollten, das
Wasser in ihre Zimmer tragen ließen, ja nach benachbarten Orten, wenn
sie im Bade selbst keine standesgemäße Unterkunft fanden. In Liebenzell
wurden 1748 die Bäder nur von den Dienern und armen Leuten gebraucht,
wer es bezahlen konnte, ließ das Wasser ins Zimmer bringen[372].
Immerhin wurde hie und da auch das gemeinsame, selbst das Armenbad, von
Vornehmen benutzt, wie wir sahen das Verenabad in Baden wegen seiner
besonderen Eigenschaft.
[Sidenote: _Trennung der Stände in den Mineralbädern_]
Die Regel scheint aber doch gewesen zu sein, daß man die Armen aus dem
alten Freibade verdrängte und ihnen andere Bäder zuwies. So wurden, wie
wir schon sahen, im Wildbad 1828 die Armen aus dem gemeinschaftlichen
großen Bade entfernt, und sie erhielten in einer besonderen Anstalt
das Wasser vom früheren Pferdebade. Es bestand jedoch zur selben
Zeit die auf lagerbüchlichem Herkommen beruhende Berechtigung zum
unentgeltlichem Gebrauch der Bäder für die Bürger und Bürgerinnen der
Orte Wildbad, Kalmbach mit Höfen, Neuenbürg, Gräfenhausen mit Arnbach
und Oberhausen, sowie die Dienstboten und die Verwandten der Wildbader
Bürger und Bürgerinnen bis in den dritten Grad bürgerlicher Berechnung
einschließlich[325]. 1584 wurde im Tobelbad bei Graz geklagt, daß
gesunde und „presshafte“ Personen ohne Unterschied „fast beinander“
badeten und die Armen „gleich hervor vom neuen Ursprung (Quelle)
säßen“[84]. Im 17. Jahrhundert bestand das Armenbad zu Burtscheid aus
einer Grube (Abb. 143), bei der zwei bienenkorbartige Schwitzhütten,
wie wir sie oft als ersten Anfang einer Badeanstalt antreffen (Abb.
129), errichtet waren[409], und doch muß nach Aussage von ~Baccius~
im 16. Jahrhundert ein größeres Freibad bestanden haben, bei dem
Lustbarkeiten stattfanden[70]. Man kam von der alten Auffassung des
Freibades immer mehr ab und gab den als Bettler umherziehenden, mit
häßlichen Krankheiten Behafteten, die früher am meisten Mitleid erregt
hatten, Bäder, die man kaum noch mit diesem Namen bezeichnen kann. In
Teplitz war 1607 das vor der Stadt gelegene Bad für Bettler, Aussätzige
und die an Franzosenkrankheit Leidenden nur ein Tümpel und das in der
Stadt befindliche „Frantzöser- oder Rossebad“ ein „Pfudel“[264]. In
Warmbrunn mußten sich 1607 die Armen gefallen lassen, daß Vornehme mit
ekelhaften Krankheiten in ihrem Bade saßen, weil das für Herren diesen
verschlossen wurde[69].
[Illustration: Abb. 143. Armenbad in Burtscheid mit zwei Strohhütten
zum Schwitzen. Kupfer aus: ~Blondel~, Beschryving van de Stad Aken.
Leiden, 1727. (Befindet sich schon in der Ausgabe von 1688, in der
ersten Auflage von 1685 fehlen die Strohhütten.)]
[Sidenote: _Die Zulassung zu den Freibädern_]
An einzelnen Orten nahm man das Freibaden wörtlich. 1688 hatte zum
„armen oder Comphaußbad“ in Aachen jedermann freien Zutritt. Da badeten
Kranke und Gesunde, Weiber und Männer, Junge und Alte, „besudelte,
krätzige vnd mit geschwären behaffte“ durcheinander. Die Waschweiber
wuschen ihre Leinwand, die Färber Wolle und Tücher. Sitzplätze,
Zimmer und Betten gab es nicht. Einmal im Jahre wurde das Bad von
vierzig Tuchmachern gereinigt. Im St. Quirinibad durften die Bürger
wenigstens Wasser holen[409]. Ins Freibad zu Baden (Schweiz) konnte
jedermann kommen und gehen. Das Verenabad durften aber schon zu
~Pantaleon~s Zeiten nur die benutzen, welche Herberge genommen hatten,
also zur Kur im Orte weilten. Später mußte von der Heimatsbehörde ein
Dürftigkeitszeugnis vorgewiesen werden, und das hatte seinen Grund im
Vorhandensein zahlreicher sogenannter starker Bettler, Nichtstuer, die
haufenweise in den Bädern lagen. In Baden-Baden hing 1528 die Erlaubnis
zum Betteln für die, welche des Bades notdürftig waren, von der
Einwilligung des Schultheißen ab[454]. 1702 ließ man in Baden (Schweiz)
auch nicht mehr jedermann ohne weiteres ins gemeinsame Verenabad. Die
mit ekelerregenden und ansteckenden Krankheiten Behafteten badeten
einige Tage an einem abgeschlagenen, von der Quelle entferntem Ort, bis
sie von der gröberen Unsauberkeit befreit waren[373].
[Sidenote: _Die Freibäder zu Karlsbad_]
Karlsbad hatte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts öffentliche
(Gemein-) Bäder am rechten Teplufer in nächster Nähe des Sprudels.
Das Badehaus besaß je eine Abteilung für Männer (Abb. 144, No. 5) und
Frauen (No. 6), sowie eine abgesonderte für „Kretzige und Aussätzige“
(No. 7), die nach Abb. 144 noch zu Anfang des 17. Jahrhunderts ohne
Dach war. Nach dem großen Stadtbrande im Jahre 1759 wurde das Gemeinbad
neuerdings errichtet und nach einer Abbildung von ca. 1780 dem alten
sehr ähnlich. Auch das dritte Bad für Aussätzige wurde hinter dem
Weiberbad wieder aufgeführt. Das ganze Gebäude erstand 1794 neu mit
einem kleinen Dampfbade, wurde aber 1809 beim explosionsartigen
Ausbruch des Sprudels[J] derart beschädigt, daß es abgetragen werden
mußte[347]. Damit verschwand das alte Bad, das wir unbedingt als
Freibad auffassen müssen. An seiner Stelle erstand um die 1809 hier
neu entsprungene Hygieensquelle — das alte Bad wurde vom Sprudel
versorgt — eine Säulenhalle, mit einem zweiten Stock, das zur
Dampfbadeanstalt eingerichtet wurde. Der Mühlbrunnen war schon im 16.
Jahrhundert bekannt. Zu Anfang des 18. war er in ein nur mit Brettern
verschlagenes Bad geleitet, was die Armen benutzten, namentlich auch
zum Schröpfen[347].
[Illustration: Abb. 144. Der Sprudel zu Karlsbad im 17. Jahrhundert.
Kupfer von ~G. Hupschmann~.]
[Sidenote: _Die Freibäder zu Baden-Baden_]
[Sidenote: _Die Freibäder wurden am meisten am Sonnabend benutzt_]
In Baden-Baden bestanden ähnliche Verhältnisse wie zu Baden in der
Schweiz. Es gab zwei Freibäder[K], ein großes und ein kleines,
die nach einer Ordnung des Markgrafen Christoph 1488 Freibäder
im eigentlichen Sinne des Wortes waren. Als sich die von Baden
beschwerten, der Bader habe den Mägden das Wasserholen nicht gestattet,
das eine Freibad während des Badens geschlossen gehalten und auch
von Armen Geld genommen, wurde im selben Jahre eine neue Verfügung
erlassen. Nach ihr war das große Freibad von altersher „armen, ellenden
menschen vmb Gottswillen allweg fry“. Das kleine Freibad stand aber nur
den Einheimischen frei zur Verfügung (auch in Baden in der Schweiz hieß
das eine Freibad, das nicht von den Armen kurgemäß gebraucht wurde,
nach ~Pantaleon~ das Bürgerbad), Fremde zahlten täglich einen Pfennig.
Die Verordnung enthält aber schon eine Einschränkung des kleinen
Freibades, die der Bader nach seinem Vertrage aufrecht hielt. Wenn er
fremde Gäste „zu lust“ behielte, hatten die Einwohner von Baden keinen
Zutritt[40]. So wurde in Pfäfers nach der Badeordnung von 1619 dem
Verwalter bei Strafe verboten, Leute aus der Umgebung nach Feierabend
oder am Samstag abend baden zu lassen, wenn das Bad mit Kranken besetzt
sei[632][L]. Diese Verordnung hatte ihren Grund darin, daß die Bauern,
um das Badegeld zu sparen, die Freibäder an Stelle der Badestuben
benutzten. In Baden-Baden wurden deshalb die Freibäder alle „gebannte
sampstags- und feyernächte“ im Sommer um neun, im Winter nach sieben
Uhr für Nichtkranke geschlossen[40]. Im Freibad zu Baden (Schweiz)
war der Andrang am Samstag Abend am größten, wo nicht nur gebadet und
geschröpft, sondern auch bis in die Nacht getrunken wurde. Mehrmals
wurde in den Berner Kapitelakten über das ärgerliche Unwesen in den
Bädern, namentlich am Samstag abend und Sonntag geklagt, weswegen
der Rat 1650 das Baden zu dieser Zeit verbot. Betroffen wurden sechs
Bäder, darunter das Gurnigelbad, weil Samstag zu Nacht und am Sonntag
mehrenteils nur Knechte und Mägde von Üppigkeit wegen in diese Orte
zögen. Die Klagen gehen bis zum Jahre 1673[142].
[Sidenote: _Unterhaltung im Bad_]
Bei dem stundenlangen Baden war es natürlich, wenn man Unterhaltung
suchte, und das geschah in den meisten Fällen — den Schriftstellern
nach als Eigenart der Deutschen — durch Zechen, Singen und
Instrumentalmusik, wovon schon ~Poggio~ berichtet, und das auf vielen
Abbildungen des 16., seltener des 17. Jahrhunderts dargestellt ist
(Abb. 95, 102, 117, 138). Angeblich sollte auch dadurch der als
schädlich geltende Schlaf verscheucht werden.
Einen eigenartigen Zeitvertreib schuf ~Gailer von Kaisersberg~ dem
Peter Schott und dessen Frau, indem er einen Doktor als Lustigmacher
ins Wildbad schickte, der seinen Posten so gut versah, daß Schott,
ein sonst sehr ernsthafter Mann, ihm das Zeugnis geben mußte, „er habe
die werte Gesellschaft über Tisch mit seinen omeliis et scommatibus so
belustigt, ut risu pene omnes defecerimus, praesertim famulae nostrae,
quibus risus in urinationem cessit“[325]. Der Tübinger Professor
~Bebel~ schrieb seine berühmten Facetiae, eine Anekdotensammlung, aus
welcher das ganze 16. Jahrhundert schöpfte, als Badelektüre für seine
Freunde[6]. Die Unterhaltung der Badegäste war gewiß nicht immer die
anständigste; denn ~Simler~ hat in seiner Gedichtsammlung (1688) unter
mehreren Sprüchen in das Badehaus auch die folgenden:
„Die Säüglock bleib unangezogen:
nur guten g’sprächs werd hier gepflogen.“
„Im Bad- und Wöschhauß meid anreitzendes Geschwätz
zu schnöder üppigkeit, zorn, hader, und Gefätz:
dann, was du, sonder nutz, geredt in disem Leben,
darvon must Rechenschafft dem grossen Richter geben“[27].
[Illustration: Abb. 145. Vergnügungen beim Mineralbade in der zweiten
Hälfte des 16. Jahrhunderts. Holzschnitt aus: ~Münster~, Cosmographey.
Basel, 1598.]
Zur Unterhaltung gehörte auch der Tanz, und es scheint, daß dieser
zuweilen direkt beim Bade (Abb. 145) und manchmal im Badekostüm
stattfand. ~Baccius~, der Arzt des Papstes Sixtus V., hörte (1571) beim
Freibad von Burtscheid Tanzmusik und Gesang und sagt, das wäre in ganz
Deutschland Sitte[70]. ~Hans Rudolf Räbmann~ singt noch 1606 von Leuk:
„Etlich gand aus dem Bad zum Tantz,
Im Nachtbeltz springs frölich ganz“[38].
[Sidenote: _Die Badelieder_]
Es gibt mehrere aus dem 15. Jahrhundert stammende geistliche
Badelieder[28], die genau genommen nicht Bade-, sondern geistliche
Lieder sind und Baderegeln zur Grundlage frommer Ermahnungen nehmen.
Sie mögen wohl auch im Bade gesungen worden sein. Aus späterer Zeit
sind mehrere Badelieder mit religiösem Charakter bekannt (Abb. 146).
Die Glotterthaler Badeordnung aus der Mitte des 16. Jahrhunderts
schrieb vor: „Item es soll kein Gesang wider die Catholische Religion
gestattet, auch sunsten nichts Schandtliches gesungen werden“[330].
In Pfäfers wurde 1619 das Singen deutscher Psalmen verboten, nachdem
es des öfteren die Jahre vorher den Katholischen zum Trotz geschehen
war[632]. Auch im Wallis, namentlich im Bade Leuk nahmen 1600 die
Katholischen wahr, daß ihnen „mit Singen, Gebärden, Worten und Werken
Trotz geboten werde“[38]. Nach der Ordonnanz von 1679 für Baden bei
Wien durften geistliche und christliche Gesänge und Historien, auch
andere ehrliche und fröhliche Sachen gesungen und gesprochen werden.
Buhllieder und „unschambare“ Worte wurden mit vierhundert Pfund
verpönt[84].
Bei Badenfahrten vornehmer Personen wurden von Verehrern eigene
Wunschgesänge gedichtet[700]. Ein aus dem 17. Jahrhundert stammendes
Lied, mit drei Melodien gedruckt, besingt in scherzhafter Weise die
Qualen des Badeausschlags[328]. Mehrere Badelieder dichtete und setzte
der Züricher Dichter ~Simler~ im 17. Jahrhundert in Musik. Es sind
meist Verherrlichungen der heimatlichen Bäder, z.❆B.
„Zu Vrdorf, und am Geiren Rein,
auf Aeügst, und auf dem Riedt,
entspringen gsunde Brünnelein,
durch Gottes sondre güt:
so, daß wir können baden,
für ein und andern schaden,
auch in dem Zürichbiet.“
Auch ~Simler~ schrieb ein besonderes Gedicht, als etliche Herrn Häupter
geistlichen und weltlichen Standes der Städte Zürich, Bern, Basel und
Schaffhausen 1669 Baden gleichzeitig besuchten[27]. Sicherlich wurden
auch die alten Schlemmlieder häufig angestimmt. ~Pantaleon~ war sehr
betrübt darüber, daß man von Baden öffentlich schreibe und auch in
Druck kommen lasse, es wäre der Schlemmer Bad und werde dort die volle
Mette gesungen[35]. Geschrieben hatte dies Pictorius, aber auch mit
eigenen Ohren gehört, daß man alle Morgen den Schlemmer zu singen
anhob, aber nicht in ~Schiler~s Ton, sondern der vollen Zapfen[152].
[Illustration: Abb. 146. ~M. Muchheimin von Vri~[M]. Ein nüw Lied, in
Badenfärten lustig zesingen. Getruckt im Jar 1617.]
[Sidenote: _Zechen im Bad_]
Getrunken wurde im allgemeinen viel, aber nicht Wasser, sondern Wein,
besonders in Baden, wo bis 1811 das Trinkwasser in die großen Bäder
von auswärts herbeigeschafft wurde und von Arm und Reich bezahlt
werden mußte[32]. So waren dort selbst die Armen gezwungen, Wein zu
trinken. Als der Ulmer Patrizier Hans Ulrich Krafft 1573 in einem der
freien Bäder badete, entführten ihm die Weiber sein „Schnupftüechlin“,
zum Säubern, um sich einen Trunk damit zu verdienen. Die vier Ulmer
Maß Wein, die ihnen Krafft schickte, vertranken sie fröhlich unter
Jubilieren und Gesang[329].
~Pictorius~ sagt 1560 vom Wattwyler Bad im oberen Elsaß, der Wein
verderbe dort viel, was das heilsame Bad aufrichte; „dann offt badend
allda gute Herrn vnnd gesellen“[152]. Als ~Albrecht Dürer~ im Oktober
1520 in Aachen weilte, schrieb er unter anderem in sein Tagebuch „Auch
5 Stüber für’s Baden ausgegeben und mit den Gefährten vertrunken“,
„ich habe 5 Weißpfennige in Gesellschaft vertrunken und für’s Baden
ausgegeben“[675].
[Sidenote: _Die Morgensuppe_]
Die vornehmen Badegäste hatten unter sich eine Art studentischen
Komments, der am deutlichsten in der sogenannten Morgensuppe (Abb. 87),
von der ~Pantaleon~ berichtet, hervortrat. Sie hatte viel Ähnlichkeit
mit dem heutigen Bierstaat der Jenaer Studenten. Zu Baden hielten sie
auch die Frauen bei fröhlichem Gesang in ihrem Bad. Sie fand im Stad-
und im Hinterhofe statt. Um gemeine Leute fernzuhalten, mußte man
sich mit einer größeren Menge Wein einkaufen, auch dann, wenn man im
selben Gasthofe, aber nicht in einem der genannten Bäder badete und
diese nur vorübergehend benutzen wollte. Umgekehrt war aber den Gästen
der Herren- und der Frauenbäder erlaubt, andere Bäder zu betreten und
dort zu baden, was z.❆B. im Kessel des Stadhofs vorkam, weil dessen
Wasser wärmer war und für heilkräftiger galt. Wie sehr die Teilnehmer
der Morgensuppe bevorzugt wurden, geht daraus hervor, daß ihnen bei
Überfüllung des Frauenbades im Stadhofe ein zweites, sonst von anderen
Personen benutztes Bad, eingeräumt wurde.
„All vol lassend vns frölich singen“[36],
mit solchem oder ähnlichem Lied begann die Morgensuppe zu Baden in der
Schweiz, und zu Baden bei Wien sang man 1588:
„Aussig Wasser inne Wein,
Last uns alle frölich sein“[16].
[Sidenote: _Das Badgericht_]
Mit der Morgensuppe war auch das Badgericht (Abb. 137) verbunden.
Es fand zu Baden (Schweiz) in den Herrenbädern des Stad- und des
Hinterhofes statt; bei ungenügender Beteiligung in einem Bade taten
sich die Gäste beider zusammen und hielten das Gericht abwechselnd in
einem der beiden Höfe.
Zur Aburteilung durch das Badgericht kamen nur kleinere Vergehen, die
im Verenabade vom Wächter bestraft wurden, der auch das Recht hatte,
Leute in das Taubenhaus (Gefängnis bei den Bädern) zu setzen. In den
von gemeinen Leuten benutzten kleinen Bädern hatte nach der Ordnung von
1506 der Badknecht „die Unzucht mit guten Worten oder mit der Ruthe
fernzuhalten“[32].
Zur Einführung des Badegerichtes hatte wohl der Umstand geführt, daß
den Bädern Freiheiten verliehen wurden, nach denen die Ortspolizei
bei kleineren Vergehen nicht eingreifen durfte. Freiheiten in dieser
Beziehung hatten, wie es scheint — und aus ~Pantaleon~ geht dies ja
hervor — nur die von Vornehmen besuchten Bäder. 1475 gab Friedrich
I. von der Pfalz dem neu entstandenen Bad Hub in der Ortenau, da
„gewonlich ein yedes Bad sunder friheit hat“, die ordnung, „das
keinerley gerichtsstabe noch gerichtszwang gebrucht werden soll gegen
den luten, die umb badens willen die obgenanten herberg besuchen
und das bat bruchen“. Im Wildbad Roigheim bei Möckmühl verordnete
aber derselbe Pfalzgraf 1476, daß die Badenden dem Roigheimer Recht
unterstehen sollten[61].
Das Badgericht bestand im ganzen deutschen Sprachgebiet. Nach der
Badeordnung von Baden bei Wien von 1613 und den Zusätzen bis 1690
wählten die Kurgäste unter sich das Gericht[84]. Aus der Glotterthaler
Badeordnung (Mitte des 16. Jahrhunderts) seien folgende hierher
gehörige Stellen angeführt:
„Und damit die nachuolgenden Verbott steyff gehalten vnd die
verbrachtern gestrafft werden, so soll jederzeit ain Schulthaiß, so
den stab füeret, vnd fünff Richter, ain Waibel, auch zwen Fürsprechen,
vnder den Bädern geordnet vnd gesetzt, vnd was durch die erkannt,
exequiert werden.
Vff daß auch ain jedtwederer Amptsuerweser wisse, was ein tragendt Ampt
in sich habe, so soll erstlich ain jeder verordneter vnd gesetzter
Schuldhaiß schuldig sein, sobald jme von dem hern Wirdt der Stab
....[N]
Item es soll auch ain jedtder .... maister (wohl Seckelmeister)
schuldig sein .... gelt inzuziehen vnd getreuwlich alles wer ..... auff
zuheben vnd vff begeren abzulüffern.
Item es soll auch ein jedtwederer Kuchemeister allwegen zu Essenszeit
in der gewohnlichen Malstuben ainen vnd den andern befragen, ob jme
aus der Kuche vnd aus dem Keller seinem begeren nach gewillfahret, vnd
da in der Kuchin durch faul- oder hinlässigkeit ettwas verabsaumbt vnd
.... ohne alle jnredt .... der richterlichen ......
Es soll ain jedtwederer Waibel acht haben, daß wann ain Bader oder
anderer .... mit gewehrter Handt, als da seind Degen, Waidmer, Beyhel
oder dergleichen schneidenden Waffen, in das Hauß kummpt, daß er
denselben, er sey in dem Bad oder nit, angloben lasse, daß er ehender
nit auß dem Badort weichen (wolle), bitz er sich den Bädernen richte
vnd ain fueder Weyns mit zweyen Reyffen gebunden zur Straff gebe.
Item es soll auch ain jedtwederer Sigrist schuldig sein, siben
zaichen mit dem Glöcklin, so in der Kirchen hanget, zu nachuolgenden
vnderschidlichen malen zu geben, alß erstlich Morgendts bey zeit zu
Bett, volgends vor neun vhren vß dem Bad vnd vmb zehne zum Essen.
Sodann auch zue Mittag vnd Aubendts vmb fünff vhren widerum vß dem Bad;
dann vmb sex vhren zum Essen, vnd letzlichst wann es zeitt, widerumb zu
Bett zu leutten, darnach sich alle Bäder wissen zu richten.
Item es soll auch ain jedtwederer Britzenmeister oder Schlager, wan
man endenlich Gericht haltet, sich in seinem anbefolnen Richtschwerdt
in der Nähe bey Gericht verlassen vnd daselbsten fleissig achtung
geben, wann jme Jemandt in sein handtwerck greifft, erkannt würd, daß
er ...... krafft ergangener Vrthail vnd tragenden Ampts halber Richte
schuldig sei (Abb. 137).
Vnd sollen demnach alle die jenige benempt vnd andere Badgenossen, so
..... anbeuolhner Empter vnd abgefertigter Artickel, wie die dann
ordenlich nach ainandern beschworen vnd verlesen werden, würcklich
nachsetzen vnd vor dem Gericht anklagt nach aller gebür von recht
wegen gestrafft, auch alle verwürckte Straff gleich alsbald erlegen.
Dar durch aber der hohen Oberkeit an jren Rechten vnd Gerechtigkeiten
nichts entzogen sein werdt“[330].
Ob tatsächlich einer der Mitbadenden als Sigrist die Kirchenglocke
läutete oder das Badgericht nur die Aufsicht darüber führte, daß es
rechtzeitig geschah, mag dahingestellt sein. Nach der Badenfahrt
guter Gesellen lag die Beaufsichtigung von Küche und Keller dem
Pritschenmeister ob.
„Vnd han ich inn der kuchi acht
so lang der koch dsuppen macht
Wil ouch bim keller trülich stan
biß er hat die maß voll glan“[36].
[Illustration: Abb. 147. Gyrenbad bei Turbenthal im Kanton Zürich.
Kupfer aus dem: ~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum schwarzen
Garten. Zürich, 1826.]
In Baden (Schweiz) hatte im Gegensatz zum Glotterbad das Badgericht
nicht das Recht, Leute zu bestrafen, die mit Waffen zum Bade kamen.
Die Wehr war der Obrigkeit verwirkt und mußte ihr durch den Wächter
zugestellt werden[35]. Waffentragen in der Nähe des Bades war überall
verboten. Selbst der Zar Peter I. mußte 1707 am Brunnen in Spa den
Degen ablegen[404]. Auch in Pyrmont trug 1784 niemand einschließlich
der Offiziere beim Brunnen einen Degen, wie ~Marcard~ glaubt, weil
alles nur zum Frieden und zur Ruhe beisammen war[342].
Im Glotterbad bestand die Strafe in Wein. Doch deutet die
unvollständige Stelle vom (Säckel-)meister darauf hin, daß sie auch
in Geld gegeben wurde. In Baden (Schweiz) wurde das Strafgeld von den
Badergesellen verzehrt oder armen Leuten gegeben[35], in Baden bei
Wien kam es anscheinend nur armen Leuten zugute[84] [371]; dagegen
wurde es in dem kleinen Gyrenbad bei Turbenthal (Abb. 147) nach der
Badeordnung des Junkers von Breitenlandenberg vom Jahre 1600 zu einem
„Abletzemahl“ verwendet[445]. Von Leuk singt ~Hans Rudolf Räbmann~ 1606:
„Im Bad sind Richter und Amptslüt,
Die lassen ungestraffet nüt.
Wo einer fehlt mit Wort und That,
Der Badbrief da sein Buss drauf hat.
Manch Fuder Wein[O] wird g’setzt zur Buss
Wie viel jeder bezahlen muss“[38].
Die einfachste Strafe bestand jedoch nicht im Bezahlen von Wein,
sondern in zwangsweisem Trinken. In einem Notizbuche von Baden bei Wien
vom Jahre 1588 heißt es:
„Nimm mit dir ein voll wein kandel
Und bekommst du in pad einen handel
So sei stäts willig und bereit
Zu bussen mit dem kandel dein tumpheit“,
und „Ein schöner Spruch von dem Wildbad zu Nürnberg“ hat 1581 die Worte:
„Noch ist zu merken zu der letz,
Ein nütz und nöthig Badgesetz,
Dass wer allda will sitzen ein,
Der bring mit sich ein flaschen wein“[16].
Nach ~Pantaleon~ wurde, wer sich dem Badgericht nicht fügte, vom
Schultheißen der Stadt gestraft. Das ist übertrieben; denn nach der
Badenfahrt guter Gesellen verfiel er dem Pritschenmeister.
„Ouch das man vns söll ghorsam sin
oder werden gestraft vm win
Der sich aber welte weren
Dem wurd ich näst vfkeren“[36].
Der Pritschenmeister war einer der Mitbadenden, in Abb. 87 nur durch
die Pritsche, in Abb. 117 u. 137 auch noch durch die Narrenkappe
gekennzeichnet. Abb. 137 zeigt uns eine Szene, die wir häufig bei
der Darstellung von Schützenfesten antreffen, wo der berufsmäßige
Pritschenmeister als Festordner, Dichter und Polizist seines Amtes
waltete. Ernst waren seine Schläge nicht gemeint; denn auf Abb. 137
erhebt einer der Delinquenten den zur Richtstatt mitgebrachten Becher.
[Sidenote: _Gebote und Verbote in den Mineralbädern_]
Auffallend erscheint es, daß im Glotterbad harmlose Vergehen nicht
unter die Paragraphen fallen, die dem Badgericht unterstanden. „Item
es sollen auch die Bäder (Badenden), noch Fremde, so die Bäder
besuechen, dem Bad nit Wasser sagen, bey Straff eines Fueder Weins mit
zweyen Reiffen gepunden.“ Die Art der Strafe zeigt aber doch, daß die
Obrigkeit sie nicht verhängte. Dasselbe Verbot hatte übrigens auch
Baden bei Wien [84] [371].
Verboten war ferner im Glotterbad, wie überall, Schwören und
Gotteslästern, im Bad bei Boll (ca. 1600) auch das Nennen des Teufels
„ohne Vrsach“, sich selbst oder andere beim Teufel verfluchen[331].
„Item sollen ain Jedtwederer Bäder es seyen Manns- oder Weybspersonen,
jre Heimligkeiten zuedecken, vnd wo ainer oder aine dasselbig
vnzüchtigerweiß vbergüengen vnd vor dem Gericht deßhalben anklagt
wurden, der oder die sollen ebenmäßig straffwürdig sein“ (Glotterbad).
Wer in Baden (Aargau) ohne Niderkleid ins Bad kam ohne große Unzucht
beging, wurde vom Schultheißen der Stadt bestraft, nicht vom
Badgericht[35].
1571 verurteilte man zu Baden Hans Brunner wegen Ungebührlichkeiten
im freien Bade und wegen Schwörens, am nächsten Sonntage während des
Hochamtes in der Kirche das „Erterich“ zu küssen. Auch erhielt er das
Wirtshaus- und Gesellschaftsverbot, bis ihn der Rat begnadigte[32]. In
Pfäfers wurden Gäste, die sich ungebührlich benahmen, wenn sie sich
auch schon in vorgerückterem Alter befanden, auf hundertundein Jahr vom
Besuche des Bades ausgeschlossen, so 1479 ein Rudi Teller, der einen
Ehebruch begangen hatte[38].
Fast in allen Ordnungen sind Gespräche, die leicht zu Streitigkeiten
führen konnten, verboten, seit der Reformation namentlich
Religionsgespräche. Noch die Badeordnung vom Wildbad vom Jahre 1828
bestimmt für das gemeinschaftliche Bad: „Ebenso soll Niemand durch
Schreien oder Singen, durch Gespräche, welche einen Anderen beunruhigen
oder ärgern, durch Reden oder Handlungen, welche irgend ein Volk,
einen Stand oder einen Beruf lächerlich machen oder herabsetzen,
durch Unschicklichkeiten oder Zudringlichkeiten irgend einer Art
die Mitbadenden stören“[325]. Es sollte ein sicherer und steifer
Burgfrieden gehalten werden[331] [393]. Überflüssig Essen und Trinken
war im Glotterbad verboten. „Welcher bezechter vnd voller weiß im Bad
erfunden wirdt“, zahlte im Boller Bad einen halben Gulden, und für das,
was er in der Trunkenheit fehlte, wurde er besonders bestraft[331].
In der Ordonnanz von 1676 für Baden bei Wien wird Schwimmen und
Untertauchen untersagt, Ausspucken nur beim Ausfluß geduldet. Personen,
Badeordnung und Protokolle dürfen nicht „angespritzt“ werden[84]. Im
Wildbad wurde 1757 neben dem Bespritzen der Mitbadenden auch das Werfen
mit Sand verboten[332], nach der Lörlibadsordnung von Winterthur (1537)
zahlte 5 ß Buße, „wer den andern im Bad wurd tufen oder unzimmlich
sprützen“[57]. Leute mit ekelerregenden Krankheiten wurden abseits
gesetzt oder badeten zu besonderen Zeiten. In der Boller Ordnung findet
sich noch ein eigenartiger Zusatz: „Da auch jemands ein heßlich vnd
abschewlich Gesicht hette, der soll vmb der Schwangern vnd anderer
Personen willen, dasselb bedeckt halten. Da aber einer oder mehr,
solcher bresthafften Leut, diesem Nachzukommen sich verweigern wolten,
die sollen also bald vom Bad ab- vnd gentzlich hinweg geschafft
werden“[331].
Gegen Verunreinigung des Bades waren überall Gesetze erlassen. „Item
wann ain Bader ins Bad sitzen will vnd zuvor die Füeß nit abbutzet
(Vgl. Abb. 148), der selbige soll in die Straff gefallen sein, doch die
Jenigen, so Bandoflen oder Hosen anhaben, außgenommen“ (Glotterbad).
„Der Bader soll auch Niemandts in das Bad sich aus dem Staub und Kath
ze wäschen gan vergunnen, und biderb Lüt also übersetzen, besonders so
einer, es sige joch Burger oder Frömd, sich zu wäschen kömmend, daß er
dem oder denen besonderbar Zuber oder Kasten geben solle. Wohl wann
das Badzit verschinnen, also wann es ze Abend Siben geschlagen hat,
daß er alsdann einen in dem Kasten sich ze erwäschen gar wohl erlauben
möge“ (Lörlibadsordnung)[57]. Im Wildbad hatte im 18. Jahrhundert jeder
vor Beginn der Kur ein „Abwasch-Bad“ zu nehmen. Es war nicht gestattet,
„den Kopf in das Bad zu zwagen“[332].
[Illustration: Abb. 148. Frauenbad um 1560. Zeichnung aus einer
alchimistischen Handschrift des germanischen Museums in Nürnberg.]
[Sidenote: _Pferdebäder_]
Nach ~Pantaleon~ war es in Baden in der Schweiz verboten, Tiere mit dem
Badewasser zu waschen oder in dasselbe zu werfen, auch im Lörlibad war
das Hineinwerfen von Tieren (neben Kleidern, Schuhen, Kot) untersagt.
An manchen Orten hatte man deswegen, wenigstens für Pferde, besondere
Bäder. Schon ~Foltz~ sagt vom Bad bei Avignon:
„Auch sint do ander bad erkorn.
Für reüdig vnd repige pferd
Vnd mancher der gleichen geferd“[12].
Roßbäder gab es in Teplitz[264], Ems[370]. In Bormio lag es (1616)
unter St. Martins Kirchlein und diente zur „benemmung der müde vnnd
heilung viler schäden sehr wol“[59]. Im Wildbad wurden noch im 19.
Jahrhundert königliche und andere Pferde mit gutem Erfolge behandelt.
Gesunde Pferde durften aber nicht länger als zwölf Tage lang täglich
eine Stunde eingestellt werden, weil sonst die Hufe erweichten. Nach
Eingehen des alten Pferdebades trat ~Justinus Kerner~ für Neuerrichtung
eines solchen ein[325].
Unterstanden einzelne Bäder nicht der Ortspolizei, sondern unmittelbar
dem Landesherrn, so mußten Frevel strenger und höherbestraft werden,
um einerseits Tätlichkeiten zu verhüten, andererseits auch vornehme
Gäste im Zaume zu halten und dadurch allen die nötige Sicherheit zu
gewähren[61]. ~Guler von Weineck~ singt 1630 von Pfäfers:
„Da Sicherheit, frey Luft, gut Muth,
Die Kräft dess Bads vermehren thut“[38].
[Sidenote: _Die Freiheit der Mineralbäder_]
Von Baden sagt ~Pantaleon~, wer im Bad sitzt, sei seines Leibes und
Lebens, auch Habes und Gutes sicher, deswegen dürfe auch niemand
mit Waffen oder Seitengewehr ins Bad gehen. Zur Freiheit des Bades
Hub gehörte (1475): „Ob aber yemant darinn frevelt mit worten, und
sunderlich gein yemant, der von badens wegen da were, oder den dienern
des bads, der solt sich verwirckt han in pene hundert rinischer gulden
off gnode, darnach die wort schedelich und auch die persone gewirdigt,
die das berurn, were. Ob aber yemants sich frevelich einer wehere
und uberlaufs gebrucht, als gezugk swert, messer, tegen, gespanner
armbrost, geladener buchsen oder ander wehere derglichen, als spieß,
kolben, oder helbarten, wie man die nennen mocht, oder wurff det, er
letz’ yemant darmit oder nit: so solt der detter ein hant und fuß
verfallen sin und zu uns als dem hern des lands zu unserm teil steen,
ob wir also von ime richten lassen oder darfur ein abtrag mit gelde
von ime nemmen wolten. Wer aber yemant by nacht uberfiel im bade oder
der herberg, oder yemant im bade oder der herberg wondet off den tot
oder gar libloß mecht, der solt lip und gut verlorn han und verfallen
sin und one gnad von ime gericht werden nach recht one geverde“[61].
Nach der Ordnung eines kleinen württembergischen Bades Mainhardt
von 1485 wurde dem, der mit gewappneter Hand gegen den Mitbadenden
vorging, die rechte Hand abgehauen[53]. Recht naiv wird 1597 im
Tobelbad bei Graz das Verbot von „Rumoren, Poldern, schlagen, raufen“,
Schwert- und Dolchziehen, Büchsenschießen begründet, weil dadurch die
Badegesellschaft und sonderlich „das löbliche Frauenzimmer und ander
ehrliche Weibspilder“ im Baden gestört und erschreckt würden. Von einem
Bruch der Freiheit ist hier nicht die Rede, sie scheint demnach auch
nicht bestanden zu haben, trotzdem Tobelbad viel von Adeligen besucht
war. Auch das Badgericht fehlte, an seiner Stelle standen sechs aus
der Gemeinde gewählte Männer. Der Wirt hatte deswegen vom Adel viel
zu leiden. 1584 führte er Beschwerde, für die jungen Herren vom Adel
müsse er oft um zehn bis elf Uhr nachts das Bad heizen, und wenn er
die Tagestaxe mit sechs Kreuzern als zu gering nicht annehmen wolle,
„so well man miers umbs Maull schlagen“. Die Landschaft empfahl dem
Wirt ein bescheidenes Benehmen gegen jedermann, ordnete aber zugleich
an, die Sperre des Bades um zehn Uhr morgens und fünf Uhr abends durch
Glockenzeichen zu signalisieren. In Anbetracht dieses Urteils darf man
es dem Wirt nicht verdenken, wenn er 1597 eigenhändig Justiz übte. Die
Badegäste hatten mutwillig Schlösser, Türen, Fenster, Öfen, Betten und
Bänke beschädigt. Dafür hatte er einen der Täter, den Hofkoch Georg
Trugker im Bade „überloffen und mit straichen übl traktirt“[84].
[Sidenote: _Der Freiheitsbrief für das Wildbad_]
Die Sicherheit einiger Bäder erstreckte sich auch auf Übeltäter. 1491
wurde das Bad Losdorf vom Rat von Solothurn zu einer Freiheit erhoben,
daß innerhalb der Dachrinnen des Badehauses kein Missetäter gefangen
werden durfte[86]. Das Wildbad erhielt von Kaiser Maximilian einen
ähnlichen Freiheitsbrief, der 1525 beim großen Brande verloren ging und
deswegen von Kaiser Karl V. 1530 erneuert wurde:
„Kayserlich Begnadigung, mit wöllicher die Statt Wildbad vngevährlich
Todtschlags begabt. Beneben einnerley Pt. Straffen die yederzeit
alda frevenlich verwürckht, wie solliche zue straffen. Wir Carl der
Fünfft, von Gottes Gnaden Römischer Kayser zu allen Zeiten Mehrer
des Reychs ..... Bekennen offentlichen mit disem Brief, und thun
kundt allermeniglichen als Uns yetzo Vnnser und des Reychs liebe
Getrewen, Schultheis, Burgermeister, Gericht und Raathe zu Wildtpaad
in Vnnserm Fürstenthum Württemberg gelegen fürbringen lassen, wie daß
sie von weylandt dem Durchleuchtigsten Fürsten Vnsern lieben Herrn
und Anherrn, Kaysern Maximiliano loblicher Gedächtnuß, mit sondern
Gnaden privilegiert, fürseehen, und begaabt seien, und namblich das
die Badgässt so yederzeith da wehren, hohes und nider Stands, keiner
mit dem andern weder mit Worten noch Wercken, jehzeit vnfreundtlichs,
aigens Gevallen vnbillichs, frevenlichs, oder tähtlichs fürnemen noch
handeln sollen, bey einer Straaf als namblichen Verlierung des Haupz,
+darzue auch das ein jeder so ein vngevorlichen Todschlag begangen vnd
andere (vßgenomen Mörder, und offentliche Straaßreuber und dergleichen
Ubelthäter) daselbsten im Flecken des Wildbads, Jhar und Tag, Frid und
Freyungs gehapt und gehaben sollten u.❆s.❆w.+ Wölliche Kayserliche
Freyheit auch yederzeiten den Baad-Gästen und andern daselbsten
zum offtermahlen im Jar durch den Schultheissen angesagt, verkündt
und offentlich vßgeruffen worden were. Uber wölliche Freyheit und
Begnadigung sie auch von obgenandten vnsern lieben Herrn und Anherrn
offen, glaubhafft und versigelt Brief und Urkundt in Irem Gewalt und
Verwarung gehapt; Wölliche Brieff aber Inen vngevarlich bey fünff oder
sechs Jaren, als in der grosen Brunst im Wildtbaad auffgangen, da
die Statt in der Ringmauren, sampt andern Ihren Haaben und Güetern,
gar verbronnen weren. Vnd vns darauf demüetiglichen anrueffen und
pitten lassen, das Wir sollichen Iren empfangenen Schaden mültiglichen
bedencken, vnd Inen sollich Ir vorgedacht vorgegeben vnd verbrant
Privilegium Gaab und Begnadigung zu confirmiren. Vnd von neuem widerum
zu geben, und zustellen gnädiglich geruhen; das Wir gütlich angesehen,
Ihr demüthig Pitten, vnd das sie allso vsser vnversehenem zugestandenem
Vnfahl obberürter Irer Privilegien durch angezeigte Brunst beraubt
sein. Vnd Inen darauff also mit gueten Raathe Vollkommenheit, und
rechten Wissen, sollich obgedacht Freyheiten confirmirt, besteet, und
von newem gegeben haben, confirmiren, besteeten und geben Inen die
allso von newem hiemit. Von Römischer Kayserlicher Macht in Crafft
dises Brieffs. Mainen und wöllen, das sie derselben Freyheiten, wie
sie der Baadgäst halben, so yederzeit darkommen, alles obgemellt
gehabt, fürohin auch haben, prauchen und genießen sollen und mögen.
+Von Recht oder Gewonheit allermeniglich vnverhindert+ .... und wöllen
das die berürte Schultheissen, Burgermeister, Gericht und Raathe zu
Wildbaad, die yetzundt seindt oder künfftigl. da sein würden; an
obgedachter Confirmations-Begnadigung vnd Gebung der Freyheit alls
obstehet nit irren. Sonder sie gäntzlichen dabey pleyben, vnd sich dero
geruwiglichen und vnverhündert gebrauchen lassen. Alls lieb Inen allen
vnd einem yeden sei Vnser, vnd des Reichs Vngnad, vnd darzu ein Peen,
namlichen dreyßig Marck lotig Golds zu vermeiden ....“[335].
[Sidenote: _Das sichere Geleit_]
Die Badeordnung von Mainhardt (1485) sicherte nicht nur jedem des Bades
Bedürftigen zu, daß er im Bad „frei, stark und sicher“ sei, sondern
auch ungefährliches Geleit für sich und seine Begleiter[53]. Pyrmont
war 1856 eben erst bekannt geworden und erhielt in seiner Badeordnung
schon den Satz:
„Ein sicher Geleid thun wir auch geben
Den so sich halten recht daneben“[381].
Freies, sicheres Geleit erhielten in der Schweiz alle diejenigen, die
sich zur Herstellung ihrer Gesundheit in den in den eidgenössischen
Vogteien gelegenen Bädern aufhielten[38]. Kaum sechs Jahre waren
vergangen, seit die Eidgenossen dem Herzog Friedrich von Österreich
Baden und den Aargau weggenommen hatten, da bat dieser den alten Gegner
um Erlaubnis, während des kommenden Sommers (1421) mit einem Gefolge
von sechzig Personen einige Wochen in den Bädern zu Baden zubringen zu
dürfen. Am 4. Mai 1463 gaben die Eidgenossen dem im Züricher Kriege
durch seine mordbrennerischen Anschläge berüchtigt gewordenen Hans von
Rechberg Geleit, mit sechzehn bis siebzehn Personen eine Badenfahrt
nach Baden zu machen[32]. Das Einholen der Erlaubnis zur Badenfahrt
hatte seine Gründe. Wenigstens der ungefähr aus dem Jahre 1492
stammende Geleitsbrief für das Bad Pfäfers enthielt die Bestimmung, daß
unter Umständen die eidgenössischen Orte einzelnen Personen das Geleit
künden dürften. Eine Verletzung des Geleites durch den Abt von Pfäfers
an Jörg Gossenbrot von Augsburg, der mit dem Grafen von Werdenberg in
Konflikt geraten war (1498), bildete neben anderem eine Ursache zum
Ausbruche des Schwabenkrieges (1499). Großes Aufsehen erregte zur Zeit
die Geleitsaufkündung an einen böhmischen Revolutionär. Im Jahre 1620
wurde auf Reklamation des Erzherzogs Leopold von Österreich der im Bade
Pfäfers sich aufhaltende Freiherr Friedrich von Tieffenbach, einer der
böhmischen Direktoren, ausgeliefert, weil er in drei Punkten das Geleit
gebrochen hatte: erstens durch Tragen von „Unterwaffen“, zweitens durch
Ausstellen von bewaffneten Wachen und drittens durch Schimpfen gegen
die katholische Religion[38].
[Sidenote: _Badeordnung von Pfäfers von 1610_]
Das Badeleben zu Anfang des 17. Jahrhunderts wird durch folgende
Ordnung von Pfäfers vom Jahre 1619 charakterisiert:
„Avß Gottes Gnaden, Wir Michael von Hohen Sax, Abbte dess vralten
Freyen Fürstlichen Gottshaus vnser lieben Frawen zu Pfeffers, Sanct
Benedicten Ordens, so ohne mittel Bäpstlicher Heyligkeit vnderworfen:
Vrkunden menigklichen, so allhero in vnser FreyBad Pfeffers in
das Tobel kommen, es seyen frembde oder heimsche, Geystliche oder
Weltliche, Reich oder Arme, niemandt außgenommen. Demnach vns, als an
dem ohrt freyen Gerichts, vnd diß Bads ordenlichen inhabenden Herren,
die Gericht, Mandat, Gebott vnn verbott zu thun, zu setzen, vnnd zu
publicieren vnd die vbertretter zu Büssen vnd zustraffen, von Obrigkeit
wegen gebürt vnd zugehört.
Damit aber vnder den Badgästen, so sich dises vnsers Bads gebrauchen,
frid, ruh vnd einigkeit gemacht, auch alle gebür, Erbarkeit vnd Zucht
so in ein Badt gehören erhalten, dem vbel, mutwillen, leichtfertigkeit
vnnd frefel vmb sovil mehr abgewert vnd gesteurt werde, sich auch
menigklichen vor dergleichen vnbillichkeiten fürzusehen vnd zubehüten
wisse, also haben wir an vnserm Ampt vnd schuldigkeit nit wöllen
ermanglen, sonder bey vnsern vorfahrern, deß gemeldten vnsers Gottshauß
löblich herkommen, so wol als in andern Bädren gebraucht wirdt, ein
Bad Ordnung, vnnd dise nachvolgende Gebott vnd verbott auff das Papir
bringen vnd stellen lassen, die wir vnnachläßlich bey den nachgesetzten
Straffen vnd Bussen wöllen gehalten, vnd von den vngehorsamen jhr
verbrechen vnnd begangne frefel, durch vnsere verordnete Badmeister
oder andere Befelchshaber, ohn alle Gnad abzufordern vnd einzuziehen
befohlen.
1. Erstlich so gebieten wir ernstlich, das keiner wer der seye, einen
andern mit der Faust schlage, welcher aber hierwider muhtwilliger weiß
handlete, im Tobel oder ausser halb, verfallt Buss 10. ℔. pfenning.
Item wann einer oder eine, den andern mit einem Wehr, Tolchen oder
Messer schädigte, dardurch die Freyheit gebrochen wurde, die sollen
nach erkandtnuss des Rechten, vnnd gestaltsame dess verbrechens
würcklich abgestrafft, vnnd auff Leib vnd Gut geklagt werden. Es solle
auch keiner kein ander Waffen als ein seytenwehr in das Tobel tragen,
vnd dasselbig also baldt dem Würth (biß zu außgang seiner Badenfahrt)
zubehalten geben, bey straff 1. ℔. pfenning.
2. Zum andern verbieten wir ernstlich, das keiner dem andern vbertrang
thun solle, als durch spritzen, tauffen, oder freuenlich in das Bad
fallen, welcher hierüber thete, verfallt 1. ℔. pfenning: Da aber
weiters vnraht darauß ervolgte, soll mit Recht gestrafft werden.
3. Zum dritten verbieten wir, das kein Mensch das Bad maculiere, oder
reuerenter durch vnwillen, Menschlicher notturfft, oder womit das
geschehen köndte: Welche hierüber mißhandleten, verfallt ein jedes 2.
℔. pfenning. Vnd da ein anders solches sehe, vnd anzeygte, dem wirdt
das Badgellt geschenckt. Deßgleichen auch, welches die häuser, steeg
vnd weeg solte mit vorgemeldter vnzucht verwüsten, verfallt auch ein
jedes 1. ℔. pfenning. darumb, das solcher gestanck vnd geschmack
vermitten bleibe.
4. Zum vierten, dieweilen dann vilmahlen von den Weibspersonen geklagt
worden, das sie etwan vnzüchtiger vnd mutwilliger weiß von den
Mannsbildern in den Schrancken angetastet werden, vnd damit aber diß
ohrts vnzucht vnnd ärgernuß in allweg abgeschafft werde, gebieten Wir
ernstlich, das nach ordnung deß Badmeisters die Weib vnd Mannspersonen
(ausserhalb der Eheleuthen oder verwandten) in abgesünderten Schrancken
baden thethen, im fahl aber solches wegen vile der Badgästen oder
anderer vrsachen, nit kan geschehen oder statt haben, so wöllen Wir
jhnen nichts desto weniger (sovil jmmer möglich) ruhe schaffen, setzens
derhalben menigklichen zu einer wahrnung, an 2. ℔. pfenning buss, damit
kein vngebür gegen jhnen, weder mit vnzüchtigem antasten, vppigen oder
vnschamhafften worten oder geberden, sonder durchauß alle ärgernuß vnd
vnbillichkeit abgeschnitten wurde.
5. Zum fünfften verbieten Wir auch, das keiner sein Scham entdecke,
oder andere dergleichen vnschamhafftigkeit erzeige, bey Buss. 1. ℔.
pfenning. Zu dem auch gebieten Wir ernstlich, das alles vnzüchtiges
(reuerenter) Huren und Bubenleben, da solches einreissen wolte, durch
vnsern Badmeister bey mercklicher Straff, die Wir gegen den mutwilligen
vbertrettern (nach gestalt der sach vnd deß verbrechens) vorbehalten
haben wöllen, vnd welches darwider handlete, solle vns gefäncklich
herauß gebracht werden.
6. Item zum sechßten verbieten Wir auch ernstlich, das keiner den
andern mit dem zutrincken solle vbernötigen, damit durch die völlrey
keiner den Wein widerumb von sich geben müsse, welcher aber darwider
thete, verfallt 1. ℔. pfenning. Item welcher in der Trunckenheit
fluchte oder Gott lästerte, oder einen andern an seinen Ehren vnd guten
Lümbden antasten solte, verfallt 4. ℔. pfenning. Vnd da auß gedachter
völlerey vneinigkeit entstünde, solle der vrsächer mit Recht würcklich
abgestrafft werden, vnd wirdt sich keiner mit seinem vollen kopff,
vnd das er bezecht gewesen sey zu entschuldigen haben: Es solle auch
niemandts ohn Unser verwilligung, von andern ohrten Wein ins Tobel
beschicken oder holen lassen, bey Straff 2. ℔. pfenning.
7. Zum sibenden gebieten wir denen, die da liebhaber deß newen Glaubens
weren, das sie, dieweil sie in dem Bad seind, denselbigen mit jhrer
Lehr ihnen selbst behalten, vnd damit weder Geystlich noch Weltlich
anziehen, jederman ohn gestumpfiert vnd zufriden lassen, vermög
deß Landtfridens, vnd bey Buss 3. ℔. pfenning, so offt solliches
beschicht: Da aber weiter nach gethanem anzug vngelegenheit darauß
entspringen solte, vnd durch schmitzen oder schmähen wider den
Landtsfriden gefreflet wurde, alsdann wirdt solcher mit Recht (laut deß
Landtfridens) abgestrafft werden. Zu dem sollen sie auch der Teutschen
Psalmen singen, gäntzlich bey obgeschribner Buß sich enthalten, damit
nicht (wie die Jahr hero beschehen) vil vngelegenheit vnd widerwillen
erwachßen möchte: Insonderheit, wann man söllich vngestum singen, den
Catholischen zu einem trutz anheben solte, darauff dann baldt ein
zwyspalt vnd vneinigkeit entstehn möchte, da aber einer je grossen
lust zu singen hette, der kan andere Geystliche, oder sonsten erbare
Lieder (doch alles mit bescheydenheit) singen, vnd darumb das Bad mit
keinem vngehewren geschrey fullen, damit nit zuforderst die Alten, vnd
die sonst blöde Häupter haben mit verdruß im Bad sitzen, oder offt gar
außweichen müssen.
8. (Betrifft Bestrafung ungebührlichen Verhaltens (3. ℔. pfenning)
während des Morgen- und Abendgebetes.)
9. Wiewol zum neundten, dise Herliche vnd grosse Gaab Gottes dises
warme Wasser allhie, für ein FreyBad geachtet soll werden vnd sein, das
weder Reichen noch Armen, Frembden oder Heimschen verbotten, sonder
einen jeden (so diser Vnser Badordnung gehorsamen will) erlaubt ist,
darinnen sovil ohrt vnd platz als er bedürfftig, vnd die enge deß Bads
leyden mag, jhm selbs einzunemmen: So wöllen Wir darumb nicht gestatten
oder gutheissen, das deß Standts halben der minder dem mehrerem, nach
Würde vnd gelegenheit der ohrten vnd sitzen, im Bad solle für gezogen
werden, sondern es solle in disem ein Badmeister fleissig achtung geben
vnd warnemen sovil müglich, das ein jeder nach seiner Würde, vnd nit
nach seinem muhtwillen, solle eingelosiert werden, da aber hierüber
wider gebür gefrefelt wurde, solle der vbertreter nach erkandtnuß deß
Badmeisters, würcklich abgestrafft werden.
10. Zum Zehenden, befehlen Wir auch, im fahl sich etwas frefels,
muhtwillen, vngebür vnd bussfelliges zutrüge, so hierinnen in diser
Bad Ordnung nit begriffen were, solle gleich .... vngestrafft nicht
verbleiben .... Da aber einer oder mehr, ab vnser Straff sich nit
ergeben wolte, gegen denen solle mit Recht verfahren werden, .... vnd
da der Badmeister, wie auch der Würth samt jhren Diensten nicht mächtig
oder starck genug weren, solle der Badmeister auch andere Nachpauren
berüffen, vnd jhnen bey verliehrung jhrer ämpter vnd Lehen gebieten,
das sie jhnen die vbertretter, Vns hellfen vber andtworten.
Letstlichen, gebieten Wir den Badmeistern sampt den Würthen,
seytemahlen Wir an vilen ohrten vnschuldiger weiß außgerufft werden,
als hielten Wir gegen niemandts kein ordnung, das sie derowegen, diser
BadSatzung stracks ohn alles conniuieren, vnd verschonen, endtlich
darauff halten vnd sorg tragen ...... Datum in Vnserm Gottshaus
Pfeffers, den 6. Julij: Nach Christi vnsers einigen Erlösers Geburt,
1619.“
Darauf folgen noch Artikel für die Angestellten. Der Bademeister
hat abends und morgens das Gebet fleißig zu läuten, das Badlicht
ordentlich anzuzünden, die Badeordnung am Mittwoch und Samstag
vorzulesen, „gesunde, freche vnd böse Bettelbuben“ aus dem Badtobel
hinwegzuschaffen, Leute aus der Umgegend nach Feierabend oder Samstag
abend, falls das Bad besetzt ist, nicht baden zu lassen, im übrigen
für Reinlichkeit im Bad und der Umgebung desselben zu sorgen. Die
Wirte im Bad und zu Valens dürfen sich bei schwerer Strafe nicht die
Gäste abjagen. Im Bad darf nur Klosterwein ausgeschenkt werden, der
allerdings so schlecht war, daß der Herausgeber der Beschreibung des
Bads 1619 den Abt um einen besseren Trunk für die Gäste bat[632].
Diese Ordnung entspricht noch vollkommen denen früherer Zeiten; die
c. 1631 vom Abt Jodocus für das neue Bad Pfäfers erlassene deckt sich
nahezu mit der angeführten, enthält aber einige Verschärfungen gegen
die Nichtkatholischen, denen z.❆B. das Fleischessen an Freitagen und
Samstagen verboten wurde. Mitbringen von eigenem Wein wurde jetzt
nicht mehr mit zwei, sondern mit fünf Pfund bestraft. Geheilte sollten
spätestens einen Monat nach Verlassen des Bades zur Ehre Gottes
Nachricht von ihrem Zustand geben[349].
[A] Auch in diesem Kapitel sind, um Wiederholungen zu vermeiden,
Gebräuche aus späterer Zeit besprochen.
[B] Aus der deutschen Literatur sei als Ausnahme ~Albrecht von
Haller~s Gedicht über die Leuker Thermen hervorgehoben:
„Im Mittel eines Thals von Himmel-hohem Eise,
Wohin der wilde Nord den kalten Thron gesetzt;
Entsprießt ein reicher Brunn mit siedendem Gebräuse,
Raucht durch das welke Gras, und sänget was er netzt.
Sein lauter Wasser rinnt voll flüssiger Metallen,
Ein heilsam Eisensalz vergüldet seinen Lauf:
Ihn wärmt der Erde Gruft, und seine Fluten wallen
Vom innerlichen Streit vermischter Salze auf.
Umsonst schlägt Wind und Schnee um seine Flut zusammen,
Sein Wesen selbst ist Feu’r und seine Wellen Flammen“[380].
[C] ~Etschenreutter~ hat dafür die Stelle (Übersetzung): „Es ist
nichts das dem bad mehr schaden bringt dann die vngelegenheyt der
herberg, Engge vnnd wuste, in welchen offtermals, so ein böser
gestanck, mit zicht zůmelden, auß dem me(n)schenkaht, an allen
orten, da man ins bad oder ausserhalb der herberg geht, hingelegt,
widerfart, das es denen höfflichen leüthen, ein onmacht bringt“[449].
Vgl. die Badeordnung von 1619 S. 349.
[D] ~Zwierlein~ gebrauchte 1793 dafür den Namen Spritzbad (siehe auch
~Ferro~ S. 50) und führte als Charakteristikum desselben an, daß der
+ganze+ Körper von vielen kleinen Tropfen aus einem durchlöcherten
Gefäße wie aus einer Gießkanne getroffen werde. An die Stelle einer
komplizierten Vorrichtung setzte er dann auch die einfache Gießkanne,
mit der er auf einem Stuhle stehend den Kranken begoß[656]. Das
kalte Traufbad wurde in Deutschland in der zweiten Hälfte des 18.
Jahrhunderts von England aus durch den Pyrmonter Badearzt ~Marcard~
eingeführt[160]. Der häufig gebrauchte Name „schower bath“ erinnerte
bei uns an den englischen Ursprung. In Frankreich, wohin diese
Badeform um dieselbe Zeit gelangte, wurde sie geradezu englische
oder häufiger schottische Dusche (Douche écossaise) genannt[690].
Nach zwei Schriften von ~Despine~, auf die ~Forestier~ (Archives
génér. d’hydrologie, 1900) hinwies, war es der Großvater dieses Dr.
~Despine~ — in der einen ~Despierre~ (? Druckfehler?) genannt —,
der in Edinburg bei Dr. ~Cullen~ das „schower bath“ kennen gelernt
hatte, es zu Aix in Savoyen einführte und zur Erinnerung „douche
écossaise“ nannte. 1850 verstand man nach der einen Schrift zu
Aix unter schottischer Dusche das kalte, laue +oder+ warme Bad in
Regenform[690]. — In Aix gab es drei Ärzte mit Namen ~Despine~,
der älteste war wohl der Überführer des schower-bath von England
nach Frankreich (bezw. Savoyen). 1787 wurde er zum medizinischen
Direktor von Aix ernannt. Das Bad nahm unter seiner Leitung einen
ungeheueren Aufschwung; während es vorher drei- bis vierhundert
Gäste jährlich gezählt hatte, mehrten sich diese — ausgenommen
während der Herrschaft der Republik — von Jahr zu Jahr, und gegen
1830 waren zweitausendfünfhundert bis dreitausend anwesend. Dieser
~Despine~ starb 1830 fünfundneunzig Jahre alt. Sein Sohn, der sich
selbst ~Despine~ père, der Vater nennt[692], installierte 1822 im
Thermalinstitute von Aix eine schottische Dusche[690]. Er selbst
gibt 1838 von der douche écossaise die Erklärung: „C’est ainsi qu’on
appelle à Aix-en-Savoie, le Schawer Bath des Anglais ou Bain de pluye
froid“[692]. Er versteht in dieser Bemerkung demnach darunter nur
die kalte Regendusche. Eine Reklameschrift nach ~Despine~ fils, dem
Sohne des vorigen, bringt eine Abbildung, bei welcher der Kranke mit
den Füßen im (warmen) Bassinbade steht und vom Badewärter einen (wohl
kalten) Regen von oben herab über den ganzen Körper erhält[691]. Nach
diesen Ausführungen ist man versucht, anzunehmen, daß die schottische
Dusche der Familie ~Despine~ eine kalte, laue oder warme, vielleicht
meist kalte allgemeine Regendusche war, bei welcher der Kranke die
Füße im warmen Thermalwasser stehen hatte, und doch ist die Erfindung
unserer heutigen schottischen Dusche, bei der warmes und kaltes
Wasser nacheinander gebraucht wird, geistiges Eigentum des einen,
nämlich des zweiten ~Despine~, nur daß wir sie heute in der Regel
nicht mehr als allgemeine Prozedur und auch nicht mehr als Regenbad
gebrauchen. Der dritte ~Despine~ (fils) sagt in der genannten
Reklameschrift aus den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts, daß
bei der schottischen Dusche Kälte und Wärme abwechsele. Sie wurde
zur Bekämpfung von Nervenkrankheiten, allgemeiner Schwäche, Lähmung
und Rheumatismen gebraucht[691]. Auch ~Rüsch~ erwähnt 1832 von Aix
in Savoyen: „~Despine~ läßt Wasser von 35 Grad R. mit solchem, das
beinahe bis zum Gefrierpunkt erkaltet ist, abwechselnd in einem
Strahle (!!) auf den leidenden Teil (!!) strömen, wobei er bei
Nervenaffektionen vorzüglichsten Nutzen wahrnahm; dies ist die
sogenannte schottische Douche“[88].
[E] ~Leonhart Strübin~ beschrieb 1576 das Badgericht: „Nun volgt
der bruch der badenden, in beyden Höfen, hinder vnd Statthof im
Herrenbad, welcher darein sitzt, můß erstlich das Burgrecht kauffen
mit einem oder zweien fůder wyn, so mit zweyen reiffen gebunden,
das ist ein maß oder zwo wyn, vnd gibt jeder ein morgen suppen,
alle morgen ein Wirt gemacht, derselbig můß den andern tag Wirt
syn vnd die suppen geben, also von eim zum andern, vnnd nach der
suppen halt man Gericht, da ist der Schultheiß vnd Vogt des Rychs,
Seckelmeister, Schreyber, Landweybel, Hencker vnd fürsprechen, vnd
welcher das Burgrecht gelobt, sol die rechte hand an der bruch haben,
vnd mit der lincken hand an den Richterstab geloben, lieb vnd leid
mit den rüdigen vnd schebigen bader gesellen liden vnd tragen, vnd
was im bad gehandlet wirt allzit bliben lassen, die bader straffen,
so einer etwas vnzüchtigs begieng, oder ouch schimpflich mit wyberen
oder in seinem gemach, der wirt morgen vom Landtweybel beklagt, vnd
vmb ein fůder wyn drey, vier oder mehr gestrafft, besonder vnzucht
vnd Gotts lesterung vnd alle straffen alle morgen dem Seckelmeister
vberantwortet, welcher auch syn Badenfart endet, der stadt vor dem
Bad, dancket gůten Herren vnd Badergselln jhr ehr vnd zucht vnd
bewißne gůte gesellschafft, hieby mit bit begerende ob er jemandts
erzürnt jm verzyhen, vnd hieruff gibt vnnd schenckt er die letzte,
jeder nach synem vermögen vnd gefallen, etwann zwen, drey oder vier
batzen, mehr oder minder, vnd dann vss disem straff vnd letze gelt,
zert man täglich zoben, hieneben frey vnd vngezwungen essen oder
fasten. Es ist ouch bey den Wirten frey das mal oder pfennwert nemmen
oder essen. So vil vom bruch vnd art des Bads dem vnwissenden, gůter
freundtlicher meinung fürgestelt“[398].
[F] Schon 1531 hatte Lochmann, damals zwanzig Jahre alt, in der
Schlacht bei Kappel gefochten, war durch die Nase gestochen und
schwer am Kopfe verwundet worden und über fünf Stunden unter den
Toten liegen geblieben[315].
[G] Anmerkung zu Abb. 138. Der Aachener Arzt ~Sträter~[688] verlangt
als Unterschrift zu diesem Bild „Bad zu Aachen“ mit der sonderbaren
Begründung, ~Dürer~ habe nach seinem Tagebuche[675] in Aachen
gebadet, und es sei ihm daran gelegen gewesen, dem Publikum und
seinen Landsleuten etwas bis dahin wenig oder gar nicht Gesehenes
vorzulegen. „Daß ~Dürer~ bei der Herausgabe dieses Blattes nicht die
Absicht haben konnte, eine Badeanstalt darzustellen, wie sie sich in
jeder Stadt, etwa in Nürnberg, seinem Wohnorte selbst, vorfand, muß
bei einiger Betrachtung des Gegenstandes klar werden, denn abgesehen
davon, daß uns garnicht bekannt ist, daß schon im Anfange des 16.
Jahrhunderts in Nürnberg selbst eine Badeanstalt bestanden, so würde,
selbst in dem gesetzten Falle, ~Dürer~ sich durch die Publikation
eines solchen Blattes sehr wenig Anklang haben versprechen können.“
Nun, ~Dürer~ hat nicht verschmäht, eine Badestube darzustellen; was
sein Mineralbad betrifft, so haben wir keinen Anhalt dafür, daß
ein bestimmter Ort wiedergegeben ist. In Nürnberg war zur Zeit das
heute noch vorhandene Wildbad auf der Insel Schütt in großem Ansehen
und sogar in einem Lobspruch verherrlicht worden. Das „Wiltpat an
der Begnitz“ wird schon von ~Endres Tucher~ im Baumeisterbuche der
Stadt Nürnberg (1464–1475) erwähnt[596]. Das ~Dürer~sche Bild fand
in plumper Weise auf dem Titelholzschnitt eines anonymen Buches
Verwendung[689] (wohl vor 1520 und vor der Aachener Reise ~Dürer~s),
der dem Humanisten ~Wimpheling~ zugeschrieben wird.
[H] Es handelt sich vielleicht um das Mayenbad bei Mindelheim in der
Nähe von Memmingen.
[I] Angenehm war der Aufenthalt bei schlechtem Wetter in einem
solchen Bade nicht. ~Hess~ singt 1818 von den Freibädern in Baden:
„Wasser begehr’ ich wohl hier; allein von oben und unten,
Kaltes und warmes zugleich, ist mir doch wahrlich zu viel“[315].
Die Kranken wurden auch viel von den „stechenden Bader-Fleugen“
belästigt, die 1688 ~Simler~ besang[27]. In Abb. 141 ist das Abwehren
der Fliegen mit dem Wedel dargestellt, eine Beschäftigung, zu der
sich in der Badenfahrt guter Gesellen der Pritschenmeister dem Wirt
an Stelle einer Bezahlung der Getränke anbietet[36].
[J] Am 1. November 1775 beim Erdbeben von Lissabon blieb der Sprung
der Hauptquelle zu Teplitz auf einmal sieben Minuten aus, dann drang
aber das Wasser mit ungeheuerer Gewalt hervor, daß man auf dem Platz
der Vorstadt mit Kähnen fahren konnte. Am 26. Juli 1805 stand während
des Erdbebens von Neapel der Sprudel zu Karlsbad sechs Stunden lang
still und man befürchtete, das Wasser möchte ausbleiben[325]. Der
Streit über die Entstehung der Thermen war damit geschlossen.
[K] 1606 hatte Baden-Baden ein „gefreytes Haus“. Es war „vnsers
gnedigsten Herrn deß Marggraffen“, also das schon früher erwähnte
Privatbad des Fürsten und nicht ein Freibad (vielleicht aber eine
alte Freiheit für Verbrecher), wie es ~Hess~ bezeichnet. Außerdem gab
es zwei große Bäder am Markt, das eine für die Armen, das andere für
die Bürger. Man könnte vermuten, daß diese beiden die alten Freibäder
seien. Es bestanden aber noch zwei Badehäuser oder „Stuffen“, darin
man sich nur wusch. Das oberste hieß das Freibad, das andere das
untere Bad[362], und da, wie früher ausgeführt wurde, eins der alten
Freibäder in sich eine Badestube schloß, sind vielleicht die beiden
zuletzt erwähnten die alten Freibäder.
[L] 1805 schreibt aber ~Ebel~ von Pfäfers, daß alle Sonnabende große
Haufen von Landleuten aus allen umliegenden Gegenden, besonders
Graubünden, herbeiströmten, welche bis Montag früh im Bade schwitzten
(man saß ja mit dem Oberkörper im Dampf) und schröpften[682].
[M] Ein Hieronymus Muheim in Uri war Pritschenmeister und
Dichter[683].
[N] Im Manuskript ist hier ein Stück weggerissen.
[O] Die Höhe der Strafe ist hier scherzhaft übertrieben. Für Baden
bei Zürich gibt ~Strübin~[398] an, daß das Fuder mit zwei Reifen
gebunden und gleich ein Maß Wein sei. In Baden bei Wien waren
die Strafen nach Pfund bemessen, weswegen ~Wichner~ die Höhe für
unwahrscheinlich hält[84], nach ~Zeiller~ (1649) war aber ein Pfund
Strafgeld gleich einen Pfennig[371].
DIE DEUTSCHEN MINERALBÄDER SEIT DEM DREISSIGJÄHRIGEN KRIEGE / DIE
WASSERHEILKUNDE
~Sebiz~ schreibt 1647 in seinen Mißbräuchen der Bäder: „Es finden
sich auch vnterweilen Grobiani, welche vermeinen, es seye jhnen alles
erlaubt, was sie thun vnd fürnemmen — andere müssen es wol leiden —
sie seyen in jhren Gemachen vnd vmb jhr gelt da. Scheuwen sich derwegen
nicht, gantze durchgehente Nächte zu Zächen, zu schreyen, zu jählen,
zu raßlen vnd zu spielen, haben auch wol die gantze durchgehente Nacht
biß an den hellen liechten Morgen Spiel Leuth bey sich, dadurch andere
Badgäste, welche jhre gesundheit suchen, in jhrer Nachtruhe mercklich
vnd schmertzlich verhindert werden“[65].
Auffallend ist, daß ~Sebiz~ nichts von Gastereien und Musik +während+
des Bades, sondern nur „viel reden vnd schwätzen, vnd vnterweilen
auch mit heller stimme singen“ erwähnt und nach seinem Bericht die
„Grobiani“ doch zu den Ausnahmen zählten. Ja Sebiz nimmt in seinen
Diätvorschriften Rücksicht auf Personen, die „abstemius“ sind[A].
+Die alte deutsche Badeherrlichkeit war verschwunden, und das hatte
der Dreißigjährige Krieg[B] bewirkt. Nach ihm entstand ein neues,
vollständig anderes Leben.+ Morgensuppe (wenigstens die in Wein
bestehende) und Badgericht gingen ein, und wo sie sich in Gegenden,
die der Krieg nicht berührt hatte, noch hielten, überlebten sie nicht
den Anfang des 18. Jahrhunderts. Man hat den Niedergang von Baden in
der Schweiz mit der Einnahme durch die reformierten Kantone im Jahre
1712 in Zusammenhang gebracht, die großen Gesellschaftsbäder samt
Morgensuppe und Badgericht bestanden aber schon 1702 nicht mehr[373].
An Stelle fröhlicher Gesellen saßen Familien im Morgenbad, tranken
Kaffee, Tee und Schokolade und aßen Konfekt mit Spanisch Brödli[424].
[Sidenote: _Unterhaltung in den Mineralbädern_]
Das übermütige Schlemmerlied war verstummt, nun sang man Bußlieder
in den Wunderbrunnen. Der Pritschenmeister hatte seine Tätigkeit
eingestellt, die alten derben Spruchgedichte und Gesänge wollten
niemand mehr gefallen. Zoten in Form schmutzigster Liebesgeschichten
wurden jetzt den Badegästen in den verschiedenen Amusements des eaux
de N. N. zur Unterhaltung gereicht. Man braucht nicht die Versicherung
des Herrn von Merveilleux, des Verfassers einiger derselben (sie
erschienen namenlos), daß die Vergnüglichkeiten bei den Wassern zu
Spa und Aix la Chapelle (Aachen) das Glück hatten, der galanten Welt
zu gefallen[385], die heute noch zahlreich vorhandenen Exemplare
in französischer, deutscher und teilweise auch englischer Ausgabe
sagen genug[C]. Nicht wesentlich unterschied sich von der Lektüre
das Theater. In Baden bei Wien spielten 1727 Wiener Komödianten „das
Baadener-Bad“, das voller schmutziger Liebesgeschichten war[406]. Die
deutsche Komödie zu Wiesbaden zeichnete sich um die gleiche Zeit durch
grobe Zoten aus, der Hanswurst wiederholte dabei zuweilen ein Wort
wohl zweihundertmal in einem Stück[407]. 1797 vertauschten in Karlsbad
beim Schauspiel Männer und Frauen die Rollen, wobei sich die Frauen
darstellenden Männer grobe Unsittlichkeiten zuschulden kommen ließen,
die vom größten Teil der Zuschauer gemißbilligt wurden, was aber nicht
verhinderte, daß das „neue Sonntagskind“ in den gleichen Kostümen auf
„hohes Begehren“ wiederholt wurde[165], und das geschah im vornehmsten
Bade Deutschlands. Das kleine Lauchstedt war berufen, als erstes Bad
Goethes und Schillers Bühnenwerke seinen Gästen vorzuführen.
Jetzt zogen die Fürsten nicht mehr mit großem Geleit zur Sicherung
gegen räuberische Überfälle in die Bäder, der ganze Hofstaat
erschien unter militärischer Prachtentfaltung. Als Friedrich
August, König von Polen, 1705 nach Karlsbad kam, wurden aus Dresden
an Garde, Wrangelschen Dragonern, Chevalier- und Schweizergarde
sechshundertachtundsechzig Köpfe kommandiert. Da in den Bürgerhäusern
die Truppen nicht untergebracht werden konnten, mußten aus Dresden
die erforderlichen Lagergerätschaften zu einem Campement gesandt
werden[451]. Glänzende Kavalkaden, Brunnenfeste und Bälle hatte
die Anwesenheit der Höfe zur Folge; Grafen und Barone suchten in
der Prachtentfaltung nicht zurückzustehen und sich gegenseitig
darin zu überbieten[D]. Es soll sogar vorgekommen sein, daß hohe
Persönlichkeiten ihren alljährlich gegebenen Ball ausfallen ließen,
wenn ihnen durch Anwesenheit Begüterter die Aussicht genommen wurde, an
erster Stelle zu glänzen.
[Sidenote: _Einteilung der Bäder nach den Ständen der Besucher_]
Trat in früheren Jahrhunderten eine Trennung der Stände in einzelnen
Bädern auf, so sonderten sich jetzt die verschiedenen Bäder nach
Ständen. Das Luxusbad wurde das Ideal der Bäderbesitzer und Badeärzte;
in einem solchen die Saison in Gegenwart hoher fürstlicher Personen
zuzubringen, rechnete man sich zur höchsten Ehre an, und wenn der
Bürgerliche nur hinter den Stühlen den Tänzen des Adels zusehen durfte
und der einheimische Adel von ausländischen Fürsten stehend empfangen
wurde (z.❆B. 1801 in Pyrmont von der Gemahlin Ludwigs XVIII.)[E].
Seine bevorzugte Stellung mußte übrigens 1797 in Karlsbad der Adel mit
doppelter Kurtaxe bezahlen. Die Armen sah man in diesen Bädern jetzt
nur ungern noch. 1761 heißt es in einer Wiesbadener Schrift, daß alle
Jahre Hunderte von Fremden, sonderlich gemeine Leute das Bad besuchten,
die viel kürzer durch Arzneien kuriert werden könnten[433]. Diese
Zustände waren übrigens nicht ein Charakteristikum des Badelebens,
sondern ein allgemeines Zeichen jener Zeiten. Ich erinnere daran, daß
auch auf den Universitäten der studierende Graf an einem besonderen
Tische saß, doppeltes Kollegiengeld zu zahlen hatte, und daß ~Meiner~,
der Prorektor von Göttingen, 1802 schrieb, die Anwesenheit nur einer
mäßigen Anzahl von fleißigen und untadeligen jungen, aber armen
Studenten, sei ein großes Übel für diese Universität[140].
Wie von alters her zog der Bauer alljährlich weiter (in Süddeutschland
und der Schweiz bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus) in sein
Schröpfbad, um bei Abzapfung einer genügenden Menge Blutes je nach der
Größe des Geldbeutels einen halben bis acht Tage lang die Zeit mit
Essen und Trinken im Bade zuzubringen.
[Sidenote: _Mosers Schrift über das Wildbad von 1758_]
Das Leben in einem bürgerlichen Kurorte wird am besten durch einige
Stellen aus ~Moser~s Schrift über das Wildbad vom Jahre 1758 gezeichnet:
„Wer von Stuttgart oder Tübingen kommt, muß die Calmbacher Steig
paßieren, welche zwar nicht gäh, aber eine Stunde lang ist, und,
wann sie allererst wieder gemacht worden, durch Plaz-Regen leicht so
verdorben wird, daß sie arg stoßt und das Gefährt, wann es nicht gut
beschaffen ist, Schaden nehmen kan; dahero ist auch schon Fürstliche
und andere Standes-Personen, so grose Schmerzen gehabt, durch Ochsen
diese Steige haben herab-führen lassen, weil selbige langsamer und
gleicher ziehen, als Pferde.
Anmeldung bey dem Badmeister. Wann man im Wildbad angelanget ist,
lassen die Personen, so einiges Standes seynd, den Badmeister zu sich
ruffen, melden ihme, daß sie baden wollen, ziehen von ihme, wo nöthig,
ferneren Unterricht ein, und übergeben ihm die Bad-Gerähte.
Compliment an die Mit-Bad-Gäste. So dann erkundiget man sich, was für
Personen ohngefähr gleichen Standes in eben dem Wirthshaus logiren,
lässet so dann ihnen, auch andern Bekannten, ein Compliment machen,
Glück zum Bad wünschen, und sich erbieten, wann man ausgeruhet habe,
sie zu besuchen; worauf man insgemein von ihnen bald den ersten Besuch
erhält .....
Umkleidung. Alle Manns-Personen gehen nur in Schlafrock, Kapp,
Strümpfen und Pantoffeln über die Strasse in das Bad. Um auch desto
eher fertig zu seyn, läßt man das Halstuch, Knie-Riemen und die
Hembd-Knöpfe zu Haus, ingleichem die Ringe, so leicht im Baden
verlohren gehen, auch wohl die Steine im Wasser ihren Glanz verliehren.
Man nimmt nur ein Schnupftuch zum abtrocknen des Gesichts mit; einige
auch die Taback-Dose. Frauens-Personen pflegen im Mantel, Unterrock und
Hembd in das Badhaus zu gehen. Kommt man in das erste Vor-Zimmer und
findet das zweyte, weil sich würcklich jemand umkleidet, verschlossen,
sitzet man so lang nieder, bis dise Person herausgehet. Alsdann gehet
man in das zweyte gewärmte Vor-Zimmer, und setzet sich: Der Badmeister
oder Bad-Frau ziehet die Strümpfe ab; so dann stehet man auf, bietet
ihn den Rücken, und gibt den Schlafrock weg, schlupft mit dem einen Arm
aus dem Hembd heraus und in das Bad-Hembd hinein, so dann auch mit dem
andern, läßt sofort das ganze Hembd fallen, knüpft ferner das Bad-Hembd
am Hals und um den Leib mit den Bändeln zu, thut die Pantoffeln aus,
nimmt das Schnupftuch und Dose, und geht also mit blossen Füßen durch
die von dem Badmeister oder Bad-Frau eröffnete Thüre einige Staffeln
hinab in das Bad .....
Bezeugen währenden Bades ..... So löblich auch sonst und an und
für sich das Singen geistlicher Lieder ist; so muß man sich doch
dessen enthalten, wann es nicht allen anständig ist, weil die Andere
alsdann nicht dafür mit einander sprechen können, oder es sie sonst
incommodirt. Gleiche Beschaffenheit hat es mit lautem Lachen, oder
allzustarkem Reden. Wann die im Bad sitzende Personen mit einander
sprechen, müssen sie sich in Acht nehmen, was sie sprechen, weil
man, wo es in einem Bade stille ist, alles deutlich höret, was in
einem benachbarten Bad gesprochen wird; wovon mir merckwürdig- und
bedenckliche Exempel bekannt seynd .....
Vom Aussteigen und Ankleiden. Ob man gleich im Bad selbst die Uhr
schlagen hört; so sagt doch der Badmeister oder Bad-Frau jeder
Person im Fürsten- Herren- und Edel-Frauen-Bad, wann es Zeit ist,
auszusteigen. Man stehet so dann auf, trocknet das Gesicht ab, nimmt
sein Schnupftuch und Dose, empfiehlet sich denen Anwesenden, unter
nochmahliger Anwünschung eines gesegneten Bades, steiget aus dem Bad
herauf und begibt sich in das warme Vor-Zimmer. Der Badmeister oder
Bad-Frau halten sodann das gewärmte Leilach in die Höhe, und werffen
solches, wann man das nasse Bad-Hembd hat fallen lassen, um; oder man
stellt sich mit dem Rücken gegen sie, schlupft mit einem Arm aus dem
Bad-Hembd und lässet sich das Leilach umlegen, macht es sodann mit
der andern Seite auch so, und läßt endlich das Bad-Hembd fallen: Man
trocknet sich hierauf, mit Hülf des Badmeisters oder Bad-Frau, ab, läßt
sich das gewohnliche Hembd überwerffen, und ziehet den Schlafrock an,
setzet sich sofort nieder, läßt sich auch die Füsse abtrocknen und die
Strümpfe anziehen, schlupft in die Pantoffeln, setzt etwa auch eine
warme trockene Kapp auf, trocknet nochmahls das Gesicht ab, nimmt das
Schnupftuch und Dose zur Hand, und gehet so wieder nach Haus“[332].
[Illustration: Abb. 149. Das Täfeli im Hinterhof zu Baden im Aargau im
18. Jahrhundert. Kupfer von ~Hegi~ aus: ~David Hess~, Die Badenfahrt.
Zürich, 1818.]
[Sidenote: _Die Badeordnung von Neu-Schauenburg von 1762_]
Als Seitenstück mögen folgende Bestimmungen aus dem 1762 erlassenen
„Baad- und Aufführungs-Reglement“ für das im Gebiete von Basel liegende
Bad Neu-Schauenburg hier folgen:
„Des Morgens von 7 bis 8 Uhr sollen sich sämtliche Baad-Gäste mit
ihren Curen, als besonders mit Thée, Caffée, Chocolade, Wein-Waaren,
Saurbrunnen, Kraut-, Kachel-, und Blatten-Muess, Butter-Schnitten, und
was dergleichen mehr ist, im grossen Saal einfinden. — Die, so nicht
in das Baad gehen, sollen sich während 9 bis 10 Uhr still, ehrbar und
bescheiden aufführen und mit etwas Nützlichem beschäftigen. 10 bis 12
Uhr ist zum Spazieren bey schönem Wetter, und beym Regen zum Spielen,
Conservieren und unschuldigen Belustigungen gewidmet. 12 bis 1 Uhr zum
Mittag-Essen, doch solle es auf eine Viertelstund mehr oder weniger
nicht ankommen. 1 bis 2 Uhr zum Caffée, wer aber keines nicht trinket,
mag sich indessen mit etwas anders erquicken; doch ist in dieser Stund
der Chocolade gänzlich verbotten.
[Illustration: Abb. 150. Die Matte zu Baden im Aargau. Kupfer aus dem:
~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich, 1809.]
5 bis 8 Uhr, zu einem Spaziergang vor die ganze Gesellschaft; wenn aber
wider alles Erwarten ein Regen einfiele, so könnte aus Desperation
gespielt werden. 8 bis 9 Uhr Nacht-Essen. Von 9 bis 11 Uhr, wäre
der Tag mit einem Ehren-Tänzlin, oder einer andern angemessenen
Ergötzlichkeit zu beschliessen. Um 11 Uhr sollen alle und jede sich
in das Bett verfügen, und eine allgemeine Stille regieren, besonders
wenn sich Jemand unter den Baad-Gästen nicht wohl befinden thäte. —
Das particulare Gesundheit-Trinken solle aussert dem generale über
Tisch gänzlich abgethan, doch einem jeden wohl erlaubt seyn, seinen
Nachbarn in der Stille einen Trunk zuzubringen. In denen Gemächern
sowohl als in dem Baad solle man so wenig als möglich Geräusch machen,
damit die Nachbaren nicht beunruhiget werden. Sollte auch jemand
durch einigen Zufall überfallen werden — das Wasser von Schauenburg
wirkte nämlich, wie ~Bruckner~ meldet, „verdinnernd“ — der ihne,
es seye bey Nacht oder in der frühen Morgen-Zeit, aus dem Gemach
zu gehen nöthigen würde, so wird eine anständige Stille ebenfalls
bestens anbefohlen, welche auch von der Herrschaft ihrem Gesinde soll
eingeschärft werden; in dieser Zeit aber sollen die hölzernen Absätz
an Schuen und Pantouffeln gänzlich verbotten seyn. Alle Ohrenbläser,
Sonderling und Murrolfen sollen gänzlich von hinnen verbannisirt seyn;
es seye dann Sach, dass sie Besserung versprechen. — Weilen der
ganzen Ehren-Compagnie daran gelegen, dass Sie weder zur Nachtzeit
noch an der Tafel, durch Hunde nicht beunruhiget werden, als solle
ein jeder Ehren-Gast, welcher solcher Thieren mitbringet, gehalten
seyn, selbige an gehörigem Ort verwahren zu lassen. — Was die Strafe
dieser Anordnung anbelanget, so könnte der Uebertretter derselben am
Geld, das Frauenzimmer aber am Leib abgestraft werden, welches aber
billichermassen der Ehren-Compagnie zur Decision überlassen wird.
Desgleichen, wenn ein Mann seiner Frauen, oder eine Frau ihrem Mann,
innert ersten 8 Tagen keinen Besuch abstattet, solle jeder Parthey frey
stehen, sich anderwärts Rath zu schaffen.“ Da Neu-Schauenburg wie Dr.
~Rudolf Wackernagel~, der Herausgeber dieses Reglements, bemerkt, als
„ein höchst heimeliges Burgerbädlein unserer lieben alter Basler“ galt,
das weder wegen der Heilkraft des Wassers, noch wegen Zudrangs der
Schöngeister berühmt war, wie Schinznach, so ist auch natürlich, daß
die Kurgäste „nach der Ordnung ihrer Ankunft ihren Platz an dem Tisch
bezogen“[38].
[Illustration: Abb. 151. Der Brunnenplatz zu Pyrmont mit dem
Trinkbrunnen (dem Kuppelbau rechts) und dem vor ihm liegenden
Badebrunnen. Kupfer nach Weitsch von Geyser. Aus: ~Marcard~,
Beschreibung von Pyrmont. Leipzig, 1784.]
Daß sich in den bürgerlichen Bädern Leute von einigem Stande von den
übrigen Kurgästen absonderten, braucht nicht weiter hervorgehoben zu
werden. Zu Baden im Aargau mieden im 18. Jahrhundert die Badegäste
aus vornehmen Kreisen die gemischte Gesellschaft auf der Matte, jenem
schon oft erwähnten uralten Vergnügungsplatze, und zogen vor, ihr
Morgenstelldichein an einem runden steinernen Tische, dem Täfeli beim
Hinterhofe vor den Ställen des Federviehs zu halten (Abb. 149)[32].
Aber nach der Revolution (1797) wurde es einsam am Täfeli, und die
Matte kam wieder zu Ehren (Abb. 150)[315].
[Sidenote: _Die alten berühmten Bäder gehörten anfänglich nicht zu den
Luxusbädern_]
[Sidenote: _An Stelle der Badekur war jetzt die Trinkkur Mode_]
Unter den Luxusbädern vermißt man den größten Teil der im Mittelalter
berühmt gewesenen Bäder, und das hatte mehrere Gründe. Die Lage der
alten Wildbäder verhinderte deren Ausdehnung. Neue Bauten ließen
sich wegen Platzmangels schwer errichten, und die alten, mit großen
Kosten hergestellten konnten ohne längeres Aussetzen des Betriebes
höchstens um-, nicht neugebaut werden. So findet man vielfach Klagen
über ungenügende Einrichtungen, z.❆B. im Wildbad, in Pfäfers, in Baden
in der Schweiz. Von Leuk schrieb ein Berner im 18. Jahrhundert, daß
für die Gäste wenig gesorgt werde, die Gebäude schlecht (Abb. 97),
das Ameublement häßlich, die Tafel nicht sonderlich und die Preise
teuer seien[675], und ~Goethe~ wußte bei seinem dortigen Aufenthalte
1779 vom Besuch eines Heeres hüpfender Insekten zu berichten, daß er
am andern Morgen aussah, als hätte ihn die Nesselsucht befallen[38].
+Der Hauptgrund des Aufkommens neuer Bäder an Stelle der alten lag
aber darin, daß statt der Bade- die Trinkkur Mode der vornehmen Welt
wurde.+ Darum rechnete Baden-Baden im 18. Jahrhundert noch nicht zu
den Luxusbädern. Es kam erst durch den Rastatter Kongreß (1797) in
Aufnahme, galt dann als das billigste der größeren Bäder und war nach
~Wetzler~ (1817) das einzige, wo der Gast nicht geprellt wurde[370].
1810 kannte man als alleiniges Vergnügen der Badegäste die gemeinsame
öffentliche Tafel[405]. So wird verständlich, wenn alte Badegebräuche,
wie Morgensuppe, Badgericht verschwanden, die an das Wasserbad geknüpft
waren und zur Unterhaltung, namentlich der vornehmen Gesellschaft,
während des stundenlangen Einsitzens dienten.
[Illustration: Abb. 152. Ansicht des Markts zu Spa und des Brunnens
Pouhon. Kupfer aus: Les Amusements de Spa or, the galanteries of the
Spaw in Germany. London, 1745.]
[Illustration: Abb. 153. Aachen 1727. De Groote Vergaader-Plaats van
alle gebrekkelyke Menschen, die sig na de Fonteinen begeeven om de
Wateren te Drinken. Kupfer aus: ~Blondel~, Beschryving van de Stad
Aken. Leiden, 1727.]
Karlsbad erstand nach dem Brande von 1759 fast nur als
Trinkkurort[347]. Zu Pyrmont gab es im 18. Jahrhundert für vornehme
Leute keine öffentlichen Badeinrichtungen, man mußte das Wasser in
die Wohnungen holen lassen[342]. Man trank zumeist den alten heiligen
Brunnen (Abb. 151). In Spa (Abb. 152) wurde im 17. Jahrhundert nur
getrunken, wegen Verlustes der Kohlensäure beim Erwärmen des Wassers
verzichtete man auf die Verwendung zum Bad[F]. Zum Ärger der Spaer
Ärzte führte ~Blondel~ in Aachen zur Bade- die Trinkkur ein, was ihm,
nebenbei bemerkt, den Titel „Thermopotationum institutor“ (Abb. 119)
eintrug. Welch bewegtes Leben sich dort im 18. Jahrhundert am frühen
Morgen bei den Brunnen entwickelte, zeigt Abb. 153.
[Illustration: Abb. 154. Der Spaziergang bei den Brunnen zu Aachen.
Aus: Amusements des eaux d’Aix la Chapelle, oder Zeitvertreib bey den
Wassern zu Achen. Berlin, 1737.]
[Sidenote: _Pyrmont / Spa / Aachen / Karlsbad_]
[Sidenote: _Die Luxusbäder_]
Pyrmont wird von ~Schiller~ neben Karlsbad als glänzendstes der Bäder
erwähnt[677].
Nach ~Zückert~ waren 1768 Karlsbad, Pyrmont, Eger und Spa am
besuchtesten[343]. Als Luxusbad ersten Ranges galt Langenschwalbach.
1711 waren elf fürstliche und fünfzehn gräfliche Personen
anwesend[387]. Von kleinen Bädern rechnete sich Brückenau im
Fuldaischen gegen Ausgang des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts
zu den vornehmen, und dessen Badearzt ~Zwierlein~ war unausgesetzt
bemüht, das Bad als ersten Kurort hinzustellen. Als teuerstes Bad galt
(1798) Freienwalde, wo sich der brandenburgische, mecklenburgische und
pommersche Adel trafen. Durch die Kriege am Rhein verlor Schwalbach im
18. Jahrhundert seine Bedeutung als Luxusbad, Spa durch die Revolution,
während Pyrmont infolge derselben den französischen Adel samt Hof
öfters zu Gaste bekam, bis es auch im 19. Jahrhundert des Titels eines
Luxusbades verlustig ging.
[Illustration: Abb. 155. Die „Allee“ in Pyrmont. Kupfer nach Weitsch
von Geyser. Aus: ~Marcard~, Beschreibung von Pyrmont. Leipzig, 1784.]
[Sidenote: _Einteilung des Tages in den Trinkbrunnen_]
Wie eben angedeutet wurde, trank man das Mineralwasser am Morgen. In
Spa trafen 1735 die ersten Gäste schon um vier Uhr in Schlafkleidern
beim Brunnen von Pouhon ein, und gegen neun Uhr ging man in die
Herbergen, um sich anzukleiden. Die Zwischenzeit wurde mit Trinken
und zur guten Verdauung des genossenen Wassers mit Spazierengehen
zugebracht[404]. In Aachen gab es für letzteren Zweck einen besonderen
Spazierplatz (Abb. 154), bei Regenwetter wandelte man unter Galerien
(Abb. 110), und zuweilen wurden (1737) die Trinkgäste von der Stadt
mit Musik beehrt[263]. Außerdem traf die Kurgesellschaft noch zu
bestimmten Zeiten einige Male am Tage zusammen. In Spa besuchte man
um vier Uhr den Garten der Kapuziner oder die Vieruhrwiese, um sieben
die Siebenuhrwiese[404]. Pyrmont hatte seine herrliche „Allee“ (Abb.
155), eine von Baumreihen begleitete Straße, die anscheinend für andere
Kurorte mustergültig wurde; denn die „Allee“ spielte in Bädern, die
sich für vornehm hielten, eine größere Rolle als der Kurgarten. Dort
schritten Damen und Herren würdevoll auf und ab, ihre Kleider spazieren
führend, die Damen in großer Toilette, die Herren in nicht weniger
ausgesuchtem Anzuge, Militärpersonen in voller Uniform.
[Sidenote: _Die Kleiderpracht_]
War angeblich in Karlsbad kein steifer Etiquettenzwang, so liebten
die Damen doch eine öftere Änderung des Anzuges am Tage, viele
sah man viermal die Toilette wechseln (1797), und bestand auch
keine Verordnung, die einfach und reinlich gekleideten Damen das
Spazierengehen unter den Kurgästen daselbst verbot, soll es doch
vorgekommen sein, daß sie an der anderen Seite des Flusses gehen
mußten, wenn sie den Anzug nicht ändern wollten (1798).
[Sidenote: _Badeuniformen_]
Gegen den Putz und die Kleiderpracht wurde von Brückenau aus ein Kampf
oder, wohl richtiger gesagt, ein Scheinkampf eröffnet. ~Zwierlein~
machte 1788 den Vorschlag zu einer allgemeinen Badeuniform für Damen,
die elegant, bequem und nicht kostbar sein sollte. Er glaubte an die
Verwirklichung seines Planes, weil in Aachen, Pyrmont, Wiesbaden,
Schlangenbad, Karlsbad, Brückenau usw. adelige Damen häufig mit
ihrer Hofuniform auskämen, vergaß aber dabei, daß diese nicht ohne
eine bestimmte Absicht getragen wurde, wobei die Damen vom Hofe das
Angenehme mit dem Nützlichen verbanden. 1791 schlug im Brückenauer
Bad im Anschluß an ~Zwierlein~s Veröffentlichung „eine teutsche
National-Versammlung von Gräfinnen und andern Damen vom ersten Range“
ein bestimmtes Kleid in der Erwartung vor, daß die Herren so galant
und gefällig sein würden, eine Uniform in den gleichen Farben zu
tragen. Die Brückenauer Nationalversammlung erinnerte aber in derselben
Bekanntmachung daran, daß ihr Vorschlag nicht dahin aufzufassen sei,
als sollten die Damen nichts als diese Kleidung tragen. Wer wollte es
wagen, der Damen-Toilette Gesetze zu geben, ihrem Geschmacke Fesseln
anzulegen? So waren denn wohl die Uniformen mit ihren Abzeichen
à la Spa, Karlsbad, Brückenau, Pyrmont nur darauf berechnet, der
heimatlichen Nachbarschaft zu zeigen, in welchem vornehmen Kurorte man
die Saison zugebracht hatte. Im übrigen vertändelten die Damen weiter
den Morgen mit der Toilette und erschienen nach dem Frühstück in vollem
Glanze. Den Nachmittag brachten sie in steifem Putze ohne Bewegung zu
und saßen meistens mit den Karten oder dem Strickzeuge in der Hand wie
angenagelt auf ihren Stühlen. Abends wurde in schweren Kleidern mit
möglichst enggeschnürter Brust getanzt (1788), und am nächsten Morgen
erschienen dieselben Damen (in Karlsbad 1799) unfrisiert, oft noch in
Wickeln oder doch in Schlafhäubchen in offenen englischen Schlafröcken
mit umgehängtem Schal beim Brunnen.
Fremde kennen lernen, spielen (und zwar meist Hasard), sich zerstreuen,
das war die Losung in den Luxuskurorten, und die meisten Gäste tranken
weder Wasser, noch badeten sie.
Ernster als die Vorschläge der Damen von Brückenau zur Beseitigung der
Übelstände im Badeleben sind Äußerungen aufzufassen, die ländliche
Einfachheit als Voraussetzung eines wahren Kur- und Erholungsortes
priesen. So empfahl eine Frau Tourte-Cherbuliez 1793 Grindelwald aus
dem Grunde, weil man dort weder „Piano’s, noch Harfen, weder Karossen,
noch Teppiche, weder Vorhänge aus Mousseline, noch Wachslichter, noch
Operntoiletten finde“[38]. „Warum auf dem Lande nicht ländlich?“,
schrieb ein Ungenannter im Journal des Luxus und der Moden 1788.
„Wie viele ziehen nicht regelmäßig entweder nach dem Bade oder aufs
Land, und auch da leben sie wie innerhalb der Stadt-Mauern! Was der
Patient um der Genesung, was der Geschäftsmann um der Erholung willen
thut, das thun sie bloß, weil es Andere thun, aus Nachahmung, aus
Gewohnheit.... Lohnt sichs auch alsdann der Mühe, den Haushalt zu
ändern, das Gerät einzupacken, vier und sechs und mehr Stunden in dem
Wagen gefangen zu sitzen, sich mit Beschwerlichkeit anderswo nieder
zu lassen, blos um sagen zu können: Wir ziehen aufs Land, wir kommen
vom Lande zurück? Solche Leute führen die Stadt mit sich aufs Feld,
coelum, non animum mutant. Nicht belauschen sie am buschigten Ufer
die Liebesklagen der Nachtigall; nicht begrüßen sie auf der waldigten
Anhöhe die erwachende Sonne; ohne sie geht der Mäher auf die Flur
und der Winzer ins Traubengebirg. Sie gähnen am Fenster oder vor der
Türe, und mit sehnsuchtsvoller Ungeduld harren sie auf das Rollen des
Wagens oder auf die Staubwolke von Pferden, die irgend einen neuen
Ankömmling verkündigen. Dann wird mit ebenso viel steifem, ängstlichem
Ceremoniell, wie in der Stadt, die Tafel gedeckt; eben so langweilig
setzt man sich dann zum traurigen Spieltische.“ Im Gegensatz dazu rühmt
der Verfasser die liebenswürdige Gesellschaft zu Baden im Aargau, mit
der er die Freuden der Weinlese genoß, Berg und Tal durchstreifte und
an der St. Michaelsherbstfeier unter Winzern und Winzerinnen teilnahm,
wo in gleichen Reihen Dorfnymphen und Damen, Gebieter und Diener
tanzten[678].
[Sidenote: _Reformvorschläge / Prießnitz_]
[Sidenote: _Reaktion gegen die Kaltwasserbehandlung_]
Eine eingreifende Änderung der unnatürlichen und ungesunden Zustände
im Badeleben kam erst durch das Auftreten von ~Vincenz Priessnitz~
zustande, das in die zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts fällt.
Welches Verdienst hat sich der Bauerndoktor auf dem Gräfenberge
erworben, um als ein Grenzpfeiler im deutschen Badeleben zu gelten?
Die Ärztegegner betrachten ihn als Gründer der Hydrotherapie, als
Erfinder eines ganz neuen Heilverfahrens mit dem kalten Wasser[634].
Es geht aus dem Vorhergehenden zur Genüge hervor, daß diese
Anschauung eine falsche ist, daß die Verwendung von gewöhnlichem
Wasser und auch von kaltem vor ~Priessnitz~ in Gebrauch war, daß
Ärzte unter Hinweis auf alte Volksgebräuche das kalte Wasser in den
Heilschatz aufnahmen. Im besonderen war die Kaltwasserbehandlung der
akuten Infektionskrankheiten hoch entwickelt, nicht minder die der
Nervenkrankheiten, zweier Gebiete, welche heute noch eine hervorragende
Rolle in der Hydrotherapie spielen. Die übertriebene und ausgeartete
Kaltwasseranwendung hatte im 18. Jahrhundert sogar schon, wie wir
sahen, eine Reaktion hervorgerufen, ja man war — wie in unseren Tagen
— noch weiter gegangen und hatte darauf hingewiesen, daß der Mensch
doch eigentlich nicht im Wasser, sondern in der Luft lebe und eine
Luftbehandlung die naturgemäßere sei. So erschien in ~Lichtenberg~s
Magazin für das Neueste aus der Physik und Naturgeschichte (dritter
Band, viertes Stück) ein Aufsatz über die unmittelbare Wirkung der Luft
auf die Oberfläche des menschlichen Körpers, den ich nach dem ersten
Bande von ~Rahn~s Archiv vom Jahre 1787 wiedergebe.
[Sidenote: _Luftbäder_]
Wie der Fisch im Wasser — wird darin ausgeführt —, so lebt der Mensch
beständig umgeben von einer anderen Flüssigkeit, der Luft. Das Bad in
dieser ist vielleicht unserem Körper noch angemessener als das kalte
Wasserbad. Man kann es ohne allen Aufwand so oft wiederholen, als man
es für gut befindet; es besteht darin, daß man den entblößten Leib der
atmosphärischen Luft zur unmittelbaren Berührung darbietet. Man hat in
unseren Zeiten all die Übel empfunden, welche mit einer weichlichen und
verzärtelten Erziehung verbunden sind, und man verfällt deshalb in die
entgegengesetzte Ausschweifung und badet Kinder zu allen Jahreszeiten
in kaltem Wasser, ohne auf die ihnen eigentümliche Beschaffenheit des
Körpers zu sehen. ~Galen~ tadelte die alten Deutschen, weil sie ihre
Kinder gleich nach der Geburt einer so harten Tauchung aussetzten,
und das Luftbad ist wirklich ein viel sanfteres und der Natur mehr
angemessenes Mittel, ebendenselben Zweck zu erlangen. Die +Wirkung+
der +Luft+ und die vom +Licht der Sonne+ sind vielleicht die ersten
Beförderungsmittel der Gesundheit und der Lebhaftigkeit. Die Natur
bietet uns an allen Orten Luft, Sonnenlicht und freie, mäßige Bewegung
unserer Gliedmaßen dar, und in der Tat hat auch beständig die Diätetik
dergleichen Mittel für chronische Krankheiten empfohlen, und von diesem
darf man nicht fürchten, was die Freunde des Magnetismus von den
Arzneien behaupten, daß sie tötend und zerstörend wären[635][G].
Auch der Tübinger Professor ~Ploucquet~ sagt 1798, kalte Bäder in der
Badewanne seien für den Gesunden kaum auszuhalten, und noch weniger
für kranke, geschwächte Personen geeignet, denen man noch vor kurzem
aus der falschen Hypothese, die tierische Faser müsse stringiert
werden, sie geradezu verordnete und oft genug die Unbefolgbarkeit des
Vorschlags oder auch seinen Schaden erfahren mußte. Er empfahl als
Ersatz des kalten Bades in der Wanne, sich auf einem Schemel sitzend
von einer vertrauten Person mittels eines Schwammes oder genetzten
Tuches den ganzen Körper waschen oder reiben zu lassen (Schwammbad nach
~Schreger~ 1803[4]), auch mit der Kanne begießen oder an Stelle des
Wasserbades das Luftbad treten zu lassen[166].
Ein praktischer Verehrer des Luftbades war 1803 Lord Monboddo in
London, der es selbst ohne Hemd neben seinem Hause täglich nahm und
auf der anderen Seite desselben oder auf freiem Altane von seinen
Töchtern gebrauchen ließ[157]. In seinem kosmetischen Taschenbuch
empfahl ~Schreger~ (ca. 1814) den Damen das Luftbad als „erstes
Schönheitsmittel in seiner Art“[659].
~Franklin~ nahm das Luftbad im Zimmer. „Beinahe alle Morgen“, sagt er
in einem Briefe an den französischen Übersetzer seiner Werke, „stehe
ich sehr früh auf und bleibe, ohne irgend eine Art von Bedeckung, in
meinem Zimmer eine halbe oder ganze Stunde nach der Jahreszeit sitzen
und lese oder schreibe. Dies Verfahren ist nichts weniger als lästig,
sondern sogar angenehm; ja wenn ich mich vor dem Ankleiden noch einmal
zu Bette lege, wie es zuweilen geschieht, so verfalle ich, gleichsam
als Nachtrag zu meinem nächtlichen, in einen zweistündigen Schlaf, der
so sanft ist, als man sich ihn nur vorstellen kann. Ich finde, daß
daraus gar keine üblen Folgen entstehen, und daß es meiner Gesundheit
nicht schadet, wenn es ihr ja nicht etwa gar sehr viel nützen sollte.“
(Oeuvres de Franclin, Tome II)[659].
Von höchstem Interesse sind die Ausführungen des Jenaer
Chemieprofessors ~Döbereiner~ in einer kleinen Schrift vom Jahre 1816,
die eine Anleitung zur Darstellung und Anwendung aller Bäder enthielt,
und die er den Jenaer Medizinprofessoren ~Stark~ und ~Succow~ widmete.
Diese Schrift enthält die Grundgedanken unserer modernen Lichttherapie.
[Sidenote: _Luft- / Sonnenwärme- und Sonnenlichtbäder_]
~Döbereiner~ trennt von den Luftbädern, die er mit den flüssigen und
festen Bädern zusammen als stoffliche auffaßt, die geistigen; diese
letzteren wieder können Licht-, Wärme-, elektrische und magnetische
Bäder sein. Von den Lichtbädern sagt er: „Jedem Erdengeschöpfe mithin
auch jedem Menschen ist es gegönnt, die Wirkungen des Lichtes zu
empfangen; jeder Raum, welcher unmittelbar von der Sonne beleuchtet
wird, bietet für letzten ein Lichtbad dar, in welches er nur nackt
oder loose und weiß bekleidet sich tauchen darf. Weiße Bekleidung ist
da, wo +Licht allein+ wirken soll, jeder anderen, d.❆h. farbigen und
selbst dem nackten Zustande des Körpers darum vorzuziehen, weil Weiß
die Sonnenstrahlen in reines Licht und Wärme scheidet und die letzte
abstößt, während farbige Flächen und also auch die Haut, mit dem Lichte
gleichzeitig die durch dasselbe veranlaßte Wärme einsaugen, und so
ein Sonnenlichtbad in ein Feuerbad umwandeln. Das letzte ist es, was
die meisten Menschen, besonders die Landleute immer statt des ersten
empfangen, weil sie sich stets, selbst mitten im heißen Sommer, mit
farbigen Kleidern bedecken. Für Gesunde mag ein Sonnenfeuerbad sehr
wohlthätig wirken, aber für gewisse Krankhafte möchten denselben reine
Lichtbäder vorzuziehen sein, z.❆B. in Fällen, wo auf den äußeren Teilen
des Körpers der Oxydationsproceß vorherrschend geworden, wie vielleicht
bei der Bleichsucht, und zur Heilung eine entgegengesetzte, nehmlich
desoxydirend wirkende Kraft angezeigt wäre.
Soll das Licht blos auf einzelne Teile des Körpers wirken, so muß man
das unmittelbare Sonnenlicht durch kleine Öffnungen in verfinsterte
Räume auf den zu beleuchtenden Teil fallen lassen. Durch ein Brennglas
lassen sich die einfallenden Lichtstrahlen verdichten und in ihrer
Wirksamkeit erhöhen.
Bei gewissen krankhaften Zuständen des Organismus und auch der Seele,
möchte vielleicht farbiges, d.❆h. rotes, blaues, gelbes, oder grünes
Licht sich heilsam erweisen, und ein farbiges Lichtbad dem einfachen
vorzuziehen sein. Es ist leicht das homogene Licht in farbiges
umzuwandeln. Man darf nur die Sonnenstrahlen oder auch das gewöhnliche
Tageslicht durch eine rote, blau, gelb oder grün gefärbte Glasscheibe
in ein dunkles Zimmer fallen, und wenn es stark wirken soll, die
Glasscheibe so schleifen lassen, daß das Licht bei seinem Durchgange
mehr oder weniger verdichtet werde. Von farbigen Lichtbädern haben die
Ärzte noch gar keinen Gebrauch gemacht. Es läßt sich aber erwarten,
daß sie sich gegen den tierischen Organismus und gegen das, was diesen
belebt, nicht gleichgültig oder unwirksam verhalten werden, denn die
Farben wirken überaus mächtig auf das Gemüt und können den Menschen
sogar zu Handlungen bestimmen, an welche nicht ohne vorhergegangene
Einwirkung desselben gedacht worden.“ ~Döbereiner~ glaubt dann, daß
Licht, rein oder farbig angewandt, nach schon vorliegenden Versuchen
bei gewissen Augenkrankheiten mit sicherem und schnellem Erfolge
gebraucht werden könne und verweist auf Stellen aus ~Goethe~s
Farbenlehre, die einen Einfluß der Farbe auf das Gemüt darlegen.
Von den durch die Sonne erzeugten Wärmebädern sagt ~Döbereiner~:
„Die Sonnenwärme wird stets vom Licht begleitet und ist daher
gewissermaßen geistiger und lebendiger, mithin auch belebender und
durchdringender als die künstliche Wärme ... Das Sonnenlicht wird
an farbigen, besonders aber an schwarzen Gegenständen, fast ganz in
Wärmematerie umgewandelt, und man muß daher den Organismus, welcher
ein Sonnenwärme-Bad empfangen soll, farbig und am besten schwarz
bekleiden[666]“[H].
[Sidenote: _Preisausschreiben über Wasserbehandlung_]
Der Standpunkt der Ärzte in der Wasserbehandlung der
Infektionskrankheiten zur Zeit von ~Priessnitz~’ Auftreten wird am
besten durch ein Preisausschreiben der ~Hufeland~schen medizinischen
Gesellschaft zu Berlin im Jahre 1821[I] charakterisiert.
„Seit Erscheinung des ersten und zweiten Teils der Berichte des Dr.
~J. Currie~ (vormals in Liverpool) über die Wirkungen des Wassers
in Fiebern, sind in Berlin und manchen andern Teilen Deutschlands,
wie auch in Ungarn und Oberitalien, viele Versuche gemacht worden.
Wenn die bisherigen Erfahrungen günstig dafür sind, so verdient die
einfache Methode allgemeiner angewandt zu werden, als noch heutiges
Tages geschieht. Um den Wert dieser Methode sicherer auszumitteln
und dieselbe demnächst in die tägliche Praxis einzuführen, ihre
Anwendbarkeit näher zu bestimmen, oder zu Folge ungünstiger Resultate
die Methode ganz zu verbannen, ist dienlich erachtet worden, einen
Preis von funfzig Dukaten auszusetzen auf die beste Abhandlung über
den durch die Überschrift bezeichneten Gegenstand.“ Es sollten eine
Zusammenstellung und Vergleichung der wichtigsten, seit ~Currie~s
Schriften bekannt gewordenen und durch dieselben veranlaßten Versuche
und Zeugnisse über die äußerliche Anwendung des kalten Wassers zum
Zwecke der Mäßigung der Fieberhitze gegeben werden, ferner als
Hauptteil eine Reihe eigener Versuche mit kalten Übergießungen nach
~Currie~ und kalten Abwaschungen an Fiebernden bei Verwendung des
Thermometers und unter Angabe der Pulsschläge und drittens die Meinung
des Verfassers über die Art der Wirkung genannter Prozeduren. „Möge
diese Preisfrage“, schrieb ~Hufeland~, „weniger durch den Preis, als
durch die Richtung der Aufmerksamkeit auf einen wichtigen, nahen,
nützlichen, nur durch treue Beobachtungen auszumittelnden Gegenstand
dazu beitragen, daß nicht allein derselbe auf sichern Grundsätzen
zurückgeführt wird, sondern daß auch überhaupt die übermäßige
Liebhaberei des Schwärmens in den dunkelsten und schwerlich je ganz zu
erhellenden Gegenden der Medizin abnehme unter den teutschen Ärzten.“
Drei Schriften liefen auf das Ausschreiben ein. Die zur Prüfung
ernannte Kommission war lange unschlüssig, welcher sie den Preis
erteilen sollte, entschied sich aber endlich, ihn der Abhandlung
zuzuerkennen, „welche sich am meisten durch lange, gereifte Erfahrung
auszeichnet“, deren Verfasser der um diesen Gegenstand durch frühere
Schriften verdiente K. K. Hofmedikus und „Senior als Dekan“ der
medizinischen Fakultät in Wien ~Frölich~ war[662].
[Sidenote: _Die Kaltwasserbehandlung in der Berliner Klinik_]
Aus der „Preis-Aufgabe-Beantwortung“ des bayerischen Medizinalrates
und Aschaffenburger Physikus ~Reuss~ möchte ich folgende Stelle
hervorheben, die uns die Kaltwasserbehandlung der Infektionskrankheiten
in der Berliner Klinik zeigt. ~Reuss~ schreibt: „Dr. ~Ernst Horn~, k.
p. Hofrat und Professor der Klinik an der k. medizinisch-chirurgischen
Militär-Akademie und Direktor der klinischen Lehranstalt im
Charité-Krankenhause zu Berlin hat seine Erfahrungen über die Heilung
des ansteckenden Nerven- und Lazarettfiebers und über die Mittel,
seine Entstehung und Verbreitung von den Lazaretten aus zu verhüten
und sich vor Ansteckung zu sichern, bei dem Antritte des Jahres 1814
in einer besonderen Schrift bekannt gemacht. Die Kranken dieser Art
ließ er bei ihrer Aufnahme in einem Reinigungszimmer, ganz entkleidet,
in einem warmen Bade mit Seife abreiben, reinigen, mit reiner Wäsche
versehen und in die zu ihrer Aufnahme bestimmten hellen und luftigen
Zimmer bringen. Dieses Bad wurde täglich zweimal bis zur Entscheidung
ihrer Krankheit fortgesetzt. War aber der Kopf eingenommen und schwer,
der Kranke betäubt und irre, die Haut heiß und trocken, das Auge
stier, glanzlos und entzündet, so wurde er entkleidet, in eine trockne
Badewanne gesetzt und mit 5 bis 6 Eimern kalten Wassers, jeder zu 4 bis
5 Portionen, über den Kopf und Körper übergossen und dieses täglich
2 bis 3mal wiederholt. Da, wo das Gehirnleiden noch heftiger war,
die Kranken raseten und beständig zitterten, wurden die Sturzbäder
täglich 3mal wiederholt und ihre Wirkung durch das kalte Douchebad
auf den Scheitel noch erhöht. Wenn aber die große Hitze und Trockne
der Haut abnahm und der Patient gegen die Sturzbäder empfindlicher
wurde, die Schwere und Betäubung im Kopfe aber noch fortdauerte, so
wurde er in ein lauwarmes Bad gesetzt und sein Kopf mit eiskaltem
Wasser übergossen. Allen Nervenfieberkranken wurde der Kopf, besonders
die Stirngegend, mit einer in eiskaltem Wasser getauchten und immer
erfrischten Compresse Tag und Nacht bedeckt, und allen, derer Haut heiß
und trocken war, es mochten Peteschen (Petechien) oder keine darauf
sichtbar sein, wurden die heißesten Stellen mit eiskaltem Wasser öfters
gewaschen. Den Vollblütigen wurde anfangs durch Blutegel und später
durch einen Aderlaß Blut abgelassen usw.
Eine wesentliche Bedingnis zur Kur war (wodurch auch die Erzeugung
und Verbreitung des Contagiums dieser Krankheit gehindert wurde) eine
reine und kalte Zimmerluft. Die Zimmer wurden nicht geheizt, und einige
Fenster blieben Tag und Nacht offen.
Die Wirkungen dieser Behandlungsart bewiesen sich, nach Hrn. ~Horn~s
Versicherung, bei den meisten gefährlichen Nervenfieberkrankheiten
sehr günstig, die Entscheidung der Krankheit trat bei den meisten
allmählich, nach dem 9., 11. und 14. Tag ein. Sie dauerte 3–4, 5 Tage,
oft länger, selten wenige Stunden.
Derselbe Arzt empfiehlt in seinem Archiv für medizinische Erfahrung
Heft 2, J. 1812 auch die Anwendung der kalten Sturzbäder bei den Röteln
und dem Scharlachfieber, scheint aber nur bei einzelnen Krankheiten
dieser Art Versuche damit gemacht zu haben“[662].
[Sidenote: _Die Kaltwasserbehandlung in der josephinischen Akademie zu
Wien_]
Zum Schluß seien die Worte eines Schweizer Dorfarztes ~Gabriel Rüsch~
zu Speicher im Appenzellischen aus dem Jahre 1825 angeführt, die
zeigen, daß ein einfacher Landarzt ein ausgezeichneter Beobachter und
tüchtiger Praktiker in der Wasserbehandlung war und diese an der Wiener
Klinik zur Zeit ausgiebig und mit Erfolg angewandt wurde.
[Sidenote: _Rüsch über das kalte und das laue Bad_]
~Rüsch~ schreibt: „Beim Tauchbad begiebt sich der Patient, wenn er bei
gehöriger Einsicht und Kräften ist, selbst einigemal ins Wasser, bis
über den Kopf; widrigenfalls pflegt man ihn auf einem starken, von
vier Männern gehaltenen Leintuch in eine mit Wasser gefüllte Wanne
niederzulassen, eine Minute lang unterzutauchen, den Kopf mit kaltem
Wasser zu begießen, dann wieder empor zu heben, und nach zwei- bis
dreimaliger Wiederholung dieses Verfahrens den Kranken gut getrocknet
in das Bette zu legen. ~Hahn~, einem schlesischen Arzte, haben wir die
Anwendung dieser Methode im Typhus zu verdanken, welche hernach von
~Currie~ in England, von ~Mylius~ in Rußland und seither +von vielen
deutschen Ärzten mit dem größten Erfolg angewandt wurde+. Im Jahr
1817 war ich +täglich+ Zeuge, wie in der +josephinischen Akademie+
zu +Wien+, unter Leitung von ~Kasterlitz~, Typhuskranke, welche
besinnungs- und sprachlos, stöhnend mit starrem Blicke und spröder
Haut, ohne Ausdruck in den Gesichtszügen, als ein Bild des Todes da
lagen, auf das Tauchbad wieder zur Besinnung, Bewegung und Sprache
kamen, wie die Physiognomie heiterer, der Blick lebhafter, der Puls
langsamer und kräftiger, Zunge und Haut feuchter wurden, wie sich
darauf Schlaf, allmählicher Appetit, mehr Kräfte und Wohlbefinden
einstellten, und wie einzig durch diese Methode, zweimal täglich
angewandt, unter Gebrauch von Wein als Getränk, die meisten Kranken
hergestellt wurden. Man suchte dabei die Temperatur des Wassers der
Reizbarkeit des Körpers möglichst anzupassen und vermied sie bei
Brustaffection, feuchter Haut, kritischen Bewegungen, Gefühl von Kälte
und im letzten paralytischen Stadium der Krankheit.
Wo Vorurteile einer solchen einfachen, heroischen Behandlung entgegen
stünden, wo Gegenanzeigen vorhanden sind oder der Typhus nicht den
entzündlichen Charakter hätte, wie bei dem Genius Stationarius
der letzten Dezennien, da möchte wenigstens ~Ficker~s Vorschlag
(Memorabilien der Heilkunde, 2. Bd. 1818. S. 92), bei übriger
zweckmäßiger Behandlung den Körper mit Essig und Wasser zu waschen,
anzuwenden sein, wovon er vortrefflichen Erfolg wahrnahm.
Der Erfolg kühler und kalter Tauchbäder beim Typhus trug viel
dazu bei, daß sie auch bei andern Krankheiten, die sich demselben
annähern, häufig angewandt wurden und zwar mit glücklichem Erfolg,
wie bei hitzigen Wechsel-, Gallen- und Entzündungsfiebern, Scharlach,
Masern, brandiger Bräune, Gehirnfieber der Säufer u. dgl., doch ist
ihre Anwendung hier im Allgemeinen sehr gewagt und noch mehr bei
Brustentzündungen, rheumatischen und catarrhalischen Krankheiten,
Convulsionen der Kinder, bei der Pest, dem gelben Fieber, der
Wasserscheu und dem Tetanus, in welchen letzteren Fällen man auch
zuweilen Genesung, oft aber auch einen plötzlichen Tod erfolgen sah.
Ich verweise hierüber des näheren auf die Betrachtung der kalten und
warmen Bäder, mit welchem ersterm das Tauchbad im Grunde übereinkommt.“
Das laue Bad ist nach ihm angezeigt „bei hitzigen, ansteckenden
Ausschlagskrankheiten, die sich dem Typhus in so vielen Stücken
annähern und in ihren bösartigen Formen auch ein wahres Bild des
Typhus sind, namentlich gegen Blattern, Masern, Scharlach und ihre
Modifikationen. Wenn diese gutartig sind, ist es freilich nicht nötig,
und wo sie einen sehr entzündlichen Charakter haben, da ist kaltes
Waschen im Ganzen dienlicher (als das laue Bad); dagegen ist es von
um so größerem Nutzen (das laue Bad), je schwieriger der Ausschlag
zum Ausbruch kommt wegen Unreinigkeit, Dichtigkeit und Trockenheit
der Haut, je mehr die Krankheitsmaterien sich nach innern Teilen,
namentlich auf die Nerven, wirft und dadurch Unruhe, Angst und
Convulsionen hervorbringt, je mehr die Krankheit sich dem Typhösen
nähert. Wenn der Ausschlag wegen Erkältung zurückzusinken droht,
unterstützt es trefflich die Wirkung gelinder Reizmittel; es befördert
die Abschuppung und verhütet und erleichtert manche Nachkrankheiten,
die oft aller Sorgfalt ungeachtet dennoch erscheinen. Während der
hiesigen Scharlach- und Masernepidemie 1818 und 19 hat mir das laue Bad
unter angegebenen Umständen die vorzüglichsten Dienste geleistet“[88].
[Sidenote: _Die Wasserhahns_]
Der von ~Rüsch~ erwähnte schlesische Arzt ~Hahn~ ist ein Mitglied
der Ärztefamilie ~Hahn~, die den Gebrauch des kalten Wassers in
Deutschland volkstümlich machte. Der älteste der „Wasserhahns“
war der Vater ~Siegemund Hahn~ (geb. 1664, gest. 1742), der über
fünfzig Jahre in Schweidnitz als Arzt tätig war, sich noch in
hohem Alter oft bei ziemlich rauher Witterung kalt badete und sein
„Wasserglaubenbekenntnis“ 1732 in seinem Peterswälder Brunnen,
besonders aber 1737 in der Psychrolusia veteri renovata niederlegte,
die 1738 wieder vermehrt aufgelegt wurde[670]. Nach ~Küchenmeister~
führte sie den Titel „Psychroluposia vetus renovata, jam recocta.
Wieder aufgewärmt Alt-Kalt Bad und Trinken, Schweidnitz 1738“[671][J].
[Sidenote: _Theden_]
Der „alte“ ~Hahn~ war von großem Einfluß auf den späteren preußischen
Generalchirurgen ~Theden~, dem er, wie dieser selbst erzählt, freien
Zutritt und seine schriftlich gesammelten Bemerkungen zu lesen erlaubt
hatte. ~Theden~ war damals Esquadronfeldscher beim Buddenbrockischen
Kürassierregiment in Schweidnitz, und als 1742 ein Unteroffizier nach
Beschneiden eines Leichdorns an Blutvergiftung bedenklich erkrankte,
wandte er sich in Abwesenheit des Regimentsfeldschers an ~Hahn~ und
behandelte den Kranken nach dessen Rat. „Ich ließ einen Eimer frisches
Wasser aus dem Brunnen ziehen, tauchte das Betttuch darein, und ließ
solches um den Fuß und Unterleib schlagen; der Patient schrie gewaltig,
und ich zitterte gleichfalls wegen des Ausgangs und Folgen der Kur.
Nichts destoweniger wiederholte ich, nach der Verordnung, das kalte
Umschlagen, so bald nur das Tuch warm ward; der Kranke fing an, es
besser zu vertragen, und nach einer Beschäftigung von drei Stunden mit
dieser Arbeit nahm die Röte und Geschwulst ab; es erfolgte ein ruhiger
Schlaf und Schweiß, und am Abend desselben Tages war aller Geschwulst
weg, und ein Fuß wie der andere, ohne alle Schmerzen; dennoch fuhr ich
bis zum folgenden Morgen mit Umschlagung des kalten Wassers fort“[611].
[Sidenote: _Johann Gottfried de Hahn_]
Am meisten wurden ~Hahn~s Söhne vom Vater beeinflußt, von denen
der zweite, ~Johann Gottfried de Hahn~, praktischer Arzt zu
Breslau und Adjunkt der Leopold. Carolin. Akademie, der 1754 über
die Kaltwasserbehandlung einer Faulfieberepidemie in Breslau
berichtete[671], weniger hervortrat als der ältere Sohn ~Johann
Siegemund Hahn~ (1696–1773), praktischer Arzt zu Schweidnitz, der des
Vaters und seine Lehren im „Unterricht von Krafft und Würckung des
frischen Wassers“ zusammenfaßte[670], welcher zu Lebzeiten ~Hahn~s in
wenigstens sechs Auflagen erschien[K].
[Sidenote: _Die Lehre des alten Hahn_]
Da ich das Buch von ~Hahn~, dem Vater, nicht erhalten konnte, gebe ich
einen Auszug von ~Küchenmeister~ wieder. „Das Wasser zum Trinken, zum
Waschen und Baden, meistens frisch, selten lau, dient im Sommer und
Winter, in der Nacht, wie am Tage, Gesunden, vornehmlich aber Kranken.
Gesunde können kalt trinken beim Aufstehen, unter und zwischen dem
Essen, beim Schlafengehen und nachts; wenigstens sollte man es morgens
und abends thun. Nach ~Hippokrates~ mache Wassertrinken Appetit,
„gefräßig“. Manche werden dadurch verstopft, manche bekommen Stuhl,
wie z.❆B. auch durch Auflegen von Eis auf den Bauch oder durch Setzen
der Füße auf einen naß gemachten Marmorfußboden. — Noch mehr haben
es Kranke, mehr in hitzigen, als langwierigen Fiebern nötig, frisch,
überschlagen, in der Rekonvaleszenz lau. Waschen soll man sich beim
Aufstehen, man schwitze oder nicht, aus einem mit recht frischem
Wasser gefüllten Becken zuerst das Gesicht und das ganze Haupt mit
flachen Händen, dann mit dem eingetauchten Schwamme über Arme, Brust,
Rücken, Bauch und den ganzen entblößten Körper fahren, in die auf die
Seite gewendeten Ohren den Schwamm drücken, auch das Wasser in die
offenen Augen strömen lassen. Dann trockne man sich ab und kleide
sich oberwärts an, während man den Mund mit frischem Wasser ausspült
und das übrige durch die Nase zieht. Hierauf müssen auch die Schenkel
ins Becken. Dieses Kaltwaschen und Trinken nannte ~Hahn~ die „kleine
Gerätschaft, petit apareil“.
Die „große Gerätschaft, grand apareil“ besteht in Folgendem. Man setzt
sich so tief man kann in die Kühlwanne und trocknet sich alsdann ab.
„Dies mache ihn so warm beim Ankleiden, daß er ihn im Winter sogar
nicht ebenso sehr zum Einheitzen nöthige.“ Hat er sich oben wieder
angekleidet, geht er zum Fußwaschen über, und je länger man seine Füße
bis zu den Knöcheln ins Wasser setzt, um so gelenker werden die Glieder.
Die „höchste Gerätschaft, haut apareil“ ist das Baden des ganzen
Menschen. Da dies in Fluß und See nicht immer geht, nahm ~Hahn~ eine
kupferne Wanne, zehn Ellen im Durchschnitt weit, fünf Ellen hoch,
dreißig Ellen im Umfang, die zweitausend Bath faßte (also etwa eine
Braupfanne), voll frischen Wassers, stellte sie in den Hof unter ein
Zelt, ließ, wenn es den Leib wärmte, kaltes Wasser nachgießen und
kühlen, und setzte sich bis an die Achseln hinein, darinnen mit den
Händen arbeitend. „Stützt man sich auf die Arme, so fährt man auf und
nieder; hält man sich zum Füßen an den Rand der Wanne, so zieht und
schwimmt man fürwärts, und von dannen wird wieder abgestoßen, dahin
gefahren, wo zuvor gesessen.“ Bei solchen Bewegungen, die den ganzen
Körper unter Wasser setzen, schlagen die Wellen über den Kopf zusammen.
„Wer sich ein paar hundert Mal in der Wanne auf- und abzieht, wird über
keine Kälte des Bades zu klagen haben.“ Man bleibe eine viertel oder
eine halbe Stunde nach Belieben darin, „man erfriert sich nichts“[671].
[Sidenote: _Johann Siegemund Hahn der Jüngere_]
Das Buch des Sohnes ~Johann Siegemund Hahn~ übertrifft in seiner
derben, volkstümlichen Sprache alle vorausgegangenen populären
Schriften über Wasseranwendung, auch die des von ihm so oft angeführten
~Floyer~. „Was meine gebrauchte Schreib- und Lehr-Art betrift,“
sagt er, „so glaube ich, es sey jedweden erlaubt zureden, wie ihm
der Schnabel gewachsen, und sich in seinem Vortrag einer Ordnung zu
bedienen, die seinem Genio am gemäßesten ist“. Hier als Beispiel
die Behandlung des Hauptwehs. „Wenn das Dach anhebt zu glimmen, kan
man es oft mit einem nassen Sacke dämpffen, aber wenn die Flammen
heller lichter Loh ausbrechen, muß man die beständig gießende Spritze
gebrauchen: Also auch wird eine angehende geringe Hitze und daher
kommender Schmertz der Schwarte meistens mit etlichen frischen
Umschlägen von schlechtem Wasser gehoben; allein wenn der gantze Kopff
schon so hefftig brennt, daß er wie die glüenden Dach-Ziegel in Stücken
zerspringen möchte, so müssen wir immer mit kühlem Wasser drauf loß
gießen, oder sich dasselbe gar, von einem Spring-Brunnen eine halbe
Stunde lang über das Haupt lauffen lassen“ (Abb. 156).
[Illustration: Abb. 156. Titelkupfer zu: ~Hahn~, Unterricht von Krafft
und Würckung des frischen Wassers. Breßlau u. Leipzig, 1745.]
[Sidenote: _Johann Siegemund Hahns Unterricht von Kraft und Wirkung des
frischen Wassers_]
Die Formen, in denen ~Hahn~ neben dem Trinken das kalte Wasser
gebrauchte, waren Waschungen, Umschläge, Bäder, Duschen oder
Übergießungen. (Unter besonderen Umständen nahm er das Wasser auch
„überschlagen“.) Von den Lähmungen sagt er, sie mögen von Krämpfen
oder einem Schlagfluß herrühren, „so wird nöthig seyn, nicht nur
bloß die um ihre Bewegung gebrachten Glieder, sondern auch besonders
das Haupt und Genicke, als wo die beyden Übeln angegriffnen Nerven
entspringen und auch deren Verstopfung oder Irritation gemeiniglich
den Anfang nimmt unbesorgt frisch zu waschen. Kan man den gelähmten
Theil gar ins Bad setzen, so ist es noch besser, am allerbesten aber
thut die Embrocation, da man das Wasser (aber nicht, wie sonst dabey
gewöhnlich, warm, sondern gantz frisch) von einer gewissen Höhe auf
das mit hiezu verfertigten Schwamm-Kappen verwahrte Haupt und die mit
leinen Tüchern umgebne (oder auch gantz nackte) Glieder eine Weile
herab träufelt oder gießet; denn da darf man nicht besorgen, daß, wie
vom allzu langen Verweilen im Baden geschehen könnte, eine gar zu
heftige Abkühlung und Auslöschung der natürlichen Lebens-Wärmde davon
entstehen würde, sondern die beym Angießen vorgehende starcke Bewegung
und Andrückung des Wassers wird vielmehr auch den erstarrten Gliedern
eine angenehme Erwärmung verschaffen, und über dieses auch Ursache
seyn, daß die angebrachten Feuchtigkeiten desto tiefer durch die Haut
hinein dringen, und geschwinder und nachdrücklicher werden würcken
können. ~Hippokrates~ sagte daher schon, daß das viele Übergießen mit
frischem Wasser die Wärmde wiederbringe, die Wärmde aber heile den
Krampf und Steifigkeit des Genickes, lindre die Convulsiones. Wird aber
irgendswo Zeit und Gedult erfordert, so ist es bey diesen Zufällen und
ihrer Cur, welche nicht Tage, sondern Monate, ja oft Jahre erfordert,
vonnöthen; denn selten wird ein solcher Patient, wie neulich erst
einem von heftigem Reißen gelähmten 20 jährigen Menschen vom frischen
Waschen wiederfahren, innerhalb 8 Tagen restituirt. Doch wenn man bald
Anfangs, da der reißende Schmertz sich wittert, dem kürtzlich von einer
vornehmen Dame einigen ihrer angefallnen Unterthanen gegebenen Rathe zu
folge, die wehthuenden Glieder eine halbe Stunde lang unter der Pumpe
mit frischem Wasser überlaufen ließe, so würde man so wohl als diese
den Anfall bald abwenden, und so gar der Contractur zuvor kommen.“
Aus dieser Schilderung geht hervor, daß ~Hahn~ den Kollaps bei zu
langem kalten Baden kannte[L], daß er aber auch, wie schon sein
Vater, wußte, durch kaltes Wasser lasse sich eine angenehme Erwärmung
des Körpers hervorbringen. Übrigens hat er sein sechstes Kapitel
überschrieben: „Des frischen Wassers Kraft die erkälteten Glieder
wieder zu erwärmen.“
Außer Infektionskrankheiten behandelte ~Hahn~ namentlich chirurgische
Erkrankungen, Wassersucht, Lähmungen, Gicht, englische Krankheit und
Hautkrankheiten. Vor allem lag es ihm daran, im Volke bestehende
Vorurteile zu beseitigen, so den Glauben „alter Weiber“, die Rose dürfe
man nicht netzen, die Annahme, durch kaltes Waschen könnten böse Säfte
zurückgetrieben werden oder beim Haupte gar ein Schlagfluß erfolgen.
Er wies auch darauf hin, daß da, wo das Volk das kalte Wasser in
Verbindung mit einem Aberglauben schon gebrauchte, es auch ohne diesen
wirke. „Einige mischen statt der Artzeney (die ~Hahn~ zuweilen gab) ein
wenig Aberglauben mit zur Cur, wie diejenigen, welche davor halten,
die Krätze könne vom kalten Baden nicht vergehn, wenn solches nicht am
Charfreytage geschähe. Ein mit dergleichen Aberglauben so starck als
mit der Krätze behaffteter Mann und 2 Weibs-Personen verfügten sich an
einem Char-Freytage in den Bach, der etliche hundert Schritte von ihrer
Wohnung entfernt war, badeten darinnen in ihren Hemdern, welche sie
anbehielten, giengen also ungetrocknet nach Hause, legten sich zu Bette
und wurden völlig rein; da hieß es nun wohl nicht, dein Glaube, sondern
allein das Wasser hat dir geholffen.“
[Sidenote: _Scheuchzer / Hofmann / Johann Siegemund Hahns Unterricht_]
Ferner trat ~Hahn~ der herrschenden Mode entgegen, in Mineralbäder
auch in Fällen zu ziehen, wo das einfache kalte Wasser ebenso oder
besser wirkte. Seine Stellung zu den Mineralbädern ist schon durch den
Titelholzschnitt seines Buches (Abb. 156) gekennzeichnet; denn die
Unterschrift stellt nichts anderes als eine Verhöhnung derunter dem
Namen der Amusements de N. N. erschienenen Badeschriften dar. Übrigens
hatten schon der Züricher Stadtarzt ~Scheuchzer~ und der hallische
Professor ~Hofmann~ (den ~Hahn~ auch anführt) darauf hingewiesen, daß
die Wirkung der Mineralbäder in erster Linie dem Wasser zukomme und
zahlreiche sogenannte Mineralbäder sich in nichts vom gemeinen Wasser
unterschieden[383]. ~Hahn~ sagt: „Nebst diesen ist noch zu erinnern,
daß diejenigen, welche das frische Wasser-Trincken als eine schädliche
Sache verwerfen, sich öfters mit der That selbst widersprechen,
indem ja die meisten derselben ihre Patienten, auch in solchen
Zufällen, da eben keine sonderliche Hitze, eine außerordentliche
Abkühlung erfordert, in die Brunnen reisen und sich daselbst das
kalte mineralische Wasser in großer Menge bis zum Schauer eingießen
lassen. Hat denn dieses weniger Kraft zu erkälten, als das sogenannte
schlechte. Ich dächte, jenes sauren Spiritus, (dergleichen ich aus
dem Pyrmonter-Brunne per simplicem destillationem seines Saltzes in
retorta, selbst heraus gebraucht,) vitriolische und Salpeterhafte
Theilgen, so mit ihm vermischt sind, solten es eher kühlender machen,
als das, so mit dergleichen nicht beladen ist. Doch mineralische Wasser
heißen Gesund-Brunnen, darum müssen sie ja gesünder seyn, als die, so
diesen Namen nicht führen; das andre nennt man gemeines, ja gar, in
Ansehung der itzt gemeldeten, wildes Wasser, daher muß es auch geringe
Würckung haben und nur vor wilde Bestien, nicht aber vor vernünftige
Menschen gehören. Zwar wollen wir immerhin mit den Thieren (so die
mineralische Wasser kaum bey dem heftigsten Durste trincken mögen),
schlecht Geträncke genießen, wenn wir nur auch mit ihnen frisch und
gesund leben können, ohne uns zu bekümmern, ob andre, die nichts, als
was seltsam ist, hochachten, dadurch ihre Gesundheit verkünsteln. Mir
scheinet es wenigstens sehr wahrscheinlich, daß, da die mineralischen
Wasser meist in unwegsame Örter relegirt sind, solches eine vorsichtige
Behutsamkeit des allerweisesten Schöpfers andeute, welcher gewolt, daß
solche Brunnen schwer zu finden und zu erreichen seyn, damit nicht
die Menschen sich derselben ohne Unterscheid und genugsamen Vorsicht
bedienen und sich dadurch Schaden zuziehen möchten, wie denn auch
die verständigen Liebhaber mineralischer Wasser gestehn müssen, daß
dieselben mit kluger Vorsicht müsten gebraucht werden, weil sie sonst
schädlich seyn würden, wie selbst vom berührten Achner Gesund-Brunn
der Auctor des Zeitvertreibs bey den Wassern zu Achen pag. m. 175.
gestehet, daß wer sie ohne Vorbedacht genießet, sich vielen Zufällen
unterwerfen würde. Julii Caesaris sonst gesunde Armee fiel auf einen
mineralischen Brunnen, und wurde davon in kurtzer Zeit räudig. Genung,
wir glauben wenigstens mit dem gemeinen kalten Wasser eben so viel, wo
nicht mehr Gutes in allerley Kranckheiten auszurichten, als man von
dem andern nur immer erwarten mag. Und ich glaube gar gerne, was ein
guter Freund muthmaste, nemlich, wenn die gantze Welt voll bittrer
und Sauer-Brunnen, aber nur ein eintziger süßer Quell im äußersten
Monomotapa zu finden wäre, so würde man vor eine kleine Bouteille
von diesem gantz willig mehr denn einen Ducaten bezahlen. Aber weil
schlecht Wasser überall fleußt, und weil es umsonst zu haben, so meynt
man, daß es auch von schlechter Kraft seyn müsse, und man setzt also
ein größer Vertrauen auf solche Sachen, welche schwer und mit großen
Kosten zu erlangen sind, und welche mit vieler meist unnöthigen Mühe
erst zusammen gesetzt und mit großprahlenden Titeln belegt worden. Der
ehrliche ~Lucanus~ sucht uns vernünftigere Gedancken beyzubringen, wenn
er schreibt: discite quam parvo etc.
„Lernt der Natur gemäß von wenigen zu leben;
Ein goldener Pocal mit alten Wein gefüllt,
Hilft nicht den Krancken auf; was in dem Bache quillt,
Und Brod ist schon genung, uns LebensKraft zu geben.““
~Hahn~ war durchaus trotz seiner teilweise sogar übertriebenen
Wasseranwendung kein einseitiger Wasserspezialist. Er bediente sich,
wie er selbst sagt, zugänglicher (obschon nicht überflüssiger)
Medikamente. Auch die Anempfehlung und der eigene Gebrauch des
Wassertrinkens hatte ihn nicht zum Totalabstinenten gemacht. Er
schließt sein Buch: „Je zeitlicher aber ein Mensch anhebt das frische
Wasser bey gesunden oder ungesunden Tagen zum Trincken und Waschen zu
gebrauchen, desto mehr Nutzen wird er davon verspühren; doch ist es
auch im Alter nie zu spät, sich daran zu gewöhnen; man fange also in
der Wiege schon an, und höre damit nicht eher auf, als im Grabe. Wer
aber zur Freude und Abwechselung zuweilen beym Wasser-Trincken ein
Gläßgen Wein bescheid zu thun Lust hat, dem will ich solches mit einem
hertzlichen Prosit gesegnen, denn immer einerley gebrauchen verursacht
leicht Überdruß: Allezeit Wasser oder Wein trincken ist nicht lustig,
sondern zuweilen Wein, zuweilen Wasser trincken, das ist lustig.“
Der Ruf der Wasserhahns muß ein bedeutender gewesen sein. Das
Vertrauen, was der Militärarzt ~Theden~ dem alten ~Hahn~ entgegen
brachte, spricht sattsam dafür, auch schreibt der jüngere ~Hahn~,
daß „viel gelehrte und erfahrne Practici, nebst vernünftigen und
gewissenhaften Chirurgis in unsren und umliegenden Gegenden, sich bey
ihren Krancken des frischen Wassers äußerlich und innerlich gebrauchen,
und seine Kraft gar unvergleichlich befinden“. Aber die ~Hahn~s waren
auch außerhalb Schlesiens Grenzen bekannt. Das Buch des jüngeren
~Hahn~ ist heute noch, auch in den älteren Auflagen, in zahlreichen
Exemplaren und auf den meisten Bibliotheken vorhanden. Der jüngere
~Johann Siegemund~ erwähnt die Freunde der Wasserbehandlung, „unter
denen besonders den weyl. hoch-berühmten Herrn Geheimden Rath ~Hofmann~
(den schon genannten Professor) in Halle anzuführen mir die Freyheit
nehme, als welcher nicht alleine selbst in öffentlichen Schriften die
Heilsamkeit des Wassers aufs gründlichste erwiesen, sondern auch in
einem an meinen geliebten Bruder in Breßlau abgelassenen eigenhändigen
Schreiben, sein Vergnügen bezeuget, weil er +von vielen Reisenden
vernommen, daß wir hier zu Lande mit gelinden Mitteln, besonders
dem Gebrauch des Wassers, denen Krancken nicht geringe Dienste
leisteten+“[670]. ~Baldinger~, ein Marburger Medizinprofessor, schrieb
1792: „Wer kennt nicht wenigstens das, was ~Anton Musa~, ~Floyer~,
~Hahn~ und ~Friedrich Hofmann~ mit Wasser thaten. Und ~Theeden~s und
~Schmucker~s Anwendung des kalten Wassers hat allgemeinen Beifall
gefunden, und viele Menschen sind dadurch gerettet worden, die sonst
ohne Rettung verloren waren. Mit Recht nannte schon ~Friedrich Hofmann~
das Wasser eine medicina universalis. Und dieser Arzt, die Zierde der
Ärzte Teutschlands, erweckte in seinem Vaterlande allgemeinen Sinn vor
die Wirkungen des kalten Wassers und ermunterte dadurch zuerst seine
Schüler und Nachfolger zu dessen häufigen Gebrauch“[650].
[Sidenote: _Baldinger / Schmucker_]
Der von ~Baldinger~ genannte ~Schmucker~ war der Vorgänger ~Theden~s
als preußischer Generalchirurg. Nach ~Reuss~ wurde auch er durch die
Beobachtungen der ~Hahn~s aufgemuntert, „die Fomentationen mit kaltem
Wasser, welches er zur Erhöhung der Kälte noch mit Salpeter, Salmiak
und Essig versetzten ließ, bei allen Kopfverletzungen und andern
Contusionen, während den zwei schlesischen Kriegen zu versuchen. Diese
haben durch ihn auch eine so große Reputation erhalten, daß sie seitdem
unter der Benennung „die ~Schmucker~ischen Fomentationen“ allgemein
bekannt sind und bei ähnlichen Vorfällen gebraucht werden“ (1822)[662].
[Sidenote: _Paré / Lombard / Percy_]
Andere Chirurgen entnahmen die Wasseranwendung für ihre Kunst direkt
dem Volksbrauche unter Weglassung des Aberglaubens. Der berühmte
~Ambrosius Paré~ hatte bei der Belagerung von Metz 1553 den Verdruß,
daß ihm der Meister ~Doublet~, welcher das Verbandwasser zu beschwören
verstand und nach dem Zeugnisse von Zeitgenossen selbst die schwersten
Verletzungen damit heilte, von den Verwundeten vorgezogen wurde. Ich
bezweifelte nicht, sagt ~Paré~, daß man Wunden mit reinem Wasser
heilen kann, wenn man vorher über dasselbe gewisse Worte gesprochen
und die Leinwand in Kreuzesform in dasselbe getaucht hat, aber es
sind weder die Worte, noch das Kreuz, sondern das Wasser allein, weil
es die Wunde reinigt und der Entzündung entgegen wirkt. Als 1785 in
Straßburg bei Prüfung von Artilleriewaffen viele Soldaten bedeutend
verwundet und in das unter ~Lombard~ und ~Percy~ stehende Hospital
gebracht wurden, erbot sich ein Müller, die Verwundeten mit einem von
ihm unfehlbar gemachten Wasser zu heilen, und erfüllte zur Verwunderung
aller sein Versprechen. Obgleich der Müller sein Wasser mit allerlei
Beschwörungen[M] zugerichtet und auch eine Kleinigkeit von Alaun
zugesetzt hatte, so schrieben ~Lombard~ und ~Percy~ die Erfolge dem
Wasser allein zu und stellten später Versuche an, deren günstiges
Resultat beide veröffentlichten[672].
[Sidenote: _Langenbeck_]
Zum Schluß muß ich die Worte eines Chirurgen aus Vorprießnitzscher
Zeit, des Göttinger Professors ~Langenbeck~, anführen, der 1822 unter
seinen Ratschlägen, Frostbeulen zu vermeiden, folgendes schreibt: „Man
wasche Hände, Gesicht und Füße kalt, bürste oder reibe dabei Hände
und Füße, worauf eine angenehme Wärme folgt. Was das kalte Waschen
der Füße anbetrifft, so kann sich freilich nicht jeder dazu verstehn;
indessen sichern gehöriges Abtrocknen und Reiben vor den Nachteilen,
die darauf folgen können. Die Füße werden nie wärmer, als wenn man sie
nur in kaltes Wasser taucht, tüchtig reibt und dann Strümpfe anzieht.
Wer daran gewohnt ist, wird bald den guten Einfluß auf den ganzen
Körper bemerken. Ich wasche alle Morgen meinen ganzen Körper kalt
und empfinde darnach eine allgemein verbreitete Wärme, bekomme eine
große Leichtigkeit, ein äußerst behagliches Gefühl und kenne keinen
Rheumatismus. Wer gesund ist, wird beim mäßigen Leben, beim Genuß
weniger und nahrhafter Speisen, einfacher Kost, und wenn er dem Bacchus
und der Venus nicht zu häufige Opfer bringt, bei kaltem Waschen gesund
bleiben und keinen Rheumatismus bekommen, weil das kalte Waschen die
Haut stärkt und die zu große Empfindlichkeit aufhebt“[665].
[Sidenote: _May / Marcard / Offterdinger_]
Die inneren Mediziner waren bestrebt, die Wasseranwendung zu
vervollkommnen, namentlich Anzeigen und Gegenanzeigen aufzustellen,
Mißbräuche zu bekämpfen, besonders aber bei der Behandlung zu
individualisieren. Der Warnung über den Mißbrauch der kalten Bäder
durch den Heidelberger Professor ~May~ (S. 47) und der Vorschriften
über den vernünftigen Gebrauch des unter dem Namen Tauchbad gebrauchten
kalten Bassinbades von seiten des Pyrmonter Badearztes ~Marcard~ (S. 48
ff.) ist schon gedacht worden. Neben diesen Ärzten sind drei besonders
hervorzuheben, der Kanstatter Physikus ~Georg Gottlieb Offterdinger~,
~Brandis~, Badearzt zu Driburg, später Professor in Kiel (als solcher
gab er ein Buch über Kaltwasserbehandlung der Infektionskrankheiten
heraus[673]) und ~Samuel Hahnemann~, der spätere Homöopath.
~Offterdinger~ sagt 1782 bei Besprechung der Krankheiten, die wir
heute mit dem allgemeinen Ausdruck Nervenschwäche bezeichnen, in
seiner „Anleitung für das Landvolk in Absicht auf seine Gesundheit“:
„Man sollte sich einmal bereden können, daß nicht alle Krankheiten
blos durch Arzneien zu heilen sind, und daß bei vielen chronischen
die Bewegung und eine dienliche Lebensordnung öfters mehr ausrichten,
als alle Mittel aus der Apothek, und daß eben diese beiden heilsamen
Mittel, gleich wie sie die vornehmsten Stützen zur Aufrechthaltung der
menschlichen Gesundheit sind, auch in allen denjenigen Übeln, welche
mit einem gehinderten Umlauf des Geblüts in den Eingeweiden, dem Kopfe,
der Brust, dem Unterleib, einer Verstopfung derselben, dergleichen
die meisten chronischen oder mit einer Schwachheit und Empfindlichkeit
der Nerven verbundenen sind, auch die wahren und zuverlässigsten zur
Wiederherstellung derselben abgeben ...
Allein nicht nur die Bewegung, sondern auch die Bäder sind von der
herrlichsten Würkung. Man gebraucht sie nach Beschaffenheit der
Umstände, wärmlicht, lau, und bleibt so lange darinnen sitzen, bis
sie kalt sind, oder wenn die Empfindlichkeit der Nerven nicht gar
zu groß ist, gar kalt. Ich habe nicht nötig, daß ich die verdienten
Lobsprüche derselben wiederhole, welche ihnen Herr ~Tissot~ und andere
große Ärzte schon längst gegeben haben, und ich sage nicht zuviel,
wenn ich behaupte, daß die Bewegung, die Bäder und eine taugliche
Lebensordnung allein hinreichend sind, dieses öfters verzweifelte Übel
zu heben, insonderheit in dem Fall, da die allzustarke Empfindlichkeit
der Nerven die vornehmste Ursache davon ist, oder wenn nur noch keine
unheilbaren Fehler in den festen Teilen vorhanden sind: Zu eben diesem
Zweck dienen auch die kalten Fußbäder, womit man allenfalls den Anfang
machen kann, und ich kann nicht umhin, hier den ungemeinen Nutzen
des kalten Wassers, wenn man alle Teile des Leibes, hauptsächlich
den Unterleib, die Brust, den Kopf, den Rückgrad, Morgens und Nachts
vorm Schlafen stark damit reibet, aufs äußerste anzurühmen, welches
in allen denjenigen Fällen, da die kalten Bäder noch zu reizend sind,
deren Stelle anfangs vertreten kann. Viele bereden sich, daß die Bäder
überhaupt ihrer Natur nicht taugen, allein es ist dies ein irriges
Vorurteil. Man kann sie unstreitig nach eines jeden Temperaments und
Leibesbeschaffenheit einrichten, einige haben sie lau, andere kälter,
andere ganz kalt nötig, und der Erfolg wird dieses am besten anzeigen,
auch muß man, wenn sie stärken sollen, nicht darauf ins Bett liegen und
schwitzen, wol aber auf dasselbe“[633].
[Sidenote: _Brandis_]
~Brandis~ schreibt 1792: „~Friedrich Hofmann~, ~Tissot~, ~Maret~,
~Marteau~ und ~William Falconer~ haben sehr viel Gutes über die Bäder
überhaupt, ~Floyer~, ~Hahn~, ~Marcus Herz~ und ~Ferro~ vortrefflich
über kalte Bäder geschrieben: aber gewiß haben alle doch noch manches
übrig gelassen, was den Gebrauch dieses äußerst wichtigen Heilmittels
bestimmter, sicherer und wahrscheinlich allgemeiner machen kann ...
[Sidenote: _Brandis Ansichten über Kälteanwendung_]
Sowohl als Vorbauungsmittel gegen Krankheiten, als auch als Heilmittel,
sind Bäder eine der wirksamsten Arzneien, werden daher aber auch oft,
wie alle wirksamen Arzneien, zu großem Nachteile Kranker und Gesunder
äußerst gemißbraucht. Wer sich schwach glaubt, setzt oft sein ganzes
Heil in den Gebrauch kalter Bäder, friert in denselben täglich Stunden
und länger durch, und kommt vielleicht, wenn seine Nerven noch weit
empfindlicher und seine Fasern weit reizbarer geworden sind, von seinem
schädlichen Wahne zurück, daß dieses seine Panacee sei, durch die er in
kurzer Zeit einem Herkules oder Milon gleich werden könnte ... Daher
ist es, vorzüglich für reizbare, schwächliche Personen, eine äußerst
wichtige Regel, diese Heilmittel nicht ohne Zuraten eines erfahrnen,
aufgeklärten Arztes zu gebrauchen.“
~Brandis~ führt dann aus, daß beim kalten Bade die Kälte die Hauptsache
sei, durch den starken Reiz der Kälte würden die Haut und mit dieser
consensualisch die übrigen festen Teile des Körpers, vorzüglich aber
die auf der Oberfläche überall verbreiteten kleineren Gefäße schnell
zusammengezogen. Das vorher in ihnen enthaltene Blut habe nicht mehr
Raum in ihnen und werde mit großer Schnelligkeit in die größeren Gefäße
nach dem Herzen zurückgetrieben. „Auf das Nervensystem wirkt die
plötzliche Kälte als ein heftiger Reiz. Allgemeines Zittern, vorzüglich
Zahnklappern, sind die sichtbaren Folgen davon. Läßt die Kälte bald
nach, oder haben die größern Gefäße Kraft genug, den Widerstand des
Kreislaufs auf der Oberfläche zu überwinden: so treiben sie das Blut,
durch die größere Menge desselben gereizt, mit verdoppelter Gewalt
nach der Oberfläche zurück, es entsteht eine allgemein vermehrte
Wärme über den ganzen Körper, die zuletzt eine sehr vermehrte
Transspiration hervorbringt ... In alle diesem siehet man ganz den
Verlauf eines künstlichen Fiebers; und alles Gute, was man von einem
Fieber erwarten kann, wird auch ein sehr kaltes Bad bewürken[N].
Hartnäckige Verstopfungen der Gefäße und beträchtliche Hindernisse,
die irgendwo dem freien Kreislaufe der Säfte im Wege stehen, werden
dadurch aufgehoben; träger Kreislauf, der auf die flüssigen Teile
nicht hinlänglich wirkt, sie nicht genug bereitet und animalisiert,
erhält dadurch eine neue Kraft, dieses Geschäft gehörig zu verrichten;
die Fiber wird dichter, gespannter und elastischer. Durch die
darauf folgende häufige Transspiration werden viele unnütze wäßrige
Feuchtigkeiten aus den Säften ausgeschieden ...“
Aus den weiteren Ausführungen geht hervor, daß die kalten Kopfbäder
zur Zeit „oft gebraucht und gemißbraucht“ wurden. Ganz hartnäckige
Kopfschmerzen schwanden häufig durch das äußerst schmerzhafte kalte
Tropfbad auf den geschorenen Scheitel.
„Kalte Bäder gehören daher ohne Zweifel unter die wirksamsten Mittel,
aber müssen auch mit äußerster Vorsicht und genauer Rücksicht auf
alle Nebenumstände angewandt werden. Ärzte, die der Idee von Schwäche
nur allzeit die freilich leicht zu findende Cur von Stärkung und
Zusammenziehung der Faser entgegensetzen, werden kalte Bäder sehr oft
mißbrauchen. Ein ganz kaltes Bad, das alle die oben beschriebenen
Wirkungen in ihrer völligen Stärke hervorbringt, hat daher nur bei
solchen Personen statt, deren Kraft des Herzens und der innern Gefäße
stark genug ist, den durch die Kälte hervorgebrachten Widerstand der
Gefäße auf der Oberfläche zu überwinden. Daher ist für schwache und
alte Personen ein ganz kaltes Bad sehr gefährlich, eben so sehr für
solche, bei denen man irgend eine Verletzung oder lokale Schwäche eines
innern Teils, z.❆B. Fehler in den Lungen, zu großen Drang des Blutes
nach dem Kopfe, Neigung zum Schlage, beträchtliche Verstopfungen im
Unterleibe u.❆s.❆w. vermuten kann. Auch für sehr vollblütige, bei
denen die Masse der Säfte zu groß ist, als daß sie von den Gefäßen
bequem könnten im Umlauf erhalten werden; für alle, deren Nervensystem
sehr reizbar ist, ihre Fasern mögen auch immer noch so schlaff sein,
werden kalte Bäder, wenigstens anfangs, nie ein zweckmäßiges Mittel
sein. Die Reizbarkeit wird durch die Kälte immer vermehrt und die
ganze Maschine dadurch äußerst zerrüttet werden. Ich habe Gelegenheit
gehabt, mehrere traurige Fälle von der Art zu sehen. Vorzüglich hat
man sich aber bei der örtlichen Anwendung der Kälte sehr zu hüten,
daß man nicht die Lebenskraft in dem Teile durch die Kälte ganz
unterdrückt, wo man der Faser nur mehr Zusammenziehung und mehr Kraft
geben wollte. Vorzüglich gilt dieses von den äußersten Teilen, die vom
Herzen weiter entfernt sind. Hier hat es immer mehr Schwirigkeit, daß
die ganze Wirkung des kalten Bades hervorgebracht werde. Die Gefäße
werden zwar schnell zusammengezogen und den Nerven ein heftiger Reiz
mitgeteilt, das Herz wird aber von dieser partialen Zusammenziehung
nicht hinlänglich gereizt, um den Widerstand zu überwinden und eine
schnellere Circulation in den Teilen zu bewirken. Daher kann durch
eine unbedachtsame Anwendung kalter Bäder an solche einzelne entfernte
Stellen, z.❆B. die Füße, der Blutumlauf und die Lebenskraft ganz
unterdrückt werden ...
Dahingegen ist das ganz kalte Bad für jüngere Personen von schlaffer
und untätiger Faser, mit weniger reizbarem Nervensysteme, die an
hartnäckigen Verstopfungen, zu häufigen Secretionen, Lähmung und Atonie
irgend eines Teils leiden, das wirksamste Stärkungsmittel; und ich bin
überzeugt, daß ~Floyer~ und ~Hahn~ nicht zu viel von der Wirksamkeit
dieses vortrefflichen Mittels gesagt haben, daß von vielen Ärzten wol
bei weitem nicht häufig genug angewandt wird. Auch für empfindsamere
Personen kann man kalte Bäder im Notfalle anwendbar machen, da man
nach Willkür den Wärmegrad desselben der Empfindsamkeit des Kranken
angemessen machen kann. Je mehr sich die Wärme der von 80° (Fahrenheit)
nähert, desto gelinder wird begreiflich der Reiz, aber desto geringer
auch die Zusammenziehung der Gefäße, desto mehr nähern sich die
Wirkungen desselben denen eines lauen Bades.
Bei sehr empfindsamen Personen ist es am ratsamsten, sich an kalte
Bäder nach und nach zu gewöhnen, mit einem kühlen oder gar lauen Bade
anzufangen, und dasselbe, wenn sie einige Zeit darin zugebracht haben,
durch Zugießen von kaltem Wasser kälter zu machen und den nächsten
Tag die Kälte des Bades gleich anfangs zu verstärken. ~Tissot~ sah
von dieser Methode bei äußerst empfindsamen Personen vortreffliche
Wirkung, und ich habe mich derselben Art, die kalten Bäder anzuwenden,
gleichfalls sehr oft mit den besten Wirkungen bedient ...
Kalte Bäder dürfen bei weitem nicht so lange gebraucht werden (als
die lauwarmen). Bei den meisten, wo man blos Erschütterung des
Nervensystems und Zusammenziehung der festen Teile zum Zwecke hat, ist
ein Aufenthalt von zwei bis drei, höchstens von fünf bis sechs Minuten
hinlänglich; nur in einzelnen Fällen, wo man durch das Bad noch andere
Zwecke, z.❆B. auf die Haut unmittelbar in Ausschlägen, Flechten, weißem
Flusse u. dgl., oder um sehr hartnäckige Verstopfungen aufzulösen,
erreichen will, kann man den Aufenthalt verlängern ...
[Sidenote: _Brandis Ansicht über die kalte Dusche_]
Bei Tropfbad und Douche ist der Zweck, durch die größere Gewalt, womit
das Wasser auf einzelne Teile gespritzt wird, diesen Teilen einen
besondern Reiz mitzuteilen, die lebendige Faser zu einer tätigen
Zusammenziehung zu reizen und die Nervenkraft mehr zu beleben. Nach
der Höhe, von welcher das Wasser herunterfällt, oder nach der Kraft,
mit welcher es auf den einzelnen Teil aufgespritzt wird, und nach dem
dickern oder dünnern Strahle des aufgestossenen Wassers, kann dieser
Reiz von der Heftigkeit des größten Schmerzes, dem Röte und Entzündung
der Haut folgt, bis zu dem Gefühl einer geringen Gewalt modificirt
werden. An Absorption ist, wenigstens bei einer etwas beträchtlichen
Gewalt, wol nicht zu denken; und geschieht sie, so wird sie in dem
leidenden Teile, auf welchen man wirken will, schwerlich unmittelbare
Veränderungen hervorbringen. Die Bestandteile des aufgespritzten
Wassers kommen also wol schwerlich bei Tropfbad und Douche in weitern
Betracht, also insofern sie auf die Haut unmittelbar wirken. Wichtiger
ist dabei die Temperatur des Wassers. Kälte und große Wärme vermehren
den Reiz beträchtlich und auf verschiedene Art.
Der Reiz dieser Bäder ist aber ganz besonders, und vielleicht einer
der wirksamsten, die der Arzt anwenden kann ... Diese mechanische
Gewalt erschüttert jede Faser, jedes Gefäß und jeden Nerven des
Teils, auf welchen man wirken will, gleich stark. Daher ist es
sehr begreiflich, daß man durch ihn Wirkungen hervorbringen kann,
die man von allen andern Reizmitteln vergebens erwarten würde. Die
Oscillation der kleinsten Gefäße des Teils wird durch diesen Reiz
beträchtlich vermehrt, und bei großer Stärke desselben entsteht selbst
Röte und Entzündung; bei minderer Heftigkeit ist eine sehr häufige
Transspiration des einzelnen Teils die Folge davon. Stockungen in
den kleinen Gefäßen müssen also sehr wirksam aufgelöset und jedes
derselben zur freien Circulation der Säfte wieder geöffnet werden.
Daher ist die Douche bei sehr hartnäckigen chronischen Rheumatismen
eins der wirksamsten Mittel. Auch die resorbirenden Gefäße werden zu
neuer Tätigkeit angereizt und in den Stand gesetzt, stockende Säfte
aus dem Zellgewebe oder andern Behältern wieder einzusaugen und in
den allgemeinen Kreislauf zurückzuführen. Daher ist die Douche oft
das einzige Heilmittel in kalten Geschwülsten, vorzüglich aber in
den oft so gefährlichen Geschwülsten der Gelenke (white swellings)
und in Lähmungen, die von einem zu häufig ergossenen, verdorbenen
oder verhärteten Gliedwasser herrühren, Anchylosen u. dgl. Besonders
wohlthätig ist dieser Reiz aber oft den einzelnen Nerven, die dadurch
wirksamer als durch irgend ein anderes Reizmittel in Thätigkeit
gesetzt werden und sich vielleicht schädlicher Materien, die sich
auf dieselben geworfen haben, auf eine dem Physiologen freilich noch
unerklärbare Art entledigen. In verschiedenen Arten Nervenkopfweh,
Schwindel, Melancholie, Lähmung einzelner Teile, in krampfhaften
Ziehungen einzelner Teile, z.❆B. des Kopfs, in Schwindung einzelner
Glieder, in Schwäche einzelner Teile von unordentlicher Einwirkung der
Nerven, z.❆B. der Zeugungsteile, und den so mancherlei daher rührenden
Übeln, sind Tropfbäder und Douche ein über alle Maßen wirksames
Heilmittel, das oft da eine wohlthätige Heilung hervorbringt, wo sich
die erfahrensten Ärzte an wirksamen Mitteln vergebens erschöpft hatten.
Auf den Grad des Reizes kommt bei Anwendung dieses heilsamen Mittels
alles an; durch plötzliche heftige Anwendung der ganzen Kraft
desselben kann man vielleicht den noch übrigen Lebensfunken ganz
ersticken oder das Übel sehr vermehren, wo man mit einem gelindern
Reize völlige Heilung würde hervorgebracht haben. Diesen Grad zu
bestimmen, kann bloß der Erfahrung und Einsicht des Arztes überlassen
werden, der durch öftere Beobachtungen ähnlicher Fälle und durch genaue
Kenntnis der Kräfte der Werkzeuge, der Reizbarkeit und Empfindsamkeit
des Kranken, der Temperatur des aufzugießenden Wassers usw. in den
Stand gesetzt ist, richtig darüber zu urteilen“[674].
[Sidenote: _Samuel Hahnemann_]
~Hahnemann~ schrieb ein Buch, alte Schäden und faule Geschwüre zu
heilen, in dem er neben einer örtlichen Behandlung eine Kaltwasserkur
des ganzen Körpers vorschlug.
[Sidenote: _Hahnemanns Kaltwasserbehandlung_]
„Wenn man irgend eine allgemein hülfreiche Arznei hätte, so würde es
Wasser sein. Meine Kranken mit alten Geschwüren kann ich ohne kaltes
Bad nicht heilen, nicht dauerhaft heilen, die Kälte an sich scheint
nicht nur als stärkend zusammenziehendes Mittel, sondern auch als ein
fäulungswidriges hiebei zu wirken. Man kann die Heilkraft der Kälte auf
keine Art so lokal anwenden, als durch den Gebrauch kalter Bäder, eine
Anwendung, die der ganzen Gradleiter des Wärmemessers fähig ist, ohne
übrigen Nachteil und ohne Kosten.
Anfangs lasse ich, der Schade mag an irgend einem Teile des Körpers
sein, Wasser von funfzig Grad fahrenheitischer Wärme zum Fußbade blos
über die Knöchel alle Abende vor Schlafengehn sechs Minuten lang
unter beständiger Bewegung des Wassers nehmen. Dies ist der geringste
Grad des stärkenden Bades, welches selbst Kranken von äußerster
Schwäche diensam und nicht beschwerlich ist, ich erhöhe es von Zeit
zu Zeit immer mehr und mehr, selbst wenn das Geschwüre am Fuße ist,
und so steige ich, nach Beschaffenheit der anwachsenden Kräfte und
der Güte der Wunde, nach und nach bis zum ganzen Bade, auf funfzehn
Minuten Dauer, bis zu dreien Malen des Tags, früh vor Einnahme des
Frühstücks, zwei Stunden nach dem Mittagsessen und eine halbe Stunde
vor Schlafengehn, auf vierzig, dreißig und selbst zwanzig Grad
fahrenheitischer Wärme des Wassers. Dies sind die höchsten Grade.
Da diese Genauigkeit bei Bädern von fließendem Wasser nie angebracht
werden kann, so muß, einmal für allemal gesagt, durch stete Bewegung
des Wassers die Kälte des Bades immer in Gleichförmigkeit erhalten
werden, und selbst die Menge des dazu nötigen Wassers darf in dieser
Absicht nicht geringe sein, wenn das Stubenbad alle Vorteile eines
Flußbades erreichen soll.
Die Grade des kalten Bades und die steigende Bewegung des Körpers
müssen mit der Zunahme der Kräfte in gleichen Schritten fortgehn.
Es lassen sich bei so angestellter Badekur so viel Grade der
Erhöhung anbringen, daß auch der schwächste Körper ohne die mindeste
Erschütterung seines Gefühls nach und nach bis zur höchsten Staffel
steigen kann, wenn genaue Vorschriften des Arztes und die pünktlichste
Folgsamkeit des Kranken verbunden werden.
Ich habe noch nie aufhören können, mich zu verwundern, wie unsre
größten Ärzte bei Vorschreibung der stärkenden Kur so nachlässig in
Bestimmung des kalten Bades haben sein können. Man brauche halbe
oder ganze Bäder früh oder auch abends, das ist der Inbegriff ihrer
Vorschriften. Von den Graden der Kälte, der genauen Dauer des Bades und
den übrigen unentbehrlichen Bestimmungen kein Wort. Alle Verwunderung
über den so häufigen durch kalte Bäder angerichteten Nachteil auf die
Gesundheit hört so gleich auf, wenn man bedenkt, wie viel zweckwidrige
Anwendungen des kalten Wassers durch so verstümmelt hingeworfene,
dreisilbige Vorschriften haben können hervorgebracht werden.
Der entkräftete Siechling warf sich Stunden lang in Schneewasser,
um durch heroische Befolgung unbestimmter Vorschriften jenen großen
Männern Ehre zu machen, und man zog ihn ohnmächtig, durch Krampf
erstarrt, vom Schlage gelähmt, oder bis zum Faulfieber erkältet wieder
heraus, oft auch wohl tot. Kann mans dem wolthätigen Eisen beimessen,
daß sich das unmündige Kind die Adern öffnete, oder ist vielmehr die
Nachlässigkeit seiner Aufseher und Gesetzgeber anzuklagen. Man kann bei
Aufzeichnung der Gebrauchsregeln kräftiger Heilmittel nicht pünktlich
und umständlich genug zu Werke gehn, an nachläßiger Befolgung wirds
demungeacht nie fehlen.
Diese Unbestimmtheit hat dem kalten Wasser so viel Feinde zugezogen,
daß man eine ungeheure Anzahl Menschen antrifft, die kalte Bäder als
den äußersten Grad arzneilicher Karnifizin ärger als den Tod scheuen.
Aber die Hefe nachbetender Ärzte hatte auch durch sinnlose Anwendung
dieser unbestimmten Vorschriften unsrer Hippokraten die Schmach des
kalten Bades aufs äußerste gebracht. Der Patient mußte oft mit Gewalt
und auf einmal in ein kaltes Bad steigen und gewöhnlich eine Stunde
drin bleiben. Um die Pein der auf ihn eindringenden Kälte zu mäßigen,
fühlt er, ist ihm kein Mittel übrig, als unbeweglich still zu sitzen.
Nach Verlauf von Viertelstunden, nachdem er viel Kräfte zur Ausdauer
der Kälte einer solchen Menge Wassers verschwendet hat, wird das Wasser
um ihn her lau. Ruhig bleibt er sitzen, um sich, wie ihm deucht,
in der warmen Wasseratmosphäre wieder zu erholen und die Kräfte zu
ersetzen, die er auf ihre Erwärmung verschwenden mußte. Dies erwärmte
Wasser wirkt nun als ein laues Bad und nimmt ihm einen Teil der Kräfte
vollends weg, die ihm die Ausdauer der übermäßigen anfänglichen Kälte
des Wassers übrig gelassen hatte. Nun wickelt man ihn in erwärmte
Tücher und so nimmt ihn ein erwärmtes Bett in Empfang, Behandlungen,
die den Nachteil dieses unsinnigen Bades vollenden. Er kömmt nun in
Schweiß und verliert durch diese zwölfstündige Folter wenigstens
zwanzig vom Hundert der Kräfte, die er vor dem Bade hatte, des drauf
folgenden Krampfs, des Schnupfens, des Hustens, des Durchlaufs oder des
Rheumatism nicht zu gedenken, die er Tags darauf als unvermeidliche
Unbequemlichkeiten seines hülfreichen Bades mit Geduld verschmerzt,
nur Schade, daß er dies liebe stärkende Bad kaum drei- bis viermal
aushalten kann, es würde ihm wohl sonst noch rechten Nutzen gestiftet
haben! Eine sehr artige, aber, welches ihr sehr zur Empfehlung dient,
fast durchgängige Verordnung, mächtig genug, die Kirchhöfe der
berühmtesten Bäder Europas so ansehnlich zu erweitern, von der ich
jedoch zeitig zurückgekommen zu sein, mich glücklich schätze.
Da meine Kranken nur allmählich und nach Verhältnis ihrer zunehmenden
Kräfte dazu angeführt werden, wie oben erwähnt worden, so findet sich,
daß die meisten nach vollendeter Kur kaum aufhören wollen, sich kalt zu
baden. Ich bemerke nach meiner Verordnung keine Verkältung, vielmehr
vermehrte oder doch ununterbrochene Ausdünstung, und die Kräfte nehmen
von Tage zu Tage bei meinen Kranken zu, da ich durchs kalte Bad nicht
mehr Wärme aus dem Körper ziehen lasse, als er sehr bald durch eigne
Blutwärme wieder ersetzen kann. Der Schwung des durch den Körper
kreisenden Blutes verstärkt sich durch die von der Kälte gleichförmig
veranstaltete Zusammenziehung der Muskelfasern und Gefäße, so wie
die Kraft der Spiralfeder zunimmt, je dichter sie zusammengewunden
wird, und alle Verrichtungen des Körpers bekommen ein neues Leben. Um
diese Stärkung und Zusammenziehung der Fibern desto gleichförmiger
zu bewirken, schärfe ich bei jedem Grade des Bades als unumgänglich
ein, das Wasser in steter Bewegung um den Körper oder das eingetauchte
Glied zu halten und ein so großes Gefäß, wie möglich, dazu zu nehmen,
um die Vorteile hier zu ersetzen, die das fließende Wasserbad vor den
Stubenbädern sonst voraus hat.
Flußbäder wende ich auch nicht gerne eher an, als bis nach vollendeter
Heilung, wo etwas mehr oder mindere Kälte und vernachlässigte Aufsicht
nicht leicht schaden kann, übrigens schränke ich alles auf Stubenbäder
ein, wo eine gehörige Leitung gehandhabt und jeder Vorteil der
fließenden Bäder, wie gesagt, erhalten werden kann, ohne daß einer
ihrer Nachteile hinzukommen darf.
Das Wasser kann entweder der Kranke selbst bewegen, wenn er ehrlich
genug dazu ist, oder man veranstaltet es. Die Art, wie das Wasser
bei Destillationen in den Kühlfässern erneuert wird, entspricht zu
diesem Behufe aller Absicht. So viel nämlich kaltes Wasser durch eine
angebrachte Röhre nach dem Boden des Badegefäßes sinkt, so viel läuft
oben durch eine Rinne von selbst ab, durch die Wärme des Körpers
erwärmt, da das kalte schwerer, das warme Wasser aber leichter ist und
nach oben schwimmt und von da abläuft.
Ich erinnere aber, für unbemitteltere, daß ein etwas großes Badegefäß
und die Bewegung des Wassers darin schon hinlänglich sein kann. Ärmere,
die den Grad der Wärme nicht genau zu bestimmen wissen und sonst wenig
Bequemlichkeit haben, lasse ich eine einfachere Vorschrift befolgen.
Die Grade der Eintauchung nebst den Graden der Dauer bestimmen bei
ihnen allein die Leiter, wonach das Bad erhöhet werden soll. In Wasser
aus einem sehr tiefen Brunnen sich so und so tief, so und so oft und
so und so lange einzutauchen, gleichviel ob im Sommer oder im Winter,
ist die Vorschrift. Dies erhöhe ich bei ihnen von Zeit zu Zeit nach
Beschaffenheit ihrer Kräfte. Sie können nichts dabei versehn, da die
Vorschrift so einfach ist, und haben fast gleich großen Nutzen davon,
als Reichere, die genauere und kostbarere Verordnungen befolgen können.
Das kälteste Wasser, was selbst bemitteltere im Sommer haben können,
ist doch nur das aus Brunnen, die auf dreißig und mehrere Fuß tief sind
und höchstens etwas unter zweiundfunfzig Grad fahrenheitischer Wärme
haben. Man müßte denn den Aufwand machen können, die Kälte des Bades
mit Eise aus Eisgruben zu bestimmen. Das kälteste Wasser der Brunnen
ist jedoch für jedermann hinlänglich, wenn die Kur im Sommer fällt, da
man die mindere Kälte durch öfteres oder länger daurendes Baden und den
Grad der Eintauchung ersetzen kann ....
Die Schwäche des Kranken, zuweilen auch rauhe Witterung machen es fast
zur durchgängigen Notwendigkeit, sich vor dem Eintritte ins kalte Bad
und nach dem Ausgange aus demselben eine mäßige Bewegung zu machen, ein
unvergleichliches Mittel, den Kreislauf hiebei in Ordnung zu erhalten.
Die erregte Wärme des Blutes kann dann der Kälte des Bades desto
leichter widerstehen und die Muskelfibern nebst den Gefäßen
gleichförmig zusammen ziehn. Eben hiedurch erhält man auch den Vorteil,
daß das kalte Bad nie Erkältung verursacht, und daß man geschwindere
Schritte in Erhöhung des kalten Bades thun kann, als wenn der in Ruhe
gebliebene Kranke sich auf einmal und unvorbereitet der Kälte des
Wassers anvertrauen soll.
Die Bewegung vor dem Bade aber muß so gemäßigt sein, daß sie nie bis
zum Schweiße ausartet, es wäre sehr undienlich, in solchem Zustande die
Wanne zu besteigen. Die Bewegung nach dem Bade kann etwas kräftiger
sein, doch darf sie auch nie weder bis zum Schweiße, noch zur Ermüdung
führen. Unter dieser Einschränkung kann man sich ungemeine und sonst
durch nichts zu ersetzende Vorteile davon versprechen.
Wenn das kalte Bad besonders bei der Nachkur vom halben Bade bis zum
ganzen steigt und die Kälte und die Dauer des Bades täglich erhöhet
werden soll, da lasse ich meine Kranken ein oder zwei Gläser des ihnen
beschiednen Weines im Wasser genießen. Der Vorteil hievon hat sich mir
oft sichtlich bewiesen, und er wird jedem, der hierüber nachdenkt,
leichtlich einleuchten.
Ich setze zu den Gebrauchsregeln des kalten Bades noch einen
wesentlichen Umstand, der sehr genau mit den gleich vorher
beschriebenen Handgriffen zusammenhängt, ein Umstand, der die
Vorteile des zu bewegenden Wassers mit einbegreift. +Ohne diese
Handanlegung lasse ich nie ein kaltes Bad nehmen. Von der ersten
geringen Eintauchung an bis zum kältesten ganzen Bade lasse ich den
Kranken die Teile, die unter dem Wasser sind, sowie die nächsten, mit
wollenen Tüchern nur immer stärker reiben, je nachdem der Patient
bald heraustreten will. Dies kann der Kranke selbst thun, es kann
auch von jemand anderm geschehen.+ So bald er heraustritt, lasse ich
denselben Teil nur mit trocknen, auch wohl mit Gewürzen und Harzen
durchräucherten Tüchern noch eine und mehrere Minuten hindurch,
gewöhnlich noch etwas stärker als im Bade selbst, reiben, ihn dann
bedecken und so eine viertelstündige bis stündige Bewegung vornehmen,
die seinen Kräften angemessen ist.
Will man stärkere Fortschritte bei Erhöhung des kalten Bades thun, so
kann man das +Frottieren auch vor dem Bade+ an den einzutauchenden
Teilen vornehmen, man wird Vorteile hervorbringen, die durch andere
Behandlungen nie erreicht werden.
Was überhaupt Bewegung für die ganze Maschine des menschlichen Körpers
ist, dies und noch mehr ist Reiben und besonders mit wollenen Tüchern
für einzelne Teile. Die Lebenskraft wird erweckt, der Kreislauf der
Säfte wird hiedurch ganz ungemein befördert und in Ordnung gebracht,
die Muskeln dieser Teile werden gestärkt, und die Haut empfindlicher
und für den Eindruck, den das kalte Wasser darauf ausüben soll,
empfänglicher gemacht, so werden Häute während des Gerbens gerieben,
geschlagen und gewalkt, damit die zusammenziehenden Kräfte der Lohe
desto stärker darauf wirken können. Man wird mir dies Gleichnis
vergeben, da es übrigens so passend ist. Durchs Frottieren werden, mit
einem Worte, Vorteile hervorgebracht, die man zu unsrer Absicht durch
andre Mittel zu bewirken, sich vergeblich bemühen würde. Vermittelst
des Frottierens kann die schwächste Person mit Vorteil das kälteste Bad
nehmen ...
Wenn ich das kalte Bad nächst der gehörigen Diät zum Hauptstücke der
stärkenden Kur alter Geschwüre mache, so habe ich die ausgesuchtesten
und zahlreichsten Erfahrungen vor mir und verlange unumschränkten
Glauben in diesem Stücke.
Daß selbst der Ärmste sich dieses herrlichen Hülfsmittels leicht und
ohne weitläuftige Vorschriften, außer den oben angezeigten, bedienen
kann, ist kein geringer Beweis seiner Vortrefflichkeit. Er kann sich
vor und nach dem Bade eben so gut bewegen, sich eben so reiben, eben
sowohl das Wasser um den badenden Teil herum in Bewegung halten, als
der Reichste. Er kann eben sowohl der freien Luft genießen, und ein
kräftiges Bier wird ihm statt des Weines dienen. Sein Körper aber, der
gewöhnlich durch Erziehung und Lebensart fester und benervter worden
ist, als des Vornehmern zärtlicherer Leibesbau, nimmt zweckmäßige
Mittel viel leichter zur Genesung an, die Hälfte der dem Verzärtelten
zu reichenden Heilmittel bewirken bei ihm schon alles nötige, und
Pumpernickel dient ihm statt der Kraftsuppen. Also auch für ihn ist
gesorgt“[660].
[Sidenote: _Gebrauch der Kaltwasserbehandlung_]
[Sidenote: _Auswüchse der Kaltwasserbehandlung im 18. Jahrhundert und
durch Prießnitz_]
Aus dem Angeführten geht zur Genüge hervor, daß die Ärzte nicht
nur Bücher über Kaltwasserbehandlung schrieben, sondern diese auch
praktisch bei ihren Kranken durchführten. Ich erinnere nochmals
daran, daß ~Marcard~ in Pyrmont ein Bassinbad errichtete (S. 48).
~Brandis~ gebrauchte neben einfachen kalten Wasserbädern auch das
Driburger Wasser kalt, dem er wegen seines Reizes auf die Haut,
namentlich durch die Kohlensäure und das Eisen, eine besondere Wirkung
zuschrieb[674]. Im Jahre 1815 sagt ~Hufeland~, daß er sich von der
außerordentlichen Kraft der Sturzbäder von kaltem Wasser auf den Kopf
bei Gemütskranken im Irrenhause der Charité zu Berlin überzeugt habe,
wo der äußerst glückliche Erfolg der Kuren, da im Durchschnitt der
dritte Teil geheilt werde, hauptsächlich diesem Mittel zuzuschreiben
sei[O][642]. Nun genug davon! Ich mußte etwas breit in meiner
Darstellung werden, um zu zeigen, daß die Welt, als ~Priessnitz~ mit
gesegnetem Wasser und Abwaschungen Kranke zu behandeln anfing, mit
keinem neuen Heilverfahren überrascht wurde, und als ~Priessnitz~
immer mutiger in der Kaltwasseranwendung wurde und schließlich zu
recht heroischen Verfahren griff, da war er im Grunde genommen auf
einem Standpunkt angelangt, dem die deutschen Ärzte als Auswuchs
des Wasserheilverfahrens Jahrzehnte vorher entgegengetreten waren,
wie er auch noch zu Lebzeiten des ~Priessnitz~ von dessen Schülern
~Munde~[647] und ~Rausse~[637](Pseudonym für ~H. F. Franke~[661])
bekämpft und in der späteren Wasserheilkunde fallen gelassen wurde.
Ich will nur ein Beispiel anführen. ~Rausse~, der ~Priessnitz~ den
Entdecker der Wasserheilkunde und den Held derselben nennt, muß doch
„Irrtümer“ des ~Priessnitz~ zugeben. „Dahin gehört vor allen Dingen“,
sagt er, „seine gänzliche Mißkenntnis der kranken Nervenzustände und
das daraus hervorgehende Abtreiben und Überhetzen seiner Patienten mit
unausgesetzter Bewegung, mit zu vielem Trinken und zu vielem und zu
kaltem Baden .... Wenn das Frostrégime lange fortgesetzt wird, so kann
die dadurch hervorgebrachte Aufregung bis zum Ausbruch des wirklichen
Wahnsinns gesteigert werden, und das ist, wie ich aus den sichersten
Quellen erfahren habe, öfter als einmal bei Gräfenberger Patienten der
Fall gewesen, wenn gleich vielleicht erst kurz nach dem Abgang aus der
Anstalt“[637], und nun vergleiche man mit dieser ~Priessnitz~schen
Behandlung die oben wörtlich wiedergegebenen Ansichten älterer Ärzte
über denselben Gegenstand.
Statt Abhärtung erhielten die Patienten beim ~Priessnitz~schen
Frostregiment eine größere Empfänglichkeit gegen Infektionskrankheiten.
Manche konnten sich noch ein halbes Jahr nach der Kur selbst in der
Hundstagshitze in der Sonne und obendrein im Pelz nicht erwärmen[637]
[647], die Leute hatten, statt ihre Blutgefäße zu üben, sie bis zur
dauernden Lähmung überanstrengt. Das Endergebnis einer vernünftigen
Wasserkur, der prompte Eintritt der sog. Reaktion, eines wohligen
Wärmegefühls auf Kältereize, war verloren gegangen.
Das betraf Patienten, die wohl ~Priessnitz~’ Verordnungen wörtlich
durchgeführt hatten. Verwundern darf man sich über den ungünstigen
Ausgang nicht. So mußte ein Mann in heftigster Winterkälte duschen
(im Freien) und nach der Dusche eine halbe Stunde lang nackt Holz
hauen. Zum Glück für die Patienten befolgten viele die Anordnungen von
~Priessnitz~ nicht. Auf dem Gräfenberge ging ein Sprichwort um: „Wer
die Kur am schlechtesten macht, der macht die beste Kur“[637].
Die Unzufriedenheit mit ~Priessnitz~ und seinem Heilverfahren von
seiten seiner Schüler und Patienten fällt erst in die spätere Zeit
seines Wirkens. Im Anfange herrschte eine Begeisterung, wie wir sie
nur bei den Wunderbrunnen, namentlich bei Pyrmont, finden, und wo
auch die Ernüchterung auf dem Fuße folgte. Derselbe ~Rausse~, der
jene Verordnung von ~Priessnitz~, einen Patienten nach der Dusche
nackt eine halbe Stunde lang Holz hauen zu lassen, auf das tiefste
verurteilt, schrieb auch einst, man könne durch fortgesetzte Abhärtung
dahin kommen, bei heftigster Winterkälte nackt oder doch in leichter
Kleidung zu gehen, und er muß das klägliche Geständnis machen: „Da
ich die erste Auflage jener Schrift (ich muß es bekennen) in einem
durchaus krankhaften Zustand in der Lohe der ersten Begeisterung für
die Wasserheilkunde schrieb, ohne selbst noch genügende Erfahrungen
gemacht zu haben, so sind Auswüchse und Extreme leicht erklärlich und
sogar notwendig(!?) gewesen“[637].
[Sidenote: _Angaben von Selinger / Weiß / Rausse_]
Die Angaben über die Entstehung der Behandlungsweise ~Priessnitz~’ sind
in ganz ähnlicher Weise verschieden, je nachdem der begeisterte oder
ernüchterte Schriftsteller schrieb. Nach ~Selinger~ hat ~Priessnitz~
seine ganze Kurmethode selbst gefunden, und das hat ihm ~Priessnitz~
selbst mitgeteilt[634]. ~Priessnitz~’ ehemaliger benachbarter
Wasserkollege in Freiwaldau, der frühere Tierarzt und spätere Direktor
der Wasserheilanstalt zu Stanstead Bury in England ~Weiss~ sagt aber
von ihm, „in Vereinigung mit seinen Kranken machte er immer neue
Versuche, und so gelangte sein Heilsystem nach und nach zu einer
solchen Ausdehnung, wie sie bis dahin die Geschichte der Medizin
in Bezug auf das Wasser nicht aufzuweisen hat. Ich sagte soeben,
in Vereinigung mit seinen Kranken; +denn P. leugnet es nicht+, daß
ihn während jener Periode, wo sich seine Kurart auszubilden anfing,
oft die Kranken selbst auf neue Anwendungsarten des kalten Wassers
aufmerksam machten, ja selbst das Möglichste zu deren Ausführung
beitrugen“[668]. Bestätigt wird diese Angabe durch ~Rausse~, der trotz
seiner Lobeserhebungen über ~Priessnitz~ in demselben Buche von diesem
angibt, er sei kein tiefer Denker im wahren Sinne des Wortes gewesen.
„Es ist oft gesagt worden, daß ~Priessnitz~ die meisten seiner großen
Entdeckungen nicht aus der Tiefe seines Geistes, sondern aus den
Beobachtungen und Reden seiner Kurgäste geschöpft habe“[637].
[Sidenote: _Ehrenberg_]
Ein Leipziger Arzt ~Ehrenberg~, der bei ~Priessnitz~ gewesen war,
erzählt: „Schon die Untersuchung, wie wohl ~Priessnitz~ darauf geleitet
sei, dem kalten Bade jene Einwicklung und Schweißerregung voraus gehen
zu lassen, war mir interessant und von Wert, da mir nicht unbekannt
war, daß die Wasseranwendung schon Jahre lang auch mit glänzendem
Erfolg von ~Priessnitz~ ausgeübt worden war, ohne die dem Bade
vorausgehende Schweißerregung für nötig zu erachten. Ich war denn auch
so glücklich auszumitteln, daß nur erst, nachdem ein Kranker, der gegen
seine Leiden früher einmal russische Dampfbäder gebraucht und dort die
Überzeugung gewonnen hatte, daß man ungefährdet den erhitzten, von
Schweiß triefenden Körper der Einwirkung des kalten Wassers aussetzen
könne, in Gräfenberg eines Morgens in vollem Schweiß erwachend,
sich ohne das Vertrocknen des Schweißes abzuwarten, dem kalten Bade
ausgesetzt hatte, man in Gräfenberg von der Ungefährlichkeit, von
der Möglichkeit des glücklichen Ausganges und bald sogar von der
Notwendigkeit dieser vorausgehenden Schweißerregung überzeugt war,
so daß in kurzem dieselbe zu einem wesentlichen Moment der Wasserkur
erhoben wurde, und jetzt streng genommen die Wasserkur ohne diese
Procedur kaum gedacht werden kann“[651].
[Sidenote: _Grafenfeld_]
~Ernst Grafenfeld~ sagt 1842 sogar: „So waren es kranke Gäste, die
sich in Gräfenberg zuerst eine Badewanne verfertigen ließen und in
kaltem Wasser zu baden wagten; kranke Gäste waren es, die, ermutigt
durch die Kenntnis des Gebrauchs eines russischen Dampfbades, zuerst
ihren schwitzenden Körper dem kalten Bade, ohne Furcht vor irgend
einem Nachteil, aussetzten; es waren kranke Gäste, die bei ihrem
Herumschlendern im Walde zuerst auf die glückliche Idee kamen,
einzelne, hier im Überflusse vorhandene Bergquellen durch eine
Rinne zu einem einzigen Wasserstrahl zu vereinigen, und sich der
Einwirkung dieses von einer gewissen Höhe herabströmenden Wasserstrahls
unterzogen; selbst die Verbesserung der grundlosen Wege, das Anlegen
notwendiger und zweckmäßiger Spaziergänge, die hölzernen Umkleidungen
des benannten, vereinigten Wasserstrahles oder der Douchen im Walde,
kurz Alles und Jedes verdankt seine Entstehung dem Nachdenken und der
Freigebigkeit der in Gräfenberg weilenden kranken Gäste“[636].
[Sidenote: _Munde_]
Der Wasserarzt ~Munde~ konnte 1840 zum Teil durch nahe Verwandte von
~Priessnitz~ über dessen Werdegang als Arzt folgendes erfahren:
[Sidenote: _und einem Anonymus über die Entstehung des Prießnitzschen
Heilverfahrens_]
„Ein reisender Hausirer kehrte eines Tages in dem kleinen Häuschen,
welches ~Priessnitz~ens Großvater auf dem Gräfenberge gebaut, ein.
Es war eben eine Kuh am Fuße mit der Sense verletzt worden und die
Nachricht davon kam herein, während der Handelsmann sich in der Stube
befand. „Ich will Euch Eure Kuh curiren“, sagte der Mann. „Gebt mir
ein Stückchen Holz.“ Man willfahrtete seinem Begehren. Er holte ein
Messer aus seiner Tasche und schnitt drei kleine Hölzchen ab, ließ
sich dann einen linnenen Hader und einen Krug mit Wasser geben und
ging hinaus auf das Feld, wo die Kuh sich befand[P]. „Vinzla“, sagte
der alte Vater zu ~Priessnitz~, „gieh ok un sieh, wie er’s macht.“ Und
~Priessnitz~ ging und sah.
Der Mann tauchte das Hölzchen in die Wunde, den Lappen in den
Wasserkrug, und verband erstere dann, nachdem er sie ausgewaschen
unter dem Hermurmeln einiger unverständlicher Worte. Hierauf schnitt
er von dem Lappen einen Zipfel ab, wickelte die Hölzchen hinein und
empfahl, das Verfahren täglich wenigstens drei Mal zu wiederholen;
besser wäre es, wenn es noch öfter geschähe. Die Hölzchen wurden dann
mit dem Läppchen auf den Ofen gelegt und mußten abdorren. Die Kuh wurde
bald hergestellt und als der Handelsmann wiederkam, kaufte man ihm das
Geheimnis, d.❆h. die Worte, welche er hermurmelte, für ein Geldstück ab.
[Sidenote: _Munde über Prießnitz und Schrott_]
Der junge ~Priessnitz~ fing sogleich an, zu curiren. Das Volk ist dort
abergläubisch; also wurde es ihm leicht in Kundschaft zu kommen, und
bei seiner großen Vorsicht (denn anfangs ließ er bloß Wasser trinken
und verordnete Waschungen) und den Heilkräften des kalten Wassers
fehlte es nicht an recht glücklichen Erfolgen. Man nannte ihn den
„Hölzladoctor“[Q].
Nach und nach wurde er auf die Idee gebracht, daß die „Hölzla“ eine
sehr überflüssige Sache bei den Kuren wären[R], und da er sich der
wohlthätigen Wirkungen der kalten Waschungen bewußt geworden war,
so schaffte er statt der Hölzchen einen Waschschwamm an, mit dem er
die kranken Stellen selbst abwusch, wobei er Sorge hatte, den Leuten
glaublich zu machen, daß die heilende Kraft in seinem Schwamme stecke,
woran diese gern glaubten, da es ihnen ein Greuel gewesen wäre, sich
auf eine natürliche und einfache Weise durch bloßes Wasserheilen zu
lassen. Man nannte ihn nun den „Schwambladoctor“.
Die Kundschaft des jungen Arztes vermehrte sich mit seinen Erfahrungen,
unter die der bekannte Rippenbruch gehört, den er selbst erlitt, den
aber die Freiwaldauer Ärzte auf eine ganz andere Art erzählen, als ich
ihn nach ~Priessnitz~ens eigener Mitteilung referiert habe[S]. Mit
seiner Kundschaft erwachte auch der Neid der Mediziner, welche sich so
lächerlich machten, das „Schwambla“ vor Gericht zu zerschneiden und
zu analysiren, um Heilstoffe darin zu entdecken und den ~Priessnitz~
als Pfuscher zu denunciren. Man weiß nicht recht, soll man bei diesem
Prozesse die Einfalt der gelehrten Herren oder die Klugheit des
ungelehrten Bauern mehr bewundern, welche diesem den Sieg über seine
Gegner verschaffte. Man intriguierte auf jede Weise gegen ihn, konnte
ihm aber nicht verbieten, den Leuten zum Abzuwaschen und Wassertrinken
zu raten ....
Der Schwamm war indessen zerschnitten, und ~Priessnitz~ hatte Ruf
genug, um desselben nicht mehr zu bedürfen. Er curierte nun mit
bloßem Wasser; doch wollte nun das Volk nicht mehr so recht daran.
Dagegen kamen Leute aus der Nachbarschaft und bald auch aus größeren
Entfernungen und brachten Geld mit. Die Cur bestand hauptsächlich
nur in Waschen, Trinken und Baden, neben einfacher Diät. Die Kranken
wohnten bei ~Priessnitz~ und schliefen zum Teil auf dem Heuboden.
Man genierte sich nicht. ~Priessnitz~ ging barfuß und setzte sich
in Hemdärmeln zu Tische. Sein freundliches und dienstfertiges Wesen
und seine nette Frau machten den Leuten den Aufenthalt in seinem
Hause angenehm. Er war übrigens damals noch nicht so streng in seinen
Grundsätzen, als er es späterhin wurde. Im Jahre 1829 war ein Bekannter
von mir aus Neisse bei ihm in der Cur, welcher als ein Lebemann den
Wein ungern entbehrte, obschon er ihm als Gichtkranken schädlich sein
mußte. Er ließ mit einem anderen Freunde zusammen ein Fäßchen Ungarwein
anschroten und, während die anderen ihre Milchsuppe verzehrten, saßen
die beiden mit ~Priessnitz~ zusammen im Keller beim Weinfasse und
frühstückten ein kräftiges Stück Fleisch. Er erinnerte sich noch mit
Vergnügen der Herzlichkeit des ~Priessnitz~schen Ehepaares und der
glücklichen Tage, die er bei ihnen zugebracht. — Ich glaube, jene
Zeit war auch für ~Priessnitz~ die glücklichste! — Dann klagte er
über ~Priessnitz~ens Undank gegen die Neisser, die ihn doch zuerst
in Ruf gebracht; wie er sie zurückweise, wenn sie nicht reich wären,
wie er seine alten Neisser Freunde kalt und frostig empfange, wie
ihn der Reichtum verderbe; denn er ließe alle Wochen eine Menge
Staatsschuldscheine in Neisse einkaufen .....
Es scheint, ~Priessnitz~ hält gern die Leute von seiner Anstalt fern,
welche ihn an die früheren Zeiten erinnern, oder von denen er fürchtet,
daß sie die Art, wie er nach und nach herausgewachsen, den Gästen
erzählen und dadurch den mühsam um sich gezogenen Nimbus zerstreuen
möchten. Daher seine Kälte gegen alle Freunde. Sie ist kein Beweis
eines guten Herzens!
Die Cur bildete sich nach und nach durch die Bemühungen der Kranken
selbst aus. Es ist leicht zu begreifen, daß eine Anzahl Kranker, der
Behandlung eines ungebildeten Bauern hingegeben, nicht blindlings
seinen Anordnungen folgt, sondern selbst denkt und verbessert, wo sich
nur Gelegenheit zeigt. So erfand man das Schwitzen vor dem Baden,
weil man bemerkte, das kalte Bad sei weniger unangenehm, wenn man es
mit feuchter Haut nehme. Die erste Douche war nichts anderes als ein
Stück Röhre, die im Walde liegen geblieben war und die man in den
über den Berg herabstürzenden Bach steckte, um sich das Wasser über
den Körper laufen zu lassen. +Jemand brachte des alten Schweidnitzer+
~Hahn~ +treffliche Schrift über den heilsamen Gebrauch des kalten
Wassers bei Krankheiten mit, und nun wurde alles durchprobiert, was
im+ ~Hahn~ +stand+. Und darin steht Viel und viel Gutes. Nach und nach
bildete sich die Wasserheilkunde zu einem System aus, und man muß
~Priessnitz~en nachsagen, daß er eine schätzenswerte Geschicklichkeit
bewies, alle die fremden gewagten Erfahrungen zu seinen eigenen zu
machen und zum Nutzen anderer anzuwenden.
Mehrere eclatante Curen machten Aufsehen. ~Priessnitz~ fand Gönner
unter den Leuten von Einfluß. Nach und nach strömten immer mehr und
immer reichere Kranke seiner Anstalt zu, die zu eröffnen ihm erlaubt
worden war. Einmal im Zuge, konnte es ihm nicht schwer werden, das zu
werden, was er ist.
[Sidenote: _Hahns Einfluß auf Prießnitz_]
Die von ~Priessnitz~ so sehr verachteten und verunglimpften Mediziner
haben übrigens das Ihre redlich zu seiner Ausbildung beigetragen.
Sobald ~Priessnitz~ ein wenig bekannt geworden, machten es sich
Mehrere, teils aus den nahe liegenden Ortschaften, teils aus dem
entfernteren Breslau und Berlin, zur Pflicht und zum Vergnügen, ihn
zu besuchen. Einige kamen auch, um die Cur bei ihm zu gebrauchen,
und machten, besonders Gichtkranke, die Erfahrung, daß in den Bergen
Schlesiens sich Heilmittel befanden, welche gegen mancherlei Übel
größere Wirkung zeigten, als die berühmtesten Specifica. Daß die Ärzte
zur Beseitigung von Mißbräuchen, zur Anwendung von manchem in der
medizinischen Praxis längst bekannten, wenn schon vernachlässigten
Hülfsmittel, zur Einführung einer einfachen Diät und überhaupt zur
Ausbildung der Methode und zur Belehrung ~Priessnitz~ens wesentlich
beitrugen, ist leicht zu begreifen. Mit dem herrlichen Buche des
alten ~Hahn~ in der Hand mußten sie in kurzer Zeit den ~Priessnitz~
zu Anwendung aller darin angegebenen Hülfsmittel bringen, ohne daß er
selbst genötigt war, das Buch zu studieren. Wer ~Hahn~ gelesen hat,
wird nur wenig von der Gräfenberger Methode darin vermissen: ich war
überrascht, als er mir nach Herausgabe meines Buches zum ersten Male
in die Hände fiel; es ist so viel Klarheit und Erfahrung darin, daß
man sich wundern muß, wie dieser Schatz unter dem Wuste medizinischer
Schriften fast ein Jahrhundert lang hat begraben bleiben können. So ist
es aber mit der Wahrheit: die Haarzopfperioden, welche von Zeit zu Zeit
das Menschengeschlecht verblenden, erdrücken sie oft. Ein Trost ist es,
daß sie immer wieder durchbricht.
[Sidenote: _Ansichten des Volkes zu Prießnitz’ Zeiten über
Wasseranwendungen_]
Aus dieser Relation ergiebt sich, daß diejenigen, welche ~Priessnitz~en
für inspirirt halten oder ihm allein die Erfindung der gesamten
Wasserheilkunst zuschreiben, im Irrtum sind. Ich möchte ihn fast mehr
als den Mittelpunkt betrachten, an welchem sich mehrere zufällige
und glückliche Umstände häuften, die er mit einer bewundernswürdigen
Klugheit und Ruhe festzuhalten wußte. +Geholt+ hat er sich den Schatz
seines ärztlichen Wissens nicht, wie es andere mit vieler Mühe und
großen Kosten thun; man hat ihm denselben +gebracht+, und er wußte
es so geschickt anzufangen, daß man ihm nicht nur sein Wissen,
sondern auch das Geld noch dazu brachte. Dazu gehörte seine seltene
Selbstbeherrschung und die unerschütterliche Ruhe, sein Scharfblick,
sein gutes Gedächtnis und so manche lobenswerte Eigenschaft, ohne
welche ein Mensch sich nie zu erheben vermag. ~Priessnitz~ würde unter
verschiedenen, aber gleich günstigen Umständen, vor Jahrhunderten
vielleicht ein Mahomet geworden sein, und so er Millionen um den
Dreizack gesammelt hat, vielleicht ganze Völkerschaften dem Vollmonde
oder irgend einem anderen Gestirn haben nachwandern lassen ....
[Sidenote: _Hahns Einfluß auf Örtel_]
Übrigens glaube man ja nicht, daß das System der Wasserheilkunst auf
dem Gräfenberge auf so unwandelbare Weise fest gestellt sei, daß nicht
zahlreiche und wichtige Veränderungen daran vorgenommen würden. So fest
steht ~Priessnitz~ens Wissen nicht, daß es nicht hin und wieder dem
Einflusse der Umstände wiche. Jedes Jahr beinahe zeigt Veränderungen
und Moden in der Curmethode. Im Jahr 1836 war das unmäßige Schwitzen an
der Tagesordnung; im Jahre 1840 mußten die nassen Tücher Alles thun,
und man schwitzte wenig“[647].
Selbst wenn keins der vorstehenden Zeugnisse vorläge, würde ich in
~Priessnitz~ nicht das Erfindergenie sehen, das man aus ihm heute
noch gern macht. Man hat vergessen, daß zu ~Priessnitz~’ Zeiten die
Duschen auch anderwärts eine gewaltige Höhe erreichten (Abb. 46), und
bewundert diese nur bei ~Priessnitz~ (Abb. 157). Das übertrieben lange
und wiederholte Baden in Gräfenberg bis zur Bildung eines Ausschlages,
der Krise — ich glaube, ich habe zur Genüge gezeigt, daß man ein
Ausschlagbaden als Ziel jeder Badekur betrachtete —, beweist nur,
daß ~Priessnitz~ ein echtes Kind seiner Zeit und seines Volkes war.
~Priessnitz~ wäre nicht mehr und nicht weniger aus dem Rahmen seiner
Heimat hervorgetreten als die übrigen zahlreichen Bauernärzte. Er hatte
unter diesen das Glück, einen Zweig der Volksmedizin auszuüben, der,
modern gesprochen, zur Zeit höchst aktuell war.
[Illustration: Abb. 157. ~Priessnitz~’ Walddusche in Gräfenberg. Aus:
~Kröber~, ~Priessnitz~ in Gräfenberg. Breslau, 1836.]
[Sidenote: _Örtel_]
In weiteren Kreisen machte der Ansbacher Gymnasialprofessor ~Örtel~
~Priessnitz~ bekannt. Er war zum Wasserheilverfahren durch das +Buch+
des jüngeren ~+Johann Siegemund Hahn+~ geführt worden, von dem ihm
1804 ein Exemplar in die Hände gefallen war. „Seit diesem glücklichen
Funde“, schreibt er, „suchte ich die darin enthaltenen Grundsätze und
Erfahrungen des alten ehrlichen, menschenfreundlichen, uneigennützigen
+Schweidnitzer Stadtarztes Dr. ~Hahn~+ an mir und den Meinigen so
wie an meinen Freunden und Bekannten in Ausübung zu bringen. Diese
und mehrere dergleichen Erfolge veranlaßten mich, die Heilsache des
frischen Wassers im Allg. Anz. öffentlich zur Sprache zu bringen und
so allmählich meine Erfahrungen in mehreren Aufsätzen mitzuteilen. Und
so entspann sich mir eine ausgebreitete Wasserkorrespondenz, welche
noch fortdauert. ... Im Jahre 1830 war ich der Erste, welcher die
im Jahre 1829 errichtete Wasserheilanstalt des ~Vincenz Priessnitz~
in Gräfenberg öffentlich bekannt machte. Denn die erste Kunde davon
gab mir im Jan. 1830[T] der Amtmann Knur in Kuchelna bei Ratibor in
Oberschlesien — durch ein freundschaftliches Schreiben, worin er mir
diese neue Anstalt und seine darin erhaltene Gesundheit beschrieb.
S. mein 3. Wasserheft. Seitdem posaunte ich diese Heilanstalt fast
in jedem meiner Wasserhefte aus ihrem Sudetenwinkel hervor und in
alle Welt hinaus und empfahl sie auch in einer eigenen Schrift unter
dem Titel „Vincenz Prießnitz“ (1834), worin ich einen Aufruf an alle
Regierungen Deutschlands zur Errichtung von Wasserheilanstalten
ergehen ließ. Außerdem wäre ~Priessnitz~ noch lange nicht so bekannt
geworden“[641].
[Sidenote: _Kröber / Künz über Prießnitz_]
Von ärztlicher Seite wurde zuerst durch einen Breslauer ~Kröber~ auf
~Priessnitz~ in einer diesen empfehlenden Schrift 1833 (2. Aufl. 1836)
aufmerksam gemacht[669], nachdem er zwei Monate auf dem Gräfenberge
zugebracht hatte. Eine Broschüre von Dr. ~Künz~ folgte, und von nun ab
hielten sich in Gräfenberg und Freiwaldau stets Ärzte, oft sechs bis
acht gleichzeitig auf[668], um bei ~Priessnitz~ zu beobachten. Wenn
trotzdem die Ärztewelt im allgemeinen sich in der Folgezeit ablehnend
dem ~Priessnitz~schen Verfahren gegenüber verhielt, so hatte dies in
der übertriebenen und der einseitigen Anwendung seinen Grund; denn
~Priessnitz~ lehrte, daß kaltes Wasser allein unter Ausschluß aller
anderen Heilmittel[U] und nur in den von ihm vorgeschriebenen Formen,
ja — so hoch stellte er seine Person und seine Anstalt — nur von ihm
persönlich verordnet und in Gräfenberg gebraucht wirke. Jede Anwendung
des Wassers außerhalb Gräfenbergs, wofür er nicht die Verordnung
gegeben, erklärte er für Pfuscherei [651. 647]. Er hielt sich allein
für fähig, zu bestimmen, ob Kranke für seine Kur geeignet und wie sie
zu behandeln seien, und doch ist so mancher Patient, den ~Priessnitz~
als ungeeignet von der Behandlung ausschloß, durch Wasseranwendung von
anderer Seite geheilt worden, und umgekehrt mancher, dem ~Priessnitz~
Besserung und Heilung versprach, wie er gekommen, vom Gräfenberge
gegangen. Nach ~Munde~ fielen auf zwölf aufgenommene Kranke elf
ungeheilt entlassene, und dabei wurden Schwerkranke überhaupt nicht
aufgenommen[647].
[Sidenote: _Prießnitz’ Verhältnis zu den Ärzten / Zulauf nach
Gräfenberg_]
Das Verhältnis zwischen ~Priessnitz~ und der Ärzteschaft wurde mit der
Zeit ein gespanntes und artete schließlich geradezu in Haß aus, wobei
leider häufig die Ärzte die Person von der Sache nicht zu trennen
wußten und mit ~Priessnitz~ sein Wasserheilverfahren verdammten.
~Priessnitz~ erklärte jeden Arzt für unfähig, weil er Arzt war,
Wasserheilkunde zu treiben. „Sie sind“, äußerte er zu Herrn von Kobbe,
„halt wie die Juden, wenn man sie auch zehn Mal tauft, sie werden doch
keine Christen“[636], und gegenüber einem anderen Patienten: „Kömmt
meine Anstalt nach meinem Tode in die Hände eines Doktors, so geht sie
zu Grunde“[634]. Den ärztlichen Untersuchungsmethoden, die ihm völlig
fremd waren, galt besonders sein Spott. Als er einst einen Kranken
mit „gestorbenem Hautsystem“ zugeschickt bekam, dessen Behandlung er
ablehnte, und ein anwesender Arzt unter Hinweis auf den noch guten
Puls des Patienten dennoch die Annahme empfahl, zeigte ~Priessnitz~
an Stelle einer Antwort nur einen Anflug von Spötteln im Gesicht. Am
folgenden Tage sagte er zu ~Rausse~ auf dessen Anfrage: „Puls! Was
kümmert’s mich, ob der Puls gut ist oder schlecht! — ich taxiere
meine Leute bloß nach den Augen und nach dem Rock“ (er meinte die
Haut)[V][638]. In welch grellem Gegensatze zu dieser stolzen Antwort
steht die Annahme von „Korrespondenz-Patienten“ durch ~Priessnitz~,
die sogar ~Rausse~, der Reformator der Wasserheilkunde (wie er
genannt wird)[639], der davon Nachricht gibt, in der Vorrede zur 2.
Auflage seiner Miszellen zur Gräfenberger Wasserkur nicht an und für
sich verurteilt, sondern nur wegen der möglichen falschen Auffassung
der Vorschriften beseitigt haben will[640], wo doch das Auge des
Wasserarztes den Rock des Patienten gar nicht zu sehen bekam!
Am meisten verletzte ~Priessnitz~ die Ärzte durch seine Lehre von der
Entstehung chronischer Krankheiten. Diese waren nach ihm durch die
Ärzte verschuldet, welche mit Medikamenten bei akuten Erkrankungen nur
einen „augenblicklichen Erfolg“ herbeiführten und die akute Krankheit
„zu schnell“ heilten, wodurch dauerndes Siechtum entstände[W][634].
Die echten Prießnitzianer, namentlich die recht zahlreichen mit
selbstverschuldeten Leiden, betrachteten sich deshalb als ein Opfer der
Ärzte, und selbst gebildete Leute verfolgten diese in Gräfenberg mit
ihrem Haß, wo und wie sie nur konnten.
~Priessnitz~’ Anstalt entwickelte sich ungemein schnell. Im Jahre 1829
hatte er 45 Patienten, im folgenden 54. 1833 bestellte er seine Felder
noch selbst. Schnell stieg die Zahl der Kurgäste, nämlich auf 62, 118,
206, 256, 342, 469, 570 jährlich; im Jahre 1840 betrug sie bereits
1576. „Die meisten waren aus Österreich, Ungarn und Polen, nur zwei
aus England. Im Jahre 1841 zählte ~Priessnitz~ unter seinen Patienten
zehn Fürsten und Fürstinnen, wenigstens hundert Grafen und Freiherren,
Militärs aller Grade, mehrere Ärzte und gegen fünfhundert Professoren
und Advocaten.“ Namentlich waren „große ungarische Fürsten und
Magnaten“ anwesend. Im Jahre 1843 behandelte ~Priessnitz~ in runder
Summe zweitausend Kranke, unter denen sich achtzig vom höchsten Adel
befanden[636].
[Sidenote: _Prießnitz’ Bedeutung für die Heilkunde_]
Man findet hier ein Publikum beisammen, wie es in früheren Zeiten
nur Luxusbäder ersten Ranges aufzuweisen hatten, ein Zeichen, daß in
der vornehmen Welt selbst das Bedürfnis nach Reformen vorhanden war.
Neben Baden und Mineralwassertrinken oder auch ohne diese galt bis
dahin vom Luxus- bis zum Bauernbad mit wenigen Ausnahmen die Losung
Vergnügen und Genießen. ~Priessnitz~ verlangte Entsagung und setzte
dafür eine vernünftige Beschäftigungstherapie bei derber Bauernkost
mit kalter Milch und gewöhnlichem Wasser als Getränk[X]. +War seine
Wasserbehandlung nicht die richtige, seine Diät nicht für alle
geeignet, eins steht fest, er schuf einen Kurort, in den der Gast nicht
halb als Kranker, halb als Vergnügen Suchender, sondern ganz seiner
Gesundheit lebte, und das hatte trotz aller Vorschläge kein Arzt vor
ihm praktisch zur Durchführung gebracht.+
Als 1839 die Freiwaldauer Kurgäste ein „Casino“ daselbst gründeten,
war ~Priessnitz~ gar nicht damit zufrieden, da, wie er sagte, die
Leute dort äßen, tränken, läsen und spielten und darüber die Kur
versäumten[636]. Trotz aller Klagen der Kurgäste, trotz aller Mahnungen
seiner Schüler ~Munde~ und ~Rausse~ war ~Priessnitz~ nicht zu bewegen,
seine Diät zu ändern. Er wußte, daß in Bauernkost und Fernhaltung jedes
Luxus die Stärke seiner Anstalt lag.
[Sidenote: _Fortschritte der Balneologie und Hydrotherapie / Spengler_]
Unstreitig wurde die schon im Werden begriffene Reformation der Kur-
und Badeorte durch das Auftreten von ~Priessnitz~ in hohem Grade
beschleunigt. Der Wettbewerb mit den Wasserheilanstalten nötigte sie
mehr als je zur Rücksichtsnahme auf wirklich Kranke, wollten sie
nicht ganz zu Vergnügungsorten herabsinken. Aus den Badeärzten wurden
wissenschaftlich denkende Ärzte. „Es ist doch ein wahrer Jammer“,
sagt ~Spengler~ noch 1854, „wie es bis jetzt zugegangen: Badeorte
kommen in und aus der Mode, wie Leibröcke und Damenhüte. Ein Bad, das
vor wenig Jahren noch ein großes Renomee hatte, ist jetzt vergessen;
neue, früher fast gar nicht benutzt gewesene Badeorte kommen dagegen
in Gunst; andere werden bloße Vergnügungsörter. Sieht das nicht
aus, als ob das Ganze ein bloßes Spiel sei!? Soll es wirklich so
bleiben, daß Ärzte und ein großes Publikum lediglich der Gunst des
Augenblicks und der Mode huldigend in einem Lustrum hiehin, in einem
andern dorthin vorzugsweise getrieben werden? Der Mangel aller festen
Anschauungen über die eigentlichen Indikationen für die einzelnen
Heilquellen; das Herumtappen der Ärzte in Benutzung derselben; das
fortwährende Umherreisen und sich Empfehlen der Brunnenärzte gleicht
den mit Proben ihrer Ware herumreisenden Commis-Voyageurs; das
fortwährende Coquettiren mit Abfassung immer neuer Badeschriften
über hundertmal dagewesene Dinge, bloß als Empfehlungskarte — ist
wahrhaft unerträglich und der Nachtheil für die Bäder sicherlich kein
geringer! Es ist zu fürchten, daß der Schwindel unsere herrlichen
Quellen, diesem großen Heilschatze, immer mehr in Verruf bringe. ...
Das Feld der Balneologie war bisher zu sehr der Charlatanerie und
Oberflächlichkeit überlassen, aber es verdient doch wahrlich, wie kaum
ein andres, auf eine würdige Weise bearbeitet zu werden, damit es
ferner nicht länger den practischen Arzt ungläubig mache; es muß auch
den Nichtbalneologen befriedigen, wenn nur die Thatsachen +nüchtern+
und +wahr+ niedergeschrieben werden.“ Privatunterhandlungen auf der
Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte zu Göttingen im Herbst
1854 führten zur Bildung einer deutschen hydrologischen Gesellschaft
zu gemeinschaftlicher Förderung der Balneologie und zur Gründung der
balneologischen Zeitung. „+Ehrlichkeit+“, sagt ~Spengler~ im ersten
Bande derselben, „und ganz besonders +Wahrheitsliebe+ sollen für unser
Blatt die Druckerschwärze liefern, und alles Entgegengesetzte soll mit
unbarmherzigen Händen Preis gegeben werden. Sie soll das allen Brunnen
+Gemeinschaftliche+ faßlich, aufrichtig, wahr bringen, und immer wieder
darauf verweisen. Durch die +Association+ der deutschen Kräfte muß
ein gemeinsamer Weg der Forschung in diesem Gebiete der Arzneiwirkung
angebahnt, und so die +Balneologie+ in die Reihe der +exacten
Wissenschaften+ eingeführt werden, die dann gewiß etwas Nützliches
leisten wird“[646].
[Sidenote: _Currie / Winternitz / Matthes_]
Die Hydrotherapie hielt gleichen Schritt. ~Currie~ bestimmte schon
gegen Ende des 18. Jahrhunderts mit dem Thermometer den Einfluß der
kalten Übergießungen auf den Körper Fiebernder[649] und schuf somit den
Anfang für eine wissenschaftliche Grundlage der Hydrotherapie. Langsam
wurde, namentlich auf dem Gebiete der fieberhaften Erkrankungen,
am Ausbau weiter gearbeitet, bis ~Wilhelm Winternitz~[648] in Wien
unter Berücksichtigung älterer Forschungen und mit zahlreichen neuen
Untersuchungen der gesamten Hydrotherapie die wissenschaftliche
Grundlage gab. Aus der einseitigen Kaltwasserbehandlung war
mittlerweile eine Wasserbehandlung geworden. ~Winternitz~ trat scharf
für seine Wissenschaft ein und erhielt als erster auf deutschem
Boden zu Wien eine Professur für Wasserheilkunde. Es darf jedoch
nicht verschwiegen werden, daß im großen und ganzen sich die Klinik
der Hydrotherapie gegenüber ablehnend verhielt. Wohl wurden die
Kaltwasserbehandlung der fieberhaften Erkrankungen eifrig gepflegt
und einzelne Prozeduren sonst noch angewandt, die systematische
Wasserkur chronischer Krankheiten verblieb aber lange Zeit den
Wasserheilanstalten und wurde erst in den letzten Jahren Gemeingut
einzelner Kliniken. ~Winternitz~ hat sich auch hier ein bleibendes
Verdienst erworben. Vielleicht war das Allzuviel seiner Schule noch ein
Hindernis der Einführung. Eine vollständige Aussöhnung zwischen Klinik
und Wasserheilkunde brachte erst ~Max Matthes~ in Jena, der erste
Kliniker und Nichtspezialist, im Jahre 1900 durch die Herausgabe seines
Lehrbuches der klinischen Hydrotherapie[161] zustande.
[Sidenote: _Heilige Brunnen / Floyer / Hahn / Prießnitz / Winternitz_]
Schauen wir noch einmal auf den Entwicklungsgang der Wasserheilkunde
zurück. Uralte, dem germanischen Heidentum entstammende Volksgebräuche
bilden für Deutschland den Ausgang. Ihrem Aussterben nahe, werden
sie von Ärzten aufgenommen, von denen das, was einst als Glaube, nun
als Aberglaube im Vordergrunde stand, allmählich zurückgedrängt und
schließlich — von manchen von vornherein — gänzlich fallen gelassen
wird. Die Namen ~Floyer~, ~Hahn~, ~Priessnitz~, ~Winterlitz~ tragen
die Hauptglieder der ununterbrochenen Kette vom einsamen heiligen
Brunnen bis zum heutigen hydrotherapeutisch glänzend eingerichteten
Krankenhause.
[Illustration: Abb. 158. Schlußkupfer aus: ~David Hess~, Die
Badenfahrt. Zürich, 1818.]
[A] Die Mäßigkeitsbewegung scheint im 17. Jahrhundert größere
Ausdehnung gewonnen zu haben. 1616 klagten die Landleute im
württembergischen Amte Haidenheim einen Bäcker und Bierwirt
zu Oberbabingen an, daß er aus Dinkel, Roggen und anderen
Getreidearten Branntwein brenne, wodurch Gottes Gabe mißbraucht
und verkehrt und aus Speise Trank gemacht werde. Auch würde den
Leuten dadurch zu übermäßigem Zechen Ursache und, indem man
diesen Branntwein mit anderem guten Wein mische, auch Anlaß zu
Betrügereien gegeben (Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte,
Jahrg. 1856). Über die ältesten Mäßigkeitsvereine, insbesondere
von der Christophs-Gesellschaft, siehe ebenda. Das unmäßige Zechen
der vorhergehenden Zeit hatte, wie es scheint, recht häufig
unangenehme Nachwirkungen; denn die Folgen der Alkoholpolyneuritis
und ihr Zusammenhang mit dem Trinken waren sehr gut bekannt. Nach
~Paracelsus~ heilte Pfäfers die Kontrakturen der Glieder, die vom
Wein entstanden[21], und ~Stumpf~ schreibt von Worms (Bormio): „An
disem ort ist ein warm Bad, von natur, gantz krefftig, vnnd gůt für
vilerley geprästen, besonder des haupts, auch den erlameten glideren
dienstlich: vnd deßhalb den Etschleüten, vnd gůten zächbrüdern (die
sich bey weylen an dem starcken Etschweyn abtrinckend, vnnd daran
gar contract werdend) gar wol gelegen vnd gantz gebreüchig“[9]. Nach
~Martin Ruland~ heilte das Trinken von gewöhnlichem kalten Wasser das
„Zittern vom Wein“[400].
[B] Am meisten litten die württembergischen Bäder[154]. Wiesbaden
wurde entvölkert. Man erpreßte Geld von den Badegästen. 1623 war
Tilly dort[70]. Auch die badischen und elsäßischen Bäder wurden
schwer heimgesucht[61]. Baden in der Schweiz aber brachte der Krieg
goldene Tage. So wohnten in den Wirtshäusern der Stadt vom 27.
Januar bis 27. Februar 1644 zweitausendeinhundertfünfundvierzig
Personen[38].
[C] Die Amusements hatten einen Vorläufer in ~Mich. Caspar
Lundorf~s Wißbadischem Wiesen-Brünnlein von 1610, das weiter
nichts als „schlechte Histörgen“ enthielt, die den Kurgästen zum
Zeitvertreib dienen sollten[433]. Dem „unschuldigen“ Zeitvertreib im
Karlsbad dienten angeblich als Quellen ~Abraham a Santa Clara~ und
französische, italienische und holländische Literatur[463].
[D] Die hier folgenden Angaben fußen auf Schilderungen
der verschiedenen „Amusements“, den Zeitungen und den
Brunnentaschenbüchern der Zeit; namentlich kommt das Journal des
Luxus und der Moden[165] in Betracht.
[E] Die Bedeutung eines an- oder abwesenden Hofes für die
Mineralbäder zeigt am besten das Schicksal der Quelle von Imnau im
Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen. 1822 schreibt ~Wetzler~ darüber:
„Vor etlichen und zwanzig Jahren ließ der damalige Fürst Anton ein
großes und schönes Badehaus aufführen und kam alle Jahr im Sommer
dahin. Der Hof, das Spiel zog viele Gäste herbei. Der Hof blieb weg,
und die Gäste, die derselbe, sowie das Spiel angezogen, blieben auch
weg, so daß der Brunnen die letzten Jahre sehr wenig besucht ward,
und das Bad, das an oder gar über die hunderttausend Gulden gekostet
haben soll, vor einem Jahre, dem Vernehmen nach, mit 15000 fl.
verkauft wurde“[370].
[F] Das Entweichen der Kohlensäure beim Kochen der Säuerlinge war
schon ~Bolmann~, einem Arzte in Hameln, aufgefallen, der 1682 ein
Werk über Pyrmont verfaßte. In jungen Jahren hatte er 1628 den im
Dreißigjährigen Kriege berühmt gewordenen Grafen von Pappenheim
nach Lüdge begleitet. Dieser gebrauchte dort den heiligen Brunnen
von Pyrmont zum Baden, und ~Bolmann~ machte die Erfahrung, daß beim
Erwärmen des Wassers im Kessel „alle Spiritus, darin die Kräffte
stecken evanesciren, sich verlieren und ausrauchen“. Er schlug
einen Modus — wie er glaubte einen neuen, den er erfunden — vor
und „practicirte“ ihn auch, nämlich bei zugedeckter Badewanne
glühend gemachte große Kieselsteine, Kugeln oder Schmiedeschlacken
vermittelst eiserner Kellen durch ein Loch des Deckels in das Wasser
zu werfen und dies dadurch zu erwärmen[392].
[G] Es ist demnach die Angabe, ein englischer Arzt ~Abernetzy~ habe
1793 das Luftbad zuerst zur Sprache gebracht[662], falsch.
[H] ~Döbereiner~ glaubte auf Grund dieser Ausführungen, daß die
natürlich schwarzen Menschen von der Sonne mehr +Wärme+ als Licht
erhielten und sie vielleicht daher mit weniger Geisteskräften begabt
seien als die Weißen, bei denen die Sonne mehr als +Licht+ wirke.
Es wäre nicht uninteressant, einen eventuellen Unterschied in der
Wirkung unserer modernen Lichttherapie bei verschiedenfarbigen
Menschen festzustellen. Aus ~Döbereiner~s Schrift hebe ich noch
hervor, daß von der künstlichen Wärme die am freien flammenden Feuer,
die strahlende, die beste ist, die man durch metallene Hohlspiegel
nach jeder Richtung bequem und besonders leicht an die kranken Teile
des im Bett liegenden Patienten leiten kann.
[I] Ähnliche Preisausschreiben erließen die Akademien zu Dijon und
Bordeaux im Jahre 1756 bezw. 1765[416].
[J] Der alte ~Hahn~ war der erste, der ~Luther~s Worte: „Wasser
thut’s freilich nicht“ in „Wasser thut’s freilich! Nicht?“
umwandelte[671], was später von Laienwasserärzten, ~Rausse~ und
Pfarrer ~Kneipp~, wiederholt wurde.
[K] ~Hirschel~ gibt folgende Auflagen an, die erste von 1738, die
zweite von 1743, die dritte von 1754 (ist wohl Druckfehler für
1745), die vierte von 1754, die 1770 mit neuem Titelblatt, also als
unveränderter Abdruck, erschien[622]. Ich kenne die „2.“ Auflage
von 1745, die von ~Hirschel~ nicht erwähnte „3.“ von 1749 und
die „4.“ von 1754. Da nun ~Hahn~ in der Vorrede zur sogenannten
zweiten Auflage von 1745 selbst angibt, das Buch sei 1738 zum
ersten Male herausgegeben, 1743 abermals und durch Zusätze vermehrt
worden, und nun wage sein Verleger die dritte Auflage, so ist die
Bezeichnuug zweite Auflage auf dem Titelblatte falsch. Das Buch
erschien also 1738, 1743, 1745, 1749, 1754 und 1770, hatte demnach
eine ungemeine Verbreitung gefunden. Die Züricher Bibliotheken
enthalten fünf Exemplare, von denen drei die medizinisch-chirurgische
Bibliothekgesellschaft besitzt. 1833 gab ~Örtel~ eine unveränderte
„5.“ und 1834 eine von ihm völlig umgearbeitete Auflage heraus[622].
In neuester Zeit ließ ~Winternitz~ das Buch wieder erscheinen.
[L] Darum sagt ~Hahn~ auch: „Das Baden der Krancken geschieht
entweder in hitzigen oder langwierigen Kranckheiten. In hitzigen zwar
läst es sich, wenn die Patienten allzu schwach werden, daß sie in
der Wanne nicht ausdauren können, nicht allemahl thun, und man kan
auch dabey schon mit dem bloßen Waschen zurechte kommen; doch wenn
dergleichen Leute das Baden vertragen können, so läßt man sie nicht
eben so lange darinnen, aber man kan es desto öffters wiederholen,
doch nicht länger, als bis man aus dem Pulß und der Empfindung des
Patienten selbst gewahr wird, daß die größte Hitze gedämpft sey,
und dabey beobachtet man eben keine Zeit auch sonst keine besondere
Diät.“ Bei chronischen Krankheiten war ~Hahn~ weniger ängstlich, so
riet er sogar einmal einer mit „gemeiner Krätze“ „durch den gantzen
Leib schändlich damit behaffteten“ Frau, etliche Tage in einer Wanne
zuzubringen und gar darinnen zu essen und zu schlafen. „Da ihr aber
solches allzu beschwerlich und ihre Profession ihr daran hinderlich
war, so wusch sie sich nur oft den Tag über, und des Nachts wickelte
sie sich gantz bloß in nasse Tücher, und in kurtzem wurde sie
gantz rein.“ Diese schroffe Verordnung ~Hahn~s gehört aber zu den
Ausnahmen. Ich möchte das deswegen hervorheben, weil man hin und
wieder liest, ~Hahn~ habe Menschen mit wahren Pferdekuren behandelt,
und deswegen soll durch ihn die Kaltwasserbehandlung nicht populär
geworden sein. Im Gegenteil, ~Hahn~ individualisierte schon, wie
wir bei der Behandlung von Infektionskrankheiten sahen. Fälle, bei
denen Bekannte von ihm bei rauher Luft anfangs Herbst unter freiem
Himmel ellenhoch kaltes Wasser Armsdick auf sich schießen ließen,
sich bei heftigem Leibschneiden nackend aufs freie Feld legten, als
die Erde schon gefroren war, und den Leib mit Eis bedeckten oder in
einer großen Badewanne mit eiskaltem Brunnenwasser, bis sie „ziemlich
gefrohren und verblaut“ zubrachten, rechnet ~Hahn~ zu den „Excessen
mit gantz kaltem Baden“. Obwohl er hinzufügt, daß die Betreffenden
keinen Schaden genommen hätten, sagt er doch: „Ich mag eben nicht
allen und jeden rathen es nach zu thun.“
[M] Den Ausdruck Beschwörungen halte ich nicht für richtig, es
handelt sich um das sog. Segnen. In schweizerischen Verboten findet
sich der Ausdruck Lachsnen. Man besprach wohl Krankheiten als etwas
vom Bösen Zugefügtes. Es ist aber sinnwidrig, ein Heilmittel zu
besprechen, bezw. zu beschwören.
[N] Diese Auffassung finden wir bei ~Priessnitz~ wieder.
„~Priessnitz~ erkannte oder ahnte in einem gewissen hydriatischen
Instinct, daß, wenn die chronischen Krankheiten in der Wasserkur sich
zur acuten Form gestalten, eben dadurch die Heilung vom Organismus
erstrebt wird, und in den meisten Fällen nur dadurch erreicht werden
kann“, schreibt ~Rausse~[637].
[O] Es ist noch anzuführen, daß das sogenannte ableitende Verfahren
den Ärzten nicht unbekannt war. ~Floyer~ erwähnt, es sei eine
mehrmals versuchte Erfahrung der Weiber, daß sie bei Blutstürzen der
Gebärmutter ihre Füße in kaltes Wasser setzen[96]. ~Dauter~ spricht
von einer Anwendung des kalten Wassers auf andere entfernte Teile,
damit es „vermöge der Mitleidenschaft“ auf den Krankheitssitz selbst
wirke, beim Nasenbluten z.❆B. leiste es, nicht nur auf die Nase
selbst, sondern auch auf den Hodensack geschlagen, gute Dienste[658].
[P] Eine etwas andere Schilderung gibt 1845 ein Anonymus: „Durch
einen Handelsmann aus der Nachbarschaft (Ludwigsthal), welcher in
~Priessnitz~ens elterlichem Hause einkehrte und, wenn er sich bei
seinem Hantieren mit Eisen- und Drahtwaren an Händen und Füßen oft
verwundet hatte, nur dadurch, daß er die Verletzung mit kaltem
Wasser abwusch und dann mit einem in frisches Wasser getauchten
Lappen umwickelte, bald völlig heilte, war die Aufmerksamkeit
von Gräfenberger und anderen Landleuten, die sich verwundet oder
gequetscht hatten, auf ihn gelenkt worden, und so natürlicherweise
auch die immer rege Aufmerksamkeit des jungen ~Priessnitz~,
welcher, als Altersschwäche den unter den Landleuten berühmten
Wunder-Wasserdoktor ferner zu curiren hinderte, nun selbst, nach
vollbrachter Feldarbeit, bei sich an ihn wendenden Leidenden dessen
Kunst glücklich ausübte. Sie beschränkte sich damals nur darauf,
daß er die leidenden Teile mit einem runden Schwamme, welchen er
stets bei sich trug, wusch, weswegen ihm von diesen Leuten der Name
„Schwammeldoctor“ beigelegt wurde[636].
[Q] ~Munde~ schreibt von ~Schrott~, dem Begründer der ~Schrott~schen
Kur, der in Lindewiese bei Gräfenberg praktizierte: „Er erzählte uns,
daß er auf seine Methode durch einen reisenden Handwerksburschen
gekommen sei, den er einst auf seinem Wagen eine Strecke mitgenommen
und der ihm geraten habe, seine gichtisch geschwollenen Kniegelenke
mit frischem Wasser täglich einige Mal zu waschen und zwar mit einem
Läppchen, in welches er ein mit seinem Blute beflecktes Hölzchen
zu wickeln hätte. Das Waschen half, der Lappen verfaulte, und
~Schrott~ nahm nun einen andern Lappen ohne Hölzchen, was bei ihm
und anderen dieselben Dienste that. Durch das Anraten seines Mittels
hatte er einen gewissen Ruf bekommen und, so wie ~Priessnitz~, eine
oberflächliche Idee von verschiedenen Krankheiten sich angeeignet,
welche ihm bei seinen Verordnungen von Nutzen war. Ein guter Kopf
und praktische Lebensklugheit hatten ihm gelehrt, daß die Leute
sich besser halten und eine Kur besser brauchen, wenn sie sie
nicht verstehen und etwas Ungewöhnliches, ihnen Unbegreifliches
dabei vorkommt. Er magnetisierte also das Wasser, welches er zu
seinen Waschungen und zum Trinken benutzen ließ, fügte späterhin
das Schwitzen in nassen Tüchern hinzu ..., setzte jedoch, und zwar
mit Recht, einen vorzüglichen Wert auf eine strenge Diät.“ Das
Magnetisieren des Wassers durch ~Schrott~ war natürlich weiter nichts
als das alte Segnen unter einem zur Zeit besser ziehenden Namen.
~Schrott~ stillte auch Blutungen durch Magnetisieren, nach alter
Weise ausgedrückt, er besprach oder segnete das Blut. Die Wundsegen
reichen bis in heidnische Vorzeit zurück.
[R] Ganz frei von Aberglauben war aber ~Priessnitz~ auch in späterer
Zeit nicht. Als bei einer polnischen Gräfin trotz (wie ~Munde~ sagt,
wegen) seiner Behandlungsweise ein Krebs aufbrach und ihre Familie
untröstlich wurde, der Mann der Kranken ~Priessnitz~ Vorwürfe machte,
daß die Krankheit unter seiner Behandlung einen so üblen Ausgang
genommen, entschuldigte sich dieser damit, „es sei ein Hexenschuß,
dafür könne er nicht“. ~Munde~ bemerkt, daß Hexenschuß in Schlesien
zur Zeit ein Behextsein der Kühe bedeute.
[S] ~Selinger~ sagt in seinem nach ~Priessnitz~’ Angaben verfertigten
Werke: „Um jene Zeit lebten im schlesischen Gesenke mehrere Männer
unter dem Volke, die wegen glücklich bewirkter Kuren häufig genannt
wurden. Einer derselben heilte verschiedene Krankheiten mit Kräutern,
ein anderer kurierte Beinbrüche, ein dritter Rippenbrüche. Gebrochene
Rippen wieder einzurichten verstand mit besonderer Geschicklichkeit
der Müllermeister im Dorfe Sandhübel, der daher auch weit und
breit bekannt und häufig gesucht war.“ Als ~Priessnitz~ (im 17.
Lebensjahre) von einem Wagen überfahren worden war, da „erinnerte er
sich (nach Fehlschlagen der Kur des Freiwaldauer Wundarztes) der Art
und Weise, wie der bereits verstorbene Müller in Sandhübel gebrochene
Rippen einzurichten pflegte. Er nahm nun einen eichenen Sessel, legte
den Unterleib auf die Ecke desselben, hielt den Atem an und drückte
den Bauch so lange in die Höhe, bis die eingedrückten und gebrochenen
Rippen in ihre natürliche Lage hervorgehoben waren. Nachdem er dies
glücklich zu Stande gebracht, fiel ihm ein, daß sich das kalte Wasser
an ihm selbst und an Andern bei verschiedenen Gelegenheiten sehr
wohltätig erwiesen habe, und er beschloß daher, das kalte Wasser
auch in diesem Falle als Heilmittel zu versuchen. Er machte sich nun
kalte Umschläge um den Leib, worauf die wütenden Schmerzen nachließen
und er in einen langen, ruhigen Schlaf verfiel“. Die Umschläge
wurden fortgesetzt, dabei fleißig kaltes Wasser getrunken, und kein
Wundfieber trat ein. ~Priessnitz~ trug noch ein Jahr lang Umschläge
um den Leib und fühlte sich dann hergestellt[634].
[T] ~Örtel~s allerneueste Wasserkuren begannen schon 1829 zu
erscheinen[622].
[U] Ich muß hier jedoch an zwei Stellen aus ~Munde~s Memoiren
erinnern: „Die Frau Doctor Rupprecht und die Gräfin Potocka
starben beide am Schlage nach dem Bade. Bei ersterer sollte nach
~Priessnitz~ens Urteil ein Aderlaß am Fuße Schuld sein, welchen
ihr der schnell herbeigeholte Arzt gemacht hatte. Der zweiten
+verordnete+ ~Priessnitz~ +selbst eine Blutentlassung+, ohne daß er
sie zu retten vermochte.“ Eine ältere Dame starb in Gräfenberg an
einem eingeklemmten Bruch. ~Munde~ nennt sie das Opfer des ärztlichen
Egoismus, weil ein anwesender Arzt als Ausländer keine Operation
wagen wollte, deren Ausgang zweifelhaft war, und ~Priessnitz~? Der
wollte sich mit dem eingeklemmten Bruche nicht befassen. So ließ man
die Dame sterben[647].
[V] ~Rüsch~ rechnet 1825 (als ~Priessnitz~ noch keine kalten Bäder
verabreichte[668]) Untätigkeit, Sprödigkeit, Dichtigkeit, Risse der
Haut zu den „Umständen, welche zu einem unglücklichen Erfolg des
kalten Bades geneigt machen“[88]. ~Hufeland~ sagt 1804: „Die Haut ist
der Sitz der beständigen Ausdünstung, des größten Reinigungsmittels
unsrer Säfte.“ „Keine Krankheit kann ohne Mitwirkung der Haut kuriert
werden, und ihre Beschaffenheit bestimmt am sichersten unsre Hoffnung
und die Gefahr“[667].
[W] ~Priessnitz~ selbst mußte später von seiten seines Schülers
~Rausse~ über sich den Vorwurf ergehen lassen, er habe durch falsche
Wasseranwendung bei akuten Erkrankungen nicht nur Todesfälle, sondern
auch chronische Übel verschuldet. ~Priessnitz~’ eigene Tochter
leide seit einer Lungenentzündung an Herzklopfen, er habe durch
verkehrte Wasseranwendung die Lungenentzündung nicht geheilt, sondern
unterdrückt. Bei ~Rausse~s „richtiger“ Behandlung darf nämlich kein
Todesfall oder eine Nachkrankheit vorkommen[637].
[X] Ich muß allerdings bemerken, daß in dem in bezug auf Diät
heute noch mustergültigen Karlsbad schon 1795 eine ausdrückliche
Küchenvorschrift für die Speisewirte vorhanden war[370], und
~Justinus Kerner~ schreibt 1832, daß zu Karlsbad und auch zu
Marienbad schon längst den Speisewirten eine Küchenvorschrift erteilt
sei, von der sie trotz allen Geschreies leckerer Mäuler bei Verlust
ihrer Privilegien nicht abgehen dürften[325].
[Illustration: Abb. 159. Leiste aus: De Balneis Venetiis (Venedig) apud
Juntas. 1553.]
NACHTRAG
[Sidenote: _Baden im 8. Jahrhundert_]
Für die Häufigkeit des Badens in Deutschland im 8. Jahrhundert spricht
vielleicht ein Vermerk in zwei +altdeutsch+ geschriebenen Rezepten der
Baseler Universitätsbibliothek, die aus jener Zeit stammen. Während
des Gebrauchs der dort aufgeführten Gewürze soll nicht gewaschen und
gebadet werden: „ni in demo ni duuahe: ni in demo ni pado“[695].
[Sidenote: _Johannisbäder_]
Die Johannisbäder wurden im Württembergischen nicht nur 1591 und 1602
(S. 20) verboten, sondern auch am 19. August 1639 und nochmals am 14.
Mai 1666 zusammen mit dem Johannifeuer[291].
[Sidenote: _Wiener Badeverhältnisse_]
Weswegen die Ankündigung der ~Ferro~schen Badeanstalt in Wien von
den kaiserlichen Leibärzten ~van Swieten~ und ~Störk~ angegriffen
wurde (S. 47), ist nicht recht klar; denn ~Ferro~ selbst schreibt,
die medizinische Fakultät habe über die Errichtung seiner Anstalt
den vorteilhaftesten Bericht abgegeben. „Es ist“, schrieb sie unter
anderem, „durch Erfahrungen bestätigt, daß in sehr vielen kränklichen
Umständen die kalten Bäder großen Nutzen schaffen und oft solche Kranke
vollkommen herstellen, die lange Zeit andere Mittel fruchtlos gebraucht
haben“[135].
[Sidenote: _Agnes Bernauerin_]
Die S. 52 angeführte, seit 1839 bestehende militärische Schwimmschule
in Graz war nicht die erste derartige Anstalt in Österreich, sondern
die 1812 errichtete k. k. Militär-Schwimmschule im Fahnenstangenwasser
im Prater zu Wien, wo auch Zivilpersonen auf Wunsch gegen mäßige
Vergütung Unterricht im Schwimmen erhielten und nach dem Erlernen
baden durften. Unmittelbar daran errichtete 1838 der Schwimmeister
das „Fahnenstangenbad“, abgesondert für Geschlechter, als eigene
Unternehmung, mit den nötigen Bequemlichkeiten. Im Kaiserwasser, links
von der kleinen Taborbrücke, bestand seit 1830 die „Damenschwimmschule“
mit Abteilungen auch für Männer unter dem Namen „Ferdinand- und
Maria-Annabad“. Bemerkt sei noch, daß 1810 die Freibäder in der Donau
an Plätzen entstanden, die der Sicherheit wegen durch Pfähle mit
Stricklinien abgesteckt wurden[636].
Die S. 67 erwähnte Baderstochter von Augsburg, die Herzog Albrecht III.
von Bayern 1432 heiratete, ist die bekannte Agnes Bernauer, die auf
Betreiben von Albrechts Vater, Herzog Ernst, 1432 zum Tode verurteilt
und zu Straubing in der Donau ertränkt wurde.
[Sidenote: _Züricher Kalender_]
Der S. 76 angeführte Züricher Kalender von 1585 ist der durch Kaspar
Wolff gestellte und von Froschauer gedruckte[696].
[Sidenote: _Schröpfen im Bad_]
Im Gegensatz zu anderen Schriftstellern (S. 81) sagt ~Pyrmontanus~
1597: „Aderlassen oder Schrepffen soll man bey höchster gefahr
vermeiden, die jnsonderheit baden wollen“[56]. Gemeint ist das
Baden im Wasser von Pyrmont. Von ~Marius~ erfahren wir 1601, daß
eine alte Gewohnheit beim Schröpfen war, am Ende mit kaltem Wasser
abzukühlen[485].
Die Rolle der „Badstover“ zu Lübeck, die der Handschrift nach
Mitte des 14. Jahrhunderts aufgeschrieben wurde, enthält neben
Zunftangelegenheiten folgende das Badeleben betreffende Stellen: „Ok
so en mach nyn sulves here mannes baden laten des avendes na des dat
de vrouwen gebadet hebben by dren marken sulvers na vnser heren gnade,
yd en weren vnse heren edder junckheren van der stad vnde erlike
borgere ane vrowen to badende (siehe S. 86 u. 87). Ok so en schal nyn
knecht de ene mit deme andern in den stoven spelen, de wile dar lude
baden, by eneme halven punde.“ Das Amt der Bader bestand 1806 noch
aus vier Personen und wurde im gleichen Jahre mit dem der Barbiere
vereinigt[689].
[Sidenote: _Sittlichkeit_]
Die in den Badestuben (S. 91) und Mineralbädern bestehenden Mißbräuche
gingen auch auf die Flußbadeanstalten über. ~Zwierlein~ schreibt 1803:
„Pfiffige Wirte waren hierbei nicht müßig und machten Speculation auf
die Beutel der Badegäste; sie veranstalteten Bälle, halten anlockende,
reizende Mädchen, haben Erfrischungen aller Art, Getränke und Speisen
in Bereitschaft, um ihre Badegäste zu laben und zu ermuntern und
solchen immer mehr Lust zu dem angenehmen Badegeschäft zu machen, zumal
jungen Personen; es wird geschmauset, gespielt, gelärmt, geschwärmt und
getanzt bis tief in die Nacht, und so endigt sich in vielen Städten
bei den Badeanstalten auf den Flüssen fast jeder Tag .... Andere
bleiben dann abends, durch Gesellschaft beredet, im Badehause oder auf
dem Badschiffe beim Souppee, schwärmen, spielen, tanzen und schaden
sich mehr, als sie durch das Bad gut gemacht haben, in welchen Fehler
Jünglinge und andere lustige Brüder gern verfallen. In einer Stadt
wurden die Ausschweifungen unter den Badgästen so auffallend, daß
sich die Geistlichkeit darein mischte und es dahin brachte, daß die
Badeanstalt aufgehoben wurde“[157]. Ähnliche unangenehme Verhältnisse
traf ~Munde~ zu Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts in
einer der ersten Wasserheilanstalten, der zu Elgersburg, an und kämpfte
gegen sie ohne jeden Erfolg[647].
Nicht nur in Deutschland (S. 111), sondern auch in Rußland wurde die
Badestube als Wohnraum benutzt. So berichtet ~Petri~ in den Pitoresken
aus dem Norden, daß man in Rußland die Badestube Leuten zur Wohnung
unter der Bedingung überlasse, daß sie im Sommer täglich frische
Birkenzweige holen, im Winter aber nackte Zweige in der Badestube zum
Ausschlagen bringen[644].
[Sidenote: _Baderuf_]
Ein Baderuf (S. 145) sei hier noch angeführt, der aus einem
Fastnachtsspiele des 15. Jahrhunderts genommen ist, das die Rufe
verschiedener Handwerker parodiert.
„Wol auf gen pad!
Ir herrn, mit lecken, paden und krauen
Kan ich versehen wol die frauen“[12].
Wurde in Zürich 1636 und 1650 das Badrufen am Weihnachtsheiligabend
verboten (S. 144), so findet es 1748 in den hundertsechsundfünfzig
Züricher Ausrufbildern von ~Herrliberger~ keine Erwähnung mehr. Obwohl
es zur Zeit keinen Weinrufer mehr gab, bringt ~Herrliberger~ aus
geschichtlichem Interesse sein Bild und seinen Ruf. Den Badrufer kennt
er aber nicht einmal vom Hörensagen[697].
[Sidenote: _Regimen sanitatis_]
Die Mainauer Naturlehre (S. 173) diente zur Grundlage einem Regimen
sanitatis, das ein Arzt im 15. Jahrhundert für den Großmeister des
deutschen Ordens zu Marienburg bearbeitete. Im Auszug ist es in
~Raumer~s Taschenbuch (1844)[698], vollständig aber in ~Gruner~s
Almanach (1784)[699] mitgeteilt. Das Manuskript befindet sich auf der
Königsberger Bibliothek. Die das Baden betreffende Stelle lautet: „Ouch
genediger herre moget ir vnderczeithen baden noch euwer gewonheit des
morgens nuchtern vnd noch dem bade haltdet euch warm besunder das houpt
noch dem waschen.“
[Sidenote: _Wichelhausens falsche Schilderung des Badewesens_]
Eine vollkommene Unkenntnis des einstigen deutschen Badewesens zeigt
~Wichelhausen~ in seinem 1807 erschienenen geschichtlichen Werke über
die Bäder. Vieles hat er des Leibmedikus ~Moehsen~ Geschichte der
Wissenschaften in der Mark Brandenburg entnommen, selbst aber noch
reichlich Verwirrung angerichtet. Kaiser Karl der Große trug nach ihm
„zur Erhaltung des kunstgemäßen Badegebrauches nicht wenig bei“. Unter
dessen ersten Nachfolgern scheint sich der Badegebrauch noch erhalten,
im 10., 11. und 12. Jahrhundert aber abgenommen zu haben. ~Moehsen~
behauptet, daß die Bäder damals in Deutschland vernachlässigt worden.
Daß der Gebrauch derselben in diesen Zeiten der bürgerlichen Kriege
und der Anarchie sehr abgenommen, erhellt auch daraus, was ~Moehsen~
anführt. Er behauptet, daß es in diesem Zeitalter den Regenten und
Geistlichen schwer geworden wäre, die Menschen an Reinlichkeit und
den Gebrauch der Bäder zu gewöhnen, die doch wegen des herrschenden
Aussatzes doppelt notwendig gewesen. Die Mönche bedienten sich in
der Hinsicht damals des Kunstgriffes, daß sie den Badegebrauch durch
religiöse Grundsätze heiligten, indem sie behaupteten, daß durch das
Baden die Sünden abgewaschen und Absolution von allen Vergehungen
erhalten werden könnte. Diese Bäder nannten sie Seelenbäder (balnea
animarum, refrigeria animi). Unter diesem Vorwande erhielten sie
Vermächtnisse, wofür sich arme Leute entweder in den Klöstern, in den
Hospitälern oder den Badestuben frei baden durften, auch auf Verlangen
geschröpft und zur Ader gelassen werden konnten und gespeiset oder mit
Brot, Bier und Salz beschenkt wurden. Diese Werke der Wohltätigkeit
sollten auf das Wohl der Seelen der Stifter im Fegefeuer einen Einfluß
haben, sie abkühlen und ihre Pein vermindern. Die Ritter und Knappen
scheinen damals auch keine Muster der Reinlichkeit gewesen zu sein
und an Bädern großen Gefallen gefunden zu haben, weil ein Gesetz
notwendig war, nach welchem kein Ritter nicht am Abend vorher gebadet
und ihre schmutzigen langen Bärte hatten abnehmen lassen. Auch durfte
damals kein Brautpaar getrauet und kein Gast zur Hochzeit gelassen
werden, wenn sie sich nicht vorher gebadet hatten. Die Handwerker
suchte man dadurch an die Bäder zu gewöhnen, daß sie alle Sonnabend
durch eine Prozession der Lehrlinge der Bader unter dem Klange der
Becken zum Baden aufgemuntert wurden.“ Schon seit der Mitte des 14.
(!) Jahrhunderts sollen sich die Badeanstalten allmählich infolge
ansteckender Krankheiten ihrem gänzlichen Verfall im abendländischen
Europa genähert haben. „Die große, schreckliche, aus dem Morgenlande
gekommene Pest, welche von dem Jahre 1347 oder nach anderen 1348 an,
den größten Teil der Bevölkerung von Europa aufrieb, hat zuverlässig
die Vernachlässigung der Bäder zur Folge gehabt“[155].
[Sidenote: _Gebrauch der Thermometer_]
Das Thermometer fand zur Bestimmung des Badewassers erst allmählich
volle Anerkennung. 1793 sagt noch ~Zwierlein~, es könne nicht
zum allgemeinen Maßstab dienen, das Gefühl sei der richtigste
Wärmemesser[656], andere wollten wieder, man solle mit dem Thermometer
feststellen, ob sich die Temperatur nicht über und nicht unter
bestimmten Graden befände, innerhalb derselben müsse das Gefühl
entscheiden. In den Kurorten wurde im allgemeinen der Gebrauch des
Thermometers vernachlässigt. Das Journal des Luxus und der Moden
warf ~Marcard~ vor, daß er wohl in seinen Schriften die verschiedene
Wirkung verschieden warmer Bäder erörtere, in seinem Bad Pyrmont
die Bäderwärter die vorgeschriebene Temperatur des Bades aber gar
nicht beachteten. ~Wetzler~ fand (1822) in zwanzig Bädern nur zwei
Thermometer. Wenn er danach fragte, hieß es immer, sie seien erst
vor ein paar Tagen zerbrochen worden[370]. ~Hufeland~ rühmte dagegen
1815 die pünktliche Temperaturmessung in Nenndorf, wo besondere
Badethermometer auf einer Korkscheibe senkrecht im Wasser schwammen und
man die Veränderung der Wärme während des Badens beobachten konnte,
um rechtzeitig einen nötigen Zusatz von warmem Wasser feststellen
zu können[642]. Sehr viele Thermometer wichen in ihren Angaben vom
Normalen ab. Als die besten galten gegen Ende des 18. und zu Anfang
des 19. Jahrhunderts die ~Ramsden~schen Badethermometer, doch sagt
~Kahtlor~ 1722, daß man jetzt vollkommen richtige auch in Deutschland
anfertige, und er rühmt die Fabrikate aus Frankfurt a.❆M., Jena,
Nürnberg und Wien, die manchem ~Ramsden~schen vorzuziehen seien[644].
[Sidenote: _Wildbad Gastein_]
Wildbad Gastein (S. 227, S. 269 und Abb. 121) behielt bis ins 19.
Jahrhundert seinen alten Charakter. 1832 besaß es zwanzig Häuser, von
denen mit Ausnahme des Schlosses und des erzherzoglich Johannschen
Gebäudes kaum drei steinern waren. „Untersuchen wir nun die innere
Beschaffenheit derselben, so kommen wir leider abermals zu keinem
tröstlicheren Resultate; denn mit Ausnahme des Schlosses und zum
Teil des neuen Straubinger und Grabenwirtshauses, dann der Wohnung
des Chirurgen sind alle übrigen und namentlich das dreihundert Jahre
alte, ganz und gar aus Holz gebaute und daher mit Recht die alte
Straubingerhütte[A] genannte Haus höchst dürftig und unbequem. Wer
die Beschreibungen vom Gasteiner Wildbad früher gelesen hat, kommt
ohnehin mit einer bangen Erwartung hier an; hat er aber das Unglück, in
eine solche erbärmliche, bretterne Spelunke verwiesen zu werden, dann
fällt ihm der Mut gewaltig, und nur die unerwartete Überzeugung von
der Gleichgiltigkeit, womit die andern Badegäste das gemeinschaftliche
unvermeidliche Mißgeschick tragen, muntert ihn einigermaßen auf,
ein Gleiches zu thun.“ Folgende Anekdote wurde von einem Gasteiner
Tavernisten erzählt: „Einer dieser letzteren äußerte sich über die
unbilligen und übertriebenen Forderungen der jetzigen Badegäste
ungefähr also: Ich weiß nicht, was die Leute heut zu Tag alles
begehren; sonst waren gar viele froh, wenn sie in der Gastein auf Heu
schlafen konnten; die Vornehmen legte ich je zwei und zwei in ein Bett,
und solcher Betten standen zwei bis drei in einem Zimmer; nur in ganz
besonderen Fällen wurde einer einzelnen Person ein einzelnes Zimmer zu
Teil; jetzt will jeder Gast gleich dem größten Herrn bedient und für
sich allein bequartiert sein!“
Über die Beschaffenheit der Bäder sagt dieselbe Schrift: „In dieser
Hinsicht werde ich mich wieder vorzugsweise an die Straubingerschen
halten, da jene im Schloß, sowie alles daselbst, keiner Kritik
bedürfen, und diese unter den übrigen nicht allein die zahlreichsten,
sondern auch die zweckmäßigsten sind. Das alte Straubingerhaus besitzt
sieben Bäder und zwar ein Kommun- oder gemeinschaftliches, dann vier
Solitär- oder Separat- und zwei für gemeine Leute bestimmte Bäder;
im neuen Hause befinden sich ein Vollbad und zwei Einzelnbäder.
Außerdem besitzt der Mitterwirt drei und der Grabenwirt ebenfalls drei
Bäder, und endlich ist noch in dem Hause des Chirurgen das sogenannte
Schröpf- oder Krükenbad. Die gemeinschaftlichen oder Vollbäder sind
alle kaum so groß, daß zwölf bis sechszehn Personnen bequem zusammen
baden können, d.❆h. jedoch nur in dem Fall, wenn die Ankleidezimmer
darnach eingerichtet wären. Diese aber sind in einer Art angelegt,
daß man sich nicht genug über den Baumeister wundern kann. Denn hat
man sich eine zweiundvierzig Stufen zählende, ziemlich steile Stiege
mühsam hinabgeschleppt, so gelangt man durch einen engen Gang in
die bretternen Verschläge, die man Ankleidezimmer nennt. Sie sind
sämtlich so eng, daß sich höchstens zwei Personen zu gleicher Zeit
an- und auskleiden können, aber dabei so finster, daß man anfangs
beim Eintritt ganz blind zu sein scheint, und endlich bieten sie zur
Bequemlichkeit außer einer kaum einen Schuh breiten, längs der Wand
hinlaufenden hölzernen Bank ein paar Nägel zum Aufhängen der Kleider
und einem eisernen Ofen zum Wärmen der Badewäsche weiter nichts dar.
Ein jedes Vollbad besitzt, was ebenfalls unbegreiflich ist, nur ein
solches Zimmer, und man kann sich demnach leicht denken, wie sehr die
Badegäste hier beengt sind, indem beide Geschlechter sich desselben
Zimmers bedienen müssen und der kleine Raum desselben nicht gestattet,
auf einmal mehr als zwei Personen aufzunehmen. Die Solitärbäder sind
nur etwas wenig kleiner, entsprechen daher ihrem Zweck insofern
gar nicht, als sie für jedes einzelne Bad nicht besonders ab- und
vollgelassen werden können, weil sie zu groß sind und daher zu langsam
erkalten würden. Man badet also auch hier zumeist in demselben Wasser,
worin sich früher ein Anderer schon befunden hat. Alle Bäder haben
den gemeinschaftlichen Fehler, daß sie nur mit einem bretternen Dach
bedeckt, daher nicht selten dem Wind und Wetter zu sehr Preis gegeben
sind, indem es sich selbst in diesem Jahr sogar ereignet hat, daß die
Badenden mit Schneeflocken heimgesucht wurden ..... Endlich kann ich
nicht ungerügt lassen, daß in den sämtlichen Bädern längs den Wänden
des Wasserbehälters nur zwei Bänke angebracht sind, und daß daher
Kinder und solche Kranke, welche z.❆B. nur die untern Gliedmaßen
und das Gesäß in Wasser setzen wollen, so wie sehr Schwache, da sie
sich nirgends als an der Bank zu halten vermögen, ohne besondere
Unterstützung nicht baden können.“
Die „ungünstige und wahrhaft furchtbare“ Lage des Wildbades Gastein
regte den Gedanken an, das Wasser nach einer für Bauten günstigeren
Stelle zu leiten. Schon im Jahre 1760 hatte der Erzbischof Sigmund von
Schrattenbach eine kleine Badeanstalt für zwölf Personen unterhalb
des Wildbades bei der sogenannten Badbrücke errichtet, die aber nach
dem Tode des Erbauers wegen Gefährdung durch die wilde Kötschach
einging. Spätere Pläne, darunter einer, das Wasser aufwärts zu
leiten, scheiterten aus verschiedenen Gründen, bis 1829 der Bau der
Wasserleitung nach Hof Gastein — zwei-undeinviertel Stunde vom Wildbad
gelegen — in Angriff genommen wurde. Das Wasser, das mit 36° R im
Bad entspringt, traf mit 26 bis 29° im Hof ein. Übrigens wurde es
schon früher in Fässern nach dem dreizehn Meilen entfernten Salzburg
mit Postpferden geführt und konnte daselbst noch mit 29° R zum Baden
gebraucht werden. Auch nach Hof Gastein wurde schon vor Herstellung der
Leitung seit 1824 das Wasser vom Wildbade fuhrenweise in Fässern in die
Brauerei hinabgeführt, wo in Wannen gebadet wurde. Eine zweispännige
Fuhre reichte für sechs Bäder hin[688].
[Sidenote: _Fabian Sommer über Karlsbad 1572_]
Schon ~Fabian Sommer~ erwähnt in seinem Buche über Karlsbad (deutsch
nach seinem Tode 1572 von seinem Bruder Matthias herausgegeben), daß
man beim „Brudel“ (Sprudel) Eier koche, Hühner, Gänse und Schweine
abbrühe (S. 267 und Abb. 144). „Aber das wir wider auff den Brudel
kommen, beim Stege auff der lincken seiten, da man von der Kirchen
herunter gehet, ist ein ebener blatz, dahin das Wasser zu mancherley
nutz fleusset, denn daselbst die Hüner, Gense (wie oben berurt), Enten,
Schwein, mit dem heissen Wasser abgebrüet werden, daselbst reibet vnd
weschet man allerley gefes, vnd mit dem Wasser brühet man dem Vieh
das Grummet an, vnd sonst machet man allerley garstige weide rein,
daselbst fenget man das warme Wasser, welchs den Becken zum kneten
vnd backen sehr dienstlich, vnd ist das Wasser fast zu allen dingen
nützlich, darzu man sonst das schlecht gesottene Wasser gebrauchet.“
[Sidenote: _Die Bäder und die Quellen in Karlsbad_]
An das Sprudelgehäuse „sind viel Rinnen geleget, welche denn das Wasser
an alle örter, in der Wirte Heuser zum baden einführen .... Auff das
ich aber widerumb komme auff die Rinnen, die in die zwey Heuslein
angesetzet, so sind derselben sehr viel vnd mancherley in vnd nach
einander gesetzet, Denn etliche in die lenge, etliche in die breite
vber das Wasser auffgerichtet, vnnd in der Bürger Heuser eingefüret
werden, dadurch das Wasser in die Bade einfliessen möge (S. 334 und
Abb. 142). Von dem ort (Hospital), wenn man hienauffwarts nach dem
Marckt zugehet, seind die Wirdt gegen der Döpel zu, vnd die Herbergen
für diese Geste, so eines bessern vermügens sind, vnter welchen etliche
zwey, etliche drey, etliche auch vier Bade haben, welche für allerley
gelegenheit vnd kranckheit frembder Leut auffgebawet sind. Vnd treget
sich offt zu, dieweil jr viel in einem Hause sind, denen doch nicht
zugleich mit einander zu baden geraten, das ein Gast ein bad für sich,
der ander dergleichen ein anders, vnd so fort an, jnnen hat.
Eben an denselben ort da man nach dem Stege (beim Sprudel) zugehet, ist
das grosse gemeine Bad, welches in zwey Theil vnterschiedlich gebawet
ist, denn in den ersten die Menner, in den andern die Weiber baden
(Abb. 144). Vnd mag in denselbigen jederman beyde frembde vnd Inwoner
baden, wo sie nicht kretzig, aussetzig, oder dergleichen schedliche
vnnd schwirichte kranckheit an sich haben, denn inn diesen fellen
werden sie inn andere Bad gewiesen, welche hart bey den gemeinen Baden
sind gelegen. Denn für diese Krancken hat man drey Bad auffgebawet, die
nach eines jeden kranckheit ort vnterschieden, Denn in dem ersten baden
die schlechts kretzig sind, in dem andern so aussetzig (vgl. S. 200),
in dem dritten so mit hefftigen vnd gefehrlichen geschwüren beladen
sind. (Die Angabe ~Becher~s S. 200, daß nach ~Sommer~ Kretzige und
Aussätzige in Karlsbad zusammen badeten, ist demnach nicht richtig).
Es wolte sich aber wol gebüren das die Aussetzigen oder mit andern
gefehrlichen Geschwürn befleckten Leut, an einem andern von gesunder
leut gemeinschafft abgesünderten ort, mit sonderlichem baden versorget
würden. Welches beyde den Auslendischen die jhre Krancken fast alle Jar
ins warme Bad verschicken (siehe S. 200), vnd den Inwohnern gebüren
wil. Wiewol ohne das die Inwohner mehr denn zu viel von armen leuten,
auch sonsten von allerley Streichern vnd Stürtzern beschweret
werden ....
Es ist auch vor etlichen Jaren ein Geschrey in viel Lender kommen, als
solte das Wasser wegen der Inwohner Geitz aussen blieben sein (vgl.
S. 330). Vnd ob ich wol den Geitz nicht lobe, sondern viel mehr als
ein Laster straffe, Doch so ist des aussenbliebenen Wassers, dieses
nicht die vrsach, sondern weil es an eim andern ort sich gesamlet vnd
auffgesprungen ist, hat dieser Brudel auffgehöret (vgl. S. 336) ....
Eben an dem ort, da jetzt das Rathaus stehet, sind vor zeiten die
gemeinen Bad gestanden, die jetzt vber den Steg bey der Döpel gelegen.
Vnnd dieselbigen Bad waren an einem nidrigen ort auffgebawet, mit
Mawren verwahret, vnd also vnterschieden, wie diese so jetzt für
Man vnnd Weibs Person vnterschiedlich sind auffgebawet. Es ist aber
das sehr heisse Wasser, von dem Brudel, vber die Döpel, in die alten
gemeine Bade, so beym Rathaus gestanden, eingeführet worden. Vnd weil
das Wasser allzu heis gewesen, ist das lalichte welches an bemeltem
ort auffgequollen, das es zu baden bequem vnnd nützlich werden möchte,
durch sonderliche Rinnen ins heisse Wasser eingefüret, vnnd damit
vermenget worden.“
[Sidenote: _Die Karlsbader Badekuren_]
Dieses laue Wasser, in dem Kaiser Karl IV. gebadet haben sollte, das
1572 aber unbenutzt war, hatte die Haut so heftig aufgebissen, daß es
des Fressers Namen bekommen. Das laue Creusinbad, dessen Quelle zur
gleichen Zeit mit Mist verschüttet war, hieß aus demselben Grunde der
Fresser. Auch von anderen lauen Adern hebt ~Sommer~ hervor, daß sie die
Haut aufbissen, die heißen Quellen auch dann, wenn das Wasser etwas
kühler und lauer geworden war. Wie schon S. 252 erwähnt, bildete das
Baden mit dem Aufbeißen der Haut in Karlsbad eine besondere Badeart
neben dem gewöhnlichen Baden. Bei letzterem ließ ~Sommer~ im warmen
Wasser vierzehn oder fünfzehn Tage mit Ansteigen bis fünf Stunden
täglich baden. Einen Ausschlag erwähnt er bei der Beschreibung dieser
Kur nicht, er scheint aber doch aufgetreten zu sein; denn an anderer
Stelle sagt ~Sommer~: „Aber wenn das wasser etwas wermer ist, so wird
dieselbe verschlossene vnd kalte materien beweget vnd thetig, das
daraus kretz, Bletterlein vnnd dergleichen geschwür erfolgen. Aber
man mus darumb nicht gedencken, dieweil das warme Wasser solche kretz
heraus in die Haut treibet, das es dieselbe auch auffbeisse.“
[Sidenote: _Der Fresser_]
Das Aufbeißen der Haut war demnach nur eine besondere, mit starker
Entzündung derselben einhergehende Form des Badeausschlags, bei der der
Leib offen war und die böse Materie herausfloß. Nach ~Sommer~ sollte
man am Tag bis zwölf Stunden baden, die Kranken taten es aber bis zwei
Tage und Nächte hintereinander und darüber. Daß bei diesem langen
Baden der Ausschlag stärker ausfiel als bei fünfstündigem am Tag, ist
selbstverständlich, im Gegensatz zu allen anderen Bädern geschah dies
aber in Karlsbad nicht im warmen, sondern im lauen oder gar kalten
Wasser; denn Sommer kämpft gegen die Ratschläge der Wirte, daß die
Gäste kalt baden sollten, wenn ihnen auch die Haut darüber schauern
möchte, sagt aber selbst: „Da aber einer mit dem baden, vnd auffbeissen
eilen wolte, sol er das Wasser nicht alle tage auslassen, sondern ein
drey, oder vier tage lassen stehen, denn wenn es stehet (also doch kalt
ist!), wird es scherffer, vnd beisset die Haut desto eher auff.“
[Sidenote: _Eigenart des Karlsbader Wassers beim Baden_]
Das Karlsbader Wasser muß also ganz besondere Eigenschaften haben;
denn allgemein galt, das warme Wasser „beisse die Haut auff, vnd
mache sie schwürich, welches doch nicht ist,“ wie ~Sommer~ auf Grund
seiner Erfahrung in Karlsbad annimmt, „sondern wie zuuor vormeldet,
das warme Wasser machet widerumb gantz vnd heilet“. Ausnahmen kämen
allerdings vor. Man war damals verschiedener Meinung über die Ursache
der eigenartigen Wirkung. „Die erste vrsach, warumb das lalichte wasser
auffbeisset“, schreibt ~Sommer~, „stehet inn des Alauns, Vitriols, vnnd
Salpeters scherffe, welche mineren im warmen Wasser, wenn es lalicht
worden, gar krefftiger wircken. Denn so das Wasser warm ist, so werden
die theil der vorbenandten mineren zurstrewet, vnd etwas stumpffer, das
sie nicht so thetig in warmen, als in lalichten wasser sein können.
Wenn aber wie gesaget, das wasser lalichter ist worden, werden sie
etwas scherffers vnd thetigers, dieweil die hitze (welche die jetzt
bemelten mineren etwas vndüchtig gemacht) dem wasser entgangen ist. Die
ander vrsach ist, das keine fettigkeit mehr vorhanden ist, vom Kalch
weisser vnd roter Erden, wie wir oben Bergröte vnnd Bergweisse genandt
haben. Denn wenn die zehen feuchtigkeiten durch die hitze im wasser
allent halben beysammen vnd gantz bleibet, vnd nicht durch den Braden
vnd das auskülen von dem Wasser abgesondert werden, so dempffen sie die
obbemelte mineren das sie jre kreffte, nicht haben vnd wircken können,
denn die fettigkeit drückt vnter die scherff der jetzt benandten
mineren. Wenn sich aber solche zehe vnd schleimichte fettigkeit, durch
das ausbrednen verliret (welches geschieht, wenn das Wasser kalt
wird) werden die Mineren, so von der zehen fettigkeit frey sein, viel
krefftiger vnnd thetiger. Vnnd aus diesen zweyen vrsachen beisset das
kalte Wasser die haut auff, nemlich weil die hitz dem Wasser entgangen
vnd fettigkeit des kalchs, Schwefels, Bergröt, vnd Bergweis durchs
ausbrednen zerstrewet, welche fettigkeit zuuor, da das Wasser warm war,
bemelte mineren krafft vnd wirckung gedempfet hat.“ Im gleichen Sinne
erklärt er, warum das warme Wasser die Haut wiederum zuheile.
~Sommer~ hat an der Wahrheit wohl nicht allzuweit vorbeigeschossen,
wenn er die Wirkung verschieden temperierter Bäder von Karlsbader
Wasser dem verschiedenen Verhalten der mineralischen Bestandteile
zuschreibt. Vielleicht kann uns heute die physikalische Chemie darüber
aufklären, warum die mineralischen Bestandteile des Karlsbades in
heißem Wasser weniger reizend als in lauem oder kaltem wirken.
[Sidenote: _Trinkkuren_]
~Sommer~ wandte sich gegen den gleichzeitigen Gebrauch einer Trink-
und Badekur. Manche tranken einen Tag, den anderen badeten sie, andere
tranken früh und badeten am Nachmittag, und wieder andere hatten den
bösesten Brauch, im Bade Mineralwasser zu trinken. Sechs oder sieben
Tage sollte die Trinkkur betragen, an die sich die Badekur, wenn
vonnöten, anzuschließen hatte.
[Sidenote: _Duschen / Dampfbäder in Karlsbad_]
Eingehends handelt ~Sommer~ von der „Trefft“ (Dusche), die, wie wir ja
sahen, in Karlsbad reichliche Anwendung fand. Die „Stuffen“ (Dampfbäder
über den Quellen) waren aber noch nicht in Gebrauch. ~Sommer~ machte
Vorschläge zur Errichtung derselben[684].
[A] „~Westenrieder~ nennt diese Hütte eine armselige, unbehülfliche,
modernde, traurige und gefahrvolle und sagt, daß die Fußböden und
Stubenwände so dünn sind und hörig, daß man jeden leisen Tritt
über sich wie ein Geklapper, jede leise Bewegung und Stimme eines
Gastes neben sich, als stünde er vor uns, vernehmen kann; ferner
daß fast keine Stube mehr in ihrer ursprünglichen, rechtwinkligen
Lage, sondern die meisten sichtlich verschoben und auf einer Seite
bedeutend abhängig, endlich daß die alten Treppen stark gespalten
und so wie die Abtritte, welche in der freien Luft über Abgründen
schweben, das tief unten vorbeischäumende Wasser erblicken lassen.
Und diese Beschreibung, wer wundert sich darüber nicht! paßt heute
(1832) nach zwanzig Jahren noch aufs genaueste! — ~Blumauer~ sagt in
seiner Epistel vom Jahre 1785:
............... die Fenster alle
Stehn mit dem Wind Jahr aus Jahr ein
Dem Ansehn nach in förmlichen Tractaten,
Ihm stets den Durchgang zu gestatten.“
LITERATUR
1. +Tacitus+, Germania. Die Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit.
Die Urzeit. Bd. 1. Berlin, 1849.
2. +Alpenpost+. Bd. 7. Zürich, 1874.
3. +Heyne+, Fünf Bücher deutscher Hausaltertümer. Bd. 1
(Wohnungswesen), Bd. 3 (Körperpflege und Kleidung). Leipzig, 1899 u.
1903.
4. +Schreger+, Balneotechnik oder Anleitung, Kunstbäder zu bereiten und
anzuwenden. Fürth, 1803.
5a. +Retzius+, Finland i nordiska museet; några bidrag till
kannedomen om finnarnes gamla odling (Bidrag till vår odlings häfder ut
gifna af Artur Hazelius. I.). Stockholm, Beijers Förlag, 1881.
5b. Dasselbe Buch, übersetzt von +Appel+. Berlin, 1885.
6. Badenfahrt von +Thomas Murner+. Neudruck nach der Ausgabe Straßburg
1514. Mit Erläuterungen insbesondere über das altdeutsche Badewesen
von +Martin+. Straßburg, 1887. Beiträge zur Landes- und Volkskunde von
Elsaß-Lothringen. Bd. 1. Straßburg, 1889.
7. +Kochendörffer+, Zum mittelalterlichen Badewesen. Zeitschrift für
deutsche Philologie. Bd. 24. Halle, 1892.
8. +Keller+, Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahr 820. Zürich, 1844.
9. Gemeiner loblicher Eydgnoschafft Stetten, Landen vnd Völckeren
Chronick wirdiger thaaten beschreybung .... Durch +Johann Stumpfen+.
Zürych, 1548.
10. +Herbords+ Leben des Bischofs +Otto von Bamberg+. Übersetzt
von +Prutz+. Die Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit. XII.
Jahrhundert. Bd. 6. Berlin, 1869.
11. Die +Stretlinger Chronik+. Herausgegeben von +Baechtold+.
Bibliothek älterer Schriftwerke der deutschen Schweiz. Bd. 1.
Frauenfeld, 1877.
12. +Fastnachtspiele+ aus dem 15. Jahrhundert. Bibliothek des
litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 28, 29, 30 und Nachlese Bd.
47. Stuttgart, 1853 und 1858.
13. +Ekkeharti+ (IV.) Casus sancti Galli, herausgegeben von +Meyer
von Knonau+. Mitteilungen zur vaterländischen Geschichte. Heft 15
und 16. St. Gallen, 1877. — Deutsch von +Meyer von Knonau+. Die
Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit. X. Jahrhundert. Bd. 11.
Leipzig, 1878. Dort Bruchstücke aus Cod. Nr. 915 (lat. Mitteilungen
usw. Heft 11).
14. +Stephani+, Der älteste deutsche Wohnbau und seine Einrichtung. Bd.
2. Leipzig, 1903.
15. Der +Mönch von St. Gallen+ über die Taten Karls des Großen.
Übersetzt von +Waltenbach+. Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit.
IX. Jahrhundert. Bd. 13. Berlin, 1850.
16. +Zappert+, Über das Badewesen mittelalterlicher und späterer Zeit.
Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen. Bd. 21. Wien, 1859.
17. +von Arx+, Geschichten des Kantons St. Gallen. St. Gallen,
1810–1813.
18. +Sach+, Deutsches Leben in der Vergangenheit. Halle, 1890 u. 1891.
19. +Grimm+, Deutsche Mythologie. 4. Ausgabe von +Meyer+. Berlin und
Gütersloh, 1877.
20. +Scheuchzer+, Beschreibung der Naturgeschichten des Schweizerlands.
Zürich, 1706–1708.
21. Von dem Bad Pfeffers. Gelegen in ober Schweitz, von seinen
tugenten, krefften, vnd wirckung, vrsprung vnd herkommen, Regiment
vnd ordinantz. Durch den hochgelehrten, vnd erfarnen baider artzney
Doctorem Philippum Theophrastum +Paracelsum+. Getruckt zů Straßburg,
bey Christian Müller, MDLXXI.
22. Gvilhelmi +Fabricii Hildani+ ... Consilivm: In quo de conservanda
valetudine, item, de thermis Vallesianis, et acidulis Griesbachcensibus
... agitur. Accessit epistola ..., in qua de thermis Piperinis, et
nonnullis aliis, lectu dignis, agitur. Francofvrti, MDCXXIX.
23. +Brügger+, Ostrhätische Studien zur Geschichte des Badelebens,
insbesondere der Kurorte Bormio und St. Moritz. Zürich, 1863.
24. +Uhland+, Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder. Bd. 1. Abt. 2.
Stuttgart und Tübingen, 1845.
25. +Regimen Sanitatis+. Dis ist das Regiment der gesuntheit durch
all monat des gantzen iors wie man sich halten soll mit essen vnd
trincken vnd ouch von lossen u. Impressum Argentine per Mathiam Brant
im Rosengarten u. Anno dni. im V. ior (1505).
26. Ein +kalender+ mit sinem nüwen vnd stunden vs des hochgelerten
doctor iohannis +kung+ (Kungsberger) sunst vil subtiler sachen mit vil
figuren.... Getruckt in der keiserlichen statt +Zürich+ durch +Hansen
am wasen+ ... 1508.
27. Johann Wilhelm +Simlers+ Teutscher Getichten die vierte, von Ihme
selbsten und auß hinterlassenen Schrifften um einen Viertheil vermehrt-
und verbesserte Außfertigung. Zürich, 1688.
28. +Wackernagel+, Das deutsche Kirchenlied. Stuttgart, 1841.
29. Hans +Sachs+’ Werke. Herausgegeben von +Arnold+. Berlin und
Stuttgart. — Dichtungen von Hans +Sachs+. Herausgegeben von +Goedeke+.
1. Teil: Geistliche und weltliche Lieder. Leipzig, 1870. — Hans
+Sachs+’ Werke. Herausgegeben von +Keller+ und +Götze+. Bibliothek des
literarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 102 ff. Tübingen, 1870 ff.
30. +Scheible+, Das Kloster. Bd. 4. Stuttgart und Leipzig, 1846.
31. +Scheible+, Das Kloster. Bd. 8. Stuttgart und Leipzig, 1847.
32. +Fricker+, Geschichte der Stadt und Bäder zu Baden. Aarau, 1880.
33. +Kraus+, Die Miniaturen der +Manesse+schen Liederhandschrift. Im
Auftrage des Großherzoglich Badischen Ministeriums. Straßburg, Trübner,
1887.
34. +Simrock+, Handbuch der deutschen Mythologie. Bonn, 1864.
35. Warhafftige vnd fleissige beschreibung der Vralten Statt vnd
Graueschafft Baden, sampt jher heilsamen warmen Wildbedern, so in der
hochloblichen Eydgnoschafft inn dem Ergöw gelegen .... durch Heinrich
+Pantaleon+ der Philosophey vnnd Artzney Doctor zu Basel jetzt erstlich
verzeichnet. Getruckt zu Basel, Anno 1578.
36. (Hanns +Achtsinit+), Ein Badenfart gůter gsellen.
37. (Hanz +Foltz+, Meistersänger und Barbier), Dises puchlin saget vns
von allen paden die von natur heiß sein. (Nürnberg um 1480.) Neudruck,
Straßburg, Heitz (Heitz & Mündel), 1896.
38. +von Liebenau+, Das Gasthof- und Wirthshauswesen der Schweiz in
älterer Zeit. Zürich, 1891.
39. +Heß+, Basler Kulturbilder aus dem 16. und dem Anfang des 17.
Jahrhunderts. Basler Jahrbuch, 1905.
40. +Krieg von Hochfelden+, Die beiden Schlösser zu Baden, ehemals und
jetzt. Karlsruhe, 1851.
41. Des +Himmels Lauffes Wirckung+, vnnd Natürliche Influentz der
Planeten, Gestirn vnd Zeychen, auß grund der Istronomei, nach jeder
zeit, jar, tag vnd stunden Constellation. In Natiuiteten, zur Artznet,
wolfart vnd allem leben der menschen zu wissen von nöten. Getruckt zu
Franckfort am Meyn, bei Christian Egenolffs Erben. Anno M. D. LVI.
42. Monatliche +Gesundheitsregeln+. Taschenbuch für vaterländische
Geschichte. 33. Jahrg. Berlin, 1844.
43. +Baader+, Vorschriften eines mittelalterlichen Kalenders über
Gesundheitspflege. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. N. F. Bd.
11. Nürnberg, 1864.
44. +Meinauer Naturlehre+. Herausgegeben von +Wackernagel+. Bibliothek
des literarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 22. Stuttgart, 1851.
45. Conradi +Celtis+ ... quatuor libri amorum. Anno M D. noui seculi
II. Inpressa Noribergae.
46. +Schmeller+, Bayrisches Wörterbuch. 1.–3. Teil. Stuttgart und
Tübingen, 1827–1836. — +Schmeller-Frommann+, Bayerisches Wörterbuch. 2.
Aufl. Stuttgart und Tübingen, 1872 und 1877.
47. Eyn new Badenfart. Wildt Bäder +L. Friessen+, sampt einer trewen
vnderrichtung wie mann sich vor, inn, vnd nach dem Bad halten soll, Das
erst Bůch. Haymische wasser vnd schweys Bäder, für das grün, steyn, vnd
lame glieder .... +Ottho Brunßfelsii+, das ander Bůch ... Von newem
außgangen, vnd getruckt zů Straßburg bei M. Jacob Cammer Lander von
Mentz.
48. Newe heilsame vnnd nutzliche Badenfart .... Beschrieben durch D.
Gualterum +H. Riuium+ Medicum et Chirurgum. Gedruckt zu Wirtzburg durch
Johan Myller, MDXLIX.
49. +von Liliencron+, Die historischen Volkslieder der Deutschen vom
13.–16. Jahrhundert. Bd. 1 und 3. Leipzig, 1865 und 1867.
50. +Jäger+, Ulms Verfassungs-, bürgerliches und commercielles Leben im
Mittelalter. Schwäbisches Städtewesen. Bd. 1. Stuttgart und Heilbronn,
1831.
51. +Birlinger+, Aus Schwaben. Bd. 2. Sitten- und Rechtsgebräuche.
Wiesbaden, 1874.
52. +Becker+, Geschichte der Medizin in Hildesheim während des
Mittelalters. Zeitschrift für klinische Medizin. Bd. 38. Berlin, 1899.
53. Aus dem mittelalterlichen Badeleben. 1. Badereise der Frau Anna
von Weinsberg in das Wildbad 15. Sept.-1. Okt. 1436. Mitgeteilt von
+Boger+. 2. Badordnung für das Bad Mainhardt. Mitgeteilt von +Bossert+.
Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte. Jg. 2.
Stuttgart, 1879.
54. +Steinhausen+, Deutsche Privatbriefe des Mittelalters. Bd. 1.
Denkmäler der deutschen Kulturgeschichte, I. Abt., 1. Bd. Berlin, 1899.
55. +Thilenius+, Über die Winterbäder. Taschenbuch für Gesundbrunnen
auf das Jahr 1817 von Fenner. Darmstadt, 1817.
56. Fons sacer, Das ist, Beschreibung der Wunderbaren, Köstlichen vnd
Weitberümbten Heiligbrunnen, gelegen in der Graffschafft Pyrmont. ...
Auctore Johanne +Pyrmontano+ aliâs +Feurbergk+, Lugdunensi, Scholae
patriae Moderatore. Gedruckt zu Lemgo, durch Conrad Grothen Erben, Anno
1597.
57. +Troll+, Geschichte der Stadt Winterthur. 3. und 4. Teil.
Winterthur, 1843 und 1844.
58. +Hauser+, Das Sondersiechenhaus zu St. Georg bei Winterthur.
Neujahrsblatt der Hülfsgesellschaft von Winterthur, 1901.
59. +Guler von Weineck+, Raetia. Zürych, 1616.
60. +Jos. Simler+, Regiment gemeiner löblicher Eydgnoschafft. Zürich,
1576.
61. +Mone+, Über Krankenpflege vom 13. bis 16. Jahrhundert. Zeitschrift
für die Geschichte des Oberrheins. Bd. 2. Karlsruhe, 1851.
62. Abschrift mehrer +Zunft- und Gewerbs-Ordnungen+ der Stadt
+Regensburg+. Verhandlungen des historischen Vereins der Oberpfalz und
von Regensburg. Bd. 8. Regensburg, 1844.
63. Die +Johannisbäder+, oder der Gebrauch 24 Stunden lang in ein Bad
zu sitzen. Würtembergische Jahrbücher, 1823.
64. +Rößlin+, Des Elsäss vnd gegen Lotringen grentzenden Wassgawischen
Gebirgs gelegenheit, vnd Commoditeten inn Victualien vnd Mineralien:
vnnd dann der Mineralischen Wassern, sonderlich dessen zu Niderbronn
Hanawischen Liechtenbergischen gebiets, generation vnd wirckung.
Strassburg, 1593.
65. +Sebizius+, Beschreibung vnd Widerlegung etlicher Mißbräuche vnd
Irrthumb, so biß anhero in dem Gebrauch der Saurbrunnen, vnd andern
warmen vnd kalten Bädern bey uns fürgangen .... Straßburg, 1647.
66. Salomonis +Braunen+, Med: Doct.: .... Teutscher Jordan oder
Biberacher Bad. Augsburg, 1673.
67. +Zeiller+, Itinerarium Germaniae nov-antiquae. Teutsches Reyßbuch.
Straßburg, 1632.
68. +Wolf+, Beiträge zur deutschen Mythologie. 2. Abt. Göttingen, 1857.
69. +Schwenckfeldt+, Hirschbergischen warmen Bades, in Schlesien vnter
dem Riesen Gebürge gelegen, kurtze vnd einfältige Beschreibung ....
Görlitz, 1607.
70. +Lersch+, Geschichte der Balneologie, Hydropsie und Pegologie oder
der Gebrauch des Wassers zu religiösen, diätetischen und medicinischen
Zwecken. Würzburg, 1863.
71. +Nork+, Der Festkalender. +Scheible+, Das Kloster. Bd. 7. Stuttgart
und Leipzig, 1847.
72. (+Martin+), Die Nonnenkirche und die Nonnenkirmes zu Blankenhain.
Thüringer Monatsblätter. Jg. 8. Eisenach, 1900.
73. +Fischer+, Schwäbisches Wörterbuch. Bd. 1. Tübingen, 1904.
74. Vom +Aberglauben zu Osterode+ am Harze. Journal von und für
Deutschland. Herausgegeben von Siegmund Freyherrn +von Bibra+ (in
Fulda). Jg. 5. 1788.
75. +Wuttke+, Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart. 2.
Bearbeitung. Berlin, 1869.
76. Wunderliche und warhafftige Gesichte +Philanders von Sittewald+,
Das ist Straff-Schrifften Hans-Michael +Moscherosch+ von Wilstädt. 1.
Theil. Jetzo wider von neuem auffgelegt. Straßburg, 1677.
77. +Cysat+, Beschreibung deß Berühmten Lucerner- oder 4. Waldstätten
Sees. Lucern, 1661.
78. +Runge+, Der Quellkultus in der Schweiz. S.-A. Monatsschrift des
wissenschaftlichen Vereins in Zürich, 1859.
79. +Simler+, Vallesiae Descriptio. De Alpibus Commentarius. Tiguri,
1574.
80. Von heilsamen Bädern des Teütschenlands, .... zůsammen getragen,
Durch Johannem Jacobum +Huggelium+, der Artzney Doctorn zů Basel. 1559.
Getruckt zu Mülhusen im obern Elsaß durch Hans Schirenbrand vnnd Peter
Schmid.
81. +Kempfe+, Genaue und eigentliche Beschreibung .... des uhralten
Töplitzer Bades. Berlin, 1706.
82. +Walthier+, Neue Beschreibung des Halts vom weltberühmtesten
Pfäfferser-Mineral-Wasser. Zug, 1749.
83. Handbuch von allerley nutzlichen Erinnerungen, anmüetigen und
lustigen, erbaulichen, denkwürdigen, und meistentheils neuen Exempeln
oder Beyspielen .... durch Martin +Zeillern+. Ulm, 1655.
84. +Wichner+, Beiträge zu einer Geschichte des Heilwesens, der
Volksmedicin, der Bäder und Heilquellen in Steiermark bis incl. Jahr
1700. Mittheilungen des historischen Vereines für Steiermark. Heft 33.
Graz, 1885.
85. +Hille+, Die Ludgeriquelle bei Helmstädt, die Taufstelle der ersten
Christen in Ostsachsen. Vaterländisches Archiv des historischen Vereins
für Niedersachsen. Jg. 1844. Hannover, 1846.
86. +Meyer-Ahrens+, Die Heilquellen und Kurorte der Schweiz. 2. Aufl.
Zürich, 1867.
87. +Ziegler+, Bemerkungen über gemeines Wasser, und besonders über
natürliche und künstliche Mineralwasser .... Winterthur, 1799.
88. +Rüsch+, Anleitung zu dem richtigen Gebrauche der Bade- und
Trinkcuren. Ebnat, Bern und Chur, 1825–1832.
89. Doctoris Aureli +Theophrasti+ schreiben von warmen oder
Wildbäderen. Jetzunder fleißig mit des authoris scripto collaciniert
vnnd publiciert Durch, Doctor Adamen von +Bodenstein+. Getruckt zu
Basel, bey Peter Perna. MDLXXVI.
90. +Gsell Fels+, Die Bäder und klimatischen Kurorte der Schweiz. 3.
Aufl. Zürich, 1892.
91. (von +Escher+, Die Heilquellen der Schweiz). An die zürcherische
Jugend auf das Jahr 1855. Von der Naturforschenden Gesellschaft. LVII.
Stück.
92. +Tschudi+, Beschreibung des lobl. Orths und Lands Glarus. Zürich,
1714.
93. +Wagner+, Historia naturalis Helvetiae curiosa. Tigurum, MDCLXXX.
94. +Scheuchzer+, Hydrographia helvetica. Beschreibung der
Seen, Flüssen, Briinnen, warmen und kalten Bäderen, und anderen
Mineral-Wasseren des Schweitzerlands. Der Natur-Histori des
Schweitzerlands zweyter Theil. Zürich, 1717.
95. +Paracelsus+, Chirurgische Bücher und Schriften. Straßburg, 1618.
96. +Floyers+ ... wieder belebte alte Psychrolusia oder, Versuch, zu
beweisen, daß kaltes Baden gesund und nützlich sey. Übersetzt von
+Sommer+. Breßlau und Leipzig, 1749.
97. +Sachse+, Medicinische Beobachtungen und Bemerkungen. Bd. 1. Über
die Wirkungen und den Gebrauch der Bäder, besonders der Seebäder zu
Doberan. Berlin, 1835.
98. Colloquia +Erasmi+. Gespräche des hochgelerten vnnd weytberümpten
Doctors Erasmi von Roterdam, vmbgesatzt vnd verdeütscht .... durch
Justum +Alberti+ von Volckmarsen, Pfarrherr vnnd diener der Gemayne zu
Gladenbach. Anno MDXXXXV. Gedruckt vnnd vollendet inn der Kayserlichen
Reychstatt Augspurg, durch Heynrich Stayner.
99. John +Locke+’s Gedanken über Erziehung. Herausgegeben von E. von
+Sallwürk+. Langensalza, 1883.
100. +J. J. Rousseau+, herausgegeben von Vogt und von +Sallwürk+.
Langensalza, 1876 und 1878.
101. +Fabricius Hildanus+, Opera, quae extant omnia. Francofurti,
MDCXLVI. Auch deutsch von Friderich +Greiffen+. Frankfurt, 1652.
102. +Weinhold+, Die deutschen Frauen im Mittelalter. 2. Aufl. Wien,
1882.
103. +von der Hagen+, Minnesinger. Leipzig, 1838.
104. +Valerius Anshelm+’s, genannt +Rüd+, Berner-Chronik, von Anfang
der Stadt Bern bis 1526. Herausgegeben von +Stierlin+ und +Wyß+. Bd. 1
u. 2. Bern, 1825 u. 1826.
105. +Urkundenbuch+ der Stadt und Landschaft +Zürich+. Bearbeitet von
+Escher+ und +Schweizer+. Bd. 4. Zürich, 1896 und 1898.
106. +Grimm+, Deutsche Rechtsaltertümer. 4. Ausgabe von +Heusler+ und
+Hübner+. Leipzig, 1899.
107. Gruntliche Antzaigung, des Teufflischen vnd schantlichen
+betrugs+, mit dem +gemachten Bauch+, des falschen Weibs, vnd
Junckfrawen zů Eßlingen, von anfang biß zů end 1551 auß gericht.
108. +Sprengel+, Versuch einer pragmatischen Geschichte der
Arzneykunde. 3. Aufl. 3. Teil. Halle, 1827.
109. D. Martin +Luthers+ ... sämtliche Schriften. 22. Teil, welcher
die Colloquia oder Tischreden ... enthält. Herausgegeben von +Walch+.
Halle, 1743.
110. +Erzählungen aus altdeutschen Handschriften.+ Gesammelt durch
Adalbert +v. Keller+. Bibliothek des litterarischen Vereins in
Stuttgart. Bd. 35. Stuttgart, 1855.
111. +Kopp+, Des alten Lucerns Sitten und Satzungen vor dem Streite am
Morgarten. Geschichtsblätter aus der Schweiz. Bd. 1. Lucern, 1854.
112. +Osenbrüggen+, Deutsche Rechtsaltertümer aus der Schweiz. Zürich,
1858.
113. von +Maurer+, Geschichte der Fronhöfe, der Bauernhöfe und der
Hofverfassung in Deutschland. Bd. 4. Erlangen, 1863.
114. +Bodmann+, Rheingauische Alterthümer oder Landes- und
Regiments-Verfassung des westlichen oder Niederrheingaues jm mittleren
Zeitalter. Mainz, 1819.
115. +Förstemann+, Der Erfurter Zuchtbrief v. J. 1351. Neue
Mittheilungen aus dem Gebiet historisch-antiquarischer Forschungen. Bd.
7. Halle und Nordhausen, 1844.
116. +Müllenhoff+, Die Germania des Tacitus. Deutsche Altertumskunde.
Bd. 4. Berlin, 1900.
117. +Tacitus+’ Historien. Die Geschichtsschreiber der deutschen
Vorzeit. Urzeit. Bd. 1. Berlin, 1849.
118. +Bintz+, Die Leibesübungen im Mittelalter. Gütersloh, 1880.
119. +Kaiser Karls Leben+ von +Einhard+. Übersetzt von +Abel+. Die
Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit. IX. Jahrhundert. Bd. 1.
Berlin, 1850.
120. Die Chronik +Thietmars+, Bischofs von +Merseburg+. Die
Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit. XI. Jahrhundert. Bd. 1.
Berlin, 1848.
121. +Bluntschli+, Geschichte der Republik Zürich. Bd. 2. 1870.
122. +Mitteldeutsche Gedichte+, herausgegeben von +Bartsch+. Bibliothek
des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 53. Stuttgart, 1860.
123. +Boesch+, Kinderleben in der deutschen Vergangenheit. Leipzig,
1900.
124. +Meyer-Ahrens+, Die kalten Bäder im Mittelalter und im Anfang der
Neuzeit. Die illustrierte Schweiz. 3. Jg. Bern, 1873.
125. +Willi+, Baugeschichtliches über das Kloster Wettingen.
Cistercienser Chronik. 5. Jg. Bregenz, 1893.
126. +Froschmevsler+, Der Frösch vnd Meuse wunderbare Hoffhaltunge ....
Gedruckt zu Magdeburgk, durch Andreas Gehn. Im Jahr, MDXCV.
127. +Kriegk+, Deutsches Bürgerthum im Mittelalter. Frankfurt a.❆M.,
1868. — Neue Folge, 1871.
128. +Baumann+, Quellen zur Geschichte des Bauernkriegs in
Oberschwaben. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd.
129. Tübingen, 1876.
129. +Mone+, Quellensammlung zur badischen Landesgeschichte. Bd. 1–3.
Karlsruhe, 1848–1863.
130. Der Renner. Ein Gedicht aus dem 13. Jahrhunderte verfaßt durch
Hugo von +Trimberg+. Herausgegeben vom historischen Verein zu Bamberg.
Bamberg, 1833–1834.
131. +Keller+, Die römischen Ansiedelungen in der Ostschweiz. II.
Abteilung. Zürich, 1864. Mitteilungen der antiquarischen Gesellschaft
in Zürich. Bd. 15.
132. Sechs und zwänzig nichtige Kinderspiel zu richtiger Erinnerung
erhebt und in Kupfer gebracht durch Conrad +Meyer+ Maalern in Zürich.
Teil von: H. Jacob +Catsen+, Kinder-Lustspiele, durch Sinn- und
Lehrbilder geleitet; zur underweisung in guten sitten. Auß dem Nider-
in das Hochteutsche gebracht Durch H. Johann Heinrichen +Amman+: und
mit Kupferstichen geziert, vermehret und verlegt durch Conrad +Meyern+,
Mahlern in Zürich, MDCLVII.
133. +von Lersner+, Der weit-berühmten Freyen Reichs-, Wahl- und
Handels-Stadt Frankfurt am Mayn Chronica. 1706. — +von Lersner+,
Nachgehohlte, vermehrte und continuirte Chronica der ... Stadt
Franckfurth am Mayn, oder zweyter Theil der ordentlichen Beschreibung
der Stadt Franckfurth. Frankfurt am Mayn, 1734.
134. Die Grewel der Verwüstung menschlichen Geschlechts ... durch
Hippolytum +Guarinonium+, Art. et Med. Doctorem, deß Königlichen
Stiffts Hall im Ynthal. ... Leib, vnd gemainer Statt beställten
Physikum. Ingolstatt, 1610.
135. +Ferro+, Vom Gebrauche des kalten Bades. 2. Aufl. Wien, 1790.
136. +Guts Muths+, Gymnastik für die Jugend. 2. Ausg. Schnepfenthal,
1804.
137. +Hunziker+, Geschichte der Schweizerischen Volksschule. Zürich,
1881.
138. +Gazette de santé+ oder gemeinnütziges Magazin für Leser aus allen
Ständen ....., herausgegeben von J. H. +Rahn+. Jg. 3. Zürich, 1784.
139. +Scheible+, Das Kloster. Bd. 6. Stuttgart und Leipzig, 1847.
140. +von Raumer+, Geschichte der Pädagogik. 3. Aufl. Stuttgart,
1857–1861.
141. +Gärtner+, Baden und Schwimmen, in +Rein+, Encyklopädisches
Handbuch der Pädagogik. Bd. 1. Langensalza, 1895.
142. +von Rodt+, Bern im 17. Jahrhundert. Bern, 1903.
143. +von Meiller+, Österreichische Stadtrechte und Satzungen
aus der Zeit der Babenberger. Archiv für Kunde österreichischer
Geschichtsquellen. Bd. 10. Wien, 1853.
144. +Heffner+, Über die Baderzunft im Mittelalter und später,
besonders in Franken. Archiv des historischen Vereines von Unterfranken
und Aschaffenburg. Bd. 17. Würzburg, 1865.
145. +Hauser+, Geschichte der Stadt, Herrschaft und Gemeinde Elgg.
Elgg, 1895.
146. +Kaltenbaeck+, Die Pan- und Bergtaidingbücher in Österreich unter
der Enns. Bd. 1. Wien, 1846.
147. +Helvetischer Kalender+ fürs Jahr 1780. Zürich.
148. +Marteaus+ theoretische und praktische Abhandlung über die Bäder
vom einfachen Wasser und vom Seewasser, nebst einem Anhange von dem
Tropfbade. Übersetzt von +Held+. Leipzig, 1778.
149. +Fürstenberger Urkundenbuch.+ Bd. 6. Tübingen, 1889.
150. +Mittelalterliches Hausbuch.+ Bilderhandschrift des 15.
Jahrhunderts. Herausgegeben vom germanischen Museum. Leipzig,
Brockhaus, 1866.
151. +Grimm+, Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1854 ff.
152. Baderbüchlin. Gantz kurtzer bericht von allerhand einfachten, vnd
38 componierten mineralischen teütsches lands wild bädern .... Alles
durch D. Georgium +Pictorium+. MDLX. Getruckt zu Mülhusen im oberen
Elsaß, durch Peter Schmid.
153. +Journal des Luxus und der Moden.+ Weimar, 1800.
154. +Riecke+, Die Heilquellen und Bäder Würtembergs, ihre Geschichte
und ihr gegenwärtiger Zustand. Württembergische Jahrbücher. Jg. 1839.
Stuttgart und Tübingen, 1840.
155. +Wichelhausen+, Über die Bäder des Alterthums. Mannheim und
Heidelberg, 1807.
156. (+Gruner+), Flußbäder und Badeanstalten. Almanach für Ärzte und
Nichtärzte auf das Jahr 1792. Herausgegeben von Gruner. Jena, 1792.
157. +Zwierlein+, Über die neuesten Badeanstalten in Deutschland.
Frankfurt, 1803.
158. +May+, Vermischte Schriften. Mannheim, 1786.
159. Das erste +ärztliche Inserat+ und die erste Kaltwasserheilanstalt
in Österreich. Balneologische Zeitung. Bd. 11. Wetzlar, 1862.
160. +Marcard+, Über die Natur und den Gebrauch der Bäder. Hannover,
1793.
161. +Matthes+, Lehrbuch der klinischen Hydrotherapie. Jena, 1900. 2.
Aufl. 1903.
162. Josua +Maaler+, Die Teütsch spraach .... Tiguri, MDLXI.
163. +Scheible+, Das Schaltjahr. Bd. 3. Stuttgart und Leipzig, 1847.
164. +Gazette de santé+ oder gemeinnütziges Magazin für Leser aus allen
Ständen .... herausgegeben von +J. H. Rahn+. Jg. 1. Zürich, 1782.
165. +Journal des Luxus und der Moden.+ Weimar, 1787–1806.
166. +Ploucquet+, Das Wasserbett. Tübingen, 1798.
167. +Marcuse+, Bäder und Badewesen in Vergangenheit und Gegenwart.
Stuttgart, 1903.
168. +Genzmer+, Bade- und Schwimmanstalten. Handbuch der Architektur.
Teil 4. Halbband 5. Heft 3. Stuttgart, 1899.
169. +Oechsli+, Quellenbuch zur Schweizergeschichte. Neue Folge.
Zürich, 1893.
170. +Freytag+, Aufsätze zur Geschichte, Literatur und Kunst.
Gesammelte Aufsätze. Bd. 2. Leipzig, 1888.
171. Herr Ulrich +Zwingli+ leerbiechlin wie man die Knaben Christlich
vnterweysen vnd erziehen soll, mit kurtzer anzayge aynes gantzen
Christlichen lebens. MDXXIIII.
172. +Egli+, Actensammlung zur Geschichte der Züricher Reformation in
den Jahren 1519–1533. Zürich, 1879.
173. +Vögelin+, Das alte Zürich. 2. Aufl. Zürich, 1878 und 1890.
174. +Rahn+, Das Fraumünster in Zürich, mit Anhang: Auszüge aus
den Rechnungen des Fraumünsterstiftes im Staatsarchive Zürich von
Zeller-Werdmüller. Mitteilungen der antiquarischen Gesellschaft in
Zürich. Bd. XXV.
175. +Escher+, Beschreibung des Zürichsees. Zürich, 1692.
176. +Murer+, Über die öffentlichen Zeitvertriebe der Zürcherischen
Jugend. Gazette de santé oder gemeinnütziges Archiv. Herausgegeben von
+Rahn+. Jg. 4. Zürich, 1785.
177. +An die liebe Zürcherische Jugend+ auf das Neujahr 1796. Von der
Gesellschaft zum schwarzen Garten.
178. +Lavater+, Abhandlung über den Nutzen und die Gefahren des Badens
der Jugend an freyen Orten, nebst Vorschlägen, wie die letzteren zu
vermindern seyen. Zürich, 1804.
179. +Lavater+, An die lernbegierige Zürcherische Jugend auf das
Neujahr 1836. Von der Gesellschaft der ehemaligen Chorherrnstube. 58.
Neujahrsblatt.
180. +Vogel+, Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten
der Stadt und Landschaft Zürich. Zürich, 1841.
181. +Koelliker+, Erinnerungen aus meinem Leben. Leipzig, 1899.
182. +von Escher+, Memorabilia Tigurina oder Chronik der
Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1850–1860. Zürich, 1870.
183. +Hingst+, Sanitätsverhältnisse Freibergs und darauf bezügliche
obrigkeitliche Maßnahmen im Mittelalter. Mitteilungen vom Freiberger
Altertumsverein 1884. 21. Heft. Freiberg i. S., 1885.
184. +Vogel+, Über den Nutzen und Gebrauch der Seebäder. Nebst der
Ankündigung einer öffentlichen Seebadeanstalt, welche an der Ostsee in
Mecklenburg angelegt wird. Stendal, 1794.
185. Die +Seebadeanstalten+ zu +Zoppot+ bei Danzig. Danzig, 1823.
186. Die +Urkunden+ des Stadtarchivs zu +Baden+ im Aargau.
Herausgegeben von +Welti+. Bd. 1. Bern, 1896.
187. +Nater+, Geschichte von Aadorf und Umgebung. Frauenfeld, 1898.
188. +Dändliker+, Die sogenannten Waldmannischen Spruchbriefe, ihre
Beurteilung und ihr Schicksal. Züricher Taschenbuch. 1900.
189. +von Segesser+, Rechtsgeschichte der Stadt und Republik Lucern.
Bd. 2. Lucern, 1852.
190. +von Dreyhaupt+, Ausführliche diplomatisch-historische
Beschreibung des ... Saal-Kreyses. Halle, 1755.
191. +Fidicin+, Historisch-diplomatische Beiträge zur Geschichte der
Stadt Berlin. Berlin, 1837–1842.
192. +Grote+ und +Broennenberg+, Das hannoversche Stadtrecht.
Vaterländisches Archiv des historischen Vereins für Niedersachsen. Jg.
1844. Hannover, 1846.
193. +von Bunge+, Die Stadt Riga im 13. und 14. Jahrhundert. Leipzig,
1878.
194. +Otto+, Aus dem Volksleben der Stadt Butzbach im Mittelalter.
Archiv für hessische Geschichte. N. F. Bd. 1. Darmstadt, 1894.
195. +Roth+, Fragmente zur Geschichte der Bader, Barbierer, Hebammen,
Erbarn Frauen und Geschwornen Weiber in der freyen Reichstadt Nürnberg.
Nürnberg, 1792.
196. +Falk+, Zur Volksgesundheitspflege Deutschlands im Mittelalter
(Badewesen und Seelenbad). Historisch-politische Blätter für das
katholische Deutschland. Bd. 108. München, 1891.
197. +Falk+, Die Volksgesundheitspflege im Mittelalter.
Historisch-politische Blätter für das katholische Deutschland. Bd. 118.
München. 1896.
198. +Reyscher+, Sammlung altwürttembergischer Statutar-Rechte.
Tübingen, 1843.
199. +von Rodt+, Bern im 16. Jahrhundert. Bern, 1904.
200. +von Freyberg+, Sammlung historischer Schriften und Urkunden. Bd.
5. Stuttgart und Tübingen, 1836.
201. +Baader+, Nürnberger Polizeiordnungen aus dem 13.–15. Jahrhundert.
Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 63. Stuttgart,
1861.
202. +Scriptores rerum Lusaticarum.+ Sammlung Ober- und
Niederlausitzischer Geschichtsschreiber. N. F. Bd. 1 u. 2. Goerlitz,
1839 und 1841.
203. +Auer+, Das Stadtrecht von München. München, 1840.
204. +Rau+, Die Regimentsverfassung der freien Reichsstadt Speier. 2.
Abt. Speier, 1845.
205. +von Maurer+, Geschichte der Städteverfassung in Deutschland. Bd.
2 und 3. Erlangen, 1870.
206. Anton +Tuchers+ Haushaltungsbuch (1507–1517), herausgegeben von
+Loose+. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 134.
Tübingen, 1877.
207. Die +Chroniken+ der fränkischen Städte. +Nürnberg.+ Bd. 4 und 5.
Die Chroniken der deutschen Städte. Bd. 10 u. 11. Leipzig, 1872 u. 1874.
208. Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden .... Durch den
weitberümpten Hans +Sachsen+ .... Franckfurt am Mayn, MDLXVIII.
209. +J. F. Meiss+, Beschreibung der Stadt Zürich. Msc. der
Stadtbibliothek Zürich.
210. +Schultz+, Deutsches Leben im XIV. und XV. Jahrhundert. Große
Ausgabe. Wien, Tempsky, 1892.
211. Deutsche +Gedichte des 12. Jahrhunderts+ und der nächstverwandten
Zeit. Herausgegeben von +Massmann+. 2. Teil. Quedlinburg u. Leipzig,
1837.
212. +von der Hagen+, Gesammtabenteuer. Stuttgart und Tübingen, 1850.
213. Der +Sachsenspiegel+ nach der ältesten Leipziger Handschrift
herausgegeben von +Weiske+. 3. Aufl. Leipzig, 1863.
214. Seifrid +Helbling+. Herausgegeben von +Seemüller+. Halle, 1886.
215. +Roth von Schreckenstein+, Die Bader, Truckenscherer und Vintuser
zu Ulm 1470. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. N. F. Bd. 6. Jg.
1859. Nürnberg.
216. +Zeitschrift+ für die +Geschichte+ des +Oberrheins+. Herausgegeben
von Mone. Bd. 16. Karlsruhe, 1864.
217. +Rüdiger+, Die wiedergefundene Handschrift der Zunft der Bader in
Hamburg. Mittheilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte. Bd. 3.
Hamburg, 1887.
218. +von Karajan+, Buch der Rügen. Zeitschrift für deutsches
Alterthum. Bd. 2. Leipzig, 1842.
219. +Mone+, Armen- und Krankenpflege vom 13.–16. Jahrhundert.
Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Bd. 12. Karlsruhe, 1861.
220. +Beneke+, Von unehrlichen Leuten. Hamburg, 1863.
221. Groß Chirurgei, oder volkommene Wundartznei. Durch Gwaltherum +H.
Ryff+, Argent. Medicum vnnd Chirurgum. Getruckt zu Franckfurt am Meyn,
Bei Christian Egenolffs Erben. Im Iar MDLIX.
222. +Meister-Holzschnitte+ aus vier Jahrhunderten. Herausgegeben von
+Hirth+ und +Muther+. München u. Leipzig.
223. +Schmeller+, Deutsches des X.-XII. Jahrhunderts aus Münchener
Handschriften. Zeitschrift für deutsches Alterthum. Bd. 8. Leipzig,
1851.
224. Das +Leben der heiligen Elisabeth+ vom Verfasser der Erlösung.
Herausgegeben von +Rieger+. Bibliothek des litterarischen Vereins in
Stuttgart. Bd. 90. Stuttgart, 1868.
225. +Eraclius+, Deutsches Gedicht des 13. Jahrhunderts. Herausgegeben
von +Graef+. Straßburg, 1883.
226. Der Edelstein von Ulrich +Boner+. Herausgegeben von +Pfeiffer+.
Dichtungen des deutschen Mittelalters. Bd. 4. Leipzig, 1844.
227. +Bär+, Das Frauenkloster St. Verena in Zürich. Programm der
höheren Töchterschule der Stadt Zürich. Schuljahr 1902–1903.
228. +von Bahder+, Gedichte des Königs vom Odenwald. Germania. Jg. 23.
Wien, 1878.
229. +Brunner+, Die Verwundeten in den Kriegen der alten
Eidgenossenschaft. Tübingen, 1903.
230. Der Ring von Heinrich +Wittenweiler+. Herausgegeben von
+Bechstein+. Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 23.
Stuttgart, 1851.
231. Schachtafelen der Gesuntheyt .... durch Michael +Hero+, Leibartzt
zu Straßburg. Getruckt durch Hans Schotten zum Thyergarten. MDXXXIII.
232. +Bartels+, Die Medicin der Naturvölker. Leipzig, 1893.
233. Artznei Spiegel .... durch D Joan. +Dryandrum+. Itzt widerumb, mit
verbesserung, im Truck verordnet. Franckfurt am Meyn, Bei Christian
Egenolph. 1547.
234. (+Philipp von Allendorff+), Der Judenn Badstub. Eyn Anzeygung Irer
manigfeltigen schedlichen hendel ... 1535.
235. +Gurlt+, Geschichte der Chirurgie und ihrer Ausübung. Berlin, 1898.
236. +von Hefner-Alteneck+, Trachten, Kunstwerke und Gerätschaften vom
frühen Mittelalter bis Ende des 18. Jahrhunderts. 2. Aufl. Bd. 8 und
10. Frankfurt a.❆M., Keller, 1887 u. 1889.
237. Allerhand über den 1712. Jahrs verloffnen Toggenburger Krieg
außgegangner getrukter und geschribner .... inscriptionen zusammen
getragen von Erhard +Dürsteler+, Pfarrer zu Horgen. Msc. der
Stadtbibliothek zu Zürich.
238. Hie nach volget ein gut +regiment+ vnd ordnung vnd bewert
preseruatiua vnd ler, wie man sich wider den geprechen der +pestilentz+
aufhalten vnd bewaren sol.... Die durch hochgelert doctores vnd meyster
der ertzney, auf das kurtzist ausgezogen vnd hie mit durch disen truck
zu gemeynem nutz, für reich vnd arm geoffenbart sein. (Reiserscher
Druck.)
239. +Scharold+, Auszüge aus den ältesten Raths-Protokollen der Stadt
Gerolzhofen. Archiv des historischen Vereins für den Untermainkreis.
Bd. 3. Würzburg, 1836.
240. Hienach stadt der +Meister+ der +Scherer+ vnnd +Baderordnung+ vnd
Artickel was ir handtwerch antrift. Anno Domini 1608. Msc. der Med.
Bibliothek in Zürich.
241. Des +Teufels Netz+. Herausgegeben von +Barack+. Bibliothek des
litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 70. Stuttgart, 1863.
242. +Wildvogel+, Libellus de balneis et balneatoribus. Francofurti et
Lipsiae, MDCCLIIII.
243. +Manuscript+ der medizinischen Bibliothek in Zürich.
244. +Peters+, Der Arzt in der deutschen Vergangenheit. Leipzig, 1900.
245. +Vogel+, Memorabilia Tigurina 1840–1850. Zürich, 1853.
246. +Pictorius+, Laßbüchlin. Anhang: Vonn schrepffen. Gedruckt zů
Basel, by Jacob Kündig im jar MDLV.
247. +Ringholz+, Geschichte des fürstlichen Benediktinerstiftes U. L.
F. zu Einsiedeln unter Abt Johannes I. von Schwanden, 1298–1327. Der
Geschichtsfreund. Mittheilungen des historischen Vereins der fünf Orte.
Bd. 43. Einsiedeln und Waldshut, 1888.
248. Briefwechsel Balthasar +Paumgartners+ des Jüngern mit seiner
Gattin Magdalena, geb. Behaim. Herausgegeben von +Steinhausen+.
Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 204. Tübingen,
1895.
249. +Müller+, Der Aderlaß. Cistercienser Chronik. Jg. 5. Bregenz, 1893.
250. Spiegel, vnnd Regiment der Gesundtheyt .... Vualtherus +Riuius+.
Getruckt zu Franckfurt am Mayn, bei Egenolph, im Jar MDLV.
251. Ein schön lustig Trostbüchle von den empfengknussen vnd geburten
der menschen .... durch Jacob +Rueff+, burger vnd Steinschnyder der
loblichen Statt Zürych. Getruckt zu Zürych by Christoffel Froschouer,
im MCLIIII. jar.
252. +Ganz+, Aus zürcherischen Theilrödeln. Züricher Taschenbuch.
Zürich, 1900.
253. +von Rodt+, Bern im 19. Jahrhundert. Bern, 1898.
254. +Wolfram von Eschenbach.+ 3. Ausgabe von +Lachmann+. Berlin, 1872.
255. +Ochs+, Geschichte der Stadt und Landschaft Basel. Bd. 2. Basel,
1792.
256. Heinrich +Kaufringer+s Gedichte. Herausgegeben von +Euling+.
Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 182. Tübingen,
1888.
257. +Hampe+, Gedichte vom Hausrat aus dem XV. und XVI. Jahrhundert.
Straßburg, 1899.
258. +Haupt+, Zu Wolframs Parzival. Zeitschrift für deutsches Altertum.
Bd. 11. Berlin, 1859.
259. Liederbuch der Clara +Hätzlerin+. Herausgegeben von +Haltaus+.
Quedlinburg und Leipzig, 1840.
260. +Fechter+, Topographie (Basels) mit Berücksichtigung der Cultur-
und Sittengeschichte. Basel im 14. Jahrhundert. Basel, 1856.
261. Das ist der Teutsch +Kalendari+ mit den Figuren. Getruckt zu
+Augsburg+ von Nannsen +Froschauer+ in der Kaiserlichen stat. Als man
zalt nach Christi gepurt. MCCCCC vnd 11 Jar — Ohne Titelblatt. Gedruckt
vnnd volenndet in der keyserlichen statt +Augspurg+ von Hannsen
+Schobser+ ..... MCCCC vnnd in dem LXXXVIII. jare.
262. Temporal, Des weitberhümpten M. Johann +Küngsperger+s, natürlicher
kunst der Astronomey kurtzer begriff, von Natürlichem einfluß der
Gestirn, Planeten, vnd Zeichen .... Getruckt zu Franckfurdt am Mayn,
durch Weygand Han, in der Schnurgassen, zum Krug.
263. +Amusements des eaux d’Aix-La-Chapelle.+ Amsterdam, 1736. —
Amusements des eaux d’Aix la Chapelle, oder Zeitvertreib bey den
Wassern zu Achen. Berlin, 1737.
264. +Schwenckfeldt+, Thermae Teplicenses. Von deß Töplitzen
warmen Bades, in Böhmen, nicht weit vom Graupen gelegen, Vrsprung,
Gelegenheit, Abetheylung, Natur, Eigenschafft, vnd rechtem Gebrauch.
Görlitz, 1607.
265. Tagebuch des Lucas +Rem+ aus den Jahren 1494–1541. Mitgeteilt von
+Greiff+. Augsburg 1861. 26. Jahresbericht des historischen Vereins im
Regierungsbezirke von Schwaben und Neuburg für das Jahr 1860. Augsburg,
1861.
266. +Mone+, Stadtordnungen. Zeitschrift für die Geschichte des
Oberrheins. Bd. 4. Karlsruhe, 1853.
267. Tandareis und Flordibel. Ein höfischer Roman von dem +Pleiaere+.
Herausgegeben von +Khull+. Graz, 1885.
268. +Ulrich+s +von Liechtenstein+ Frauendienst. Herausgegeben von
+Bechstein+. Leipzig, 1888.
269. +Blumenbach+, Blicke in den Hofstaat und die Lebensweise einer
verwittweten Fürstin im 14. Jahrhundert. Archiv des historischen
Vereins in Niedersachsen. Jg. 1849. Hannover, 1851.
270. Reiserechnungen +Wolfger+s +von Ellenbrechtskirchen+, Bischofs
von Passau, Patriarchen von Aquileja. Herausgegeben von +Zingerle+.
Heilbronn, 1877.
271. +Scheible+, Das Kloster. Bd. 1. Stuttgart und Leipzig, 1845.
272. +Varges+, Zur Verfassungsgeschichte der Stadt Wernigerode im
Mittelalter. Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte. Bd. 3. Weimar,
1896.
273. +Zeuß+, Die freie Reichsstadt Speier vor ihrer Zerstörung. Speier,
1843.
274. +Reber+, Felix +Hemmerlin+ von Zürich. Zürich, 1846.
275. +Ordnung+, ansehen vnd erkanntnus eines Ersamen Radts der Statt
+Zürich+, wie hinfür über Eelich sachenn gericht ... sol werden. Actum
an Samstag 23. Aprilis. 1530 vor Räthen vnnd Burgeren.
276. Ludwig +Lauater+, Erklerung vnd vßlegung über das Buch Hesther.
Zürych, 1583.
277. Gespräch bůchlin herr Vlrichs von +Hutten+. Feber das Erst.
Feber das Ander. Wadiscus, oder die Römische dreyfaltigkeit. Die
Anschawenden. (Geben zů Ebernburgk, vff den heyligen newen jars abent,
im jar nach Christi geburt MCCCCC. vnd einvndzweintzigsten.)
278. +Hegel+, Städte und Gilden der germanischen Völker im Mittelalter.
Bd. 2. Leipzig, 1891.
279. +Stoltze+, Unehrliche Leute. Zeitschrift für deutsche
Kulturgeschichte. N. F. Jg. 2. Hannover, 1873.
280. Die Chronik von Clemens +Sender+. Die Chroniken der schwäbischen
Städte. Augsburg. Bd. 4. (Die Chroniken der deutschen Städte. Bd. 23.)
Leipzig, 1894.
281. +Bluntschli+, Staats- und Rechtsgeschichte der Stadt und
Landschaft Zürich. 2. Aufl. Teil 1. Zürich, 1856.
282. +Sanders+, Wörterbuch der deutschen Sprache. Leipzig, 1860–1865.
283. +Keller+, Zürcherische Apotheken und Apotheker. Festschrift zur
Erinnerung an die fünfzigjährige Stiftungsfeier in Zürich am 16. und
17. Aug. 1893. Zürich, 1893.
284. Ott +Ruland+s Handlungsbuch. Bibliothek des literarischen Vereins
in Stuttgart. Bd. 1. Stuttgart, 1843.
285. +Förstemann+, Die alten Statuten der Stadt Halle. Neue
Mittheilungen aus dem Gebiete historisch-antiquarischer Forschungen.
Bd. 1. Halle, 1834.
286. +von Schlosser+, Die Bilderhandschriften Königs Wenzel I. Jahrbuch
der kunsthistorischen Sammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses,
herausgegeben ... vom Oberstkämmer-Amte. Bd. 14. Wien, Tempsky, 1893.
287. +Bluntschli+, Memorabilia Tigurina, Merkwürdigkeiten der Statt
Zürich. 2. Aufl. Zürich, 1711.
288. +Abraham a S. Clara+, Etwas für alle. Anderer Teil.
Nürnberg-Würtzburg, 1711.
289. +Meyer-Ahrens+, Die Ärzte und das Medicinalwesen der Schweiz im
Mittelalter. Archiv für pathologische Anatomie. Herausgegeben von
+Virchow+. Bd. 24 u. 25. Berlin, 1862.
290. +Martin+, Urkundenbuch der Stadt Jena und ihrer geistlichen
Anstalten. Bd. 1. Jena, 1888.
291. +Solger+, Aus dem Sanitätswesen der Reichsstadt Nürnberg im
16. Jahrhundert. Deutsche Vierteljahrsschrift für öffentliche
Gesundheitspflege. Bd. 2. Braunschweig, 1870.
292. +Pfaff+, Württembergs Wiedergeburt nach dem dreißigjährigen Krieg.
Württembergische Jahrbücher. Jg. 1848. Stuttgart und Tübingen, 1849.
293. +Pfotenhauer+, Über Freibergs Ärzte und Heilkünstler in den
ältesten Zeiten. Mitteilungen vom Freiberger Altertumsverein. Heft 22,
1885. Freiberg in Sachsen, 1886.
294. +Scharold+, Mannigfaltiges. Archiv des historischen Vereins von
Unterfranken und Aschaffenburg. Bd. 4. Würzburg, 1838.
295. Otte mit dem Barte von +Cuonrat von Würzeburc+. Herausgegeben von
+Hahn+. Quedlinburg und Leipzig, 1838.
296. Der trojanische Krieg von +Konrad von Würzburg+. Herausgegeben von
+A. von Keller+. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart.
Bd. 44. Stuttgart, 1858.
297. +Hartmann von Aue.+ Herausgegeben von +Bech+. 1. Teil. Êrec der
wundermaere. 2. Teil. Der arme Heinrich. Leipzig, 1867.
298. +Biterolf und Dietleib.+ Herausgegeben von +Jänicke+. Deutsches
Heldenbuch. Teil 1. Berlin, 1866.
299. +Alpharts Tod.+ Von der +Hagen+, Heldenbuch. Bd. 1. Leipzig, 1855.
300. Wigalois. Eine Erzählung von +Wirnt von Gravensberg+.
Herausgegeben von +Pfeiffer+. Leipzig, 1847.
301. +Mai und Beaflor.+ Eine Erzählung aus dem 13. Jahrhundert. 1.
Druck. Dichtungen des deutschen Mittelalters. Bd. 7. Leipzig, 1848.
302. Meleranz von dem +Pleier+. Herausgegeben von +Bartsch+. Bibliothek
des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 60. Stuttgart, 1861.
303. Herzog Ernst des +Heinrich von Veldeck+. Von der +Hagen+ und
+Büsching+, Deutsche Gedichte des Mittelalters. Bd. 1. Berlin, 1808.
304. +Wigamur.+ Von der +Hagen+ und +Büsching+, Deutsche Gedichte des
Mittelalters. Bd. 1. Berlin, 1808.
305. +Selos+ und +Zingerle+, Fresken-Cyclus des Schlosses Runkelstein
bei Bozen. Innsbruck.
306. +Janitschek+, Geschichte der Malerei. Berlin, 1890.
307. +De la Curne de Sainte-Palaye+, Das Ritterwesen des Mittelalters.
Aus dem Französischen mit Anmerkungen, Zusätzen und Vorrede von
+Klüber+. Bd. 1. Nürnberg, 1786.
308. +Manuskript+ der Stadtbibliothek Zürich.
309. +von Arnim+ und +Brentano+, Des Knaben Wunderhorn. Arnims
sämtliche Werke. Bd. 17. Berlin, 1846.
310. +Ein schön new Lied+, Zu Leyptzig saß ein Kauffman reich, der het
ein gutte Hetzen. Im Thon: Ein Buch Cento Nouella heist.
311. +Göldi+, Der Hof Bernang. St. Gallen, 1897.
312. Bericht des +Ibrahîm ihn Jakûb+ über die Slawen aus dem Jahre 973,
mitgeteilt von +Wigger+. Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische
Geschichte und Alterthumskunde. Jg. 45. Schwerin, 1880.
313. Die Gedichte +Oswald+s +von Wolkenstein+. Herausgegeben von
+Weber+. Innsbruck, 1847.
314. Auszüge aus +Ammianus Marcellinus+, übersetzt von +Coste+. Die
Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit. Urzeit. Bd. 2. Leipzig, 1879.
315. Die Badenfahrt von David +Heß+. Zürich, 1818.
316. +Kaiser+, Die Heilquelle zu Pfäfers und Hof Ragaz. 3. Aufl. St.
Gallen, 1847.
317. Johann +von Müller+s Geschichten Schweizerischer
Eidgenossenschaft. Teil 5, Abt. 2. Von +Glutz-Blozheim+. Zürich, 1816.
318. Cosmographey: das ist, Beschreibung aller Länder, Herrschafften
vnd fürnemesten Stetten des gantzen Erdbodens. Erstlich durch Herrn
Sebastian +Munster+ ... gebessert; jetzt ... bis ins MDXCVIII. jar
gemehret. Getruckt zu Basel.
319. Kunstdenkmäler im Großherzogtum Hessen. +Adamy+, Provinz
Oberhessen, Kreis Friedberg. Darmstadt, 1895.
320. +Pfyffer+, Geschichte der Stadt und des Kantons Luzern. Zürich,
1850. 1852.
321. +Füßli+, Joh. Waldmann. Zürich, 1780.
322. Kurtze, vnd eigentliche +Beschreibung+, deß Vrsprungs, Krafft,
Nutzbarkeit vnnd gebrauchs deß Edlen, weitberümbten warmen Bads, zu
+Baden im Ergöuw+, in der loblichen Eydtgnoschafft. Allen denen,
so sich deß Badts nutzlich gebrauchen wöllen, zu hochnohtwendiger
nachrichtung vnd gefallen in Truck verfertiget. Getruckt im Jahr,
MDCXIX. (1683 abermals gedruckt.)
323. Von dem Antegaster Saur-Brunnen, und von seiner Krafft und
Würckung. Abgeschrieben auß dem Neuen Wasser-Schatz, und probieret
durch Jacobum +Theodorum+, der Artzney Doctor zu Wormbs, Im Jahr
Christi 1505. Straßburg, 1704.
324. Neuw Wasserschatz, Das ist: Aller Heylsamen Metallischen
Minerischen Bäder vnd Wasser, sonderlich aber der new erfundenen
Sawrbrunnen zu Langen Schwallbach ... beschreibung. ... Durch Jacobum
+Theodorum Tabernaemontanum+. Franckfurt am Mayn, MDLXXXI.
325. +Kerner+, Das Wildbad im Königreich Würtemberg mit Nachrichten
über die Heilquelle zu Liebenzell. 3. Aufl. Tübingen, 1832.
326. Michel +Montaigne+s Reise durch die Schweiz. I. J. 1580.
Helvetischer Almanach für das Jahr 1800. Zürich.
327. Die +Bäder zu Baden+ in der Schweiz. I. J. 1417. Helvetischer
Almanach für das Jahr 1800. Zürich.
328. +Weemühtige Klag vnd Traurgeschicht+ der zu Rottenburg und
Gniffikon von der Bickweilerischen Rott u. übel-gequelten, aber doch
selbsschuldigen sechs- oder siben-wüchigen Qualbilderen. Vber ihre
bitter-süsse selbs-gesuchte Heil-noht ... Getruckt zu Kretzingen, in
der Thermopolitanischen gegne.
329. Reisen und Gefangenschaft Hans Ulrich +Krafft+s. Herausgegeben von
+Haßler+. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 61.
Stuttgart, 1861.
330. +Bader+, Nachrichten über das Glotterbad. Zeitschrift für die
Geschichte des Oberrheins. Bd. 21. Karlsruhe, 1868.
331. Ein New Badbuch, Vnd Historische Beschreibung, Von der wunderbaren
Krafft vnd würckung, des Wunder Brunnen vnd Heilsamen Bads zu Boll
... Durch Johannem +Bauhinum+, ins Deutsch gebracht, durch M. Dauid
+Förter+. Getruckt zu Stutgarten, 1602.
332. (+Moser+), Brauchbare Nachrichten für diejenige, so sich des
fürtrefflichen Würtembergischen Wildbades bedienen wollen. Zur
Bequemlichkeit seiner Mit-Bad-Gäste gesammlet von einem danckbaren
Bad-Gast. Stuttgart, 1758.
333. +Petri de Tvssignano+ liber de balneis Burmi etc. De Balneis
omnia quae extant apvd Graecos, Latinos, et Arabas, tam medicos quam
quoscunque ceterarum artium probatos scriptores ... Venetiis apvd
Ivntas, MDLIII.
334. Conradi +Gesneri+ Excerptorum et obseruationum de Thermis liber
primvs. De Thermis in genere. De Thermis Germaniae ordine literarum,
liber secundus. De Balneis etc. (Siehe Nr. 333.)
335. Historisch-physikalische Beschreibung des Würtembergischen
Wild-Bades. I.A.G.M.D. (+Geßner+). Stuttgart, 1745.
336. Des grossen gemeinen Conciliums zu Costentz gehalten, kurtze,
doch grundtlichere vnd volkommenere dann vor nie in Teutsch gesähen,
beschreybung u.❆s.❆w. Durch Johann +Stumpffen+. (Zürich, Froschower.)
337. +Schnorr von Carolsfeld+, Zur Geschichte des deutschen
Meistergesangs. Berlin, 1872.
338. +Mone+, Gewerkschaften für Eisen, Glas und Salz. Vom 11. bis 17.
Jahrhundert. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Bd. 12.
Karlsruhe, 1861.
339. +Spengler+, Bericht über die Saison 1858 zu Bad-Ems.
Balneologische Zeitung. Bd. 8. Wetzlar, 1859.
340. +Spengler+, Bericht über die Saison 1860 zu Ems. Balneologische
Zeitung. Bd. 11. Wetzlar, 1862.
341. +Wolfdietrich.+ Von der +Hagen+, Heldenbuch. Bd. 1. Leipzig, 1855.
342. +Marcard+, Beschreibung von Pyrmont. Leipzig, 1784 u. 1785.
343. +Zückert+s systematische Beschreibung aller Gesundbrunnen und
Bäder Deutschlands. Berlin und Leipzig, 1768.
344. +Kiene+, Die warmen Quellen zu Gastein. Salzburg, 1844.
345. +Rahn+, Die Wandgemälde in der Klosterkirche zu Kappel. Anzeiger
für schweizerische Altertumskunde. Zürich, 1884.
346. Ain nützlichs büchlin von dem Wildpad, gelegen im fürstenthumb
Wirtenberg, gemacht von dem berümpten doctor Johann +Mechinger+ (Johann
+Widman+ genannt +Mechinger+). Gedruckt zů Tübingen Anno 1513.
347. +Becher+, Karlsbads Bade-Einrichtungen und Brunnen-Kolonnaden
einst und jetzt. S.-A. aus der Festschrift der Stadt Karlsbad für die
74. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Karlsbad 1902.
Prag, 1902.
348. D. Johann Stephan +Strobelberger+s .... Kurtze Vnterweisung, wie
man nemlich deß Kaysers-Carls-Bads sich recht zu gebrauchen ... solle.
Anjetzo auff das newe an das Liecht gebracht, und zufinden bey Andreas
Becher. Prag, 1696.
349. Tractat von deß überauß heylsamen, weitberühmten, selbst
warmen, Vnser Lieben Frawen Pfeffersbad, inn Oberschweitz gelegen,
wunderthätiger Natur, Art, Eygenschafft, Tugent, Krafft vnd Würckungen
... Durch Johann +Kolwecken+. Dilingen, 1631.
350. Kurtze Beschreibung deß Carolsbades, so nahe beym Städlein
Ellnbogen in Böhmen gelegen .... Durch Martinum +Pansam+. Annenbergk,
1609.
351. Cosmographiae universalis Lib. VI. Autore Seb. +Munstero+.
Basileae apud Henrichum Petri, MDL.
352. +Hofmann+, Bade-Preise zu Badenweiler aus dem Jahre 1747.
Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte. N. F. Jg. 2. Hannover, 1873.
353. (+Meyer+) Beschreibung der Heilbäder zu Baden im Kanton Aargäu.
Über die Dampf- und Qualmbäder zu Baden im Canton Argau. Über die
Dampf- und Gas-Bäder zu Baden mit einigen Notizen über Schinznach im
Canton Aargau. Neujahrsgeschenk von der neuerrichteten Gesellschaft zum
schwarzen Garten der lieben Zürcherischen Jugend gewidmet auf das Jahr
1808, 1809, 1827, 1828.
354. +Renz+, Wildbad im Königreich Württemberg. Stuttgart, 1871.
355. +Scheuchzer+, Vernunfftmäßige Untersuchung des Bads zu Baden,
dessen Eigenschafften und Würkungen. Zürich, 1732.
356. +Kraus+, Die Miniaturen des Codex Egberti in der Stadtbibliothek
zu Trier. Freiburg, 1884.
357. +Will+, Henricus de Hassia über das Wiesbadener Badeleben im 14.
Jahrhundert. Annalen des Vereins für Nassauische Alterthumskunde. Bd.
13. Wiesbaden, 1874.
358. D. Joh. Dan. +Horstii+ ... kurtzer Bericht vom Embser-Bad ....
samt .. Bericht Doct. Marsillii +Weigelii+ vom Embser Bad und Brunnen.
Darmbstadt, 1683.
359. Eucharius +Rößlin+, Der Schwanngeren frawen vnd Hebammen
Rosengarten. Augspurg, 1528.
360. +Capeller+ und +Kaiser+, Die Mineralquellen zu St. Moritz, Schuls,
Tarasp, Fideris ... Chur, 1826.
361. +Feuerlein+, Heylsbronnisches Zeugnuß der Göttlichen Güte und
Vorsorge, bey dem uralten, nun aber neu entdeckten, mitten in dem
Closter Heylsbronn befindlichem Heylbronnen. Nürnberg, 1732.
362. Natürliche wolerfahrne Beschreibung des Marggräffischen Bades ....
durch Herrn D. Johan. Matthaeum +Hessum+. Speyer, 1606.
363. +Jäger+, Geschichte der Stadt Heilbronn. Heilbronn, 1828.
364. +Eckart+, Die Mineral-Gesundheits- und Reinigungsbäder in
Mittelfranken 1854–1855. Balneologische Zeitung. Bd. 3. Wetzlar, 1856.
365. Kurtzer Bericht dess Lobwürdigen Pfeffers Baad- und
Trinckt-Wassers, Aller andern Mineralischen Gesund-Wasseren Königin
.... Von Joann +Abiss+, Med. Doct. Löbl. Statt Chur und gedachtem
Baades Physico Ordinario. Veldkirch, 1676.
366. (Lor. +Forer+) Etliche kurtze Obseruationes, oder wahrnemmungen
von dem Pfeffersbad, Von einem Patre der Societet Jesu, welcher zum
öfftern solches Bad selbsten gebraucht, zusamen getragen ... Augsburg,
1642.
367. +Scharold+, Mannigfaltiges. Archiv des historischen Vereins von
Unterfranken und Aschaffenburg. Bd. 5. Würzburg, 1839.
368. +Vogt+, Der Kurort Hof-Ragaz in der Schweiz. Gießen, 1857.
369. +Kaiser+, Die Therme von Ragaz-Pfäfers. 5. Aufl. St. Gallen, 1869.
370. +Wetzler+, Über Gesundbrunnen und Heilbäder. Mainz, 1819 u. 1825.
— Über Gesundbrunnen und Heilbäder. 2. Aufl. (vom 1. u. 2. Teil).
Mainz, 1822. — Zusätze und Verbesserungen zu den 2 Bändern der neuen
Ausgabe des Werkes: Über Gesundbrunnen und Heilbäder. Mainz, 1822.
371. (+Zeiller+) Topographia provinciarum Austriacarum Austriae,
Styriae, Carynthiae, Carniolae, Tyrolis etc.: Das ist Beschreibung
vnd Abbildung der fürnembsten Stätt vnd Plätz in den Österreichischen
Landen .... durch Matthaeum Merian in Franckfurt am Meyn, 1649.
372. Historisch-physikalische Beschreibung des berühmten mineralischen
Bades .... der Würtembergischen kleinen Amts-Stadt Lieben-Zell, das
Zeller-Bad genannt, herausgegeben von J. A. G. M. D. (+Geßner+).
Stuttgart, 1748.
373. Thermae Argoviâ-Badenses. Das ist, Eigentliche Beschreibung der
warmen Bädern ins gemein; deß herrlichen in dem Aergöw gelegenen warmen
Bads zu Baden ins besonder. Durch Salomon +Hottinger+. Baden, 1702.
374. Baderbüchlin. Sechs köstliche Tractat, armen vnd reychen,
nutzlich vnd notwendig, von wasserbädern .... Durch den hocherfarnen
Herren Theophrastum +Paracelsum+. Mit fleyß vnd müe, Doctor Adams
von +Bodenstein+, zů einem gůten neuwen jar publicirt. Gedruckt zů
Mülhausen, im oberen Elsäß, durch Peter Schmid. 1562.
375. Menschlichs lebens art vnd vrsprung, vnd wie man daß befristen
soll durch die wilbäder, beuor zů Oberbaden. Ouch von deren crafft,
tugent vnd eygentschafft. Vnd wie man sich dorinnen halten sol. Einem
yeglichen menschen vast nutzlich zůwissen. Durch den hochgelerten
doctorem Alexandern +Sytzen+, von Marckpach nüwlich beschribben.
Getruckt zů Basel, durch Adam Petri. 1516.
376. +Boesch+, Eine Karlsbader Kur vor 300 Jahren. Mitteilungen aus dem
germanischen Museum. Nürnberg. Jg. 1891.
377. +Fromm+, Über „Tafelwasser“ in rechtlicher und hygienischer
Beziehung. Vierteljahrsschrift für gerichtliche Medicin. Berlin, 1903.
3. Folge. Bd. 25.
378. Kurfürst +August+s +von Sachsen Badereise+ nach Langenschwalbach
im Jahre 1584. Balneologische Zeitung. Bd. 9. Wetzlar, 1860.
379. +Hensing+, Genaue und neue Erforschung des Schwalbacher
Sauer-Brunnens. Franckfurt am Mayn, 1711.
380. Gedichte des Herrn von +Haller+. Zürich, 1762. 8. Aufl.
381. +Seippii+ Neue Beschreibung der Pyrmontischen Stahl-Brunnen. 2.
Aufl. Hannover, 1719.
382. +Würtembergische Jahrbücher.+ Jg. 1828. Stuttgart und Tübingen,
1830.
383. +Martin+, Von Paracelsus bis Scheuchzer. Zentralblatt für
physikalische Therapie und Unfallheilkunde. Bd. 1. Wien u. Berlin, 1905.
384. Hydriatrice. Aquarvm medicarvm sectiones quatvor: quarum elenchus
est in sequenti pagella, Avtore Martino +Rulando+, Frisigensi, Doct.
Medico et Physico Professore in Schola Laugingana. 1568. Dilingae
excvdebat Sebaldvs Mayer.
385. (+Merveilleux+) Angenehmer Zeitvertreib in den Bädern zu Baaden
in der Schweitz, zu Schintznach und Pfeffers. Aus dem Frantzösischen
übersetzet. Dantzig, 1739.
386. Spiegl der Artzny ... gemacht von Laurentio +Phryesen+ von Colmar,
der Philosophy vnd Artznei Doctor.
387. +Stricker+, Zur Kulturgeschichte der deutschen Bäder. Zeitschrift
für deutsche Kulturgeschichte. Jg. 1856. Nürnberg.
388. Joannis +Guintherij+ Andernaci Medici Commentarius de balneis et
aquis medicatis in tres Dialogos distinctus. Argentorati, MDLXV.
389. +Tissot+, Anleitung für das Landvolk in Absicht auf seine
Gesundheit. Mit neuen Zusätzen vermehrt. Aus dem Französischen
übersetzt durch +Hirzel+. Zürich, 1762.
390. Von Kalten, Warmen, Minerischen vnd Metallischen Wassern, sampt
der vergleichunge der Plantarum vnd Erdgewechsen 10 Bücher: Durch
Leonhart +Thurneisser+ zum Thurn. 1572. Gedruckt zu Franckfurt an der
Oder, durch Johan Eichhorn.
391. Hydriatria Carolina, Das ist: Kurtze Beschreybung, was das
weit-berühmte, Kayser-Carlsbad vor köstliche Mineralien mit sich
führet. — Durch Wenceslaum +Hüllingern+. An. 1638. Anjetzo aber
anderweit, in Verlegung Andreas +Becher+s, Apothekers in ermeldten
Carls-Bad, auff das newe an das Liecht gebracht. Prag.
392. Kurtze Beschreibung des Pyrmontischen Sauer-Brunnens, sonst
genandt der Heilige Brunn ... durch Georgium +Bolmannum+. Cassel und
Marburg, 1682.
393. Hygia Weihenzellensis, oder: Weihenzellischer Heil- und
Wunder-Bronnen .... von Johanne Laurentio +Loelio+. Nürnberg und
Onolzbach, 1682.
394. Einige historische Nachrichten und Anmerkungen von der
Graffschafft Pyrmont .. von Sigismund +Beermann+. Franckfurt und
Leipzig, 1706.
395. +Strauß+, Ulrich von Hutten. Leipzig, 1858.
396. (Dr. +Ziegler+ in Regensburg) Bemerkungen über den Kurort Pfäfers
in der Schweiz aus dem Tagebuche eines reisenden Arztes. Journal der
praktischen Heilkunde. Herausgegeben von +Hufeland+ und +Osann+. Bd.
60. Berlin, 1825.
397. Henrici +Rantzovii+ de conservanda valetudine liber, in privatum
liberorvm svorum vsum ab ipso conscriptus, ac editus a Dethlevo
+Silvio+ Holsato. Francofordi, 1591.
398. Oberbaden im Ergöw der Eydgnoschafft, Erstlich Menschlichs lebens
Art vnd Vrsprung, vnd wie man das befristen soll durch die Wilbäder,
beuor zů Oberbaden. Ouch von deren krafft, tugend vnd eygenschafft.
Vnd wie man sich darinnen halten soll. Einem jeglichen menschen fast
nutzlich zůwissen. Durch den Hochgelerten D. Alexandern +Sitzen+, von
Marckbach beschriben, vnd jetz widerumb nüwlich an tag bracht. 1576.
(Nach der Vorrede ist der Wiederherausgeber Leonhart +Strübin+ Dec.)
399. +Schweizer+, Die Bade-Kur in Aargauisch Baden mit ihren Vor- und
Nachwehen. Burgdorf, 1834.
400. Vom Wasserbaden drey Theyl. Durch D. Martium +Rulandum+, von
Freysingen, der Statt Laugingen Physicum. MDLXVIII. Getruckt zu
Dilingen, durch Sebaldum Mayer.
401. +Zapf+, Kurtze Beschreibung derer in einem Triangul nahe bey
einander liegenden Gesund-Brunnen, welche bey ... Rastenberg neulich
entprungen ... Zum 4. mahl gedruckt Franckfurter und Leipziger Meß 1697.
402. +Unterricht+ von dem Gebrauch des +Sältzer Wasser+s beyläuffig
etwas vom verführten Carls-Bader-Wasser. Berlin, 1720.
403. Conradi +Redekeri+ ... brevis descriptio ... Bilfeldiani fontis et
ususe jusdem. Amstelaedami, MDCLXVIII.
404. +Amusements des eaux de Spa+ oder Vergnügungen und
Ergötzlichkeiten bey den Wassern zu Spaa. Aus dem Französischen ins
Teutsche übersetzt von P. G. v. K. Franckfurt und Leipzig, 1735.
405. +Klüber+, Beschreibung von Baden bei Rastatt. 1. Teil. Tübingen,
1810.
406. +Jasander+, Amusements des eaux de Bade en Autriche.
Das ist: Angenehmer Zeitvertreib und Ergözlichkeiten, in dem
Nieder-Oesterreichischen Baadner-Bad, nebst Herrn D. +Dietmann+s
Untersuchung von dessen Gebrauch und Mißbrauch. Nürnberg, 1747.
407. +Amusements des eaux de Schwalbach+ oder Zeitvertreibe bey
den Wassern zu Schwalbach, denen Bädern zu +Wisbaden+, und dem
+Schlangenbade+. Lüttich, 1739.
408. +Zwierlein+ und +Kühn+, Taschenbuch für Brunnen- und Badegäste.
Leipzig, 1794.
409. Thermarum Aquisgranensivm, et Porcetanarvm Elucidatio, et
Thaumaturgia ... Francisci +Blondel+. Editio tertia. Aquisgrani, 1688.
— Außfürliche Erklärung vnd Augenscheinliche Wunderwirckung deren
heylsamen Badt- vnd Trinckwässeren zu Aach. Durch Franciscum +Blondel+.
Aach, 1688.
410. Beschryving van de .... Stadt Aken Beschreeven door de Heer
Franziscus +Blondel+. Gedruckt op Ordre van de Wel.-Ed: Groot Agtb:
Raad en Magistraat der voorsz. Stad. Leiden, 1727 (Herausgeber: J. du
+Vivier+).
411. +Ritter+, Kurtze Beschreibung der von neuem wieder hervorgesuchten
und in brauchbaren Stand gesetzten, milch-warmen Mineral-Wassern,
hinder Weissenburg, Ampts Wimmis .... gelegen. 1696.
412. +Sammlung+ der Bürgerlichen und Policey-+Geseze+ und Ordnungen
Löbl. Stadt und Landschaft +Zürich+. Bd. 2, 1757. Bd. 4, 1779. Bd. 5,
1779. Bd. 6, 1793.
413. +Lyncker+, Geschichte der Stadt Wolfhagen. Zeitschrift des Vereins
für hessische Geschichte und Altertumskunde. Suppl. 6. Kassel, 1855.
414. +Vögelin+, Geschichte der Wasserkirche und der Stadtbibliothek in
Zürich. Neujahrsblatt herausgegeben von der Stadtbibliothek in Zürich
auf das Jahr 1842–48. Zürich, 1848.
415. Beytrag zur +Topographie+ von (Ober-)+Baden+ in der Schweitz.
Helvetischer Kalender fürs Jahr 1786. Zürich.
416. +Vetter+, Handbuch der Heilquellenlehre. 1. und 2. Teil. Berlin
und Wien, 1838.
417. (+Metobius+), Beschreibung des newen gefundnen Brunnens ... in der
Graffschafft Speygelberg zwo meil wegs von Hamelen, an dem fluß Weser
gelegen. 1556.
418. +Dorer+, Wirkungen des natürlich warmen Mineral Bades zu Baden im
Kanton Argau. Baden, 1806.
419. +Fäsi+, Staats- und Erdbeschreibung der ganzen Helvetischen
Eidgenoßschaft. Bd. 3. Zürich, 1766. Bd. 1, 2. Aufl., 1768.
420. Tractat der Wildbeder natuer wirckung vnd eigentschafft mittsampt
vnderweisung wie sich ein yeder bereiten sol ee er badet, auch wie
man baden, vnd ettliche zůfell der badenden wenden sol, Gemacht mit
grossem fleiß, durch Laurentium +Phriesen+ der freien kunst vnnd artzny
doctorem. Getruckt vnd seliglich vollendet in der Keiserlichen stat
Straßburg ... von Johannem Grieningern, 1519.
421. +Murer+, Beschreibung des Habsburgerbads. Archiv gemeinnütziger
physischer und medizinischer Kenntnisse. Herausgegeben von +Rahn+. Bd.
1. Zürich, 1787.
422. +Schultz+, Alltagsleben einer deutschen Frau des 18. Jahrhunderts.
Leipzig, 1890.
423. +Baechtold+, Geschichte der deutschen Litteratur in der Schweiz.
Frauenfeld, 1887 und 1892.
424. (+Murer+), Localbeschreibung des Heilbads zu Baden in der Schweiz.
Archiv gemeinnütziger physischer und medizinischer Kenntnisse.
Herausgegeben von +Rahn+. Bd. 3, Abt. 2. Zürich, 1791.
425. +Ziegler+, Beschreibung des Geirenbads, in der Pfarr Hinweil, drey
meilen von Zürich .... gelegen. Zürich, 1662.
426. Die gantze +Bibel+, das ist alle bücher allts vnnd neüws
Testaments, den vrsprünglichen spraachen nach, auffs aller treüwlichest
verteütschet. Getruckt zů Zürich bey Christoffel Froschouer, im Jar als
man zalt MDXLV.
427. Neue, kurze und einfaltige Beschreibung deß herrlichen, und,
wegen seines grossen nutzens, in disen unseren Landen wol bekandten
+Urdorffer-Bads+ ... an das helle Tag-Liecht gegeben durch Liebhaber
deß Bads und der Artzney-Kunst. Zürich, 1691.
428. Unda Jordanis Fabariana. Pfeffesserischer Jordan, oder
Piscina Probatica Fabariana. Eygentlicher Entwurff deß heylreichen
Weltberühmten Pfaeffersbads ..... Von Matthaeo +Zimmermann+. Baden,
1689.
429. Naturbuch, Von nutz, eigenschafft, wunderwirckung vnd gebrauch
aller Geschöpff, Element vnd Creaturn. Beschriben, verordnet vnnd
verteutscht durch Conradum +Mengenberger+. Getruckt zu Franckenfurt am
Meyn, bey Christian Egenolff ... MDXL.
430. +Dohme+, Geschichte der deutschen Baukunst. Berlin, Grote, 1887.
431. Von Natur, Eigenschafft, Wirckung, vnd rechtem Gebrauch, der
warmen vnd wilden Bäder, jnsonderheit aber der vier, so in dem
Schwartzwald, nicht weit von einander gelegen sind, nemlich Marggraven
Baden, Wildbad, Zellerbad, vnd Huberbad. M. Philibertus +Leücippaeus+.
Getruckt Anno Christi 1598.
432. +Meier+, Über Alwin Schultz, Das höfische Leben zur Zeit der
Minnesinger. 2. Aufl. Zeitschrift für deutsche Philologie. Bd. 24.
Halle, 1891.
433. (+Speth+), Neue Beschreibung der uralten warmen Brunnen und Bäder
zu Wißbaden. 4. Aufl. Wißbaden, 1761.
434. +Meyer+, Urkundenbuch der Stadt Augsburg. Bd. 1. Augsburg, 1874.
435. +Glaser+, Über Seelenbäder. Archiv für hessische Geschichte und
Alterthumskunde. Bd. 2. Darmstadt, 1841.
436. +Ernst+, Das Biberacher Spital bis zur Reformation.
Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte. N. F. Jg. VI.
Stuttgart, 1897.
437. Der Jüdenbadstub aufs neu viel kräftiger als vorhin zugericht.
Gedruckt zu Ursell, 1606. Auctore Adriano +Warnero+, Franco. (2.
Ausgabe von Abb. 70/71) Scheible, Das Schaltjahr. Bd. 3. Stuttgart und
Leipzig, 1847.
438. Die poetischen Erzählungen des +Herrand von Wildonie+ und die
kleinen innerösterreichischen Minnesinger, herausgegeben von +Kummer+.
Wien, 1880.
439. +Jacobs+, Urkundenbuch der Stadt Wernigerode bis zum Jahre 1460.
Halle, 1891.
440. Des +Bapsts+ vnd +der Pfaffen Badstub+. M. D. XLVI.
441. +Bech+, Zu dem von M. Haupt herausgegebenen Gedicht: Von dem
übelen Weibe. Germania. Jg. 17. Wien, 1872.
442. +Ortnit und die Wolfdietriche+, herausgegeben von +Amelung+ und
+Jänicke+. Deutsches Heldenbuch. 4. Teil. Berlin, 1873.
443. +Scheible+, Die fliegenden Blätter des 16. und 17. Jahrhunderts.
Stuttgart, 1850.
444. (Meyer), +Beschreibung+ des Sauerbrunnens bey St. +Moritz+ im
Ober-Engadin. Neujahrsgeschenk von der neuerrichteten Gesellschaft zum
schwarzen Garten der lieben Zürcherischen Jugend gewidmet, auf das Jahr
1811.
445. (Meyer), +Beschreibung+ des +Gyrenbades+ im Turbenthal im Canton
Zürich. Neujahrsgeschenk von der neuerrichteten Gesellschaft zum
schwarzen Garten der lieben Zürcherischen Jugend gewidmet, auf das Jahr
1826.
446. +Meißner+, Abhandlung über die Bäder im Allgemeinen und über die
neuen (Köberlinschen) Apparate zu Sprudel-, Sturz- und Dampfbädern
insbesondere. Leipzig, 1832.
447. +Sparmann+, Kurtze doch gründliche Beschreibung aller in und vor
der Stadt Töplitz befindlichen warmen Bäder. Dreßden und Leipzig, 1733.
448. Eigentliche +Beschreibung+ deren berühmten dreyen
Gesundheits-Bädern in dem Ertz-Hertzogthum Österreich unter der Enns,
als +Baaden+, +Teutsch-Altenburg+ und +Pyrenwarth+ ... von J. A. C. v.
S. Nürnberg und Wien, 1734.
449. Aller heilsamen Bäder vnd Brunnen Natur, krafft, tugendt, vnd
würckung, so in Teutschlanden bekandt vnd erfahren: Beschriben in
Teutscher sprach, durch Gallum +Etschenreütterum+, der Artzney Doctor
zů Straßburg. Getruckt zů Straßburg bey Christian Müller, 1571.
450. +Batt+, +v. Babo+, +Eitenbenz+, +Mone+ und +Weber+, Teutsche
Denkmäler. Lief. 1. Enthält die Bilder zum Sächsischen Land- und
Lehnrecht. Heidelberg, 1820.
451. Zur +Kulturgeschichte der deutschen Bäder+. Balneologische
Zeitung. Bd.7. Wetzlar, 1859.
452. +Oberer+, Gasteiner Reise- und Bade-Zustände früherer Zeit.
Balneologische Zeitung. Bd. 7. Wetzlar, 1859.
453. +Tissot+, Medizinische und chirurgische Gymnastik oder Versuch
über den Nutzen der Bewegung oder der verschiedenen Leibesübungen,
und der Ruhe bey Heilung der Krankheiten. Aus dem Französischen mit
Anmerkungen des Herausgebers bereichert. Leipzig, 1782.
454. +Mone+, Über die Armenpflege vom 13. bis 16. Jahrhundert.
Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Bd. 1. Karlsruhe, 1850.
455. +Vögelin+, Sebastian Münsters Cosmographey. Basler Jahrbuch 1882.
456. Newe Wunderbeschreibung. Deß Wilt, oder Waltbads zu Pfeffers ....
Durch Michael Rapha. +Schmuzen+, von Poystorff. Neuburg an der Daunaw,
1665.
457. +Württembergische Jahrbücher 1857.+ Stuttgart, 1858.
458. +Reydt+, Hydrophylacium oder neuwe Beschreibung deß
wunder-heylsammen, weitberühmten, selbst-warmen, im Bistumb Chur und
Herrschafft Pfeffers gelegenen Bads. Zug, 1708.
459. +Mauthner+, Die Heilkräfte des kalten Wasserstrahls. Wien, 1837.
460. +Mone+, Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Bd. 19.
Karlsruhe, 1866.
461. +Mone+, Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Bd. 17.
Karlsruhe, 1865.
462. +Wolf+, Biographien zur Kulturgeschichte der Schweiz. Cyklus 1.
Zürich, 1858.
463. Unschuldiger +Zeitvertreib+ im +Carlsbad+ unter einer vereinten
Gesellschaft. Franckfurth und Leipzig, 1751.
464. +Hampe+, Sittenbildliches aus Meisterlieder-Handschriften.
Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte. Bd. 4. Weimar, 1896.
465. +Plate+, Die Kunstausdrücke der Meistersinger. Dissertation.
Straßburg, 1887.
466. +Vitruuius+ des allernamhafftigisten vnnd hocherfahrnesten,
römischen Architecti .... Marci Vitruuij Pollionis, zehen Bücher von
der Architectur vnd künstlichem Bawen.... Durch D. Gualtherum +H.
Riuium+ Medic. et Mathem. Vormals in Teütsche sprach zu tranferieren,
noch von niemand sonst vnderstanden, sonder für vnmüglichen geachtet
worden. Getruckt zu Basel durch Sebastian Henricpetri. MDLXXV.
467. Der wälsche Gast des +Thomasin von Zirclaria+, herausgegeben von
+Rückert+. Quedlinburg und Leipzig, 1852.
468. +Zedlers+ Universal-Lexikon. Bd. 3. Halle und Leipzig, 1733.
469. +Holtzmann+, Meistergesänge des XV. Jahrhunderts. Germania. Jg. 5.
Wien, 1860.
470. +Simrock+, Die deutschen Volksbücher. Bd. 3. Frankfurt a.❆M., 1846.
471. +Depping+, Réglemens sur les arts et métiers de Paris, rédigés au
XIII. siècle. Paris, MDCCCXXXVII.
472. +Stadtordnung für Münnerstadt+, gegeben im Jahre 1527. Archiv des
historischen Vereins für den Untermainkreis. Bd. 3. Würzburg, 1836.
473. +Greiner+, Das ältere Recht der Reichsstadt Rottweil. Stuttgart,
1900.
474. +Hoffmann von Fallersleben+, Pestregeln. Anzeiger für Kunde des
deutschen Mittelalters. Nürnberg, 1832.
475. +Müller+, Die Polizeimaßregeln wider die Pestseuchen des 16. und
17. Jahrhunderts zu Stettin. Baltische Studien. Jg. 9. Heft 2. Stettin,
1843.
476. +Mayer+, Zur Geschichte der Pest im 15. und 16. Jahrhundert.
Schau-ins-Land. Jg. 28. Freiburg i. B., 1901.
477. Eyn +tractat+ von der dotlichen sucht der +pestelentz+ mit grosem
fliß vß vielen pucheren der namhaftigesten lerern in der ertzney
gezogen vnd in das dutsce brocht. Anno MCCCCLXXXII.
478. +Fuchs+, Die ältesten Schriftsteller über die Lustseuche in
Deutschland von 1495 bis 1510. Göttingen, 1843.
479. Images de Saints et Saintes issus de la famille de l’empereur
Maximilien I ... d’après les dessins de Hans +Burgmaier+. Vienne, 1799.
480. +Meyer-Ahrens+, Geschichtliche Notizen über das erste Auftreten
der Lustseuche in der Schweiz. Zürich, 1841.
481. +Reber+, Beiträge zur Geschichte der Medicin und der Pharmacie.
S.-A. der „Pharmaceutischen Post“. Wien, 1900.
482. +Reber+, Ein Beitrag zur Geschichte der Syphilis.
Correspondenzblatt für Schweizer Ärzte. Jg. 30. Basel, 1900.
483. Colloquiorum familiarium opus, Des. +Erasmo Rot.+ autore. Basileae
apud Mich. Ising. MDXLIII.
484. +Scheible+, Das Schaltjahr. Bd. 2. Stuttgart und Leipzig, 1846.
485. Newe erzelungen von dem, auß etlichen gemeinen Baden verunreinigen
am schrepffen, vnnd verhalten dero vrsachen, auch wie zu rathen solchem
sein macht, meniglich damit sich vor zu sehen in guetem vermeinet vnd
beschrieben. Anno MDCI. Georgivs +Marivs+ genant +Maier von Wvrtzberg+
Doctor Medicus.
486. +Scharold+, Würzburger Almosen-Ordnung vom Jahre 1533. Archiv
des historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg. Bd. 5.
Würzburg, 1839.
487. +Harder+, Das Sondersiechenhaus und die H. Dreikönigskirche auf
der Steig in Schaffhausen. Beiträge zur vaterländischen Geschichte.
Schaffhausen, 1874.
488. +Bühler+, Der Aussatz in der Schweiz. Zürich, 1902.
489. Kurtzer vnd warhafftiger Bericht: Was schwärer vnd mühseliger
allerhand Kranckheiten, vom jahr 1596 biß ins 1599. wol vnnd glücklich
seyen geheilet worden, durch die Gnad Gottes, vnd wunderbarliche
würckung deß Wunderbads zu Boll im Hertzogthumb Württemberg gelegen, so
da newlich erfunden, ... vnd durch ... Joannem +Bauhinum+ F. Württemb.
Archiatrum, newlich eigentlich vnd weitleufftig beschrieben ... sampt
vielen denckwürdigen Historien ... jetzund aber dise Exempel trewlich
verzeichnet worden, durch den hochgelehrten H. Joan. +Rentzium+ F. W.
Medicum im ermelten Wunderbad. Mümpelgart, MDXCIX.
490. Kurzgefasste +Geschichte+ der uralten Familie, Stadt und
Grafschaft +Rapperswill+. Einsiedeln, 1821.
491. +Haeser+, Lehrbuch der Geschichte der Medicin und der epidemischen
Krankheiten. 3. Bearbeitung. Jena, 1875–82.
492. +Konrad+s +von Würzburg+ Silvester von Wilhelm +Grimm+. Göttingen,
1841.
493. Eins Erbarn Raths der Statt +Nürnberg+, verneute +Gesetz+ vnd
Ordnung, in gegenwärtigen +Sterbsläuftten+ diß MDC. Jars, auffgericht.
Gedruckt zu Nürnberg durch Paulum Kauffmann.
494. +Meyer-Ahrens+, Der Stich in den Jahren 1564 und 1565 im
Zusammenhange mit den übrigen Epidemien der Jahre 1562–1566. Zürich,
1848.
495. +von Stetten+, Geschichte der Heil. Röm. Reichs Freyen Stadt
Augspurg. Frankfurt und Leipzig, 1743.
496. +Jäger+, Geschichte der Stadt Augsburg. Darmstadt, 1837.
497. Ein schöner Lobspruch: Von der Fürstlichen Hauptstatt München,
vnnd von dem gantzen Bayerland. Gestellt durch Thomas +Greilln+, von
Steinfeldt, Carinthium. Gedruckt Anno 1610.
498. Hans +Sachs+, Eyn Lobspruch der Stat Nürmberg. Der Stat Nürmberg
ordnung vnd wesen findestu in disem gdicht zu lesen. Gedruckt zu
Nürmberg durch Kunegund Hergotin.
499. +Dietmann+s Untersuchung des Nieder-Österreichischen Badner-Bades,
dessen Gebrauch u. Mißbrauch ... ins Teutsche übersetzet und mit einer
Vorrede D. Joh. Nic. +Weiß+ens vermehret. Wien, 1734 (lateinisch 1732).
500. +Bäumer+, Die Geschichte des Badewesens. Breslau, 1903.
501. +Marggraff+, Badewesen und Badetechnik der Vergangenheit. Berlin,
1881. Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge,
herausgegeben von Virchow und Holtzendorff. XVI. Serie. Heft 380.
Berlin, 1881.
502. +Strickler+, Geschichte der Gemeinde Horgen. Horgen, 1882.
503. Also hastu den +Kalender+, der do volendet ist vff Montag vor
Matthie jm MCCCCCXIIIII. Jor. Am Schluß: Das +regiment der gesuntheit+.
Getruckt in der loblichen stat +Basel+ durch Pamphilum +Gengenbach+.
504. +von Liliencron+, Deutsches Calendarium aus dem XIV. Jahrhundert.
Zeitschrift für deutsches Altertum. Bd. 6. Leipzig, 1848.
505. +Kalender+ mit allen astronomischen haltungen usw. Durch den wol
erfarnen D. Eucharium +Rößlin+, Statartzt zu +Franckfurt+ am Meyn,
new ann tag geben. Gedruckt zu +Franckfurt+ am Meyn bei Christian
Egenolphen, 1533.
506. Newer Verbesserter Gregorianischer +Schreib-Kalender+ ... Auffs
Neu nach den Festen Constantzer Bistumbs, vnd Eydtgnössischen Meridian
gerichtet. Auff das Jahr nach Christi Geburt. MDCCXXXIX. +Baden+, bey
Joseph Ludwig +Baldinger+, 1739.
507. +Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters.+ Jg. 2. Nürnberg,
1833.
508. Ehespiegel: Das ist, alles was vom heyligen Ehestande,
nützliches, nötiges, vnd tröstliches mag gesagt werden. In sibentzig
Brautpredigten: zusammen verfasset. Durch Cyriacum +Spangenberg+, im
Thal Manßfeldt. Vnd jetzundt auffs neuw vom Authore selbst fleißig
vbersehen, vnd an vilen orten trefflich gemehret vnd gebessert.
Getruckt zu Straßburg, durch Samuel Emmel. Anno MDLXIII.
509. Nota liber Rationis Walfardi Helttampt. +von Freyberg+, Sammlung
historischer Schriften und Urkunden. Bd. 2. Stuttgart und Tübingen,
1829.
510. +Herschel+, Zur Geschichte von Koldiz. Anzeiger für Kunde der
deutschen Vorzeit. N. F. Bd. 6. Jg. 1859. Nürnberg.
511. +Morel+, Zur Geschichte des Aberglaubens. Anzeiger für Kunde der
deutschen Vorzeit. N. F. Bd. 4. Jg. 1857. Nürnberg.
512. +Lütolf+, Sagen, Bräuche und Legenden aus den fünf Orten. Lucern,
1865.
513. +Rocholz+, Deutscher Glaube und Brauch im Spiegel der Vorzeit. Bd.
1. Deutscher Unsterblichkeitsglaube. Berlin, 1867.
514. (+Becker+), Schloß Runkelstein und seine Wandgemälde.
Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und
Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale. Jg. 4. N. F. Wien, 1878.
515. Graf +Waldstein+, Nachlese aus Runkelstein. Mittheilungen der k.
k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und
historischen Denkmale. Jg. 20. N. F. Wien, 1894.
516. +Schönherr+, Das Schloß Runkelstein bei Bozen. Mit einem Inventar
des Schlosses von 1493. Innsbruck, 1874.
517. +Pfau+ und +Kinkel+, Beschreibung der Burg Kyburg. Zürich 1870.
Mitteilungen der antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Bd. 16.
518. +Hufeland+, Nöthige Erinnerung an die Bäder und ihre
Wiedereinführung in Teutschland. Journal des Luxus und der Moden.
Weimar, 1790 und 1801.
519. +Römer-Büchner+, Wohlleben und Prachtliebe der Gesellschaft
Limburg zu Frankfurt a.❆M. im Mittelalter. Zeitschrift für deutsche
Kulturgeschichte. Jg. 1856. Nürnberg.
520. Die +Kindheit Jesu+, Gedicht des 12. Jahrhunderts. Herausgegeben
von +Feifalik+. Wien, 1859.
521. +Hes+, Kaspar Bankin’s Leben und Charakter. Basel, 1860. S.-A. aus
dem 7. Band der Beiträge zur vaterländischen Geschichte.
522. +Preuss+, Waschungen und Bäder nach Bibel und Talmud. Wiener
medizinische Wochenschrift. Wien, 1904.
523. +Weisstein+, Das Judenbad in Speier. Centralblatt der
Bauverwaltung. Jg. 5. Berlin, 1885.
524. +Kratz+, Das Judenbad in Friedberg in Oberhessen. Die
Denkmalpflege, herausgegeben von der Schriftleitung des Centralblattes
der Bauverwaltung. Schriftleiter Sarrazin und Schultze. Jg. 4. No. 8.
Berlin, Ernst u. Sohn, 1902.
525. +Bode+, Geschichte der deutschen Plastik. Berlin, 1885.
526. Erdichtete +Liebesbriefe des XV. Jahrhunderts+ in niederdeutscher
Sprache. Germania. Jg. 10. Wien, 1865.
527. +Neuburger+ und +Pagel+, Handbuch der Geschichte der Medizin.
Jena, 1903 ff.
528. +Rieger+, Über die Psychiatrie in Würzburg seit 300 Jahren.
Würzburg, 1899.
529. +Ettmüller+, Die Frescobilder zu Konstanz. Mitteilungen der
antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Bd. 15. Zürich, 1866.
530. +Kudrun.+ Bearbeitet von Piper. Stuttgart, 1895.
531. +Homeyer+, Die deutschen Rechtsbücher des Mittelalters und ihre
Handschriften. Berlin, 1856.
532. +Lind+, Ein Antiphonarium im Stifte St. Peter zu Salzburg.
Mitteilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung
der Baudenkmale. Jg. 14. Wien, 1869.
533. +Schiller+ und +Lübben+, Mittelniederdeutsches Wörterbuch. Bremen,
1875–1881.
534. +Mone+, Geschichtliche Notizen. Medizinalwesen. Zeitschrift für
die Geschichte des Oberrheins. Bd. 14. Karlsruhe, 1862.
535. +Weisthümer+, gesammelt von Jacob +Grimm+. Göttingen, 1840–1869.
536. +von Laßberg+, Liedersaal. Bd. 3. St. Gallen und Konstanz, 1846.
537. +Schultz+, Toiletten-Anweisungen des 14. Jahrhunderts. Anzeiger
für Kunde der deutschen Vorzeit. N. F. Jg. 24. Nürnberg, 1877.
538. +Rahn+, Geschichte der bildenden Künste in der Schweiz. Zürich,
1876.
539. +Ennen+, Geschichte der Stadt Köln. Bd. 1 und 3. Köln und Neuß,
1863 und 1869.
540. +Weller+, Altes aus allen Theilen der Geschichte .... 2 Bände.
Chemnitz, 1762 u. 1766.
541. +Meyer+, Das Stadtbuch von Augsburg, insbesondere das Stadtrecht
vom Jahre 1276. Augsburg, 1872.
542. D. Nicolaus +Gentzkow+’s, weiland Bürgermeisters in Stralsund,
Tagebuch von 1558–1567. Im Auszuge mitgeteilt von +Zober+. Baltische
Studien. Jg. 12 ff. Stettin, 1846 ff.
543. +Grellmann+, Historische Kleinigkeiten zum Vergnügen und
Unterricht. Göttingen, 1794.
544. +Wehrmann+, Eine Luxusordnung. Zeitschrift des Vereins für
Lübeckische Geschichte und Alterthumskunde. Bd. 2. Lübeck, 1867.
545. +Gengler+, Seelbäder. Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte.
N. F. Jg. 2. Hannover, 1873.
546. +Osenbrüggen+, Culturhistorische Bilder aus der Schweiz. Leipzig,
1863.
547. Das +Lübeckische Recht+. Unveränderter Abdruck von 1728. Lübeck,
1829.
548. +Wittmann+, Pfründe-Ordnung des vormaligen Klosters Geisenfeld.
Aus dem 13. Jahrhundert. Quellen zur bayerischen und deutschen
Geschichte. Bd. 1. München, 1856.
549. +Blumenbach+, Nachricht von Herzog Ernst des Jüngern Beylager zu
Münden und dem Hofstaate daselbst. Archiv des historischen Vereins für
Niedersachsen. Jg. 1849. Hannover, 1851.
550. +Gaupp+, Deutsche Stadtrechte des Mittelalters. Bd. 1. Breslau,
1851.
551. (+von Moos+) Astronomisch-politisch-historisch- und kirchlicher
Calender für Zürich. 2. u. 3. Theil. Zürich, 1775 u. 1777.
552. +Kopp+, Bilder und Schriften der Vorzeit. Mannheim, 1819.
553. +Büsching+, Das Schloß der deutschen Ritter zu Marienburg. Berlin,
1823.
554. +Zinck+, Studentisches Leben in Leipzig zur Zeit des Kurfürsten
August (1555–1586). Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte. Bd. 6.
Weimar, 1899.
555. +Hirsching+, Beytrag von Idiotismen aus dem Fürstenthum Hohenlohe.
Journal von und für Deutschland. Herausgegeben von Siegmund Freyherrn
von Bibra (in Fulda). Jg. 6. 1789.
556. +Clauser+, Sylvula formularum quotidiani sermonis, in puerorum
gratiam congesta. Basel, 1595.
557. +Staub+ und +Tobler+, Schweizerisches Idiotikon. Frauenfeld, 1881
ff.
558. Das Landrecht des +Schwabenspiegels+ in der ältesten Gestalt,
herausgegeben von +Wackernagel+. Zürich und Frauenfeld, 1840.
559. +Gengler+, Deutsche Stadtrechte des Mittelalters. Erlangen, 1852.
560. +von Bülow+, Inventarien der S. Johanniterordenscomthurei
Wildenbruch aus den Jahren 1547 und 1560. Baltische Studien. Jg. 29.
Stettin, 1879.
561. +Näher+, Die deutsche Burg, ihre Entstehung und ihr Wesen,
insbesondere in Süddeutschland. Deutsche Bauzeitung. Jg. 19. Berlin,
1885.
562. +Rahn+, Die mittelalterlichen Architektur- und Kunstdenkmäler des
Cantons Thurgau. (Frauenfeld, 1899.)
563. +Scherb+, Kurze Anleitung zur Erhaltung und Wiederstellung der
Gesundheit insofern beydes ohne medizinische Hülfe erhalten werden
kann. Nach Tissot und Unzer. Bischoffzell, 1783.
564. +Senn+, Archiv traditioneller Antiquitäten aus den Alpen.
Alpenpost. Bd. 1. Glarus, 1871.
565. +Meyer-Ahrens+, Die Bäder und Badesitten im Mittelalter und dem
Anfang der Neuzeit. Die illustrierte Schweiz. Jg. 3. Bern, 1873.
566. +Holzhab+, Supplement zu dem allgemeinen ... schweizerischen
Lexicon von +Leu+. Zürich, 1795.
567. Franzisci Philippi +Florini+ ... Oeconomvs prvdens et legalis.
Oder Allgemeiner Klug- und Rechts-verständiger Haus-Vatter. Nürnberg,
1705.
568. +Boesch+, Ein süddeutsches bürgerliches Wohnhaus vom Beginne des
18. Jahrhunderts. Mitteilungen aus dem germanischen Nationalmuseum. Jg.
1897. Nürnberg, 1897.
569. +Michelsen+, Der Mainzer Hof zu Erfurt am Ausgange des
Mittelalters. Jena, 1853.
570. +Birlinger+, Ein Inventar von 1577. Alemannia. Bd. 3. Bonn, 1875.
571. Ein kurtz vnd trüwlich vnderricht, wider die sorgklich kranckeyt
der Pestilentz, nach aller notturfft vnd ordnung so in söllichem
fal, betracht vnd gehalten werden mag: neulich vß gangen vnd zů nutz
gemeyner Lantschafft der eydgnoschafft zůsamen bracht, im XV. hundert
vnd XIX. Jar. Zůsamen bracht vß dem Latin durch den hochgelerten
Joachim +Vadianum+, der syben fryen künsten vnd Ertzny Doctor. Gedruckt
in der loblichen statt Basel durch Adam Petri.
572. +Osiander+, Volksarzneimittel. 3. Aufl. 2. Abdruck. Tübingen, 1844.
573. +Näf+, Geschichte der Kirchengemeinde Hinweil. Zürich, 1869.
574. +de Lamzweerde+, Monita salutaria, de magno thermarum et
acidularum abusu. Coloniae Agrippinae, 1684.
575. +Heffner+, Beitrag zur Geschichte der abendländischen Lepra in
Ost-Franken. Archiv des historischen Vereines von Unterfranken und
Aschaffenburg. Bd. 12. Würzburg, 1853.
576. T’Boeck van de Vroet-Wijfs ... van den seer vermaerden Jacob
+Rvffen+. Ouergeset in ons Nederlantsche sprake deur Martyn +Everaert+.
Amstelredam, 1591.
577. Hebammenbuch ... durch Fraw Louyse +Bourgeois+, der alten Königin
in Frankreich bestellten Amme .... Franckfurt, 1628–48.
578. +Hirzel+, Lese-Buch für das Frauenzimmer über die Hebammenkunst.
Zürich, 1784.
579. Herzog +Christoph+s +zu Würtemberg Instruction für den
Hofmeister+, Lehrmeister und Unter-Gehülfen seines Sohns, Herzog
Ludwigs ... vom Jahr 1562. Patriotisches Archiv für Deutschland. Bd. 9.
Mannheim und Leipzig, 1788.
580. +Gengler+, Deutsche Stadtrechts-Alterthümer. Erlangen, 1882.
581. +Schaab+, Geschichte der Stadt Mainz. Bd. 1. Mainz, 1841.
582. +Mombert+, Das gemeinschaftliche Bad der jüdischen Frauen in
Kellern, ein Gegenstand für die medicinische Polizei und für praktische
Ärzte. Zeitschrift für die Staatsarzneikunde. Bd. 20. Erlangen, 1830.
583. Beurkundete +Erziehungs-Geschichte Pfalzgrafen Friedrich+s als
Churfürsten, dieses Namens des IV. Churf. Ludwigs VI. zu Pfalz einigen
Sohns und Landes-Nachfolgers. Patriotisches Archiv für Deutschland. Bd.
4. Frankfurt und Leipzig, 1786.
584. +Haupt+ und +Hofmann+, Altdeutsche Blätter. Bd. 1. Leipzig, 1836.
585. +Wolfram von Eschenbach+s Parzival und Titurel. Herausgegeben von
+Martin+. 1. Teil. Halle, 1900.
586. +Sintenis+, Beschreibung einer im Jahre 1507 zu Zerbst
aufgeführten Procession. Zeitschrift für deutsches Altertum. Bd. 2.
Leipzig, 1842.
587. +Flögel-Ebeling+, Geschichte des Grotesk-Komischen. Leipzig, 1862.
588. +Förstemann+, Die Gesetzsammlungen der Stadt Nordhausen
im 15. und 16. Jahrhundert. Neue Mittheilungen aus dem Gebiet
historisch-antiquarischer Forschungen. Bd. 6. Halle und Nordhausen,
1843.
589. +Scharold+, Auszüge aus alten Dorfsordnungen. Archiv des
historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg. Bd. 5.
Würzburg, 1839.
590. +Zeller-Werdmüller+, Die Züricher Stadtbücher. Bd. 2. Leipzig,
1901.
591. +Lochner+, Schuldiger gleichbedeutend mit Gläubiger. Anzeiger für
Kunde der deutschen Vorzeit. N. F. Bd. 5. Jg. 1858. Nürnberg.
592. Die alten +Statuten+ der Stadt +Stolberg+ am Harz. Neue
Mittheilungen aus dem Gebiet historisch-antiquarischer Forschungen. Bd.
6. Halle und Nordhausen, 1843.
593. +Stralsunder Kleider- und Hochzeitsordnung+ vom Jahre 1570.
Mitgeteilt von +Zober+. Baltische Studien. Jg. 21. Stettin, 1866.
594. +Handzeichnungen+ alter Meister aus der +Albertina+ und anderen
Sammlungen. Herausgegeben von +Schönbrunner+ und +Meder+. Bd. 9. Wien,
Gerlach und Schenk (1904).
595. Prattica auff das künfftig jar, von korn, win, vnd andern
früchten, auch von kranckheiten, kriegen, tod, thüre, vnd andern
dingen, so sich alls zebesorgen, allenthalben zůtragen werden. Durch D.
Hanß +Wyerman+, der siben fulen künsten meister, in der nechsten Statt
bey Chillion, do man die hürling facht. Mit priuilegium auff 12. monat
nit nach zetrucken, aber wol abzeschryben. Gedicht zů Chillion, in der
wachtstuben, bey meister Hanß Seltengelt, gleich bey der wachtkannen.
(Erschien auch als: Practica vff das MDLXV. jar u.❆s.❆w. Getruckt zů
Chillion ... 1564.)
596. Endres +Tucher+s Baumeisterbuch der Stadt Nürnberg. Herausgegeben
von +Lexer+. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd.
64. Stuttgart, 1862.
597. Heimfahrt von Jerusalem Hans +Stockar+’s von Schaffhausen, Pilgers
zum heiligen Grabe im Jahr des Heils 1519 und Tagebuch von 1520 bis
1529. (Herausgegeben von +Maurer-Constant+.) Schaffhausen, 1839.
598. (+Fischart+), Affentheurlich Raupengeheurliche
Geschichtsklitterung ... Durch Huldrich Elloposcleron. Gedruckt zur
Grensing im Gänsserich, 1590.
599. +Stöber+, Vierundfünfzig verschiedenartige Familien- und
Gesellschaftsfeste und Zechgelegenheiten. Aus Fischarts Gargantua,
Ausgabe von 1608. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. N. F. Bd.
2. Jg. 1855. Nürnberg.
600. +Senn+, Alte Offnungen, Landtrechte, Dorff Rächte vnd Hofsrechtte
aus der Ostschweiz. Frauenfeld, 1873.
601. +Kluge+, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 5. Aufl.
Straßburg, 1894.
602. Nutzliche vnnd trostliche vnderrichtung, wie sich mencklich in
diser gefahrlichen zeyt der pestelentz halten solle ... durch Heinrich
+Pantaleon+, Ordinarium Physikum inn der loplichen hohen schůl zů
Basel, 1564.
603. Neue Pestordnung der Statt Zürich: Samt einem kurzen Bericht,
wie man sich mit Gottes hülffe vor dieser kranckheit bewahren, und
dieselbige heilen sölle, auf ungleiche Naturen gerichtet, Durch Joh.
Heinrich +Lavatern+, beyder Arzneyen Doctorn. Zürich, 1668. (Auch unter
dem Titel: Getreue Anleitung, wie man sich zu besorgender Pestzeit
verhalten, mit Gottes hülffe vor dieser kranckheit bewahren usw.)
604. Consilium politico-physicum, Gründliches Bedencken, vnd getrewer
Rath, was eine Stadt, in welcher, den vorgangenen Herbst, die Pest ein
wenig angefangen, künfftigen Früling, in den Gassen oder Strassen,
wie auch in öffentlichen Privathäusern, fürnemen solle ..... durch
Davidem +Herlicium+, der Philosophie vnd Medicinae Doctorem, jetzund zu
Stargard in Pommern, Astronomum vnd Medicum. Gedruckt zu Nürnberg, In
verlegung Georg Endters deß Eltern, Buchhändlers. MDCXXIII.
605. Ein nutzlicher bericht vnd regiment, Wie zu disen gefährlichen
Sterbensläuffen vor der Pestilentz vmb vns herumb vnd andern ohrten
eingerissen, Gesunde zu verwahren, vnnd Krancke widerumb zu curieren
seyen. Gestellt durch, Joannem +Schleherum+: Doctorem Philos: et Medic:
Physicum Constantiensem. Getruckt zu Costantz am Bodensee, bey Jacob
Straub, 1611.
606. Ein kurtzer Bericht: Wie man sich in denen jtzo vorstehenden
Sterbensleufften, mit der Praeseruation oder verwahrungen, Dornach
auch der Curation der Pestilentz, vnd etzlicher jrer accidentien, oder
zufellen, verhalten sol. Zu dienste den Einwohnern der Churfürstlichen
Stadt Dreßden u.❆s.❆w. von Johann +Neefen+, der Ertzney Doctorn, u.
Churfürstlichem Sechsischen Leibmedico. MDLXXVII.
607. Vonn der Pestilentz ein nützlich Regiment, auff diese Zeit
gestellet .... Durch D. Jodocum +Willich+, Franckfort an der Oder.
608. Kurtzer vnd einfältiger doch nützlicher vnd nothwendiger Bericht
von der Pestilentz ... Auff Anordnung vnd Befehl eines Ehrnvesten
Hochweisen Raths der Stadt Halle, ... durch Matthiam +Untzerum+. Hall
in Sachsen, 1607.
609. +Ephrussi+, Les Bains de femmes d’Albert Durer. Nuremberg.
610. +König+, Concilium medicum. Bern, 1721.
611. +Bergius+, Abhandlung von denen kalten Bädern ..., aus dem
Schwedischen übersetzt von +Georgi+, zum Druck befördert und mit
Anmerkungen auch einer Vorrede vom Nutzen des Badens überhaupt und
insbesondere der kalten Bäder versehen von +Rhades+. Stettin, 1766.
612. (+Sanchez+), Bemerkungen über den Gebrauch der Dampfbäder bey
verschiedenen Völkern, insbesondere in Rußland. Aus dem Russischen.
Memmingen, 1789.
613. +Hirsch+, Von den Vortheilen der in den Kaiserlich Russischen
Staaten gebräuchlichen Dampf- oder Schwitzbäder und ihrer Einrichtung.
Bamberg, 1816.
614. +Uden+, Nachrichten das zu Berlin angelegte englische Dampfbad
betreffend. Berlin, 1781.
615. +Meyer+, Brunnen, Mineralbäder, Wasch- und Badeanstalten in
Mittelfranken 1855/56. Balneologische Zeitung. Bd. 5. Wetzlar, 1857.
616. +Schär+, Über öffentliche Wasch- und Badeanstalten. Balneologische
Zeitung. Bd. 1. Wetzlar, 1855.
617. +Mayer+, Badegelegenheiten, Mineralbäder, Bad- und Waschanstalten
im Reg.-Bezirk Mittelfranken 1856–57. Balneologische Zeitung. Bd. 7.
Wetzlar, 1859.
618. +Pappenheim+, Öffentliche Badeanstalten. Balneologische Zeitung.
Bd. 6. Wetzlar, 1858.
619. +Glaser+, Urkunden zur Geschichte der Stadt Grünberg. Archiv für
hessische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 3. Darmstadt, 1844.
620. +Lassar+, Die Cultur-Aufgabe der Volksbäder. Berlin, 1819.
621. +von Liebenau+, Das alte Luzern. Luzern, Prell, 1881.
622. +Hirschel+, Hydriatica oder Begründung der Wasserheilkunde auf
wissenschaftlichen Principien, Geschichte und Literatur. Leipzig, 1840.
623. Kunstdenkmäler im Großherzogtum Hessen. +Schäfer+, Ehemaliger
Kreis Wimpfen. Darmstadt, 1898.
624. Die +Dresdener+ Bilderhandschrift des +Sachsenspiegels+.
Herausgegeben von Karl +von Amira+. Bd. 1. Leipzig, 1802.
625. +Kugler+, Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte. Bd. 1.
Stuttgart, 1853.
626. +Hüllmann+, Städtewesen des Mittelalters. 4. Teil. Bonn, 1829.
627. +Baumann+, Quellen zur Geschichte des Bauernkrieges aus Rotenburg
an der Tauber. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart.
Tübingen, 1878.
628. Des Weitberümbten Hochgelehrten vnd Erfarnen Aureoli Theophrasti
+Paracelsi+ Medici, u. Wund vnd Artzney Buch .... Sampt vier Büchern
wolermeldts Theophrasti Paracelsi, so jetzt erst hinzů kommen. Alles
mit sonderlichem fleiß durch Herrn Adam von +Bodenstein+, beyder
Artzneyen Doctorn, zů nutzen vnd wolfart Teutscher Nation in Truck
geben .... Getruckt zů Franckfurt am Mayn, Anno 1565.
629. Hie nach volget ein scharffes künstlichs gedicht von einem
Tyrannen vnd etzlichen grausamen, vnmenschlichen geschichten, Erstlich
durch den Ernuesten vnd hochberümpten hern Vlrichen +von Hutten+
gekrönten vnd Orator jm latein seer zirlich beschriben, darnach durch
andere, jn dz teutsch, wie sich das hat schicken wöllen bracht ....
(Ist Übersetzung von: Phalarismus Dialogus +Hvttenicvs+ ... Mense
Martio An. M.D.XVII.)
630. (+Fischart+) Aller Practick Großmůtter. Ein dickgeprockte newe
vnnd trewe, laurhaffte vnnd jmmerdaurhaffte Procdick ... gestellet
durch gůt duncken, oder gůt truncken des Stirnweisen H. Winhold
Wůstblůt vom Nebelschiff, des Königs Artsus von Landagrewel höchsten
Sterngauckler, Practickträumer vnd Kalender reimer ... Kunim kratzen
vnd Brieffelegen, nach laut der Pructick. MDLXXII.
631. +von Rodt+, Bern im 18. Jahrhundert. Bern, Schmid u. Francke, 1901.
632. Kurtze vnd eygentliche Beschreibung, Von Vrsprung, Natur, Qualitet
vnd Würckung, deß Weitberümbten, Heylsamen, vnd Warmen Bads Pfeffers
in Obern Schweytz, deß Fürstenthumbs Pfeffers gelegen. Vngefahr vor
80. Jahren durch den Hochgelehrten Herren Theophrastum +Paracelsum+
Medicinae Doctorem, etc. beschriben, vnnd der Welt zu Nutz an Tag
gegeben. Anjetzo aber menigklichen zu besserer erkandtnuß obgedachten
Bads Nutzbarkeiten, widerumb mit fleiß vbersehen, vnd in offentlichen
Truck verfertiget. Durch Johann +Beyern+, deß Freyen Fürstlichen
Gottshaus Pfeffers HoffSchreibern. Getruckt in dem Gräfflichen Marckt
Embs, bey Bartholome Schnell, Anno 1619.
633. +Offterdinger+, Anleitung für das Landvolk in Absicht auf seine
Gesundheit. 2. Aufl. Zürich, 1782.
634. +Selinger+, Vincenz Prießnitz. Wien, 1852.
635. Über die unmittelbare +Wirkung der Luft auf die Oberfläche des
menschlichen Körpers+. Aus +Lichtenberg+s Magazin für das Neueste aus
der Physik und Naturgeschichte. Bd. 3. 4. Stück. Archiv gemeinnütziger
physischer und medizinischer Kenntnisse ... herausgegeben von +Rahn+.
Bd. 1. Zürich, 1787.
636. Der +Curgast deutscher Kaltwasserheilanstalten+. Leipzig, 1845.
637. +Rausse+, Über die gewöhnlichsten ärztlichen Mißgriffe beim
Gebrauch des Wassers als Heilmittel. Leipzig.
638. +Rausse+, Der Geist der Gräfenberger Wasserkur. Zeitz, 1838.
639. +Rausse+, Miszellen zu den verschiedenen Heilmethoden. Neu
herausgegeben von +Winkler+. Leipzig.
640. +Rausse+, Wasser thut’s freilich! oder Miszellen zur Gräfenberger
Wasserkur. 5. Aufl. Herausgegeben von +Hahn+. Leipzig (1858).
641. Professor Dr. +Oertel+ in Ansbach ... als Theolog, Philolog und
Hydrolog, von ihm selbst dargestellt. Erlangen, 1840.
642. +Hufeland+, Praktische Übersicht der vorzüglichsten Heilquellen
Teutschlands nach eignen Erfarungen. Berlin, 1815.
643. +Wendt+, Über die Bedeutung und Wirkung der russischen Dampfbäder.
Breslau, 1830.
644. +von Kahtlor+, Über die zweckmäßige Anwendung der Haus- und
Flußbäder zur Erhaltung der Gesundheit, Jugend und Schönheit. Wien,
1822.
645. +Klein+, De aere, aquis et locis agri Erbacensis atque
Breubergensis, largi Odenwaldiae tractus. Francofurti et Lipsiae, 1754.
646. +Spengler+, Was wir bringen? Balneologische Zeitung. Bd. 1.
Wetzlar, 1855.
647. +Munde+, Memoiren eines Wasserarztes. Dresden und Leipzig, 1844.
648. +Winternitz+, Die Hydrotherapie auf physiologischer und klinischer
Grundlage. Wien, 1877–1880. 2. Aufl. des 1. Bds. Wien und Leipzig, 1890.
649. +Currie+, Über die Wirkungen des kalten und warmen Wassers als
eines Heilmittels im Fieber und in andern Krankheiten. Nach der 2.
Ausgabe übersetzt von +Michaelis+. Leipzig, 1801.
650. +Bergius+, Von dem Nutzen der kalten Bäder. Aus dem Schwedischen
übersetzt und mit Anmerkungen und Zusätzen vermehrt von +Rhades+. Neue
Ausgabe mit einer Vorrede vom Geh. Rath +Baldinger+. Marburg, 1793.
651. +Ehrenberg+, Ansichten über die Gräfenberger Wassercuren begründet
auf einen längeren Aufenthalt daselbst. Leipzig, 1840.
652. +Pochhammer+, Russische Dampfbäder als Heilmittel durch Erfolge
bewährt ... Mit einer kurzen Anweisung zum Gebrauche der russischen
Dampfbäder von +Schmidt+. Berlin, 1824.
653. Die orthopädische Heilanstalt und das russische Dampfbad von Dr.
+A. Mayer+ in Würzburg. Würzburg, 1829.
654. (+Gruner+) Was fängt man mit den Barbirern und Barbirstuben, mit
den Badern und Badstuben an? Almanach für Ärzte und Nichtärzte auf das
Jahr 1789. Herausgegeben von +Gruner+. Jena, 1789.
655. De Peste Philippi Theophrasti +Paracelsi+, des hocherfarnen
Teutschen Philosophi, vnd beyder Artzney Doctoris, an die Statt
Stertzingen geschriben. Item, etliche Consilia Theophrasti +Paracelsi+
.... Vorhin nie getruckt, jetzunder aber alles durch Doctorem +Toxiten+
gefertigt ... Getruckt zu Straßburg bey Niclauß Wyriot. MDLXXVI.
656. +Zwierlein+, Allgemeine Brunnenschrift für Brunnengäste und Ärzte.
Weißenfels u. Leipzig, 1793.
657. +Glur+, Roggwyler Chronik. Zofingen, 1835.
658. +Dauter+, Von dem äußerlichen, örtlichen Gebrauche des kalten
Wassers in verschiedenen Krankheiten des menschlichen Körpers. Leipzig,
1784.
659. +Renard+, Das Bad als Mittel zur Erhaltung und Wiederherstellung
der Gesundheit und Schönheit. Frei bearbeitet nach +Hallé+, +Guilbert+
und +Nysten+. Mainz, 1814.
660. +Hahnemann+, Anleitung alte Schäden und faule Geschwüre gründlich
zu heilen. Leipzig, 1784.
661. +Rausse+, Anleitung zur Ausübung der Wasserheilkunde für
Jedermann, der zu lesen versteht. Herausgegeben von +Hahn+. 1. Abt.
Leipzig, 1850.
662. Über die äußerliche Anwendung des kalten Wassers in hitzigen
Fiebern. Drei Preisschriften der Herren +Frölich+, +Reuß+ u.
+Pitschaft+. Herausgegeben von +Hufeland+. Journal der practischen
Heilkunde. Herausgegeben von +Hufeland+. Supplementstück des Jahrgangs
1822. Berlin, 1823.
663. Etwas über +Populärmedizin+ (von einem ungenannten Verfasser
eingesendet). Archiv gemeinnütziger physischer und medizinischer
Kenntnisse. Herausgegeben von +Rahn+. Bd. 3. Zürich, 1790.
664. +â Gehema+, Der krancke Soldat bittende, daß er hinführo besser
möge conserviret, mitleidiger tractiret, und vorsichtiger curiret
werden. Allen Hohen Generals-Persohnen und brafen Officirern, die ihre
Soldaten lieben, zu sonderbahren Nutzen. 1690.
665. +Langenbeck+, Nosologie und Therapie der chirurgischen Krankheiten
in Verbindung mit der Beschreibung der chirurgischen Operationen oder
gesammte ausführliche Chirurgie für practische Ärzte und Wundärzte. Bd.
1. Göttingen, 1822.
666. +Döbereiner+, Anleitung zur Darstellung und Anwendung aller Arten
der kräftigsten Bäder und Heilwässer, welche von Gesunden und Kranken
gebraucht werden. Jena, 1816.
667. +Hufeland+, Über den Nutzen der lauwarmen Bäder und über den
Nachtheil, den die Vernachläßigung derselben auf die Gesundheit
hervorbringt. Berlin, 1804.
668. +Weiß+, Handbuch der Wasserheilkunde für Ärzte und Laien. Leipzig,
1844.
669. +Kröber+, Prießnitz in Gräfenberg und seine Methode, das kalte
Wasser gegen verschiedene Krankheiten des menschlichen Körpers
anzuwenden. 2. Aufl. Breslau, 1836.
670. +Hahn+, Unterricht von Krafft und Würckung des frischen Wassers in
die Leiber der Menschen besonders der Krancken bey dessen innerlichen
und äußerlichen Gebrauch. 2. und vermehrte Auflage. Breßlau u. Leipzig,
1745.
671. +Küchenmeister+, Die therapeutische Anwendung des kalten Wassers
bei fieberhaften Krankheiten. Berlin, 1869.
672. +Petri+, Wissenschaftliche Begründung der Wasserkur gestützt auf
eine dreizehnjährige Erfahrung. Coblenz, 1853.
673. +Brandis+, Erfahrungen über die Anwendung der Kälte in
Krankheiten. Berlin, 1833.
674. +Brandis+, Anleitung zum Gebrauche des Driburger Bades und
Brunnens. Münster, 1792.
675. +Thausing+, +Dürer+s Briefe, Tagebücher und Reime.
Quellenschriften für Kunstgeschichte. Bd. 3. Wien, 1872.
676. Ein hochnutzlicher tractat, eygenschafft vnnd würckung, der
wunderbaren natur aller Wildbeder, so in Teütschen landen gelegen ...
Durch den Hochgelerten Laurentium +Frießen+, der Artzney Doctorem, mit
hohem fleiß zusamen gezogen. Getruckt vnd vollendet in der Keiserlichen
Statt Straßburg ... durch Bartholomeum Grieninger, im jar nach der
geburt Christi, MDXXXVIII.
677. +Geschichtliches über Pyrmont.+ Balneologische Zeitung. Bd. 5.
Wetzlar, 1857.
678. +Warum auf dem Lande nicht ländlich?+ Ein Zeitvertreib in den
Bädern zu Baaden. Journal des Luxus und der Moden. Weimar, 1788.
679. +Peyer+, Geschichte des Reisens in der Schweiz. Basel, 1885.
680. Kriegs- und Soldatendiät. Das ist: Wie sich unsere, im Feld
liegende Soldaten verhalten müssen, damit sie gesund bleiben. Durch
Johann von +Muralt+, Doctor und Statt-Arzt Lobl. Statt Zürich. Zürich,
1712.
681. Aureoli Theophrasti +Paracelsi+ schreiben von tartarischen
kranckheiten, nach dem alten nammen, Vom grieß sand vnnd stein. Sampt
dem Baderbüchlin wie deß der from Herr Paracelsus selbs mundlich
seinen Secretarijs zuschreiben angeben. (Herausgegeben von Adam von
+Bodenstein+, Datum Basel, die Bartholomei, 1563.)
682. +Ebel+, Anleitung, auf die nützlichste und genußvollste Art die
Schweiz zu bereisen. 3. Teil. 2. Aufl. Zürich, 1805.
683. +Tobler+, Schweizerische Volkslieder. Bibliothek älterer
Schriftwerke der deutschen Schweiz. Bd. 4. Frauenfeld, 1882.
684. Ein kurtzes, notwendiges und nützlichs Büchlein, von erfindung,
Beschreibung, eigenschafft, krefften, Vnd zuuor aus, von dem rechten
gebrauch, des Keyser Carlsbads, Lateinisch geschrieben, von Fabiano
+Sommer+, aus dem Keyser Carlsbad, der Philosophien vnd Medicin D.
Jetzt aber auffs kürtzest, vnd einfeltigest verdeutschet, Durch M.
Mathiam +Sommer+, aus dem Keyser Carlsbad. Gedruckt zu Leipzig, Durch
Jacob Berwalds Erben. Anno, MDLXXII.
685. Hec +practica+ narrat de presenti anno et sequentibus quamplurimis
annis de nouis raris et inauditis rebus et gestis que futura sunt
in hoc mundo. Impressione MCCCCXCIX. +Argentina+ vltima die mensis
Decembris.
686. +von Liebenau+, Hans Holbein d. J. Fresken am Hertenstein-Hause in
Luzern nebst einer Geschichte der Familie Hertenstein. Luzern, Prell,
1888.
687. +Schneeli+ und +Heitz+, Initialen von Hans Holbein. Straßburg,
Heitz (Heitz u. Mündel), 1900.
688. +Sträter+, Wie badete man in den deutschen Bädern zu Zeiten Carl
V., und wie badete man namentlich zu Aachen im Jahre 1520? Deutsche
Klinik. Berlin, 1858.
689. (+Wimpheling+?) De fide concubinarum in sacerdotes questio
accessoria causa ioci et vrbanitatis in quod-libeto Heydelbergensi
determinata, quibusdam nouis additionibus denuo illustrata. Impressum
Maguntie per Fridericum Hewman.
690. +Forestier+, Der Ursprung der „schottischen Douche“. Blätter für
klinische Hydrotherapie. 10. Jg. Wien, 1900.
691. Notions sur les eaux minérales d’Aix-en-Savoie, d’après les
publications récentes du Dr. +Despine+ fils. Anneci.
692. +Despine+ père, Observations de médecine pratique faites aux bains
d’Aix-en-Savoie. Anneci, 1838.
693. +Eble+, Das Wildbad Gastein .... und die neu errichtete
Filial-Bad-Anstalt zu Hof-Gastein. Wien, 1832.
694. Die älteren Lübeckischen Zunftrollen. Herausgegeben von
+Wehrmann+. Lübeck, 1864.
695. +Wackernagel+, Die altdeutschen Handschriften der Basler
Universitätsbibliothek. Basel, (1835).
696. +Schreybkalender+ vnd Marcktbüchlin vffs Jar MDLXXXV Gestelt durch
Caspar Wolffen, der Artznyen Doctor zu Zürich. Getruckt zu +Zürych+ in
der Froschow, by Christoffel Froschower.
697. Zürcherische Ausruff-Bilder, vorstellende diejenigen Personen,
welche in Zürich allerhand so wol verkäuffliche, als andere Sachen ...
ausruffen. Zürich bey David +Herrliberger+ MDCCXLVIII.
698. +Voigt+, Das Stillleben des Hochmeisters des deutschen Ordens und
sein Fürstenhof. Historisches Taschenbuch. Herausgegeben von +Raumer+.
1. Jg. Leipzig, 1830.
699. Diätetische Vorschrift eines Arztes aus dem 15. Jahrhundert an
den damaligen Großmeister des deutschen Ordens. Almanach für Ärzte und
Nichtärzte auf das Jahr 1784. Herausgegeben von +Gruner+. Jena, 1784.
700. +Ehren-+ unnd +Wunsch-gesang+, als von Ihr Ehrsamen Weißheit,
Herrn Burgermeister Johann Conrad Grebel, auch anderen ansehnlichen
Herren, Geist- und Weltlichen Standes, Loblicher Stadt Zürich, das von
Natur warme Bader-bad im 1670. Heil-jahr gebraucht ward. 1670.
VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN
Abb. 1. Pörte und Badehaus (rechts) im Kirchspiel Pihtipudas,
Tavastland (Finnland). Holzschnitt aus: ~Gustav Retzius~, Finland.
Stockholm, 1881.[5a][A].
Abb. 2. Inneres einer größeren finnischen Badestube. Holzschnitt aus:
~Gustav Retzius~, Finland. Stockholm, 1881.[5a]
Abb. 3. Taufe des Herzogs Rathold von Friesland. Holzschnitt aus:
~Stumpf~, Schweizerchronik. Zürich, Froschauer, 1548.[9]
Abb. 4. Aus dem Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahre 820. _a_:
subtus calefactoria domus supra dormitorium (unten der Warmraum, oben
der Schlafsaal). _b_: lecti similiter (Betten und ähnliches). _c_:
caminus ad calefaciendum (Kamin zum Heizen). _d_: evaporatio fumi
(Ableitung des Rauches). _e_: egressus de pisale (Ausgang aus dem
Warmraum). _f_: balneatorium et lavandi locus (Bad und Waschraum).
_g_: exitus ad necessarium (Ausgang zum Abtritt). _i_: sedilia
(Abtritte). Nach ~Keller~.[8]
Abb. 5. Aus dem Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahre 820. _a_:
balneatorium (Bad). _b_: coquina eorundem (Küche der Studenten). Nach
~Keller~.[8]
Abb. 6. Aus dem Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahre 820. _a_:
coquina (Küche). _b_: cellarium (Speisekammer). _c_: balneatorium
(Bad). _d_, _e_, _f_: cubilia famulantium (Kammern der Diener). Nach
~Keller~.[8]
Abb. 7. Wasserbad. Holzschnitt von ~Urs Graf~ aus: Kalender des
Doctor Kung (Kungsberger). Zürich, Hans am Wasen. 1508.[26]
Abb. 8. Schmausen und Zechen von Mann und Frau im Wasserbad.
Holzschnitt aus dem Kalender von 1481. Augsburg, Johannes Blaubirer.
Abb. 9. Darstellung des Planeten Venus. Holzschnitt aus dem 15.
Jahrhundert. Berliner Blockbuch.
Abb. 10. Darstellung des Planeten Venus. Holzschnitt aus: Eyn nyge
Kalender recht hollende. 1519. Lübeck, Steffen Arndes.
Abb. 11. Der Frühling. Holzschnitt aus: Conradi Celtis quatuor libri
amorum. Nürnberg. 1502.[45]
Abb. 12. Der Teich Bethesda. Holzschnitt aus der Züricher Bibel.
Zürich, Froschauer. 1545.[426]
Abb. 13. Kaltes Bad auf dem Wepchen. Holzschnitt aus: ~Stumpf~,
Schweizerchronik. Zürich, Froschauer, 1548.[9]
Abb. 14. Wasserurteil. Zeichnung aus dem Heidelberger Sachsenspiegel.
Handschrift. 13. Jahrh. Nach ~Batt~, von ~Babo~.[450]
Abb. 15. Anna Ulmerin wird als Hexe im Badzuber von den Stadtknechten
ins Gefängnis zu Eßlingen getragen. Bilderbogen von 1551.[107]
Abb. 16. Schwemmen des Hans Hegenheim in Luzern 1473. Holzschnitt
nach der Miniatur aus Diebold Schilling, Schweizerchronik. 1484. Nach
~von Liebenau~.[621]
Abb. 17. Kinder in ihren Spielen. Nach dem Gemälde von ~Pieter
Brueghel~ (ca. 1520–1569).
Abb. 18. Schwimmen der Kinder mit luftgefüllten Tierblasen. Kpfr. v.
~Conr. Meyer~. Zürich, 1657.[132]
Abb. 19. Die Ferrosche Flußbadeanstalt in Wien. Kpfr. aus: ~Ferro~,
Vom Gebrauch des kalten Bades. Wien, 1796.[135]
Abb. 20. Querschnitt der Ferroschen Badeanstalt. Kpfr. aus: ~Ferro~,
Vom Gebrauch des kalten Bades. Wien, 1796.[135]
Abb. 21. Hilfsapparate zum Schwimmen gegen Ende des 18. Jahrhunderts.
Kupfer von ~Schellenberg~. Aus: XI. Neujahrstück ab dem schwarzen
Garten. Zürich, 1796.[177]
Abb. 22/23. Hilfsapparate zum Wassertreten und Schwimmen im 15.
Jahrhundert. Papierhandschrift. Kantonsbibliothek Zürich.
Abb. 24. Taucheranzug im 15. Jahrhundert. Papierhandschrift.
Kantonsbibliothek Zürich.
Abb. 25. Die erste deutsche Seebadeanstalt zu Doberan in Mecklenburg.
Kpfr. aus: ~Samuel Gottlieb Vogel~, Über den Nutzen und Gebrauch der
Seebäder. Stendal, 1794.[184]
Abb. 26. Badeboot der Seebadeanstalt zu Doberan. Kpfr. aus: ~Samuel
Gottlieb Vogel~, Über den Nutzen und Gebrauch der Seebäder. Stendal,
1794.[184]
Abb. 27. Badknecht gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Holzschnitt aus:
Hortus sanitatis. Straßburg, Joh. Pryss, ca. 1498.
Abb. 28. Der Barbier. Holzschnitt von ~Jost Amman~ aus: ~Hans Sachs~,
Beschreibung aller Stände. Frankfurt, 1568.[208]
Abb. 29. Kopfwäsche des Königs Wenzel von Böhmen durch eine Bademagd.
Miniatur aus der deutschen Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrhunderts.
Nach ~von Schlosser~.[286]
Abb. 30. Kopfwaschen im 15. Jahrhundert. Papierhandschrift.
Kantonsbibliothek Zürich.
Abb. 31. Schröpfen im Bad. Holzschnitt aus dem Kalender von 1481.
Augsburg. Johannes Blaubirer.
Abb. 32. Anlegen der Aderlaßbinde. Holzschnitt aus dem Kalender von
1481. Augsburg. Johannes Blaubirer.
Abb. 33. Schröpfen mit dem Horn im Mineralbad zu Baden im Aargau.
Kpfr. aus: ~Hess~, Badenfahrt. Zürich, 1818.[315]
Abb. 34. Schröpfhörner und Schnepper. Kpfr. aus: ~Hess~, Badenfahrt.
Zürich, 1818.[315]
Abb. 35. _a_ Schröpf-, _b_ Laßeisen. Holzschnitt aus ~Dryander~s
Arzneispiegel. Frankfurt, 1547.[233]
Abb. 36. Badestube. Holzschnitt von ~Jost Amman~ aus: ~Paracelsus~,
Wund- vnd Artzney Buch. (Titelholzschnitt zum Baderbüchlin.)
Frankfurt a.❆M., 1565.[628]
Abb. 37. Schröpfen mit dem Rasiermesser und Schröpfköpfen in
einer Badezelle zu Aachen. („Wie man die Schröpff Köpfe im Bade
gebrauchet“.) Kpfr. aus: Amusements des eaux d’Aix-la-Chapelle.
Amsterdam, 1736.[263]
Abb. 38. Darstellung des Planeten Luna. Oben links die Badestube mit
einem Bader und Baderinnen. Holzschnitt von ~Hans Sebald Beham~.
(1500–1550)
Abb. 39. Farbige Glasscheibe von 1524. Im Besitz von Prof. ~Rahn~ in
Zürich.
Abb. 40. Frauenbadstube. Holzschnitt von ~Hans Sebald Beham~.
(1500–1550)
Abb. 41. Darstellung eines nach Art der Badestuben betriebenen
Mineralbades. Holzschnitt von ~Hans Sebald Beham~. (1500–1550)
Abb. 42. „Prager Entlein“ an dem vom König Wenzel vollendeten
Altstädter Brückenturm in Prag. Die blaufarb knotenweise gebundene
Binde und der grüne Papagei (Eisvogel), das von Wenzel den Badern
verliehene Wappen, welches sich auch häufig in den für Wenzel
angefertigten Bilderhandschriften findet. Nach ~von Schlosser~.[286]
Abb. 43. Badestube zu Heilzwecken (Kräuterbadstube). Holzschnitt aus:
Eyn new Badenfart von ~L. Friessen~. Straßburg, M. Jacob Cammer. ca.
1540.[47]
Abb. 44. Joß Lindouwer, Bürger von Zürich, Okulist, Stein-
und Bruchschneider und gewesener Feldscherer in Frankreich.
Scheibenriß von ~Hans Jäggli~ in Winterthur. 1607. Aus der
Statistik Schweizerischer Glasgemälde und Handzeichnungen. Jg.1900.
Landesmuseum Zürich.
Abb. 45. Herr Jakob von Warte im Wasserbad. Miniatur aus der
Manesseschen Handschrift. 14. Jahrhundert. Nach ~Kraus~.[33]
Abb. 46. Die großen Bäder zu Baden im Aargau mit den unter freiem
Himmel gelegenen „freien Bädern“, dem St. Verenabad (links vorn) und
dem freien Bade (im Hintergrund), in dem eine Reihe Bauern geschröpft
wird. Kupfer von ~F. Hegi~ nach ~Martin Usteri~. Neujahrsgeschenk von
der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich. 1808.[353]
Abb. 47. Wanne mit „Baderof“. Holzschnitt aus: Eyn nyge Kalender
recht hollende. Lübeck, Steffen Arndes. 1519.
Abb. 48. Tristan wird von Isolde im Bad überfallen. Wandgemälde auf
Burg Runkelstein in Tirol. Ende des 14. Jahrhunderts. Nach ~Selos~
und ~Zingerle~.[305]
Abb. 49. Vereinigung von Bad- und Waschhaus. Kpfr. aus dem 18.
Jahrhundert. Sammlung Pachinger in Linz.
Abb. 50. Frau (Bademagd?) mit Kind zum Bade gehend. Bemalung der
Innenseite einer Tür (der Badestube) im Erdgeschoß eines Puppenhauses
von ca. 1600 im germanischen Museum zu Nürnberg. Nach einer farbigen
Zeichnung von ~Hefner-Alteneck~.[236]
Abb. 51. Badestube im Fuggerpalast zu Augsburg (erbaut 1571–81).
Holzschnitt nach ~Dohme~.[430]
Abb. 52. Siegel von Baden im Aargau, _a_ im 14., _b_ im 15.
Jahrhundert gebraucht. Schweizerisches Landesmuseum in Zürich.
Abb. 53. Bad unter der Dachtraufe eines Bauernhauses. Holzschnitt
aus einer Serie: „Aus der Gründung der Eidgenossenschaft“. 1580.
Stadtbibliothek Zürich.
Abb. 54. Dampf- und Beräucherungsapparate des 16. Jahrhunderts.
Holzschnitt aus ~Dryander~s Arzneispiegel. Frankfurt am Main.
1547.[233]
Abb. 55. Apparate für Wasser- und Kräuterbäder im 16. Jahrhundert.
Holzschnitt aus ~Dryander~s Arzneispiegel. Frankfurt a.❆M. 1547.[233]
Abb. 56. Sack aus Leder zum Dauerbad im Bett für sehr schwache Kranke
~v. Lamzweerde~. Kpfr. 1684.[574]
Abb. 57. Rückenschlauch ~von Lamzweerde~. Kpfr. 1684.[574]
Abb. 58. Mann und Frau beim Schmause im Hausbadestübchen. (Der Mai).
Kpfr. von ~Franz Brun~. 16. Jahrhundert.
Abb. 59. Doktor Moser in Konstanz wird in der Hausbadestube mit
seiner Geliebten vom Ehemanne derselben überrascht und zu Tode
gestriegelt. 16. Jahrh. Wyckiana. Zürich, Stadtbibliothek.
Abb. 60. Bestimmung der Badetemperatur mit dem Fuße. Geburt der
Maria. Kupfer van Meckenem. 15. Jahrhundert.
Abb. 61. Kinderwäsche in der Hausbadestube. Kupfer von J. van
Meckenem. 15. Jahrhundert.
Abb. 62. Bathseba im Bad von David beobachtet. Kpfr. von ~Jakob
Binck~. 16. Jahrhundert.
Abb. 63. Das Judenbad zu Friedberg in Oberhessen aus der Mitte des
13. Jahrh. Nach ~Kratz~.[524]
Abb. 64. Judenbad. _a_ das warme, _b_ das kalte Bad. Kpfr. aus: ~T.
C. Kirchner~, Jüdisches Ceremoniel. Nürnberg, 1726.
Abb. 65. Bademägde. Deutsche Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrh. Nach
~von Schlosser~.[286]
Abb. 66. Inneres einer Badestube. ~Philipp von Allendorf~, Der Juden
Badstub. Titelholzschnitt. 1535.[234]
Abb. 67. Badestube. Zeichnung aus dem Heidelberger Sachsenspiegel.
Handschr. 13. Jahrh. Nach ~Batt~, von ~Babo~.[450]
Abb. 68. Badestube. Kolor. Zeichnung aus dem Wolfenbütteler
Sachsenspiegel. Handschrift. 14. Jahrh.
Abb. 69. Begießen im Bad. Kpfr. aus: ~Murner~, Nebulo nebulonum.
Frankfurt, Fickwirth, 1663.
Abb. 70/71. Juden-Badstub. 1. In der ersten Figur stehet ein
Kaufmann, der großen Handel will treiben. 2. schlegt sich zu den
Juden und wird von ihnen in die Gaß geführt. 3. handelt mit ihnen. 4.
die wollen ihn baden, darumb schöpft der Teufel und Jud Wasser. 5.
henken den Kessel über. 6. schüren das Feuer. 7. kehren die Badstub.
8. reiben ihn. 9. schrepffen ihn. 10. zwachen ihn. 11. waschen ihn
ab. 12. er beklaget sich seines Schadens. 13. kompt aber arm wieder
zur Gassen heraus. 14. siehet er, daß er umb das Seine gekommen. 15.
die Juden waschen die Sünd ab, der Teufel fischet sie wieder auf. 16.
und führet sie in die Hell. Kpfr. aus dem 16. Jahrhundert.
Abb. 72. Frauenbad von ~Hans Sebald Beham~. (1500–1550).
Abb. 73. Wasserbad mit Dampfheizung. Nach einer farbigen Zeichnung
aus dem Göttinger Bellifortis des ~Konrad Kieser~ von 1405.
Abb. 74. Kräuter- und Heilbad. Nach einer farbigen Zeichnung aus dem
Göttinger Bellifortis des ~Konrad Kieser~ von 1405.
Abb. 75. Badestube aus dem Kalender von 1515. Basel, Pamphilus
Gengenbach.[503]
Abb. 76. Im Kübel sitzende Bademagd mit Wedeln. Miniatur in
der deutschen Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrh. Nach ~von
Schlosser~.[286]
Abb. 77. Schröpfmann mit Badehut und Badewedel. Holzschnitt aus:
~Pictorius~, Laßbüchlin. Basel, Jacob Kündig, 1555.[246]
Abb. 78. König Wenzel, der zur Bedeckung der Scham den Wedel
benutzt, wird von Bademägden gestrichen. Miniatur aus der deutschen
Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrhunderts. Nach ~von Schlosser~.[286]
Abb. 79. Adam u. Eva. Holzschnitt aus der Practica von 1499.
Straßburg.[685]
Abb. 80. Badknecht und Bademagd. Kpfr. aus: Nürnbergische
Kleider-Arten. Nürnberg bei Johann Kramer. 1669.
Abb. 81. Bademagd. Miniatur aus der deutschen Wenzelbibel. Anfang des
15. Jahrhunderts. Nach ~von Schlosser~.[286]
Abb. 82. Badestube. Holzschnitt aus: Michael Hero, Schachtafeln der
Gesuntheyt. Straßburg, Schott. 1533.[231]
Abb. 83. Reiben vor (links) und nach dem Bad (rechts). Holzschnitt
aus: Hero, Schachtafeln der Gesuntheyt. Straßburg, Schott. 1533.[231]
Abb. 84. Darstellung der im Regimen sanitatis geforderten Vorgänge
zur Erhaltung der Gesundheit. Im Vordergrunde Aderlassen,
Schweißbaden mit Schröpfen und Wasserbaden. Fabel vom reichen Mann.
Kpfr. von Aldegrever. 1554.
Abb. 85. Badeszene. Darstellung des Monats August. Handzeichn. von
Virgil Solis. (1514–1562.)[594]
Abb. 86. Badestube in Konstanz zu Anfang des 14. Jahrhunderts.
Wandgemälde daselbst. Nach ~Ettmüller~.[529]
Abb. 87. Morgensuppe im 16. Jahrhundert zu Baden im Aargau.
Titelholzschnitt zu „Ein badenfart gůter gsellen“ von ~Hans
Achtsinit~ (wahrscheinlich ~Nikolaus Manuel~).[36]
Abb. 88. Darstellungen aus dem Leben der Frau. Links Badestube mit
Kindsbetthof und Brautbad. Kpfr. ~Wenzel Hollar~. 1607–1677.
Abb. 89. Heilige (Sainte Segouleine, veuve, abbesse de Troclar en
Albigeois) einen Aussätzigen badend. Holzschnitt von ~Hans Burgkmair~
(1473–1531).[479]
Abb. 90. Badestube in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.
Holzschnitt aus: ~Dryander~, Arzneispiegel. Frankfurt a.❆M.,
1547.[233]
Abb. 91. Deutsche Badestube zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Kupfer
aus: ~Abraham a Santa Clara~, Etwas für Alle. Würzburg, 1711.[288]
Abb. 92. Darstellung eines Jungbrunnens und Verherrlichung der
Heilbäder. Holzschnitt von ~Albrecht Glockendon~ nach ~Hans Sebald
Beham~ ca. 1570. (Das Bild ist die seitliche Fortsetzung zu Abb. 41.)
Um 1600 wurde das Bild von ~Jo. Theo de Bry~ verkleinert in Holz
geschnitten.
Abb. 93. Jungbrunnen nach einer Freske von ~Hans Holbein~ d. J. im
Hertenstein-Hause zu Luzern (zwischen 1516 und 1519). Nach ~von
Liebenau~.[686]
Abb. 94. Gesundbrunnen im Kloster Heilbronn. Kupfer aus: ~Feuerlein~,
Heylsbronnisches Zeugnuß der göttlichen Güte und Vorsorge. Nürnberg,
1732.[361]
Abb. 95. Darstellung eines Wildbades, Federzeichnung von ~Peter
Flötner~. 16. Jahrhundert.
Abb. 96. Leuk im Wallis. Holzschnitt aus: ~Sebastian Münster~,
Cosmographiae universalis Lib. VI, Basel, Petri, 1550.[351]
Abb. 97. Leuk im 18. Jahrhundert. Kupfer nach ~von Rodt~.[631]
Abb. 98. Pump- und Heizwerk des Sauerbrunnens zu Fideris. Holzschnitt
aus: ~Conradus Gesnerus~, De Thermis Helveticis. In: De Balneis.
Venetiis (Venedig) apud Juntas, 1553.[334]
Abb. 99. Baden im Aargau. Holzschnitt aus: ~Joh. Stumpf~,
Schweizerchronik. Zürich, Froschauer, 1548.[9]
Abb. 100. Mineralbad. Titelholzschnitt aus: ~J. J. Huggelin~, Von
heilsamen Bädern des Teutschenlands. Mühlhausen, 1559.[80]
Abb. 101. Mineralbad. Titelholzschnitt aus: ~Gallus Etschenreutter~,
Aller heilsamen Bäder und Brunnen Natur. Straßburg, 1571.[449]
Abb. 102. Mineralbad unter freiem Himmel (angeblich Leuk). Gemälde
von ~Hans Bock~ d. Ä. 1597. Eigentum der öffentlichen Kunstsammlung
in Basel.
Abb. 103. Das St. Verenabad zu Baden im Aargau 1820.
Bleistiftzeichnung von ~Ludwig Vogel~. Landesmuseum Zürich.
Abb. 104. Geselliges Treiben in einem kleinen Mineralbade am Bodensee
im 15. Jahrhundert. Aus dem Hausbuch der Familie Goldast zu Konstanz,
wahrscheinlich von Bartholomäus Zeitblom. Nach dem mittelalterlichen
Hausbuch.[150]
Abb. 105. Der zu Bilfeld Anno 1666 am 2. Sontag nach der H. Drey
Einigkeit entsprungene Heyl-Brunnen. Kupfer aus: ~Conradi Redekeri~
descriptio Bilfeldiani fontis. Amstelaedami, 1668.[403]
Abb. 106. Versand des Aachener Mineralwassers und Wiedererwärmen
desselben zum Gebrauch. (Die Gestalt der Flaschen; die Art, sie
wieder warm zu machen; die Wärme zu unterhalten.) Kupfer aus:
~Blondel~, Beschryving van de Stad Aken. Leiden, 1727. (Das Bild
findet sich auch in der Ausgabe von 1688.)[410]
Abb. 107. Der „Cornelische Badwasser-Brun“ in Aachen. Kupfer aus:
~Blondel~, Erklärung deren Badt- vnd Trinckwässeren zu Aach. Aachen,
1688.[409]
Abb. 108. Der „Kayserliche Badwasser-Brun“. Kupfer aus: ~Blondel~,
Erklärung deren Badt- vnd Trinkwässeren zu Aach. Aachen, 1688.[409]
Abb. 109. Neuer Trinkbrunnen in Aachen 1727. (Nieuwe warme Fontein op
alle vier Hoeken Water geevende.) Kupfer aus: ~Blondel~, Beschryving
van de Stad Aken. Leiden, 1727.[410]
Abb. 110. Ansicht des warmen Brunnens auf dem Markte zu Aachen. 1.
Der Brunnen, wo man trinket. 2. Der Spazierplatz. 3. Das Herrenbad.
Kupfer aus: Amusements des eaux d’Aix la Chapelle. Amsterdam,
1736.[263]
Abb. 111. Mineralbad. Holzschnitt aus: ~Sebastian Münster~,
Cosmographiae universalis Lib. VI. Basel, Petri, 1550.[351]
Abb. 112. Das Herzogsbad zu Baden bei Wien. Titelkupfer aus:
Beschreibung deren Gesundheits-Bädern Baaden, Teutsch-Altenburg und
Pyrenwarth. Nürnberg, 1734.[448]
Abb. 113. Familienbad zu Baden im Aargau. Kupfer nach ~Martin Usteri~
von ~F. Hegi~ aus dem: ~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum
schwarzen Garten. Zürich, 1808.[353]
Abb. 114. Mineralbad. Titelholzschnitt zu: ~Hans Foltz~, Gedicht von
den naturheißen Bädern.[37]
Abb. 115. Badehalle in Aachen 1736. (Die Art, wie man sich badet.)
Kupfer aus: Amusements des eaux d’Aix la Chapelle. Amsterdam,
1736.[263]
Abb. 116. Mineralbad aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. Gleichzeitige
Radierung im germanischen Museum zu Nürnberg.
Abb. 117. Titelholzschnitt von E. Schlitzoc (?) zur ersten Ausgabe
von: ~Laurentius Phries~, Traktat der Wildbäder. Straßburg, 1519.[420]
Abb. 118. Titelholzschnitt zur dritten Ausgabe von: ~Laurentius
Phries~, Traktat der Wildbäder. „Eyn new Badenfart. Wildt Bäder L.
Friessen“. Straßburg, Jacob Cammer. Mitte des 16. Jahrhunderts.[47]
Abb. 119. ~Franz Blondel~ d. Ä., Badearzt in Aachen. Kupfer aus:
Erklärung deren heylsamen Badt- und Trinckwässeren zu Aach. Aachen,
1688.[409]
Abb. 120. Balneum Plummers (Plombières). Holzschnitt aus: ~Conradus
Gesnerus~, De Thermis Germanicis. In: De Balneis. Venetiis (Venedig)
apud Juntas. 1553.[334]
Abb. 121. Bad Gastein im 17. Jahrhundert. Gleichzeitiger Stich.
Abb. 122. Bad Grießbach im Rauchtale. Kupfer. 18. Jahrhundert.
Abb. 123. Der Sauerbrunnen zu St. Moritz im Ober-Engadin. Kupfer
aus dem: ~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum schwarzen Garten.
Zürich, 1811.[444]
Abb. 124. Titelholzschnitt zu: ~Metobius’~ Schrift über Pyrmont.
1556.[417]
Abb. 125. Inseckt aus den Nieren einer Frauen gekommen durch Würckung
derer Wasser des Pouhons. Kupfer aus: Les amusements de Spa: or, the
galanteries of the Spaw in Germany. London, 1745.
Abb. 126. Bad Walkershofen in Bayern 1551. Holzschnitt aus einem
Flugblatt des 16. Jahrhunderts.
Abb. 127. Dorf Hornhausen sampt den darin entspringenden Heilbronnen
1646. Kupfer von ~V. Wagner~.
Abb. 128. Gesundbrunnen bei Ham. Kupfer aus: ~Peter Hesselius~,
Hertzfließende Betrachtungen von dem Elbe-Strom. Altona, 1675.
Abb. 129. Der Brunnen bei Burgwinnumb in Franken. Holzschnitt aus
einem Flugblatt von ca. 1600.
Abb. 130. Pfäfers 1610. Holzschnitt von ~Joseph Pleb~ nach einem
Modell von ~Fabricius Hildanus~. Aus: ~Guilhelmus Fabricius
Hildanus~, De conservanda valetudine. Frankfurt a.❆M., Merian,
1629.[22]
Abb. 131. Pfäfers 1784. Kupfer von J. J. M. Zürich. Stadtbibliothek.
Abb. 132. Gleichzeitiger Gebrauch von Dusche und Mineralbad in den
alten Stadtbädern zu Aachen. Kpfr. aus: ~Blondel~, Erklärung deren
Badt- vnd Trinckwässeren zu Aach. Aachen, 1688.[409]
Abb. 133. Auf- und absteigende Duschen (Stillicidia oder Wassergüß)
im St. Cornelii- (oben) und im Rosenbade (unten) zu Aachen. Kupfer
aus: ~Blondel~, Erklärung deren Badt- vnd Trinckwässeren zu Aach.
Aachen, 1688.[409]
Abb. 134. Entwurf ~Blondel~s zu Dampfbädern in Aachen. Kupfer aus:
~Blondel~, Thermarum Aquisgranensium et Porcetananarum elucidatio et
thaumaturgia. Aachen, 1688.[409]
Abb. 135. Bilder aus Aachen von 1827. _a_ Die Art, wie man das warme
Wasser auf die schwachen Glieder fließen läßt. _b_ Trockenbad oder
auf was für Art man den Dampf von dem Wasser auf die kranken Glieder
bringt. _c_ Gebrauch des trockenen oder Dampfbades. _d_ Das halbe
Dunstbad. _e_ Das halbe Wasserbad. Kupfer aus: ~Blondel~, Beschryving
van de Stad Aken. Leiden, 1727.[410]
Abb. 136. Dampfbad zu Baden im Aargau. Kupfer aus dem:
~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich,
1827.[353]
Abb. 137. Badgericht in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.
Holzschnitt aus: ~Münster~, Cosmographey. Basel, 1598.[318]
Abb. 138. Männerbad im Anfang des 16. Jahrhunderts. Aus einem
Holzschnitt von ~A. Dürer~.
Abb. 139. Wie etlich Herren vnd Burger zůsamen geschossen. Die
Herren Bürgermeister Johansen Kambly vnd Herrenn Seckelmeister
Cůnrath Aescher. Einen Ochsen gan Baden zů einem Baden Schencke
gebracht. 1576. Nach einer farbigen Zeichnung der ~Wyckiana~. Zürich,
Stadtbibliothek.
Abb. 140. Das Freibad zu Baden im Aargau 1820. Aquarell von ~Ludwig
Vogel~. Zürich, Landesmuseum.
Abb. 141. Mineralbad von ca. 1600. Federzeichnung von ~Bartholomäus
Lingg~ in Straßburg. Statistik schweizerischer Glasgemälde und
Handzeichnungen. Jg. 1904. Zürich, Landesmuseum.
Abb. 142. Karlsbad vor dem Brande von 1759 mit den Holzrinnen
(2), die vom Sprudel aus längs der Tepl und über dieselbe das
Thermalwasser in die im ersten Stock gelegenen Badstüblein der
Uferhäuser leiteten. Kupfer.
Abb. 143. Armenbad in Burtscheid mit zwei Strohhütten zum Schwitzen.
Kupfer aus: ~Blondel~, Beschryving van de Stad Aken. Leiden, 1727.
(Befindet sich schon in der Ausgabe von 1688, in der ersten Auflage
von 1685 fehlen die Strohhütten.)[410]
Abb. 144. Der Sprudel zu Karlsbad im 17. Jahrhundert. Kupfer von ~G.
Hupschmann~.
Abb. 145. Vergnügungen beim Mineralbade in der zweiten Hälfte des
16. Jahrhunderts. Holzschnitt aus: ~Münster~, Cosmographey. Basel,
1598.[318]
Abb. 146. ~M. Muchheimin von Vri.~ Ein nüw Lied, in Badenfärten
lustig zesingen. Getruckt im Jar 1617.
Abb. 147. Gyrenbad bei Turbenthal im Kanton Zürich. Kupfer aus dem:
~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich,
1826.[445]
Abb. 148. Frauenbad um 1560. Zeichnung aus einer alchimistischen
Handschrift des germanischen Museums in Nürnberg.
Abb. 149. Das Täfeli im Hinterhof zu Baden im Aargau im 18.
Jahrhundert. Kupfer von ~Hegi~ aus: ~David Hess~, Die Badenfahrt,
Zürich, 1818.[315]
Abb. 150. Die Matte zu Baden im Aargau. Kupfer aus dem:
~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich,
1809.[353]
Abb. 151. Der Brunnenplatz zu Pyrmont mit dem Trinkbrunnen (dem
Kuppelbau rechts) und dem vor ihm liegenden Badebrunnen. Kupfer
nach Weitsch von Geyser. Aus: ~Marcard~, Beschreibung von Pyrmont.
Leipzig, 1784.[342]
Abb. 152. Ansicht des Markts zu Spa und des Brunnens Pouhon. Kupfer
aus: Les Amusements de Spa: or, the galanteries of the Spaw in
Germany. London, 1745.
Abb. 153. Aachen 1727. De Groote Vergaader-Plaats van alle
gebrekkelyke Menschen, die sig na de Fonteinen begeeven om de Wateren
te Drinken. Kupfer aus: ~Blondel~, Beschryving van de Stad Aken.
Leiden, 1727.[410]
Abb. 154. Der Spaziergang bei den Brunnen zu Aachen. Aus: Amusements
des eaux d’Aix la Chapelle, oder Zeitvertreib bey den Wassern zu
Achen. Berlin, 1737.[263]
Abb. 155. Die „Allee“ in Pyrmont. Kupfer nach Weitsch von Geyser.
Aus: ~Marcard~, Beschreibung von Pyrmont. Leipzig, 1784.[342]
Abb. 156. Titelkupfer zu: ~Hahn~, Unterricht von Krafft und Würckung
des frischen Wassers. Breßlau und Leipzig, 1745.[670]
Abb. 157. ~Priessnitz~’ Walddusche in Gräfenberg. Aus: ~Kröber~,
~Priessnitz~ in Gräfenberg. Breslau, 1836.[669]
Abb. 158. Schlußkupfer aus: ~David Hess~, Die Badenfahrt. Zürich,
1818.[315]
Abb. 159. Leiste aus: De Balneis Venetiis (Venedig) aput Juntas.
1553.[333]
Die Initialen sind mit Ausnahme von Abb. 65 von ~Hans Holbein~ d.
J.[687]
[A] Die Zahlen hinter dem Druckjahr beziehen sich auf das
Literaturverzeichnis.
NAMENREGISTER
Abernetzy 364
Abiß 255, 420
Abraham a Santa Clara 96, 180, 214, 353, 417
Achtsinit 182, 409
Adalbero von Augsburg 6
Adamy 418
Agnes von Ungarn 248, 323
Albicus von Prag 204
Albrecht Achilles 229
Albrecht von Bayern 67, 177, 183, 400
Albrecht von Österreich 64
Albrecht von Weißenstein 298
Aldegrever 173
Alexander, heiliger 33
Amalie von Veldenz 19
von Amerongen 262
von Amira 147, 429
Amis 36
Amman 74, 75, 76, 80, 82, 167
Ammianus Marcellinus 418
Anastasia von Hohenklingen 246
Anemorinus 19
Angilbert 229
Anna von Weinsberg 19
Anshelm 34, 37, 411
Arndes 13, 108
von Arnim 418
von Arx 9, 408
Auer 414
August von Sachsen 282, 420
Augustin, heiliger 73
Avicenna 73, 205
Baader 409, 414
von Babo 35, 147, 423
Baccius 304, 335, 338
Bachstrom 51
Bader 418
Baechtold 422
von Bahder 415
Baldinger 376
Baldung Grien 211, 216
Bär 415
Barbarossa 40
Barrie 217
Bartels 415
Barther 217
Batt 35, 147, 423
Bauhin 126, 137, 158, 290, 294, 303–305, 307, 418, 425
Baumann 412, 429
Bäumer 425
Bebel 338
Becher 405, 419
Becker 181, 410, 425
Beermann 421
Beham 13, 44, 75, 84, 85, 89, 91, 118, 120, 138, 158, 159, 167, 211,
223, 277
Benedikt, heiliger 8, 111
Beneke 415
Beowulf 39
Bergius 429, 430
Bernauer 400
Bernoulli 145
Bertuch 43, 218
Beyer 96
Binck 139
Bintz 412
Birlinger 410, 427
Blaubirer 77, 79
Blondel 157, 256, 258–60, 279, 303–305, 307, 308, 335, 360, 422
Blumenauer 403
Blumenbach 416, 426
Bluntschli 412, 417
Bock 243
Bode 136, 426
von Bodenstein 27, 285
Bodmann 189, 412
Boesch 136, 412, 420, 427
Bolmann 294, 360, 421
Boner 125, 155, 415
Bourgeois 137, 427
Brandis 377 ff., 386, 431
Braun 22, 410
Breitinger 328
Brentano 418
Brönnenberg 414
Brueghel 41, 42
Brügger 409
Brun 91, 130
Brunner 415
Brunßfels 18, 74, 128, 136, 153, 162, 409
de Bry 90, 223
Bühler 424
Bullinger 329
von Bülow 427
von Bunge 414
Bünting 225, 291
Burgkmair 202, 203, 424
Burkhardt 25
Büsching 136, 427
Calvin 262
Cammer 98, 274
Campell 236
Du Cange 6
Capeller 420
Cardilucius 277
de Caro 308
Cäsar 39
Cäsarius von Heisterbach 9, 230
Celtis 17
Cesareti 50
Christoph von Baden 16, 66
Christoph von Württemberg 325, 427
Clauser 51, 104, 119, 427
Cohausen 229
Collinus 27, 226
Columba, heilige 24, 26, 30
Corvinus 187
Cranach 76
Crato von Crafftheim 205
De la Curne 418
Currie 366–368, 397, 430
Cysat 24, 26, 28, 106, 410
Dagobert 226
Dändliker 65, 414
Dauter 386, 431
Davison 30
Depping 145, 424
Despine 306, 432
Dieffenbach 81, 140
Dietmann 212, 421, 425
Döbereiner 365, 366, 431
Dohme 117, 422
Dorer 253, 255, 422
von Dreyhaupt 414
Dryander 19, 74, 76, 81, 124, 128, 157–159, 161, 212, 415
Dürer 75, 132, 208, 211, 261, 320, 321, 340, 431
Dürsteler 415
Ebel 301, 337, 431
Ebeling 428
Eberhard III. 283, 329
Eberhard der Greiner 231
Eble 432
Eckart 420
Egli 413
Ehrenberg 388, 430
Einhard 40, 230, 412
Eisenhart 86
Ekkehart 6 ff., 408
Eleonora von Österreich 324
Elisabeth, heilige 9, 72, 203, 415
Ellenborg 77, 158, 206
Ennen 426
Ephrussi 211, 429
Erasmus von Rotterdam 31, 208, 411, 424
Ernst 423
Ernst von Bayern 67, 325, 400
Escher 57 ff., 61, 326, 413, 414
Etienne 47
Etschenreutter 123, 125, 132, 137, 159, 171, 176, 242, 299, 253, 256,
299
Ettmüller 176, 426
Faber 84
Fabricius Hildanus 11, 33, 127, 206, 255, 276, 283, 298, 299, 310,
330, 331, 408, 411
Falconer 378
Falk 210, 414
Faloppius 126
Fäsi 300, 329, 422
Fechter 416
Ferro 42, 45, 47–50, 378, 399, 412
Feuerlein 228, 420
Feurbergk siehe Pyrmontanus
Ficker 369
Fidicin 186, 414
Fischart 156, 173, 188, 428, 429
Fischer 45
Flenntz 303
Flögel 428
Flötner 233
Florinus 427
Floyer 29 ff., 43, 371, 376, 380, 386, 398, 411
Foltz 5, 15, 45, 75, 87, 118, 119, 164, 200, 201, 261, 265–267, 272,
277, 345, 409
Forer 420
Forestier 306, 432
Förstemann 412, 417, 428
Frank 178
Franke, siehe Rauße
Franklin 365
von Freyberg 414, 425
Freytag 53, 413
Fricker 409
Friedland 43
Friedrich III. 64, 227
Friedrich August von Polen 353
Friedrich der Große 216
Friedrich der Jüngere von Sachsen 193
Friedrich der Weise 188
Friedrich Franz von Mecklenburg 62
Friedrich von Österreich 64, 348
Frölich 367, 431
Fromm 420
Frommann 183, 409
Froschauer 4, 23, 27, 238
Frost 94
Fuchs 424
Fugger 90, 116, 117
Füßli 418
Galen 79, 364
Ganz 416
Gärtner 413
Gaupp 426
â Gehema 216, 431
Geiler von Kaisersberg 81, 84, 165, 175, 182, 337
Gengenbach 162, 425
Gengler 178, 191, 426, 427
Gentzkow 127, 128, 130, 161, 187, 426
Genzmer 413
Georg von Bayern 65
Georg Friedrich von Brandenburg 280, 316, 324
Georg von Württemberg-Mömpelgard 329
Gerharz 259
Geßner 28, 128, 236, 237, 256, 264, 268, 281, 303, 310, 419
Geyser 358, 361
von Gimbernat 308 ff.
Glaser 423, 429
von Gleichen-Rußwurm 118
Glockendon 223
Glur 431
Goethe 60, 96, 167, 248, 353, 359
Goldast 250
Göldi 418
Gossenbrot 348
Gottfried III. 229
Graf 11
Grafenfeld 388
von Grafenried 325
Grebel 432
Gredinger 16, 173
Gregor von Tours 80
Greiff 119
Greill 425
Greiner 424
Grellmann 213, 426
Grimm 23, 34, 35, 37, 121, 408, 411, 413, 426
Grob 329
Grote 414
Gruner 47, 80, 194, 215, 216, 401, 413, 430, 432
Grünpeck 207
Gsell Fels 411
Guarinonius 42, 51, 79, 90, 123, 129, 146, 162, 167, 168, 176, 178,
196, 210, 213, 412
Gudrun 177, 426
Guillaume de la Villeneuve 145
Guler 20, 278, 345, 410
Gundelfinger 87
Gundelsheimer 259
Günther 253, 256, 280, 299, 302, 421
Guts-Muths 43, 50, 52, 412
Häberer 108
Hadrian 39
Haeser 425
von der Hagen 136, 411, 415
Hagenmeier 47
Hahn 368 ff., 380, 392, 393, 398, 431
Hahnemann 194, 377, 382 ff., 431
Halevy 175
von Haller 285, 420
Hampe 116, 416, 424
Handsch de Limusa 252
Hans am Wasen 10, 409
Hans von Ems 14
Hans von Rechberg 348
Hans von Schweinichen 121
Hans von Waldheim 14, 251
Harder 424
Hartmann von Aue 203, 417
Hätzlerin 104, 163, 180, 183, 416
Haupt 416, 428
Hauser 410, 413
Hecht 259
Heffner 427
von Hefner-Alteneck 116, 415
Hegel 417
Hegi 107, 265, 356
Heidegger 325
Heineken 46
von Heinemann 147
Heinrich I. 9
Heinrich III. 35
Heinrich IV. 9
Heinrich von Bayern 40
Heinrich (Henricus) von Langenstein 110, 231, 245
Heinrich von Kempten 102
Heinrich von Veldeck 417
Heitz 409, 432
Helbling 70, 72, 75, 144, 146, 148, 151, 152, 163, 415
Held 45
Hemmerlin 87, 417
Henricus de Hervordia 230, 286, 291
Henricus Münsingen 205
Hensing 420
Herbord 4, 408
Heresbach 42
Herlicius 205, 206
Hero 74, 152, 169, 171, 180, 415
Herrand von Wildonie 86, 150, 151, 165, 423
Herrliberger 401, 432
Herz 378
Herschel 425
Heß 15, 80, 153, 168, 246, 253, 255, 264, 307, 325, 329, 332, 337,
356, 398, 409, 418, 420, 426
Hesselius 296
Heyne 1, 3, 4, 126, 408
Hidgen 29
Hildebrand 280
Hille 411
Hiltprand 205
Hingst 87, 414
Hippokrates 371, 372
Hirsch 216, 217, 429
Hirschel 429
Hirsching 427
Hirzel 137, 427
Hof 46
Hofmann 374, 376, 378, 428
Hoffmann von Fallersleben 424
Holbein 224, 432, 438
Hollar 185
Holzhab 325, 427
Homeyer 426
Horn 367, 368
Hornlocher 327
Horst 420
Hottinger 268, 420
Hufeland 136, 218, 268, 300, 366, 367, 395, 402, 426, 430, 431
Hugo von Trimberg 412
Huggelin 24, 77, 236, 241, 411
Hüllinger 421
Hüllmann 429
Hunziker 412
Hupschmann 336
von Hutten 90, 163, 299, 331, 417, 421, 429
Ibrahim-ibn-Jakub 1, 4
Isilin 43
Iso, Mönch in St. Gallen 8, 9
Jacobs 423
Jäger 92, 226, 227, 410, 420, 425
Jäggli 99
Jakob von Warte 14, 103
Janus 62
Jasander 421
Joachim II. 186
Joel 181
Johann Friedrich 186
Johann Friedrich der Mittlere von Sachsen 193
Johann von Eberstein 231
Johann von Werdenberg 192
Johann Wilhelm von Sachsen 193
Jordanus 209
Kaiser 418, 420
Kaltenbaeck 413
Kambly 326
von Kahtlor 218, 402, 430
Karl IV. 213, 227, 229, 406
Karl V. 346
Karl VIII. 207
Karl der Dicke 8
Karl der Große 40, 229, 230, 412
Kasterlitz 368
Kaufringer 70, 83, 108, 121, 416
Keller 5, 7, 144, 222, 408, 412, 417
Kempfe 24, 411
Kerner 255, 268 ff., 306, 345, 396, 418
Keßler 51
Kiburger 4
Kieffer 256
Kiene 419
Kieser 151, 160, 161
Kinkel 426
Kirchner 141
Klein 215, 430
Klüber 267, 421
Kluge 194, 428
Kneipp 370
von Kobbe 394
Kochendörffer 3, 6, 408
Koelliker 61, 414
Kohl 46
Kolweck 419
König 213, 429
König vom Odenwald 119, 180, 195, 220
Konrad von Fusesbrunn 134
Konrad von Megenberg 277, 422
Konrad von Würzburg 203, 417, 425
Kopp 412, 427
Krafft 221, 339
Kramer 167
Kratz 140, 426
Kraus 409, 419
Krieg von Hochfelden 409
Kriegk 193, 412
Kröber 394, 431
Küchenmeister 370, 431
Kugler 429
Kühn 422
Kündig 163
Küngsberger 73, 173, 416
Künz 394
Künzli 169
Labenwolf 233
de Lamzweerde 128, 129, 427
Lange 233
Langenbeck 377, 431
Lassar 221, 429
von Laßberg 426
Lavater 60, 89, 126, 204–206, 414, 417, 428
Leconte 51
Leopold I. 94
Leopold von Österreich 64, 348
Lersch 251, 410
von Lersner 42, 412
Leucippaeus 253, 256, 267, 269, 276
Lichtenberg 62, 364
von Liebenau 37, 224, 409, 429, 432
von Liliencron 410, 425
Lind 426
Lindauer 99
Lindenmayr 215
Lingg 332
Liutprand 230
Lochmann 316
Lochner 428
Locke 31, 32, 43, 137, 411
Löffler 329
von Loga 233
Löle 297, 421
Lombard 376
Lothar 229
Lübben 426
Lucas 306
Lucas van Leyden 72
St. Ludgerus 25
Ludwig II. 213
Ludwig III. 66
Ludwig XI. 204
Ludwig XII. 249
Ludwig der Bayer 262
Ludwig der Fromme 8, 35, 64
Lundorf 353
Luther 36, 86, 193, 217, 282, 370, 412
Lütolf 425
Lutz 44
Lyncker 422
Maaler 5, 51, 120, 413
Maier von Wurzbach (Marius) 209, 400
Malcarida 285
Manesse 14, 103, 104
Manuel 182
Marcard 48, 49, 62, 104, 217, 279, 306, 342, 386, 402, 413, 419
Marcuse 413
Maret 378
Margarete von Württemberg 325
Marggraff 425
Marquard von Fulda 210
Martaller 92
Marteau 45, 378, 413
Martin 3, 408, 410, 417, 420
Martinus Bohemus 19
Matthes 48, 397, 413
von Maurer 412, 414
Mauthner 424
Maximilian 207, 249, 346, 424
Maximilian II. 64
Maximilian von Stühlingen 325
May 47, 413
Mayer 424, 429, 430
Mechinger 276, 303, 419
van Meckenem 135, 136
Meier 423
von Meiller 413
Meiner 354
Meiß 414
Meißner 221, 423
Melanchthon 293
Meltinger 73
Merveilleux 278, 353, 421
Metlinger 137
Metobius 286 ff., 290, 291, 330, 422
Metzger 62
Meyer 42, 46, 285, 412, 419, 423, 426, 429
Meyer-Ahrens 113, 170, 411, 412, 427
Meyer von Knonau 6, 408
Michael von Hohensax 348
Michelsen 427
Minkwitz 193
Moehsen 401
Mombert 140, 427
Monboddo 364
Mönch von St. Gallen 6 ff., 230, 408
Mone 410, 412, 415, 416, 419, 423, 424, 426
Montaigne 251, 323, 324, 418
von Moos 426
More 37
Morel 425
Moritz von Hessen 324
Moser 131, 263, 268, 354 ff., 418
Muchheim. 339
Muffel 73
Muheim 339
Müllenhoff 412
Müller 19, 79, 245, 416, 418
Munde 387, 389 ff., 394, 396, 400, 430
Münster 132, 234, 262, 299 ff., 314, 338, 418, 419
von Muralt 216, 431
Murer 57, 59, 413, 422
Murner 13, 14, 74, 80, 132, 144, 146, 152, 153, 162, 164, 278, 408
Musa 376
Myconius 131
Mylius 368
Näf 427
Näher 427
Nater 414
Neef 206, 429
Neithart 14, 86, 164, 227
Neuburger 426
Nork 410
Oberer 423
Ochs 416
Öchsli 56, 57, 413
Offterdinger 377, 430
Olberg 48
Örtel 370, 393, 394, 430
Osenbrüggen 412, 426
Osiander 427
Osse 166
Oswald von Wolkenstein 18, 163, 418
Otto Heinrich bei Rhein 325
Otto 414
Otto II. 40
Otto von Bamberg 4, 25, 33, 408
Pachinger 114
Pagel 426
Pansa 162, 310, 419
Pantaleon 15, 81, 204, 205, 207, 246, 279, 280, 310 ff., 323, 330,
335, 339, 340, 343, 345, 409, 428
Pappenheim 221, 429
Paracelsus 10, 11, 28, 82, 127, 205, 272, 280, 284, 294, 298, 352,
408, 411, 420, 429, 431
Paré 80, 376
Parzival 83
Pauli 73
Paumgarten 130, 252, 280, 303, 416
Pelicanus 329
Percy 376
Peter I. 342
Peters 416
Petrarca 21
Petri 234, 262, 400, 431
Petrus de Ebano 157
Petrus de Spina 276
Petrus de Tussignano 236, 265, 272, 419
Peyer 431
Pfaff 417
Pfau 426
Pfotenhauer 417
von Pfuel 52
Pfyffer 418
Philander von Sittewald 34, 91, 410
Philipp bei Rhein 282
Philipp von Allendorf 146, 153, 164, 165, 182, 280, 415
Phries 98, 127, 132, 157, 272 ff., 276, 278, 303, 421, 422, 431
Pictorius 19, 42, 78, 79, 129, 157, 159, 163, 264, 277, 280, 339,
340, 413, 416
Pipin 230
Pirckheimer 208
Pitschaft 431
Plate 424
Platter 200
Pleb 298
Pleiaer 416, 417
Plinius 236
Plouquet 51, 364, 413
Pochhammer 216, 217, 430
Poggio 239, 245, 261, 262, 278, 329
Poitevin 45, 46
Preuß 138, 426
Prießnitz 28, 30, 33, 48, 256, 363, 366, 379, 387 ff., 398
Pryss 72
Pyrmontanus (Feurbergk) 19, 255, 291, 293, 330, 400, 410
Querhammer 190, 191
Räbmann 338, 343
Radziwill 280
Raffael 118
Rahn 57, 61, 88, 325, 327, 364, 412, 413, 419, 426, 427
Ramsden 402
Rantzau 39, 304, 421
Rathold von Friesland 4
Rau 414
von Raumer 401, 413
Rauße 370, 379, 387, 388, 395, 396, 430, 431
Reber 417, 424
Redeker 257, 421
Reginard von Lüttich 9
Reil 157
Reinmar von Zweter 34
Rem 82, 119, 253, 255, 280, 282, 416
Renard 431
Rentzius 200, 425
Renz 419
Retzius 2, 3, 71, 113, 408
Reuß 367, 376, 431
Reydt 277, 304, 423
Reyscher 414
Riecke 413
Rieger 426
Ringholz 416
Ritter 262, 422
Rocholz 193, 194, 425
Rocquebertin 249
von Rodt 235, 413, 416, 430
Römer-Büchner 426
Rosenblut 172
Rößlin 21, 136, 174, 410, 420, 425
Roth 71, 191, 208, 211, 277, 414
Roth von Schreckenstein 415
Rousseau 32, 43, 136, 411
Röust 326
de la Roux 46
Rotschild 269
Rüdiger 415
Rudolf II. 64
Rueff 79, 134, 277, 290, 416, 427
Ruland 92, 196, 201, 236, 277–279, 352, 417, 421
Runge 24 ff., 59, 410
Ruodlieb 8
Rüsch 27, 28, 91, 112, 206, 306, 332, 368, 369, 395, 411
Ryff 18, 19, 39, 42, 72, 78–80, 90, 106, 109, 118, 120, 123–127,
129, 137, 156–159, 161–163, 168, 170–172, 212, 213, 264, 269,
277, 280, 282, 303–305, 310, 409, 415, 416, 424
Sach 93, 408
Sachs 13, 44, 69, 74–76, 81, 105, 119, 120, 145, 148, 151, 152, 160,
167, 170, 173, 181, 182, 211, 225, 409, 414, 425
Sachse 411
von Sal 168
Salzmann 43, 50
Sanchez 216, 217, 429
Sanders 417
Santorio 129
Sastrow 164
Schaab 427
Schäfer 429
von Schallern 46
Schalyß 151
Schär 429
Scharold 415, 417, 424, 428
Scheible 51, 409, 412, 413, 416, 424
Schelhammer 215
Schellenberg 50
Scherb 112, 427
Scheuchzer 10, 11, 27, 28, 32 ff., 265, 269, 374, 408, 411, 419
Schiler 339
Schiller 353, 360, 426
Schilling 37
Schleher 205, 428
Schlitzoc 273
von Schlosser 75, 93, 94, 144, 163, 164, 167, 417
Schmeller 409, 415
Schmid 119
Schmucker 376
Schmuz 299, 423
Schneeli 432
Schnorr von Carolsfeld 419
Schoder 277
Schönherr 426
Schöpf 163
Schott 337
Schreger 46, 158, 217, 219, 364, 365, 408
Schrott 390
Schultz 126, 134, 231, 414, 422, 423, 426
Schweizer 325, 421
Schwenckfeld 22, 416
Scribonius 35
Sebiz 21, 128, 258, 352, 410
von Segesser 414
Seifrit der Futraer 20
Seipp 294, 420
Selinger 388, 390, 430
Selos 109, 418
Sender 105, 417
Senn 112, 113, 127, 427, 428
Simler 20, 57, 127, 332, 338, 339, 409–411
Simrock 409, 424
Sintenis 428
Solger 417
Solis 174
Sommer (Summer) 252, 404 ff., 432
Sommerer 19
Soranus 39
Spangenberg 425
Sparmann 423
Spengler 397, 419, 430
Speth 423
Sprengel 411
Stark 365
Staub 427
Steinfeld 269
Steinhausen 410
Steinhövel 145, 325
von Stetten 425
Stephani 6, 230, 408
Stieler 96
Stöber 188, 428
Stockar 127, 162, 428
Stolberg 60
Stoltze 417
Störk 47, 399
Stracholf 64
Sträter 432
Strauß 421
Stricker 176, 421
Strickler 425
Strigel 136
Strobelberger 419
Strübin 314, 343, 421
Stumpf 4, 26, 27, 85, 145, 238, 298, 352, 408
Sturm 42
Succow 365
Suchenwirt 165
van Swieten 47, 399
Sytz 276, 279, 304, 420, 421
Tabernaemontanus 258, 259, 268, 283, 285, 293, 294, 418
Tacitus 1, 39, 59, 408, 412
Tannhäuser 102, 248
Tanstätter 206
Teichner 9, 184
Thausing 431
Theden 370, 375, 376
Thilenius 410
Thietmar von Merseburg 412
Thoman 147
Thomas von Mölk 45
Thomasin von Zirclaria 424
Thorspeden 48
Thurneisser 127, 128, 159, 280, 294, 331, 421
von Tieffenbach 348
Tissot 32, 218, 378, 380, 421, 423, 427
Tobler 427, 432
Tourte-Cherbuliez 363
Troll 410
Trotzendorf 43
Tschudi 27, 411
Tucher 69, 116, 118, 177, 321, 414, 428
Udalrich von Augsburg 6
Uden 216, 429
Uhland 409
Ulmerin 35, 36
Ulrich von Liechtenstein 83, 102, 104, 146, 151, 416
Untzer 207, 429
Unzer 427
Usteri 107, 265
Vadianus siehe von Watt
Varges 416
St. Verena 246–248, 311
Vetter 422
Vinar 304
Vitruv 424
Vogel 62, 63, 222, 247, 264, 331, 416
Vögelin 413, 422, 423
Vogt 256, 301, 305, 420
Voigt 432
Wackernagel 357, 409, 432
Wagner 27, 32, 330, 411
Walch 329
Waldmann 249
Waldstein 110, 426
Walfhart 177, 183
Walthier 24, 411
Warner 423
Waser 328
von Watt (Vadianus) 123, 125, 204, 205, 206, 427
Weber 110
Wehrmann 426
Weiß 388, 425, 431
Weisstein 426
Weitsch 358, 361
Weller 426
Welper 46
Welser 251, 252
Wendt 430
Wenzel von Böhmen 73, 75, 93, 141, 164
von Werdenberg 348
Westenrieder 186, 402
Wetzler 157, 218 ff., 262, 269, 354, 402, 420
Wiborad, heilige 9
Wichelhausen 47, 401, 413
Wichner 25, 113, 343, 411
Widmann siehe Mechinger
Wieland 168
Wildvogel 120, 145, 416
Wilhelm Hirsaugensis 8
Wilhelm von Sachsen 251, 280
Will 419
Willi 412
Willich 46, 206
Wimpheling 321, 432
Winternitz 370, 397, 398, 430
Wintperger 19
Wirnt von Gravensberg 417
Wittenweiler 73, 157, 415
Wittich 74
Wittie 31
Wittmann 426
Wohlgemuth 16
Wolf 410, 424, 431
Wolfenschießen 121, 122, 132
Wolfring 220
Wolfger von Ellenbrechtskirchen 83, 210, 416
Wolfram von Eschenbach, 80, 165, 168, 416, 428
Woltmann 62
Wuttke 23, 410
Wyck 131, 204
Wyerman 428
Wynmann 53, 59, 61
Zapf 125, 296, 421
Zappert 9, 39, 65, 70, 72, 94, 147, 165, 230, 408
Zedler 120, 126, 134, 159, 168, 212, 213, 424
Zeiller 22, 140, 201, 213, 263, 295, 343, 410, 411, 420
Zeitblom 250
Zeller-Werdmüller 428
Zeuß 416
Ziegler 411, 421, 422
Zimmermann 201, 422
Zinck 427
Zingerle 109, 418
Zinken 145
Zoller 168
Zückert 295, 297, 306–308, 361, 419
Zwierlein 217, 305, 361, 362, 400, 402, 413, 422, 431
Zwingli 57, 413
ORTSREGISTER[A]
Aachen 59, 146, 222, 229, 230, 256, 258–261, 267, 276, 277, 279, 282,
290, 303, 304–308, 321, 335, 340, 353, 360–362
Aadorf 132
Aawangen 132
Admont 116
Aigues-Chaudes 323
Aix 306, 308
Allensbach 42, 213
Altenburg 69
Altenmarkt 114, 133, 171
Altenzella 93
Altona 217
Amberg 44, 181, 204
Antegast 268
Apenrade 63
Appenzell 194
Arzbach 259
Augsburg 19, 91, 94, 98, 105, 111, 116, 117, 121, 132, 142, 147, 168,
184, 186, 187, 196, 218, 219, 400
Augsport 226
Baden (Aargau) 14, 15, 64, 67, 81, 87, 92, 120, 143, 168, 197, 200,
208, 221, 222, 236 ff., 246–249, 251, 253, 255, 256, 261, 262,
264–266, 268, 272, 278, 279, 303, 305, 307, 309 ff., 328,
330–332, 334–337, 339, 340, 342–345, 348, 352, 353, 356–358, 363
Baden-Baden 16, 19, 22, 82, 108, 170, 200, 222, 226, 251, 253, 255,
256, 265, 267, 269, 270, 276, 277, 278, 283, 294, 304, 307,
310, 330, 334–336, 359
Baden (bei Wien) 19, 143, 222, 227, 263, 269, 272, 294, 339–341, 343,
344, 353
Badenbrunn 226
Badenweiler 222, 264
Badhütten 22
Bahrenfeld 217
Ballenstädt 46
Baltersweil 113
Bamberg 69, 78, 87, 138, 142, 166, 169, 177, 178, 183, 191
Basel 15, 21, 34, 55, 83, 86, 87, 100, 160, 166, 169, 178, 179, 188,
199, 200, 201, 210, 327, 329, 356, 399
Bassersdorf 211
Bayreuth 46
Bellerive 201
St. Bedes Brunnen 29
Beinwyl 25
Bergen 193
Berlin 46, 66, 98, 132, 186, 187, 197, 216, 217, 221, 367, 386
Bern 44, 59, 68, 91, 170, 213, 337
Bernang 115
Bernhausen 200
Bertrich 222, 229
Biberach 22, 203
Bichelsheim 9
Bielefeld 257, 296
Bilin 227
Bingen 67
Bischofszell 112
Blankenburg 217
Blankenhain 23, 38
St. Blasien 115, 259
Böblingen 67, 178, 192
Bocken 211
Boll 126, 151, 170, 200, 207, 290, 344
Bordeaux 366
Bormio 11, 236, 278, 345, 352
Bräunlingen 71, 78, 169, 182
Braunschweig 46, 92, 93, 184, 192
Bremen 46, 177
Breslau 70, 85, 98, 148, 166, 183, 217
Brieg 134, 200, 277
Brighthelmstone 62
Bromfield 62
Bruchsal 66, 196
Brückenau 305, 361–363
Brünn 209
Bunzlau 23
Burgau 171, 210
Burgbernheim 229
Burgwinnumb 297
Burtscheid 267, 334, 338
Butzbach 66, 67, 133, 178, 179, 189
Cannstatt 20, 169, 218, 377
Cappel s. Kappel
Celle 46
Colberg 63
Cölleda 191
Cöln s. Köln
Cotrone 40
Dachau 126
Danzig 68, 217
Deal 62
Denkendorf 73, 179
Dessau 48
Dijon 366
Dießbach 28
Dietrichshag 25
Dießenhofen 211
Disentis 255
Döbeln 191
Dorneck 40
Dreieicher Wildbann 35, 180
Dresden 99, 189, 190, 217
Driburg 305, 377
Durlach 148, 152, 169, 179
Eger 210, 257, 361
Eilsen 305
Einingen 4
Einöd 227
Einsiedeln 67
Elgersburg 400
Elgg 44, 113, 325
Elmen 217
Eltvil 283
St. Emmeran 122, 226
Ems 19, 230, 259, 265, 277, 278
Enatbühl 82
Enggisstein 97
Klein-Engstringen 25
Erfurt 37, 92, 116, 121, 142, 149, 184, 190, 192, 193
Eßlingen 35, 44, 179, 183
Ethausen 175
Ettenhausen 215
Euerdorf 168
Fideris 236, 237
Frankfurt 40, 42, 44, 46, 47, 69–71, 88, 92, 94, 100, 105, 118, 132,
133, 139, 142, 175, 177–181, 184, 193, 196, 205, 208, 211, 217,
219, 231
Franzensbad 257, 259
Frickenhausen 88
Friedberg 140
Freiberg 61, 87, 98, 178, 189–191, 201
Freiburg 69, 188
Freienwalde 217, 361
Fulda 210
Fürth 220
St. Gallen 4 ff., 64, 69, 81, 111, 113, 115
Gastein 227, 269, 277, 278, 282, 402 ff.
Gehren 94, 96, 203
Geisenfeld 129
Germersheim 65
Gerolzhofen 77, 178, 184, 186, 192, 197
Glarus 59
Glauchau 190
Gleichenberg 227
Glotterbad 18, 262, 338, 341–344
Goeß 112
Goldberg 43
Gontenschwyl 330
Göppingen 277, 283, 284, 286
Görlitz 68, 133, 134, 142, 169, 181, 184, 186
Goslar 195
Gotha 91, 100
Göttingen 213, 354
Gräfenberg 393, 394
Graz 52, 399
Griesbach 258, 283, 284, 326
Grimma 189
Grindelwald 363
Gronau 93
Grünberg 186, 189
Gurnigelbad 337
Gyrenbad 329, 342, 343
Hadlikon 127
Halberstadt 99
Hall 64, 201, 231
Halle 14, 66, 92, 188–191, 210, 217
Ham 296, 297
Haltingen 179
Hamburg 43, 70, 71, 86, 93, 94, 101, 126, 132, 166, 177, 193, 195,
217, 220
Hannover 66, 189–191
Havelberg 186
Heidelberg 14
Heilbronn 186, 200, 227, 228
Heilbrönnle 28
Heilbrunn 25, 227
Heiligenkreuz 66
Helfte 217
Helgoland 63
Herzogen - Baden s. Baden im Aargau
Hildesheim 14, 19, 66, 68, 142, 160, 181, 192, 210
Hinweil 211
Hofen 20
Hohenlohe 126
Honwick-Brunnen 29
Hornhausen 295
Hub 340, 345
Huisheim 120, 152, 165
Iffetzheim 66, 133
Imnau 354
Jakobsbrunnen 24, 28
Jebenhausen 284
Jena 47, 96, 97, 100, 170, 188, 189, 210
Jeninser-Alp 28
Juckibrünnelein 28
Juist 62
Kaltbrunn 25
Kappel 246, 251
Karlsbad 139, 200, 227, 251, 252, 255, 259, 261, 265, 267, 270, 272,
277, 280, 303, 308, 310, 333–336, 353, 354, 359–362, 396,
404 ff.
Kempraten 201
Kempten 194
Keula 100
Kiel 63, 377
Kissingen 227, 277
Klosterneuburg 69, 177, 179, 263
Koldiz 188
Köln 21, 98, 132, 139, 182, 197, 217
Königgrätz 189
Königsberg 25
Königsfeld 213
Konstanz 36, 51, 55, 85, 98, 131, 138, 166, 176, 177, 183, 198, 245,
250, 251, 277
Kopenhagen 52
Krauchthaler-Bad 27
Krautheim 218
Kreuznach 231, 331
Kuckucksbad 18
Kunigernheim 210
Kuppenheim 66, 133
Kyburg 115
Laimnau 22
Langeneybad 332
Langenschwalbach s. Schwalbach
Langensteinenbach 183
Lauchstädt 305, 353
Leipzig 67, 213, 217
Leuk 11, 24, 27, 82, 200–202, 234, 235, 243, 253, 255, 265, 269,
285, 338, 339, 343, 359
Leyznick 190
Liebenwerda 282
Liebenzell 66, 133, 201, 231, 253, 256, 265, 267, 277, 278, 294, 325,
329
Liegnitz 213
Lindenhart 25
Liverpool 220
London 220
Losdorf 346
Lübeck 13, 100, 133, 181, 187, 189, 190, 193, 195, 400
Lucca 303, 324
Ludgeriquelle 25
Lüneburg 166
Luthernbad 279, 331
Luzern 36, 65, 86, 183, 199, 200, 204, 208, 224, 246, 249, 251
Magdeburg 187, 217
Mainau 16, 19, 173, 401
Mainberg 305
Mainz 110, 139, 210, 231
Mannheim 47
Margate 62
Marienbad 270, 396
Marienberg 133
Marienburg 65, 111, 401
Marienzell 65
Margrafen-Baden s. Baden-Baden
Marlei 121
S. Martino 11
Mayenbad 326
Maulbronn 111
Mautern 25
Maschanzertobel 28
Mastricht 59
Meinhardt 264, 331, 346, 347
Meiningen 190
Memel 217
Meißen 44, 120, 138
Merchendorff 209
Meßkirch 45, 210
St. Mongahs Brunnen 29
St. Moritz 284–286
Mosbach 179
Mülhausen 36
München 68, 116, 142, 148, 184, 186, 193, 214, 218
Münden 111
Münerstadt 175
Munzach 25, 201
Muri 215
Murten 251
Muskau 217
Nabburg 138
Naumburg 100
Nenndorf 305, 402
Neuffen 200
Neustadt 118
Niederbronn 21, 277
Nieder-Urnen 253
Norderney 62
Nordhausen 187, 296
Nudersdorf 217
Nüdlingen 168
Nürnberg 46, 67–69, 71, 73, 79, 98, 100, 115, 116, 118, 120, 130,
142, 166–168, 170, 175, 177, 181, 183, 184, 186–188, 193, 204,
205, 207–209, 211, 218, 224, 233, 277, 321, 329, 343, 402
Nydelbad 145
Nymphenburg 116
Ochsenfurt 210
Öffingen 20
Osterode 23, 34
Öttingen 120
Ottoborn 25
Paris 45, 145
Passau 65, 67, 83, 126, 210
St. Peter 259
Petersthal 258, 283
Pfäfers 10, 15, 20, 24, 192, 201, 202, 206, 234, 252, 253, 255, 256,
260, 262, 265–267, 276, 277, 280, 298 ff., 310, 324, 330–332,
334, 337, 338, 344, 345, 348 ff., 352, 358
Pfaffenhofen 67
Pfäffikon 144
Pfullendorf 118, 120
Philippsburg 67
Pilatus 32
Plombières 227, 265, 276, 277, 280, 281, 294, 307, 324, 333
Plummers s. Plombières
Potsdam 216, 217
Prag 68, 93, 217
Prez 108, 123
Pritzwalk 184, 186
Puttbus 63
Pyrmont 26, 48, 141, 225, 230, 255, 259, 286 ff., 294, 295, 305, 330,
342, 347, 354, 358–362, 374, 386, 402
Ragaz 28, 301
Raitenbuch 178
Ramsen 15, 21, 327
Randersacker 209
Rapperswil 201
Rastatt 66
Rastenberg 259, 296
Rathhausen 40
Regensburg 20, 64, 68, 87, 177, 184, 210
Rehburg 305
Reichenau 230
Reutlingen 69
Riga 66, 92, 170, 210
Rigikaltbad 24, 26, 28
Rippoldsau 258
Rischialp 26
Roggwyl 218
Roigheim 341
Ronneburg 305
Rorbach 18
Rostock 119, 187
Rotenburg 68
Rottweil 178
Rügenwalde 63
Runkelstein 109, 110
Rußwyl 65
Salerno 11, 172
Salmannsweiler 111, 118
Salzburg 190
Groß Salze 217
Sakramentswald 25
Sargard 46
Schaffhausen 127, 327
Neu-Schauenburg 356 ff.
Scheveningen 63
Schinznach 143, 357
Schlangenbad 264, 362
Schneeberg 191
Schnepfenthal 50, 52
Schönfeld 77
Schornheim 210
Schulpforta 43
Schwabach 141, 286, 293, 361
Schwalbach 258, 278, 282, 283
Schwanden 10
Schwarzach 67
Schwendikaltbad 26, 27
Seebach 258
Selters 259
Sigmaringen 37
Silberbrünnlein 18
Soden 231
Sommerach 209
Sonthofen 16
Spa 227, 259, 260, 286, 290, 291, 302, 353, 359–362
Speicher 368
Speyer 34, 69, 87, 140, 142, 179, 196, 210
Spiegelberg s. Pyrmont
Stadelhofen 246
Stäfa 248
Stegen 144
Steinenbach 211
Stettin 204, 205, 214, 217
Stolberg 184, 186
Stralsund 127, 187
Straßburg 11, 36
Strechau 25
Stuttgart 20, 52, 133, 197, 200
Sulzbad 21
Sulzdorf 209
Sundelfingen 178
Swinemünde 63
Tänikon 112, 115, 215
Tannegg 113
Teplitz 82, 143, 227, 280, 294, 335, 345
Thiersberg 110, 111
Tobelbad 26, 207, 262, 334, 346
Töß 246
Travemünde 63
Tüffer 227
Überkingen 226, 284
Überlingen 277
Ulm 18, 66, 68, 70, 84, 92, 96, 98, 105, 119, 121, 148, 170, 181,
183, 186, 210, 226, 326
Ulrichsbrunn 25
Urdorf 329, 339
Urspringen 77
Val Sinistra 1, 4
Villach 294
Villingen 178
Vilshofen 192
Volkerschwil 211
Vorau 111
Waldenstein 211
Waldulm 132
Walkershofen 292, 297
Walliserbad s. Leuk
Waltershausen 190, 193
Wangeroog 63
Wannenbad 248
Warmbrunn 22, 82, 227, 335
Wartburg 110, 111
Wattwyler Bad 340
Weihenzell 297
Weikendorf 44
Weimar 211, 217
Weißenfels 217, 226
Weißenhorn 42, 147, 182
Wepchenbad 27
Werberichshausen 175
Wernigerode 87, 169
Wessobrunn 35
Wetelsheim 178
Wettingen 40
Wettrungen 68
Wetzikon 113
Wien 42, 44, 47, 97, 98, 100, 142, 189, 190, 204, 205, 210, 217,
220, 278, 284, 367, 368, 399, 402
Wiener-Neustadt 44
Wiesbaden 222, 231 ff., 264, 265, 267, 269, 280, 283, 352–354, 362
Wiezikon 113
Wildbad 19, 82, 231, 251, 253, 255–257, 263–265, 267, 268, 269 ff.,
272, 276, 280, 282, 294, 302, 310, 325, 329, 334, 337, 344–346,
354 ff., 358
Wildenbruch 106, 111, 119, 162
Wildungen 227
Wimpfen 210
St. Winfreds Brunnen 29, 31
Winterthur 19, 59, 64, 66, 67, 162, 168, 169, 197, 199, 202, 214
Wismar 181
Wolfach 325
Wolfshagen 324
Worms 11, 236, 278, 352
Würzburg 44, 67, 68, 89, 95, 96, 99, 121, 134, 148, 166, 170, 175,
176, 183, 190, 196, 199, 203, 209, 210, 329
Wyck 63
Ypphofen 199
Zaysenhausen 268
Zell 144
Zellerbad s. Liebenzell
Zerbst 100, 101, 146, 166
Zittau 68, 171, 184, 186, 188, 189, 193
Zizersdorf 67
Zoppot 63, 305
Zürich 11, 23, 34, 36, 43, 45, 51, 53 ff., 65, 66, 69–71, 73, 77, 78,
80, 88, 94–98, 100, 101, 112, 113, 115, 130, 131, 144, 160,
162, 168, 170, 175, 183, 197, 198, 201, 204–206, 208, 211, 212,
226, 246, 249, 251, 298, 324–329, 400, 401
Zurzach 246, 248, 249, 311
Zwickau 68, 183, 188, 190–192, 210
[A] Das Literaturverzeichnis ist im +Orts+verzeichnis +nicht+
berücksichtigt worden.
BERICHTIGUNGEN
S. 18 Z. 6 v. o., S. 128 Z. 2 v. o. und Z. 14 v. u. lies
~Brunssfels~ statt ~Brunfels~
S. 194 Z. 13 v. u. lies ~Hahnemann~ statt ~Hahneman~
S. 4 Z. 6 v. u. lies ~Herbord~ statt ~Herbold~
S. 193 Z. 13 v. o. lies ~Kriegk~ statt ~Krieg~
S. 136 Z. 5 v. u. lies ~Rousseau~ statt ~Rouseau~
S. 79 Z. 5 v. u. und S. 134 Z. 11 v. u. lies ~Rueff~ statt ~Ryff~
S. 145 Z. 12 v. o. lies ~Steinhövel~ statt ~Steinhöwel~
S. 136 Z. 8 v. o. lies ~Strigel~ statt ~Striggel~
GEDRUCKT IN DER FROMMANNSCHEN BUCHDRUCKEREI (HERMANN POHLE) IN JENA
*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DEUTSCHES BADEWESEN IN VERGANGENEN TAGEN ***
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