The Project Gutenberg eBook of Urwald
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Title: Urwald
Author: Raoul Heinrich Francé
Illustrator: Rudolf Oeffinger
Release date: February 27, 2026 [eBook #78056]
Language: German
Original publication: Stuttgart: Franckh'sche Verlagshandlung, 1928
Credits: The Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net
*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK URWALD ***
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Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1928 so
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vorliegenden Fassung werden die Begriffe jedoch getrennt aufgeführt.
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~KOSMOS-BÄNDCHEN~
~URWALD~
Urwald
Von R. H. Francé
Mit einem farbigen Umschlagbild von
Rud. Oeffinger nach einem Original
des Verfassers und 19 Abbildungen
Stuttgart
Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde
Geschäftsstelle: Franckh’sche Verlagshandlung
Nachdruck verboten
Alle Rechte, auch das Übersetzungsrecht, vorbehalten
~Copyright 1928
by Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart
Printed in Germany~
Druck von Holzinger & Co., Stuttgart
Inhalt
I. Ankunft in den Tropen 5
II. Wo gibt es noch Tropenurwälder? 6
III. Der Anblick der Wälder Indiens 12
IV. Die Urwälder Australiens 27
V. Die Tropennatur auf den Südseeinseln 39
VI. Der Amazonaswald 56
VII. Das wirkliche Bild der Tropennatur 64
Anmerkungen und Erläuterungen 71
Sachweiser 76
I. Ankunft in den Tropen
Seltsam ferner Duft, der aufsteigt aus alten Erinnerungen von
Reisefieber und Naturschwärmerei, immer noch, wenn der Blick auf
gewisse Worte fällt, wie Tropenurwald oder Südsee oder Ceylon und
Amazonenstrom. Wer hat nicht mit glühenden Wangen und still verbissenem
Sehnsuchtsneid davon gelesen in alten und neuen Büchern und sich
gewünscht, auch einmal diese Zauberländer der Natur betreten zu können,
das Urwalddunkel, in dem Untiere lauern, aber die herrlichen Orchideen
auf den Bäumen brennen, das unschuldige Paradies der Südseeküsten, wo
im heiter-kindlichen Spiel schöne braune Menschen unter Kokospalmen
Blumenkränze flechten und auf Schritt und Tritt unbekannte Wunderdinge
ihres Entdeckers harren?
Vierzig Jahre lang habe ich so gelesen und gelernt über den
Tropenurwald und die Tropenwelt und mir ein Bild gemacht aus hundert
Werken, die in langer Reihe auf meinem Bücherschrank stehen,
angefangen von +Cooks+ und +Chamissos+ Reisen, von +Humboldts+
Aequinoktial-Amerika, +Bates+’ Naturforscher auf dem Amazonenstrom,
+Martius+ und +Stanley+, +Junghuhn+, +Ransonnet+ und +Haeckels+
Insulinde, bis zur botanischen Tropenreise von +Haberlandt+, den
gelehrten Werken von +Schimper+, +Karsten+ und +Winkler+. Bis dann
endlich nach vierzigjährigem Warten ein Morgen kam, an dem am
silberigen Himmelsrand vor mir ein blauer Riesenberg aus dem Meer
tauchte. Ganz spitz und zackig aus einem Gewirr von Gebirgen und alle
Gipfel zusammenschwebend über einer luftigen Wolke. Und ich wußte, an
diesem Morgen, nach achtzehntägiger Seefahrt, das ist der Adams-Pik
auf Ceylon. Und dieser ferne feine Blumenduft, der da auf einmal
herüberwallt über die Salzflut, das sind indische Düfte. Und das Heer
der schönsten gelben, himmelblauen, dunkelsamtgrünen Schmetterlinge,
die nun plötzlich das Schiff überfallen, so zahm und matt, daß man sie
mit Händen greifen kann, das sind die Tropenfalter der Urwälder, die
da langsam und feierlich am Himmelssaum emporsteigen. Wahrhaftig,
da stehen Kokospalmen, dieses echteste Kind der Tropen, ein ganzer
goldiggrüner Saum, jetzt unermeßlich viel, ein Kokospalmenwald,
und wenige Stunden später stehe ich drin klopfenden Herzens, und
vor Ergriffenheit steigt mir das Wasser in die Augen, die blühende
Lotusblumen vor sich sehen und Lianen und den heiligen Hain des ersten
Banyanbaumes, starr und feierlich wie ein Tempel mit den hundert
Säulen seiner Stämme, zwischen denen tiefbraune Singhalesen lagern,
bunt und märchenhaft ..... Und der erste Blick auf die endlich erlebte
Tropennatur sagt mir, was dann hundert andere Erfahrungen in Indien, in
Australien, auf den Südseeinseln, im Tropenwalde Zentralamerikas immer
wieder bestätigten: Alles ist anders, als ich es mir vorgestellt habe;
in den Büchern war noch nie ein lebendiges, künstlerisch wahres Bild
der Tropenwelt enthalten. Man muß alles selbst erleben, um es wirklich
zu kennen. Und von diesem Tag an beginnt, trotz allem, was ich weiß,
für mich doch ein neuer Welt- und Naturbegriff.
Ihn will ich versuchen, hier wiederzugeben, soweit er sich auf den Wald
der tropischen Länder bezieht. Ein erlebtes Bild des Tropenurwaldes,
wie ich es sah.
II. Wo gibt es noch Tropenurwälder?
Viele von der Naturzerstörung in unserer Heimat schon kleinmütig
Gewordene meinen, es gebe vielleicht überhaupt keine Natur mehr, wie
sie +Humboldt+ am Amazonenstrom oder +Junghuhn+ in Java sah. Java heißt
nicht umsonst die sterbende Insel. Sie verweisen darauf, daß heute im
Zeitalter des Weltverkehrs Vergnügungsdampfer den größten aller Ströme
befahren und die entlegensten Orte, wie Rio de Janeiro in Brasilien
oder Habana auf Kuba, Weltstädte geworden sind mit Wolkenkratzern,
Trambahnen, Riesenhotels und Fremdenbüros. Daß in Manaos im Herzen des
geheimnisvollen Amazonaslandes ein Opernhaus steht, und in Singapore
ein wunderbares Museum, daß man durch ganz Afrika jetzt mit +Cooks+
Reisebüro auf der Bahn fahren kann und daß Kinos in den Negerdörfern
spielen.
Das ist alles richtig, und ich kann aus eigener Erfahrung hinzusetzen,
daß man überall, auch in den entlegensten Teilen der Insel Ceylon
-- viel mehr noch in Indien selbst -- gewärtig sein muß, auf eine
herrschaftliche englische Villa zu stoßen, daß es auf Südseeinseln,
deren Namen in Europa kaum gehörte Worte sind, wie Viti Levu oder
Raratonga, Städte gibt, daß man dort, wo noch +Humboldt+ unter
Lebensgefahr durch unwegsamen Sumpfwald in Zentralamerika zog, heute
Golf spielt und im Clubhouse Radiomusik hört --, und trotzdem ist
die Erde noch erfüllt von Einsamkeit, unentdeckten Ländern, Völkern,
Inseln, Urwäldern, Köstlichkeiten, so frisch und unberührt, als wäre es
noch die Zeit der Schreckenstiere und Braunkohlenwälder, und die ersten
Menschen zögen furchtsam zum erstenmal durch ihr Land der Wunder.
Wenn einer mit Naturforscheraugen um die Erde gefahren ist, so hat
er zwar zunächst nicht den Eindruck, als sei die alte Kugel gerade
waldgrün. Im Gegenteil, er muß sein Urteil dahin zusammenfassen: Wasser
ist sie und nochmals Wasser, und die Länder darin sind meistens Wüsten.
Man erinnere sich, wie merkwürdig öde die Erde schon vom Flugzeug
aus wirkt. Daß ihr Gesamtbild da mehr Grau und Gelb, denn Grün ist,
wenn man nur erst einmal von tausend Meter aus auf sie herabschaut.
Ich habe die ganz bestimmte Vorstellung, daß die Erde, etwa vom Mond
aus gesehen, hauptsächlich zweierlei Anblicke bietet. Einmal ist sie
blaugrün. Dann sieht man auf die Wasserhalbkugel etwa mit der Inselwelt
Polynesiens als Mittelpunkt. Das anderemal ist sie rotgelb wie der
Mars, den man ja auch deshalb für einen Wüstenstern hält. Dann sieht
man auf die Landhalbkugel, und auf ihr überwiegen die großen Wüsten der
Sahara, von Südafrika, Arabien, Persien, die Steppen und Wüsten, die
den Russen und Mongolen gehören, alles andere.
Der Großteil aller Länder ist Wüste und Steppe. Nur Europa ist grün,
so wunderbar grün und üppig, daß man ganz bezaubert ist, wenn man
aus den andern Weltteilen zurückkommt. Und noch ein Weltteil ist
grün: die heißen Gegenden Amerikas. Dort, in der ganz ungeheueren
einstigen Meeresbucht, die heute von den Anschwemmungen das Amazonas
und Orinokos ausgefüllt ist, erstreckt sich das größte Waldgebiet
der Erde. Es ist so ausgedehnt, daß man ganz Europa samt dem Koloß
Rußland darin verstecken könnte, und alle die Urwälder Indiens, der
großen Sundainseln, sogar der riesige Kongourwald Afrikas schrumpfen
dagegen zusammen. Dieses Waldgebiet hat an Ausdehnung nur zwei
bekannte Rivalen. Das sind die riesige Nadelholzwildnis von Kanada
und Alaska in Nordamerika und der ungeheure Tannenwald, der sich von
Rußland durch ganz Sibirien bis an den Stillen Ozean erstreckt. Diese
beiden sind aber kein Tropenwald, und so mag man dem Amazonaswald die
Krone reichen. Denn er ist auch noch jungfräulich und in reichlich
drei Viertel seiner Gründe vom Weißen auch unerforscht. Nur in ihm
und um ihn herum sind alle fünf Möglichkeiten entwickelt, in denen
Tropenwälder auftreten können. Da ist zunächst der +Regenwald+, der
eigentliche Urwald, den die zahllosen Reisebeschreibungen meinen,
wenn sie ohne Sachverständnis vom Urwald sprechen. Neben ihm nicht
weniger entwickelt grünen die +Galeriewälder+, die in der Tropenwelt
die Flüsse begleiten und weniger von dem Klima als von dem Grundwasser
grün erhalten werden. Alle großen Ströme der heißen Zone in allen vier
Erdteilen, die in Betracht kommen, der Niger und der obere Nil so
gut wie der Brahmaputra und Mekong, der Orinoko und Magdalenenstrom,
der Flinders und Mitchell in Nordaustralien sind von solchen
+Galeriewäldern+ begleitet, die zu den üppigsten der Erde gehören, weil
sie in Wasserüberfluß schwelgen. An sie schmiegt sich überall dort, wo
in den Flüssen sich noch der Einfluß von Flut und Ebbe bemerkbar macht
und Salzwasser eindringt, ein besonders merkwürdiger Waldgürtel, den
man mit einem englischen Wort: die +Mangrove+ (sprich Mängro) nennt,
das gefürchtete und unheimliche Land der Moskitos und Fieber, dessen
Bäume sich alle dadurch auszeichnen, daß sie „lebendig gebären“, d.
h. nicht Früchte, sondern schon entwickelte junge Pflanzen von sich
abwerfen.
Neben diesen drei immergrünen Baumzonen dehnen sich aber dann im
Wärmegebiet der Erde noch länderweite Wälder, die ebenso wie bei uns
einen Teil des Jahres entblättert stehen. Das sind die +regengrünen
Tropenwälder+, dürr und ohne Laub in der Trockenzeit, aber auch im
feuchten Halbjahr nie so grün und üppig wie die vorgenannten. Die
Katingas Brasiliens und ein großer Teil des Waldes in Afrika und Indien
gehören zu diesem meist nicht sehr erquicklichen Landschaftsbild. Mit
ihnen bilden die afrikanischen und amerikanischen +Kampines+ einen
Übergang zum Grasland. Eine oft reizende Parklandschaft ist das, weite
Wiesen, Steppenflächen, in die Gehölze oder auch einzelne Riesenbäume
eingesprengt sind (Anmerk. 1).
Von all diesen Unterschieden aber weiß die Allgemeinheit nichts.
Ihr ist Tropenwald schlechthin: Regenwald und der Galeriewald
durcheinander, und alles ist Urwald, worin Lianen hängen und
Riesenbäume stehen, und zu ihrem Begriff des Urwaldes gehört nichts
anderes als „Urwaldriesen“, wie es in den Romanen so schön und so
gleichmäßig zu lesen ist, dazu Dickicht (Busch oder Dschungel [sprich
Dschangl] sagt der Reiseschriftsteller, wenn er Engländer ist), Lianen
und je nach dem Erdteil, um den es sich handelt, Abenteuer mit Tigern,
Leoparden, Riesenschlangen oder Elefanten. Dann ist das Urwaldbild
fertig und strotzt von „Echtheit“.
Die Wirklichkeit ist aber nicht so, und es ist Zeit, daß diese falsch
gesehenen und oberflächlichen Naturschilderungen dem verdienten
Belächeltwerden anheim fallen.
Jeder dieser Tropenwaldtypen, zu dem ich als fünften und ganz
besonderen noch den australischen +Scrub+ (sprich Skröb) gesellen
möchte, hat seinen Sonderlebenskreis, in dem außer den Bäumen
und großen Jagdtieren, die nebenbei gesagt, für die Natur dieser
Wälder ebenso wenig Bedeutung haben, wie etwa Hirsch und Adler für
die unseren, eine große Zahl von Farnen und Humusgewächsen sowie
Kleinpflanzen und eine nicht geringere von Kleintieren, namentlich
Ameisen, Termiten, Kleinvögeln und merkwürdigen Bodentieren die
allergrößte Rolle spielen.
Selbst in wissenschaftlichem Schrifttum ist dieser Lebenskreis des
Tropenwaldes noch nicht klar dargestellt; er ist nämlich überhaupt noch
gar nicht richtig erforscht, denn es waren noch zu wenig Naturforscher
da, die solchen Dingen ihre Beachtung zugewendet hätten. Die meisten
Reisenden haben vorwiegend geographische oder völkerkundliche oder
auch nur auf Sondergruppen, nur auf Pflanzen- oder Insektensammeln
gerichtete Interessen, oder sie sind bloß Jäger und Sammler. Man
hat zum Beispiel noch nicht klar herausgestellt, daß sich -- um in
der am besten bekannten Natur des Regenwaldes zu bleiben -- in ihm
Natureigentümlichkeiten sehr verschiedener Art mengen.
Da sind zunächst die jedem Urwald, sei er nun tropisch oder nicht,
zukommenden Eigenheiten. Das Unberührte der Natur, das jedem Baum
gestattet, bis an die natürliche Grenze seines Lebens zu grünen, sich
mit Plankenwurzeln und allerreichlichster Verzweigung auszubreiten.
Solche „Urwaldriesen“ bewundern wir auch in den Alpentälern, die noch
geschützte Natur bergen, oder im Böhmer Wald. Dort sind genau so wie in
den Tropen Blumenarmut, Humuspflanzenreichtum, reichste Entfaltung von
Leben in allen Stockwerken, eine ungemeine Anreicherung des Bodens mit
Humus, reichliche Lianenbildung Hauptcharakterzüge des Naturbildes.
Diese haben somit nichts zu schaffen mit der Tropennatur als solcher.
Ebensowenig wie gewisse Züge, die zu dem Begriff des Waldes überhaupt
gehören. Die Mannigfaltigkeit des Lebens vom Boden bis in die Wipfel,
die Verkettung und gegenseitige Anpassung von Pflanzen und Tieren,
überhaupt die Bildung einer in viele Untergruppen zusammenhängenden
Lebensgemeinschaft, das sind Waldeigentümlichkeiten, die um die ganze
Erde gehen und nicht bloß den Tropen eignen.
Echt tropisch dagegen sind gewisse Anpassungen, die nur im
Zauberbereich des Feuchtwarmen zu finden sind, als da wären: die vielen
bunten Blätter, der Samthauch so vieler Pflanzen, die verwirrende
Luftwurzelbildung, die wunderbare Farbigkeit von Blumen und Tieren, der
besondere Riesenwuchs (man denke doch nur an die Bambusgräser, und die
150 Meter hohen Eukalypten), die Vogelblumen, die Überpflanzen, die
Sonderbindungen zwischen Ameisen und Pflanzen, die übermäßig rasche
Verwesung und viele andere merkwürdige Dinge.
Diese Tropencharaktere aber sind wieder hundertfach abgewandelt,
je nach der örtlichen Ausprägung der jeweiligen Flora und Fauna,
die dem Tropenwald jene verschiedenen Gesichter verleiht, die
auch dem Naturunkundigen bekannt sind, als indischer Dschungel,
afrikanische Steppe, Amazonasurwald, der Farnbaumurwald Ceylons, als
der Palmenwald der Südsee oder der schreckliche Busch Australiens.
Diese Unterschiede, zu denen man noch viele hinzusetzen könnte,
sind hier geographisch bedingt. Im alten Australien gedeihen eben
andere Geschöpfe als in Afrika. Und Indien ist anders besiedelt als
Tropenamerika. Infolgedessen hat der Regenwald am Amazonenstrom einen
anderen Erlebniswert als die gleichen Regenwälder auf Java. Hier
überwiegen Palmen, Orchideen, ein Reichtum an Überpflanzen, Brüllaffen,
Schmetterlingen, Papageien, Ameisen, Pantherkatzen und Alligatoren;
im Märchenland von Insulinde dagegen gibt es im natürlichen Wald
weniger Palmen, dagegen mehr Riesenbäume, Pandanen, die großen
Schmarotzerblumen, einen großen Reichtum an Eidechsen, an sich aber
weniger Tiere, dafür Bambus, viel mehr Moose, Tiger, Dickhäuter und
mehr Termiten als Ameisen.
Aus diesen vier Hauptfarben mischt sich das Bild des
Tropenurwaldes und, in unendlich vielen Einzelansichten verwirrend
durcheinandergestellt, bereiten Urwaldnatur, Waldcharakter, tropische
Sonderanpassung und geographische Sonderbildung auch dann, wenn man
diese Gesetzmäßigkeiten einmal durchschaut hat, die allergrößten
Schwierigkeiten für das Verständnis durch das Übermaß, in dem alles da
ist (Anmerk. 2). Ob man nun Naturforscher ist oder nicht, immer wird
man beim ersten Anblick dieser urgewaltigen Natur im tiefsten gepackt
und überwältigt. Auch ohne daß man es zuvor in gelehrten Büchern
gelesen hat, weiß man es instinktiv, daß man in diesem Waldesgrün in
die Urzeit der Erde zurückversetzt ist und hat unwiderstehlich immer
wieder den Eindruck, gleichsam der erste Mensch im Paradiesesgarten zu
sein, in den das Eindringen etwas noch nicht Dagewesenes und Verbotenes
bedeutet. Tatsächlich ist die Lebewelt der Tropen der Zufluchtsort
der ältesten Tier- und Pflanzenformen. Um den Äquator herum scheinen
niemals große klimatische Änderungen stattgefunden zu haben, welche ja
wohl die Hauptveranlasser des Aussterbens der Lebensformen sind. Dort
konnten daher viele Geschöpfe ihren Lebensfaden bis in die Gegenwart
spinnen, die sonst schon das Zeitliche gesegnet haben. Farnbäume,
im Steinkohlenalter auch auf deutschem Boden einheimisch, sind
überall ausgestorben mit Ausnahme der Gebirge des Tropengürtels. Die
Riesenschachtelhalme, einst in Schwaben und Franken zur Saurierzeit
Dickichte bildend, leben in wenig bekannten Urwäldern Tropenamerikas
noch in fünf und zwölf Meter hohen Riesen nach. Die Zapfenpalmen, ein
Charakterbaum der europäischen Kreidezeit, haben sich in die Tropen
zurückgezogen. Gürteltiere, die uralten Lebensformen der Halbaffen,
der Beuteltiere, die großen Echsen, die altertümlichen Formen der
Großsäuger gibt es nur dort. Kein Wunder daher, wenn der Tropenwald
vorzeitlich, uralt, beinahe weltfremd wirkt. Dazu kommt, daß wohl etwa
die Hälfte sämtlicher in ihm grünender und kriechender Geschöpfe noch
unbeschrieben ist. Dadurch bedeutet er auch ein Neuland des Wissens,
trotzdem man z. B. aus dem wohldurchforschten Ceylon bereits dreimal
so viel Arten von Blütepflanzen und Farnarten, als England beherbergt
(nämlich 3000 Arten), beschrieben hat.
So ist denn der Tropenurwald tatsächlich für jeden, den Wissenden und
den Neuling im Lande der Natur das Rätselvolle, Unbekannte, mit hundert
Entdeckungen Lockende. Mit Recht ist er der Paradiesesgarten unserer
Sehnsucht und Naturfreude und das schönste Erlebnis, auf das ein
Naturfreund hoffen kann.
III. Der Anblick der Wälder Indiens
[Illustration: Die Weddahs, eine Menschenrasse aus den Wäldern Indiens.
Nach einer Originalphotographie]
Wenn auch Indien im ganzen genommen landschaftlich ebenso enttäuscht
wie es völkerkundlich und kulturell entzückt, so werden doch auch die
am höchsten gespannten Erwartungen von einem seiner Teile, nämlich
der Natur Ceylons, übertroffen. Diese Insel, die fast so groß ist
wie Bayern, aber bedeutend weniger Einwohner zählt, die sich noch
dazu auf sechs Völker verteilen, hat wunderbar malerische Mittel- und
Hochgebirge, aber auch wald- und wasserreiche stimmungsvolle Ebenen,
deren Üppigkeit vielleicht von keinem Teil selbst der Tropenwelt,
übertroffen wird. Den Seestrand umsäumt ein Kokospalmengürtel, dann
folgt eine reich bebaute Zone, jene, die Bananen, Zimt, Pfeffer,
Kaffee, Reis, Tee, Kakao und Kautschuk liefert, was aber bei der
Art der Tropenplantagenwirtschaft nicht anders wirkt, als wandle
man da durch üppige Fürstengärten. Darüber erhebt sich die Region
der Gebirgswälder, die eigentliche Heimat der Kaffee-, Tee- und
Gummiplantagen. Hier sind auch die wahren Urwälder, die nach oben zu
in Farnbaumdickichte und alpine Bergweiden übergehen, sich aber in
zwei ländergroße Gebiete auch in die fieberigen Ebenen hinabziehen.
Das eine dieser Gebiete ist der ungeheure Sumpfwald, in dem die
märchenhafte Ruinenstadt Anuradhapura liegt mit dem ältesten Baum
der Welt, einer urkundlich nachweisbar vor 2300 Jahren gepflanzten
Riesenfeige, und mit Bauwerken, die den ägyptischen Pyramiden nicht
nachstehen. Hier ist ein Waldland, in dem wirklich noch Tiger auf den
Reisenden lauern, wo in den Teichen sich Krokodile sonnen, die Bäume
von lärmenden Affen belebt sind und sich Millionen, aber buchstäblich
Millionen schönster Tropenfalter über wahren Blumenmeeren jagen. Der
andere große Urwald wird von Weißen fast nie besucht. Er ist ein Bann-
und Schutzgebiet im Südosten der Insel zwischen dem Gebirge und Meer,
ein undurchdringlicher fieberatmender Dschungel voll Schlangen und
wilder Tiere, in dem nomadisierend die Weddahs, eine Menschenrasse, die
man, trotz ihrer feinen und edlen Körpergestaltung, für eine der am
tiefstehendsten halten muß, umherziehen.
[Illustration: Die Talipotpalme (~Corypha umbraculifera~) Ceylons ist
die größte Palme der Erde. Originalzeichnung von R. H. Francé]
Das Klima dieser Niederungen ist unbeschreiblich heiß und regenreich.
Mit Gewittern niedergehende Regenmengen an einem Tage, die dem
Vierteljahresdurchschnitt von Berlin entsprechen, sind keine
Seltenheit. Eine Durchschnittstemperatur von 35 °~C~ im Schatten
ist die Regel. Und sie wird wahrhaft unerträglich dadurch, daß sie
auch des Nachts nicht sinkt, dafür aber in den Mittagstunden noch
gewaltig ansteigt. Wie ein ungeheures dampfendes Warmhaus, so liegt
im weißlichen Sonnenglast dieses Märchenland voll alter verzauberter
Geschichten, blumenduftend, farbig, erfüllt mit stillen Stimmungen,
halb europäisiert, halb wahrhaft mythologisch und urweltlich, wirklich
eine Götterinsel, wie ihr eingeborener Name Lankadiva besagen soll.
In diesem wunderbaren Land gibt es auch nicht eine Stelle, von der man
nicht ein Stück Wald, zumindestens eine Anpflanzung sehen kann. Schon
nach ganz kurzer Zeit lernt man diese aber von dem wirklichen Urwald,
von dem es viel weniger gibt, unterscheiden. Selbst auf die größten
Entfernungen hin erkennt man ihn an einem ganz untrüglichen Merkmal,
das für alle Tropenwälder der Erde gilt. Diese haben nämlich einen
überaus malerischen, unregelmäßigen Schattenriß, während Pflanzungen,
z. B. Kokoshaine oder die Wälder von Bambus, Kaffee- und Gummibäumen,
geschlossen einheitlich zusammenstehen, nicht viel anders als unsere
heimischen Forste.
Nur der Urwald ist zerrissen. Riesenbäume, die alle um das Drei- oder
Vierfache überragen, stehen neben wahrhaften Büschen; Baumruinen, von
Lianen überwuchert, trauern einsam in Lichtinseln; an anderer Stelle
wieder sind sie zu grünen Mauern zusammengesponnen. Wie Haus- und
Festungsruinen verwehren diese Wälle sogar dem Blick den Eintritt.
Dicht daneben aber klaffen ganze Gassen, die unlängst ein Windbruch
gerissen hat, die allerdings in einem Jahr wieder ausgefüllt sein
werden durch die unerhört gesteigerte Lebenskraft eines Landes, das
zwei, manchmal sogar drei Ernten im Jahre gestattet.
[Illustration: Riesenbambus in Ceylon. Nach einer Photographie für den
Kosmos]
Tritt man näher, entdeckt man, daß der Urwald keinen ausgesprochenen
Waldrand besitzt, außer er sei denn künstlich vom Menschen erhalten
durch stetes Roden und Brennen. Es gibt in der heißen Zone so
erstaunliche Kontraste, wie z. B. auf manchen Südseeinseln oder auch
auf Ceylon selbst, wo tadellos gehaltene Autostraßen einige Dutzend
Kilometer vor eine Ansiedlung leiten, dann jäh abbrechen und den
Reisenden vor einer Hecke stehen lassen, die Urwald, aber gleich auch
den dichtesten und undurchdringlichsten seiner Art bedeutet. Unter
natürlichen Verhältnissen aber geht der Hochwald der Tropen immer erst
in ein schönes Parkland über, wo Riesenbäume oder Bambus, meist mehr
der Ausdehnung wie der Höhe nach, in nicht weniger riesigen Gräsern und
üppigem Buschwerk stehen. Meist sind in diesem sonnigen und besonders
schlangengefährlichen Gebiet auch reichlich die lichtliebenden Palmen
angesiedelt. Oft aber tritt da auch der nackte und dann fast immer
ziegelrote Boden zutage, dem die Wissenschaft den Namen Laterit
(Anmerk. 3) gegeben hat. Aber einige Schritte weiter und schon taucht
alles in leuchtendes Grün und Dämmerschatten, die aber nie so tief
werden, wie etwa im heimischen Fichtenwald.
Es gehört zu den größten Schönheiten des tropischen Regenwaldes, daß
ihn ein wahrhaft magisches Helldunkel durchflutet, trotzdem sich der
Pflanzenwuchs auf engstem Gebiet zu unerhörten Massen zusammenballt.
Es ist aber vielerlei Vorsorge getroffen, daß eines nicht dem
anderen das Lebenslicht raube. Fast alle Baumkronen sind klein,
die Blätter allerdings groß, aber sehr vielgestaltig, schon durch
den Artenreichtum. Selten erblickt man im Umkreis eine große Zahl
gleichartiger Bäume, wie in unseren Wäldern. In der Regel ist alles von
einander verschieden und darum auch anders gestaltet. Nur in einem sind
auch die verschiedensten Baum- und Buscharten gleich: sie sind spärlich
verzweigt und besitzen glänzende Blätter. Schlangenartig gewunden,
überaus malerisch strecken sich die Zweige auseinander und sichern
schon dadurch ihrem Laub genügendes Licht. Noch vorteilhafter hierfür
ist die Neigung zur Wolkenkratzerbildung gewisser Bäume, die gleichsam
als Wald über dem Walde stehen, mit hohen Stämmen über den Dschungel
hinwegragen, dadurch selbst Licht genießen und den Genuß anderen
gestatten. Die Zerrissenheit der Waldkontur, die uns schon von ferne
auffiel, erweist sich so als lebenswichtiges Prinzip.
Im Waldesschatten erkennt ein beobachtunggewohntes Auge noch zwei
Charakterzüge, welche für die Lichtverteilung ausschlaggebend sind.
Fast alles Laub ist geneigt, wodurch der Lichteinfall besonders
begünstigt wird. Und der Glanz der vielen glatten, oft lackierten
Blätter erfüllt auch den Schatten mit Funkeln und Blitzen. Das zweite
große Merkmal des Tropenwaldes ist die Auflösung in Gruppen. Nirgends
fehlen daher Lichtinseln. Mag unten auch undurchdringlichste Wildnis,
Verhau und Dickicht wuchern, immer wieder fällt von oben in breiten
Bächen Sonnenlicht ein und vertreibt das Waldesdüster in einzelne
Winkel, wo es dann allerdings schon durch den Gegensatz unglaublich
finster ist.
Aus alledem webt sich die feierliche Kirchenstimmung eines Halbdunkels,
die den Wanderer nicht mehr verläßt, wenn sich einmal die Kronen des
Urwaldes über ihm zusammenwölbten. Ein geheimnisvolles, wunderbares
kühles, grünes Licht, das in jeder Hinsicht erfreut außer in dem
Augenblick, in dem es das Photographieren geradezu verhindert. Das
Tropengrün auf die Platte zu bannen, gehört zu dem mißlichsten
Beginnen, das man vornehmen kann.
Da steht man nun umflossen von grünem Zauberlicht und weiß vor
Verlegenheit über die unerhörte Fülle der Erscheinungen nicht, was
zunächst der Aufmerksamkeit würdig sei. Bald drängt sich aber doch eine
immer wiederkehrende Erscheinung unabweislich hervor. Das sind die
vielen buntfarbigen und die samtartig schimmernden Blätter.
Überall, wo sich die Schatten verdichten, stehen Blattpflanzen in
den entzückendsten Farben. Das ist eine unserer Heimat völlig fremde
Erscheinung. Wir kennen nur auf den Schattenblättern des Holunders
blaue Glanzlichter, und der Waldwachtelweizen ist das einzige Gekräut,
dessen Hochblätter am Blütenstand, da allerdings berückend schön,
goldgelb und amethystfarben angelaufen sind. Solches aber ist im Wald
heißer Länder und besonders im indischen Regenwald die Regel.
Braun und Rot, zarte Cremefarben, leuchtendes Violett wiegen dabei vor,
purpurrote Säume umflammen fast alle Blätter, die im tiefen Schatten
des Grundes hausen müssen. Auch ein schweres Grün neben einem zarten
Smaragdschimmer stellt sich namentlich auf feinsten Farnwedeln ein, das
ganz unvergleichlich ist. Silberflecken oder schneeweiße Stellen auf
den Blättern sind ebenso häufig, wie der schöne Gegensatz einer roten
Nervatur auf tiefsamtgrüner Spreite. Oft mengen sich auf dem gleichen
Blatt die verschiedensten Farben; ich konnte sieben unterscheiden auf
einem einzigen Laubblatt des Krotonstrauches, der ja überhaupt der
Meister bunter Bemalung seines Laubes ist und darum mit den Begonien,
mit Anthurium und verschiedenen anderen aus dem Tropenwald eingeladen
wurde, in die Gärten zu übersiedeln, ja sogar als Sommergewächs nach
Europa auszuwandern. Bei uns verlieren aber diese feenhaften Gewächse
den Schmelz, das Prangende und Glühende ihrer Farben und geben nur
einen sehr abgeblaßten Begriff von der Pracht ihrer Heimat (Anmerk. 4).
Man hat die Buntblätterigkeit als Anpassung an das Regenklima gedeutet,
und Versuche haben es bewiesen, daß an den bunten Stellen leichter
Wasser abgegeben wird als an den grünen. Der Wasserhaushalt dieser in
Feuchtigkeit fast erstickenden Gewächse wird daher auf solche Weise
sehr erleichtert.
[Illustration: Heiliger Bôbaum im buddhistischen Kloster von
Anuradhapura auf Ceylon. Originalaufnahme des Verfassers für den Kosmos]
Während wir sie betrachten, sind ihre Farben aber merklich dunkler
geworden. Schwere Wolken des täglichen Nachmittaggewitters sind
aufgezogen, und bevor wir noch aus dem Walde herausgefunden,
geht prasselnd wie ein Hagelschlag ein Guß nieder, der durch die
Auflockerung des Laubdaches ebenso leicht wie das Licht bis zum Boden
dringt. In einer Minute ist man bis auf die Haut durchnäßt; in der
nächsten fröstelt man schon, trotzdem die Temperatur bei Regen steigt,
und weiß nun, daß ein Fieberanfall fast unvermeidlich sein wird. Alles
tropft. Sofort steigt ein Nebeldampf vom warmen Boden auf, und ein
fauliger Humusgeruch verdrängt alle Düfte. Silberblitzende Schnüre
hängen zu Tausenden von den Laubkronen, und hätte man es nicht schon
gewußt, so würde man die Einrichtung der Träufelspitzen jetzt unfehlbar
entdecken. Diese Ficusblätter vor mir haben wahre Schnabelspitzen, zu
denen in tiefen Rinnen das Wasser von der ganzen Blattspreite geleitet
wird, nur damit es so rasch als möglich abfließe. Selbst wir atmen
mühsam in dem heißen, dampfgesättigten Brodem, der durch den Regen
entstanden ist, und das durch die Feuchtigkeit der Luft verhinderte
Trocknen des Schweißes erzeugt das unbehaglichste Gefühl. Wie sollte
man da nicht das Streben eines Blattes verstehen, die Ausscheidung des
Wassers durch alle nur denkbaren Mittel zu fördern! Die Träufelspitze
ist davon das naheliegendste, und so geht sie denn auch sozusagen
keiner einzigen Pflanze im Regenwalde ab. Die Meisterin darin ist
gerade die heilige Feige, der Bôbaum der Inder, der, bei jedem Tempel
angepflanzt, oft mit weißen Lappen und bunten Fähnchen behängt, in
einem wahren Baumkultus verehrt wird. Der religiösen Legende nach
deshalb, weil er der Baum gewesen sei, unter dem der Buddha zuerst
seine Lehre verkündete. In Wirklichkeit wird wohl die unsterbliche
Pflanzenkraft in diesem Symbol geheiligt seit Zeiten, in denen es
noch keinen Buddhismus gab. Ich bewahre ein solches Blatt, das mir
ein freundlicher indischer Priester zum Andenken vom 2300 Jahre alten
Bôbaum gab. Es hat die Länge von zwei Drittel dieses Buches, aber gut
die Hälfte daran ist Schnabelspitze.
Aber schon entschwinden uns alle Träufelblätter, Baumkronen und Botanik
zusammen, so dichter Nebel hat in diesem Bergwald eingesetzt durch die
intensive Verdunstung. Und jäh werden wir von allem Pflanzenstudium
abgezogen durch den glühenden Schmerz auf Hand und Hals, der uns jäh
überfällt. Was ist geschehen? Haben wir unversehens im weißen Düster
eine der schrecklichen ~Loasa~-Nesseln berührt, deren Gift einen
Menschen töten, zumindestens lähmen kann? Aber nein, auf uns kriecht
ein ekliger dunkler Blutegel, zwei, sechs sind es -- von den Bäumen
haben sie sich auf uns fallen lassen und saugen nun unser Blut.
Landplanarien sind es, eine wahre Landplage des ceylonischen Waldes
und, wie wir uns erst jetzt erinnern, die ersten Tiere, die sich uns
darin bemerkbar machten.
Auffällig, namentlich im Vergleich zu Südamerika, ist die Tierarmut
des indischen Urwaldes. Nach den Beschreibungen war man auf anderes
gefaßt, und in sonnigen Morgenstunden tritt denn auch manches besser
hervor, denn jetzt in dieser regnerischen Spätstunde. Da erschallt dann
herrlicher Vogelgesang überall, und hoch oben in den Wipfeln, wo Sonne,
Blüten, Orchideen und Laubgrün die köstlichsten Zelte bauen, schwirrt
es von Honigvögeln, Rollern und auch kleinen grünen Papageien. Indien
entbehrt ja der Kolibris, aber ~Cissa ornata~ ist fast ein Ersatz für
sie, so herrlich ist dieser langschwänzige zierliche Waldvogel mit
seinen blauen und braunen Schwingen und dem hellroten Schnabel. Dort
tanzen und schweben denn auch die fliegenden Edelsteine Indiens, die
ich neben den Blumen, vielleicht fast noch vor ihnen, als das schönste
preisen muß, mit dem mich das „Land, wo der Pfeffer wächst“ entzückte.
Manchmal schwirren um einen einzigen Blütenstrauch herum an zwanzig
bis dreißig Falter, woraus allein man schon entnehmen mag, wie sehr
der Urwald an Schmetterlingbestäubung angepaßt ist. Trauerbraune,
hellgelbe, wie Honig schimmernde, fuchsgelbe beachtet man gar nicht,
erst wenn sie zu Hunderten wirbeln, aber der gelbrotschwarze ~+Ixias
cingalensis+~ oder die köstlich metallblau schimmernde riesige
+Kallima+, türkisfarbene +Papilios+ führen wahre Elfentänze auf an
Farben- und Formenschönheit und bleiben unvergeßlich, so wie die
Orchideen und blühenden Lianen, als das entzückendste Erlebnis, das
diese Wälder boten (Anmerk. 5).
In diesem Augenblick ist zwar von Entzücken keine Rede, denn im
Zwielicht ist man über das unglaubliche Wurzelgewirr einer +Jacaranda+
gestolpert, mit dem einen Fuß tief in den dunklen Humusbrei eines
wahren Wurzeltopfes getreten, wobei einige handlange bewehrte
Tausendfüßler wie Schlangen hoch auffuhren. -- Schmerzlicher als
das aber ist man mit den den Sturz abwehrenden Händen in das grüne
Überpflanzendickicht einer Baumruine gefahren, die darunter verborgen
war. Und sofort schlugen die peitschendünnen Schösse der Rotangpalme
zu, die dort unter den Blättern ringelte. Ein paar Sekunden des
vergeblichen Kampfes, sich von ihren Dornenranken zu befreien, und
schon hängen aus den Kleidern herausgerissene Dreiecke, die Hände
bluten. Plötzlich ist man von Ameisen bedeckt und froh, nicht mit einer
Schlange Bekanntschaft gemacht zu haben, wie jene dreißigtausend armen
Teufel von Indern, die jährlich im Walde am Biß giftiger Schlangen
sterben. Eine halbe Minute lang lachte der ganze Urwald höhnisch auf,
daß es ihm wieder gelungen ist, den Eindringling und Feind Menschen zu
besiegen. Das Gebüsch krachte, der Schlamm spritzte, Vögel kreischten
und hoch oben erschienen für den Augenblick neugierige dunkle
Affengesichter. Aber dann ist wieder bleierne Ruhe und Leblosigkeit,
als ob nicht hinter den grünen Vorhängen tausendfältiges Leben hungrig
und unruhig lauerte.
Nun, wenigstens haben wir mit der Tierwelt dieser unheimlichen
maskierten Idylle doch Bekanntschaft gemacht. Bis man die wütend
beißenden großen braunen Ameisen, die Zecken und Blutegel abgeklaubt,
die blutenden Hautrisse gesäubert, die Fetzen der Kleidung ein wenig
mit Nadeln zurechtgesteckt hat, ist die Dämmerung eingebrochen,
jene rasche, in zehn Minuten vom Tageslicht zum Sternenglanz
übergehende Tropendämmerung, in der man eiligst trachten muß, den
Wald zu verlassen. Schon raschelt es überall im Laube, die Stunde der
Schlangen beginnt. Jetzt wäre die Zeit, in der auch die Raubtiere
mutig werden. Ein langes schmerzliches Geheul im Hintergrunde treibt
zur Eile. Ist’s ein Hanuman, einer der von den Indern als heilig
geschonten Affen, dem die Untiere den Garaus machen? Der Fluß schimmert
am Rande, die dunklen langen Schatten sind wohl Krokodile? Ohne es
zu wissen, sind wir in dieser Nacht über den Deich eines Sumpfes
gegangen, der voll der gefräßigen Reptilien lag. Am nächsten Morgen
waren wir Reiter überm Bodensee. Das Zauberland des Sonnentages wird
zum dunklen Schreckensreich. Aber versöhnend oder auch nur täuschend
schwirren jetzt Dutzende, nun sind es schon Hunderte von Leuchtkäfern.
Wie ein Reigen von Sternen tanzen sie um die Palmenkronen, haschen
sich, erlöschen, leuchten wieder auf, blaßblau und magnesiumweiß,
da zartgrün, ein Himmelszelt brennenden Lebens, stumm, feierlich,
während die großen Frösche im Sumpf einen dumpfen Chor anstimmen
und viele ferne Stimmen drüben im zackigen Schattenriß des Urwalds
zusammenheulen, als wäre dort die Hölle der Verdammten ...
[Illustration: Fliegender Fuchs (~Pteropus~) im indoaustralischen Wald
Aufnahme von R. H. Francé]
Zu den schönsten Erinnerungen meiner Wanderungen in den innersten,
fast unzugänglichen Gebirgen Ceylons gehören die Morgen an dem
Mahavelli Ganga, einem der wenigen großen Flüsse, die von den hohen
Bergen, in manchmal paradiesisch schönen Wasserfällen und zahllosen
Stromschnellen herabbrausen, um dann allmählich in den lotosumsäumten
Sumpfniederungen, zwischen Palmen und Dickichten sich in breite Teiche
aufzulösen, die unmerklich in Reisfelder und Pflanzungen übergehen.
Hohe, schön geformte Gebirge säumen den brausenden Fluß. Sie steigen
Kette um Kette höher, bis sie in das Hochgebirgsland der Zauberinsel
übergehen, das zwar keinen Schnee kennt, wohl aber ein europäisch
erfrischendes Klima, weshalb in Nuwara Elyia (spr. Neurelia) und
anderen Orten „Tropenfrischen“, Gesundheitsstationen für den in der
Glut des Tieflandes verschmachtenden Europäer entstanden sind, wo sich
im Sommer die ganze englische Regierung des Landes versammelt.
Es entspricht aber dem scharfen Kontrast, in dem sich das Leben hier
bewegt, daß dicht neben dem wahrhaft schweizerischen Hoteldorf dieser
„englischen Inseln“ die unberührte indische Urwelt grünt, als wäre noch
nie ein Europäer im Land gewesen. Büßer hausen dort als Einsiedler
auf den Bergen, in geheimnisvollen Höhlentempeln verehrt man liegende
Riesenstatuen von „schlafenden Buddhas“, in einer von der Regierung
zur Erhaltung des Klimas geschützten Zone breiten sich gerade hier die
dichtesten Wälder, und an ihrem oberen Saum tritt ein neues Wunderwerk
pflanzlicher Lebenskraft zu den bisherigen: ein breiter Saum schönster
goldiggrüner Farnbäume, die sich nur in den häufigen Nebeln und dem
fast steten Regengeriesel dieses Hochlandes wohl fühlen.
Dort am Mahavelli Ganga und in den Waldeinsamkeiten des
Hunasagyria-Gebirges gibt es auch noch wilde und halbwilde Elefanten,
dieses Charaktertier des südasiatischen Urwaldes, das zu ihm gehört wie
der Tiger zum Dschungel oder der Löwe zur afrikanischen Steinwüste.
Man sieht die großen Tiere in der Morgenkühle im Flusse baden, wobei
sie sich in drolligster Weise mit ihrem Rüssel gleichwie mit einer
Brause den Rücken abgießen und durch großes Geplätscher dafür sorgen,
daß sich kein Krokodil in die Nähe wagt. In der Mittaghitze ruhen sie
dann im Laubschatten und fächeln sich mit ihren großen Ohren Kühlung
zu. Erst in den späteren Stunden wird geäst, in einer rücksichtslosen,
waldzerstörerischen Weise sondergleichen. Breite Gassen bahnen sich
die Kolosse im Grün; junge Bäume werden ausgerissen, armdicke Stämme
werden geknickt oder mit dem Rüssel abgedreht, ein Lagerplatz von
Elefanten hinterläßt eine Wüstenei! Aber das schadet im Gesamtbild
dieses unvergleichlich üppigen Lebens nicht im mindesten. Ein
Elefantenpärchen hat im Laufe seines langen Daseins nur wenige (man
sagt sieben) Nachkommen, die Tiere wären also selten, wenn sie auch vom
Menschen nicht gejagt oder eingefangen würden, und ihre Verwüstungszüge
sind für diese Wälder die einzige Möglichkeit einer Umgestaltung und
Erneuerung im ewigen Gleichmaß ihrer Üppigkeit.
[Illustration: Gefangener Elefant im nördlichen Gebirgsland von Ceylon]
Wären nicht Baumverwüster da, dann kämen viele der schönen Gewächse
und Überpflanzen, welche die Lichtinseln besiedeln, vielleicht
niemals zum Leben. Denn der indische Regenwald hat noch mehr als
die anderen Tropenwälder die Neigung, undurchdringlich zu werden.
Ein ausgezeichneter deutscher Forscher, +Fr. W. Junghuhn+, der in
holländischen Diensten Java und Sumatra durchforscht hat und dem
wir außer +Humboldt+ wohl die besten Schilderungen der Tropenländer
verdanken (Anmerk. 6), hat das Wort geprägt, daß die Natur der Tropen
einen wahren „~horror vacui~“, eine Angst vor dem Leeren habe, womit
er sagen wollte, es gebe in diesen indischen Wäldern auch nicht ein
Plätzchen, das nicht von Pflanzen besetzt sei. Tatsächlich ist vom
Boden bis zu den dreißig bis siebzig Meter hoch ragenden Wipfeln
an vielen Stellen alles von Pflanzengrün erfüllt. Namentlich an
den feuchteren Abhängen, wo Lianen und Baumfreunde, Würger und
Kletterpalmen üppig wuchern können, ist die Welt einfach mit Blättern
verhängt. An solchen Stellen wird einem einer der wesentlichsten
Unterschiede zwischen dem Wald der gemäßigten und der heißen Zonen
klar. Wenn bei uns die Bodenwelt der Kleinpflanzen und Humustiere
von den Polstern der Moose zugedeckt wird, über die sich dann die
Stockwerke der Farne und Waldgräser, der Büsche und schließlich die
oberste Etage der Laubkronen erhebt, wenn es also bei uns an fünf
Stockwerke von Leben im Walde gibt, zwischen deren oberstem und den
Büschen meist, im Hochwald immer, viele Meter freier Raum klafft, so
zählt der Tropenwald an sieben bis neun solche Lebenszonen, deren jede
einzelne in ganz anderer Weise besiedelt ist wie bei uns (Anmerk. 7).
Da ist zuerst der ungeheure Reichtum an verschiedenen Baumarten. Der
aufmerksame Leser wird die Nennung einzelner Baumgestalten schon bisher
in dieser Schilderung vermißt haben. Das hat seinen guten Grund. Es
ist nicht möglich, vom Wald der heißen Zone Ausdrücke zu gebrauchen,
die den Bezeichnungen Buchen- oder Nadelwald entsprechen würden.
Dieser tropische Urwald hat keinen Charakterbaum. Man hat auf einem
Gebiet von 150 Quadratkilometer in Brasilien beiläufig 400 Arten von
Holzgewächsen festgestellt, und nicht anders ist es auf Ceylon, Java
oder in Hinterindien. Wenn ich etwa aufgezeichnet habe, daß Eisenholz,
Amherstien, Spathodeen, Feigenbäume mir besonders auffielen, so bezieht
sich das nur darauf, daß diese Bäume durch Mächtigkeit, bunte Blätter
oder herrliche Blüten im großen Grün hervorstachen; sonst aber müßte
ich ein seitenlanges Verzeichnis hersetzen, um sagen zu können, woraus
sich so ein Baumbestand zusammenfügt. Das hat unten seine Planken-
und Stelzenwurzeln und in Kirchturmhöhe (40-50 Meter!) goldiges Grün,
kleine buschige Kronen, Licht und Leben. Man stolpert als Erdkriecher,
die wir Menschen nun einmal sind, über ganze Wurzelgebirge, scharfe
Holzgrate und Kamelbuckel, Nester von Wurzeln mit tiefen Höhlen
dazwischen, die mit kaffeebraunem Mulm ausgefüllt sind. Es gibt da
Untiere von Wurzeln, Labyrinthe, in denen man sich kaum zurechtfindet,
und damit der Verwirrung kein Ende sei, hängen, namentlich von dem
herrlichen Banyan, eine der schönsten Pflanzengestaltungen, welche die
Erde beherbergt, auch noch arm- oder mannsdicke Luftwurzeln herab,
fassen Boden, bilden Säulengänge, Zelte, lauschige Nischen, dunkle
Grotten, die zu betreten allerdings hundertfache Gefahr hindert.
Das ist die erste vielgegliederte Etage. Auf den Hochbäumen aber
sitzt das zweite Stockwerk. Bei uns ganz kümmerlich vertreten durch
manchen Farn oder ein Ruprechtskräutlein, das es wagt, in das Moosicht
alter Astgabeln zu steigen, ist diese Welt der Überpflanzen ein
Wald im Regenwald. Da breitet sich als erstes ein rücksichtsloser
stacheliger Geselle aus, vielleicht das unangenehmste Geschöpf dieser
Genossenschaft. Die Kletterpalme ~Calamus~ ist es, die man mit einem
malaiischen Wort Rotang nennt und aus der man die Klopfstöcke des
„spanischen Rohres“ schneidet. Ihr schönes Palmenlaub breitet sie erst
oben im Licht aus, für den Menschenbereich besteht sie nur aus einer
unglaublichen Verfilzung von Tauen, Schnüren, Schlingen und Angeln
voll eisenharter Widerhaken, welche die Haut wie mit einem Messer
aufschlitzen. Wer ins Rotangdickicht gerät, kann darin hängen bleiben
wie in einem Stacheldrahtverhau. Die Dickhäuter Elefant, Tapir und
Nashorn sind wohl dieserhalb so dickhäutig geworden, sonst wären sie
längst verloren in den Rotangdickichten ihrer Heimat.
[Illustration: Ein Banyanbaum in Indien (~Ficus bengalensis~) in
Peradenyia. Nach einer Photographie]
Der wunderbare Baumfreund hat hier sein eigentliches Reich. Er wieder
behängt die Baumstämme mit Girlanden und läßt dann ein ganzes Tauwerk
von Luftwurzeln herabpendeln. So dicht wölbt er Blatt über Blatt, daß
die unteren nie einen Lichtstrahl empfangen würden, wären die oberen
Blätter nicht durchlöchert, eine Anpassung, bei deren Deutung, man
mag die Sache drehen und wenden wie man will, man nicht ohne die
Begriffe gegenseitige Hilfe und Intelligenz auskommt. Die Baumfreunde
verändern die natürliche Gestalt der Bäume, sie verwandeln sie in
grüne Zelte, sie bauen Mauern und schiefe Dächer auf. Banyan, Rotang
und Baumfreunde können, wenn sie zusammen wirken, jedem Vordringen
ein Ende bereiten, man mag das Hackmesser gebrauchen wie man will.
Zwei weitere Gruppen von Überpflanzen können aber im indischen Urwald
nicht übersehen werden, so vordringlich auch die schon genannten sein
mögen. Das sind die Nischenfarne und die Orchideen. Zahlreiche krautige
Farne aus den Gattungen der Engelsüß- und Tüpfelfarne hängen in großen
Büschen von den Ästen herab oder siedeln sich in einigen Metern Höhe
an alten Baumstämmen an, wobei die unteren absterbenden Wedel, eng
zusammengedrückt, Nischen bilden, in denen sich reichlich Humuserde
ansammelt. So bilden sie ein Nest, einen Korb voll Erde, in dem die
Wurzeln des Farnes begierig wuchern. Wunderliche Pflanzen, die ihren
eigenen Blumentopf da in der Luft oben aufbauen. Meister der Anpassung
und Musterbeispiele, wie man eine kümmerliche Lebenslage ausnützen
muß. Oberhalb ihrer fantastischen Nester, die übrigens fast stets von
Ameisen, Tausendfüßlern, Regenwürmern kolossalischer Art und Termiten
bewohnt sind, pendeln die dicken plumpen Blattampeln der Baumorchideen.
Ceylon ist ein berühmtes Orchideenland, wenn auch das allerschönste an
indischen Orchideen erst im Vorland des Himalaja wuchert, von wo zwei
Engländer in ihrem berühmten Werk an die 480 Arten abgebildet haben,
eine zauberhafter als die andere. Auch hier gibt es feenschöne Blumen,
besonders aus den Gattungen ~Dendrobium~ und ~Vanda~, die beide echt
südasiatisch sind. Leider sitzen die meisten nach Art von Hexenbesen so
hoch im Geäst, daß man weder ihren Duft noch ihre Lieblichkeit genießen
kann.
Viele Bäume sind auch mit triefenden Moosen behangen, auf denen erst
die blühenden Überpflanzen sitzen; manchmal machen sich Moose und
Flechten sogar auf den Blättern der Bäume breit und bedecken sie mit
Fransenbärten.
So entstehen riesige phantastische Gebäude, zusammengesponnene
Pflanzenklumpen, von ferne wie malerische Ruinen morgenländischer
Tempel anzusehen, wobei sich auch die Lianengewächse auf das kräftigste
betätigen. Sie senden wallende grüne Vorhänge von oben, greifen
mit eisengrauen Seilen von Baum zu Baum, knäueln sich ineinander
oder hängen mit Schlingen und Taubrücken nieder. Manchmal wälzen
sie sich schlangengleich am Boden, schenkeldick da, fadendünn dort,
unbeschreiblich vielförmig im Kampf ums Licht. Manchmal sieht so eine
Waldlaubhöhlung aus wie ein Theaterschnürboden voll herabhängender
Seile. Gliedketten von knochenbleichen verholzten Lianentauen bilden
die +Bauhinien+, die mit +Bignonien+, +Cissus+ und +Calamus+ in dieser
Verflechtung immer wieder kehren. Viele sind dazu mit Hackensprossen,
Widerhaken und Dornen besetzt, legen die gefährlichsten Fußangeln aus
und ziehen sich mit Vorliebe querspiralig über den Weg.
Manchmal steht an Stelle des Waldes eine ganze Zeltstadt, unten
braun, oben grün, die Bäume erstickt, übersponnen von Farnen und
Lianen, die sie überstiegen haben und erdrückt mit Blattdecken ohne
jede gegenseitige Anpassung und Rücksicht. In der blausonnigen Höhe
sind dann diese Zelte übersprenkelt von bunten Blumen, dort oben ist
Faltergegaukel und Vogeljubel, unten aber webt Moder, Stille breitet
sich in den dunklen schmalen Nischen, die in die Unterwelt dieser
Heiligtümer der Natur führen, deren Gesamteindruck überraschend
an die buntbemalten figurenstrotzenden Tempeltürme der indischen
Wallfahrtsstätten erinnert.
Man tritt heraus, verwirrt, übermüdet durch zu viel des
Schauenswürdigen, bedrückt durch all das Fremdartige und Gefährliche,
das in diesem indischen Walde haust, der wohl unseren Sinnen
Tausendfältiges, unserer Seele aber nichts zu sagen weiß, als das eine:
Geh, hier ist nicht deine Heimat ... Fremd bist du mir, in mir kann der
Mensch nicht leben, außer er wird zum Urwaldtier ...
IV. Die Urwälder Australiens
Australien ist heute immer noch der unbekannteste Teil der Erde. Nicht
nur etwa deshalb, weil gut zwei Drittel dieser Fläche von fast zehn
Millionen Quadratkilometern auf allen Karten weiß gelassen oder mit
den so vielsagenden Punktlinien angedeutet sind, sondern auch weil die
europäische Bildung bisher zu wenig Kenntnis von dem australischen
Leben genommen hat. Die wahre Ursache ist die Entfernung. Es sind fast
unsere Gegenfüßler. Die schnellste Reise dorthin umschließt immer noch
vierzig Tage Schiffahrt.
Um so größer ist die Überraschung, wenn man dort ein Neu-Amerika
findet, Millionenstädte mit Wolkenkratzervierteln und Straßen, die im
Verkehr Berlin übertreffen, weite, an Thüringen erinnernde Landschaften
voll Weizengold, mit Landstädtchen voll Idyllen, Blumengärten,
heiteren, bildungsfrohen Menschen, die jedem Fortschritt zugetan sind,
Luxusbadeorte wie am Ostseestrand, nur überwölbt von einem Himmel, der
mehr denn neun Monate im Jahre fast wolkenlos ist und dessen Winter mit
der Wärme eines lieblichen Maientages umschmeichelt.
[Illustration: Die australische Scrublandschaft bei Tarcoola. Nach der
Natur gezeichnet von R. H. Francé]
So ist aber nur der Rand eines Landes beschaffen, das -- noch hat man
es nicht ausgemessen -- nach einigen fünfmal, nach anderen zwölfmal so
groß wie Deutschland von der furchtbarsten Wüste und vielleicht dem
größten Urwald der Erde bedeckt ist.
Ich bin durch die arabische Wüste gezogen und habe die Sahara gesehen;
ihr Anblick ist viel herzbeklemmender als jener der australischen
Binnenwüste, denn sie entbehren auf tageweiter Flur manchmal aber auch
buchstäblich jeden Grashalm, während hier Millionen von Sträuchern
wuchern und ein Blumenmeer leuchtet. Trotzdem ist das australische
„Scrubland“ oder der Busch, wie die Leute dort kurzweg sagen, viel
menschenfeindlicher, denn es entbehrt vollständig des Wassers, es gibt
gar keine Oasen darin und überhaupt keine natürliche Lebensmöglichkeit
für einen weißen Menschen, während in Afrika und Arabien tropenüppige
Landstriche als Oasen grünen, so groß oder größer als manches ehemalige
deutsche Herzogtum.
In der Nullarborwüste und im großen Buschland regnet es nicht viel
weniger als in Berlin, sonst könnte dort doch nicht ein Gras- und
Waldgebiet bestehen, aber durch die eigentümliche Beschaffenheit der
oberen Erdschichten, die aus vollkommen wasserdurchlässigen Gesteinen
aufgebaut sind, hält sich kein Wasser oben. Es gibt keine Quelle,
keinen Bach, keinen Fluß auf vielen tausend Kilometer Runde, alles
Wasser rinnt in die Tiefe und kann von dort nur mit artesischen
Brunnenbohrungen heraufgeholt werden. Die gibt es aber im Scrub schon
aus Menschenmangel nicht, denn der europagroße fünfte Erdteil ernährt
nicht 450 Millionen Menschen wie der unsere, sondern nur etwas mehr als
sechs, von denen sich mehr als drei Millionen in den paar Großstädten
drängen. Man kann, trotz der statistischen Form, anschaulich sagen: auf
je drei Millionen Quadratmeter kommt dort im Lande +ein+ Mensch.
Das Land ist also fast menschenleer und der Scrub ist es vollkommen.
Man könnte wochenlang wandern, ohne einem Menschen zu begegnen. Aber
man wandert nicht, denn man würde verdursten. Mitten im Buschland
liegen einige Goldgräberorte, Kalgoorlie, Coolgardie, Boulders,
aber sie leben nur von Gnaden einer vierhundert Kilometer langen
Wasserleitungsröhre, die ihnen Wasser von einem gestauten Gebirgsbach
bringt. Sie würden an dem Tag verschmachten, an dem diese Röhre springt
und ausläuft.
Von Kalgoorlie wanderten wir mit einem kleinen Wasservorrat in den
Busch hinein, geführt von einem alten Waldläufer, der diese Welt auf
der Jagd nach Känguruhs und Gold seit dreißig Jahren kennt.
Noch sieht man das letzte Wellblechhaus mit einem Pfefferbaum und
einem winzigen Rasenstück davor, über dem sich der von der großen
Röhre gespeiste Zerstäuber mit silbernem Sprühen dreht, dann staubige,
gesprungene, harte Erde, eine Stunde lang kein Baum, kein Halm, dafür
unbarmherzig brennende Sonne und Schuttrümmer der Goldwäschereien, die
den Boden aufgewühlt haben. Wunderbar, dieses goldige Flimmern im Sand
allüberall. Man hebt kein Stückchen Gestein auf, in dem es nicht in
winzigen goldgelben Schüppchen gleißte. Gold rings umher. Aber mit den
Mitteln dieser wenigen Menschen nicht abbauwürdig, nur dort, wo eine
Ader angeschlagen werden kann oder -- was noch ganz selten vorkommt und
vor dreißig Jahren häufig war -- wenn gediegene Goldklumpen im Sande
liegen. Bis zum Abend gehen wir über den Goldsand. Unsere Füße haben
sicher ein Millionenvermögen überschritten, das man einst gewinnen
wird, aber heute noch dem Boden nicht entreißen kann. Inzwischen hat
uns der Buschwald aufgenommen und seine Wunder lassen auf Goldfieber
und Menschendinge vergessen.
Noch nie diese Freiheit der Erde! Alles ist dein, so weit das Auge
blickt. ~Nomans land.~ Der schöne englische Ausdruck berauscht die
Seele. Hier ist die Erde noch frei, ganz unbefleckt von Menschenhand.
Der Himmel unbeschreiblich rein, der Boden tiefrot, und ernste
Riesenbäume ganz locker und einzelnstehend, zwischen ebenso riesigen
Büschen und nicht weniger kolossalischen Gräsern ringsumher.
Kein lebendes Wesen. Totenstille. Kein Vogel kreischt, selbst
Fliegensummen fehlt. Hier gaukeln keine Falter. Seitdem die Erde
besteht, ist hier vielleicht noch nie ein Mensch gewesen. Das wirkt
gespenstig, verwirrend, gleichsam beängstigend. Man weiß, warum kein
Mensch da ist in diesem Niemandsland. Denn er würde verdursten. Und
unruhig fühlt man nach dem Blechtank, den man am Rücken trägt, wie ein
Taucher seinen Luftvorrat.
Diese turmhohen Bäume sind also die weltberühmten australischen
Eukalypten. Die ersten australischen Kolonisten haben diesen Baum
~gum-tree~ (Gummibaum) genannt und er, die Schwarzen und die Känguruhs
sind nach ihrem ungerechten Sprichwort die drei verachtetesten Dinge
gewesen. Aber wohl nur deshalb, weil man das Gewohnte nicht schätzt,
und die Eukalypten den größten Widerstand leisteten, als der Weiße
ins Innere des Landes dringen wollte. Hundertgestaltig oder, ganz
richtig gesagt, in 131 Arten und mit dem nahverwandten ~Melaleuca~-Baum
zusammen in 228 verschiedenen Arten besiedeln diese Pflanzen aus der
Gruppe der Myrtengewächse das ganze Innere Australiens, namentlich
den Westen und den Süden. Es sind zähe Büsche darunter, die den
Hauptbestandteil des undurchdringlichen gefürchteten „~mallee scrub~“
ausmachen, andere Arten (so ~E. amygdalina~) bilden die höchsten
und stolzesten Bäume, welche die Erde überhaupt kennt. Ihr Wachstum
ist erstaunlich. Achtzehn Monate alte Eukalypten sind schon 6-8
Meter hoch und achtzigjährige an 100 Meter. Aber man hat 140 Meter
hohe, ja sogar solche gemessen, deren Krone sich in 156 Meter Höhe
schaukelte. Der Kölner Dom ist nur 153 Meter hoch. Bäume, höher als
ein Domturm. Waldesalte, die man auf zweitausend Jahre geschätzt
hat, mit turmdicken, glatten, hellen, eisengrauen oder cremefarbenen
Stämmen, die mit Vorliebe hohl werden und dann Wohnungen für Känguruhs
und Beutelbären oder manch einen Buschläufer bieten, so groß wie ein
Wochenendhäuschen, kann man in diesem Busch zu Tausenden sehen.
[Illustration: Rieseneukalypten im Urwald Südwestaustraliens. Nach
einer Originalzeichnung des Verfassers]
Alles ist staunenswert und fremd an dem Eukalyptusbaum. Sein hartes
Holz, das nicht umsonst den Namen Eisenrinde führt, das Öl, das
alle Blätter durchdringt und nach Ansicht, die ich nicht bestätigen
kann, die Moskitos verscheuchen soll, weshalb man den Baum für
fieberwidrig hält. Tatsache dagegen ist, daß man ein gutes Leuchtgas
daraus bereiten kann und die Stadt Melbourne einst mit diesem Baumgas
beleuchtete. Wunderbar ist auch die Erzählung von den schattenlosen
Eukalyptenwäldern und tatsächlich, wenn auch nicht buchstäblich, so
gibt es doch eine große Verminderung des Schattens unter diesen Bäumen,
denn ihre Blattstiele bewirken durch eine eigentümliche Drehung, daß
die Blätter fast nahezu senkrecht stehen. Ein Schutzmittel gegen allzu
starke Besonnung, von Gräsern und Schwertlilien auch bei uns bekannt,
hier aber in wälderweiter Anwendung mehr als von merkwürdiger Wirkung.
Herrliche Geschöpfe sind diese Bäume; trotz ihrer Mächtigkeit wirken
sie überschlank. Die regelmäßig gegabelten Stämme haben lockere
Laubbüschel in drei bis vier Stockwerken schirmartig übereinander.
Diese Schirmbildung, die in allen tropischen Steppen wiederkehrt
und auch für Afrika überaus kennzeichnend ist, bedeutet natürlich
Windschutz. Das Laub selbst ist je nach der Baumart frischgrün, oft
namentlich in der Höhe rötlich überlaufen, oder die säbelförmig
gekrümmten Blätter sind taubengrau, mit einem blauen Schimmer
(daher Blaugummibaum), der den „Blauen Bergen“ bei Sydney den Namen
verschaffte. Tatsächlich legen die ungeheuren Wälder jenes schönen
Gebirges dort um manche Hänge und Bergflanken einen unsäglich sanften,
herrlichen blauen Hauch, der jene Landschaftsbilder ganz einzig
gestaltet. Dieses Blau entstammt einem Wachsüberzug der Blätter, gleich
jenem der Pflaumen, um sie vor dem Verdorren zu hüten.
In scharfem Gegensatz zu diesem mächtigen, gefestigten Leben aber
liegen allüberall unter diesen Baumriesen knochenbleiche oder
silbergraue gefallene Stämme. Baumleichen, wunderlich verkrümmt,
schneeweiß gebleicht von dieser unerbittlichen Sonne, starren sie,
zerfallen in großen Horsten, bilden undurchdringliche Verhaue,
zwischen denen im grauen Moder schon wieder siegreich das frische
Grün der jungen Generation das Leben von einem Jahrhundert ins andere
hinüberträgt.
Aber die Eukalypten sind nicht die einzigen Gewächse in diesem Urwald
(Anmerk. 8), wenn auch die absoluten Herrscher, so daß man mit Recht
von einer Eukalyptenformation sprechen kann. Mit ihnen mengt sich
ein Verwandter, mit dem wohlklingenden Namen aus der Südseesprache:
Niauli. Es ist die ~Melaleuca~, die dann auf den Australien im Osten
vorgelagerten Inseln die Wälder bildet und in allem dem Eukalyptus
ähnlich ist, nur nicht so mächtig wird. Da ist ferner das uralte
Pflanzengeschlecht des Casuarinen, das wie ein Mittelding zwischen
Weide und Zypresse, trauergedämpft, immer nur eingesprengt, aber
niemals fehlend, den australischen Binnenurwald besiedelt. Unglaublich
malerische Verzweigungen und die dunklen Rutenäste mit den quirlig
reduzierten Blättern geben ihnen ein ganz eigentümliches Kleid, und man
hat mit Recht von ihnen gesagt, daß sie an Schachtelhalme erinnern. Es
sind die altertümlichsten Laubbäume, die die Erde kennt, man sieht es
ihnen an, daß sie wohl schon zur Steinkohlenzeit die Erde bevölkert
haben und als eine Art „lebendes Fossil“ hier und in Indien, wo sie
auch noch vorkommen, ein letztes Asyl gefunden haben. Das hat die
Untersuchung ihrer Entwicklung denn auch bestätigt, denn sie sind eine
Art Pflanzenrätsel. Ihre Vermehrung vollzieht sich ganz anders als die
aller bekannten Blütepflanzen (Anmerk. 9), nach Art von schon längst
ausgestorbenen Pflanzen, weshalb man sie denn sogar als einen Übergang
zwischen Farnen und Blütepflanzen hat ansehen wollen, was ganz gewiß
nicht richtig ist.
Zahlreich sind im Eukalyptenwald auch die Akazien mit blattartigen
Blattstielen, das schöne Veilchenholz und vor allem die herrliche
~Acacia dealbata~ mit ihren goldgelben Blütenkügelchen, die vom
fernen fünften Erdteil eine Weltreise angetreten hat zu uns, ist sie
doch der Frühlingsbote der Riviera geworden, die man als „Mimose“
auch im Berliner und Münchner Blumenladen verkauft. Keine Dame, die
mit ihnen den Gästetisch schmückt, weiß, wo die Heimat des seltsamen
feingliedrigen Geschöpfes ist, daß es im weltenfernen australischen
Buschwald ein Liebling auch der schwarzen Waldmenschen ist, deren
Frauen oft einen blühenden Akazienzweig ins wollig-krause Haar stecken.
Zwischen den Bäumen und Baumbüschen wuchert eine Menge merkwürdigster
Kleinbüsche und Riesengräser, vor allem das schreckliche, wunderschöne,
mannshohe, hellgrüne, hügelbildende +Spinifex+-Gras, das mit seinen
Stachelspitzen jeden zerreißt, der unversehens daran rührt. Der
tiefgrau schimmernde Salzbusch, der wirklich wachsblaue „~blue-bush~“,
sind die allergewöhnlichsten Gestalten dieser Einöden, die auch noch
weit über den Waldbereich hinausgreifen, in die Wüste eindringen und
dort auf tageweiten Ländern die Alleinherrscher sind.
Im eigentlichen Scrub aber teilen sie sich in der Herrschaft mit noch
zwei Pflanzenwundern, die auf Erden nirgends mehr wiederkommen als in
dieser seltsam schön-schaurigen Urwelt, die in manchem mehr an einen
fremden Stern erinnert als an die gewohnten Bilder des Erdballs.
Das sind die Grasbäume und die über alle Maßen schönen, wilden Blumen
Westaustraliens (Anmerk. 10). Die Grasbäume sind für Australien
kennzeichnende Frühlingsblüher. Sie stehen stets auf sandigem und
unfruchtbarem Boden und dem mag ihr überaus langsames Wachstum
zugeschrieben werden. Einer dieser buckeligen Zwerge, denn an diese
Gestalt erinnert ihr tief braunschwarzer, niedriger Stamm mit dem
hellgrünen feinen Grasröckchen, hat das respektable Alter eines alten
Mannes, dem auch seine Größe entspricht. Oft genug aber steigt der
schuppige Stamm nicht über einige Dezimeter empor. Den armlangen
schmalen spröden Grasblättern würde niemand ansehen, daß dieses Gewächs
zu den Lilien gehört, aber im fünften Erdteil ist alles verwandelt und
anders als bei uns und wenn es auch Wälder, Heiden, Wiesen gibt, so
sind doch darin von je zehn Pflanzen acht solche, die in unserer Heimat
nicht leben und uns fremd und wild anstarren. Das Lilienartige des
Grasbaumes meldet sich erst, wenn er im September, in dem wunderlichen
Land also im Frühling, nach Art der Palmlilien eine oder zwei mannshohe
Blütenschäfte ausstreckt, die von der Ferne zwar wie Rohrkolben
anzusehen sind, sich aber in der Nähe doch mit lilienartigen Blüten
besetzt erweisen.
Ganz phantastisch ist so ein Grashang, an dem eine Schar Grasbäume
beisammen hockt, als sei es ein Trupp von Schwarzen in ihren
Palmenröckchen. Man kann gar nicht an bekannte Bilder anknüpfen,
sondern ertappt sich immer wieder dabei, daß man sich das Leben auf
anderen Gestirnen so vorgestellt habe, wie es hier im Lande der
lebenden Fossilien wirklich ist.
Da watschelt flink auch schon so ein lebender Vorweltler herbei; der
stachelbewehrte australische Ameisenigel ist es, und erst jetzt, wo man
ihn in der Natur beobachten kann, wie er mit seiner langen klebrigen
Zunge wie auf einer Leimrute Termiten fängt, erkennt man, welch
wunderbare Schutznachahmung ihn mit den Grasbäumen, zwischen denen er
mit Vorliebe lebt, verbindet. Nun, da er unbeweglich kauert, ist er
von einem verdorrten Grasbaumschopf nicht zu unterscheiden. Pfiffig,
wirklich wie ein kleiner Igel blinzelt er mich an, als wollt’ er sagen,
ich weiß, du wirst mich schonen, bin ich doch ein ganz Seltener, ich,
eines der letzten eierlegenden Säugetiere, das in kleine Sandhöhlungen
jetzt bald fünf bis sechs Eier wie ein Vogel ins Nest legen wird, um
dann die auskriechenden Jungen noch zu säugen.
Natürlich wurde der lustige kleine Bursche auch verschont, man wagte
überhaupt kaum in diesem Zaubermuseum der Natur etwas zu berühren,
auch nicht die köstlichen blaublütigen Graslilien (~Dianella~), die
allerliebsten kleinen Goldsterne (~Hypoxys~), die zartblühenden
Erdorchideen (~Caladenia~ und ~Glossodis~), lauter Wunderblumen
mit vertrauten Heimatnamen, hinter dem sich, so wie hinter den
australischen Heidekräutern (besonders die Gattungen ~Styphelia~ und
~Leucopogon~ sowie ~Lissanthe~) lauter wildfremde, wenn auch reizende
Blumengesichter verbergen.
Ein blütenreicher aber ganz duftloser, dafür um so mehr bunter
Teppich unterbricht den Scrubwald und hier, wie immer von den Blumen
untrennbar, tummeln sich auch Scharen von Insekten. An diese wieder
sind Reptilien geknüpft und von beiden leben Kleinsäuger, so daß man
unmittelbar vom toten, traurig starrenden Busch in ein reiches, aber
wieder völlig ungewohntes Tierleben gerät.
Auch die Insekten sind durchaus andere als bei uns. Wohl glaubt man in
Ameisen und Fliegen zunächst die Gefährten unserer Naturwanderungen
wieder zu begrüßen, aber man täuscht sich darin: gar nicht verwandte
Familien sind ganz ähnlich gekleidet und diese „Konvergenzerscheinung“
kehrt in ganz Australien wieder. Schon im Bereich der Gewächse fiel
es auf, daß viele Akazien das Gewand der Weiden tragen, sie sind
auch die Frühlingsboten wie jene. Die ~Epacrideen~ sehen aus wie
Heidekräuter und so ist durchaus alles. So huschen nun hier auf dem
weiten Blumenfeld Springmäuse, es schlüpfen Füchse und Dachse, von den
Bäumen flattern Eichhörnchen, die alle keine Mäuse, Dachse, Füchse,
überhaupt keine Säugetiere sind, sondern ganz fremde, mit jenen in
keiner Verwandtschaft stehende Tiere aus dem uralten Geschlecht der
Beutler (Anmerk. 10). Sie alle ziehen ihre Jungen gleich dem Känguruh,
das der bekannteste aller Beutler ist, aber in diesem verwandelten
Land auch nicht mit diesem Namen, sondern „~wallaby~“ genannt wird,
in einem Hautsack, dem sog. Beutel, groß, in dem die Kleinen munter
aus und ein klettern, um unter seinem Schutze Milch zu trinken.
Trotzdem haben diese Tiere auch die Lebensweise und infolgedessen die
äußeren Formen von Dachs, Fuchs, Bär, Maus und Marder. Hunderterlei
solcher Beuteltiere beleben die australischen Einöden und es sind die
entzückendsten fingerlangen Tierchen, aber auch Ungeheuer darunter,
wie das Riesenkänguruh, das größer als ein Mensch ist und bis an
zweieinhalb Meter mißt. Wer da glaubt, die Känguruhs seien schon
selten oder gar ausgestorben, der wird im westaustralischen Scrub
eines besseren belehrt. Manchmal hüpfen Scharen der drollig flüchtigen
Tiere auf, jagen wie geschleuderte Fußbälle dahin, kauern sich dann
nieder und sind unter Umständen so harmlos und zahm, daß sie sich
ihr freundliches graues Eselsköpfchen krauen lassen. Känguruhjagd
zu Pferde gehört heute noch zum Lieblings-Sonntagsvergnügen des
westaustralischen Farmers. Wie die wilde Jagd fliegen Reiter und die
armen gehetzten Tiere dahin, aber die Jagd ist gefährlich, nicht weil
es wehrhafte Wallabys gibt, sondern weil immer wieder Roß und Mann im
weglosen, überall gleichen Buschwald die Orientierung verlieren und
nimmer wiederkehren. Ein furchtbarer Tod des Verdurstens wartet ihrer.
Fleisch liefert der Wald hier dem Jäger genug und auch Früchte die
Eukalypten. Aber da die Weißen nicht das unbegreifliche Kunststück der
australischen Ureinwohner gelernt haben, die Wurzeln herauszufinden,
aus denen man Wasser saugen kann, kommt jeder um, der hier den Weg
verloren hat. Die Buschläufer erzählen, daß sie zuweilen Skelette
gefunden haben in Resten von altertümlicher Tracht als Zeichen, daß
seit Jahrhunderten niemand mehr an jenem Ort gewesen war.
Aber alle diese unheimlichen Geschichten verflattern unbeachtet, da in
diesem Augenblick eines der ganz großen Naturwunder dieses Wunderlandes
langsam, mit gleichsam zornigen Bewegungen hervortritt und einen
seltsamen Bückling macht. Was ist das nur für ein Tier? Man kramt im
Gedächtnis und stößt dann einen Freudenschrei aus. ~Chlamydosaurus
Kingii~, die Kragenechse ist’s, ein kleiner nachlebender Saurier, auch
so eine Art lebendes Fossil. Eine grüne, braun gesprenkelte Eidechse
mit bösem Basiliskenkopf, um den der gezackte Kragen jetzt noch schlaff
hängt, im nächsten Augenblick aber, da sie uns sieht und fürchtet, zur
Schreckstellung prall aufgerichtet wird, wobei ihn rötlich-violette
Wellen überzittern. Eine von den vielen merkwürdigen Eidechsen der
Halbwüste, die auf der Jagd nach den zahllosen Insekten sind, die uns
nun, da wir an die Freiung herausgetreten sind, auf einmal umschwirren.
Die blauen Schmeißfliegen und die +Trigona+bienen, die kleinen
widerlichen Stechfliegen, von denen Australien wimmelt, aber auch die
berückenden Schmetterlinge, die großen Papilionen, von denen einer der
berühmtesten dieser uralten, neuesten Welt, der ~Papilio Ulysses~,
schon vor dem Kriege bei den europäischen Schmetterlingshändlern
um fünfzig Mark gehandelt wurde. Von allen diesen Tieren fällt als
besonders merkwürdig die rote Riesenfliege ~Craspedis~ auf, die von
Busch zu Busch schwirrt und fast Daumenlänge erreicht. Ein unangenehmes
bremsenähnliches Tier mit großen Glotzaugen und dickem aufgetriebenem
Hinterleib. Auch ungeheure dunkelbraune Ameisen mit dreieckigem Kopf
und glänzendem Bruststück laufen unermüdlich über den Sand. Sie sind so
groß wie ein Junikäfer, ein für Ameisen ganz unerhörter Riesenwuchs.
Noch seltsamer ist es, zu vernehmen, daß diese Tiere ungesellig sind,
keine Nester bauen, sondern nach Raubkäferart sich allein durchs Leben
schlagen.
Viele seitenlange Schilderungen dieser merkwürdigen Welt könnte ich
hersetzen; von den Vogelspinnen, die kleine Vögel überwältigen können,
den seltsamen Käfern des Scrubs, den Stabheuschrecken und den Vögeln,
die da und dort den Busch mit lärmenden Scharen erfüllen, worunter
sich besonders die scharlachroten +Rosella+papageien und die stets
zornig-geschwätzig weißen Kakadus im Süden auszeichnen. Aber das Bild
würde nur durch gehäufte Einzelheiten unübersichtlich und nicht mehr im
Wesen anders werden (Anmerk. 11 ~a~).
Fremd und unverständlich erscheint alles, fremd und fast grauenerregend
sind auch die Menschenbewohner dieser unbewohnbaren Gegenden. Man hat
sie früher mißverständlich Australneger genannt; sie sind aber eine
Rasse für sich, nach der Überzeugung des Anthropologen H. +Klaatsch+
(Anmerk. 11 ~b~) sogar die tiefststehendste aller Menschenrassen, die
in jedem Merkmal dem europäischen Urmenschen, dem sogen. Neandertaler,
näher steht als den jetzt lebenden Menschenformen. In kleinen Horden
schweifen diese Halbtiere im großen Scrub als Nomaden umher. Sie gehen
völlig unbekleidet, kennen keine Viehzucht, errichten keine Häuser, nur
Windschirme und Dächer aus Zweigen, nicht viel anders als die Orangs
im benachbarten Insulinde. Sie haben es nicht so weit gebracht, Boote
zu bauen, um das Meer befahren zu können. Sie sind zwar friedfertig;
aber sie arbeiten nicht und hungern lieber, als daß sie irgend eine
Zivilisation annehmen würden. Vor dem Weißen ziehen sie sich immer
tiefer in den Busch zurück, und es gibt im Norden des Erdteiles, auf
der Yorkhalbinsel noch genug Stämme, die nie einen weißen Mann gesehen
haben.
Sie sind einfach ein Bestandteil dieses großen Urwaldes, ein
Geschöpf mehr, das von ihm abhängt, ihn genau kennt, alle seine
eßbaren Früchte verkostet, auf geheimnisvolle Weise aus Baumwurzeln
Trinkwasser zu saugen weiß, mit Wurfhölzern das Känguruh und den Emu,
den australischen Strauß, zu jagen versteht, aus dessen wunderbar
schönen Straußenfedern sich dann diese schwarzen Frauentiere eitel und
glückstrahlend Federschürzen und Kopfschmuck anfertigen. Denn auch ihr
Herz schlägt und sie merken es nicht, daß ihre Rasse die häßlichste
aller Menschen ist.
[Illustration: Eingeborener Australier von Westrelien. Gezeichnet vom
Verfasser]
Die Tropennacht ist hereingesunken, ein paar von den schwarzen
Gestalten haben sich eingefunden, starren verwundert auf unser
Lagerfeuer, strecken bettelnd und stumm die schwarzen Hände aus ihrem
großen Dunkel in den ungewohnten Lichtkreis. Draußen schnattern und
kreischen die Kakadus, es raschelt und piepst, die Opossums und
Beutelmäuse pfeifen, in den ungeheuren Kronen der Eukalypten rauscht
der Nachtwind und darüber steht sternenbestickt in unsagbarem Glanze
der australische Südhimmel. Nicht einmal die Sterne haben wir mit
ihm gemeinsam. Nur der Sirius funkelt in allen bunten Farben, und
ganz im Norden steht hier unser Südgestirn, der Orion. Sonst ist
alles fremd auch in dieser Nacht. Unbekannte Sternbilder sind wie
ein großer Lichterbaum aufgerichtet, die Milchstraße strömt breit in
einem unbekannten Glanze, verwirrend schön leuchtet hier eine zweite
Milchstraße hernieder: die Magelhaensche Wolke, die vielleicht ein
ähnliches Weltsystem wie das unsere ist. Und ruhig strahlt das schöne
Kreuz des Südens.
Die Stimmen des Urwaldes tönen hinauf in ihrem wilden und
phantastischen Gesang, bis auch sie einschlafen, und nur mehr das
Geheimnis der Nacht wacht über diesem geheimnisvollen Niemandsland.
V. Die Tropennatur auf den Südseeinseln
Nimmt man eine Karte des Stillen Ozeans zur Hand, so starrt man immer
wieder erstaunt auf diese sogar auf der Landkarte erstaunlich große
blaue leere Fläche. Man kann den Globus so drehen, daß man von der Erde
nur eine Wasserhalbkugel sieht. Nur am Westrand verschwimmt dann ein
Streifen Australien am Rand, und gleichsam von ihm lösen sich ein paar
ansehnliche Inseln ab, Papua, wie das einstige Neu-Guinea heute heißt,
Neu-Britannien, die Salomonen, die Neuen Hebriden, Neukaledonien, alle
in einem Zuge und offenbar zusammengehörend. Der Rest ist „Inselstaub“,
verstreute Körnchen im großen Blau, dem großen Salzwasser, dem größten
Ozean der Erde.
So ist auch in Wirklichkeit der Eindruck, wenn der Dampfer Tag
und Nacht diese Fluten furcht. Die Tage und Wochen schwinden und
nichts ist am Himmelsrand als leerer Glanz, Meeresblau, träumerische
Einsamkeit, die große Stille der Leblosigkeit. Siebzehn Tage sind
wir von den Marquesas-Inseln, die selber nur ein Staubkörnchen sind
im unermeßlichen Wasser, gefahren bis Südamerika, Tag und Nacht mit
Eisenbahngeschwindigkeit und haben kein Fußbreit Land gesehen, nicht
einmal ein anderes Schiff.
Um so köstlicher ist dann der Anblick, wenn endlich einmal wieder eine
Insel aus der großen Flut taucht, mit Grün und Leben und der Hoffnung
auf Menschen, seien sie wie immer. Zuerst sieht man da fast stets
eine große Wolke von ganz bestimmter Gestalt. Ganz anders wie die
sattsam betrachteten nassen, formlosen Wolkenschwämme im „schwarzen
Topf“, wie die Seeleute die Äquatorzone dieser Meere nennen wegen der
dort ununterbrochen die Luft verfinsternden kleinen Gewitter. Die
Wolken, die ein Land anzeigen, sind langgedehnte Dunststreifen, aus
denen senkrecht hohe, blendendweiße Türme aufsteigen, oder schneeige
Schwanenflügel hervorwinken, gleichsam als rufe das Leben uns schon
seinen Gruß zu.
Das nächste, was man sieht, ist ein Hauch, über den immer gestritten
wird: ist es schon Land oder noch eine Täuschung der Ungeduld? Und
dann schwimmt es heran. Ist’s eine bergige Insel, dann erscheinen die
Berge immer erstaunlich hoch, ist es ein Atoll, dann dehnt sich eine
ganz flache Linie. Aber sie ist gezackt wie ein Kamm. Bald lösen sich
die einzelnen Kokospalmen im Bilde und nun steht es unsäglich lieblich
und idyllisch vor Augen. Ein flacher Strand, schneeweiß blinkend, der
goldgrüne Saum des Kokoswaldes und dahinter duft-graugrün wunderlich
geschnittene Berge, den schweren Mantel des Waldes auf ihren Schultern
und das Geheimnis des unbetretenen Landes in ihren Tälern, denn von
allen diesen Berginseln mit ihren klangvollen und schönen Namen:
Bougainville, Isabel, Choiseul, Vanikoro, Baladea, Mallikolo, Aurora,
Toman, Uala, Aragh, Pentecôte, Efate, Uvea, und wie sie sonst heißen
mögen, ist immer erst der Uferrand betreten und besiedelt, so weit er
es überhaupt ist und das Innere jungfräulich wild, ein weißer Fleck auf
der Seekarte auch heute noch. Was Wunder, wenn da fieberhafte Erregung
ein Naturforscherherz höher schlagen läßt! Man soll das erleben können,
heute noch, im 20. Jahrhundert, im Zeitalter von Weltzivilisation und
Radio und Fernbild! Ein Land, Wälder, Menschen, die noch unentdeckt
sind, paradiesisch urweltlich, so echt und unberührt vom Weißen, als
sei es nicht 1927, sondern zweihundert oder tausend Jahre früher
und wir die ersten Europäer, die diesen Küsten nahen! Glücklicher
Aufschwung der Seele, die noch ahnungslos und unbekannt ist mit den
Wirklichkeiten!
[Illustration: Unbekanntes Gebirge auf Efate (Neue Hebriden). Nach
einer Zeichnung des Verfassers auf seiner Weltreise 1926/1927]
Man will landen voll brennender Ungeduld, aber man muß sie zügeln,
stundenlang, eine ganze Nacht hindurch. Oder endgültig. Denn der
Kapitän des großen Frachtschiffes (Passagierdampfer fahren in diesen
unbekanntesten Inselwelten Melanesiens überhaupt nicht) erklärt oft
genug, für mein Schiff gibt es hier keinen Eingang in die Riffe und
unsere Schaluppe würde in dieser Brandung zerstört werden wie ein
Schächtelchen. Der Neuling in dieser Welt sieht zwar keine Riffe,
wohl aber ein weiße Linie zwischen dem Schiff und der Küste, die sich
hebt und senkt. Und was er zuerst für Murmeln eines fernen Gewitters
gehalten hat, ist das Donnern dieser Brandung. Man steht stundenlang
davor und wartet ruhigeres Meer ab. Oder sucht auf Umwegen einen
passenden Kanal zwischen den Riffen zur Einfahrt. Kaum ist man in der
Lagune, da ziehen auch schon wie große schwarze Stabwanzen die langen
Auslegerboote der Eingeborenen herbei. Sie sind die einzigen bewährten
Fahrzeuge, die in diesen Inselbrandungen, die bis zwanzig Meter hoch
aufschlagen, nicht umkippen. Man erschrickt, wie häßlich und tierisch
diese Papuas sind. Rotschwarz, mit platten, breitflügeligen Nasen, mit
wulstigen Lippen und krausem Haar. Meist von herkulischem Wuchs, mit
Muscheln geziert, einem Gürtel von Palmenbast um den Leib oder angetan
mit einem Grasrock, sonst nackt, glänzend, von Kokosöl triefend, dessen
ranziger Duft den Raubtiergeruch verdeckt, den diese finsteren und
unfreundlichen Menschen ausströmen. Man weiß, daß sie Kannibalen sind
(Anmerk. 12) und glaubt es ihnen auch anzusehen. Schon vorher wurde man
von erfahrenen Tropenweißen gewarnt: Trauen sie ihnen nie! Drehen sie
ihnen niemals den Rücken! Den Revolver muß man hier immer schußbereit
halten ... Und dem Boot dieser Insulaner muß man sich anvertrauen? Eine
Minute der weißen Wasserhölle brüllt auf. Man klammert sich an das
Stangengerüst. Was macht es, daß man bis auf die Haut durchnäßt wird?
Wenn man nur durchkommt. Die Schwarzen haben unübertrefflich geschickt
gesteuert, das Boot wird hoch auf den Strand hinaufgeworfen. Man steht
schon auf dem Sand. Draußen lärmen stockhohe Wellen ohrenbetäubend.
Das ist der Empfang. Eine Faktorei. Das Wellblechhaus eines Weißen.
Darum ein Wäldchen von Bananen, Auberginen, Mangobäume, ein Feld,
das wie Lupinen aussieht, aber Maniok ist, Gitter voll rankender
Bohnenblätter, die Igname heißen, Riesenblätter von Arum und
Kokospalmen. Ein Wald von Kokos, hundert und tausend kleine, ganz
junge, wie in den Kübeln europäischer Gärtner und schlanke Riesenbäume
mit silbergrauem Stamm und einer fließenden goldschimmernden Krone, die
immer raschelt und das Schönste ist, was Palmennatur nur hervorgebracht
hat.
Dieser Fleck Erde ist „die Kultur“. Noch zwei Wellblechhütten
voll von Kokosnüssen, denn der Pflanzer, bei dem wir landen, ist
Kokoshändler, wie alle in jener Welt, und unser Schiff kommt alle vier
Monate einmal, um seine „Kopra“ abzuholen. Dann ein paar elende aus
Palmblättern errichtete Rundhütten für seine Kulis und dann dahinter
-- der weiße Fleck auf der Karte, das niebetretene Gebirge, der große
Südseeurwald.
Hier können wir nun zwei Tage streifen oder auch drei oder vier,
denn man wird nun von allen benachbarten Pflanzungen in Booten Kopra
bringen und einladen, damit diese so fern gereiften Früchte nach
Hamburg oder Marseille wandern können in die Palminfabrik und von da
auf die Tische von ganz Europa als Palmfett und Margarine für Menschen,
die keine Vorstellung haben, wie die Welt aussieht, die ihnen dieses
Nahrungsmittel sandte.
„Waren Sie im Innern?“ fragt man den Pflanzer. „No,“ sagt der erstaunt,
„wozu? Wild gibt’s nicht auf diesen verdammten Inseln, die Kokos wächst
nur am Strande. Um mir das Fieber zu holen oder einen giftigen Pfeil
von diesen Affen da? No, viel Glück ...“
So ist die Insel Toman beschaffen, so ist Mallikolo, genau so ist Aoba
oder Epi oder Malaita, oder die Bai Unia auf Neu-Kaledonien oder jede
beliebige der vielen hundert Inseln von den Malaienstaaten südlich auf
viele tausend Meilen hin, jene, die die vielen Namen führen: Papua,
Neu-Britannien, Auru, Salomonen, Santa-Cruz-Inseln, Louisiaden, Neue
Hebriden, Neu-Kaledonien, und von denen Papua, die größte, mehreremal
ausgedehnter ist als Deutschland, ein ganzer unbekannter Erdteil, aber
auch Neu-Kaledonien, noch so groß wie Württemberg, oder Birara, fast so
umfangreich wie Preußen.
So stoßen Ideal und Wirklichkeit zusammen. Denn der Weg in den
unbekannten Urwald, auf den man natürlich nicht verzichtet, ist ein
Martyrium und eine Kette von Gefahren.
Ich bin in Gebirgen gewesen, die keinen Namen tragen, sah Berggipfel im
Abendschein glühen, alpenschöne Felsenhäupter, die nie jemand betreten
hat, denn die Eingeborenen fürchten sie wegen der Dämonen, die auf
ihnen hausen sollen, bin durch Täler geschritten, die keinen Eigentümer
haben, habe die köstliche Luft eines Landes eingeatmet, das wirklich
frei ist -- denn die Neuen Hebriden sind noch nicht in Besitz genommen
-- wo es keinen Staat gibt, kein Eigentum, wo man selbst alles in
Besitz nehmen kann, was man sieht und haben will ...
Da ist zunächst die Mangrove, der große Wald, den man durchschreiten
muß, um von den sumpfigen Meeresbuchten an den Fuß des Gebirges zu
kommen.
Was ist Mangrove? Eine Wald- und Sumpfform, mehr als das: eine
Lebensgemeinschaft, die an das Brackwasser und die Existenz gewisser
Bäume geknüpft ist (Anmerk. 13). Eigentlich sind alle diese Bäume nur
riesige Gebüsche, an den Massen der Tropenvegetation gemessen, dafür
jedoch von einer Üppigkeit, die das Durchkommen im Mangrovedickicht
zu den qualvollsten Aufgaben macht, die einem Reisenden gestellt
sein können. Ein sinnverwirrendes Gestrüpp von zähen Ästen und bogig
gekrümmten, vielverzweigten Wurzeln, die alle die Neigung haben, in den
Schlamm und das Wasser hinab Senker zu bilden, so daß die Bäume auf
zahlreichen Stelzen stehen, schwankend und beweglich, aber doch sicher
vor allen Wasserstandsschwankungen und Flutwellen. Die Mangroven lieben
das Salzwasser, ihre Grenze an den Tropenflüssen ist stets an dem Punkt
erreicht, bis zu dem die Flut wirksam ist. Oft genug wandern sie aber
in seichten Buchten auch einfach in das Meer hinaus und bilden dort
seltsam schnurgrade Alleen. Eine zweite Merkwürdigkeit aller dieser
Gewächse sind die sog. Atem- oder Kniewurzeln. Jeder Mangrovebaum
ist mit einem ganzen Verhau von senkrecht aus dem Boden starrender
schneeweißer oder dunkler spitzer Wurzeln umgeben. Diese nach aufwärts
wachsenden Wurzeln sehen wie Spargelspitzen aus und sind nichts anders
als die Wurzeln der Bäume, die in den mit giftigen Gasen erfüllten
Schlick einfach umkehren und die Atemluft aufsuchen, als Zeichen,
wie zielsicher die Instinkte der Pflanzen sind. Die dritte große
Merkwürdigkeit der Mangrovebäume, die mit ihren meist saftiggrünen,
lederigen Blättern die echten Salzpflanzen sind, besteht darin, daß
sie gar keine Samen bilden. Aus der jungen Frucht wächst sofort die
Wurzel des neuen Keimlings etwa einen halben Meter lang nach abwärts.
Hat man das noch nicht gesehen, ist man zunächst ganz überrascht über
den merkwürdigen Anblick der Bäume mit ihren abwärts gekehrten grünen
Kerzen, bis man nicht gelegentlich den einen oder anderen Keimling
beobachtet, der senkrecht ins Meer gleitet und dort im zähen Schlick
sich wie ein Fliegerpfeil einbohrt. Er kann sofort Wurzel fassen, denn
Ankerauswüchse, die reinen Enterhaken, waren schon vor der Ablösung von
der Mutterpflanze bereit. So bepflanzt jeder Baum, der einmal Wurzel
geschlagen hat, seinen ganzen Umkreis auf eine merkwürdig intelligente
Weise mit Nachkommenschaft, denn auch jene Jungmangroven, die nicht
sofort Fuß fassen können, sind schwimmfähig, treiben tage- und
wochenlang im Meer umher, überstehen die wütendste Brandung, werden
von den Strömungen an andere Inseln verschleppt und verbreiten so die
Mangrovevegetation in der ganzen Tropenzone.
[Illustration: Mangrovebäume an einem Tropenfluß mit Atemwurzeln. Vom
Verfasser nach der Natur gezeichnet]
An diese sonderbaren Bäume heftet sich nun aber eine ganze
Lebensgemeinschaft, deren Studium mir unerschöpfliches Vergnügen
gewährte. Wo der Boden trockener ist, schließen sich die ebenso
stelzenwurzeligen Schraubenpalmen, nämlich die +Pandanus+bäume
an. Mit ihrem wirren Schopf langer grüner Grasblätter, die in den
Tropen als Flechtmaterial hochgeschätzt sind, erinnern sie wirklich
an Palmen, mit denen sie verwandtschaftlich nicht das geringste
gemeinsam haben, aber ihre malerisch gekrümmten Stämme sind auf einem
oft stockhohen vielverzweigten Gerüst und Stelzenwerk aufgebaut,
daß man darin manchmal auch wie in Hallen spazieren gehen kann.
Gespenstisch grau ragen diese schwankenden Bauten; die kleine
+Nipa+palme, und eine unglaublich dichte Wildnis von Farnen (das gilt
namentlich für die südamerikanische Mangrove) füllt jede Lücke aus,
glucksende tiefschwarze Schlammkuhlen gleißen in kleinen Teichen,
an denen in Papua und Tropenamerika Horden von trägen Krokodilen
lagern, der herrlich blaue Königsfischer und Eisvögel lungern und
spähen auf den Wipfeln, und Scharen von Kletterfischen, allen voran
der Schlammspringer, sonnen sich auf den Stelzen und lauern auf
Moskitos. Diese dickköpfigen drolligen Tiere vermögen eine Zeitlang
auf dem Land zu atmen; sie klettern durch Spreizen ihrer Schuppen
heraus, schnellen sich aber in eiligstem Kopfsprung ins Wasser,
wenn man sich dem Sumpfrand naht. Da sind die geradezu komischen
Winker-Krabben; sie gewähren dem Besucher dieser von allen Menschen
scheu gemiedenen Welt stets neues Vergnügen der Beobachtung. Die
großen blassen, roten oder lila Krabben hausen in sorgfältig offen
gehaltenen Schlammlöchern, um die sie eine ganze Röhre bauen. In
steten gegenseitigen Fehden machen sie sich rastlos zu schaffen, bis
sie den seltenen Besucher erspäht haben. Dann stürzt jede Krabbe
zu ihrer Röhre, schlüpft behend hinein, hält aber schützend die
gewaltige Schere verteidigungsbereit heraus und vollführt mit ihr
heftige Schreckbewegungen. Man muß laut auflachen, denn wie ein
freundliches, abschiednehmendes Zuwinken mutet dieser Reflex an. Aber
das Lachen vergeht einem, wenn man nur genügend nahegekommen ist und
die Scharen von Moskitos zu spüren bekommt, die den Mangrovesumpf
beleben. Tausende, das ist gar kein Vergleich. Es sind Millionen.
Ein Rauch, Wolken von Mücken, ein Moskitonebel, der stellenweise
die Landschaft unsichtig macht. Die Mückenlarven leben unten im
Schlamme, der köstliche Kleindinge birgt. Viele Tage habe ich mit der
Untersuchung dieses schwarzen Mangrovefaulschlammes zugebracht, aus
dem so viel Unheil für die Menschen kommt, der in Wahrheit die Ursache
ist, warum das Amazonasgebiet, das Flußtal des Magdalenenstromes in
Südamerika, ganz Guayana, das schönste Zentralamerika, große Teile von
Hinterindien, ganz Papua, alle melanesischen Inseln, Nordaustralien,
das Kongogebiet, also die schönsten und fruchtbarsten Teile der Erde,
Erdteile weit größer als Europa, unbewohnbar und unnutzbar sind, als
Herd der gefürchteten Malaria und der schrecklichen Tropenfieber. Die
köstlichsten Riesenkieselalgen habe ich in diesem Schlamm gefunden und
eine der merkwürdigsten Algenvegetationen, aber gerade von diesen leben
die Myriaden von Mückenlarven, unter denen auch die fieberbringende
~Anopheles~ ist, die uns die tötenden blutverzehrenden Blutamöben
einimpft. Neben ihr ist gerade hier in Melanesien ein kleiner schwarzer
Moskito (der ~Culex nocturnus~) besonders häufig, der zwar keine
Malaria verursacht, aber mörderisch sticht und ein temperaturloses
Fieber nach sich zieht mit Mattigkeit, nervösen Störungen, Magenleiden
und allgemeiner Apathie. Keiner entgeht in diesem Land diesen Übeln;
weder Feuer, noch Räucherwerk oder Moskitonetze, nichts nützt. Der
kalte Fieberhauch der Mangrove kriecht überall hin, und alle Weißen,
die nur einige Monate auf den Inseln sind, werden blaß, aufgezehrt von
den Fiebern; dann kommt die Tropenkollerzeit, dann die matte, kraftlose
Periode, und fliehen sie dann noch nicht, endlich das kunstlose Kreuz
am Urwaldrand. Ein Kreis von Kreuzen umgibt jede Europäersiedlung in
diesem Menschenfresserland, das man von ferne ein ideales Paradies
nennt.
[Illustration: Urwaldbaum (~Ficus prolixa~) auf Baladea (Südsee).
Photographie des Verfassers]
[Illustration: ~Nepenthes Vieillardii~, eine insektenfressende
Kannenpflanze, auf Neu-Kaledonien. Originalzeichnung für den Kosmos]
Das ist die Lebensgemeinschaft der Mangrove. Nun haben wir sie
durchschritten und sind im eigentlichen Südseeurwald, der namentlich in
den Gebirgsschluchten an Reichtum, Schönheit der Formen und Phantastik
alles übertrifft, was sonst Waldesschönheit zu bieten vermag. Er
ist weder so übermächtig riesenhaft wie der indische Regenwald,
noch so erdenfremd wie der australische Scrub. Sein Charakterbaum
heißt Banyan, einige nur hier lebende ~Ficus~-Arten mit Luftwurzeln
und Säulen, ein verworrenes Gespinst von Stämmen, Wurzeln, großen,
dicken, frischgrünen Blättern, das, noch mit Lianen und Baumwürgern
zusammengesponnen, jedes Vordringen hemmt. Dicht daneben eine Steppe
von hohem Alang-Alanggras oder eine Flur voll von entzückenden
gut deutschen Adlerfarnen. Der heimische Adlerfarn ist auch in der
Südsee zu Hause, in einer Abart, deren Wedel, wenn sie abgestorben
sind, silbergrau werden. Für den Augenblick glaubt man eingetaucht
in die Farnwildnis die 25000 Kilometer, die uns hier von der Heimat
trennen, überflogen zu haben und auf deutschem Boden zu stehen,
bis die ~Cycas~-Palmen, die mit unbeschreiblich feinfransigen,
dunkelgrünen Wedeln die Farne überschatten und die Riesenbüsche von
Kannenpflanzen, die sich nun über den tiefen Riß eines Bachbettes
beugen, die Wirklichkeit der exotischsten Ferne zurückrufen. Das
zarte kostbare, gehegte Kind der Warmhäuser, die insektenfressende
~Nepenthes~ ist hier ein wilder, gemeiner Busch, so wie die Mimosen
ein lästiges Unkraut, das man mit Füßen tritt, mag das zartgefiederte
Laub auch schmerzlich zusammenklappen. Hunderte der goldgrünen,
rotüberlaufenen Kannen hängen ringsum, manche schwergefüllt mit dem
„Magensaft“, in dem ein ganzer Klumpen gefangener und zerlöster Ameisen
den Bodensatz bildet. Erschütternd wirkt so ein Pflanzenwunder,
wenn man es mit der Selbstverständlichkeit alltäglicher Umgebung
vor sich aufgerichtet sieht, obwohl ja alles, was Pflanze, Tier,
Leben, Natur heißt, das gleiche unbegreifliche Wunder ist und nur
abstumpfende Gewohnheit darüber hinwegsehen läßt, dieselbe Gewöhnung,
die auch bald im Tropenwalde das Merkwürdigste mit einem Achselzucken
hinnehmen läßt: Nun ja, Kletterfarne sind eben auch da. Und dort
die Hirschgeweihfarne, von denen man so viel gelesen. Dabei sind
diese Kletterfarne ein unbegreifliches Ding mit dreieckigen, auf der
Unterseite dick mit Sporenpulver bedeckten Blättern, von deren Rändern
fransig der Goldstaub quillt. Und dornig, wie eine Ranke, klettert das
buschartige Pflänzchen über Strauch und Baum, ein Farn als Liane, nie
vorgestellt und nie gesehen. Und die Geweihfarne kleben an den dicken
Waldstämmen, als seien sie aus grüner Pappe ausgeschnitten. Unten
zunächst eine Reihe von Tellern, die sich an den Stamm anschmiegen und
fetten, edaphonerfüllten Humus in sich schließen, in dem ein Wurzelfilz
haust. Aus dieser grünen Manschette aber hängen die langen gegabelten,
ochsenzungenartigen Blätter heraus. So lebt dieses seltsame Gewächs
zwischen Himmel und Erde und braucht von der Welt nichts als Wasser,
das ihm freilich auf den Südseeinseln reichlichst zuteil wird, gibt es
doch hier in den Bergen bis 20000 Millimeter Niederschläge im Jahr, und
jeden Abend brauen die Wolken und Nebel um die Spitzen, und tropfender
Sprühregen bei 40° Hitze erhält alles in der Üppigkeit eines Glashauses.
Streng scheiden sich allerdings -- wie man das besonders lehrreich auf
Papua und Neu-Kaledonien sehen kann -- Lee- und Luvseite der Inseln.
Die meist östliche Regenseite ist mit dem dichtesten Tropenurwald
bedeckt, die andere Seite ist gewöhnlich durch Bergketten von ihr
geschieden. Sie sind auf Baladea (denn das ist der richtige Namen von
Neu-Kaledonien) zweitausend, auf Papua aber fünf- bis sechstausend
Meter hoch (ganz ist ja dieses Land noch nicht erforscht). Diese
Seite hat ganz wenig Regen und ist daher nur mit Savannen oder einem
Trockenwalde bedeckt, der sich auf Baladea und den benachbarten Inseln
aus Niauli und Schmucktannen sowie die schachtelhalmartigen Casuarinen
zusammensetzt. Australien reicht da +einfach+ herüber und so wird auch
von der Pflanzenwelt die von der Erdforschung neuerdings mit größter
Mühe festgelegte Tatsache bestätigt, daß bis etwa zur Braunkohlenzeit
an Stelle dieser blauen Meere ein ganz großer Erdteil bestand, der von
Hinterindien über Papua und Australien bis Baladea, wahrscheinlich
sogar bis zu den Fiji- (sprich Fidschi-) Inseln reichte und allmählich
zerbrach und versank, diese Tausende von Inseln als zerbröckelte Reste
übriglassend, an denen übrigens die Änderungen und Erderschütterungen
ununterbrochen seitdem weitergehen. Dieser Teil der Erde ist einer der
reichsten an Vulkanen und das größte Schüttergebiet der Erde. In einem
Vierteljahr haben wir Dutzende von großen Erdstößen mitgemacht und an
gewissen Inseln (so Ambryn, Efate) sind sie ein tägliches Ereignis
(Anmerk. 14).
Man versteht also, warum man auch hier Landschaftsbilder von
australischer Prägung, freilich wieder von besonderer Eigenart findet.
Der Niauliwald auf der Westseite von Baladea ist ein Bild, das auf
Erden zum zweitenmal nicht wiederkehrt. Ganz einförmig stehen die meist
nicht allzu hohen, romantisch verkrümmten Bäume mit der grauweißen
oder gelben Rinde, fast an Birken erinnernd, im hohen, trockenen
Gras. Unbeschreiblich dürr und trockenheiß ist es in diesem ätherisch
riechenden Wald. Kleine Papageien beleben ihn -- aber keine Känguruhs
mehr (nur Papua hat noch welche), auch die Emuschar fehlt. Dafür gibt
es einen ganz eigenartigen Vogel von Pfauengröße, den graubraunen, mit
Trockengras und Niauli in Schutzfärbung lebenden +Kagu+, der wie ein
Truthahn ein Rad schlagen kann, aber das Fliegen verlernt hat und als
prächtiger Renner in dem offenen Busch gleichsam den Strauß dieser
phantastischen Insel darstellt. Leider stirbt er nun unaufhaltsam
aus, seitdem man die Hunde eingeführt hat, denen gegenüber er ganz
wehrlos ist. Und noch ein eigenartiges Tier belebt den schattenarmen
Niauliwald, dessen mattgrüne, rotstengelige Lederblätter gleich denen
der Eukalypten senkrecht hängen. Das sind die größten Landschnecken der
Erde, die faustgroßen und noch größeren Bulimusschnecken, die braun
oder schneeweiß an unsere Weinbergschnecken erinnern. Überall sitzen
sie im Grase (Anmerk. 15) und zwischen dem Gestrüpp der Lantanen, die
reizend bunt blühend in diesem Sonnenland jede kahle Stelle überziehen
und als fremde Einwanderer aus Amerika die einheimische Vegetation
unterdrücken.
Es ist der denkbarst schroffste Gegensatz zwischen der Dürre dieser
Gegenden und dem regentriefenden Sumpfurwald, der oft nur einige
Dutzend Kilometer weiter den anderen Hang der Gebirge unter seinem
fieberhauchenden Mantel begräbt. Hier stehen ernst und feierlich die
riesigen, bis 70 Meter hohen tausendjährigen Schmucktannen, die man
auch Kaurifichten nennt, nach ihrem Eingeborenennamen Kaori, ein
wunderbares Geschöpf, der älteste lebende Nadelbaum der Erde, ein
Überbleibsel der Steinkohlenzeit, mit deren Siegel- und Schuppenbäumen
er mehr Ähnlichkeit hat als mit unseren Fichten und Kiefern. Er ist
fast immer unverzweigt; wie grüne Schlangen ringeln sich mit Schuppen
besetzte Triebe um ihn; gelbweißes Harz (eben Kauriharz) tropft an
seinem graubraunen Stamm entlang. Stumm und steif, düster, von der
Ferne schwarz anzusehen, ragt er in seine heitere Umgebung wie eine
Statue der Längstvergangenheit. Wo viele Kaurifichten stehen -- und
kleinere Inseln sind ganz mit ihnen bedeckt -- wandelt man seltsam
bedrückt, gespenstig wie in einer Mondlandschaft, zu der die steifen,
fast meterlangen Stabheuschrecken, die darunter sitzen, gut passen.
[Illustration: Kaurifichten (~Araucaria columnaris~) und Lantanawildnis
auf Baladea. Original]
[Illustration: Im Regenwald der Südseeinseln. Originalphotographie des
Verfassers]
Auf der anderen Bergseite wieder brauen Dünste und Sprühregen.
Aber hellgrün, wie lachendes Leben, baden sich im Naß dort auf den
Berghöhen die Farnbaumurwälder, die ich mit zu dem Schönsten rechnen
muß, das mir, der ich doch von der gesamten Pflanzenwelt der Erde
einen Eindruck habe, auf meinen vielen Reisen entgegengetreten ist.
Berückend ist so ein Farnbaumwald, wie er z. B. auf Tahiti oder
Eimeo in der Gesellschaftsinsel-Gruppe in allerschönster Ausprägung,
noch schöner wie in Ostaustralien grünt. Ein helles Goldgrün ist
dann die Grundfarbe der Natur. Zartes, leuchtendes, in Spitzengewebe
aufgelöstes grünes Gold flirrt, leuchtet, glänzt, erfüllt die Luft
mit einem unwahrscheinlichen grünen Licht, in dem sogar die Schatten
leuchten. In seltsamstem Kontrast stehen dazu die tiefschwarzen und
braunen feuchtüberronnenen Farnstämme, schuppig oder narbig, je nach
der Baumart (Anmerk. 15), manche wie in braune Tücher eingeschlagen,
die einen klein, knorrig, die anderen schlank, von der Grazie und
Anmut einer Tänzerin, unter ihnen Farnwildnis, zwischen ihnen Lianen
und Gerank, über ihnen die hohen Urwaldbäume, das ganze belebt von wie
blaues Glas leuchtenden Honigvögeln, Papageien und den wie schwarze
Teufel umherflatternden fliegenden Füchsen, dem einzigen größeren
Säugetier dieser Inseln. Dicht neben einer solchen Gruppe steht dann
vielleicht ein Würger, dieser schreckliche Mörder der Pflanzenwelt,
der wie ein Medusenhaupt schlangengleich sich ringelnde bleiche Arme
nach den Bäumen streckt, sie umfaßt, aussaugt, völlig umspinnt, bis
sie sterben, vermorschend, zerfallend in seinen Armen als elende Ruine
vergehen, während er längst zum Nachbar hinübergeklettert ist. Oder
aber das Opfer stürzt hin, reißt ihn mit sich, schlägt eine große
breite Lücke ins Urwalddunkel. Dann tanzt Sonnenschein über all diesen
stummen und doch schrecklichen Kämpfen und mit ihm köstlich gefärbte
Falter, namentlich in der Papuawelt, wo sich noch ein Juwel der Natur
dem allen zugesellt, die edelsteinschimmernden Paradiesvögel, von denen
es einen schon auf Baladea gibt. Fliegende Blumen sind das, die den
Samthauch der schönsten Orchideen mit dem Metallglanz der Pfauenfedern,
dem Adel der Reiher und den sprühenden Lichtern und Funken der
Edelsteine zu einem Gesamtkunstwerk vereinen (Anmerk. 16).
[Illustration: Schnitzerei aus Farnbaumholz von Mallikolo (Neue
Hebriden). Originalaufnahme von R. H. Francé]
Aber die Wirklichkeiten dieses Waldes dulden kein ästhetisches
Genießen und keine Naturschwärmerei, außer man sei denn auf Tahiti,
wo eine harmlose Bevölkerung und das völlige Fehlen von Fieber und
irgendwelchen schädlichen Tieren wirklich das Wort vom Paradies der
Südsee rechtfertigen, das man neben einem anderen, etwas weniger
harmlosen, für diese Inselgruppe geprägt hat. Im Dunkelland bleibt
keine Zeit zum Naturgenuß. Täglich gehen im größten Teil des Jahres,
zumindestens in den zwei Regenzeiten, zehn- bis zwölfmal heftige
Gewitter mit Wolkenbrüchen nieder, die man mit dem Gefühl über sich
ergehen lassen muß, daß jede Durchnässung einen Fieberanfall bedeutet.
Sonst wäre der Wasserreichtum des Landes und die unerhörte Üppigkeit
der Flora auch nicht denkbar. Aber in dem Garten Eden schleichen hier
die dunklen, auf Menschen Jagd machenden Gestalten umher (Anmerk.
17), befangen in wüstestem Zauberglauben, der sie heißt, sogar die
Körper von ihren teueren Toten auszugraben, die Schädel in grausig
phantastischer Weise mit Muscheln zu schmücken, zu dörren und zu
bemalen. Dann wird aus Rinde und Bast ein Krüppelkörper dazu gemacht
und das ganze Schreckgespenst als Familienheiligtum vor der Hütte
aufgestellt. Oder die Hütte wird geschmückt mit den schaurig bemalten
Schädeln von aufgezehrten Erschlagenen; Tanzplatz und Männerhaus werden
mit grotesken Schnitzereien umstellt, mit Riesenbaumstämmen, die man
in Trommeln mit Menschengesichtern umgestaltet hat. Das ganze Dasein
wird durch Zauberverbote, Dämonenangst, Feindseligkeit, gegenseitiges
Abschlachten, Hungersnöte aus Unkenntnis der Natur und Eifersucht
verdüstert, Pfeile werden mit der Spitze in faulendem Fleisch gehalten,
um den Gegner auch schon durch die geringste Verletzung tödlich
zu treffen, die Frauen werden wie Sklavinnen zu lebenslänglicher
Arbeit verurteilt, während die Männer faulenzend mit lächerlichen
Wichtigtuereien ihre Tage vertändeln. Haß gegen jeden Fremden erfüllt
ihre Seele, steter Krieg von Stamm zu Stamm ihren Tag. Es gibt keine
wilden Tiere in jenen Ländern, denn der Mensch ist dort das wildeste
Tier; aber er rottet sich aus, geht unter in einem selbstgeschaffenen
Pandämonion, während die Natur um ihn zauberhaft mild von einem
Jahrtausend ins andere grünt und das Land mit einem Feuerwerk von
Schönheiten überschüttet.
VI. Der Amazonaswald
Der südamerikanische Urwald ist anders als alle Tropenwälder der
ganzen Erde. Sind die indischen Regenwälder durch das Gigantische der
Laubmassen, die Raumerfüllung und durch Blattgrün ausgezeichnet, der
australische Trockenwald durch die Einförmigkeit, die Fremdartigkeit
seiner Pflanzenwelt und die alle Vorstellungen übersteigenden
Riesenmaße seiner Bäume, der Urwald der Südsee durch die Anmut und
gleichsam Harmlosigkeit seiner Natur, so ist Tropenamerika von Mexiko
bis tief nach Brasilien hinein das Land des +schrecklichen+ Urwaldes.
Ich möchte sagen, er ist der tierischste von allen, während der
südasiatische der giftige, der australische der menschenfeindliche und
der Südseewald der unschuldige ist.
Ameisen, Termiten, Schlangen, Alligatoren, Katzen, Kolibris, Papageien,
Affen, Lianen, Orchideen, Palmen, Überpflanzen, überhaupt Blumen und
dazwischen Riesenbäume, das ist der Wald von Tropenamerika.
Ein Wald, der unausrottbar ist. Während man ihn niederbrennt, sprießt
er schon auf. Ich glaube, er wird nie gezähmt und ausgerottet werden.
Er ist so groß wie ganz Europa. In dem riesigen Talbecken, das der
Amazonenstrom mit seinen großen Nebenflüssen, dem Rio Negro, dem
Madeira, dem Purus, dem Rio Branco in ein wasserdurchflutetes, neun
Monate im Jahr überschwemmtes Sumpfland umgewandelt hat, umfaßt dieser
Urwald allein fünfzehnmal so viel Raum als Deutschland. Österreich kann
man hundertzwanzigmal in ihn hineinstellen. Er und der australische
Scrub, der auch mehrere Millionen Quadratkilometer in einem bedeckt,
sind die zwei größten Wälder des Erdballs.
Ich weiß nicht allzuviel von ihm, denn ich habe den Eindruck gewonnen,
man müsse jahrelang in ihm leben und forschen, bevor man sagen kann,
ich kenne seine Lebensgemeinschaft wirklich. Es ist auch unmöglich,
ein umfassendes Gemälde von ihm zu geben, so mannigfaltig ist er. Auch
+Humboldt+ ist das nicht geglückt, trotzdem er einige Jahre lang mit
ihm kämpfte. Er fuhr noch in einer Piroge von einigen Kariben begleitet
an den Waldrändern entlang auf der einzigen Straße, die durch die
Wildnis führt, nämlich auf den tausendfach verzweigten Gewässern dieses
Sumpfwirrsals. Heute gibt es zwei Großstädte im Amazonasurwald: +Pará+
und +Manáos+, zu denen man auf eleganten Salondampfern gelangt, und in
englischen Zeitungen wird von Touristenagenturen geworben: „~Come and
see the Amazonas. A very nice trip.~“ Wenn man aber in Manáos aussteigt
und an den paar Großstadtstraßen und dem prächtigen Opernhaus, in dem
nie gespielt wurde, vorbeigeht, endet schon die Stadt selbst vor einer
grünen Mauer. Brennend rote Lianenblüten gleißen herab, Brüllaffen
kreischen, Orchideen stehen im Dunkel, die Papageien schreien
ohrenbetäubend, Züge von Blattschneiderameisen wandern, und der alte
geheimnisvolle unbetretbare Urwald +Humboldts+ steht immer noch vor den
Toren dieser merkwürdigen Gummigroßstadt, die jetzt wieder allmählich
vom Wald aufgezehrt wird. Man kann nicht hinein, muß ein Piroge nehmen
mit zwei Indianern, die das Irrsal der Wasser kennen. Und dann fährt
man wieder an den Waldrändern wie +Bates+, der große Naturerforscher
dieser Welt vor siebzig Jahren, und +Humboldt+ vor hundertdreißig und
+Orellana+ vor vierhundert. Und nichts ist anders, als sie es gesehen
haben. Der ungeheure Wald verschlingt mit seiner unüberwindlichen Größe
alles Menschentum (Anmerk. 18).
Man kann nur Einzelbilder aus seinem Riesenerlebnis ausschneiden
und versuchen, aus ihrem Mosaik etwas von dem Eindruck des Ganzen
nachempfinden zu lassen.
Da sind die südamerikanischen Palmen. Sie durchsticken den Wald
viel häufiger als sonst irgendwo. Sie sind jedenfalls seine
hervorstechendsten Pflanzen. Trotzdem gibt es keinen eigentlichen
Palmenwald. Sie sind nur eingesprengt, wie etwa die Linden bei
uns. Trotzdem manchmal die +Palmyrapalme+, in Busch und Wüstungen
strauchartig wachsend, ganze Gestrüppe bildet. Auch die kleine
Nipapalme bildet einen Saum um die hier ebenso unvermeidliche und in
breitestem Maße ausgebildete und von Tausenden von Alligatoren belebte
Mangrovenzone. Überall aber bricht aus der Baumwirrnis die +Sabalpalme+
stachelig hervor, die +Mauritia+, die +Piassave+, die +Carnauba+,
natürlich die unvermeidliche von den Antillen stammende stolze
+Königspalme+, ohne deren Allee heute kein Südamerikabild denkbar ist,
trifft man überall.
Das nächste, was man nicht übersehen kann, ist der Reichtum an
Überpflanzen, überhaupt an Blumen. Besonders rote Blumen vom Typus der
Fuchsie und Kapuzinerkresse erfüllen die ganze Welt von Tropenamerika.
Eigentlich ist das verwunderlich, da im Sumpfwald fast nie die Sonne
scheint. Nur in den Gegenden, wo es roten Lateritboden gibt, diesen
ziegelroten Lehm, den man sich nicht anders deuten kann, als daß er
unter dem Sonneneinfluß durch überrasche Verwitterung zustande kommt,
dort ist auch viel Tropensonne. An den Flüssen aber wogt tagaus,
tagein ein weißlicher Nebel, aus dem ohne Wolken Regen sprüht, ein
Dampf, der die Sonne am Himmel verdeckt, die nur durch grelles Licht
wie von Jupiterlampen, ohne Schatten blendend, merkbar wird. Diesem
düsterverhangenen Himmel schreibt man es zu, daß an den großen Strömen
der Sonnenstich unbekannt ist, während er am Roten Meer und in Indien
manchmal durch den Tropenhelm hindurch droht. Vierzig und sechzig Meter
hoch aufgerichtet steht die Waldwand, und von oben bis zum Boden wallt
fast senkrecht ein Vorhang von Lianen über die Bäume herab, seiner
ganzen Länge nach bestickt von rosapurpurnen Fuchsienblüten, derselben
Fuchsie, die bei uns als winziges Bäumchen mit ihren lieben Glöckchen
erfreut. Oder ein gewaltiger Baum steht tot, verdorrt und einsam
und auf ihm sitzt ein Blütenzelt, lilarot brennend, tausende Blüten
neben- und übereinander. Die ~+Bougainvillea+~-Liane ist es, die den
Baum getötet hat, allmählich mit sanfter Blumenschönheit erdrückt und
erwürgt. Man hat diese Bougainvillea in alle warmen Länder verpflanzt,
und ein Abglanz ihrer Blütenschönheit ist auch schon an die Riviera,
sogar an die südalpinen Orte vorgedrungen. Aber nur in ihrer Heimat ist
sie so überwältigend schön.
[Illustration: Lianen (Baumwürger) im Urwald der Südsee. Zeichnung nach
der Natur von R. H. Francé]
Ebenso überschäumend sind hier alle „Affentreppen“ und Lianen,
die rote, gelbe Garben über die Wipfel schütten und mit Tauwerk,
Schlangennestern, Verhauen, Gittern das Waldesinnere versperren. Sie
selbst wieder sind besetzt mit Überpflanzen, Nest an Nest. Orchideen,
Bromeliazeen und Tillandsien drängen sich, wachsen aufeinander. Hier
hängt das „pflanzliche Roßhaar“ in dichten Fransen herab, dort wieder
strahlen Blumenrispen in niegesehener Schönheit. Tropenamerika ist das
Land der Orchideen. In diesen Ländern ist es Beruf, die Berg-Wälder
der Kordillere zu durchstreifen auf der Jagd nach Orchideen, denen
zuliebe Bäume gefällt werden, wenn die Wunderblumen zu hoch sitzen,
als daß man sie erreichen könnte. Wie lila Flammen glühen die
~+Cattleya+~blüten, ~+Odontoglossum+~ brennt gelb und rot über unserem
Kopf, ~+Epidendrum+~, ~+Masdevallia+~, ~+Laélia+~, ~+Catasetum+~,
~+Stanhopea+~, alle diese in Europa mit Gold aufgewogenen kostbaren
Dinge sind gemeine Dinge des Alltags. Wirklich häufig, an einem Baum
manchmal zu Dutzenden und mit Tausenden von Blüten geschmückt. Man
begreift, wenn man diesen überwältigenden Reichtum erst einmal gesehen
hat, daß von Zentralamerika besondere Orchideenschiffe diese kostbare
Fracht nach Europa bringen.
Alle Orchideennester aber sind bewacht von wie Feuer brennenden
Ameisen und alle sind umschwirrt von Kolibris. Lange hatte ich sie
schon gesehen und, verwirrt von so viel unerhörten Dingen, es zunächst
ganz gedankenlos hingenommen, daß eben grün und rubinglänzende
schwärmerartige Schmetterlinge all diese Blumen besuchen, bis mir
plötzlich aufging, diese hurtigen, so zart schwebenden Falter sind ja
Vögel! Kolibris, so groß wie ein Insekt, zierlichste, in eitel Smaragd
und Amethyste gekleidete Blumenfreunde, so zahm und zutraulich, daß
sie selbst in die Städte hereinkommen und auf den Märkten aus- und
einfliegen.
Blüten, Kolibris, Ameisen bilden überhaupt eine Dreiheit von besonderer
Bedeutung in dieser Welt. Die Mehrzahl der Blumen im heißen Amerika
sind Vogelblumen, aber gerade die Kolibris befruchten sie nicht. Sie
sind überhaupt keine Blumenbestäuber, sondern halten sich an den Blüten
nur der vielen Insekten halber auf (Anmerk. 19). Blütenbesucher sind
vielmehr die Honigvögel und man schreibt die Röhrengestalt der Blüten,
die in der südamerikanischen Flora so häufig ist, ebenso das Überwiegen
der grellroten und gelben Blumenfarbe dem Umstand zu, daß in diesem
Erdteil die Vögel eine größere Rolle als Blumenbefruchter spielen, denn
anderswo. Kapuzinerkresse und Fuchsie, diese zwei Sendlinge aus der
„~Hylaea~“, wie man wissenschaftlich dieses Lebensgebiet genannt hat,
sind echte und richtige Vogelblumen (Anmerk. 20).
Sonst fehlt es natürlich an Faltern, Käfern und Ameisen nicht als
Blumenbestäubern und alle drei Gruppen haben gerade im „Etéwald“,
dieser höchsten Form des äquatorialen Urwaldes, auch das Maximum
ihrer Ausbildung in jeder Hinsicht erreicht. Sowohl was die Zahl der
Arten wie der Einzeltiere, wie die Größe und Schönheit der Insekten
betrifft. Die Waldlichtungen sind die Heimat der Riesenkäfer, hier
hausen die farbensprühenden Prachtkäfer, die unvergleichlich schönen
Feuerfliegen und Cucujos, die die südamerikanische Nacht erhellen;
unerschöpflich ist die Zahl der Tropenfalter in der Neuen Welt, und
was nur an Ameisenwundern überhaupt bekannt geworden ist, das spielt
sich alles zwischen den in Waldesnacht begrabenen Mayatempeln der
Yukatanhalbinsel und dem großen Urwald ab, der auf der Landkarte heute
noch als ein weißer Fleck sich tief nach Brasilien hineinzieht. Die
Blattschneider und Sonnenschirmträger unter den Ameisen, die Wachen,
welche die durch zauberhafte rosa und zartgelbe Farben geschmückte
„Laubausschüttung“, nämlich die Entfaltung des jungen Laubes, behüten,
die in der Tropennatur allgemein üblich ist, die Ackerbauameisen mit
ihren „Ameisenreis“, die Pilzzüchter, kurz alles, was aus dem Fabelbuch
der Ameisenkultur bislang bekannt geworden ist, das hat seine Heimat
in Tropenamerika. Auch die Wunderdinge der Nachäffung unter Faltern,
Käfern, Geradflüglern, Wanzen können nirgends besser studiert werden.
Denn hier fliegt +Kallima+, der Schmetterling, der ein vergilbtes Blatt
auf seinen Flügeln so übervollkommen nachahmt, daß nicht nur Farbe,
Form, Blattadern zur Täuschung verführen, sondern (gleich gewissen
Heuschrecken) auch Regentropfen, Pilzflecken und Fraßstellen darauf
wiedergegeben sind, an einzelnen Stellen sogar wuchernde Schimmelpilze,
was doch gewiß nicht nötig wäre, wenn es bei dieser Erscheinung nur auf
Irreführung der Vögel berechnet wäre, die nach der +Kallima+ schnappen.
Sie unterließen dies auch ohne diese feinen und feinsten Einzelheiten
und würden das Beutetier nicht schonen, wenn sie nicht schon durch die
Tarnkappe der groben äußeren Nachahmung getäuscht wären.
Hier ballen sich alle Wunder der Natur und man kann Jahre
als Naturforscher in dieser Welt zubringen und doch wieder
Neues, Niegedachtes finden. +Humboldt+ hat fünf Jahre lang mit
unvergleichlichem Eifer und Glück die Amazonaswälder durchzogen und
nicht eine der ~Victoria regia~-Blumen, das größte Blumenwunder dieses
Waldes, gesehen. Hunderte von Forschungen und Beschreibungen sind
vorübergegangen an der entzückend-schrecklichen „Dame mit dem Schleier“
in Brasilien, dieser wahren Pilzblume, welche ein in der Nacht
weißleuchtendes Reifröckchen trägt und dadurch wohl die reizendste
aller Waldschwämme ist, aber zugleich so schrecklich stinkt, daß ihr
Entdecker bei der Beobachtung fast ohnmächtig wurde (Anmerk. 21).
Die gigantische königliche Wasserrose ist an den Nebenflüssen und
stillen Teichen des Amazonas so häufig, daß man heute die Touristen
mit besonderen Motorbooten zu ihrer Besichtigung führt. Ein
derartiger Sumpfwald ist so ziemlich der Höhepunkt dessen, was man an
überwältigendem Pflanzenleben auf Erden sehen kann.
Ringsum steht die kolossalische Baumwelt des Igapó-Waldes, wie die
Spanier den Überschwemmungswald, das eigentliche Auengebiet des
Amazonas nennen. Zahllose Palmwipfel schaukeln, die ungeheuren
Plankenwurzeln der Sterculiabäume bilden wahre Horste, da und dort
erhebt sich blattlos einer der Riesenwollbäume, wie ein Turm über
der Waldstadt. Bunt, geradezu scheckig, ist dieser südamerikanische
Wald. Neben dem frischesten und dem dunkelsten Grün ist Grau, Gelb,
Herbstbraun, Rosa, Weißgrau, grelles Rot vertreten. Eigentlich ist
es das Bild eines ewigen Herbstes. Immer gibt es Bäume darunter,
die jetzt Herbstlaubfall haben, um in zwei Wochen wieder zu grünen,
immer blühen andere über und über oder entfalten das junge, schlaff
herabhängende Laub in den buntesten Farben. Ohrenbetäubendes Geschrei
erfüllt hier die Lüfte. Eine Wolke von Vögeln, besonders Urubus, jagt
umher. Sie merken die Anwesenheit von Menschen und sind beunruhigt.
Darum haben sich auch alle Alligatoren zurückgezogen, als jetzt das
Schiff zwischen das Inselgewirr stiller Buchten einbiegt. Uralte Bäume,
besetzt mit weißen Reihern, sind gefallen und treiben mit weißem Geäst
im Fluß, in malerischsten Laubengängen überwuchern Lianen, ganze
Baumgruppen; Orchideen leuchten, rot blüht es und da ist jeder Weg im
Wasser versperrt. Eine grüne, gleißende Blattwiese breitet sich mit
runden Sumpfblättern. Die lila blühende Wasserhyazinthe ist es, die von
der Igapó ausging, um die ganze Tropenwelt als schiffahrthinderndes
Wasserunkraut zu erobern. Auch hier stemmt sich ihr dichter Teppich
gegen das Weiterdringen. Aber man wagt nicht ins Wasser zu steigen;
es könnte doch der furchtbare Piranha-Fisch hier hausen, der einem
das Fleisch in Fetzen aus dem Leibe reißt und in einigen Minuten ein
unglückliches Opfer in ein Gerippe verwandelt. Das Vordringen würde
auch nichts nützen, denn ein haushohes Dickicht von Orchideen versperrt
jede Aussicht. Urwald riesiger grüner Pfeilblätter an schenkeldicken
Stengeln, lebende vorsintflutliche Schöpferkraft der Natur, nie
gesehen, die Luft von einem intensiven Blattgrüngeruch erfüllt. Und
dahinter die große Seerose, die violettschimmernden Blattränder hoch
aufgesetzt und mit Stacheln bewehrt. Blätter, mehrere Meter groß, die
rosa Blütenköpfe wie ein Kohlkopf mächtig. Sie wird erst in der Nacht
aufblühen, um die Stunde, da die Anakondaschlangen auf die Affenjagd
gehen, die Pumas brüllen, der Gesang der Moskitos wie ein wütender
Chor das dumpfe Bellen der Riesenfrösche begleitet, der Tanz der
Feuerfliegen über all dem Treiben leuchtet und das gelbe Fieber in
bleiche Nebelschwaden gehüllt durch den Wald schreiten wird.
Wir warten diese todbringende Stunde nicht ab. Auch nicht eine
Begegnung mit Indianern, den ebenso todbringenden Ureinwohnern dieses
verlorensten Landes, die mit Blasrohr und Giftpfeil die Mangrove und
Igapó durchklettern, mit bunten Papageienfedern geschmückt, oder auch
völlig nackt wie am Madeira oder Rio Tapajoz. Nur die Weiber tragen ein
farbiges Federgewand, einen mit Käferflügeln verzierten Rohrschmuck in
den Ohren und eine Halskette aus Samenkörnern, während die Männer diese
echte „Waldtracht“ mit Armringen aus Eidechsenhaut ergänzen. Diese
vielen unabhängigen Indianerstämme, die es im verlorenen Urwaldland
noch gibt, sind die echtesten Waldmenschen der Erde. Schon ihre Namen:
die Ameisen (~Tucunderas~), die Fische (~Piriacurus~), die Tukans
(~Tucanos~), die Menschenfresser (~Banhunas~) deuten darauf (Anmerk.
22). So könnten sich ja auch Leoparde oder sonstige Waldtiere nennen,
wenn sie sich durch Namen ihre Sippen unterscheiden wollten. Sie
bemalen sich sogar wie Leoparden buntscheckig mit Pflanzenfarben, um
bei ihren Kopfjägereien und Menschenfressereien unsichtbar anschleichen
zu können. Sie sind die wildesten der wilden und schreckenerregenden
Tiere im Amazonasland, die noch jeden, der diesen verzauberten Boden
einer Urwelt, wie sie die Erde nicht wieder trägt, betreten hat, mit
dem Gefühl entließ, er sei in einem verfluchten Land gewandert. Wie
ein einziges schreckliches Tier stürzt sich diese Urwaldnatur auf den
Eindringling. So wie ein Wort dieses Landes sagt: „Hinter jedem Blatt
ein Insekt, hinter jeder Blume wenigstens eine Ameise.“ Armeen von
beißenden Ameisen drohen, Zecken befallen den zu Hunderten, der das
Dickicht durchdringen will. Die Sandflöhe bohren sich unter die Nägel
der Füße, gräßliche giftige Spinnen liefern wahre Kämpfe. Es ist das
größte Schlangenland der Erde. Und selbst der Mensch ist ein raubendes,
giftiges, gefräßiges, ewig hungriges Wesen geblieben in einer solchen
wilden und unmenschlichen Natur, in der es für den, der sie besucht,
nur zwei glückliche Tage gibt: den ersten, da er kam und hingerissen
von ihrer überwältigenden Kraft und bezaubernden Schönheit in Tränen
der Freude ausbricht und den letzten, den er in ihr verbringt und sagen
kann, morgen bin ich all diesen Schrecken endlich entronnen .....
VII. Das wirkliche Bild der Tropennatur
So wie die sandbedeckten Wüsten und die arktischen Schneefelder
sind auch die großen tropischen Wälder die Stätten des Staunens,
wo der Mensch sich seiner Bedeutungslosigkeit und seiner Anmaßung
bewußt wird. Am besten ist es hier, nicht unter die Oberfläche zu
sehen; die Tiefe führt zum Wahnsinn. Nicht wenige brave Forscher
sind so zugrundegegangen auf ihren Wanderungen durch die dämmerigen
Hallen der Wälder, bis zur Brust im schlammigen Untergrund der
Tausende von Kilometer langen Uferstrecken versinkend; oder sie
wurden laut vor sich hinredend am Verhungern oder gestörten Geistes
aufgefunden. Die Roosevelt-Expedition traf solch einen Verirrten
Hunderte von Meilen fern von jeder Zivilisation; ein anderer
starb im Candelaria-Krankenhaus; ein dritter ließ eine letzte,
unzusammenhängende Botschaft an einem Baum am Rio Branco zurück ... Ein
Grauen geht aus von den schlangenverseuchten Sümpfen, den ekelhaften
Insekten, scheußlichen Krankheiten und Todesarten, den unverständlichen
Kulten, den sonderbaren atmosphärischen Stürmen, dem unheimlichen
Zwielicht, der drückenden Hitze und Lautlosigkeit, den giftmischenden
Eingeborenen und den erstickenden Düften der Verwesung ringsum.
Mit solchen Worten faßt ein ausgezeichneter Reisender (Th. +Domville+)
seinen Gesamteindruck über die fünf Millionen Geviertkilometer
Amazonasurwald zusammen, die auf der Landkarte noch ein weißer Fleck
sind und die er mit Recht den „verlorenen Erdteil“ nennt, auf dem sich
die Verhältnisse nie ändern können.
Und das drückt auch meine Überzeugung aus. Ich habe die letzten Reste
des europäischen Urwaldes im Osten und in den Alpen gesehen. Sie sind
düster und menschenfeindlich. Ich habe alle großen Tropenwälder der
Erde bereist. Sie sind noch düsterer und erniedrigen den Menschen, der
in ihnen wohnt. Sie sind für den Naturforscher ein Paradies, für den
Weißen aber, der in ihnen eine Heimat finden will, wirklich eine Stätte
des Grauens und des Verderbens. Ich habe sie ebenso leidenschaftlich
lieben gelernt, wie ich Entsetzen vor ihnen empfinde.
Das erlebte Bild des Tropenurwaldes, wie ich ihn sah, ist anders, als
ich es erwartet hatte und aus dem Schrifttum der Reisenden und der
Naturforscher kannte. Sie waren verliebt in ihre Abenteuer oder in
ihre Wissenschaft und haben daher fast immer vor Bäumen den Wald nicht
gesehen. Darum hat man uns die Tropennatur als ein Ideal geschildert,
das heute Millionen von jungen und alten Europäerherzen begeistert und
wie ein mit Sehnsucht und abenteuerlichen Gedanken lockender Traum
sie verwirrt. Aber so ist die Tropennatur nicht, am wenigsten der
Tropenurwald.
Amazonien, sein eigentlichstes Königreich, ist für jeden Reisenden, der
die Wahrheit gesagt hat, ein Land der quälendsten Monotonie, und im
Fieberwald von Papua, im indischen Dschungel, im Scrub ist es letzten
Endes nicht anders. Die vielen tausend seltsamen, überraschenden,
wunderbaren Naturentdeckungen sind nur dem Fachmenschen sichtbar
und auch dem nur nach und nach in mühsamer Forschungsarbeit. Wenn
man glaubt, der schöne, erquickende, zu allen Sinnen sprechende
Maienwald der deutschen Heimat, der die Seele mit Wonne erfüllt und
für den Wissenden der Lehrmeister des ganzen Lebens sein kann, sei
die +unterste+ Stufe von „Naturpracht“ und das steigere sich in einem
fort, in dem Maße, in dem die Natur ungestörter, das Klima heißer
und die Welt menschenleerer werde, dann verstrickt man sich tief im
Irrtum. +Schillers+ Wort, von der Welt, die vollkommen sei überall, wo
der Mensch nicht hinkomme mit seiner Qual, konnte nur entstehen, weil
sein Urheber niemals wilde unberührte Natur im Rohzustande gesehen
hat. Das ganze 18. Jahrhundert wiegte sich in einer idyllischen, mit
Schäferspielen tändelnden „Zurück-zur-Natur“-Stimmung, getäuscht durch
die Zauberbilder, welche die damaligen Entdecker der Südseewelt von
gewissen Inselnaturen mitbrachten. Man übertrug das dann fälschlich auf
die gesamte Tropenwelt und alle Urwälder. Nach dem einfachen Rezept:
ist schon unser Wald im Maiengrün so herrlich, wie schön muß erst der
ganz jungfräuliche Urwald dort sein, wo ewiges Maiengrün herrscht!
Weil +Forster+ und +Cook+, +Chamisso+ und +Kotzebue+ auf Tahiti ein
angenehmes Klima, eine harmlose und gezähmte Natur, schöne Berge
und freundliche Inselmenschen mit netten Frauen fanden, erbaute man
daraus das Märchen, in +allen+ den blauen Tropenfernen sei noch das
Paradies erhalten. Am wenigsten sei es bei uns. Und ein Rest dieser
Märchenstimmung hat sich fortgepflanzt bis heute und wohnt noch in
allen naturbegeisterten Seelen.
Aber die Wirklichkeit ist nicht so. Es trifft schon nicht mehr ganz
zu für den deutschen Wald, daß er desto schöner sei, je weniger
ihn der Mensch berühre. Die europäischen Urwälder, in denen der
Steinzeitmensch nicht anders herumzog, ewig hungrig und tierhaft wie
die auch in der Steinzeit lebenden Indianer und Melanesier, waren
schreckhaft düstere, in Humus und Moor vergrabene Waldsümpfe. Das
sieht man schon an den in den Gebirgen zurückgebliebenen Urwaldresten.
Grämlich, einförmig, düster stehen dort uralte Bäume in einem metertief
mit tiefschwarzem Humus bedeckten Boden, der das Wasser so zurückhält,
daß alles in sumpffeuchtem Mulm stockt. Pestwurz bedeckt die Lichtungen
mit Riesenblättern, Heerscharen von Verwesungspilzen überspinnen Strunk
und Dämmer, gefallene Baumleichen versperren unten so Weg und Steg,
wie oben Licht und Sonne durch das dichte Gezweig abgehalten ist.
Das Vergehen hält dem Werden die Wagschale. Blumen, Lebenslust und
jauchzendes Tierleben fehlen im Urwald der gemäßigten Klimate genau so
wie in den heißen Zonen. Erhaben ist er, von einer gigantischen und
ehernen Gesetzmäßigkeit, aber nicht des Menschen Freund.
+Das liebliche, harmonische, die Sinne entzückende Waldbild entstand
erst, als der Mensch seinen Ausgleich mit der Natur suchte und ihn
fand.+ Wir sind eben das Harmoniewesen; schön und gesund ist uns nur,
was nicht einseitig ist, nicht zu viel, nicht zu großartig, sondern
harmonisch mit uns im Ausgleich. Waldesgrün, reine Luft, Abwechslung
zwischen ernsten und heiteren Bildern, Blumen, Sträuche, daneben Ernst
des Hochwaldes, so viel Urwuchs und Verfall, daß es unser Leben nicht
störe, die Waldwiese darinnen und ab und zu Riesenstämme, ein in allem
ausgeglichenes Lebensbild, das ist unser „menschliches“ Ideal vom
Walde. Und ihm haben wir alle Wälder angenähert. Wir können auf die
Dauer gut nur mit einer solchen „vermenschlichten“ Natur leben, im
„Naturausgleich“.
Durch die Übervölkerung sind wir über das Ziel geschossen und haben
die Wälder in Forste verwandelt, sie wieder in der anderen Richtung
einseitig gemacht, künstlich verarmt. Oder man hat sie gar auf zu
weitem Gebiet ausgerottet. Seitdem wir Deutschen nicht mehr 60 Prozent
Wald im Lande haben, sprang die große Sehnsucht auf nach mehr Natur,
nach Unberührtheit. Seitdem spielt die Seele wieder mit Urwaldträumen.
Solange wir Urwälder hatten, tat sie es wahrlich nicht.
[Illustration: Waldbrand, ein in den ganzen Tropen immer
wiederkehrendes Bild. Vom Verfasser nach der Natur gezeichnet]
Aber ebensowenig wir in der Heimat wieder den Urwald herstellen können
und sollen, kann auch der exotische Urwald die Sehnsucht stillen. Wer
nicht nach Naturgesetzen und den Zauberdingen des Erkennens in ihm
forscht, dem hat der Tropenurwald nach der ersten Stillung der Neugier
und dem ersten Überwältigtsein der Seele vor so viel ungebändigter
Lebenskraft eigentlich nichts zu sagen. Für jeden Tropeneuropäer
verwandelt er sich bald in den „Busch“, den „Dschungel“, den er
fürchtet und niederbrennt, dem er aus dem Wege geht, der ein Hindernis
ist, das krankmachende, mit Gefahren drohende Hindernis des Lebens.
Außer er sucht Jagd und Abenteuer und auch davon hat ein Normalmensch
bald genug.
Das großartige Naturbild: Riesenbäume, Lianen, Überpflanzen, heilige
Dämmerung, Gigantengewächse, Tierarmut außer stechenden, beißenden,
brennenden Insekten, bleibt immer dasselbe. Der erste Tag ist der
schönste und jeder folgende wiederholt die Bilder. Je länger die
Waldwanderung währt, desto stärker wird das Grauen, das diese Natur auf
die Dauer uns Weißen einflößt. Sie ist nicht die unsere und kann nie
unsere Heimat werden.
Ich halte nicht zurück mit meiner Meinung, +daß der Europäer auf die
Dauer nicht in den Tropenwald-Ländern leben wird+. Weder am Kongo,
noch im indischen Urwaldgebiet, weder in Papua, noch in Amazonien.
Alle diese Länder haben den Menschen, der sich an sie angepaßt hat,
vertiert. Sie haben ihn, inmitten des unsagbaren Reichtums ihrer Natur,
seelisch und leiblich verhungern lassen.
Ich bin sicher, daß die Tage der Weltwirtschaft unaufhaltsam kommen.
Die ganze Erde wird zivilisiert werden und überall wird man neue
Reiche gründen und zu solcher Blüte bringen wie die australische
~Commonwealth~, die südafrikanischen Vereinigten Staaten, oder die von
Nord- und Lateinamerika. Aber den großen Tropenwäldern, entlang dem
Äquator, wird man jahrhundertelang, vielleicht für immer aus dem Wege
gehen. Vielleicht werden sie einmal die großen Klimareservoire der
Weltwirtschaft. Das wäre dann ihr natürlichster Beruf.
Der praktische Mensch kann für sie keinen anderen Gesichtspunkt
aufbringen, am wenigsten den eines Reise-, Erholungs- und
Siedlungsgebietes.
Anders der Naturforscher. Ihm sind sie das nachlebende Paradies, ein
für allemal die größte Studien- und Forschungsstätte der Welt. Und
alles, was ich an Begeisterung und Bewunderung vermieden habe, als
ich von dem Verhältnis der Lebenspraxis zum Tropenurwald sprach, kann
ich nun doppelt und vielfach hier häufen, da ich der Freuden des
Naturforschers im Tropenwald gedenke. Sie sind unerschöpflich. +Erst
ein Bruchteil dessen ist erforscht, was die Natur an Lebenswundern
bietet+. Amazonien ist noch mehr der Höhepunkt des irdischen Lebens
als die vielgerühmte indisch-javanische Natur, in der man ja (in
Buitenzorg und Peradenya) die größten tropischen Forschungsstätten
eingerichtet hat[1]. Vielleicht hält nur noch die Inselwelt des
Dunkellandes den Wettbewerb damit aus.
[1] Eine dritte planen die Amerikaner am Panamakanal im Gatunsee, der
ein großes Naturreservat ist.
Jedenfalls ist in Amazonien die Pflanzenwelt am Höhepunkt der irdischen
Entwicklung angelangt. Sie mutet mich nicht anders an, als sei sie
eine Fortdauer der Braunkohlenzeit. Merkwürdigerweise bildet sich
gerade hier -- und meines Wissens nach nur hier -- auch das einzige
Gegenstück zur Steinkohle. Das geschieht in den ungeheuren Sumpfgürteln
um die Riesenströme, namentlich dort, wo noch die Mangrove Bedingungen
ihres Gedeihens findet. Da steht überall hinter ihr ein breiter,
manchmal fünf und zehn Kilometer tiefer Gürtel von Farnurwelten
(~Acrostichum~-Arten), die in der Tiefe, in der sich Humus bildet,
verkohlen. Farnkohle ist die beste aller Steinkohlen und die größten
Lager davon sind genau in gleichen farnbewachsenen Sümpfen entstanden
wie heute noch. Und seltsamerweise ist gerade in dieser am tiefsten
verlorenen Welt noch ein Wunder der irdischen Vorzeit lebendig. Nur
dort gibt es noch fünf und zwölf Meter hohe Riesenschachtelhalme,
Wälder von Schachtelhalmen (Anmerk. 23), wie einst zur Steinkohlen- und
Jurazeit.
Phantastisch, das auszudenken und wirklich märchenhaft, es zu sehen:
Steinkohlenbildung und rauschende Wälder der Schachtelhalme in einer
Natur, die mit ihren Tausenden von Riesenechsen, welche gerade dort
noch am zahlreichsten hausen, Längstvergangenheit und Gegenwart in
einen Ring formt, als Zeichen, +daß weder die Erde noch die Lebenskraft
seit der Urzeit gealtert ist+.
Und trotzdem muß ich nach all den vielen Bildern, die ich hier von der
Tropennatur entrollt habe, nicht diesem nur gedanklich überwältigenden
Anblick, sondern der Südsee den Kranz meiner Liebe und Sehnsucht
reichen.
Baladea, die einsamen Palmeninseln im blauen Weltmeer, Tahiti und noch
mehr Eimeo, das Zaubereiland, haben es mir für immer angetan. Von ihnen
sage ich getrost, sie sind das Schönste, was ich an Tropenschönheit
gesehen habe.
Ich brauche nur die Augen zu schließen und schon rauscht mit dumpfem
Donnern das Weltmeer auf. Wie ein liebes vertrautes Lied nie
erlöschender Liebe. Ich sitze wieder hoch auf einem Felsenzacken
dieser vielzackigen Gebirge, die kristallene Bläue des Gluthimmels
ist gemildert durch den Seewind, die weißen Glocken der Palmlilien
läuten. Unter mir der schwere duftende Mantel der Wälder. Korallenrot
leuchten die Flamboyants, weiß die Gardenien, dunkelgrün mit edlem
Glanz schimmert das Laub der Banyanen, verlorene Rätselworte der Urzeit
flüstern die traurig-dunklen Kaurifichten. Und unten am Strand flirren
goldgrün die Kokospalmen, über dem Mangrovegürtel dampft die Hitze
und ringsum geht unermeßlich um den Himmelsrand Meer und blaues Meer.
Hinter mir aber, von glutvoll beleuchteten Wolken beschattet Felsberg
und dunkle Kette um Kette ins unbekannte, nichterforschte Land.
Und alles ist, als seien wir die ersten Menschen auf Erden, in
dieser köstlichen, unschuldigen und doch so viel Leben und Schicksal
verbergenden Stille fernster Welteinsamkeit, die ich so lieben gelernt
habe aus tiefstem sehnsüchtigstem Herzen, daß ich ganz sicher weiß, ich
werde nie wieder völlig unglücklich und trostlos werden, seitdem ich
sie erlebt habe ... meine schöne, weltenferne, unvergeßliche, geliebte
Südsee und ihr Dunkelland.
Anmerkungen und Erläuterungen
+Anmerkung 1+ (zu S. 8). Die grundlegenden Werke hierüber sind: F.
W. +Schimper+, Physiologische Pflanzengeographie auf ökologischer
Grundlage. Jena 1898. -- +Karsten+ und +Schenck+, Vegetationsbilder
der Erde. Jena 8ᵒ. -- +Wallace+, ~Tropical nature~. London 1878. --
+Brandis+, ~Forest Flora of India~. London 1874.
+Anmerkung 2+ (zu S. 11). Es kann natürlich nicht der Zweck dieser
Schrift sein, welche nur mit den +Naturbildern+ des Tropenwaldes
bekannt machen will, die Beweisführung und Einzeltatsachen für die
vier „ökologischen“ Faktoren des Tropenwaldes -- Urwaldcharaktere,
Waldgesetzlichkeit, Tropenanpassungen und biogeographische
Sonderprägung -- auszubreiten; dies soll vielmehr in einem größeren
Sonderwerk geschehen.
+Anmerkung 3+ (zu S. 16). Über Herkunft und Bedeutung des Laterits vgl.
S. 58.
+Anmerkung 4+ (zu S. 17). Die Buntblätterigkeit gehört zu den
ombrophilen Charakteren der Hygrophyten, wie E. +Stahl+ (Über bunte
Laubblätter, ~Annales de Buitenzorg XIII~) nachgewiesen hat. Besonders
schön sind in dieser Beziehung die Begoniaceen, auch Gesneriaceen,
Acanthaceen, gewisse Tropenorchideen (+~Goodyera~+, +~Anoectochilus~+),
+Rubiaceen+, +~Cissus~-Arten+, +~Anthurium cristallinum~+ usw. Die
dunklen Stellen erwärmen sich leichter, transpirieren also mehr.
+Anmerkung 5+ (zu S. 20). Für die ceylonischen Urwälder kennzeichnend
ist von Vögeln ein gelbschwarzer +~Oriolus~+, ferner der Tukan
(+~Anthracocerus coronatus~+), die Honigvögel (+~Cyrtotomus
lotenius~+), ferner der berühmte indische Roller (+~Coracias
benghalensis~+). Im Gebirge auch der harpyenähnliche, nur in Ceylon
vorkommende Adler +~Spizaëtus nipalensis~+. In den Wäldern treiben sich
übrigens die für Colombo charakteristischen schwarzen Straßenraben
(+~Corvus splendens protector~+) umher.
Charakterformen der indischen Urwaldschmetterlinge sind +~Telechina
Violae~+ mit fuchsgelben Flügeln, die altbekannten +Kallima-Arten+,
+~Papilio Nomilius~+ (wie ein Schwalbenschwanz), die trauerbraune
+~Euploea asela~+, die gelbe +~Catopsilia crocale~+ und viele hundert
andere.
+Anmerkung 6+ (zu S. 23). +Franz Wilhelm Junghuhn+ (1812-1864)
verdiente weit mehr Beachtung als Klassiker der Tropenliteratur. Man
sollte seine verschollenen Werke neu herausgeben. Er war Mediziner,
Botaniker und Geologe, wegen einem Duell zu 20jährigem Gefängnis
verurteilt, entfloh aber, ging zur Fremdenlegion nach Algier, dann nach
Java, wo er fast 30 Jahre lang als Topograph, Geologe und Botaniker
forschte und die Chinabaumkulturen leitete. Sein vierbändiges Hauptwerk
heißt: Java (deutsch in drei Bänden von F. Haßkarl zu Leipzig 1854).
+Anmerkung 7+ (zu S. 24). Ich habe im ceylonischen Regenwald folgende
acht Etagen unterschieden: Zu unterst 1. die Bodenlebewelt mit
besonders viel Insekten, riesigen Humusrhizopoden und den bekannten
Riesenregenwürmern. Die Zahl der Myriopoden ist weit größer als
im europäischen Humus. Darüber 2. die Kleinvegetation mit wenig
Lebermoosen, Moosen und Kräutern. 3. Die Selaginellenzone, überaus
üppig entwickelt, von der ich den Eindruck habe, daß sie im tropischen
Regenwald die Moosdecke ersetzt. 4. Araceen und Scitamineen,
Begoniaceen, überhaupt krautstämmige Pflanzen. Dann folgt auch hier,
ausgenommen an den Stellen mit „~horror vacui~“, eine Art Hiatus, den
im gemäßigten Klima die Sträucher ausfüllen. Es hat zwar auch der
Tropenwald seine Strauchvegetation, besonders Piperaceen -- +Piper+
spielt mit einigen hundert Arten darin eine weit größere Rolle als
allgemein angenommen wird -- Rubiaceen, Myrsinaceen usw. Im allgemeinen
aber ermöglicht der Mangel an Sträuchern der Bodenvegetation den
Lichtgenuß. 5. Jetzt folgen erst Bodenfarne, Farnbäume und Saprophyten,
sowie Wurzelparasiten (Balanophoraceen). 6. Dann kommt die Zone der
kleinen Bäume und Palmen. Hierher gehören Moraceen, Cecropiaceen,
Caricaceen, auch noch Farnbäume, Zapfenpalmen usw. 7. Die siebente
Etage ist die der Lianengewirre und Überpflanzen, +~Calamus~+,
+~Monstera~+, Nischenfarne -- +~Asplenium nidus~+, +~Polypodium
quercifolia~+ usw. -- Tillandsien, Orchideen, Bignoniaceen, +Bauhinia+
usw. 8. Erst als achtes Stockwerk erheben sich über diesem Gewirr 40-70
~m~ hoch die Hochbäume, zu denen die Kletterpalmen und Lianengewächse
emporsteigen und die allein schon durch ihre überaus reiche Verzweigung
-- viel mehr Verzweigungssysteme als die heimischen Bäume -- wieder
eine Reihe von Etagen bilden.
+Anmerkung 8+ (zu S. 33). Die australische Flora besteht zu 85% aus
andern Pflanzenarten als die Pflanzenwelt anderer Erdteile. Gänzlich
fehlen ihr Weiden, Pappeln, Baldriane, Resedaceen, Schachtelhalme,
Bambusarten und während in Europa die größten Familien die Kompositen,
Leguminosen, Kreuzblütler, Gräser, Dolden- und Nelkengewächse sind,
kommen in Australien die Leguminosen, Myrten, Proteaceen an erster
Stelle, dann erst Kompositen, Caricaceen, Gräser, Epakrideen, Orchideen
und Euphorbiaceen. Dabei hat Westaustralien kaum 10% mit Ostaustralien
gemeinsam.
+Anmerkung 9+ (zu S. 33). Die Vermehrung der Casuarinen ist erst
in neuerer Zeit geklärt worden (+Treub+). Durch die Mehrzahl von
Embryosäcken mit Eiapparat, den Beginn der Endospermbildung vor
der Befruchtung, erinnern sie an die Nacktsamer, sogar an die
Pteridophyten. Außerdem sind sie chalazogam, d. h. ihr Pollenschlauch
erreicht den Embryosack nicht durch die Mikropyle, sondern durch die
Chalaza.
+Anmerkung 10+ (zu S. 34). Grasbaum = +~Xanthorroea arborea~+ --
+Spinifex+gras = kein Spinifex, sondern +~Triodia~+ -- +~Acacia
dealbata~+ und +~Farnesiana~+ sind von Australien nach Europa gebracht
worden --. Gewisse der schönblühenden Heidenpflanzen Australiens sind
Nationalpflanzen geworden, so die „~native tulip~“ (+~Telopea~+) in
Neusüdwales.
+Anmerkung 11~a~+ (zu S. 37). Die heutige Tierwelt Australiens trägt
etwa den Charakter wie sie in Europa zur mittleren Jurazeit war, mit
dem Unterschied, daß die Riesenformen ausgestorben sind. An der Küste
leben immer noch die Muschelgattungen +~Waldheimia~+, +~Lingula~+,
+~Trigonia~+, +~Crania~+, der ~+Moloch+ horridus~ hat seinen nächsten
Verwandten an der krokodilähnlichen +~Megalania~+, der Ganoidfisch
+~Ceratodus~+ hat seine Verwandten in der Trias, die Beutler sind in
Europa seit der Jurazeit ausgestorben.
Alle australischen Säugetiere sind Beutler, ausgenommen der Dingohund,
die Mäuse, Ratten und Fledermäuse, die von Insulinde kamen. Die
Charaktertiere sind außer den mehr als 60 Arten von Känguruhs
(+~Macropus~+, +~Dendrolagus~+, +~Petrogale~+, +~Halmaturus~+), der
Wombat (+~Phascolomys~+), der Koala (~Phascolarctus~),die Opossums
(+~Phalangista~+), der Beuteldachs (+~Perameles~+), der ~Native devil~
(+~Sarcophilus ursinus~+), die winzige Beutelmaus (+~Tarsipes~+),
der Beutelmarder (+~Dasyurus~+), die Springmäuse (+~Notomys~+) usw.
Kennzeichnend sind auch die eierlegenden Ameisenigel (+~Tachyglossus
aculeatus~+) und das Schnabeltier (+~Ornithorynchus anatinus~+), das
schon ganz selten geworden ist. Von Vögeln sind der Emu (+~Dromicaeus
Novae Hollandiae~+) und der Kasuar (+~Casuarius~+), die Honigvögel
(+~Meliornis~+), der Leiervogel (+~Menura~+), die Laubenvögel
(+~Chlamydera~+ und viele andere Gattungen), die schwarzen Schwäne,
die Rosellapapageien (+~Platycerus eximus~+), die ~Cacatua~-Arten, die
+~Melopsittacus~+-Arten besondere Vertreter der überaus merkwürdigen
australischen Ornis.
+Anmerkung 11~b~+ (zu S. 37). Vergl. H. +Klaatsch+ „Der Werdegang der
Menschheit und die Entstehung der Kultur“. Berlin 1920. -- Auch: G.
+Buschan+, Völkerkunde. Leipzig. 8ᵒ. 3. Auflage.
+Anmerkung 12+ (zu S. 42). Tatsächlich ist der unausrottbare, weil aus
Notzuständen (die melanesischen Inseln haben gar keine jagdbaren Tiere
außer Tauben) hervorgegangene und kultisch verklärte Kannibalismus auf
Papua, den Salomonen und Neuen Hebriden heute noch vorhanden. Im Jahre
1926 gab es auf Mallikolo Opfer dieser schrecklichen Sitte, und 1927
wurde auf Malaita (Salomonen) die ganze weiße Bevölkerung und ihre
Schutzgarde überfallen und getötet.
+Anmerkung 13+ (zu S. 44). Als Mangrovebäume gelten vor allem die
häufigste ~+Rhizophora+ mangle~ und andere Arten (besonders in
Tropenamerika), ferner +~Sonneratia~+ im indomalaiischen Gebiet,
+~Avicennia~+ und +~Bruguiera~+ von Afrika bis Australien u. a. m.,
zusammen 60 Arten, nur in den Tropen. Atemwurzeln (Pneumatophoren) sind
besonders bei +~Rhizophora~+ und +~Bruguiera~+ entwickelt. Vergl. G.
+Karsten+, Die Mangrovevegetation. Jena 1904.
+Anmerkung 14+ (zu S. 51). Vergl. hierzu F. +Sarasin+, Neu-Caledonia.
1917. +Sarasin+ hat die Hypothese eines australindisch-melanesischen
Kontinents aufgestellt und mit gutem Material eines 13bändigen Werkes
wahrscheinlich gemacht.
+Anmerkung 15+ (zu S. 51). Charakterformen dieser Wälder sind die
Notu-Tauben (~+Carpophaga+ Goliath~), der von Schnecken lebende
Kagu (~Rhinochaetus jubatus~), der fliegende Fuchs, auch Vampyr
genannt (~Pteropus ornatus~), von Pflanzen außer der monotonen
~Niauli~ (~Melaleuca leucodendron~), die +~Casuarina~+, +~Araucaria
columnaris~+ u. a. Arten, ferner +~Gardenia~+, kleine Palmen und
Zapfenpalmen (~Zamia~), +~Pteridium~+- und +~Gleichenia~+-Farne,
ebenso +~Lygodium~+, die Riesen ~Spermolepis~-Bäume, in den Höhen
Farnbaumwälder von +~Cyathea~+ und +~Alsophila~+ mit viel Selaginellen,
Lycopodien und Moosen, die auch auf den Gesellschafts- und
Marquesasinseln wiederkehren.
+Anmerkung 16+ (zu S. 54). Die schönsten, leider aussterbenden
Paradiesvögel leben auf Papua. Sie sind rabenähnliche Sperlingsvögel,
von denen nur die Bälge der Männchen bereits seit dem 16. Jahrhundert
in den Handel kommen (seit 1522). Der schönste ist der Göttervogel
(+~Paradisea apoda~+) von den Aru-Inseln. Auch in Australien lebt eine
Gattung (+~Tiloris paradisea~+), ebenso in Ceylon.
+Anmerkung 17+ (zu S. 55). Der melanesische Menschenstamm sind die
eigentlichen Papuas (von malaiisch ~papuwah~ = kraushaarig), die etwa
eine Million stark in zahllosen kleinen Stämmen (+Zöller+ allein hat 46
Papuasprachen aufgezeichnet), die sich nicht verstehen und in steter
Fehde leben und Neu-Guinea = Papua, den Bismarck-Archipel (heute
Neu-Britannien), die Salomonen, Santa-Cruz-Inseln, Neue Hebriden,
Banks- und Torres-Inseln, Fiji-Inseln und Baladea = Neu-Kaledonien
bewohnen. Die Australier sind verwandt. Vergl. +Meyer-Parkinson+,
Papuatypen. Dresden 1894.
+Anmerkung 18+ (zu S. 57). A. W. +Bates+ (1825-1892) war 11 Jahre
lang als Naturforscher am Amazonenstrom und schuf das klassische
Werk über seine Naturgeschichte: A. W. +Bates+, Der Naturforscher am
Amazonenstrom. (Deutsch erschienen in Leipzig 1866.) -- Das andere
Hauptwerk ist A. v. +Humboldts+ Reisen im äquinoktialen Amerika. Vergl.
auch +Bebee+, Dschungelleben. Leipzig 1927.
+Anmerkung 19+ (zu S. 60). Diese Schwirrvögel und wahren Blumennymphen
sind die kleinsten aller Vögel. Es gibt welche unter ihnen, die nur
Hummelgröße erreichen. Sie fangen Insekten in Blüten, auf Blättern
und Spinnweben und sind typisch amerikanisch von Patagonien bis
Labrador, wenn auch die meisten der 400 Arten in den süd- und den
zentralamerikanischen Gebirgen leben. +Goulds+ fünfbändige Monographie
hat sie meisterhaft dargestellt. Auch Th. +Belt+, Der Naturforscher in
Nicaragua. 8ᵒ.
+Anmerkung 20+ (zu S. 60). Vergl. O. +Porsch+, Vogelblumenstudien
(Jahrbuch für wissenschaftliche Botanik 1924), das allerdings die
Ansicht vertritt, daß Kolibris durch Austrinken des Nektars doch als
Blumenbefruchter nützlich sind.
+Anmerkung 21+ (zu S. 61). Vergl. A. +Möller+, Brasilianische
Pilzblumen. 8ᵒ. Jena 1894.
+Anmerkung 22+ (zu S. 63). Eine ausgezeichnete Schilderung der
Indianerstämme am Amazonas gibt +Charles W. Domville-Fife+, Unter
Wilden am Amazonas. Leipzig 1926.
+Anmerkung 23+ (zu S. 69). Der goldene Deckfarn (~Acrostichum aureum~),
ein Riese mit meterlangen Fiederblättern, bildet in allen Tropenländern
im brackischen Wasser hinter der Mangrove undurchdringliche Dickichte,
am großartigsten aber in Tropenamerika, auch fossil in ungeheuren
Massen. Die Selaginellaceen, die in 500 Arten einer einzigen Gattung
im tropischen Regenwaldunterholz die größte Bedeutung, etwa die
unserer Moose, haben, sind die nächsten Verwandten der Siegel- und
Schuppenbäume, deren „Stigmarien“ vielleicht Luftwurzeln dieser Bäume
waren, die also eine Mangrovevegetation bildeten. Mit den Calamiten
zusammen bilden sie die Hauptmasse der Steinkohle.
Die Riesenschachtelhalme der Tropen leben in Südamerika in 8 Arten
der Gattung ~Equisetum~ (Australien hat gar keine Art), von denen ~E.
giganteum~, fest holzig, nur 2 ~cm~ dicke, aber 12 ~m~ hohe Stämme hat.
+~E. Schaffneri~+ wird 2 ~m~ hoch, aber 10 ~cm~ dick.
Sachweiser
~Acacia dealbata~ 33
~Acrostichum~-Arten 69
Adams-Pik 5
Adlerfarne 49
Affen 21
Affentreppen 58
Afrika 6
Akazien 33
Alanggras 48
Alaska 7
Amazonas 61
Amazonasurwald 64
Amazonaswald 8, 56
Amazonien 69
Ambryn 51
Ameisen 37, 60
Ameisenigel 35
Ameisenreis 61
Amherstien 24
Anakondaschlangen 62
~Anopheles~ 48
Anuradhapura 14, 18
~Araucaria columnaris~ 52
Atemwurzeln 44
Atoll 40
Auru 43
Auslegerboote 42
Australiens Urwälder 27
Australier 38
Australische Flora 72
Bai Unia 43
Baladea 47
Banyan 24
Banyanbaum 25
Bates 57
Bauhinien 27
Baumarten 24
Baumfreund 25
Baumorchideen 26
Baumverwüster 23
Baumwürger 59
Besonnung 32
Beutler 36
Bignonien 27
Blattpflanzen 17
Blaue Berge 32
Blaugummibaum 32
~blue-bush~ 34
Blumenbestäuber 60
Bôbaum 18
~Bougainvillea~ 58
Buitenzorg 69
Buntblätterigkeit 17
Buschland 29
~Caladenia~ 35
~Calamus~ 25, 27
Carnauba 58
Casuarinen 33
~Catasetum~ 59
~Cattleya~ 59
Ceylon 12
~Chlamydosaurus Kingii~ 36
~Cissa ornata~ 19
Cissus 27
~Corypha umbraculifera~ 13
~Craspedis~ 37
Cucujos 60
~Culex nocturnus~ 48
~Cycas~-Palme 49
Dämonenangst 55
~Dendrobium~ 26
~Dianella~ 35
Dickhäuter 25
Domville 64
Dschungel 9
Efate 41
Eimeo 69
Eisenholz 24
Eisenrinde 32
Eisvögel 46
Elefanten 22
Engelsüßfarne 26
~Epacrideen~ 35
Epi 43
~Epidendrum~ 59
Etéwald 60
Eukalypten 30
Farbblätter 17
Farnbaumholz 55
Farnbaumwald 54
Feige, Die heilige 19
Feuerfliegen 60
~Ficus bengalensis~ 25
~Ficus prolixa~ 47
Flechten 26
Fliegender Fuchs 21
Fuchsia 58
Galeriewälder 8
~Glossodis~ 35
Goldsand 30
Grasbäume 34
Graslilien 35
Gummibaum 30
~gum-tree~ 30
Haberlandt 5
Honigvogel 19, 60, 71
~horror vacui~ 23
Humboldt 7, 23, 57
Hunasagyria-Gebirge 22
~Hylaea~ 60
~Hypoxys~ 35
Jacaranda 20
Igapó-Wald 62
Indianer 63
Junghuhn, Fr. W. 23
~Ixias cingalensis~ 20
Kagu 51
Kakadus 37
Kalgoorlie 29
Kallima 61, 71
Kampines 8
Kanada 7
Känguruh 36
Katinga 8
Kaurifichten 51
Klaatsch 37
Kletterfische 46
Kletterpalmen 25
Klima auf Ceylon 14
Kniewurzeln 44
Kolibris 60
Kongogebiet 48
Kongourwald 7
Königsfischer 46
Königspalme 58
Kopfjäger 63
Kragenechse 36
Kreuz des Südens 39
Krokodile 21
~Laélia~ 59
Landplanarien 19
Lantanen 51
Laterit 16
Laubausschüttung 61
Lebenskreis d. Tropenwaldes 9
Lebenszonen 24
Leoparde 63
Leuchtkäfer 21
~Leucopogon~ 35
Lianen 27, 58
Lichtinseln 16
Lichtverteilung 16
~Lissanthe~ 35
~Loasa~-Nesseln 19
Louisiaden 43
Madeira 63
Magdalenenstrom 48
Mahavelli Ganga 22
Malaita 43
~mallee scrub~ 30
Mallikolo 43, 55
Manaos 6
Mangrove 8, 44
Mangrovebäume 45
Mangrovefaulschlamm 48
Mangrove, Lebensgemeinschaft der 48
Manáos 57
Martius 5
~Masdevallia~ 59
Mauritia 58
~Melaleuca~-Baum 30, 33
Melanesier 66
Menschenfresser 63
Mimikry 61
Mimose 33
Moose 26
Moskito 46
Naturausgleich 66
~Nepenthes Vieillardii~ 49
Neue Hebriden 39
Neuguinea 39
Neu-Kaledonien 39
Niauli 33
Niauliwald 51
Nipapalme 46
Nischenfarne 26
Nullarborwüste 29
Nuwara Elyia 22
~Odontoglossum~ 59
Orchideen 26, 59
Orellana 57
Oriolus 71
Palmen 57
Palmlilie 34
Palmyrapalme 57
Pandanusbäume 46
Papilio 20
~Papilio Ulysses~ 37
Papua 39, 42
Pará 57
Paradiesvogel 54
Peradenya 25, 69
Pfefferbaum 29
Pflanzliches Roßhaar 59
Piassave 58
Pilzblume 61
Piper 72
Piranha-Fisch 62
Plankenwurzeln 24
~Pteropus~ 21
Puma 62
Ransonnet 5
Regenklima, Anpassung an das 17
Regenwald 8, 53
Regenwaldes, Magisches Helldunkel des 16
Riesenbambus 15
Riesenfrösche 62
Riesenkänguruh 36
Riesenkieselalgen 48
Riesenschachtelhalme 69
Rio Tapajoz 63
Rosellapapageien 37
Rotang 26
Rotangpalme 20
Rubiaceen 71
Sabalpalme 58
Salomonen 39
Santa-Cruz-Inseln 43
Schlangen 63
Schmetterlingbestäubung 20
Sibirien 7
Singapore 6
Sonderanpassung, Tropische 11
Spathodeen 24
Spinifexgras 33
Stabheuschrecken 37, 52
~Stanhopea~ 59
Stechfliegen 37
Stelzenwurzeln 24
Sterculiabäume 62
~Styphelia~ 35
Südseeinseln 39
Südseeurwald 43
Sydney 32
Tahiti 65
Talipotpalme 13
Tarcoola 28
Tausendfüßler 20
Tiger 22
Toman 43
Träufelspitze 19
Trigonabienen 37
Tropenamerika 56
Tropencharakter 10
Tropenfalter 60
Tropenfrischen 22
Tropenkollerzeit 48
Tropennatur, Das wirkliche Bild der 64
Tropenorchideen 71
Tropenwälder, regengrüne 8
Tropenwaldes, Lebenskreis des 9
Tukan 71
Tüpfelfarne 26
Überpflanzen 24
Urwälder Australiens 27
Vanda 26
~Victoria-regia~-Blumen 61
Vogelblumen 60
Vogelspinnen 37
Waldbrand 67
Waldkontur, Zerrissenheit der 16
Waldrand 15
Waldsümpfe 66
Waldtracht 63
~wallaby~ 36
Wasserhyazinthe 62
Weddah 12
Westaustralien 34
Winker-Krabben 46
Wüsten 7
Zentralamerika 7
✤ ~KOSMOS~ ✤
Gesellschaft der Naturfreunde in Stuttgart
Die Gesellschaft Kosmos bezweckt, die Kenntnis der Naturwissenschaften
und damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer
Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres Volkes zu verbreiten.
-- Dieses Ziel sucht die Gesellschaft durch Verbreitung guter
naturwissenschaftlicher Literatur zu erreichen im
✤ ~KOSMOS~ ✤
Handweiser für Naturfreunde
Jährlich 12 Hefte mit 4 Buchbeilagen
Diese Buchbeilagen sind, von ersten Verfassern geschrieben, im guten
Sinne gemeinverständliche Werke naturwissenschaftlichen Inhalts. In dem
Vereinsjahr 1928 gelangen zur Ausgabe:
Dr. Kurt Floericke, Vögel auf der Reise
R. H. Francé, Urwald
Wilhelm Bölsche, Drachen
H. Günther, Eroberung der Tiefe
✤
Jedes Bändchen reich illustriert
Diese Veröffentlichungen sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen, wo
auch Beitrittserklärungen entgegengenommen werden. Auch die +früher+
erschienenen Jahrgänge sind noch erhältlich
Geschäftsstelle des Kosmos: Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart
Freude am Leben
und sichere Grundlagen für eine moderne
Weltanschauung
findet jeder in der
Natur
✤
Zum Beitritt in den
~KOSMOS~
Gesellschaft der Naturfreunde
laden wir
alle Naturfreunde
jedes Standes, sowie alle Schulen, Volksbüchereien, Vereine usw. ein
✤
Die Mitglieder erhalten laut § 5 der Satzung als Gegenleistung +für
ihren Jahresbeitrag im Jahre 1928 kostenlos+:
I. Die Monatsschrift Kosmos, Handweiser für Naturfreunde. Reich, z.
T. mehrfarbig bebildert. 12 Hefte im Jahr
II. Die ordentlichen Veröffentlichungen. 4 Buchbeilagen. 1928 sind
vorgesehen: Dr. Kurt Floericke, Vögel auf der Reise :: R. H. Francé,
Urwald :: W. Bölsche, Drachen :: H. Günther, Die Eroberung der Tiefe
III. Vergünstigungen beim Bezuge von hervorragenden
naturwissenschaftlichen Werken
Jedermann kann jederzeit Mitglied werden.
Bereits Erschienenes wird nachgeliefert
Anmeldungen bei jeder Buchhandlung oder durch die Geschäftsstelle des
+Kosmos+, Stuttgart, Pfizerstraße 5
Satzung
§ 1. Die Gesellschaft Kosmos (eine freie Vereinigung der Naturfreunde
auf geschäftlicher Grundlage) will in erster Linie die Kenntnis
der Naturwissenschaften und damit die Freude an der Natur und das
Verständnis ihrer Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres
Volkes verbreiten.
§ 2. Dieses Ziel sucht die Gesellschaft zu erreichen: durch die
Herausgabe eines den Mitgliedern kostenlos zur Verfügung gestellten
naturwissenschaftlichen Handweisers (§ 5), durch die Herausgabe
neuer, von hervorragenden Autoren verfaßter im guten Sinne
gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts, die sie
ihren Mitgliedern unentgeltlich oder zu einem besonders niedrigen
Preise zugänglich macht, usw.
§ 3. Die Gründer der Gesellschaft bilden den geschäftsführenden
Ausschuß, den Vorstand usw.
§ 4. Mitglied kann jeder werden, der sich zur Bezahlung des
jeweiligen, mäßig gehaltenen Beitrags verpflichtet. Andere
Verpflichtungen und Rechte, als in dieser Satzung angegeben sind,
erwachsen den Mitgliedern nicht. Der Eintritt kann jederzeit
erfolgen; bereits Erschienenes wird nachgeliefert. Der Austritt ist
gegebenenfalls bis 1. Oktober des Jahres anzuzeigen, womit alle
weiteren Ansprüche an die Gesellschaft erlöschen.
§ 5. Siehe vorige Seite.
§ 6. Die Geschäftsstelle befindet sich bei der +Franckh’schen
Verlagshandlung, Stuttgart, Pfizerstraße 5+. Alle Zuschriften,
Sendungen und Zahlungen (vgl. § 5) sind, soweit sie nicht durch eine
Buchhandlung Erledigung finden konnten, dahin zu richten.
~KOSMOS~
Handweiser für Naturfreunde
Erscheint jährlich zwölfmal und enthält:
Aufsätze in klarer, fesselnder Sprache vom Leben und Wirken der
Naturkräfte.
Bilder und farbige Kunstdrucktafeln, die das geschriebene Wort noch
anschaulicher und lebendiger machen.
Regelmäßig unterrichtende Nachrichten von Forschung und Fortschritt auf
allen Gebieten der Naturwissenschaft.
Auskunftsstelle. Wertvolle kleine Mitteilungen.
Mitteilungen über Naturbeobachtungen, Vorschläge und Anfragen der
Mitglieder. Experimentierecke.
Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder durch die Geschäftsstelle des
+Kosmos+, Stuttgart, Pfizerstraße 5
Folgende seit Bestehen des Kosmos erschienene Buchbeilagen erhalten
Mitglieder, solange vorrätig, zu +Ausnahmepreisen+:
[Sidenote: 1904]
Bölsche, W., Abstammung des Menschen. -- Meyer, Dr. M. W.,
Weltuntergang. -- Zell, Ist das Tier unvernünftig? (Dopp.-Bd.). --
Meyer, Dr. M. W., Weltschöpfung.
[Sidenote: 1905]
Bölsche, Stammbaum d. Tiere. -- Francé, Sinnesleben d. Pflanzen. --
Zell, Tierfabeln. -- Teichmann, Dr. E., Leben u. Tod. -- Meyer, Dr. M.
W., Sonne u. Sterne.
[Sidenote: 1906]
Francé, Liebesleben d. Pflanzen. -- Meyer, Rätsel d. Erdpole. -- Zell,
Streifzüge d. d. Tierwelt. -- Bölsche, Im Steinkohlenwald. -- Ament,
Seele d. Kindes.
[Sidenote: 1907]
Francé, Streifzüge im Wassertropfen. -- Zell, Dr. Th., Straußenpolitik.
-- Meyer, Dr. M. W., Kometen und Meteore. -- Teichmann, Fortpflanzung
und Zeugung. -- Floericke, Dr. K., Die Vögel des deutschen Waldes.
[Sidenote: 1908]
Meyer, Dr. M. W., Erdbeben und Vulkane. -- Teichmann, Dr. E., Die
Vererbung. -- Sajó, Krieg und Frieden im Ameisenstaat. -- Dekker,
Naturgeschichte des Kindes. -- Floericke, Dr. K., Säugetiere des
deutschen Waldes.
[Sidenote: 1909]
Francé, Bilder aus dem Leben des Waldes. -- Meyer, Dr. M. W., Der Mond.
-- Sajó, Prof. K., Die Honigbiene. -- Floericke, Kriechtiere und Lurche
Deutschlands. -- Bölsche, W., Der Mensch in der Tertiärzeit.
[Sidenote: 1910]
Koelsch, Pflanzen zw. Dorf u. Trift. -- Dekker, Fühlen u. Hören. --
Meyer, Welt d. Planeten. -- Floericke, Säugetiere fremd. Länder. --
Weule, Kultur d. Kulturlosen.
[Sidenote: 1911]
Koelsch, Durch Heide und Moor. -- Dekker, Sehen, Riechen und Schmecken.
-- -- Bölsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit. -- Floericke, Vögel fremder
Länder. -- Weule, Kulturelemente der Menschheit.
[Sidenote: 1912]
Gibson-Günther, Was ist Elektrizität? -- Dannemann, Wie unser Weltbild
entstand. -- Floericke, Fremde Kriechtiere und Lurche. -- Weule,
Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge. -- Koelsch, Würger im
Pflanzenreich.
[Sidenote: 1913]
Bölsche, Festländer u. Meere. -- Floericke, Einheimische Fische. --
Koelsch, Der blühende See. -- Zart, Bausteine des Weltalls. -- Dekker,
Vom siegh. Zellenstaat.
[Sidenote: 1914]
Bölsche, W., Tierwanderungen in der Urwelt. -- Floericke, Dr. Kurt,
Meeresfische. -- Lipschütz, Dr. A., Warum wir sterben. -- Kahn, Dr.
Fritz, Die Milchstraße. -- Nagel, Dr. Osk., Romantik der Chemie.
[Sidenote: 1915]
Bölsche, W., Der Mensch der Zukunft. -- Floericke, Dr. K., Gepanzerte
Ritter. -- Weule, Prof. Dr. K., Vom Kerbstock zum Alphabet. -- Müller,
A. L., Gedächtnis und seine Pflege. -- Besser, H., Raubwild und
Dickhäuter.
[Sidenote: 1916]
Bölsche, Stammbaum der Insekten. -- Sieberg, Wetterbüchlein. -- Zell,
Pferd als Steppentier. -- Weule, Krieg in den Tiefen der Menschheit
(Dopp.-Bd.).
[Sidenote: 1917]
Besser, Natur- u. Jagdstud. i. Deutsch-Ostafrika. -- Floericke, Dr.,
Plagegeister. -- Hasterlik, Dr., Speise u. Trank. -- Bölsche, Schutz-
u. Trutzbündnisse i. d. Natur.
[Sidenote: 1918]
Bölsche, Sieg des Lebens. -- Fischer-Defoy, Schlafen und Träumen.
-- Kurth, Zwischen Keller u. Dach. -- Hasterlik, Dr., Von Reiz- u.
Rauschmitteln.
[Sidenote: 1919]
Bölsche, Eiszeit und Klimawechsel. -- Floericke, Spinnen und
Spinnenleben. -- Zell, Neue Tierbeobachtungen. -- Kahn, Die Zelle.
[Sidenote: 1920]
Fischer-Defoy, Lebensgefahr in Haus u. Hof. -- Francé, Die Pflanze als
Erfinder. -- Floericke, Schnecken und Muscheln. -- Lämmel, Wege zur
Relativitätstheorie.
[Sidenote: 1921]
Weule, Naturbeherrschung I. -- Floericke, Gewürm. -- Günther,
Radiotechnik. -- Sanders, Hypnose und Suggestion.
[Sidenote: 1922]
Weule, Naturbeherrschung II. -- Francé, Leben im Ackerboden. --
Floericke, Heuschrecken und Libellen. -- Lotze, Jahreszahlen der
Erdgeschichte.
[Sidenote: 1923]
Flaig, Kampf um Tschomo-lungma. -- Floericke, Falterleben. -- Francé,
Entdeckung der Heimat. -- Behm, Kleidung und Gewebe.
[Sidenote: 1924]
Floericke, Käfervolk. -- Henseling, Astrologie. -- Bölsche, Tierseele
und Menschenseele. -- Behm, Von der Faser zum Gewand.
[Sidenote: 1925]
Lämmel, Sozialphysik. -- Floericke, Wundertiere des Meeres. --
Henseling, Mars. -- Behm, Kolloidchemie.
[Sidenote: 1926]
Francé, Die Harmonie in der Natur. -- Floericke, Zwischen Pol und
Äquator. -- Bölsche, Abstammung d. Kunst. -- Dekker, Planeten und
Menschen.
[Sidenote: 1927]
Floericke, Aussterbende Tiere. -- Bölsche, Im Bernsteinwald. --
Günther, Was ist Magnetismus. -- Lang, Gletschereis.
Preise:
Einzeln bezogen kostet jeder Band brosch. RM 1.--, gebd. RM 1.70
Für Nichtmitglieder des Kosmos RM 1.25, gebd. RM 2.--
Besondere Preise bei Gruppenbezug
10 Bände geb. nur RM 14.50, brosch. nur RM 9.--
20 Bände geb. nur RM 27.--, brosch. nur RM 16.50
50 Bände geb. nur RM 62.--, brosch. nur RM 37.50
Auf Wunsch können größere Beträge nach vorhergehender Vereinbarung auch
in _+Teilzahlungen+_ entrichtet werden
*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK URWALD ***
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of this license, apply to copying and distributing Project
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United States and you are located in the United States, we do not
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displaying or creating derivative works based on the work as long as
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without further opportunities to fix the problem.
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in paragraph 1.F.3, this work is provided to you ‘AS-IS’, WITH NO
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Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state’s laws.
The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West,
Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up
to date contact information can be found at the Foundation’s website
and official page at www.gutenberg.org/contact
Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation
Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread
public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine-readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.
The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state
visit www.gutenberg.org/donate.
While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.
International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
Please check the Project Gutenberg web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate.
Section 5. General Information About Project Gutenberg™ electronic works
Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg™ concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg™ eBooks with only a loose network of
volunteer support.
Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
edition.
Most people start at our website which has the main PG search
facility: www.gutenberg.org.
This website includes information about Project Gutenberg™,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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