Der Barometermacher auf der Zauberinsel

By Ferdinand Raimund

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Title: Der Barometermacher auf der Zauberinsel

Author: Ferdinand Raimund

Posting Date: September 20, 2012 [EBook #6644]
Release Date: October, 2004
First Posted: January 9, 2003

Language: German


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Der Barometermacher auf der Zauberinsel

Zauberposse in zwei Aufzügen

von Ferdinand Raimund

Musik Wenzel Müller

Erstaufführung am 18.  Dezember 1823
im Theater in der Leopoldstadt

Personen

fee rosalinde
lidi, erste Nymphe
tutu, Beherrscher einer Zauberinsel
zoraide, seine Tochter
linda, ihre Kammerzofe
hassar, Tutus Leibdiener
bartholomäus quecksilber, Barometermacher aus Wien
zunko, Anführer von Tutus Leibwache
der leibarzt des tutu
zadi, ein Waldbewohner
ein anführer der zauberarmee
erster, zweiter matrose
ein anführer der zwergenarmee
erster, zweiter, dritter, vierter zwerg
erste, zweite, dritte, vierte amazone
ein sklave
eine wache
schärpe,
horn,
stab (Stimmen)

Nymphen, Amazonen, Tutus Dienerschaft, Volk, Matrosen, Soldaten
der Zwergenarmee, Genien




I.  Aufzug



1.  szene

(Feenpalast.  fee rosalinde auf einem Blumenthron, der zur Seite
steht.  lidi und nymphen gruppieren sich um sie herum.  Musik,
Tanz.)


lidi (nach dem Tanze).  Vergiß nicht, erhabene Fee, daß heute
wieder hundert Jahre verflossen sind, und daß du dich
entschließen mußt, die Zaubergaben wieder einem der
Sterblichen zu verleihen.

fee.  Verdienen denn die Menschen der heutigen Zeit, daß
eine Fee ihrer auch gedenkt?

lidi.  Es gibt mitunter noch recht artige Menschen, denen ich
gar nicht feind bin.

fee.  Du scheinst mir von jeher mehr Vorliebe für sie zu haben,
als der Feenwelt anzugehören.  Ich bedaure dich, denn ich
kenne diese Menschen; uns Feen selbst schont ihre Sucht
zu spotten nicht mehr.  Müßte ich nicht den Spruch des
Schicksals erfüllen, ich würde die Zaubergaben auf ewig
in ihrer Vergessenheit ruhen lassen.

lidi.  Wem willst du sie denn zuwenden?  Du mußt dich dazu
entschließen.

fee.  Ein verhaßter Zwang!  Wer verdient noch glücklich zu
werden?  Beglückte ich einen Armen, so mißbrauchte er
im frechen Übermut meine Gaben; wandte ich sie einem
Reichen zu, so waren sie für ihn nur eine neue Quelle,
den Armen zu höhnen.  Wem soll ich sie verleihen?

lidi.  Überlasse es dem Zufall.  Lasse sie jenen finden, der in
diesem Augenblicke sich am nächsten bei den Ruinen im
Palmentale, in welchem diese Zaubergaben aufbewahrt
sind, befindet.

fee.  Lidi hat recht; nach Zufall will ich meine Gaben spenden.
Ich will sehen, wer in diesem Augenblicke bei den Ruinen
weilt.

(Musik.  Die Hinterwand geht auf; man sieht in einer ovalen
Öffnung die nächstkommende Szene en miniature abgebildet,
und Quecksilber, durch einen Knaben repräsentiert, auf einer
Ruine sitzen.  Die Musik spielt sehr piano den Gesang von
Quecksilbers nachfolgender Arie.  Nach der Musik beginnt die
Prosa).

alle nymphen.  Das ist ein spaßiger Mensch.

fee.  Wenn mich meine Feenkraft nicht trügt, so ist es ein
lebenslustiger Mensch, der dem Scherze huldigt; solche
Menschen sind in der Regel nicht die schlimmsten.

lidi.  Er hat sich just etwas Lustiges gedacht.

fee (winkt und die Erscheinung verschwindet).  Schlagt in dem
Lexikon der Menschheit nach, wer der Fremdling
eigentlich sei!

lidi (befolgt es).  Er nennt sich Bartholomäus Quecksilber, ist
ein zugrund’ gegangener Barometermacher, sehr verliebt,
von sehr lustigem Humor, welcher Schiffbruch gelitten
und auf dem Wege ist, sein Glück zu suchen.

fee.  Es soll ihm geholfen werden.  Umgebt mich; ich wende
dem Fremdling die Gaben zu.

(Musik.  Sie zieht mit ihrem Stabe einen Kreis.  Melodram.)

Horn, Stab und Schärpe soll er finden,
Du, Lidi, sollst ihm den Gebrauch verkünden;
Empfiehl ihm wohl, sie weise zu benützen,
Will er sie lang und vorteilhaft besitzen.

(Die Fee, Lidi und die Nymphen entfernen sich.)



2.  szene

(Verwandlung.  Die vorige Gegend im großen.  Seitwärts eine Ruine.
Im Hintergrund die See.  Man hört das Ritornell von Quecksilbers
Arie.)

quecksilber (tritt vor.  Arie).
Was braucht man Barometer
Auf dieser Welt noch mehr?
Ein jeder macht sich’s Wetter,
So wie’s ihm g’fällt, daher:
Auf Schön zeigt’s bei den Reichen,
Bei Stutzern zeigt’s auf Wind,
Auf Regen steht das Zeichen,
Wo arme Schlucker sind.
Bei Schönen, in der Regel;
Zeigt’s auf Veränderlich,
Auf Stürme bei dem Flegel,
Und Schnee bedeut’s für mich;
Doch Schicksal, es ist schade,
Daß d’ mich verfolgst mit G’walt!
So lang der Gönner Gnade
Nicht auf dem G’frierpunkt fallt.
Das ist eine prächtige Profession, das Barometermachen,
man kann verhungern alle Tag’.  Hab’ ich unglückseliger
Mensch aufs Meer müssen, um die wilden Völker des
Erdbodens durch meine Kunst in Erstaunen zu setzen,
und jetzt wirft mich das Schicksal auf diese Zauberinsel,
wo ich noch nichts gesehen hab’ als ein paar
Kanarienvögel, oder was sie waren, und einen Elefanten
mit drei Füߒ.  Na, die werden doch keine Barometer
brauchen!--Weil ich nicht zugrund’ gegangen bin, so ist
wenigstens das Schiff zugrund’ gegangen, bloß, weil ich
Unglücksvogel darauf war.  Die Matrosen haben schon
von weitem diese Feeninsel verflucht, weil ein jedes Schiff
scheitert, das in ihre Nähe kommt.  Richtig war’s so--sie
haben sich in einem Schinakl gerettet, und ich hab’ mich
an mein Barometer ang’halten und bin
daherg’schwommen.  Das war noch mein größtes Glück,
daß ich den vorigen Sommer zweimal im Prater in der
Schwimmschul’ war und zugeschaut hab’; da hab ich’s
abgespickt, sonst wär’s nicht möglich gewesen.  Und just
ich bin so unglücklich!  Da hab’ ich ein’ Busenfreund
gehabt; das war ein Rauchfangkehrer; das war so ein
schmutziger Mensch, im ganzen G’sicht voller Ruß, und
weil er Glück hat g’habt, ist er gnädiger Herr geworden,
der sich gewaschen hat.  Aber mir g’schieht recht!  Oh, mir
g’schieht recht!  Meine letzte Amour, die ich verlassen
hab’ oder, wie man in der hohen Dichtersprache sagt, der
ich den Stecken gegeben hab’, hat noch beim Abschied
prophezeit: Oh, sagt sie, Bartel!  sagt sie, dir wird’s nach
Haus kommen, sagt sie, Bartel!--Mein erstes Unglück
war mein neuer Buchdrucker, der laßt mir
unglücklicherweise auf meinen Zetteln auf die Barometer
überall den ersten Buchstaben aus.  Zum Beispiel, statt
kaltes Wetter, laßt er das k aus, steht droben: altes
Wetter;--so bei warmer Wind--armer Wind.  Ich sieh’s
nicht, verkauf’s, die Leute glauben, ich bin ein Narr,
lassen nichts mehr bei mir machen.  Kein Verdienst!  Wie
ich eine Weile im Wirtshaus nicht gezahlt hab’ und hab’
vom Kellner was begehrt, so ist der Barometer seiner
Dienstfertigkeit aufs Hinauswerfen g’stiegen, und wann
ich mich nicht g’schwind aus dem Staub g’macht hätt’, so
wär’ er auf Schläg’ g’fallen.--Was war also zu tun, als
mein letztes Bissel zu verkaufen und in die weite Welt zu
gehen.--Da steh’ ich nun allein und verlassen, ein
Fruchtbaum in der Wüste.  (Weint.)  Doch von all dem
rauschenden Geleite, wer harret noch liebend bei mir
aus?  Dieser edle Magen!  Der einzige Schmarotzer, der
mir die Ungelegenheit macht, treu zu bleiben.  Just gibt er
wieder eine Bittschrift ein, um was zu essen.--Schicksal,
wenn du eine Ehr’ im Leib hast, so laß mich nicht
verhungern.  (Unterirdische Musik, leise.)  Was ist das?  Eine
musikalische Akademie unter der Erde?

stimme des hornes.  Wer will auf mir blasen?
quecksilber.  Eine kuriose Frage!

stimme der schärpe.  Wer will mich tragen?
quecksilber.  Den soll man tragen, der kann vielleicht siebzig
Zenten schwer sein.

stimme des stabes.  Wer will mich schwingen?
quecksilber.  Jetzt will der wieder geschwinget sein!  Was heißt
denn das?

stimme des hornes.  Geh, blas mich!

stimme der schärpe.  Geh, trag mich!

stimme des stabes.  Geh, schwing mich!

alle drei zusammen.  Dein Glück wird es sein.

quecksilber.  ich weiß nicht, was ich denken soll!  Blasen,
tragen und schwingen?  Man kann sich dabei denken, was
man will.  Aber es soll mein Glück sein, also frisch!
Ich blas’ dich!
Ich trag’ dich!
Ich schwing’ dich!
Herauf!  Herauf!

(Donnerschlag.  Es steigen drei Postamente aus der Erde, auf
denen ein silbernes Waldhorn, eine Schärpe und ein goldenes
Stäbchen liegen.  Kurzer unterirdischer Chor.)

quecksilber.  ein Waldhörndel?  Nu, Stadthörndel hab’ ich
schon genug getragen.  Eine Binden, mit Ochsenaugen
garniert?

(Eine schwarze Schärpe mit runden Zauberzeichen.)--

Und ein goldenes Ausklopfstaberl?--Was sind denn das
für Kindereien?  Einen Menschen so für ein’ Narren
halten!  Was ist denn das für ein unterirdischer Sozius?
Wann er nur heraufkäm’, ich nehmet mir die Freiheit und
schlaget ihm mein Barometer an Kopf, daß die Scherben
davonfliegen.

(Donnerschlag.  Die Ruinen verwandeln sich in ein hellrotes
Wolkenzelt, mit weißen Rosen garniert.  Kurze Musik.)

lidi (in Begleitung von drei Genien tritt heraus).  Undankbarer,
frevle nicht.

quecksilber.  Himmel was ist das!  Welch eine krudelschöne
Person!  Nymphe des Waldes oder Donna del Lago!
Nimm die Huldigung des miserabelsten aller Barometermacher.

(Die drei Genien nehmen die drei Gaben von den Postamenten,
welche verschwinden.)

lidi.  Horch auf!
Die Gaben, die du siehst,
Von großem Zauberwert,
Sind durch des Zufalls Macht
Dir zum Gebrauch beschert.

quecksilber.  Die spricht in Versen, da muß ich auch ein paar
Reim’ loslassen.
Verzeihe mir den Schimpf,
Hochwohlgebor’ne Nymph’!
Daß ich auf deine Gab’
Vorher geschmälet hab’.
Doch wie soll ich’s denn machen
Mit diesen Zaubersachen,
Daß sie mir nützlich sind,
Ich bitte dich geschwind,
Verehrungswürd’ge Fee,
Oh, sag es mir!  geh!  geh!

die drei genien (lachen ihn aus).  Ha, ha, ha.

quecksilber (sieht sich beleidigt um).  Jetzt schaut’s die Kinder
an aus dem verwunschenen Waisenhaus.  Lachen die
einen gebildeten Mann aus, der in Knittelversen spricht.

lidi.
Wenn du den Stab hier schwingst,
Ist dir der Zauber hold,
Was du mit ihm berührst,
Verwandelt sich in Gold.
Du kannst durch deine Macht
Die höchste Kleiderpracht,
Brillanten dir erwinken,
Läßt du den Stab nur sinken.
Und dürstest du vielleicht
Einmal nach Kriegestaten,
So bringt ein Stoß ins Horn
Dir tapfere Soldaten.
Bedeckt die Binde dich,
Und wünschest du dich fort,
So findest du dich flugs
An dem ersehnten Ort.
Bewahr die Gaben wohl,
Wenn sie dir einmal schwinden,
Mußt du s’ durch eig’ne Kraft
Hiernieden wiederfinden.

(Sie geht zurück.  Das Zelt verwandelt sich wieder in die Ruine.)

die drei knaben (geben ihm die Gaben und rufen ihm mit dem
Finger drohend zu).  Du!  (Alle drei lachend ab.)

quecksilber (allein).  Das ist eine unartige Brut!  Nu ja, solche
Feenkinder!  Die Eltern schauen ja nicht darauf, lassen’s
halt so bloßfüßig herumlaufen.--Aber das Glück!  Das
Glück!  Wer hätte sich morgen das gedacht, daß ich heute
so glücklich werden sollt’?  Wenn nur jetzt geschwind
jemand da wäre, den ich vor Freuden embrassieren oder
massakrieren könnt’.



3.  szene

(matrosen kommen auf einem Boote angefahren.  voriger.)


chor.
Freude!  Freude!  Freude!
Freunde, hier ist Land!
Laßt die See nur brausen,
Und die Winde sausen,
Eilet an den Strand!

(Sie springen ans Land.)

erster matrose.  Diesmal sind wir glücklich davongekommen.
War das ein Sturm!  Einen ganzen Tag haben wir
vergebens herumgerudert, und doch hat uns der Zufall
auf dieser verwünschten Feeninsel landen lassen.  Einen
Menschen hier zu treffen, ist, soviel ich sehe, gar keine
Hoffnung!

quecksilber.  Bedank’ mich; also muß ich einem Vieh
gleichsehen?

erster matrose (sieht das Barometer auf der Erde).  Kameraden,
seht, da liegt ein Barometer.  (Hebt es auf.)

quecksilber.  Lassen Sie anderer Leute Sachen stehen.

alle.  Der Barometermacher!

erster matrose.  Wie kommt denn der Schuft daher?  Er ist
ohnehin an unserem Malheur schuld, weil wir die
Mißgeburt auf dem Schiff hatten.

quecksilber.  Das wird der erste sein, an den ich bronzier’; der
kriegt goldene Schläge!

erster matrose.  Was?  Du Seehund!  Du Meerschwein!

quecksilber.  Ich bitt’ Sie einzuhalten mit Ihren ästhetischen
Benennungen.  Jetzt werden wir gleich aus einem andern
Ton sprechen.  Nieder mit euch; erkennt in mir euren
Gebieter, wenn ihr nicht verhungern wollt!  Eine mächtige
Fee hat mir diesen Zauberstab gegeben; alles, was ich
damit berühre, kann ich in Gold verwandeln.

alle (lachen).

erster matrose.  Der Bursche muß Tollpflanzen gegessen
haben, er ist närrisch geworden.

quecksilber.  Was?  (Läuft zu dem Boot, berührt es, dieses
verwandelt sich schnell in ein segelfertiges Schiff von
gediegenem Golde.)  Nun?

alle matrosen (fallen auf die Knie).  Herr, wir sehen deine
Macht!  Kannst du uns verzeihen?

quecksilber.  Oui!  Steht auf, ihr seid von nun an in meinen

Diensten.  An Gold soll’s euch nicht fehlen, und wer sich
besonders gut aufführt, den laß ich zum Lohn im Feuer
vergolden.

alle.  Hurra!

quecksilber.  Und jetzt sagt mir, was ihr von dieser Insel
wisset!

erster matrose.  Sie stehet unter dem Schutz einer mächtigen

Fee.  Es gelingt nur selten einem Fremden zu landen, und
Tausende haben schon in diesen Wellen ihr Grab
gefunden.  Unser Kapitän nur war so kühn und so
glücklich, auf der Ostseite an den Strand zu kommen, und
erzählte, daß sich ein mächtiges Reich dort befindet,
dessen Fürst eine sehr schöne Prinzessin zur Tochter hat,
welche die Natur mit außerordentlichem Verstande
beschenkt haben soll.

quecksilber.  Da ist von dem meinigen auch eine Portion
dabei; darum ist mir immer etwas abgegangen.  Also bon!
Dieses Wunder will ich kennenlernen, und weil auf dieser
Insel kein Auskunftscomptoir ist, so fahren wir längs der
Küste so lang herum, bis wir Leute entdecken.  Ich nenne
mich dort Fürst Maikäfer aus dem Candaridengeschlecht
und bin Beherrscher von verschiedenen
Heuschreckeninseln.  Und jetzt fort, zu Schiff, denn sonst
verhungert der ganze Hofstaat.

alle.  Hurra!  (Kurzer Chor)
Zu Schiffe!  Es schwellen die Segel.
Es weht schon ein günstiger Wind!
Bald sehn wir belebte Gestade;
Vertrauet dem Glück, es ist blind.

(Alle steigen ins Schiff und fahren ab.)



4.  szene

(Ein analoges Gemach.  Sklaven kommen und bereiten auf Polstern
eine Art Ruhelager.  Sklavinnen kommen, tanzen mit großen Fächern;
endlich tutu, der sich auf die zubereiteten Polster niederläßt.
Musik.)


tutu.  Ich erliege unter der Last der Geschäfte!  Seid’s still,
damit ich schlafend mich beschäftigen kann.--Ich mag
mich schon hinlegen, wo ich will, es tut mir alles vom
Liegen weh.  Den ganzen Tag muß ich so in Geschäften
hinbringen.  (Man hört Lärm hinter der Szene.)  Was ist denn
das?  Wer stört mich in meiner Weisheit?  Da hat gewiß
wieder eine Prinzessin Tochter etwas angestellt.



5.  szene

(linda.  tutu.)


linda (stürzt herein und wirft sich ihm zu Füßen).  Ach, schützen
Sie mich doch, gnädiger Herr!

tutu.  Wenn’s nicht viel Arbeit macht, so schütze ich dich.

linda.  Mit Ihrer Prinzessin Tochter ist’s nimmermehr zum
Aushalten; es muß doch noch alles davonlaufen.



6.  szene

(zoraide.  vorige.)


zoraide.  Was seh’ ich?  Sie selbst nehmen die Frevlerin in
Schutz, die meine Freier abredet?  Aber freue dich, wie
ich mit deinen Reizen umgehen will.  Von morgen an darf
kein schönes Gesicht im ganzen Lande mehr existieren.

tutu.  Du, das wird ohne Spektakel nicht angehen.  Wenn du
den Weibern ihre Schönheit attaquierst, so wehren sie
sich bis auf den letzten Mann.

zoraide.  Aber ich will’s!  Ich will’s!  Ich will’s!  Alle, alle werd’
ich noch zu meinen Füßen sehen.  Mich allein müssen alle
lieben, und vor Liebe vergehen.



7.  szene

(hassar.  vorige.)


hassar.  Mächtiger Tutu!  Vergib, daß sich meine Schönheit dir
zu Füßen wirft.  Es ist ein Fremder angekommen, der ein
entsetzliches Aufsehen macht.

zoraide.  Also schon wieder einer?  Oh, die verliebten
Mannsbilder gehen nicht aus.

tutu.  Nur weiter!  Was macht er für Aufsehen?  Man kann
auch ein Aufsehen machen, wenn man auf dem Kopf geht
oder Purzelbäum’ macht.

hassar.  Seine Schiffe sind gediegenes Gold, das Vorderteil ist
mit lauter Solitärs besetzt.  Auf dem Weg zum Ufer bis
zum Palast hat er und sein Gefolge lauter Dukaten
gestreut.

zoraide.  Das muß ein schöner Mann sein.

hassar.  Vergeben Sie, Zoraide, in der Schönheit kann er mit
mir keine Vergleichung aushalten; aber sehr lustig muß er
sein; er will Sie sehen und will Sie heiraten.

zoraide.  Schau, das ist alles zuviel Gnade.

tutu.  So müssen wir uns also wieder strapezieren.  Wir wollen
ihn ansehen.  Zoraide, geh, mach der G’schicht’ ein End’
und nimm ihn, denn sonst bleibst am End’ doch sitzen.  Es
ist noch allen so gegangen, die gar herumg’sucht haben.

HASSAR (wirft im Abgehen Linda Küsse zu).



8.  szene

(zoraide.  linda.)


zoraide.  Besitzt er solche Reichtümer?  Sie müssen mein sein,
dann mag er hingehen, wo er hergekommen ist.  (Geht ab.)

linda (allein).  Wart, du Schlange!  Den will ich warnen, den
sollst du nicht foppen.--Ich weiß überhaupt nicht, was sie
davon hat, daß sie die Männer so papierlt.  Wär’ ich
Prinzessin, ich wüßt’ schon was Besser’s zu tun.

(Lied.)

Oh, wär ich Prinzessin heut an deiner Stell’;
Ich wüßt’ mich vor Freuden nicht aus, meiner Seel’!
Ich hänget mir Spitzen und Perlen hinauf,
Als käm’ ich lebendig zu Markt auf ein’ Kauf.
Das wär’ ein Leben, juchhe!  usw.
Mit Sechsen, da fahret ich täglich spazier’n,
Heiducken, die müßten am Schlag paradiern’n,
Vier Laufer voraus, ja die renneten her,
Grad als wenn im Prater der erste Mai wär’.
Das wär’ ein Leben, juchhe!  usw.
Ich wollt’ mir die Insel ganz richten nach Wien,
Ein Graben, an Kohlmarkt, den machet ich hin.
Theater, Redouten, das kostet’ kein Müh,
Ein Volksgarten, Prater, a, Wasserglacis.
Das wär’ ein Leben, juchhe!  usw.
Weil einmal im Jahr sich gern jedes erholt,
Wenn man zu elf Monat zu Haus brummt und grollt,
So baut’ ich ein Baden mir auch ohne Gnad,
Da schicket der Bassa sein’ Frau halt ins Bad.
Das wär’ ein Leben, juchhe!  usw.



9.  szene

(Platz vor dem Palaste.
Eine Menge Leute raufen um das ausgeworfene Geld.  Quecksilbers
Gefolge wirft Geld aus; sie sind ganz in Goldlivreen gekleidet, sehr
elegant.)


(Chor.)
bediente.
Sie fallen darüber--sie stürzen sich drein,
Schlagt man ihnen d’ Augen mit Münzen auch ein.

volk.
Und blieb’ ich gleich liegen--und bräch’ ich ein Bein,
Es müssen Dukaten in Menge mein sein.



10.  szene

(tutu.  zoraide.  hassar.  vorige.)


tutu.  Na, da geht’s ja schrecklich zu!  Hat er wirklich Dukaten
ausgeworfen oder sind’s nur Dantes vielleicht?

hassar.  Herr, von dem feinsten Gold.

tutu.  Also von Numero drei?  Nu, da muß ich mich schon auch
ein wenig sehen lassen.  Man kann ihnen dann später aus
meinem Schatz einige goldene Geschirre an den Kopf
werfen.

zoraide.  Nu, die Dienerschaft passiert.  Aber wo bleibt denn
der ausländische Stutzer?  Muß er sich vielleicht erst eine
Rede einstudieren?

hassar.  Er naht sich.  Ha!  Welch ein Glanz!

tutu.  Halt Er sein Maul.  Man erhebe eine Art von
Freudengeschrei.

volk.  Es lebe Fürst Tutu!

quecksilbers leute.  Hurra!

zoraide.  Stimmen haben s’ wie die Bären.  Was ist denn das
für eine Sprach’: Hurra?

tutu.  Hurra?--Das ist Französisch und heißt auf Italienisch’
G’wehraus!  Still, er kommt.



11.  szene

(quecksilber.  vorige.)


quecksilber (als Stutzer.  Er trägt einen modernen Frack von
Goldlock, eine silberne Weste mit blaugestickten Borten und
ebensolche Pantalons, einen dreieckigen Hut, mit Diamanten
garniert.  Zum Eingang spielt die Musik das Ritornell aus der
ersten Arie des Figaro im Barbier von Sevilla, dann Rezitativ).
Prinzessin!  Wie soll ich dich nennen?
Für die Kalmucken selbst entbrennen!
Euphemia, Amarantia oder Rosel?
Wie du auch heißest, gilt mir gleich;
Mich trug der Rhein und auch die Mosel
Auf einem Dampfschiff in dein Reich.

(Arie.  Melodie: Ich bin etwas verliebter Laune usw.)

Ich besitze viel tausend Millionen,
Und reise durch die halbe Welt,
In den kält’sten und heißesten Zonen,
Hab’ überall ich Schätze gestellt.
Um in Engelland recht zu verschwenden,
Verschenk’ ich die Sterling zu Zenten,
Denn vom Auszahlen an mich wird die Bank
Auf die Letzt vor Strapaze noch krank!
In Italien recht mächtig zu werden,
Erkauft’ ich die herrlichsten Gärten,
Pomeranzen von Gold, das ist wahr,
Ein Wald von Salami sogar.
In Tirol auf der Alma,
Wennst z’frieden willst sein,
Da hab’ ich drei Hütten,
Die sind zwar nur klein:
Dort nutzen ein’ die Schätz’ nix,
Da bringt man’s nicht an,
Da macht ein treu’s Herz nur
Zum glücklichsten Mann.
Doch im schönen Ungarland
Bin als Krösus ich bekannt,
Auf meiner Pußta zähle ich
Zehntausend Büffel ohne mich.
Im Öst’reicher-Landel
Da bin ich zu Haus,
Da geht mir das Glück
Und die Freude nie aus!
Ich besitz’ dort Auen und Wälder,
Auf der Schmelz drauߒ die herrlichsten Felder,
Und die Brühl, die so schön wie die Schweiz,
Die g’hört mein bis nach Heiligenkreuz.
Und in Wien hab’ ich Häuser sehr viele,
Das ist halt schon so meine Grille,
Daß ich immer in einem fort bau’,
Doch die meisten sind in der Roßau.
Auf dem Thuri hab’ ich ganze Straßen,
Von der Wieden kann ich d’Hälfte verlassen,
Und um ein spottwohlfeiles Geld
Hab’ ich zwanzig kauft im Lerchenfeld.
Die Jägerzeil’ lieb’ ich vor allen,
Dort wünsch’ ich den Leuten zu g’fallen,
Dort hab’ ich ein einziges Haus,
Da wirft man mich sicher nicht ’raus.

zoraide.  Also, das ist der unmenschlich reiche Mensch?  Der
sieht aus wie ein ang’legter Aff’!

tutu.  Man hat mir deine Ankunft auf unserer Insel gemeldet.
Was suchst du hier?  Es ist nicht viel zu finden.

quecksilber.  Per du red’t er mit mir?--Der Ruf von der
entsetzlichen Schönheit von Dero Mademoiselle Tochter
hat mich hierher gelockt.

tutu.  Da kann man sehen, wie die Lugen herumkommen!  Das
Anschauen kostet nichts.  Schau sie an, hier steht sie.

zoraide.  Ich hoffe, du wirst mich für schön finden.

quecksilber.  Jetzt sagt die auch wieder du!  Das müssen
emigrierte Tiroler sein, weil s’ zu allen Leuten du sagen.--
Prinzessin, Sie sind eine magnifique Personage, wie auch
Ihr Herr Vater; es tut einem zwischen ihm und dem
Spadi-Do die Wahl weh’.  Aber wenn Sie nur die Güte
haben wollten und wollten nicht immer du zu mir sagen.
Wenn Sie nicht Herr von sagen mögen, so heißen Sie
mich wenigstens: Sie.

zoraide.  Das ist ein impertinenter Patron.

tutu.  Sei still!  So lang, bis wir sehen, ob er Geld hat, sagen wir
Sie; wann er kein’s hat, so kann man ihm hernach noch
immer alle Grobheiten antun.

zoraide.  Nun also!  Sagen mir halt Sie, mein Sie--Sie--weil
man Ihnen nicht duzen darf: was wünschen Sie denn
eigentlich von mir?

quecksilber.  Ich bin hier, um Ihre schöne Hand anzuhalten.

zoraide.  Dazu gehören drei Eigenschaften: geistig wie
Jamaika- Rum; reich wie ein Inka von Peru, und schön
wie der deutsche Alcibiades.

quecksilber.  Nu, was den Verstand und Reichtum betrifft,
hat’s keinen Anstand, aber mit dem deutschen Alcibiades
wird’s schlecht ausschauen, da wird höchstens ein
wallachischer herauskommen.

zoraide.  Was sind Sie eigentlich?

quecksilber.  Ich bin ein Millionär!

tutu.  Ist keine schlechte Profession.

zoraide.  Haben S’ studiert?

quecksilber.  Zweihundert Schulen.

tutu.  Das ist viel.  Wir haben eine einzige, und ich hab’ in der
nichts gelernt.

quecksilber.  Und in sehr kurzer Zeit.  Warum?  Aus zu großen
Fortschritten hat man mich in der Parva früher
ausgestoßen, dadurch bin ich an den anderen Schulen
vorbei, und gleich in die Poesie hineing’flogen, dort haben
sie mir wieder einen neuen Wurf gegeben, der mich der
Philosophie in die Arme geworfen hat.  Weil ich aber dort
mit meinen Professoren etwas unartig war, so hat man
mich eingesperrt, da hab’ ich das Jus absolviert, dann hab’
ich die Gymnasien am Alsterbach frequentiert, vor der
Sankt-Marxer Linie hab’ ich mich examinieren lassen und
meine Prämien habe ich dann erhalten bei’n Schotten auf
dem Stein.

tutu.  Da haben Sie eine schöne Karriere gemacht.

zoraide.  Aber, wie sieht’s denn mit den Beweisen des
Reichtums aus?  Denn die Dukaten, die Sie ausgeworfen
haben, können vielleicht Ihre letzten sein.  Es sind schon
allerhand Streichmacher bei uns g’wesen.

quecksilber.  Soll ich Ihren Palast in Gold verwandeln?

tutu.  Nein, sie tragen mir ihn sonst bei der Nacht davon.

quecksilber.  Wenigstens die Torflügel sollen Gold sein.

(Er berührt sie, sie werden Gold.  Alles verwundert sich.)

tutu.  Mir bleibt der Verstand aus!

quecksilber.  Die hölzernen Säulen können wir auch
renovieren, die sollen sich in Silber verwandeln.

(Er berührt sie, sie werden Silber.)

zoraide (für sich).  Das ist ein Talisman, den muß ich besitzen.

hassar.  Der muß auf unserer indianischen G’stätten

quecksilber (zu Hassar).  Sagen Sie, brauchen Sie Ihren Kopf

hassar.  Ja, ich hab’ halt unterdessen nur den, und man weiß

quecksilber.  Zum Vergolden wär’ das ein prächtiger
Hozversilberer werden.
notwendig?
halt doch nicht, ob nicht was auskommt.
Schafskopf!  Finden Sie das nicht auch, Herr
Schwiegerpapa?

tutu.  Warum denn?  Er braucht nichts Extras, ist ja der Ihrige
auch nicht vergold’t.  Lassen Sie ihn nur gehen, man muß
nicht jeden vergolden.  Zoraidel, wie ist dir?

zoraide.  Fremdling, du hast mein Herz gewonnen.  Eine
unwiderstehliche Macht zieht mich zu dir hin.  Ich könnte
goldene Tränen weinen.

quecksilber.  Also, voulez-vous mein sein?

zoraide.  Wenn du mir die Beweise deiner Liebe gibst, die ich
von dir fordere.

tutu.  Mit Erlaubnis!  (Er tritt in die Mitte.)  Der Diskurs dauert
mir ein wenig zu lang.  Also, mein charmanter Herr
Schwiegersohn, vulgo Goldarbeiter, au revoir!  Ich werde
Befehle erteilen, daß man in dem Palast Ihre Zimmer
ausreibt, austapezieren können Sie sich s’ selbst, dann
muß ich mich niederlegen und ausruhen.  Der gefühlvolle
Auftritt hat mich zu sehr angegriffen.  Leben Sie wohl.
Vergolden Sie mein ganzes Reich, und wenn ich vielleicht
heute noch munter werden sollte, so habe ich das
Vergnügen, Sie zu sehen!  Also: au revoir!  Und weil mir in
der Geschwindigkeit nichts Französisches mehr einfällt,
noch einmal: au revoir!

(Geht ab, alles mit ihm.)



12.  szene

(zoraide.  quecksilber.)


zoraide.  Du bist also wirklich entschlossen, Jüngling, an
meiner Hand auf der holperichten Landstraße dieses
Lebens einherzuwandeln, ohne zu ermüden?

quecksilber.  Wir halten uns halt einen Einspänner.

zoraide.  Wie nennst du dich?

quecksilber.  Bartholomäus!

zoraide.  Bartholomäus und Zoraide, das gibt einen herrlichen
Roman.

quecksilber.  Ich glaub’s.

zoraide.  Auf dem Titelkupfer eine indianische Schweizer
Gegend, vom Mond beleuchtet.  Zu meinen Füßen liegt
ein jugendlicher Schäfer und im Hintergrunde erscheinest
du--

quecksilber.  Mit einem Ochsenzahn in der Hand.  Das wird
eine schöne Vignette sein.

zoraide.  Nein, Spaß apart, ich bin Dichterin.  Sie müssen mir
Ihre Geschichten erzählen, ich werde sie in vierfüßigen
Jamben bearbeiten und dann dem Druck übergeben.
Pränumeranten werden sich schon finden.

quecksilber.  Sind S’ so gut!  Wenn die Leut’ alle die
Dummheiten lesen müßten, die ich in meinem Leben
ang’stellt hab’, ich dürft’ mich gar nicht mehr auf der
Gassen sehen lassen.

zoraide.  Wie?  Können Sie sich eine größere Ehre wünschen,
als im Druck zu erscheinen?

quecksilber.  Ah was, Druck.  Wenn ich mich will drucken
lassen, geh’ ich in ein Freitheater.

zoraide.  Nein, verzeihen Sie, mit Ihnen zu parlieren gehört
eine kuriose Geduld dazu, Sie haben ja nicht um sechs
Pfennige Galanterie im Leib.  Ich möchte einen galanten
Mann.

quecksilber.  Da hätten Sie sich sollen einen
Galanteriehändler verschreiben, auf dem Kohlmarkt
gibt’s prächtige, ob sie Ihnen aber mögen, das weiß ich
nicht.

zoraide.  Gehen Sie, Sie haben nicht im geringsten einen, wie
sagt man denn, phantasierenden Sinn.

quecksilber.  So?  Ich habe einmal das hitzige Fieber g’habt,
da hätten Sie mich hören sollen, da habe ich fünf Tag und
Nacht phantasiert.

zoraide (für sich).  Wenn ich nur das Staberl erwischen könnte!
(Sehr freundlich.)  Lassen Sie uns Frieden schließen, trauter
Bartholomäus!  Liebst du deine Zoraide?  Hinweg mit
allen den kleinen Zänkereien, den Töchtern der
liebenden Koketterie, welche den Reiz der Liebe erhöhen
sollen.  Ich will dein Herz umranken, wie die Rebe den
Kastanienbaum.  (Umarmt ihn.)  O ihr Götter, die ihr da
unten wohnt, sehet auf uns herab!--Nicht wahr, du wirst
deine Zoraide nie verlassen.  Dein Herz wird kein
Retourbillett verlangen oder sich gar das Entrée seiner
Treue bei Amors Kasse zurückzahlen lassen?

quecksilber.  Sie ist doch eine gute Seel’.

zoraide (für sich).  Nur das Staberl möcht’ ich haben.
quecksilber.  Nu schlagen Sie ein, aber nicht ins G’sicht.
Geben Sie mir zum D’rangeld ein einschichtiges Busserl,
und wir sind d’accord!

zoraide.  Jetzt nicht.  Das bekommen Sie nach der Tafel zum
Konfekt.

quecksilber.  Gut, ist auch recht.  Was essen denn Sie zum
Konfekt?

zoraide.  Die edelsten indianischen Früchte.

quecksilber.  Da freu’ ich mich!  Für mich sind die edelsten
Früchte die Pfludern, die iß ich sehr gern.  Dirndeln sind
auch schön, besonders die Bauerndirndeln.  Mein liebstes
Essen sind die Birn’, wissen Sie, die kleinen, die
Muskatellerbirnderln, die sind gut.

zoraide.  Wer wird denn so einen gemeinen Gusto haben!
(Sehr hochdeutsch.)  Wie können Sie denn Bern essen?

quecksilber.  Keine Bären ess ich nicht, da bin ich froh, wenn
mich keiner anpackt.--Birn’!  ist denn das ein übler
Gusto?  Birn’ ißt ja die ganze Welt, ein jeder eine andere
Gattung.  Die Patrioten essen Kaiserbirn’; die Reichen
Dukatenbirn’; die sich stark parfümieren,
Bergamottenbirn; die Schuster Lederbirn’; die Kutscher
Haberbirn’; die Tischler Holzbirn’; die Barbierer
Issinbart, und wer einen Fehler macht, der ißt
Plutzerbirn’.  Kurz, du bist einmal mein, dabei bleibt’s.

zoraide.  Ich schwimm’ in einem Meer von Wonne, wie ein
Walfisch in der Donau.  (Umarmt ihn.)



13.  szene

(linda, aus dem Palast.  vorige.)


linda.  Prinzessin, Sie sollen hinaufgehen, daß Ihnen die
Nachtluft nicht schad’t.  (Beiseite.)  Wenn ich ihm nur einen
Wink geben könnt’.  Er ist ein recht hübscher Mensch.

zoraide.  Was?  (Beiseite.)  Erwünschte Gelegenheit!  (Laut.)  Wie
kann Sie sich unterstehen, in diesem mir so herrlichen
Augenblicke vor meine Augen zu kommen?  Sie kecke
Person!  Diese Mißgestalt wagt es, drängt sich zwischen
mir und meine herrlichsten Phantasien.

linda.  Aber, Hoheit!--

quecksilber.  So sind’s doch vernünftig, was hat sie Ihnen
denn getan?

zoraide.  Halten Sie’s Maul!--Sie will noch widersprechen?
Sie erkühnt sich noch, ihr loses Maul gegen mich
aufzutun, gegen mich, ihre Gebieterin.  Ich vergreife mich
an ihr--Himmel, ich weiß nicht, was ich tue, vergeben Sie
meine Schwärmerei--

quecksilber.  Erlauben S’, das ist eine kuriose Schwärmerei.
So schwärmen bei uns die Trager auf der Hauptmaut.

zoraide.  Sie nehmen sie in Protektion?--Ich glaube gar, sie
liebäugelt mit Ihnen?  So können Sie mich herabsetzen
mit dieser Meerkatze?

linda.  Ach was, Katze, Sie sind auch kein Kinigelhase.

zoraide.  Welche Beleidigung!  Wie wird mir?  Meine Sinne
schwinden--ich sinke!

quecksilber.  Um alles in der Welt--

linda.  Sie wird ohnmächtig.  (Will sie aufhalten.)

ZORAIDE (schnell).  Unterstehe Sie sich, mich anzurühren!
Sie Figur!  Den Augenblick aus meinem Angesicht.  Fort,
sagt ich!  Sie zögert noch--

LINDA (entflieht).

ZORAIDE (entreißt Quecksilber den Stab).  ich verwandle sie in
einen goldenen Drachen, wenn ich sie erreiche.  Fort!
Fort!

(Eilt Linda nach in den Palast, die Tore schließen sich.)



14.  szene

(quecksilber allein, später wache.)


quecksilber.  He!  He!  Wo laufen S’ denn hin!  Meinen Stab!
Sie ist imstand’, sie schlagt ihn ab an ihr, hernach könnte
ich als Vergolder eine verzauberte Krida ansagen.  Ich
muß ihr nach.  (Er geht zum Tor.)  Es ist ja zu.--Es ist ja
noch nicht zehn Uhr.  Da sperren s’ die Haustör’ schon
vorm Essen zu.  He, Hausmeister, aufgemacht.  Auf!  (Er
pocht an.)

eine wache (erscheint auf der Mauer).  Was ist das für ein
Lärmen?

quecksilber.  Nun, aufgemacht, ich g’hör hinein.

wache.  Ich rate dir es gutwillig, echappiere!

quecksilber.  Warum soll ich denn echappieren?  Ich hab’ ja in
dem Land noch keine Schulden.  ich bin der Prinzessin
Gemahl.

wache.  Ein Narr kannst du sein.  Die Prinzessin ist mit ihrem
Vater auf ihre Lieblingsinsel gefahren und läßt dir sagen:
Wenn du dich nicht aus dem Staub’ machst, so wird man
einige junge Tiger auf dich herauslassen.  Herein kommst
du nimmer.  (Verschwindet von der Mauer.)

quecksilber (allein).  O indianische Bagage!  Ich unglückseliger
Barometermacher, was hab’ ich getan!  Ich vergolde ihnen
die Tore und sie sperren mir’s vor der Nasen zu.  Ich bin
betrogen.  Wenn ich nur hinein könnt’, ich massakrieret.--
Halt!  Da fallt mir was ein!  ich kann eine Armee
herblasen!  Viktoria!  O Pizichi, Pizichi, blas anstatt meiner
Fagott!--Wart, du undankbares Volk!  (Er bläst ins Horn.)



15.  szene

(Großer lebhafter Marsch fällt ein.  Eine Schar von idealen Soldaten
kommt schnell aufmarschiert.  Die Leibgarde bildet sich von
Zwergen, welche sich auf quecksilber reihen.)


anführer.  General, was kommandierst du?

quecksilber.  Richtet euch!  Nein, richt euch nicht, es ist noch
Zeit.  (Zu den Zwergen.)  Was ist denn das für eine
Mannschaft?  Die müssen sie ja erst angebaut haben, die
sind nicht ausgewachsen?  Sind das auch Soldaten?

anführer.  Herr, das ist deine Leibgarde.

quecksilber.  Die?  Die hab ich für angezogene Frösch’
gehalten.

anführer.  Sie wird dich schützen.

quecksilber.  Da bin ich nur bis daher sicher (deutet bis zur
Brust), außer ich nehm zwei aufn Arm.  Nun also!  Man
wird mit beiden Füßen zugleich gegen den Palast
marschieren, die Prinzessin und ihren Vater
gefangennehmen.  Alles wird massakriert!  Die Wiegen im
Kind wird nicht einmal verschont!  Rechts geschaut--links
marschiert--attackiert--kanoniert--Hahn im Arm--bei Fuß!

anführer.  Herr, du verstehst nichts von der Taktik, laß nur
mich kommandieren--Zum Sturm--

(Schlachtmusik.  Sie legen die Leitern an den Palast und stürmen
hinauf.  Die Zwerge bringen einen großen Mauerbrecher und stoßen
damit das goldene Tor ein.  In der Luft erscheinen zwei Kanonen in
Wolken, wobei überall ein Genius als Kanonier sich befindet.  Wie sie
den Palast erstiegen haben, nimmt Quecksilber von den zwei
Zwergen, welche bei ihm zurückgeblieben, einen auf den Arm, den
andern führet er an der Hand, und so verteidigen die Zwerge ihn
gegen die aus dem Palast herausdrängenden Insulaner.  Das Gefecht
wird auf der Bühne allgemein.  Der Palast steht in Flammen, Tutu
und Zoraide werden herausgebracht.  Gruppe des Sieges der
Zaubermannschaft.  Lidi erscheint ober ihnen in einem schönen
Wolkenzelt als Kriegerin gekleidet, von vier Genien umgeben, welche
kleine Fahnen schwingen; die Genien haben auf dem Haupte kleine
Helme, wovon jeder einen transparenten Buchstaben enthält, welche
das Wort Sieg formieren.  Allgemeine Gruppe.)

(Ende des ersten Aufzuges)




II.  Aufzug



1.  szene

(Saal in indianischem Geschmack.  An der Seite ein erhöhter Sitz,
worauf quecksilber sitzt, neben ihm Soldaten, gegenüber Zwerge,
Tutus Dienerschaft kniend zu Quecksilbers Füßen.  hassar.)


chor.
Huldiget alle dem Sieger,
Weihet ihm Leben und Blut,
Gegen bezauberte Krieger
Kämpfet umsonst euer Mut.

hassar.  Hoher Fremdling, der du unter dem Schutze
übernatürlicher Mächte stehest, vernimm aus dem
unwürdigen Munde deines demütigsten Sklaven die
Huldigung aller Bewohner dieser Insel.  Alles beugt sich
vor deiner Übermacht: Männer, Weiber und Kinder;
Elefanten, Tiger und Affen.

quecksilber.  Ich versteh’s schon, das Blatt hat sich gewendet.

hassar.  Herr, und nun wagt es noch zum Überfluß dein
Sklave, sich in dem Bewußtsein seiner Schönheit zu
deinen Füßen zu werfen und seine Huldigung dir ganz
insbesondere darzubringen.

quecksilber.  Warum will Er etwas Extras haben, ich hab’
geglaubt, Er ist schon bei den Affen dabei.

hassar.  Nein, Herr, ich möchte mich erkühnen, dir meine
Unterwerfung in Versen vorzutragen.

quecksilber.  Was, in Versen will Er mit mir reden?  Tu Er mir
doch das nicht an, da lass’ ich mich ja lieber schlagen.  Er
in Versen reden?  Das kommt mir gerade so vor, als wenn
ein Ochse fliegen will.

hassar.  So wahr ich ein schöner Mann bin, das ist stark.

quecksilber.  Genug für jetzt!  Auf die Nacht wird ein großes
Feuerwerk veranstaltet, eine brennende Pyramide mit
zweitausend Feuerrädern, und den--(auf Hassar deutend)
setzt man mit seiner Schönheit oben hinauf.  Nun entfernt
euch!  (Alles ab, bis auf die Garde.)  Und ihr führt mir Tutu
herauf.  (Die vier Knaben eilen ab.)  Zuerst werd’ ich dem
Alten den Text lesen, hernach ihr, dieser undankbaren
Person.



2.  szene

(tutu wird von den vier Zwergen gebracht.  voriger.)


erster zwerg.  Halt!  Stehengeblieben, sag ich!

tutu (sieht auf ihn herab).  Was ist denn das für ein Lärm da
herunten?  Jetzt hab’ ich’s schon genug!

erster zwerg.  Still, nicht mucksen, oder ich lasse dir
fünfundzwanzig herabmessen.

tutu.  Was ist denn das, Herr Schwiegersohn?

quecksilber.  Ich kann es nicht hindern.  Diese tapferen
Männer haben dich besiegt.  Du bist in den Händen
meiner Armee.

tutu (zu den Zwergen).  Meine beste Armee, es freut mich, Sie
kennenzulernen!--Wenn ich’s nur g’wußt hätt’, ich hätt’
sie alle g’fangt.  Nur einige Mausfallen aufrichten, so
g’hören sie mein.

erster zwerg.  Schweig, oder es kostet dich deinen Kopf.

(Zieht den Säbel.)

tutu.  Schreit schon wieder herauf auf mich in vierten Stock.

quecksilber (zu den Zwergen).  Laßt uns allein.

erster zwerg.  Ganz wohl.  (Tritt zornig vor Tutu hin.)
Teremtete!  (Stößt den Säbel in die Scheide und geht mit den
anderen trotzig ab.)

tutu (sieht ihm nach).  Ha!  Fisolen von einem Menschen.



3.  szene

(tutu.  quecksilber.)


quecksilber.  Jetzt wollen wir ein bissel eine Abrechnung
halten.--Wo haben denn Sie und Ihre Mamsell Tochter
die Lebensart gelernt, ehrlichen Leuten ihre
Kostbarkeiten zu stehlen?  Bin ich deswegen in Ihr Land
gekommen?

tutu.  Wer hat Ihnen’s g’schafft, daß Sie kommen sollen?
Wären Sie weggeblieben.

quecksilber.  Ist das der Dank, daß ich Ihnen alle
Vogelhäuseln, alle Hühnersteigen vergolden hab’ wollen,
alle Seekarpfen in Goldfisch’ verwandeln, damit Sie s’
hätten versetzen können, wann Ihnen ’s Geld
ausgegangen wär?

tutu.  Warum machen Sie denn mich aus?  Was geht denn mich
Ihr Staberl an?  Geben Sie besser acht auf Ihre Sachen;
warum haben Sie so herumgeschlagen damit, daß man
seines Lebens nicht sicher war, wenn man neben Ihnen
gestanden ist.

quecksilber.  Warum haben Sie ihr’s nicht weggenommen?--
Hätten Sie s’ besser erzogen!

tutu.  Was kann ich mehr tun?  Sie hat drei Gouvernanten
g’habt, die ich verschrieben hab’, eine von Paris, die
andere von Lyon und eine vom Breitenfeld.  Sie ist sehr
gut erzogen, darum darf ich ihr auch nichts sagen, sonst
macht sie mich aus.

quecksilber.  Kurzum, Sie sind ein undankbarer Mensch, und
ich nehme Ihre Tochter nicht mehr.

tutu.  So sind Sie ein schmutziger Mann!

quecksilber.  Oh, Sie touchieren mich nicht.  Ich kann gar
nicht schmutzig sein, denn ich bin ein reicher Mensch und
folglich ein Kerl, der sich gewaschen hat.  Wo soll da ein
Schmutz herkommen?

tutu.  Sie sind auf meine Insel gekommen, Sie haben nicht
einmal ein’ Paß gehabt.

quecksilber.  Das macht alles nichts.  Wenn ich auch keinen
Baß und keinen Tenor hab’, eine schönere Stimme habe
ich doch als Sie.

tutu.  Ja, da bilden Sie sich halt was darauf ein, wenn ein
solcher Stutzer einen alten Mann, wie ich bin, ein
Klampfel anhängen kann.  Meine Tochter ist unschuldig
an dem Betrug, Sie sein schuld, warum haben S’ just ein
goldenes Staberl mitgebracht; hätten S’ mit ein’ Haslinger
so herumg’schlagen, kein Mensch hätte ihn verlangt.  Und
müssen S’ denn just aufs Stubenmädel so
hinüberblinzeln?  Da muß sie ja eifersüchtig werden.  Das
müssen Sie sich abgewöhnen, das ist nicht schön.  Glauben
Sie mir, ich hab’s auch so gemacht.  Meine arme Zoraide
ist vor Lieb’ zu Ihnen völlig damisch.  Ich weiß nicht, was
sie an Ihnen schön find’t!  Ich muß Ihnen aufrichtig sagen,
ich möchte Ihnen nicht, es ist nichts G’schenkt’s an Ihnen.

quecksilber.  Nun, Ihre Schönheit dürfen Sie auch schon unter
der Hand verkaufen.  Sonst bringen Sie s’ nicht mehr an.



4.  szene

(zoraide.  vorige.)


zoraide (ganz blaß, tritt langsam vor).  Lassen Sie uns allein,
Papa.

tutu.  Da schauen Sie s’ an.  Sie Tyrann!  Vor Kummer hat sie
sich nicht einmal geschminkt.  Sehen Sie die blassen
Wangen?  Der Frühling ihres Lebens hat eine Gavotte
darauf getanzt, und jetzt haben sie sich in einen alten
Weibersommer verwandelt!  Hab’ ich ihr deswegen so
empfindsame Romane lesen lassen?  Den indianischen
Eulenspiegel--die schöne Melusine--damit Sie die zarten
Gefühle wieder vernichten, die diese Meisterstücke in
ihrer Seele zurücklassen haben?  Hat sie deswegen die vier
Spezies gelernt, damit sie kann in ihren glücklich
durchlebten zweiunddreißig Jahren--

zoraide (schnell).  Vierundzwanzig--

tutu.  Will ich sagen vierundzwanzig.--Acht Jahr ist sie in die
Schul’ gegangen, die gelten nichts.--Die unglücklichen
Momente Ihrer Bekanntschaft dazu addieren, mit ihren
Tränen multiplizieren und mit Ihrer Wortbrüchigkeit
diese Summe dividieren, und das Fazit, das herauskommt:
daß sie eine alte Mamsell bleiben muß, weil sie niemand
mehr nimmt, wenn sie mit Ihnen Bekanntschaft g’habt
hat.  Ich hätte Ihnen noch verschiedene Vorwürfe zu
machen, aber ich muß mich jetzt ein wenig niederlegen,
um auszuruhen; aber das sag’ ich Ihnen, wie Sie dastehen
in Ihrem goldpapier’nen Frack--wir sind hier auf einer
Zauberinsel.  Ich werd’ jetzt gleich nachschauen, und
wenn ich wo in einem bezauberten Winkel eine
übertragene Fee find’, die sich meiner annimmt, so sollen
Sie mich kennenlernen, Sie Bösewicht, Sie!  (Geht ab.)



5.  szene

(zoraide.  quecksilber.)


quecksilber.  Comment vous portez vous, ma chère Princesse?
Je suis victeur sur Isle de Monsieur Tutu.

zoraide.  Oh, ich versteh’!  Weil Sie mich recht peinigen
wollen, darum reden Sie französisch.  Sie wissen schon,
daß das kein Mensch aushalten kann.  Hier bring’ ich
Ihnen Ihren Stab zurück; Sie hätten ihn auch ohne daß
Sie mit Ihrer Zwergelarmee unsern Palast verwüstet
haben, wiederbekommen.

quecksilber.  Haben Sie mir nicht das Tor vor der Nase
zugeschlagen?  Haben Sie mir nicht sagen lassen, ich soll
mich aus dem Staub’ machen oder Sie lassen junge Tiger
auf mich heraus?

zoraide.  Davon hab’ ich nichts gewußt, es war ein
Mißverständnis.

quecksilber.  Nein, der Portier hat mir’s von Ihnen
ausgerichtet.

zoraide.  Da kann ich nichts dafür.  Ein besonderes
Zusammentreffen von Umständen--

quecksilber.  Die sind?--

zoraide.  Der Portier hat einen Rausch gehabt.

quecksilber.  Das ist mir auch passiert.

zoraide.  Wirklich?

quecksilber.  Doch wir kommen von der Hauptsache ab.  Was
Sie mir angetan haben, will ich Ihnen großmütig
verzeihen.  Ich habe meinen Stab wieder, und somit sind
wir geschiedene Leut’, und damit Ihnen meine kleine
Armee in Ihrem Palast keine Ungelegenheit mehr macht,
soll sie verschwinden.  (Er winkt.)

erster zwerg (erscheint).

quecksilber.  Ihr könnt zum Rückzug blasen; wenn ich euch
brauche, werd’ ich euch schon wieder rufen.  (Deutet aufs
Horn.)

zwerg.  Ganz recht.  (Ab.)

zoraide (bemerkt das Horn, für sich).  Ha, dieses Horn muß ich
haben.

quecksilber.  Jetzt werd’ ich meinen segelfertigen
Kehlhammer besteigen, und somit, Mademoiselle, adieu
pour jamais!  (Will ab.)

zoraide.  Wie?  Sie wollen mich verlassen?

quecksilber.  Haben Sie etwas dagegen einzuwenden?

zoraide.  Ob ich etwas dagegen einzuwenden habe, fragst du?
Hast du dich denn nicht verbindlich gemacht, der Sklave
meines Herzens zu sein?  Und jetzt sagst du mir nicht
einmal den Dienst auf, wie es sich gehört, rennst davon,
ohne deine vierzehn Tag’ abzuwarten?

quecksilber.  Ich bin ja keine Köchin.

zoraide.  Und doch willst du mir die Suppe versalzen und mich
blamieren, mich, die ich so unschuldig bin wie ein Lamm.

quecksilber (für sich).  Wenn sie nur nicht so hübsch wär’!
(Laut.)  Ah was!  Lassen Sie mich, Sie falsche Personage!
Was haben Sie für Beweis Ihrer Unschuld?

zoraide.  Hast du den Rausch schon vergessen?

quecksilber.  Ah, Larifari!  Das ist bei mir gar keine
Entschuldigung.

zoraide.  Nicht?  Ist denn die Liebe nicht auch ein Rausch und
sagt darum nicht Schiller: „ Wer niemals einen Rausch hat
g’habt, das ist kein braver Mann?“

quecksilber.  Der Schiller sagt das bei Ihnen?  Bei mir singt
das der Hausmeister im Neusonntagskind.

zoraide.  Gleichviel!  Was kümmern mich alle Hausmeister
von der ganzen Welt, da die Doppeltür deines Herzens
verschlossen ist.  Öffne sie deiner Zoraide.

quecksilber.  Ich hab’ keinen Schlüssel dazu.  Schicken S’ um
den Schlosser.

zoraide.  Du spottest meiner noch?

quecksilber.  Lassen Sie mich gehen.

zoraide.  Halt!  (Für sich.)  Jetzt weiß ich nichts mehr, als ich
fall’ in Ohnmacht.--Weh mir!  Wie wird mir?

quecksilber.  Nun, was ist’s?

zoraide.  Ich sinke!

quecksilber.  Sie sinkt schon wieder.  (Sie fällt in seinen Arm.)
Liegt schon da!--Sie, so sind Sie doch g’scheit!--Also
hier halt’ ich den Brillant in meinen Armen, der in
Falschheit à jour gefaßt ist?--Und ich bin halt doch in sie
verliebt!--Aber das dauert mir schon ein wenig zu lang’
mit der Ohnmacht, ich muß mich doch anfragen.  Sie,
möchten S’ nicht ein wenig aufstehen?--Na, werden S’
nur munter, ich gebe Ihnen mein Wort, ich bleib’ bei
Ihnen, und will Sie wieder lieben,wie vorher.

zoraide (erwacht).  Ach, was höre ich?  Ist es auch dein Ernst?
Ihr Götter, ich danke euch, er ist wieder mein.  Nie werd’
ich diesen Augenblick vergessen; er war von großem
Gewicht.

quecksilber.  Nu, wenn S’ was denken, Sie haben ja Ihre
anderthalb Zenten wie nichts.

zoraide.  Also nichts kann uns mehr trennen?  Aber mein
Vater ist aufgebracht; wenn er sich widersetzte unserer
Verbindung--

quecksilber.  Oh, darum sorg dich nicht.  Dem werde ich schon
was vorblasen, daß er g’nug hat.

zoraide.  Blasen?  Ich verstehe dich nicht.

quecksilber.  Wie er sich muckst, so blas’ ich mein Horn, und
meine Zwergenarmee ist wieder da.

zoraide.  Ah, das ist schön, das möcht’ ich sehen.  Oh, mache
mir doch eine kleine Probe damit, ich kann’s nicht
glauben.

quecksilber.  Nicht?  Ich werde dir gleich eine Kompagnie
herblasen.  (Er nimmt das Horn herab.)

zoraide.  Oh, laß es doch mir versuchen, ob ich es auch kann.
Ich bitte dich, ich will nur einige rufen.

quecksilber.  Aber achtgeben.  (Gibt ihr das Horn.)

zoraide (bläst in das Horn.  Musik).



6.  szene

(vorige.  Sechs Amazonen erscheinen mit Lanze und Schild.)


zoraide.  Schützt mich vor dem Grimme dieses Narren!--Das
Horn ist mein.  Erkennst du nun Zoraide?  Ha, ha, ha!  (Eilt
ab.)

quecksilber.  Ha, Schlange.  (Will nach.)

die amazonen (halten ihre Lanzen vor und rufen).  Zurück.

(Kurze Musik.  Quecksilber stürzt zu Boden.  Die Amazonen
eilen Zoraiden nach.)



7.  szene

(quecksilber.  linda.)


linda.  Was hör’ ich denn da für einen Lärm herinnen?  Wer
liegt denn da auf dem Boden?  Der Fremde!--Ach, der
arme Narr, er rührt sich gar nicht.  Er wird doch nicht tot
sein?  Mir wird völlig angst.  (Rüttelt ihn.)  Sie, Gnädiger
Herr!--Leben Sie noch?--Machen S’ einem doch nicht so
angst.  Wenn S’ tot sind, so sagen Sie’s.

quecksilber (richtet sich auf.)  Wo bin ich, leb’ ich noch?

linda (ängstlich).  Ich weiß nicht.

quecksilber.  Wer ist hier?  Ha, ein Frauenzimmer?  Aus
meinen Augen, Schlange!

linda.  Du lieber Himmel, er hat den Verstand verloren.

quecksilber.  Verstand, ich?  Ha, ha, ha!  Kann der Elefant
seine Flügel verlieren?  Die Katze ihre Aufrichtigkeit?
Der Hase seinen Mut?  Das Kamel seine schlanke Taille?

linda.  Gehen S’, richten S’ die Tier’ nicht so aus.

quecksilber.  Kannst du einem Sesselträger seine Zartheit,
einem Kipfelweib ihre Verschwiegenheit und einem
Schusterbuben seine Bescheidenheit rauben?  Kannst du
einem Menschen seine Zufriedenheit entreißen, der
gerade fünfundzwanzig bekommen soll?

linda.  Nein, was Sie zusammenreden--

quecksilber.  Eh’ ich einen Verstand verliere, ehe wird sich
der Mond einen Karbonari und die Sonne einen
Wildschur machen lassen.

linda.  Ich bitte Sie, hören S’ einmal auf von dem unsinnigen
Diskurs.  Ich hab’ Ihnen für einen so guten Menschen
g’halten.

quecksilber.  Oh, ich hab’ sie auch für gut gehalten.

linda.  Wen?

quecksilber.  Wen?  Deine Gebieterin!  Die saubere Mamsell.

linda.  Was hat s’ Ihnen denn getan?

quecksilber.  Sie hat mich bestohlen um mein Zauberhorn.

linda.  Nun, da haben wir’s.  So bin ich schon zu spät
gekommen.  Ich hab’ Sie warnen wollen vor ihrer List.  Sie
macht’s allen so.  Hätten Sie sich nur nicht in sie verliebt,
wären S’ gleich zu mir gekommen.

quecksilber.  Lassen Sie mich gehen, ich bin zu desperat.

linda.  Sein S’ gut, ich bitte Ihnen!--Hören S’!

quecksilber.  Mich so zu betrügen!  (Sieht Linda an.)  Sie is ein
sauberes Mädel!--So zu hintergehen!  (Sieht Linda an.)
Schöne Augen hat S’!--(Heftig.)  Nein, nein!  (Sieht Linda
an, schnell verändert.)  Das Mädel g’fallt mir, bei der bleib’
ich.

linda.  ich werde Sie gewiß recht gern haben.  Sie haben Ihr
Horn verloren?  Machen Sie sich nichts daraus.

quecksilber.  Wollen Sie mir vielleicht dafür ein anderes
aufsetzen?

linda.  Ich will Ihnen mein Herz dafür schenken.  Sie können
freilich damit keine Armee herblasen, aber einen
einzelnen Verteidiger werden S’ ewig an ihm haben.
Tausend Getreue werden Ihnen nimmermehr zu Diensten
stehen, aber wenn Sie an das Herzenstürl da anklopfen,
so wird Ihnen eine treue Person entgegenkommen, und
Sie werden sehen, wenn Sie mich heiraten, so werden Sie
recht glücklich werden, und Sie werden auf alle Hörner
vergessen.

quecksilber.  Oh, du lieb’s Maderl du!  Wie heißt’st denn?

linda.  Linda.

quecksilber.  Oh, du lieber Narr!  Linda--der Name ist schon
so lind, wie eine samtene Schlafhauben.  Ja gut, du sollst
mein werden; aber Rache muß ich haben!  Mein Horn
muß ich erobern.  Der Stab soll mir helfen.  Rufe mir
meine Bedienten und alles, was du im Palast von
Männern findest, zusammen.  Jedem will ich eine Million
zum Präsent machen, wenn sie mir durch List oder
Gewalt mein Horn erobern, und dir verspreche ich
goldene Berg’ zur Belohnung.

linda.  Vivat!  Ich krieg’ einen Mann.  Oh, du goldener Mann.
Den laß ich nimmermehr aus.  Ich bin gleich wieder da.

(Ab.)



8.  szene


quecksilber (allein).  Das Madel ist brav, die heirat’ ich.  Wart,
Prinzessin, du sollst mich kennenlernen!  Hab’ ich nur
mein Horn wieder!  Linda muß sie auskosten, wo sie das
Horn verborgen hat, sucht sie wegzulocken.  Ich überfall’
die Wacht mit meinen Leuten erobere das Horn und laß
die Zoraide und ihren Vater in den tiefsten Kerker
setzen, auf den Boden hinauf oder zwischen die
Winterfenster, nimm’s Horn untern Arm, das Mädel auf
den Rücken, und dann fort aus dem Hause der Falschheit
und Papierlerei!



9.  szene

(voriger.  linda mit quecksilber, Bedienten und mehreren von
Tutus Gefolge.)


linda.
Ihr Freunde, folget nur,
Ihr seid auf gold’ner Spur!
Ihr sollt es nicht bereu’n,
Sein Lohn wird euch erfreu’n.

chor.
Wir wollen uns bestreben
Ums herrliche Metall,
Und wagen selbst das Leben,
Erzähl uns nur den Fall!

linda.
Zu hohem Preise
Listigerweise,
Ward ihm entwend’t ein
Silbernes Horn.

chor.
Soll’n mit den Waffen
Wir dir’s verschaffen?
Gib nur Befehl, wir
Packen gleich an!

quecksilber.
Ich will euch lohnen
Mit Millionen,
Schwöret mir Treue
In meine Hand.

chor.
Wir schwören zur Stelle,
Wir bleiben dir treu,
Doch schaffe nur schnelle
Die Schätze herbei.

quecksilber.
Haltet eure Turbans hoch,
Hienieder drücke euch kein Joch;
Jauchzt im fröhlichen Verein,
Ein gold’ner Regen fällt hinein!

chor.
Jauchzt im fröhlichen Verein,
Ein gold’ner Regen fällt hinein!
(Nehmen die Turbans ab.)
Hohe Freude
Schafft dein Gold.  Dudldei!
Hohe Freude
Schafft dein Gold.  Dudldei!

quecksilber.
Liebes Stäbchen,
Sei mir hold!

chor und linda.
Liebes Stäbchen,
Sei ihm hold!

quecksilber.
chor und linda.

quecksilber.
Schnell die Mützen in die Höh’.
Stab, bring einen gold’nen Schnee.

(Alle halten die Turbane hoch.  Quecksilber winkt.  Pause in der
Musik.  Alles in Erwartung.  Wenn Quecksilber wieder winkt,
fällt die Musik auf einen Augenblick ein und schweigt dann
wieder.)

Es kommt nichts von oben,
Es kommt nichts von unten,

linda.

quecksilber.

beide.
Die Macht dieses/seines Stabes
Ist gänzlich verschwunden.

quecksilber.
Was ihr auch plauscht,
Der Stab ist vertauscht.
Meiner war stark
Und dies ist ein Quark.

(Zerbricht ihn.)

chor.
Ha, komme nur noch einmal her,
Du verdob’ner Millionär,
Halten wir dir unsre Treu,
Schlag’n den Rücken dir entzwei.

(Alle hohnlachend ab.)



10.  szene

(quecksilber.  linda.  Dann hassar.)


linda.  Aber was haben S’ denn g’macht?  Warum hat’s denn
keine Dukaten geregnet?

quecksilber.  Still!  Ich bin froh, daߒs keine Schläge geregnet
hat!  Zum Tröpfeln hat es schon ang’fangen.  Aber was
nützt das?  Ich bin doch ein g’schlag’ner Mann.  Die
Falsche hat mir meinen Stock vertauscht.

linda.  Es gibt ja noch mehr Stöcke in der Welt, vergessen Sie
sich selbst nicht über Ihren Stock.  Sein s’ lustig.

quecksilber.  Was nützen mir jetzt alle Stöcke in dieser Welt!
Alle Weinstöcke, alle Haubenstöcke, alle Hackstöcke,
dieser war der erste!

linda.  Nun, so lassen S’ halt jetzt den ersten Stock gehen, und
wir ziehen uns in’ zweiten oder in’ dritten hinauf, so

quecksilber.  Ach, du bist noch die einzige treue Seel’, die ich

linda.  Verlassen Sie sich auf mich, ich gehe mit Ihnen durch,
haben wir eine schönere Aussicht.
hab’.  Meine Dienerschaft hat mich verlassen.
wann S’ wollen.

hassar (erscheint an der Tür und horcht).  Nun wart, du Katze!

quecksilber.  Ich weiß jetzt nichts zu tun, als daß ich mein
goldenes Schiff ins Versatzamt schick’, damit wir ein
Reis’geld kriegen.

linda.  Aber wie kommen wir denn fort?

quecksilber.  Da setzen wir uns zusammen, hängen diesen
bezauberten Schal um, und wo wir uns hinwünschen,
können wir sein.

hassar (für sich).  Der Kerl beutelt die Talismane nur aus dem
Ärmel heraus.

linda.  Nun, und da bist du so mutlos und willst davonlaufen?
Das ist ja eine Kinderei.  Mit dieser Binde wünschst du
dich ins Kabinett der Zoraide, wenn sie allein ist, drohst
sie zu massakrieren, wenn sie dir dein Horn und deinen
Stab nicht zurückgibt, und du wirst sehen, sie bittet dich
noch um Pardon.

hassar.  Ein sauberer Plan.  Das entdecke ich augenblicklich
meiner Gebieterin.  Wart, du Hexe!  (Ab.)

quecksilber.  Richtig, du hast recht, so geht’s prächtig!  Und da
wär’ ich mit meinem Plutzerkopf nicht drauf kommen.
Mädel, du bleibst schon bei mir, und wenn ich wieder
reich bin, so vergold’ ich dir den Trattnerhof und mach’
dir’n zum Präsent.

(Duett.)

quecksilber.
O liebes Madel, schau mich an,
Und denke dir, der schöne Mann,
Der Füßchen hat als wie ein Pfau,
Macht dich zu einer gnäd’gen Frau.

linda.
Dann geb’ ich täglich Assamblee!
Und meine Schalen zum Kaffee
Die müssen von Brillanten sein,
Und gold’ne Kipfel tunkt man ein!

quecksilber.
Dann fahren wir mit Roß und Wagen;
Die Pferd’ laß ich mit Silber b’schlagen.

linda.
Ich lad’ die schönsten Herr’n ins Haus.

quecksilber.
Und ich, ich wirf sie wieder ’naus.

beide.
Die Möbeln sind aus Ebenholz,
Und wir sind beide schrecklich stolz.
Ich steig’ daher als wie ein Hahn,
Und schau’ schon gar kein’ Menschen an.

quecksilber.
Die Binde hier trägt uns mit flüchtigem Sinn
In einem Tag durch die vier Weltteile hin.

linda.
Im Morgenland nehmen das Frühstück wir ein.

quecksilber.
Und ich trink’ in Grinzing geschwind ein Glas Wein.

linda.
Dann bleib’n wir in Holland ein wenig zu Haus’.

quecksilber.
Und schau’n in Brasilien zum Fenster heraus.

linda.
Des Mittags, da speisen wir beide allein.

quecksilber.
Da kehr’n wir beim Sperl in Afrika ein.

linda.
Ein G’frornes sollt’ halt auf die Jausen wohl sein?
Da setz’ ich dich mitten ins Eismeer hinein.
Und wann’s zum Soupieren auf’n Abend wird kühl?
Da ess’n wir in Ofen, so friert uns nicht viel.

quecksilber.
linda.

quecksilber.

linda.
Doch gehen wir schlafen,
Das fällt mir nicht ein,
Wo wird unsre Ruhe
Am sichersten sein?

quecksilber.
Das sollst du schon wissen,
Das ist ja bekannt,
Am sichersten ruht man
Im Österreicher-Land.

(Beide ab.)



11.  szene

(Verwandlung.  Gemach der Zoraide mit zwei Seitenfenstern, Nacht,
nur von einer Lampe erleuchtet.  zoraide und hassar treten ein.)


zoraide.  Er hat also gut verstanden?  Daß nicht hernach
wieder eine Dummheit herauskommt, wie gewöhnlich,
wenn man Ihm etwas glaubt.

hassar.  Nein, meine Gebieterin!  Ich schwör’ es bei meiner
Schönheit, daß ein jedes Wort sich so verhält.  Er besitzt
die Zauberbinde und will dich in deinem Gemach
überfallen, um seine Talismane zurückzufordern.

zoraide.  Und meine Kammermamsell hat richtig mit ihm eine
Amour?

hassar.  Richtig!  Sie hat ihn noch zu dieser List beredet.

zoraide.  Die Undankbare, ist das mein Lohn?  Hab ich ihr
nicht erst zu ihrem Namenstag fünf Gulden und ein
musselinenes Kleid von mir gegeben?

hasar.  Richtig!  Es ist enorm!

zoraide.  Was ich dieser Person getan habe--

hassar.  Wenn ich bedenke, die vielen Ohrfeigen, die du ihr
gabst.

zoraide.  Ach, das war das wenigste.

hassar.  Für mich wäre das das meiste.

zoraide.  Die Person wagt es, mir den Rang abzulaufen?

hassar.  Mir einen andern vorzuziehen?

zoraide.  Bei allen Göttern, das ist zu viel!

hassar.  Bei meiner Schönheit, das ist zu viel!

zoraide.  Jetzt marschier’ Er mir hinaus, denn sich mit Ihm
auch noch zu ärgern, das ging’ mir just noch ab.  Fort!  Alle
zwei hinaus--Er und seine Schönheit.

hassar (beiseite).  Das ist der Neid.  Was kann ich dafür, daß die
Natur mich mit diesen Reizen ausgestattet hat.  (Will ab.)

zoraide.  Halt!  Man gebe sogleich Befehl, daß die Wachen im
Vorsaale lauern, und wenn ich rufe, so wird er gepackt
und festgehalten, den Talisman werde ich ihm schon
früher zu entreißen suchen.

(Hassar entfernt sich.)



12.  szene


zoraide (allein).  Jetzt steigt herauf, ihr Furien der Rache mit
den beschlankelten Haaren in eurem grünlichen
Kontusch.  Du sollst mir nicht zu pfiffig werden, und wenn
ihm noch hundert Zaubermittel zu Gebote stünden.  Der
Zauber, den unsere Anmut bewirkt, macht alle
zuschanden.--Was rauscht denn im Garten?  Was seh’
ich?  Bin ich denn auf dem Blocksberg?  Wer reit’ denn da
durch die Luft?  Er selbst.  (Man hört einen Hahn krähen.)
Auf einem Gockelhahn!  Und wie schön er oben sitzt, wie
ein englischer Reiter.  O du herrlicher Talisman, dich will
ich benützen!  Nun wart!

(Musik.  Zoraide setzt sich auf den Stuhl und tut, als schliefe sie.)



13.  szene

(vorige.  quecksilber kommt auf einem großen Hahn zum Fenster
hereingeflogen.  Wie der Hahn im Gemach ist, steigt Quecksilber ab
und der Hahn fliegt wieder zum entgegengesetzten Fenster hinaus
und kräht.)


quecksilber.  Still!  Du vertracktes Tier!  Kräht der Kerl, daß
einem die Ohren zerspringen möchten.  Wenn die Fee
keine andern Pferd’ in ihrem Stall hat, das ist eine fatale
Expedition.  Auf keinem Hahn wird nimmer ausg’ritten;
lieber auf einem gebackenen Hendel, das macht doch
kein’ solchen Lärm.  (Melodram.  Er sieht Zoraiden.)  Ha, da
ist sie.--Sie schläft!  (Die Musik drückt das Schnarchen aus.)
Welch ein sanfter Schlaf!  Ach, warum ist sie so falsch und
so schön?

zoraide.  Er ist doch noch verliebt, der Gimpel!

quecksilber.  Sie spricht im Schlaf!  Es muß ihr von mir
geträumt haben;--doch Quecksilber, nimm dich zusamm’!
Heda, aufgestanden!

zoraide (ermuntert sich).  Was ist das?  Wer ist hier?

quecksilber.  Ich!

zoraide.  Was willst du hier?

quecksilber.  Ich hab’ Ihnen fragen wollen, wieviel Uhr als es
ist.

zoraide.  Welche Frechheit!  Laß mich hinaus!

quecksilber.  Nicht von der Stelle!  Wie Sie um Hilfe rufen, so
wirf ich Sie zum Fenster hinaus.  Mein Horn will ich haben
und mein spanisches Röhrl oder Sie kommen nicht ganz
aus dem Kabinett.

zoraide.  Welch unerhörte Keckheit!  Entflieh oder dieser
Dolch--

quecksilber.  Wart, du meineidiges Gareisel.

(Sie ringen um den Dolch.  Zoraide ersieht ihren Vorteil und
entreißt ihm die Binde und ruft in dem nämlichen Augenblick:)

zoraide.  Wache!



14.  szene

(vorige.  Wache stürzt herein und ergreift schnell Quecksilber.  Später
hassar.)


zoraide.  Haltet ihn!  (Sie entschwindet mit der Binde auf einen
Augenblick ins Gemach.)

quecksilber.  Laßt mich!  Ich bin Ludwig der Springer.  (Reißt
sich los und springt zum Fenster hinaus.)

hassar (eilt herbei).  Habt ihr ihn schon?  Nur nicht loslassen,
das rat’ ich euch.

wache.  Er ist entfloh’n.

hassar.  Was?

wache.  Durchs Fenster.

hassar.  Richtig, dort läuft er.  (Ruft.)  He!  Wart Er ein wenig,
daß ich Ihn einholen kann.

zoraide (kommt zurück).  Fort mit ihm!

hassar.  Er ist schon fort.  (Deutet aufs Fenster.)

zoraide.  Was?  Entflohen?  das ist nicht möglich.

hassar.  Bei meiner Schönheit, es ist so.

zoraide.  Nun auch recht, weil ich nur seine Gaben habe.



15.  szene

(vorige.  tutu.)


tutu (in einer Art von Schlafrock, eine große bunte Laterne in der
Hand).  Was macht’s denn da bei der Nacht für ein
Revolter?  Nicht einmal ausruh’n kann man sich
ordentlich.

zoraide.  Papa!  Freuen Sie sich mit mir.

tutu.  Über was soll ich mich denn freuen?  Ich weiß ja von
nichts.

zoraide.  Ich habe dem Fremden seine Zaubergaben
abgelockt, und nun hat er nichts mehr, alle sind in meiner
Hand.  Er selbst ist entflohen.  Zum Fenster hinaus.

tutu.  Das sein G’schichten!  Aber warum sagt mir denn
niemand etwas davon?

zoraide.  Wann soll man denn Ihnen etwas sagen?  Alle drei
Wochen werden S’ einmal munter, hernach setzen Sie
sich zum Essen und nach dem Essen legen Sie sich wieder
nieder.

tutu.  Ein jeder Mensch hat seine Passion, ich bin halt am
lustigsten, wenn ich schlaf’.

zoraide.  Niemand wird diese Nacht mehr schlafen.  Ein großes
Freudenfest wird zubereitet, welches morgen den ganzen
Tag nicht enden soll.  Gedichte auf die Größe meines
Verstandes müssen auf allen Straßen ausgestreut werden.
Freude muß diese Insel beleben!  So freuen Sie sich doch
auch ein wenig mit Ihrem kanavassenen Schlafrock.

TUTU.  Nu, wann ich mich nicht freu’, so weiß ich’s auch
nicht.  Vor Freuden tut mir schon ordentlich der Magen
weh.

zoraide.  Ich gehe jetzt, mich umzukleiden, Triumph, es ist
gelungen!  Durch diesen Sieg werde ich um zehn Jahre
jünger.  (Eilt ab.)

tutu.  Und ich werd’ alle Augenblick’ älter.  Jetzt richt’s alles
zum Fest her.  Im chinesischen Lusthaus wird g’speist; auf
einhundertundfünfzig Personen.  Und meine roßhaarenen
Polster nicht vergessen.  Nach Tisch wird großer Ball;
wenn ich vielleicht einschlummern sollte, so wird der
Menuett mit dem Paukenschlag gemacht.  Meiner Tochter
zu Ehren die Fopp-Deutschen.  Mit Stiefel und Spor’n
wird nicht getanzt.  Auch bittet man, keine Hunde
mitzunehmen.

(Alle ab.)



16.  szene

(Verwandlung.  Indische Gegend.  Auf einer Seite ein Feigenbaum, auf
der andern eine praktikable Quelle.  Im Hintergrund eine Strohhütte.)


quecksilber (sitzt auf dem Feigenbaum, sieht überall herum und
steigt herab).  Dem Himmel sei Dank, es kommt niemand
nach.  Jetzt steh’ ich frisch!  Jetzt hab’ ich kein Horn,
keinen Stab, keinen Gürtel, und ’s Stubenmädel ist auch
beim Kukkuck.  Mir bleibt nichts als das schöne
Bewußtsein, daß ich ein Esel war und hab’ mich anführen
lassen.  Aber g’loffen bin ich wie ein Windspiel.  Hingegen,
wie ich aussehe, das ist schrecklich!  Meine Füߒ sind
totenblaß und einen Hunger hab’ ich, daß ich die
Goldborten auf meiner Weste aufessen möcht’.  Ich geh’
g’rad über den Feigenbaum, in fünf Minuten ist keine
einzige mehr oben.  (Er steigt hinauf.)  Ach, jetzt wollen wir
dem Hunger die Feigen zeigen.  (Er ißt!)  Prächtig!
Herrlich!  Klassisch!  (Er pflückt einige ab und steigt herab.
Seine Nase hat sich um vieles vergrößert, so daß sie noch ganz
proportioniert bleibt und nicht zur Karikatur wird.  Er ißt noch
eine Weile fort; dann).  Ich weiß nicht, mich blendet immer
was vor die Augen.  (Greift an die Nase.)  Was ist denn das?
Ich hab’ eine völlige Pfundnase?  Oh, ich unglückseliger
Mensch, was wird mir noch alles geschehen?  Auf die
Letzt komm’ ich auf dieser Insel um meine G’schenk’ und
muß noch mit einer langen Nasen auch abziehen.  Diese
Nasen!  Wenn ich da die Strauchen bekomm’, das wird
eine Todskrankheit.  Wenn ich mich nur sehen könnt’!
Jetzt sollt’ ich halt in der Spiegelgassen sein.  Ist denn
niemand hier?  He!  (Klopft an die Hütte.)



17.  szene

(zadi.  voriger.)


zadi (von innen).  Wer klopft?

quecksilber.  Ich!

zadi.  Was willst du?

quecksilber.  Ich bitt’ Sie, haben Sie keinen Trumeauspiegel?

zadi.  Kerl, wenn ich hinauskomme, ich schlag’ dir die Nase

quecksilber.  Der will mir die Nasen entzwei schlagen!  Diese

zadi (kommt heraus).  Wart, du verdamm--Ha, ha, ha!  Da seh’
entzwei.
Nase!  Frage, wie ist das möglich?
ein Mensch den närrischen Kerl, wie er aussieht.

quecksilber.  Der merkt’s schon.

zadi.  Besieh dich doch einmal dort in jener Quelle, wie du
aussiehst.

quecksilber (tut es).  O Spektakel!  Ich hab’ eine ordentliche
Plutzerbirn’ im Gesicht.  Wenn ich mit dieser Nasen nach
Wien komm’, lassen s’ mich gar bei keiner Linie hinein.

zadi.  Du hast gewiß von diesen Feigen gegessen?

quecksilber.  Freilich!

zadi.  Das hätt’ ich dir vorher sagen können.  Wie kommst du
denn in diese Gegend, die ich allein bewohne, und zu
diesem Baum?

quecksilber.  Das ist jetzt keine Frage, wie ich zu dem Baum
komm’, die Frage ist, wie ich von dieser Nasen komm’.

zadi.  Wer kommt dort gelaufen?

quecksilber.  Das ist mein Stubenmädel.  G’schwind!--Nun?--
Sie bleibt stehn.

zadi.  Sie kann nicht über den Graben.

quecksilber.  So soll s’ über’n Kohlmarkt gehen.

zadi.  Ich will ihr helfen.  (Eilt ab.)

quecksilber.  Jetzt, wenn die mich mit der Nasen sieht, sie
kann mich nicht mehr gern haben, es ist nicht möglich!



18.  szene

(linda.  zadi.  quecksilber.)


linda.  Hab’ ich dich endlich gefunden!  (Schreit.)  Ach,
Himmel!  Wie siehst du aus?

quecksilber.  Hat’s schon g’sehen.  Ein Aug’ hat s’ wie ein
Falk.

linda.Oh, du abscheulicher Mensch, was hast du denn getan?

quecksilber.  Ich bitt’ dich um alles in der Welt, verzeih mir’s
nur diesmal, ich werd’s mein Leben nicht mehr tun.  Ich
hab’ dort von die Feigen gegessen, und da ist mir die Nase
gewachsen.

linda.  Nein, so mag ich dich nicht.  Jetzt bin ich ihm
nachgelaufen und bin vor Angst völlig krank geworden,
bis ich ihn eingeholt habe, und jetzt sieht er so aus.

quecksilber (kniet sich nieder).  Linderl!  Ich bitt’ dich, sei nur
g’scheit!  Jetzt kannst mich doch bei der Nasen
herumführen.  Wenn mich jemand bei der Nasen erwischt,
dem komm’ ich nicht mehr aus.

linda.  Oh, du Unglücksvogel!  Fort, ich kann dich nicht mehr
ansehen.

zadi.  Nun, ich will dich nicht länger leiden lassen.  Trinke dort
aus jener Quelle, und du wirst sie wieder verlieren.  Wie
ich diese Gegend bezogen habe, ist es mir auch so
ergangen.

quecksilber.  Ist das wahr?  Dem Himmel sei Dank!  (Läuft zur
Quelle und trinkt, die Nase verschwindet, springt hervor.)  Ist
schon weg!  Ah, das ist eine Freud’!

quecksilber und linda (zugleich).  Das ist a Freud’!

(Beide hüpfen vor Freude.  Wie sich ihre Gesichter begegnen,
hören sie mitten unter dem Lachen auf.  Quecksilber bleibt
plötzlich ernsthaft stehen, und Linda ist betroffen.)

quecksilber.  Was ist’s?  Was wollen Sie?  Sie mögen mich ja
nicht mehr.

linda.  Ah, jetzt mag ich dich schon wieder.

quecksilber.  Da haben wir’s!  Wie ich mit meiner Schönheit
Krida hab’ ang’sagt g’habt, hat s’ nichts mehr von mir
wissen wollen, jetzt, weil ich wieder rangiert bin, jetzt mag
s’ mich wieder.  Was willst denn jetzt mit mir machen?  Ich
bin ja Betteltutti!  (Zu Zadi.)  Lieber Freund, wie soll ich
Ihnen meinen Dank abstatten?--Wollen Sie mir nicht
zweihundert Gulden leihen?

zadi.  O ja.  Zweihundert Prügel kannst du haben.

quecksilber.  Ich weiß nicht, wie dieMünzen bei Ihnen heißen.

linda.  Ah, wir werden nicht verhungern.  Weißt du was?  Ich
verkaufe den Leuten solche Feigen, und wenn sie
verunstaltet sind, so kommst du als Doktor und kurierst
sie mit dem Wasser wieder, so bekommen wir Geld in
Menge.

quecksilber.  Halt!--Laß mich nachdenken.--Wie?--Was?--
Ja, ich hab’s!  (Er fährt auf; beide erschrecken.)

linda.  Bist närrisch?  Zugleich

zadi.  Was hast du denn?

quecksilber.  Mein Glück, ich hab’s g’fangt!

zadi.  So halt’s fest.

quecksilber.  Lieber Alter, tu mir nur den einzigen G’fallen,
nimm einen Korb, füll ihn mit solchen Feigen an und zwei
Flaschen mit dem Zauberwasser, ich werd’ dich reichlich
belohnen, aber nur g’schwind.

zadi.Nun, nun, den Gefallen kann ich euch schon tun.  (Geht
ab.)

linda.  Aber was ist’s denn?

quecksilber.  Linderl!  Jetzt nimm dich zusammen.  Vermißt
man dich schon im Palast?

linda.  Ah, nein!  Es geht ja alles drunter und drüber wegen
dem Fest.

quecksilber.  Ein Fest?  Das ist herrlich.  Kennt man auf der
Insel die Wirkung dieser Feigen?

linda.  Ich hab’ noch nie was davon gehört.  Diese Gegend
enthält noch viele Wunder, darum getraut sich auch
niemand hierher zu gehen, und nur weil ich dich von
weitem laufen sah, bin ich dir gefolgt.

quecksilber.  Du mußt wieder zurück zum Fest.  Du nimmst
einen Korb voll solcher Feigen und bringst sie deiner
Prinzessin und ihrem Vater zum Konfekt.  Sie sind so
schön, daß sie g’wiß davon essen.

linda.  Nun, und dann?

quecksilber.  Dann kriegen s’ große Nasen, du verschaffst mir
Kleider; wann sie hernach verzweifelt, so bringst du mich
als Wunderdoktor, und ich kuriere sie nicht eher, bis sie
mir meine Geschenk’ zurückgibt.

linda.  Das ist ein prächtiger Plan!  Ich freu’ mich!  Wenn s’ nur
recht häßlich würd’, weil s’ immer die Schönste sein will.
G’schieht ihr schon recht.

quecksilber.  Das ist ein Wasser auf der’ ihrer Mühle.  Ja, die
Frauenzimmer!--



19.  szene

(vorige.  zadi.)


zadi (hat unterdessen alles besorgt.  Er bringt einen Korb mit Feigen
und zwei Flaschen).  Nun, hier hast du alles!

quecksilber.  Bruder, ich danke dir!  (Umarmt ihn.)  Ich kann dir
unterdessen nichts dafür geben, als hier dieses silberne
Schnupftüchel, was mir von meinem Reichtum noch
übriggeblieben ist.  (Zieht eines aus der Rocktasche; gibt Linda
den Korb.)  Das nimmst du; und die Flaschen b’halt ich.  So,
und wenn’s gelingt: Viktoria in Schwabenland.

zadi.  Aber was machst du denn damit?

quecksilber.  Das geht dich nichts an.  Ich hab’ einen guten
Freund, und der muß mir eine Nasen bekommen, daß
man sie mit der Elle ausmessen kann.  Adieu!

zadi.  Du bist ein närrischer Kerl, leb wohl.  (Ab in die Hütte.)

quecksilber.  Linderl, jetzt fahr ab.  Ich werd’ gleich
nachkommen.  Miteinander dürfen wir nicht fort, damit
uns niemand sieht.

linda.  Verlaß dich nur auf mich.  Ein g’scheit’s Madel setzt
alles durch.  (Ab.)

quecksilber (allein).  Ah, jetzt ist mir wieder leicht.  Es geht
halt nichts über die Hoffnung.  Jetzt bin ich so froh, daß
ich alle Menschen könnt’ beim Kopf nehmen und könnt’
s’ küssen.  Diese Welt ist halt das Beste auf dieser Welt.

(Arie.)

In der Welt
Ist’s recht schön,
Glauben Sie’s mir!

Man tanzt einen Langaus durch’s Leben dahin
Bewahrt man sich immer den lustigen Sinn:
Glauben Sie’s mir!

Und die Weiber
Sind schon brav,
Glauben Sie’s mir!

Und zwingt auch der Eh’stand die Freiheit ins Joch,
Die Weiber versüßen das Leben uns doch.
Glauben Sie’s mir!

Und die Männer,
’s passiert auch,
Glauben Sie’s mir!

Bleiben S’ brav, meine Damen, beim untreuen Blick,
Dann seh’n wir’s erst ein und kehr’n selber zurück.
Glauben Sie’s mir!

Und mein Herz
Ist so voll,
Glauben Sie’s mir!

Es klopft etwas drinnen, es möcht’ gern heraus,
Und gäb’ Ihnen gern seinen Dank mit nach Haus.
Glauben Sie’s mir!
Glauben Sie’s mir!



20.  szene

(Verwandlung.  Großer indianischer Garten.  Auf der einen Seite ein
Blumenthron für Zoraide, auf der andern der praktikable Eingang in
ein schön verziertes chinesisches Lusthaus.  Einzug.  Tänzer und
Tänzerinnen voraus, dann Tutus Gefolge.  Zum Schlusse tutu,
zoraide, hassar.  Zoraide besteigt den Thron, die Zaubergaben
werden ihr auf drei Polstern vorgetragen.)


chor.
Lange herrschte Zoraide
Durch des Geistes Strahlenkranz,
Unser Jubel werd’ nicht müde
Zu verkünden ihren Glanz.

zoraide (stolz).  Ich danke euch!  Obwohl es mir durchaus
keine Neuigkeit mehr ist, daß mein Witz und meine
Schönheit sich mit allen weiblichen Vorzügen auf dieser
Erde messen können; so will ich doch nicht so
unbescheiden sein, es heute nicht noch einmal aus eurem
jauchzenden Munde anzuhören.

alles.  Heil Zoraide!

zoraide.  Papa, nehmen Sie jetzt das Wort.

tutu.  Still!  ich nehm’ jetzt das Wort.--Alle meine Herren und
Frauen, laßt euch sagen: wir sind hier versammelt, um ein
Fest zu feiern, welches wir veranstaltet haben, weil meine
Tochter durch die außerordentlichen Gaben ihres
Verstandes, welcher sogar den meinigen noch übertrifft,
dem übermütigen Fremdling, der auf unsere Insel
gekommen ist, drei Zaubergaben von hohem Werte
abgenommen hat.--Weil dieser Fremdling nun--nicht
wahr, meine Tochter?--weil dieser Fremdling so
undankbar an uns gehandelt hat, so--so--weiß ich vor
Zorn gar nicht mehr, was ich reden soll.  (Auf Zoraiden
deutend.)  Die Fortsetzung folgt.

zoraide.  Hier sind die Zaubergaben.  Durch dieses Horn ist
unsere Insel vor jedem Überfall gesichert.  Dieser Stab
birgt eine goldene Welt, und diese Binde trägt mit
Blitzesschnelle den, er sie trägt, an den entferntesten Ort.
Alle diese Gaben werde ich vorzüglich zu eurem Glück
anwenden.

alle.  Heil Tutu!  Heil Zoraide!

hassar.  Nehmen Sie, gnädigste Gebieterin, hier die Früchte
unserer Muse, welche in den größten indianischen Köpfen
erst heute morgen reif geworden sind.

zoraide.  Wo sind sie?

(Vier Sklaven bringen auf einer Trage einen sehr großen, aber
seichten goldenen Korb, worin eine große Menge von Gedichten
aufgehäuft ist von verschiedenen Farben.)

hassar.  Hier ist dieser poetische Ragout!

zoraide (nimmt mehrere davon in die Hand, ohne sie anzusehen).
Was enthalten sie?

hassar.  Die ungeheuersten Lobsprüche auf deine
Liebenswürdigkeit und deinen Verstand.

zoraide (mit selbstgefälligem Lächeln).  Sie gefallen mir.  Eine
schöne Schreibart; ich bin ganz zufrieden damit.

tutu (wiegt einige in der Hand).  Ah ja, sie sein recht gut, sein
recht gut.  Sein mitunter recht frische dabei, wie man jetzt
sagt: mit humoristischer Frische.

hassar.  Und nun erlaube auch, daß meine Schönheit es wagt,
dir auch eine Poesie zu übergeben.

zoraide.  Was ist es denn?

hassar.  Es ist eine Elegie auf deine Liebenswürdigkeit.

tutu.  Das hat er g’wiß wo abgeschrieben.  Das trau’ ich ihm
nicht zu, daß er eine Negligé machen kann, oder wie das
heißt.

hassar.  Herr, bei meiner Schönheit, ich hab’ es selbst verfaßt.

zoraide.  Genug, ich werd’ Ihm hernach schon etwas
schenken.  Tragt die Gedichte auf mein Gemach.  (Es
geschieht.)  Die Gaben hier hinein, ich werd’ sie bewachen.

ein sklave.  Herr, die Tafel ist bereit.

tutu.  Ah, du hast ein schönes Wort gesprochen.  (Laut zu
allen.)  Die Tafel ist bereit.

alle.  Ah!

tutu.  Komm, meine Tochter!  Der Geist hat seine Mahlzeit
eingenommen, jetzt wollen wir dem Magen auch eine
kleine Vorlesung halten.  Man folge uns!

(Alles geht ab, bis auf Hassar und die Tänzer.)

hassar.  Wenn ich die Hände klatsche, so beginnt der Tanz.



21.  szene

(linda.  vorige.)


linda (kommt mit zwei Tellern Feigen).  Hassar, lieber Hassar!

hassar.  Du Katze, du, wo steckst du denn?  Zoraide wird
deine Backen schön bewillkommnen, wenn du ihr vor die
Augen kommst.

linda.  Sei nur nicht böse, lieber Hassar.  Ich habe es schon
recht bereut, daß ich mich von dem Landstreicher
bezaubern ließ, dir abtrünnig zu werden.

hassar.  Nun, das ist dein Glück.  Was hast du denn da für
schöne Feigen?

linda.  Sie sind von unserm Hofgärtner und gehören nur für
Tutu und Zoraide.  Sie sind äußerst selten.  Trage sie auf
die Tafel, übergib sie nur unserem Herrn und der
Prinzessin; ich hoffe damit, sie wieder gut zu machen.

hassar.  Bei meiner Schönheit, das sind herrliche Feigen!  Da
will ich mich damit einschmeicheln; ich werde sagen, ich
habe sie selbst gepflanzt.

linda.  Nur geschwinde!

hassar.  Ja, ja, geh nur.

(Linda geht zurück.)

hassar.  Da muß ich ein Paar davon stibitzen.  (Er steckt zwei
Feigen ein.)  Das wird ein herrlicher Schmaus für meine
Schönheit sein.  (Ab ins chinesische Lusthaus.)

linda (geht hervor).  Wart, du Spitzbube, du wirst schön
ankommen.--Er kommt schon.  Nun?

hassar (kommt zurück).  Alles in Ordnung, Tutu hat eine
rasende Freude.

linda (für sich).  Es ist gelungen.  Jetzt zu meinem Geliebten.

(Hüpft ab.)

hassar.  Ihr sollt den Tanz beginnen.  (Klatscht.)  Jetzt werd’ ich
meine Feigen verzehren; daß mich niemand belauscht.

(Ab.)

(Großer Tanz, Gruppe.)



22.  szene

(zoraide.  vorige.  gefolge.)


zoraide (stürzt heraus; ihre Nase hat sich vergrößert, doch nur so,
wie man auf einem öffentlichen Ball eine falsche Nase als Maske
nimmt, durchaus nicht Karikatur.  Gleich darauf das Gefolge).
Hilfe!  Hilfe!  Was hab’ ich gesehen!  Es ist nicht möglich,
es muß ein Blendwerk sein.  Schaut mich nur an--wie seh’
ich denn aus?  (Die Tänzer alle erschrecken.)  Was ist das?
(Alles sucht das Lachen zu verbergen.)  Was, Spott?  Mich
ergreift der Wahnsinn.  Spiegel herbei!  (Man bringt einen
Spiegel, sie sieht sich hinein und fällt mit einem Schrei in
Ohnmacht.)



23.  szene

(vorige.  tutu.)


tutu (auch mit vergrößerter Nase).  Was ist denn geschehen?  Ich
sitz’ drinn ruhig bei meinen Feigen und schlummer’ ein
wenig, und auf einmal läuft alles fort.  (Alle lachen.)  Jetzt,
was soll denn das Lachen?  Sie ist ja ohnmächtig!  Tochter,
was ist dir denn?  (Eilt auf sie zu, prallt zurück.)  Himmel, wie
sieht die aus!  Ah, das ist a Spaß!  Ha, ha, ha!

zoraide (erwacht).  O ich unglückliches Madel!  (Weint.)  Wer
hat mir das getan?  (Sieht Tutu.)  Aber Papa!  Ha, ha, ha!

tutu.  Sie hat eine Freud’ d’rüber!  Ein g’spaßiges G’sicht hat
s’, mir g’fallt’s!

zoraide.  So sehen Sie sich doch in den Spiegel.  (Man hält ihm
einen vor.)

tutu.  Halt’s mich!  Mich trifft der Schlag!  G’schwind fort um
meinen Leibarzt.

zoraide.  Man hole alle Ärzte der Insel.

tutu.  Nur geschwind ein Konsilium.

(Man eilt ab.  Alles schnell.)

zoraide.  Ich ertrag’ es nicht.  Jetzt soll der Ball angehen.

tutu.  Ich unglücklicher Mann, ich bin verschandelt.

zoraide.  Das muß Zauberei sein.



24.  szene

(linda.  vorige.)


linda.  Gebieterin!  (Erschrickt.)  Ach, wie sehen Sie aus?

zoraide.  Aus meinen Augen, wenn dir die deinigen lieb sind.

linda (weint).  Ach, meine arme Gebieterin, was ist denn
geschehen?



25.  szene

(Der leibarzt.  vorige.)


alles (ruft).  Der Leibarzt kommt!

tutu und zoraide (zugleich).  Ach, helfen Sie uns.

leibarzt (erschrickt).  Vergib, mächtige Zoraide, da kann ich
nicht helfen.  Wo die Natur solche Bocksprünge macht,
hat meine Kunst geendet.

zoraide und tutu (zugleich).  Ich verzweifle!  Ich gehe durch.



26.  szene

(hassar.  vorige.)


hassar (auch mit einer großen Nase).  Mächtiger Tutu!
(Erschrickt.)  Alle guten Geister!  Was ist das?  Diese Nasen
--(Alle lachen.)

zoraide.  Halt Er sein Maul!  Untersteh’ Er sich nicht, unseren
Nasen was Schlechtes nachzureden.

tutu.  Er hat noch eine größere.

hassar (greift an die Nase).  Bei meiner Schönheit!  (Voll Angst.)
Das ist ein Hexenwerk.

tutu.  Was hat er melden wollen?

hassar.  Es ist ein außerordentlicher Arzt hier, der dich
sprechen will.

zoraide und tutu.  Wo?  Wo?

hassar.  Hier ist er schon.



27.  szene

(vorige.  quecksilber als Arzt, mit einer Art Flaschenkeller, in dem
sich das Wasser befindet.)


quecksilber.  Servus humilissimus!  Sie sehen in mir den
berühmten Arzt Barometrianus, der sich in allen Teilen
der Welt berühmt gemacht hat.  Von allen diesen
Weltteilen werd’ ich hernach schon die Ehre haben,
Ihnen verschiedene Geschichten zu erzählen.  Jetzt sagen
Sie mir, bin ich so glücklich, den mächt’gen Tutu vor mir
zu sehen?

tutu.  Bei mir können Sie jetzt nicht mehr fehlen, Sie dürfen
nur der Nasen nachgehen.

quecksilber.  Weil Sie gerade von der Nase sprechen, so
lassen Sie mich nicht vergessen, daß ich Ihnen hernach
eine Geschichte davon erzähle.  Hab’ ich die hohe Ehre,
meine Angebetete, in Ihnen die schöne Zoraide zu
bewundern?

zoraide (schluchzend).  Ja--ich--bin--die schöne--Zoraide.

quecksilber.  Hm!  Sie scheinen mir eine Gemütskrankheit zu
haben!  Das ist eine üble Krankheit, da könnt’ ich Ihnen
eine Geschichte erzählen, welche sich in Nordamerika
zugetragen hat.  Da war einmal ein Mann, der hat
siebenundzwanzig Töchter gehabt.  Jetzt will ich Ihnen nur
in der Geschwindigkeit die Geschichten aller dieser
Töchter erzählen.

tutu.  Verzeihen Sie, wir werden ein anders Mal darum bitten.
Wir wünschten zuerst Ihren Rat zu hören.

quecksilber.  Hören Sie, weil Sie gerade vom Rat sprechen,
erlauben Sie, da fällt mir auch eine prächtige Geschichte
ein, an deren Erzählung mich aber die Bemerkung
hindert, daß Ihre Nasen sich in einer etwas massiven
Form produzieren, darum entsteht die große Frage, ob
Sie schon sind damit auf die Welt gekommen oder ob sich
das erst kürzlich ereignet hat.

zoraide.  Das ist ein langweiliger Mensch!  Ja, ja, erst vor
kurzem.  Helfen Sie uns nur.

quecksilber.  Gut also!  Da kann ich Ihnen zum Troste sagen,
daß Sie nicht die einzigen Menschen auf der Welt sind,
welche große Nasen haben.  Es gibt Leute, welche sich auf
der Nase herumtanzen lassen.  Warten Sie, da werde ich
Ihnen eine Geschichte erzählen.  Vor vielen tausend
Jahren hat einmal ein Mann gelebt.  Der hat einen Pudel
gehabt--

tutu.  Können Sie uns kurieren oder nicht?--Nur das wollen
wir wissen.

quecksilber.  Erlauben Sie, wie können Sie sich unterstehen,
daran zu zweifeln?  Ich kuriere Sie, und wenn Ihre Nase so
groß wäre wie der Cimborasso in Amerika, das ist der
höchste Berg der Welt.  Ihre Nasen müssen nach den
Regeln des Aristoteles kuriert werden--

zoraide.  Das ist uns alles eins--

quecksilber.  Erlauben Sie, das ist nicht alles eins!  Darüber
werd’ ich Ihnen eine Geschichte erzählen.  Hippokrates
und Galenus haben darüber ganze Ries Papiere
verschrieben, weil auf der Universität die Streitfrage
entstanden ist, ob der Mensch die Nase mitten im Gesicht
hätte oder nicht.

tutu.  Aber wir kennen ja die Herren nicht.

quecksilber.  Hippokrates war ein berühmter Apotheker zu
Straubing und Galenus ein großer Regimentsarzt bei den
chinesischen Truppen.  Nun haben Sie nur die Güte, mir
Ihren Puls fühlen zu lassen.

tutu.  Aber was hat der Puls mit unsern Nasen zu tun?

quecksilber.  Erlauben Sie!  Alles in der Natur steht
miteinander in Verbindung.  So hat auch Ihre Gurgel
Einfluß auf Ihren Magen, die Hände auf die Backen, der
Mund auf die Füße.  Ich will Ihnen gleich einen Beweis
geben, daß der Mund die Füße in Bewegung setzen kann.
Ich habe zum Beispiel über einen ein loses Maul; und er
nimmt einen Stock und prügelt mich tüchtig durch, so
bleibt mir nichts übrig, als davonzulaufen.  Also war mein
Mund daran schuld, daß sich meine Füße in Bewegung
gesetzt haben.

tutu.  Aber wir reden ja von keinen Prügeln.

quecksilber.  Erlauben Sie, ich rede aber sehr gerne von
Prügeln.  Da werde ich Ihnen nur geschwinde eine kleine
Geschichte erzählen--

zoraide.  Nein, das ist nicht zum Aushalten!  Jetzt hören S’
einmal mit Ihren G’schichten auf, wir wollen aber keine
G’schichten hören.  Unsere Nasen ist die unglücklichste
G’schicht, die man erleben kann.

quecksilber.  Sie wollen also Ihre Nase verlieren?  Warum
haben Sie das nicht gleich gesagt?  (Zu Tutu.)  Trinken Sie
hier aus dieser Flasche.

zoraide.  Nun endlich bringt er einmal was heraus.

tutu.  Da bin ich kurios.  (Er trinkt, die Nase verschwindet.)

quecksilber.  Na?  Na?  Was sagen Sie jetzt?  Die große Nase ist
fort!

tutu.  Meiner Seel’!

alle.  Wunder über Wunder!

tutu.  O Sie goldener Doktor, das ist die schönste G’schicht’,
die Sie mir noch erzählt haben.

zoraide.  Ist’s möglich?  O Sie lieb’s Mannerl, mir auch!  Nur
g’schwind, nur g’schwind’!

quecksilber.  Da sollt’ ich Ihnen doch vorher noch eine Ge–

zoraide (hält ihm den Mund zu).  Nicht!--Nicht!--Gut’s
Mannerl sein;--keine G’schichterl erzählerl--trinkerl
lassen.

quecksilber (für sich).  Der gib ich nur ein Brunnwasser, das
hilft nicht.  (Laut.)  Da trinken Sie auf die Gesundheit Ihrer
Nase.

zoraide.  Es lebe die Schönheit!  (Sie trinkt.)

hassar (verbeugt sich).  Gratias!

zoraide.  Nun?  (Es wirkt nicht.)  Es hilft ja nicht.

quecksilber.  Trinken Sie noch einmal.

zoraide (trinkt).  Es hilft nicht!  Es ist umsonst.

tutu.  Sie laßt nicht nach, die Nasen.

quecksilber.  Ich begreife nicht, die Nase muß eine besondere
Anhänglichkeit an Sie haben.  Ich bin so betroffen, daß
mir nicht einmal eine Geschichte einfallt, womit ich Sie
trösten könnte.

zoraide.  Und ich muß meine Schönheit wieder haben!  Sie
müssen mir helfen.

quecksilber.  Wenn ich nur wüßte, wie?  Das ist das einzige
Mittel.  Erlauben Sie, besitzen Sie vielleicht einen
Talisman, der durch die Macht seines Besitzes meinen
magischen Kräften entgegenstrebt?  Den müssen Sie von
sich werfen.

zoraide.  Wie?  Meine Zaubergaben?

quecksilber.  Die müssen Sie verschenken.

zoraide.  Das ist unmöglich.

quecksilber.  So kann Ihnen auch nicht geholfen werden.

zoraide.  Was soll ich machen?

tutu.  Wirf s’ weg.

zoraide (entschlossen).  Wohlan, ich will meinen Reizen auch
dieses Opfer bringen.  (Zieht einen Schlüssel aus dem Busen
und eilt ab.)

tutu.  Das ist eine verwickelte Sach’.

quecksilber.  Sie wird schon klar werden.  Ich werd’ Ihnen
noch kuriose Geschichten erzählen.

zoraide (bringt die Gaben).  Wohlan, hier liegen sie.  Wenn du
mir meine vorige Gestalt wieder verschaffst, so gehören
sie dir.

quecksilber (reißt die Gaben von der Erde auf).  Sie g’hören auch
mein.  (Er bläst ins Horn, wirft die Maske ab.  Ideale Krieger
erscheinen.  Nur einige Takte Musik.)  Schützt mich!--Kennen
Sie mich?  Aus dem Quacksalber ist der Quecksilber
geworden.  Ich nehm’ zurück, um was Sie mich betrogen
haben, und Ihnen lass’ ich Ihr falsches Herz und Ihre
große Nase.

tutu.  Da hast es!  Jetzt sind wir im klaren.

zoraide (kann sich kaum fassen).  Also so wär ich betrogen, und
von Ihnen?  Von einem Menschen, von dem man nicht
weiß, ob er einen Kopf oder eine Wassermelone zwischen
den Schultern hat.  Hoffen Sie Ihren Namen auch einmal
in dem Buche der Menschheit zu lesen: Nein, ein
eingebogenes Eselohr wird statt dessen zu sehen sein.
Diese bescheidene Nase so zu multiplizieren.  O wendet
euch weg, ihr Elemente (auf ihre Nase deutend), von dieser
ausgearteten Tochter der Natur!
Verstumm, o Muse, die du sie besingest,
Donner, die ihr sie umbrauset,
Winde, die ihr sie umsauset,
Sonne, die du sie beleuchtest,
Regen, der du sie befeuchtest.
Tyrannisch soll sie in dem Reiche der Schönheit
herrschen.  Alle Spiegel müssen ihr zum Opfer fallen; in
einen Maskenball will ich diese Insel gestalten, und alle
Schönen müssen solche Nasen tragen, nur will ich mich in
eine Camera obscura verschließen und Rache brüten über
dich, du Nasenfabrikant.  (Wütend ab.)

quecksilber.  Linderl, du hast deine Sache g’scheit gemacht;
mir sein a Paar.

linda.  Nun, das ist ein Glück, daß du Wort haltst.

tutu.  Sein wir gut.  Seit Sie das Staberl wieder haben, hab’ ich
eine ordentliche Lieb’ zu Ihnen g’faßt.  Vielleicht ist die
Kur für meine Tochter just gut.

hassar (kniet nieder).  Euer Gnaden!  Ich bin auch noch eine
Partei, die im schmeckenden Wurmhof logieret.

quecksilber.  Na, da nimm das Wasser und trink dir einen
Rausch.  (Gibt ihm von dem Zaubertrank.)

hassar.  Gratias!  Meine Schönheit ist gerettet.  (Eilt ab.)

quecksilber.  Vivat!  Jetzt zeigt mein Barometer auf
Schönwetter.  Die Fee hat mir diese Gaben auf meine
ganze Lebenszeit geschenkt.  Morgen verlassen wir Ihre
Insel, aber heut’ will ich meine Verlobung noch hier auf
goldnen Hügeln feiern.  Linderl, du hast dir bei mir
goldene Berg’ versprochen, du sollst sie haben.

(Er winkt, die Szene verwandelt sich in goldene Hügel mit
silbernen Quellen.  Auf dem mittleren größten erhebt sich ein
silberner Tempel mit einem Opferaltar, wobei Hymen mit der
Fackel steht; Genien gruppieren sich auf den Hügeln.  Die
Kulissen bilden Bäume mit goldenen Früchten.  Das Ganze
bildet ein imposantes Tableau.)

(Schlußgesang)

Man muß stets lustig sein,
Und sich des Lebens freu’n,
Außer man hat kein Geld,
Nachher ist’s freilich g’fehlt.
Hab’ ich nicht recht?
Nu, wenn S’ erlaub’n!
D’Madeln sind freundlich gern,
B’sonders mit jungen Herr’n;
Liebt eine nur nicht zwei,
Bleibt ihr Herz einem treu.
Hab’ ich nicht recht?
Nu, wenn S’ erlaub’n!
D’ Weiber sind manchmal bös’,
Machen oft viel Getös’;
Und wenn man widerspricht,
Weiß man schon, was oft g’schicht.
Hab’ ich nicht recht?
Nu, wenn S’ erlaub’n!
D’Männer sind gar superb.
Die hab’n schon ’s schönste G’werb,
Wie s’ wo ein Madel sehn,
Bleib’n s’ auf kein Fleck mehr stehn.
Hab’ ich nicht recht?
Nu, wenn S’ erlaub’n!
Mir geht’s heut’ gar nicht schlecht,
Alle Tag wär’s so recht,
’s wird doch was Schönes sein,
Wenn man brav Geld nimmt ein.
Hab’ ich nicht recht?
Nu, wenn S’ erlaub’n!

(Der Vorhang fällt.)


Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Der Barometermacher auf
der Zauberinsel, von Ferdinand Raimund.










End of the Project Gutenberg EBook of Der Barometermacher auf der Zauberinsel, by 
Ferdinand Raimund

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BAROMETERMACHER AUF DER ZAUBERINSEL ***

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Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     www.gutenberg.org

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including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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