The Project Gutenberg eBook of Radiotechnik
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Title: Radiotechnik
Das Reich der elektrischen Wellen
Author: Hanns Günther
Release date: October 13, 2026 [eBook #79778]
Language: German
Original publication: Stuttgart: Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde - Franckh'sche Verlagshandlung, 1921
Other information and formats: www.gutenberg.org/ebooks/79778
Credits: The Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net
*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK RADIOTECHNIK ***
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Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1921 so weit
wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Offensichtliche Fehler
wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr
verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert.
Die Veröffentlichungen der ‚Kosmos‘-Gesellschaft wurden, zusammen
mit der Buchwerbung, am Ende des Buches zusammengeführt; das
Inhaltsverzeichnis wurde der Übersichtlichkeit halber vor den Text
gesetzt.
In der Fußzeile der Abb. 3 auf S. 15 sind die Kategorien
‚Schallwellen‘ und ‚Wasserwellen‘ im Original offenbar vertauscht;
dies wurde in der vorliegenden Fassung korrigiert.
Besondere Schriftvarianten werden im vorliegenden Text mit Hilfe der
folgenden Symbole gekennzeichnet:
unterstrichen: _Unterstriche_
fett: =Gleichheitszeichen=
gesperrt: +Pluszeichen+
Antiqua: ~Tilden
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Radiotechnik
[Illustration:
v. Arco
Maxwell
Meißner
Hertz
Marconi
Braun
Wien
Slaby
Die
Pioniere
der
Radiotechnik
]
Radiotechnik
Das Reich der elektrischen Wellen
Von
Hanns Günther
(~W. De Haas~)
Mit 28 Abbildungen im Text
und einem farbigen Umschlagbild
[Illustration]
+Stuttgart+
Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde
Geschäftsstelle: Franckh’sche Verlagshandlung
1921
Inhalt
Seite
1. Der Kabelraub und das Reichsfunknetz 5
2. Weltfunknetzpläne 7
3. Nauen 8
4. Die Kostenfrage 10
5. Maxwell und die elektromagnetische Lichttheorie 12
6. Hertz und die elektrischen Wellen 14
7. Marconi und das Knallfunkensystem 18
8. Die Fünf in der Kiste auf Lavernock Point: Der erste
praktische Versuch 22
9. England erstrebt ein Weltmonopol 23
10. Deutschland nimmt den Kampf auf 24
11. Eiffelturm stört 26
12. Braun, Wien und „Telefunken“ 30
13. Poulsen und die Wellentelephonie 32
14. Die Hochfrequenzmaschine 36
15. Elektronenröhre und Rahmenantenne 37
16. Vielfachtelegraphie und Sendestadt 38
17. Funkpressedienst 42
18. Zeitsignale 44
19. Radiotechnik und Landesvermessung 46
20. Schiffahrt und Wellentelegraphie 47
21. Seewetterdienst -- Der drahtlose Kompaß 49
22. Lotsendienst durch elektrische Wellen 53
23. Luftfahrt und Wellentelegraphie 55
24. Eisenbahndienst, Kraftwagen und Wellentelegraphie 62
25. Sieben Gespräche über einen Draht 66
26. Ins Innere der Erde 67
27. Fernlenkung 70
28. Wenn unsere Kohlen einst erschöpft sind 72
29. Elektrokultur 74
[Illustration: Abb. 1. Übersichtskarte des deutschen Reichsfunknetzes
nach dem Stand vom April 1921.]
1.
Nimm eine Verkehrskarte der Welt zur Hand und schau dir die Küsten
und Grenzen Deutschlands an! Dicke schwarze Linien strahlen von
dort nach allen Seiten. Die einen ziehen durch die Meere hinüber
zu jenen Ländern, von denen das große Wasser uns trennt. Die
andern durchschneiden vor allem die russischen Steppen und gehen
tief hinein in Indiens Wunderreich. Die Seekabel sind’s und die
Überlandtelegraphen, die Boten, denen wir vor dem Kriege alles
anvertrauten, was es der Welt da draußen zu verkünden galt. Da kam der
Krieg, der den Mund dieser Boten stumm werden ließ, weil niemand mehr
war, sie zu hören. Und nach fünf Jahren der Frieden, der uns die Boten
selber nahm, denn unter den vielen, vielen Dingen, die man uns entriß,
sind auch fast alle Kabel.
Kaum zweieinhalb Jahre sind verflossen, seit man uns so zu knebeln
versuchte, um uns zu zwingen, das, was wir der Welt zu sagen hatten,
durch Feindesmund, durch feindliche Kabel, zu sprechen. So sollte
Deutschland auch auf diesem Gebiet bevormundet werden, konnte man
dann doch nach Belieben das, was es sagte, fälschen und unterdrücken.
Gelang dieser Anschlag wider das deutsche Wirtschaftsleben, das
davon in erster Linie betroffen worden war? Eine kleine Notiz aus
einer technischen Zeitschrift gibt Antwort darauf. „Entwicklung des
deutschen Funkverkehrs“ ist sie überschrieben, und der Text heißt
ganz nüchtern: „Während am 1. Juni 1919 insgesamt 27 Funkstellen im
öffentlichen Verkehr tätig waren, standen am 1. Juni 1920 bereits 55
im Betrieb, und eine größere Zahl war in Vorbereitung. Der Funkverkehr
mit dem Ausland ist bisher nach den Vereinigten Staaten, Rußland,
Spanien, Norwegen, Schweden, Ungarn und Holland aufgenommen worden und
befindet sich in Vorbereitung mit Frankreich, Italien, der Schweiz, der
Tschechoslowakei und Rumänien. Die Zahl der von deutschen Funkstellen
verarbeiteten Funktelegramme betrug im März 1919 3866 Telegramme mit
136103 Wörtern; sie hat sich im Laufe des Jahres auf 104977 Telegramme
mit 1778344 Wörtern im März 1920 gesteigert.“
Die Bresche, die der Friedensvertrag durch die Wegnahme der Kabel in
das deutsche Verkehrsnetz schlug, ist also schon wieder ausgefüllt; der
Retter in der Not war die +Wellentelegraphie+, in der sich die Menschen
die den Äther durchflutenden elektrischen Wellen zur Übermittlung
ihrer Botschaften dienstbar machten. Schon vor dem Kriege war sie in
bescheidenem Maße -- mehr als Aushilfsmittel -- tätig. Im Kriege ist
sie gewachsen und groß geworden. Erst jetzt aber zeigt sie, was sie
leisten kann: als Bindeglied zwischen Kontinenten, als unzerstörbare
Brücke über Meer und Land.
Vier Punkte sind es, von denen aus Deutschland trotz des geraubten
Kabelnetzes frei und ungehindert mit aller Welt spricht: Zuerst
+Nauen+ und +Eilvese+, die beiden Großfunkstellen, die hauptsächlich
dem Überseeverkehr, als Ersatz der früheren Kabel, dienen. Dann
die Hauptfunkstelle +Norddeich+ (bei Bremen), die Sturmwarnungen,
Wettermeldungen und allerlei Nachrichten für Seefahrer an die Schiffe
weitergibt. Schließlich die Hauptfunkstelle +Königswusterhausen+,
die Zentralstelle für den innerdeutschen und den Funkverkehr mit
den anderen Ländern Europas, zugleich der Streupunkt für den
Funkwirtschaftsdienst der Außenhandelsstelle, der jeden Morgen den
deutschen Handelskammern die wichtigsten Börsen- und Handelsnachrichten
sowie die Weltmarktkurse funkt, den Funkpressedienst versieht, der die
Tageszeitungen mit eiligem Stoff versorgt, und den Funkwetterdienst,
der dreimal täglich Wetternachrichten an alle deutschen Wetterstellen
und die deutschen Flughäfen schickt. Um diese vier Mittelpunkte
kristallisiert sich ein zum Teil schon ausgebautes, zum Teil noch in
der Entstehung begriffenes Gebilde, das sich „Reichsfunknetz“ nennt;
es dient zur Entlastung des vorhandenen, der Verkehrszunahme vielfach
nicht mehr gewachsenen Netzes von Telegraphen- und Fernsprechleitungen,
sowie zur Aushilfe bei umfangreichen Leitungsstörungen infolge
besonderer Naturereignisse (Erdströme, Unwetter usw.). Zur Bildung
dieses Reichsfunknetzes ist das ganze Reichsgebiet in Bezirke
eingeteilt worden. Jeder Bezirk hat seinen Mittelpunkt in einer
„Funkleitstelle“, die unmittelbar mit der Reichszentrale, der
„Funksammelstelle“ Berlin, verkehrt. Um die Funkleitstellen gruppieren
sich in jedem Bezirk mehrere „Funkstellen“, die so eingerichtet
sind, daß sie zu gleicher Zeit senden und empfangen können
(Gegensprechbetrieb). Darunter befinden sich 13 Küstenfunkstellen,
die den Nachrichtenverkehr mit den Schiffen auf See vermitteln. Neben
diesen Funkstellen, die in den Telegraphenämtern untergebracht sind
und nur mit den zugehörigen Funkleitstellen verkehren, gibt es noch
zahlreiche Empfangsstellen (bei Handelskammern, Börsen, Wetterwarten,
Zeitungsredaktionen), die nur zur Aufnahme von Telegrammen, nicht zum
Senden dienen. Diese Stellen werden unmittelbar von Königswusterhausen
aus bedient.
Die als Abb. 1 beigefügte Kartenskizze zeigt, daß unser Funknetz heute
schon das ganze Reich überdeckt, ausgenommen die besetzten Gebiete. Der
weitere Ausbau wird die Maschen einesteils bedeutend enger ziehen, +das
Netz aber zugleich durch die Erstreckung über Europa erweitern+.
2.
Denn das ist eines der wichtigsten Ergebnisse der internationalen
Verkehrskonferenz von Mitte 1920: daß zwischen den Funkstellen der
europäischen Großstädte ein regelmäßiger Funkverkehr eingerichtet
werden soll, der den bestehenden internationalen Verträgen unterliegt.
Von hier aus spannt das Netz sich dann weiter über die ganze Welt,
nur daß jetzt Deutschland einen bescheideneren Anteil daran nimmt.
Durch den Krieg sind ihm seine überseeischen Besitzungen ja entrissen
worden. Dadurch ist der große Plan eines deutschen Weltfunknetzes,
dessen Verwirklichung mit den Großstationen in Kamina (Togo) und
Windhuk (Deutsch-Südwest-Afrika) begonnen worden war, vorderhand
seiner Grundlagen beraubt. England und Frankreich aber haben den
Gedanken aufgegriffen. Das „allbritische Netz“, die „~all red wireless
route~“, mit Großstationen auf nur englischem Gebiet, ist im Ausbau
begriffen und wird wohl in absehbarer Zeit vollendet werden. Der
durch die Marconi-Gesellschaft im Frühjahr 1910 ausgearbeitete Plan
sieht drahtlose Verbindungen nach Indien, China, Ägypten, Südafrika,
Westafrika, Südamerika, Westindien, Montreal und Australien mit 50
Haupt-, 100 Neben- und etwa 200 Ortsstationen vor, wodurch ganz England
instand gesetzt wird, drahtlose Meldungen aus jeder Ecke des britischen
Weltreichs aufzunehmen und von jedem Teil des Reiches aus mit jedem
entsprechend ausgerüsteten Schiff in Verbindung zu treten, das sich
irgendwo zwischen 60° nördl. und 50° südl. Breite auf See befindet.
Der hohe Wert einer derartigen, kriegsgeschützten Verbindung Englands
mit allen bewohnten Teilen der Welt für die britische Politik, den
britischen Handel, die britische Schiffahrt liegt auf der Hand.
Ein ganz ähnlicher Plan, der Frankreich vom derzeitigen britischen
Kabelmonopol unabhängig machen soll, ist von den französischen
Verkehrsbehörden ausgearbeitet worden; er soll Europa, Asien, Afrika,
Süd- und Nordamerika durch Großstationen nur auf französischem Gebiet
miteinander und mit Paris verbinden. Zur Verwirklichung dieses
Gedankens ist noch nicht sehr viel geschehen.
Daß in den übrigen Kulturländern im gleichen Sinne gearbeitet wird, ist
selbstverständlich, nur daß der Maßstab -- abgesehen von Amerika --
meistens kleiner ist. In den ~U. S. A.~ ist ein Ausbau der Stationen
in zum Teil riesenhaftem Ausmaß vorgesehen, um auf diese Weise die
Reichweite über alle Teile der Welt zu erstrecken, da ja die Union
Kolonien, die sie zu entsprechenden Stützpunkten ausbauen könnte, nicht
besitzt. Daß Japan nicht zurücksteht, braucht man kaum zu erwähnen.
Aber auch China ist erwacht, denn Peking, der Sitz der Regierung, ist
kürzlich durch eine dreigliedrige Kette von Funkstationen mit dem
fast 5000 ~km~ entfernten Kaschgar in Chinesisch-Turkestan verbunden
worden; Kaschgar liegt seinerseits in der Reichweite der indischen
Großstationen und bildet so das Bindeglied mit der übrigen Welt.
3.
Und Deutschland? Ist es durch den Krieg von dieser Entwicklung völlig
abgeschnitten? Wird es ohne Anteil am Funkweltverkehr sich auf die
Landesgrenzen und auf Europa beschränken müssen? Man braucht als
Antwort auf diese Frage nur ein Wort zu sagen, das alle Befürchtungen
grundlos macht. Dieses Wort heißt „+Nauen+“! Mit der Großstation Nauen
besitzt Deutschland die größte im Betrieb befindliche Funkstelle der
Welt. Ihre Reichweite ist so groß, daß sie selbst mit unsern Antipoden,
mit Australien und den Südsee-Inseln (Entfernung von Nauen 20000 ~km~
[= halber Erdumfang]), in funkentelegraphische Verbindung treten
könnte, wenn -- ja, wenn nicht die Gegenspieler fehlten, die imstande
sind, über diese Strecke hinweg Nauen zu erreichen. Vorläufig gibt
es solche Gegenspieler nicht. Nauen kann also zwar nach Australien
und der Südsee (wie nach allen Teilen der Erde) senden, aber keine
Südseestation ist imstande, ihm direkt zu antworten, weil keine
einzige die gleiche Reichweite besitzt. Doch wird es nicht mehr lange
dauern, bis darin Wandel geschafft ist. Nicht als ob Australien die
Absicht hätte, eine Nauen gleichwertige Riesenstation zu schaffen.
Die Entwicklung geht nicht nach dieser Richtung, sondern -- was
ja schon die Weltnetzpläne zeigen -- auf den Bau von „drahtlosen
Linien“ hin, auf Netze von Großstationen in solcher Entfernung
voneinander, daß jede ihre Nachbarn unter allen Umständen -- auch
bei atmosphärischen Störungen schwerster Art -- erreichen kann.
Denn nur bei unbedingter Betriebssicherheit kann man den Funkdienst
der Kabel- und Drahttelegraphie als gleichwertig bezeichnen. Die
„Telefunken“-Gesellschaft als Erbauerin der Großstation Nauen hat
deshalb zunächst mit der „~Radio Communication Co.~“ ein Abkommen über
die Errichtung einer Gegenstation für Nauen auf Long-Beach bei Neuyork
geschlossen, die mit deutschen Maschinen ausgerüstet wird. Weiter
wurden Betriebsverträge mit den gleichfalls mit Telefunkenapparaten
arbeitenden Großstationen in Chapultepec (Mexiko) und Cartagena
(Kolumbien) zustande gebracht, die uns einen unkontrollierten Verkehr
nach Südamerika sichern. Drittens hat „Telefunken“ im Auftrag der
holländischen Regierung den Bau zweier Großstationen in Assel (Holland)
und auf Java übernommen, die ebenfalls mit Nauen arbeiten werden,
so daß uns dadurch und durch die früher von „Telefunken““ gebaute
japanische Großstation Funabashi der Weg nach dem fernen Osten
geöffnet wird. Schließlich ist noch in Buenos Aires (Argentinien) eine
Großstation nach deutschem Muster im Bau, die mit Deutschland direkt
oder über Long-Beach arbeiten kann. Dadurch verfügt nach Abb. 2 auch
Nauen über ein den ganzen Erdkreis umspannendes Netz, in dem nur noch
im Pazifikgebiet eine Lücke klafft, die aber jederzeit, z. B. zwischen
Mexiko und Japan, geschlossen werden kann.
4.
Wir sehen also, daß Deutschland trotz der Wegnahme seiner Kabel
binnen kurzem in seinem Nachrichtenverkehr mit Übersee wieder ganz
frei von der Ententekontrolle sein wird. Aber wie steht es dabei
mit der finanziellen Seite? Ist dieser Funkverkehr nicht teurer
als ein Kabeltelegramm, so daß wir also gegenüber den Kabelstaaten
unwirtschaftlich arbeiten? Die Praxis hat diese Frage dahin
beantwortet, daß sich die Anlagekosten eines Überseekabels zu den
Baukosten einer Funkenverbindung auf der Strecke Deutschland-Amerika
etwa wie 2 : 1 verhalten, d. h. die Funkverbindung läßt sich mit dem
halben Kapital der Kabellinie herstellen. Dafür sind beim Funkverkehr
die Betriebskosten etwa doppelt so hoch. Bei gleicher Wortleistung in
der Zeiteinheit ist der Funkdienst also ebenso teuer wie das Kabel.
Aber -- und das ist ausschlaggebend -- die Höchstleistung eines
Tiefseekabels von 6-7000 ~km~ Länge läßt sich auch bei Verwendung
aller Kunstgriffe nicht über 175 Buchstaben in der Minute steigern,
während es bei der Wellentelegraphie eine solche Begrenzung der
Höchstleistung nicht gibt. „Es ist schon jetzt möglich,“ sagt +Solf+
in der Festschrift zur Einweihung der Großfunkstelle Nauen, „bei
Schnellbetrieb mit Maschinensendern auf Großstationen 300 Buchstaben in
der Minute zu senden, und die angestrebte Leistung von 500 Buchstaben
ist nur noch eine Frage der Zeit. Da ferner moderne Großstationen
wie Nauen einen 24stündigen Dauerverkehr bei gleichzeitigem Senden
und Empfangen durchzuhalten vermögen, so ist es klar, daß in dieser
Richtung die Entwicklungsmöglichkeiten des drahtlosen Konkurrenzkampfes
mit dem Kabel liegen. Je höher die Wortleistung, desto geringer kann
bei genügender Verkehrsstärke die Taxe für das einzelne Wort gehalten
werden. Die Marconi-Gesellschaft, ebenso die ~Radio-Corporation
of America~, haben auf ihren eigenen Linien schon jetzt den Satz
für drahtlose Übermittlung auf etwa ⅔ der Worttaxe für das Kabel
festgesetzt.“ Deutschland, das zurzeit für beide Übermittlungsarten
noch die gleiche Gebühr erhebt, wird auf diesem Wege schleunigst
folgen müssen. Denn die Frage der Ausgestaltung des Funkverkehrs
spielt für uns eine viel wichtigere Rolle als etwa für England oder
Frankreich, die im Besitze zahlreicher Kabel die Entwicklung in Ruhe
abwarten können. Neue Kabellinien an Stelle der uns entrissenen können
wir bei dem heutigen Zustand der deutschen Finanzen in absehbarer
Zeit aus eigenen Mitteln nicht mehr bauen, denn ein Tiefseekabel
Deutschland-Amerika würde heute mehrere hundert Millionen Papiermark
verschlingen. Da wir aber ohne unabhängige Überseeverbindungen unsern
Handel und unsere Ausfuhr nicht wieder auf die frühere Höhe bringen
können, ist der Ausbau des Funkverkehrs im vollen Sinne des Wortes für
Deutschland eine Lebensfrage.
[Illustration: Abb. 2. Diese Abbildung veranschaulicht zunächst, wie
sich die Reichweite der Station Nauen von Jahr zu Jahr entwickelt hat.
Die Kreislinien zeigen, bis wohin man in dem betreffenden, auf der
Linie angegebenen Jahr von Nauen aus drahtlos telegraphieren konnte.
1918 wurde der Gegenpunkt, die größte auf Erden mögliche Reichweite
von 20000 km, entsprechend dem halben Erddurchmesser, erreicht. Sodann
gibt die Karte durch die von Nauen ausstrahlenden Pfeile eine Übersicht
über das im Entstehen begriffene deutsche Weltfunknetz, umfassend die
zurzeit vorhandenen (◯) und die im Bau befindlichen (⬤) Großstationen
nach dem „Telefunken“-System, die mit Nauen durch Betriebsverträge
verbunden sind.]
5.
Die wirtschaftlichen Notwendigkeiten kennen wir jetzt. Und wir wissen
auch, daß wir technisch imstande sind, sie zu erfüllen. Wie die Technik
diese Möglichkeit geschaffen hat, ist eine neue Frage.
Am Anfang der Entwicklung steht eine Theorie des Engländers +Maxwell+,
aufgestellt, um dem Zweig der Physik, der die Eigenschaften des Lichtes
erforscht, aus einer großen Schwierigkeit zu helfen. Um 1675 herum
hatte man entdeckt, daß sich das Licht in jeder Sekunde um 300000 ~km~
fortpflanzt, daß also beispielsweise ein Stern, der 300000 ~km~ von
uns entfernt im Weltall plötzlich aufflammt, eine Sekunde später von
unserem Auge wahrgenommen wird. Hundertfünfundsiebzig Jahre später
wurde nachgewiesen, daß die Lichtstrahlung eine Wellenbewegung sei,
ähnlich den Schallwellen in der Luft und den allbekannten Wellen im
Wasser. Während man aber bei Schall- und Wasserwellen die Träger
der Wellenbewegung kannte, wußte man beim Licht nichts darüber. Die
Luft oder sonst einer der bekannten Stoffe konnte es nicht sein,
denn Fortpflanzungsgeschwindigkeiten von mehreren hunderttausend
Sekundenkilometern sind in allen Stoffen, die wir kennen, unmöglich.
Also mußte ein unbekannter Stoff den Träger der Lichtschwingungen
bilden. Diesen hypothetischen Stoff nannte man Äther.
Soweit war alles schön und gut. Als man aber die Sache näher ansah,
fand man, daß jetzt die Schwierigkeiten erst begannen. Das Wesen der
Lichtstrahlung, die Beobachtungen, die man daran machte, zwangen
dazu, dem Äther die Eigenschaften eines festen Körpers zuzuschreiben,
eines Körpers, der jeder Veränderung seiner Form einen Widerstand
entgegenstellte, der weit stärker war als etwa der des gehärteten
Stahles. Zugleich aber sollte der Äther nicht nur die irdische
Atmosphäre, sondern auch den freien Weltraum erfüllen, denn sonst war
die Fortpflanzung des Lichtes aus Weltallsfernen bis zu unserem Auge
überhaupt nicht zu erklären. Im Weltraum aber sollte trotz des Äthers
die Bewegung der Gestirne ungehindert vor sich gehen: Eine Fülle von
Widersprüchen.
Da kam Maxwell, der den unentwirrbaren Knoten mit einem Schlage
durchhieb. Die Erklärung des Lichtes, die man bis dahin versucht
hatte, war mechanischer Art. Sie griff auf Luft- und Wasserwellen als
Beispiele zurück und stellte sich die Lichtschwingungen nach ihrem
Bilde als eine elastische Wellenbewegung in einem greifbaren Mittel
-- eben dem Äther -- vor. Maxwell sagte, nicht die Mechanik sei zur
Erklärung heranzuziehen, sondern die Elektrizität. Das Licht sei zwar
eine Wellenbewegung, aber durchaus nicht mechanischer Natur, gar nicht
zu vergleichen etwa mit dem Schall. Durch elektrische und magnetische
Kräfte würden die Lichtschwingungen im Äther erzeugt.
Die elektromagnetische Lichttheorie, die Maxwell mit diesem genialen
Gedanken begründete, braucht uns hier nur mit einer einzigen Folgerung
zu beschäftigen. Für jede Wellenbewegung, gleichviel, ob sie sich
in der Luft, im Wasser oder im Äther vollzieht, sind drei Größen
charakteristisch: die +Schwingungsdauer+, die +Wellenlänge+ und
die +Fortpflanzungsgeschwindigkeit+. Die +Schwingungsdauer+ einer
Wasserwelle z. B. erhält man, wenn man die Zeit bestimmt, die vergeht,
bis ein gerade auf einem Wellenberg schwimmendes Teilchen in das
angrenzende Wellental hinabgesunken und wieder bis zum Gipfel des
nächsten Wellenberges aufgestiegen ist. Rechnet man aus, wievielmal
diese Zeitdauer in einer Sekunde enthalten ist, so hat man die
+Schwingungszahl oder Frequenz+, die also der Zahl der in einer Sekunde
ausgeführten Schwingungen entspricht. Die zurückgelegte, sich stets
gleichbleibende Entfernung zwischen den Gipfeln zweier Wellenberge
(oder den Tiefen zweier Wellentäler) nennen wir die +Wellenlänge+. Die
+Fortpflanzungsgeschwindigkeit+ der Welle, d. h. die Schnelligkeit,
mit der die Wellenbewegung sich vom Erregungspunkt ausbreitet, ergibt
sich, wenn man die Wellenlänge durch die Schwingungsdauer teilt.
Denn Geschwindigkeit ist das Verhältnis des zurückgelegten Weges zur
dabei verbrauchten Zeit, und jede Wellenbewegung schreitet während der
Zeit einer Schwingungsdauer genau um die Strecke einer Wellenlänge
fort. -- Mit Hilfe dieser drei Größen kann man jede Wellenbewegung
charakterisieren. Was in dieser Beziehung von den Wasser-, Schall- und
Lichtwellen auszusagen ist, stellt Abb. 3 zusammen. Die Lichtwellen
weisen danach Wellenlängen von 0,0003 bis 0,0008 ~mm~ auf; nach
Maxwells Ansicht sollten sie elektrischer Abkunft sein. Stimmt das --
das war die Folgerung, die man damals gleich zog --, so ist es klar,
daß noch gleichartige Wellen anderer, größerer Wellenlänge existieren
müssen. Denn die Natur macht keine Sprünge, sie stellt nicht gerade
diese Wellengruppe unvermittelt in unser Dasein hinein. Sicher -- ein
grandioser Ausblick tat sich damit auf -- sind die für uns sichtbaren
Lichtwellen nur ein kleiner Ausschnitt aus einer großen Skala, die
Wellen aller Längen umfaßt. Nur daß uns die Organe zur unmittelbaren
Wahrnehmung dieser unbekannten Wellen fehlen. Aber nachweisbar
müssen sie sein, wenn die Gedanken Maxwells überhaupt richtig sind.
So entstand plötzlich das neue Problem, elektrische Wellen größerer
Wellenlänge, als sie das Licht besitzt, durch geeignete Apparate zu
ermitteln.
[Illustration: Abb. 3.]
[Illustration]
[Illustration: Bild der Wellen]
Die längste dem Ohre wahrnehmbare Schallwelle ist ca 21 m. lang (Ton
C₂), die kürzeste dem Ohre wahrnehmbare Schallwelle ist ca 1 cm. lang
(Ton c₈).
Zwischen diesen Grenzen liegen die Wellenlängen sämtlicher dem Ohre
wahrnehmbarer Schallwellen. Grössere bezw. kleinere Luftwellen werden
vom menschlichen Gehörsinn nicht mehr wahrgenommen.
Die Länge der Wasserwellen hängt von der Grösse der Oberfläche und
von der Tiefe des Wassers ab. So ist z. B. die Länge der kleinsten
in einem Gefäss erzeugbaren Wellen 1,7 cm. die der Wellen des
Starnbergersees ca. 5 m. Sturmwellen im Ocean sind 60-120 m. Die
längste von Kapitän Mottez im nördlichen Atlantik gemessene Welle ist
830 m. lang.
Die längste als Licht wahrnehmbare Ätherwelle ist nach Helmholtz 0,81
Tausendstel mm. (dunkelstes Rot). Die kürzeste Lichtwelle ist nach
Soret 0,33 Tausendstel mm. (äusserstes Violett). Ätherwellen, deren
Längen zwischen diesen beiden Grenzen liegen, rufen die verschiedenen
Farben hervor. Die Aufeinanderfolge der Farben nach ihrer Wellenlänge
geordnet: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Violett nennt man Spektrum.
Wellenlänge ¹⁄₂ ¹⁄₈
Durch die Zahl der Schwingungen welche der tönende Körper und demnach
auch die schwingende Luft in der Sekunde ausführen, ist die Höhe des
Tones bestimmt. Je grösser die Anzahl der Schwingungen, desto höher
ist der wahrgenommene Ton. Zur Erzeugung des tiefsten wahrnehmbaren
Tones (C₂) muss der tönende Körper 16, zur Erzeugung des höchsten
(c₈) ca. 30000 Schwingungen in der Sekunde ausführen.
Während die Welle über die Oberfläche sich fortpflanzt, schwingen die
einzelnen Wasserteilchen auf und ab. Die Anzahl dieser Schwingungen
in der Sekunde ist für verschiedenen lange Wellen verschieden. z. B.
bei 1,7 cm. Wellenlänge 14 } d. h. } ¹⁄₁₄ Sek.
„ 5 m. „ „ ½ } eine } 2 „
„ 60-120 m. „ „ ⅙ bezw. ⅛ } Schwingung } 6 bezw. 8 „
„ 830 m. „ „ ¹⁄₂₃ } dauert. } 23 „
Wie die Schwingungszahl der Luftwellen die Tonhöhe, so bestimmt die
Schwingungszahl des Äthers die Farbe des Lichtes. Zur Erzeugung des
dunkelsten Rot muss der Äther in der Sek. ca. 360 Billionen mal, des
äussersten Violett ca. 960 Billionen mal schwingen. Je grösser die
Schwingungszahl, desto mehr verschiebt sich die Farbe im Spektrum vom
Rot nach Orange, Gelb, Grün und Violett.
Schwingungszahl
Die Ausbreitung der von den tönenden Körpern erregten Schallwellen
geschieht in einer gewissen Zeit. In freier Luft legen die
Schallwellen einen Weg von 333 m. in der Sek. zurück, so dass ein
Donner, der 20 Sek. nach der Blitzerscheinung gehört wird, in 6660 m.
Entfernung entstand. In Wasser ist die Schallgeschwindigkeit 1437 m.
Noch grösser ist sie in festen Körpern, so z. B. in Glas 5000 m. in
Kupfer 3700 m. etc.
Die Geschwindigkeit, mit der sich die Wasserwellen ausbreiten, hängt
ab von der Grösse der Welle, indem sich nämlich grössere Wellen
schneller ausbreiten wie kleinere. So ist z. B. für
eine Welle von 1,7 cm. Länge die Fortpflanzungsgeschwindigkeit 0,23 m.
„ „ „ 5 m. „ „ „ „ „ 2 m.
„ „ „ 60-120 m. „ „ „ „ „ 11-15 m.
„ „ „ 830 m. „ „ „ „ „ 38 m.
Die Ausbreitung der von einem Licht erzeugten Ätherwellen nach
unserem Auge geht nicht momentan, sondern in einer gewissen Zeit vor
sich. Olaf Römer bestimmte aus astronomischen Beobachtungen 1675 die
Geschwindigkeit des Lichtes zu 300000 km. in der Sek. Mit dieser
grossen Geschwindigkeit könnte z. B. ein Lichtstrahl in der Sekunde
7mal die Erde umlaufen.
Fortpflanzungsgeschwindigkeit
Wasserwellen. Schallwellen. Lichtwellen.
(Erklärung zu Abb. 3.)
Graphische Darstellung der wichtigsten Wellenbewegungen und ihrer
Kennzeichen. Am bekanntesten sind die Wasserwellen, die entweder
dadurch entstehen, daß an einer Stelle die Wasseroberfläche in
Schwingungen versetzt wird (z. B. durch einen hineingeworfenen Stein)
oder dadurch, daß ein größerer Teil der Oberfläche gleichzeitig bewegt
wird (z. B. durch einen Windstoß). Die einmal erregten Schwingungen des
Wassers pflanzen sich fort, und so entstehen die aus Berg (Anschwellung
des Wasserspiegels) und Tal (Senkung des Wasserspiegels) gebildeten
Wellen. -- Daß sich der Schall in der Luft ebenso ausbreitet wie die
Wellen im Wasser, wurde schon im Altertum erkannt. Die Schwingungen
(Stöße) des tönenden Körpers übertragen sich auf die Luft und erzeugen
eine aus Verdichtung und Verdünnung bestehende Welle, die sich nach
allen Seiten in der Luft fortpflanzt. Treffen die Schallwellen das Ohr,
so nehmen wir sie als Ton oder Geräusch wahr. -- Gegenüber der alten
Ansicht, daß von den leuchtenden Körpern kleine Teilchen ausströmen,
die Lichterscheinungen im Auge hervorrufen, haben Hooke 1665, Huygens
1690 und Young 1802 das Licht als eine Wellenbewegung des sogenannten
Äthers erkannt. Durch einen leuchtenden Körper wird der Äther auf hier
nicht zu erörternde Weise in Schwingungen versetzt, die sich als eine
aus Berg und Tal bestehende Welle nach allen Seiten fortpflanzen.
Trifft eine solche Ätherwelle das Auge, so empfinden wir Licht.
6.
Der Mann, der Maxwells Gedankengänge durch genial erdachte Versuche
als richtig erwies, war ein Deutscher, der Bonner Physiker +Heinrich
Hertz+. Vier Jahre lang, von 1887 bis 1890, beschäftigte ihn die
große Aufgabe. Er ging dabei von Untersuchungen aus, die der Däne
+Feddersen+ um 1860 über die Natur des elektrischen Funkens angestellt
hatte. Mit dem Ergebnis, daß der elektrische Funken, wie ihn etwa eine
Elektrisiermaschine, die Leidener Flasche, ein Funkeninduktor liefert
und den in der Natur als gewaltigstes Beispiel der Blitz verkörpert,
nicht -- wie man gewöhnlich annimmt -- eine einfache Entladung etwa in
der Richtung von der Wolke zur Erde oder vom Knopf der Leidener Flasche
zur äußeren Belegung ist, daß vielmehr jede derartige Funkenentladung
sich aus einer ganzen Anzahl Einzelentladungen zusammensetzt, bei deren
erster der Funken in der einen Richtung springt, um bei der zweiten den
entgegengesetzten Weg zu machen, bei der dritten aber wieder die erste
Richtung zu nehmen usf. Die einzelnen Entladungen folgen dabei in so
winzigen Zeiträumen aufeinander, daß wir sie mit dem bloßen Auge nicht
getrennt wahrnehmen können. In einem sich schnell drehenden Spiegel
aber kann man den Funken zu einem langen Band auseinanderziehen, und
an diesem Spiegelbild läßt die skizzierte Erscheinung sich deutlich
erkennen. Sie besagt nichts anderes, als daß der Spannungsausgleich,
den die Funkenentladung darstellt, sich in Form ungeheuer rasch
erfolgender Schwingungen vollzieht. Und Hertz vermutete, die Wirkung
jeder einzelnen Entladung auf den Äther sei ganz ähnlich der eines
Schlages auf eine ruhige Wasserfläche: Wie dadurch sich nach allen
Seiten ausbreitende Wasserwellen entstehen, würden durch die
elektrische Entladung Wellen im Äther -- elektrische Wellen -- erzeugt,
die -- nahm er an -- vom Entstehungspunkt nach allen Richtungen in den
Raum hinausfluten.
War diese Ansicht richtig, so mußten diese Wellen sich in der Umgebung
der Funkenstrecke nachweisen lassen. Dazu benutzte Hertz die in Abb. 4
skizzierte Versuchsanordnung, die klassische Berühmtheit erlangt hat.
Der Funkeninduktor links entlädt sich über die Funkenstrecke. Sucht
man den Raum um die Funkenstrecke herum mit einem Drahtbügel ab, der
eine auf ganz geringen Abstand (Millimeterbruchteile) einstellbare
Funkenstrecke besitzt und Resonator heißt, so findet man, daß unter
gewissen Bedingungen, die besonders die Größe, die Entfernung und die
Stellung des Resonators betreffen, an dessen Funkenstrecke ebenfalls
Funkenentladungen eintreten, die im gleichen Rhythmus mit denen des
Induktors erfolgen.
[Illustration: Abb. 4. Vereinfachte Darstellung des Versuchs, der Hertz
zur Entdeckung der elektrischen Wellen führte. Von der aus dem links
sichtbaren Funkeninduktor gespeisten Funkenstrecke strahlen elektrische
Wellen aus, die durch den hinter der Funkenstrecke angeordneten,
parabolspiegelartig gekrümmten Blechschirm -- genau wie Lichtstrahlen
durch einen Parabolspiegel -- einem zweiten, gleichen Schirm
zugestrahlt und hier reflektiert werden. Bringt man in die Bahn dieser
Wellen einen Resonator, d. h. einen an einer Stelle unterbrochenen
Drahtbügel, so verrät sich das Dasein der Wellen dadurch, daß an der
Unterbrechungsstelle winzige Funken überspringen.]
Damit war bewiesen,
1. daß die in Form eines Schwingungsvorganges sich vollziehende
Funkenentladung elektrische Wellen erzeugt (die sich in der in Abb. 5
ersichtlichen Weise durch den Raum fortpflanzen);
2. daß diese Wellen durch geeignete Apparate nachgewiesen, d. h.
durch ihre Wirkung wahrnehmbar gemacht werden können.
Diese beiden Sätze enthalten die physikalischen Grundlagen der
Wellentelegraphie, die unsere Botschaften quer durch den Raum von einem
Orte zum andern schickt.
7.
Um die Zeit, da Hertz seine Versuche mit einem vollen Erfolg abschloß,
war man bereits an mehreren Orten dabei, die Möglichkeit einer
Telegraphie ohne Draht zu studieren, allerdings nicht mit elektrischen
Wellen, die man ja nicht kannte, sondern hauptsächlich auf dem Wege
der Fortleitung elektrischer Ströme durch die Erde oder das Wasser.
Den Anstoß zu diesen Versuchen hatte die große Kostspieligkeit der
Drahtleitungen und vor allem der Kabel sowie die lange Bauzeit jeder
Leitungsverbindung gegeben. Besonders +Preece+, der damalige Leiter
des englischen Telegraphenwesens, nahm sich der Sache gründlich an,
hatte er doch beständig mit der Reparatur der Kabel zu tun, die damals
die der englischen Küste vorgelagerten bewohnten Inseln und die auf
Klippen errichteten Leuchttürme mit dem Festland verbanden, denn alle
paar Monate war so ein Kabel durchgescheuert und damit stumm. Aber die
Bemühungen, auf diesem Wege den Draht zu beseitigen, waren erfolglos.
Über 5 bis 6 Kilometer Reichweite kam man selbst im günstigsten Falle
nicht hinaus. Und dazu gehörten so kostspielige Anlagen, daß die
Leitung immer noch billiger war.
Man sollte glauben, die Hertzsche Entdeckung hätte auf diesem
vorbereiteten Boden wie eine Bombe einschlagen müssen. Nichts
dergleichen! Ein Ingenieur Huber aus München scheint der erste
gewesen zu sein, der die Bedeutung der Sache ahnte, denn er schrieb
um 1889 einen Brief an Hertz mit der Frage, ob sich auf seine
Entdeckung nicht eine leitungslose Telegraphie aufbauen ließe. Hertz
antwortete verneinend -- und er hatte recht. Die Wellen, die er mit
seinen Laboratoriumsapparaten erzeugen konnte, waren sehr schwach
und pflanzten sich daher nur auf geringe Entfernungen fort. Und die
Empfangseinrichtung, der Resonator, war so wenig empfindlich, daß sich
auch damit +praktisch+ nichts anfangen ließ.
So blieb die große Entdeckung, wie so viele andere, vorerst ungenützt.
Bis einige kleine Ergänzungen hinzukamen, die die größten technischen
Mängel beseitigten. Das war zunächst ein sehr empfindlicher
Empfangsapparat, der sog. +Fritter+, erfunden von +Branly+ im Jahr
1890, der den Resonator ersetzte. Des weiteren ein verbesserter Sender,
bestehend aus einer von Righi (1893) erfundenen Funkenstrecke, die sehr
kräftige Funken, d. h. intensive Schwingungen und damit weitreichende
Wellen liefert. Schließlich die Einführung der Antenne (durch
Popoff 1895), in der einfachsten Form ein langer, hoch in die Luft
hinaufgereckter, mit dem Sender, bzw. dem Empfänger verbundener Draht,
der die Ausstrahlung, bzw. die Aufnahme der Wellen begünstigt.
[Illustration: Abb. 5. Schematische Darstellung der Fortpflanzung
elektrischer Wellen von einem Luftschiffsender ~Z~ und einer
Landstation mit Schirmantenne ~W~ aus. Man beachte daß den Turm ~T~
senkrecht unter dem Luftschiff keine Wellen treffen. Die inneren der
von jedem Sender ausstrahlenden Kraftlinienwirbel, die in Wirklichkeit
unsichtbar sind, sind hier im Durchschnitt so gezeichnet, wie wenn
sie einen Augenblick greifbare Gestalt angenommen hätten. Nach einem
Entwurf von M. Dieckmann.]
Das Merkwürdige ist, daß keine dieser Vervollkommnungen im Hinblick auf
eine Wellentelegraphie ersonnen wurde. Righi und Branly studierten den
elektrischen Funken und bauten ihre Apparate für diesen Zweck. Popoff
untersuchte das Wesen der Gewitterelektrizität und benützte seine
Antenne, die nichts als ein vergrößerter Blitzableiter war, um die
atmosphärische Elektrizität seinen Apparaten zuzuleiten.
Nichtsdestoweniger war mit diesen drei Erfindungen und der Hertzschen
Entdeckung alles beieinander, was man zur Telegraphie mit elektrischen
Wellen brauchte. Wer das als erster erkannte, brauchte nur zuzugreifen,
und eine große Erfindung fiel ihm in den Schoß.
Der Glückspilz, der die reife Frucht brach, hieß Guilelmo +Marconi+,
damals ein junger Student, als Schüler Righis mit dessen Untersuchungen
über elektrische Wellen und natürlich auch mit den Hertzschen
Forschungen vertraut und als Sohn eines italienischen Senators
vermögend genug, in seinen Mußestunden daheim entsprechende Versuche
anzustellen. Dabei kam er eines Tages -- im Jahre 1896 war es -- auf
den Gedanken, daß man ja nur die Funken im Rhythmus der Morsezeichen
-- jener aus Punkten und Strichen, d. h. kürzeren und längeren
Stromstößen, zusammengesetzten Buchstabenschrift der Drahttelegraphie
(vgl. Abb. 6), zu erzeugen und den Empfänger so einzurichten brauche,
daß die dort im gleichen Rhythmus entstehenden Fünkchen einen
Morseapparat -- der diese Zeichen als Striche und Punkte auf einem
sich abrollenden Papierstreifen niederschreibt -- betätigen, um sofort
in der üblichen Weise telegraphieren zu können, nur mit dem Äther als
Brücke oder Leitung.
[Illustration:
.− a .... h −. n − l
−... b .. i −−− o ..− u
−.−. c .−−− j .−−. p ...− v
−.. d −.− k −−.− q .−− w
. e .−.. l .−. r −..− x
..−. f −− m ... s −.−− y
−−. g −−.. z
Abb. 6. Morsezeichen.]
Aus dieser Idee entstand nach kurzem Pröbeln die erste Station zur
Wellentelegraphie, deren Einrichtung Abb. 7 in einfachster Form
verdeutlicht. In der Sendestelle links steht der aus einer Batterie
gespeiste Funkeninduktor mit der Funkenstrecke ~K~, der durch die
Morsetaste betätigt wird. Beim Drücken der Taste springt in der
Funkenstrecke ein Funkenstrom über. Die dadurch hervorgerufenen
elektrischen Wellen werden durch die Antenne ~A~ ausgestrahlt.
Sich mit Lichtgeschwindigkeit nach allen Richtungen des Raumes
ausbreitend, treffen sie auch auf die Empfangsantenne ~B~, in der
sie -- zurückverwandelt -- elektrische Schwingungen erzeugen. Diese
Schwingungen wandern durch den Fritter, ein Glasröhrchen, in dem sich
in geringem Abstand zwei Metallkölbchen gegenüberstehen, verbunden
durch locker geschichtetes Metallpulver. Dieser Apparat bildet einen
Bestandteil des von der Empfangsbatterie gespeisten Stromkreises,
der den Morseschreiber ~M~ enthält. Solange keine Wellen die Antenne
treffen, ist dieser Stromkreis im Fritter unterbrochen, weil der
Batteriestrom das lockere Metallpulver seines hohen Widerstands wegen
nicht passieren kann. Der Morseapparat spricht also nicht an. Sobald
aber die von der Antenne aufgenommenen Wellen den Fritter durchpulsen,
ändert sich die Sache. Jede Welle ruft zwischen den Metallstäubchen
-- genau wie im Hertzschen Resonator -- winzige Fünkchen hervor,
die die Teilchen leicht miteinander verschweißen. Daher bildet der
Fritter jetzt eine leitende Brücke, und der Strom der Empfangsbatterie
kann durch den Morseschreiber fließen, der also anspricht und sein
Farbrädchen gegen den abrollenden Papierstreifen preßt, um sein
Zeichen -- einen farbigen Strich -- zu schreiben. Die Brücke bleibt
aber nur so lange bestehen, als die Antenne von elektrischen Wellen
getroffen wird. Sobald die Sendestation keine Funken mehr springen
läßt, zerbricht die Brücke im Fritter, der Empfänger wird stromlos,
und das Zeichen reißt ab. Daß man auf diese Weise durch kürzeres
oder längeres Tastendrücken auf der Sendestelle im Empfänger kürzere
oder längere Striche auf dem Streifen erhält, ist ohne weiteres
verständlich. Diese Elemente bilden -- entsprechend zusammengesetzt --
die schon erwähnten Morsezeichen, mit denen sich, genau wie mit den
Buchstaben unserer Schrift, alles, was wir einem andern zu sagen haben,
mühelos ausdrücken und wiedergeben läßt.
[Illustration: Abb. 7. Vereinfachte Darstellung des ersten Versuchs
zur Wellentelegraphie durch Marconi. Der Funkeninduktor entlädt sich
über die Funkenstrecke ~K~, und zwar im Rhythmus der mit der Taste
~T~ gegebenen Morsezeichen (vergl. Abb. 6). Die überspringenden
Funken erregen in der Antenne ~A~ Schwingungen, die sich loslösen
und sich nach allen Seiten ausbreiten. Dabei treffen sie auf die
Antenne ~B~, in der sie sich wieder in elektrische Schwingungen
verwandeln. Sie rufen dabei im Fritter winzige Fünkchen hervor, die
den Fritterstaub aneinander schweißen und dadurch den Stromkreis der
den Morseapparat ~M~ speisenden Batterie schließen. Der Morseapparat
spricht infolgedessen an und schreibt einen Punkt oder Strich, je
nachdem man die Taste ~T~ längere oder kürzere Zeit drückt. Arbeitet
der Funkeninduktor nicht, so entstehen auch keine Fünkchen im Fritter,
und der Morseapparat schreibt nicht. In der Zeichnung sind alle
Nebenapparate weggelassen; die Größe einzelner Teile ist im Interesse
der Deutlichkeit übertrieben.]
8.
Die Erfindung war da. Nun hieß es, sie in die Praxis einzuführen. Auch
dabei war dem jungen Erfinder das Schicksal hold. Er hatte von den
Versuchen Preeces gehört (siehe Seite 18), erkannte, welche Bedeutung
das neue Verfahren für diesen Mann haben müsse, und schrieb ihm kurz
entschlossen. Begeistert von dieser Möglichkeit zur Verwirklichung
seiner Pläne, erbot sich Preece sogleich, Marconi kräftig zu
unterstützen. So ging der Erfinder nach England, und hier fanden im
Mai 1897 zwischen der Küste von Wales und der ihr vorgelagerten Insel
Flatholm die denkwürdigen Versuche statt, deren Ergebnis Marconis Namen
bald darauf durch alle Länder trug.
+Slaby+, einer der deutschen Pioniere der Wellentelegraphie, hat uns
die Erinnerung daran in seinen „Entdeckungsfahrten“ aufbewahrt. „Auf
der etwa 20 ~m~ hohen Klippe von Lavernock Point,“ erzählt er, „eine
Stunde von dem freundlichen Badeort Penarth entfernt, war ein 30 ~m~
hoher Mast errichtet. Von dessen Spitze führte der als Antenne dienende
Kupferdraht zu einem Pol des Empfängers. Der andere Pol war durch ein
langes Drahtseil, die Klippe hinunter, mit dem Meer verbunden. Mitten
im Kanal, 5 ~km~ entfernt von Lavernock Point, liegt das kleine Eiland
Flatholm, auf seinen hohen Klippen mit Kanonen gespickt, zugleich
der Standort eines Leuchtturms. Dort war der Sendeort. In einem
Bretterhäuschen stand der Strahlapparat (= Funkenstrecke) mit einem
verhältnismäßig kleinen Induktor, von einem achtzelligen Akkumulator
gespeist.“ Die Funkenstrecke war einerseits mit einem 30 ~m~ hohen
Luftdraht, andererseits mit dem Meere verbunden. „Am ersten Versuchstag
wurden zwei mehrere Kilometer lange Drähte auf beiden Seiten über
die Klippe gelegt, um nach dem älteren Verfahren von Mr. Preece eine
Verbindung mit Fernsprechern herzustellen, was nach kurzer Zeit gelang.
Am zweiten Tage sollte nach Marconis Verfahren telegraphiert werden.
Zunächst gelang es überhaupt nicht, Zeichen zu erhalten. Man schrieb
die Schuld den eisernen Drahtseilen zu, die den Mast hielten und den
Empfangsdraht wie einen Käfig umgaben. Als man den Empfangsdraht am
andern Tage um etwa 20 ~m~ verlängerte, um den Empfänger seitlich vom
Mast entfernt aufzustellen, kamen die ersten, aber noch undeutlichen
Zeichen. Der volle Erfolg war aber erst am nächsten Tage vorhanden,
nachdem man mit dem Empfangsapparat hinunter an den Strand gezogen
war und damit die wirksame Länge des Drahtes fast verdoppelt hatte.
Es wird mir eine unvergeßliche Erinnerung bleiben, wie wir -- des
starken Windes wegen in einer großen Holzkiste zu fünfen übereinander
gekauert, Augen und Ohren mit gespanntester Aufmerksamkeit auf den
Empfangsapparat gerichtet -- plötzlich nach Aufhissung des verabredeten
Flaggenzeichens das erste Ticken, die ersten deutlichen Morsezeichen
vernahmen, lautlos und unsichtbar herübergetragen von jener felsigen,
nur in undeutlichen Umrissen wahrnehmbaren Küste, herübergetragen durch
jenes unbekannte geheimnisvolle Mittel, den Äther, der die einzige
Brücke bildet zu den Planeten des Alls.“
9.
Für Marconi brachen bald nachher goldene Zeiten an. Einige
wohlgelungene Versuche, auf dem neuen Wege mit Schiffen auf hoher
See zu verkehren, genügten den praktischen Engländern, den Wert der
Wellentelegraphie vor allem für ihre Schiffahrt zu erkennen, und rasch
war das Geld zur Gründung einer Marconi-Gesellschaft beisammen, die des
Erfinders Patente kaufte, den weiteren Ausbau der Sache finanzierte
und die Erstellung von Land- und Schiffsstationen in Angriff nahm.
Auch in Deutschland war man nicht müßig geblieben. Slabys Bericht
hatte die Aufmerksamkeit der Militärbehörden und des Kaisers geweckt,
der Slaby die Mittel zu eigenen Versuchen zur Verfügung stellen ließ.
Slaby ging dabei vor allem auf gründliche Erforschung der ganzen
Vorgänge aus, um auf diese Weise die günstigen Betriebsbedingungen
zu ermitteln. Was von seinen Ergebnissen bekannt wurde, zeigte bald,
daß die deutsche Gründlichkeit wieder einmal auf dem Wege war, der
deutschen Technik einen Sieg zu sichern. Und als sich schließlich die
Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft entschloß, die Patente, die Slaby
inzwischen auf seine Marconis primitive Einrichtung weit übertreffende
Apparatur genommen hatte, zu erwerben, um gleichfalls den Bau von
Schiffsstationen aufzunehmen, wußte die Marconi-Gesellschaft zur
Verteidigung ihres bis dahin unbestrittenen Monopols nichts Klügeres
zu tun, als allen von ihr gebauten Stationen vertraglich zu verbieten
mit Stationen anderer Systeme in Verkehr zu treten. Da damals schon
viele Schiffs- und eine Anzahl Küstenstationen nach Marconis System
bestanden, war das ein schwerer Schlag für die ~AEG~. Denn was sollte
ein Schiff mit einer deutschen Station beginnen, wenn von den drahtlos
erreichbaren fremden Schiffen 99% ihm nicht antworteten, weil sie
Marconistationen hatten. Ebensogut konnte es ohne Funkstelle fahren,
denn die Verkehrsmöglichkeit war auf die wenigen Schiffe, die damals
deutsche Stationen hatten, beschränkt.
Wie streng die Engländer dieses Verkehrsverbot durchführten, zeigt
eine kleine Episode aus jener Zeit, die sich an die Person Wilhelms
II. knüpft. Im Jahre 1905 unternahm der Kaiser an Bord des Dampfers
„Hamburg“ eine Mittelmeerfahrt. Auf seinen besonderen Wunsch war das
Schiff durch die ~AEG~ mit einer Funkstelle ausgerüstet worden. Als die
„Hamburg“ durch die Nordsee fuhr, wollte der Kaiser einige Telegramme
u. a. an die Kaiserin aufgeben, und zwar durch Vermittlung der von
der Marconi-Gesellschaft gebauten Küstenfunkstelle Borkum, damals der
einzigen deutschen Landstation. Aber Borkum weigerte sich auf Grund des
im Bauvertrag enthaltenen Verkehrsverbots, die Telegramme aufzunehmen.
Sie konnten nicht abgeschickt werden, und die Funkstation der „Hamburg“
trat während der ganzen Reise nicht in Tätigkeit.
10.
Auf die Dauer waren diese Praktiken indessen nicht durchführbar,
denn die Überlegenheit der deutschen Apparate machte sich allmählich
geltend, und schließlich war die Marconi-Gesellschaft gezwungen, mit
der ~AEG~ Frieden zu schließen, wenn sie nicht technisch zu weit
zurückbleiben wollte. Dieser erste Sieg des deutschen Systems war vor
allem das Werk von vier Männern, die unablässig am Ausbau der jungen
Radiotechnik tätig waren, und zwar zum Teil unabhängig voneinander, nur
dem gleichen Ziel ergeben. Das war zunächst Prof. A. Slaby mit seinem
damaligen Assistenten, dem späteren Erbauer der Großstation Nauen,
dem Grafen von Arco, dann Prof. F. Braun in Straßburg und schließlich
der Würzburger Physiker Prof. Max Wien. Die beiden Hauptaufgaben, die
sich ihnen boten, hießen: Vergrößerung der Reichweite und Abstimmung
der Stationen aufeinander, damit jede Station ungestört von allen
anderen mit ihrer jeweiligen Partnerin arbeiten kann. Die Vergrößerung
der Reichweite suchte man zunächst durch Konstruktion empfindlicherer
Empfänger zu erreichen. Branlys Fritter wurde abgeschafft; an seine
Stelle trat der Detektor, ein Sammelname für eine ganze Gruppe
einander ähnlicher Apparate, die sämtlich imstande sind, die von der
Empfangsantenne aufgenommenen Wellen in elektrische Ströme umzuformen
und so den Empfänger zu betätigen. Auf der Sendeseite ging man dem
gleichen Problem dadurch zu Leibe, daß man immer stärkere Batterien
nahm, um so die ausgestrahlte Energiemenge zu erhöhen. Dabei stieß
man jedoch bald auf eine unüberschreitbare Grenze, denn je mehr man
die auf einen Sender und die damit verbundene Antenne wirkende Energie
steigert, desto höher steigt die Antennenspannung, bis schließlich an
der Antenne sog. Glimmentladungen, im Dunkeln sprühenden Lichtbüscheln
gleichend, auftreten, in denen die zugeführte Energie nutzlos
verpufft. Ob dieser Zustand in einem gegebenen Sendesystem früher
oder später auftritt, hängt von der Größe der Antenne ab; je größer
sie ist, desto größere Energiemengen kann sie aufnehmen und wirksam
ausstrahlen. Die Aufnahmefähigkeit oder Kapazität des ursprünglich
als Antenne benützten, senkrecht ausgespannten Drahtes kann man nur
dadurch steigern, daß man ihn länger macht. Da dieses Mittel aber
aus praktischen Gründen nicht weit reicht, ging man bald dazu über,
an Stelle des Einzeldrahtes mehrere zu verwenden, die man in Form
einer Leier, eines Schirmes, in Kegelform usw. ausspannte. Aus diesen
immer noch einfachen Antennen sind die sich über Kilometerlängen
erstreckenden, auf hohen Stahltürmen ruhenden Antennennetze der
modernen Großstationen entstanden, für die Abb. 8 ein anschauliches
Beispiel gibt. Diese Drahtsysteme, deren Richtung im Raum in gewissem
Sinne die Richtung der ausgestrahlten Wellen bestimmt, sind imstande,
ganz gewaltige Energiemengen aufzunehmen, die nicht mehr von Batterien,
sondern von großen Dynamos geliefert werden. In Nauen z. B. beträgt die
Antennenleistung, d. h. die von der Antenne ausgestrahlte Energie, bei
der ~B~-Antenne 150, bei der ~A~-Antenne 400 Kilowatt. Eine gewöhnliche
50kerzige Metallfadenlampe verbraucht, rund gerechnet, 50 Watt, so daß
1 Kilowatt (= 1000 Watt) für 20 Lampen genügt. 400 Kilowatt können
demnach eine kleine Stadt erhellen.
[Illustration: Abb. 8. Das Antennensystem der Großstation Nauen. Das
als ~A~-Antenne bezeichnete Doppelnetz ist für den Überseeverkehr
bestimmt, die ~B~-Antenne dient zur Abwicklung des Europaverkehrs. Man
beachte das Größenverhältnis zwischen den Antennensystemen und den
Stationsgebäuden.]
11.
Die Rolle, die die Antenne bei der Ausstrahlung der Wellen spielt,
ist uns bisher ziemlich passiv erschienen. In Wirklichkeit steht die
Sache indessen durchaus nicht so, denn wir haben bis jetzt einen
wichtigen Punkt vernachlässigt: die Tatsache, daß die mechanischen
und elektrischen Eigenschaften des Luftleiters die in ihm entstehende
Wellenlänge bedingen. Auf Einzelheiten brauchen wir auch hier nicht
einzugehen. Es genügt, wenn wir uns merken, daß die Wellenlänge, die
ein gegebener Luftleiter ausstrahlt, unter normalen Umständen gleich
seiner vierfachen Eigenlänge (ermittelt bei zusammengesetzten Antennen
durch Addition der Länge aller Einzeldrähte) ist, so daß also z. B.
eine 300 ~m~ lange Antenne normal 1200-Meter-Wellen ausstrahlt. Durch
einfache regelbare Apparate, die man zwischen Antenne und Funkenstrecke
schaltet (Verlängerungsspule und Verkürzungskondensator), läßt sich
indessen die Länge der ausgestrahlten Welle beliebig verändern. Dadurch
erhält jede Station die Möglichkeit, innerhalb gewisser weit gespannter
Grenzen Wellen ganz verschiedener, in regelmäßiger Folge abstufbarer
Länge auszustrahlen, und natürlich -- da für die Empfangsantenne das
gleiche gilt -- auch aufzunehmen. Diese Einrichtung gestattet, die
Empfangsstation auf die mit ihr arbeitende Sendestelle „abzustimmen“
und sie gegen fremde „störende“ Wellen zu „verriegeln“; der Empfänger
spricht nämlich nur auf die Wellen an, auf die die Antenne eingestellt
ist.
Heute ist man in dieser Beziehung ziemlich weit gekommen. Daß es
vor kurzem noch anders war, so sehr, daß der ganze Verkehr dadurch
lahmgelegt werden konnte, zeigte eine von Hauptmann Meydam in der
„Telefunken-Zeitung“ erzählte Episode aus dem Kriegsbetrieb in der
Station Nauen, deren Funksprüche die Feinde immer aufzufangen strebten.
Wenn das nicht gelang, suchte man den Betrieb nach Möglichkeit
dadurch zu stören, daß man mit stärkeren Wellen dazwischenfunkte. Die
Funkstation Pola, der bekannte österreichische Kriegshafen, hatte
damals an Stelle des alten Marconischen Knall- oder Knarrfunkensenders
(so genannt wegen der knarrenden Funkenentladungen) eine neue
Sendeeinrichtung nach dem sogenannten System der tönenden Löschfunken
bekommen. Dieser Tonfunkensender sollte im Verkehr mit Nauen auf seine
Reichweite ausprobiert werden. Zur Vornahme dieser Versuche hatte die
Militärbehörde einige Feldfunker, darunter auch den Erzähler, damals
Leutnant, und einen Oberleutnant, kurzweg „Premier“ genannt, nach Nauen
geschickt. „Wir saßen alle da,“ schreibt Meydam, „wie Funker zu sitzen
pflegen: den Hörer am Ohr,[1] Bleistift in der rechten Hand, Zigarre im
Mundwinkel und die Linke am Kondensator, und erwarteten Polas Antwort
auf unseren Anruf. Pola kam auch, aber gleichzeitig kam jemand anders,
und der konnte es leider besser, nämlich der Eiffelturm.[2] Zufall,
dachten wir uns und riefen wieder. Dasselbe Bild! Nanu? Nochmal gerufen
und dazu: ‚Nehmt mehr Energie, Eiffelturm stört.‘ -- Umschalten,
horchen, Pola fängt an und dann -- rumms Eiffel ..... Nach einer Weile
hörte Eiffel auf und Pola kam wieder: ‚Eiffel stört. Nehmen jetzt
den Roller. Servus‘. Der Anfang war klar, der Schluß war klar, aber
der ‚Roller‘ stand nicht in unserer ~FT~-Vorschrift! Die kannte ich
nämlich, denn der Hauptmann legte Wert darauf. Ganz abgesehen davon,
daß ich nicht wußte: war das nun eine Aufforderung, wir sollten den
Roller nehmen, oder hieß das, sie würden ihn nehmen? Den Teufel auch:
das österreichische Dolmetscherexamen hatte keiner von uns gemacht!
„Die Aufklärung folgte in ganz kurzer Zeit: rerr, rerr, rerr, rerr,
fing das Telephon an zu rollen: Anfangszeichen -- unser Anruf --
von Pola, alles stimmte. Und ‚Natürlich‘, rief unser Premier: ‚Den
Roller hat er genommen. Die haben außer der tönenden noch ’ne
Knarrfunkenanlage.‘
„Man lernt nie aus,“ philosophierte ich, „Knarren heißt auf
österreichisch also rollen. Nu wenn schon.“
„Lange dauerte leider die ‚Rollerfreude‘ nicht, denn der Eiffelturm
hatte die Kunstpause ebenfalls gut benützt und ‚rollte‘ uns nun
seinerseits dazwischen, daß Pola nicht mehr dagegen aufkam und nach
einigen vergeblichen Verständigungsversuchen aufhörte. Wir waren am
Rande unserer Kunst, die Funker feixten, der Ingenieur goß für alle
Fälle Schnaps ein, und ich entfernte die zerbrechlichen Gegenstände
aus des Premiers Nähe. Er aber dachte nach, lächelte, lachte dann,
und sagte zu mir: ‚Sind Sie Humanist?‘ Ich beschloß, ihn nicht erst
durch Fragen nach Vernunftsgründen zu reizen, und antwortete kurz und
militärisch ‚Jawohl!‘ -- ‚Können Sie Griechisch?‘ -- Mein dicker Onkel
aus Neidenburg in Ostpreußen sagte mir als Fahnenjunker, daß Frechheit
das halbe Leben sei und daß man als Leutnant alles könne. Ich sagte
also -- blaß, aber bis zum äußersten entschlossen: ‚Griechisch? --
Jawoll!‘
„Schön,“ sagte Premier, „was heißt höher?“
„Hoch? -- Ach so, das ist ja das komische Wort, das hoch und tief
bedeutet, das ich daher noch weiß, also: Hoch heißt ~bathys~ und höher
~bathyteron~!“
„Gut, nu passen Sie Achtung. Griechisch lernen die Franzosen sicher
nicht auf der Penne, aber die Bundesbrüder können ja meist alle
Sprachen.“ Sprach’s, griff zur Taste und funkte 4-5mal hintereinander,
„Pola von Nauen. ~Lambda bathyteron 450, Lambda bathyteron 450.~“[3]
„Und war es schon komisch, daß der Premier auf diesen Ausweg kam, so
war es noch komischer, daß tatsächlich nach 4-5 Minuten Pola erst auf
dem Roller und dann tönend uns antwortete, genau um 450 Meter höher. --
Das Komischste aber -- und deswegen ist mir die Sache so unvergeßlich
-- war denn doch, daß nach weiteren 10 Minuten plötzlich der Eiffelturm
mit wilden Störzeichen dazwischen hieb, die er nach einem wahren
Höllenradau von etwa 3 Minuten in die ironische Anerkennung ‚~Vous
parlez donc le grec? Bravo, bravo, bravo!~‘ ausklingen ließ, womit er
dann zur allgemeinen Befriedigung seine höchst unnütze Tätigkeit für
diese Nacht einstellte.“
Die kleine Erzählung weist übrigens noch auf ein anderes Problem hin,
das mit dem „Stören“ eng zusammenhängt: auf die Tatsache, daß es mit
dem Telegrammgeheimnis in der Wellentelegraphie nicht weit her ist,
weil jede Station, die sich die Mühe nimmt, sich auf die Wellenlänge
eines fremden Senders einzustellen, alle Botschaften, die er gibt,
mithören kann. Früher gab es zur Beseitigung dieses Übels nur den oben
angedeuteten Weg, die Wellenlänge nach einem bestimmten Schlüssel
~fortwährend~ abzuändern (so daß der fremde Horcher über dem Versuch,
die Änderungen mitzumachen, den Faden verlor) oder die Telegramme
chiffriert (in einer Geheimsprache) zu geben. Heute ist man auf diesem
Gebiet weiter gekommen und hat die Wahrung des Telegraphengeheimnisses,
trotzdem man die Botschaft wörtlich „in alle Winde“ schreit, in
praktisch genügendem Maße erreicht. Erstens gibt es Einrichtungen,
die das Chiffrieren und das Umschreiben in die gewöhnliche Sprache am
Sende- und Empfangsort selbständig besorgen; zum andern arbeiten die
stark beschäftigten Großstationen nicht mehr mit Hand-, sondern mit
Maschinenbetrieb, mit sog. Schnelltelegraphen, bei denen die Zeichen
so rasch aufeinander folgen, daß man sie nur mit den entsprechenden
Empfangsapparaten, nicht mehr mit dem Ohr, aufnehmen kann. Dadurch
sind alle Stationen, die die richtigen Empfänger nicht besitzen, von
der Aufnahme ausgeschaltet. Schließlich kommt hinzu, daß es inzwischen
gelungen ist, das Ideal einer „gerichteten“ Wellentelegraphie, bei der
die Wellen nur nach einer bestimmten Richtung, nicht nach allen Seiten,
ausgestrahlt werden, ziemlich zu erfüllen. Darauf basiert die heutige
Form des Übersee-Funkverkehrs, bei dem Nauen z. B. zu bestimmten
Stunden mit einer ganz bestimmten Gegenstation und keiner andern
arbeitet. Die weitere Entwicklung geht, wie wir sehen werden, darauf
hinaus, die Sendestellen so einzurichten, daß sie durch das Mittel der
gerichteten Telegraphie zur gleichen Zeit nach verschiedenen Richtungen
sprechen, also mit einer ganzen Anzahl Gegenstationen arbeiten können.
12.
Eine Station, die auf eine andere abgestimmt ist, steht mit ihr in
+Resonanz+. Der Ausdruck ist aus der Akustik entlehnt, wo er das
Mitschwingen eines Körpers bezeichnet, das eintritt, wenn seine
Eigenschwingung mit der auf ihn einwirkenden Schwingung übereinstimmt
So beginnt z. B. die E-Saite eines Klaviers zu tönen, wenn man den ihr
entsprechenden Ton in das Instrument hineinsingt, während sie stumm
bleibt, wenn ein anderer Ton gesungen wird. Ist’s der richtige Ton,
so erklingt die Saite schon, wenn er nur ganz schwach ertönt, und
sie schwingt immer stärker, wenn man den schwachen Ton lange anhält,
weil jede neu eintreffende Schwingung die Wirkung der vorangegangenen
erhöht. Es ist genau so wie beim Schaukeln. Mit ganz geringer
Kraftanstrengung vermag man eine stark beschwerte Schaukel in kräftige
Schwingungen zu versetzen, wenn man die Stöße genau in demselben
Rhythmus einwirken läßt, in dem die Schaukel selber schwingt. Die
schwachen Einzelwirkungen addieren sich, und wir erhalten schließlich
einen großen Endeffekt.
Im Gegensatz zu diesem die Resonanzerscheinungen ausnützenden
„Additionsprinzip“ steht das rohe Verfahren, eine bestimmte
Klaviersaite etwa dadurch zum Schwingen zu bringen, daß man mit einem
Hammer auf den Deckel des Instruments schlägt oder eine Pistole
daneben abfeuert. Gewiß: auch dann wird die Saite schwingen, aber
erstens nicht sehr stark und zweitens im Verein mit allen andern, denn
durch einen derartigen Schlag oder Knall wird ein ganzes Gewirr von
Schallschwingungen erregt, von denen jede die ihr entsprechende Saite
beeinflußt.
[Illustration: Starke Dämpfung zwischen jeder Schwingung, daher
schnelle Abnahme der Schwingungsweite, entsprechend der Ausstrahlung
sehr verschieden langer Wellen, die keine Abstimmung ermöglichen.
Schwache Dämpfung zwischen jeder Schwingung, daher langsame Abnahme
der Schwingungsweite, entsprechend der Ausstrahlung von Wellen wenig
verschiedener Länge, die eine recht gute Abstimmung ermöglichen.
Keine Dämpfung zwischen den Schwingungen, daher keine Abnahme der
Schwingungsweite und Ausstrahlung nur einer einzigen, völlig konstanten
Welle, die schärfste Abstimmung und Additionsempfang ermöglicht.
Abb. 9. Graphische Darstellung der drei in der Wellentelegraphie
benützten Wellenarten. ~a~ stark gedämpfte Wellen (Marconi), ~b~
schwach gedämpfte Wellen (Braun und Löschfunken), ~c~ ungedämpfte
Wellen (Lampensender, Hochfrequenzmaschine, Röhrensender).]
Dieser brutalen „Stoßerregung“ entspricht in der Wellentelegraphie
das Marconisystem. Die Schwingungen, die die Funkenentladung einer
Marconistation erregt, sehen graphisch dargestellt so aus, wie es Abb.
9 ~a~ zeigt, d. h. die ihnen entsprechenden Wellen nehmen an Stärke
rasch ab und ersterben nach ganz kurzer Frist. Das Marconisystem
liefert sog. +starkgedämpfte+ Wellen, die noch dazu in sehr großen
Pausen aufeinander folgen, denn es vergeht immer eine gewisse Zeit,
ehe sich im Funkenkreis wieder so viel Elektrizität angesammelt hat,
daß eine neue Funkenentladung stattfinden, d. h. ein neuer Wellenzug
ausstrahlen kann. Mit derartigen Wellen ist ein rationeller Funkbetrieb
unmöglich, denn erstens lassen sich größere Entfernungen damit nur bei
Aufwendung unverhältnismäßig großer Energiemengen überbrücken, weil die
Wirkungen der einzelnen Wellenzüge angesichts der langen Zwischenpausen
sich nicht addieren können, und zweitens fehlt es an der Abstimmung,
weil nicht eine einzige konstante Welle, sondern ein Gewirr von Wellen
aller möglichen Schwingungsweiten ausgestrahlt wird. Der Beseitigung
dieser Mängel war die Arbeit +Slabys+ und F. +Brauns+ gewidmet,
deren System der gekoppelten Schwingungskreise gegenüber Marconi ein
ungeheurer Fortschritt war. Ihre Ergebnisse wurden von +Wien+ durch
Einführung einer neuartigen Funkenstrecke noch weiter verbessert.
So entstand durch die vereinigte Arbeit vieler dank der lebhaften
Unterstützung der deutschen Elektroindustrie das das alte Marconisystem
turmhoch überragende deutsche +„Telefunken“-System+, zu dessen
Verwertung von der ~A. E. G.~ und der Siemens & Halske-A.G. zusammen
mit den schon genannten Erfindern die „Gesellschaft für drahtlose
Telegraphie“ gegründet wurde. Die Großstation Nauen und die ganze
glänzende Entwicklung der deutschen Radiotechnik ist zum allergrößten
Teile deren Werk.
13.
Mit den Erfindungen +Slabys+, +Brauns+ und +Wiens+ war die Reihe der
Verbesserungen nämlich nur begonnen, nicht beendet. Das Ergebnis
ihrer Arbeit lief hauptsächlich darauf hinaus, daß man an Stelle der
stark gedämpften Wellen Marconis +schwach+ gedämpfte erhielt (vgl.
Abb. 9 ~b~), die einesteils die Überbrückung größerer Entfernungen,
andernteils eine verhältnismäßig scharfe Abstimmung ermöglichten,
in beiden Punkten das Ideal indessen längst nicht erreichten, das
im Additionsprinzip (s. S. 31) verkörpert ist. Nur dann, wenn eine
Addition der ankommenden Schwingungen erfolgt, ist man sicher, mit der
gegebenen Energie die größte mögliche Wirkung zu erzielen. Daß damit
von selbst eine Erstreckung der Reichweite verbunden ist, liegt auf
der Hand, denn die Addition läßt ja im Empfänger Energiemengen zur
Wirkung kommen, die einzeln ganz unbemerkt bleiben würden, weil kein
Empfangsgerät fein genug ist, darauf anzusprechen.
[Illustration: Abb. 10.]
Die Erfüllung dieser Forderungen ist nur mit +ungedämpften+ Wellen
möglich, deren Wesen Abb. 9 ~c~ verdeutlicht. Es sind Schwingungen
von stets gleichbleibender Stärke, die unablässig, -- ohne jede Pause
-- aufeinander folgen. Sie entsprechen -- um ein Beispiel aus der
Mechanik zu brauchen -- den stets gleichbleibenden Ausschlägen des
Pendels einer Uhr, bei der die den Ausschlag vermindernde Reibung
an der Luft, in den Lagern usw. durch Nachlieferung von Energie aus
der gespannten Feder sofort ausgeglichen wird, während die gedämpften
Wellen den Schwingungen eines einfachen Pendels gleichen, das -- einmal
angestoßen -- unter dem Einfluß der Reibungsverluste immer kleinere
Schwingungen macht, bis es schließlich zum Stillstand kommt. Dieser
Vergleich, in Abb. 10 bildlich wiederholt, zeigt uns, welcher Weg
einzuschlagen ist, um ungedämpfte elektrische Wellen zu erhalten. Man
darf die Schwingungen nicht durch Stoßerregung (also durch elektrische
Funken) hervorrufen, denn Funkenentladungen bedingen immer Pausen, in
denen die sich im Funken ausgleichende Elektrizität sich ansammeln
kann, sondern man braucht ein System, dessen Schwingungskreis genau wie
das Uhrwerkspendel unaufhörlich angestoßen wird, dadurch, daß eine
geeignete Stromquelle die ausgestrahlte Energie samt allen Verlusten
(durch Leitungswiderstand usw.) augenblicklich wieder ersetzt.
Der erste, der einen Weg zu diesem Ziele wies, war der irische
Physiker W. +Duddel+, der 1899 zeigte, daß ein mit Gleichstrom
gespeister elektrischer Lichtbogen, wie er in unseren Bogenlampen
brennt, in bestimmter Weise mit einer Leidener Flasche und einer
Drahtspule zusammengekoppelt, ungedämpfte Schwingungen erzeugt,
die sich durch einen vom Lichtbogen ausgehenden musikalischen Ton
verraten. Schaltet man eine Antenne an den Lichtbogenkreis, so werden
die Schwingungen in Form elektrischer Wellen ausgestrahlt, und wenn
man die Antenne mittels einer Morsetaste bald längere, bald kürzere
Zeit an den Schwingungskreis legt (an- und abschaltet), entsprechen
die ausgestrahlten Wellenzüge den so gegebenen Morsezeichen, die der
Empfänger, an dem nichts geändert zu werden braucht, auf die uns
bekannte Weise wiedergibt.
Die von Duddel geschaffene Versuchseinrichtung litt noch an
verschiedenen Mängeln, die sie für die Praxis unbrauchbar
machten. Ihre Beseitigung gelang erst mehrere Jahre später, durch
einige verhältnismäßig einfache, praktisch aber äußerst wichtige
Vervollkommnungen, die den dänischen Ingenieur Valdemar Poulsen
zum Vater hatten. Sein Lichtbogen- oder Lampensender war die erste
Einrichtung zur Telegraphie mit ungedämpften Wellen über größere
Entfernungen hinweg. Er ermöglichte zugleich -- und das war das
Hauptziel seines Erfinders -- die drahtlose Übertragung der Sprache --
+die Wellentelephonie+ -- die überhaupt nur mit ungedämpften Wellen
möglich ist.
Daß man dafür gedämpfte Wellen nicht verwenden kann, sieht man
sehr schnell ein, wenn man hört, daß die elektrischen Wellen die
Sprechschwingungen in ganz ähnlicher Weise durch den Äther tragen wie
ein Flugzeug den Flieger durch die Luft. Die Sprechschwingungen werden
dadurch, daß man in ein mit der Antenne verbundenes Mikrophon spricht,
den von der Antenne ausgestrahlten elektrischen Wellen aufgeprägt,
die sie zum Empfänger weitertragen. Bei gedämpften Schwingungen ist
das nicht möglich, denn die Schwingung erstirbt ja nach ganz kurzer
Zeit. Es wäre, wenn wir unseren Fliegervergleich durchführen wollen,
genau so, als wenn wir den Flug auf einem Flugzeug antreten würden,
das sich --nachdem es seinen Passagier eine kurze Strecke befördert
hat -- plötzlich in nichts auflöst, so daß der Reisende -- heil soll
er bleiben -- herunterfällt und nicht weiter kann. Das Aufprägen oder
„Überlagern“ der Sprechlaute müssen wir uns ähnlich vorstellen, wie
die Prägung einer Wachsschicht durch einen Stempeldruck. Der Stempel
ist das Mikrophon, das wir ja von unsern Fernsprechern her kennen. In
ihm wird jedes hineingesprochene Wort in elektrische Wechselströme
umgesetzt, die auch nichts anderes als elektrische Schwingungen
sind. Diese Mikrophonströme verändern die die Antenne durchpulsenden
Schwingungen in ganz bestimmter Weise und rufen dadurch im Empfänger
gleichartige Schwingungen hervor, die der dort eingeschaltete Fernhörer
wieder als Töne -- als gesprochene Worte -- reproduziert. Schon
während der Kriegsjahre ist es sowohl in Amerika wie in Deutschland
gelungen, drahtlose Ferngespräche über 4000-5000 ~km~ Entfernung zu
führen, ja, in einem Falle wurde ein zwischen der Großstation Arlington
(bei Washington) und Mare Island bei San Franzisko (Entfernung etwa
4500 ~km~) geführtes Gespräch sogar auf der 8800 ~km~ von Arlington
entfernten Station Pearl Harbor (Hawai) vernommen. Hinsichtlich der
Reichweite steht also die Wellentelephonie ihrer Schwester gar nicht
sehr nach, wohl aber bezüglich der Betriebssicherheit, wo sie ihr noch
nicht ebenbürtig ist. Wellensprechstationen dürfen nämlich nicht scharf
abgestimmt sein, so daß sie vielfach Störungen durch fremde Wellen
ausgesetzt sind. Erschwerend wirkt außerdem, daß man zur Einleitung
des Sprechverkehrs die Empfangsstation stets erst mit Hilfe eines
besonderen Senders telegraphisch anrufen muß. Ob angesichts dieser
Verhältnisse die Wellentelephonie jemals die Verbreitung und die
praktische Bedeutung erlangen wird, die die Wellentelegraphie heute
schon besitzt, kann erst die Zukunft lehren.
[Illustration: Abb. 11. Graphische Darstellung eines Wechselstroms, wie
ihn die Wechselstromgeneratoren unserer Elektrizitätswerke liefern.]
14.
Ein zweiter Weg zur Erzeugung ungedämpfter Schwingungen war schon
1889, also knapp nachdem Hertz seine grundlegenden Untersuchungen
beendet hatte, von Nicolaus +Tesla+, dem durch das Teslalicht bekannten
amerikanischen Erfinder, angegeben worden, allerdings nicht im Hinblick
auf die Wellentelegraphie, sondern aus anderen Gründen. Jeder weiß, daß
die Elektrotechnik mit zwei grundverschiedenen Stromarten arbeitet; dem
Gleichstrom, so genannt, weil er die Leitung in immer gleicher Stärke
und Richtung durchfließt, und dem Wechselstrom, der sowohl Richtung
wie Stärke fortwährend ändert. Beim gewöhnlichen Wechselstrom, der die
Mehrzahl unserer Kraft- und Lichtnetze speist, geschieht das rund 50mal
in der Sekunde, und wenn wir diesen Vorgang graphisch darstellen (vgl.
Abb. 11), erhalten wir das uns vertraute Bild der ungedämpften Wellen,
das uns verrät, daß auch der Wechselstrom ein Schwingungsvorgang
ist, dem verwandt, der sich im Schwingungskreis eines Lampensenders
abspielt. Auch die Fernwirkung fehlt nicht, denn jeder von einem
solchen Wechselstrom durchpulste Leiter ruft in allen Nachbarleitern
gleichartige Ströme hervor, nur daß sich diese Wirkung -- Induktion
nennt man sie -- meistens auf sehr geringe Entfernungen erstreckt. Der
Grund dafür -- und darin liegt zugleich der einzige Unterschied --
ist die bedeutend geringere Frequenz (s. S. 13): 50 Schwingungen in
der Sekunde beim gewöhnlichen Wechselstrom gegenüber etwa 50000 beim
Lampensender.
Die naheliegende Folgerung aus dieser Feststellung ist die Frage,
ob man die Frequenz eines Maschinenwechselstroms nicht gleichfalls
auf ähnliche Werte steigern kann. Dann brauchte man an eine solche
Maschine ja nur eine Antenne anzuschließen und könnte nach Herzenslust
drahtlos telegraphieren und telephonieren. Daß diese Steigerung
tatsächlich möglich ist, hat als erster +Tesla+ bewiesen, wenn er es
mit seiner Hochfrequenzmaschine -- so heißt die ganze Maschinengattung
-- auch nur auf 5100 sekundliche Schwingungen brachte. Die zahlreichen
Nachfolger, die er fand, kamen schnell weiter, und schon 1908 war
in Amerika eine Maschine in Betrieb, deren Frequenz nicht weniger
als 100000 betrug. Bald erkannte man aber, daß diese Maschinen im
Betriebe nicht sicher sind. Sie arbeiten mit einer ganz wahnsinnigen
Umdrehungsgeschwindigkeit und sind im Aufbau viel zu kompliziert, so
daß sie ständigen Störungen unterliegen. Wie das zu vermeiden sei,
zeigten wiederum zwei deutsche Forscher: Prof. Goldschmidt in Essen
(Ruhr) und Graf v. Arco von „Telefunken“, die unabhängig voneinander
auf verschiedenen Wegen zum gleichen Ziele kamen. Beide erzeugen
in der Maschine selbst nur eine gewisse, verhältnismäßig niedrige
Anfangsfrequenz, die bei v. Arco z. B. 6000 beträgt, und steigern sie
dann durch sog. Frequenzwandler -- Goldschmidt in der Maschine, v. Arco
außerhalb --, die die vorhergehenden Stufen immer wieder verdoppeln,
verdreifachen usw., bis auf die erforderliche Schwingungszahl. Mit
Hochfrequenzmaschinen Goldschmidtscher Bauart arbeitet u. a. unsere
Großstation Eilvese (bei Hannover), während Nauen v. Arco-Maschinen
hat. Erst die Hochfrequenzmaschinen haben den Bau wirklicher
Großstationen ermöglicht. Ihnen sind also die modernen Reichweiten (bis
zum halben Erdumfang) zu danken.
15.
Trotzdem wäre der Siegeszug der ungedämpften Wellen, die im Begriff
sind, die gedämpften ganz zu verdrängen, nie so unaufhaltsam gewesen,
wenn es nicht gelungen wäre, ihre Vorzüge durch ein äußerst billiges
und einfaches Sendegerät auch für die allerkleinsten Sendestellen
-- für die schon der Kosten und der erforderlichen Bedienung wegen
weder Lampen- noch Maschinensender in Frage kommen -- nutzbar zu
machen. Auch diesen Fortschritt verdanken wir einem Deutschen, dem
Oberingenieur +Alex. Meißner+ der Telefunkengesellschaft, der als
erster erkannte, daß ein bis dahin nur als Empfänger (Detektor)
und Verstärker elektrischer Schwingungen benutztes Hilfsgerät,
die sog. Elektronenröhre, sich ganz hervorragend zur Erzeugung
ungedämpfter Schwingungen eignet. Aus dieser Erfahrung entstanden
die +Röhrensender+, die zusammen mit den +Röhrenempfängern+ und den
+Röhrenverstärkern+ während des Krieges in größtem Maßstab in Heer
und Marine verwendet worden sind, während sie heute die Ausrüstung
der kleineren Sende- und Empfangsstellen bilden, die nach dem Plane
des Reichsfunknetzes über das ganze Reich verteilt werden sollen. Mit
ihrer Hilfe hat man bereits tragbare Empfangsstationen gebaut, die in
einem Koffer verstaut werden können. Zur Aufnahme der Wellen verwenden
sie nach Abb. 12 die sog. Rahmenantenne, eine gleichfalls während des
Krieges von +Braun+ eingeführte Antennenform, die sich zwar nicht zum
Senden eignet (weil sie nur geringe Strahlungsfähigkeit besitzt), dafür
aber zahlreiche, gerade für Empfangszwecke äußerst wichtige Vorzüge
hat, darunter als wertvollsten wohl den, daß sie nur jene Schwingungen
gut aufnimmt, die aus der durch die Rahmenebene bestimmten Richtung
kommen, während sie aus der senkrecht zur Rahmenfläche liegenden
Richtung („Nullrichtung“) überhaupt nicht empfängt, und aus allen
anderen Richtungen um so besser bzw. schlechter, einen je kleineren
bzw. größeren Winkel sie mit der Rahmenebene bilden.
[Illustration: Abb. 12. Tragbare Empfangsstation mit Rahmenantenne.]
16.
Diese Eigenschaft der Rahmenantenne ist für die bereits erwähnte
„gerichtete“ Telegraphie (s. S. 30) äußerst wertvoll, hat man dadurch
doch die Möglichkeit, die Empfangsstation durch entsprechende Anordnung
der Antenne auf eine ganz bestimmte Sendestation einzustellen. Bei
Großstationen macht man davon vielfach Gebrauch, speziell beim Arbeiten
im Duplex- oder Gegensprechbetrieb, der heute überall die Regel bildet.
Der Einfachbetrieb, wie er bei kleinen Stationen immer noch üblich ist,
geht so vor sich, daß die Antenne jeweils für einen gewissen Zeitraum
mit dem Sender und hernach mit dem Empfänger verbunden wird, so daß
die Station abwechselnd gibt und nimmt. Das ist bei den kostspieligen
Großstationen unwirtschaftlich, weil während des Sendens die
Empfangsanlagen und beim Empfangen die Sendemaschinen als totes Kapital
daliegen. Deshalb ist man -- auch im Interesse der rascheren Abwicklung
des Telegrammverkehrs -- bei den Großstationen dazu übergegangen,
Sender und Empfänger mit eigenen Antennen zu versehen und beide zu
gleicher Zeit arbeiten zu lassen, also im selben Zeitraum sowohl zu
senden wie zu empfangen. Vorbedingung für dieses „Gegensprechen“
ist die räumliche Trennung von Empfangs- und Sendestation, weil die
gewaltigen Energiemengen, die der Sender einer Großstation ausstrahlt,
bei unmittelbarer Nachbarschaft des Empfängers den Empfang -- auch bei
abweichender Wellenlänge -- stören würden. Aus diesem Grunde hat man
beispielsweise die Empfangseinrichtungen der Großstation Nauen nach
dem rund 30 ~km~ entfernten Geltow (bei Potsdam) verlegt. In dieser
Entfernung sind, wenn man die zum Empfang benutzte Rahmenantenne so
anordnet, daß die eigene Sendestation in der Nullrichtung (s. S. 38)
liegt (vgl. Abb. 13), Störungen durch die Sendewellen nicht mehr zu
befürchten. Sende- und Empfangsstation werden zur Übermittlung der
nötigen Betriebsnachrichten durch Kabel miteinander verbunden. Auf der
Gegenstation findet die gleiche Trennung statt, so daß sich für den
Duplexverkehr Deutschland-Amerika das in Abb. 14 skizzierte Schema
ergibt.
[Illustration: Abb. 13. Die Empfangsstelle der Großstation Nauen in
Geltow. Der 40 ~m~ hohe Holzmast trägt zwei Rahmenantennen, auf denen
gleichzeitig empfangen werden kann, ohne daß die aufgenommenen Wellen
einander stören. Die Antenne ist so aufgestellt, daß die Rahmenebene
genau in der Richtung der amerikanischen Großstation Sayville weist,
die vor Kriegsausbruch die Gegenstation für Nauen bildete, während
Nauen selbst in der Nullrichtung, der Senkrechten zur Rahmenebene,
liegt.]
[Illustration: Abb. 14. Graphische Darstellung des Gegensprechverkehrs
zwischen Deutschland und Amerika. Auf jeder Seite befindet sich
eine Sendestation und eine davon unabhängige Empfangsstelle (in
Deutschland Nauen und Geltow). Auf diese Weise kann, wie das Bild
zeigt, ein ununterbrochener Verkehr aufrechterhalten werden, da jede
Empfangsstelle etwaige Rückfragen durch die mit ihr durch Leitungen
verbundene Sendestelle übermitteln läßt. Den Anschluß an das übrige
Verkehrsnetz vermitteln die Telegraphenämter Berlin und Neuyork, die
die aufgegebenen Telegramme der Sendestelle zutelegraphieren und die
ankommenden von der Empfangsstelle übernehmen.]
Das Gegenstück zu diesen nach einer bestimmten Richtung orientierten
festen Rahmenantennen bilden die sog. Drehantennen, die man besonders
auf Schiffen benutzt. Sie gestatten u. a., durch entsprechende Drehung
des Rahmens (Einstellung auf besten Empfang bzw. auf Null) die genaue
Richtung jedes von der Schiffstation gehörten Senders zu ermitteln.
Weiter bietet die Rahmenantenne angesichts ihrer geringen
Strahlungsfähigkeit die Möglichkeit, mehrere Empfangsstationen an
einer Stelle zu vereinigen, ohne daß sie sich, wenn man verschiedene
Wellenlängen benützt, gegenseitig stören. Dies gestattet, einer
zentral gelegenen Sendestation, die ihrerseits durch entsprechend
gerichtete, ähnlich Scheinwerfern strahlende Antennen nach allen
Richtungen des Raumes arbeiten kann, ebensoviele mit Rahmenantennen
ausgerüstete Empfangsstellen zuzuordnen, von denen jede auf eine
bestimmte Gegenstation eingestellt ist. Die Ausführung dieser Idee
würde aus dem heutigen Nauen eine richtige Sendestadt entstehen lassen,
in der 32 oder 64 gerichtete Sender die entsprechenden Ausschnitte
der Windrose beherrschen, während in etwa 30 ~km~ Abstand jedem
Sender eine Empfangsstelle entspricht. Von allen Teilen Deutschlands
würden dieser Sendestadt (wahrscheinlich auf dem Leitungsweg) die
zu übermittelnden Nachrichten zuströmen, von denen jeder Sender die
seiner Richtung angehörenden erhält. Von draußen aber würde die Antwort
einem bestimmten Empfänger zustrahlen, der sie seinerseits durch
Draht weiterzugeben hätte. Alle diese Sender und Empfänger würden
gleichzeitig arbeiten, ohne sich gegenseitig zu stören. Damit würden
die Ozeankabel endgültig überwunden sein.
[Illustration: Abb. 15. Vogelschaubild der im Bau begriffenen
Großfunkstelle Neuyork (New York Radio Central Station), die die
künftige Entwicklung der großen Sendestellen verdeutlicht. Die
aus je zwei parallel verlaufenden, auf hohen Stahltürmen ruhenden
Drähten bestehenden Antennen bilden die Speichen eines Rades. Jede
Speiche strahlt die in ihr durch die zugehörige Hochfrequenzmaschine
erzeugten Wellen ausschließlich in der durch ihre Anordnung bestimmten
Himmelsrichtung aus, d. h. einer bestimmten Empfangsstelle zu. Die
Gegenstationen sind alle in der gleichen Weise eingerichtet zu denken.
Bei allen Antennenrädern weist dann eine Speiche in die Richtung
Neuyork und schickt ihre Wellen der ihr entsprechenden Neuyorker
Empfangsstelle zu; die Empfangsstellen sind auf dem Bilde nicht
angedeutet.]
Daß die Entwicklung auf dieses Zukunftsbild hinarbeitet, wird durch
den jüngst veröffentlichten Plan der am Nordufer von Long Island im
Bau begriffenen Großfunkstation Neuyork bestätigt, die imstande sein
soll, mit 12 Ländern gleichzeitig zu verkehren. Zu diesem Zweck wird
sie mit 12 Hochfrequenzmaschinen ausgerüstet, die Tag und Nacht im
Betrieb stehen werden. Die zugehörigen Antennen sind nach Abb. 15 als
Strahlen eines Rades angeordnet, dessen Mittelpunkt das Maschinenhaus
bildet. Jeder Strahl des Antennenrads besteht aus zwei 1,6 ~km~
langen, wagrecht ausgespannten Drähten, die auf sechs je 122 ~m~
hohen Stahltürmen ruhen. Die Richtung der einzelnen Antennen bestimmt
die Strahlungsrichtung der zugehörigen Sender. Das ganze Antennenrad
bedeckt mit seinen 72 Masten eine Fläche von 2600 ~ha~. In rund 30 ~km~
Entfernung sind in ähnlicher Weise die Empfänger angeordnet. Durch
Leitungen wird die Station mit dem Neuyorker Telegraphenamt verbunden.
Von hier werden ihr die abzusendenden Telegramme übermittelt, und
gleichzeitig die angekommenen zur Weiterbeförderung entgegengenommen.
17.
[Illustration: Abb. 16. Empfangsstelle im Pressefunknetz.]
Doch das Arbeitsgebiet der Radiotechnik umfaßt heute viel mehr
als nur die Übermittlung von Telegrammen oder Gesprächen. Die
Wellentelegraphie, die der Leitungstelegraphie überall dort
helfend oder ergänzend zur Seite tritt, wo entweder Draht- und
Kabelverbindungen nicht existieren (Schiff, Küste, unerschlossene
Länder, Krieg!), oder wo sie gestört bzw. überlastet sind, und ebenso
die Wellentelephonie, die an die Stelle des eine bestimmte Mitteilung
enthaltenden Telegramms die oft viel nützlichere persönliche Aussprache
setzt, haben längst zahlreiche Geschwister bekommen, die gleichfalls
lustig wachsen und gedeihen. Vom +Funkpressedienst+ sprach ich schon.
Mehrere Länder haben in letzter Zeit derartige Versuche zur allgemeinen
Verbreitung wichtiger Pressemeldungen durch einmaliges Senden von einer
Zentrale aus mit Hilfe der elektrischen Wellen gemacht, einesteils,
um dadurch die Presse schneller in den Besitz ihres Materials zu
setzen, hauptsächlich indessen zu dem Zweck, auf diese Weise den
Drahtverkehr von den zahlreichen gleichlautenden Pressetelegrammen
und -gesprächen zu entlasten. Aber nur Deutschland ist es gelungen,
die dabei bestehenden Schwierigkeiten zu überwinden und von der
versuchsweisen Einführung zum praktischen Betrieb überzugehen. Heute
umfaßt das deutsche Pressenetz bereits 51, über das ganze Reich
verteilte Presseempfangsstellen (vgl. Abb. 17); in absehbarer Zeit
wird die Zahl auf etwa 100 gestiegen sein. Als Sendestelle dient
die Großstation Königswusterhausen. Das Ideal wäre natürlich eine
eigene Empfangsstelle bei jeder Zeitung. Gegenwärtig sind wir noch
nicht so weit. Die Empfangsstellen befinden sich im Telegraphenamt
des betreffenden Ortes und stellen den Zeitungen die ihnen von der
Zentrale aus mehrmals täglich zu bestimmten Stunden übermittelten
Nachrichten durch Fernsprecher zu. Neben der Schnelligkeit der
Übermittlung ist Billigkeit ein großer Vorzug dieses Rundfunkdienstes,
da man nicht nur an Leitungsmaterial, sondern auch an Personal ganz
gewaltig spart. Zurzeit ist man bestrebt, den Rundfunkdienst durch
Einführung der Wellentelephonie zu vervollkommnen, da dadurch die
Aufnahme der Meldungen durch jede beliebige Person ermöglicht wird.
Sobald diese Änderung durchgeführt ist, kann der weitere Ausbau des
Rundfunks in die Wege geleitet werden. Er ist so gedacht, daß die
Telegraphenverwaltung jedem Interessenten -- also auch Privatleuten --
gegen Zahlung einer angemessenen Gebühr eine Einrichtung zum Abhören
der von der Zentrale entsandten Funknachrichten liefert, und zwar in
Form eines Apparats, der genau so einfach zu handhaben ist, wie etwa
der Fernsprecher (vgl. Abb. 16). Die bei der Zentrale zusammenlaufenden
Meldungen werden zunächst gesichtet und zu Gruppen -- beispielsweise
Börsenberichten, Handelsnachrichten, Rennberichten, politischen
Nachrichten, Wettermeldungen -- zusammengestellt. Was für jede Gruppe
in einem bestimmten Zeitraum an Nachrichten eingeht, wird mehrmals
täglich zu bestimmten Zeiten wellentelephonisch über ganz Deutschland
verbreitet. Der Abonnent braucht also nur zur richtigen Stunde seinen
Empfänger einzuschalten, um alle ihn interessierenden Nachrichten
mitzuhören.
[Illustration: Abb. 17. Das deutsche Pressefunknetz in graphischer
Darstellung.]
18.
Dieses Zukunftsbild, das in gewissem Sinne die „hörbare Tageszeitung“
an Stelle der gedruckten bedeutet, ist auf einem anderen Gebiet heute
schon erreicht: im sog. Zeitsignaldienst, der für die internationale
Schiffahrt von größter Bedeutung ist. Jedes unterwegs befindliche
Schiff muß, um den Ort, an dem es sich befindet, stets genau zu kennen
und daraus festzustellen, ob es den richtigen oder einen falschen Kurs
steuert, jeden Morgen eine sog. Längenbestimmung machen, zu der es die
Sonnenhöhe und die genaue Zeit braucht.
Zur Zeitbestimmung dient ein Chronometer, das ganz genau gehen
muß. Die Schiffschronometer leiden aber stark unter den lebhaften
Erschütterungen, denen sie im fahrenden Schiff (Maschine!) beständig
ausgesetzt sind, so daß sich im Laufe der Fahrt immer Abweichungen
gegen die richtige Zeit ergeben. Wird der Fehler nicht bemerkt --
größere Schiffe führen dazu stets mehrere Chronometer mit -- so kann
das die unangenehme Folge haben, daß das Schiff einen ganz anderen Kurs
einschlägt. Daher ist es für jedes Schiff von großer Wichtigkeit, den
Gang des Chronometers jederzeit prüfen und nötigenfalls berichtigen zu
können. Es gibt dazu astronomische Verfahren, die aber erstens sehr
umständlich und zweitens vom Erscheinen der Sonne abhängig sind. Also
war es ein großer Fortschritt, als man um 1906 auf Grund einer Anregung
Professor Albrechts vom Geodätischen Institut in Potsdam auf den
Gedanken kam, von einer Zentrale aus zu einer bestimmten Zeit -- etwa
um 12 Uhr mittags -- wellentelegraphisch ein Signal zu geben, das allen
mit Wellenempfängern ausgerüsteten Schiffen auf der ganzen Welt sagt:
Achtung, 12 Uhr, stellt eure Chronometer!
Zur Einrichtung einer solchen Weltzeitsignalstation, die nach einem
französischen Vorschlag auf dem Pic von Teneriffa errichtet werden
sollte, ist es zwar bisher noch nicht gekommen. Wohl aber schicken seit
Jahren alle Großstationen -- jede zu einer andern Stunde -- Zeitsignale
aus, Nauen z. B. von 12.55 bis 1 Uhr Mittags, Eiffelturm von 10.56
bis 11 Uhr vormittags und von 12.44 bis 12.51 nachts, die von allen
mit Funkstationen ausgerüsteten Schiffen aufgenommen werden. Außer
für die Schiffahrt hat dieser Zeitsignaldienst, dessen internationale
Regelung bevorsteht, auch für Sternwarten, Postanstalten, Bahnhöfe,
Uhrmacher usw. Bedeutung, überhaupt für jeden Betrieb, der auf genaue
Zeitbestimmungen angewiesen ist, so daß wir auch an Land schon
zahlreiche Zeitsignalempfänger finden. Um die Aufnahme möglichst zu
erleichtern, hat man dafür besondere Apparate gebaut. Sie werden auf
die Wellenlänge, die die in Frage kommende Station zur Aussendung des
Zeitsignals benutzt (Nauen z. B. 3900 Meter), fest eingestellt, so daß
man nur zur rechten Zeit den Hörer abzuheben braucht, um das Signal zu
vernehmen. Durch Einbau eines Verstärkers und eines lautsprechenden
Telephons läßt sich die Anlage aber auch so einrichten, daß der Apparat
die Signale laut wiedergibt, davon macht man u. a. bei Sternwarten
Gebrauch.
Schon 1913 hat man vorgeschlagen, den deutschen Zeitdienst dahin
weiter zu entwickeln, daß alle Uhren im Lande drahtlos elektrisch
gesteuert würden. Dazu sollte in Fulda eine besondere Zeitsendestation
errichtet werden, die jede Minute einen Wellenstoß ausschickte. Mit
diesen Wellenstößen wollte man eigens gebaute elektrische Uhren
zwangsläufig treiben. An jede derartige Wellenuhr hätte man beliebig
viele elektrisch betriebene Minuten-Springuhren, die wir von unseren
Bahnhöfen, Schulen usw. her kennen, durch Drahtleitungen als Nebenuhren
anschließen können. Auf diese Weise würde -- wenn jede Stadt, jedes
Dorf mindestens eine radiotechnisch gesteuerte „Leituhr“ hätte --
ganz Deutschland über einheitliche Zeit verfügen. Der Krieg hat die
Ausführung des schon ziemlich weit gediehenen Planes gehemmt.
19.
Ein besonderer Zweig des Zeitsignaldienstes ist seine Verwertung zur
+Landesvermessung+, bei der genaue Zeitübertragungen erforderlich
sind, um den Unterschied der geographischen Längen zweier Orte auf
der Erde festzustellen. Bisher wurden diese Zeitvergleichungen,
für die Genauigkeiten bis zu wenigen Tausendstelsekunden gefordert
werden, dadurch vorgenommen, daß man die mit astronomischen Uhren
ausgerüsteten Meßstationen -- gewöhnlich Sternwarten -- durch eine
Leitung miteinander verband und entsprechende Signale hin und her
telegraphierte. Dieses Verfahren eignet sich aber nur für Kulturländer
mit engem Telegraphennetz; in Gebieten mit schwieriger zugänglichen
Punkten (Gebirgsländern) und auch in Ländern ohne oder mit nur einem
sehr dünnen Leitungsnetz, ist es nicht verwendbar, wenn man nicht mit
großen Kosten eigene Leitungen anlegen will, was übrigens oft gar nicht
möglich ist. Hier tritt die Wellentelegraphie mit ihren Zeitsignalen
als hochwillkommene Helferin ein, ist sie der Leitungstelegraphie doch
noch darin überlegen, daß ihre Zeichen sich in sehr weitem Umkreis
wahrnehmen lassen. Das schafft die Möglichkeit, ein größeres Gebiet in
dieser Weise gleichzeitig zu vermessen, wodurch die Genauigkeit der
Bestimmungen wesentlich gewinnt.
Die erste derartige Vermessung hat Professor Albrecht ausgeführt
(Bestimmung der Längendifferenz Potsdam-Brocken im Jahr 1906). Das
war indessen nur ein Versuch. Die erste praktische Anwendung fand das
Verfahren 1912-1913 gelegentlich der Langone-Pama-Expedition für die
Grenzregulierung zwischen Kamerun und Französisch-Äquatorial-Afrika;
die Zeitzeichen wurden von der damaligen deutschen Funkstelle Duala
ausgeschickt und auf 1000 ~km~ Entfernung von den Meßstationen im
Süden und Norden des Schutzgebiets trotz starker luftelektrischer
Störungen gut aufgenommen. Im Juli 1914 wurde durch das astronomische
Observatorium in Yap gemeinsam mit den Telefunkenstationen Yap,
Nauru und Tsingtau auf diese Weise die noch nicht genau bekannte
geographische Länge von Samoa festgelegt. Gegenwärtig wird nach
dem gleichen Verfahren die genaue Grenzlinie zwischen Süd- und
Westaustralien bestimmt.
20.
Die Tätigkeit der Wellentelegraphie im Seekrieg ist bekannt. Sie
verdeutlicht uns an einem Sonderfall die Wichtigkeit der Radiotechnik
für die Schiffahrt überhaupt, in der sie ihre ersten praktischen
Erfolge errungen hat. Heute besitzt jeder irgendwie wichtige Hafen
und fast jedes Leuchtfeuer seine Funkstation, die mit den ein- und
ausfahrenden Schiffen verkehren kann. So können die Schiffe ihrem
Bestimmungshafen die bevorstehende Ankunft schon tagelang vor dem
Einlaufen melden, die nötigen Vorkehrungen für die schnelle Löschung
ihrer Ladung treffen, den Lotsen oder bei Unfällen Hilfe herbeirufen,
durch Übermittlung von Gesundheitsberichten usw. die Abfertigung durch
die Hafenbehörden beschleunigen, während der Fahrt Wetterberichte und
Sturmwarnungen aufnehmen, Nachrichten mit anderen Schiffen tauschen
usw. „Die Zeit, in der keinerlei dienstliche Mitteilungen gewechselt
werden, steht den Reisenden zum Austausch von Privattelegrammen zur
Verfügung und bildet für große Bordstationen eine recht ergiebige
Einnahmequelle. Außerdem können an Bord der Schiffe Pressenachrichten
aufgenommen werden, mit deren Hilfe vielfach eine Schiffszeitung
gedruckt wird. Der Reisende, der eine Woche und noch länger unterwegs
ist, entbehrt also nichts. Er kann sogar, wenn er will, drahtlos
spekulieren, indem er seinem auf dem Festland weilenden Vertreter
radiotelegraphisch entsprechende Kauf- oder Verkaufsaufträge erteilt.
In Amerika wird dieses Verfahren weidlich ausgenützt, und mancher
Börsenmann erfährt auf hohem Meer, daß seine Spekulation ihn um soundso
viel hunderttausend Dollar leichter oder wohlhabender gemacht hat“
(„Telefunken-Ztg.“ H. 18, S. 37).
Alle diese Dinge treten indessen zurück gegenüber der außerordentlichen
Wichtigkeit der Wellentelegraphie für die +Sicherheit auf See+, die
durch die Einführung der Bordstationen in weitgehendem Maße gewonnen
hat. Wie oft kam es früher vor, daß ein Schiff -- von weiter Fahrt
heimkommend -- „fällig“ war und stündlich erwartet wurde. Am Hafen
haben sich die Angehörigen der Reisenden und der Besatzung versammelt,
um ihre Lieben froh zu empfangen. Das Schiff bleibt aus. Zunächst
geht man ruhig heim, um am andern Tage wiederzukommen. Wahrscheinlich
ist irgendeine unvorhergesehene Verzögerung eingetreten, die nichts
auf sich hat. Am nächsten Tage wieder nichts. Ebenso am übernächsten
Tag um Tag vergeht, ohne daß das Schiff etwas von sich hören läßt.
Rückfragen beim letzten Hafen bringen die Antwort, daß es dann und
dann abgefahren ist. In einen anderen Hafen ist es nicht eingelaufen.
So bleibt zum Schluß nur die traurige Gewißheit, daß es unterging
-- ein weiteres Opfer zu den vielen, die die See schon verschlungen
hat. -- Solche Dramen sind heute selten geworden. Eine 1913 auf der
sog. „Titanic“-Konferenz geschlossene internationale Vereinbarung,
der alle seefahrenden Nationen beigetreten sind, verpflichtet alle
Schiffe bis zu 3000 ~t~ hinab, die Passagiere führen, eine Bordstation
von bestimmter Reichweite einzubauen; England hat sogar neuerdings
die Herabsetzung der Grenze bis auf 1600 ~t~ beantragt. Eine vom
Handelsdepartement der Vereinigten Staaten veröffentlichte Statistik
über Rettungen aus Seenot verzeichnet für den Zeitraum von 1899-1916 (=
17 Jahre) 232 Fälle. Ganze acht entfallen auf die ersten zehn Jahre,
wo nur wenige Schiffe Bordstationen besaßen. Man kann also ruhig
sagen, daß damals die meisten Schiffsunfälle „tödlich“ verliefen. Der
Umschwung beginnt im Jahre 1909. Im Januar dieses Jahres stießen die
Schiffe „Florida“ und „Republic“ 270 Meilen vor Neuyork zusammen.
„Republic“ sank sofort. Dank der Bordstation wurden 1500 Menschen durch
rechtzeitig herbeieilende Hilfe gerettet. Während der folgenden Jahre
sind bis 1914 im ganzen 93 Fälle verzeichnet, in denen die elektrischen
Wellen als Retter aus Seenot in Tätigkeit traten. In diese Zeit fällt
u. a. der Zusammenstoß der „Titanic“ mit einem Eisberg (am 15. April
1912), wobei 828 Personen gerettet wurden, und der Untergang der
Schiffe „Charthaginian“ und „Lithunia“ mit 800 und 1200 Geretteten. In
den beiden Kriegsjahren 1915 und 1916 ist die Zahl der Rettungen auf
insgesamt 131 gestiegen.
Erst wenn man diese Tatsachen kennt, kann man den Humor einer Antwort
würdigen, die Bredow, der jetzige Leiter unseres Telegraphenwesens,
im Frühjahr 1906 als frischgebackener Telefunken-Ingenieur von Karl
Woermann, dem damaligen Besitzer der Woermann-Linie, einer der größten
Hamburger Reedereien, erhielt. Bredow, begeistert für die junge
Radiotechnik wie kein zweiter, hielt damals in Bremen und Hamburg
mehrere Vorträge über die Wichtigkeit der Wellentelegraphie für die
Handelsschiffahrt. Da das Interesse der Hörer gering war, ging er
eines Tages mit einem Besuche Woermanns zum direkten Angriff über.
Woermann hörte mit großer Ruhe zu, wie Bredow voller Feuer seine Pläne
entwickelte. Als er aber schließlich meinte, jeder Reeder würde einst
die Wellentelegraphie an Bord seiner Schiffe ebenso nötig brauchen wie
den Kompaß, lachte Woermann laut auf, rief einen seiner Prokuristen
herbei und sagte: „Nun hören Sie sich bloß mal an, was dieser Herr aus
Berlin mir da erzählt.“ Dann fuhr er -- zu Bredow gewandt -- fort:
„Eine derartige Einrichtung würde für meine Flotte jährlich vielleicht
50000 Mark kosten. Glauben Sie, ich hätte so viel Geld dafür übrig, daß
meine Kapitäne auf See sich gegenseitig ‚Guten Morgen‘ sagen können?“
Bredow meinte, daß das ja nicht der Zweck der Sache sei. Abgesehen
von der Erhöhung der Sicherheit, werde die Einrichtung dem Reeder
jederzeit die Möglichkeit geben, mit seinen Fahrzeugen auf hoher See in
Verbindung zu treten. Da aber rief Woermann unwirsch aus: „Ach was, ich
bin froh, wenn ich von meinen Schiffen nichts mehr höre, wenn sie den
Hafen verlassen haben“. Übrigens war Woermanns Linie eine der ersten,
die ihre gesamte Flotte mit Bordstationen versah.
21.
[Illustration: Abb. 18. Richtfinder.]
Auf zwei Arten dient die Radiotechnik zur Erhöhung der Sicherheit
auf See. Sie ruft Hilfe herbei, wenn ein Unfall eingetreten ist,
sie bietet aber auch die Möglichkeit, dem Eintreten von Unfällen
vorzubeugen. Schon der drahtlose Wetterdienst, der mehrmals täglich von
den Küstenstationen aus allen Schiffen die neuesten Wettermeldungen
und das zu erwartende Wetter funkt, wirkt in diesem Sinne. In England
soll dieser Dienst jetzt auf Sturmwarnungen ausgedehnt werden, die
ergehen, sobald die Windstärke 70 Stundenkilometer zu überschreiten
droht. Zugleich sind die Schiffer aufgefordert worden, auch ihrerseits
beim Ausbau des Schiffswetterdienstes mitzuwirken, indem sie ihre
eigenen Wetterbeobachtungen drahtlos der nächsten meteorologischen
Sammelstelle weitergeben. Der internationale Ausbau dieses
Wetterdienstes wird von großer Bedeutung sein.
Ein anderes Bild: Seit vielen Tagen ist ein Schiff auf großer Fahrt
unterwegs. Morgen soll es den Heimathafen erreichen. Tagsüber fuhr man
in Sicht der Küste, deren besonders hervorstechende Kennzeichen, die
sog. Landmarken, der Kapitän dauernd mit seiner Seekarte verglich, um
so den Ort des Schiffes ständig zu bestimmen. Jetzt ist es Nacht. ...
Dort, wo die Küste läuft, flammen Leuchtfeuer auf, die gleichfalls
auf der Karte verzeichnet sind. Als „Kennung“ dient dem Schiffer ihr
besonderes Licht. Das eine strahlt eine breite weiße Lichtgarbe durch
das Dunkel, ein anderes flammt blutrot wie Höllenglut, ein drittes
blitzt in kurzen Abständen auf und erlischt sogleich wieder, das vierte
blinkt kurz -- lang -- kurz und macht dann eine Pause. So hat jeder
Leuchtturm, jedes Feuerschiff seine besondere Charakteristik, die in
den internationalen Segelanweisungen aufgeführt ist. Und jeder Seemann
nennt uns nach einem Blick mit unbedingter Sicherheit Namen und Ort der
Lichter, gehört doch ihr Studium schon zu des jüngsten Schiffsjungen
täglichem Brot. Diese Wegweiser führen unser Schiff sicher durch die
Nacht der Heimat entgegen. Doch Plötzlich liegt es wie ein leichter
Schleier über ihnen, der sich allmählich verdichtet und bald alles grau
verhüllt. Nebel ist eingefallen, des Seemanns furchtbarster Feind.
„Langsame Fahrt!“ schrillt der Kommandoapparat im Maschinenraum. Träger
gleitet das Schiff dahin. Ein zweites Signal: „Stoppen!“ Der Schiffer
wagt nicht weiter zu fahren, weil er die Richtung nicht mehr bestimmen
und hier in der Nähe der Küste leicht auflaufen oder zusammenstoßen
kann. Laut brüllt das dampfgetriebene Nebelhorn durch das Düster. Dann
wieder Stille. Abermals ein gellender Warnungsruf! Von Steuerbord tönt
Antwort, die beim nächstenmal schon lauter dröhnt. Plötzlich taucht
hinter dem Nebelgrau der Umriß eines großen Dampfers auf. Er fährt auf
gleichem Kurs. Ein Zusammenstoß droht also nicht. Aber er macht ja
„volle Fahrt“, als wenn es überhaupt keinen Nebel gäbe. Was leitet ihn?
Wäre man näher bei der Küste, so könnten es Unterwasser-Schallsignale
sein. Aber deren Reichweite geht nicht über 10-12 ~km~ hinaus. Und
die Küste ist gut dreimal so weit. Wir springen in Gedanken auf jenen
Dampfer hinüber. Der Kapitän steht auf der Brücke, einen Fernhörer an
jedem Ohr und vor sich einen Rahmen, der eine Anzahl Drahtwindungen
trägt (Abb. 18). Wenn er Zeit hätte, uns sein Tun zu erklären, würden
wir hören, daß wir eine mit einem kleinen Wellenempfänger verbundene
Rahmenantenne vor uns haben. Mit dieser Einrichtung nimmt der Kapitän
von den Küstenstationen drahtlos ausgesandte Zeichen auf. Und zwar hat
jede dieser Küstenstationen ihre besondere „Wellenkennung“, genau wie
das Leuchtfeuer sein besonderes Licht. Aber damit allein ist’s noch
nicht getan. Man braucht auch noch die Richtung, aus der die Wellen
kommen, denn nur dann ist es möglich, das Schiff danach zu lenken.
Diese Richtung verrät uns die Rahmenantenne, die über einer Gradteilung
gedreht werden kann. Tut man das, so merkt man bald, daß die Fernhörer
bei einer bestimmten Stellung des Rahmens die Zeichen der Sendestelle
sehr laut wiedergeben, während in der Stellung senkrecht dazu überhaupt
nichts zu hören ist. In den Zwischenstellungen stuft die Lautstärke
sich allmählich ab. Das Maximum an Lautstärke ist erreicht, wenn die
Rahmenebene genau auf den Sender weist. Da aber eine Drehung des
Rahmens um mehrere Teilstriche nach rechts oder links die Lautstärke
für unser nicht sehr empfindliches Ohr nur wenig verändert, wird in
der Praxis nicht das Empfangsmaximum, sondern sein Gegenstück, das
Minimum, zur Richtungsbestimmung benutzt. Das Minimum ist erreicht,
wenn im Hörer kein Laut mehr vernehmbar ist. Der Rahmen steht dann
genau senkrecht zur Richtung des Senders. Diese Einstellung ist äußerst
scharf, denn schon eine leise Drehung des Rahmens genügt, um die
Signale wieder hörbar zu machen.
Mit solchen wellentelegraphischen Richtungsanzeigern, die das
direkte Ansteuern von mit Funkstationen ausgerüsteten Landmarken
gestatten, sind gegenwärtig schon zahlreiche Schiffe ausgerüstet.
Ihre Verwendung bedingt natürlich das Vorhandensein möglichst
zahlreicher Küstenfunkstellen, die denn auch in zunehmendem Maße auf
Leuchttürmen, Feuerschiffen usw. eingerichtet werden. Vorgeschlagen
ist der weitere Ausbau des Systems durch selbsttätige Zeichengebung
mittels Sprechmaschinen, die in gewissen Zwischenräumen den Ort des
betreffenden Leuchtfeuers radiotelephonisch ausrufen sollen. Daß sich
das Verfahren auch zur Bestimmung des Schiffsortes verwenden läßt,
ist selbstverständlich. Man braucht dazu nur eine sog. Kreuzpeilung
vorzunehmen, d. h. den Rahmen nacheinander auf zwei verschiedene
Sender einzustellen. Der Schnittpunkt der sich so ergebenden
Richtlinien zeigt -- auf die Karte übertragen -- den Schiffsort
an. Um diese Ortsbestimmungen zu erleichtern, hat man besondere
Kreuzpeilvorrichtungen gebaut, die zur Hauptsache aus zwei voneinander
unabhängigen, drehbaren Rahmenantennen bestehen. Zunächst wird der eine
Rahmen mit seinem Minimum auf den einen Sender und dann der andere
Rahmen mit seinem Minimum auf einen zweiten Sender eingestellt. Die
Rahmenbewegung überträgt sich auf über einer Kreisteilung spielende
Zeiger, die den Winkel der beiden Rahmen untereinander und damit den
Winkel, unter dem die beiden Funklandmarken „gepeilt“ worden sind,
angeben. Da die Teilung so eingerichtet ist, daß man gleich die
wahren Strecken und Entfernungen ablesen kann, ist die Eintragung der
„Peilung“ in die Seekarte bei diesen „Ortssuchern“ überflüssig.
Besonders Amerika ist an seinen langgestreckten, nur zum Teil mit
Leuchtfeuern besetzten Küsten mit dem Ausbau solcher Richtstationen
vorangegangen. Anfang 1921 waren an der Atlantischen Küste 31, an der
Küste des Pazifik 25 Richtanlagen im Betrieb, bei denen jedes 360
Kilometer entfernte Schiff seinen genauen Standort erfragen kann,
wenn es selbst keinen Ortssucher besitzt. Auch zwischen verschiedenen
Schiffen läßt sich nach diesem Verfahren bei nebligem Wetter leicht
Fühlung herstellen. Während des Krieges hat man davon besonders bei
großen Truppentransporten, die unter Bewachung durch Begleitfahrzeuge
vor sich gingen, vielfach guten Gebrauch gemacht. Zur allgemeinen
Einführung dieser Methode wird gegenwärtig eine internationale
Bestimmung gefordert, die alle Schiffe verpflichtet, im Nebel außer
ihren Lärmsignalen in gewissen Zwischenräumen drahtlose Zeichen
zu geben. In den Pausen zwischen zwei solchen Signalen kann dann
jedes Schiff mit Hilfe seines Peilrahmens die allgemeine Richtung
benachbarter Schiffe bestimmen. „Ein kurzer Funkwechsel genügt,
um sich gegenseitig Kurs und Geschwindigkeit mitzuteilen. Aus der
Veränderlichkeit oder gleichbleibenden Peilung des Nachbarschiffs kann
man Schlüsse auf die gegenseitige Bewegung ziehen. Beispielsweise
werden zwei aufeinander zusteuernde Schiffe keine Veränderung der
gegenseitigen Peilungen bemerken können, ebensowenig zwei in Kiellinie
fahrende. Kurs und Geschwindigkeitsangabe lassen aber erkennen,
ob ein Zusammenstoß droht oder nicht.“ -- Aus zwei Peilungen mit
Zeitunterschied auf demselben Schiff kann unter Berücksichtigung
von Kurs und Schiffsgeschwindigkeit jederzeit der beiderseitige Ort
ermittelt werden. Das ist besonders wichtig für Schiffe in Seenot,
deren Auffindung dadurch erleichtert wird. Wie oft las man schon,
daß ein Schiff zwar den Notschrei „~SOS~“[4] eines anderen vernahm,
es aber unsichtigen Wetters halber einfach nicht finden konnte.
Charakteristisch ist dafür der Zusammenstoß der Dampfer „Florida“ und
„Republic“ im Jahre 1909. Die „Republic“ trieb nach der Kollision
hilflos auf dem Meere und sandte drahtlos Notrufe aus, auf die hin
der Dampfer „Baltic“ sogleich zur Hilfe eilte. Da dichter Nebel
herrschte, war das verunglückte Schiff nicht zu sehen, und die „Baltic“
vermochte es trotz der drahtlos übermittelten Standortsangabe, da
ihr jedes Richtmittel fehlte, 12 Stunden lang nicht zu finden.
„Erst nach zwölfstündigem Zickzackfahren und Umkreisen des Ortes,
wo das beschädigte Schiff, das inzwischen vertrieben war, nach den
funkentelegraphischen Meldungen sich befinden mußte, gelangten wir
in seine Nähe,“ heißt es in dem Bericht des „Baltic“-Kapitäns. „Wir
kamen bis auf hundert Fuß an das Schiff heran, bevor wir überhaupt
etwas von ihm sehen konnten. Und auch dann sahen wir nur den schwachen
Schimmer eines grünen Lichtes, wie man es zu Illuminationszwecken
benutzt. Während unseres zwölf Stunden langen Suchens machten wir,
glaube ich, 200 Seemeilen in unserem Zickzackkurs, ehe wir zur
‚Republic‘ gelangten, und das alles auf einem Flächenraum von nur zehn
Quadratmeilen.“ Derartige Vorfälle werden durch richtige Anwendung der
Ortssucher unmöglich gemacht.
22.
[Illustration: Abb. 19. Schematische Darstellung der Verwendung
elektrischer Wellen zur Lenkung von Schiffen in engen Hafeneinfahrten,
Kanälen usw.]
Da wir gerade bei der Schiffahrt sind, mag hier gleich noch eine
interessante Einrichtung besprochen werden, die ebenfalls elektrische
Wellen als Wegweiser benutzt. Es handelt sich dabei um Anlagen, die
während des Krieges geschaffen worden sind, um Schiffen im Dunkel der
Nacht und bei unsichtigem Wetter das Einlaufen in enge Hafeneinfahrten
u. dgl. zu ermöglichen, ohne dabei verräterische Licht- oder
Unterwasser-Schallsignale (~U~-Boots-Gefahr!) zu Hilfe zu nehmen.
U. a. befindet sich eine derartige Anlage, der man den bezeichnenden
Namen „Drahtloser Lotse“ gegeben hat, in der Einfahrt zum Hafen von
Neuyork, dem sog. Ambrose-Kanal, dessen enge Fahrtrinne schon bei
Tage größte Aufmerksamkeit verlangt. Auf der Sohle dieses Kanals hat
man nach Abb. 19~A~ ein dickes Kabel verankert, und zwar genau in
der Mitte der Fahrtrinne. Durch dieses Kabel schickt ein in einem
der Hafenforts aufgestellter Maschinensender im Rhythmus bestimmter
Morsezeichen elektrische Wellen, die um das Kabel herum im Wasser ein
elektrisches Kraftfeld erzeugen. Zur Aufnahme dieser Wellen tragen
die Schiffe beiderseits in einem Hohlraum etwas unter der Wasserlinie
einen kleinen Empfangsapparat, verbunden mit zwei Fernhörern, die der
Kapitän während der Durchfahrt des Kanals umschnallt. Beide Hörer
werden, wie Abb. 19~B~ zeigt, genau gleich stark erregt, sobald sich
die Kiellinie (Längsachse) des Schiffes mit dem Kabel deckt. Weicht das
Schiff dagegen nach rechts oder links vom Kabel ab, so spricht der eine
Hörer stärker an als der andere, der bei großen Abweichungen überhaupt
nicht mehr beeinflußt wird (vgl. Abb. 19~C~). Aus der Lautstärke der
aufgenommenen Zeichen kann man also feststellen, ob das Schiff sich
in der Fahrtrinne befindet oder nicht, so daß ein falscher Kurs auf
Grund der jeweiligen Beobachtungen leicht berichtigt werden kann. In
bestimmten Abständen ist das Kabel auf eine größere Strecke mit einer
Bleihülle versehen, die das Ausstrahlen der Wellen verhindert. Beim
Passieren dieser Stellen bleiben die Fernhörer stumm. Daran erkennt der
Schiffer, daß er wieder eine bestimmte Strecke zurückgelegt hat. Um im
Nebel oder im Dunkel der Nacht die Einfahrt zu suchen, braucht das
Schiff nur vor der Küste zu kreuzen, bis einer der Fernhörer auf die
Zeichen des weit ins Meer hinausreichenden Kabels anspricht. Damit weiß
der Schiffer, daß er das Leitkabel vor sich hat; er braucht dann nur
noch den Kurs auf gleiche Schallstärke einzustellen. Liverpool hat eine
ähnliche Einrichtung.
23.
Die gleiche große Bedeutung, die die Wellentelegraphie für die
Schiffahrt besitzt, hat sie auch für die Luftfahrt, im Kriege
wie im Frieden. In Deutschland sind Luftfahrt und Radiotechnik
von Anfang an eng verbunden gewesen, denn die ersten deutschen
Versuche zur Wellentelegraphie wurden von Slaby 1897 mit Hilfe der
Luftschiffertruppen durchgeführt, da der einfachste Weg, recht hohe
Antennen zu erhalten, die Hochführung durch Fesselballone war. Auch
in der Folge wurden die Versuche im Verein mit den Luftschiffern
fortgesetzt, die sich auf diese Weise über die Fortschritte der
Wellentelegraphie ständig unterrichten konnten. Um so seltsamer
mutet der heftige Widerstand an, den sowohl die Pioniere des
Luftschiffbaus wie später die Flieger dem Einbau von Bordstationen
jahrelang entgegensetzten. Hauptsächlich war es die Explosions- und
die Feuersgefahr -- die in der Funkenstrecke der damals verwendeten
Systeme überspringenden Funken konnten ja unter Umständen das durch
die Mischung des aus der Ballonhülle austretenden Wasserstoffs mit
der Luft gelegentlich entstehende Knallgas entzünden -- die man
in den Vordergrund schob. Und das, obwohl kein Luftschiffer einen
„kleinen“ Vergaserbrand, bei dem die Flammen manchmal mehrere Meter
hoch emporschlugen, tragisch nahm -- denn so was kam öfters vor, und
nie war etwas passiert. In zweiter Linie wurde das „hohe“ Gewicht
ins Feld geführt, eine Ansicht, die sich so festsetzte, daß später
-- nachdem der anfängliche Widerstand längst besiegt war -- in der
Regel zu allererst der Funker und dann seine Apparate als unnötiger
Ballast ausgebootet wurden, wenn ein Luftschiff gelegentlich zu wenig
Auftrieb hatte. Die allmähliche Überwindung dieser Schwierigkeiten
spiegelt sich in der technischen Entwicklung der Luftschiff- und
Flugzeugstationen getreulich wider. Die erste derartige Station,
für ein Parsevalluftschiff bestimmt, hieß nach ihrer Form die
„Eierkiste“. Sie stand auf dem Boden der ohnedies engen Gondel und
auf ihr der Steuermann, mit dem sich der Funker, der auf einer
Ecke des Kastens saß, sehr gut stellen mußte, damit er ihm beim
Tippen nicht die Finger abtrat. Aus diesem Erstling wurde auf Grund
der gemachten Betriebserfahrungen bis zum Jahre 1912 über mehrere
Zwischenstufen die sog. Überdruckschrankstation für Zeppelinkreuzer
und Schütte-Lanz-Luftschiffe entwickelt, die auf höchst einfache
Weise jede Möglichkeit einer Explosion beseitigte. Der Schrank besaß
nämlich einen Windstutzen, der im Fahrtwind so angeordnet war, daß der
durch die Fahrt erzeugte kräftige Luftstrom in den Schrank eintreten
mußte. Da der Schrank im übrigen luftdicht verschlossen war, entstand
dadurch im Innern ein Überdruck, der ein Eindringen von Gas aus dem
Luftschiff sicher unterband. Mit dieser zum Senden und Empfangen auf
große Entfernungen tauglichen Station war aber erst +ein+ Wunsch der
„Luftfunker“ erfüllt. Der zweite betraf den Einbau einer schalldichten
Kabine, weil man bei dem gewaltigen Lärm der Motoren und der
Luftschrauben in der Regel nur Bruchstücke der einlaufenden Botschaften
aufnehmen konnte. Auch diese Forderung konnte angesichts der damit
verknüpften Gewichtsfrage erst nach langen Kämpfen durchgedrückt
werden. Erst ein Radikalmittel beseitigte den letzten Widerstand.
Man rüstete ein Luftschiff mit einer Station von zehnfacher Stärke
einer Normalstation aus und demonstrierte durch gründliche Versuche
bei Tag und Nacht, daß selbst bei den hohen Spannungen, die nunmehr
in allen Metallteilen herrschten, nicht die geringste Gefahr bestand.
Das überzeugte endgültig, und um in Zukunft neuen Legendenbildungen
vorzubeugen, wurden diese Ladeversuche für jedes neue Luftschiff als
Bestandteil der Abnahmeprüfung vorgeschrieben. Dank dieser gründlichen
Vorarbeit stand Deutschland bei Kriegsbeginn auch auf diesem Gebiet
gerüstet da. Ohne ihre vortrefflichen Bordstationen, die genau wie
in der Schiffahrt nicht nur als Nachrichten-, sondern auch als
Orientierungs- und Navigationsmittel bei Fahrten über den Wolken und
bei unsichtigem Wetter dienten, hätten die Zeppelinkreuzer niemals ihre
Großleistungen im Angriff und in der Aufklärung vollbracht.
[Illustration: Abb. 20. Flugzeugführer mit schalldicht gekapselten
Hörempfängern und schalldicht eingebautem Mikrophon als Sender.]
Bei den Flugzeugen waren die zu überwindenden Schwierigkeiten noch
größer. Man hielt den Einbau einer Bordstation fast für gefährlicher
als das Fliegen selbst, stellte man doch derart eingerichtete Flugzeuge
eine Zeitlang auf eine Stufe mit den elektrischen Hinrichtungsstühlen.
Insbesondere die Benzin- und Öltanks wurden durch die Hochspannung
für gefährdet gehalten, und die anfänglich lang herabhängende Antenne
galt als ein großes Hindernis für die Stabilisierung und Lenkbarkeit
des Apparates. Eigentlich hat erst der Krieg mit seiner kategorischen
Forderung nach einem sicher arbeitenden Verbindungsmittel zwischen
Flugzeug und Erde gründlich Wandel geschaffen. -- Die dabei zu
überwindenden technischen Schwierigkeiten waren nicht gering. Erstens
mußte das Gerät sehr klein und möglichst leicht sein. Dem kam man durch
die Konstruktion besonderer Flugzeugtypen nach, deren Normalform --
Sender und Empfänger umfassend -- bei einer Reichweite von 150 ~km~
rund 9 ~kg~ wiegt. Für kleine Kampfeinsitzer wurde ein noch leichterer
Apparat mit etwa 20 Kilometer Reichweite gebaut, für Riesenflugzeuge
wieder eine schwerere Form, die über 300 Kilometer reicht. Ein ganz
besonderes Studium erforderte die Frage der Energiequelle. Mit den
anfänglich verwendeten Trockenelementen kam man nicht weit. Im
Luftschiff treibt man einen Dynamo von den Motoren aus. Im Flugzeug
ging das anfänglich nicht, da man die volle Motorleistung zum
Fliegen brauchte. Den einfachen Ausweg -- Antrieb eines kleinen
Wechselstromdynamos durch eine besondere, sich im Fahrtwind drehende
Luftschraube -- auf den man schließlich kam, hat man heute wieder
verlassen. Man zieht es vor, den Dynamo durch Vorgelege oder Koppelung
vom Flugzeugmotor aus antreiben zu lassen, der inzwischen bei größerer
Leistung längst leichter geworden ist. Eine große Störungsquelle
bildete anfänglich das Propellergeräusch, das weder ein einwandfreies
Senden, noch ein klares Empfangen zuließ. Schalldichte Zellen lassen
sich auf gewöhnlichen Flugzeugen nicht einbauen. Also mußte man Ohr
und Hörer schalldicht „koppeln“. Und da sich bald herausstellte,
daß für den Flieger die Wellentelephonie ein viel einfacheres
Verständigungsmittel ist als das Telegraphieren von Morsezeichen,
schlug man zwei Fliegen mit einer Klappe, baute die Flugzeugstationen
so, daß man sowohl telephonieren wie telegraphieren kann, und schnallte
dem Flieger zum Telephonieren als Sender ein schalldicht gekapseltes
Mikrophon vor Mund und Nase, so daß er, da an den Ohren schalldicht
die Hörempfänger sitzen, nach Abb. 20 gerade noch die Augen frei
behält. Eine derartige Ausrüstung kann man aber nur einem berufsmäßigen
Flieger, nicht seinen Passagieren, zumuten. Deshalb ist man bei den
großen Reiseflugzeugen schließlich doch dazu übergegangen, schalldichte
Kabinen einzubauen, in denen der Fernsprecher an der Wand hängt wie in
unseren Wohnräumen.
[Illustration: Abb. 21. Der Empfang elektrischer Wellen mit der Zunge
durch „Schmecken“ der Morsezeichen, ein amerikanischer Vorschlag zur
Erleichterung des Empfangs in lärmerfüllten Räumen.]
Einen anderen, sehr originellen Weg zum Empfang in lärmerfüllten
Räumen, der sich auch für den Flugfunkdienst gut eignet und der dort
auch vermutlich gelegentlich Verwendung finden wird, zeigt Abb. 21. Das
Verfahren fußt auf einer von den Elektroinstallateuren oft benützten
Tatsache: Man will feststellen, ob in einer Schwachstromleitung Strom
fließt. Hat man kein Galvanoskop zur Hand, so legt man die blanken
Enden der Leitung auf die Zunge. Führt die Leitung Strom, so spürt
man ein eigentümliches salziges Prickeln, das beim Unterbrechen des
Stromes sofort verschwindet. Es ist selbstverständlich, daß man auf
diese Weise auch Morsezeichen „schmecken“ kann. Und wenn man in den
Detektorkreis eines Wellenempfängers statt des Fernhörers die kleine
Vorrichtung schaltet, die Abb. 21 zeigt: zwei blanke Elektroden auf
einer Hartgummiplatte, die man in den Mund stecken kann, so ist es
ohne weiteres möglich, die ankommenden Wellenzüge statt mit dem Ohr
mit der Zunge aufzunehmen. An sich sind die Detektorströme allerdings
zu schwach, um diese Wirkung auszulösen. Die Anwendung des Verfahrens
erfordert also die Einschaltung von Verstärkerröhren.
[Illustration: Abb. 22. Schematische Darstellung der Einrichtung zur
selbsttätigen Abgabe von Meldungen im Flugfunkdienst.]
Eine andere Vorrichtung, die wir in Abb. 22 sehen, bezweckt, dem
regelmäßig einen bestimmten Kurs bedienenden Flieger die Abgabe von
drahtlosen Botschaften durch einen selbsttätig arbeitenden Apparat zu
erleichtern. Die Einrichtung besteht aus einem Schaltbrett, das etwa
60 Stöpsellöcher trägt und neben diesen Löchern kurze Nachrichten,
vor allem Standortmeldungen, wie sie durch den betreffenden Kurs
gegeben sind, Meldungen über Störungen, rechtzeitiges oder verspätetes
Eintreffen usw. Jede dieser Nachrichten wiederholt sich auf einer
durch ein Uhrwerk gedrehten Schaltwalze in der Stellung bestimmter
Kontakte, durch die ein Sendestromkreis geschlossen und geöffnet werden
kann. Wird der am Schaltbrett befestigte Stöpsel in eines der Löcher
eingeführt und gleichzeitig die Schaltwalze mittels ihres Hebels zum
Laufen gebracht, so schickt der Apparat die dem betr. Stöpselloch
zugeordnete Nachricht selbsttätig in die Weite, und zwar immer von
neuem, solange das Uhrwerk läuft, oder bis man den Stöpsel umsteckt und
damit eine zweite Nachricht gibt. Ein besonderer Hebel am Schaltbrett
gestattet, selbsttätig als Notsignal die Zeichen ~SOS~ (siehe S.
53) zu senden. Davon macht man besonders bei und nach Notlandungen
Gebrauch. Die amerikanischen Erfinder dieses selbsttätigen Senders
geben als dessen besonderen Vorzug an, daß er es dem Flieger erspart,
die Morsezeichen zu lernen. Sie vergessen aber, daß es mit dem Senden
allein nicht getan ist; man muß auch die Antwort aufnehmen können.
Im übrigen hat man bei uns schon während des Krieges mit derartigen
Apparaten gearbeitet, doch soll das Verfahren sich nicht bewährt haben.
Ob das amerikanische System wirklich brauchbar ist, wird abzuwarten
sein.
Der Nachrichtendienst ist aber auch in der Luft nur eine der
zahlreichen Aufgaben, die die Radiotechnik zu lösen hat. Viel wichtiger
ist ihre Tätigkeit zur Sicherung des Luftverkehrs, einesteils durch
Unfallverhütung, zum anderen durch schnelles Herbeirufen von Hilfe,
wenn ein Unfall eingetreten ist. Im ersten Sinne arbeitet namentlich
die +wellentelegraphische Ortsbestimmung+, die das wichtigste
Navigationsmittel für den künftigen Weltluftverkehr ist, da es nach
dem augenblicklichen Stand der Technik für das bei Nacht, im Nebel
und in oder über den Wolken (ohne Bodensicht) fliegende Flugzeug
keine andere Möglichkeit gibt, den Flughafen sicher zu finden. Das
Flugzeug bedient sich dabei der gleichen Methoden wie das Schiff; es
läßt sich also entweder von zwei verschiedenen Bodenstationen aus
gleichzeitig anpeilen und den dadurch ermittelten Flugort zufunken,
oder es peilt selbst mittels des eigens zu diesem Zwecke gebauten
+Flugzeugrichtfinders+ bestimmte Bodenstationen an und ermittelt
aus dem gemessenen Winkel auf der Karte seinen Ort. Das letzte
Verfahren ist das bessere, da auf diese Weise jederzeit beliebig viele
Flugzeuge ihren Ort bestimmen können, ohne sich gegenseitig zu stören.
Voraussetzung ist natürlich, daß alle größeren Flugplätze entsprechende
Hafenstationen erhalten, die Tag und Nacht mit einer bestimmten Welle
einen Kennbuchstaben funken. In England ist man im Begriff, ein enges
Netz solcher Stationen über das ganze Land zu legen. Für Deutschland
hat man schon 1912 den Plan eines Netzes von 50-100 Kilometer
voneinander entfernten Grenz- und Küstenstationen entworfen, die ein
unbeabsichtigtes Überfliegen der Grenzen und Küsten sicher verhindern
und zugleich allen Luftfahrzeugen jederzeit die Feststellung ihres
Flugorts ermöglichen sollten. Der Krieg hat die Verwirklichung dieser
Gedanken, die gleichfalls nach internationaler Durchführung rufen,
bisher verhindert.
Der +wellentelegraphische Wetterdienst+, der eine fortlaufende
Orientierung der Flugzeuge über die augenblickliche und die
voraussichtliche Wetterlage auf allen Strecken des künftigen
Luftverkehrs bezweckt, steht an Wichtigkeit der Ortsbestimmung gleich.
Diese Wettermeldungen (allgemeine Wetterlage, Windgeschwindigkeit,
Wolken, Nebelhöhe, Sturmgefahr usw.), zu deren Abgabe in erster Linie
die oben erwähnten Richtstationen in Frage kommen, sollen möglichst
stündlich erfolgen; auf diese Weise wird der Flieger über bevorstehende
Veränderungen des Wetters dauernd unterrichtet und kann nötigenfalls
seinen Flug rechtzeitig unterbrechen.
Ein ausgiebiger +Start- und Landungsmeldedienst+ ist eine weitere
Aufgabe der Wellentelegraphie in der Luftfahrt, für die derartige
Nachrichten das gleiche bedeuten, wie das Signalwesen und die
Streckentelegraphie im Eisenbahnverkehr. Gegenwärtig ist von einer
solchen Einrichtung angesichts des schwachen Luftverkehrs noch
keine Rede. Sie wird unerläßlich sein, sobald er -- frei von allen
ihm jetzt noch anhängenden Fesseln -- größeren Umfang annimmt. Die
Flughäfen müssen dann miteinander und mit den Flugzeugen dauernd
in Funkverbindung bleiben. Sichtzeichen, durch die man bisher die
Flughäfen notdürftig gekennzeichnet hat, versagen auf größere
Entfernung und bei unsichtigem Wetter. Sie sind auch einseitig, da sie
nur den Flieger auf den Hafen hinweisen, während es notwendig ist, dem
Flieger die Möglichkeit zu verschaffen, den Hafen, den er aufsuchen
will, rechtzeitig von der bevorstehenden Landung zu verständigen,
worauf der Hafen imstande sein muß, dem Flieger mitzuteilen, ob
der Landeplatz frei ist usw. Selbst ein Sicherungsverkehr der
Flugzeuge unter sich wird mit der Zeit in Frage kommen, um auf viel
befahrenen Luftstraßen Zusammenstößen vorzubeugen. Hier liegen für die
Radiotechnik noch mancherlei schwierige und lohnende Aufgaben vor.
24.
Daß man nach den Erfolgen der Radiotechnik in der Luftfahrt bald daran
dachte, auch +Kraftwagen+ mit Einrichtungen zur Wellentelegraphie
bzw. -telephonie zu versehen, ist selbstverständlich. Die praktische
Bedeutung ist aber -- abgesehen vom Kriege -- in unseren Verhältnissen
beschränkt, so daß eine allgemeine Einführung kaum in Frage kommt.
Wichtig ist dagegen die Anwendung der Wellentelephonie bei dem großen
Bruder des Autos: der Eisenbahn. Auf den Gedanken, mit fahrenden Zügen
in Verbindung zu treten, ist man schon früh gekommen. Die Ausführung
wurde zuerst auf dem Wege der Leitungstelegraphie versucht, durch einen
neben dem Gleis angebrachten Fahrdraht, auf dem, ähnlich wie bei der
Straßenbahn, ein Kontakt schleifte. Das Ergebnis war unbefriedigend.
Bei größerer Fahrgeschwindigkeit waren Unterbrechungen unvermeidlich;
auch brachen die Kontakte häufig ab. Man blieb also bei den optischen
Signalen, die heute überall in Gebrauch stehen, und nahm für den
Notfall akustische Zeichen -- Huppensignale und Platzpatronen -- zu
Hilfe, wenn man Gefahrmeldungen und dergleichen übermitteln wollte.
Alle diese Mittel haben jedoch den großen Nachteil, daß sie
einseitig sind; sie teilen dem Zugpersonal einen Befehl mit, ohne
daß kontrolliert werden kann, ob er verstanden wurde. Dem daraus
folgenden Bedürfnis, mit dem Zugpersonal auf irgendeine Weise in
wechselseitigen Verkehr zu treten, gesellt sich auf langen Reisen auch
seitens der Passagiere, vor allem der Geschäftsleute, die Forderung
nach telegraphischer oder telephonischer Verbindung mit dem „Lande“ zu
-- eine Forderung, die besonders in den Vereinigten Staaten mit ihren
riesigen Überlandstrecken sehr dringend geworden ist. Dort ist denn
auch schon 1898 durch +Edison+ versucht worden, die Aufgabe zu lösen.
Und zwar auf dem Wege der sog. Induktionstelegraphie, durch Ausnützung
der bekannten Tatsache, daß jeder geschlossene Stromkreis, in dem ein
Strom entsteht oder verschwindet, in einem benachbarten Stromkreis
seinerseits Stromstöße hervorruft, eine Erscheinung, die sich sowohl
zur Wiedergabe von Morsezeichen wie zur Übertragung von Sprechlauten
ausnützen läßt. Auf dieser Grundlage ist später noch mehrfach eine
Verbindung mit fahrenden Zügen versucht worden. Die bekannteste
Einrichtung dieser Art ist das durch Abb. 23 veranschaulichte
„Railophon“ (vom engl. ~rail~ = Schiene, also etwa „Schienensprecher“),
bei dem der Strecke entlang zwischen den Schienen ein Draht ~D~ verlegt
ist, während der Wagen einen großen Drahtrahmen ~A~ trägt, in dessen
Stromkreis ein Fernsprechapparat nebst einer Batterie eingeschaltet
ist. Wird in das Mikrophon hineingesprochen, so entsteht in ~A~ ein
Wechselstrom, der den Draht längs der Strecke „induziert“, d. h. sich
darauf durch die ausgestrahlten Wellen überträgt, und an beliebigen
Stellen dieses Drahtes -- etwa in der Station ~B~ durch Fernhörer
abgenommen werden kann. Umgekehrt kann man von beliebigen Stationen
längs der Strecke aus auf den Draht ~D~ sprechen und so die Spule
am fahrenden Zug erregen, die dann die aufgenommenen Zeichen an den
Zugfernhörer weitergibt. Auf einer englischen Eisenbahnstrecke war
das System eine Zeitlang im Betrieb. Dabei traten verschiedene Mängel
auf, vor allem das „Mitsprechen“ der übrigen Leitungen am Bahndamm und
umgekehrt die Störung des darin sich abspielenden Verkehrs durch den
Zugtelegraphen, die die weitere Verwendung scheitern ließen.
[Illustration: Abb. 23. Schematische Darstellung der
Induktionstelephonie mit fahrenden Zügen; Erläuterung im Text.]
[Illustration: Abb. 24. Schematische Darstellung der ersten
„Telefunken“-Anlage zur Wellentelegraphie mit fahrenden Zügen;
Erläuterung im Text.]
Mit der Einführung der Wellentelegraphie tauchte das Problem von neuem
auf. Aber erst als man feststellte, daß die elektrischen Wellen der
üblichen Sender die Eigenschaft haben, sich längs metallischen Leitern,
also z. B. längs Schienensträngen, Telegraphenleitungen usw., auf
weit größere Entfernungen fortzupflanzen als durch die Luft und daß
sie dabei den Drahtverkehr nicht stören, war der Weg gefunden, auf
dem eine brauchbare Lösung sich ermöglichen ließ. Die erste derartige
Anlage wurde um 1906 durch „Telefunken“ auf der Militäreisenbahn
Berlin-Zossen errichtet. Zur Übertragung der Wellen von den
Bahnhofstationen aus auf die die Bahn begleitenden Telegraphenleitungen
wurden etwa 40 ~m~ lange, parallel zu den Leitungen aufgehängte
Kabel benützt. Die Eisenbahnwagen wurden zur Aufnahme der Wellen mit
einer rings um das Dach laufenden Antenne versehen (Abb. 24). Bei
diesen Versuchen gelang es, bis auf 12 ~km~ sichere Verständigung
zu erzielen; bei anschließenden Versuchen auf den bayrischen Bahnen
wurde die Reichweite noch erhöht. Man erkannte aber zugleich, daß
die verwendeten Morseschreiber sich zum Betrieb in fahrenden Zügen
nicht eignen, daß vielmehr nur der Hörempfang in Frage kam. Bei uns
blieb die Sache dann liegen. Die Amerikaner aber griffen den Gedanken
auf und rüsteten mehrere große Schnellzugslinien mit entsprechenden
Apparaten aus, um den Passagieren während der Fahrt einen regelrechten
Telegrammverkehr zu ermöglichen. Da es sich nur um die Übermittlung
von Morseschrift handelte -- die Wellentelephonie steckte damals
noch in den Kinderschuhen --, waren dazu natürlich besondere Beamte
nötig, die während der ganzen Fahrt mit umgeschnalltem Hörer dasitzen
mußten, um einen etwaigen Anruf von draußen nicht zu versäumen. Durch
die Einführung der Elektronenröhre hat sich das geändert. Heute ist
erstens ein Anruf durch Klingel- oder Pfeifsignale und zweitens ein
unmittelbarer Sprechverkehr seitens der Passagiere und des Zugpersonals
möglich, so daß man also jeden Eisenbahnzug mit leichter Mühe in den
allgemeinen Funkverkehr einordnen kann. Für die dicht bevölkerten
Länder Europas mit ihrem engen Stationsnetz hat diese Tatsache aber
nur geringe Bedeutung, weil jede Station die Möglichkeit bietet,
Telegramme aufzugeben und zu empfangen. Die Ausnützung wird also
zunächst auf dünn bevölkerte Länder, besonders auf die großen Kolonial-
und Überlandbahnen, beschränkt bleiben, bis man einst in einer noch
stärker mechanisierten Zeit den Fernsprecher im Eisenbahnwagen als
selbstverständliche Bequemlichkeit fordern wird.
[Illustration: Abb. 25. Schematische Darstellung der
„Telefunken“-Einrichtung zur drahtlosen Ankündigung der Stellung von
Eisenbahnsignalen auf der Lokomotive.]
Dagegen ist das zweite Anwendungsgebiet: die Benützung im
Eisenbahnsicherungsdienst, auch für unsere Verhältnisse von
grundlegender Bedeutung. Wird durch die neuen, äußerst handlichen
Stationen für drahtlose Telephonie unter Ausnützung der
Wellenfortpflanzung längs der Schienen doch die Möglichkeit geschaffen,
die Streckenwärter, Stellwerke, Bahnhöfe usw. drahtlos miteinander
und mit den fahrenden Zügen zu verbinden, wodurch die komplizierten
Diensttelegraphenanlagen mit ihren hohen Anforderungen an die Schulung
des Personals zu einem guten Teile überflüssig werden. In engstem
Zusammenhang damit steht die Unterstützung und Ergänzung der jetzigen
optischen Streckensignale durch auf dem Wellenweg übermittelte. In
dem Sinne, daß auf dem Führerstand der Lokomotive Zeichen ausgelöst
werden, die den Führer auf das kommende optische Signal aufmerksam
machen und dessen unbeabsichtigtes Überfahren verhüten. Eine derartige,
sehr vollkommene Einrichtung ist kürzlich von „Telefunken“ geschaffen
worden (vgl. Abb. 25). Sie erfordert keine Sendeeinrichtungen auf
den durchfahrenen Stationen, sondern arbeitet mit einem auf der
Lokomotive angebrachten selbsttätigen Sender, der durch eine unter der
Maschine angeordnete Rahmenantenne ~A~ Wellen in der Richtung nach dem
Bahnkörper zu ausstrahlt. An allen Stellen des Bahnkörpers, wo ein
Signal nach dem Zuge zu gegeben werden soll, befinden sich zwischen
den Schienen auf die Sendewelle abgestimmte Schwingungskreise ~E~, die
gleichfalls eine Rahmenantenne enthalten. Bei der Vorüberfahrt an einem
solchen Empfangskreis wird dem strahlenden Sender Energie entnommen.
Dadurch wird der im Lokomotivstromkreis fließende Strom geschwächt
und ein Relais ~D~ betätigt, das seinerseits die Alarmvorrichtung
-- bestehend aus einer Hupe ~B~ und einem Lichtzeichen ~L~ -- zum
Ansprechen bringt. Abb. 25 II zeigt die Anordnung im Führerstand. Durch
Druck auf den unter dem Zeichengeber angeordneten Knopf ~C~ löscht der
Führer das Lichtsignal, wodurch er gleichzeitig den richtigen Empfang
bestätigt.
25.
So ziemlich jeder Kulturmensch hat in den letzten Jahren des öfteren
leise oder laut geflucht, weil er auf eine Fernsprechverbindung
nach außerhalb oft stundenlang warten mußte. Und noch mehr Leute
haben sich über die entsetzliche Verspätung aller Telegramme erregt,
kamen doch gleichzeitig aufgegebene Briefe oft früher in die Hände
des Empfängers. Die Frage nach dem Grund brachte die stereotype
Antwort: Überlastung der Leitungen! Während des Krieges hat sich der
Telegramm- und Fernsprechverkehr um ein Vielfaches der Friedenszeit
gegenüber gesteigert. In normalen Zeiten hätte man das Leitungsnetz
im gleichen Maßstab ausgebaut. Das dazu nötige Material war nicht
zu erhalten. Auch fehlten die geschulten Leute. Also blieb das
Netz auf dem Friedensstand, der oft sogar angesichts der Abnutzung
vieler Apparate nicht aufrecht erhalten werden konnte, während die
Beanspruchung ständig zunahm. Dieses Verkehrselend herrscht heute
in allen kriegführenden Ländern. Es zu beseitigen, würde noch auf
lange Zeit hinaus wenigstens in den unterlegenen Staaten keine
Aussicht sein, wenn nicht die Radiotechnik auch hier zu Hilfe käme.
Diesmal durch die Erscheinung, die ich schon oben erwähnte: daß die
elektrischen Wellen sich -- auf eine Leitung übertragen -- längs
dieser Leitung fortpflanzen, ohne abzuirren und die darin verlaufenden
Ströme zu stören. Die praktische Bedeutung? Man kann über eine Leitung
zunächst in der gewöhnlichen Weise telegraphieren oder sprechen und
gleichzeitig ein zweites Gespräch oder Telegramm mittels elektrischer
Wellen die Leitung entlang schicken, um es an irgendeiner beliebigen
Stelle abzunehmen und einem entsprechend eingerichteten Empfänger
zuzuleiten. Dabei kann dieses zweite Gespräch von einem gewöhnlichen
Fernsprechapparat aus geführt werden; seine Verbindung mit dem
Wellensender zwecks „Überlagerung“ der Sprechströme auf die Wellen
geschieht auf dem Vermittlungsamt und ebenso auf dem Empfangsamt die
Verbindung des Wellenempfängers mit der Sprechstation des angerufenen
Empfängers. Soll nicht gesprochen, sondern telegraphiert werden,
so werden die gewöhnlichen Sende- und Empfangsapparate sinngemäß
durch Leitungen an den Wellensender und -empfänger angeschlossen. Im
ganzen bedeutet diese Erfindung gewissermaßen eine Verdoppelung des
vorhandenen Leitungsnetzes. Aber damit hat man sich nicht begnügt.
Wir wissen, daß die Wellenzüge, die -- von den Sendestationen
ausgestrahlt -- den Äther durchkreuzen, einander nicht stören, sobald
die Wellenlängen verschieden sind. Ebensowenig stören sich Wellen
verschiedener Länge, die man über eine gemeinsame Leitung schickt.
Sie laufen gewissermaßen säuberlich getrennt am Draht entlang und
betätigen jede für sich nur +den+ Empfänger, der auf ihre Wellenlänge
abgestimmt ist. Das heißt nichts anderes, als daß man theoretisch
unendlich viele Gespräche (oder Telegramme) über eine Leitung schicken
kann, mit der Möglichkeit, das eine -- wenn die Leitung z. B. von
Basel nach Düsseldorf geht -- etwa in Freiburg, das nächste in
Heidelberg, das dritte in Karlsruhe, ein viertes in Bonn, das fünfte
in Düsseldorf abzunehmen und weitere über Düsseldorf hinaus auf neue
sich beliebig verzweigende Leitungen zu übertragen. In der Praxis
wird das theoretische „unendlich viel“ natürlich durch mancherlei
Umstände -- schon durch die Kosten der erforderlichen Einrichtungen
-- begrenzt. Immerhin ist man heute so weit, daß man insgesamt sieben
Gespräche (oder Telegramme) gleichzeitig über eine Leitung schicken
kann, wobei es gleichgültig ist, ob der eine in dieser, der andere in
jener Richtung spricht. Mit dem Ausbau dieser „Hochfrequenztelegraphie
und -telephonie längs Leitungen“, wie man das Verfahren zum
Unterschied von der eigentlichen Wellentelegraphie und -telephonie
nennt, ist man gegenwärtig in Deutschland eifrig beschäftigt. Fürs
erste ist die Schaffung von 50 Hochfrequenzverbindungen zwischen den
Hauptverkehrszentren vorgesehen, von denen ein Teil sich schon im
Betrieb befindet.
26.
Bei Untersuchungen über die Fortpflanzung der elektrischen Wellen durch
die Atmosphäre beobachtete man, daß sie sich darin nur dann ungehindert
ausbreiten können, wenn die Lufthülle nichtleitend ist. Verschiedene
Ursachen (insbesondere der von den oberen Schichten der Atmosphäre
absorbierte kurzwellige [ultraviolette] Teil der Sonnenstrahlung
sowie die in der Erdrinde enthaltenen radioaktiven Substanzen mit
ihrer Elektronenstrahlung) bewirken aber, daß die Luft stellenweise
-- namentlich in großen Höhen -- und zu bestimmten Tageszeiten eine
gewisse Leitfähigkeit erlangt; dadurch wird die Reichweite der Wellen
unter Umständen stark vermindert[5] und der Verkehr auch sonst
gehemmt. Um die Wellentelegraphie von diesen Störungen unabhängig zu
machen, schlugen +Leimbach+ und +Löwy+ 1909 vor, die elektrischen
Wellen nicht mehr durch die Atmosphäre, sondern durch die unter dem
Grundwasserspiegel liegende, die ganze Erde umziehende, trockene
und daher nichtleitende Gesteinsschicht zu schicken. Die Versuche,
diesen Gedanken in die Praxis umzusetzen, hatten ein ganz unerwartetes
Ergebnis.
Man entdeckte dabei nämlich, daß es möglich ist, auf das Verhalten
der Wellen gegenüber leitenden und nichtleitenden Bestandteilen der
Bodenschichten Verfahren zur Erforschung der Erdrinde zu gründen,
die schon in vielen Fällen, besonders im Bergbau, ihre praktische
Brauchbarkeit bewiesen haben. Die anzuwendenden Methoden sind je nach
dem verfolgten Zwecke verschieden. Eine der einfachsten arbeitet mit
zwei nach Abb. 26 in einer Geraden angeordneten Stationen, die so
eingerichtet sind, daß die Wellen nur in der Richtung der gestrichelten
Pfeile ausgestrahlt bzw. aufgenommen werden. Können die Wellen sich
ungehindert fortpflanzen -- das ist bei der Aufstellung in einem
Bergwerkstollen der Fall, wenn sie nur nichtleitendes Gestein zu
durchsetzen haben --, dann beeinflußt die eine Sendestation die andere
nicht. Treffen die Wellen aber irgendwo im Erdinnern auf eine leitende
Schicht -- etwa eine Erzader, einen Wasserlauf, auf feuchtes Gestein
usw. --, so werden sie daran gebrochen (genau wie ein Lichtstrahl
an einem Spiegel) und dadurch der anderen Station zugelenkt, die
dann plötzlich anspricht. Das Verfahren ist durch seine Erfinder in
jahrelanger praktischer Arbeit so weit durchgebildet worden, daß es
sich heute in mannigfachster Weise verwenden läßt. Beispielsweise im
Kalibergbau zur Feststellung, ob das Gebirge zwischen zwei Werken
wasser- bzw. laugenfrei ist und also sicher durchfahren werden kann,
wenn die Berggesetzgebung einen entsprechenden Durchschlag fordert,
um für jedes Werk einen Notausgang zu schaffen. Da man dabei oft
weite Strecken noch ganz unbekannten Gebirges durchörtern muß, ist
eine solche Voruntersuchung von den beiderseitigen Strecken aus von
größter Wichtigkeit. Auch im Innern der Kaliwerke wird das Verfahren
zur Untersuchung kleiner gestörter Gebirgsteile verwendet. Es gibt da
oft alte, von der Erdoberfläche aus niedergebrachte Schürfbohrlöcher,
in denen Süßwasser nach unten dringen kann; um solche wasserführende
Bohrlöcher herum muß man unbedingt genügend mächtige Sicherheitspfeiler
stehen lassen, wenn man nicht unter Umständen die ganze Anlage
gefährden will. Die Lage der Störenfriede ist aber oft nur ungenügend
bekannt, auch kann ihre Richtung, namentlich wenn die Bohrung sehr
lange Zeit zurückliegt, häufig beträchtlich von der Senkrechten
abweichen. Deshalb ist es von hohem Wert, daß das Wellenverfahren die
Möglichkeit bietet, ihre Lage und Beschaffenheit von unter Tage aus,
ohne sich ihnen nähern zu müssen, genau zu bestimmen.
[Illustration: Abb. 26. Schematische Darstellung des Verfahrens zur
Erforschung des Erdinnern durch elektrische Wellen.]
In ganz entsprechender Weise kann man ein Massiv nichtleitender
Gesteine auf etwa in ihm enthaltene ausgedehntere Erzlager
untersuchen, indem man an einigen geeignet verteilten Stellen
Bohrungen niederbringt, in die man die Sende- bzw. Empfangssysteme
für elektrische Wellen einhängt. Durch Ausnutzung entsprechender
Kombinationen von Bohrlochpaaren läßt sich ein Bild über die Verteilung
der Erzführungen gewinnen.
Eine große Anzahl praktisch wichtiger Anwendungen ergibt sich weiterhin
beim Aufsuchen von Grundwasser (Feststellung des Vorhandenseins und
der Tiefenlage), beim Abteufen von Schächten nach dem Gefrier- oder
Zementierverfahren, beim Abdichten von Wasserzuflüssen in Bergwerken
und beim Aufsuchen von Lagerstätten aller möglichen Stoffe, die sich
in ihren elektrischen Eigenschaften unterscheiden. Das einfache
Reflexionsverfahren, das ich oben schilderte, reicht dabei oft nicht
aus, so daß für Sonderfälle eigene Verfahren ausgebildet worden sind.
Auch auf diesem wichtigen Gebiet wird die Radiotechnik erst in Zukunft
ihre ganze Leistungsfähigkeit zeigen.
27.
Vor ein paar Jahren kamen unsere Varietés mit einer neuen Nummer
heraus. Im Zirkus Busch in Berlin war sie zuerst zu sehen. „Das
geheimnisvolle Luftschiff“ stand auf den Anschlagsäulen. Die
Erläuterung „Ein neues Wunder der Elektrizität“ verklärte die Sache mit
einem mystischen Schein von ernster Wissenschaft. Ließ man sich locken,
so sah man, wenn man den Zuschauerraum betrat, hoch in der Luft über
der Manege ein 3½ m langes Luftschiff schweben. Es stand regungslos im
kalten Licht der Bogenlampen, bis seine Nummer an die Reihe kam. Dann
gewann es auf einmal Leben. Es fuhr vorwärts und rückwärts, führte
Schwenkungen aus, kam herab, streifte dicht an den Zuschauern vorbei,
stieg wieder hoch, ließ Sprengstoffe fallen, die plötzlich detonierten,
alles, ohne daß eine Menschenseele an Bord zu sehen war. Dafür stand
unten in der Manege ein Tischchen mit allerlei Apparaten. Dahinter ein
Mann, der bald diesen, bald jenen Hebel rückte. Wenn man genau zusah,
merkte man, daß das Luftschiff Befehlen gehorchte, die es von diesem
Tischchen erhielt. Es wurde vom Boden aus drahtlos durch elektrische
Wellen gelenkt.
Das Ganze war die artistische Auswertung eines technischen
Fortschritts, den wir dem Nürnberger Lehrer +Christoph Wirth+
verdanken. Wirth ist es als erstem gelungen, das große Problem der
drahtlosen Fernlenkung zu lösen. Die Aufgabe heißt: Durch elektrische
Wellen an fernen Orten Maschinen in Tätigkeit zu setzen. Wirth selbst
hat seine Erfindung durch ein unbemanntes Motorboot demonstriert, das
im Sommer 1911 auf dem Dutzendteich bei Nürnberg und auf dem Wannsee
bei Berlin zu sehen war. Der Kapitän stand mit seinen Apparaten am
Ufer. Das Boot schwamm draußen, weit von ihm entfernt. Aber es folgte
jedem Befehl, den es vom Lande erhielt. Es schwenkte nach rechts,
es wendete sich nach links, es fuhr Kreise, gab Warnungssignale ab,
stoppte; die Maschine lief wieder an, Schüsse krachten, kurz, es tat
genau wie das Luftschiff alles, was man ihm aus der Ferne befahl. Des
Rätsels Lösung ist einfach. An Bord des Bootes waren einige kleine
Elektromotoren und eine starke Sammlerbatterie aufgestellt. Jeder
Motor hat seine besondere Aufgabe. Der eine betätigt das Steuerruder,
der zweite stoppt die Maschine und wirft sie wieder an, der dritte
treibt eine Sirene usf. Mit Hilfe eines mehrteiligen Schaltrades, das
die vom Ufer kommenden elektrischen Wellen drehen, kann ein Motor
nach dem andern eingeschaltet werden. Aber die betreffende Funktion
wird nur ausgelöst, wenn das Schaltrad mindestens 15 Sekunden auf dem
zugehörigen Motorkontakt stehen bleibt. Durch schnelles Hinübergleiten
von einem Kontakt zum nächsten kann man also die gerade nicht
gebrauchten Funktionen auslassen und die Motoren in jeder beliebigen
Reihenfolge ein- und ausschalten. Die Betätigung des Schaltrades ist
alles, was die elektrischen Wellen leisten. Das übrige besorgt die
Sammlerbatterie, die die Motoren mit Strom versieht.
Soviel über die technische Seite der Sache, die nicht viel neues
bietet. Das Wichtige ist die Tatsache, daß man ein Luftschiff, ein Boot
von fernher lenken kann. Selbstverständlich ist es gleichgültig, ob
dieses Boot auf oder unter dem Wasser fährt, sofern nur die Möglichkeit
vorhanden ist, die Wellen aufzufangen und ihre Energie zu verwerten.
Folglich -- sagte schon Wirth -- kann man fernlenkbare ~U~-Boote bauen,
die keiner Bemannung bedürfen. Wir hörten, daß man an Bord des Bootes
von fernher Geschütze abfeuern kann. Schicken wir also das ~U~-Boot mit
geladenen Torpedorohren hinaus, so können wir die Torpedos im richtigen
Augenblick von irgendwoher, beispielsweise von einem hoch in den
Wolken schwebenden Luftschiff aus, ausstoßen lassen. Auch kann man die
Torpedos selber drahtlos lenken.
Ein anderer Fall. Im Kriege ist ein feindlicher Hafen zu sperren.
Dazu werden in der Einfahrt Schiffe versenkt. Heute muß man diese
Schiffe mit Freiwilligen bemannen, die fast alle dem sicheren Tode
entgegengehen. Rüstet man die Schiffe aber mit Fernlenkapparaten aus,
so kann man sie von weither an die richtige Stelle steuern und dort
durch Fernexplosion versenken, ohne daß +ein+ Mann sie zu begleiten
braucht.
Das Thema ließe sich weiter spinnen, doch die angeführten Beispiele
genügen. Es scheint, daß das ganze Gebiet während des Krieges gerade
von deutscher Seite sorgsam bearbeitet worden ist, aber die Nachrichten
darüber sind spärlich. In „Technik und Wehrmacht“ wurde gelegentlich
festgestellt, daß von einem Flugzeug aus gesteuerte Fernlenkboote
mit nachhaltigem Erfolg zum Angriff gegen feindliche Kriegsschiffe
eingesetzt worden seien. Von anderer Seite wurde kürzlich über die
Erprobung drahtlos gesteuerter Flugzeuge in den Vereinigten Staaten
berichtet. Man soll dort nach einer Mitteilung des Kriegsamts eine
Einrichtung erfunden haben, mit deren Hilfe Flugzeuge ohne Führer
Strecken von über 150 km überfliegen und an einer bestimmten Stelle
landen können. Auch Frankreich hat -- hört man -- Versuche gleicher Art
mit gutem Erfolg durchgeführt. Die Fernlenkung von Torpedos ist nach
dem Bericht eines „Telefunken“-Ingenieurs während des Krieges in Pola
von den Österreichern ausprobiert worden. Die Lösung der Aufgabe erwies
sich dabei letzten Endes als eine Antennenfrage. Man mußte besondere,
aus beweglichen Gliedern bestehende, auf dem Wasser schwimmende
Antennen ziemlich großer Länge bauen. Nach deren Einführung gelangen
die Versuche -- heißt es -- vorzüglich.
28.
Die Bedeutung der ganzen Frage geht indessen über diese
Kriegsverwendungen weit hinaus. Drahtlos gesteuerte, pilotenlose
Flugzeuge könnten auch für den künftigen Luftverkehr, speziell als
Post- und Lastflugzeuge, wertvoll sein, weil etwaige Unfälle dann nur
Material, kein Menschenleben, bedrohen. „Luftrohrpostlinien“, auf
denen ganz kleine, drahtlos gelenkte Luftfahrzeuge Briefe und kleine
Pakete mit größter Beschleunigung befördern würden, sind gleichfalls
schon vorgeschlagen worden. Aber das alles faßt das Problem nicht an
der Wurzel. Wir wissen, daß unsere Kohlenlager in absehbarer Zeit
ihrer Erschöpfung entgegen gehen und daß die Wasserkräfte zur Deckung
des Weltenergiebedarfs nicht entfernt ausreichen. Versuche, durch
Erschließung anderer Energiequellen Ersatz zu schaffen, sind zahlreich
im Gange. Am aussichtsreichsten erscheint bis jetzt die Verwertung
der Sonnenenergie, die sich aber nur in bestimmten tropischen
Gebieten mit großer Strahlungsstärke und zahlreichen Sonnentagen
wirtschaftlich durchführen läßt. Gerade diese Eigenschaften aber
machen die gleichen Gebiete für Industriezwecke rundweg untauglich,
weil in dem dadurch gegebenen Klima intensive geistige und körperliche
Arbeit unmöglich ist. Ausgiebige Industriearbeit ist -- scheint
es -- an ein Klima, wie wir es in Mitteleuropa und in den auf der
gleichen Breite liegenden Unionsstaaten haben, gebunden. Also müssen
die jetzigen Industriezentren beibehalten und die in den Tropen
erzeugten Energiemengen ihnen zugeleitet werden. Deren Umwandlung in
Elektrizität ist gegeben, weil sie +die+ Energieform ist, die sich am
bequemsten transportieren und am ausgiebigsten verwenden läßt. Aber die
Übertragung durch Leitungen oder Kabel kommt auf solche Entfernungen
und angesichts der gewaltigen Mengen nicht in Frage. Also Übertragung
ohne Leitung, auf dem Ätherweg, in Form elektrischer Wellen. Der
Entscheid ist schnell getroffen, aber die Ausführung mit unseren
heutigen Mitteln unmöglich. Von den 450 Kilowatt, die beispielsweise
Nauen dauernd ausstrahlt, kommt nämlich in den Empfängern nur
ein ganz winziger Bruchteil zur Wirkung -- deshalb müssen die
Empfangseinrichtungen ja so empfindlich sein -- alles andere geht auf
dem Wege durch die Atmosphäre verloren. In der gewöhnlichen Weise
geht die Sache also nicht. Man wird ganz neue Wege auskundschaften
müssen, um das Ziel zu erreichen. Beachtung verdient in dieser
Beziehung ein amerikanischer Vorschlag, dem eine gute Grundlage nicht
abzusprechen ist. Ich sagte weiter oben, daß die Atmosphäre in großen
Höhen leitend ist, und zwar durch den dort absorbierten kurzwelligen
(ultravioletten) Teil der Sonnenstrahlung, der die unsere Lufthülle
zusammensetzenden Gase „ionisiert“. Nun wissen wir, daß elektrische
Wellen, die auf einen Leiter treffen, darin einen elektrischen Strom
erzeugen, sobald der Leitungskreis geschlossen ist. Das gilt natürlich
nicht nur für metallische, sondern auch für gasförmige Leiter. Also
braucht man nur jenem leitenden Gasgürtel der Erde an irgendeiner
Stelle elektrische Wellen zuzuführen und an einer beliebigen anderen
Stelle eine Rückleitung zur Erde schaffen, um sofort einen elektrischen
Strom zur Verfügung zu haben, der sich durch Anzapfung der Rückleitung
beliebig verwerten läßt. Die Stärke des Stromes hängt von der am
Sendeort ausgestrahlten Energiemenge ab. Leitungsverluste kommen
nicht in Betracht, da der die Leitung bewirkende ionisierte Gasgürtel
einen Leiter von so gewaltigem Querschnitt darstellt, daß sein
Leitungswiderstand unendlich klein ist. Aber wie soll man die leitende
Luftschicht, die mindestens 16 bis 20 km über der Erdoberfläche
liegt, erreichen? Metallische Antennen von solcher Höhe zu bauen, ist
technisch nicht möglich. Aber „Gasantennen“, leitende Gassäulen, die
von der Erde aus die ionisierte Zone anschneiden, kann man vielleicht
schaffen. Dazu würden am Sende- und Empfangsort mächtige Bogen-
oder Quecksilber-Dampflampen, deren Licht reich an ultravioletten
Strahlen ist, so aufzustellen sein, daß sie ihr Licht senkrecht nach
oben werfen. Aus der nichtleitenden Luftschicht wird dadurch ein
Zylinder „herausgeschnitten“, den die Strahlen ionisieren oder leitend
machen. Führt man dann diesem Strahlenbündel die zu übertragenden
elektrischen Schwingungen zu -- etwa dadurch, daß man in den
Strahlengang einen siebartig durchbrochenen Metallschirm einschaltet,
der mit dem Wellensender verbunden ist -- so wandern die Schwingungen,
in elektrische Ströme umgesetzt, durch das Strahlenbündel in die
Leitschicht und können von dort in derselben Weise wieder entnommen
werden. Der Vorschlag, den Abb. 27 bildlich darstellt, erscheint auf
den ersten Blick bestechend einfach. Leider hat der Erfinder die nicht
ganz unwichtige Frage nicht geprüft, welche Energiemengen erforderlich
sind, um ein Bündel ultravioletter Strahlen entsprechender Dicke 20
~km~ weit durch die Atmosphäre zu schicken, die an sich die hier
höchst unerwünschte Eigenschaft hat, ultraviolette Strahlen stark zu
absorbieren. An dieser Tatsache wird der kühne Gedanke, in nüchterne
Rechnungen umgesetzt, wahrscheinlich gründlich zerschellen.
[Illustration: Abb. 27. Schematische Darstellung der Energieübertragung
durch elektrische Wellen in der leitenden Außenschicht unserer
Atmosphäre.]
29.
Noch ein zweiter technischer Traum beschäftigt seit langem die
Forschung lebhaft: die Frage, ob das Pflanzenwachstum durch
Elektrizität gefördert werden kann, ob sich also auf diese Weise
eine Steigerung der Ernten erreichen läßt. Da bei den zahlreichen
praktischen Versuchen, die man auf diesem Gebiet bereits angestellt
hat, Hochfrequenzströme, d. h. elektrische Schwingungen, die Hauptrolle
spielen, müssen wir auch dieses Problem wenigstens kurz betrachten.
Angeschnitten wurde es zum ersten Male im Jahre 1747 durch den
französischen Physiker +Nollet+. Zu gründlichen Untersuchungen fühlte
sich aber erst der schwedische Physiker +Lemström+ bewogen, der im
Jahre 1902 auf Reisen in der Polargegend bemerkte, daß Roggen und
Gerste trotz des kurzen Sommers in jenen Ländern eine weit schnellere
Entwicklung zeigen, als in unsern Breiten. Die Erklärung, die die
Wissenschaft für diese Tatsache gab, daß nämlich die längere Dauer
des Sommertags die Ursache der früheren Reife sei, befriedigte
Lemström nicht. Er sagte sich, mit Recht, daß die dem Boden zugeführte
Gesamtmenge an Licht und Wärme trotz der zeitlich längeren Bestrahlung
im hohen Norden viel geringer ist, als etwa in Norddeutschland, wo
z. B. die Gerste 11-12 Tage mehr zur Reife braucht als im nördlichsten
Norwegen, und verfiel beim Suchen nach anderen Ursachen schließlich
darauf, daß vielleicht die atmosphärische Elektrizität im Spiele sei,
da jene Gegenden ja besonders reich an luftelektrischen Entladungen
-- man denke an die Nordlichter -- sind. Diese Vermutung erhielt eine
wesentliche Stütze durch die Entdeckung, daß außerordentlich viele
Pflanzen jener Gebiete allerlei spitzige Anhängsel (Grannen, lange
Blattspitzen usw.) besitzen, natürliche Antennen, die vortrefflich
geeignet erscheinen, Elektrizität aus der Atmosphäre aufzusaugen und
den Ausgleich elektrischer Spannungsunterschiede zwischen Luft und
Boden zu fördern. Lemström beeilte sich, seine Gedanken der Prüfung
durch den Versuch zu unterwerfen, zunächst im kleinen, indem er
Getreide und andere Kulturpflanzen in Töpfen unter einem Drahtnetz zog,
das mit dem positiven Pol einer Influenzmaschine verbunden war, deren
negativer Pol an der in den Töpfen befindlichen Erde lag, sodann -- als
der Ausfall günstig war, -- im großen, auf einem Ackerfeld von 3¼ ~ha~,
das er 40 ~cm~ über dem Boden mit einem engmaschigen Drahtgeflecht
überzog. Eine große Elektrisiermaschine schickte in gewissen
Zwischenräumen ihre Energie in das Netz, das die ihm zugeführten
hochgespannten Wechselströme in Form elektrischer Wellen der Erde und
den Pflanzen zustrahlte.
[Illustration: Abb. 28. Schematische Darstellung der Elektrokultur
mittels Hochfrequenzströmen.]
Anerkennung seiner Ideen war Lemström trotz unbestreitbarer Erfolge
nicht beschieden; der Tod raffte ihn mitten in eifriger Arbeit
hinweg. Aber die Samenkörner, die der Forscher durch seine Berichte
ausgesät hatte, gingen auf und trugen reiche Frucht. Der erste, der
in Lemströms Fußstapfen trat, war der englische Physiker +Oliver
Lodge+, der sich zusammen mit +Newman+, einem Elektroingenieur, vor
allem des praktischen Ausbaus der Sache -- Ersatz des kostspieligen
Netzes durch Einzeldrähte, Verwendung von Hochfrequenzstrom an Stelle
der Elektrisiermaschine usw. -- befliß. Andere Forscher folgten
mit verschiedenen neuen Verfahren nach, und schließlich ergab sich
einwandfrei, daß Hochfrequenzströme, die etwa in der durch Abb. 28
veranschaulichten Weise den Pflanzen zugeführt werden, tatsächlich das
Wachstum in günstiger Weise beeinflussen. Die Frage nach der Ursache
wird verschieden beantwortet. Am einleuchtendsten ist eine Erklärung,
die von der Tatsache ausgeht, daß die der „Elektrokultur“ unterworfenen
Pflanzen bedeutend mehr Wasser verdunsten als andere (so daß die
Elektrokultur überhaupt nur auf feuchtem Boden gelingt) und daraus den
Schluß zieht, daß die Elektrisierung eine Erhöhung der Atmung bewirkt,
die ein schnelleres Heranschaffen der Nährsalze, d. h. eine stärkere
Ernährung, zur Folge hat. Zugleich nimmt man an, daß die Nährstoffe des
Bodens durch die Elektrisierung aufgeschlossen und in einen für die
Aufnahme durch die Pflanze besonders geeigneten Zustand gebracht werden.
Thorne-Baker, ein englischer Physiker, hat ähnliche
Elektrokulturversuche mit Tieren, vor allem mit jungen Hühnchen,
angestellt; er meint, das von ihm behauptete günstige Ergebnis seiner
Versuche sei durch eine Beschleunigung des Blutkreislaufes bewirkt, die
eine Beschleunigung der Nahrungszufuhr zur Folge habe. Die Klarlegung
der hier wirkenden Faktoren ist Aufgabe der Physiologie, deren
Untersuchungen die endgültige Lösung des Problems offensichtlich sehr
beschleunigen könnten.
Diese Lösung wird nach den bis jetzt vorliegenden Erfahrungen vor
allem für den gewerbsmäßigen Garten- und Gemüsebau von Wichtigkeit
sein, weil es sich dort meist um verhältnismäßig kleine Flächen
handelt, die bei sorgfältiger Pflege hohe Erträge abwerfen sollen.
Die elektrischen Anlagen brauchen nicht sehr groß zu sein und sind
billig einzurichten und zu betreiben. Auch macht die an trocknen Tagen
nötige Berieselung des Bodens keine nennenswerten Schwierigkeiten. Beim
Ackerbau aber schließt schon diese Forderung einen wirtschaftlichen
Elektrokulturbetrieb nach unsern heutigen Erfahrungen vollkommen
aus, denn die dafür aufzuwendenden Kosten werden selbst durch sehr
bedeutende Steigerungen des Ertrags nicht mehr aufgewogen. Das
Schlagwort von der Umwandlung der Landwirtschaft in einen Zweig
der Elektrotechnik, das bei den ersten Berichten von den Erfolgen
der Elektrokultur in Frankreich geprägt worden ist, wird sich also
kaum verwirklichen lassen, obwohl die damit verknüpfte Aussicht,
den Ackerbau aus dem von allen möglichen, unserm Einfluß entzogenen
Umständen abhängigen Betrieb von heute zu einer sicheren Industrie zu
machen, ein des Schweißes unserer Edelsten würdiger Zukunftstraum ist.
* * * * *
Die Darstellung der Radiotechnik, die hier das ganze Gebiet in seinen
weitverzweigten Beziehungen zeigte und damit die außerordentliche
Bedeutung für Wirtschaft und Verkehr aufwies, findet nach der
technischen Seite hin ihre Ergänzung in dem Werk: Hanns Günther,
Wellentelegraphie. Ein radiotechnisches Praktikum. 110 Seiten mit 61
Abbildungen. (Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart.)
Alle Rechte, besonders das Übersetzungsrecht, vorbehalten. Für
die Vereinigten Staaten von Nordamerika: ~Copyright 1921 by
Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart.~ Gedruckt von der Stuttgarter
Setzmaschinen-Druckerei Holzinger & Co., Stuttgart.
Sachverzeichnis
Abstimmung 25
Additionsprinzip 31
~AEG~ 24
Arco 25, 37
Antenne 19, 26
Antennenrad 42
Aether 12
Atmosphärische Elektrizität 20
Bordstationen 47
Branly 19
Braun, F. 25, 32
Bredow 48
Detektor 25
Drehantenne 40
Duddel, W. 34
Duplexbetrieb 38
Edison 62
Eiffelturm 28
Eilvese 6, 37
Eisenbahnsicherungsdienst 65
Elektrische Funken 16
Elektrokultur 70
Elektromagnetische Lichttheorie 13
Elektronenröhre 37
Energieübertragung, drahtl. 73
Erdinneres 69
Feddersen 16
Fernlenkung, drahtlose 71
Flugzeugrichtfinder 60
Fortpflanzungsgeschwindigkeit 13
Frequenz 13, 36
Fritter 19, 21
Funkenstrecke 16, 19
Funkpressedienst 6, 42
Funkstelle 7
Gasantenne 74
Gedämpfte Wellen 31, 32
Gegensprechbetrieb 38
Geltow 39
Gerichtete Wellentelegr. 30, 38
Gesellschaft für drahtlose Telegraphie 32
Glimmentladungen 26
Goldschmidt 37
Großfunkenstation Neuyork 42
Hertz 14
Hochfrequenzmaschine 36
Hochfrequenztelegraphie 67
Huber 18
Induktionstelegraphie 63
Knarrfunkensender 27
Kondensator 28
Königswusterhausen 6
Konstante Welle 32
Küstenfunkstelle 7
Lavernock Point 22
Leimbach 68
Löwy 68
Luftrohrpostlinien 72
Marconi 20
Marconi-Gesellschaft 23
Marconisystem 31
Maschinensender 37
Maxwell 12
Meißner 37
Mitsprechen 63
Morseapparat 20
Nauen 6, 9, 32, 37
Newman 76
Nollet 75
Norddeich 6
Nullrichtung 38
Ortsbestimmung 60
Peilung 52
Penarth 22
Popoff 19
Preece 18, 21
Rahmenantenne 38
Reichsfunknetz 7
Reichweite 25, 68
Resonanz 30
Richtfinder 49
Righi 19
Röhrensender 37
Rundfunkdienst 43
Schiffswetterdienst 49
Schnelltelegraphen 30
Schwingungsdauer 13
Sendestadt 41
Sicherheit auf See 49
Slaby 22, 23, 25, 32, 55
Solf 10
~SOS~ 53
Startmeldedienst 61
Stören 29
Telefunken 64, 65, 68
„Telefunken“-System 32
Tesla 36
Thorne-Baker 77
Tonfunkensender 27
Ueberdruckschrankstation 56
Verriegeln 27
Verstärker 37
Wellenlänge 13, 26, 29
Wellentelegraphie 6, 20, 42
Wellentelephonie 34
Wellenuhr 45
Weltfunknetz 7
Wetterdienst 49, 66
Wien, M. 25, 32
Wirth 70
Woermann 48
Wortleistung 10
Zeitsendestation 45
Zeitsignaldienst 44
Zungenempfang 58
Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde ❖ Stuttgart
Die Gesellschaft Kosmos bezweckt, die Kenntnis der Naturwissenschaften
und damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer
Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres Volkes zu verbreiten.
-- Dieses Ziel sucht die Gesellschaft durch Verbreitung guter
naturwissenschaftlicher Literatur zu erreichen im
=Kosmos=, Handweiser für Naturfreunde
Jährlich 12 Hefte mit 4 Buchbeilagen. Preis vierteljährl. 7.50 M.
Diese Buchbeilagen sind, von ersten Verfassern geschrieben, im guten
Sinne gemeinverständliche Werke naturwissenschaftlichen Inhalts.
Vorläufig sind für das Vereinsjahr 1921 festgelegt (Reihenfolge und
Änderungen auch im Text vorbehalten):
Prof. Dr. K. Weule, Die Anfänge der Naturbeherrschung. I. Frühformen
der Mechanik.
Hanns Günther, Radiotechnik.
Dr. Kurt Floericke, Würmer.
Wilh. Bölsche, Im Bernsteinwald.
Jedes Bändchen reich illustriert.
Geh. M 5.20 Gebd. M 7.80
Diese Veröffentlichungen sind durch +alle Buchhandlungen+ zu beziehen;
daselbst werden Beitrittserklärungen zum =Kosmos=, =Gesellschaft
der Naturfreunde=, entgegengenommen. Auch die früher erschienenen
Jahrgänge sind noch erhältlich. (Satzung, Bestellkarte, Verzeichnis der
erschienenen Werke sowie Preise usw. siehe am Schluß.)
Geschäftsstelle des Kosmos: Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart.
Freude am Leben
und sichere Grundlagen
für eine moderne Weltanschauung findet jeder in der Natur.
Zum Beitritt in den „Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde“, laden wir
alle Naturfreunde
jedes Standes sowie alle Schulen, Volksbüchereien, Vereine usw. ein. --
Außer dem geringen
Vierteljahresbeitrag von nur M 7.50
(Dazu durch den Buchhandel Bestellgeld, etwaige Postgebühr besonders)
erwachsen dem Mitgliede =keinerlei= Verpflichtungen; dagegen werden ihm
folgende große Vorteile geboten:
Die Mitglieder erhalten laut § 5 der Satzung als Gegenleistung für
ihren Jahresbeitrag im Jahre 1921 =kostenlos=:
I. =Die Monatsschrift Kosmos, Handweiser für Naturfreunde.= Reich
bebildert.
II. =Die ordentlichen Veröffentlichungen.= 4 Buchbeilagen.
Prof. Dr. K. Weule, Die Anfänge der Naturbeherrschung
Hanns Günther, Radiotechnik
Dr. Kurt Floericke, Würmer
Wilh. Boelsche, Im Bernsteinwald
III. =Vergünstigungen beim Bezuge von hervorragenden
naturwissenschaftlichen Werken=
Jedermann kann jederzeit Mitglied werden.
Bereits Erschienenes wird nachgeliefert.
Anmeldungen bei jeder Buchhandlung oder durch die Geschäftsstelle des
+Kosmos, Stuttgart+, Pfizerstraße 5.
Folgende seit Bestehen des Kosmos erschienene Buchbeilagen erhalten
Mitglieder, solange vorrätig zu +Ausnahmepreisen+:
1. Gruppe 1904-1907. Broschiert M 82.--, gebunden M 126.50
1904
Bölsche, W., Abstammung des Menschen. -- Meyer, Dr. M. W.,
Weltuntergang. -- Zell, Ist das Tier unvernünftig? (Dopp.-Bd.) --
Meyer, Dr. M. W., Weltschöpfung.
1905
Bölsche, W., Stammbaum der Tiere. -- Francé, Sinnesleben der Pflanzen.
-- Zell, Dr. Th., Tierfabeln. -- Teichmann, Dr. E., Leben und Tod. --
Meyer, Dr. M. W., Sonne und Sterne.
1906
Francé, Liebesleben der Pflanzen. -- Meyer, Dr. M. W., Rätsel der
Erdpole. -- Zell, Dr. Th., Streifzüge durch die Tierwelt. -- Bölsche,
W., Im Steinkohlenwald. -- Ament, Dr. W., Die Seele des Kindes.
1907
Francé, Streifzüge im Wassertropfen. -- Zell, Dr. Th., Straußenpolitik.
-- Meyer, Dr. M. W., Kometen und Meteore. -- Teichmann, Fortpflanzung
und Zeugung. -- Floericke, Dr. K., Die Vögel des deutschen Waldes.
2. Gruppe 1908-1911. Broschiert M 82.--, gebunden M 126.50
1908
Meyer, Dr. M. W., Erdbeben und Vulkane. -- Teichmann, Dr. E., Die
Vererbung. -- Sajó, Krieg und Frieden im Ameisenstaat. -- Dekker,
Naturgeschichte des Kindes. -- Floericke, Dr. K., Säugetiere des
deutschen Waldes.
1909
Francé, Bilder aus dem Leben des Waldes. -- Meyer, Dr. M. W., Der Mond.
-- Sajó, Prof. K., Die Honigbiene. -- Floericke, Kriechtiere und Lurche
Deutschlands. -- Bölsche, W., Der Mensch in der Tertiärzeit.
1910
Koelsch, Pflanzen zwischen Dorf und Trift. -- Dekker, Fühlen und Hören.
-- Meyer, Dr. M. W., Welt der Planeten. -- Floericke, Säugetiere
fremder Länder. -- Weule, Kultur der Kulturlosen.
1911
Koelsch, Durch Heide und Moor. -- Dekker, Sehen, Riechen und Schmecken.
-- Boelsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit. -- Floericke, Vögel fremder
Länder. -- Weule, Kulturelemente der Menschheit.
3. Gruppe 1912-1915. Broschiert M 82.--, gebunden M 126.50
1912
Gibson-Günther, Was ist Elektrizität? -- Dannemann, Wie unser Weltbild
entstand. -- Floericke, Fremde Kriechtiere und Lurche. -- Weule,
Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge. -- Koelsch, Würger im
Pflanzenreich.
1913
Bölsche, Festländer und Meere. -- Floericke, Einheimische Fische. --
Koelsch, Der blühende See. -- Zart, Bausteine des Weltalls. -- Dekker,
Vom sieghaften Zellenstaat.
1914
Bölsche, Wilh., Tierwanderungen in der Urwelt. -- Floericke, Dr. Kurt,
Meeresfische. -- Lipschütz, Dr. A., Warum wir sterben. -- Kahn, Dr.
Fritz, Die Milchstraße. -- Nagel, Dr. Osk., Romantik der Chemie.
1915
Bölsche, Wilh., Der Mensch der Zukunft. -- Floericke, Dr. K.,
Gepanzerte Ritter. -- Weule, Prof. Dr. K., Vom Kerbstock zum Alphabet.
-- Müller, A. L., Gedächtnis und seine Pflege. -- Besser, H., Raubwild
und Dickhäuter.
4. Gruppe 1916-1920. Broschiert M 86.--, gebunden M 132.30
1916
Bölsche, Stammbaum der Insekten. -- Dekker, Dr., Heilen und Helfen. --
Floericke, Dr., Bulgarien. -- Weule, Krieg in den Tiefen der Menschheit
(Doppelband).
1917
Besser, Natur- und Jagdstudien in Deutsch-Ostafrika. -- Floericke, Dr.,
Plagegeister. -- Hasterlik, Dr., Speise und Trank. -- Bölsche, Schutz-
und Trutzbündnisse in der Natur.
1918
Floericke, Forscherfahrt in Feindesland. -- Fischer-Defoy, Schlafen und
Träumen. -- Kurth, Zwischen Keller und Dach. -- Hasterlik, Dr., Von
Reiz- und Rauschmitteln.
1919
Bölsche, Eiszeit und Klimawechsel. -- Zell, Neue Tierbeobachtungen. --
Floericke, Spinnen und Spinnenleben. -- Kahn, Die Zelle.
1920
Fischer-Defoy, Lebensgefahr in Haus und Hof. -- Francé, Die Pflanze als
Erfinder. -- Floericke, Schnecken und Muscheln. -- Lämmel, Wege zur
Relativitätstheorie.
Alle 4 Gruppen auf einmal bezogen: brosch. M 283.--, geb. M 440.--
=Einzeln bezogen= kostet jed. Band brosch. M 5.20, geb M 7.80 (für
Nichtmitgl. je M 6.60 bzw. M 9.80). Die Jahrgänge 1904-1916 (je 5
Bände) kosten für Mitglieder brosch. je M 22.50, geb. je M 35.20. Die
Jahrgänge 1917-1920 (je 4 Bände) kosten für Mitglieder brosch. je M
18.40, geb. je M 28.20.
=Vom Kosmos-Handweiser= sind noch geringe Vorräte von 1910, 1911, 1913,
1914, 1915, 1917, 1918, 1919, 1920 vorhanden. Jeder Band kostet für
Mitglieder brosch. M 12.--, geb. M 22.50 (für Nichtmitglieder brosch.
M 15.--, geb. M 29.--).
Elektrotechnische Werke von =Hanns Günther=:
Elektrotechnik für Alle
Eine volkstümliche Darstellung der Lehre vom elektrischen Strom und der
modernen Elektrotechnik.
Zweite, stark vermehrte u. verbesserte Aufl. Mit 373 Abbildungen i.
Text.
Preis geheftet M 12.--, gebunden M 22.--.
Elektrotechnisches Bastelbuch
(Große Elektrotechnik für Jungen)
Zwei Bände gebunden je M 19.50.
Daraus einzeln:
Selbstanfertigung von Kleintransformatoren und Gleichrichtern.
Bau einer Funkstation.
Selbstanfertigung galvanischer Elemente.
Selbstanfertigung von Dynamos und Elektromotoren.
Preis jedes Bändchens geheftet M 5.20.
Kleine Elektrotechnik für Jungen
Preis gebunden M 19.50.
Was ist Elektrizität?
Erzählungen eines Elektrons.
Preis geheftet M 5.20, gebunden M 7.80.
Wellentelegraphie
Ein radiotechnisches Praktikum.
Preis geheftet M 6.60, gebunden M 9.80.
Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.
Franckh’sche Verlagshandlung · Stuttgart
STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI HOLZINGER & Co., STUTTGART
FUSSNOTEN:
[1] Die Aufnahme der übermittelten Zeichen mit Morseschreibern hatte
sich schnell für größere Reichweiten als zu umständlich erwiesen.
Der Schreibempfang wurde deshalb durch den Hörempfang ersetzt, bei
dem man die ankommenden Morsezeichen mit Fernhörern als knackende
Laute abhorcht. Heute ist die Entwicklung wieder im Begriff, zum
Schreibempfang zurückzukehren, jedoch mit verbesserten Apparaten, die
z. T. die Stromstöße gleich in Druckschrift umsetzen.
[2] Die französische Großstation Eiffelturm, die für Frankreich etwa
dieselbe Rolle spielt wie Nauen für Deutschland.
[3] Der griechische Buchstabe Lambda (λ) ist in der Physik die
Bezeichnung für Wellenlänge. Die kürzeste elektrische Welle, die je
erzeugt worden ist, hat eine Wellenlänge von 2 ~mm~; nach oben steigt
die Wellenlänge bis auf 12000 ~m~ und mehr. In der Wellentelegraphie
wurden anfänglich Wellen von 300-3000 ~m~ verwendet; heute arbeiten
die Großstationen meist mit 6000- bis 12000-~m~-Wellen. Die obige
Aufforderung hieß also einfach: Pola solle eine 450 ~m~ längere Welle
als vorher zum Senden nehmen.
[4] Das internationale Zeichen für „Schiff in Not“, abgekürzt aus ~save
our souls~ = rette unsere Seelen.
[5] Bekannt ist die Erscheinung, daß die Reichweite während der Nacht
allgemein bedeutend größer ist als tagsüber.
*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK RADIOTECHNIK ***
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in paragraph 1.F.3, this work is provided to you ‘AS-IS’, WITH NO
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